1893 Dienstag den 31. October Nr. 256 Erstes Blatt Gießener Anzeiger Senerat-Icnzeiger Amts» unb Anzeigeblatt für den Kwi» Me^en chratisbeilaqe: chießener Kamikienbtätter. ! W0iU ei" Nxb unbt Feuilleton hcs fr gedrängt, wenn Du Dich von ihr Entsetzlich!" rief Alma. Das Leben? , hierdurch M Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr. Alle Nnnoncen-Burraux de» In» und AuSlande» nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. ff n h n- Berlin, bespricht in russischen daß derselbe Wrfaction tpibttUW und Druckerei -ch»lßr«t< Hr.7 Fernsprecher bl. Die Gießener »erden dem Anzeiger »Gchentlich dreimal d «gelegt. Vierteljiihnger A5on«emeut»pret»» 2 Mart 2" mM Brnetzrrlodn. tuiit rii 'Dnfi 2 Slavt nu ihj rmmMW 1. Mr. 1893. 'ctober. Md t tt 'm dm obttin Saale 1 auch fvchgn Mitzlckr betrögt: • • il Der G^rtzener Zn,et,er erscheint täglich, «tt Ausnahme d«S Montag». zweifelten Schritte trenntest?" „Das hat sie Monat später —" auch ausgeführt. Sie nahm sich einen .Nein, einen anderen. Der arme Kerl!" ,Wie? Du bedauerst ihn?" Ja freilich. Er war früher mein größter Feind, ich gebe. Es sei eine längst bekannte Thatsache, daß Rußland auf die Freundschaft und eventuell auch auf die Hceressolge Frankreichs zählen könne und daher keinen Grund habe, diese ihm unentgeltlich zufallende Freundschaft durch das Versprechen der Gegenseitigkeit zu bezahlen. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." wendet sich gegen einen neuerlichen Angriff, den die „Hamburger Nachrichten" am 25. October gegen die Handelsverträge auf Grund des Jahresberichts der Chemnitzer Handelskammer richteten. Gegenüber der Behauptung, daß die Handelsverträge an den augenblicklichen unerfreulichen Zuständen Schuld trügen, weist die „Nordd. Allg. Ztg." auf das vertragslose Frankreich hin, wo ebenfalls Klagen des Handels und der Industrie ertönten. Das Ziel der Handelsverträge, für die Geschäftswelt einen festen Boden zu gewinnen, der es erlaube, sicher zu rechnen und sich auf längere Zeit einzurichten, sei als erreicht zu betrachten. Seien auch die gezogenen Grenzen noch enge und infolge dessen große Gewinne nicht zu erzielen, so sei doch die Möglichkeit geschaffen, mit Vortheil zu arbeiten. Die Herstellung stabiler Verhältnisse werde auch von dem bei Weitem größten Thetle der hier in Betracht kommenden Kreise anerkannt und freudig begrüßt. Die „Nordd. Allg. Zeitung" führt sodann die Aeußerungen einer Reihe von Handelskammcrberichten an, insbesondere der Handelskammern SachsenS, die sich in diesem Sinne äußern. Berlin, 28. October. Zur Reichstagseröffnung schreibt die „Kreuzzeilung": Von maßgebender Stelle aus ist die Weisung ergangen, die Vorarbeiten zur Eröffnung des Reichstages möglichst zu beschleunigen, damit man vor Beginn der Weihnachtspause noch hinreichende Zeit gewinnt, um die dringlichsten Sachen erledigen zu können. Demgemäß gilt es jetzt in den zuständigen Behörden für wahrscheinlich, daß der Reichstag seine Arbeiten eine Woche früher, als bisher angenommen, wird beginnen können, nämlich in den Tagen etwa vom 14. bis 16. November. Die Einberufungs Ordre für den Reichstag steht in einigen Tagen zu erwarten. Berlin, 28. October. Die Landtagswahlbewegung in Preußen steht vor ihrem Ausgange, denn an diesem Dienstag finden die Urwahlen zum Abgeordnetenhause statt. Man kann nicht sagen, daß die Wahlcampagne einen besonders lebhaften oder gar heftigen Character getragen hätte, im Gegentheil, die Agitation bewegte sich meist in sehr gemäßigten Grenzen und jene Wahlkreise, in denen sie einen regeren Wellenschlag zeigte, sind zu zählen. Trotzdem darf man dem Ausfälle der preußischen Wahlen immerhin mit Jntereffe ent» gegenblicken, hauptsächlich deshalb, weil die Parleiconstellation diesmal denn doch gegenüber den Landtagswahlen von 1888 einigermaßen verändert erscheint. Damals wirkte noch das bei den Reichstagswahlen von 1887 zwischen den beiden conservativen Parteien und den Nationalliberalen abgeschlossene Cartell nach, in der am DienStag zum Abschlüsse gelangendes Landtagswahlbewegung aber sind die preußischen Cartell» Parteien fast überall unabhängig von einander vorgegangen. Dafür haben sich einerseits die Conservativen vielfach mit dem Bunde der Landwirthe verbündet, während anderseits di( Nationalliberalen nicht minder häufig Wahlallianzen mit den Linksliberalen eingegangen sind. Außerdem ist im Lager der letzteren die bekannte Spaltung in Volkspartei und Vereinigung eingetreten, die bereits in den letzten Reichstagswahlen zur Geltung kam und die zweifellos auch bei der bevorstehenden Wahlschlacht in Preußen erneut zu bemerken sein wird. Jedenfalls sind interessante Ueberraschungen bei den Wahlergebnissen des 31. October nicht ausgeschlossen, obschon an eine ernstliche Verschiebung der bisherigen Stärkeverhältnisse in der preußischen Volksvertretung schwerlich zu denken ist. — Entschädigung unschuldig Verurtheilter. Die ,,B. B.-Ztg." schreibt: Mit aller Bestimmtheit wird die Einbringung eines Gesetzentwurfs, betreffend die Entschädigung unschuldig Verurtheilter, in der bestehenden Reichstagßsession angekündigt und sogar der Inhalt der Vorlage bekannt gegeben. Bis zur thatsächlichen Erfüllung des Wunsches wird man sich aber, wie von guter Seite verlautet, noch gedulden müssen. Die Sache ist in der allerersten Entwickelung begriffen und wenn es auch wahr ist, daß der Staatssecretär des Reictsjustizamtes sich besonders dafür interessirt, einstweilen ist noch gar nicht abzusehen, wann es möglich sein wird, die Angelegenheit weirerzuführen. — Die Organisation des Handwerks. Die Pläne des preußischen Handelsministers bezüglich der Organi- würdig verneigenden und sonderbar krümmenden Collecteuren gegrüßt und geleitet. Dann aber brach ein donnerndes Gelächter los. „Weiß der Himmel," sagte Zwistebtll, als sich der Sturm etwas gelegt hatte, „die am wenigsten intelligenten Oeconomen erfreuen sich doch stets der größten Erdapfel." — — Gespannt wartete Alma der Rückkehr ihres Gatten- seine bestimmte Erklärung hatte ihr ihre Hoffnungsfreudigkeit nicht genommen, denn von bloßer armseliger Logik hatte sie sich noch nie bestimmen lassen. Ihre Neugierde hielt sie am Fenster fest und da gerade die Sonne stark schien, spannte Alma ihren Sonnenschirm auf und blickte so auf die Straße hinab. Gleich allen Vorübergehenden über dieses Schauspiel erstaunend, kehrte Hermann zurück. Alma eilte zum Spiegel, um schnell noch ein erzürntes Gesicht — der Briefe halber — zu studiren, dann lief sie ihrem Gatten auf der Treppe entgegen. „Nun, haben wir gewonnen?" rief sie lebhaft. „Fällt unS nicht im Traume ein," entgegnete Hermann phlegmatisch. Die Liebesbriefe hat Alma ihrem Manne nach längerem Zürnen und Schmollen verziehen, jedoch erst, als sie sich persönlich von der Wahrheit seiner Aussagen überzeugt. Daß er jedoch das GlückslooS nicht gekauft, daß er so alle ihre Hoffnungsträume zerstört hat, daß sie nun nicht in der Lage ist, andere Frauen durch kostbare Kleider und Schmucksachen, durch Reisen und Gesellschaften neidisch zu machen und zu ärgern, — das hat sie ihm nie vergeben. Hermann ahnte dies bereits an jenem Tage voraus. Als er am Nachmittag in seinem Comptoir saß, stellte sich ihm der Reisende einer großen Theersabrik vor. Hermanns Geschäft brachte es, nebenbei gesagt, mit sich, daß er mit Großhandlungen dieser Art zu thun hatte. „Mein Name ist Drängler," sagte der Reisende höflich. „Ich komme von der Firma Schmier und Söhne und möchte mir erlauben, unsere Fabrikate zu empfehlen. Wir führen Pech in Prima-Qualität —" „Danke bestens, bin reichlich versehen!" rief Zwistebill und warf den Reisenden hinaus. eberna^ f in der CMch. D us Darmstadt. luvg in Steinl GaA ® Zum Reformationsfeste. Unsere Zeit vergißt schnell. Jedes Jahrhundert bringt Männer hervor, deren Namen und Person ein rasch lebendes Geschlecht bald aus den Augen verliert und lebt doch von ihrem Werk, erbt Segen oder Fluch von jenen, und muß ernten zum Unglück oder Heil, was die Vergangenheit gesäet. Der Tag der Reformation läßt wieder den Mann vor unfern . Augen erstehen, dessen mächtiger Geist dem Leben Deutsch» hnbS sein Gepräge gegeben hat bis auf diesen Tag, den Mann so muthig wie demüthig, so stark wie gläubig, Martin Luther. Auch die, welche sein Werk nicht verstehen oder gar hassen, danken ihm für ihr Geistesleben mehr, als sie selber es ahnen. Unsere Zeit lebt von seinem Erbe. Zwei Gegner hat das Reformationswerk Luthers: die» jentgen, welche im Banne der römischen Satzungen das Heil suchen, und diejenigen, die sich selbst und die eigene Willkür unb Lust als höchste Autorität ansehen und von jeder andern sich emanzipiren. Luther hat uns die Freiheit von den Fesseln falscher Autorität und von der Willkür des eigenen Beliebens errungen und uns den Weg zur wahren Freiheit geführt, bi< nur im Gehorsam gegen den lebendigen Gott und sein hliliges Wort gewonnen werden kann. Unter heißen Kämpfen hrt er den Frieden mit Gott durch Jesum Christum gefunden unb Allen, die ihrer Seelen Heil suchen, diesen Weg geöffnet. „Hier stehe ich, ich kann nicht anders," das ist die Sprache eines Helden, der, allen irdischen Feinden trotzend, nur unter den heiligen Gott und die Stimme des Gewissens sich beugt. Wo das von Gott und seiner Offenbarung in Christo ge» bindene Gewissen diese höchste Autorität preisgiebt, da öffnen sich die Schleusen der Re v ol u ti o n- wo diese Autorität zu ihrem Rechte gebracht wird, da hält die Reformation ihren siegreichen Einzug. Was Deutschland groß gemacht hat, ist das Erbe der Reformation. Vielfach ist es vergessen, verachtet und in den 6 taub getreten. Der Ernst der Zeit mahnt uns, die wir ■: Evangelische nennen, den lebendigen Gott, den Viele zu fom Todten geworfen, mit aller Kraft unserer Seele wieder zu suchen und seinen Dienst als die Aufgabe und das Ziel . uitfereß Lebens zu erkennen. Heute ruft alle Welt nach Freiheit, aber es gießt keine Freiheit ohne den Glauben an Christum, I in welchem der Mönch von Wittenberg sein Reformationswerk au-gerichtet hat. Uhr aalbau), ijutabw M “ ).• r November. mlnng in der Stobr Siffig aus Bad-Nr- ütverks Noth". Frankfurt a. M. „Ich habe kein Loos genommen," sagte Hermann betroffen. „Wie? Du hast —" rief Alma erbleichend. „Es gibt doch nur einen Zwistebill in der Stadt." „Einerlei, ich habe kein Loos." Alma quälte ihn nun so lange, bis er sich entschloß, das Lotteriegeschäft aufzusuchen. Als er sich der Thür näherte, kugelte sich Euphrosine so schnell sie es vermochte, vom Schlüsselloch hinweg, an dem sie eine lauschende Menschenmaffe dargestellt hatte. Wäre ein Schutzmann zugegen gewesen, er hätte sie sicherlich ersucht, auSetnanderzugehen. Im Lotteriegeschäft fand Hermann außer einigen Angestellten einen stillen, ältlichen Herrn, auf dessen Antlitz ein behagliches Lächeln Platz genommen hatte. „Ich komme, um ein Mißverständniß auszuklären. Mein Name ist Zwistebill." „Sehr liebenswürdig," sagte einer der Collecteure. „Die Sache ist bereits geordnet. Der Herr hier", und dabei wies er auf den ältlichen Herrn, „ist der glückliche Besitzer des Looses Nr. 42." „Ja, das bin ich," schmunzelte dieser. vDer Herr glaubte unter seinem eigenen Namen nichts zu gewinnen und ließ das Loos daher auf Ihren werthen Namen eintragen," fuhr der Collecteur fort. „Weil der Name Zwistebill der letzte im Adreßbuch ist," schmunzelte der ältliche Herr. „Meine selige Tante machte es immer so." „Jaso!" sagte Zwistebill. „Noch eine ergebene Frage, hochgeehrter Herr!" wandte sich jetzt der Collecteur an den ältlichen Herrn. Alle Anwesenden horchten gespannt. „Vorhin, als ich das Vergnügen hatte, Ihnen Ihren Gewinn auSzuzahlen, bemerkten Sie gütigst, Sie hätten sich viele Mühe gegeben, gerade Nr. 42 zu bekommen." „Das will ich Sie sagen," schmunzelte der ältliche Herr. „Ich träumte vor ein paar Monaten einmal in der Nacht von lauter Sechsern, von nichts wie lauter Sechsern. Nun machte ich Sie meine Combination: siebenmal sechs ist zweiundvierzig. Punktum!" „Ah — sooo!" rief alles. Der ältliche Herr ging jetzt hinweg, von den sich merk- Deutsches Reich. 28. October. Die „Nordd. Allgem. Zeitung" ihrem heutigen Leitartikel den Besuch der Flotte in Toulon und hebt dabei hervor, Deutschland keinen Grund zur Beunruhigung * * .. 6- , • ■ .2.20-, • • « 0.50 „ ta Ernst Ghali. fflftet WnütHiKi,, ttdrvnm Saale dH Mehrer Geig,, Wetters. rige |inb zu diesem fc est MB 8 Uhr: mgsfesi« ■"-USat !takte einen kostspieligen Prozeß gegen ihn verloren. Seit per Zeit, wo ihn Bertha nahm, sind wir ausgesöhnt." Herr Zwistebill sprach die reine Wahrheit- seine Gattin Raubte selbstverständlich nicht ein Wort davon. Endlich wurde ihm die Sache zu bunt- er fragte: „Wie kamst Du denn dazu, meinen Schreibtisch zu offnen?" Alma ließ es sich nicht merken, daß der Lotteriegewinn ein treffliches Pflaster auf ihren Schmerz war- noch immer oürnenb, gestand sie ihm den Beweggrund. Pech in Prim« - AuslM. Humoreske von Ad. Thiele. (Schluß.) Alma war allein mit ihrem Schmerz. Sie konnte es sich nicht versagen, den Dolch noch tiefer einzubohren, die Briese sämmtlich zu lesen. Endlich kehrte ihr Gatte zurück. Er erschrack allerdings, als er die Briefe in der Hand feiner Frau sah. Mit den pathetischen Worten: „Sieh her, Treuloser!" begann eine Scene, wie wir sie der schönen Leserin nie, nie tvünschen wollen. Hermann faßte sich, doch vergebens versuchte er Almas Anklagen abzuwehren. „Die Sache ist ja längst aus," sagte er. „Sie wurde unS beiden viel zu langweilig." „Aber diese Briese besagen das Gegentheil." „DaS war nur eine schlechte Angewohnheit von der Bertha, solche Briefe zu schreiben." „Wie? Und hier in diesem letzten, wo sie betheuert, sie könne dieses Leben nicht fortführen, sie sei zu einem ver» e d o 1 .uw®!11 1% 11 Nation des Handwerks begegnen der „B. B.-Ztg." zufolge in zunehmender Weise lebhaftem Widerspruch der Interessenten. Zu den Protesten aus Preußen gesellen sich solche, und zwar ziemlich zahlreich, aus den übrigen Bundesstaaten. Die Einwände kommen im Wesentlichen darauf hinaus, daß man in maßgebenden Kreisen in den Vorschlägen eine Beschränkung der freien Bewegung und des Gewerbes erblickt, welche man für schädlich erachtet. Diese Wirkung der Vorschläge deö Ministers v. Berlepsch hatte man im Schooße der Regierung nicht vorausgesehen und ist davon sehr unliebsam berührt. — Vorschriften über den Verkehr mit Sprengstoffen. Der „Reichs-Anzeiger" meldet: AuS Anlaß eines an die Bundesregierungen gerichteten Ersuchens des Bundesraths haben die Minister des Innern und für Handel und Gewerbe beschlossen, die Vorschriften über den Verkehr mit Sprengstoffen anderweit gleichförmig zu regeln und auf Grund deS § 136 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (Gesetz Sammlung S. 195) für den Umfang des gesammten preußiichen Staatsgebiets unter dem 19. Octobcr eine darauf bezügliche Polst zeioerordnung erlassen, welche in der heutigen Nummer des „Reichs- und Staatsanzeigers" veröffentlicht wird. Potsdam, 28. October. Herzog Alfred vou Coburg- Gotha ist um 10 Uhr Vormittags in der Wildparkstation eingetroffen und vom Kaiser herzlichst empfangen worden. In der Ehrencompagnie standen der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich. Köln, 28. October. Socialdemokratischer Parteitag. In der gestrigen Nachmittagssiyung reserirte Bebel über Antisemitismus und Socialdemokcatie in zweistündiger Rede, scharf gegen den Antisemitismus losziehend. An Hand des antisemitischen Programms beleuchtete er viele darin enthaltene Widersprüche und führt aus, der Antisemitismus werde stärker werden und später ganz dem Socialismus zutreiben, heute polemisire er schon nicht mehr allein gegen die Juden, sondern auch gegen das Junkerthum. Der einseitige Kampf der Antisemiten müsse erfolglos sein, weil die Ausbeutung der Menschen keine speciell jüdische, sondern eine der bürgerlichen Gesellschaft eigenthümliche Erwerbsform sei, die erst mit dem Untergang der bürgerlichen Gesellschaft endtge. Die Antisemiten würden niemals einen maßgebenden Einfluß auf die Gesetzgebung erlangen, und wenn letzteres geschehe, würden sie nur für einen reactionären Staat eintreten. Das Antisemitenprogramm sei ein wunderbares mixtum compositum. Die bereits bekannte Bebel'sche Resolution wurde einstimmig angenommen. Hierauf schritt man zur Erledigung des achten Punktes der Tagesordnung: „Anträge zu Programm und Organisation." Ein Deleginer befürwortete folgenden Antrag : den Punkt, Religion ist Privatsache, zu streichen und dafür zu sagen: „Die Religion und deren Lehren sind überall dort zu bekämpfen, wo dieselben dem Fortschritt und der Wissenschaft entgegentreten oder die nach Erlösung aus wirthschaft. sicher und politischer Knechtschaft ringende Menschheit an der Erreichung dieses Zieles zu hindern suchen." Dieser Antrag fand nicht die Unterstützung der Versammlung. Desgleichen wurde der Antrag eines Elberfelder Delegirten abgelehnt, den Parteitag fernerhin alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Man entschied sich dafür, denselben auch fernerhin jedes Jahr abzuhalten und zwar im nächsten Jahre in Nürnberg. Heute geht der Parteitag zu Ende mit der Discussion über den letzten Punkt der Tagesordnung: „Das allgemeine Wahlrecht und die Wahlrechte zu den Landtagen". Die Versammlung beschäftigte sich in der heutigen Vormittagssitzung zunächst mit dem Antrag der Parteigenossen in Ostrowo, demzufolge nach Ablauf der Amtszeit des Parleivorstandes höchstens drei von diesen in die neue Parteileitung gewählt werden dürfen. Kein Genosse dürfe länger als zwei Jahre hintereinander dem Vorstande angehören. In der Debatte über diesen Gegenstand forderten verschiedene Delegirten, es müsse junger Nachwuchs in den Vorstand kommen. Es wurde indeß über diesen Antrag mit knapper Majorität zur Tagesordnung übergegangen. Ein Antrag, in allen Provinzen und Landestheilen mit überwiegend ländlicher Bevölkerung ÄgitationScomitos zu wählen, welche vom Parteivorstand materielle Unterstützungen erhalten sollen, wird dem Vorstand zur Erwägung übergeben. Ueber die Resolution der Brüsseler Parteigenossen, man solle nicht alle radicaleren Elemente vergewaltigen, wird auf Antrag Bebels zur Tagesordnung übergegangen. Ein Antrag, in dem der Parteivorstand aufgefordert wird, die Frage einer die Erwerbslosigkeit jeder Art betreffenden Reichsversicherung zu prüfen, wird abgelehnt. Bebel wendete sich bei der Debatte wiederum heftig gegen den Canossagang einzelner Genossen zum Socialcongreß nach Frankfurt. Wenn das nicht aufhöre, werde der nächste Parteitag einen diesbezüglichen Beschluß fassen müssen. Sämmtliche sechs bereits früher angefochtenen Solinger Mandate wurden für ungiltig erklärt. Rendsburg, 28. October. Am Nordostseecanal sind vier Arbeiter an der Cholera erkrankt. Ein Fall verlief tödtlich. Aurlarrd. Toulon, 28. October. Im Augenblick der Abreise empfing der Präsident Carnot nach einer Mittheilung der „Agencc HavaS" das folgende Telegramm: „Gatschina 27. October. An den Präsidenten der französischen Republik in Paris. In dem Augenblick, wo das russische Geschwader Frankreich verläßt, liegt mir daran, Ihnen zu sagen, wie dankbar gerührt ich 'von dem warmen und glänzenden Empfang bin, den die russischen Seeleute überall auf französischem Boden fanden. Diese neuerlichen, so beredten Beweise von lebhafter Sympathie werden den Banden, welche unsere beiden Länder vereinigen, neue hinzusügen und, wie ich hoffe, zur Befestigung deS allgemeinen Friedens beitragen, welcher hauptsächlich der Gegenstand der Bestrebungen und der beständigen Wünsche unserer Länder ist." Unterschrift: Alexander. — Mit den Abschiedsfestlichkeiten in Toulou am Freitag hat der russische Flottenbesuch in Frankreich seinen I Abschluß erreicht. Zur Theilnahme an der Abschiedsseier war Präsident Carnor in Begleitung mehrerer Minister nach Toulon gekommen. Carnot besichtigte zunächst daS russische Geschwader und stattete im Anschluß hieran dem Admiral Avellan an Bord des „Kaiser Nicolaus" einen offiziellen Besuch ab; auch an Bord des ^Nahimoff" erschien Carnot. Später wohnten der Präsident und die Minister, sowie Admiral Avellan und die russischen Offiziere dem Stapellaufe des neuen Panzerschiffes „Jaur^guberny" bei Dann war großes Abschiedsbanket mit den üblichen DerbrüSerungSreden. Madrid, 28. October. Das zwischen Deutschland und Spanien bestehende HandelS-Provisorium ist bis zum 31. December d. I. verlängert worden. Chicago, 28. October. Der Bürgermeister von Chicago, Carter Harrison, wurde heule m dem Amtsgebäude von einem unbekannten Manne durch einen Revolverschuß getödtet. CocoXes unö provinzielle-. Sieben, 30. October 1893. -e- Coucertvereiu. Elftes Concert (102. Vereiiitzjahr) am 29. October 1893. Ausführende: Frau Marie Schmidt- Kühne (Sopran), Herr Charles Gregorowitsch (Violine), Herr Fritz Masbach (Clavier) aus Berlin. Den Haupt- antheil an dem Erfolge des gestrigen Abends sprechen wir ohne Bedenken Frau Schmidt-Kühne zu. Durch den Vortrag einer Reihe von Liedern, deren Auswahl ihrem künstlerischen Empfinden zur Ehre gereicht, hat sie den Zuhörern ungetrübten Genuß dargeboten. Uns hat aber besonders noch gefallen, daß man dem Gesänge von Frau Schmidt anmerkt, daß er von Herzen kommt, und daß die Interpretin, so oft sie auch diese Lieder schon gesungen haben mag, doch immer wieder von denjenigen musikalischen Empfindungen geleitet wird, die dem Componisten das betr. Lied eingegeben haben. Von ihren Vorträgen haben uns das tief empfundene Franz'sche Lied „Zwei welke Rosen" und Brahms „Vergebliches Ständchen" am besten gefallen, doch mögen andere Hörer andere der vielen Lieder, die uns Frau Schmidt- Kühne vorsang, als Perlen des Abends bezeichnen. Darin werden sie alle wohl einig sein, daß sie sagen, die Erinnerung an den 29. October wird durch die Leistungen von Frau Schmidt-Kühne eine dauernde sein. Warum Frau Schmidt-Kühne das herrliche Cornelius'sche Lied „Komm wir wandeln zusammen" mit so wentg musikalischem Feuer vor- getragen hat, können wir im Hinblick auf die übrigen Leistungen nicht verstehen. — Herr Gregorowitsch spielte den zweiten und dritten Satz des Mendelssohn'schen Diolin- Concertes, wobei uns der Vortrag des Mittelsatzes besser gefiel, als der des Finale, das uns in seiner Ausführung etwas strack vorkam. Mit dem Vortrage der Faust-Fantasie von Sarasate zeigte der Künstler seine glänzende Technik. Der Ton, den er seinem Instrumente, daS nebenbei bemerkt, dem leider |0 früh verstorbenen Prof, de Ahna gehörte, entlockte, war edel und groß, namentlich aber auf der §-Saite entzückend. Der Beifall, welcher dieser Nummer folgte, veranlaßte Herrn Gregorowitsch zu der Zugabe einer Mazurka von Zarzhcki. — Herr MaSbach halte zugleich als Solist und als Begleiter der übrigen Solonummern zu fungiren. Mit der Auffassung seiner Solovorträge konnten wir manchmal nicht einverstanden sein. So glauben wir kaum, daß die Interpretation von Webers „Aufforderung zum Tanze" im Sinne Webers gespielt war. Die beiden letzten Stücke für Clavier („Kamenoi Ostrow" von Rubinstein und „Rhapsodie XII." von Liszt) können trotz des guten Klanges der 9famen der betr. Componisten auf ein musikalisches Gemüth keinen Eindruck machen, sie boten aber Herrn Masbach Gelegenheit, feine gediegene Technik zu zeigen. Das Publikum ließ es nach deckt Vortrage dieser Nummern nicht an Beifall fehlen und Herr Masbach gab zum Dank hierfür die LiSzt-Schubert'fche „Forelle" zu. Die Begleitung der übrigen Solonummern durch Herrn Masbach war sehr discret, ja zu discret. Denn durch die allzu zurückhaltende Begleitung kommt Herr Masbach dazu, undeutlich zu spielen und die Harmonien zu verwischen. Besonders in der „Elfe" von Rietz, das Frau Schmidt wiederholen mußte, machte sich dieser Mangel geltend. Andererseits aber begleitete Herr Masbach einige andere Lieder mit großer Feinheit. — Das zahlreiche Publikum zeichnete die Künstler durch starke Best fallsäußerungen aus. ** Auch an dieser Stelle wollen wir noch einmal auf das Dienstag und Mittwoch dahier stattfindende ZahreSfest des Oberhesfischeu Vereins für innere Mission aufmerksam machen. Es ist gerade deshalb in diesem Jahre dafür eine andere Anordnung gewählt worden, um den Mitgliedern der evangelischen Gemeinde Gießens eine größere Betheiligung zu ermöglichen, als bei der seitherigen für sie unzweckmäßigen Einrichtung. Der Festgottesdienst ist darum auf den Abend verlegt, auch wird eine Abendversammlung veranstaltet werden. Den Auswärtigen ist dadurch freilich die Antheilnahme an sämmtlichen Festveranstaltungen erschwert. Umsomehr darf man wohl hoffen und erwarten, daß ein recht zahlreicher Besuch des Gottesdienstes, in dem zudem ein früherer Gießener Geist licher, Herr Oberconsistorialrath Walz von Darmstadt predigt, sowie die Abendversammlung seitens unserer Gießener den Versuch rechtfertigen werden. Im Abendgottesdienst wird der Kirchengesangverein mitwirken, bei der Abendversammlung ein Männerchor und ein gemischtes Quartett. Außerdem sind bei letzterer interessante Ansprachen vorgesehen, u. a. von dem Reisepredtqer deS Centralausschusses für innere Mission in Berlin, Pastor Fritsch, und von Pfarrer Naumann auS Frankfurt a. M. ** Die Grundsteinlegung zum CorpShause des Corps „Starkenburgia" vollzog sich am Samstag Nachmittag 4 Uhr in derselben Form wie bei der Grundsteinlegung zu den Häusern der CorpS ^Hassia" und „Teutonia". Actioe I und Alte Herren, Vertreter der hiesigen und einiger auS- ’ traniger Corps zogen mit Musikbegleitung vom Schütz" auS nach dem Bauplatze, dem früher Möller Garren am Leihgesterner Weg. Die Einfügung der tg Urkunde enthaltenden Kapsel erfolgte nach einer Ansprache der Präsidenten und deS Schriftführers des Alt-Herren SBctfcanta, worauf nach Abstattung des DankeS der flennen durch thxtt ersten Chargirren von den Anwesenden die üdltchen Hamm«, schlüge auSgeführt wurden. Die Festversammlung wurde Schluffe der Feier an On und Stelle photographiich genommen. DaS neue CorpShauS bietet eine schöne Miel auf dtc Stabt und deren Umgebung und ist besonder» zu bemerken, daß von dieser Stelle auS auch die det!-, anderen Corpshäuser gesehen werden können, bezw. die letzte:-, wieder Aussichtspunkte auf ersteres bieten. ♦ * Laudtagrwahl. Unseren Bericht in voriger müssen nur dahin verbessern, daß Bürgermeister e u n t*t nattonalliberal, sondern parteilos ist. * ♦ Ein in einer hiesigen Gärtnerei gezogener Cella» köpf, welcher P/8 Pfd. wiegt, desgleichen eine FletfchM^ von 6/4 Pfd. auS der BuderuS'fchen Gärtnerei in i'tfa wurden uns heute gezeigt. • * Feuer. Gestern Abend 6 Uhr brach in der Schevz deS Jacob Duill auf der Badenburg Feuer au-, das, ehe es größere Dimensionen annahm, glücklicher Weise geljitz werden konnte. Nur dem energischen Eingreifen der be:^, berittenen Gendarmen Heppner und Dietz war eS ju w» danken, daß mit nur wenigen Leuten ein größere» Sdiati» feuer verhütet wurde, da bereits Stroh und Gebälke in Flam», standen, und fast zu verwundern ist es, daß Frucht- un Futtervorräthe verschont blieben. Die gänzliche Adlösch^ nahm etwa zwei Stunden anstrengende Arbeit in flnfpn* * * Patent Anmeldung. Dauerbrandofen für dackeick Kohlen mit nachgiebigen Füllschacht - Wandungen. ötfemrrf Hirzenhain, H. R. BuderuS in Hirzenhain, 17. Juni 18^1 Patent - Ertheilnng. Verfahren zur Herstellung :n Platten, Steinen und Wanddielen aus Kielelguhr, Stärken-! ! und Alkalilauge: Dr. Chr. Hemzcrling in Frankfurt a. M. und die Gewerkschaft Klaus tn Gießen, vom 4. Juni 1892 * * Seminaristen im Großhetjogthum Hessen. Nach ? Mittheilungen der Centralstelle für die LandeSstansnk tc der Schülerbestand der drei Schullehrcr-Eemi? i rien in Hessen pro 1892/93: in Alzey 93, BenShe w 9» und Friedberg 118. 0. AuS Oberhefsen, 29. October. Münzen zlr hl unz im deutschen Reiche. In Ihrer heutigen Nummn 255 (erstes Blatt) bringen Sie^die Nachricht, daß ce 31. ds. Mrs. Abends nach Schalterschluß eine Münzenzählurq bei der Post stattfinden wird. Das ist ein Gebrauch, wellt er schon feit vielen Jahren nicht nur bei der Post, sondern l ■ allen staatlichen Kassen vorgenommen wird. Im Großhirn • thum Hessen ist das Resultat an die Großherzogliche staatskasse einzuberichten, welch' letztere Behörde es bei Beamten ungemein bequem gemacht hat. Jede KassensnL hat nämlich eine Postkarte erhalten, auf welcher die einzelne« Münzsortimente vorgedruckt sind. Der Kassebeamte nunc' den Bestand seiner Kasse auf, schreibt die Sorten mit ihrer Beträgen in die betreffenden Rubriken, unterschreibt die Pon- karte, welcher bereits die Adresse der Hauptstaatskasse aufae- druckt worden ist, und wirft diesen gewiß einsachen Beni: in den Briefkasten. Am folgenden Tage, dem 1. November empfängt die HauptstaatSkasse sämmtliche Berichte und stell: sie zusammen, waS auch nur ganz kurze Zeit in Anspruch nimmt, weil alles vorbereitet ist. Die ReichShaupckaffe in Berlin empfängt kurz darauf die Nachrichten von den Smtel' floaten und hat sofort einen Ueberblitf darüber, welche Geldsummen und Mllnzsorten in den Staatskassen de» »aoten deutschen Vaterlandes circuliren. nn. Darmstadt, 29. October. Großfürst Se rgiu» von Rußland, sowie feine Gemahlin Prinzessin Elisabeth von Hessen und Großfürst Paul werden am nächsten Dienstag aus Paris am hiesigen Hofe wieder eintreffen. Dieselben werden noch einige Zeit die Gäste deS Großherzog» fein und auch der Geburtstag der Großfürstin, welche am 1. November 1864 geboren ist, soll in der Großherzogl. Familie festlich begangen werden. nn. Darmstadt, 29. October. Bei dem heute bet Jagd- schloß Kranichstein stattgehabten Rennen deS Hessischen Reiter Vereins, denen auch Se. Königliche Hoheit der (^iop Herzog, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen im» Prinzeß Alix beiwohnten, ereignete sich leider ein doch« bedauerlicher Unglücksfall. Im schweren Jagdrennen stürzte kurz nach dem Start Prinz zu SolmS-HohensolmS Lich, vo> 24. Dragoner-Regiment beim Nehmen einer Hürde xc seinem Pferde und wurde anscheinend schwer verletzt voi Platz getragen. Später wurde der Gestürzte in em« Militär-KrankentranSportwagen nach Darmstadt beförbert, e» selbst ihm im Lazareth ärztliche Hilfe zu Theil rou* Sicherem Vernehmen nach soll Prinz SolmS einen BeinbwS erlitten haben. A Mainz, 29. October. Zu der von den HatM kammern in Wiesbaden, Coblenz und Mainz auf den 13.> vember hierher berufenen Protest Versammlung gt|ti die projectirte Reichöweinsteuer bat die b:e*f Handelskammer die Weinhändler und Interessenten de» fettigen Handelskammerbezirks zu einer Vorbesprechung t* geladen, um denselben Gelegenheit zu geben, ihre Bedenk« und Einwände gegen das ReichSweinsteuerproject geltend machen und eventuelle Anträge für die HauptoersamiuloM vorzubereiten. Die hiesige Handelskammer, wie auch da weitaus überwiegende Mehrheit der Weinhändler und producenten Rheinhessens steht dem Weiafteuerproject gegeB* über auf einem vollständig ablehnenden Standpunkt. — Ter tollkühne Schiffer, der am verflossenen Donnerstag v« der schwindelnden Höhe der Mathildcnterrasse hier herabspraoz, ist feinen dabei erhaltenen Verletzungen erlegen. R: jioijtn 9t0& „6 ' yitre । 1 von 'ttnCT • fetlii. 28- , a bet 199. Si ’ IRt auf 9b laitert die d Cbcnrtibong ' 1 ttaaft und gtftodlt' :4 »gkichlastn haben, drfftn Setgehen I '4ler. DalMzbi" -•ltt einem Eracht er Hit mehr so • ... ,;CfrrounMero Arbeitern bellen Mrrn von Ko tfcjtrttn, Men und Kr kn einen stii) von r ;|ntn. Derjöe lie : tlie von den Begl Ä -nbaiet Stiege ii '■"* v.t Angabe als : itbrn. ttxn andern ^du6e am JnliuS-T d. L •Nog(jd Urr Ä“ i« । '•'l- beginnt m die ers »iih""6*9 l, itn 6 30. 0 Mi «chn fallen - et w biat. Sir änderet 3'ital verbracht. I ■l:t urb eS dauerte H: würbe. Bis gi rihl ansgeMstn. :tit Zmdent Kunzm Ok i HalS unb fprarifr ’ifl ht Zielt, roo er fr! b. Der Most ha von anderen S '4 e wird das erst i . e sind Sie denn hierher gekommen? — Avellan: Ich habe mich an die Küste gerettet, habe mich dort als Italiener verkleidet und bin mit einer Orgel herumgewandert. Man hat mich aber für einen Spion gehalten und mich schleunigst über die Grenze befördert. — Der Czar: Und die übrigen Schiffe Ihrer Flotte? — Avellan: Sie sind durch den Enthusiasmus der Franzosen gänzlich aufgerieben. — Der Czar (nachdenklich)! Als Feinde sind sie mir doch lieber! * Was die Russen leisten können? Bei dem Bankett von 3360 Gedecken, am 23. October auf bett Mars- felde zu Paris wurden folgende Quantitäten Speisen und Getränke vertilgt: 1200 Liter Suppe, die in einem einzigen Kessel zubereitet wurden, 40 Tonnen russischer Sardinen, 800 Kilogramm Beefsteaks, 700 Fasanen, 500 Tauben, 500 Liter russischer Salat, 4000 Portionen Gefrorenes, 1500 Kuchen, 500 Kilogramm Trauben, 2000 Birnen, 2000 Aepfel, 12000 Semmeln, 2000 Bouteillen Champagner, Ni-rerbegericht binnen der vorgeschriebenen einmonatlichen Frist Beschwerden ij-ty bei uns vorgebracht, auch die Stellen des Vorsitzenden und feines nino, 1 Pferd, 1 Wagen u- a m- Geißler, ) Gerichtsvollzieher. 8000] Schöne Lapins billig zu verkaufen. Näheres in der Exped. d. Bl Gießen, 30. October 1893. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. A Aus Rheinhessen, 29. October. Folgende kaum glaubte Thatsache, die von einem nicht zu begreifenden Unoer» send zeigt, wird aus Niederolm gemeldet. Ein Bauers* c en«, der krank war und schwitzen sollte, aber nicht konnte, t urbe von seiner Frau mit Hülse eines Bäckers in deffen rannen Backofen geschoben, bis der Bäcker zum Herausziehen eahnte. Ob der arme Patient in benj Backofen wohl geil iwitzt hat? — — — Die Stabt Bingen hat den dem kcinzen Friedrich Leopold von Preußen gehörigen, an ben ^ochusberg grenzenben sogenannten Prinzenwald, etwa Morgen groß, um 24000 Mk. in Eigenthum erworben. Oppenheim, 26. October. In voriger Woche wurden 'hier von zwei Jägern vi er Schwäne geschossen. Wie jetzt herausgestellt hat, sind die für wilde Schwäne «rugesehenen Thiere dem Teicdpächter in Bad-Nauheim .rongeflogen. Scbiffsnadmctyten. Hamburg, 27. Cctibr. Das Hamburg-Rewyorker Pottdamps- schiff „Gellert", Capttän zraempfi, von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, am 16. Octoder von hier bircct nach Rewyork expedirt, ist am 27. October, 6 Uhr Morgens, wohlbehalten tn Renmark angekommen. Mittwoch den 1. Novbr., Nachmittags 2 Uhr, werden im Bieker' scheu Saale ver« steigert: Großh. Ortsgericht Gießen. I. A.: Bogt. 25 Fässer Bordeaux- und Burgunder-Wein. 4000 Flaschen Mineralwasser, 500 Liter Cognac und Benedictiner, 80 Kilogramm Kaffee wurden in einer einzigen Riesenmaschiue aus einmal aufgegoffen. Man speiste an 131 Takeln auf 32 000 Tellern mit 20000 Gläsern und 400 ungeheuren Schüsseln. 12 000 Zahnstocher wurden verbraucht. 60 Koche bereiteten das Mahl, das von 100 Oberkellnern, 400 Kellnern, 150 Getränkkellnern und 100 Aushilfskellnern fertihrt wurde. Als bewundernswenhes Detail sei hervorgehoben, daß alle Teller rrarm waren. DaS Bankett wurde von der Firma Maire geliefert. Grundstücke, wie solche im Gießener Anzeiger Mittwoch den 25. Qctober näher beschrieben sind, einer nochmaligen sreiwilligenVersteige- rung mit dem Anfügen ausgesetzt werden, daß mit dem Zuschlag die Genehmigung ertheilt wird. Gießen, 30. October 1S93. Großh.' Ortsgericht Gießen. 9118 I A.: Vogt. Dermifd?tc$. • Berlin, 28. October. In dec heutigen Nachmittags* Mehung der 199. König!, preußischen Klassen Lotterie sielen .Ll>0 000 Mk. auf Nr. 21 668. * Gemuthlich! Die Wirkungen des heurigen Mostes ^schildert die „N. Bayer. Landesztg." vielleicht mit einiger 'Ilkbertreibung so: Der letzte Sonntag war in den bei Würzburg gelegenen Weinorten ein wahrer Schlachttag. Es wurde graust und gestochen. Heute, da die Betheiligten ihre Räusche «sgeschlafen haben, wissen sie meist nicht mehr, daß sie an diueren Vergehen betheiligt, Todtschlag und Mord verübt hoben. DaS Würzburger Julius-Spital glich in der Sonntags- nocht einem Schlachthause. Seit Menschengedenken ging es en nicht mehr so zu, wie in der kritischen Nacht. Sieben rhwerverwundete wurden in die chirurgische Klinik verbracht, itftr Verwundete war von einem großen Schwarm von 3-udeuten, Arbeitern, Kaufleuten usw. begleitet. Die Verletzten waren von Kopf bis zu Fuß voll Blut, mit Beulen, 'Stichen, Riffen und Kratzern übersät. Der 21jährige Maschinenschlosser der Nöllscheu Fabrik, August Kraus aus Heilbronn, fat einen Stich von rückwärts in die Lunge und einen in die Jlitren. Derselbe liegt in den letzten Zügen. Als Thäter 'orrbe von den Begleitern ein Lehrer bezeichnet, der auf der Dilnbacher Stiege in den Raufhandel verwickelt war. Ob 'fidi die Angabe als wahr erweist, wird die Untersuchung er* geben. Ein anderer Verwundeter, der Schneider Federlein, -wuri»e am Julius-Denkmal von etwa 30—40 Mostgeistern überfallen — er weiß nicht warum — und fürchterlich verblaut. Ein anderer Arbeiter wurde als tobt ins Julius- Tpii-al verbracht. Er gab gar keine Lebenszeichen mehr von -sieh unb es bauerte viele Stnuben, bis der Puls wieder sühl- doc twurde. Bis gestern Abend hatte er seinen Rausch noch ausgeschlafen. Auf der Heidingsfelder Brücke stach sich 'der Stubent Kunzmann von Breslau mit einem Messer in Hals und sprang mit dem Rufe: „Es lebe die Freiheit!" in die Tiefe, wo er mit zerschmettertem Schädel tobt liegen blieb. Der Most hatte ihn zum Narren gemacht. Noch eine Aeihe von anberen Hiobsposten trifft in ber Rebaction ein. Die wird das erst am nächsten Sonntag werden, wenn der ^Feierweiße" den ganzen Bezirk in ein Narrenhaus ver- Wnd-elt? Der Beginn des Halbjahrs an der Universität ■hirb das Unheil nicht vermindern. * Seltene Trauung. Eine Trauung, wie sie wohl zu den Ecltenheiten gehört, fand am vergangenen Dienstag in Wien -flott. Zwei Brüder wurden zwei Schwestern angetraut. Das 3omntt wiederholt vor. Aber sowohl die Brüder, als auch 2ir Schwestern waren Zwillinge und, was wohl das Seltenste in, die jungen Ehemänner heißen — Zwillinger. In dem Geschäfte des Herrn Robert Altschul, der zwei reizende SMingstöchter im Alter von 19 Jahren besitzt, war Herr DroLor Zwillinger als vierzehnjähriger Junge eingetreten laiD hatte es im Verlaufe einer fast zwanzigjährigen Dienst- zum Procuristen gebracht. Er war wie das Kind im Hanse und brachte auch seinen Bruder Dr. Paul Zwillinger mit, denn Beide waren musikalisch sehr begabt, ebenso wie bie Fräulein Altschul, und die kleinen Soireen des Hauses Irrten zu den Specialitäten der besseren bürgerlichen Geschäft. Eines Tages erschien Herr Theodor und Dr. Paul ZnlUnger bei Herrn und Frau Altschul und baten um die ßmb der beiden Zwillingsschwestern Else und Malvine Alt- sütl. Die Eltern sagten: Ja! und diesem doppelten Ja! wn Vater und Mutter folgte Dienstag das vierfache Ja! Ihn Zwillingsbräutigame unb Zwilliugsbräute. Die beiben Schwestern sehen sich derart ähnlich, daß sie in ihrer frühesten Jugend nur dadurch zu unterscheiden waren, daß man den Kindern verschiedenfarbige Bändchen um den Hals oder um die Handgelenke knüpfte. Jetzt ist die Gefahr, daß die Schwestern vertauscht werden, wohl vorüber. * Herr Karnickel! Bei der letzten Stadtverordneten-Er- satzwahl der dritten Abtheilung in Spand-au ereignete sich ein köstliches Intermezzo. Ein Fabrikarbeiter tritt vor unb giebt Namen unb Wohnung an. Der Wahlvorsteher unb auch die Beisitzer hören: „Karnickel". Man sucht in den Listen, dieser Name findet sich aber nicht darin vor. Der Wähler wird nochmals gefragt, wieder scheint das Wort Karnickel aus dem Gehege seiner Zähne zu kommen. ES wird weiter gesucht, aber vergebens. Der Mann war offenbar in den Listen nicht verzeichnet. Um jedoch ganz sicher zu gehen, veranlaßte man schließlich den Wähler, feinen Namen zu buchsiabiren. Jetzt klärte sich zur Erheiterung aller Anwesenden das Mißverständniß auf: der Mann hieß nämlich Karl Nickel! * Ausstellungen im Jahre 1894. Auch im nächsten Jahre wird an größeren Industrie - Ausstellungen kein Mangel fein. Spanien gedenkt noch nachträglich durch eine internationale Ausstellung bas Andenken des Columbus zu ehren, die am 1. April im Industrie - Palast zu Madrid eröffnet werden soll und zu deren Beschickung alle Nationen eingeladen sind/ die spanischen Consnlate sind angewiesen, Jnter- effenten die näheren Bedingungen mitzutheilen. Die Dauer derselben ist auf acht Monate festgesetzt. Am 5. Juni eröffnet Antwerpen eine ähnliche Ausstellung unter dem Protektorate des Königs der Belgier/ dieselbe möchte deutschen Industriellen ganz besonders zur Beschickung empfohlen werden. Die Schweizer Staaten halten zu Bern eine internationale Ausstellung für Ackerbau, Fischzucht und Forstcultur, die am 2. September eröffnet und am 2. October geschloffen wird. Auch zu Lyon findet eine Industrie - Ausstellung größeren Styles während der Zeit vorn 2. April bis zum 1. November statt, während sich Rom zu einer allgemeinen Ausstellung des Hygiene-Wesens rüstet, die für September—October geplant Ist/ Mailand bereitet sich für eine, ebenfalls internationale elektrische Ausstellung von längerer Dauer vor. In Deutschland bildet bis jetzt das größte Ausstellungs-Project für nächsten Sommer die mitteldeutsche Industrie-Ausstellung zu Erfurt. * Avellans Bericht an den Czaren. Ein italienisches Blatt macht sich den Scherz, folgendes Gespräch zu skizziren, bas sich entspinnen soll, wenn Admiral Avellan an ben Czaren Bericht über feine Mission in Toulon und Paris erstattet: Der Czar: Wie viel Todte? — Avellan: Keine, Gott sei Dank! — Der Czar: Verwundete? — Avellan: Fast alle: — Der Czar: Der Offizier A.? — Avellan: Er hat die eine Wange verloren, bie ihm weggeküßt worben ist. — Der Czar: Der Offizier B. ? — Avellan: Es ist ihm eine Champagner - Flasche, die er in einem Augenblicke des übermäßigen Enthusiasmus verschluckt hat, überzwerch in ber Kehle stecken geblieben. —Der Czar: Der Offizier C. ? — Avellan: Vier Rippen sind ihm zerbrochen worden durch die stürmischen Bekanntmachung Nachdem gegen die Rechtsgültigkeit der Wahl der Beisitzer zum litt I. I. beginnt. Die Verpflichtung der Beisitzer, sowie die Bestimmung des Monats, 1 edbrenb deffen die ersteren für das erste Jahr zu den Verhandlungen zu- bafelbft, Flur 26 Nr. 2658/10 — 643 qm Hosraithe daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 16. October 1893. Großh Orttzgericht Gießen. I. A.: Bogt.9093 ■ October. Mw,.- . Ihrer HMD ’.'-umn n Sie die tat, dH 'chalterschluß mMnzuA Das ist dn Güwvch, 3t: )t nur bei fctt 'M- kommen toiib. $n Giri. 1 an bk Großher^tzüch eich' letztere VeM ä ymW hat. tybt Lastens galten, auf wtlifa die ew sind. Der Mkbeamte n f, schreibt die Sorten mu Rubriken, unterschreibt litt resse ber Hauptstaatskch. t diesen gewiß einfache r jenben Tatze, dem L fe jt fämmtW Bench» »■- m tzanz kurze Zeit iifc et ist. Die Reichsheck lf die Nachrichten v°: ' 1 Ueberbliik darüber. n ben Staatskasse^ ren. tober. GroßsürstM^ Mn Prinzessin E. i t werde» ife wieder s ■JrM welche am LJ»®; »/r Sroßherzatzl. ft« »■» » 6t** * cen Bericht in h . "?'Ä •Swäj’f mbern ist X * »nftrengenbe Weit h fr b- “ W"Nii, 17. gmj [ Betraten aut iltn aus 9itlel|u$r, toi 61m 4.3«!' Mm. für die Landessl.-'- drei Schullebre:-- )3: i" Alzey 93, ab«. jbten Rennen Mr ^rt ße*m«en Radrennen ■ (ß»finten einer H denn N hln n [(1 ! ”“rt! Xmfle|i* B- .Ä?f* zur ConcurSmasse der Metzger Levi Löwenstein Syeleuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur I Nr- 824 — 531 qm Hosraithe in der Schloßgaffe, Flur I Nr. 825 — 362 qm Grabgarten daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 30. October 1893. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A-: Bogt. 9117 „ . . p sollen auf dem hiesigen Orts- »"»«»,«»-»'«»nmGi-b-n acrich« die zum Nachlaß der -5^3fa™er= h°°u äaßn-r ?„.ku= platz(Acker)amunterstenRiegel, Algeshetm gehörigen m der psad zwischen den Wegen, Gemarkung Gießen gelegenen Flur 26 Nr. 265 cn dieser Schutz- Marke 3 8 frtd 16.17 16.16 c — • -1 O = Nur ächt mit Mark 1.25 SSt »S- lUa 2 Im Auftrag: Hoffmann «15 1*1 Z -O CD CD <9 Q cn i_ CD 8 BtW 9 60 fL 3)-3S 16.77 werden augekauft Samenhandt * «hui n£nött>ig Tiring, Oppenrod b.Alch- Dienstag den 31. Ectbr., Nachmittags 2 Uhr, werben «aplaneigaffe » die zum Nachlaß des Heinrich grrech gehörigen Mo. bitten, alte Kleider, lieber,ieher rc., versteigert. OTTO FLECK BörsenplaLzJj FRANKFURT TELEPHON 158! verseh1 in Streubüchsen ä. 50 Pfg. Zu haben in Gießen bei Carl Schwaab, Hoff., Emil Fischbach, Benner Sf Krumm, A. Sf G. BZallenfels, Gustav Walter, Otto Schaaf, Droguen. General-D^pöt: Max Elb in Dresden. HGlückaufü In Deutschland staatl. concess. Barletta -Yes. 100.Prämien. 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Nur r ständige, solide Restectanten wollen •, melden von 1-2 Uhr Siachm ________ Bleichstr.tze I, 11. Danksagung. Aür die vielen Beweise herzlicher TheUnahme bei dem um betrogenen schweren Verluste, sowie für die zablreichen Blumen- spenden sagen innigsten Dank 9112 Wiesenwärter Bellos und Frau. „ ÄU ACHER J. Ricker’schen Buchhandlung. Eintritt jederzeit. Näheres durch Prospecte. Frankfurter Hof Fichtenzapfens Liudenplav TM Guter bürgerlicher Miltagstisch -u 60, 70 und 90 Pf,. _ r Villard. «egelbahn. ^Daselbst ein »neiplocal im ersten Stock zu oermtethen. 8850 9ltJ>6 Journal de Berlin Einzige in Deutschland erscheinende französische Tageszeitung pro rege — für Haus und Familie. — et patria. Man abonnirt vierteljährlich für 5,85 Jlk. bei allen Postanstaltcn (Po-.t -Zeitungscatalog Nr. 334a) oder monatlich für 1,75 Mk. dircet bei der Expedition in Berlin W. 62. Schill*traeMe 3. 3% Reichsanleihe 3*/i°/o do. 3°/e Preutz. Eonsolß W/n do. Dtäconko^tzoamumd^llath. 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Frankfurter Börse vom 30. October 1893. o Q. w ® 3 a Q. » 9 Hl 1 tr.: D» jHtii fides. rar «M .. rä Tie Sbleistung der neu auigen-mme' jeglich M-M 1 H werben, verheirat «h