1894 Sonntag den 1. Juli Amts- und Anzeigeblatt für den «reis Gieren. chralisbeikage: Hießener Kamikienökätter. Deutsches Reich user Seite anfe Beate ne ibtung Weber. a 030 jfiitrfi6' jsg «Le Annoncen-Bureaur btS In- und »ullanbe» nehm« »«zeigen für den „Gießener Anzeiger^ entgegen IUS. am iftL irant sportW- Gerüchte, welche davon wissen wollten, daß der Kaiser den Antritt dieser Reise in Folge der Vorgänge in Frankreich verschoben habe, erweisen sich als durchaus unbegründet. Als ein beruhigendes Anzeichen kann auch die begonnene Urlaubsreise des Staatssecretärs im Auswärtigen Amte, des Herrn v. Marschall, gelten- derselbe würde Berlin gewiß nicht verlassen haben, wenn jetzt internationale Verwickelungen drohten. Bedenklich waren allerdings die in Frankreich — in Lyon, Grenoble, Marseille und noch anderen Orten — begangenen Ausschreitungen gegen die Italiener, da hierdurch eine gewisse erregte Stimmung in Italien gegenüber Frankreich hervorgerufen worden war. Indessen ist dem energischen Vorgehen der beiderseitigen Regierungen im Allgemeinen gelungen, die wachgerufenen nationalen Leidenschaften wieder zu beschwichtigen. Auch haben diese Zwischenfälle erfreulicherweise keinerlei Trübung in dem offiziellen Verhältnisse zwischen Frankreich und Italien hinterlassen, wie aus der herzlichen Dankdepesche des bisherigen französischen Ministerpräsidenten an den König Humbert anläßlich dessen Beileidskundgebung beim Tode Carnots und weiter aus den entgegenkommenden Mittheilungen des französischen Ministers des Auswärtigen, Hanotaux, an den italienischen Botschafter Restmann erhellt. 4Mf heiler Rier. Beine. desgl. feinst ognac ier Rothwein, sissweiii) und Berlin, 29. Juni. Der Kaiser empfing am Donnerstag Abend in Kiel den Botschafter der französischen Republik, ° , .AI.... _A» 5Rnrh hnr vierkljähriHer jMeeemeeUft*« L Mark 20 W *» Bringerloy«. Dusch dir Post bqaD» 8 Mark 50 Pf,. Ikbartwn, 4rptbi*ee und Druckerei: Fchslflratze Ur.8, Fernsprecher ÖL geschloffen, um die verdienten und alle gleich beliebten Doeenten | durch einen großen Festcommers zu feiern. Es ist eine stattliche Zahl von Jahren ehrenvoller Thätigkeit, auf die die Genannten zurückblicken können. Und wie hat sich die Technische Hochschule Darmstadts in dieser Zeit entwickelt! Rur noch kurze Zeit und sie wird einen prachtvollen Monumentalbau als Sitz erhalten, um dessen Zustandekommen gerade die genannten Herren sich große Verdienste erworben haben. Auf die festliche Veranstaltung und ihren Verlauf kommen wir in unserem nächsten Briefe ausführlicher zu sprechen, da ja auch für die Musenstadt Gießen die Kenntniß der akademischen Verhältniffe und Ereigniffe von Interesse sein dürfte. Jndeß rückt nun auch die Zeit des Musik fest es immer näher heran. Die zahlreichen Comites sind in eifrigster Thätigkeit. Auf dem Festplatz wird unausgesetzt fleißig gearbeitet. Die an tropische Vegetation gemahnenden gärtnerischen Anlagen unserer Handelsgärtnervereinigung werden jedenfalls — das läßt sich schon jetzt erkennen — eine Sehenswürdigkeit von großer Bedeutung werden und den Feftplatz in großartiger Weise zieren. Der [Verkauf der Karten für die Concerte soll sehr rege sein, auch Dauerkarten, die zu allen Festlichkeiten außer den Concerten berechtigen, sind bereits an vielen Stellen zu haben. Schon am nächsten Sonntag wird die gesamwte Decoration des Festplatzes völlig beendet sein. An diesem Tage findet eine große Begrüßungsfeier der bereits erschienenen fremden Gäste statt. Ansprachen, Musik- und Liedervorträge, auch lebende Bilder usw. sollen auf das Festprogramm für diesen ersten Abend gesetzt sein. Hoffentlich ist uns der Himmel diesmal gnädiger gesinnt, wie beim vorjährigen Turnfest und wie in den vergangenen Wochen, bei Regenschauern macht unser Exercierplatz gerade keinen „festlichen" Eindruck. Ueber das künstlerische Programm, die Mitwirkenden usw. ist an dieser Stelle schon öfters berichtet worden, über den Verlauf im Einzelnen wird der „Gießener Anzeiger" seinen Lesern in Specialberichten Nachricht geben. Von bemerkenswerthen Ereigniffen aus dem Darmstadter Veretnsleben wäre für diesmal die Generalversammlung des Kriegervereinsbezirks Darmstadt szu erwähnen, die am verfloffenen Sonntag hier stattfand. Alte Localpreffe hat ausführlich darüber berichtet - im Ganzen zahlt der Verband 38 Vereine, von denen 31 in der Versammlung vertreten waren. Die Section Darmstadt des Deutsch-Oefterreichi- fchen Alpenvereins hat am Samstag und Sonntag einen zweitägigen Ausflug nach Herrenalb im Schwarzwald unternommen, der sehr schön verlaufen sein soll. Von sportlichen Vereinen hatte die Darmstadter Schützengesellschaft auf dem Bundesschießen in Mainz und der Bicycleclub auf auswärtigen Rennbahnen schöne Erfolge zu verzeichnen. Der Plan, im Herbste in Darmstadt unter Betheiligung von Vereinen und Privaten ein großes historisches Volksschauspiel zu veranstalten, wird wohl nun nicht verwirklicht werden können. Herr Dr. Otto Devrient in Jena, deffen Volksstück aus der Zett des dreißigjährigen Krieges „Gustav Adolf" zur Aufführung ausersehen war und der auch selbst die Titelrolle verkörpern und das ganze Werk einstudiren sollte, ist plötzlich in Stettin gestorben. Den in der letzten Nummer gebrachten Nachrichten über die Personalveränderungen im Hoftheater könney wir auf Grund von Notizen in hiesigen Tagesblättern noch htnzufügen, daß auch das Chorpersonal bedeutend verstärkt werden soll, um in Zukunft bet Aufführungen großer Wagneropern allen, auch den weitgehendsten Anforderungen entsprechen zu können. Wie es hieß, sollen allein noch zehn Herren für das Chorperfonal gewonnen wotden sein. Da auch viele Novitäten in Aussicht gestellt sind, so gehen wir wohl einer intereffanten Spielzeit entgegen, die hoffentlich das halt, was sie bis jetzt verspricht. Ein hoher Fürstenbesuch steht uns für Anfang nächster Woche bevor. Se. Majestät Köntg Albert von Sachsen wird am Montag in Darmstadt eintreffen und etwa bis Mittwoch hier verweilen. Im Schlosse findet am Montag Abend große Galatafel statt und für den Dienstag ist ein größerer Jagdausflug nach Jägersburg anberaumt worden. Die sonst übliche Festvorftellung muß diesmal unterbleiben, da das Hoftheater augenblicklich Ferien hat. Wann die bereits neulich angekündigten übrigen Fürstenbesuche stattfinden werden^ ist mit Bestimmtheit noch nicht anzugeben. Zum Schluffe des heutigen Briefes sei noch erwähnt, daß nunmehr auf der neuen Johanniskirche auch bereits das Geläut angebracht ist und seine Probe glänzend bestanden hat. Die Glocken stammen aus der bekannten Gießerei von Hamm in Frankenthal. 7 Nt Selters- i»eg. 8 Nt: Rr. 151 Drittes Blatt !dt|i|nOr.» Hießen: \W?e IS M, S3 , IUS. 818 Der •tefaut Anzeiger erscheint täglich, eit Ausnahme bei Montags Die Gießener »erben bcei Anzeiger ,»ch«tlich dreimal Feuilleton. Wochenbriefe ans der Residenz. (Ortginalbericht für dm „Gießener Anzeiger".) Z. Darmstadt, 28. Juni. Sommervergnügungen. Eine Jubiläumsfeier. Das Mufikfest. Allerlei. „Und der Regen der regnete jeglichen Tag", so hieß seit langer Zett das Leit- und Leidmotiv in allen Witterungsberichten aus Darmstadt. Endlich, endlich ist'S nun seit der Mitte der vorigen Woche bester geworden, die liebe Sonne strahlte wieder am lichten, wolkenlosen Himmel, als ob's gar nicht anders sein könnte und lockte die Residenzler hinaus in den Wald oder in die Berge des Odenwaldes oder hinüber zum Schützenfest im alten Mainz, das man an den Werktagen weit gefahrloser und gemüthlicher erreichen konnte, als am Sonntag des großen Festzuges. Die so überaus beliebten Saalbauconcerte konnten Dank des Witterungswechsels schon am vergangenen Sonntag, allerdings verspätet, ihren Anfang nehmen, und in dieser Woche war Darmstadt mit Garten- concerten fast überreich versorgt, sogar die fern der Stadt gelegene Ludwigshöhe hat sich jetzt zu Militärconcerten aufgeschwungen. Aber auch der Landwirthschaft hat die sonnige Witterung wirklich ernstlich Noth gethan. Die Heuernte hat durch den anhaltenden Regen stark gelitten, auch der Stand der Kartoffeläcker und in manchen Strichen auch der des Kornes könnte nach den Berichten über den Saatenstand günstiger sein. Nicht sehr erfreulich klingen auch die Berichte der Winzer aus der Bergstraße über die Aussichten auf ein gutes Weinjahr, dagegen ist die Obsternte bis jetzt sehr reich und besonders der Ktrschenhandel im Odenwald steht in voller Blüthe. Von den Festlichkeiten, denen wir in der nächsten Zeit entgegengehen, sei für heute vor Allem der Jubiläumsfeier zu Ehren mehrerer allbeliebter Professoren der Technischen Hochschule gedacht, die am Samstag vom Ausschuß der Studentenschaft veranstaltet werden soll. Die Herren Profestoren Dr. Dippel, Kump a, Simons, Geh. .Hofrath Dr. Nell, Geh. Hofrath Dr. Schäfer, Geh. Baurath Dr. Wagner blicken jetzt auf eine 25jährige Docententhätigkeit im Dienste unserer alma mater zurück. Aus diesem Anlaß hat die ganze Studentenschaft sich zusammen- — Der italienischen Deputirtenkammer ist vorder Reaierung ein Entwurf unterbreitet worden, welcher einen außerordentlichen Credtt von 100 000 Francs für die Repratiirung italienischer Arbeiter aus Frankreich verlangt. Der Entwurf wurde von der Kammer anscheinend ohne besondere Debatte dem Budgetausschuste überwiesen. Den Franzosenfreunden im italienischen Parlamente dürfte diefe Creditvorlage, welche direct durch die jüngste Jtattenerhetze in Frankreich veranlaßt worden ist, nichts weniger als gelegen kommen. CocoUs unfc Provinzielles, Gießen, den 30. Juni. ** Burg Gleiberg. Das in neuerer Zett erfreulicherweise wieder stärker hervorgetretene Jntereffe an der archt- tectonischen und landschaftlichen Existenzberechtigung unseres Gleiberg, mit dessen Geschichte auch die der Stadt Gießen verflochten ist (Gießen entwickelte sich bekanntlich aus der Ansiedelung der Gleiberger Burgmannen im 12. Jahrhundert), erinnert uns an einen 1883 in Spemanns Jllustrirter Zeitschrift „Vom Fels zum Meer" weiteren Kreisen gewidmeten Artikel über die Burg Gleiberg. Da wir glauben, mit dem Abdrucke dieses Artikels manchem unserer Leser einen Dienst erweisen zu können, so lassen wir denselben hier folgen. Er lautet : „Wenig bekannt und bis vor Kurzem wenig besucht ragt auf einem Basaltkegel ein Stündchen von der Universitätsstadt Gießen entfernt eine zur Halste verfallene, halb aber Elges. Gießener Anzeig er Hmeral-Mzeiger. noch bewohnbare Burg empor, die Burg Gleiberg- wohl verdient sie bekannt und besucht zu werden, denn landschaft» licher Reiz und architectonische wie historische Bedeutsamkeit schmücken dieses Schloß wie wenige Burgen gleichen Alters in deutschen Landen. Weitum reicht der Blick, verschiedene Mittelgebirge Deutschlands: Taunus, Vogelsberg und Westerwald und den ganzen Lahngau von Marburg bis Wetzlar kann überschauen, wer von den Mauerresten der Ruine oder gar von dem 120 Fuß hohen Wartthurme Rundschau halt- und interessant wie die Fernsicht ist auch die Geschichte dieser Burg. Schier tausend Jahre ist sie alt und manchen Sturm hat sie erlebt: um das Jahr 900 haben fränkische Gaugrasm sie erbaut — der hohe Wartthurm und das Gemäuer dicht um denselben wird auf Otto den Salier, Bruder des deutschen Königs Konrad L, den Franken (911—918), ruruckgeführt. Nach den Amtsgrafen, die von dem Gleiberg (,/Glizberg ) aus den Lahngau regierten, saß daselbst das erlauchte Geschlecht der Luxemburger (Lützelburger), dem die Kaiserin Kunigunde, Gemahlin Heinrichs des Heiligen (1002—1024) entstammte, und es ist hohe Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden, daß btefc Fürstin, deren Brüder und Neffen sich urkundlich ausdrücklich „Herren von Gleiberg" nennen, auf diesem Schlosse geboren wurde. Der kurz nachher ausgebrochene Strett zwischen Kaiser und Papst spaltete auch die Familie der Gleiberger- ein Hermann Graf von Gleiberg hielt treu zu Kaiser Heinrich IV., aber ein Vetter desselben, ebenfalls Hermann von Gleiberg, auch der „Pfaffenkönig" benannt, ward Gegenkönig dieses Heinrich, fiel aber bei einem Sturme auf Limburg, während seine Anhänger den Gleiberg inne hatten- erst eme Belagerung, die des Königs Sohn, der nachmalige Kaiser Heinrich V. (1103) leitete, brachte den Gleiberg, der damals als ein sehr festes Kastell galt, zu Fall und in die Hande der kaiserlichen Partei. Die höchste Blüthe erreichte die Burg unter den Merenberger Grafen, die größte Ausdehnung jedoch unter den Nassauer Grafen, denen sie von 1336 ms 1816 gehörte - aber der dreißigjährige Krieg hat das Schloß hart mitgenommen- im Jahre 1646 wurde es, dadteheffen- darmstädtischen Truppen es von Gießen aus besetzt hatten, von den mit den Schweden verbündeten Hesien-Kaffetern Herrn Herbette, in Privataudienz, welche an Bord der . kaiserlichen Yacht „Hohenzollern" stattfand. Herr Herbette drückte in der Audienz dem Kaiser den Dank der französischen Regierung für die sympathische Beileidsbezeugung des erlauchten Monarchen anläßlich der Ermordung des Präsidenten Carnot aus. Der Vorgang beweist von Neuem, welch tiefen Eindruck die würdig gehaltene Condolenzdepesche des deutschen Kaisers an Madame Carnot in Frankreich gemacht hat, während er außerdem für den vortrefflichen Stand der jetzigen officiellen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zeugt. — Die Deutschen der Provinz Posen beabsichtigen, dem Fürsten Bismarck ihre Huldigung in Varzin darzubringen, wohin er nächstens übersiedeln wird. Der Altreichskanzler hat zugesagt, die angemeldete Abordnung der Deutschen Posens in Varzin empfangen zu wollen. — Die allgemeine Zuversicht, daß der europäische Friede durch dieEreigniffe inFrankreich keine Erschütterung erfahren werde, drückt sich u. A. auch darin aus, daß es bei den bisherigen Dispositionen Kaiser Wilhelms bezüglich seiner Nordlandsretse verbleibt. Die in einigen Blättern ausgetauchten Anashme von Anzeigen zu der Nachmittags für de, felgmben Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. l Verschnitt LM llthorstraße^ osel. bahnhof Jt Betten, B Lagerbier, N 58 [3766 in, ML- Gerannt und nach verderblicher Beschießung, aber auch nach zwei abgeschlagenen Stürmen, mit Accord eingenommen- seitdem liegt der ältere Theil der Burg in Trümmern, die hochragend den früheren Reichthum und noch melden. Aber auch der 1646 nicht eingestürzte Theil wäre bereits verfallen, wenn nicht das Interesse unseres Kaisers und das der in Gießen und Wetzlar lebenden Freunde des Gleibergs, namentlich des Gießener historischen Vereins, unterstützt von den Geldspenden zahlreicher auswärtiger Gönner, sich der Erhaltung der Burg zugewandt hätte. Jetzt ist in dem noch unter Dach befindlichen um 1550 erbauten Nassauer Bau eine Kastellanswohnung mit Restauration etablirt, ein großer mit Glaswappenfenstern usw. stilvoll und reich ausgestatteter Saal und traute ebenfalls im Stil der Renatffance des 16. Jahrhunderts eingerichtete Stuben mit Wandgemälden find ebenda hergestellt und so ist die denkwürdige und reizvolle Burg wohl bis auf ein weiteres Jahrhundert dem Verfall entrisien und ein beliebtes und interessantes Ziel der Spaziergänge für Gießen und die Umgebung geworden." Vemnischte-. * Lübeck, 28. Juni. Wegen Kindesmordes wurde heute die Hebamme Langmaak vom hiesigen Schwurgericht zum Tode verurtheilt. Die Angeklagte hatte ein Kind der unverehelichten Wichmann, das diese in ihrem Hause geboren hatte, in einer Badewanne ertränkt. Die unverehelichte Wichmann, welche die Beseitigung des Kindes ohne Widerspruch hatte geschehen lassen, wurde wegen Beihülfe zum Morde zu einem Jahr Gefängniß und der Bräutigam der Wichmann, der von der Hebamme gewünscht hatte, daß „der liebe Gott das kleine Wesen gleich wieder zu sich nehmen möge" und ihr event. 100 Mk. versprochen hatte, wegen Anftlftung zum Morde zu vier Jahren Zuchthaus verurtheilt. Die Gerichtsverhandlung nahm theilweise einen dramatisch bewegten Verlauf. * Einen Fernschreiber, einen Apparat zur gleichzeitigen Wiedergabe von Schriften und Zeichnungen auf elec- trischem Wege auf beliebig große Entfernungen, hat Professor vr. Cereborani in München construirt und das Problem, mit welchem Caselli, Gray und Edison rc. sich schon sehr beschäftigt haben, in sehr geistvoller Weise gelöst. Beim Pantelegraph geschieht das Fixiren der Zeichen am Sender mittels eines Stiftes, der durch den Kreuzungspunkt zweier rechtwinkelig gegen einander zu verschiebenden Leisten gesteckt ist. Jede Bewegung des Stiftes veranlaßt eine entsprechende Verschiebung der Leisten, die je nach der Richtung ihrer Bewegung die Schließung zweier Stromkreise bewirken. Am Empfänger werden ganz ähnlich angeordnete Leisten durch Uhrwerke in analoger Weise wie am Sender in Bewegung erhalten und die Bewegungsrichtung in dem einen oder anderen Sinne durch die Schließung des jeweiligen Stromkreises hervorgebracht. Der im Kreuzungspunkte der Leisten am Empfänger angeordnete Stift vollführt sonach genau dieselben Bewegungen wie der Stift am Sender, d. h. er reproducirr mit denkbarster Treue die Schriftzüge einer am Sender schreibenden Person. Die Vorzüge des Apparates liegen in seiner großen Einfachheit: dieselbe Vorrichtung läßt sich als Sender und Empfänger verwenden, so daß auf jeder Station die Aufstellung nur eines Apparates erforderlich ist. * Ein geschichtskundiger Rechtspractikaut. Aus einer Rechtspractikanten-Prüfung, die in vergangener Woche bei einem Oberlandesgericht abgehalien wurde, erzählt man sich folgendes Curiosum: Bei der Prüfung im Staats- recht kam die Rede auf den berühmten italienischen Staatsmann Macchiavelli. Der Examinator fragt zum größten Entsetzen des Auditoriums da plötzlich den einen Candidaten: „Wissen Sie vielleicht, wann Macchiavelli gestorben ist?" „Jawohl", antwortete der Gefragte prompt, „im Jahre 1527". „Aber das genaue Datum wissen Sie wohl nicht?" fragt der Professor weiter. „Doch, Herr Professor", replicirt der Candidat, „es war am 22. Juni". „Sehr gut, es freut mich, daß Sie das so genau wissen," erwiderte darauf der Examinator. „Sie haben sich wohl besonders mit italienischer Geschichte beschäftigt?" „O nein," sagt lächelnd der angehende Jurist, „aber ich habe es heute früh auch auf dem Abreißkalender gelesen." ÄedStorLiM Wiße Stern Jinie König. Belg. Postdampfer von ttußhnift ertheiley: r schnelle Fahrten, gute WM Verpflegung, billigste Preise. ;•! von der Bedke & Mareily, Antwerpen T. J. Bothof, Generalagent, Mainz. Job. Fr. Schaaf, Giessen, Diezstr. 13. H. Klipp stein in Langsdorf. [206 Magenbeschwerden. schwache Verdauung. Appetitlosigkeit rc. quälten mich viele Jahre. Auf Wunsch bin ich gern bereit, Jedermann «rreiit- geltttch mitzutbeilen. wie sehr ich daran gelitten und wie ich ungeachtet meines hohen Alters davon befreit worden bin. Al. Koch, pens. König!. Förster, Bellersen, Kreis Höxter. 1832 Bauschule Lemgo i. Lippe Beginn am 23. October. Nähere Auskunft ertheilt 4628 die Direktion. 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Größere JnsertlonSaufträge M de» niedrigsten Pauschalpreisen. tr.-Bureau In Franksuit a. M., Laiserstr. 10o. SSN E« W as8@rte®Baleben, Bankgeschäft. Schon seit langer Zeit bewahren sämmtltche Börsen eine auffallende Gleichgiltigkeit gegen alle politischen Ereignisse und werden selbst durch solche Momente nicht aus ihrer Lethargie aufgerüttelt, welche im ersten Augenblick für das betreffende Land ernstere Consequenzen befürchten lassen- So fanden während der letzten Monate in einer ganzen Reihe größerer und kleinerer Staaten Mtnisterkrisen und Aenderungen in den Regierungen statt, ohne daß dadurch die Börsen nach der einen oder anderen Seite hin in stärkerem Maße bewegt worden sind. Aber alle diese Ereignisse erreichten weit entfernt nicht die Bedeutung, wie die Ermordung des Präsidenten der französischen Republik am vergangenen Sonntag und es war daher natürlich, daß man am Montag der Eröffnung des Börsenverkehrs mit größter Spannung entgegensah. An den deutschen Effectenmärklen setzten dann auch die Eourse der internationalen Sptelpapiere auf wesentlich niedrigerem Niveau ein, indessen ohne daß sich dabet ein stärkerer Verkaufsandrang bemerkbar machte. Vielmehr verharrte das Privatpublikum in seiner Theilnahmlostgkeit und in Folge dessen blieb auch die Speculation bei vollständiger Stagnation des Verkehrs bis zum Eintreffen der ersten Eoursmeldungen aus Paris in reservirter Haltung. Wider Erwarten faßte man an der Seine die Situation ruhiger auf, als man gefürchtet hatte, lieber die wichtigste Frage, die Nachfolgerschaft Carnot's, herrschte von Anfang an kaum ein Zweifel, denn allgemein galt die Wahl Casimir Periers für gesichert und die vorgestrige Abstimmung in Versailles hat dieser Annahme auch Recht gegeben. Zu dem neuen Präsidenten hegen die wtrthschaftlichen Kreise Frankreichs das Vertrauen, daß er auf eine gedeihliche Entwickelung von Handel und Wandel hin arbeiten wird, umsomehr, als er früher selbst an der Spitze eines großen industriellen Unternehmens stand und somit die Lebensbedürfnisse von Industrie und Verkehr aus persönlicher Erfahrung genau kennt. Auch dadurch, daß der Mörder Carnot's italienischer Geburt ist, ließen sich die maßgebenden Kreise in Frankreich keinen Augenblick in ihrer zuversichtlichen Meinung heitren, da man sich sofort darüber klar war, daß der Ursprung des Verbrechens nicht in nationalem Haß, sondern in den anarchistischen Anschauungen wurzele. Aus den italienischen Beileidsbezeugungen war deutlich ersichtlich, wie sehr dort die ruchlose That verabscheut wird und die Wärme dieser Sympathie-Kundgebungen trug viel dazu bei, daß sich die in letzter Zeit so häufig zu Tage getretenen Gegensätze zwischen den beiden Nationen nicht noch mehr verschärft haben. Wohl hat sich am Ort der That der Lyoner Pöbel in seiner ersten Aufwallung zu Ausschreitungen gegen das Eigen- thum italienischer Staatsbürger hinreißen lassen, ober da die vorgekommenen Excesse in Paris und Rom ruhig beurtheilt werden und die ftanzösische Regierung sofort energisch gegen die Urheber eingeschritten ist, so werden hieraus keine weiteren politischen Complicationen erwachsen. So beschränkte sich auch in diesem Falle die Thetlnahme der Börsen auf das rein menschliche Mitgefühl und Niemand verspürte Lust, aus der momentanen Lage Voriheil zu ziehen. Dem empfindlichsten Coursdruck war bei Beginn der Woche natürlich die italienische Rente ausgesetzt, welche über ein Procent unter ihrem letzten Schlußcours eröffnete. Im Verlauf der Woche bildete aber gerade dieses Effect den Träger der verhältnißmäßig festen Tendenz, denn nachdem sich die erste Erregung gelegt hatte, zog dessen Preis wieder langsam an und gab hierdurch dem ganzen Markte ein freundliches Aussehen- Selbst die recht betrübenden Nachrichten aus Rom, daß die Gründung der deutsch-italienischen Bank im letzten Stadium doch noch an den Forderungen des Finanzministers gescheitert ist und die im Parlament endgültig beschlossene Rentensteuererhöhung auf 20 Procent hemmtm die Coursentwicklung nicht. Man hatte sich nachgerade an den Gedanken gewöhnt, daß die stärkere Heranziehung der Staatsgläubiger nicht ausbleiben werde und ist deßhalb froh, wenigstens die Zeiten der Ungewißheit hinter sich zu haben. Zu bedauern ist nur, daß auch heute noch keine Garantie dafür vorhanden ist, daß dies die letzte Verkürzung der Rentenbesitzer sein wird. Die jetzige Regierung verspricht es zwar feierlich und ihren Worten darf man Glauben schenken, aber wer weiß, ob ein späteres Ministerium im Nothfalle nicht von Neuem zu diesem verderblichen Hilfsmittel seine Zuflucht nehmen wird! Vorerst sind diese Befürchtungen jedoch nicht angebracht, und man ist deßhalb bemüht, der Sachlage die möglichst günstige Seite abzugewinnen. Italien, so hofft man, wird vermöge dieses Opfers seiner Gläubiger wieder zu geordneter Finanzwtrthschaft zurückkehren können und gelingt ihm das, so müssen seine Schuldtitel bei dem heutigen Preis entschieden als billig bezeichnet werden. Das einzige Gebiet, auf welchem außerdem noch einiges Leben herrschte, waren Kohlenactien. Die jüngste Essener Börse hat einen zufriedenstellenden Verlauf genommen und daraufhin lauten jetzt He Berichte aus den Kohlenrevieren wieder viel zuversichtlicher. Auch der Mai-Ausweis der Harpener Bergbaugesellschaft wurde günstig beurtheilt, trotzdem der Ueberschuß hinter demjenigen des Parallelmonats 1893 zurückbleibt und nur gegen den diesjährigen April eine kleine Zunahme aufweist. Die Hinweise auf den in Schottland ausgebrochenen Strike dienten ebenfalls als Anregung, doch kann derselbe unmöglich ernstlich in Betracht kommen, weil sich die Arbeitseinstellungen nur auf einen geringen Theil der dortigen Bergarbeiter erstrecken. Späterhin dehnte sich die feste Tendenz auch auf Eisen- papiere aus, wodurch die meisten ihren anfänglichen Coursverlust wieder einholten. Bevorzugt waren Bochumer, welche ein Procent über dem Stand der Vorwoche enden. In Berücksichtigung der am Mittwoch stattgehabten Generalversammlung der schweizerischen Nordostbahn-Gesellsckaft beobachtete die Speculation auf diesem Feld die größte Zurückhaltung. Herr Guyer Zeller hat in dem hartnäckigen Kampf gesiegt; doch weigert sich ein Theil der neugewählten Verwaltungsraths- und Direclionsmitglieder, ihre Posten zu übernehmen, so daß immer noch keine vollständige Klarheit über die künftige Leitung herrscht. Wenn die neugewählten Directoren, welche schon Jahre lang im Dienst der Gesellschast gestanden haben, auf ihrer Weigerung beharren, dürfte der Streit kaum zum Dortheil des Unternehmens ausfallen, weil dann wahrscheinlich Männer an die Spitze berufen werden müssen, welche dessen Entwicklungsgang wohl nur von außen kennen. Von den übrigen Eisenbahnen wurden die italienischen Actien im Zusammenhang mit dem festen Rentencourse besser bezahlt. Oesterretchische Bahnen waren vernachlässigt und zeigen keine einheitliche Bewegung. Während Staatsbahn 1 fl. höher schließen, büßten Lombarden ebensoviel ein. Ucbcr die Ernteaussichten und vermuthlichen Chancen des Getreideimports wurde fast gar nicht gesprochen, so daß zu einer Bewegung in unseren östlichen Bahnen auch keine Veranlassung vorlag. Die Umsätze in deutschen Banken waren recht bescheiden und demgemäß waren auch die Preisverschiebungen nur ganz gering. Schwach einsetzend, kehrten sie im Laufe der Woche wieder auf den alten Stand zurück. Von den österreichischen wurden Länderbank und Bankverein den Wiener Notirungen entsprechend höher gesetzt. Auf die Actien der ungarischen Credttbank ist die Meldung, daß der Kaiser der unter der Führung dieses Instituts zu gründenden selbstständigen Donau- Dampfschifffahrtsgesellschaft seine Genehmigung versagt hat, ohne Einfluß geblieben. Unter den Schifffahrtsactien waren Norddeutsche Lloyd billiger offerirt auf Gerüchte, daß die Cunard-Linie eine Concurrenzroute nach Genua errichten werde. Auf dem Fondsmarkt bildeten die Vorgänge in Frankreich das einzige Gesprächsthema, weshalb sich auch nur Italiener eines größeren Interesses erfreuten. Serbische Renten notiren zwar durchweg einige Pcocente höher, doch waren die Umsätze keineswegs belangreich. Das zwischen dem Bankenconsortium und der Regierung getroffene Abkommen ist nicht der Art, daß es die Gläubiger vor Heber? griffen, wie sie jüngst vorkamen, schützen kann. Die deutschen Anleihen sind nicht verändert. Die Ultimo-Liquidation hat sich sehr glatt vollzogen. Für Wiener Rechnung waren in Berlin größere Hauffeengagements zu prolongiren, so daß dort zeitweise Stückeüberfluß und Nachfrage nach Geld hervortrat. Immerhin hat sich aber der Zinsfuß noch unter dem Satz gehalten, den er sonst an einem Semesterwechsel einzunehmen pflegt. Der Prioatdiscont hat leicht angezogen. Eourse der Frankfurter Börse. OoBtra vom 22./VI. 29./VL Conre vom 22./VI. 29./VI. 4°/u Hessische Obligation. 104 30 104.50 4i/g0/oPortug-A.88u.89 33 15 33 — , Bauern .... 106 30 106.20 5ti/0 amort Serb. Gold- » Baven ..... 3o/o Sächsische Rente. . 104 70 104.85 Rente .... 66.70 7050 89.75 89.85 5o/oSerbischeEisenbahn- 3V,% BremerStaatsanl. 99.50 99 80 Hyp^Obl. L. A. . 4°/oSchwed.Oblig.I880r 70.— 72 50 , Hamb.Staatsrente 4°/g Oestr. Goldrente . ~ » -- 100.05 101.90 101 80 98.55 98-70 1% Türken cono. Lit. D. 24.65 24.45 w GriechischeMonopol- 50/g Argent. Gold-Anl. Arlleibe . . . 4°/» Rumänische Rente ° 33.90 34.80 v. 1887 .. . 47.15 47 90 85.90 85.75 3Vi% Egypt. priv. Anl. 102.35 102 30 4Vo Ruff. Consols S. m 101.— —.— 4% Psälz. LudwigSbahn 5% Südbahn Lombarden 104.75 104.65 (Bexbach) . . . r Hessische Ludwigsb. 104.55 104.45 4P/o do. do. 30/9 do. do. 100.10 63.05 99.80 62.75 68/69 garant. . 103.10 103.15 4% Prag-Duxer Gold . 101.30 101.35 , Elffabethb. steuerfrei , Rudolf Gold (Salzk.) 101.50 101.60 Gold .... 102.20 102.25 , Franz-Joses Silber 79.60 79.65 5% Oestr. Staatsbahn. 110.20 110.10 30/0 staatl. garant. Jtal. 4o/o do. do. 102 — 101.60 Eisenbahn . . 48 40 48.— 30/0 do. do. 30/0 Livorneser . . . 52 90 52.55 L—VHL@mtff. 90.35 90.— 40/2 Russ.Südm 'Eisend. 99.95 99.95 3-Vq do. Ergänzungsnetz 5% Nordwestbah» Gold 87.50 87 — 109.20 40/g Wladikawkas garnt. 40/0 gar. Sardin.Sec.stfr. 99.60 64.10 99.60 65.— MseisdatzK-Aettirr. LudwigShasen-Bexbach. Hessische LudwigSbahn. Pfälzische Nordbahn . 232.80 232.10 Oest. Nordw.-Bahn CitJB. —.— —.— 114.10 114 30 Gotthardt..... 166.90 168 55 117.45 117.50 Jtal. Mittelmeer . . 77.70 77.20 Lübeck-Büchner . . - 140.60 140.80 DanrDetiett» Deutsche ReichSbank . 156.— 155.85 Dresdener Bank. . . Mitteldeutsche Creditb. . 138.90 139.16 Berlin. HandelSgesellsch. 133.90 133.50 97.60 96.50 Deutsche Bank . . . 158.20 156.80 Wiener Bank-Verein . 105716 1061/, DeutscheGenoffmschftsb. Württemb. VereinSbank 129.— 129.40 a.Soergel,ParrifiusLEo. 112.80 113.— Deutsche VereinSbank . 107.20 107.20 3 «dn8«is-Aetien. Binding-Brauerei . . 174.60 174 25 Deutsche Verlagsanstalt 194.45 195.— Stern- do. (Oberrad) 159.90 159.10 Farbwerke,oornuMeister, 378.75 Bad. Anllin- u. Soda- Lucius & Brüning. 874.10 fabrik..... 366.50 367 80 Riebeck'scheMontanwerke 158 40 158.50 Hibemia Bergw.-Ges. . 121.40 122 — Bochumer Gußstahl 129 50 127 85 Soosa. Oestr. 1860r fl.500-Loose 124.35 124.45 Braunschweig. 20 Thlr^- 105.20 105.20 „ 1854r fl.250- „ 127.50 127.— Loose .... 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Wir laden die hiesigen Einwohner zur Benutzung dieser Termine em mit dem Bemerken, daß alle in denselben vorgenommenen Impfungen für den Einzelnen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, »uß auf eigene Kosten die Impfung vornehmen lassen. Kinder, deren Zurückstellung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können in den Terminen gleichfalls dem Jmpfartt vorgestellt werden. Gießen, den 25. Juni 1894. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. lebend. IUI. Geflügel gut u. billig beziehen will, verlange Preisliste von Hans Maler in Ulm a. D. Grosser Import italZ Produkte. Rhein. Tuth-Versand-Gesdiäfl Directer Versand an Beste Bezugsquelle für Fabrikate in Kammgarn, Tuch, Reichliche Muster-Auswahl sofort 5269] Schw. u. rotheJohauneStraube« u. Stachelbeeren zu verk. Grünbergstr. 42. Der Mein-Verkauf der weltberühmten Otto Her; & Co. Schuh w a a r en befindet sich nut bet 5133 L. Süß, Marktstraße 9. andere dazu. 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