Nr. 146 Erstes Blatt. Samstag den 21 Juni 1893 Der Oletzentr Anzeiger erscheint täglich, ■rit Au-nahme de- Montags. Die Gießener NnmitienblLlter werden dem Anzeiger wSchentliid dreimal deigelegt. Gießener Anzeiger Keneral-Wnzeiger. Biertrljähriger Aöonncmentspreirr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezog« 2 Mark 50 Pfg. Aedaction, Sxpeditio» und Druckerei: Zchulftraße Ar.7. Fernsprecher 61. Amts- und Anzeigeblatt für den Rreis Gietzen. Hraiisbeil'age: chießener Iamilienblätter Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr. Alle AnnonceN'Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtliche* Theil. Gießen, 22. Juni 1893. Betr.: Futternoth, hier die Untersuchung der inländischen Torflager. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen im die Grstzh. vürgerm elfter eie« des «reifes. Die im Abdruck nachstehende Verfügung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz theilen wir Ihnen unter der Weisung mit, den Beamten der geologischen Landesanstalt bei etwaigem Erscheinen in Ihren Gemarkungen jegliche Förderung zu Theil werden zu lasten. ____________________v. Gagern.__________________ Darmstadt, 20. Juni 1893. Betr.: Wie oben. Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz an Großherzogliches Kreisamt Gießen. Wir haben die geologische Landesanstalt mit der schleu- ! nigen Untersuchung der im Lande vorhandenen Torflager in Bezug auf ihre Abbauwürdigkeit zur Herstellung von Torfstreu beauftragt und empfehlen Ihnen durch geeignete Bekanntmachung und nöthigenfalls persönliche Einwirkung dafür Sorge zu tragen, daß den von der geologischen Landesanstalt mit der Untersuchung beauftragten Personen das Betreten der in Frage kommenden Grundstücke nicht gehindert und von den Gemeinden, insoweit dieselben Eigenthümer des be- treffenden Geländes sind, die Vornahme von Bohrungen, sowie die Entnahme von Proben von je circa 20 Centuer zu Versuchszwecken gestattet wird. _____________________Finger.__________ Deutsches Reich. Berlin, 22. Juni. Die sich vielfach widersprechenden bisherigen Meldungen über die Ergebnisse der Reichstags- wählen vom 15. ds. Mts. haben durch das inzwischen vom „Reichsanzeiger" veröffentlichte amtlich ermittelte Wahlresultat ihre Richtigstellung erfahren. Es ergibt sich hieraus, daß 217 Abgeordnete definitiv gewählt sind, während in 180 Wahlkreisen engere Entscheidung stattfinden muß. Die gewählten Abgeordneten vertheilen sich auf die einzelnen Parteien wie folgt: Conservative 49, Frriconservative 11, Nationalliberale 15, Centrum 81, freisinnige Vereinigung 3, freisinnige Volkspartei 0, Socialdemokraten 24, süddeutsche Volkspartei 4, Polen 12, Welsen 0, Antisemiten 3, Elsaß-Lothringer 3, Dänen 1, bei keiner Fraction 5. Diese amtliche Zusammenstellung führt also weder den Bund der deutschen Landwirthe, noch den bayrischen Bauernbund besonders auf; die gewählten Vertreter des letzteren sind vielmehr mit zum Centrum gerechnet, ebenso wie die der Militärvorlage freundlich gesinnten Centrumsdissidenten und die „Wilden" Fusangel und Br. Sigl. Was die Abgeordneten aus dem Bunde der Landwirthe anbelangt, so sind dieselben nirgends auf das landwirthschastliche Programm allein hin gewählt, sondern auch auf Grundlage des politischen Programms dieser und jener Partei. An den vorzunehmenden 180 Stichwahlen sind betheiligt: 82 Socialdemokraten, 74 Nationalliberale, 51 Conservative, 34 Centrumsanhänger, 31 freisinnige Volksparteiler, 23 Freiconservative, 16 Antisemiten, 12 Mitglieder der freis. Vereinigung, 11 Polen, 10 süddeutsche Demokraten, 9 Welfen, 2 Elsässer (?) und 5 Fractionslose. — Die Stichwahlen werden demnach in Hinblick auf ihre außerordentlich große Zahl die wirkliche Entscheidung in der Wahl- schlacht erst bringen. Von ihnen hängt es vor Allem ab, ob die Gegner oder die Freunde der geplanten Heeresverstärkung die Mehrheit im neuen Reichstage besitzen werden, es wäre aber müssig, hierüber jetzt, angesichts der vor der Thür stehenden Entscheidung irgend welche Voraussagen machen zu wollen. Zwischen den einzelnen Parteien sind allerdings eine Reihe von Abmachungen für die Stichwahlen getroffen, auch fehlt es nicht an Anweisungen seitens der offiziellen Parteileitungen und der localen Parteivorstände an die Parteigenossen, wie sie sich bei den engeren Wahlen verhallen sollen. Aber sicherlich werden diese Abmachungen nicht allenthalben gehalten und diese Anweisungen nicht immer befolgt werden, io daß man einfach den Ausfall der engeren Entscheidung abzuwarten hat. In Berliner Regierungskreisen scheint man, wie aus verschiedenen Meldungen hervorgeht, ziemlich optimistisch über den Endausfall der Reichstagßwahlen zu denken, da man dort mit Sicherheit auf eine, wenn auch nur kleine, Mehrheit für die Militärvorlage rechnen soll. Neueste Nachrichten. WolffS telegrsphtscheS Corrrspondenz-Bureau. Chicago, 22. Juni. Der deutsche Reichscommiffar Wermuth hat gestern die deutsche Wein- und Weinbau- AuSstellung eröffnet. Depeschen de» Bureau .Herold". Berlin, 22. Mai. Der „Reichs-Anzeiger" publicirt die Einberufung des Reichstages auf den 4. Juli. Berlin, 22. Juni. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge eröffnet sicherem Vernehmen nach der Kaiser den Reichstag persönlich. Berlin, 22. Juni. Der Nationalliberale Verein von Berlin fordert die Gesinnungsgenossen auf, bei den hiesigen Stichwahlen für den freisinnigen Candidaten zu stimmen. Berlin, 22. Juni. Dem Landtage gehen Vorlagen zur Linderung des Nothstandes der Stadt Schneidemühl und betreffs des Futtermangels zu. Der Schluß des Landtags ist für den 10. Juli zu erwarten. Berlin, 22.Juni. Die Freisinnigen hielten gestern Abend zwei stark besuchte öffentliche Versammlungen ab, worin Virchow, Langerhans, Baumbach und Munkrl über die politische Lage sprachen. München, 22. Juni. Am Sonntag Abend meuterten einige Musiker-Gefreite 'des 2. Infanterie-Regiments in der Türkenkaserne infolge Verweigerung eines Ausgeh-Certificates, indem sie mehrere Strohsäcke verbrannten, losgeschraubte Gewehrschlöffer zum Fenster hinauswarfen und Lärm und Geschrei verursachten. Da die Zimmermannschaft die Nennung der Name» verweigerte, wurde die ganze Mannschaft in Arrest abgeführt. München, 22. Juni. Professor Br. Emmerich und Professor Br. Ziro Tsuboi aus Tokio haben nach den „M. N. N." die wichtige Entdeckung gemacht, daß die Cholera asiatica eine durch gekochte Cholerabacillen verursachte Salpetersäurevergiftung ist. Hierdurch dürfte es der Wiffen- schaft ermöglicht sein, mittelst prophylactischer Mittel und rationeller Behandlung der Seuche Herr zu werden. Dnx, 22. Juni. Die Zahl der Strikenden nimmt zu. Gestern versuchten dieselben, Ausschreitungen zu begehen; das Militär unterdrückte jedoch die Unruhen und zerstreute die Zusammenrottungen. Moskau, 22. Juni. Bei dem Brande der Roman owkirche kamen 120 Frauen um, 100 wurden schwer verletzt. Sitzung der Stadtverordneten am 22. Juni 1893. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, Emmelius, Flett, Br. Gulfleisch, Helfrich, Heyligenstaedt, Hornberger, Jughardt, Keller, Löber, Orbig, Petri, Br. Ploch, Scheel, Schiele, Schmoll, Simon, Br. Thaer, Vogt und Wallenfels. Vor Eintritt in die Tagesordnung theilt Herr Oberbürgermeister Gnauth mit, daß die Revision der von Herrn Stadtrechner Döpfer mit geführten Rechnung der Realschule und des Realgymnasiums nach Mittheilung des Herrn Oberrechnungsraths Br. Zimmer ergeben habe, daß die Rechnung in bester Ordnung geführt wurde. Dieses befriedigende Er- gebniß veranlasse ihn (den Herrn Oberbürgermeister) auch der Stadtverordneten-Versammlung davon Mittheilung zu machen. Gegen das Gesuch des Herrn Karl Becker um Er- laubniß zur Errichtung eines vierten Gewächshausanbaues hat die Versammlung nichts zu erinnern gesunden, sie befürwortete deshalb die beantragte widerrufliche Genehmigung. Von Herrn H. Schaffstaedt ist der Antrag auf Uebernahme der Schanzenstraße durch die Stadt gestellt worden. Ueber die auf eine solche Uebernahme bezüglichen Bedingungen ist bereits früher mit dem Besitzer der Straße verhandelt worden. Darauf hat das Stadtbauamt sich dahin geäußert, daß einer Uebernahme der Straße erst dann näher getreten werden könne, wenn dieselbe ausgebaur und das dazu nöthige Gelände kostenfrei gestellt werde. Da es sich vorerst für den Gefuchsteller darum handeln würde, daß die Reinigung des rechtsseitigen Bankets, der Gosse und der chaussirten Fahrbahn durch die Stadt ausgeführt werde, so habe das Stadtbauamt nichts dagegen, wenn die städtische Kehrmann- schaft die Reinigung mit übernehme. Das Stadtbauamt hält dafür eine von den Interessenten aufzubringende Vergütung von 75 Mk. jährlich für angemeffen. Diesem Gutachten ist die Baudeputation beigetreten, sie hält zur Zeit die Uebernahme der Straße oder eines Theils derselben auf die Stadt aus den vom Stadtbauamt angeführten wie aus anderen Gründen nicht für geboten. Die Versammlung beschließt darauf Ablehnung des Gesuchs bezüglich der Uebernahme, dagegen Genehmigung der Reinigung von Bankett, Gosse und Straße durch die Kehrmannschaft gegen die obenbezeichnete Vergütung. Nachdem eine Anzahl Brunnen (im Teufelslustgärtchen, in der Wettergaffe, im alten Arresthause, im Hospital am Seltersweg, in der Löwengasse, am Asterweg) in Stand gesetzt worden, wurde der Versammlung der Bericht über die chemische und bacteriologifche Untersuchung mitgetheilt. Danach konnte das Wasser der Brunnen am Asterweg und in der Sandgasse als gut bezeichnet werden. Das Waffer der Brunnen im Hospitalhof und im Teufelslüstgärtchen ist als Trinkwasser angängig, ebenso das Wasser des Brunnens im Frankfurter Hof, dessen Besitzer den Anwohnern die Entnahme gestattete. Der Brunnen an der Wettergasse kann dagegen vorläufig noch nicht als für den menschlichen Genuß geeignet bezeichnet werden. Die im Allgemeinen nicht besonders wahrnehmbare chemische Befferung des Wassers der hergestellten Brunnen wird sich nach dem sachverständigen Gutachten voraussichtlich erst später nachweisen lassen. Seitens deS Gas- und Wasserwerks ist bezüglich des Brunnens in der Wettergaffe die Benutzung bis nach erfolgter wiederholter Reinigung für zulässig erachtet und weiter die Herstellung der Brunnen in der Wetzsteingasse, in der Schulstraße, im Hofe der Bürgermeisterei und im Realschulgarten durch Reinigung und Anbringung von Sandfiltern empfohlen worden. Die für diese Arbeiten insgesammt auf 1005 Mk. veranschlagten Kosten werden bewilligt. Auf die Anfrage des Herrn Wallenfels über die Instandsetzung des Brunnens im ehemals Bourgeois- schen Hause an der Kirchstraße bemerkt Herr Oberbürgermeister Gnauth, daß der Brunnen nur dann hergestellt und der öffentlichen Benutzung übergeben werden könne, wenn mit dem an Stelle des abgebrochenen Hauses zu errichtenden Ladenanbau einige Monate gewartet würde. Der Brunnen solle indeß erhalten und durch Anlage einer geschleiften Pumpe die Entnahme des Wassers ermöglicht werden; doch müsse damit gewartet werden, bis der geplante Ladeubau errichtet sei. In Verfolg ihres in früherer Sitzung gefaßten Beschlusses wegen Einrichtung einer geregelten Desinsection von Mobilien und Wohnungen beschließt die Versammlung die Errichtung eines Schuppens zur Aufbewahrung der Des- infectionsgeräthe und Transportwagen, sowie die Beschaffung zweier Transportwagen und Einstellung der sich auf insgesammt 2000 Mk. belaufenden Kosten ins nächste Budget. Heber die Bestellung der Desinfectoren schweben noch die Verhandlungen mit den hierfür in Aussicht genommenen Personen. Bisher wurde von Privaten, die für sich und ihre Angehörigen die Unterhaltung von Grabstätten durch die Stadt wünschten, eine ihrem Willen freigestellte Summe der Stadt überwiesen, aus deren Zinserträgniß dann die Unterhaltung der Gräber bestritten wurde. Bei den hierüber gepflogenen Verhandlungen zwischen den Stiftern und der Stadt hat man Seitens der Stadtvertretung den Eindruck gewonnen, daß es gut sei, festere Normen in Bezug sowohl auf die Höhe des Capitals als auf die Art der Ausschmückung der Gräber zu treffen. Zu diesem Zwecke ist der Stadtverordnetenversammlung ein Statut vorgelegt worden. In demselben sind die Bedingungen festgesetzt, unter denen die Instandhaltung der durch Private erworbenen Gräber und größeren Begräbnißplätze von der Stadt übernommen wird. Die hierfür zu entrichtenden Beträge sind nach dreierlei Höhe abgestuft. Danach ist für die Unterhaltung eines Grabes erster Stufe der Betrag von 250 Mk. zu entrichten, für jedes weitere Grab derselben Familie bis zu sechs ebenfalls 250 Mk., über sechs hinaus je 200 Mk.; in der zweiten Stufe wurden 500 Mk. für ein Grab, je 500 Mk. für jedes folgende Grab bis zu sechs und 400 Mk. für jedes dann folgende Grab festgesetzt. Die Sätze der dritten Stufe sind: 750 Mk. für das erste, 600 Mk. für jedes folgende Grab. Mit Inkrafttreten dieses Statuts fallen mancherlei Umstände weg; es würde beispielsweise dann nicht mehr nöthig fein, für jedes zum Zweck einer Grabinstandhaltung hergegebene Capital, das bisher den Character einer Stiftung hatte, die Genehmigung zur Annahme einzuholen, auch ist die Stadt nur so lange an die Unterhaltungspflicht gebunden, so lange der Friedhof als solcher benutzt würde. Dabei ist allerdings nicht ausgeschlossen, daß über Instandhaltung von Denkmälern, Geländern u. s. w. von Fall zu Fall verhandelt werden müßte. Die Versammlung erklärte sich mit dem Statut einverstanden. Die Satzungen derGießenerFreiw. Feuerwehr, die nach der Landesfeuerlöschordnung der Genehmigung der mit Handhabung der Landesfeuerlöschordnung betrauten Behörde unterliegen, wurden nach Vornahme einiger Aende- Zungen genehmigt. Es wurde durch die vorgenommenen Aenderungen bestimmt, daß als Amtsdauer deS 1. und 2. Hauptmannes anstatt 1 Jahr 3 Jahre festzusetzen, das Rechnung-- und Kastenwesen so zu regeln sei, daß alljährlich ein Voranschlag aufzuftellen ist. Die Drucklegung der Satzungen soll auf Kosten der Stadt geschehen. Der Verein der Gastwirthe von Gießen und Umgegend hat sich mit einer Eingabe an die Bürgermeisterei gewandt, nach welcher 1) den Händlern verboten werden soll, gleich zu Anfang des Wochenmarktes Einkäufe auf demselben zu machen, 2) das auf Wein und Branntwein zu entrichtende Octroi gleich wie bei den anderen Gegenständen bei der Einführung an den Thorhäusern entrichtet werden kann. Bisher wurden nämlich die Einfuhrscheine über Getränke an den Thoren verabfolgt, wogegen das Octroi selbst auf dem Steueramt zu entrichten war. Die Wirthe erblicken in dem seitherigen Verfahren eine Belästigung. Nach den zunächst eingeholten Gutachten des Herrn Octrot- inspectors hat sich derselbe gegen eine Aeoderung deS bisherigen Verfahrens, das sich 50 Jahre bewährt, geäußert - damit würde eine Ueberlastung der Octroierheber herbeigeführt. Die Versammlung spricht sich, ohne die gegen eine Aenderung des bisherigen Verfahrens geltend gemachten Gründe ohne Weiters anzuerkennen, dafür aus, daß zur Zett eine Aenderung nicht zu empfehlen sei. Man würde sich nach Fertigstellung der Ueberführung an den Bahnhöfen (neben Hotel Lenz), in welcher eine Anzahl Räume geschaffen würden, schlüssig werden müssen über die Einrichtung einer 5. Octroi- erhebestelle Durch diese würde, weil bei ihr vorwiegend die mit der Bahn ankommenden Gegenstände veroctroirt würden, eine Entlastung der Erhebestelle am Seltersthor eintreten. Es wird nach einer Anzahl weiterer Erwägungen, in welchen auch eine Revision des Octroireglements und -Tarifs ins Auge gefaßt wurde, beschloffen, auf daS Gesuch des Gast- wirthevereins zurückzukommen, wenn über die Errichtung einer 5. Octroieerhebestelle Beschluß gefaßt ist. Ueber den das Verbot des Auskaufes von Maaren Seitens der Händler betreffenden Theil des Gesuches konnte noch nicht verhandelt werden, da den Gesuchstellern aufgegeben wurde, die Städte zu bezeichnen, in denen ähnliche Verbote bestehen. Das nicht auf der Tagesordnung stehende Gesuch des Herrn Wilh. Zörb um Erlaubniß zum Wirthschaftsbetrieb im „Feldschlößchen" an der Rodheimerstraße wird, soweit sich dasselbe auf den Ausschank von Branntwein bezieht, befürwortet. CocciU* unb Provinzielles. Sieben, 23. Juni 1893. cf Die Landes Universität begeht am 1. Juli, 11 Uhr in der großen Aula die übliche Jahresfeier mit folgendem Programm: 1. Der 95. Psalm von Moritz Hauptmann. 2. Festrede des Rectors. 3. Preisvertheilung. 4. Motette (Psalm 9) von Ernst Friedr. Richter. L. G. Das 6. Concert des Gießener Concert-Vereins wurde eingeleitet durch die kirchliche Fest-Ouvertüre: „Ein feste Burg ist unser Gott" für Orchester, Chor und Orgel von O. Nicolai. Die Composition bringt zunächst einen VerS des Chorals vom Chor mit begleitendem Orchester zu Gehör und spinnt sich dann in eine Fuge, deren Motiv abwechselnd vom Chor, den Streichern und Bläsern ausgenommen wird, fort und endet in einem Amen. — Das Haupt- intereffe concentrirte sich auf die mächtige Bruch'sche Campo« sition des Schiller'schen Liedes von der Glocke. Der Eindruck war ein vollbefriedigender. Mag man zu der Bruch'schen Musik, der man nicht mit Unrecht den Vorwurf der Stil- losigkcit mgcht, eine Stellung einnehmen, welche man will, das kann man dem Tondichter nicht absprechen, daß er in dem Aufbau, in der wirkungsvollen Behandlung des Chorsatzes, in der Ausmalung einzelner Stimmungsbilder und in der Verwerthung einer imposanten Instrumentation eine Routine besitzt, wie Wenige. Wir erinnern nur an den schaurigen Feuerchor, an den schwermüthigen Letchenchor, an den Lobpreis der „heil'gen Ordnung", einen Chor voll dithyrambischen Schwungs, an den mächtig-wuchtigen Revo- lutionS-Chor mit dem vorauSgchenden wilden, leidenschaftlichen Banden - Marsch. Dazu kommen Einzelmalereien. So z. B.: Die hüpfenden Achtelfiguren der Geigen und Flöten während des Baßsolos: „Weiße Blasen sah' ich springen" - der aufsteigendeÄ2stel-Lauf der hohen Holzbläser, den zuckenden Blitzstrahl characterisirend; die ausflackernde Feuersäule, der heulende Sturm, das Jammern und Wimmern der geängsteten Bewohner, das Krachen der Balken u. v. A. wird mit großem Geschick musikalisch darzustellen versucht. — Und wie gewaltig packend, wie schrecklich ertönt aus dem Chor der Angstschrei: „Riesengroß"!! wie vernichtend der unmittelbar folgende Schmerzensruf: „Hoffnungslos!" wie erschütternd klingt das Alt-Recitativ: „Leergebrannt ist die Stätte", begleitet von einem einzigen Instrument des Orchesters, der Bratsche, deren Solo von der Clarinette fortgesetzt wird. Abgesehen von einigen Unreinheiten im Leichenchor und von einigen, die uns den Componisten von seiner besten Seite zeigen! schwerfälligen Läufen: („Durch der Straßen lauge Zeile" und „Durch der Hände lange Kette u. s. «."), löste der Chor seine keineswegs leichte Aufgabe in zufriedenstellender Weise. Besonders wirkungsvoll war das Recitativ: „Gefährlich ist'S den Leu zu wecken" mit seiner großartigen Steigerung bis zu den Worten: „DaS ist der Mensch in seinem Wahn", die in ihrer Einfachheit einen mächtigen Gegensatz zu dem Vorhergehenden bildeten. Ebenso darf der Schlußsatz: „Ziehet, ziehet, hebt!" mit seinen volltönenden, himmelan- strebenden Jubelaccorden als wohlgelungen hervorgehoben werden und auch den vorletzten Chor rechnen wir zu den befferen Leistungen, wenn auch dem Soloquartett bei dem kleinen aber schwierigen Fugenthema: „Die ihren Schöpfer wandelnd loben" ein kleines Mißgeschick begegnete. Unerwähnt möchten wir aber nicht lassen, daß das Chorwort bezüglich einer einheitlichen Aussprache und insbesondere der Behandlung des „g" Manches zu wünschen übrig ließ. Das Orchester spielte mit großer Hingabe und sichtbarem Ernst und leistete in rythmischer Beziehung größtentheils Gutes - die dynamischen Schattirungen waren ebenfalls wohl beachtet, nur wäre bei der„ Begleitung der k-Slellen eine größere Mäßigung der Bläser am Platze gewesen. Der Streicherchor hielt sich gut; die Contrabäffe hätten bei der Wiederholung des Marschmotivs nach dem Revolutionschor, am Schlüsse frühzeitiger mit ihrem eintactigen Motiv (cis-e-his-e) in das pp übergehen müssen, um damit den nur noch aus der Ferne hörbaren Marsch auSklingen zu lassen. — Von den Solisten ist in erster Linie Herr A. Müller aus Frankfurt a. M. zu nennen. Die wohlklingende, von einer musterhaften Aussprache unterstützte Stimme wird noch durch einen geschrnack- und empfindungsreichen Vortrag beseelt. Fräulein S trauß- Kurzwelly verfügt über eine schöne, leicht ansprechende Mezzosopran-Stimme, die, im Großen und Ganzen gut geschult, in der Höhe, sobald sie stark genommen wird, einen etwas scharfen Klang zeigt. Den gesanglich wie ästhetisch recht schönen Leistungen gebührt alle Anerkennung. Eine merkwürdige musikalische Auffassung zeigte sie bei der Wiedergabe des Arioso, dessen Tempo viel zu überhastet war. Die Altistin Fräulein Schäfer aus Frankfurt a. M. hat zwar keine große, aber eine angenehme, in der Tiefe noch nicht ausgeglichene Stimme. Sie gefiel durch ihre saubere Intonation und ihre deutliche Aussprache, an der wir nur die Behandlung des Consonanten „w" zu beanstanden haben, der, bei dem Bemühen, ihn möglichst klangvoll zu bilden, häufig das Geräusch des Blaselauts „f" bezw. „v" annahm. Die Stimme des Herrn Zarneckow ist nicht voluminös und kam in den Terzetten, Quartetten und Ensemble-Stücken nicht recht zur Geltung. Aber die große Innerlichkeit des Vortrags und die bet aller Natürlichkeit doch kunstvolle Behandlung der Sprache (abgesehen von der eigenthümlichen Aussprache des Anlaut-St.) brachte doch Manches zu recht wirkungsvollem Ausdruck. Herr Gör lach entledigte sich seiner Aufgabe an der Orgel mit allem Geschick. Die Re- gistrirung war in Bezug auf Klangfarbe und Klangfülle geschmackvoll und wohlabgewogen gewählt, die Begleitung sicher und exact. ** Schützen Verein Gießen. Am gestrigen Abende tagte der Festausschuß zum demnächstigen Schützenfeste im Schützen- haus, um über den Ausfall des Festes in Folge der ungünstigen Zeitverhältnisse zu berathen. Nach eingehenden Verhandlungen und mit besonderer Rücksicht darauf, daß dem Verein durch den bereits im Entgegenkommen zum Radfahrverein frühzeitig sertiggestellten Bau der Festhalle rc. bedeutende Kosten erwachsen sind und daß zum andern die Lösung bereits eingegangener Verbindlichkeiten nach Außen dem Schützenverein empfindlich treffen würde, konnte man nicht umhin, sich für Abhaltung des Festes vom 9.—11. Juli zu entschließen. Die einzelnen Ausschüsse werden nun ihre Aufgabe voll und ganz aufnehmen uno gleich wie in früheren Jahren mit Unterstützung und dem Wohlwollen der hiesigen Einwohnerschaft, das Schützenfest wie überall, so auch in unserer Stadt, als ein eingebürgertes Volksfest zu verwirklichen suchen. *• Berichtigung. In unserer gestrigen Notiz über den Schluß des Rad sahr festes muß es anstatt K. Hansel (als Dritter im Vereinsfahren) Konrad Hamel heißen, desgleichen die Vorgabe bei H. Carls anstatt 250 Meter nur 200 Meter. ** Entsprungen. Heute früh entsprang ein aus Steinberg hier eingelieferter Sträfling von der Außenarbeit. ** Für Laudwirthe Die „Darmst. Ztg." meldet: Mit Rücksicht auf die bestehende Nothlage hat das Großh. Ministerium der Finanzen den Verwaltungen der Oberhessischen Eisenbahnen und der Main-Neckar-Bahn die Ermächtigung ertheilt, bis Ende September für Futter- und Streumittel, welche in Wagenladungen als Frachtgut auf hessischen Stationen eintreffen und an landwirthschaftliche Bezirksvereine, Ortsvereine, Consumvereine oder an Gemeinden adressirt sind, auf den hessischen Strecken eine Ermäßigung im Betrage eines Drittels der Fracht zu gewähren. Die gleiche Ermäßigung wird mit Genehmigung der Großh. Regierung von den Verwaltungen der hessischen Ludwigsbahn und hessischen Nebenbahnen im Privatbetrieb gewahrt. V Reiskirchen, 23. Juni. Freudig wird hier begrüßt, daß Großh. Regierung die schleunige Erweiterung der GeleiS- anlagen unserer Station angeordnet hat, damit der bisher nur zwischen Gießen und Großen-Buseck verkehrende Arbeiter- Frühzug von hier abgelassen werden kann. Dankbar aner- kennen wir die hierin liegende Fürsorge für unsere die Zahl 100 übersteigenden Arbeiter, welche in Gießen täglich beschäftigt sind. - n-. Romrod bei Alsfeld, 22. Juni. Dieser Tage kam hier der Landwirth N. in angetrunkenem Zustande nach Hause. Bor der Hausthüre bekam derselbe mit seiner Frau einen Wortwechsel, der damit geendigt haben soll, daß die Frau ihren Mann zur Treppe hinunterstieß. Der Mann brach bei dem Falle daS Genick. Friedberg, 21. Juni. Der heute hier abgehaltene Schweinemarkt, der allerdings nicht so stark wie der vorige beschickt war, wteS die für die Landwirthe erfreuliche Thatsache auf, daß die Schweinepreise nicht in dem gleichen Maße wie die für Rindvieh gesunken sind, da der Landwirth noch genügend Kartoffeln zum Füttern hat. ES wurden sogar heute sehr schöne Preise erzielt, so 10 M. für daS Pärchen. z vermischtes. ♦ Eia Wortspiel. Unter Hinweis auf daS in Nr. 144 d. Bl. abgedruckte Wortspiel über „Sedan" erhielten wir eine Zuschrift, wonach mit dem Worte noch ein Wortspiel entsteht, wenn daS Sedan von hinten nach vorn gelesen wird: Rapoleons Anfang — December, Ende — September. (Bekanntlich wurde Napoleon am 2. December 1852 als Kaiser proclamirt.) * Berlin, 22. Juni. Gestern Abend entstand auf einem Holzplatze vor Berlin ein großer Brand, welcher einen Schaden von etwa 300,000 Mk. verursachte. kirchliche Anzeigen der Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. 4. Sonntag nach Trinitatis, den 25. Juni: In der Stadtkirche: Vormittags 9‘/i Ubr: Pfarrverwalter Dr. Grein. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Dingeldey. Vormittags 6 Uhr: Kinderkirche. Pfarrer Schlosser. Nachmittags 2'/, Uhr: Gottesdienst mit Christenlehre für die Neuconfirmirten aus der MatthäuSgemeinde. Pfarrer Schlosser. In der Friedhofscapelle: Vormittags 8V, Uhr: FrühgvtteSdienst. Pfarrer Dingel de» Nachmittags 2«/a Uhr: Gottesdienst mit Christenlehre für die Neuconfirmirten aus der JohanneSgemeinde. Pfarrer Dr. Nau* mann. Katholische Gemeinde. Sonntag den 25. Juni, 5. Sonntag nach Pfingsten: Samstag: Vormittags 10 Uhr wird anläßlich des 10jährigen Stiftungsfestes der kathol. Studentenverbindung Hasso-Rhenania ein feierliches Amt gehalten, Nachmittags um 4‘/e Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Vormittags von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 6Vi Uhr erste hl. Messe; um 7‘/i Uhr AuSlhellung der hl. Communion; um 8>/, Uhr zweite hl. Messe; um 10 Uhr Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 2 Uhr Christenlehre; darauf Andacht. Gottesdienst in der Synagoge. Samstag den 24. Juni: Vorabend 7“ Uhr, Morgens 8*> Uhr, Nachmittag» 4* Uhr, Sabbathausgang 9» Uhr. Goltrsdieuft der israelitischen Keligiousgesellschast^ Freitag Abend 7“ Uhr, SamStag Vormittag 8-° Uhr, SamStag Nachmittag 4« Uhr, SamStag Abend 9» Uhr. Die Seiden-Fabrik 6. Henneberg (k.u.LHofl ), Zürich sendet direct an Private: schwane, weiße u. farbige Seidenstoffe von 75 Pf. bis Mk. 18.65 p. Meter — glatt, gestreift, carrirt, gemustert, Damaste rc. (ca- 240 versch. Qual. u. 2000 versch. Farben, DesfinS ir) porto- und zollfrei. Muster umgehend (492 Nach Wie vor wird der HoLLnd. Labak von v. Becker in Seesen a. H. allen ähnlichen Fabrikaten vorgezogen. 10 Pfd. lose in Beutel fco.SMk. Witterungsaussichten Wetterbäuswen, Südanlao-. t 2.1. 3unt, Moraen» 8 lldr Mittlerer Barometerstand 6d 0° R. = 744,7 mm. Barometer: Thermometer: Hygrometerstand: min.736mm, max 7^7 mm „+13WR-, „ + 17»/|®R. Neigung zu Regen. 22.Juni. Mtktaas !2Ulrr min.7d8mm, max.74lmm „ +130 R. „+23V|°R. Wind und Regen. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen em 23. Juni, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17, Luft 15 Grao. Rübiamen'sche Badeanstalt. Kleiderstoffe* Ans verkauf! Wegen vorgerückter Saison beabsichtige ich mein noch großes Lager in - feinen Xou veaut es-Damenk leider stoffen zu sehr billigen Preisen zu räumen und verkaufe ich bis 1. Juli er.: 4795 Reinwollene Kleiderstoffe changeant, mit Seide, die früher Mk. 4.— gekostet, jetzt Mk. 3.85. Reinwollene Kleiderstoffe ohne „ „ „ „ 2.50 ' „ „ „ 1.35. J. Pfeffer, Marktplatz Nr. 6 zlrftiOtt •Sfet1? SS& 13 SiinliefenW , 1“41 " 46,80 * Kalbl per Sßfun 5580] « e< Imme 5585] WehieS Fc mitten.___________ '3705] Lin schöne! Llocl, enthaltend 5 Zubehör, per 1. Zul mille ju oermiethen. 5581] 4 Zimmer tz-r im TUt Jf. Scheel, St 5W' schdn w. »it Pension, tu vnn Liebigs! BmniM -E^ftogknin der 5597) Sine kl. g schäft in einer kl. E teufen oder pachten । ®tfl Offert, unt. Crpeb- d «l. GebfiSes- wird für einige Doch Ui-creS bei der i 5&4J Eine wohle ®onf sucht für Ober! >4 in Giehen wohn Wn und Bett talQTtrung gut. @ ‘lebe man eub 0 F f d_!^LlatteSnieder älteres i"?1 der Nä ein freunbl. Li Subeh. ig FndeKnech nach **•-*,. *tain%.iu t*ta Bjt ,tte "vch ein Ws«- " * "ach vorn Deceniber, @nbe - eon M 2. December entstand ans einem ranb, welcher einen sachte. W Oiefeen. iinbe. : 25. Juni: >e: Dr. Grein. tcsdienst. Ps-mr Pfarrn Schlosser, mit Christenlejresür sgemeinde. Mn »eile: L Pfamr Linzelde» nit Cbristenlk-re für dir k Atter Dr. 31 au» üt iaL^chMli^rn'. mMch btf IWrizm vmitzhafsv-Rhenania ein 4'/iWunbWnb«um chr an Gelrarnbrit jur um 7*/i Uhr ÄuStheilnn, : hl. Meße: um 10 Uhr Ihr Christenlehre i dmlis Pagoge. hr, Nachmittags 4* Uhr, rligiousgestüMi tit. _— i(k.o.k.Hofl.), Zürich eitztu.f-rbip^' Meter - glatt, gestwst. AOual.u.2MM MrE^M- riv.»e«tttnSALS- fichten WS* 1* 1.3»-, M61 Arbeitsversteigerung. Mittwoch den 28. Juni, Nachmittags 1 Uhr, soll auf dem Gemeindehause zu Leihgestern nachstehende Arbeit öffentlich in Accord gegeben werden: 1. Pflasterarbeit einschließlich Schichtsteinlieferung zweiter Sorte, veranschlagt zu 464 vft, 2. Sandlieserung, veranschlagt zu 46,80 v4t. Leihgestern, am 21. Juni 1893. Heß. 5586 Aeilgeöotenes. Das Beste ist das [1686] Billigste, darum verwenden Sie r K^ffeeiusaiz.^ FATENTIRT-- * Oeffentliche Vergebung. 22 Raummeter Tannenscheitholz, 6 „ Buchenprügel, 200 Gentner Stückkohlen, 1000 „ Nußkohlen I. Qualität, 800 „ Anthracitkohlen I. Qualität sollen für 1893/94 im Justizgebäude zu Gießen angeliefert werden. Die Nuß- und Anthracitkohlen sind gewaschen, gesiebt und griesfrei abzuladen und hat Lieferant jeden im Keller sich ergebenden Gries zum Vergebungspreis zürückzunehmen. Droben dieser beiden Kohlen sind zu je Vi Gentner bei dem Hausmeister abzuliefern. Angebote können bis zum 11. Juli lfd. Js. auf der Gerichtsschreiberei des Landgerichts zu Gießen eingereicht, daselbst auch die übrigen Bedingungen in Empfang genommen werden, welche im Falle eines Angebots als acceptirt gelten. Gießen, 22. Juni 1893. Der Großh. Landgerichts-Secretär: __Löwer.______________________[5584 Versteigerung. Montag den 26. Juni, Vormittags 9 Uhr, kommt im Hofgerichtsgebättde, Brandplatz, zur Versteigerung : Werk- und Brennholz, größere Parthien, welches sich für Glaser und Schreiner eignet, Treppen, Fenster, Thüren, Ziegel, Platten, Steintritte U. s. W.5602 Bonner Fahnenfabrik in Bonn am Rhein. Hofllef. Sr. Maj. des Kaisers. König!., Grossherzogi., Herzogi. u. Fürstl. Hofllef. .Rum Schützenfest (9. bis 11. Juli): wasserächte Fahnen tu Flaggen, beste Qualität (z. B- Hessische und Deutlche gähnen mit und ohne Wappen). Wappenschilder, Inschriften, Transparente, Lampions, Fackeln Pünktliche Lieferung ausdrücklich sgarantirt- Reichhaltige Preisverzeich, nisse versenden wir gratis und franco. [5595 Kalbfleisch ■■ per Pfund 86 H. ■■■ 5590] G. Schmidt, Tiefenweg. Wermiethungen. 5585] Kleines Familienloais zu oer- miethen.__Hundsgasse 6- 3705] Ein schönes Logis im zweiten Stock, enthaltend 5 Zimmer mit allem Zubehör, per 1. Juli an eine ruhige fta» milie zu vermiethen. Bahnhofstraße 5. 5581] 4 Zimmer mit allem Zubehör im Hause Marktplatz 5 zu verm. M„ Scheel, Schtllerstratze 15. 5580] Ein schön möbl. Zimmer, eoent. mit Pension, zu vermiethen. Liebigstratze 66, parterre. Wermischte Anzeigen. 5597] Eine kl. gut geheude Wirth, schast in einer kl. Stadt o gr. Dorf zu kaufen oder pachten gesucht. Gefl Offert, unt. Chiffre E 0 an die Exped- d Bl.___________________________ Gebrauchtes Halbverdeck wird für einige Wochen zu leihe« gesucht. Näheres bet der Expedition d- Bl- »u erfragen._________________________ [5589 56H4] Eine wohlempfohlene Versich.- Bank sucht für Oberhessen einen womöglich in Gießen wohnenden Reise • In» spector und Vertreter der Bank. Salarirung gut. Gefl. Meldungen beliebe man sub O F 19 in der Expedition diese? Blattes niederzulegen._____________ 5593] Ein älteres Ehepaar sucht auf 1. October in der Nähe der Frankfurter- straße ein freund!. Logis von 2—3 Zim. mit Zubeh. zu miethe«. Angebote sind unter Nr. 777 bei der Exped. abzugeben. 5592] Ein älteres Mlldchen, welches selbständig kochen kann, sofort gesucht. __Näheres in der Exped. d. Bl._________ Pferdeknecht gesucht von Wilh. Seipp L., 5599]____Ludwigstratze 28. 5601] Ein MLdchen tagsüber zu Kin- dern gesucht.________Leihgesternerweg 9. Mädchen zur AuShülfe gesucht. [5591 Zu erfragen in der Expedition d. Bl. ron der Becke & Maraily, Antwerpen F. J. Bothof, Generalagent, Mainz. KSnig. Belg. Postdampfer voa AuLtmlft ettheiley: r schnelle Fahrten, gute ' Verpflegung, billigste Preise. An die Bewohner von Giessen u. Umgegend die ergebene Anzeige, daß von Samstag den 24 bis Freitag den 30. d. M., Abends, in der 6 Bahnhofstrasse 6 vis-ä-vis der Gastwirthschast zum Schipka-Paß nachstehende Maaren zum Ausverkauf ‘^27 kommen: Kurz-, Weiß-, Wollen Manufacturwaaren, Seinen, Garderoben - Stoffe, Wäsche, Gorsets, Vorhänge, Strümpfe, Handschuhe, Schürzen, Kragen, Manschetten, Shlipse, Hosenträger, Schuhe und Schlappen, Scheuertücher, Toiletten - Seife, Tricotagen, Normal-Wäsche, sowie noch viele Artikel, die hier aufzuführen nicht möglich ist, werden zu Spottpreisen ausverkauft. Durch einen kleinen Versuch kann sich ein jedes von der Wahrheit überzeugen. I. L. Halbreich aus Heldenbergen. Der Ausverkauf dauert nur von Samstag den 24. bis Freitag den 30. d. M., Abends.[5594 Bilanz der Spar- und stihknffc Watzkuborn-Ktembttg sAct.-Ges.) am 31. December 1892. Activa Kaffenbestand ... «^4 7236.15 Ausstände . . . . " 15415.41 Vorlagen . ... „ 58.43 Ausgeliehene Kapitalien „ 213587.13 Werth der Mobilien „ 339.05 Summa 236636.17 Passiva Einlagen . ... JL. 233658.85 Neseroefond . . . „ 1493.92 Ueberschuß . . . „ 1483.40 Summa JL 236636.17 Burck, Rechner. Philipp, Director. S ch aefer, Gontroleur. Wirthschafts-Uebernahme. Freunden und Gönnern, sowie einer verehrten Nachbarschaft die ergebene Mittheilung, daß ich mit Heutigem die Wirthschaft und Restauration Zum Gambrinus Wetzsteingasse 39 käuflich übernommen habe. Im empfehle ein gutes srisches Glas Bier, vorzüglichen Wetterauer Aepfelwein, gute reingehaltene Weine, sowie kalte und warme Speisen zu jeder Tageszeit. Vorn 1. Juli ab Mittagstisch im Abonnement. [5606 __Aug Fr. Albold. Gesangverein Gemüthlichkeit. Sonntag den 2. Juli: in Steins Garten Feier des 8. Stiftungsfestes verbunden mit Fahnenweihe. Nachmittags Concert. ^^uds Ball. Karten k 75 find im Vorverkauf zu haben bei den Herren Friseur Wahl, Neustadt, Friseur L. Dechert, Grünbergerstr. 13, Friseur Lehrmuud, Neum Bäue, sowie an der Kasse d 1 ji. — Karten für den Nachmittag find an der Kasse zu haben ä 30 Anfang 4 Uhr. Bier im GlaS. 5539] Der Vorstand. Akademischer Gesangverein. Am heutigen Freitag keine Probe. Nächsten Montag den 26. und Freitag den 30. Juni Proben zur Universitäts-Stiftungsfeier am 1. Juli. 5600__________________________________Der Borstand. Bürgerclub. Die auf Sonntag den 25. ds. Mts. geplante Parthie nach Arnsburg fällt vorläufig aus. 5504 ____________________Der Vorstand. Generalversammlung Montag den 26. d. M, Abends 9 Uhr im Vereinslocal (Feidel). Tagesordnung: ^i^riger. Bericht des Schriftführers, Mttlheilungen vom Delegirtentag in Heppenbeim, Sonstige». ____________________________[5583 Männerturnverein. Sonntag den 25. Juni: Gauturnfest in Bad - Nauheim. Für die fahrplanmäßigen Züge am Sonntag stütz 5 Uhr und Mittags 12 Uhr 6 Min. Preisermäßigung (Rückfahrtkarte 1,20 JL bei dreitägiger Gültigkeit), wenn die verehrlichen Mitglieder mindestens t/a Stunde vor Zugabgang zum Empfang der Karten anwesend sind. [5588 _______________________________ Der Vorstand. Bürg-erg'esellschaft. Sonntag den 25. Juni: Parthie nach dem Ludwigsbrunnen. 5598 Der Vorstand. ;-'1 Win Samstag den 24. l. M., von Abends 7 Uhr ab: Verlammfiiiiß im Lenz schen Felsenkeller. ____________Oer nationalliberale Wahlausschuss. Auf die Anfrage in Nr. 144 des Gießener Tageblattes, meine Stellung zum Antisemiüsmus bett., zur Erwiderung: „Ich erachte es für Anstands-, Christen- und Bürgerpflicht, Bestrebungen, wie sie Dr. Böckel und seine Genossen zur Verhetzung unserer Bevölkeruilg, zur Schädigung deutschen Ansehens und deutscher Sitte in schamlosester Weise betreiben, mit aller Energie entgegen zu arbeiten und werbe mir es zur Ehre anrechnen, wenn ich etwas dazu beizutragen vermag, den guten Namen oberhessischer Gesinnungstüchügkeit von einem garsttgen Flecken befreien zu helfen. 5582 _________________________C Meinert. Zur Stichwahl! Im gestrigen „Tageblatt" befindet sich unmittelbar unter der von unserem Wahlcomitä ausgegebenen Parole: „Wahlenthaltuns in der Muich" eine Aufforderung, für den Antisemiten zu stimmen. Genossen! laßt Euch durch diesen Schwindel nicht fangen, denn diese Aufforderung kommt nicht aus unseren Reihen. Gebt unter keinen Umständen dem Antisemiten Eure Stimme, der kein Freund der Arbeiter ist, der vielmehr im „Reichsherold" unsere Partei als die Partei der Schuste bezeichnet hat. 5603 Ein Socialdemokrat. Das Comite für meine Wahl hat für die Stichwahl 3NE* Stimmenenthaltung >6 (siehe Tageblatt Nr. 145) empfohlen. Alle sonstigen angeblich von Socialdemokraten er- laffenen Veröffentlichungen behufs Stimmenabgabe find Schwindel. 5607 Karl Orbig*. Der mrtioimlliberalc i 5608 Ein Genosse 5596 • StTlin, 21. 3 Uhr hat sich in Gardr-Grenadier-3 3. Compagnie gena i. d. Hardt ers 'oll in „verletztem Offizier- wurde a zu Tempelhos geb, e Berlin. 21. Re»*cti<>Hi Ä. Scheyd«. — Dreck en» Berit« der 8rü»r<<6en Druckerei (Fr. 6»r. Bietsch) bi Gietzen. Di* heutig* 9?ummrr umfaßt 6 Seit*«. Kann Euch diese Entscheidung schwer satten? Wir glauben es nicht! Wir haben vielmehr zu Eurem ehrlichen und gewissenhaften Sinne die feste Zuversicht, daß Ihr unter Hintenansetzung mancher Meinungsnnterschiede in ihrer großen Mehrzahl für unseren Candidaten Herrn C. Meinert in Conradsdorf stimmen werdet. Insbesondere fordern wir alle Diejenigen auf, welche im ersten Wahlgange Ntlhl ab- gestimmt haben, nun bei dieser Wahl ihre Pflicht treu zu erfüllen und dessen'eingedenk zu sein, daß, wer nicht wählt, indirect daran, Schuld trägt, wenn unser Wahlkreis in gleich unwürdiger Weise durch einen Genoffen Pickenbachs und Ahlwardts vertreten wird, wie es im verflossenen Reichstage war. SdtUttl HWgCtt ’jlllc, die sich in gemeinsamer Liebe zu unserem Vaterlande zusammenfinden, ihre Stimme vereinigen auf Herrn C. Meinert in Conradsdorf. M im Bei Invaliden vorn be« MMr-Penfim .,nö und welche 1) die Krug 27. Junr 21 die Zulac scheins gk bezw- § tzehen/ so Kriege v feit diesei aus Senk nicht im § 72 des 3) auf Grui 27. Juni liegen. . ■btn nch bis ft ..'4ung ihrer Ml buches bei dem Ht persönlich oder sch, Gießen, de überstlieutenant SRontW5- SS« Ätt Don v ^Die Zeit der welchen Badeort er arzt und, totnn er ”od> sogenannte A, "ähnlich jede ein a nur oberen Ze M „nmi uU? logen. Keine rt7 gestalten. Nur $£9* • ; Reisende, njo , °a' P-°kis I laben, f ei«*.?""' «°s>ch 1 k°l,e 8äber | °1'« »«rtbbab °b- ÄÄ- '"b ib n ennl ' enllch'» e eiWg »arUb ^t « trtaf. * ' «H 3nr Stichwahl! Wähler! Jetzt gilt es, sich entscheiden! Wvüt Ihr Eure Stimme einem Candidaten geben, der sowohl in seiner Persönlichkeit, als auch seiner Zugehörigkeit zu einer hochangesehenen Partei jede Garantie bietet, daß unser Kreis eine würdige Vertretung finde? Oder wollt Ihr Eure Stimme einem Candidaten geben, der in keiner Richtung diese Garantie bietet, vielmehr einer Partei angehört, die schon im verflossenen Reichstag durch ihre Ohnmacht, Zerfahrenheit und Charakterlosigkeit sich kennzeichnete und den ganzen Parlamentarismus in Mißcredit brachte. Partei-Genossen! Es dürfte sich empfehlen, den Parteigenossen folgenden Vorfall in Erinnerung zurückzurufen. Als vor circa drei Jahren die antifemitifche Ver- fammlung auf dem „Lahnstein" aufgelöst worden war, fuhr Dr. Böckel mit dem Abend-Schnellzug nach Marburg und erzählte im Coup« öffentlich: „Die Socialdemokraten haben die Versammlung gestört, man muss die rothen Schufte zusammenschiessen wie die tollen Hunde.“ Genossen! Wenn uns auch Vieles von den Aationalliberalen trennt, so wählet Mann für Mann C. Meinert denn diefer giebt feine Erlaubnis? zum Zufammenfchiesten noch lange nicht.