pjntöe7J^, jttik ^W^>**** 1870-79:34* 1880—89:41* 1890- 92 : 42* itt «ltalllt» 54trtFri»lt ' ftjiifkn HM- 6mH gl'ha: i 1MM9: 13* ■ 1860-59:16* i«93 Samslag dm 29. AplU Wt. 100 Wt Giktzmer 2lrnts- unb Anzeigebl^tt für den Ureis Giefzen. Amtlicher Theil ®ene|mt ecu 8n>eige» zu der für dm lag erscheinenden Nummer Hl Bem. 10 Uh». Xtim dem Änyt|«r —4«ttltch dreimal ItigritgL vlerlaljühriga tttot 2 Mark 20 Pfg. nft Bringerlohrr. Durch die Poft bez»G» 2 Mark 50 Redaktion, tflxNtU« und Druckerei: -ch»lßr«te lk.1. S-r»l»rrcher 51. Sitzung der Stadtverordneten am 27. April 1893. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der »Ltadt- verordneten die Herren Adami, Brück, Faber, Flett, Grünewald, Habenicht, Helfrich, Heß, Heyligenstaedt, Homberger, Deutscher Reich. Berlin, 27. April. Die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an den Cardinal-Staatssecretär Ram polla und die anderthalbstündige Audienz des deutschen Staatssccretärs des Auswärtigen Freiherrn v. Marschall beim Papste haben in der deutschen Tagespresse eine wahre Sturmfluth von Betrachtungen und Ber- muthungen hervorgerufen. Die Bedeutung beider Vorgänge läßt sich aber auch nicht leugnen, zumal sie offenbar mit dem Besuche des Kaisers im Vatican und der hierbei stattgesundenen Besprechung zwischen Kaiser und Papst in dircctem Zusammenhänge stehen. Vorläufig wird man indeffen gut thun, mit allen Combinationen über die eigentliche Tragweite dieser Ercigniffc zurückzuhalten, es könnte sich in der Folge sonst leicht Herausstellen, daß gar manche dieser Muthmaßungen weit über daS Ziel hinausschießen. Diel commentirt werden auch die seitens des Kaisers an den Cardinal Grafen Ledochowski gerichteten Worte. Sie sollen nach einer Version der „Köln. Bolksztg." gelautet haben: „Eminenz werden gebeten, die Vergangenheit zu vergessen- als die traurigen Ereigniffe vor- kamen, wußte ich nichts davon!" Selbstverständlich muß dem genannten CentrumSblatte die Verantwortung für die aurhen- tische Wiedergabe der angeblichen Aeußerung des Monarchen überlasten bleiben. — Die Militärcommission des Reichstages trat am Mittwoch in die Berathung des Entwurfes über die Ersatzvertbeilung ein. Art. L, Art. II. Absatz 2, Art. III. unb Art. IV. fanden unverändert Annahme- über Absatz 2 des Art. I wurde die Beschlußfassung vertagt. Behufs Formulirung der noch erforderlichen Gesetzes- und Verfassungsänderungen mit den Vertretern der Heeresverwaltung wählte die Commission einen aus den Abgeordneten v. Manteuffel (Vorsitzender), Dr. v. Bennigsen, Dr. Lieber und Richter bestehenden Unterausschuß, der sofort zusammentrat.___________ Der •HcBtT *«|rte Auslandes n»hm« »a,eigen für den .Gießener An,ei,er" entgege». Siebener Anzeiger Kenerat-Unzeiger. Deutscher Reichstag» 34. Sitzung. Donnerstag, 27. April 1893. «um Mitglied der ReichSschutb.ncommlsston wirb an Stelle des aus dem Reichs-aae ousgetchieden n Abg. Buffe der Abg. Hahn (cous.) auf Antrag des Grafen Ballrstrem per Acclamalton gewählt. Böckel mit Recht ausiührt; er fei unklar und werde nachtheiltg auf der ganzen Verkehr wirken- Am bedenklichsteu fei die Construct on einer neuen Art von Wucher, des Sachwuchers. WaS könne nicht Alles darunter gebracht werden! Kiebitzeier feien im Anfang mit 3 Mk. das Stück verkauft worden; das könne zum Sachwucher gestempelt werden. Unsicherheit Im Handel und Wandel werden die unabwendbare Folge des neuen GefetzeS fein. Ler Gebanke, der der Bestimmung über die Rechnungslegung zu Grund liege, laste sich gesetzgeberisch nicht verarbeiten; die Commiffion fei an diefer SifsiphuSarbeit gefcheitert. Hierauf wird Vertagung befchloffen. Morgen: Interpellation Richter bett. Derfammlungen, mdenen rnllltär Ische Gegenstände verhandelt werden; Nachtragsetat; Wucher- gefetz; A bzabluugsgefchäfte. Der Gefetzentwurf betr. die Geltung des Gerichtsver- I alsungsgesetzeS auf Helgoland wird in dritter Lefung debatteloS | endgültig angenommen. , . „ Es folgt dritte Berathung des GefetzentwurfS gegen b n Ver- rath milttärifcher Geheimntffe. u . Abg. Dr. o Bar (oft.) führt nochmals die Bedenken feiner Freunde geaen die Vorlage vor. Wenn dieselbe eine allgemeine Verpflichtung für Jedermann aus dem Volke zum Stillschweigen über militärifche Dinge auferlege, fo gehe das zu weit. Harmlofe Ge- präche könnten auf Grund der neuen Bestimmungen »um Gegenstand schwerer Anklagen gemacht werden, und fo werde das Denuncianten- thum gefördert. Durch die Befchlüffe der zweiten Lefung fei die Vorlage wesentlich gebesfert worden. Abg. Schneider-Hamm (natl) beantragt, auch den Verrath von Nachrichten, deren Geheimhaltung im Jnleriffe der LandeSver- theidtgung liege, unter Strafe zu stellen, also in diesem Punkte die Regierungsvorlage wieder herzustellen. Ein wirksamer Schutz militärischer Geheimnisse sei nur zu erreichen, wenn nicht nur die Auslieferung von Schriften, Zeichnungen oder anderen Gegenständen, sondern auch die von Nachrichten, die im Lanbesvertheidigungsintereffe geheim zu halten finb, unter Strafe gestellt werde. Abg. Gröber (6tr.) hält die in zweiter Lefung gefaßten Befchlüffe für völlig ausreichend. Danach werde auch der mit ©träfe bedroht, der Schriften, Zeichnungen ober andere Gegenstände zur Kenntniß eines Anderen gelangen läßt, wenn er weiß, daß dadurch die Sicherheit des Deutfchen Reiches gefährdet wird. Es bedürfe alfo zur Eifüllung der strafbaren Handlung nicht der Auslieferung der Schriften, Zeichnungen und anderen Gegenstände selbst. Kriegsmintster v. Kaltenborn-Stachau kann im Namen der verbündeten Regierungen nur dringend um Annahme des Antrags Schneider bitten. Ohne denselben könne eine ganze Reihe von Formen des Verraths nicht getroffen werden, so die Auslieferung von Nachrichten über den Grenzschutz und allerlei strategische Verhältnisse, worüber man auch ohne Zeichnungen, Schriftstücke usw. Kenntniß geben und damit das LandesoertheibigungSintereffe schwer schädigen könne. . . Abg. v. Bar bekämpft den Antrag Schneider, der nur zu einer Beängstigung der Bevölkerung führen würde. In Zelten des Krieges feien wir ausreichend geschützt, für Friedenszeiten bedürfe es solcher scharfer Bestimmungen nicht. « .. » Kriegsmintster v. Kaltenborn : Zwischm der Zeit des Friedens und des Krieges liege eine Zett ber Spannung, In der eö für Öen Gegner von größter Wichtigkeit sei, sich Nachrichten zu verschaffen; für diese Zett bedürfe es allerdings der beantragten Bestimmungen. Abg. Dr. v. Marquardsen (natl.) befürwortet den Antrag Schneider und bedauert, daß nicht schon in ber zweiten Lesung Seitens der Mtlitärverwaltung Gelegenheit genommen worden, durch concrete Beispiele die Nothwendigkett ber Strafbarkeit des Verraths auch von Nachrichten dargethan worben fei BundeScommffsar Geh.-Raih v. Seckendorfs widerspricht der von Gröber gegebenen Interpretation des „Zur Kenntniß bringen' von Schriften usw. Die mündliche ober schriftliche Beschreibung eines Modells würbe beispielsweise nicht unter diesen Begriff fallen. Abg. Gröber: Nack dem, was ber Kriegsmintster an geheim zu haltenben strategischen Verhältnissen angeführt, falle so ziemlich Alles darunter, worüber man mit einem Andern sprechen könne. Um so voisichliger müsse man beim Erlaß so scharfer Bestimmungen fein. Abg. Fritzen-Coblenz (Etr.) wendet dem Vorredner ein, daß es sich ja um Nachrichten handle, deren Geheimhaltung im Interesse der Landesvertheidlgung erforderlich sei; darin liege eine ausreichende Beschränkung. Redner befürwortet demgemäß den Antrag Schneider. Der Antrag Schneider wird in Abstimmung durch Namensaufruf mit 131 gegen 97 Stimmen abgelehnt und darauf ber Gesetzentwurf gegen die Stimmen ber Freisinnigen und Socialdemokraten On0Cn©Jbann wirb in ble dritte Lesung der Novelle zum Wucher.- 061eVbg9Sebermann v. Sonnenberg (Antis.): Stadthagen habe den Anlisemiten vorgeworfen, sich nicht an ber Debatte über ble Wuchergesetznovelle umfangreicher betheiligt zu haben. Die Antisemiten hätten die Bewegung in Fluß gebracht. Nachdem im Com- missionSbericht alles Wesentliche gesagt war, habe es im Jntereffe ber Geschäftslage bcs Hauses gelegen, bas Zustandekommen der Novelle nicht durch lange Reden aufzuhalten. ^Stadthagen habe sich darüber beschwert, daß man den Juden Wucher nach'age. Kenne denn Stadthagen die Geschichte seines Volkes so wenig, um nicht zu wissen, daß dasselbe von jeher Wucher getrieben? Stadthagen habe axfragt, wie man Juden und Arier unterscheiden solle und habe zum Beweise dafür den Namen Liebermann von Sonnenberg angeführt. Den Juden sei es bet der Emancipatton überlasten worden, sich Namen zu wählen und so hätten sie fich auch ble Namen Liebermann und Sonnenberg genommen, ©eine Vorfahren feienj wegen tapfer* feit vor dem Feinde, die doch im Allgemeinen nicht jüdisch sei, geadelt worden. Wolle Stadthagen den Unterschied genau kennen lernen, so möge er ein römisches Bad nehmen und fich vor den Spiegel stellen. (Heiterkeit.) Abg Böcke! (Antis.) bemängelt, daß auch der neue Entwurf zu sehr Comp'omißwerk sei. Man sollte einfach sagen. Wer eineu Andern wuchert, wird bestraft. Der Begriff des Wuchers stehe im Volksglauben fest, ebenso fest wie der Begriff der Beleidigung. Aber wenn bas Volksbewuhtsein zu seinem Rechte fotnmen solle, müsse man auch die Rechtsprechung über den Wucher dem Volke überweisen. Der ärgste Wucher, der Ankauf von Nahrungsmitteln zum Zwecke der künstlichen Preissteigerung, werde «uck durch diese Vorlage nicht getroffen. Stadthagen habe auf seine (Redners) beglichen Ausführungen mit Witzen und Verdrehungen geantwortet, K e? zurückweise. Eine Verdrehung sei es, daß die Antisemiten I nur jüdischen Wucher bestraft wissen wollten; nein, sie wollten dre Bestrafung jedes Wucherers, gleichviel, welcher Race er sei. Antisemiten gebe es übrigens in allen Parteien, auch in ber socialdemo- kratischen. Rebner führt antisemitische Arußerungm ber Abgg. Kunert unb Liebknecht an. , ., „, . - „ . . Abg. Träger (bfr.) motivirt die ablehnende Haltung feiner Freunde gegenüber dem Entwurf. Derselbe sei unzulänglich, wie Hcucfte Nachrichten» WolffS telegraphisches Eorrespondm,-Bureau Neapel, 27. April. Die Straßen sind glänzend beleuchtet. In Licht strahlen die Wappen Deutschlands und Italiens, bei Willkommengruß ber Stabt Neapel für deren Souveräne erglänzt in bengalischen Flammen. Von der Thurmspitze der Kirche San Francesco leuchtet der Stern Savoyens, links und rechts davon die mehrfarbigen Monogramme des Kaisers und der Kaiserin. Das Gedränge in den Straßen macht fast jeden Verkehr unmöglich. „Pungolo schätzt die Zahl der Fremden auf 50,000. Aus den Provinzen haben 97 Arbeitervereine Delegirte entsandt. Das Kaiser- und das Königspaar waren auf den Balkon hinaus- getreten, um die Illumination zu besichtigen und der Serenade beizuwohnen. Newyork, 27. April. Wegen andauernden schlechten Wetters wurden die Flottenrevuen heute Nachmittag verschoben. _____________ Depeschen ÖeS Bureau „Herold". Berlin, 27. April. Der „Reichsanzeiger" ist zur Erklärung ermächtigt, daß weder in der Unterhaltung des Kaisers mit dem Papste, noch in der Audienz des Staatssecretärs Marschall beim. Papste die Militärvorlage irgendwie erwähnt worden sei. Berlin, 27. April. Dem „Reichsanzeiger" zufolge ist in den Besprechungen zwischen dem Reichskanzler und den Centrumsmitgliedern über die Militärvorlage niemals von einem Handel, daraus abzielend, für die Unterstützung der Militärvorlage Concessionen auf kirchlichem Boden einzutauschen, die Rede gewesen. Berlin, 27. April. In der heutigen Sitzung der Ahlwardt-Commission war Ahlwardt anwesend- gefragt, welche Beweismittel er für die Verdächtigungen betr. des Jnvalidensonds besitze, antwortete Ahlwardt, er besitze keine. Finanzuv nister Miquel verlangt von Ahlwardt den erwähnten Bries, woraus die Bestechungen der Directoren der rumänischen Eisenbahn ersichtlich sein sollen. Ahlwardt verweigert zunächst die Herausgabe des Briefes und will ihn lieber vernichten, als Miquel die Echtheit bezweifelt. Schließlich auf dringendes Ersuchen des Vorsitzenden will er den Brief morgen aushändigen. Nächste Sitzung sobald die Referenten die Vorarbeiten beendigt haben. Berlin, 27. Aprtl. Die Militärcommission hat heute in einer kurzen Sitzung den Gesetzentwurf über die Ersatzvertheilung angenommen. Berlin, 27. April. Das Staatsministerium wurde unerwartet heute zu einer Sitzung einberufen. Es verlautet, dies sei durch aus Rom eingetroffene Depeschen veranlaßt worden. Berlin, 28. April. Die zweite Lesung ber Milt- tärtior läge wirb voraussichtlich nächsten Mittwoch ober Donnerstag stattfinden. Paris, 27. April. Das von dem Socialisten B a s l y erlassene Manifest sagt, die Kundgebung solle diesmal großartiger werben als im Vorjahre. Wenn man bie Brüber unb Arbeitergenoffen nicht verrathen wolle, müßten alle Arbeiter am Samstag bie Arbeit nieberlegen unb am Dienstag wieber aufnehmen. Paris, 27. April. Großes Aufsehen erregt eine von Eisenbahnarbeitern herausgegebene Broschüre, worin dieselben zum Ausstand aufgefordert werden. Sie zählen bereits 350000 Mann, es fehle nur an der Organisation, um ihre Zwecke zu erreichen. Polizciverordmmg, betreffend Verhütung von Waldbränden. Mit Rücksicht auf die große Zahl von Waldbränden, welche in Folge der zur Zeit bestehenden außerordentlichen Trockenheit entstanden sind, bestimmen wir auf Grund des Art. 79 der Kreis und Provinzialordnung das Folgende : 1. Bis auf Weiteres ist das Rauchen von Cigarren, Cigarretten und ungedeckelten Tabakspfeifen in Waldungen und auf Haiden außerhalb der chauffirten Ortsverbindungs- wege verboten. 2. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 90 Mark bestraft. Gießen, den 27. April 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. ___________ Gießen, den 27. April 1893. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien und die Großh. Gensdarmerie des Kreises. Wir beauftragen Sie mit Durchführung der vorstehenden Polizeiverordnung. Die Großh. Bürgermeistereien wollen die ihnen unterstehenden Polizeiorgane entsprechend anweisen. _______ p. Gagern._______ Gießen, den 26. April 1893. Betr.: Die Voranschläge der Landgemeinden des Kreises Gießen für 1893/94. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Die rubricirten Voranschläge werden Ihnen in den nächsten Tagen zugehen. , r. t Te Sie wollen das in Jbren Händen befindlrche Concept alsbald mit den Ansätzen des Originalvoranschlags in Ueberem- stirnmung bringen und letzteren sodann dem Gemeinde-Einnehmer Übergeben. v. Gagern. rdmal, «PfMU ibampfem ' lagt, tagt 2286 .n. berg. '9- Adl6,.n „l Jahren 39, °ro8ene von ------- 3 MllKkU^ o Uh, nbes. " auf Srunb bet st 4 D« Sotfianb: ’ -- Nril«nl«gm jwjataitat 3652 0(11» M gtgrünitl 1830. ititia« f IrtMmu«- I (unara: 1 Ä W Wk W. 1 W WMto XI bi- tüt 1891: 66 Mionen^ ÄJimSu. . bii Gabt 1892: 72 Mionen * w-r* » Äff sss**“*' Starte ÄfeSiS* Iughardt, Keller, Löber, Orbig, Dr. Ploch, Schwall, Scheel, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels. Im Jahre 1892 wurde zufolge Eingabe der kiesigen Turnvereine beschlossen, einem allenfalls im Jahre 1893 in Gießen stattfindenden Kreisturnfest dcß Mittelrhein- kreiseS, für welches sich die hiesigen Turnvereine verwendeten, dieselbe Unterstützung ^Abgabe von Holz, Ueber- lafiung des Platzes u. s. w.) zu Theil werden zu lassen, wie aus Anlaß des Festes im Jahre 1875. Nachdem nun für das Jahr 1895 Gießen als Festort bestimmt worden ist, wird auf daS Gesuch der beiden Turnvereine hin beschlossen, das in 1892 gegebene Zugeftändniß aufrecht zu erhalten. Ueber den Stand der Arbeiten für den Umbau des Bahnhofs berichtet Herr Oberbürgermeister Gnauth, daß auf diesseits erfolgtes Gesuch an Großh. Ministerium der Finanzen um Einflußnahme desselben wegen Beschleunigung der Arbeiter; das Großh. Ministerium dem Großh. KreiSamt habe Mittheilung zugehen lassen. Danach hat der Kgl. Preuß. Minister der öffentlichen Arbeiten einer Ausführung deS Planes noch nicht beistimmen können, weil dieser Plan zur Zeit über daS Bedürfniß hinausgehe, auch die Betheiligung der Stadt Gießen an der Ausführung deS Planes in finanzieller Hinsicht beanstandet worden sei. Es würde danach eine Einschränkung der Umbauarbeiten stattfinden müssen, worüber s. Z. ein neuer Entwurf vorgelegt werden würde. In Betreff der in Zusammenhang mit dem Umbauproject stehenden Errichtung von Lagerhäusern theilt Herr Oberbürgermeister Gnauth die Vorlage Großh. Handelskammer mit, wie sie aus der Sitzung derselben vom 18. April d. I. §ervorgegangen und in Nr. 95, erstes Blatt deS „Anzeiger" mitgetheilt worden ist. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt dabei, daß die bereits mit der Sache beschäftigt gewesene Commission sich weiter damit zu befassen haben werde. Weiter macht der Herr Oberbürgermeister Mittheilung über den AuSgang der am hiesigen Landgericht anhängigen Enteignungsprozesse gegen einige Besitzer von zu der psychiatrischen Klinik benöthigten Geländetheilen. Die betr. Grundbesitzer (Balser, Lampus, Simon) haben dem s. Z. ihnen gemachten Gebot von 60 Pf. für den Quadratmeter eine Forderung von 5 Mk. gegenllbergestellt - das Landgericht entschied, daß Herrn Balser 70 Pf., den Herren Simon und LampuS je 65 Pf. pro Quadratmeter zu zahlen sei, sowie Iq6 Vto der Kosten des Verfahrens die Stadt, 69/to die Enteigneten zu tragen haben. In dem Enteignungsverfahren gegen Herrn Joh. Dern III. wegen einer zu gleichem Zwecke bestimmten Parzelle hat gegenüber der Forderung deS Herrn Dem von 1 Mk. und dem Gebot der Stadt von 60 Ps. für den Quadratmeter das Gericht entschieden, daß Herrn Dern 70 Pf. zu zahlen sind, wobei derselbe 8/4, die Stadt */< der Kosten des Enteignungsverfahrens zu tragen haben. — In dem Enteignungsverfahren gegen Franz Blocks Erben wegen des Geländes an der Hollergasse, welches zur Herstellung der Verbindungsstraße zwischen der Frankfurter Straße und den Bahnhöfen bestimmt ist, hat das Landgericht entschieden, daß die Klage von Franz Blocks Erben auf Entschädigung von 5 Mk. pro Quadratmeter abzuweisen und das Gebot der Stadt von Mk. 1.50 als dem Werthc des Geländes entsprechend zu erachten sei. DaS Gesuch deS evangelischen Pfarramts der LukaS- gemeinde um Ueberlassung eines Locols im Realgymnasium für die Abhaltung der Sitzungen ihrer Gemeindevertretungen wird mit dem Ansügen genehmigt, daß seitens der Gemeindevertretung eine Vergütung für Heizung, Beleuchtung und Reinigung deS Zimmers geleistet wird. Den NevisioNSbemerkungen der Großh. OberrechnungS- kammer zur Rechnung der Löber'schen Stiftung entsprechend wird beschloffen, mit der Controle über die unständigen Ausgaben und Ausstellung darauf bezüglicher Bescheinigungen den städtischen Controleur zu betrauen. In Ausführung der früher wegen Versicherung der unständigen Arbeiter bei der Ortskrankenkasse Gießen gefaßten Beschlüsse wird die Uebernahmc deS aus diesem BersicherungSverhältniß im Rechnungsjahr 1892 entstandenen Defizits Von 535 Mk. auf die Stadtkasse genehmigt und beschlossen, gleichwie im vorigen Jahre dem Rechner der OrtS fror kenkasse für die dadurch entstandene besondere Mühewaltung eine Vergütung von 100 Mk. zu bewilligen. In Folge erhobener Klagen über die ungeregelte Ableitung deS AbflußwasserS aus Hofraithen und Straßen über die Böschung der Wieseck nach dieser wurde vor einiger Zeit beschlossen, Ccment-Abflußrinnen anzulegen. Die Kosten dieser Rinnen (265 lfd. Meter) wurden auf 2000 Mk. veranschlagt, wovon 610 Mk. auf städtische Ausflüsse, 1390 Mk. auf Privat-Ausflüsse kommen. ES sollten zunächst probeweise die in der Bleichstraße mündenden städtischen Canäle auSgeführt und je nach Ausfall dieser Probe dieselbe Ableitung der Privat-AuSflüsse vorgenommen werden. Nach dem Berichte deS Stadtbauamtö haben sich die Abfluß- rinnen bewährt, so daß die Daudeputation die Anlage gleicher Rinnen für die Privat Abwässer auf Kosten der betr. Privaten beantragt hat. ES wird darnach die Herstellung von Gement* AuSflußrinneu längs der Wieseck, von der Gartenstraße bis zur Bahnhofstraße, beschlossen. Aus Vorschlag der Deputation für das GaS- und Wasserwerk wird die Ausführung einiger Straßenrohrleitungen auf den Voranschlag für 1893/94 übertragen, bezüglich deren eine Hinausschiebung der Ausführung hauptsächlich mit Rücksicht auf die Möglichkeit einer gleichzeitigen Anlage von GaS- und Wasserleitung für geboten erachtet wurde. ES betrifft dies die Gasleitung in der Senckenbergstraße, die Verstärkung der Gasleitung in der Wetzsteingasse mit gleichzeitiger Fortsetzung der Wasserleitung btö zum GambrinuS, die Gas- Icitung vom städtischen Baumagazin bis zum Neustädter Thor, die Gasleitung auf der Frankfurterstraße bis zur psychiatrischen Klinik, eine stärkere VerbindungSleitung für GaS im Zuge der Göthestraße bis zur Löberstraße. Eine längere Verhandlung beansprucht der letzte Punkt | der Tagesordnung: Erlaß einer Polizeiverordnung, betr. die Benutzung und den Schutz der Wasserleitung und der öffentlichen Pumpbrunnen. In Voraussicht einer anhaltenden Trockenheit, dem Zurückgehen deS QuellenerguffeS und der Steigerung deS Bedarfs kann nach den in der Deputation für das Gas- und Wasserwerk stattgehabten Berathungen und im Hinblick auf die Erfahrungen deS letzten Sommers den sich aus Wassermangel ergebenden Uebelftänden durch Einschränkung deS Wasserverbrauchs vorgebeugt werden. Insbesondere hat man sich in der Commission dafür ausgesprochen, daß in erster Linie die Entnahme deS Wassers auS den Ventilbrunnen auf den gewöhnlichen HauS- verbrauch zu beschränken und die Entnahme von Wasser zu gewerblichen Zwecken zu vermeiden sei. In zweiter Linie würde bann auch bezüglich der HauSwasserleitungen die Entnahme von Wasser auf den häuslichen Gebrauch zu beschränken fein. Zur wirksamen Durchführung der beabsichtigten Maßregeln hat demnach, die Commission geglaubt, die in den „Bedingungen für den Bezug von Wasser auS der Quellwasserleitung" im Falle eintretenden Wassermangels gewahrte Verminderung der Entnahme in Form einer Polizeimaßregel zu kleiden und der Stadtverordneten-Berfammlung den Entwurf einer Polizeiverordnung unterbreitet, die nach eingehender Berathung in der heutigen Stadtverordneten-Dersammlung folgende Fassung erhielt: S 1. Die Benutzung Her auf den öffentlichen Straßen und Plätzen aulgetttll'en Ben ttlbr u n nnen der städtischen Quellwasserleitung ist nur für den gewöhnlichen Hausbedarf gestattet; jede wetter- gehende Entnahme von Wasser aus diesen Brunnen, insbesondere zu gewerblichen oder landwirlhschaitlichen Zwecken, ober unter Verwendung oen Schläuchen ober Fuhiwerken ist verboten. Gleiches Verbot kann nöthtgensalls vorübergehend auch für die öffentlichen Pumpbrunnen durch dieGroßherzogl. Bürgermeisterei erlassen werden. DaS Wasser auS allen öffentlichen Brunnen darf nur mit reineren Zubern, Eimern und kleineren Gefäßen entnommen werden. Ein unnützes Lausenlassen der Ventilbrunnen ist verboten. Beim Wasserholen gebührt dem zuerst Kommenden für die Füllung höchstens zweier Gefäße der Vorzug. S 2. Jede Verunreinigung b er öffentlichen Brunnen, sowie Der zugehörigen Ständer, Schächte und Vorfchächte, Ablaussschalen, Tröge und Rinnen, desgleichen das Ausspülen, Ab- und Auswaschen aller Art von Gegenständen, sowie daS Waschen von Gemüse und das Viehtränken an bm öffentlichen Brunnen ist untersagt, unbeschadet btr Besugniß zur Entnahme von Wasser zu letzterem Zweck. Dksgleichrn find vcrboten alle Handlungen beim Gebrauch der öffentlichen Brunnen, welche im Winter zu gefährlicher Eisbildung Anlaß geben können, ferner daS Entleeren von Wasser in die Schächte der Pumpbrunnen und in die Vor- (oder Einlauf-) Schächte der Ventilbrunnen. S 3. Die unbefugte Entziehung von Wasser auS der Quellwasserleitung, sowie jede den „Bestimmungen für den Bezug von Wasser au8 dem Wasserwerwerk der Stadt Gießen" witersprechende Benutzung der Wasserleitung ist verboten. Bei Brandausbruch in der Stadt sind alle Zapfstellen der Piioatleitungen bis nach Bewältigung des FeuerS möglichst geschlossen zu halten. Während der Dauer außergewöhnlichen Wassermangels kann durch Bekanntmachung Großherzogl. Bürgermeisterei die Abgabe von Wasser auS der Wasserleitung im Allgemeinen aus gewisse Tagesstunden eingeschrär ft und im Einzelnen auf Veranlassung Großh. Bürgermeisterei durch die unterzeichnete Behörde He Verwendung solchen Wassers seilens der Privaten zum Speisen von Springbrunnen, Besprengen von Gärten und TrolloirS, sowie zu gewerblichen Zwecken vorübergehend untersagt werden. S 4 Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeiveroidnung und die auf Grund derselben erlassenen Verbote werben, sof.rne nicht höhere gesetzliche Strafen einzutreten haben, mit Geldstrafen bis zu 30 Mark, an beren Stelle im Falle des Unveimögens Haft tritt, bestraft. S 5. Diese Polizeiverordnung tritt alsbaib in Kraft. Großherzogl. Polizeiamt Gießen. Herr Oberbürgermeister Gnauth berichtete nach erfolgter Abstimmung über den Stand der Arbeiten, welche behufs Vermehrung drs Wasferzuflusses in der letzten Zeit vorgenommen wurden. ES haben die bish-rigen Erfahrungen, besonders im vergangenen Sommer, die Lehre gegeben, daß mit einer energischen Förderung der Arbeiten vorgegangen werden müsse. Der behufs Ausarbeitung eines Planes hinzugezogene Ingenieur Schmidt in Frankfurt a. M. habe neben erhöhtem Wasserzuflusse ins Auge gefaßt die Erhöhung der Druckverhältnissl', um besonders den höheren gelegenen Stadttheilen einen reichlichen Wasserbezug zu sichern. ES sei weiter zunächst ins Auge gefaßt die Beschaffung von Wasser auS dem Lahnthal (am rechten Ufer), sowie die Quellen bei Beuern und Queckborn. Im Bezug auf die Kosten sei zu bemerken, daß dieselben sich gleich bi'eden, gleichviel welches der hier bezeichneten Quellengebiete erschlossen würde. Die Commission hat es für zweckmäßig gehalten, eine specielle Bearbeitung jedes der drei Projecte und Veranschlagung vornehmen zu lassen; eS werde sehr rasch daran gearbeitet, so daß die Projecte wahrscheinlich schon in vier Wochen würden vorgelegt werden können. Allerdings fei nicht zu erwarten, daß in diesem Sommer noch auf den Genuß einer verstärkten Wasserzufuhr gerechnet werden könne, hoffentlich fei aber dieser Sommer der letzte, in welchem sich eine Wasser - Calamität fühlbar mache. Herr Haben ich t empfiehlt, daß bei anhaltendem trockenen Wetter öfter das Lahnwaffer in den Stadtbach gelassen werde, damit daS nöthige Putzwasser vorhanden, auch den anliegenden Gartenbesitzern die Möglichkeit gegeben fei, ihre Gärten zu begießen. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkte, daß der Besitzer der Obermühle verpflichtet sei, in der Nacht vom Samstag auf Sonntag die Mühlen zu schließen und daS Wasser in die Stadt einzulassen. ES sei ferner der Erwägung deS Polizeiamts anheimgegeben, von der Bestimmung Gebrauch zu machen, wonach im Falle außergewöhnlichen Wassermangels Dienstags und Donnerstags Nachts Wasser in den Stadtbach zu lassen fei. Herr Scheel bemerkt, daß er nach dem Brande von Altenkirchen Gelegenheit genommen habe, den Ort zu besichtigen. Er habe dort die Wahrnehmung gemacht, daß trotz vorhandener Wasserleitung Wassermangel geherrscht, weil infolge des raschen Umsichgreifens deS Feuers ein Zugang z» den HauSwasserleitungen nicht mehr möglich gewesen sei, in den Häusern seien die Röhren geschmolzen, daS Wasser habe sich dahin ergossen, wo eS zwecklos gewesen- eS sei deßhalb zu empfehlen, Abschlußhähne vor den Hofraithen anzubringen. Herr Direktor Bergen bemerkt, daß Abschlußhähne sich an allen Zuleitungen befänden, eS seien dieselben aber nur bei den in den letzten Jahren vorgenommenen Anschlüssen vor den Häusern angebracht. Die Nothwendigkeit, die Abschlüsse durchgängig vor die Häuser zu legen, sei anerkannt, besonders in Hinblick aus vorkommende Röhrenbrüche, bamtt ein Adwerren ganzer Straßen vermieden werden könne. ES- sei eine diesbezügliche Vorlage in Ausarbeitung begriffen. Herr Löber bemerkt, daß die Furt der Lahn oberhalb der ShiabenbabeQnftalt in schlechtem Zustande und eine Chau'si- rung derselben zu empfehlen sei, damit die Wasserabfuhr erleichtert werde. (Am Mittwoch Abend hieben einige mit Wasserhosen beschäftigte Leute, anscheinend Metzger, so unbarmherzig auf ein vor ein gefülltes Waffersoß gespanntes Pferd, daß die Vorübergehenden darüber entrüstet waren. D. V.) Herr Dr. Ploch fragt an, ob Messungen an denjenigen Quellen, die noch angeschlossen werden sollen, vorgenommen würden. Herr Oberbürgermeister Gnauth theilte daraus m't, daß solche Messungen stattgefunden und fortgesetzt wurden, um gerade während der trockenen Witterung Anhaltspunkte über die Ergiebigkeit der Quellen zu erhalten. — Auf Anfrage deS Herrn Faber, ob angesichts des Wassermangels nicht die Pumpe an der Bahnhofstraße, geiu über der Löwengasse, aufgestellt werden könnte, bemerkte Herr Oberburger- meiner Gnauth, daß die Sommission für das Gas und Wasserwerk morgen eine Sitzung halte, in welcher über die Wiedereröffnung von Pumpbrunnen :c. berathen werden solle. totales uttfr provinzielle». Gießen. 28. April 1893. * Neues Theater. „Farinelli", große komische Operette in 3 Acten von (Safemann. Musik von Carl Zumpc. In äußerst glücklicher Weise haben in diesem niedlichen Merkchen sowohl der Textdichter, wie der Componist ihre Ausgaben gelöst. Ersterer hat durch eine von echt poetischem Hauche durchwehte, leichtfließende und gewankte Sprache dem Campo- nisten eine Prächtige Grundlage für die frtschen und durch ihr feuriges Temperament besonders wirkungsvollen Mclodieen, die die spanische Musik characterisiren, geschaffen. Die häufigen Lieder, die in daS Ganze eingestreut sind, zeigen in allen Stücken das Gepräge jener einfachen, rührenden spanischen Volksweisen, für die wir Deutsche, obwohl sonst ganz ander- geartet als die Bewohner des g ücklichen Landes „wo die Citrone blüht", eine so ausgesprochene Neigung besitzen. Die ganze Musik ist leicht verständlich und deshalb von der großen Menge gern gehört, aber auch für den musikalisch Verwöhnten bietet sie eine solche Fülle prächtiger Einzelheiten, daß ihr Anhören demselben immer einen edlen Genuß bereitet. Die gestrige Aufführung sand unter sehr günstigen Auspicierr statt. Nicht nur daß die Solisten ihre Schuldigkeit gethan hätten, nein, auch die Gesammtheit der Mitwirkenden zeigte einen freudigen Eifer, der zu dem Gelingen des Ganzen nicht wenig beitrug. Die Titelrolle war in den Händen des Herrn Schulhof vorzüglich aufgehoben. AuSgestattet mit einer wenn auch nicht allzu umfangreichen, so doch sehr ansprechenden und gut geschulten Stimme, einem feinen Spiel und einer recht vorthcilhaften äußeren Erscheinung schuf der Künstler einen Farinelli, der sich die Sympathien des Publikums im Fluge eroberte. Von besonderer Schönheit war im ersten Acte das Lied „Wenn der Spanier lieberglüht" und im zweiten das herrliche Duett mit Manuela „Liede- Weibchen, laß, o laß daS Zagen". Die „Manuela" btt Fräulein Riemann verdient sowohl gesanglich wie schauspielerisch unser uneingeschränktes Lob. Treffliche Auffassung, Wärme ve- BortragS, routinirteS Spiel und vorzügliche Disposition characterisirten die prächtige Leistung. Die komischen Rollen des „Riaffa", „Panäw" und der „Donna Cncarozzo" wurden durch die Herren Kieker, Kouradi und Frau Hein meisterhaft durchgeführt. Alle drei erzeugten du.ch ihr hübsches Spiel und ihre sorgfältigen Masken beim jedesmaligen Betreten der Bühne erneute Lachstürme bei den Zuschauern. Fräulein Kronegold führte ihre „Donna Maria" trotz einer merklichen Heiserkeit doch zur Zufriedenheit durch. Herr Schlegel (Inigo) taugte gesanglich wenig, auch wirkte da- allzu scharfe Hervorkehren de- intriganten Momente- nicht besonder- anziehend. Die Beletzung der übrigen Rollen ließ nichts zu wünschen übrig. Das Ballet allerdings hätte vielleicht durch ein weiteres „Pröbchen" etwas an Eleganz gewonnen. Die Ausstattung deS Ganzen war äußerst glänzend und auch das Orchester that seine volle Schuldigkeit mit Ausnahme der Violinen, deren Nachahmung der Guitarre nicht gerade „täuschend" genannt zu werden verdient. Da- Hau» war zahlreich besucht und ehrte die einzelnen Darsteller durch häufigen Beisall und Hervorruf. Z. • • Neuei Theater. Der heutige und nächste Theaterabend bringen un- Echatispielvorstellungen: „M utter feg en" und „Preeiofa*. Auf letztere- möchten wir ganz besonder- aufmerksam machen, wenn die- überhaupt noch nothig ist. Denn wer, der sich für Theater intereffhrt, kennt nicht die Traditionen diese- unvergänglich schönen BolksschaufpielS mit seinen reizenden Chören und feiner großartigen Geenerie. Die Titelrolle wird von Frau Direktor Baar- gespielt. Für eine entsprechende Ausstattung find die sorgfältigsten Borbereitungen getroffen. • * Bahnsteig Lperrr. Wie wir bereit- in Nr. 93 mit- theilten, soll da- Betreten der Bahnsteige ohne Besitz von Fahrkarten ober besondere Bahnsteigkarten verboten werden. Diese- im Jutereffe de- Dienste» der Bahnbeamtrn wie bereisenden Publikum- erlassene Verbot tritt für hier am 1. Mai in Kraft. Wir verweilen deshalb auf die in Heu» iy^'i ilos« das Garden eine volle Sch nicht ^*n9hXnt. D°ZH^ iäSa»? heutige £ SSgftS $ MS *fl r°h"^L- ärger Nr. befindliche Bekanntmachung des Königlichen Eisenbahn- BetriebSamteS. *♦ Tie Gaufahrt vom Gau 9 des deutsche« Radfahrer hmedeS findet an diesem Sonntag nach Butzbach statt. Diele Vereine von auswärts haben ihr Erscheinen zugesagt und verspricht das Fest einen sehr glänzenden Verlauf zu nehmen. Holzheim, 27. April. Am 24. April schied unser verehrter Lehrer, Herr Maus, aus unserer Gemeinde. Derselbe hat 3'/, Jahre hier gewirkt. Er war nicht allein ein Lehrer der Kinder, sondern auch ein Freund der Er wachsenen, bei welchen er noch lange in gutem Andenken stehen wird. Bad-Nauheim, 25. April. Gestern Abend ist der hiesige Oberlehrer Adam Volk im 52. Lebensjahre gestorben. nn. Darmstadt, 27. April. Erste Kammer der hessischen Stände. Die Berathungen beginnen heute mit der Vorlage Großh. Negierung auf Einführung eines einheitlichen Verfahrens bei derZwangs- Vollstreckung im Verwaltungswege. Der Ausschuß beantragt Annahme der Vorlage und beschließt das Haus demgemäß. Ferner bewilligt die Kammer 172,000 Mark für Mobiliar und Einrichtungsgegenstände für die Zellenstrafanstalt zu Butzbach. — Der Gesetz-Entwurf, die Organisation des Forstschutzes bett., wird nach der Fassung der Regierungs-Vorlage und entgegen den Beschlüffen der Zweiten Kammer angenommen, ebenso ein Antrag des Abg. BreiMer aus Anpflanzung von Prethelbeeren in commu nölen und fiskalischen Waldungen. — Der Gesetz-Entwurf, die Abänderung des Einkommensteuer-Gesetzes betr., insbesondere die Einführung der Selbstdeclarationspflicht in der oberen Abtheilung gebt zu längerer Debatte Veranlassung. Der Ausschuß beantragt, die Vorlage vorerst abzulehnen, dagegen soll Großh. Regierung ersucht werden, baldthunlichst dem Landtag eine Vorlage zugehen zu lassen, in welcher das gesammte direkte Steuerwesen geregelt und wobei die hohen und höchsten Einkommen zur Entlastung der unteren Klassen herangezogen werden möchten. Präsident Goldmann tritt voll und ganz der Regierungs-Vorlage bei. Er hält die darin festgelegten Steuersätze für die richtigen und allen Verhältnissen entsprechend. Freiherr Heyl zu Herrnsheim spricht sich für eine Entlastung der unteren Abtheilungen aus, wobei er es auch unbedingt für nöthig hält, in der Gewerbesteuer-Veranlagung reformirend vorzugehen. Es fet nicht richtig, daß man dem kleinen Mann mit einem Einkommen von kaum 900 Mark auch noch für Steuer etwas aus der Tasche nehmen wolle. Finanzminister Weber erklärt, daß es im Lande nicht verstanden werde, wenn heute die Erste Kammer zum zweitenmal eine Vertagung der Vorlage beschließe. Hesien sei in Steuer Reformen immer bahnbrechend vorgegangen und auch bei der heutigen Vorlage liege diese Absicht zu Grunde. Er hoffe daher, daß das hohe HauS die Regierung nicht im Stich lasse, insbesondere da sich in der Zweiten Kammer gegen die Declarationspflicht keine einzige Stimme erhoben habe, trotzdem in der Presse recht lebhaft dagegen agitirt worden sei. Graf So l ms- Laubach stellt sich aus den Standpunkt des Finanzausschusses. Auch ihm erscheinen die in der Vorlage niedergelegten Reformen nicht durchgreifend genug. Eine gründliche Revision des gelammten Steuerwesens sei nothwendig, ein stückweises Vorgehen bringe eine Reihe von Mißständen m t sich. Die Abstimmung ergiebt, daß die Vorlage mtt 15 gegen 9 Stimmen abgelehnt wird. — Für die Regulirung des Neckars beiHirschhorn werden 37,500 Mark bewilligt. — Entgegen sämnulichen Beschlüffen Zweiter Kammer genehmigt sodann die Kammer nach warmer Befürwortung des Freiherrn von Heyl zu Herrnsheim die Summe von 5,717,358 Mark für Erhöhung und Verstärkung der Landdämme und die Erweiterung des Hochfluthprofils des Rheins. Ebenso bewilligt das HauS für den Bau zweier.st ehender Brücken Über den Rhein bei Worms, nachdem Freiherr von Heyl nochmals die Zustände in WormS gelegentlich eines Eisgangs und bei Uebcrschwemmungen in eingehender Weise geschildert hat, die volle Forderung der RegierungS-Vorlage im Betrage von 7,940,000 Mark. — Zur Erbauung einer Nebenbahn von Bickenbach nach Jugenheim und Seeheim wird die Genehmigung ertheilt, ebenso dem Antrag des Ausschusses betr. die Zustimmung zur Inangriffnahme von Nebenbahn- Theilstrecken. Bezüglich des Antrags auf Erbauung einer Nebenbahn von Gernsheim nach Pfungstadt wird den Beschlüffen Zweitkr Kammer beigetreten. — Die übrigen nicht wesemlichen Punkte der Tagesordnung finden einstimmige Annahme. Hierauf vertagt sich das HauS bis tn die zweite Woche des Mai. Heppenheim, 26. April. In verflossener Nacht verschied hier nach langem und schwerem Leiden im 62. Lebensjahre Herr Rendant Schaum, Hausverwalter der Großh. Irrenanstalt. Schon bei dem Baue der Anstalt seit 1860 hier thätig, wurde demselben 1865 wegen besonderer Ouali- fication die Verwalttrstelle an derselben übertragen, die er mit großem Geschick und seltcncr Gewissenhaftigkeit bis an sein Lebensende bekleidete. Der Verschiedene wollte zur Erholung vor einigen Wochen noch einen längeren Urlaub an» treten, da ereilte ihn der unerbittliche Tod. Mit ihm verliert die Anstalt und der Staat einen pflichttreuen Beamten, seine Familie einen musterhaften Vater, Diejenigen, welche mit ihm umgingen, einen angenehmen Gesellschafter und seine Freunde einen der Treuesten- es findet deshalb auch sein Hinscheiden allgemeine Theilnahme. Vermischte-. * Berlin, 27. April. In der Villa des bekannten Maklers und Rennstallbesitzers James S a l o s ch i n, die in der Thiergartenstraße liegt, ist heute Nacht ein Einbruch verübt worden. Der oder die Thäter haben aber nichts entwendet, wohl aber in den Empfangsräumen der Villa Möbel, Kunst- gegenstände, Bilder, werthvolle Gobelins kurz und klein geschlagen und zerschnitten. Es scheint sich um einen Rache - act zu handeln. * (spinal, 27. April. In Thaon (Dcp. Vosges) ist eine Färberei und Wäscherei, die gegen 180 Arbeiter beschäftigt, heute Nacht durch einen Brand in Asche gelegt worden. Der Schaden wird auf zwei Mill. Francs geschätzt. Verkehr, £/> Ubr «usth-.luug der bl. Communion; um 8‘/? Uhr zweite hl. Messe; um 10 Ubr Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 2 Uhr Christenlehre, darauf Andacht für die Abgestorbenen. Anmerkung: Dienstag und Freitag Abend um 6 2 Uhr tft Maiandacht. Rohseidene Taftkleider Ntt. 16.80 per Stoff zur completen Robe und beffeie Qualitäten — sowie schwarze, weiße vnb farbige Seidenstoffe n n 75 Pffc. Mk. 18.65 per Meter - glatt, gestreift, karr'rt. gemustert, Damaste rc. (ca. 240 versch. Qual, und 2000 verschiedene Farben, Dessins rc.) Porto- und zollfrei. Muster umgehend [2263 Seiden-Fabrik 6 Henneberg (k. u. k. hoa.) Zürich. 3648] Tausendfaches Lob, notariell bestätigt, über HollLnd. Labak von B. Becker in «eesen a. Harz 10 Pfd. lose t. Beutel fco. 8 Mk- hat d. Exp. d. Bl. eingesehen. 0 Louis Lind Kirchenplatz IO empfiehlt als anerkannt vorzügliche Biere: Brauerei Hildebrand, Pfungstadt: Kaiserbrän per Fl. 25 Brauerei Textor, hier: la. Exportbier per Fl. 22 H, la. Lagerbier „ „ 18 „. Jedes Onantn« frei ins HauS geliefert. [3983 Bekanntmachung. Den mrehrlichen Hausfrauen diene, daß vorhandene Fleischbrühe auf keine Art besser und billiger verlängert werden kann, als mit bei [4049 Aeikgköotenes. Carbolineum Blitzableiter-Anlagen bestes Holzerhaltungsmittel [2796 . mittelst Nivtioldt'lcker I>levbonbrncke emnsteblt Scheitholz und Untersuchen mittelst Nippoldt'scher Telephonbrucke empfiehlt sich [279 Gustav Walter, Mäusburg 13. Louis Haubach, Westanlage 25. , tttein-Linden. 3911] Suppenwürze Zu haben [4048 abzugeben. Gießen, den 27. April 1893. vergeben werden. Die Bedingungen liegen an den offen. Offerten, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind, bis zum 6. Mai d. I., Mittags ■ 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau! Carl Lchwaab, Hoflief., Seltersweg. Leere Fläschchen werden billigst nachgefüllt. in der Wohnung des Rechners Hch. Ad. Lindenftruth III. Tagesordnung: Submission. Für die chirurgisch-ophthalmologische Univ.-Klinik soll die Lieferung von circa 2400 Ctr. Anthracitkohlen und ,, 2000 ,, melirten Kohlen auf dem öffentlichen Submifsionsmege Bekanntmachung. Die Holzversteigerung vom 25. lfd. M. in der Freiherr!. Oberförsterei Rabenau ist genehmigt. Die Abfuhrscheine können vom 4. Mai ab auf Freiherr!. Rentei zu Londorf Uampfziegdei C. Zule iier ck Co., (Mei, empfiehlt Sandsteine, Maschinensteine, Zorm- steine, Ialyiegei etc. em^ehtt billig Großh. Verwaltungsdirection der chirurg.-ophthalm. Univ.-Klinik. Bose. Vofsius. [4046 in Empfang genommen werden. — — -----„ v > Ueberweisung Freitag den 5. Mai. Wochentagen Nachmittags von 3 bis i Papiermühle, 27. April 1893. 5 Uhr auf dem Verwaltungsbureau Freiherrliche Oberförsterei Rabenau. Schlotterer. 4047 Vorlage und Abhör der Rechnung für 1892. Der Vorstand: Wilh. Otto II., Director. Hch. Ad. Lindenstruth III., Rechner. Bekanntmachung. Vom 1. Mai d. I. gelangt auf dem hiesigen Main-Weser-Bahnhofe die Bahnsteigsperre zur Einführung. Das Betreten der Bahnsteige ist nur gegen Vorzeigung von Fahrkarten oder Bahnsteigkarten gestattet. Zuwiderhandlungen werden nach §§ 55 und 62 der Betriebsordnung bestraft. Die Bahnsteigkarten find einem in der Vorhalle des Empfangsg^bäudes aufgesteltten Automaten gegen Einwurf eines 10-Pf^nnigstückes zu entnehmen. Den Dienstmännern, Droschkenkutschern und Hoteldienern ist das Betreten der Bahnsteige im Allgemeinen untersagt; die näheren Bestimmungen hierüber sind aus tön im Bahnhofsgebäude zum Aushang gebrachten Bekanntmachungen zu ersehen. ' [4054 König!. Eisenbahn-Betriebs.Amt (M.-W.-B.) Nochmalige Generalversammlung des Spar- und Vorschußvereins Beuern II. E G. mit unbeschrankter Haftpflicht zu Beuern, Äontag den 8. Mai 1893, MiMgs 1 Uhr, Mittel gegen Jnsecten und alles sonstige Ungeziefer, «arnpher, Naphtalin, «aphtalinpapier, NaptUalincampher, Insektenpulver, bestes, Wanzentod, sicher wirkend, Mottenspirttns, Gchaben« und Ameisen-Pnlver, Tchnaken-Kerzen, Ratten- u. MLuse»«tft, Atte-en'Letm u Papier, Zachertin u. -re. empfiehlt die Adler-Drogerie von Otto Schaat. [3814 Buchen- u. Tannen- Deutsche und amerik. Harmoniums von Mark 90.— an. ' PIANIHOS FLÜGEL Grösstes Lager aller berühmten Fabrikate, wie Bcchstein. Bliithner, Biese, Stein weg, Kaps, Schiedmayer, Schwechten , Rud. Ibach Sohn, Berdux, Lipp, Kuhse, „Estey etc. etc. Verkaufschon zu monatlichen Raten von Mk. 10 — gegen Baar mit höchstem Rabatt, langjährige Garantie, freie Lieferung überallhin, Umtausch alter Klaviere. — Gespielte, gut reparlrte Pianos und Flügel zu Mk. 60—600.— Pianos zu vermielhen auf einzelne Tage, zu Hochzeiten, Concerten, Tanz-Unterhaltungen, zu Mark 6, 7, 8—12 (einschliesslich der Transportkosten). [8661 Stimmung Und Reparatur von Pianos billigt in bester Ausführung. Wilh. 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