1893 Nr. 26 Zlnrts- und Anzeigeblatt füv den Aveis Gieren । Gratisbeilage: Gießener Kamittenbtätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Ukr. 28501 28.- । SgppL prto. Anl. 94 25 ßrop.--Lu$a Geld. 100.20 udo!i Geld (3al}t) 101.25 8 der Leichen. 1. Bild. 101 do. tj» 1900 102.- 1Ui ,tanbb 85.95 Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" cntgegen. Silmbahn . üiornefer . . 76.90 78 40 103 30 21.20 44.20 5685 6410 138 80 96.10 99V» Dienstag den 31. Januar 104 851 IOC. 9680 il- IM I99.li 1514 1009 139 Ki h 18® U'2' 91.- 96- 101.- Der Gießener Anreiger erscheint täglich, ■rit Ausnahme de» Montag». Dir Gießener D««ilien» kälter Werden dem Anzeiger »»chenllich dreimal hrigelegt. ders festlich und glanzvoll vor sich. Hervorragende Momente der Feier bildeten die Festtafel beim Kaiserpaare und der sich anschließende Besuch der Kaiserlichen Majestäten, der Mitglieder des Kaiserhauses und der fürstlichen Gäste im Berliner Opernhause. — Merkwürdig genug, waren gerade in diesen Tagen, da der älteste Sohn des Czaren die Gastsrenndschaft des deutschen Kaisers genoß, allarmirende Gerüchte über angebliche kriegerische Vorbereitungen Rußlands gegenüber Deutschland aufgetaucht. Es ging die Rede von abermaligen bedeutenden Verschiebungen russischer Truppen nach den Westgrenzen des Czaren-Reiches und es wurde sogar behauptet, man sehe in den leitenden Berliner Kreisen mit Bestimmtheit einem russischen Angriffe entgegen. Wie aber aus einem anscheinend officiösen Entrefilet der „Rordd. Allg. Ztg." erhellt, handelt es sich bei diesen Gerüchten um geflissentliche Erfindungen, es ist an ihnen kein wahres Wort. — Einiges Aufsehen erregt der vom commandirenden General des 9. Armeecorps, Grafen Waldersee, am Geburtstage des Kaisers beim osficiellen Festmahle in Altona auf den Kaiser ausgebrachte Toast. Graf Waldersee sprach in demselben von kommenden ernsten Zeiten, welche die an die Nation gestellten militärischen Forderungen begründeten und sei darum im Interesse der Friedenswahrung zu hoffen, daß der vorhandene Widerstand gegen die Militärvorlage glücklich überwunden werde. Sollte bei dieser Kundgebung des Grafen Waldersee nicht mit der Versuch unterlaufen, Stimmung für die Militärvorlage zu machen? Berlin, 28.Januar. Die Militärcommission des Reichstags beendigte heute die Generaldiscussion über die Vorlage. Der Abg. Schädler gab die Erklärung ab, die Vorlage wie auch der Vorschlag des Abgeordneten v. Bennigsen sei für das Centrum unannehmbar. Der Reichskanzler Graf Caprivi hob hervor, die Vorlage sei nicht dazu bestimmt, einer momentanen acuten Gefahr entgegenzutreten, sondern einem andauernden, als gefährlich zu bezeichnenden Zustande zu begegnen. Die verbündeten Regierungen seien der festen Ansicht, daß das Land die geforderten Lasten tragen könne. Wenn der Ernst der Lage völlig klar geworden sei, werde man der Regierung zustimmen. Staatssekretär Freiherr v. Mal Hahn vertheidigte hierauf die finanzielle Darlegung. Der Standpunkt des Centrums wurde alsdann noch' einmal vom Abg. Lieber entwickelt, welcher sich außer Stande 102 — 97.— 96.- 101- LlerttljShriger A5on«kment»prelL» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog«» 2 Mark 50 Pf,. «edaction, Lxpeditk» und Druckerei: Gch»lßr«t« Mr.R, Fernsprecher 5L Deutsches Reich. Berlin, 28. Januar. Kaisers Geburtstag ist auch diesmal in allen deutschen Landen mit Wärme und Begeisterung gefeiert worden, ein neuer erhebender Beweis, daß alle guten Deutschen trotz aller sie sonst trennenden politischen und übrigen Streitfragen immer wieder einig sind, wenn es die Bethätigung der Liebe und Verehrung für den erhabenen Schirmherrn des Reiches gilt. Auch außerhab der Reichs- grenzen hat man das Geburtsfest Kaiser Wilhelms vielfach begangen und selbst jenseits des Oceans, ja sogar im fernen Afrika und Australien haben die Deutschen an vielen Punkten den Geburtstag ihres Kaisers herzlich gefeiert. — Am Kaiserlichen Hofe ging die Geburtstagsfeier des Kaisers infolge der Anwesenheit zahlreicher auswärtiger Fürstlichkeiten beson- Wir waren auf der Reise nach Baltimore. Unser Schiff hatte 1800 Passagiere an Bord, lauter Auswanderer. Die Reise war sehr stürmisch. Ein Sturm im Canal machte fast alle Leute seekrank. Die schwarzen Blattern brachen aus, dann noch die Masern- alle Jsolirspitäler waren bald überfüllt. Mehrere Kinder starben. In einer Familie, es waren Baiern aus der Gegend von Regensburg, erkrankten zugleich drei Kinder, zwei erholten sich bald, das dritte bekam eine Lungenentzündung dazu. Es war ein herziges Bübchen von drei Jahren. Mit rührender Liebe pflegte die Mutter den Kleinen. Ost jammerte sie: „O, wären wir nur zu Hause geblieben, ich habe immer solche Angst vor dem Waffer gehabt !" Zudem litt die arme Frau entsetzlich unter der Seekrankheit, sie hatte schon viele Tage nichts gegessen und war doch immer thätig gewesen. — Nun war das Kind gestorben. Ich ließ es aus dem großen Raume hinaustragen in eine leere Cabine. Die Mutter folgte und fragte unter Thränen: „Ist es denn wahr, Herr Doctor, was die Leute sagen, unser Seppi würde ins Waffer geworfen?" Ich tröstete sie, so gut es ging, doch sie ließ sich 'aum beruhigen Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend die Maul- und Klauenseuche. Nachdem in einem Gehöft der Gemarkung Friedelhausen die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist, haben wir die Sperre dieses Gehöfts verfügt. Gießen, den 28. Januar 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. und bat, ihr Kind doch nach Amerika mitzunehmen. Ich bedeutete ihr schonend, dies sei unmöglich, sie müsse sich darein finden, ihr Kind behandeln zu lassen wie alle andern, die auf See stürben. Nun kam der Steward, der die Besorgung der Leichen hat. Die Mutter bat nun, dem Kindchen erst reine Wäsche und sein Sonntagskleidchen anziehen zu dürsen. Unter Thränen erwies sie dem tobten Liebling diesen letzten Liebesdienst. Der Steward nähte nun die Leiche in Segelleinwand ein. Zur Beschwerung werden, je nach dem Gewicht der Leiche, mehr oder weniger eiserne Roststäbe mit eingenäht, so daß die Leichen jedenfalls sofort und rasch in die größten Tiefen versinken. Gegen Abend kam der Vater zu mir. Er bat, dabei sein zu dürfen, wenn das Kind über Bord gesetzt würde. Ich rieth ihm, sich diesen Anblick zu ersparen. Ich hätte schon von mehreren Vätern gehört, daß sie bedauerten, diese Art der Bestattung von Kindern mit angesehen zu haben. Er gab sich zufrieden- er wollte alles geschehen lassen, wie es sein müsse und wie wir ihm riethen. Bei der Abendvisite fand ich die Familie in einem Winkel sitzend- der Vater las aus einem Gebetbuch vor, Mutter und Kinder saßen mit gefalteten Händen drum herum. Viele von den Umliegenden hatten sich diesem einfachen Gottesdienste angeschloffen und auch die Ungarn, die sonst stets tanzten und sangen, ehrten die Trauer durch Schweigen. Am Abend war ich gerade auf der Commandobrücke, um nach einem ganz nahe vorbeifahrenden Dampfer zu sehen. Da kam der Steward und meldete: „Alles in Ordnung!" Ich wußte erst nicht, was er meinte. Dann erst fiel es mir ein. Die kleine Leiche ward über Bord gesetzt. Niemand hatte eine Ahnung davon und den Eltern blieb es erspart, es mit anzusehen. In ihrem Herzen werden sie dem lieben Todten ein treues Andenken bewahren. 2. Bild. „Herr Doctor möchten einmal ins hinterste Comparte- ment im untersten Zwischendeck kommen, es ist ein Kind tobt Qufgefunben!" , Mit biesen Worten rief mich eines Nachmittags ber Zwischenbecks-Stewarb vom üblichen Skat ab. Wir waren auf ber Reise nach Brasilien etwa aus ber Höhe ber Cap Verbischen Inseln. Unsere 500 Paffagiere, meist aus Spaniern erklärt, mehr als bas gemachte Angebot zu bewilligen. Der Reichskanzler bagegen sprach bie Hoffnung aus, baß Lieber sich in ber Specialbiscussion bekehren lassen werbe. Nächste Sitzung Dienstag. ~, Berlin, 28. Januar. Der Großfürst-Thronfolger reiste heute Abenb 10 Uhr 35 Min. vom Centralbahnhofe ab. Der Kaiser unb bie Prinzen hatten ihn nach bem Bahnhofe geleitet, wo auch bas Personal ber russischen Botschaft unb bie Generalität anwesenb war. Die Verabschiebung war sehr herzlich. Der Kaiser trug russische Uniform, ber Groß- fürst preußische Husarenuniform. , Spandau, 28. Januar. Die Königliche Artillerie-Werk- statt hat zahlreichen Civilschreibern unb Arbeitern g e k Ü n - d igt, barunter Leuten, welche 20 Jahre im Dienste bes Instituts stauben. r _ f Köln, 28. Januar. Das Düsselborfer Walzwerk, bei welchem bisher Feierschichten vorkamen, nahm laut Mittheilung ber „Köln. Volksztg." ben vollen Betrieb auf, weil größere Aufträge eingelaufen sinb. Auch sonst sinb bie Eisenberichte aus Rheinlanb-Westphalen etwas besser. Nietleben, 28. Januar. Es ist ferne neue Erkrankung, jedoch sind zwei Todesfälle vorgekommen. st-nj-M SUbet 82.35 aatl. e5' >Pvttug.-jl.8öu.8S mott. Stib. Gold- Rente .... »eivtfcheEismbahn- YYV.-Obl. L. k.. -Lwed.Oblig.lM dürfen conv. Ltt. D, lrgenl. Gold-Lil o. 1887 . . . Feuilleton. Tod und Bkststtungrn sn Bord von Schiffen. Von Dr. N. Während über das Leben unb Treiben auf Schiffen aller Art viel geschrieben wird, so daß sich fast jeder eine Vorstellung darüber machen kann, ist über den Tod unb bie Behanblung ber Tobten auf ben Schiffen nur wenig bekannt, unb Viele, bie schon Seereisen gemacht haben, wissen nur, daß eben bie Leichen ins Meer versenkt werben. Auf ben Reisen, bie ich, so schreibt Dr. N. ber „Köln. Ztg.", als Schiffsarzt gemacht, habe ich über biesen Punkt verschiedene Erfahrungen gewonnen, die ich in Folgendem zu schildern versuchen will. In gar verschiedener Form tritt einem auf dem Schiffe ber Tob entgegen unb ebenso ist es mit ber Antheilnahme ber Angehörigen unb mit ber Behandlung kn vv'_ Atm. iWnRombttbai1 bo. do. bo. dv. 10160 lOJ; 128.45 j 133.50 18< riet Pich. tu Coare o»» 20./I. 27./1 Gießener Anzeiger Senerat-Mzeiger. schweig. 20 sK- ÄS tieir« u ,178.801179- M, frÜgg! I i283.- \285.M UlWWi unter MlW - r - tyA Wmmen MU- entfie9en M ’N damit „'An sich eine ftnrfr n bis \«^lnöunflen jünstig emrintn ' N Mi -abiauh.^wHili Wrsj’unb * w äwS&a: n abwickklien, daß der 6o“r’< logen an. Das unb Mciout^toantungtn fmi ,ei1 iutn geben " unb Portugiesen bestehenb, ließen es sich bei bem schönen Wetter wohl fein. Tag unb Nacht hörte man Guitarren, Tamboringesang unb ben fchlurfenben Schritt bes Walzers. Heute Mittag sah es anberS aus- bie Spanier stauben in Gruppen zusammen, überall reges Geberbenspiel, lebhafte Unterhaltungen. Mein Dolmetscher, ber bieses Amt mit ber Würbe eines ©rauben versah, sie nannten ihn „Profeffore", erzählte mir, bie Mutter habe bas Kiub verhungern lassen, währenb sie oben stets getanzt unb gesungen habe. Mit Mühe brängte ich mich vor. Auf einem Bette lag eine Kiubesleiche, abgemagert bis zum Scelett, mit pergament- artiger Haut - davor kniete eine junge stattliche Frau, mit einem Gesicht, wie man es auf alten Heiligenbildern findet. Sie schien in großer Trauer unb küßte bie falten Lippen bes tobten Kinbes. Der Profeffore erklärte alles für Heuchelei - sie fürchte nur jetzt bie Strafe ihrer Laubsleute. Bei bem Verhör zeigte sie sich allerbings nicht als sorgsame Mutter: ihr Kiub sei stets gefunb gewesen, sie sei nur einmal für einen Augenblick an bie Luft gegangen, ba habe man ihr gesagt, das Kiub sei tobt. Ihren Manu habe sie nicht bei sich. Der Profeffore meinte, sie habe sich ihres Kinbes als einer im fremden Laude beschwerlichen Bürde auf diese Weise entledigt. Auf meinen Wink nahm ber Zwischeubeck-Stewarb die kleine Leiche auf — die Mutter rührte sich nicht und zeigte nicht die geringste Lust, zu erfahren, was mit dem Kinde geschehe — bann wurde es eiugeuäht. Abends 10 Uhr kam ich gerade dazu, als der Steward ben Umfang bes kleinen Packes abmaß. Er sagte: „Da brauch ich mir gar nicht mit abzuschleppen, bat Leht burch bat Fenster zu stoppen." Er öffnete ein Fenster — herein brang bas Brausen unb Rauschen ber See. Er nahm bie Leiche auf, schob sie zum Fenster hinaus, mit einem gelinben Rucke nachhelfeub. Bei bem allgemeinen Getöse hörte man nicht ihr Aufschlagen. Jetzt wußte ich, warum ihn bie Mannschaft „Leichenflebberer" nannte. Der Alte schraubte bas Fenster wieber zu, brehte sich um unb sagte: „Na, Herr Doctor, gibts ba nicht nen orbentlichen Bittern sor bat Kinb wegzuschmeißen?" (Schluß folgt.) 0 oblln’i-' ebener 8cd . • ■ ttdWSrtbttb.. xttemb. % ioü- 4t|d)e aff.Südw ttsmb. \ 05 05 ilabiltmtes 6«nl l 94 20 I 79.851 Utu iKarieubw.^.^ct. 1184'/s ybrbo.^abnCiLB. |1966/i ibarbt.....| . MitlelMll . . I ’00.65 Damen der deutschen Colonie beiwohnten. Der bayerische Geschäftsträger Freiherr v. Tücher, der in Vertretung des Grafen Münster dem Banket präsidirte, gab zunächst dem Gefühle der herzlichen Verehrung der Versammelten für den Botschafter Ausdruck, der durch Unwohlsein verhindert war, an der Festesfreude unmittelbar theilzunehmen. Der Redner feierte sodann den Kaiser als machtgebietendes Symbol der deutschen Einheit und den zielbewußten Erhalter des Friedens, den Deutschland aufrichtig wünsche. Er schloß mit einem jubelnd aufgenommenen dreifachen Hoch auf den Kaiser und das Kaiserhaus. Die Festtheilnehmer sandten ein Huldigungs- telegramm an den Kaiser ab. Petersburg, 28. Januar. Die politischen Streife hoffen mehr denn je auf ein Zustandekommen des russischdeutschen Handelsvertrages, weil sie dadurch hoffen, die angehäuften Getreidevorräthe bereits im Frühjahre auf den deutschen Platz zu bringen. Die russische Zuckerindustrie vermag in den asiatischen Provinzen mit dem europäischen Zucker nicht zu concurriren. — In Polarbriz, den Noth- standsgegenden, ist die Lage der Bevölkerung infolge der außerordentlichen Kälte schrecklich. Die Regierung wird demnächst abermals namhafte Unterstützungen vertheilen lassen. Deutscher Reichstag. 32. Sitzung. Samstag, 28. Januar 1893. Der Reichstag setzt die Berathung deS Retchshaushalts- etats bet dem Etat des Innern fort. Abg. Goldschmidt (dfr.) empfiehlt Veröffentlichung etneS Berichts über die Weltausstellung von Chicago, der von der höchsten Bedeutung sein werde, wenn er von sachverständiger Seite aufgestellt werde. Ferner wünscht Redner Förderung aller Bestrebungen zur Entsendung von Handwerkern zu der Ausstellung. Staatssecretär v. Bötticher erwidert, daß die Herstellung eines Generalbertchts nicht» in Aussicht genommen sei, dagegen würden von einzelnen Zweigen laufende Berichte ausgegeben. Den Bestrebungen aus Entsendung von Handwerkern nach Chicago habe er seine Unterstützung zugesagt. DaS Deutsche Reich werde in Chicago würdig vertreten sein, auch In architektonischer Hinsicht, wie ein am Tisch des Hauses aufgestelltes Bild des deutschen in Chicago aufgestellten HaufeS beweise. Der Reichscommissar der Ausstellung habe hierher die Mittheilung gelangen lassen, daß mit den verfügbaren Mitteln nicht werde auSzukommen sein. Eine bezügliche Summe sei auch genannt, doch bedürfe es hierzu noch der Verhandlungen mit der Jinanzverwaltung. Abg. Dr. Lieber (Ctr.) ist von vornherein nicht zweifelhaft darüber gewesen, daß es der Nachforderungen bedürfen werde; bet der Wichtigkeit der Ausstellung sei das Cenlrum bereit, einer Er- höhuna der bisher bewilligten Summe zuzustimmen, nachdem der Bedarf einmal festgesetzt sein werde. Unsere nationale Ehre erfordere, ein einmal begonnenes Werk fortzusühren. Die Herstellung eines Generalberichis über die Ausstellung würde sehr wünschenswerth sein. Abg. vr. Hirsch (dfr.) befürwortet die Einstellung einer Summe zur Unterstützung von Arbeitern, die nach Chicago gehen. Staatssecretär v. B ö t t t che r: Entsendung von Sachverständigen, Gewerbtreibenden und Arbeitern nach Chicago werde Sache der bett, gewerblichen Kreise und der Etnzelstaaten bleiben müssen. Das Reich könne hier nur anregen und fördern. Abg. Bebel (Soc): Seine Freunde mürben für einen solchen Zweck, wie die Beschickung einer Weltausstellung, immer das Erforderliche bewilligen. Die Begeisterung für die Chicagoer Ausstellung sei aber nicht recht vereinbar mit der Jgnorirung zweier großen Weltausstellungen, die von ungleich größerer Wichtigkeit waren, der Pariser Ausstellungen. Auf der Chicagoer Ausstellung werden wir sehen, um wie viel uns die Amerikaner überlegen seien. Wir hätten auch durch Veranstaltung einer eigenen Weltausstellung zeigen müssen, was wir können. Die Handwerker, welche nach Chicago geschickt werden, würden in sehr gebrückter Stimmung über die großen Fortschritte der Technik, die sie dort gesehen, heimkehren. Von einem amtlichen Generalbericht verspreche er sich keinen Stutzen; man lasse illustrirte populär gefaßte Spkctalberichtc zu billigem Preise im Buchhandel erscheinen. Abg. Schrader (dfr.) befürwortet die Entsendung von Handwerkern und Arbeitern nach Chicago und wünscht, daß das Reich hierzu Anregung gebe, wie es ja die Anregung zur Beschickung der Ausstellung gegeben. Staatssecretär v. Bötticher gibt zu, daß die Maschinen- Jndustrie in Amerika ganz bestürzende Fortschritte gemacht habe, dagegen könne sich unsere Handarbeit und Kunstfertigkeit getrost mit der amerikanischen messen. Der Besuch der Chicagoer Ausstellung werde auf die Handwerker nicht so deprimirend wirken, wie Bebel annehme. Bezüglich des Berliner AuSstellungsprojectS habe sich die Regierung völlig neutral verhalten; sie habe die Industrie befragt und diese habe mit großer Mehrheit das Project abgelehnt. Abg. Möller (natl.): Unsere Verhältnisse können nicht ohne Weiteres mit den amerikanischen unter eine Schablone gebracht werden. Die großen maschinellen Einrichtungen Amerikas auf unsere Industrie übertragen, hieße Tausende von Arbeitern brodlos machen. Abgg. Goldschmidt und Dr. Hirsch (dfr.) bedauern das dtichtzustandekommen der Berliner Ausstellung, die nur an der Indolenz der deutschen Industrie gescheitert sei. Abg. Bebel (Soc.) bleibt dabei, daß die deutschen Handwerker aus Chicago bedrückt zurückkehren würden. Er gibt zu, daß wir in Bezug auf Handarbeit und Kunstfertigkeit den Amerikanern überlegen sind, aber die Amerikaner fetzten eben an die Stelle der Handarbeit die Maschine und machten damit noch kunstfertiger, was wir mit der Hand arbeiteten. Von Ausstellungsmüdtgkeit könne in Deutschland keine Rede sein; wir hätten uns ja seit 20 Jahren an keiner größeren Ausstellung betheiligt. Die Reichsregierung habe die Berliner Ausstellung nicht gewollt und nur daran sei sie gescheitert. Nun sei unS Frankreich zuvorgekommen und wir hätten eine große moralische Niederlage erlitten. Abg. Dr. Bamberger (frs.) verspricht sich von der Entsendung von Handwerkern und Arbeitern nach Chicago nicht viel; zweckmäßiger würde eS sein, wenn Subventionen zur Bereisung jmes merkwürdigen Landes durch Sachverständige gewährt würden. Wie sollen wir uns zur Frage einer etwa künftigen Berliner Weltausstellung verhaltend Er sei sehr zufrieden damit gewesm, daß die Reichsregierung diese Frage im verneinenden Sinne entschieden habe. Die Weltausstellungen seien in moderner Form, was früher die Messen waren. Die ersten WeltauSstellunaen seien auS dem Bedürsniß hervorgegangen, ein Gesammtdild der technischen Entwickelung zu geben. Inzwischen habe sich der Charakter der Ausstellungen, nicht zu deren Dortheil, verändert. Man besuche sie, um sich hier zu amüsiren. Warum denke man in England nicht an eine Ausstellung, nachdem doch die Londoner Kristall-Palast-Ausstellung die erste Weltausstellung roar ? Man fei dort doch sonst zu Opfern bereit, wenn es sich um Hebung der Industrie handle. In Berlin möge ja in gewissen Kl eilen der Wunsch nach einer Ausstellung rege gewesen fein; eine solche würde aber die kräftige und solide Entwickelung Berlins selbst nur gestört haben. Abg. Möller (nl.) führt einer Bemerkung BebelS gegenüber an, daß die Löhne in Deutschland seit 13 Jahren in starkem Steigen gewesen seien. Abg. Singer (Soc.): Die ReichSregierung habe die Beschickung der Chicagoer Ausstellung seitens der Großindustrie durch Verzicht auf die Berliner Ausstellung erkauft. Auf einer Berliner Ausstellung hätte sich die deutsche Industrie ganz anders präsentiren können als auf ausländischeir Ausstellungen. Jedenfalls habe Bamberger nicht alS Dolmetscher der Berliner Bevölkerung gesprochen. Handelsminifter Frhr. v. Berlepsch: Die Regierung habe dem Berliner WeltausstellungSproject nicht unfreundlich gegenüber- gestanden; er selbst habe eine Ausstellung für nützlich gehalten. Aber innerhalb der Regierung sei man auch darüber einig gewesen, daß ein solches Unternehmen nur erfolgreich durchgeführt werden könne, wenn sich die Industrie dafür interesfire. Die deshalb angeftellte Erhebung habe ein solches Interesse nicht ergeben. Die Berliner Jrdustrie sei für die Ausstellung gewesm; ober für eine Weltausstellung könnte das allein nicht ausschlaggebend sein. Lediglich der Mangel des erforderlichen allgemeinen Jntereffes seitms der deutschm und preußischm Industrie habe die Regierung veranlaßt, der Sache nicht näher zu treten. Abg. Dr. Bamberger (frs.) verdenkt eS dm Berlinern nicht, daß sie Berlin auch einmal im Glanze einer Weltausstellung sehen möchten. Unter diesem Empfindm gehe die Erkmntniß der Nachtheile verlorm, die ein solches Unternehmen für uns im Gefolge haben würden. Abg. Frhr. o. Stumm (Rp.) führt aus, daß die Regierung gerade das nationale Interesse im Auge hatte, als sie sich dazu ent- schloß, von einer Weltausstellung in Berlin abzusehen. Staatssecretär o. Bötticher theilt mit, daß die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten auf Grund stattgesundmer Erbebungm unter dm Jnteressmten sich fast ausnahmslos gegen die Abhaltung einer Weltausstellung in Berlin ausgesprochen haben. Hierauf wird daS Thema verlaffm. Auf eine Anfrage des Abg. o. Keudell (Rp.) erwidert Staatssecretär v. Bötticher, daß er glaube, dem Reichstage in der nächsten Session den Gesetzentwurf betr. die Bekämpfung der Trunksucht wieder vorlegm zu könnm. Abg. Krause (frs.) spricht gegen einen solchen Entwurf. DaS deutsche Volk verdime nicht dm Vorwurf der Trunksucht. Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.) wünscht zunächst vor Allem Beschränkung des unconcessionirtm Branntweinschanks und Handels durch sogmannte Consumvereine. Wetterberathung DimStag 1 Uhr. ttatefte rratthrichten. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 29. Januar. Heute fand eine von 250 Männern und 50 Frauen besuchte Anarchisten-Versammlung statt, in welcher Reden gehalten wurden, die den Anarchismus verherrlichten. Bei der Rede des Maurers Schenk, welcher die Rechtspflege kritisirte und die Stellung des Anarchismus zum Eigenthum darlegte, löste der überwachende Polizeioffizer die Versammlung aus, worauf sich die Theilnehmer derselben in aller Ruhe entfernten. Halle, 29. Januar. In der Irrenanstalt Nietleben erfolgten gestern zwei Neuerkrankungen und drei Todesfälle an der Cholera. Die Hilssärzte wurden theilweise entlassen. Die Stadt ist seuchenfrei. Paris, 30. Januar. Der Deputirte Caf se bringt morgen einen Gesetzentwurf ein, der sich gegen Collectiv-Denunziationen ohne Beweise richtet, die unter dem Schutze der parlamentarischen Immunität abgegeben werden. Washington, 30. Januar. Das Repräsentantenhaus nahm die Ernennung einer Untersuchungs-Commission an, behufs Feststellung, ob Angeordnete Panama-Gelder erhalten haben. Locales ttttb provinzielles. Gießen, 30. Januar 1893. — Theater. Kyritz -Pyritz, von Wilken und Jnsiinius. Musik von Michaelis. Das Stück ist eine der ausgelassensten Possen, welche wir kennen. Mag man über den Witz desselben, der oft derb, ja sogar manchmal zweideutig ist, denken, wie man will, das ist nicht zu leugnen, daß die Charakterzeichnung der auftretenden Figuren unendlich frisch und natürlich ist. Die biederen Einwohner von Kyritz hatten einen Kegelclub gegründet, dessen Weiterbestehen unmöglich wird, da der seitherige Präsident desselben die Stadt verläßt. Um nun die Auflösurkß des Vereins mit einem „Knalleffect" zu feiern, wird beschlossen, eine Reise nach Berlin zu machen. Unter dem Vorwande einer Audienz beim Landrath in Brandenburg wegen einer Wasserangelegenheit mit dem benachbarten Pyritz, wird dieselbe bewerkstelligt. Doch den braven Ehehälften wird die Wahrheit hinterbracht von dem Sekundaner Thülecke, der das Ganze belauscht hat, und sie beschließen ebenfalls eine Reise nach Berlin. Zufällig steigen sie dort, wie ihre Männer, im „goldenen Löwen" ab. So ist die Verwickelung da, welche sich natürlich in Wohlgefallen auflöst. — Das Stück wurde zum Benefiz für Frl. Luise Coppo gegeben. Die Künstlerin trat als „Secundaner Thülecke" auf, eine Rolle, deren Auswahl der Benefiziantin alle Ehre machte, denn gerade hier in der Darstellung von Charakteren der leichten Comödie, beruht das Talent der jugendlichen Künstlerin,- so wußte sie auch gestern, unterstützt durch ihre angenehme Altstimme, diesen schwärmerischen, verliebten Jungen mit solcher Grazie und Natürlichkeit zu geben, daß das Publikum sie wiederholt auf offener Scene hervorrief. Daneben zeigte eine ganze Fülle prächtiger Blumenspenden, daß Frl. Coppe in Gießen eine sehr beliebte Persönlichkeit ist. Die Rolle der Susanne, der Partnerin der Benefiziantin, führte Frl. Grig o in vorzüglicher Weise durch, auch sie wurde von Seiten des Publikums durch einen herrlichen Strauß Rosen geehrt. Die Kyritzer „Lietzow", „Piepenberg" und „Rux" hatten in Hrn. Martiensen, Born und Reiners köstliche Vertreter gefunden, auch die Frauen derselben, die Damen Frl. Brunner, Frau Coppö und Frl. Märker ließen nichts zu wünschen übrig. Im Ganzen ist über die Aufführung nur Lobendes zu sagen, wir erwähnen deshalb von den übrigen Mitwirkenden nur noch das urkomische Trifolium der drei Pyritzer Sangesbrüder (die Herren Hant schock, Stückel und Rupp), welche bei jedesmaligem Auftreten mit lautem Beifall überschüttet wurden. Ueberhaupt haben wir seit langer Zeit einen solchen Jubel, wie gestern Abend im Theater nicht gehört, mag sein, daß dazu auch noch der Umstand beitrug, daß das HauS nahezu ausverkauft war. Zum Schluffe wollen wir nicht unterlaffen, des Herrn Musiklehrers Huntemann Erwähnung zu thun, der den instrumentalen Theil der Vorstellung in vorzüglicher Weise zur Ausführung brachte. — Neues Theater, lieber ein Gastspiel des nächsten Dienstag hier gastirenden Herrn Büller am Herzoglichen Hofthcater zu Altenburg schreibt eine dortige Zeitung unter Anderem: In Anwesenheit Ihrer Hoheiten des Herzogs, der Prinzessin Therese, der Prinzessin Friedrich von Sachscn- Meiningen, ging am Dienstag der humorvolle Schönthan'sche Schwank „Der Raub der Sabinerinnen" in Scene. Die Aufführung gewann dadurch erhöhtes Interesse, daß Herr William Büller aus Berlin die Rolle des TheaterdirectorS „Striese" spielte und die ausgezeichnete Darstellung deS auch in Altenburg renonnnirten Künstlers hielt das Publikum andauernd in fröhlichster Stimmung. So herzlich wie gestern ist in dieser Saison im Theater wohl noch nicht gelacht worden und dem, der durch seine unübertreffliche Darstellungskunst von seinem ersten Auftritt an diese Heiterkeit erweckte, und bis zum Schluß wach hielt, dankte daS Publikum wiederholt durch sehr rege gespendeten Beifall und Hervorrufe. Die Wiedergabe des prächtigen SchmierendirectorS „Striese" ist seitens des Herrn Büller aber auch eine ganz außergewöhnliche, da ist keine Scene, welche durch seine humorvolle Mitwirkung nicht einen Treffer zu verzeichnen hatte, kein Witz, keines der vielen Extempores, das nicht angesprochen hätte. Eine bessere Verkörperung der Rolle, als dies durch Herrn Büller geschah, ist kaum denkbar, wobei wir neben dem ge- sammtcn so durchweg gelungenen Spiel, welches die Figur des darzustellenden Charakters so einfach natürlich, in ihrer humorvollen Schlichtheit aber desto wirkuirgsvoller hervortteten ließ, noch ganz besonders aufmerksam machen auf seine selbst- schöpferische, die Gestalt des Dichters sozusagen ergänzende Jndividualisirung derselben, sodaß ganz neue Momente zu Tage treten und last not least auf seine unvergleichliche, so beredte Mimik, welche nicht minder packte, als daS gesprochene Wort. — Diebstahl. Am vergangenen Samstag wurden hier drei Mansardendiebstähle verübt, anscheinend von ein und demselben Thäter- in einem Falle wurden einem Metzger- burschen aus dem verschlossenen Koffer ca. 50 Mark gestohlen. Von dem Thäter fehlt jetzt noch jede Spur. — Verhaftet wurde ein hiesiger Einwohner, der aus einem verschlossenen Keller Kohlen entwendet haben soll. — Armee Trauer. Der Kaiser hat auS Anlaß deS Hinscheidens des früheren commandirenden Generals des 11. Armeecorps, v. Grolman, für das 11. Armeecorps eine dreitägige Trauer vom 28. ds. Mts. ab anbefohlen. — Beförderung von Desinfections-Mitteln. Die von dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten mit Rücksicht auf die im vorigen Sommer herrschende Choleraepidemie ausnahmsweise zugelassene eilgutmäßige Beförderung als Stückgut von solchen Desinfectionsmitteln, welche in Mengen über 10 Kilogramm nach der Zusatzbestimmung I zu § 50 der Verkehrsordnung von der eilgutmäßigen Beförderung ausgeschlossen sind, wird, da ein Bedürfniß hierfür nicht mehr vorliegt, vom 1. April d. I. an eingestellt und nach diesem Zeitpunkte lediglich in Gemäßheit der bezeichneten Zusatzbestimmung verfahren. — Mitteleuropäische Zeit und Schulanfang. Mit dem 1. April d. Js. wird, wie feststeht, die „m i 11 e l e u r o p ä i f ch e Zeitrechnung" auch für das Großherzogthum Hessen obligatorisch in Aufnahme kommen. Wie dem „Mzr. Tgdl." mitgetheilt wird, beabsichtigt man in den Kreisen der maßgebenden Schulbehörden von diesem Zeitpunkte an den Beginn des Schulunterrichts auf 8*/z Uhr Morgens und 2* 3 Uhr Mittags festzusetzen. — Von einem practischen Landwirth, Herrn Franz LaverPfeifferin Dieburg, erhalten die „N. H. Dolksbl." folgende Zuschrift: „Wie man hört, sollen in vielen Kellern Kartoffeln durch Frost gelitten haben. Durch AuSschweseln (mit Faßbrand) des KellerS und zwar so stark, bis alle Feuchtigkeit verzehrt ist, werden mindestens die noch nicht weichen Kartoffeln gerettet und genießbar. Auch gegen Kartoff elfäulniß ist Ausschwefelung des KellerS von Nutzen, besonders alsbald nach der Gährung. Alles, was vegetiren soll, braucht Sauerstoff zur Lebensfähigkeit; dieser Sauerstoff wird im geschlossenen Raum durch AuS- schwefeln verbrannt, somit wird den Kartoffelpilzen ihre Lebens- bedingung entzogen. Alles Ungeziefer kann durch fleißige Ausschwefelung verdrängt werden- sogar Ratten und Mäuse, wie mein Vater in unseren Obstkellern stets zu thun pflegte." x. Reiskirchen, 27. Januar. In recht erhebender Weise feierte der hiesige Kriegerverein den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers. Reden, Gesang und Streichmusik wechselten mit einander ab und trugen zur in jeder Beziehung wohlgelungenen Feier ihr gutes Theil bei. y. Reiskirchen, 30. Januar. Der in der Gemarkung Reiskirchen, nahe an der Großen-Busecker Grenze gelegene „Schlieberg", in dem sich einzelne Basaltlavabrüche befinden, soll in nächster Zeit zur weiteren Ausbeute verpachtet werden. Das Material ist, wenn auch nicht in der Reichhaltigkeit, wie in den Steinbrüchen zu Nordeck, Londorf und Kesselbach, so doch in einer mindestens ebenso guten, wenn nicht besseren Qualität vorhanden. Unternehmer dürften sich hierorts finden und so steht zu erwarten, daß unser Ott um eine Erwerbsquelle, welche sowohl der Gemeinde, wie verschiedenen Ortseinwohnern und endlich auch der Eisenbahn zum Vottheil gereicht, bereichert wird. Es ist sehr wünschens werth, daß die Verpachtung sowohl als auch der Betrieb baldigst, geschieht, zumal sich hier beschäftigungslose junge Leute befinden und wir auch durch Verlegung einer sich gut renti renden Cigarrenfabrik in gewerblicher Hinsicht einen unschätzbaren und sich jetzt schon fühlbar machenden Verlust erlitten haben. R. Muschenheim, 28. Januar. Auch hier wurde Kaisers- Geburtstag in dem Saal des Herrn Bürgermeisters Roth am 27. d. M. Abends von dem Krieger-, Gesang- und Musikverein unter heiterer Stimmung festlich begangen. L. Langsdorf, 30. Januar. Gestern Nachmittag fand in der A. Roth 's chen Witthsckaft dahier eine Versammlung u A ' int RE-, fe «, wobei teireLbcti- Ätti 7^,7.L'L A.°>>rkwigsdEer^-^ auf i^ >s '*4 7 9«»j neue M°w^ v e-115 sqpM« -.rw„- - ctty, ® tt-.? vn JetH ar, t-‘6 tDlf n-r I gelacht teer 1 MeD^' ; ' danke b±2* 1 ^eijatt UCb ?4!wiü?i, ^ürendir^^n'-. £> ID- 7-^L3eit«ng‘ "C'-tr -, '- v£5 c. “ Oleth W': Ä6, fc*'.- c*t;5 , J athvl'sch Ä^*“4« H'N F=-;- ?ie^er G'tNner, bet aus ^entwendet haben soll. Kaiser hat autz des nmandnenden Generals de? a, für das II. Armeecorp? - ds. Mts. ab anbesohlen. MseckM-MtNeli. Die vm cklchen Arbeiten mit Mcksich rrschende Choleraepidemie lilgutmäßige Befördm/llz ali lionsmitleln, welche m Mengen ' Zm'atzbesnmmung hu § 5b t eilgutmätzigen Lejordrrnnz ein Bedürfnis himm vitz b. I. an eingestellt und not Gemäßheit der bezeichne» and Lchnlansang. Mit ta ht, die „mitteleurrpn.i'ihc das Großherzogthm hesien men. Wie dem ,Hr. ^gbl." n in ben Steifen bet maßgebenden ’itpüüfte an ben Beginn des 6r Morgens und 2lfo W Q r zemcking ;.. zelylne . '.che be- i Landwirth, Herrn Ft°^j g, erhalten die „N. H.Vol!-:.. hört, sollen in vielen 0® haben. Durch AusfchwelÄ mb z« 1° M w 1' dm mmdest-n- di- na» «* mb genieBbat. M E d M d-r ®ä^n9. »a^, Saueritofi M ? E E ^;c bln Geburtstag «l. oere-a cw . ,iaunt e-M- -^3. 7 ; - seift1 er- * >inteaR ----- -i- v«r- Jr-. *•' zsiebbül . .. 56 * -5£ Li-« erlitt1” «Oil»; ■ t "* #•'' I • t^4 Jgr) halt, in welcher Herr Landwirthschastslehrer Reichelt aus Friedberg über „Obstsorten" sprach. Der Vortrag war so belehrend und zugleich ansprechend, daß die zahlreich erschienenen Gemeindemttglieder mit großen^Jnteresse folgten und mit dem Bewußtsein schieden, daß der Oberhess. Obstbau« ozrein seinem großen Ziele mit allem Eifer nachkommt und so der Landwirthschaft tüchtig unter die Arme greift. Möchten doch die Orte, welche der guten Sache noch so zurückhaltend gegenüberstehen, sich bald dem großen Bunde anschließen; denn das Opfer, bestehend in 1,50 Mark Beitrag pro Hahr, ist wahrlich verschwindend klein gegen den Nutzen, den der Verein jedem Einzelnen bringt. § Grebenhain, 26. Januar. Die erste diesjährige H o l z- berSteigerung in hiesiger Oberförsterei fand am 23. Januar statt. Trotz des hohen Schnees hatten sich viele Kauflustige aus weiter Ferne eingefunden. Die Preise waren ziemlich hoch und stellten sich wie folgt: Eichen-Stammholz (Wagnerholz) kostete der Festmeter 25 bis 30 Mark, Lärchenstamme 20 bis 22 Mark. Buchen-Scheitholz 1. Klasse wurde der Raummeter mit 4 bis 4,20 Mark bezahlt, 2. Klasse mit 3,50 bis 3,80 Mark. Buchen-Knüppel 1. Klasse (Stamm- knüppel) wurde der Raummeter mit 3,80 bis 4 Mark verkauft, dieselben 2. Klasse zu 2,50 bis 3 Mark. Buchen- Reisig wurde der Raummeter zu 70 bis 80 Pfennig versteigert. Stöcke (Buchen) kostete der Raummeter 3 Mark. f Illnhausen, 28. Januar. Unser neugewählter Bürgermeister Johannes Michel wurde heute von einem Richter aas Büdingen als Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeamter verpflichtet und, nach Ueberlieserung der zu diesen Aemtern gehörigen Acten, in den Dienst eingewiesen. veriniichtes. ♦ Leipzig, 28. Januar. Durch die sehr zahlreich in der dauernden Gewerbeausstellung vertretenen Motoren vlrschiedenster Systeme, welche neben den reichhaltig vorhandenen Hülfsmaschinen verschiedener Gewerbe und den mannigfachen Gebrauchsgegenständen für Haus und Küche die ganze Ausstellung sehr interessant gestalten, ist es herbei- g! führt worden, daß das abgelausene Vierteljahr der vierten Jahresausstellungsperiode sich günstig gestaltet, indem nicht nur drr Besuch gegen das Vorjahr eine Zunahme aufweist, sondern aach der Umsatz, obwohl sich derselbe nur zum geringsten Theil feststellen läßt, die Summe von 51000 Mark erreichte. * Schonend beigebracht. „Als der selige Richter Bagley" — so steht im dritten Band der bei Robert Lutz, Stuttgart erscheinenden „Humoristischen Schriften Marc Twain's — demals im Gerichtshause stolperte, die Treppe hinabstürzte und den Hals brach, entstand die große Frage, wie man seiner armen Frau die Trauerbotschaft mittheilen sollte. Endlich wurde die Leiche auf den Wagen eines alten braven Fuhrmannes geladen und Letzterem die Weisung ertheilt, den Verunglückten nach Frau Bagleys Wohnung zu schaffen, aber dabei mit der größten Rücksicht unb, Behutsamkeit zu Werke zu gehen, insbesondere die Unglücksbotschaft ja nicht plötzlich und auf einmal auszurichten, sondern Frau Bagley erst gehörig darauf vorzubereiten. Nachdem der Fuhrmann mit seiner traurigen Last am Ziele angelangt war, schrie er laut, bis die Frau des Verunglückten an der Thüre erschien- dann fragte er: „Wohnt hier nicht die Wittwe Bagley?" — „Die Wittwe Bagley? Nein, eine Wittwe wohnt nicht hier!" — „Ich will doch gleich d'rauf wetten, daß sie hier wohnt! Aber nichts für ungut — wohnt der Richter Bagley vielleicht hier?" — „Ja wohl, der wohnt hier!" — „Ich will doch gleich d'rauf wetten, daß er nicht hier wohnt! — Aber wie Sie wollen, ich bin nicht rechthaberisch. Ist der Richter zu Hause?" — „Nein, im Augenblick nicht!" — „Dacht' ich mir's doch . . . Weil nämlich — lehnen Sie sich an die Wand, Madame — die Kleinigkeit, die ich Jhnm auszurichten habe, bringt Sie vielleicht etwas aus dem Gleichgewicht! Es ist ein kleines Unglück geschehen — draußen auf dem Wagen liegt der alte Richter! Wenn Sie ihn näher ansehen, werden Sie sich überzeugen, daß hier nichts zu machen ist, als die — Todtenschau über ihn zu halten." rttrchliche Anzeigen der evang. Gemeinde. Bibelstunde am Montag den 30. Januar, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderschule; Marcus 4, Vers 1: GUichniß von viererlei Acker — die Geschichte des Menschenherzens. Pfarrer Dr. Naumann. Spielplan der vereinigten frankfurter Stadttheater. Opernha«». Dienstag den 31. Januar: Freund Fritz. Coppelia. 1. und 2. Act. Mittwoch den 1. Februar: Der arme Jonathan. Donnerstag deck 2. Februar: Teil (Oper). Freitag den 3. Februar geschlossen. Samstag den 4 Februar, Nachmittags 3«/r Uhr: Sneewittchen. Abends 7 Uhr: Des Teufels Antheil. Sonntag den 5. Februar, Nachmittags 3V2 Uhr: Sneewittchen. Abends 7 Uhr: Der Bajazzo (Pagl-aski). Vorher: Bastien und Bastienne. Zum Schluß: Wiener Walzer. Montag den 6. Februar: Die Hermannschlacht. Schauspielhaus. Dienstag den 31. Januar: Minna von Barnhelm. Mittwoch den 1. Februar: Zwei glückliche Tage. Donnerstag den 2.Februar geschlossen. Freitag den 3. Februar: Die Räuber. Samstag den 4. Februar: Tartuffe. Sonntag den 5. Februar, Nachmittags 3% Uhr: Veilchenfresser. Abends 7 Uhr: Raub der Sabinerinnen. Schiffsnachrichten. — Norddeutscher Lloyd, Breme«. Im Jahre 1892 wurde nach Aufgabe der Cmwanve. ungsbehörve von den verschiedenen Dampfellinten folgende Anzahl Passagiere in Newyork gelandet: Name der Gesellschaft 17 768 1 800 Rorddeulfcher Lloyd, Bremen-Newyork Genua-Newyork: 65 051 7 670 Hamburg-Amerikanische Packetf.-Act. Ges. . . Red Star Linie........... White Star Linie.......... Cunard Linie........... Niederländische A. D. G. Rotterdam . . . Co. Generale Transatlantigue Havre . . . Jnman Linie............ Guion Linie............ Anchor Linie vom Mittelmeer...... Anchor Linie von Glasgow....... Thingvalla Linie.......... Fabre Linie............ Florio Rubattino Linie........ Compania Nazionale........ Niederländische A. D. G. Amsterdam . . . Allan-State Linie......... Union Linie........... Baltische Linie.......... Co. Generale Transatl. Cherbourg . . . Verschiedene Linien......... (Milte 2E"- ♦) Außerdem beförderte der Norddeutsche Lloyd im Jahre 1892 nach Baltimore: 451 Cajüts- und 44 295 Zwischendeck Passagiere, demnach im Ganzen: 20 019 CajütS-Passagiere, 117 016 Zwischendecks-Passagiere. 19 568 72721*) 11 998 58131 7 772 30 390 14 095 29 995 16 065 26 528 4 852 23 410 6 735 20 954 14 069 19 943 7 539 14 517 72 13 025 8 410 12 980 1225 12 460 20 11480 110 7 618 9 7 247 606 6 985 3 641 6 544 2 5 422 — 3 923 3 240 — 963 4 213 | 120 991 1388 486 Eingesandt. Gtetzen, 29. Januar 1893. Die Pflasterung des Ttesenwegs, von der Bahnhofstraße aus, ist in einem derartig schlechten Zustande, daß sie schon Sommer über mühsam passirbar; wie es da im Winter bei Schnee und Crs ist, kann man sich ja sehr leicht vorstellen: täglich kommen mehrere Unfälle durch Ausgleiten und Hinstürzen vor. Hoffentlich wird vielem Uebelstand durch diesen Hinweis Abhülfe geschaffen und bte Pflasterung in der Weise hergestellt, daß nicht weitere Unfälle vorkommen, für welche die Stadt auszukommen hat. Mehrere Anwohner des Tiefenwegs. Die Seiden-Fabrik 6. Henneberg (k.u.k.Hofi.), Zurich sendet direct an Private: schwarze, weiße u. farbige Seidenstoffe von 75 Pf. bis Mk. 18.65 p. Meter — glatt, gestreift, carrirt, gemustert, Damaste rc. (ca. 240 versch. Qual u.2000 versch. Farben. Dessins rc) porto- und zollfrei. JDlufte£umgebenb. [49£ Brennholz« Versteigerung in den Waldungen drr Stadt Lich. Donnerstag den 2. Februar l. I., Vormittags 9 Uhr an- fomgend, kommen in den Districten Sauloch und Rotherbusch zur Versteigerung : 239 rm Buchen-Scheiter, 300 „ Buchen-, Eichen-, Nadel- und Weichholz-Knüppel, 9335 Wellen Buchen-, Eichen-, Nadel- unb Weichholz-Reisig, 351 rm Buchen-, Eichen-, Nadel- und Weichholz-Stöcke. Anfang und Zusammenkunft auf der Lindenseifschneife zwischen Sauloch urtD Kronau. Lich, am 23. Januar 1893. Großh. Bürgermeisterei Lich. ___________Walz._________767 Angebote auf die folgenden Arbeiten: 1) Loos I: Tüncher-, Stuckateur-, Anstreicher- und Malerarbeiten in Kirche und Altarraum (veranschlagt zu 6900 <#), 2) Loos II: Anstreicherarbeiten im Haupt, Wirthschafts- und Krankenbau, am Spiegelzaun und der inneren Einfriedigung(lOlOO^L), 3’ Loos III: Desgl. in 16 Aufseherwohnungen (3800 «/&), 4 Loos IV: Anstreicher-, Malerund Stuckateurarbeiten in Director- und zwei Beamten - Wohnungen (3130 X), 5)1 Loos V: 1000 qm Cementver- putz und -Estrich und 300 qm Cementwände mit Drahteinlage rc. »erben bis Montag, 13. Februar, Vormittags 10 Uhr, erbeten. Ccopieen ber Submissionsunterlügen Derben auf Wunsch gegen Entrichtung vom 1 JC. 40 für Loos I, je 60 H für jedes der übrigen Loose mrd 2 50 $ für sämmtliche Loose portofrei versendet. — Zuschlagsfrist: 4 Wochen. Butzbach, den 20. Januar 1893. Großherzogliche Baubehörde fnt die Zellenftrasanstalt Butzbach. Daudt. 918 Holzverkauf. 35 Fstmtr. Kiefernftämme, geeignet zu Grubenholz, gelegen an der Kreisstraße bei dem Hofe Graß,- sind aus der Hand abzugeben. Angebote nimmt entgegen 894] Renteiverwalter Stahl zu Klovpenheim b. Großkarben. Die der Gemeinde Obbornhofen zustehende Jagd, bestehend in 131,5 Hectar Wald und 558,5 Hectar Feld, soll Mittwoch den 8. Februar d. I., Nachmittags 1 Uhr, auf dem Rathhause daselbst auf weitere sechs Jahre verpachtet werden. Obbornhofen, 28. Januar 1893. Großh. Bürgermeisterei Obbornhofen. _________Leschhorn.______926 Stammholz- Versteigerung in der Odersörsterei Gadenbach. Schutzbezirk Seibertshausen. Mittwoch den 8. Februar d. I., Vormittags von 10 Uhr ab,; kommen im District 19b Schönwasser an Ort und Stelle nachstehende Hölzer zur Versteigerung: 7 Eichen-Stämme von 0,95 fm, 2 Eschen- „ „ 0,22 „ 95 Rotherlen-Stämme v. 44,47 „ Das Holz lagert unmittelbar an der Gießener Chauffee zwischen Weidenhausen und Oberweidbach. [927 Gladenbach, 29. Januar 1893. ___________Königliche Oberförsterei. Jagdverpachtung. Freitag den 10. Februar l. I., Vormittags 10 Uhr, soll die der Gemeinde Harbach zustehende Feld- und Waldjagd auf dem Bureau der unterzeichneten Bürgermeisterei unter den vor der Verpachtung bekannt gemacht werdenden Bedingungen auf weitere sechs Jahre verpachtet werden. Harbach, den 28. Januar 1893. Großh. Bürgermeisterei Harbach. __________Münch.________939 9191 Aecht importirter englischer Fox-Terrier zu verkaufen. Gartenstraße 38, III. Aeilgeöotenes. Das Schuhsett Marke Büffelhaut hat sich längst als das beste Leder- Conservirrnittel bewährt; es macht und erhalt das Schuh- und Lederzeug wasserdicht, dauerhaft und weich, verhindert das Einschrurnpien des naß gewordenen Leders, paralysirt die schädlichen Wirkungen säurehaltiger Wichse und ermöglicht tägliches Glan^wichsen der Stiefel selbst bei nasser Witterung. Die kleine Mehrausgabe für dieses Erhaltungsmittel gegenüber billigeren Präparaten zahlt sich durch Ersparniß am Lederzeug zehnfach wieder. 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