Rr 282 Der frkfcenet Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme drS Montags. Die Gichener A«mitie«6tLtter «erden dem Anzeiger ^Wöchentlich dreimal beigelegt. 5894 Erstes Blatt. Samstag den 1. December Gießener Anzeig er Kenerat-Mnzeiger. vierteljähriger Avonnemeutsprelsr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. >j Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Psg. Redaction, Expeditiotf und Druckerei: Schntftratze Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieszen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. | Deutscher Reich Darmstadt, 29. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog sowohl wie Jhre'Majestäten der Kaiser «nd die Kaiserin von Rußland haben in sehr gnädiger Weise für die ihnen telegraphisch vermittelten Glückwünsche der Stadt ihren Dank ausgesprochen. Berlin, 29. November. Der letzte Monat des Jahres ist gekommen, er, der namentlich für die deutschen Laude das köstlichste und beseeligendste Fest der Christenheit in seinem Schooße birgt. Dennoch wird gerade der diesjährige Christmonat für uns Deutsche von besonderer politischer Wichtigkeit werden, da er uns mit der am nächsten Mittwoch erfolgenden Eröffnung des Reichstages neue bewegte politische Zeiten bringt. Denn das Reichs- Parlament findet sich diesmal bei seinem Zusammentritte ganz veränderten Verhältnissen gegenüber, im Reiche und in Preußen find inzwischen neue Männer ans Ruder gekommen und bald wird es sich nun zeigen müssen, ob und wie das Regime Hohenlohe und das Parlament mit einander aus- zukommen gedenken. Gelegenheit zu gegenseitiger Aussprache ist in dem Sessionsabschnitt bis Weihnachten schon hinlänglich gegeben, nachdem jetzt vom „Reichsanzeiger" selber erklärt worden ist, es würden dem Reichstage bet seinem Zusammen- tritte nicht nur die „Umsturz-Vorlage", sondern auch alle übrigen bis dahin sertiggestellten BerathungSstoffe, namentlich aber der Etat, zugehen. Schon die Generaldebatte über das Gesetz gegen die Umsturzbeftrebungen und über den Etat werden ein erstmaliges Licht auf die neue Lage werfen, der Reichskanzler Fürst Hohenlohe dürfte hierbei sein Programm zeichnen und die Reichstagsparteien ihrerseits können sich äußern, inwieweit sie wohl zur Unterstützung des „neuesten CurseS" bereit find. Die weitere Entwickelung der Dinge, von welcher Pessimisten schon eine kommende politische Katastrophe in Gestalt einer Reichstagsauflösung befürchten, bleibt dann eben abzuwarten. — Angesichts deS herangenahten Tages des Zusammentrittes deS Reichstages sind nun auch die amtlichen Bekanntmachungen über die Feierlichkeiten bei der Eröffnung des Parlamentes ergangen. Dieselbe findet am 5. December IP/2 Uhr Mittags im Rittersaale des Berliner Restdenzschlosses statt, dem EröffnungSacte gehen die üblichen Gottesdienste für die Mitglieder des Bundes- rathes und des Reichstages voran. Im unmittelbaren Anschluffe an die Eröffnungsceremonien findet die feierliche Einweihung des neuen Reichstagsgebäudes unter Theilnahme deS Kaisers und der Kaiserin nach dem hierzu bereits bekannt gegebenen Programm statt. — Der Kaiser hat der am Donnerstag in Weimar ftattgefundenen Beisetzung der Leiche des Erbgroß- herzogS Carl August, entgegen seiner ursprünglichen Abficht, nicht beigewohnt. Eine plötzlich aufgetretene leichte Erkältung veranlaßte den Monarchen, noch in letzter Stunde auf die Reise nach Weimar zu verzichten und aus gleichem Grunde auch den geplanten Jagdausflug nach Kuchelna in Oberschlesien aufzugeben. Dagegen nahmen an den Beisetzungsfeierlichkeiten in Weimar der König Albert, sowie Prinz Georg von Sachsen, ferner der Prinz Friedrich von Hohenzollern als Vertreter des Kaisers, der Prinz- Regent von Braunschweig, der Herzog von Altenburg, der Fürst von Waldeck, der Erbgroßherzog von Baden, die Erbprinzen von Coburg, Meiningen und Reuß j. L. usw. Theil. Att-laird. Graz, 29. November. Die hiesigen Reichsangehörigen sandten dem Fürsten Bismarck folgendes Telegramm: „Die in Graz lebenden Angehörigen des Deutschen Reiches übersenden dem alloerehrten Begründer der Einheit und Größe ihres Vaterlandes den Ausdruck der aufrichtigsten und schmerzlichsten Theilnahme." Belgrad, 29. November. Die in Serbien wahrgenommenen Erderschütterungen erstreckten sich auch nack Macedonien und wurden ebenfalls in Saloniki verspürt. Nerrefte Wolff» t-tegr»phisches Correfpondenz- Bureau. Berlin, 29. November. Der Bundesrath stimmte der sogenannten Umsturzvorlage zu. Berlin, 29. November. Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet: Die Berathungen über die Börsenreform- »orlage zwischen den Commiffarien des Reichsamts des Innern, des Reichsjusttzamts und des preußischen Handels- Ministeriums sind nunmehr abgeschloffen. Der Gesetzentwurf mtisöeikage: Hießener Iamilienölättt geht in der jetzigen Formultruog zunäckü an daS preußische Staatsministerium- wie dieses sich zur Frage stellt, ist einst- weilen nicht bekannt. Berlin, 29. November. Der „Post" zufolge stimmte der Bundesrath dem vom Reichstag angenommenen Antrag zu, wonach den Offizieren und Mannschaften, die 1870/71 infolge Verwundung der Anrechnung eines zweiten Kriegsjahres verlustig gingen, der PensionsauSsall erstattet werde. Eine entsprechende Novelle zum Pensionsgesetz ist im Kriegsministerium ausgearbeitet und geht dem Reichstage im Laufe der Sessian zn. — Die „Post" hört weiter, daß die Meldung, es sei beabsichtigt, die kleinen Cavallerie - Garnisonen mit nur einer oder zwei EscadronS ganz aufzuheben, nicht richtig fei- eine solche Absicht bestehe bet der Militärverwaltung nicht. Desgleichen meldet das genannte Blatt, daß die Gerüchte über eine geplante Veränderung in der Verpslegung der Soldaten unbegründet seien. Die Gerüchte beruhen auf der irrthümlichen Nachricht, daß die zur Durchführung der Maßregel erforderlichen Geldmittel im nächsten Etat eingestellt seien- der Emt erhalte eine solche Forderung nicht. Berlin, 29. November. Die „Nationallib. CorresP." meldet, daß der Reichstagsabgeordnete Leuß sein Mandat ntederlegte. t r , Barzin, 29. November. Die Beisetzung der Fürstin Bismarck nahm einen würdigen Verlauf. Außer der ge- sammten Familie waren Schweninger, die Beamten und daS Forstpersonal des Fürsten, sowie Bewohner von Varzin bei der Feier zugegen. Im Arbeitszimmer der Fürstin war der Katafalk aufgebaut, an d m Prediger Schumann (Wusiow) die Leichenrede hielt. Der Sarg wurde sodann von sechs Förstern und sechs Jnspectoren in daS Gartenhaus getragen, wo er interimistisch ausgebahrt wurde. Der Fürst folgte dem Sarge am Arme der Gräfin Rantzau, unmittelbar dahinter Schweninger. Der Fürst, der bereits am Vormittag allein einen Spaziergang nach dem Park unternommen hatte, schritt rüstig einher. Leipzig, 29. November. DaS Reichsgericht verwarf die Revision Schröder- vom Bankverein Stegen, der am 16. Juni wegen Vergehens gegen daS Actiengesetz ver- urtheilt worden war. Weimar, 29. November. Den Leichenzug, der um 11 Uhr begann, eröffnete Militär und Musik, es folgten die Hofdiener, Hofstaaten und die Geistlichkeit. Vor dem acht- spännigen Leichenwagen trug der Generaladjutant Graf Henckel auf einem Kissen die Weimarischen Hausorden, mehrere Offiziere trugen die anderen Ordensinsignien des Verstorbenen. Hinter dem Wagen schritten der Erbgroßherzog zwischen dem Prinzen Friedrich und dem König von Sachsen, darauf die Fürstlichkeiten, Leidtragende, Mtlitärdeputationen, Staats- minifterium, Hofstaaten, Offiziere und Beamte. In den trauergeschmückten Straßen bildeten die Kriegervereine mit Fahnen Spalier. Um IP/2 Uhr wurde der Sarg in die Fürftengrust versenkt. Der Großherzog war aus Gesundheitsrücksichten der Feier ferngeblieben. Paris. 29. November. Eine Note der „Agence Havas" lautet: Gewisse Zeitungen fahren fort1, in, die militärische Spionage behandelnden Artikeln die fremden Botschaften und Gesandtschaften in Paris in diese Angelegenheit hineinzuziehen. Wir find zu der Erklärung ermächtigt, daß die betreffenden Angaben völlig unbegründet sind. Depeschen der Brrre-n »Herold*. Berlin, 29. November. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge sind die Berathungen über die Börsenreformvorlage zwischen den Commiffarien des Reichsamts des Innern, des Reichsjustizamts, des Retchsbankpräsidiums und des Handelsministeriums nunmehr abgeschlossen. Der Gesetzentwurf geht zunächst an das Staatsministerium. Berlin, 29. November. Das Staatsmtnisterium sandte gestern an den Fürsten Bismarck ein herzliches Condolenztelegramm, worauf der Fürst telegraphisch seinen Dank aussprach. Berlin, 29. November. Die „Boff. Ztg." bezeichnet die Blättermeldung, wonach der Director der Colonialabtheilung, Geheimer Legationsrath v. Kayser, im Reichsdienft für Elsaß-Lothringen Verwendung finden sollte, als unzutreffend. Ebenso sind sonstige Personalveränderungen innerhalb der Colonialabtheilung nicht zu erwarten. Berlin, 29. November. Der Assistent Virchows, Privat- docent Hansemann, hielt in der gestrigen Sitzung der Berliner medictnischen Gesellschaft einen Vortrag über Diphtherie und Heilserum. Redner übte eine scharfe Kritik an der ganzen Bering'schen Serum-Therapie «nd be- , Alle Annoncen-Bureaux bc5 In- und Auslandes nehme« -• Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgege«. dauerte, daß jetzt auch die leichteren Diphtheriefälle gleich in die Krankenhäuser zum Spritzen geschickt werden. Er hält das Heilserum für kein specifisches Mittel gegen die Diphtherie und verweist auf die Folgen: nesselartige HautauS- chläge mit schweren Blutungen unter der Haut, Geleuk- chmerzen, Benommenheit, Herzschwäche, Nierenentzündung mit Eiweißausscheidung, welche die Anwendung nach sich zogen. Berlin, 29. November. DaS „Berl. Tageblatt" meldet aus London, daß nach Meldungen aus Odessa der Gesundheitszustand des Großsürsten Georg sich derart ver- cklimmert hat, daß man das Schlimmste befürchtet. Berlin, 29. November. Im heutigen „Vorwärts" ver- ichert Liebknecht der „Münchener Post", daß er den Streitfall nicht als einen tacttschen betrachte. Nicht etwa die Agrarfrage, auch nicht die Abstimmung in dem Landtage hätten die Erregung verursacht, sondern nur die Annahme, Bebel habe in seiner Rede ein Pronuvciamento gegen den Parteitag und zur Errichtung einer persönlichen Dictatnr verfolgt. Auch ihn hätte der Ton und ein Theil des Inhalt» dieser Rede mißfallen. Die Annahme, Bebel wolle Dictator spielen, sei unfinnig. Berlin, 29. November. Prinz Friedrich Leopold von Preußen hat sich eine leichte Erkältung zugezogen und konnte infolge dessen nicht in Vertretung des Kaisers zu den Beisetzungsfeierlichkeiten nach Weimar abreisen. Demzufolge beauftragte der Kaiser den Prinzen Friedrich von Hohenzollern, commandirenden General deS dritten Armeecorps, mit seiner Vertretung in Weimar. Der Prinz hat sich zu diesem Zwecke gestern Abend dorthin begeben. Berlin, 29. November. Die Präsidentenwahl im Reichstage wird in der zweiten Plenarsitzung vollzogen werden. Man ist in maßgebenden parlamentarischen Kreisen schon jetzt der Ansicht, daß die Wiederwahl deS früheren Präsidiums (v. Levetzow, Frhr. v. Buol, Dr. Bürklin) stattfinden wird. Varzin, 29. November. Die Beisetzung der Fürstin Bismarck hat heute Nachmittag im engsten Familienkreise stattgefunden. Das Gartenhaus, worin der Sarg bis zur Uebcrführung nach Schönhausen aufgestellt war, war unter Oberleitung deS Försters Westphal in eine Leichencapelle umgewandelt. Pastor Schumann aus Wuffow vollzog die kirchliche Handlung. Es find bereits an 800 Beileidstelegramme eingegangen. Frankfurt a. M., 29. November. Die Fernsprech- linjie Frankfurt a. M.-Berlin wird Anfang nächster Woche eröffnet. Nürnberg, 29. November. Gestern Abend fand hier eine sehr zahlreich besuchte socialtstische Parteiversammlung statt. Reichstagsabgeordneter Grillenberger hielt eine 21/2ftünblßc Rede, in der er sich in eingehender und großen Eindruck hervorrufender Weise über den focia- listischen Parteistreit aussprach. Nach Beendigung der Rede kam eS zu lebhaften Discussionen, in denen besonders die prtncipielle Seite der Sache erörtert wurde. Die Versammlung gab hierbei auch dem Zweifel an der Richtigkeit der Vollmar'schen Taktik Ausdruck und wurde alsdann gegen Mitternacht auf nächsten Sonntag vertagt. Liffabou, 29. November. Das „Amtsblatt" beröffeutlicht ein Decret, wonach die Cortes heute geschloffen wurden. London, 29. November. Der „Limes" geht eine Meldung aus Chesou zu, wonach der Admiral Freemantle mit fünfzig Osfizieren in Port Arthur ans Land gestiegen ist. — Leider bestätigt es sich, daß von den Chinesen, sowie von de« Japanern anläßlich der Einnahme Port Arthurs die größten Grausamkeiten verübt worden sind. Als die Japaner die verstümmelten Leichen ihrer Landsleute vorfanden, metzelte« sie Alles, was ihnen in den Weg kam, nieder. Loudon, 29. November. Die Chinesen boten vierzig Millionen Pfund Sterling Kriegsentschädigung, die Japaner verlangen jedoch fünfzig Millionen, sowie Rückerstattung aller Kriegskosten. Loudon, 29. November. Aus Tokio wird berichtet, daß der chinesische Specialgesandte, welcher mit der japanischen Regierung in Unterhandlungen treten sollte, nach Tientsin zurückgekehrt ist, da der japanische Premierminister es ab- gelehot hat, mit einer Persönlichkeit, welche ihm im Range nicht gleichsteht, zu unterhandeln. Im Uebrigen erklärte die japanische Regierung sich bereit, annehmbare Friedensvorschläge acceptiren zu wollen. Petersburg, 29. November. Der Kriegsminister Wann o ws ki soll vom C zaren im Privatgespräch auf da- Herzlichste ersucht worden sein, die Gedanken an seinen Rücktritt aufzugeben. 9544 Marktstr. 4 A«Uiche Prüfung der Lichtstärke des Leuchtgases^ Vorschriftsmäßige Lichtstärke bei 150 Liter stündlichem Gasverbrauch 13 bis 15 deutsche Vereins-Paraffinkerzen. Monat November 1894: 13y2 Kerzen. Buchner. *• Oberhessischer Geschichtsvereiu. Die Abendsitzung am 29- November im Saale des Cafe Balzer versammelte zum erstenmale im Winter wieder die Vereinsmitglieder. Herr Oberbibliothekar Dr. Haupt eröffnete dieselbe mit Hinweis auf die jüngsten freudigen Familienereignisse in unserem Fürstenhause und erhob sich die Versammlung zum Zeichen threr freudigen Theilnahme. Die Rechnungsablage ergab einen beträchtlichen Ueberschuß der Einnahme, die aber zum großen Theil durch den Druck des neuen Bandes Mit- theilungen verbraucht werden wird. Auch die Muschenheimer Ausgrabungen werden eine nicht unbeträchtliche Summe fordern. Der seitherige Vorstand wurde durch Zustimmung wiedergewählt- für ein ausgetretenes Mitglied trat Herr LandgerichtSrath vr. Schäfer ein. Hierauf hielt Herr Custos JJr. Martinsen seinen angekündigten Vortrag über die Familie von Senkenberg. Wir werden auf denselben zurückkommen und bemerken nur, daß sich daran eine längere, in verschiedenen Punkten höchst interessante Besprechung knüpfte. Der Vorsitzende vr. Haupt erwähnte dann noch verschiedene neue Beobachtungen über den Bau des Pfahlgrabens und die Verpfählung an der äußersten Grenzseite, die an verschiedenen Stellen des bayerischen Limes nachgewiesen wurde. Auch regte er die Frage an, ob die „Ochsenwiese" bei Rödgen nicht mit der Wüstung Ursenheim, die sich im Namen des Districts Ursulum erhalten hat, in Verbindung zu bringen sei. Auch darüber wurden von verschiedenen Seiten verschiedene Meinungen laut. Herr Prof. Buchner erwähnte zum Schluß eine Anzahl von Neuerwerbungen für das Museum im Laufe des letzten Sommers. Außer einer größeren Anzahl von römischen und fränkischen Gegenständen aus der Gegend von Mainz fanden sich beim Brückenbau bet Odenhausen (Lumda) Hufeisen u. dgl., sowie eine eigenthümliche fränkische Sichel, die von Herrn Lehrer Schweitzer-Odenhausen dem Museum überwiesen wurden. Die Direction des Gas- und Waffer- werks Gießen überließ eine Anzahl Funde, die gelegentlich der Rohrlegung von Queckborn hierher gemacht wurden, darunter Hufeisen, einen Sporn, eine vergoldete Pferdektnnkette und einen großen geradklingigen Säbel mit etwas verdrücktem «orb. Noch viel besser erhalten ist eine andere Hiebwaffe, wohl aus dem 30jährigen Krieg, die aus der Horloff ausgebaggert und von Herrn Kraus in Bettenhausen geschenkt wurde. Herr Borger fand auf der Schönen Aussicht tief in der Erde ein Jagdmesser mit sehr schönem geschnitztem Reh- stangengrifst Aus einer alten eingesessenen Gießener Familie stammt ein Mangbrett,eingelegt und künstlich gearbeitet von 1674. Von Jutereffe war auch das sehr bescheidene Colleghest eines Bankgeschäft Giessen | -g. Das gestrige dritte Abonnements Covcert der hiesigen I Regimentsmusik war sehr gut besucht und von schönem Erfolg I begleitet. Das Programm bot als erste Nummer Beethovens I Eroika - Sinfonie, welcher in ausgewählter Folge Wagner, I Mozart, Chopin, Leoncavalla u. A. folgten. Als Solist I ließ sich Herr Christel auf der Flöte in „Variationen" I von Heinemann hören. Die Technik ist recht bedeutend, der I Ton läßt jedoch manche Härten markant hervortreten, die I Zum Theil den Schwierigkeiten des gewählten Themas, so I namentlich im vorletzten Theil, zuzuschreiben sind. Den I Schluß des Programms machte Liszts brillante „Ungarische Rhapsodie", deren Wiedergabe zu dem Besten des Abends gerechnet werden darf. Den reichen Betfallsbezeugungen wurde Herr Musikdirector Krauß e durch Einlage eines reizenden Walzer-Intermezzos, welches dacapo verlangt wurde, sowie durch den Marsch „Unter dem Doppel - Adler" in dankenswerther Weise gerecht. ** Verunglückter Offizier. Der in einem Theile der vorigen Nummer enthaltenen Meldung von dem tödtlichen Sturz eines Offiziers des hiesigen Regiments fügen wir heute an, daß dec Verunglückte der Premterlieutenant und Bataillonsadjutant G. v. Klipsteiu ist. Derselbe beteiligte fit an einem von einer Anzahl Kameraden veranstaltetcn Schnitzelrennen, kam zu Fall und schlug derart mit dem Kopfe auf den Erdboden, daß ihm der Schädel eingedrückt wurde. Der Tod des allgemein beliebten Offiziers, welchen man in die alte Klinik verbrachte, trat nach 2 Stunden ein. Das Pferd lief mit herabhängendem Sattel die Grünberger- straße herunter und wurde erst am Ludwigsplatze aufgefangen. ** Zum Eiseubahnunfall in Betzdorf, über welchen wir bereits berichteten, theilt die „Betzdorfer Zeitung" weiter Folgendes mit. „Gestern Abend 7 Uhr fuhren auf hiesigem Güterbahnhofe zwei Züge aufeinander, eine Rangir-Abtheilung lief mit vollem Dampf auf den von Köln einfahrenden Güterzug. Menschenleben sind wunderbarer Weise nicht um- gekommen. Der Materialschaden ist ein ungeheurer. Die Einfahrtsgeleise waren und sind heute noch gesperrt. Die Personenzüge von unten mußten auf Block Scheuerfeld in ein anderes Geleise umsetzen. — Die Unfallstelle befindet sich unweit der Wohnung des Herrn Rohrmann. Dieselbe bot gestern Abend ein gräßliches Bild der Zerstörung, dreizehn Wagen waren entgleist und lagen in- und aufeinander da. Die zwei Maschinen saßen aneinander, wie zwei sich Umarmende: die Puffer der einen hatten sich in die der anderen gedrückt- im Uebrtgen standen beide Maschinen noch auf dem Geleise, die letzte Achse der Rangirmaschine allerdings war entgleist. Der Verwüstungsgreuel fing erst hinter den Maschinen an. Zu Glück lief der von Köln kommende Güterzug in seinem Hinteren Theile leer, sonst wäre der Schaden ein größerer gewesen. Wie schon gesagt, ist ein Menschen, ^ben durch den Unfall nicht in Verlust gekommen, noch gefährdet worden, wohl aber wurden von dem Personal des Güterzuges, welches in Deutz stationirt ist, fünf Mann leicht verwundet. Der Lokomotivführer und der Heizer trugen einige Schrammen davon, die Jnsaffen des Packwagens er- «/.L/’a °" Die schwerste Verwundung ist die eines Bremsers, der am Kopf verletzt wurde und eine Aussetzung der Schulter davontrug. Der Bremser eines Wagens, der unter den voraufgehenden gepreßt worden war, hatte sich bei dem unheilankündenden Pfiff der beiden Maschinen durch eine* Maschinenpersonal der Raugir- 59?C^tQnb QU^ bcm Locomotivführer Aepfelbach und Heizer Juckwer von hier, die äußere und, soweit zu sehen, s^rletzungen nicht davon getragen zu haben. Ueber hPrhnr mbe6 f° gnädig Und WU*. b l" atif Menschenleben ausgefallen ist, erfahre« § ^/selbe nur durch das frühzeitige Ziehen des Ein- fayrtssignals geschehen konnte- letzteres wurde von einem be- eideten Rottenarbeiter bedient, der diesen Posten zum ersten- Die Rangtrabtheilung sollte durch das Ein- sahrtsgebaude noch schräg auf den Rangirkopf fahren, bevor die Einfahrt gegeben wurde und als nun das Signal stand, trafen sich beide Züge im selben Geleise. Wie wir ferner hören, ist für den ^erweiterten Bahnhof die Vermehrung des Assistentenpersonals beantragt gewesen, was indeß abgeschlagen worden ist." ö ö ** Grobherzogs Geburtstag. Die in Folge der Hoftrauer und des Todtenfeftes verschobene militärische Feier Geburtstages unseres Landesherrn und seiner hohen Gemahlin wurde heute begangen. Nach der vom Musikcorps und den Spielleuten des Regiments ausgeführten Reveille wurde um halb 8 Uhr vom Thurme der Stadtkirche ein Choral geblasen. Um halb 10 Uhr fand Militärgottesdienst in der Stadtkirche statt. Für die Mannschaften des Regt mentS find die üblichen Festlichkeiten vorgesehen. Ein Festmahl der Offiziere und der Vertreter der Behörden fand um halb 2 Uhr im Saale des Gesellschaftsvereins statt. ** Die Gießener Wasserleitung erhält mit dem nunmehr ferttggeftellten Queckborner Quellenanschluß eine bedeutende Erweiterung. Für Gießen bietet sich sonach die Aussicht, daß es für die Folge von Waffermangel, wie er rn den zwei letzten Sommern sich fühlbar machte, verschont 1 bleibt. In Anbetracht der Wichtigkeit einer geregelte Wasserversorgung für unsere Stadt kann wohl der Tag, an welchem die neue Leitung ihren Anschluß findet, als ein besonders freudiger bezeichnet werden. Wir nahmen bisher immer Veranlassung, die für die Stadt bemerkenswerthen freudigen I Ereignisse unsererseits durch eine Extra-Ausgabe des! „Greßener Anzeiger" zu feiern, und so erschien uns! auch die Erweiterung der hiesigen Wasserleitung einer Extra- | Ausgabe würdig. Wir legen dieselbe der vorliegenden | Rümmer bet und hoffen, daß sie unseren geehrten Lesern als em von berufener Feder gebotener Führer durch das Leitungsgebiet wie als kurze Geschichte der Entwickelung unserer Wasserversorgung willkommen sein wird. — Die »sfictelle Betriebs Uebergabe der Queckborner Leitung findet am 6. December statt. Es sind dazu Seitens der Bürgermeisterei eine Anzahl Einladungen ergangen und ist das Programm wie folgt zusammengeftellt: Vormittags 9 1709 bis 1711, in dem 1) ein Wintercoll-g , • über die gelehrten Schulen nach dem Alphabet geordnet und j litten leichte Stöße. : t 2) ein solches über die Ketzerlehrer in den verschiedenen ~ ■ Jahrhunderten aufgezählt find. Da auch Calvin und Zwingli j unter denselben oufgesührt werden, rührt das Heft offenbar | von einem lutherischen Theologen her. — Herzlichen Dank j allen freundlichen Gebern. Darauf wurde die Sitzung geschlossen. 8 ** Vortrag be8 Dozenten Jenö Lützen von der Humbold« I Academie zu Berlin. Am 6. December wird im Festsaal | des Cafe Leib der bedeutendste aller heutigen Redner auf | dem Gebiete der Naturwissenschaft Jens Lützen auf Veran- | lassung des Kaufmännischen Vereins seinen Vortrag j halten über „Einen Tag auf dem Monde". Der Redner, | welcher in dieser Saison eine größere Anzahl von Vorträgen I ln Deutschland halten wird, veranschaulicht seine mündliche I Darstellung durch Vorführung von 25 O Meter großen Licht- I bildern. Wir bringen eine Preßstimme aus Belgien zum Ab- I druck, welche über unfern deutschen Landsmann folgendes be- I Schiet: »Deutsche Schule in Antwerpen. Die beiden am ■ Samstag und Montag von Herrn Jens Lützen aus Berlin I gehaltenen Vorträge gehörten unstreitig zu den interessantesten I geistigen Genüssen der ganzen W ntersaison. Herr Lützen ist I populär wissenschaftlicher Redner im besten Sinne des Wortes, I d- h. er weiß seine Vorträge gemeinverständlich zu gestalten, I von allem überflüssigen gelehrten Apparat, namentlich auch in I Ausdrucksweise — eine Klippe, an der die Gelehrten in der I Regel zu scheitern pflegen — zu befreien und so für die I durchschnittliche Fassungskraft der Laien zuzuschneiden. Dazu I besitzt Herr Lützen eine jener weichen, tiefen und melodischen Stimmen, welche sich unwillkürlich dem Ohre einschmeicheln, und einen fließenden, warmblütigen Vortrag. Seine Ausführungen unterstützte er durch zahlreiche und prächtige Lichtbilder, die in plastischer- Klarheit erschienen. I ** Concert Verein. Drei bedeutende Künstler: der ! Pianist Pauer aus Köln, der Cellist Grün seid aus I Berlin und der Violinist Zaj tc, welcher ebenfalls seit einiger Zeit in Berlin sein Domicil hat, haben sich zu einem Trio vereinigt, um die bedeutenden Werke unserer so überaus reichen Kammermusik - Litteratur in kunstsinniger Weise zu Gehör zu bringen. Jeder von ihnen ist aus seinem Instrument em in allen musikalischen Kreisen wohlbekannter Künstler und ist es daher nur mit Freuden zu begrüßen, daß sich derartige Kräfte zusammensanden. Pauer, ein Sohn des rühmlichst bekannten Componisten Ernst Pauer, wirkt als erster Professor des Clavierfpiels am Conservatorium zu Köln- Grün seid ist einer der angesehendften Lehrer seines Instrumentes in Berlin und Zaji c ist, an Stelle des berühmten Säuret, der nach London überfiedelte, an das Stern'sche Conservatorium berufen. Besonderen Reiz erhalten die Vorträge noch dadurch, daß sich jeder der Künstler neben den Trio - Vorträgen auch als Solist hören lassen wird, so daß sich das zweite Concert des Vereins, welches am Sonntag den 9. December stattfinden soll, würdig dem ersten an- schließen wird. . ** Vorausbestellung von Eisenbahn-Gepäckscheine«. Nach oen bestehenden Bestimmungen können die Reisenden Fahrkarte« und Gepäckscheine bei derjenigen Station, von der aus eine Wetterfahrt und eine neue Gepäckbeförderung erfolgen soll, telegraphisch vorausbestellen. Von der Eisenbahn-Berwaltung ""0 «UN darauf aufmerksam gemacht, daß auch die tele- graphssche Vorausbestellung von Gepäckscheinen allein statthaft ist, wenn ein Reisender sich im Besitz mehrerer otrecter Fahrkarten oder Fahrscheine befindet, die directe Abfertigung des Gepäcks aber mangels eines directen Gepäck- frachtsa^s für die betreffende Verkehrsbeziehung nicht erfolgen kann. Bei Abfassung der Depesche durch den Stationsbeamten ^bbühr von 25 Pf., sonst die gewöhnliche Telegrammgebühr erhoben. Airchlichc Anzeiger» See Statt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 2. December. 1. Advent. @ 0 t]t e 6 b t e n ft. ... „ Jngdee Stadttirche. tays SV, Uhr: Pfarrverwalter Dr. Grein. Reichte und heil Abendmahl für die Mattbäus, uni> gemeinde. Anmeldungen'nimmt der Geistliche jede/Gemei^e Daa« zuvor oder am Sonntag in der Sakristei entgegen tnbC £°fl8 ^>Uhr: Kinderkirche. Pfarrverwalter Dr ©rein Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser ^rn. , Nach sämmtl'chen Gottesdiensten Collecte zum Retten Ktrchen onds. - Nächsten Sonntag, den 9. December stndrt im y90 m5 rienfia bie f rchltche Feier des dreihundertiSbria^ Geburtstages Gustav Adolfs statt, ve. Kunden mit einer Collecte für die in der Pflege des Hess. Hauptoereins der Gustao-Adolfst ttun! Vormittag« im '-r-u'°s-u,d°LnmS°-m,ind. BemeiSe-Är1^ fÜr Wanne«. m U$r: Harrer Di ngeldey. Nach den Gottesdiensten Collecte für die Kirckenkaffe sn.m mehrung des Capttalvermögens der Gemeinde § " 3 ,Brbe? ?• December, Abends 8 Uhr: Bibelstunde im AL Sonntag den 9. December Beichte und heil. Abendmahl für die Johanesgemetnde im Aberidgottesdtenst. 9 oenvmayr Katholische Gemeinde. Sonntag den 2. December. 1. Sonntag im Advent m , ,,, Samstag: Beichte" 4V1 U6r unb ybenb8 um 8 Uhr Gelegenheit zur S mntag: Bormittags von 67, Uhr an Gelegenheit zur bl. Beichte: „ um 6'/, Uhr erste hl. Messe. " um Austheilung der hl. Communion; .. um 8 Uhr zweite hl. Messe; Uhr Hochamt mit Predigt. Abends um 6 Uhr Adventsandacht. Belgrad, 29. November. Der serbische Gesandte in Petersburg ist von seinem Posten abberufen worden. Belgrad, 29. November. Der Cultusminister hat die Xelegirung der Rädelsführer bei dem gestrigen Studenten- crawall angeordnet und die eventuelle Schließung der Uni- dersität in Aussicht gestellt. toedk* unb Gieße«, den 80. November 1894. Simt-S btn 12. |umt 1895,1 Nachmittags 2