1893 Ur. 22 ErKes Blatt 'ep^n 88. Amts- tmb Anzeigeblatt für den «reis Gietzen Amttichrv Theil neu die tu erscheinen: Roth, Mufchenheim- u •Wien- I ^-tutsinLeip^ 1. HMS ,eben Donnerstag den 26. Januar 1. 2. 3. Gießeiter Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme beS Montags. Gemäß § Protokoll über des Kreistags gebracht. Lwnden;onen" !ropäischc Zeit. 'S smd ,11 dl-Im Die (Siebener A,««ikte»bltt1er »erden dem Anzeiger »gchentlich dreimal deigelegt. veröverein t Uhr Abends Balzer1. i Reuter, Istesse für bie (Herbe, Bekanntmachung. 39 der Kreisordnung wird nachstehend das die am heutigen stattgehabte ordentliche Sitzung des Kreises Gießen zur öffentlichen Kenntniß Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Johannes Weber, Lang-Göns, Heinrich Velten III., Großen Linden, Rechner Leidich, Grliningen- c. für den Bezirk Lich: L. Rehe, Lich, Bürgermeister Görlach, Eberstadt, 7. Ergänzungswahl zum Proviuziallage. Durch Acclamation werden auf Vorschlag des Vorsitzenden ausscheidenden Mitglieder: Hüttenbesitzer Buderus, Lollar, Rechtsanwalt Curtman, Gießen, Oberbürgermeister Gnauth daselbst, Gutspachter von Oven, Hungen 2. Müller Keil daselbst, 3. Bürgermeister Faulstich, Weitershain. 6. Wahlen für die Musternngs- und Aushebungs-Commissionen zur Beschaffung der Mobilmachungspferde auf 6 Jahre. Es werden für die infolge der Vermehrung der Pferdezahl nöthig gewordene Theilung des bisherigen Musterungsbezirks Lich in die Bezirke Lich und Hungen die Commissionen auf Vorschlag des Kreisausschuffes durch Acclamation wie folgt gewählt: a. für den Bezirk Lich: als Mitglieder: Bürgermeister Köhler, Langsdorf, Oberverwalter Erb, Lich, Karl Hofmann, Hof Güll, wiedergewählt. _ _ „ Zur Besprechung resp. Verstand,gung der Kreistags- Mitglieder über die Ersatzwahl für den verstorbenen Frerherrn Adalbert von Nordeck zur Rabenau läßt der Vorsitzende eine kurze Pause eintreten, nach deren Beendigung Commerzienrath Heyligenstaedt, Gießen, durch Acclamation bis Ende 1895 gewählt wird. 8. Vorlage der Kreiskafferechnung für 1891/92. Der Vorsitzende verliest den ausführlichen Bericht deS Kreisausschusses über die Verwaltung und den Stand der Kreisverbandsangelegenheiten in 1891/92. Die vorliegende Rechnung wird nicht beanstandet und die stattgefundenen Creditüberschreitungen unter den Rubriken 23a, 25, 26, 27 und 33 zu Lasten der nachgewiesenen Deckungsmittel genehmigt. 9. Festsetzung des KreiSkaffevorauschlags für 1893/94. Der Entwurf des Voranschlags war den Mitgliedern des Kreistags bereits mit der Einladung zu dieser Versammlung mitgetheilt worden. Derselbe wird rubrikenweise, mit der Ausgabe beginnend, durchgegangen und die Abweichungen gegen die Ansätze des Vorjahres erläutert. Zu Rubrik 2 2 theilt der Vorsitzende mit, daß der Kreisausschuß beschlossen habe, das Gesuch des Kreisingenieurs und der Bezirksbauaufseher um Gehaltsaufbesserung nach Maßgabe des Allerhöchsten Erlasses vom 11. April 1891 betr. die Gehaltsaufbesserung der Staatsbeamten, der Genehmigung des Kreistags zu empfehlen. Es wird daraufhin beschlossen, das Gesuch zu genehmigen und den Mehrbetrag von 895 Mark, wovon 91.67 Mark als auf die Provinz entfallender Antheil, sowie 3pCt. Wittwen- kassebeitrag mit 26.85 Mark wieder ersetzt werden, unter der Rubrik 22 einzustellen. , Bei Rubrik 26c „Kosten der Naturalverpflegstattonen fragt Professor Dr. Streng, wie sich die Naturalverpfleg- statiouen bisher bewährt hätten, worauf der Vorsitzende erwidert, daß der Zweck dieser Stationen, Abstellung der Hausbettelei, fast vollständig erreicht werde. Bürgermeister Pracht bemerkt dazu, daß auch der Branntweingenuß Seitens der Handwerksburschen durch die Stationen sehr gemindert worden sei. zu wählen ist. Durch Acclamation werden bestimmt: als Taxatoren: 1. Bürgermeister Bopp, Bellersheim, 2. Oberverwalter Erb, Lich, 3. Pachter von Oven, Hungen, als Stelvertreter: Bürgermeister Köhler, Langsdorf, , Rückel, Bettenhausen, 1. 2. 3. 1. 2. 3. wteie Auflage | e Dr. W. Baach, P'o£ I [’ E. L. Tascktä’ Gießen, 21. Januar 1893. Der Vorsitzende des Kreistags des Kreises Gießen. LM--- ’" ''— -----_ ' TT.p1 Alle Annoncen.Bureaux der In- und Auslandes nehmen Gratisbeilage: Gießener Iannnenoianer. \ Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 3 Wahl der Mitglieder und Ersatzmänner der Einschätzuugs- ' Commission für die erste Abtheilung der Einkommensteuer. Auf Vorschlag der Großh. Steuercommissäre werden per Acclamation gewählt: I. Für den Steuercommissariatsbezirk Gießen: als Mitglieder: ‘“'m« in fg (r AitiGgtH 0 Psg- und höher. 8 6oDDtnt(« g-fucht. W ation Seltner Hgs, WjojHt 31, ’ Jw jungt tMtMf slj "und autztr dem Hause. _Vravdgasse 7, 2, Lto«, ?"e auch zwei gröhere Woh- d-b Zimmer, mil etwa? Laaer, -m zu Mam, möMst uu, per 1. ^uli gtMt. m ? sagt die foprb b. 81. !n draaes solidetz n auch jLngni svsvck gesucht. bei der tzrprb d. Bl ck iuche ihr sosort ein twt Mädchen, welches gut « solche mit guten Zrugire. ch melden bei Fabrikant -eine. Lchimer. Marburgernraße 4- In meinem Medicinal-, Dragen-, Ilen- und Farben HtW iß eine ehrlingsßelle $tti, jetzt ober svSler. Vito Lchsas. Heinrich Belten III., Großen-Linden, Rudolf Güngerich, Hof Heibertshausen, Heinrich Rau III., Wieseck, Johannes Weber V., Lang-Göns - als Ersatzmänner: Bürgermeister Leun, Großen-Linden, Heinrich Lang, Gemeinde-Einnehmer von Wteseck. II. FürdenSteuercommissariatsbezirkHungen: als Mitglieder: Karl Heller, Lich, Heinrich Görlach II., Beigeordneter, Eberstadt, Bürgermeister Bopp, Bellersheim, Beigeordneter Jockel, Hungen - als Ersatzmänner: Jakob Jhring, Bäcker, Lich, Friedrich Schmidt, Färber, Hungen. III. Für den Steuercommissariatsbezirk Grünberg: als Mitglieder: Kaufmann Groos, Grünberg, Sparkasserechner Karl, Grünberg, Apotheker Welcker, Allendorf a. d. Lda.; als Ersatzmänner: Bürgermeister Pracht, Grünberg, Glasermeister Dippel, Grünberg. Die Großh. Steuer-Commissäre verlassen hierauf die Versammlung. 4. Wahl vou 2 Mitgliedern und 2 Stellvertretern für die verstärkte Ersatzcommission. Bürgermeister Roth bemerkt, daß es nicht wohl angängig sei, beide Commissionsmitglieder aus einem Bezirke zu nehmen, worauf Oberbürgermeister Gnauth an Stelle des Bürgermeisters Faulstich-Weitershain den Großh. Bürgermeister Geißler, Lollar, vorschlägt. Hiernach werden per Acclamation als Mitglieder: Bürgermeister Pracht, Grünberg, „ Geißler, Lollar, als Stellvertreter: Bürgermeister Faul stich, Weitershain, „ Köhler, Langsdorf, I gewählt. 5. Wahl von Sachverständigen für die nach dem Gesetze über die Kriegsleistungen vom 13. Juni 1873 vorzunehmenden Abschätzungen auf 6 Jahre. Durch Acclamation werden gewählt: a. für den Bezirk Wieseck: 1. Kreisveterinärarzt Prof. Dr. Winckler, Gießen, 2. Ortsgerichtsvorsteher Gros daselbst, 3. Stadtverordneter Vogt daselbst - b. für den Bezirk Großen-Linden: d. für den Bezirk Hungen: Beigeordneter Jockel, Hungen, Bürgermeister Köhler, Langsdorf, „ Bopp, Bellersheim - e. für den Bezirk Grünberg: Heinrich Zimmer II., Grünberg, v. Gagern. Geschehen Gießen, 21. Januar 1893. Siebenundzwanzigste Sitzung des Kreistags des Kreises Gießen. Gegenwärtig: 1) Der Vorsitzende, Großh. Provinzial-Director Freiherr v. Gagern, 2) Großh. Regierungsrath Dr. Melior, 3) die Kreistagsmitglieder: Bürgermeister Balser, Albach, „ Bopp, Bellersheim, Hüttenbesitzer Buderus, Lollar, Bürgermeister Geißler, Lollar, Beigeordneter Georgi, Gießen, I Oberbürgermeister Gnauth, Gießen, Rentner A. Heß, Gießen, Commerzienrath Heyligenstaedt, Gießen, Bürgermeister Koch, Villingen, Gemeinde-Einnehmer Maid, Watzenborn, Bürgermeister Meyer, Großen-Buseck, „ Otto, Beuern, Gutspachter von Oven, Hungen, Bürgermeister Pracht, Grünberg, „ Roth, Muschenhcim, „ Sommerlad, Wieseck, Professor Dr. Streng, Gießen, Forstmeister Thaler, Gießen, Heinrich Belten III., Großen-Linden, Apotheker Welcker, Allendorf a. d. Lda., 4) der Kreisingenieur Stahl, 5) die Großh. Steuercommissäre: Steuerrath Süffert, Gießen, „ Snell, Hungen, Bähr, Grünberg, 6) der Protocollsührer, Kreisamtsgehülfe Becker. Nachdem der Vorsitzende die Sitzung eröffnet, die Der- | lammlung begrüßt und den an Stelle des pensionirten Großh. Regierungsraths Jost ernannten Großh. Regierungsrath Dr. Melior dem Kreistage vorgestellt hatte, gedachte derselbe zunächst der im letzten Jahre durch Tod ausgeschiedenen Krcistagsmitglieder Freiherr Adalbert von Nordeck zur Rabenau in Friedelhausen und Bürgermeister Jünger von Reiskirchen und ersuchte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen zu ehren, welchem Ersuchen die Versammlung entsprach. Hiernach wird die Beschlußfähigkeit des Kreistages durch Feststellung der Präsenzliste constatirt. Die Mitglieder Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch, Gießen, Rechtsanwalt Hirschhorn, Gießen, Fabrikant M. Hom- berger, Gießen fehlen entschuldigt. Auf Vorschlag des Vorsitzenden werden zu Urkundspersonen per Acclamation die Herren 1) Bürgermeister Koch, Villingen, 2) „ Meyer, Großen-Buseck bestimmt und Kreisamtsgehülfe Becker zum Protocollsührer bestellt und durch den Vorsitzenden mittelst Handschlags verpflichtet. Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten. 1. Prüfung der Ergänzungswahlen zum Kreistage. Die vom Kreisausschusse gemäß Art. 28 der Kreisordnung vorläufig geprüften und nicht beanstandeten Ergänzungswahlen zum Kreistage wurden sür gültig erklärt. 2. Ergäozungswahl zum Kreisausschufie. Auf Vorschlag des Vorsitzenden werden per Acclamation die bisherigen Mitglieder Rentner A. Heß, Gießen, Bürgermeister Bopp, Bellersheim, „ Faulstich, Weitershain wiedergewählt und an Stelle des verstorbenen Mitglieds Langsdorfs Landgerichtsrath Dr. Schäfer zu Gießen, letzterer bis Ende 1895, gewählt. ____-— als Stellvertreter: Pachter Brückmann, Birklar, Bürgermeister Görlach, Eberstadt, „ Kuhl, Dorf-Gill - b. für den Bezirk Hungen: als Mitglieder: Bürgermeister Bopp, Bellersheim, Gutspachter von Oven, Hungen, Pachter Kammer, Bellersheim, als Stellvertreter: Pachter Fülberth, Utphe, Jean Wolf, Villingen, . Bürgermeister Rückel, Bettenhausen. Weiter werden für den B e z i r k G r ü n b e r g die Herren. Müller Keil in Grünberg als Mitglied, Christian Frank daselbst als Stellvertreter als Ersatz sür die verstorbenen Herren Posthalter Prinz, Grünberg und Pachter Kloch-Appenborn durch Acclamation $ Infolge der außerordentlichen Zunahme der Zahl der Pferde im Kreise ist ein zweiter A ushe b u n g s b e zir k Hungen, aus den Musterungsbezirken Lich und Hungen gebildet worden, für welchen die Aushebungscommisslon „ Görlach, Eberstadt. Gleichzeitig wird an Stelle des für den Bezirk Hungen designirten Oberverwalter Erb-Lich Ernst Zimmer von Lauter als Ersatzmann im Bezirk Gießen gewählt. Kichmer AnzergerZ Generat-Mnzeiger. Zeigen. isch Ä* Zu Rubrik 28 „Erbauung von Kreisstraßen" bemerkt Bürgermeister Sommerlad, daß das Straßenproject Wieseck-Trohe in seiner jetzigen Form nicht den Wünschen der Grundbesitzer in Wieseck entspräche, da viele Grundstücke verstümmelt würden- weiter fragt derselbe an, wer den Grundbesitzern den Minderwerth ersetze. Der Vorsitzende erwidert darauf, daß die Gemeinde, welche die Grundstücke zu erwerben habe, auch letztere Aasten tragen müsse. Das vorliegende Project sei das geeignetste und das hierfür zu bringende Opfer in Anbetracht seiner Vortheile nicht groß zu nennen. Oberbürgermeister G n a u t h bemerkt, daß eine Zusammenlegung der durch den Wegbau zerstückelten Parzellen leicht und mit nicht hohen Kosten zu ermöglichen sei. Der Antrag des Kreisausschusses wird danach genehmigt. Nachdem der Voranschlag bis zum Schlüsse durchgegangen war und weitere Bemerkungen nicht erhoben wurden, wird derselbe, nach Kürzung des Reservefonds um 776.48 Mark und Erhöhung der Einnahmen unter Rubrik 9 um 91.67 Mark und Rubrik 13 um 26.85 Mark, den Anträgen des Kreis- ausschuffes entsprechend, in Einnahme und Ausgabe aus den Gesammtbetrag von 277460.21 Mark festgesetzt. 10. Anschaffung einer Nippold'schen Telephonbrücke behufs Prüfung von Blitzableitern. Der Vorsitzende theilt mit und Kreismgenieur Stahl erläutert, daß der Kreisausschuß die Anschaffung eines Apparates zur Prüfung der Blitzableiter auf gemeinheitlichen Gebäuden empfehle. Professor Dr. Streng fragt an, ob nicht auch die Blitzableiter auf Kirchen geprüft werden könnten, welche Frage durch den Vorsitzenden bejaht wird. Die Anschaffung fraglichen Instruments aus Kosten der Kreiskaffe und zwar zu Lasten von Ueberschüssen des Jahres 1892/93 wird hiernach genehmigt. Bezüglich der Frage, ob eine Prüfung von Leitungen auf Privatgebäuden zugelassen werden soll, wird dem Kreis- ausschusse die Festsetzung der Bedingungen hierfür anheimgestellt. 11. Gesuch des Kreisiugeuieurs und der Bezirksbauaufseher um Gehaltsaufbefferung für das Jahr 1892/93. Im Anschlüsse an den bei pos. 9 und zwar zu Rubrik 22 gestellten Antrag des Kreisausschusses theilte der Vorsitzende mit, daß der Kreisausschuß die Gewährung des Zuschusses rückwirkend das Rechnungsjahr 1892/93, also vom 1. April 1892 an befürwortet habe. Da dieser Gegenstand nicht auf der Tagesordnung steht, so wurde zunächst constatirt, daß Niemand gegen dessen Verhandlung Widerspruch erhebt. Der Antrag des Kreisausschusses wird hiernach zum Beschluß erhoben und die nachträgliche Gehaltsaufbesserung zu Lasten von Ersparnissen unter anderen Rubriken genehmigt. Schließlich richtet das Mitglied Bürgermeister B a l s e r- Albach die Frage an den Borsitzenden, wie es mit b'tn Bau einer Kreisstraße von Lich nach Dorf-Gill stehe, worauf ihm erwidert wird, daß zur Zeit und für die nächsten Jahre kaum Aussicht dafür vorhanden sei. Da weitere Anträge nicht gestellt wurden, schließt der Vorsitzende die Sitzung. Der Vorsitzende: Die Urkundspersonen: v. Gagern. Meyer. Koch. Der Protokollsührer: Becker. Deutscher Reichstag. 29. Sitzung. Dienstag, 24. Januar 1893. Die erste Beralhung der Novelle zum Wuchergeseh wird fortgesetzt. Avg. Frohme (Soc.) erblickt im Wucher ein Verbrechen, bestreitet aber, daß das Wuchrrges tz und diele Novelle practifchen Werth hätten. Der Sachwucher erstrecke sich viel weiter als die Vorlage annehrnc. Auch die Ausbeutung der Nothlage der Arbeiter zur Gewinnung billiger ArbetlSträste und die agrarischen Schutzzölle seien Wucher, und wie stehe ed mit dem Grund- und Bodenwucher und mit dem Wucher an der Börsen Diese Arten Wucher seien viel schlimmer als der Gelvwucher. Der Staat fpeculire selbst mit der Lotterte aus die Unerfahrenbeit und den Leichtsinn. Hundert Jahre, nachdem Adam Smith die Unwirksamkeit der Wuchergesetze nachge- wtesen, wolle man hier mit einem solchen Gesetze den wtrthschast- ltchen Schäden ein Ende machen. Jede Bestimmung, die sich gegen den Wucher richte, richte sich auch gegen den Bewucherten. Die „goldene Jugend", die Kinder der leitenden Kreise, seien es, die durch ihre Verschwendungssucht den Wucher erst möglich mache. In der Bevölkerung selbst bestehe kein Hang zu übermäßigen Ausgaben. Wie könne die Negierung diese Vorlage machen, nachdem sie noch vor wenigen Tagen die Bergarbeiter verurtheilte, die sich einer maßlosen Bewucherung ihrer Arbeitskräfte zu entziehen suchten. Die Vorlage fei ganz belanglos. Abg. Hitze (Ctr.) erkennt an, daß die Vorlage nicht alle Formen des Wuchers umfasse; aber der Vorredner habe nichts g.than, um den Begriff des Wuchers entsprechend zu erweitern. Mache doch die Socialdemokratte praktische gesetzgeberische Vorschläge. Bestrebungen zum Schutze der nationalen Arbeit vermöge er allerdings nicht alS Wucher anzuerkennen. Das Eentrum sei bereit, jede Form des Wucher« zu bekämpfen und werde weitere Verschärfungen in der Commission beantragen. Redner befürwortet den Girse'fchen Vorschlag, wonach de:m durch den Wucherer In eine Nothlage Versetzten eine Entschädtgung in Form einer dem Wucherer auferlegten Buße gesichert werden möge und gibt der Commission die Fragen der Beschränkung der Wechselfähigkeit und der Festsetzung einer Z'nSgrenze zur Erwägung. r Abg. Schrader (dsr.) spricht gegen die Vorlage. Die Folge solcher Bestimmungen, wie sie der Entwurf cnitaltc, sei, doß die Leute, die Geldgeschäfte machen, in immer unsolidere Bahnen gedrängt werden und daß e« den Geldbedürftigen immer schwerer werde Geld zu erlangen. Die Regierung habe mit der Vorlage einer Strömung im Reichstage zu sehr nachgegeben; im Lande besiehe eine solche Strömung nicht. Diese ganze Gesetzgebung gehe davon aus, daß die Staatsbürger unmündig seien und geschützt werden mühten. Damit wachsen die Ansprüche an den Staat immer mehr, dis wir soweit feien, al« die« die Socialdemokralie erstrebe. Nur die Station aber sei kräslig und widerstandsfähig, deren Bürger zur Selbstständigkeit erzogen seien. Abg. Dr. Schneider-Hamm (nelL): Seine Freunde ständen der Vorlage nicht unfreundlich gegenüber, wenn sie dieselbe auch ,ür verbesserungsbedürftig erachteten. Da« jetzige Wuchergesetz habe gut gewirkt. Wenn die Zahl der Derurlheilungen aus Grund diese« G-setze« gering sei, so spreche das doch nicht gegen das Gesetz. Ein Strafgesetz solle auch erzieherisch wirken und schon die Aechtung des Wuchers durch das Gesetz mag Viele zurückgehallen haben, Wucher zu treiben. Soweit das Wuchergesetz Lücken zeige, id es nöthig, dieselben autzzufüllen, wie es die Vorlage wolle, namentlich durch Hereinziehung de« Sachwuchers. Abz. Dr. v. B ar (dfr.) bekämpft die Vorlage, welche in ihrer Ausführung zu den gröhten Ungleichheiten führen würde. Abg. Büsing (natl) bemängelt die jetzige Fassung des Art. 4, durch welche das legitime Geschäft benaLtheiligl würde. Die Vorlage gcht, dem Antrag Giese gemäß, an eine 21er- Commission. Es folgt erste Berathung de« Gesetzentwurf« betr. die Begründung der Revision in bürgerlichen Rechtsstreitigkeilen. Abg. Munckel (dfr.) befürwortet die Vorlage, welche ohne vorherige commtssartsche Vorberathung zur zweiten Lesung auf eine spätere Tagesordnung gestellt wird. Der Gesetzentwurf gegen den Derrath militärischer Geheimnisse wird einer besonderen Eommission überwiesen. Die WablprüfungScomrpisfion beantragt Ungültigkeit der Wahl des Abg. v. Reden (natl.) im 9. hannoverschen Wahlkreise. Abg. Dr. Schneider-Hamm (natl.) beantragt und Abg. Dr. Stephan (Ctr.) befürwortet Gültigkeitserklärung unter Vorlegung von Berechnungen, wonach o. Reden unter allen Umständen die Mehrheit hatte. Die Abgeordneten Dr. Schneider-Nordhausen (dir.), Heine und Meister (Soc.) sprechen gegen die Gültigkeit mit Rücksicht auf die vorg-kommenen Wahlbeeinflussungen. — Abg. v. Strornbeck (Ctr.) hält es nicht für erwiesen, daß von Reden unter allen Umständen die Mehrheit gehabt hätte und stimmt deshalb für Ungültigkeit. Abg. v. Marquardsen (nl.) berief sich zu Gunsten der Gültigkeit der Wahl auf die bisherige Praxis des Hauses. Abg. Singer (Soc.) mißt mit Rücksicht auf vielleicht bald bevorstehende Wahlen der Entscheidung des Hauses üb r die Gültigkeit dieser Wahl solche Bedeutung bei, daß er beantragt, die Abstimmung durch Namensaufruf vorzunehmen. Die Abstimmung ergiebt 78 für, 109 Stimmen gegen Gültigkeit. Das Haus ist somit beschlußunfähig. Morgen 11 Uhr: Antiäge auf Aenderung de« Strafverfahrens und aus Abänderung der Gewerbeordnung. (Anträge Ackermann usw.) Neueste Nachrichten. Wolff« telegraphisches Corresponden,-Bureau. Berlin, 24. Januar. Der Großfürst. Thronfolger ist heute Abend um 9^/z Uhr hier eingetroffen; er wurde empfangen vom Kaiser, den Prinzen Heinrich und Friedrich Leopold, Erbgroßherzog von Oldenburg, sämmtlich in russischer Uniform, dem Herzog von Edinburg, allen preußischen und den meisten fremden Fürstlichkeiten. Als der Zug hielt, salu- tirte die Ehrenwache unter den Klängen der russischen National- Hymne. Der Kaiser und der Großfürst, in der Uniform seines westfälischen Husarenregiments, mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens, umarmten und küßten sich wiederholt. Darauf erfolgte die Begrüßung der Prinzen und das Abschreiten der Front der Ehrenwache. Vom Bahnhofe, wo auch Schuwalow sich befand, fuhren Kaiser und Großfürst trotz des Regens in offener Galaequipage zur russischen Botschaft, auf dem ganzen Wege vom dichtgedrängten Publikum lebhaft begrüßt. Der Kaiser geleitete den Thronfolger in das Botschaftspalais, wo die Gräfin Schuwalow den Thronfolger begrüßte. Wien, 24. Januar. Heute Vormittag um 11 Uhr fand in der Pfarrkirche der Hofburg die Vermählung der Erzherzogin M a r g a r e t h e S o p h i e mit dem Herzog Albrecht von Württemberg nach dem herkömmlichen feierlichen Ceremouielle statt. Der Bräutigam schritt zwischen dem Kaiser und dem König von Württemberg. Die Braut, in weißer Faillerobe mit silbergestickten Margueriten, Orange, blüthen und Myrthen geschmückt, war von der Königin von Württemberg und der Erzherzogin Maria Theresia geleitet. Cardinal Gruscha vollzog die Trauung und hielt eine Ansprache. Der Hosburgpsarrer Mayer überreichte die Ringe, welche das Brautpaar gegenseitig ansteckte. Nach dem Segen küßten die Neuvermählten dem Kaiser und dem Könige von Württemberg die Hände und nahmen die Glückwünsche der anderen Fürstlichkeiten entgegen. Newyork, 24 Januar. Die „Newyork Times" bringt einen Bericht über eine Unterredung ihres Correspon- denten in Syraeuse mit dem neugewählten Präsidenten Cleve land. Danach hätte Cleveland geäußert, er hoffe auf die Annahme des Gesetzentwurfs, wcdurch die Sherman- Bill , betreffend den Ankauf von Silbermetall, aufgehoben werde. Auf die Frage, ob der Mae-Ktnley-Tarif abgeschafft werden würde, habe Cleveland erwidert, er möchte doch wissen, ob man ihm denn zu einem anderen Zwecke die Macht an- vertraut habe. Depeschen de« Bureau „Herold". Berlin, 25. Januar. Gestern Abend um 9x/2 Uhr ist der russische Thronfolger mit einem kaiserlichen Extra- zugc hier eingetroffen und wurde vom Kaiser, den Prinzen und den Generälen mit höchsten militärischen Ehren empfangen. Eine tausendköpfige Menge begrüßte den Thron- folger auf seiner Fahrt nach der russischen Botschaft mit Hochrufen. Berlin, 25. Januar. Dem Reichstage dürfte demnächst der Geschäftsbericht zugehen, welchen der Präsident des Reichsversicherungöamts dem Reichskanzler über die vorläufigen Ergebnisse der Thätigkeit der Berussgenossenschaften und der Jnvaliditäts- und Altersoerficherungs Anstalten für das Jahr 1892 erstattet hat. Berlin, 24. Januar. Militärcommission deS Reichstags. In der heutigen Sitzung betont Generalmajor v. Goßler, die Zahl der Dienstuntauglichkeiten sei bis 1888 gesunken, von da ab gestiegen. Redner erläutert darauf die Vermehrung des Abgangs der Halb- und Ganz Invaliden und führt die wesentliche Zunahme der Nervosität an. Abg. Payer (Volkspartei) ist bereit, an dem Angebot der ersten Lesung, einschließlich 18 000 Mann Ersatzreseroe festzuhalten. Schwer in die Wagschale falle die entschiedene Abneigung der DolkSstimmung, ganz besonders in Süd-Deutschland. Sobald man über die jetzige Friedenspräsenzstärke hinauSgehe, gebe es keinen Halt mehr. Bei dem Starrsinn des Reichskanzlers sei ein baldiger Wahlkampf zu erwarten, belfen Ergebntß anbers ausfallen bürfte, als 1887. Der Reichskanzler Caprivi erklärte, die zweijährige Dienstzeit innerhalb der jetzigen Friedenspräsenzstärke sei für die Regierung unannehmbar. Den Verstimmungen der Bevölkerung dürfte die Regierung nicht nachgeben, sie müsse an die Zukunft Deutschlands denken. Er theilt den starken Glauben an den Dreibund, aber auch bei voller Aufrechthaltung des Dreibunds brauchten wir in Zukunft mehr Soldaten. Generalmajor v. Goßler erklärt, der nächste Krieg werde mit den Kriegen der Völkerwanderung Ähnlichkeit Haden. Berlin, 24. Januar. Gegen die Brau st ene^r Vorlage und alle zukünftigen Aenderungen der Bierbesteuerung in Berlin, den Elnzelstaaten und Gemeinden stellt der „Deutsche Verein gegen Mißbrauch geistiger Getränke" die grundsätzliche Forderung, schwere und leichre Biere verschiedenartig zu behandeln, die leichten, wenn überhaupt, mögligst gering zu besteuern. Die Grenze zwischen beiden wird mit 2*/, pEl. Alkoholgehalt vorgeschlagen. Rietlebeo, 24. Januar. Acht Personen sind neu erkrankt, zwei gestorben. Die Gcsammtzahl beträgt bis jetzt 92 und 32. Karlsruhe, 24. Januar. Der innere Ausschuß der nationalliberalen Partei versendet heute Beschlüsse der vertraulichen Sitzung vom Sonntag; danach ergab sich volle Uebereinftimmung in allen Fragen. Die Partei betont ihre Unabhängigkeit gegenüber der Landes- und Reichs- regierung, sie erblickt in den Ultramontanen und Social- demokraten ihre erbittertsten Gegner und erklärt, jede Annäherung an den Freisinn sei ausgeschlossen, solange derselbe die Schutztruppe der Ultromontanen sei. Mit der Redaction eines neuen Programms, welches an den alten Principien festhält, wurde eine sirbengliedrige Commission betraut. In der Militärvorlage wird der Standpunkt v. BenningsenS eingenommen. Ottensen, 24. Januar. Hier erfolgten vier Cholerafälle, wovon einer tödtlich verlief. Bremen, 24. Januar. Eine heute hier stattgehabte Versammlung der Arbeis losen endete mit einem Tumult und wurde aufgelöst. Die Polizei zerstreute die Menge auf der Straße mit blanker Waffe. Paris, 25. Januar. Deroulöde kündigt an, erwerbe, falls die Untersuchung gegen einzelne der Bestechung in der Panama - Affatre Verdächtige niedergeschlagen weide, in der Kammer neue Enthüllungen Vorbringen und die Wiederaufnahme des Strafverfahrens erzwingen. Sämmtliche Zeitung-- Directoren beschlossen, die Vorladung vor die Panama- Commission, sowie jede Anklage abzulehnen. Eine neue Untersuchung ist gegen Sansleroi wegen Betrugs und Vcr- trauenö-Mißbrauchs eingeleitet worden. Paris, 24. Januar. Der „Figaro" setzt seine Ver- öffentlichungeu über Herz fort. Im Jahre 1886 sei Herz der Bankier der Radikalen und Herr der Lage gewesen; damals habe er Lesseps angeboten, gegen Zoh'ung von zehn Millionen durch Reinach daS Project über die Panamaloose in der Kammer einbringen zu lassen, was LcssepS angenommen habe. Die Kammer lehnte aber daS Project ab, trotzdem forderte Herz die Zahlung von zhn Millionen, er erhielt aber nur 600 000 FrcS. D -auf bot Reinach die Bestechung der Kammer und deS Senates an, was Lesseps ebenfalls annahm. Nach der Annahme des Entwurfes forderte Herz zehn Millionen und drohte mit der Enthüllung der Bestechungen. Lesseps zahlte darauf Reinach im Juni und August 1891 sechs Millionen; im Januar 1889 und Januar 1891 erzwang Herz die Zahlung der übrigen vier Millionen. Herz erfuhr inzwischen im April 1888, daß Reinach 3 388 000 Frcs. für ihn von Lesseps erhalten habe, wovon dieser 130 000 behielt. Angesichts der Drohungen Herz'S dictirte Reinach in der Verzweiflung Stephane die Liste, wozu 1 300000 Frcs. verwandt wurden. Er sandte die Liste an Clemenceau mit der Bitte, dieselbe Herz zuzustellen. Mit dieser Liste erpreßte man Reinach« ganzcc> Vermögen. Paris, 24. Januar. Ri bot erklärte bei dem Empfange einer Abordnung seiner Wähler, die Republik werde den Panamaskandal siegreich überstehen. Die Regierung denke nicht daran, die Kammer vorzeitig auszulösen. Halle, 25. Januar. Der „Halleschen Zeitung" zufolge sind in Ni et le den üo. gestern Mitternacht bis heute Mitternacht 13 Erkrankungen (worunter ein Arzt) und ein Todesfall Dorgefot' men. Locales ttnö provinzielle». Gießen, 25. Januar 1893. L. G. Das dritte Eoncert deS Gießener EoncertveremS bot als erste Orchestergabe die Ouvertüre zu dem Mendels- sohn'schen Liederspiel: „Heimkehr aus der Fremde." Sie ist eine Jugendarbeit des Meisters, entstanden Ende der 1820er Jahre und zeigt nichtsdestoweniger, daß der Eomponist schon damals über daS ganze Rüstzeug eines gutgeschulten Musikers und Orchesterkenners verfügte. Die exactc Wiedergabe durch das Orchester hätte eine beifälligere Würdigung seitens deS sehr zurückhaltenden Publikums verdient. Mit größerem Interesse, wohl mit bedingt durch den Reiz der Neuheit, wurde die zweite Orchesternummer: AnitraS Tanz aus GriegS Musik zu JbsenS dramatischer Dichtung „Peer Gyot“, entgegengenommen. Eine flüssige, dabei vornehme Melodie, farbenreiche Harmonisirung und straffe Rhytmik sichern dem Stück (daS nur für Streicherchor geschrieben ist) jederzeit und bei jedermann einen Erfolg, selbst bei Zops- musikern, die hier auch rein garnichtS von „nordischen Eftra vaganzen" deS Componisten entdecken werden können. Einen eigenihümlichen Reiz erhält die Compositton durch daS Hnzu- fügen deS Triangels und her selbstständigen breiten Melodieführung der ersten Violoncelle: die tollste, närrischste Ausgelassenheit neben t efmelancholischer Träumerei. Peer Gy et ist nämlich nach der Ibsen scheu Dichtung ein junger Tollkops und Schwärmer, der, aller Erziehung bar und unoer* 87. j. Unb§ btnu;tQbEr °bch St tz. 5ten h)ir in «Hart, ■i'fe kranke" hi. "$euttäe " d^Ls^- l, t/ niü9(iöft M" be- ^'«rmbntu.,. , * Ä( a*"6 • »tot* ;^£* “ j'r ""£« wjtj SÄ*" b-"°ut. *Wt».$lniling(ra$ j1!1*” diir ’J* ** tatgti* M1 nl ™™ Zumnlt iirfmuti bit ®t„9( nuf 6e fimbigt an, tt witbt le Bestechung in btt at^lGStn weide, in der V Md die Wiederan, n. Sämmtliche Zeitungs- dung vor die Panama- abzulehnen. Eine neue wegen Betrugs und S?cr- ben. Figaro" setzt seine Ver- 5m Jahre 1886 sei Herz Herr der Lage gewesen; gegen Zahlung von zehn tct über bie Panamaloose was f/efleps angenommen >as Prostet ab, trotzdem hn Millionen, er erhielt 10t Reinach die Bestechung n, was Lesseps ebensallS ! Entwurfes forderte Herz der Enthüllung der Be- if Reinach im Juni und Januar 1889 und Januar er übrigen vier Millionen. ri( 1888, daß Reinach iep§ erhaltet, habe, wovon t§ der Drohungen Herz's ung Stephane die Liste, rden. Er sandte die Liste ieselbe Herz zuzustellen, inachs ganzes Vermögen, klärte bei dem Empfange die Republik werde den Die Regierung denke auszulöseu. zalleschen Zeitung" zufolge „Ul ti« W) ™» ■ ei«3fcöazu macht auf den Hörer einen düsteren Eindruck, bis in einem Allegro vivace die heiterste Laune zum Durchbruch ■ ammt, die denn auch im ganzen Satz neben nur einem sentimental angehauchten Motiv, die Oberhand behält. Meisterhaft intonirte im ersten Theil das Fagott das dritte Motiv der Schlußgruppe (weniger gut dieselbe Stelle in der Reprise des zweiten Theils). Von packender Wirkung war hie Wiedergabe des Diminuendo kurz vor Schluß der Durchführung, sowie das ppp der Streicher auf einem Fis-dur- Llccord, nach dem die Pauke erst mit leise verhallendem, bann mit immer mächtigerem und eindringlicher redendem Wirbel die Instrumente zu einem Tutti in der Reprise znsammenruft. — Aus dem zweiten Satz möchten wir den (mleitcnben innigen Gesang der ersten Geige und das zweite Thema hervorheben, das von dem ersten Clarinettisten unvergleichlich schön vorgetragen wurde. — Ungetrübter Frohsinn ist die Physiognomie des dritten Satzes, dessen liebliches Trio ein etwas ernsteres Thema von Fagott und Oboe anstimmen, durch eine dazwischen hüpfende Violinfigur (in der das sf etwas mehr hätte ausgeprägt werden müssen) unterbrochen und erst in der Wiederholung zum Durchbruch kommen läßt. Voll Heiterkeit und Lust, voll Scherz und Laune, voll ungebundenem, ungespundetem Humor, der sich alles zu sagen und alles zu thun erlaubt, sitzt der letzte Satz. Hier mag man Kretz sch mar verstehen, wenn er die Entstehung der Symphonie mehr einem „Phantasiren und Improvisiren" zuschreibt, als einer aus der Schärfe des Verstandes geborenen Ausarbeitung. Den tollsten Spuk bringt der Schluß, wo athemlos die zweiten Geigen, Bratschen, Fagotte und hinterdrein m drolligen Sätzen der sonst behäbige Contrabaß der leichtfüßigen ersten Geige auf ihrem mit sprudelnden Sechszehntelfiguren genommenen Weg nach- s.fern — für uns Moderne der vertonte musikalische Distance-Lauf. Die Wirkung dieses, mit gutem Effect gespielten Satzes auf das Publikum war eine sichtlich packende; bem Dirigenten, Herrn Musikdireetor Felchner, wie den Ausführenden gebührt die vollste Anerkennung. Als Solistinnen wirkten in dem Concert mit Fräulein Emma 2)ten ft bad; aus Frankfurt a. M. (Sopran) und Fräulein Margarethe Voretzsch aus Halle (Pianosorte). — Wir wollen gleich im Voraus bemerken, daß die Sängerin neben ihrer mitwirkenden Kunstgenossin einen schweren Stand zu behaupten hatte. Fräulein Emma Dienstbad) hat offenbar recht viel gelernt, ihr Vortrag der Spohr'schen Faust Arie, deren vorausgehendes Recitativ im Orchester bedenklich schwankte, bewies dies. Die Stimme ist gut gebildet, geschmeidig und mit einer gewissen technischen Gewandtheit und Geschick sür Coloraturen ausgestattet; die Aussprache ist größtentheils correct, der Ton in der Höhe wohl etwas scharf doch klangvoll, in der Tiefe jedoch von mäßigem Klangvolumen und wenig Rundung. Bei größerer Wärme und Innerlichkeit hätte Fräulein Emma Dienstbach aus den beiden Liedern: „Er ist gekommen", von Franz, und „Ständchen", von Schumann, etwas machen können, so aber hinterließen sie bei dem Publikum wenig Eindruck. Entschieden besser gelang, weil mit mehr ästhetischem Bewußtsein vorgetragen, Beethovens: „Herz, mein Herz, was soll das geben 1" Die Klavierbegleitung lag in der bewährten Hand deS Herrn G. Traut mann, aus Frankfurt a. M., der sich seiner Ausgabe mit gewohntem Geschick entledigte. Die Pianistin Fräulein Margarethe Voretzsch unternahm (wenn wir recht unterrichtet sind) mit ihrem gestrigen hiesigen Auftreten den ersten verhängnißvollen Schritt in die Öffentlichkeit. Ihr Programm umfaßte: Schumanns Concert für Pianoforte und Orchester, sowie drei Solostücke, unter denen Ehopins L-moll-Scherzo das bedeutendste war. Die große Ausgabe, die sich die noch jugendliche Dame mit der Aufnahme des Schumann'fchen Coneertes in ihr Programm stellte, löste sie nach der virtuosen wie künstlerischen Seite hin tadellos. Eine schöne, von Kraft und Sicherheit getragene Technik, unterstützt durch einen klaren, in dynamischer Hinsicht wohldurchdachten Vortrag, alles im Dienste eines feinen, natürlichen Empfindens und eines geläuterten Geschmackes — das unterscheidet die Dame als Künstlerin vor- theilhast von vielen ihrer kunstbefl ssenen Collegen und Eolleginnen. Zarter, glänzender, gefühlvoller können wir uns das Chopin'sche B-moll Scherzo nicht gespielt denken, als es von Fräulein Voretzsch thatsächlich geschehen ist. Daß sich nach dem Schlüsse hin eine gewisse Ermüdung der rechten Hand bemerkbar machte, möge der Dame ein Fingerzeig sein, sich bei einer künftigen Programm-Zusammenstellung nicht zuviel zuzumuthen. — Theater. „Die Waise aus Lowood", Schauspiel von Charlotte Birch Pfeiffer. Es ist eine merkwürdige Affinität, welche die Stücke dieser Autorin kennzeichnet. Alle oppelliren mehr oder weniger an unser Mitleid, ja fast möchte man sagen, ein gewisser rührseliger Ton ist es, der die Verfasserin überall beherrscht. Auch unser gestriges Stück zeigte diese Symptome. Jane Eyre, eine 16jährige Waise, ißt im Hause ihres verstorbenen Onkels durch dessen Vermächtniß das Gnadenbrod, wird natürlich schlecht behandelt, ja sogar später in ein Waisenhaus gebracht. Vermöge ihrer Talente Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen. 3. Woche. Vom 15 Januar bis 21. Januar 1893. Einwohnerzahl: angenommen zu 21 500 (incl. 1600 Mann Mtlitä' SterbltLkeitsziffer: 36,96 o/oo bezw. 29.57nach Aussckl.det Ortsfremden. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene : im 1. Lebensjahr: vom 2 —15 Jahr: Diphtherie 5 (1) — 1 4 (1) Lungentuberculose 2 (1) 1 (1) — 1 Acuteentzündliche Erkrankungen der Ath- mungs-Organe 2 1 — 1 Apoplexie 1 1 — — Andere bekannte Krankheiten 4 (1) 3 (1) — 1 Unbef. Todesursache 1 — 1 Summa: 15 (3) 6 (2) 2 7 (1) 31 nm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todeslälle tn der betreffenden Krankheit aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. erwirbt sie sich dort gediegene Kenntnisse unb kommt endlich als Gouvernante in das Haus Lord Rochesters. Hier trifft sie eines Tages mit ihrer Tante und Cousine zusammen, welch' letztere den Lord in ihre Bande geschlagen zu haben glaubt. Dem ist jedoch nicht so, denn jener hat längst erkannt, daß nur die energische, tief angelegte Natur der Jane ihn zu fesseln vermochte. Soweit der Inhalt des Stückes, ein eigentlicher Schluß fehlt, denn was ans Janes Tante und Cousine wird, offenbart die Verfasserin ebensowenig, als den Grund, weshalb Capitain Weptfield auf die Bühne kommt. — Die Titelrolle hatte sich Fräulein Sabine Brünner zu ihrem Benefiz gewählt. Wir haben oft in dieser Saison Gelegenheit gehabt, das künstlerische Schaffen dieser Dame zu bewundern und ihr unseren Beifall zu spenden. Auch die Leistung des gestrigen Abends können wir mit bestem Gewissen unter diese Rubrik einreihen. Sich hütend vor llebertrcibung und doch den Charaeter der Rolle mit markigen Zügen wiedergebend, schuf Frl. Brünner eine Jane Eyre, die sowohl den Jntensionen der Verfasserin des Stückes entspricht, als auch dem weniger gefühlsseligen Beschauer höchst sympathisd) ist. Möge die hochtalentirte Künstlerin auf dem betretenen Wege mit gleichem Muthe und gleicher Schaffensfreude weiterwandeln, ihr wird bann, und davon sind wir fest überzeugt, die höchste Sprosse auf der Leiter ihrer Kunst erklimmbar sein. Daß der Beuefiziantin Gießens Einwohner von ganzem Herzen zugethan sind, das bewies neben den zahlreichen Blumen- spenden nicht zum wenigsten das vorzüglich besetzte Haus, welches sie an ihrem Ehrenabende mit rauschendem Beifall überschüttete. — Die Rolle des Lord Rochester, jenes Sonderlings, der unter einem rauhen Aeußeren ein treffliches Herz birgt, wurde von Herrn Martiensen mit gewohnter Meisterschaft durchgeführt. Vorzüglich war auch Fran Coppo als „Mistreß Reed", ebenso gefiel Fräulein Copp 6 sowohl als „John", wie als „Georgine". Auch die übrigen Mitwirkenden thaten ihr Bestes zum Gelingen der Aufführung. — Todesfall. Nach einem uns heute zugegangenen Telegramm ist der frühere commandirende General des 11. Armee- eorps, v. Gr o Im an, in Barsdorf (Schlesien) gestorben. — Verhaftungen. Gestern wurde ein hiesiger Wirth, der vor einigen Tagen nach Verübung einer Urkunden- j sälfchung flüchtig gegangen, in Hamburg aber verhaftet worden war, hier gefänglich eingeliefert. — Verhaftet wurden gestern: 1) ein hiesiger, schon vielfach vorbestrafter Taglöhner wegen Diebstahls und Betrugs; 2) ein fremder Reisender wegen einer zum Nachtheil eines hiesigen Wirthes begangenen Zechprellerei; 3) ein junger Schreibgehilfe wegen eines begangenen Ge Iddieb stahls; 4 ein hiesiger Taglöhner wegen mehrfach begangener Urkundenfälschungen und Betrügereien, reffen Ehefrau und ein Schreitterlehrlltig wegen Beihilfe hierzu; 5) ein Mensch wegen Obdachlosigkeit und 6) ein hiesiger Taglöhner wegen Ruhestörung. — Ausgetissen. Der wegen Urkundenfälschung verhaftete Wirth war gestern Abend von der Polizeiwache aus flüchtig gegangen und zwar hatte er seinen Weg durch das Fenster genommen. Dem Criminal-Schutzmann Weiß gelang es indeß bald, den Flüchtling wieder einzuholen und in das Polizeigefängniß zu verbringen. — Ernennungen. Ernannt wurden am 12. dss. Mts. der Heizer bei den Oberhessischen Eisenbahnen Ludwig D ern zum Locomotiosührer, — der Hilssheizer Carl Schäfer aus Gießen zum Heizer bei diesen Bahnen, beide mit Wirkung vom 1. Februar l. I. △ Mainz. 24. Januar. Seit heute beginnt der Rh ein hier sehr bedeutend zu steigen. An verschiedenen Stellen quillt das Wasser bereits aus der Eisdecke hervor. Das Betreten der letzteren ist polizeilich seit heute verboten, deß- ungeachtet sieht man noch immer Personen den Strom überschreiten. — Die infolge des gestrigen heftigen Schneefalls entstandenen großen Verkehrsstörungen sind erst zum Theile gehoben. Die Straßenbahn konnte wegen den Schnee- mafsen ihren Betrieb noch nicht wieder eröffnen, ebenso haben die Außenbahnen auf einzelnen Linien noch mit sehr großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Bahnzüge treffen sämmtlich noch sehr unregelmäßig ein. A Aus Rheinhessen, 24. Januar. Am vorgestrigen Sonntag gerieten einige junge Burschen von Ingelheim auf dem Eis bei Freiweinheim mit einem Bäckermeister ans Hattenheim in Streit, wobei einer der Burschen den Bäckermeister erschlug. * Vom Rhein, 24. Januar. Die Gefahr eines Hochwassers im Rheingebiet ist bis gestern Abend nicht gewachsen. Trotz des anhaltenden milden Thauwetters steigt der Rhein nur langsam. Etwas schneller steigen von den Nebenflüssen der Neckar und die Mosel. Gehen die riesigen Schneemasfen, die in Südwestdeutschland liegen, langsam ab, ehe die großen Eisdecken sich in Bewegung setzen, dann dürfte ein ungewöhnliches Hochwasser für diesmal nicht zu befürchten sein. Bei Coblenz treiben Rhein und Mosel kein Eis mehr. Gestern Vormittag trat bei Coblenz wieder leichter Schneefall bei 1 Grad Kälte ein. Unterhalb Düsseldorf hat sich das Wasser einen breiten Durchgang durch das Eis. verschafft und bespült einen großen Theil der Eisfläche, von der sich nach und nach große Schollen ablösen. Kirchliche Anzeige« her Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Freitag den 27. Januar: Feier des Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers: Militärgottesdienst in der Stadtkirche Vormittags 93/< Ubr: Pfarrer Dingeldey Katholische Gemeinde. Freitag den 27. Januar, am Geburtstage Seiner Maseftät des Deutschen Kaisers: Vormittags V2IO Uhr: Militärgottesdie nst; Hochamt mit Predigt und De Teum. 1) 2) 3) 4) F2Ü^Myrrhen-Creme U Deutsch.-ReichspaL 63592 Etnzugsgeld fordern. „ , o . Sobald die Mitglieder der israelitischrn Religions gesell schäft oder doch ein großer Theil derselben in die Rligionsge metnde zurückgetreten sind, löst sich der Vorstand derselben auf und ihr erster Vorsteher und ein zweites Mitglied desselben treten eo ipso in den Vorstand der israelitischen Reltgionsgemeinde ein, so daß dieser künftig, wie tn Darmstadt, Mainz, Worms und Offenbach, Aufgesprungen^ Lippen, wuude Mundwinkel, wnnde Nase rote alle wunden Hau'stellen werden am schnellsten durch Bei Gelegenheit der nahen Vollendung der vergrößerten Synagoge der Religionsgemeinde liegt der Gedanken und der Wunsch nahe, es mochte eine Wiederoeretntgung der Mitglieder der ReligionS- gesellschaft mit derselben stattfi.den. Zu möglichster Erreichung dieses gewiß von Jedem, der es mit ihnen gut meint, erseynten Zieles erlaubt man sied Folgendes in Vorschlag zu bringen. Allbekanntlich haben ursprünglich nicht religiose, sondern pecuniäre Motive die Trennung veranlaßt. Neu in die Gemeinde elntretenbe Muglieder halten entweder ein, nach ihrem Vermogens- ftanbe gesetzlich noimirtes Einzugsgeld, das nicht leiten sich aus G—800 und mehr Mark belief, zu zahlen, dem sie sich nicht unterwerfen wollten; oder sie mußten neben ihrer übrigen Gemeindesteuer für sich und ihre Flauen 34 Mark Platzgeld bezahlen, wozu sie sich um so weniger verstehen wollten, da sie damit noch nicht einmal aciives und passives Wahlrecht bei Vorstandswahlen erlangten, also noch nicht vollberechtigte Gemeindeglieder roii'ben. Es ist nicht zu verkennen, daß beiden Bestimmungen eine gewisse Härte innewohnt; der ersteren nicht blos wegen der hohen Geldforderung, sondern auch weil sie oft ein unliebsames Erforschen der Vermögensverhältnisse der Eintretenden erforderlich macht; der zweiten, weil sie die Geringervermögenden tn gleicher Höhe wie die Vermögenden besteuert und dazu noch aus Beiden minderberechligte Gemeinde-Angehörige schafft. Diesen Mißständen wäre abg bolsen, wenn Der Vorstand der israelitischen Rellgionsgemeinde mit höherer Genehmigung die Receptionsgelder ermäßigte und etwa in 6 Klassen, zu 25, 50, 100, 200, 300 bis höchstens 400 Mk. festsetzte und es dem Ehr- und Rechtlichkeitsgefühle der Einteetendcn anheim- ftellte, sich selbst einzuschätzen und zu sagen, in welche der sechs Klassen man ihn einreihen solle. Damit wäre aller Willkühr und aller Beschwerde vorgebeugt. Wird doch letzt fast überall Sellbsteinschätzung bevorzugt und gibt es doch unzählige politische und religiöse Gemeinschaften, die von NeueMtretenden gar kein oder doch sehr verringertes aus 7 Vorstehern besteht. , , , , ... ., Alle andere Differenzpunkte lassen sich bei beiderseitigem, gewiß vorhandenen gutem Willen leicht ausgleichen, sobald ihr Losungswort: Einigung und Friede ist. Welchen Vortheil beide Theile von ihrer Vereinigung hatten, bedarf keiner Darlegung. Nicht blos gewännen sie als größere Gesammtgemeinde nach Außen und Innen höheres Ansehen und bei gewissen Vorkommenheiten z. B. bei Erledigung des Rabbinats, größere Bedeutung und größeren, vielleicht Aus- schlag gebenden Einfluß: sie ersparten auch die Aufbringung doppelter Eultusbedürfnisse. Eine Synagoge, Ei» Rabbiner, Ein Cantor, Ein Lehrer, Em Schächter, Ein Organist, Ein Rechner, Ein Gemeindedtener, Ein Friedhof, Ein Kranken - Verein, Ein Beerdtgungsverein, Ein Gesangv rein, Ein Armen-Unterstutzungs- verein usw., welcher Gewinn! Und wie viel besser könnten dann ihre Bediensteten gestellt werden! Wenn die Vorstände beider Gemeinden mit dem ernsten Vorsatze, deren Wiederoereinigung zu erstreben, zusammentreten und am ®runb des Obigen oder anderer Vorschläge gemeinschastlich ihr Bestes berathen und beschließen, ist unseres Erachtens an gutem Erfolge nicht zu zweifeln. Sie würden damit eine höchstpreiswürdige, ihnen selbst zur Ehre und ihren Gemeinden zum Segen und Heile gereichende That vollbringen. Jemand, der es mit beiden Gemeinden wohlmeiut! zur Heilung gebracht. Erhäituch L Do,e Mk. 1. - tn Den Apotheken^) *) In Gießen: Pelikanapotheke« Myrrhen-Erome ist der patentlrte ölige und verdickte Auszug des Myrrenharzes. s<19 Eingesandt. Gießen, 25. Januar 1893. Wie aus bem Protokoll der Stadtverordneten Sitzung vom 19. Januar d. Js. zu entnehmen ist, besteht die Absicht, das vor dem neuen Knabenschulhause liegende Gelände, zwischen der Dloibanlaßc unb Steinstraße zur Bebauung an Private abzugeben resp. fft es dazu vorgeseben. Wenn nun auch aus bleiern ©elänbe für die Stadt ein schöner Erlös (circa 20-25 000 Mark) erzielt werden^ kann, so wird sich doch Jedem die Frage aufwerfen: Wie vertragt sich diese Bebauung mit dem so kostspieligen Schulgebäude? Einsender dieses hat nun die Meinung, daß 1) das Licht dem Schulhause von der Straßenseite aus ohne alle Beeinträchtigung erhalten bleiben mutz, da es gerade von dieser Seite sein ndthigstes Bedürfniß ist und es nicht, wie man annehmen muß, durch hohe und möglicher Weise eng aneinander gebaute Häuser desselben beraubt werden darf, daß 2) der freie Blick nach dem Gebäude, welches doch einen Schmuck unserer Stadt bilden soll, ganz verloren geht und daß 3) die Verwandlung dieses Geländes in gärtnerische Anlagen keine so große Kosten verursachen dürfte. m , o Da ohnehin bis jetzt noch kein Mangel an Bauplätzen besteht und man ja siderzeit aus die Verwendung zu Bauzwecken, auch vielleicht zu städtischen Zwecken, zurückkommen kann, glaubt Einsender dieses, daß diese Fiage einer reiflichen Erwägung bedarf und wünscht, daß diese Zetten bei unserem verehrlichen Stadtvorstande nicht unbeachtet bleiben möchten. An die verehrlichen Vorstände und Mitglieder der israelitischen Religionsgemeinde und der israelitischen Religionsgeselisch af l hier. fL «1 direkt auS der Fabrik al,° aus erster Hand v ~ Äcknstch $ Holzversteigerung iw Gietzener Stadtwalde. Montag den 30. Januar 1803, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in dem Distr:ct Waldshute nachoerzeichnetes Holz versteigert werden: A Bau-, Werk- und Nutzholz. 128 Fichtenstämme mit 77,01 Festmeter. B. Brennholz. Scheilh. Knüppelh. Stockh Reish. Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen Nadel 414 307 147,5 5230 Die Zusammenkunft ist an der Licherstraße, 2. Schneise. Gießen, am 24. Januar 1893. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. ___Gnauth._______[812 Illg-- Verpachtung. Am 2. Februar, Mittags 121/2 Uhr, soll die Feldjagd der Gemeinde Grüningen, sowie die Waldjagd der Mark Grüningen und Dorf- Güll auf dem RathhauS dahier verpachtet werden. Grüningen, den 24. Januar 1893. Großh. Bürgermeisterei Grüningen. ________Gilbert. [799 Mittwoch den 1. Februar, Nachmittags 1 Uhr, wird die der Gemeinde Dorfgüll zustehende Jagd auf weitere 6 Jahre verpachtet. Dorfgüll, 24. Januar 1893. Großh. Bürgermeisterei Dorfgüll. ____Kuhl. 792 Main -Neckar -Merhessischer Verkehr. Am 1. Februar d- I. gelangt der Nachtrag I zum Tarif für die Beförderung von Leichen, lebenden Thieren und Fahrzeugen im Main - Neckar - Oberhesstschen Bei kchr zur Einführung. Nähere Auskunft ertheilen die Güter- abfertigungtzstellen- Gießen, den 21. Januar 1893. Großh Dtrection [795 der Oberhessischen Eisenbahnen Donnerstag den 2. Februar, Nachmittags 2‘/8 Ubr, werden auf hiesigem OrtSgericht auf Ansuchen der Hetnr. Konr. «retlingS Erven die dknsrlben zustehenden Immobilien, wie solche in Nr 16. dsS. BlatteS beschrieben sind, sowie außerdem noch: Flur 2 Nr. 43 — 510 m Äcker, Laggäi ten am Wißmarer Weg, Flur 5 Nr. 9 — 850 m Acker an der Lahn und am Wißmarer Weg, Flur 7 Nr. 219 — 4£0 m Acker auf der großen Weide, meistbietend versteigert. Gießen, den 22 Januar 1893. Grobherzogliches OrtSgericht. _______I. A: Hoffmann. 809 Freitag den 27. Januar, Nachmittags 2 Uhr, in der Bieker'schen Hosraithe zu Gießen sollen gegen Bearzahlung öffentlich versteigert werden: 2 Secrctäre, 1 Cassaschrank, 1 Plüsch- garnitur und sonstige MobUien. Engel, 807 Gerichtsvollzieher. Jeilgeöotenes. Aff. gewässert. Stockfisch, I». Angel - «Schellfische, Cabltau, Hecht, Zander, Steinbutt, Kieler Sprotten, ger. Loch«, Kieler Bücklinge, 8 Lt. 20 Pf, wrlsche Hahnen und Hühner, Poularden, Capaunen, Hahnen, Enten rc. empfiehlt «. G. ffleinhenn» Delicatessen-, Fisch u. Grflügelh., Bahnhofttr. 59, Telephon c6. ■W" Frische Apfelfinen u. Eitronen. sämmlliche seinen Käse. |815 Donnerstag vnd Freitag: Schellfische. 820] Emil Orb i g. Frisch geschossene Hasen, sowie [817 Krammetsvögel zu baden bei H. «lotz Mäusbu-g 17. Täglich frtsme LMeUstsche, Sadiiau, Zander, grüne Häringe re. empfiehlt E. Dort, Wolltbc"st>af,e 45. Hasen, fbT WildpretHändler Ebel. Apfelsinen in prachtvoller Waare, L Stück 8 -9,, empfehlen Derbes & Wallenfels, 584] 21 Marktplatz 21. Holzverfteigerung in -er Jürlllichen Obersöillelei Sich. Es sollen versteigert werden: 1 Montag den 6. Februar in den Districlen Konzebühl, Graudorn und Mühlberg, nahe der Chaussee Lich-Gießen: A. Brennholz r c. 91 rm Buchen-Scheiter und -Knüppel; 3,1 rm Eichenscheitholz, 39 rm Elchenknüppel; 19 rm Buchmstöcke, 109,9 rm Eichenftöcke, dabei 0,9 rm Scheitbrocken, 690 Buchenwellen, 6640 Eichenwellen, darunter gute Forstwellen. B. Nutzholz re. Eichen: 5 Abschnitte von 8,72 km, darunter einer von 102 cm Durchmesser und 6,8 m Länge, 10 Stangen — 0,56 km. Eschen: 58 Stämme von 19,16 fm, 43 Stangen von 5,28 km Inhalt. Birken: 12 Stämme von 5,31 fm, 2 Stangen von 0,28 fm Inhalt. Fichten: 1 Stamm von 0,39 fm, 3 Stangen von 0,40 fm Inhalt. Zusammenkunft Vormittags 9'/z Uhr auf der Chaussee am District Konzebühl, Ecke nach Steinbach zu. Dienstag den 7. Februar im District Langeberg: 334,26 fm Fichtenbauholz in 491 Stämmen von 15—38 cm Mittendurchmesser und bis 24 m Länge, dazu weniges Stangenholz. Zusammenkunft Vormittags 9!/2 Uhr im District Langeberg, Ecke noch Ober-Befsingen zu an der Abtriebsfläche. Lich, den 21. Januar 1893. 797 Dr. Dieffenbach. Sappen würze, ebenso Fleinch-Extract in eirz Portionen ä 12 Psp. sind frisch elngeiroffen bet i 7**11 Earl Schwaab, Hoflieferant, Seltersweg. Ausverkauf. Vorgerückter Jahreszeit halber gebe ich eine große Parth e Frauen- und Kinder-Filzschuhe, sowie Frauen- u. Manns-Unterhosen u. -Hautjacken u. f. w. zum Selbsttostenprcis ab. [813 Robert Stuhl, Neustadt 28. MAG GP Krieger-Verein Vießen. Freitag den 27. Januar, Abends 8 Uhr: Feier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers im Bereinslocale (Feidel) QÄ* mit Musik. Die Mitglieder mit ihren Familien wollen sich recht zahl- reich elnfinben. _________ [801 Gießener Radfahr-Verein. Mittwoch den 1. Februar, Abends 8 Uhr: General-V er Sammlung* in Steins Garten. Tagesordnung: Erbauung der Fahrbahn. 822 _ Der Borstand. SMy Der Bereinsabend heute fällt aus. preuMk Lklltral-öli-kncrtdit-lttikllgkskUsihafl in Serlm. Für obige Gesellschaft vermittelt hypothekarische und Communal- Darlehnc vrovistonsfret zu zeitgemäßen Bedingungen 1620 __L. Kauf, Marktplatz 7. Lahischc Pftldk-Ntrschkrungs-Anttaltin üarlsruht. Als Vertreter obiger Gesellschaft für Gießen und Umgegend empfehle ich mich zum Abschluß von Versicherungsanträgen und bin zur Erlheilung jeder Auskunft gerne bereit. Versicherung von Pferden gegen Todesfall, Unfall, Unbrauchbarkeit. Prämie 4—5%, (Entschädigung 80% des versicherten Werthes bei Todesfall und 60°/0 bei Unbrauchbarkeit. Keine Abschätzung, keine weiteren Abzüge. Auszahlung [innerhalb 14 Tagen. [468 Louis Bühl, (Yiesten, Wallthorstraße 36. Theater-Decorationen (Vorhang, Coullssen, Hintergrund etc) auf Stoff gemalt, in künstlerischer Ausführung. Vereinsfahnen, Banner, gestickt und gemalt, Fahnen und Flaggen, beste Qualität zu billigen Preisen. Reichhaltige Preisverzeichnisse versenden wir gratis und franco. [818 Bonner Fahnenfabrik in Bonn a. Rhein. Iermiethungen. Villa Nkbst Garten, von Herrn Kronbauer bewohnt, per 1. April zu vermiethen. 793 Näheres Frankiurterstraße 6, parterre. ~814] SchöneWohnung 5 auch Zimmer mit Zubehör, sowie Wasser! und Bleich- platz, per April zu verm. Ludwigsplatz 4 Ö16] Einfach möbl Stübchen zu v«r- miethen.__Neuenweg 19, II._ 802] Möblirtes Zimmtr zu vermietben. I. «ruold Wwe., Asterweg 23. Wermischie Anzeigen. Cafe Leib. Auf die Anfrage vom 22. Januar die ergebene Mittheilung, daß der Entree-Maskenball in der Woche vom 5. bis 11. Februar bestimmt abgehallen wird. 821] Hochachtungsvoll Gustav Gühlholtz. Freitag, 27. d. M. . Jaskowski: Geburtstagsfeier Sr. Majestät des Kaisers. [796 806 Zuschneide - Unterricht. r Gebe in der Zeit von vier Mocken gründlichen Unterricht im Auschnetdin von Damen« und Kinderkleideru, im Sinrtchten u. Zusammenffellen derselben. Preis 20 Mk. Anfang Samstag den 28. d. M1S., Morgens ron 9—12 urb Nachmittags von 2— Uhr. wahrer Schatz fOrdie unglücklichen Opfer der Selbat- befleciung (Onanie) und geheimen Aus- Schwellungen hl dis berühmte Werk . Dr. Retan's Sellistliewaliriiii.il Le»e ei Jeder, der en den schrecklichen Folgen dieses Lutere leidet, seine sufrich- ügeu Belehrungen retten (Shrlich Tausende vom sichern Tode Zu beziehen durch de» Verlege - Mneey.in in Leipzig, Neumark« 34, sowie durch jede Buchhandlung ~1249] Gertrud Freth, Neuenweg 5, 1. Etage. Ein ! 794) Junger tüchtiger Bursche vom Lande sucht Stelle als HauSbursche u. s. w. • Näheres in der <^rped d. Bl.__________ Ein ordentliches Dienst Mädchen für die Frauenklinik gesucht. 819 6^3] Eine zuverlüsfige Vftan oder älteres Mädchen welches Liebe zu Kindern hat, tagsüber auf sofort gesucht. Näheres in der Exp. d. Bl. 810] Ein Lchreinergeselle gesucht! von_________K. Koch, Steinstraße 17. \ 8'-'3] Ein HauSburfche gesucht _ Eberh. Metzger, Neustadt 8. , 798] «in HauSbursche, welcher mit1 einem Pferd umgehen kann, auf soso t gesucht. Hermann Bogt, Backerei, ___Selbrsweg. ^749| Zuvrrläsfige Frau od Mäd- chen tagsüber auf sofort gesucht. Wo? sagt die Exped. d. Bl. 758J 3tvei Bursche«, welche die Schule verlassen und das Kautabakspinnen erlernen wollen, können sich melden bei Georg Philipp ttzail. SN8F Wer Sprachen kennt, ist reich zu nennen. Das Meisterschafts-System zur praktischen und naturgemäßen Erlernung der franwiischen, englischen, italienischen, spanisl^en. portugiefifchen, Holland • schen, dänischen, schwedischen, polnischen rnsfischeu and böhmischen Greachdite- und TT mgangaaprache. Eine neue Methode, in 3 Monaten eine Sprache sprechen, schreiben und lesen zu lernen. Zmn Selbstunterricht von Dr. Richard 8. Rosenthal Französisch - Englisch - Spanisch, Polnisch compl. i je 15 Lectionen h 1 x Italienisch — Russisch, complct in je 20 Lectionen h 1 Schlüssel hierzu » 1 Mk. 50 Pf. Portugiesisch - Holländisch - Dänisch — Schwedisch — Böhmisch, com- Plet in je 10 Lectionen h 1 Probedriefe aller 11 Sprachen ä 50 Pf. Leiprig. Kosenthai'sche Keriag,Handlung. trostreichen Worte am Grabe. [804 Die tieflrauerndrn Hinterblikbenen: Fr. Rüger und Kinder. Danksagung. Für die große Theilnahme und reichen Blurnenspcnden bei dem uns so schwer betroffenen Verluste unserer lieben Gattin, Mutter und Tante sa^en wir Allen unseren herzlichen Dank, insbesondere Herrn Pfarrer Dr. Grein für die so liebevollen und früh unser Hof Todes - Anzeige. Nach kurzem schweren Leiden entschlief heute innigst geliebtes Töchterchen Anua. Die tieftrauernde Familie Heinrich Wetzsteingasse 34. Gießen, 24. Januar 1893. Todes Anzeige. Hiermit die traurige Nachricht, daß unser lieber Gatte, Vater, Bruder und Schwager Herr Johannes Fischer, Bremfer an der Main-Wcser-Bahn, durch einen plötzlichen Tod uns entrissen wurde. Um stille Theilnahme bitten Die trauernde» Hinterbttedenen. Gießen, den 25. Januar 1893. Die Beerdigung findet Donnerstag Nachmittag 2 Uhr vom Friedhöfe aus statt. [805 Conrsbericht von E. Wasserschieben, Bankgeschäft. Frankfurter Börse vom 24. Januar 1893. Schlußcourte 1 Uhr 15 Min. 3 pEl Reichsanleth« 3