mg. ^asse (0 ,«sÄäÄn,t’II"! -rer ÜJ* ein! cke sollende werbe. SÄ? *«al ^wz-ld-y, Schlosser. " ölw,liC Abnehmer in JWöengissejoJ kadsöiie sn-a. Damen, »gebildet. alons sind Gegen- Unterrichts. Mode-Journale. ens- 5365. schlirf. Kide eeptembtt. wteWronneti, (littst mer S Stahl., Schweta- öorkeffl. Klima. Größte re«' und Vlasenleidt«, m« und Sallenytine, tagM' und Unterleib», Blutarmvth, Rrrven- i nnd verstopf««-. 'eis durch die Srnnnt» Zaljffflitf (Station ter | wN& H Wutab ll>^nhmü>tunW. [4149 ralzschllrser Salz ist nur anden keine Salze bereitet. , j Tagt MM, iß ar D*M «* iertchährlich. ltigkrit jede» MMmeni» an. ation bei Mar", dsW 50 [30 E 3 ul 2- i* W- Nr. 151 Erstes Blatt Freitag deu 30 Juni 1893 Gießener Anzeiger Keneral-Anzeiger An»ts- «mb Anzeigeblatt fut* den ‘Kreis Gieren ] Gratisbeilage: Gießener Iamilienßtätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für dm folgenden Tag erfcheinendm Nummer bis Norm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmm Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" mtgegen. Die Gießener A««rtienStätter werden bcm Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegl. Streu-, Futter« und Düngermittcl sowohl in Waggonladungen als in Stückgütern bei den verbündeten Regierungen zu erwirken. Die Regierung soll ferner bei der Reichsregierung daraus hinwirken, daß von der Abhaltung von Militärherbstübungen im Lande überhaupt, mindestens aber in den am meist gefährdeten Gegenden und allermindestens von einer Fourage« und Streulieferung, sowie von der Mannschaftsverpflegung verschont werde, sowie die Reichskriegsverwaltung zu veranlaffen, auf Stroheinkäufe im Lande zu verzichten und die Viehankäufe in ausgedehntem Maße für militärische Zwecke, insbesondere für die Conservefabriken, eintreten zu lasten. Auch auf Arbeitsvermehrungen im Bahn-, Wald- und Straßenbau möge die Regierung hinwirken. Ferner sollen zur Ausbreitung des landwirthschaftl. Genossenschaftswesens 3000 Mk. zur Verfügung gestellt werden. Nach warmer Befürwortung dieser Anträge durch die Abgeordneten Schade, Muth^ Schröder u. A. werden dieselben einstimmig angenommen. Der Landtag wurde hterauf um 1 Uhr durch Staatsminister Finger geschlossen. Die Erste Kammer genehmigte ebenfalls einstimmig die von der Regierung geforderte Summe und die Anträge der zweiten Kammer hierzu. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Ausgabeetat festgestellt ist, und dies wäre in diesem Falle die Militärvorlage. Man darf nun aber wohl annehmen, daß in steuer- und socialpolitischer Hinsicht die Reichsregierung, resp. der Reichskanzler Graf Caprivi dem neuen Reichstage entgenkommen wird, um eine abermalige Ablehnung der Militärvorlage und eine ganz unberechenbare innere und äußere politische Krisis zu vermeiden. Die Anzeichen für eine Verständigung in der großen Streitfrage sind also günstig. Der neue deutsche Reichstag und die Militärvorlage. Von einem neuen Reichstage, welcher in erster Linie zu dem Zwecke gewählt worden ist, die Heeresfrage zu entscheiden, muß auch ohne Weiteres das größte Interesse diejenige Frage Hervorrufen, ob der in den nächsten Tagen in Berlin zusammentretende Reichstag eher wie sein Vorgänger die vielumstrittene Militärvorlage annehmen wird oder nicht. Im Allgemeinen neigen nun die Urtheile sowohl der Anhänger als auch der Gegner dieser großen Heeresreform dahin, daß die Annahme derselben im jetzigen Reichstage wahrscheinlich, ja so gut wie gesichert fei. Mit dieser Zuversicht möchten wir uns indessen über die Bewilligung der Vorlage durch den neu gewählten Reichstag nicht aussprechen, denn die jetzige Zusammensetzung des Reichsparlamentes bietet an sich noch keine sichere Gewähr für die Zustimmung zu der Vorlage nach dem Anträge Huene. Zweifellos für dieselbe stimmen doch wohl nur die Conservativen mit 74 Stimmen, die Freiconservativen mit 23 Stimmen und die Nationalllberalen mit 52 Stimmen, macht zusammen 149 Stimmen, also keine Mehrheit. Geneigt der Vorlage ihre Zustimmung zu ertheilen, sind nun allerdings ferner die Mitglieder der freisinnigen Vereinigung (12 Stimmen), die Antisemiten (17 Stimmen) Und die Polen (19 Stimmen), ebenso dürften 5 bis 6 Abgeordnete des Centrums und der Wilden (Fractionslosen) bereit fein, der Vorlage zuzustimmen, und dadurch würde allerdings eine Mehrheit für die Militärvorlage entstehen. Allem Anscheine nach wollen aber die freisinnige Vereinigung und die Antisemiten nur unter Zusicherung gewisser Vorbedingungen her Vorlage ihre Zustimmung ertheilen, nämlich die ersteren, wenn die zweijährige Dienstzeit im Heere für die Fußtruppen gesetzlich festgelegt ist und keine bloße Zweckmäßigkeitsmaßregel bleibt, und die letzteren, wenn vor Annahme der Militärvorlage von Seiten der Regierung und womöglich auch des Reichstages die Erklärung abgegeben wird, daß die Unkosten der Heeresverstärkung nicht auf die unteren und mittleren Volksklaffen gelegt werden sollen. Diesen letzteren Wunsch theilen nun allerdings die Nationalliberalen und andere Parteien auch, aber es sind doch gewisse Schwierigkeiten zu überwinden, sich über das Steuerprogramm zu verständigen, und gesetzlich kann dasselbe vor der Annahme der Militärvorlage entschieden nicht festgelegt, sondern nur besprochen und gewissermaßen privatim vereinbart werden, denn neue Steuern können doch nur dann bewilligt werden, wenn der Hessischer Landtag. nn. Darmstadt, 28. Juni 1893. Sitzung ber zweiten Kammer der Stände. Am Regierungstische das gesammte Staatsministerium. Die Sitzung wird um */zl Uhr eröffnet. Präsident Weber gibt dem Hause die Regierungsvorlage bekannt, wonach drei Millionen Mark für die Linderung der Noth der Landwirthschast gefordert werden. Adg. Haas erstattet zunächst mündlichen Bericht über die Anträge des Ausschusses und beantragt die Dringlichkeit. Die Abgeordneten Frank und Jöst sprechen gegen den Dringlichkeitsantrag, weil die Anträge des Ausschusses für sie zu wichtig seien, um in der kurzen Zeit über dieselben beschließen zu können. Der Antrag auf Dringlichkeit wird hierauf mit allen gegen 8 Stimmen angenommen. Die Vorlage der Regierung auf Verwilligung von 3 Millionen Mk. findet hierauf einstimmige Annahme. Zur Vorlage selbst hat der Finanzausschuß noch eine Reihe von Anträgen gestellt, insbesondere daß eine Stundung von Darlehen ohne Verzinsung bis zum 1. December 1894 und ' von da ab eine Ermäßigung der Verzinsung zu 2 pCt. statt- I finden soll. Ferner soll der Bezug von Waldstreu aus den ■■ Domanialwaldungen ausgedehnt werden, ebenso die Entnahme ' von Futterlaub und Rupfgras. Die Regierung soll ermäch- | tigt werden, die Kosten des Ankaufs von landwirthschaftlichen ! Bedarfsgegenständen und künstlichen Düngmijteln und die- | jenigen der Untersuchung derselben auf die Staatskasse zu , Übernehmen. Bei den Grasversteigerungen aus den Domanial- - Verwaltungen sollen nur Landesangehörige zugelassen werden ! und bei Abgabe von Waldstreu Privatbürgschaften gelten. ; Ferner wird Großh. Regierung ersucht, das Brennen von i Mais und anderen mehlhaltigen Stoffen zu genehmigen und bei Neucontingentirung das bestimmte (Kontingent nicht provisorisch , sondern definitiv zuzutheilen- ferner allgemeine Frachtermäßigungen für den Bezug landwirthschaftlicher ! vierteljähriger Aöonncmentspretsr 2 Mark 20 Pfg. mit Brmgerlohn. Durch die Post btjogce 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Lxpeditis» und Druckerei: Fernsprecher 61. Deutscher Reich. Darmstadt, 28. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Kreisrath deS Kreises Bübingen Geh Regierungsrath Klietfch, den Amts- richter Dornsei ff aus Gießen, den Kirchenrath v. Dieffen- bad) aus Schlitz, den Decan Meyer aus Friedberg. Berlin, 28. Juni. Ob dem am 4. Juli zusammentretenden Reichstage neben der Militärvorlage noch andere gesetzgeberische Materien unterbreitet werden sollen, darüber herrscht zur Stunde noch immer Ungewißheit. ES kommt eben darauf an, ob commissarischc Vorberathung der Vorlage beliebt wird ober nicht, in letzterem Falle würde die bevorstehende Session schwerlich mehr als eme Woche beanspruchen. Nun wird aber aus Berlin gemeldet, eine Anzahl der neuen Reichstagsabgeordneten habe bereits geltend gemacht, daß die Militärvorlage trotz der im Großen und Ganzen sestgehaltenen Form des Antrages Huene einige neue Punkte von grundsätzlicher Wichtigkeit enthalte, die ohne com- miffarische Vorberathung nicht zu erledigen seien. Sollte sich demnach letztere nicht umgehen taffen, so wäre alsdann auf eine Sessionsdauer von etwa vier Wochen zu rechnen und in Feuilleton. Die vorzeitige Sauregurkenzeit der Presse. (Nachdruck verboten.) Brennt die Sonne noch so heiß, Gurken baut man doch mit Fleiß, Und beim längsten Dauerregen, Schwindet nicht der Gurkensegen. Was Propheten sind fürs Wetter, Sind die Gurken für die — Blätter. k. Trotzdem wir erst diese Woche in den Kalender- fomtner getreten, haben wir schon vorher eine Hitze und Dürre, welche den Hundstagen nur wenig nachgibt, die Stadtväter mit gerechter Besorgniß wegen Brunnen und Wafferleitung, die Förster wegen Waldbrände, den Landmann wegen des Viehfutters und der Ernte, die Aerzte wegen Wiederkehr von Epidemien rc. erfüllt. Die vorzeitige Hitze hat uns sogar einen heißen Wahlkampf in einer sonst parlamentarisch ungewohnten Jahreszeit bescheert, und es ist nicht ausgeschlossen, daß derselbe sich noch einmal in noch erhitzterer vermehrter Auflage diesen Sommer wiederholt. Kein Wunder, daß die sauren Gurken vor der Zeit ins Kraut schießen und jetzt schon die Spalten der Blätter in einer Weise füllen, wie solches sonst nur in und nach den Hundstagen geschah. Während das Heer der Enten und Seeschlangen seinen verfrühten Einzug in die Feuilleton- und „Vermischten"-Rubriken hält, tummeln die Gurkenritter ihre Rosse in der für Politik re- servirten Arena. Sie theilen sich brüderlich in das „Innere' und „Aeußere", und man weiß nicht, soll man mehr über die Productivität der einen oder anderen SpecieS staunen. Die Feld- und Gartengurke enthält fast nur Wasser und wenig Nahrungsstoff, die Zeitungsgurke enthält nur Lust und Unterhaltungsstoff. Sie strotzt von Neuigkeiten, aber — um greifbaren. Sogar der „officiöse" Telegraph tritt mitunter in ihre Dienste, um in der windstillen Zeit durch Windmachen ein bischen Kühlung zuzufächeln. Demgemäß unterscheidet man „officielle" Gurken und „Privatgurken". Die ersteren werden von den hohen Regierungen selber der Oeffentlichkeit übergeben, um auf falsche Spuren zu leiten oder der stets neugierigen Welt zu zeigen, daß man — nicht schläft. Ferner gibtS pseudo-osficielle Gurken, diese stammen von Allerweltsherrchen, welche das Gras wachsen hören, quecksilbernen Jnter- wiewern, geschmeidigen Anüchambre - (Korrespondenten, dem Wolff'schen Bureau, das sich nach gehabten Wahlanstrengungen auch einmal einen Jokus erlauben will- desgleichen von Bedientenausforschern, von Leuten, die coüte que coüte be« könnt werden, von vor der Quelle lauernden Neuigkeitsjägern, die unter allen Umständen etwas verdienen wollen — im Sommer muß man auch leben- — und ähnlichen Kategorien. Die „Privatgurken" sind bescheidener. Diesen Gurken- salat fertigen die Redactionen auf eigene Verantwortung, um auch ihrerseits der Jahreszeit Entsprechendes zu liefern. Bis- weilen wird ein solcher Leckerbissen als Lockspeise auf die Angel gesteckt, um unbefugte Abschreiber, resp. Nachdrucker in flagranti zu erwischen und ein Exempel zu ftatuiren. Eine „Privatgurke" schmackhaft zubereiten, ist nicht so leicht, als es aussieht. Das Publikum darf vor Allem keinen Verdacht schöpfen, höchstens der „Kenner", der aber nicht überall ein „Könner" ist. Genaue Kenntniß des zu verarbeitenden „Stoffes", Uebersicht der politischen Situation, eine Dosis Erfindungsgabe, die Fähigkeit, auch das Unglaublichste in den Augen des gläubigen Lesers „wahrscheinlich" zu machen, rasche Auffassung und ein bischen Combinationsvermögen sind unbedingt erforderlich, soll die Gurke nicht zu erkenntlich ge- rathen. Es gibt große „weltbekannte Blätter, welche in diesem Genre Erkleckliches leisten, das ganze Jahr hindurch, nicht blos während der sommerlichen Verlegenheitszeit. Die politischen Gurken sind in ihren Wirkungen gefährlicher als die feuilletonistisch - anekdotischen, deren Lügen oft handdick ä la Falstaff aufgetragen sind. Wenn ein Pariser Blatt in dem zweifelhaften Dahomahnegerbesieger dithyrambisch schon den künftigen Deutschlandbesieger feiert, wenn ein deutsches Blatt in den 24 beim ersten Gang gewählten Socialisten schon den Stamm einer künftigen socialistischen Reichstagsmajorität erblickt und jeremiasartig bespricht, so können Schwachköpfe schon ein wenig beunruhigt werden durch den Genuß dieser harmlosen Sommerfrüchte. Viele Gurken werden nur deß- halb veröffentlicht, um sie nachher bementiren und „Füllsel" gewinnen zu können, denn der Zeitungsraum bleibt leider auch im Sommer immer derselbe, nicht aber das Quantum des Zeitungsstoffes. Viele Gurken wandern kritiklos oder in der Eile von einem Blatt ins andere, ohne daß die Herren Redacteure aus Zeitmangel die Qualität des SommerproducteS näher untersuchen. Gar viele solcher eingeschmuggelten Gurken gelangen auf litho- oder autographirten Correspondenzen, auf welche die Zeitungen abonntrt sind, zum Versandt, denn den Herren Correspondenten gehts nicht besser, wie den vielgeplagten Redacteuren; auch sie müssen, um den vorgeschriebnen Stoff zu liefern, oft am Daumen saugen. Ein gefundenes Essen sind die Sensationsereigniffe während der stillen, schrecklichen Zeit. Der artesische Brunnen in Schneidemühl z. B. mit seinen Erdspalten und Häuserkrachen speist schon seit Wochen die Spalten der Preffe. Daß der russische Türken- und Deutsch enfreffer General Gurko, seinem Namen entsprechend, für eine saure Gurke herhalten muß, finden wir nicht mehr als recht und billig. Warum heißt der Mann so! Daß auch Bismarck in seinen alten Tagen noch einmal um die Gurkenfabrikation sich verdient macht, beweist sein „Mecklen- borger" Speech. Was für ein Unterschied ist, fragen wir zum Schluß, zwischen Gurken und Enten? Ein Gurke verzehrt der Leser auf Treue und Glauben, sie bleibt ihm unverdaut im Magen liegen. Eine Ente dagegen watschelt am Auge deS Lesers vorüber und wird nur flüchtiger Aufmerksamkeit gewürdigt. Daher kommt es, daß die Gurke „merschtentheelS" in der hohen Politik, die Ente im Kleinkram des „Vermischten" ihr Unwesen treibt. Die Gurke findet sich deßhalb in den sogen, besten Familien, d. h. in den „besten" Blättern vor und gegen ihre Epidemie hilft nur Zweierlei: Guter Humor von Seiten des Lesers, wenn er die Absicht merkt und sich nicht verstimmen läßt, und die Homoeopathie von Seiten der Re- bacticn, nämlich Gurken durch Gurken vertreiben. Pro- batum Bit! ____________ liefern Falle müßte das Plenum selbstverständlich noch mir anderen Gegenständen beschäftigt werden. — Neugewählte Reichstagsabgeordnete mit Doppelmandaten gibt es nach den jüngsten Ermittelungen vier. ES sind dies die Herren: Bebel (Soc.), gewählt in Hamburg I. und Straßburg i. E., Zimmermann (Antisemit), gew. in Alsfeld und DreSden-A., Ahlwardt (Antisemit), gew. in Arnswalde und Neustettin, und Träger (freis.), gew. in Alzey-Bingen und Barel. — Der Abgeordnete Ahlwardt ist schon wieder einmal verurtheilt worden. Diesmal handelte eS sich um den mehrmals vertagten Prozeß gegen Ahlwardt vor dem Berliner Landgericht wegen Beleidigung der Gesammtheit der preußischen Beamten und speziell derjenigen deS Justizrefforts. Der Gerichtshof erkannte Ahlwardt für schuldig und verur- theilte ihn zu drei Monaten Gefängniß. Berlin, 27. Juni. Welche Partei hat den Gewinn von den Wahlen? Wenn wir das wahrscheinliche Ergebniß der noch rückständigen Stichwahlen in Anschlag bringen, werden Conservative, Reichspartei und National- liberale mit einer kleinen Verstärkung ihres jetzigen Besitzstandes herauskommen. Die Freisinnige Vereinigung und die Freisinnige DolkSpartei werden zusammen wenig über 30 zählen, also noch nicht die Hälfte ihres bisherigen Besitzstandes. Die süddeutsche Demokratie erhält sich ungefähr. Die Social» demokraten werden wohl auf 45 Mann wachsen, hätten danach also 9 Mandate gewonnen. Das Centrum wird durch Absplitterungen aus der Fraction (militärsreundliche Gruppe und bayerischer LandwirthSbund) etwa 10 Mandate verlieren. Die Antisemiten find bereits von 6 auf 18 Mitglieder angewachsen. Bedauerliche Fortschritte haben auch die Polen durch die Eroberung der noch nie besessenen Wahlkreise Bromberg, Frauenstadt, Allenstein gemacht. Am bedeutendsten ist sonach, wie gute Beobachter der Volksstimmung stets vorausgesagt hatten, der Gewinn der beiden radicalsten Parteien, der Social- demokraten und der Antisemiten. — Nach einer vorläufigen Berechnung find bei den Hauptwahlen am 15. Juni rund 1,800,000 socialdemokratische Stimmen abgegeben worden. DaS bedeutet immerhin einen Zuwachs von 375,000 Stimmen gegenüber den Hauptwahlen von 1890, aber das Ergebniß bleibt doch um ein Beträchtliches hinter den Hoffnungen der Socialdemokraten zurück. Als die ersten Wahlnachrichten bekannt wurden, schien es noch, als ob das Triumphgeschrei des „Vorwärts", daß seine Partei zwei Millionen Stimmen aufbringen werde, die Berechtigung nicht entbehre. Diel bedeutender als das Anwachsen der Socialdemokratie ist das des Antisemitismus, der eS auf rund eine halbe Million gebracht hat, gegen etwa 50,000 vor drei Jahren. Die, freisinnigen Stimmen sind etwa um 240,000 Stimmen zurückgegangen. Trier, 28. Juni. General v. Lo e ist mit einer Anzahl GeneralstabSosfizieren zur Feststellung des Kaiserparadefeldes hier eingetroffen. Aus Elsaß Lothringen, 25. Juni. In Altdeutschland dürfte die gestern in Straßburg erfolgte Wahl Bebels vielfach überrascht haben. Um dieses Wahlergebniß richtig würdigen zu können, muß man sich vergegenwärtigen, daß sich unsere Stadt bis 1887 im unbestrittenen Besitze der Protestpartei befand, deren schroffer Vertreter noch in dem genannten Jahre mit 8281 Stimmen gegen 6807 über Petri siegte. Von socialdemokratischen Stimmen hörte man damals so gut wie nichts. Das wurde mit einem Schlage anders, als Kable starb und es der Protestpartei an einem geeigneten Ersatzmanne fehlte. Bei den Wahlen vom 20. Februar 1890 siegte zwar Petri, aber die Zahl der für Bebel abgegebenen Stimmen schnellte damals mit einem Male zu aller Welt Erstaunen auf 4770 hinauf. Diese Ziffer ist nur dadurch zu erklären, daß die gesammte Protestpartei einmüthig für den Umsturzcandidaten eintrat. Daß auch diesmal wieder Protest und Socialdemokratie Hand in Hand gehen würden, war um so sicherer anzunehmen, als diese Parteien in der gemeinsamen Gegnerschaft gegen die Militärvorlage einen willkommenen Berührungspunkt fanden. Gleichwohl wäre Bebel auch diesmal wieder unterlegen, wenn ihm nicht von ganz unerwarteter Seite Beistand geleistet worden wäre. Beim ersten Wahlgange brachte es Bebel, trotzdem die Socialdemokraten und ihre protestlerischen Verbündeten den letzten Mann an die Urne führten, nur auf 6206, Petri dagegen auf 6981 Stimmen, während der clericale Candidat 3390 Stimmen erhielt. Bei der gestrigen Stichwahl hätte man nun annehmen sollen, die clericale Partei würde ihre Stimmen Petri, als dem Manne der Ordnungspartei, zuwenden oder wenigstens neutral bleiben. Statt dessen wählte sie Bebel, dem daraus 2000 neue Stimmen zufielen und zum Siege verhalfen. Arr-land. — Für den am 6. August in Zürich zusammen» tretenben internationalen Socialisten-Congreß ist, wie die „Nat.-Ztg." erfährt, von dem „Organisationscomitö" die Tagesordnung versandt worden. Sie umfaßt acht Punkte, nämlich: 1) Maßregeln zur internationalen Durchführung deS Achtstundentages. 2) Gemeinsame Bestimmungen über die Maifeier. 3) die politische Tactik der Socialdemokraten. 4) Stellung der Socialdemokratie im Kriegsfälle. 5) Schutz der Arbeiterinnen. 6) Nationale und internationale Ausgestaltung der Gewerkschaften. 7) Internationale Organisation der Socialdemokraten. 8) Verschiedenes. Ucucfk Nachrichten. Wolff« telegraphische« Correspondenz-Bureou. Berlin, 28. Juni. Geheimerath Koch hält heute Abend für die Mitglieder des Abgeordnetenhauses einen besonderen Vortrag über die Cholera. Berlin, 28. Juni. Der Großfürst-Thronfolger von Rußland ist heute Abend 8V2 Uhr hier eingetroffen und in der russischen Botschaft abgestiegen. Die Weiterreise erfolgte um 10V4 Uhr Abends.^ Leipzig, 28. Juni. Das Reichsgericht verwarf die von 16 Gesellschaften eingelegte Revision gegen das Unheil des Oberlandesgerichts Hamburg, wodurch diese zur Zahlung der Versicherungssumme von 230,000 Mark für das verloren gegangene Schiff Johann OrthS verurtheilt waren. Baden-Baden, 28. Juni- Das Kaiserin-Augusta» bab wurde um 11 Uhr in Gegenwart des Großherzogpaares von Baden und deS Großherzogs von Weimar eröffnet.' Straßburg i. E., 28. Juni. Der hiesige katholische Verein „FidelitaS" wurde aufgelöst wegen Verstoßes gegen die Statuten, die das Treiben von Politik verbieten. Paris, 28. Juni. Gerüchtweise verlautet, die Regierung lehnte die officielle Betheiligung an der Antwerpener Ausstellung im Jahre 1894 ab. Marseille, 28. Juni. Heute wurden hier einzelne Cholerafälle conftatirt, die von raschem Tode gefolgt waren. Toulon, 28. Juni. Heute kamen hier zwei Cholera- Todesfälle vor, in Montpellier gestern zwei, heute ein Cholera Todesfall. London, 28. Juni. Das Großherzogspaar von Mecklenburg - Strelitz feierte heute im engsten Familienkreise im St. Jarnes-Palaste die goldene Hochzeit. Unter den ersten Telegrammen befand sich der Glückwunsch der Königin. Das Jubelpaar erhielt reiche Geschenke seitens der Familie. ____________ Depeschen be« Bureau .Herold". Berlin, 28. Juni. Dem Bundesrath ist ein Entwurf zur Verordnung zugegangen, betreffend das Verbot der Ausfuhr von Streu und Futtermitteln. Die Vorlage wird in dem morgigen Bundesrathe berathen, desgleichen die Mili tärvorlage. Berlin, 29. Juni. Es gilt als wahrscheinlich, daß die zweiteLesung derMilitärvorlage nicht sogleich im Plenum vorgenommen wird. Man dürfte vorziehen, den Entwurf vorerst in der Commission zu erörtern. Die Sommersession würde noch etwa drei Wochen beanspruchen und dürfte in der letzten Woche des Monats Juli geschlossen werden. Köln, 28. Juni. Aus bester Quelle wird dem Petersburger Correspondenten der „Köln. Ztg." bestätigt, daß die russisch.deutschen Zollverhandlungen noch fort- dauern und vorläufig noch nicht als ganz aussichtslos anzu- sehen feien. Freiberg i. S., 28. Juni. Eine Versammlung der Berg- akademiker beschloß, so lange die Vorlesungen zu meiden, bis es den an der socialdemokratischcn Agitation be- theiligten Akademikern gestattet ist, an den Vorlesungen theilzunehmen. Leipzig, 28. Juni. Das Reichsgericht verurtheilte den Gastwirth Emil Fohrer aus Biesheim (Elsaß) wegen versuchten Landesverraths zu sieben Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust und erkannte auf Vernichtung des beschlagnahmten Notizbuches des Angeklagten, worin eine Scizze des Forts Neubreisach enthalten ist. München, 28. Juni. Prinz Ruprecht wurde von Kaiser Wilhelm zu den diesjährigen Herbstmanöoern eingeladen und wird der Einladung Folge leisten. Wien, 28. Juni. Das clericale „Vaterland" bemerkt, indem es die Wahlresultate inDeutschland bespricht, I der relativ große Zuwachs der Socialdemokraten und Sinti» I femiten beweise die zunehmende Unzufriedenheit in sämmtlichen Volksschichten. London, 29. Juni. Aus Bangkok (Siam) wird gemeldet, daß die Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Siam demnächst eröffnet werden. Madrid, 29. Juni. Nachdem Deutschland auf die Vorschläge der spanischen Regierung mit einer Verminderung der Tarife auf spanische Weine geantwortet hat, wird der Vertrag zwischen beiden Ländern spätestens Ende Juli unterzeichnet. Madrid, 29. Juni. Der Thermometer erreichte gestern eine Höhe von 34 Grad im Schatten. New-Nork, 29. Juni. In Portsvott (Kansas) ist ein vierstöckiges Haus eingestürzt. Von 75 unter den Trümmern begrabenen Personen wurden bisher 2 5 Leichen hervorgezogen. " - " - .........*"' ""* - ■ Die Fraktionen des neuen Reichstags. Nachdem die Stichwahlen bis auf 10, die das Gesammtbild der Wahlergebnisse nicht mehr ändern können, erledigt sind, ergibt sich folgendes Derzeichniß der Mitglieder der einzelnen Fractionen des neuen Reichstags. Die Namen derjenigen Abgeordneten, die dem vorigen Reichstag nicht angehört haben, sind mit einem * bezeichnet. Den jetzigen Mitgliedern der einzelnen Fractionen folgen die Namen der Mitglieder des vorigen Reichstags, die im neuen Reichstag nicht wiedererschienen sind. Eonservative. 71 Sitze. Bohtz, *0. Buchka, Buddenbrock, Gras Earmer, v. Colmar, *0. Dallwitz, *d. Dewitz, Graf Dönhoff, ®iaf v. Dohna, Graf Douglas, v. Frege, v. Gerlach, *0. d. Gröben, v. Gustedt, "Haake, *0. Herder, "Hauffe-Dahlen, v. Hammerftein, Erbprinz zu Hohenlohe, v. Holleuffer, Gras Holstein, "Hüpeden, 0. Jagow-Potsdam, "Jakobs- kötter, "Äalmring, Grak Kanitz-Pillkallen, "Graf Kanitz-Schlochau, *0. Kleist-Retzow, "Graf Knyphausen, Kropatfcheck, *0. Leipziger, v. Levetzow, "Graf Limburg-Stirum, *0. Lösewitz, "LoutS, v. Maltzahn, v. Manteuffel, v. Maffow, "Mentz, Graf Mirbach, v. Normann, von der Osten, *0. Plötz, *0. PodbielSki, *0. Polenz, *0. Puttkamer, »Rettig, "Riekehof-Böhmer, *@raf v. Roon, "Rotber, "Sachse, *v. Salisch-Postel, v. Saurma, "Schall, Graf Schlieffen-Schwandt, v. Schöning, "Graf Schwerin, "Schwertfeger, v. Sperber, v. Staudy, *o. Stein, Steinmann, "Sleppuhn, "Stroh, Uhden, *0. Viereck, "o. Werbeck, "Wiefike, "Will, v. Winterseldt, Zorn v. Bulach (Hospitant). Ausgeschieden: Ackermann, Bock-Minden, v. Bredow, v. Buffe, Dodillet, v. Flügge, v. Friesen, Giese, Hahn, Prinz Handjery, Hartmann-Plauen, v. Helldorff, Hempel, v. Henk, Hultzsch, v. Jagow- Ruhstädt, Gras Kleist-Schmenzin, Klemm-Sachsen, Mehnert, Menzer, Graf Pückler, Graf Saldern. Schier, v. Schleinitz, Schlick, Graf Schlieffen-Schlieffenberg, von der Schulenburg-Beehendorf, v. Steinau- Steinrück, Stephanus, Stöcker, Graf Stolberg, Wichmann und v. Wrisberg. LaichSPartei. 25 Sitze. Graf Arnim, Baumbach-Altenburg, 'Gras Bernstor ff-Lauenburg^ "Graf Bismarck, "Engels, Gawp, 0. Gültlingen, "v. Hevl, Höffel, Holtz, v. Kardorff, "Klemm-Langensalza, Leuschner, "Meyer-Danzig, Merbach, "Graf Mollke, "Müller, "Nauck, 'Pauli, "Nttter, 'Scherre, schulz-Lupitz, "Stephan-Liebeowerda, v. Stumm, v. Unruhe-Bomft. Ausgeschieden: Gras Behr, Gehlert, Grumbt, Fürst Hatzfeldt, v. Hellmann, v. Keudell, Lucius. Nation alliberale. 47 Sitze. Adt, "Lantleon, "Baffermann, 'Bayerlein, 0. Benda, v. Bennigsen, 'Blankenborn, "Böhme, Böttcher, "Boltz, BrüningS, Brunck, Bürklin, Elemm-LudwigShafen, v. Cuny, "DreSler, 'EnnecceruS, 'Feddersen, 'Fink, "Frank, "Friedberg, Günther, Hammacher, "Haffe, "Hische, Hofmann-Dillenburg, Hosaog, Jebsen, Jorns, Krämer, 'Kruger, Krupp, "Kruse, "Lüttich, v. Marauardsen, Möller, "Münch Ferder, 'Graf Ciiola, Osann, "Paasche, Pieschel, Plackc-Aken, Rimpan, Rothbart, "Schultze-Hennen, Siegle, "Weder. AuSgeschieden: Büsing, Buhl, Casselmann. Endemann, Götz, Hastedt, Holtzmann, van Hülst, Müllensiefen, Dr. North, Oechelhäuser, Petri, Pfähler, Poll, Sander, Schneider-Hamm, Scipio, TröUsch, Weiß-Eßlingen. Cntirittn. 93 Sitze. Aichbichler, Prinz Arenderg (f. M.), Bachem, Bender, "Beuerle, Bock-Aachen, Brandenburg, "Braubach, Braun, "Broekmann, 'Bumiller, v. Buol, "Conrad, "CyttonowSki, "Deuringer, Dieben, "Eck, "Euler, "Frank (für M), Fritzen-Kempen, "Fuchs, Fusangel, Gras Galen, v. Grand-Ry, Gretß, Gröber, "Hari, "Ha,tmann-Glah,'Haas, Haus, v. Heereman, Heffe, Hitze, Graf Hompesch, Horn, "Hubrich, Hug, "Humann, v. Kehler, Klose, Kredo, *0. Lama, Lehemeir, Lehner, Lender (f. M), Leonhardt, "Lerno, Lerzer, Letocha, Lieber-GoarS- hausen, Lingens, Marbe, "Marcour, Mayer Land-Hut, Minner, Mooren, "Moritz, "Mülle,-Fulda, "Nadbyl, Neckermaim, 'Pichler, "Pingen, Reichert-Baden, Reindl, Rembold, Rintelen, 'Roeren, Rudolphi, Schädler, Schättgen, "Schmid-Immenstedt, Schmidt- Warburg, "Schöpf, Schuler, "Schwache, 'Sigl, Spahn, "Steininger, Stephan-Beutben, v. Strombeck, Szmula, Zimmermann, Wattendorf, "Weidenfeld, "Wellstrin, Wender-, "Wengert, Wenzel, Wildegger, "de Witt, Wihlsperger, *Wolny, "Zott. Ausgeschieden: Graf Adclmann, Graf Ballestrem, Beckmann, Biehl, Brüel, Burlein, Graf Chamars, 0. Dalwigk, Gras Droste» Vischering, EoerS, v. Franckenstein. Fritzen Coblenz, v. Gagern, v. GliSczynSki, Graf, Haanen, Haberland, Graf Hoensbroech, v. Huene, Kersting, Kochann, Landes, Lauck, Graf Lo-, Gras Ma- tuschka, Menken, Mey, NelS, Pezold, v. Psettm, Po, sch, Graf Preysina-Dillingen, Graf Preysing-Straubing, RarkowSki, Rauchen- ecker, Reichert-Bayern, v. Reitzenstein, Riß, v. öchalscha, Graf Schönborn, Sperlich, Stötzel, Wagner, Gras Walderndorff, Weiß- Paffau, 0. Wendt, Zinth. Freisinnige Bereinigung. 12 Sitze. Barth, ^Freese, "Gaulle, "Görtz, "Köpp, Lorenzen, Mayer, Meyer-Halle, Rickert, Rösicke, Schröder, Thomsen. freisinnige Bolkspartei. 23 Sitze. Anker, *Barbeck, "Beckh, "Bohm, Budbeberg, "Göllner, Hermes-Jauer, "Herzog, Rauff mann, Langcrbans, "Lenzmann, Lüders, Munckel, Müller-Sagan, Pachnicke, Pstüger, v. Reibnitz, Richter, "Ritter, Schmieder, Schneider-Nordhaufen, Träger (Bingra und Varel). Ausgeschieden (von der früheren deutschsreisinnigen Partei): Althaus, Bamberger, v. Bar, Baumbach-Berlin, Berling, Bröm.l, Dau, Dohrn, ^berty, Funck, Goldschmidt, Gulfleisch, Hacke, Harmentng, Hänel, Hermes-Brandenburg, Hinze. Hirsch, Horwitz, Jeschke, Jordan, Jungfer, Knörike, Koch, Krause, Münch, Panse, Raeithel, Rüge, Samhammer, Schenck, Schmidt-Elberfeld, Schrader, L-chütte, Seelig, Siemens, 0. Stauffenberg, Stephan, Thomas, Uhlendorff, Virchow, Vollrath, Wilbrandt, Wtltsch, Witte, Wöllner, Zongemeister. Süddeutsche Bolkspartei. 12 Sitze. "Ehni, "Galler, "Haag, Hartmann-Hall, Kautzmann, Kercher, "Kröber, Payer, Pflüger, Schmidt, Speiser, "Weiß. Ausgeschieden: Dillinger, Hähnle, Härle. Soeialdemokraten. 44 Sitze. Auer, Bebel (Hamburg und Straßburg), Birk, Blos, Bock- Gotha, "Brühne, "Bueb, Dich, "Fischer, Förster, Frohme, Geyer, Grillenberger, Harm, "Herbert, Hofmann Reichenbach, Jöst, "KlaeS, 'Kühn, "Legten, Liebknecht, "Meist, Meister, Metzger, Möller, "Reißbaus, Schippel, "Schmidi-Berlin, Schmidt-Frankfurt a. M., Schmidt-Mittweida, "Schönlank, Schultze, Schumacher, Seifert, Singer, Stadthagen, Stolle, Tutzauer, Ulrich, "Vogtherr, v. Vollmar, Wurm, "Zubeil. Ausgeschieden: Bruhns, Heine, Hickel, Kunert, Molkenbuhr, Schwartz. Welfen. 6 Sitze. 0. Arnswaldt-Hardenbostel, "Graf Bernstorff-Uelzen, v. d. Decken, *o. Hodenberg, Götz v. Olenhusen, v. Wangenheim. Ausgeschieden: Graf 0. d. Decken, v. Minnigerode, Gras v. d. Schulenburg. Pole«. 19 Sitze. v. CcgielSki, 'EblapowSki, '0. CzarlinSki, Prinz EzartoriSki, Fürst CzartoriSki, 0. DzirmbowSki, v. Jazdzewski, v. KomierowSki, v. KoScielski, v. Kalckstein, 'Kubicki, Gras Kwilecki, v. PolczynSki, Fürst Radziwill v. Rozycki, RzepnikowSki, v. ElaSki, 'Propst Dr. Wolzlegier-Allenstein, v. Wolzlegier Könitz. Ausgeschieden: v. DonimirSk», MolczenSki. Antisemiten. 16 Eitze. Ahlwardt (Reuftetiin undArnswalde), Böckel,"Gräfe, dänischen, "Hirsche!, "Klemm, 'Köhler, "Leuß, "Lieber-Meißen, Liebermann v. Sonnenberg, "Lotze, Werner (Hersfeld und Hofgeismar), Zimmermann (Dresden und AlSfeld). Ausgeschieden: Pickenbach. Bayrische Banerndündler. 3 Sitze. *Sad)meier, "Bruckmaier, Lutz. Elsässische Protesiler. 7 Sitze. "ColbuS, Guerder, Küchly, Neumann, Preiß, Simonis, Winterer. Ausgeschieden: Dell-'4, v. Dietrich, Lang, Mang'-s, Ruhlaud. Wilde. 8 Sitze. "Bostetter, Prinz Carolath, 'Gescher "Hahn (Agrarier), "Prinz Alex. v. Hohenlohe, v. Hornstein, "Langerfeldt, "Pöylmann. Ausgeschieden: Fürst Bismarck, Fischer, 0. Münch. Däne. 1 Sitz. Johannsen. Vor der Auflösung des vorigen Reichstags waren vier Mandate erledigt: 1. Mülheim-GummerSbach (6. Köln) durch den Tod de- Abg. Bödiker (Ctr.). Hier wurde de Witt (Ctr.) gewählt. 2. Eylau (6. Königsberg) durch den Tod deS Abg. v. letten (cons.). Jetzt gewählt v. d. Gröden (cons.). 3. Dortmund durch die MandatSniederlegung deü Abg. Möller (nl.). Jetzt Möller (nl.) wiedergewählt. 4. Hameln (9. Hannover) durch die Ungültigkeitserklärung der Wahl deS Abg. v. Reden (nl.). Jetzt gewählt Hische (nl.). Stichwadle«. ES stehen noch die Ergebnisse folgender Stichwahlen aus: Stralsund-Rügen: v. Keudel (Rp.), v. Langen (conf.). Osnabrück-Bersenbrück: Wemhoff (nl.), v. Schere (Welfe). Melle: Unbefunde (nl.), v. ArnSwaldt-Böbme (Welfe). Weilheim: Oswald (cons., f. Mil -B), Weber 6tr.). Kronach: Stöcker (Ctr.), Zinner (bavr. Bauernd.). Rothenburg a. d. T.: Keller (nl.), Hilpert (bayr. Bauernd ). Lohr: Keßler (Ctr), Weißenderger (fübb. V-lksp.). Schweinfurt: Burger (Ctr.), v. Oberndorf (nl.). Eisenach: Kaffelmann (fr. Bolksp.), v. d. Osten (nl.). Neustadt-Jena: Walther (nl.), Leutert (Soc.). - L-eales ttttb jprot>ittsUUes» Sieben, 29. Juni 1893. * * Ordensverleihung. Seine Königliche Hohett der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem berittenen Oberwachtmeister Konrad Gieß im Gendarmerie-Diftrict Oberhessen das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen. * * Bon der Gensdarmerie. In den Ruhestand tritt am 1. Juli Oberwachtmeister Gieß vom hiesigen Gensdarmerie- bezirk. An dessen Stelle tritt Wachtmeister Conrad von Friedberg, und an des letzteren Stelle Gensdarm Sch warz von hier als Wachtmeister. ♦ * Sitzung Großh. Handelskammer vom 26. Juni 1893. Anwesend waren die Herren Scheel, Gail, Heichelheim, Katz, Wortmann. Es wird beschlossen, bei Großh. Staatsregierung zu beantragen, die zur Zeit nur den Consumvereinen, Gemeinden 2C. gewährten Frachtermäßigungen für Futterartikel allgemein einzusühren und insbesondere auch den Händlern zu Gute kommen zu lassen. — Von Hungener Interessenten ist der Kammer eine Petition übersandt worden, in welcher über Wagenmangel auf den Oberhessischen Eisenbahnen und insbesondere auf der Station Hungen geklagt wird. Aehnliche Klagen sind der Kammer auch schon von anderer Seite wiederholt zugegangen und wird deshalb beschlosien, bei Großh. Direction der Oberhessischen Eisenbahnen die Abhilfe dieses Mißstandes zu beantragen. — Auf der Tagesordnung der auf den 28. l. Mts. einberufenen Bezirks-Eisenbahnraths-Sitzung zu Hannover steht ein Antrag auf allgemeine Ausdehnung der Frachtsätze des Rohstofs-Tarifs auf Brennstoffe. Die Kammer beschließt, diesen Antrag zu unterstützen. — Das Belgische Consulat in Mainz theilt der Kammer mir, daß im Jahre 1891 eine Weltausstellung in Antwerpen stattfindet, zu welcher die Industrie- und Handelskreise des hiesigen Bezirks zu lebhaster Betheiligung eingeladen würden. Es wird in der Einladung noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß die von Chicago zurückkommenden Ausstellungsgegenstände, die nochmals in Antwerpen ausgestellt werden sollen, auf Kosten der Ausstellungsgesellschaft in Antwerpen innerhalb der Ausstellungshallen untergebracht werden. Die näheren Bestimmungen für die Ausstellung können auf dem Bureau der Kammer eingesehen werden. * * Postalisches. Nach den nunmehr abgeschlossenen Aufstellungen sind im vergangenen Jahre 1892 bei sämmtlichen Postanstalten des deutschen Reichspostgebiets 1609 Millionen Briefsendungen (Briefe, Postkarten, Drucksachen, Geschäftspapiere und Waarenproben) eingegangen und 1632 Millionen solcher Sendungen aufgeliefert worden. Das macht auf jeden einzelnen Kopf der Bevölkerung im Durchschnitt 38,5 empfangene und 39,1 abgegangene Briessendungen. Gegen das Jahr 1891 bedeutet dies eine Zunahme von 81 bezw. 85 Millionen und 1,9 bezw. 2 Stück. * * Eine interessante Uebersicht über die Entwickelung der Arbeitsverhältnisse des Großherzogthums Hessen gewähren die kürzlich erschienenen Jahresberichte der beiden hessischen Fabrikinspectoren. Nach diesen Berichten zählte Hessen im Jahre 1886 38 396 Fabrikarbeiter, im Jahre 1892 aber schon 53 988, ein greifbarer Beleg, wie sehr auch bei uns in Hessen die industrielle Entwickelung mit Riesenschritten vorwärts geht. Die Zahl der Fabrikanlagen stieg in demselben Zeitraum von 1054 auf 1592, darunter die Zahl der Anlagen mit Dampfbetrieb von 665 auf 862, so daß mehr als die Hälfte der Anlagen mit Dampf arbeiten. Die Zahl der erwachsenen männlichen Arbeiter betrug 1886 7790, 1892 10 357. Die Zahl der jugendlichen männlichen Arbeiter belief sich 1886 auf 2194,1892 auf 3166, die der weiblichen 1886 auf 1500, 1892 auf 1832. Die Zahl der kindlichen Arbeiter betrug 1886 105, 1890 103 und 1892 39. Die Entwickelung ist im Großen und Ganzen eine normale zu nennen und hat die Frauenbeschäftigung auf Kosten erwachsener männlicher Arbeiter nicht unverhciltniß' mäßig zugenommen. Die Kinderbeschäftigung, die schon vorher nicht ausgedehnt stattsand, ist seit 1892 in Folge der Bestimmungen der Gerwerbenovlle beträchtlich zurückgegangen. * * In Amerika verstorbene Heffen. New York City: John Jacob Weiß, 56 Jahre alt, aus Watzenborn, Kreis Gießen. Maria Machewirth, 19 Jahre alt, Tochter von Daniel Machewirth aus Bechenheim, Kreis Alzey. — East New York: Georg Arnold, 41 Jahre alt, aus Gießen. — Pittsburg, P.: Andreas Oestreich, 50 Jahre alt, aus Altenschlirf. * * Die geologische Landesanstalt wurde Angesichts der in den landwirthschaftlichen Betrieben herrschenden Futternoth vom Grobherzoglichen Ministerium des Innern und der Justiz mit der schleunigen Untersuchung der im Lande vorhandenen Torflager in Bezug auf deren Abbauwürdigkeit zur Herstellung von Torfstreu beauftragt. - n- Aus dem Kreise Gießen, 28. Juni. Mit der kurzen Schilderung eines schönen Festes, welches am 26. d. Mts. im Cafe Ebel zu Gießen gefeiert wurde, hat es Einsender dieses zu thun. Der seitherige Amtmann am Großherzoglichen Kreisamte Gießen, Herr Nebel, tritt mit dem 1. Juli seine neue Stelle am Großherzoglichen Oberconsistorium zu Darmstadt an. Dem Scheidenden zu Ehren veranstalteten die Bürgermeister des Kreises, die vollzählig erschienen waren, ein Festessen. Herr Provinzial-Director Frhr. v. Gag ern, sowie Herr Regierungsrath Dr. Melior, erschienen ebenfalls, elfterer Herrn Kreisamtmann Dr. Wallau, den Nachfolger des Herrn Nebel, vorstellend. Den ersten Toast brachte der Herr Provinzial-Director auf Se. Königliche Hoheit den Großherzog aus, höchstwelcher es wieder bewiesen habe, daß man es versteht, den richtigen Mann auf den rechten Platz zu stellen. Während des Festessens hielt Herr Bürgermeister Krämer-Steinbach die eigentliche Festrede, die Verdienste des Scheidenden, der eS so sehr verstanden hat, seinen Platz voll und ganz auszufüllen, in schön durchdachten Worten hervorhebend. Herr Nebel dankte mit warmen Worten für diese Feier, die ihn umsomehr freudig überrasche, als sie sehr zahlreich besucht sei, versichernd, daß er den KreiS Gießen für Immer im guten Gedächtniß behalten werde. Herr RegierungSrath Dr. Melior toastete auf das gute Einvernehmen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen und Herr Bürgermeister Walz-Lich auf die Verwaltungsbeamten. Es hatte sich nach und nach der zahlreichen Gäste eine recht animirte Stimmung bemächtigt. So verlief die Feier, welche wohl allen Theilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird, aufs schönste. Ein Beamter von solch' edler Gesinnung, ein humaner Vorgesetzter und wohlwollender Freund, wie ein Nebel, verliert man nur ungern, doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten. Wir geben dem Scheidenden unsere besten Glück- und Segenswünsche mit in sein neues Heim, wünschend, daß derselbe für die Zukunft das finden möge, was man sich selbst gönnt. O Trais Horloff. 28. Juni. Nachdem von den Herren Gebr. Böckel von Bellersheim sämmtliche Asche von hiesiger Brikettsfabrik, welche seither zu Bauzwecken sehr begehrt, vertragsmäßig übernommen, wurde vyn der genannten Firma die Fabrikation von Schlackensteinen mittelst Dampfbetrieb in unmittelbarer Nähe der Brikettsfabrik eingerichtet. A Trais-Horloff, 28. Juni. Auf welche eigenthümliche Art manchmal ein Mensch das Leben verliert, zeigt ein dieser Tage hier vorgekommeuer Sterbefall. Dem Maurer Heinrich Uhl dahier, ein in der Mitte der dreißiger Jahre stehender, kräftiger Mann, ging eines Sonntags beim Kegeln ein Holzsplitter in die Hand. Diese Verletzung, wodurch Blutvergiftung entstanden, kostete dem Manne innerhalb 14 Tage das Leben. -1-. Altenstadt, 27. Juni. „Was lange währt, wird endlich gut!" sagt ein deutsches Sprichwort, welches sich bei den Fleischpreisen in unserem Orte bewährt hat. Mit Mühe und Anstrengung gelang es unseren Metzgern endlich, auf 40 Pfg. pro Pfund Rindfleisch zu gelangen, denn gar schwer drückte sie die Thatsache, daß der Ankaufspreis mit dem Verkaufspreise reichlich um 100 Prgcent biffertrte. Da ermannte sich einer und ließ ausschellen, daß er um 35 Pfg. verkaufe. Flugs eilte das Publikum nach diesem Laden und die anderen standen leer. Das schmerzte den Nachbar und er ließ um 30 Pfg. das Pfund ausschellen, was den Con- currenten in der folgenden Straße so bekümmerte, daß er das Fleisch zu 25 Pfg. ausbot, welch löbliches Beispiel die übrigen Herren Metzger dermaßen begeisterte, daß sie alle sich bestreben, das Publikum möglichst billig und reell zu bedienen. G. Gedern, 27. Juni. Die Kirschen an den Staatsstraßen Herbstein-Nidda, Hanau-Gedern-Schotten u. s. w. sind nun auch versteigert worden. Zwar waren die Bäume nicht besonders beladen und es sind keine großen Summen erzielt worden, das Taxatum wurde jedoch fast um das Doppelte überschritten, ähnlich wie es mit den Graserträgen an den Gräben der Staatsstraßen ergangen ist. Die treffliche Obstbaumpflege an den Staatsstraßen wird in zehn oder etwas mehr Jahren ganz bedeutende Gelderträge im Gefolge haben. Wir machen daher unsere Vogelsberger Landwirthe auf diese Musterpflanzungen aufmerksam und empfehlen sie sehr zur Nachahmung. Die Steigerer der Kirschen waren aus den Orten Schotten, Rainrod, Eschenrod, Burkhards, Gedern und Merkenfritz, wo überall recht gut Obftbäume an» gepflanzt werden können. Sleinheim, 28. Juni. Das diesjährige Bezirkskriegerfest des Kriegervereinsbezirks Hungen wird am 9. Juli, verbunden mit Fahnenweihe des hiesigen Kriegervereins, hier gefeiert werden. W. Vom Westrande des Vogelsberges, 26. Juni. Eine ganze Reihe von Gemeinden unserer Gegend pflegt aus Waldbeeren, als Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren einen sehr schönen Nebenverdienst zu erzielen. Kinder und ältere, schwächere Leute sammeln die Beeren im kühlen Waldesschatten und liefern sie nach Büdingen, wo das Geschäft Düring (Lenz) treffliche Getränke daraus herzustellen versteht. Das letztgenannte Haus hat die Chicagoer Weltausstellung beschickt. In dem laufenden dürren Sommer gedeihen die Waldbeeren indessen nur kärglich und es entgehen den betreffenden Orten mitunter 2000 bis 3000 Mk. Dazu kommt, daß die Pflanzen und Stauden wegen deS Futtermangels aus den Wäldern geholt und mit dem Vieh verfüttert werden. Die Hoffnungen der Landwirthe heben sich seit einigen Tagen,- wir erhalten von Zeit zu Zeit kleine Regenschauer, die Luft hat' ihre stechende Trockenheit verloren, alle Gewächse sehen frischer aus, wodurch auch der Muth und die Freudigkeit der schwer ringenden kleinen Landwirthe gehoben wird. A Aus Rheinhessen, 27. Juni. In Folge des endlich eingetretenen Regens sind die Landwirthe in der diesseitigen Provinz mit dem Verkauf des Großviehes schon zurückhaltender geworden und haben dem entsprechend auch die Fleischpreise schon etwas angezogen. In einzelnen Gemeinden wurde das Rindfleisch zu 25 Pf. das Pfund ausgehauen. Vernm-schtes. ♦ Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat, um wiederholt vorgekommenen Betrügereien im Verkehr mit Rückfahrkarten vorzubeugen, in einem kürzlich ergangenen Erlaß erneut darauf hingewiefen, daß Rückfahrkarten auf der Hin- wie auf der Rückfahrt von den Zugbeamten sogleich bei der ersten Vorzeigung auf jeder Fahrt zu durchlochen sind und ungelocht den Reifenden nicht abgenommen werden dürfen. Der Minister erwartet, daß das Publikum die Verwaltung in der Verhütung von Betrügereien dadurch unterstützen werde, daß eS auch seinerseits auf das gehörige und rechtzeitige Lochen der Fahrkarten durch den Schaffner achtet. * Bonn, 27. Juni. Heute früh stürzte beim Kirschenpflücken der Gärtner des Rentners Carl Ebbinghaus auf der Coblenzerstraße vom Baume, brach das Genick und war sofort tobt. Er hinterläßt eine Wittwe und acht Kinder. * Aus der Lothringer Garnison Mörchingen wird der „Köln. Ztg." ein etwa 50 Cm. langer Zweig eines Kirschbaumes zugesandt, der nicht weniger als 132 reise Kirschen trägt. Der Zweig rührt von einem auffallend großen Baume her, der über und über mit rotwangigen Früchten besetzt ist. Don der Pracht des BaumeS, von dem man mehr Früchte als Grün sieht, vermag, wie der Einsender bemerkt, jener Zweig nur einen schwachen Begriff zu geben. * Hirschberg, (Schlesien), 28. Juni. Wegen Ermordung des eigenen fünfjährigen KindeS verurtheilte das Schwurgericht den Schmied Geisler aus TiefhartmannSdorf zum Tode. Die Ehefrau erhielt wegen Beihülse zehn Jahre Zuchthaus. * Aus einer Rede, die der Rector Proseffor Dr. Virchow am Sonnabend auf einem studentischen Commers in Berlin gehalten, sei folgende Stelle hervorgehoben: „Der bloße Berufsstudent ist ein bedenkliches Wesen. Wenn wir alle so wären, würde die Nation bald die Courage verlieren. Das ist der Character der deutschen Universität, daß sie eben eine Universitas ist im wirklichen Sinne des Wortes und den Studirenden die Möglichkeit bietet, eine Basis zu finden. Bleiben Sie in dieser universellen Richtung, gehen Sie über das Facultätsstudium hinaus. Die einzelnen Disziplinen werden nicht groß, wenn nicht dahinter wieder der universelle Gedanke steckt. Dieser aber gehört zum Element des deutschen Geistes, durch das wir uns in der ganzen Culturwelt unsere Bedeutung gewonnen haben." Gleichzeitig warnte Virchow aber auch vor einer Verzettelung tm studentischen Leben. * Kassel, 25. Juni. Ein schreckliches Unglück ereignete sich in Wehlheiden gestern Abend in einem Neubau um die Mitternachtsstuude. Ein dreizehnjähriges Mädchen, die Tochter eines Stetnhauers, welches die Aufwartung bei einer Beamtenfamilie versah, hatte in Abwesenheit der Eltern die kleinen Kinder zu überwachen. Nachts gegen 12 Uhr wurde das eine Kind wach, das Mädchen wollte ihm etwas zu trinken geben und nahm die Lampe auf. Durch einen Windstoß wurde ein Fenster ausgestoßen und bei dem Hin- und Hergehen wurde die Flamme der Lampe durch den Wind nach innen in das Petroleumbassin geschlagen und entzündete das Petroleum, welches sofort explodirte und sich über die Kleider des Mädchens ergoß, das im Nu über und über in Flammen stand. In seiner Angst lief das Kind, am ganzen Körper brennend, hülfeschreiend die Treppe hinunter, wo aber die Hausthüre verschlossen war, und bann bic Treppe wieber hinauf, bis es zu Boden stürzte, wo es als brennende Masse von den mittlerweile durch die Hülferuse herbeigekommenen und in das Haus gedrungenen Nachbarn ausgesunden wurde. Die Nachbarn löschten den Brand und das unglückliche Mädchen wurde nach dem „Rothen Kreuz" gebracht, wo eß aber nach unsäglichen Qualen schon um 4 Uhr seinen Geist aufgab. Das auf so schreckliche Weise umgefommene dreizehnjährige Mädchen hatte den Dienst angenommen, um seinen kranken Vater unterstützen zu können. * In Zürich wurde am Sonntag die internationale Ausstellung von Postwerthzeichen eröffnet. Zahl- reich sind die Aussteller namentlich aus der Schweiz, Deutschland, Oesterreich, Holland und Belgien. Die Ausstellung bietet ein vollständiges Bild der gelammten Entwickelung des Markenwesens. Für eine einzige ausgestellte Marke wurden 13,000 Fr. geboten. 36,000 der von der Schweizer Post- verwaltung hergestellten Jubiläums-Postkarten dürften innerhalb zwei Tagen vergriffen worden sein. * Treppenautomat. Die Freitreppe eines Bahnhofes in New-York wurde neuerdings in sehr vortheilhafter Weise durch eine mittelst Elcctricität getriebene schräge Wandel- bahn ersetzt. Man tritt, wie das Berliner Patentbureau Gerson & Sachse schreibt, einfach auf das untere Ende bet sich beständig bewegenden Wandelbahn und wird mit einer Geschwindigkeit von 35 cm in der Secunde nach oben getragen. Es ist selbstverständlich, daß das Geländer gleichfalls als endlose Kette conftruirt ist und die gleiche Geschwindigkeit besitzt. Die Einrichtung functiomrt so bequem und sicher, daß selbst Kinder und bejahrte Leute ohne jede Schwierigkeit sich befördern lassen. Die Länge ist in dem genannten Falle 16 m, der Höhenunterschied 6 m. Jnd.-Bl. Schiffsnachrichten. — Der Dampfer „Pennsylvania" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 27. Juni wohlbehalten in Philadelphia angekommen. Verkehr, Land- tmb Volkswirthschaft. Limburg, 28. Juni. Frucht markt. Rother Weizm X 14.45, weißer Weizen X 14 30, Korn X 12.35, Gerste X 10.00, Hafer X 9.70, Erbsen X —. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast^ Freitag Abend 7“ Uhr, Samstag Vormittag 8* Uhr, SamStag Nachmittag 400 Uhr, Samstag Abend 9«> Uhr. Witterungsaussichten Wetterhäuschen, Südanlage. 28.Juni, Mittags 12UVH29. Juni,Morgens'8 Uhr Barometer: + 1WR. „ + 1WR. Nrig.f. trockeneWilterung. Thermometer: „t n-/«-“- ,x Hygrometerstand: Neigung für Gewitter. Mittlerer Barometerstand bei 0° R . = 744,7 mm. min.744mm, max. 746mm min.747 mm, max. 748mm .....— +10‘/i°R. „ + 17I/,°R. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gcmeffen am 29. Juni, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17, Lust 21 Grad. Rübsamen'fche Badeanstalt. Der arm — p Von Heil «nn-bmrvonAn senden T°g» Ter «*.<- w'f •jLml -6 «uiiwt®' jRoittog8- £ir Sirßcn« A d.-m W" Senil.» dr-'in°l brtfltkgt- • ßaoalleristischi in Bonn hat diesem Generals v. Loe die ,u Pferde vorgenonr gewöhnen, auch ste Kriegsfälle alle Gele Uebungen sollen zur gefallen sein. Wenn lösten und ebenso mt bodi die Besonnenhei vorsichtige und kluge der Sachverständigen ♦ Segen Schnak mit gewöhnlicher W c gefeuchtet und so dic ist. Sollte man vo stochen sein, dann wir holt, nachdem der e außerdem den Vorzu weniger belästigt als Seife leichter zur H. ♦ Die tanzender Berliner Boron w «Verl. Tgbl.") glau Wirthschast soweit 1 einer Reise die Leiti Trotzdem bestimmte die zu bereitenden Sj gerichr beö WaterS, Salzschlirf, Kaffer, die wild st Wald herabstürzen, Sommer ein gern b noch still und geräusci Frieden geschreckt. & ^eit geöffnete Schlitz T ^en/ fischen lang N etnstlindiger Pos Thalrand die Burg l- Rand, von - Burg-Kirche. Um 06 ^adtchen- zur r, neuere Schloß und de Don alten Freu, -'-bald selbander das Seitens c’ner SFäsj ™ntf Bmgsri-d Bauutrt? L «»Ml dö" nbiu',. oberne 5 «l alte Aura- Lui x Jan bii The" bt’ 1°9'"bi' eäL'“’’’ “b’w ? -°«9-ä^k»=r f)t lrä8f klL1'1» "°d t unb Giessen, 29. Juni 1893. Die Beerdigung findet Freitag den 30. d. M., Vormittags 10 Uhr, von der Wohnung (Kreuzplatz 6) aus statt. 5771 Im Namen der trauernden Familien: Adolf Bieler Carl Bieler. Statt besonderer Anzeige theilen wir Verwandten und Freunden mit, dass unsere liebe Mutter, Grossmutter, Schwester und Schwiegermutter Frau Kälbchen Bieler, geb. Wälz, nach kurzem Leiden gestern Nachmittag zu Bad-Nauheim im 63. Jahre plötzlich verschieden ist. 5768] Der Vorstand. Bitte genau auf meine Firma zu achten. 5761 Zur Saison Franz. Cognac, p. ■/< Literfl. 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