sreiOÄ'i trfraM^Sv SK- 1893 Samstag den 25. November Nr. 278 Erstes Blatt Amts- und Anzeigeblntt für den Tireis Gietzen. Hratisbeilage: Gießener Kamilienötätter Amtlicher Theil i-HM«! Unnahmr von Mnjtigtn ju der Nachmittag» für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr. 1707] Ein IVtläMttW/ grlsbnzn Rasse wir.1 > ht von SBortitber flr in, Kreis Wetzlar S. D. 6iki Franj ki • Die Gießener fljeetrtte»ri(ltr »«der' dem Anzeiger ichcheutlich dreimal dalgelegt. a» Mügeln ttttbf n- rben unter Garantie--i s. igesühtt. Der S4«tze»er Anzeiger «fcheiM täglich, mtt Ausnahme de» MoMag». Deutscher Reichstag. 3. Sitzung. Donnerstag den 23. November 1893. Am BundeSrathtzttsche: Reichskanzler Graf Caprivi, Staats- lecretär Frhr. v. Marschall, o. Bötticher, Graf Posadowsky, Minister v. Heyden u. A. Der Antrag der Socialdemokraten auf Aufhebung der gegen die Abgg. Bneb und Herbert schwebenden Strafverfahren für die Dauar der Session wird nach kurzer Begründung durch Abg. Singer de battelos angenommen. Es folgt erste Berathung der Handelsverträge mit Spanien, Rumänien und Serbien. Abg. Graf Limdurg-Stirum (conf.): Die vorliegenden Verträge oerrathen ebenso wie die früheren die Neigung, Handelsverträge * tout prix abzuschließen und der Landwtrthschaft die Kosten -dafür aufzuerlegen. Die Verträge werden für einen großen Theil Alle Annoncen-Lureaux de» In- und Auslände» nehm«« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. kanzler wird es als ein unsterbliches Verdienst angerechnet werden, daß er endlich mit der verderblichen Schutzzollpolitik des Fürsten BiSmarck gebrochen har. Was ein Zollkrieg bedeutet, fehen wir jetzt in unseren Ostprootnzen. Wird der Vertrag mit Rumänien abgc- lehnt, so haben nur Oesterreich und England den Vortheil. Wir haben auch das Interesse der Landwirthschaft im Auge. Der Bund der Landwirthe schädigt dasselbe, indem er vernünftige Reformen hx der Bewirthschaflung der Güter u. f. w. verhindere. Die dem Reichskanzler zugeschobene Aeußerung über das Verschulden des Grundbesitzes ist eigentlich daS Mindeste, was man darüber sagen kann. Mit der Ablehnung dieser Verträge wird der Landwtrthschaft nicht genützt, die Industrie aber geschädigt und damit indtrect auch die Landwtrthschaft. (Beifall links.) Abg. Dr. Lieber (Ctr.): Wir stimmen der Verweisung der Verträge an eine Commission zu, weil wir sonst hier im Plenum auf stürmische Debatten gefaßt sein müßten, die einen ungünstigen Eindruck nach Außen hin machen könnten. ES könnten dabet dem Auslande leicht Schwächen gezeigt werden, die dann zu unserem Nachtheil ausgebeutet würden. Es ist nicht nöthig, für diese Verträge zu stimmen, weil wir für die früheren gestimmt haben, denn überzeugen wir uns, daß das ein Fehler war, so brauchen wir den Fehler nicht zu wiederholen. (Hört, hört! links.) Wir halten die bisherigen Verträge indeß für keinen politischen Fehler, sondern für eine Großthat der neuen Aera. Wir sind uns auch bewußt, gerade der Landwirthschaft mit den Vertragen einen Dienst erwiesen zu haben. Denn wir haben ihr gerade in einer Zett des Ansturmes gegen die Kornzölle infolge der Mißernte den Zollschutz auf eine Reihe von Jabren gesichert. Durch die Verträge mit Oesterreich- Ungarn und Italien ist auch unser politisches Bündntß gestärkt worden. Bei den neuen Ve« trägen fällt dieser Grund fort. Dieselben bedürfen eingehender Prüfung. Auch mit Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungen mit Rußland empsehle sich Commtssions- Vorderathung. (Beifall im Centrum.) Abg. Graf Kanitz (conf.): Der Staatssecretär des Aeußern hat über den Bund der Landwirthe Aeußerungen g'ethan, die sich nur daraus erklären, daß er nicht preußischer Unterthan und über die Stimmung im Lande nicht genügend tnformtrt ist. (Lebhafter Widerspruch links, Beifall rechts.) Die deutsche Landwtrlhschast steht für die nächsten zehn Jahre unter ungünstigeren Producttons-Be- dingungen als früher. Die deutschen llnterbänbler mögen ihre Schuldigkeit gethan haben, aber man hätte die Tarif-Autonomie ausrecht erhalten sollen. Stände es so günstig um den Export, wie in der Begründung der Verträge gesagt werde, weshalb klagt dann alle 2ßelt ? Die Erregung ist in die landwirthschaftltche Bevölkerung nicht künstlich hineingelragen, sondern durch die Handelspolitik er- 0 worden. Bei den heutigen Getretdepretsen werden die Pro- onskosten nicht gedeckt. Der Zollausfall komme unter den heutigen Verhältnissen auch in Betracht. In den zehn Jahren, für welche die Verträge abgeschlossen sind, haben wir mit Hunderten von Millionm Zollausfall zu rechnen. Anstatt die neuen Verträge abzuschließen, sollte man sich lieber mit der österreichischen Regierung wegen Rückgängigmachung des Handelsvertrags in Verbindung setzen. Dann brauchen wir auch keinen Vertrag mit Rußland. Reichskanzler Graf Caprivi: Der Vorredner bemängelte eine Aeußerung des Staatssecretärs des Auswärtigen deshalb, weil derselbe nicht preußischer Unterthan sei. Ich bedauere dies vom nationalen wie vom Standpunkt des Beamtenthums aus, denn im Reichstage sind wir nur Deutsche und wollen als Deutsche behandelt sein. Weiterberathung morgen 1 Uhr. Außerdem Verordnung, betr. die Zollzuschläge gegenüber Rußland, Handelsvertrag mit Columbien und kleinere Verträge. MtitM Deutsches Reich. — In der bayerischen Abgeordnetenkammer sand am Mittwoch eine lebhafte Debatte über die vom Cen- tAum wie von Seiten der Liberalen gestellten Anträge auf Aufhebung der Steuerfreiheit der Standesherren statt. Derjenige der Liberalen wurde mit 76 gegen 67 Stimmen ab- gelehnt, dagegen genehmigte die Kammer den allerdings lange nicht so radicalcn Antrag des Centrums. Nach letzterem soll eine Untersuchung über den fiscalischen Umfang dieser Steuerfreiheit eingeleitet werden, um den Betrag festzustellen, welcher für die eventuelle Ablösung innerhalb der verfassungsmäßigen Zulässigkeit erforderlich ist. — Die Wiedergenesung des Fürsten Bismarck schreitet, gutem Vernehmen nach, zwar erfreulich, aber immerhin noch langsam fort. Er ist genöthigt, sich noch immer eine gewisse Schonung aufzuerlegen, doch besteht die Hoff« nung, daß der Fürst bis zum Frühjahr wieder in den Vollbesitz seiner früheren Kräfte gelangt sein werde. — In den „Hamburger Nachrichten" findet sich ein be- merkenswerther Artikel über die deutsch-russischen Beziehungen unter dem alten und dem neuen Coursey der Aufsatz scheint von Friedrichsruhe aus „inspirirt" zu sein. In demselben wird die Schuld an der Verschlechterung des deutsch-russischen Verhältnisses lediglich den Handelsverträgen Deutschlands mit Oesterreich u. s. w., sowie der veränderten Politik der preußischen Regierung gegenüber den Polen zugeschrieben. Ferner wird in dem Artikel behauptet, daß 1879 keineswegs die „Drähte" zwischen Berlin und Petersburg durch den Fürsten Bismarck durchschnitten worden seien, sie hätten sich vielmehr bis zum Rücktritte des Fürsten als vollkommen haltbar und zuverlässig erwiesen. — Der deutschen Colonialpolitik ist durch den Vertrag zwischen Deutschland und England über das Hinterland von Kamerun ein neues Feld eröffnet, denn durch den Vertrag sind die weiten und fruchtbaren Gebiete von der bisherigen Ostgrenze Kameruns bis zum Südufer des gewaltigen Wadsees der deutschen Interessensphäre zugesprochen worden, womit die deutsche Unternehmungslust auf afrikanischer Erde abermals ein großes Gebiet zugewiesen erhalten hat. Das erwähnte Abkommen erfährt allerdings von verschiedenen Seiten eine abfällige Kritik, da in demselben England wiederum unverhältnißmäßig bevorzugt worden sein soll. !] Sind. »Ml. attutrtte I««»* rrssm an dir sin junger aogthtt' Comnn ein Fabrik'E°»' kchriA cß-r"» - isnnsprüchm bk Bekanntmachung, ! öetreffenb Feldbereinigung in der Gemarkung Ruttershausen, hier Offenlegung der Arbeiten des I. Abschnitts. In der Zeit vom 15. November bis einschließ- liah 29. November 1893 liegen auf dem Bürger- nloisterei-Bureau zu Ruttershausen die Arbeiten des I. Abschnitts der rubr. Feldbereinigung, nämlich: 1. der allgemeine Meliorationsplan, 2. der Erläuterungsbericht, 3. das Protocoll über die Prüfung des allgemeinen Meliorationsplans zur Einsicht der Betheiligten offen. Termin zur Entgegennahme von Einwendungen gegen b>?fe Arbeiten habe ich auf Donnerstag den 30. November d. I., Nachmittags von 3—5 Uhr in das Gemeindehaus zu Ruttershausen anberaumt. Die in . tiefem Termin nicht Erscheinenden sinb mit Einwenbungen ausgeschlossen. Gießen, ben 11. November 1893. Der Vollzugscommiffär: Dr. Wallau, Großh. Kreisamtmann. Neueste Nachrichtenr. 5. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 23. November. Gegenüber der Frage der „Franks. Ztg.", weßhalb die Gehälter der Poft- und Telegraphen-Direetoren über die Köpfe der Ober» Postseeretäre hinweg erhöht worden seien, führt die „Nordd. Allg. Ztg." aus, daß die Besoldungsaufbesserung der Post- und Telegraphen-Direetoren außer Zusammenhang mit der Frage der allgemeinen Gehaltserhöhung stehe. Die Auf- befferung war bereits geplant, bevor jene Frage angeregt wurde, sie bezwecke, die unzulänglichen Gehälter der Post- und Telegraphen-Direetoren entsprechend ihrer Verantwortlichkeit und ihrer Dienstleistung aufzubessern und mit den Besoldungen der im gleichen Range befindlichen Beamten anderer Verwaltungen auf eine Stufe zu bringen. Für eine Ausbesserung des Gehalts der Oberpostseeretäre ertheilt der Reichstag nicht die Zustimmung. Berlin, 23. November. Der Bundesrath hat in seiner heutigen Sitzung den Entwürfen von Vereinbarungen über erleichternde Vorschriften für den wechselseitigen Verkehr zwischen den Eisenbahnen Deutschlands, der Niederlande, Oesterreichs und Ungarns, sowie der Schweiz den betreffenden Ausschüffen überwiesen, und dem Gesetzentwurf, betreffend die Abzahlungsgeschäfte, seine Zustimmung ertheilt. Antwerpen, 23. November. Der hier eingetroffene englische Dampfer „Amulet", von Leith kommend, hatte elf Matrosen von dem norwegischen Dampfer „Cato" aa Bord. Die Matrosen hatten ihr Schiff infolge Schiffbruchs Der» lassen müssen. Depeschen dc8 Bureau „Herold". Darmstadt, 23. November. Nach den „Hessischen Volksblättern" erhielt die verwittwete Prinzessin Battenberg vom Kaiser von Rußland und sämmtlichen Großfürsten. Beileidstelegramme. i9fte" Pr-is«, k olle!!] wbMM mit dtliiigftit w tat Mgflui atiftt* Löhs Mt. Ml. des Landes nur Nachtheilc bringen, da die deutschen Unterhändler unsere Interessen nicht ausreichend gewahrt haben. Bei Abschluß der ersten Verträge waren die ausländischen Unterhändler ganz erstaunt, so leicht davon zu kommen. Sie hatten noch Concessionen in der Tasche, die ihnen nicht abgenöthigt wurden. (Zustimmung rechts. Abg. Rickert: Woher wissen Sie denn das?) Es ist auffallend, daß man Spanien gegenüber keine Herabsetzung des Sprit- zolles durchsetzen konnte. Unsere Hauptdebatten richten sich gegen den Vertrag mit Rumänien, bei welchem das exportbegünftigende Goldagio jenes Landes nicht berücksichtigt ist. Unsere Landwirth- schaft muß mit Entschiedenheit daraus bringen, daß die Regelung der Wäbrungsstage endlich in die Hand genommen werde. Wir können uns jetzt für unsere Auffassung auf den italienischen Ministerpräsidenten Giolitti berufen. In der Denkschrift fehlt eine eingehende Beleuchtung des finanziellen Effects der vorgeschlagenen Tarifherabsetzungen. Wir beantragen deshalb Verweisung der Verträge an eine Commission. Jedenfalls werben wir keinem Vertrage zustimmen, der der Landwirthschaft neue Opfer auferleat, denn es hat sich immer mehr die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß die früheren Handelsverträge ein schwerer politischer Fehler waren. Man hätte nie und nimmermehr die Getreibezölle als CompmsationSobjecte zugestehen bürfen. Wir wollen ben Fehler nicht wieberholt sehen. Welche Stimmung im Lanbe herrscht, barüber kann sich bie Regierung au8 ben letztenLandtagswahlen belehren. (Beifall rechts, Wiberspruch links.) Staatssecretär Frhr. v. Marschall: Bei ben oorliegenben Verträgen hanbelt es sich wesentlich um bas Zugestänbniß unseres Conventionaltariss gegen angemessene Gegenconcessionen. Die un- freunbliche Kritik ber Verhanblungm seitens bes Vorrebners hat keinen Werth, ba ber Vorrebner feinen Einblick in biese Verhand- lungen hatte. Für unsere Vertragspolitik spricht vor Allem bie allmälig fteigenbe Hanbelsbilanz. In ben ersten neun Monaten bieses JahreS ist bie Einfuhr um 50 Millionen gefallen, bie Ausfuhr um 187 Millionen gestiegen, währenb in Frankreich bie entgegengesetzte Bewegung stattfinbet. Wir stehen mit unserer Hanbelsbilanz auch besser ba, als bie Staaten, mit benen wir Verträge geschlossen haben. Oesterreich-Ungarn hat gerabe von ber Herabsetzung unserer Getreibezölle keinen Nutzen gehabt, ba seine Getreibeausiuhr nach Deutschlanb ganz erheblich gesunken ist. (Hört, hört! links.) Von einer Ueberschwemmung Deutschlands durch österreichisches Getreide ist also keine Rede. Die Handelsverträge haben gehalten, was wir davon gehofft: sie haben uns den Markt für eine längere Reihe von Jahren gesichert. Durch diplomatische Kniffe war nichts zu erreichen, da in Handelssachen die Dinge klar liegen durch die Statistik. Wir standen vor dem Ablauf aller Verträge und damit vor der Gefahr, daß unsere Industrie ihren Markt einbüßte. Hätten wir die Verträge ablaufen taffen, ohne Vorsorge für die Zukunft zu treffen, so wäre das ein schwerer Fehler gewesen. Ohne Herabsetzung ber Getreibezölle war bet Abschluß neuer Verträge nicht möglich. Die Landwirthschaft hat burch bie Verträge ben Vortheil, baß ihr ber, allerbings ermäßigte, Zollsatz auf eine Reihe von Jahren gesichert ist. Autonome Zölle mit Zuschlägen bringen, wie bie Erfahrung lehrt, keinen Vortheil. Bei einer allgemeinen Schäbigung der Handelsbilanz kann auch die Landwirthschaft keinen Vortheil haben. Die Regierung erkennt die Nothlage der Landwirthschaft an und thut, was sich dagegen thun läßt; aber der Schwerpunkt der Agrarfrage liegt doch nicht im Zollsätze und was der Bund ber Lanbwlrthe oerfünbet, ist nicht ber Gipfel ber Weisheit. Durch biese Agitation werben bie Lanbwlrthe nur von dem rechten Wege der Reform abge- brängt, man erweckt Hoffnungen, auf welche Enttäuschungen folgen müssen. (Wiberspruch rechts.) Die, welche jetzt bie hohen Zölle oertbeibigen, vertraten früher ben Satz, baß das Auslanb ben Zoll bezahle; sie kommen bamit mit sich selbst in Wiberspruch unb geben ben Gegnern ber Getreibezölle eine furchtbare Waffe in bie Hanb. In normalen Zeiten ist die Roggeneinfuhr zu gering, um beftimmenb für ben Preis zu sein; daraus ergiebt sich, daß wenn wir heute den 5 Mark-Zoll allgemein noch hätten, bie Landwirthe nicht einen Pfennig mehr erhalten würben. Beim Weizen liegt bie Sache etwas anders; die Ueberschwemmung, unter ber wir leiben, rührt von bem Aufschwung bes WeizenbaueS in Norbamerika. Hatten wir bie Vorlage nicht, so würben wir bem verderblichen Softem beweglicher Zölle zusteuern. Während auf der einen Seite Zölle von 10 unb 12 Mark geforbert würben, strebt man auf ber anbern auf bie gänzliche Beseitigung hin. Dem gegenüber hat bie Regierung ber Lanbwirth- schafl stetige Verhältnisse gesichert. Vorrebner irrt, wenn er Rumänien zu ben ein Golbagio erhebenben Staaten zählt, Rumänien hat bie reine Golbwährung. (Heiterkeit.) In Italien bürste bie Zeit bes Golbagios nur oorübergebenb fein. Auch hier steht übrigens bie Frage so: würben wir ohne bie Verträge mit Oesterreich-Ungarn unb Italien besser stehen? DaS Agio würbe auch bann in bie Erscheinung treten. Die Herabsetzung ber Zölle ergiebt allerbings einen finanziellen Ausfall, aber wenn nach den Wünschen des Vorredners die Einfuhr ganz verhindert würde, so hätten wir gar keine Einnahme mehr. Das Verlangen deS Vorredners scheint überhaupt dahin zu gehen, daß Deutschland seine Zölle immerfort erhöhen und die Regierung dasür sorgen muß, daß die anderen Staaten die ihrigen ermäßigen. (Heiterkeit.) In subjectiver Kritik hat Vorredner das Menschenmöglichste geleistet, objectiv hat er nichts Erhebliches gegen die Verträge vorgebracht; ich hoffe deshalb, daß sie die Zustimmung des Hauses und des Landes finden werden. (Beifall links.) Abg. Rickert (freif. Vereinigung): Woher weiß Graf Limburg, daß auswärtige Vertreter Concesfionen in ber Tasche hatten, ohne daß die unserigen danach gefragt hätten? Es war nicht patriotisch, das hier zu sagen, anstatt dem Reichskanzler davon Mittheilung zu machen. Die Währungssrage bient nur ber Stimmungsmacherei. Wenn Sie Jemanb sagen, er könne bei Abzahlung feiner Schulben in Silber 25 pCt. oerbienen, so versteht er bas; baß aber gleichzeitig ber Arbeiter 25 pCt. von seinem Lohn einbüßt, das sagen Sie nicht. (Widerspruch rechts.) Die vorliegenden Verträge sind die logische Consequenz der früher abgeschloffenen unb Sie sollten bem Reichskanzler bauten, baß er Ihnen ben Getreibezoll von 3,50 Mk. auf weitere zehn Jahre gesichert hat. Für den Vertrag mit Oesterreich stimmten auch Frhr. v. Manteuffel mit 19 Conservatioen. Graf Kanitz erklärte sich damals entschieden gegen einen Differentialzoll. Wenn die Herren confequent fein wollen, müssen sie für diese Verträge und den Vertrag mit Rußland stimmen. Dem jetzigen Reichs- «■’S? Wie- li ffn' -■ * HafeiD chS», Mit' un)JU#Nr»|t . KreOM, f'1 22 Vferbe M M W M Miaust. wolle s Caffee )0 w per -/. i * WaUach, | stKaffee-Brennerti, .r p - f Gießener Anzeigers Kenerat-Mnzeiger. 29 ckiwalb (Ecke Nordanlage und Asterweg) angebracht wird, sondern an dem etwas zurückstehenden Spalier des rum Hause gehörigen Vorgartens. Unterm 3. Juli 1890 faßte die Stadtverordneten-Der- sammlung den Beschluß, alljährlich im Herbste Gratifi- cationen an solche städtische Taglöhner zu verwilliaen, welche während der Bausaison in städtischen Diensten ver- blieben und sich durch tüchtige und anhaltende Arbeit auS- gezeichnet haben. Diese Gratifikationen bewegen sich zwischen Bon hi,r r* I ^,Uk.bt 20 $f0' pt° P"s°n und Arbeitstag. Nach d-r vom fl* Slodtbouomt v°rgel-gt-n di-sb-züglicheu List- wür-n in di-i-m 1?20-80 Mk- ou-zuzahl.n und zwar '.6 ^7'" die Straßenkehrer (Höchftbetrag für einen Mann 2?2 152k. QP die Arbeiter in den Feldwegen, 212 Mk. an die Straßenarbeiter, 154 Mk. an die Canal- arbelter, 79 Mk. an die Wiesenarbeiter, 275 Mk. an die Mtt dem Anbau an das ehemals Bourgeois sche b£r h" f’* die Nothwcndigkei, ergeben, den schahhast gewordenen Verputz an dem st-hengebli-benen genannten Hauses zu erneuern. Die Baudeputation ^Qnrt\Q0t,i bUJ* ^ufmalen von Fachwerk den alten Theil bcb ^U c8 ““ dem Eckanbau in Einklang zu bringen. Es E?^diesem Anträge stattgegeben und die auf 200 Mk. ein ->n-S Theil« bereits auSgesührter W-Ißbinderurb-it-n veranschlagten Kosten bewilligt. r, ®a6 ursprünglich nur bis zur Stadtbach vorgesehene Ver- setzen von Bordsteinen für daS Trottoir in der Kirch st raße ist blS zur Wetzsteingasfe ausgedehnt worden. Die über die lOOOSO9™? 55otbft'ln' ausgestellte Rechnung in Höhe von 1090.50 Mk. wurde gutgeheißen. e. SI6oIf 4>o6 Hot sein bereits früher gestelltes Gesuch um Ausbau d-r Schütz-nstruß- wiederholt un!> damit begründet, daß die Straß- über di- Halst- (mit 12 Hausern) bebaut und somit die Stadt zum Ausbau Der pachtet sei. Die Baudeputation hat daS Gesuch dem Stadt- b°uauit mit dem Auftrage überwiesen, darüber zu berichten, ob die Bestimmungen des § 20 der Allgemeinen Bauordnung hier anwendbar seien, bezw. ob dem Ausbau der Straße sonst Schwierigkeiten entgegenstehen. DaS Stadtbauamt berichtete, daß die Straße nach ihrer Durchführung bis zum Gleiberger Weg 28 Baustellen erhalten würde, bebaut sind zur Zeit wenn man beide Seiten in Betracht zieht, von 456 Meter am-„ vr. z J f hinter der Straßenflucht liegende Mandler'sche Haus abgerechnet wird. Das Bauamt berichtet ferner, daß nur ein Theil der Keller- senster über dem künftigen, der Rodheimerstraße entsprechenden Strußeumveuu sich b-find-n, währ-nd für di- ti-s-rgel-g-nen Rener ine Anlage von Lichtschächten vorzusehen fei. Das Stadtbauamt hat die Anwendbarkeit des § 20 der Allgemeinen Bauorbnung verneint, jedoch empfohlen, dem auf Herstellung ,cr ®traBc lautenden Gesuche aus Gründen der Billigkeit in entsprechen, namentlich wenn sich bezüglich des Geländeerwerbs usw. Schwiengkeiten mit den Anliegern nicht ergeben sollten. ~lc Versammlung beschloß Annahme des Vorschlags des Stadtbauamtes und danach Einleitung von Verhandlungen mit den dortigen Hausbesitzern, im Falle günstigen Ausgangs der Verhandlungen soll der Ausbau der Schützenstraße demnächst »ewirkt werden. Der Voranschlag der Vorschule des Gymnasiums ür 1894/95 wird nicht beanstandet. Derselbe gleicht sich aus in Einnahme und Ausgabe mit 5120 Mk. Die Vor- chule erfordert einen jährlichen Zuschuß aus der Siadtkaffe im Betrage von 800 Mk., 140 Mk. mehr als im Vorjahre «V™,l8'lb r’nb 4320 Mk, für Besoldungen *iöUU J/lu Bezüglich einiger Bemerkungen Großh. OberrechnunaS- kammer zur Rechnung der Stadt für 1891/92 werden be8 ulten Rathhauses haben sich nachträglich Arbeiten nöthig gemacht, deren Kosten eine Er- Weiterung des vorgesehenen CreditS erforderten. Es mußten onXT rn™r*' k?"«'ung° und Gieb-,Verkleidungen b,r ®etterMne uusg-st-ll-, sowie di- Reinigung der Uhr vorgenommen werden. Außerdem war die Be- “nt6 neuen Herde« für die Ra.hsdienerwohnung, B s Erneuerung der Fens,-rb-schläg- nöthig geworden mornTTT8 ?e,^lc6‘ Bewilligung des nunmehr aus 1270 Mk. gesteigerten CreditS. Graz, 23 November. Die Gröfin-Wittwe Hartenau bat mabl«^na'w 8t8EbC"' b“6 bie Ccld>c ihres Ge- -ransportirt werde. Man erwartet die Weiche nächsten Sonntag m Sofia, wo sie in d-r St. üed- wigskirche beigesetzt werden soll. Kopenhagen 23. November. Der Gesetzentwurf, betr. daS communale Wahlrecht und die Wählbarkeit ™J*XaüZn' toUrbe mit 39 Segen 13 Stimmen in dritter Lesung angenommen und dem Landsthing übersandt. Kopenhagen. 23. November. Ueber das Unglück an eitle 3Ut[anb ^nd g-ft-rn Nachmittag 4 LT ? E'"8E°°ng.n. B-i Agg-r ftrand-t-n drei 8*f*c,rb0.0,e und k-nt-rt-u, wobei 13 Fischer er,ranken- nach Haustholm zu -rlttt-n noch neun Fischer das nämliche Schitb ® :AlT*nitn rmx 27 SIWer ln den Wellen umgekommen. Biele Fischer wurden unter d-r Küst- von d-n Rettungs- b°°°usg°n°mmen, b-i Fjaltring und F-rring all-in vi-r Bootsbesatzungen. l Ortung „Hosmannftraße" in Vorschlag gebracht' und dieselbe damit begründet, daß das Andenken an den ver. I swrbenen einzigen Ehrenbürger der Stadt, Geh. Rath Pros I und d-ff-u Verdienste sowohl um di- Wisien- ®lE6en h„rU* SR “6 des Liebigdenkmols in Gießen, durch Benennung einer Straß- nach ihm dauernd -Erstanden Bersammlung ist mit dem Vorschlag- Die Hauptversammlung des CberfrefUtoee «elAithtk “roe!n8T)fanb Astern Abend un feines Großherzogs an beseelte Gefühl, die dem Heimgej^^ gezollte Liebe und Verehrung auf seinen Sohn und NachiL»» zu übertragen, hat allerorts tief Wurzel geschlagen. feinem unvergeßlichen Vater hat unser Großherzog L- Ludwig hohes Interesse für die Förderung von Handel r Gewerbe, von Industrie und Landwinhschaft, für Runh a Wissenschaft gezeigt, sie finden, weil die Wohlfahrt unicra engeren Vaterlandes begründend, in unserem Landesherr- rat* hervorragenden Gönner und Beschützer. Die speciell L ließen hocherfreuliche Gewißheit, in den nächsten Taz? unfern allverehrten Großherzog bei dem Besuche unirr. S^dt bie sichtbaren Zeichen der Anhänglichkeit und kteke persönlich zu beweisen, soll die Einwohnerschaft Giejen, n-ät galten, am morgenden Tage schon mit dem ganzen . Hessenlande sich zu vereinigen in dem gemeinsamen öunitc ®ott schütze, segne und erhalte lange unser, Großherzog Ernst Ludwig, daS ganze örov herzogliche Haus und unser Vaterland.' die von der Oberrechnungskammer geforderten Beschlün, vier Rubriken der Rechnung nachträglich gefaßt. ' DaS Gesuch des Herrn Georg Löhr um aon-.: ium WirthschaftSbetrieb in der bisherigen Winhschaf, JraubeA in der KaplanSgasse wird durch Bejahung der'! dürfnißfrage im Sinne des GefuchstellerS erledigt. 1 Coem Fürsten zu Di-ii :r Personen (n-A-deec- x Arntzburg, W ittn so viel erreicht, tojc lLnne-auch Mn Seite. Ihnen allen 1"“* mer Muieurn gemacht w Vereins "ft z 3121 Mark, bie W uar weiter iw W’r enrariftrung»« @»* 12800 Mark gegen y ch bet »•>!»**; A. Setbitupe ta- „ hytin ben pr. Haupt/.^juj .ßrath £ ®btI ’S»* lich.« «£>*1 AaH und ^sschüldirec^ । wfjJÖ*' * obnrd> ot» bauliche Verwandschaft beider Castelle dargelegt wurde. Durch diesen Vortrag gewannen die Zuhörer einen lehrreichen Einblick nicht nur in daS Bauwesen der Römer, sondern auch in die Strategie ihrer Zeit, sowie ihrer sonstigen Lebensgewohn- 5eiten und Gebräuche. Eine hübsche Sammlung von Urnen, Salbentöpfen, Schalen, Legionsstempeln, Ziegeln, sowie Gegen- itänbe aus Eisen waren ausgestellt. Am Schlüsse seines mit oroßem Beifall aufgenommenen Vortrags richtete Herr Dr. Sandmann an die Anwesenden die Bitte, falls ihnen römische Münzen zur Verfügung ständen, Copien davon dem Herein zu überlassen, es sei bis jetzt noch nicht möglich gewesen, solche aus hiesiger Gegend stammende Münzen zu er- b alten. Weiter theilte er mit, daß ihm von einem Freunde 50 Mark zur Verfügung gestellt wurden, die zur Vornahme weiterer Ausgrabungen verwendet werden sollten. An den Vortrag schloß sich noch eine kleine Besprechung über interessante Gegenstände. U. A. erläuterte Herr Dr. Landmann cit Einrichtung einer römischen Villa und gab Andeutungen iiber die Stärke der Besatzungen der beiden besprochenen CastrumS. — Herr Dr. Ebel gab schließlich einige Auf- t ärungen Uber die Anlage von Kloster Arnsburg selbst und machte die Versammelten mit einem aus dem Jahre 1776 n-ammenden Statut eines Gießener Vereins bekannt, bei dessen .Zusammenkünften nur Kaffee getrunken werden sollte. Diesem Verein gehörte auch der ßtud. Fr. Chr. Lauckhardt an, der aber weniger der Mäßigkeit zu huldigen schien, denn die Chronik sagt, daß er bei einem Ausflug nach Wieseck, um die studentische Ehre und das Ansehen der Universität zu retten, zrhn Maß Bier vertilgte. ** Z. Neue« Theater. „Der Hüttenbesitzer", Schauspiel in fünf Acten von Georges Ohnet. Es ist eine .Beobachtung, die sich häufig machen läßt, daß die Stücke, welche aus der Umarbeitung eines Romanes hervorgehen, ihre Herkunft nicht verleugnen können. Ohnets „Hüttenbesitzer" wucht hiervon keine Ausnahme, wenigstens die ersten Acte des Schauspiels nicht, denn sie kranken an einem großen Uebel: es- fehlt ihnen die Handlung- statt ihrer finden wir lange Dialoge, die sehr schön zu lesen, aber sehr schwer zu sprechen und deshalb nicht angenehm zu hören sind. Trotzdem hat d r „Hüttenbesitzer" als Schauspiel sich immer einer großen Beliebtheit erfreut und zwar glauben wir nicht zum wenigsten di Shalb, weil es dem Dichter gelungen ist, eine wirklich großartig angelegte und mit Liebe und viel Geschick ausgemalte Ugur seines Romanes ebenso unverfälscht in das Schauspiel . bk rüber zu versetzen. Ob freilich diese Figur psychologisch ivohr ist, das ist eine andere Frage, über die sich sehr streiten läßt. Indessen mag dem so oder anders sein, intereffant ist die Figur der „Claire", das muß Jeder zugeben, und der Wiedergabe durch eine Künstlerin wie Frl. Nuscha Butze , durchaus würdig. Der Autor arbeitet mit allen nur irgend möglichen Mitteln, er läßt alle Leidenschaften, deren das .Menschenherz nur fähig ist, spielen, um sein Ziel zu erreichen, lesenden Zorn, furchtbare seelische Schmerzen, glühende Liebe, Eifersucht, Rachsucht und unbeugsamen Stolz- und. alle jene dem Dichter nur gedachten Nüancen des menschlichen Gemüths- lebens wußte Frl. Butze so treffend und wahr und trotzdem doch so anziehend und sympathisch darzustellen, daß sie sich dir Herzen der Zuschauer geradezu im Fluge eroberte. Zwei, drei Mal mußte die Künstlerin nach jedem Actschluffe vor der Rumpe erscheinen, um die begeisterten Ovationen des Publikums . kingegenzunehmen. Neben Frl. Butze hat besonders Herr Niem eier Antheil an dem Gelingen der Aufführung. Seine Aufgabe, während jeder Scene des ganzen Stückes als Partner • einer „Claire" wie der unseres Gastes gegenüberzustehen, wcrr keine geringe und er hat sie zur besten Zufriedenheit Aller gelöst- ein etwas mäßigerer Gebrauch der Arme während des Dialogs wäre vielleicht am Platze gewesen, doch das nur nebenbei. Weniger gut war der „Herzog von Bltgnh" des Herrn Roll, dem wiederum die „Schneide" fehlte, die auch durch eine gewisse „Mache" nicht ersetzt werden konnte. Auch die „Athenais" erfordert ein routinirteres Spiel, besonders im leichten Gesellschaftston, als Frl. Schumann gestern Abend zeigte. Die übrigen Rollen sind kleiner und bieten zur Besprechung um so weniger Grund, da sie durchschnittlich recht gut besetzt waren. — Das Haus war zum „Erdrücken" besetzt und hätte, um dem Andrange zu der gestrigen Vorstellung zu genügen, noch ein gut Theil größer sein können. ** Stenographisches. Der hiesige Gabelsberger Stenographen-Verein hat vor Kurzem wieder zwei Lnfangscurse in der GabelSberger'schen'Stenographie eröffnet. Der erste wird im Universitäts-Gebäude abgehalten und ist recht gut besucht, hauptsächlich von jungen Kaufleuten, Beamten u. s. w. Der andere Cursus ist besonders eingerichtet [iir Schüler der hiesigen erweiterten Handwerkerschule, von welchen sich 35 an demselben betheiligt haben md recht gute Fortschritte machen. Man sieht daraus, daß au.ch in Handwerkerkreisen der Nutzen der Kurzschrift immer nehr erkannt wird. ** Gegen Wucher hat der Verband der Hess, landw. Genossenschaften jetzt die Einrichtung getroffen, daß, wenn stch Jemand ein Pferd, eine Kuh rc. kaufen will, er dies der Kaffe anzeigen kann- zwei Vertrauensmänner besichtigen dann tc&S Object und schließen für die Kaffe ab, die den Händler bezahlt und sofort das Vieh an den Landwirth abgibt, der ls langsam abzahlen kann. Der gefährliche Eigenthums- vorbehalt des Händlers fällt also weg. -r.- Lich, 22. November. Zu Ehren des nach Gießen versetzten Herrn Oberamtsrichters Lang ermann fand heute Mttag unter zahlreicher Betheiligung im „Gasthaus zum holländischen Hof" ein Abschiedsessen statt. — In Herrn Lamgermann, der die hiesige Richterstelle über 14 Jahre bekleidete, verliert der Bezirk einen vortrefflichen Beamten, der es verstand, bei Ausübung seines Amtes Gerechtigkeit mit Milde zu veremen und bei dem Jedermann, der ein Anliegen batte, stets freundliches Gehör fand. Er genoß deshalb bei iein Bezirksangehörigen großes Vertrauen und sein Weggang wird lebhaft bedauert. In seinen neuen Wirkungskreis begleiten ihn die besten Wünsche. Bei der heutigen Festfeier brachte Herr Bürgermeister Walz von Lich zunächst ein Hoch auf Se. Königl. Hoheit den Großherzog aus und gedachte dann des Scheidenden in warmen Worten. Herr Oberamtsrichter Langermann dankte tief bewegt. Der Verlauf der Feier war ein sehr schöner, wozu die in feiner Weise zu Gehör gebrachten musikalischen Vorträge der Herren Vorsteher Weitert und Lehrer Zimmer wesentlich beitrugen. Küche und Keller deS Herrn Glöckner boten in gewohnter Weise Vorzügliches. Butzbach. 23. November. Der schon von Alters her berühmte Katharinenmarkt findet am 27. und 28. November statt. Ist er auch schon längst nicht mehr das, was er früher war, wo der Flachshandel noch recht in Blüthe stand und auch die Landbewohner ihren Bedarf an Winterartikeln auf diesem Markte deckten, so übt er aber doch jetzt noch immer seine alte Anziehungskraft aus und ist eS hauptsächlich die Jugend, welche gern den Katharinenmarkt besucht, denn dort ist immer für Vergnügungen reichlich Sorge getragen, indem Carousscls, Schießbuden und sonstige Sehenswürdigkeiten auf dem Viehmarkte vertreten sind. Des Nachmittags und am Abend des ersten Tages finden Tanzvergnügen im „Gasthaus zum Löwen" und im „Hessischen Hof" statt. Von Jntereffe dürfte es sein, hierbei zu erfahren, daß gleichzeitig mit dem diesjährigen Katharinenmarkt letztgenanntes Local ein Jubiläum begeht, indem in diesem Jahre 60 Jahre versloffen sind, daß der „Hessische Hof" besteht und zum ersten Male in den Räumen desselben Katharinenmarkt- Ball abgehalten wurde. Darmstadt. 21. November. Wiederum ist ein Kämpfer der 70er Jahre zur großen Armee einberufen worden, der es wohl verdient hat, daß man seiner gedenke. Der königl. preußische Oberstlieulenant a. D. Otto Scriba ift am Abend des 18. November nach langem Herzleiden, dessen Keim er sich im Feldzuge von 1870/71 holte, verschieden. Geboren $u Mainz am 28. April 1832, trat derselbe als Offiziersaspirant 1848 in das Großh. 4. Infanterieregiment ein. Im Feldzuge 1866 beteiligte er sich an den Gefechten bei Frohnhofen, bei Aschaffenburg und bei Gerchsheim. Bei Ausbruch des Krieges 1870 zur Ersatzreserve bestimmt, gelang es ihm noch in letzter Stunde dadurch, daß sein Bruder seine Ersatz Compagnie übernahm, zum activen Regiment versetzt zu werden. Im Feldzuge 1870/71 nahm er Theil an der Schlacht bei Gravelotte und St. Privat am 18. August, an der Einschließung von Metz vom 19. August bis 27. October, an der Schlacht bet Noissevllle am 31. August, und 1. September, an der Beschießung der Forts vor Metz am 9. September, an der Schlacht bei Orleans am 3. und 4. December, an dem Gefecht bei Beaugency am 8. December und an den Gefechten bei Montlivant und Chambord am 9. December. Mit dem Namen Kattrein, dem Helden von Chambord, ist eng verknüpft der Name Scriba, denn beiden vereint gelang es nur, das Schloß zu nehmen. 1877 wurde er zum aggngirten Major im Regiment 118 befördert, 1879 als etatsmäßiger Stabsoffizier in das 7. Rheinische Infanterie- Regiment Nr. 69 nach Trier versetzt, 1883 zum Kommandeur des zweiten Bataillons desselben Regiments ernannt und 1884 auf Nachsuchen m>t dem Character als Oberstlieutenant in Jnactivität versetzt. Seligenstadt, 22. November. Se. Majestät der deutsche Kaiser bewilligte einem hiesigen ehemaligen Krieger in Anerkennung seiner früheren Tapferkeit im Kriege und in Anbetracht seiner gegenwärtigen Nothlage auS dem Gnadenfonds eine anständige Unterstützung von monatlich 69 Mark mit Wirkung vom 1. September er. ab. △ Mainz. 23. November. Auf den Trajectbooten, die den Verkehr zwischen hier und Kastel vermitteln, hatten gestern Abend die Passagiere zweimal aufregende ©eenen zu erleben. Einmal sprang in der Mitte des Rheines ein gut- gekleideter, in den fünfziger Jahren stehender Mann von dem Hintertheil des Bootes in den Strom und verschwand fofort auf Nimmerwiedersehen in den Wellen. Seitens des Schiffspersonals wurden sofort alle möglichen Rettungsversuche gemacht, jedoch erfolglos. Wer der Selbstmörder war, konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. Bei einer späteren Ueberfahrt suchte sich sodann ein junges Mädchen, eine Kellnerin, von dem Trojeetboot aus in den Wellen des RheineS zu ertränken. Dasselbe wurde aber, als es schon zum Sprung ansetzte, vonmehrerenPaffagierenmitGewaltvon seinem Vorhaben zurück- gehalten. — In einer hiesigen Kaserne ist heute Vormittag in der Wohnung eines Regimentsschuhmachers ein fünfjähriges Kind verbrannt. Wahrscheinlich hatte sich das Kind in Abwesenheit seiner Eltern an dem Ofen zu schaffen gemacht und waren dabei die Kleider des Kleinen in Flammen gerathen. Während das Kind in den Flammen seinen Tod fand, kauerten zwei kleinere Geschwister desselben ängstlich in einer Ecke des Zimmers. * Köln, 23. November. Der Mörder, welcher in der vorigen Woche hierielbst einen Familienvater ermordete und beraubte, ist heute Nachmittag in Duisburg verhaftet worden. * Vom ersten „deutschen Madchengymnafium" in Karlsruhe schreibt die „Deutsche Warte" : Wie auch immer man von der Frauenfrage denken mag, sicherlich ist das erste deutsche Mädchengymnasium in Karlsruhe ein ernstes, gediegenes Unternehmen, und dem „Verein für Frauenbildungsreform" mit seiner hochverdienten Leiterin, Frau I. Kettler, gebührt volle Anerkennung für die Hingabe und das Geschick, mit dem er diese seine Gründung von Anfang an in zuverlässige Bahn zu bringen gewußt hat. Nicht minder aber verdienen Anerkennung und Dank der badische Staat und die Stadt Karlsruhe für das freundliche Entgegenkommen und die bereitwillige Hilfe, die sie dem jungen Unternehmen in reichem Maße gewährt haben. Für Ansehen und Gedeihen der Anstalt war es von vornherein bedeutungsvoll, daß ein Mann wie der Oberschulrath von Sallwürk, der nicht nur als früherer Gymnasialdirector eine reiche pädagogische Erfahrung besitzt, sondern auch als Forscher und Schriftsteller auf dem Gebiete der wiffenschaftlichen Pädagogik über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt ist, die staatliche Aufsicht über sie führt und ihr überall thatkrästig zur Seite steht. In edler Gastfreundlichkeit hat die Stadt Karlsruhe, deren Oberbürgermeister Schnctzler dem Unternehmen warmes Jntereffe bewährt, dem Mädchengymnasium in einem städtischen Gebäude die nöthigen Schulräume zur Verfügung gestellt, und es ist hoch anzuschlagen, daß der Stadtschulrath Specht, auf deffen Wirksamkeit zum großen Theil die weithin bekannten vortrefflichen Unterrichtseinrichtungen Karlsruhe's zurückgehen, der jungen Anstalt ein überzeugter Fürsprecher und Beistand ist. Der zweite Abschnitt des Lehrplans hat folgenden Wortlaut: Der deutsche Unterricht soll zwar auf dem Mädchen- gymnasium in Lehrziel und Lehrausgaben dem auf dem Knaben- gymnasium erteilten gleich sein. Indessen sällt ihm auf dem Mädchengymnasium zugleich noch eine besondereAufgabe zu, welche mit dem Umstande zusammenhängt, daß die Anstalt ein Institut des Vereins „Frauenbildungsreform" ist. Wie auS den Statuten des Vereins ersichtlich, hat derselbe sich nicht die Erlangung politischer Rechte für die Frauen zum Ziel gesetzt, sondern strebt lediglich darnach, der Frau das Recht der Arbeit und der ungehinderten Ausbildung geistiger Fähigkeiten zu gewinnen. So klar diese Aufgabe einer maßvollen und vernunftgemäßen Frauenbewegung in den Vereinsstatuten ausgesprochen ist — es bleibt trotzdem natürlich die Gefahr nicht ausgeschlossen, daß die jugendliche Auffassung der Schülerinnen unserer Anstalt, wenn diese von den Zielen mancher außer- deutschen Frauenbewegung hören, sich mißverständliche Anschauungen bilden können. Da erscheint es uns eine Aufgabe der Schule, auch ihrerseits zur Förderung nüchterner Vereins- auffaffungen beizutragen und speciell den deutschen Patriotismus der ihr anvertrauten Mädchen sorgsam zu entwickeln, um sie vor der Unterschätzung heimischer Zustände und Entwickelungs- stufen, wie andererseits vor der Ueberschätzung fremder Zustände, speciell vor der Ueberschätzung amerikanischer Verhältniffe zu bewahren. Hierzu kann in erster Linie die Pflege der Vaterlandsliebe im deutschen und im geschichtlichen Unterricht beitragen- daneben auch der geographische Unterricht, der die anders geartete Entwicklung anderer Länder zum wesentlichen Theile als Ergebniß ihrer geographischen Grundbedingungen zu erweisen und so vielfach ihres für uns anscheinend vorbildlichen Typus zu entkleiden vermag. In diesem Sinne wird denn auch der Unterricht am Mädchengymnasium zu Karlsruhe thatsächlich und zwar mit großem Erfolge ertheilt. kirchliche Anzeige« -er Stabt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. SamSlag den 25. November: Vormittags 93/< Uhr: Militärgottesdienst zur Feier de» Geburtstags Er. Kgl- Hoheit des Großherzogs. Pfarrer Dingeldey 26. Sonntag nach Trinitatis, den 26. November: GedSchtnißfeier für die Verstorbenen. Vormittags 9Vz Uhr: Pfarrer Schlosser- Nachmittags 2 Uhr in bet Friedhosscapelle: Pfarrer Dr. Nau mann. Nachmittags 5 Uhr: Liturgische Andacht- Pfarrverwalter Dr. Grein- Kinderkirche Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser. Die Einweihung der JohanneSkirche soll stattfinden am Donnerstag den 30. November, Vormittags 11 Uhr. Tausende wünschen dem Gottesdienst beizuwohnen und hätten als Glieder der Gemeinde auch Anspruch darauf. Allein da nur 1300—1400 Personen in die Kirche gehen können, so müssen die Wünsche der allermeisten unerfüllt bleiben. Wir mußten natürlich zahlreiche Einladungen ergehen lasten; wir haben sie aber sehr beschränkt und konnten deshalb auch keinen einzigen Verein einladen. Die Gesammtaemeindeoertretung batte beschlossen, daß außer den Eingeladenen beim Besuch des Festgottesdienstes die, welche eine besondere Gabe, ob groß ober klein, ob 5000 Mk ober 30 Pfg, zum Bau gespenbet hatten, in erster Linie sollten berücksichtigt werden- ur wer eine Eintr ittSkarte hat, kann in bie Kirche kommen- Soweit noch Vorrath ba ist, können Karten von jedem Gemeindeglied bei dem Pfarrer feiner Gemeinde abgeholt werden und zwar aus der Johannesgemeinde morgen Samstag, Vormittags 11—12 Uhr, im Pfarrhaus an der Südanlage, aus der Lukasgemeinde Samstag, Nachmittags 3^-4 Uhr, im Hause des Pfarrers Dingeldey, aus der Matthäus- und Markusgemeinde Samstag, Nachmittags 3—4 Uhr, in der Sacrtstei der Stadtkirche. Die Karten kosten natürlich nichts. Die Vielen, die keine Eintrittskarten erhalten können, wollen sich einigermaßen damit trösten, daß am Nachmittag des Einweihungstags von 2—4 Uhr die Kirche für Jedermann geöffnet ist und daß Abends 6 Uhr eine liturgische Andacht in der neuen Kirche stattfindet. Alle, die dann am Vormittag in der Kirche waren, werden gebeten, Abends nicht zu fommen, sondern Anderen den Platz zu überlasten. Wettere kirchliche Anzeigen sollen morgen Abend erfolgen. Katholische Gemeinde. Sonntag den 26. November, 27. und letzter Sonntag nach Pfingsten: Samstag: Vormittags um 9* */2 Uhr Feierliches Hochamt mit Te Deum. Nachmittags um 4‘/i Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl- Beichte. Sonntag: Vormittags von 6* in Wefrn 5>u heutige Kummer umfaßt 6 Seite«. Zum Todtenfeste: Zur Schmückung der Gräber em. pfehle ich in sehr großer Auswahl Kränze und BouquetS zu den billigsten Preisen. 9750 Georg Noll, NeuenbLue S, sowie Ltcherstratze S. 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Um zahlreiches Erscheinen bittet 9758 3 n Uniform. Das Commando. F. J. Bothof. OeneraUeeDt, MaI»,. Joh. Yy Schaaf, Otewm, Dieaetr. IT H Klippctdn in I^agidovf.I5* Erklärung. 9751] Der Unterzeichnete nimmt hiermit bk bem Wilhelm Krätzer unterm 18. bS. MlS- gegenüber gethanen belei- btgenben Bezrichnunacn al» unwabr zurück- ________Philipp Schwan 1. Danksagung. Seit längerer Zeit litt mein Sohn Josef an fürchterlichen Flechten, entschlich offe» nen Beinen unb Knochenfraß Kein Mittel wollte nützen. Herr Dr. med. voldedtng, praktischer homöopathischer «rzt in Düsteldorf, an btn wir un- zuletzt wanbten, heilte meinen Sohn in einigen Wochen, sobaß Josef nun vollkommen von btn entschlichen Qualen befreit unb auch keine äußerliche Spur btt Krankheit zurückgeblieben ist. Lerrn Dr. Botbebtng hiermit unseren autrichtigsien Dank. Mengede h. Dortmunb, tm Decbr 1891 Billige Bilder (Stiche) zum Einrahmen. J. Ricker'sche Buchhandlg. 9758 Frankf. Würstchen Kieler Bückinge frisch eingetroffen. 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Der (»c,an,mtauflage des heutigen BlatteS liegt eine (Extrabeilage der ^irma A. Holterhoff Söhne dahier __Kehler, Roßschlächter. 9743] Englischer Unterricht. Eine amerikanische Dame, welche Erfahr, tm Unterrichten hat, ist bereit, engt Lecttonen zu einem bescheib. Preise zu erth. Offerten unter A. L. an bie d. vl. t, v® ”«r9ll S e6"f*t «* «m!