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Nr. 75 Drittes Blatt.
Sonntag den 1. April
1894
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2lints- und Anzeigeblutt für den Tireis Giefzeiu
chralisbeikage: Gießener Kamilienblätter.
Annahme vom Anzeigen zu ber Nachmittags für bei filgmbm lag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
Ille Annoncen.Bureaux bes In- unb Auslanbes nehme» Anzeigen für btn .Gießener Anzeiger^ entgegen.
Die Lage der deutschen Industrie.
Jeder Industrielle, jeder Gewerbetreibende und auch jtbcr Kaufmann legt sich heutzutage die Frage vor: „Wird unS nun endlich in diesem Jahre der Anfang einer erfolgreichen ErwerbSthätigkeit erblühen?"
Lange genug haben Industrie und Handel unter Ueber- probuction und Mangel an Nachfrage gelitten, und man sehm sich allgemein nach einer Vesierung der Lage. In vielen Branchen erwartet man dieselbe von dem nun in Kraft getretenen deutsch-russischen Handelsverträge und wie eS scheint, mit Recht, denn in der Eisen-, Maschinen-, Textil-, Woll- und Baumwollen-Jndustrie ist seit einigen Tagen ein etwas belebteres Geschäft vorhanden, auch dürste der Absatz von Steinkohlen, CoakS, Zinkweiß usw. im oberschlesischen Industriegebiet einen größeren Umsang nach Rußland infolge der Ermäßigung der russischen Zölle annehmen und belebend aus manches andere Gebiet wirken.
Erschwert wird eine allgemeine Besserung der Geschäftslage noch hauptsächlich dadurch, daß sowohl Fabrikanten als Rohproductenhändler mit ihren Aufträgen noch sehr zurück- halten, vermuthlich deshalb, weil sie ein weiteres Sinken der Preise der Rohproducte befürchten, waS trotz der Besserung der industriellen Lage insofern nicht auSgeschlosien ist, 'weil sich die Rohproducte vielfach sehr angehäust haben.
Auf eine nachhaltige Hebung deS Geschäfts ist übrigens wohl erst dann zu rechnen, wenn in Nordamerika die große lvinhschastliche und in Südamerika die große politische KrisiS überwunden ist, denn die Staaten Nord- und Südamerikas sind doch noch ganz andere Käufer deutscher Jndustrieproducte als Rußland, welches verhältnißmäßig wenigstens in den früheren Jahren nur den zehnten Theil ungefähr von den deutschen Jndustrieproducten kaufte, welche nach dem Auslande, zumal nach Amerika g'ngen. Nun wird der Absatz nach Rußland allerdings auch bester werden. Das Wichtigste sllr die deutsche Industrie ist nach unserer Meinung aber der Umstand, daß die wirthschaftliche Knsi« in den Bereinigten Staaten bald überwunden sein dürste und wahrscheinlich sogar durch eine Ermäßigung der hohen amerikanischen Schutzzölle ihren für Deutschland günstigen Abschluß erhält. Ebenso ist die Beendigung der politischen Krisis in den südamerikanischen Staaten in diesem Frühjahre zu hoffen, und der dortige große Bedarf an Jndustrieproducten muß dann zum großen Theile in Deutschland gedeckt werden.
focate» und provinzielles.
Gießen, den 31. März 1894.
Hessischer Katholikentag. Bei der am 11. März in Mainz stattgefundenen Kathol'ken-Bersammlung wurde der Beschluß gefaßt, nach Ostern einen hessischen Katholikentag in Darmstadt abzuhalten. Diese Versammlung soll nun, dem „Mzr. II." zusolge, am Sonntag, den 6. Mat, Nachmittags im Saalbau zu Darmstadt stattfinden und werden
Feuilleton.
Da« mar für mich.
rIne ethische Erzählung von Heinrich von Schubert.
(Nachdruck verboten.)
In manchen großen Städten, namentlich von Italien, doch auch hin und wieder in Deutschland, giebt eS gesellschaftliche Berbindungen von guten, frommen Leuten, die sich'- zum Geschäft machen, arme Nothleidende und Kranke aufzusuchen und diesen ihr Elend auf alle Weise zu mildern. Die Männer und Frauen, welche zu jenen Berbindungen gehören, sind zum Theil Leute von sehr hohen, gebildeten Ständen, aber in der Hülle ihrer Ordenskleidung sehen sie alle einander gleich; der alltägliche Stand wird da Der- zeffen über den festtäglichen Berus, der Leidenden sich zu erbarmen.
Einmal — e- war im Jahre 1844 — hat eS in der großen schönen Kaiserstadt Wien sich zugetragen, daß ein Bruder von solch einem barmherzigen Orden in daS Zimmer eine- vornehmen Kaffeehauses hereintrat, in welchem mehrere ansehnliche, reiche Leute um einen Tisch saßen. Man konnte eS dem Manne in seiner Ordenstracht nicht ansehen, wer er im Gewände des 'gewöhnlichen Lebens sei, daß er aber von wahrhaft hoher Bildung war, bewies bald nachher sein Benehmen, und wenn er, ehe er diese Kutte anzog, wie einige sagen, ein Offizier von hohem Range war, dann muß er in lern pünktlichen Gehorsam einer höheren göttlichen Art ebenso wohl und tüchtig eingeübt gewesen sein, als in den Pflichten und Exercitlen eine- weltlichen Militärmannes.
gen. Blatte zufolge als Redner austreten : Herr Dr. Kübel auS Gießen über die Ordensfrage - Herr Dr. Frenay aus Mainz über die sociale Frage - Herr Pfarrer Schäfer aus Ober-Ingelheim über die Schule - Herr Rechtsanwalt v. Brentano aus Offenbach über dte Presse. Man rechnet auf sehr starken Besuch von auswärts und sollen sogar Extrnzüge nach Darmstadt veranstaltet werden.
*♦ Eine neue Gewerbezählung wird im deutschen Reiche voraussichtlich mit der Volkszählung 1895 verbunden werden. Die letzte ausführliche Gewerbezählung sand im Jahre 1875 statt, während die gewerbestatistische Aufnahme im Jahre 1882 nur einen Theil der Berufzahlung dieses Jahre- bildete und an Vollständigkeit und Umfang an jene des Jahres 1875 nicht heranreichte. Die neue Gewerbe- zählung soll nicht nur über den Umfang deS in den einzelnen Gewerbebetrieben verwendeten Personals, sondern auch über die Art, die Leistungsfähigkeit und sonstige Eigenschaften der benutzten Motoren und Arbeitsmaschinen eingehende Auskunft ermitteln.
♦♦ Lebensmittel-Preise Ende Februar 1894. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Ecntralstelle für die Landesstatistik kosteten:
' Ochsenfletsch j| ! per Pfund I
Rindfleisch , per Pfund
Kalbfleisch per Pfund
Schweines!, per Pfund
Hammelfletfch per Pfund
Gemischtes Brod
Roggen- Brod _
Butter per Pfund
Milch 1 Liter
Eier
1 Stück 1
Städte mu Octroi Darmstadt
72
66
70
70
66
13
11,5
99-109
18
6-8
Mainz
68
50
65
70
50
13,5
11,5
96-101
21
5-8
Offenbach
70
56
60
70
60
13,5
13
120-130
21
5-8
Worms
64
60
64
68
56
11
10,5
96-107
16
6-9
Gießen
67
56
55
69
50
13
11
92-101
18
6
Städte ohne Octroi
Bingen
70
60
60
70
50
12
11
103-113
»
6-8
BenShetm
60
50
56
60
60
12,5
10
110-120
17
6-7
Alzeo Friedberg Alsfeld
55
50
60
65
60
15
10
88-100
17
7-8
70
60
55
60
55
12
10,5
95-100
18
6
60
40
60
59
—
12,5
10
100-110
16
6
Lauterbach
60
50
50
60
50
12
9
120
16
5
** Der Getreidemarkt. Der geschäftliche Umsatz auf dem Getreidemarkte bewegte sich während der abgelaufenen Berichtswoche in sehr engen Grenzen, eine erk ärliche Folge der festtägigen Pause. Doch nahm sich sonst die Situation im Allgemeinen nicht ungünstig auS, an den allermeisten Plätzen machte sich in den Preisen für die hauptsächlichsten Getreidesorten eine augenscheinliche Erholung im Vergleiche mit den vorangegangenen Wochen geltend. Da günstige Ausland«» berichte Dorliegen und auch die Kauflust Beständigkeit zeigt, so dürste die Besserung in der Tendenz anhalten. Notirungen vom Berliner Productenmarkte: Weizen 132 bis 144 Mk. per 1000 Kilogramm, Roggen 114 bis 119 Mk., Gerste 107 bis 180 Mk., Haser 128 bis 173 Mk.
BabNauheim, 29. März. Zu den 14 Aer zt en, die im vorigen Sommer als Bade - Aerzte hier thätig wareu, treten nicht weniger als vier neue hinzu: Dr. Gittermann, seither Leiter einer Kaltwasserheilanstalt, Dr. Schuster aus EotlbuS, Dr. Jankowsky au« Thorn und Dr. Schröder, seither AmiSphysikuS in Oldenburg in Holstein. Die beiden ersteren sind bereits hier eingetroffen. D. Ztg.
Bad Nauheim, 28. März. Dem ständigen Salinen- a beiter, Zimmermeister Philipp Pfeffer II. hier, wurde daS allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen und am SamStag diese Au«- zeichliung Herrn Pfeffer vor versammelter Knappschast durch Herrn Bergrath Wei« in feierlicher Weise überreicht. Der Dekorirte steht 50 Jahre als treuer Arbeiter hn Dienste der Saline, hat sich aber außerdem noch ein ganz besondere« Verdienst um Stadt und Bad erworben.
Oppenheim, 28. März. Auf dem historischet, Boden, wo früher baß Kloster „Mariakron" ftanb, wirb soeben gearbeitet, um ein profanes SchnapSlager und Kellereien zu errichten. Gestern ist ein Skelett gefunden worden, besten Füße noch schwere Sporen trugen, deren Räder hatten die Größe eines ThalerS. Ein Grabdenkmal in einer Mauer- Nische, früher einmal zusammengestellt, läßt noch erkennen, daß eS der im Jahre 1585 verstorbenen Verwalterin bei Klosters von Katzenelnbogen gewidmet ist. Bon den Wappen sind Landfchat und Knebel gut erhalten.
Biebelsheim (Rheinheffen), 28. März. Die hiesige 18jährige Katharine Bauer, die vor zwei Jahren mit eigener LebenSgesahr ein auf dem Eise deS OrtSteicheS ein» gebrochenes vierjähriges Kind rettete, zog neuerdings ein sechsjähriges Mädchen, baß in benselben Teich gefallen unb bereitß mit bem Tobe rang, glücklich anß Ufer. Die edle Gesinnung unb ber Muth der Tapferen verdienen gewiß alle Anerkennung.
veEMifchtes.
* Wetzlar, 30. März. Der Hülfßlademeister Deckmaan, ein älterer braver Mann, wurde heute Morgen bei der Arbeit in ber Güterexpeditionßhalle vom Schlage gerührt unb war halb barauf eine Leiche.
• Dortmnab, 29. März. Auf eine exemplarische Strafe erkannte kürzlich daß hiesige Schöffengericht gegen den Arbeiter Ringen er von hier. Auf der Steinstraße war ein Dienstmädchen mit dem Putzen eines Schaufenster« beschäftigt, wobei cß aus einer Leiter stand. Ringener machte sich, alß er dort vorbeikam, baß sonderbare Vergnügen, mit dem Fuße derart an die Leiter zu stoßen, daß dieselbe um« fiel, wobei baß Mädchen zur Erde stürzte, ohne jedoch größeren Schaden erlitten zu haben. Trotzdem verurtheilte der Gerichtshof den Ringener für feine rohe That, die schwere Folgen hätte haben können, zu einer Gesängnißstrafe
Der Ordensbruder, von welchem wir hier sprechen, I näherte sich hier einem der Gäste, welche dort am Tische des vornehmen Kaffeehauses beisammensaßen, er klapperte ein | wenig mit seiner eisernen Almosenbüchse und sprach einige Worte, die wohl manchen gerührt hätten, der stumme Gast aber that, als sähe und hörte er nicht« von dem allen. So trat er zum zweiten, zum dritten, keiner hörte auf ihn, unb ber vierte fuhr mit ber zornigen Antwort auf: „Siehst Du denn nicht, baß wir hier gerade sehr beschäftigt find?"
Beschäftigt, auf ihre Weise, waren die Leute allerdings; sie spielten Karte und zwar so hoch, daß alle ihre Gedanken an Gewinn und Verlust hingen. Der Ordensbruder wartete deßhalb ein Weilchen unb da der vierte ihm doch wenigstens eine Antwort gegeben hatte, versuchte er bei diesem sein Glück von.Neuem- als soeben daS Spiel beendigt war, klapperte er wieder mit der Büchse und bat im Namen seiner Kranken und Hilfsbedürftigen um eine Gabe. Der vierte aber, verdrießlich über fein soeben verlorenes Spiel, wendete sich herum und gab dem Sammler mit den Worten: „Da hast Du etwas, Du Unverschämter!" eine sehr derbe Ohrfeige.
Wa« that nun wohl der Ordensbruder? Regte sich bei ihm nicht in ganzer Kraft der Geist jene« Standes, dem er sonst im gewöhnlichen Leben angehörte und deffen äußerliche Züge jetzt, vielleicht nur auf etliche Stunden, durch das Gewand des Ordens und durch die MaSke deS BarteS verhüllt waren? Wie? — Durfte er solch eine niederträchtige, rohe Behandlung ungeahndet (affen ? War nicht die Ehre seine« Standes auf eine Weise gekränkt, welche blutige Rache erforderte ?
Wirklich schien e« auf einige Augenblicke, alß ob in bem hart Beleidigten dergleichen Gedanken aufstiegen - seine Stirn,
von der Röthe beß Zorneß übergossen, umwölkte sich- sein Arm zuckte. Aber ber Mann war an militärischen Gehorsam gewöhnt - in jenen Augenblicken ber natürlichen Aufwallung vernahm er baß Commanbowort etneß Herrn in feinem
Herzen, vor besten Augen nur bie Ehre, bie vor Gott gilt,
geachtet ist, bie Ehre aber vor Menschen al« ein Nicht« erscheint. Er gehorchte bem Eommanbo- er faßt sich- hoch
emporgerichtet steht er vor seinem Beleibiger da und mit einem Tone der Stimme, welcher auch dem rohesten Herzen eine unwillkürliche Achtung gebietet, spricht er : „Da« war für mich— Jetzt aber, mein Herr, geben Sie mir auch etwa« für meine hungernden Armen und Rranfen, welche noch heute mit Nahrung und Erquickung versorgt werden müffen."
Einer solchen Macht des hohen Selbftbewußtsein« unb guten Gewissen« gegenüber — wird eß bem rohen Beleidiger ganz sonderbar zu Muthe- er wirft die Karten hin, springt von seinem Stuhle auf, umarmt den Almosensammler — und giebt, denn die Lust am Spiele war ihm vergangen, all baß Gelb, bas er eben bei sich führte, zur Linberung ber fremben Noth hin. Auch die anderen Gäste, am Spieltische wie im Zimmer, großentheilß reiche und vornehme Müssiggänger, reichten dem hochherzigen Empfänger der Ohrfeige ungewöhnlich ansehnliche Gaben für feine Kranken bar. Er selber aber, der Almosensammler, herzlich dankend, ging fetneß Wegeß mit einer Thräne im Auge, welche ihm nicht der Unmuth ober ber Schmerz über bie erbulbete Mißhandlung, fonbern bie Freude über den Sieg jener Liebe ausgepreßt hatte, welche dem Menschen schon da« Sein der Erde zu einem Borhofe beß Himmel« macht.
von einem Jahre und verfügte die sofortige Verhaftung des Berurtheilten.
• Das Schleswig-Holsteiner Lied „Schleswig-Holstein meer- umschlungen", unter dessen Klängen einst unsere Brüder im Norden für ihr Deutschrhum, für ihre Freiheit gekämpft haben, wird demnächst 50 Jahre alt. Am 24. Juli 1844 wurde es unter Leitung des Componisten, des Cantors Beilmann, auf dem Sängerfest zu Schleswig von der Schleswiger Liedertafel zum ersten Male gesungen- der Text, gedichtet von dem Schleswiger Advocaten Chemnitz, war auf einem kleinen Blatt unter dem Titel „Wanke nicht, mein Vaterland!" gedruckt. In kürzester Zett lief das Lied durch ganz Deutschland. Wilhelm Röseler erzählt in der Nat.-Ztg. folgende Erinnerung vom Jahre 1864: „Es war gegen Mittag, der Collaborator Martens von der Rendsburger Gelehrtenschule lehrte in der Quarta Geographie: da wird es auf dem Corridore und vor der Schule ungewöhnlich laut, der Adjunct Hansen stürzte herein und ruft: „Nun, College, Sie halten noch Schule?" „Was ist denn passtrt?" sagt Martens, worauf Hausen mit dem Organ eines Nebelhorns erwiderte: „Die Dannewerke sind genommen." Lehrer und Schüler waren zuerst wie vom Donner gerührt, dann klappte Martens sein Buch zu, rief, mit Thränen der Rührung: „Kinder, erhebt euch; singen wir, wenn auch an ungewohnter, heute aber gewiß erlaubter Stelle, unser Lied!" Alle erhoben wir uns und sangen das ganze Lied zu Ende, wir fühlten uns zum ersten Male wieder als Deutsche! Die alten Collaboratoren find längst dahingegangen und viele Schüler, die damals begeistert mit in den Sang einftimmten, auch- sie erlebten nicht mehr die Einigung Deutschlands, nicht mehr, daß eine Schleswig - Holsteinerin Kaiserin von Deutschland wurde. Dem Dichter wie dem Componisten des Liedes wird auf dem Schneckenberg bei Schleswig ein gemeinsames Denkmal gesetzt werden, besten Grundstein am 22. Juli d. I. gelegt werden soll.
* Fahrversuch mit einer electrischen Locomotive. Die electrische Locomotive, welche nach dem System Heilmann erbaut wurde, ist auf der Versuchsstrecke Havre-Beuzeville in Frankreich in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft worden und hat die Prüfung recht befriedigende Resultate ergeben. Die Versuchsstrecke enthält erhebliche Steigungen und enge Curven, eignet sich also besonders zur Prüfung der Leistungsfähigkeit neuer Maschinen. Das Gewicht der Maschine mit Kohlen und Master stellt sich auf 118 t. Der Zug mit der Bersuchsmaschine legte die Strecke bei der ersten Fahrt bereits in 30 Minuten zurück, wie die übrigen Schnellzüge. Die zweite Fahrt dauerte nur 26 Minuten. Auf ebener Strecke wurden 70 und bei Steigungen 50 bis 55 km in der Stunde zurückgelegt. Versuchsweise ist man auf ebener Strecke bis 92 km Fahrgeschwindigkeit gegangen, ohne Schaden für die Sicherheit befürchten zu müssen. Die Mitfahrenden loben den ruhigen Gang der Maschine, kein Stoßen und fast kein Geräusch ist zu bemerken. Der Führer befindet sich am Bordertheil der Maschine, hat also vollständig freien Blick auf die Strecke. Es fcheint sonach, daß für Schnellzüge die Anwendung electrifcher Locomotiven eine Zukunft hat, weil die electrischen Locomotiven schneller und geräuschloser fahren, als die Maschinen mit Dampfbetrieb.
* Kaiserin Eugenik. Eine Freundin der „Franks. Zig.", die sich in den Toilettenkünsten der Pariser Weltdamen gut auskennt, hat dieser Tage in Mentone Gelegenheit gehabt, der Kaiserin Eugenie wiederholt zu begegnen. Sie hat sich bei dieser Gelegenheit die ehemalige Modebeherrscherin genau angesehen und gefunden, daß sie auf ein möglichst einnehmendes Aeußere noch immer hohen Werth lege. Die Kaiserin kleidet sich mit der elegantesten und studirtesten Einfachheit. Sie trägt eine hochblonde wellengescheitelte Perriicke, derartig arrangirt, daß das natürliche Haar schneeweiß an den Schläfen hervorquillt. Die Gesichtshaut ist durch „Mouches“ künstlich geröthet. Ob ein nicht Pariserisches weibliches Gemüth wohl eine Ahnung von der Bedeutung dieser „Mouches“ hat? Es find dies kleine Zugpflästerchen, die aus die Innenseite der Wangen gelegt werden und für drei bis vier Stunden diese jugendlich aufschwellen. Nur so erkläre sich das natürlich-jugendliche Colorit der 67jährigen. Ob die interessante Frau auch jene subcutanen Mittel zu Hilfe nimmt, deren Anwendung in Paris eine förmliche Boudoir- Wissenschaft geworden ist, läßt sich nur vermuthen. Die \ Correspondentin spricht die Meinung aus, daß mit der Zeit die Modedamen wie Luftballons aufgeblasen werden dürften, daß sie aber auch wie diese hinterdrein wieder zusammenschrumpfen würden.
* In der Krankenabtheilung der Polizeipräfectur zu Paris werden zu gewöhnlichen Zeiten täglich zehn bis zwölf | Irrsinnige eingeliefert. Seit December ist die Durchschnittszahl jedoch beträchtlich gestiegen - an einem Tage kamen sogar 29 Geistesgestörte an. Ein großer Theil der armen Tröpfe phantasirt von Dynamit attentaten und Haus« Buchungen- die anarchistischen Mordanschläge haben ihren Verstand zerrüttet.
* Wie lernen wir sprechen? Diese interessante Frage behandelte kürzlich Profeflor Waldeyer in einem Vortrag vor dem Deutschen Sprachverein. Das neugeborene Kind — so führte er aus — kann, sofern es normal ist, nur schreien, aber noch lange nicht sprechen. Hierzu gehört eine ganze Reihe von Factoren: 1. ein normal gebildeter Kehlkopf, 2. eine normal gebildete Mundhöhle, Lippen und Zähne mit den entsprechenden Muskeln, 3. das Gehör, das ein sehr wichtiger Factor bei Erlernung der Sprache ist, 4. gewisse Einrichtungen im Gehirn, die es ermöglichen, das Gehörte zu behalten. Endlich aber muß das Kind eine Umgebung haben, der es die Laute und Worte nachsprechen kann. Ohne diese Umgebung würde das Kind nur unartikulirte Laute, die in der Natur vorkommen, wie Brüllen, Pfeisen rc. hervor- bringen, aber niemals sprechen lernen. Der Vortragende erinnerte hierbei an Caspar Hauser. Die hervorgebrachten Laute muß aber das Kind hören können, weil die Muskelbewegungen des Kehlkopfes uns nicht zum Bewußtsein kommen. Erft das Gehör gibt uns von dieser Thätigkeit Kunde. Taubstumme Kinder hören die Laute nicht und können deshalb auch nicht sprechen. Das Kind in seinem Nachahmungstrieb sucht nun das einmal Gelungene zu wiederholen und daraus erklärt sich die Wiederholung der Silben in den zuerst gesprochenen Worten: Papa — Mama. In der allerersten Zeit hat das Kind nur bestimmte Laute für die Empfindungen des Behagens und Unbehagens. So geht es auch den Naturvölkern, deren Sprache ebenfalls sehr beschränkt ist. Erst nach und nach erweitert das Kind seine Sprachfähigkeiten durch den Umgang mit seinesgleichen und mit Erwachsenen, die ihm vorsprechen. Soll das Kind aber die Sprache wirklich gebrauchen können, um sich zu verständigen, so müssen in seinem Gehirn drei Vorrichtungen vorhanden sein: eine für den Gehörnerv, eine Stelle, wo die Muskelempfindungen verknüpft werden, und eine Stelle, an der ein Erinnerungsbild des Gehörten entsteht — denn ohne dies könnte man zwar sprechen, es würde aber Alles kunterbunt durcheinander gehen. Bet so vielen Factoren ist es natürlich, daß die Erlernung der Sprache nur schwer sich entwickelt und daß es lange dauert, bevor man die Sprache beherrscht. Es kommt noch hinzu, daß alle andern Sinne, besonders der Gefühlssinn, beim Sprechen von Einfluß fein können. Profeflor Waldeyer erwähnte die berühmte Laura Brigmann und einen Kunstdrechsler, mit dem Profeflor Kußmaul schöne Resultate erzielt hat. Beide waren blind und taub, konnten aber durch Vermittelung von Gefühlsempfindungen sich verständigen. Je höher in der Cultur ein Volk steht, desto Zweiter ausgebildet wird seine Sprache, wenn auch die Cultur ihre Auswüchse mit sich bringt. Diese zu heben, sowohl was die Anwendung der Fremdworte, als die Handhabung der Sprache betrifft, sei die Aufgabe des Deutschen Sprachvereins. — Der Vorsitzende, Professor Reuleaux, lenkte noch die Aufmerksamkeit auf das Sprechvermögen der Papageien und Affen. Geh. Rath Waldeyer glaubt zwar, daß unter den Thieren eine Sprache von Lauten existiren könne, aber keine Verbindung zu Worten und Urtheilen. Uebrigens sei es sehr schwer, in dieser Beziehung etwas Sicheres zu sagen, weil die Beobachtungen noch zu mangelhaft sind.
* Eine junge Dame in Nürnberg hat ihre Verlobung aus dem Grunde rückgängig gemacht, weil ihr Bräutigam an einem Dreizehnten geboren. 0 sanota simplicitas!
* Humoristisches. Fremder: „Sie, was ist das für ein großes neues Gebäude?" — Einheimischer: „Das Zuchthaus!" — Fremder: „Kommt man da hinein?" — Einheimischer: „Sie vielleicht, ich nicht!"
* Ein Geschäftsmann comme il kaut. Waffenhändler (in der Zeitung von einem mißlungenen Selbstmord lesend, zu seinem Gehilfen): „Meyer, schicken Sie doch gleich dem Mann unseren Prospekt!"
* Boshaft. Alte Jungfer: „. . . O, ich habe viele Körbe ausgetheilt!" — Herr: „Einen sogar zu viel!"
* Abhärtung. „Jainkef, worüm hältst De den Finger in das Wafler?" — „Der Doctor hat gesagt, ich muß nehmen ä Bad- so gewöhn' ich mer nach und nach an's Wafler!"
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Schiff-nachrichten.
Hamburg, 20. März. Neueste Nachrichten über die Bewegungen der Dampfer der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt- Aclten-Gesellschast. Postdampfer „Bavaria", von St. Thomas nach Hamburg zurückkebrend, ist am 28. März, 4 Uhr Morgens, in Havre angekommen. P stdampser „Moravia", am 25. März von Hamburg abgegangen, hat am 28. März, 1 Uhr Morgens, von Havre die Reife nach Newyork sortgesetzt. Postdampfcr „Francia", von Hamburg nach Wrsttndien und Mexiko bestimmt, hat am 29. März, 2 Uhr Morgens, von Havre die Reife nach St. Thomas fortgesetzt. Postdampfer „Italia", von Hamburg nach Baltimore bestimmt, ist am 28. März, 1 Uhr Nachmittags, in Boston angekommen.
Literatur und Aunst.
— Die Reisen zweier Kaiserinnen. Die „Wiener Mode" bringt in ihrem neuesten Hefte tntereflante Ansichten aus Cap Martin und Abbazia, den beiden Orten, auf welche augenblicklich die Augen ganz Europas gerichtet sind. Ganz besonders werden die Villen Amalta und Angiolina in Abbazia interessiren, sowie das Schlafzimmer der Kaiserin Elisabeth im Hotel Cap Martin, dessen einfache Einrichtung bezeichnend für die Denkweise der hohen Frau ist. - Im Modelheil dieses Heftes sind uns einige Holzschnitte ausgefallen, die selbst den an die hervorragenden Leistungen der „Wiener Mode" gewöhnten Beschauer durch ihre seltene Vollendung überraschen. Einen glücklicheren Anfang des Frühjahrsquartals kann man sich unmöglich vorstellen.
— KnnstanSstestung der taubstummen Künstler in München 1894. D e „Vereinigung der taubstummen bildenden Künstler" mit dem Sitze in Münch-n stellt die Veranstaltung einer Kunstausstellung in diesem Jahre zu München in Aussicht. Der Zweck dieses Unternehmens ist nicht nur die Leistungen ihrer Schick,algenossen auf dem Gebiete der bildenden Künste und des Kunstgewerbes höheren Stils dem allgemeinen Publikum zur Beachtung und Beurthetlung oorzuführen, sondern auch für die Hebung und Förderung des TaubstummcnbildungswesenS Sorge zu tragen. Um zur Durchführung dieser Humanitälsbestrebungen gelangen zu können, läßt die Vereinigung an sämmtliche taubstummen Kunstgenosten aller Nationen die Aufforderung und das Ersuchen ergehen, ihre Anmeldungen behufs beabsichtigter Beiheiligung an der Ausstellung baldigst be- thätigen zu wollen. Zur Ehrung verstorbener Collegen werden auch deren Nachlässe, sowie in anderweitigem Besitze befindliche Kunstwerke derselben zur Ausstellung zugelassen. Wad) Zustandekommen des Ausstellungsprojecles werden dieldiesbezüglichen detailltrten Programme den Jnteressentrn zugestellt werden. Anmeldungen sind zu richten an die „Vereinigung der taubstummen bildenden Künstler" in München, Schellingstr. Nr. 113/III1.
Verkehr, Land- und VoU.wirthschaft.
— Die Ledensverstchernng hat in Deutschland eine ver- hältnißmäßtg junge Geschichte. Noch in der Mitte dieses Jahrhunderts waren Sinn und Verständniß für die wtrthschaftlichen Vortheile bet Versicherung gegen den Schaden, den der Verlust eines Lebens für eine Anzahl anderer Leben im Gefolge hat, bet nur wenigen zu finden. Und wenn Heuzutage die Lebensverstcherungspolice sich zu einem Factor herausgebildet hat, mit dem die Bilanz wohl jeder geordneten Familie rechnet, dann gebührt der Dank hierfür in erster Linie den Anstalten, die an der Ausbreitung deS VerftändnifleS für die Wohl- thaten der Lebensversicherung von Anbeginn unablässig gearbeitet haben. Nur wenige Gesellschaften find es, deren Geschichte in den
Anfängen der Entwickelung der deutschen Lebensv erficherung wurzel und wenn wir heute einer derselben speciell gedenken, so werden wi hierzu veranlaß' durch eine denkwürdige Doppelfeier, welche die An statt in diesen Tagen b> gangen bat.
Die LebensverfichernngS- und «rsparnitz. Bank itt Stuttgart feierte nämlich am 23. März d. I. ihr 40 j&briflt* GeschLstSjubiläum und fertigte einige Tage vorher ihre 100 OOOfte Versicherungspolice aus.
Schon im Jahre 1847 war die Begründung einer auf Gegenseitigkeit beruhenden Lebensvelsicherungs-Bank in Stuttgart angeregt worden, die jedoch wegen der politischen Ereignisse des Jahres 1848 unterblieb. 1852 fanb der Plan von Neuem Aufnahme, und am 23. März 1854 erfolgte die Conosston der Bank in Württemberg.
Die Entwickelung der Bank, welcher die beimathlichen Grenzen bald zu eng wurden, war eine ungeahnt günstige Sie holt heute ihren großen Jahreszuwachs nur noch zu einem kleinen Theile au8 dem enger en Hetmathlande Wüi ttemberg; sie arbeitet in ganz Deutschland, in Oesterreich, in allen Cantonen der Schweiz, in Holland und Belgien; neuerdings hat sie auch die Concession in Schweden erworben. Der erste Rechenschaftsbericht weist für Ende 1855 einen Versicherungsbestand von 2 g Millionen Mark aus, bis Ende 1863 hob sich derselbe auf 20 g Millionen Mark, bis Ende 1873 aus 80,«MillionenMark, bis Ende 1883 auf 206 7 Millionen Mark, bis Ende 1893 auf 890,o Millionen Maik. Heute besitzt die Bank einen Bestand von 895 Millionen Mark.
Bis Ende 1893 wurden Versicherungen über 660Millionen Mark Capital beantragt; über 68 Millionen Mark wurden für SterbefLlle und abgelaufene Versicherungen ausbezablt, und an Dividenden kamen über 86 Millionen Mark an die Versicherten zur Rückvergütung.
Dem derzeitigen Versicherungsbestande steht ein Bankvermögen von 109 Millionen Mark gegenüber, worunter sich neben den rechnungsmäßigen Prämtenreserven Exttastcherheitsfonds in Höhe von 17V, Millionen Mark befinden.
Mit freudiger Genugthuung darf die Bank heute auf die ver- floffenen 4 Dezennien zurückblicken, und gerne geben wir dem Wunsche Ausdruck, daß ihr auch in der Zukunft eine gleich gedeihliche Weiterentwickelung beschicken sein möge.
Technische Fortschritte.
— Sicheres Mittel gegen das Rutschen der Leitern. Das Rutschen der Leitern hat bereits unzählige schwere und leichte Unfälle hervorgerufen, die zum weitaus größeren Theil halten vermieden werden können, wenn unter die platten Bäume kleine Tafeln von Kautschuk angeheftet worden wären. Schon im Jahre 1889 brachte das „Leipz. Tagebl." diese Mittheilung und sie wurde in anerkennenswerther Weise auch von zahlreichen Fachblättern weiter verbreitet, aber die Gleichgiltigkeit gegen solche nützliche und fast kostenlose Vorkehrungen ist zu tief eingewurzelt. — Haben unten die Leiterbaume Platten aus Kautschuk angeheftet erhalten, so rutscht auf Holz, Glas, Stein, Asphalt, Cement ober Eisen die L iter nie; ebenso ist es im Hause beim Fensterputzen, Schilderreinigen, Thuren- waschen, Herunterholen von Gegenständen aus hohen Regalen ic. Im klebrigen muß natürlich bei allen besonders hohen Leitern die Anwendung eiserner Spitzen unten an den Leiterbäumen empfohlen werden.
Vekarmtmachmig.
Aufschrift der Postsendungen.
Zur Sicherung schneller Beförderung nnd VestelluaH der vostsendungen müffen auf denselben Empfänger und Bestimmung^ ort so genau bezeichnet sein, daß jeder llngewißhett vorgebeugt wird. Dabei find namentlich folgende Punkte zu beachten:
1. Bei Postsendungen nach größeren Orten ifi in der Anffchrist die Wohnung des Empfängers möglichst genau anzugeben. Auch ist eS von Wichtigkeit, daß die WohnungSangabe stet» an derselben Stelle der Aufschrift, nämlich unten recht», unmittelbar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge.
2. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung des Empfängers, der Postbeztrk (On Nn NO. k.), in welchem die Wohnung fich befindet, hinter der OrtSde- zeichnung „Berlin* zu vermerken.
3. Gibt eS mit dem Bestimmungsorte gleich oder ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzlitH Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Postverkehr als maßgebend anzusehen find, ergibt sich au» dem „Verzeichniß gleichnamiger oder ähnlich lautender Vost- orte*, das zum Preise von 10 Pf. durch Vermittlung jeder ReichS-Postanstalt bezogen werden kann.
4. Wenn der im Reichs-Postgebiet belegene Bestimmungsort zwar mit einer Postanstall versehen, deffenungeachtet aber nicht al» allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt eS fich, die Lage des Orts in der Aufschrift der Sendung noch de» Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe des Staates und bei größeren Staaten des politischen Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. s. w.), in welchem der Bestimmungsort belegen ist, oder auch die Angabe von größeren Flüssen [(Ober), (Elbe), (Rheins, (Main) x.], ober von Gebirgen s(Harz), (Riesengebirge) tc] Nicht minbä find zusätzliche Bezeichnungen, wie ((Thüringen), (Altmark), «rc.1 für den Zweck geeignet.
tfenoungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außerdem eigentlichen Bestimmungsorte noch d i e j e n i g e P o st- anftalt anzugeben, von welcher aus die Bestellung der Sendung an den Empfänger bewirkt roerben bez. bie Abholung erfolgen soll.
6. Wenn ber Bestimmungsort einer Senbung in einem fremden Postgebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten tu rechnen ist, so ist außer dem Ortsnamen noch das betreffend« Land bez. der Landestheil auf der Sendung anzugeben.
Die Beachtung dieser Punkte wird zur Herbeiführung einer schleunigen Ueberkunft der Sendungen an ven Empfänger wesentlich beitragen, und eS liegt daher im eigenen Interesse ber Absender, die Aufschriften der Saiblingen hiernach genau anzuferttgev.
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•Hft«taöis®ef4>riWte Situation der Banca d’Italia scharf krtttfirt und aus der Verzögerung, welche >te Gründung der deutsch-italienischen Bank erfährt, glaubte man schon auf voll tändiges Scheitern des ProjecteS schließen zu wüsten. Ueberdies tragen auch die verschtedmen großen Gesellschaften noch dazu bet, dte Verstimmung zu vermehren. Entgegen den letzten Nachrichten kündigt dte Meridtonal-Etsenbahn jetzt an, daß sie bet Einlösung der April-Coupons in Gold auf der Vorweisung der Titel und der Beibringung eines Affidavits beharrt. Das Vorgehen der Jmmobiliar-Gesellschast, ist noch rücksichtsloser. Sie bezahlt dte Zinsen ihrer Pfandbriefe trotz der früheren Zusicherungen nur noch in Papier, ausgenommen sind nur diejenigen Coupons, | welchen durch rothen Stempelaufdruck dte Einlösung zum festen Cours von 80 901 garanttrt ist. Allerdings verspricht sie, die Goldzahlung sofort wieder aufzunehmen, obalb es ihr dte Umstände gestatten, aber daß dies bald geschehen wird, darüber werden sich dte Besitzer keinen großen Illusionen htngeben dürfen.
Von den übrigen fremden Staatsanleihen schwächten sich argentinische Werthe plötzlich ab, nachdem sie zuerst für Londoner Rechnung begehrt gewesen waren. Eine der bedeutendsten englischen Zeitungen schildert in einem Kabelbericht dte finanzielle Lage des Landes in recht düsteren Farben und befürchtet für nächste Zeit eine neue finanzielle Krisis in Folge der Verluste, welche dte Landw'rihschaft durch dte anhaltende Dürre erlitten hat. Wenngleich bei den unruhigen Zuständen in Südamerika Katastrophen bei dm einzelnen Staaten sehr leicht möglich sind, glaubte man doch den Artikel etwas kaltblütig aufnehmen zu müssen, weil gleichzeitig von London gemeldet wurde, daß ein Bankenconsortium dte seitens der Bartng-Maste bei der Bank von England verpfändeten Bumos-Ayres Wasserwerk- Fonds übernommen habe. Mextcaner schließen nach mehrfachen Schwankungen etwas bester, Rumänen und Serben haben sich nicht ganz behauptet. An Grtewen ist dte Nachricht, daß dte englische Gesellschaft, welche den Bau der Eisenbahn Puräus-Barissa ausführen sollte, infolge Differenzen mit der Regierung ihre Arbeiten eingestellt hat, ohne Eindruck vorübergegangen. Für Spanier sandte Paris niedrigere dtotirungen. Oesterreichische und ungarische Fonds find unverändert. Dm deutschen Staatspapteren kommt der flüssige Geldstand zu statten, doch haben , sie den höchsten Stand nicht voll detbehalten.
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3-Vo fteatl. garant. Jtal.
101.60
101.80
Eisenbahn . .
48 45
48.70
30/0 Lioornei'er . . .
52 60
52.50
87.—
86.65
4«/c, Ruff. Südw Eiserch.
99.95
100.—
84 15
83.70
40/0 Wladikawkas garnt.
99.25
99.40
108.10
108 —
4% gar. Sardin.Sec.stft.
63.10
63.10
LudwigShafen-Bexbach. Hessische Ludwigsbahn. Pfälzische Nordbahn . Lübeck-Büchner .
226.80
114 40
115 20
144 —
226 25 I 113 60 114.60
142.30 1
Orst Nordw.-Bohn fiiLB.
Gotthaddt.....
Jtal. Mtttelmeer . .
218.— 160 30
78 90
216 40
157 50
79.50
Deutsche ReichSbank Berlin. HandelSgesellsch. Deutsche Bank . . . DeutscheGmoffenschftsb. a.Soergel,VarrifiuSLLo.
155.20 141 40
166.60
112.80
155.—
138.—
169 50
112 70
lette«.
Dresdmer Bank. . . Mitteldeutsche Creditb. . Wiener Bank-Verein . Württemb. BereinSbank Deutsche Vereinsbank .
147.15
98.30
107.—
127.50
106.70
139.55
96.70
127.30
106.50
Bindtng-Braueret . .
170.75
170 50
Deutsche BerlagSanstaU
19350
190.35
Stern-" bo.(Oderrad) ytflh. Anilin- u. Soda-
152.50
152.50
Farbwerke,oornuMeister, LuciuS 4 Brüning.
368.—
355 —
fabrik . .
369.—
353 30
Riebeck'scheMontanwerke
163 —
165 70
Htbernia Berpw.-Ges. .
122 20
123 45
Bochumer Gußstahi
140.65
137 40
40/0 Franks. Hyp.-Pfddr. v. 91 ad . . . 37-°/oFrnkf^>yp.-Psbbr.
40/oPreusi.Hvp.-A ct.-Bk.-
Psanodr. XV.-18.
Wh. do......
40/oPreuH. Centr.-Bod.-
Ered.-Pfandbr. bis 1885 .....
103.30
97.—
103 —
96 80
101 55
103.50
97.—
103.—
96.80
101.70
40/oDeutscheGrundschlh - Bk.-Pfandbr. I u, M
3VeVo do. . . .
37 Rhein. Hyp^-Bank- Pfanddr. . . .
40/ Meininger Pfanddr.
48/0 do. do.
unkündbar bis 1900
101 —
96 40
96 20
U l 20
103.—
101 — 6 40
9S.lv t 1.05
103.—
tk
6°/oEhic.Milw.f.SuPaul Prt^ rückzahlb. 1910 .
5°/yChtc.MUw.s.St.Paul
Prt., rückzahlb. 1921 .
60/0 Centr. Pacif. I.Dtrtg.
rückzablb. 1896 . .
MtilOt
113 90
106.90
102.35
tüdt •
113.45
106 65
102.40
IfeuOoWBotiM.
4P/o Chicago Burlington Nebraska 1927 . . 41/if/o California Pacif.
L M.. rückzahlb. 1912 6o/oPacifwfMiffouri conto lidated I. M. r. 1920
87 40
104 90
97 —
87 0»
104 —
93.40
Oestr. 1860c fl. 500-Loose „ 1854r fl. 250- „ 40/0 Meininger Prämten- Pfandbr.....
123 80
124.50
127 65
Sooft«
123 45 I Braunschweig. 20 Thlr^
124 60 I Loose ....
I M/v Oldenburger Loose .
128.15 1 3»/»°/v Köln-Mtndn.Loose
103.50
126.10
132.30
103.55
12645
132.25