Mns [10249 ■8 K: -—SsNeJ. ilrn Stock mit ZM7 Vk^SüdanIage 20. Logis von je 3 «D or ju omniethm. _ Lovtt -ellauld, Mfe Stock, bestehen» S^mtra, sM M ___». ttMtH, dttl Ttock, 6 RhrontT W- ist PT. 1. AM ge Familie zu vermich-, Bahnhoffköhe 71. lnem Hwse, AstmvrsbZ, tock, 6 Zimmer, 1 Mw s. ®>, alsbald ob. fpitn ti, Wallthorstraße 18. tes Zimmer zu oermtetha. > Fratig, »sterwea b. Prten^'Zimmer zu vei- Mmvuraerstrahe V lemandergekende möbltm miethen. Alicestratze A. nfach möblirtes Slmur Seltersweg 61. '/ ßimmtr ju Mchmylatz 4. hte Anzeigen. 0 (schott. Schäfer vj Hund) abhanden Dem Wieder- e Belohnung, vor rd gewarnt. derMed^Bl. e zum Schlachter angelausi. J8491 .hler^RoME^. von Etroh' M> hten «-Myi. hnafttn von 77sibr A ausgch«> -- * tzedavtt NW* »Sa jjssrtf»*: MM sEAB« UM i fff*_____________- Nr. 302 Erstes Blatt. Samstag den 23. December Der gtaftter «Ni««« täglich, «ti lulne^me tx« Montag«. ®w Gießener y«>*lHteiCi((er ■' Jen dem Anzeiger «rrchenttich dreimal deigelegr. Gießener Anzeiger Keneral-Mnzeiger. 1893 vierten Ihriger AlnMarai^rttoi 2 Mart 20 Pfg. o* Bringerlohn. Durch Vie Post brzoß« 2 Mark 50 PI» Refcaction, Exped4ßi«m und Druckerei: >4B(h- - । — Annahme von Anzeigen zu dn Rachmillag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Vorm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Jamikienblätter. Alle Annoncen-Bureaux de« In. und Ausland,« nehm«, Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegn». Theil. Gießen, den 21. December 1893. Betr.: Die Ausführung des Gesetzes vom 10. September 1878 über den Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 16 Jahren. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche mit Erledigung unserer Verfügung vom 14. v. Mts. (Amtsblatt Nr. 10) noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist von 5 Tagen erinnert. v. Gagern. Gießen, den 21. December 1893. Betr.: Den Verkehr der Radfahrer auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießeu au die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Die mit Erledigung unserer Auflage vom 13. d. M. (Anzeiger Nr. 296) rückständigen Großh. Bürgermeistereien erinnern wir an Berichterstattung mit Frist von 3 Tagen. '______________v. Gagern.__________________ Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Kranken- und Sterbekaffe zu Heuchelheim (eingeschriebene Hülfskasse) sich nach Beschluß der Generalversammlung mit Ende dieses Jahres auflöst. Gießen, den 20. December 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Nr. 38 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 18. l. M., enthält: (Nr. 2136.) Bekanntmachung, betreffend Ergänzung und Abänderung der Anlage B zur Verkehrsordnung für die Eisenbahnen Deutschlands. Vom 15. December 1893. Gießen, den 21. December 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 21. December. In den jüngsten Tagen war wieder einmal von einer Kanz lercrisis die Rede, welche anläßlich der neuen Handelsverträge bestanden haben sollte. Es hieß, mächtige Unterströmungen hätten in den handelspolitischen Fragen sogar an allerhöchster Stelle gegen den Reichskanzler angekämpft, und diese Anfeindungen seien erst durch die Audienz des Grafen Caprivi beim Kaiser vom 14. December beseitigt worden. ES handelt sich indessen bei dem ganzen angeblichen Zwischenfalle nur um müßige Combinalionen, wie von informirter Seite bestimmt versichert wird, von einer Kanzlercrisis konnte im Ernste gar nicht | gesprochen werden. — Zu den mancherlei Nachklängen, welche der jüngste ! Reichsgerichtsproceß gegen die französischen Spione gezeitigt hat, gehörte auch das Gerücht von einer ! geplanten Begnadigung der französischen Offiziere seitens des Kaisers. In unterrichteten Kreisen weiß man indessen nicht das Mindeste von einer derartigen Absicht, das betreffende Gerücht scheint lediglich durch den Umstand veranlaßt worden zu sein, daß sich der Kaiser über den Verlauf und Ausgang des Leipziger Spionageprocesses hat eingehenden Bericht erstatten lassen. Auch an sich ist es höchst unwahrscheinlich, daß eine Begnadigung der beiden Verurtheilten eintreten sollte^; der Prozeß gegen sie zeigte klar, wie gefährlich ihr Treiben für die Interessen der deutschen Landesvertheidigung war, viele Leute huldigen sogar der Ansicht, daß Degouy und Delguey - Malavas mit ihrer Vcrurtheilung zu Festungshaft noch verhältnißmäßig sehr glimpflich davongekommen seien. UebrigcnS ist ihnen nicht, wie mehrfach gemeldet wurde, die Festung Magdeburg als Platz zur Verbüßung ihrer Strafe bestimmt worden, sondern die Festung Glatz. Neueste Nachrichten» Wolffs telegraphisches Correspondenz- Bureau. Berlin, 20. December. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Der Minister des Innern bringt aus Anlaß der politischen Gegensätze der Kämpfe der Gegenwart, namentlich auf wirthschaftlichem Gebiete, den Allerhöchsten Erlaß vom 4. Januar 1892 in Erinnerung und macht dessen Beobachtung wiederholt zur Pflicht. Der Erlaß enthält die Grundsätze, welche den Königlichen Beamten für ihr politisches Verhalten nicht nur bei Wahlen, sondern unter allen Verhältnissen zur Richtschnur zu dienen haben. Berlin, 21. December. Der „Reichsanzeiger" meldet . Der Landwirthschaftsminister übersandte den Oberpräsidenten auf Grund der Klagen über die großen Verluste der Landwirtschaft durch die unter den Schweinebeständen herrschenden Seuchen den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Entschädigung fürVerluste,zur Begutachtung nach Anhörung der Provinzialverwaltungen und der landwirth» schaftlichen Centralvereine. Kopenhagen, 21. December. Der Minister des Innern erließ heute ein Verbot gegen die Einfuhr von Kleie in gebrauchten Säcken aus Rußland, Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Belgien und Frankreich. Das Verbot tritt am 1. Januar in Kraft. Ausgenommen sind Kleiesendungen, die bis zu dem genannten Tage unterwegs sind. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 21. December. Die Handelsverträge mit Spanien, Rumänien und Serbien sind zur Allerhöchsten Ratification vorgelegt worden. Berlin, 21. December. Die „Post" hört, daß innerhalb deö preußischen Staatsministeriums die gegen die Einführung der Oberlandesgerichte als Berufungsinstanz eine Zeit lang bestandenen Bedenken nun größtentheils fallen gelassen sind. Berlin, 21. December. Nach der „Post" haben die Delegirten zu den deutsch-russischen Vertragsverhandlungen heute die letzte Sitzung vor Weihnachten abgehalten. Die russischen Delegirten, mit Ausnahme des Herrn Timirjaseff, reisen nach Petersburg am 21. Januar zurück. Berlin, 21. December. Die „Post" spricht in einem längeren Artikel über den rumänischen Handelsvertrag und die Lage der Landwirthschafr. Der Artikel schließt mit dem Gedanken, angesichts der entscheidenden Bedeutung, welche der Währungsfrage gerade in landwirthschaftlichen Kreisen beigelegt werde, sei es rathsam, sorgfältig zu prüfen, ob mit dem Ausspruche, daß gegenwärtig nur Zeit zum Abwarten angezeigt sei, das letzte Wort gesprochen sei. Gute Gründe bestehen dafür, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen, zu efnei mehr activen Währungspolitik überzugehen. Berlin, 21. December. Unter Vorsitz des Prinzen Franz v. Arenberg hat sich heute Hierselbst das Deutsche Cen- tral-Comitö für die Antwerpener Weltausstellung von 189 4 constituirt. Zum Vorsitzenden wurde Prinz v. Arenberg, zu stellvertretenden Vorsitzenden Reichs- ralh und Commerzienrath Häßler-Augsburg, Generalconsul Goldberger Berlin, Commerzienrath Lanz-Mannheim, Generalconsul Benger Stuttgart gewählt. Zu Delegirten in das Central>Comit6' wurden Geh. Commerzienrath Michels Cöln, Feuilleton. Gsspsro. Eine romantische Weihnachtsgeschichte. (Literarisches Eigenthum von Hugo Andres u. Co., Frankfurt a d. Oder.) (2. Fortsetzung.) Am nächsten Morgen, kurz nachdem unsere Arbeit begonnen hatte, kam er so nahe zu mir, daß er im Flüstertöne zu mir sprechen konnte: „Franyois, habt Ihr Lust, zu entfliehen?" Ich fühlte, wie das Blut mir ins Gesicht drang. Ich hielt meine Hände fest, ich konnte nicht sprechen. „Könnt Ihr ein Geheimniß bewahren?" „Bis zum Tode." „Hört dann. Morgen kommt ein hoher Staatsminister, um den Hafen zu besuchen- er wird die Docks, die Gefängnisse, die Steinbrüche besichtigen. Es wird viel Kanoniren von den Forts und den Schiffen geben und wenn zwei Sträflinge entspringen, wird eine Salve mehr oder weniger die Aufmerksamkeit rund um Toulon nicht auf sich ziehen. Versteht Ihr?" „Ihr glaubt, daß Niemand die Signale verstehen wird?" „Nicht einmal die Schildwachen bei den Stadtthoren — nicht einmal die Wächter im nächsten Steinbrüch. Zum Teufel! Was kann leichter sein, als gegenseitig unsere Fesseln mit dem Sp tzhammer zu durchschlagen, wenn der Oberaufseher nicht hersieht und Salutschüsse abgefeuert werden? Wollt Ihr es wagen?" „Mit meinem Leben!" „Abgemacht, Hand darauf!" Ich hatte seine Hand im Umgänge mit ihm bisher nie berührt und es kam mir vor, als ob meine Hand durch diese Berührung mit Blut befleckt wurde. finsteren Glanze seiner Augen, daß er meine zögernde Berührung richtig deutete. Am folgenden Morgen wurden wir eine Stunde früher als gewöhnlich geweckt und einer generellen Jnspection im Hofe des Gefängnisses unterzogen. Ehe wir an unsere Arbeit gingen, erhielten wir eine doppelte Ration Wein. Um ein Uhr hörten wir die ersten entfernten Salutschüsse von den Kriegsschiffen im Hafen. Der Schall traf mich wie ein electrischer Schlag. Eins nach dem andern nahmen die Forts das Signal auf; näher im Hafen wiederholten die Kanonenboote dasselbe. Salve folgte auf Salve längs den Batterien auf beiden Seiten des Hafens und die Luft ward dick durch den Rauch. „Wenn dorr der erste Schuß abgeseuert ist," flüsterte Gasparo, indem er auf die Kaserne hinter dem Gefängniß zeigte, „dann schlage auf das erste Glied meiner Kette dicht am Knöchel." Ein Verdacht kam blitzschnell in meinen Sinn. „Wenn ich es thue, wie kann ich sicher sein, daß Ihr mich nachher frei macht? Nein, Gasparo, Ihr müßt den ersten Schlag thun." „Wie Ihr wollt," antwortete er mit einem Lachen und einem Fluche. In demselben Augenblicke kam ein Blitz von den Zinnen der Kaserne in der Nähe und dann ein donnernder Wieder- Hall, der durch die ringsherum liegenden Felsen immer und immer verstärkt wurde. All dieser Lärm erschallte über unseren Köpfen; ich sah ihn schlagen und fühlte, daß die Fesseln von mir fielen. Kaum war das Echo der ersten Kanone verstorben, als die zweite abgefeuert ward. Jetzt kam Gasparo an die Reihe, frei gemacht zu werden. Ich schlug, aber weniger geschickt, und mußte den Schlag zweimal wiederholen, ehe das widerspenstige Glied brach. Wir fuhren darauf anscheinend mit unserer Arbeit fort, ziemlich nahe aneinander stehend, nachdem wir die Kelten zwischen uns auf Niemand hatte uns bemerkt und [ Niemand hätte auf den ersten Blick entdecken können, was • wir gethan hatten. Bei dem dritten Schuß erschien eine Gesellschaft von Offizieren und Herren an der Biegung der Straße, welche zum Steinbruch führt. In einem Augenblick kehrte sich jeder Kopf nach dieser Richtung; jeder Verbrecher hielt in seiner Arbeit inne, jeder Wächter präsentirte seine Waffe. In diesem Moment warfen wir Kappen und Spitz- Hammer fort, erkletterten das schroffe Stück der Klippe, wo wir gearbeitet hatten, stürzten uns in eine Schlucht unter uns und eilten in die Bergpässe, welche nach dem Thale führen. Noch mit den Fußeisen, an welche unsere Ketten befestigt gewesen waren, beschwert, konnten wir nicht sehr schnell rennen. Um unsere Schwierigkeiten noch zu vermehren, war die Straße uneben, mit Kieseln und herab- gesallenen Granitblöcken bestreut und gekrümmt wie die Windungen einer Schlange. Plötzlich, bei der Biegung einer scharf hervortretenden Felsenkante, trafen wir auf ein kleines Wachthaus und auf ein Paar Schildwachen. Umzukehren war unmöglich, dte Soldaten waren nur einige Ellen von uns entfernt. Sie legten an und forderten uns auf, uns zu ergeben, da drehte sich Gasparo nach mir um wie ein in die Enge getriebener Wolf. „Verflucht feist Du!" nachdem er mir einen furchtbaren Schlag ertheilte, „bleibe und mögen sie Dich ergreifen, ich habe Dich immer gehaßt!" Ich fiel nieder, wie mit einem Schmiedehammer getroffen, und während ich fiel, sah ich, daß er einen der Soldaten zu Boden schlug; ich hörte einen Schuß, dann — ward alles dunkel um mich her und ich wußte von nichts mehr. Als ich dann meine Augen öffnete, fand ich mich auf dem Boden eines kleinen unmöblirten Zimmers liegend, das schwach erleuchtet war durch kleine, nahe an der Decke befindliche Fenster. Es kam mir vor, als seien Wochen vergangen, seit ich mein Bewußtsein verloren hatte. Ich besaß kaum so viel Kraft, daß ich mich erheben konnte und vermochte nur Ich erkannte aus dem | einen Haufen gelegt hatten. Geh. Commerzienrath Thieme-Leipzig, Generalconsul de Bary- Antwerpen, in den geschäftsführenden Ausschuß Freiherr v. Asche Hamburg'Harzburg, Commerzienrath Lüdecke-Berlin, Commerzienrath Mey Berlin, L.-Plagwitz, Geh. Baurath Schneider gewählt. Zum geschäftSsühreoden Delegirten wurde Herr Carl Romen-Charlottenburg ernannt und sind an denselben alle auf die Ausstellung bezüglichen geschäftlichen An« fragen, Mittheilungen, sowie Anmeldungen u. s. w. zu richten. Wien, 21. December. Im Ministerium deS Aeußern tritt heute die österreichisch-ungarische HandelS- uud Zollconferenz zusammen, um eine Antwort auf die letzte russische Note betr. den Abschluß deS Handelsvertrages festzusetzen. Wien, 21. December. In Budweis findet am 24. d. M. die Eröffnung des Congresses der czechischen So- ctaldemotraten Oesterreichs statt- derselbe wird drei bis vier Tage währen und in der Hauptsache die Frage der Tactik für Einreichung der Vorlage eines allgemeinen directen Wahlrechtes zur Erörterung bringen.' Prag. 21. December. Nachdem nunmehr das Dynamitattentat gegen Dr. Wolf bekannt geworden, erfährt man noch, daß vor einigen Tagen auch der gleichfalls in Rakonitz wohnende Dr. Cohn einen Drohbrief erhalten hat, welcher die Aufforderung erhielt, unverzüglich 300 Gulden für den czechischen Schulverein zu hinterlegen, widrigenfalls man ein Attentat gegen ihn ausführen werde. Belgrad. 21. December. Die Skupschtina nahm den russischen Handelsvertrag ohne Debatte an. — Die Meldung, Ristic sei gefährlich erkrankt, ist unbegründet. Geut, 21. December. Dem Studentencongreß, der heute Nachmittag eröffnet wurde, wohnten 80 Delegirte von deutschen, französischen, italienischen, schweizerischen und belgischen Studentenvereinen bei. Paris, '21. December. Die „Debats" bezeichnen die durch die hiesigen Zeitungen verbreitete Nachricht, daß die französische Regierung dem Lager von Malmödy ein befestigtes Lager bei Givet 'gegenüberstellen wolle, als jeder Begründung entbehrend. Paris, 21. December. Ein heftiger Südsturm wüthet an der ganzen französischen Küste. Zwischen Brest und Calais sind zahlreiche Schiffsunfälle vorgekommen. Marseille, 21. December. Madame Remy erhielt gestern sechs Monate Gefängniß, weil sie in Versammlungen zum Mord aufgefordert hatte. Sitzung -er Stadtverordneten am 21. December 1893. Anwesend: Herr Beigeordneter Georgi, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Emmelius, Flett, Habenicht, Helfrich, Heyligenstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Orbig, Petri, Dr. Ploch, Dr. Schäfer, Scheel, Schiele, Simon, Schmall, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels. Herr Beigeordneter Georgi eröffnete die Sitzung mit der Mittheilung, daß er an Stelle des erkrankten Herrn Oberbürgermeisters den Vorsitz führen werde. Er theilte zu Punkt 1 der Tagesordnung hierauf mit, daß Herr Profeffor Honstein in Chicago durch Herrn Heyligenstaedt der Stadt Gießen ein Werk über die Entwickelung Chicagos zum Geschenk gemacht habe. Die Versammlung nimmt mit Dank von dieser Gabe Kenntniß- ein weiteres, von der Stadt Worms gestiftetes Werk betrifft die dortigen Hafen- und Uferbauten. Weiter gibt Herr Beigeordneter Georgi Kenntniß von den bei der Verloosung von Kunstgegenständen auf die Stadt Gießen gefallenen (in Nr. 293, 1. Blatt des Gießener Anzeiger erwähnten) Gewinnen (Kupferstiche). Dem Gesuch deS Männerturnvereins um Ueber- lassung der Realschulturnhalle zur Abhaltung von Turnabenden bis Mitte Februar wird unter den bereits im Januar d. I. bei mit Schwierigkeit auf den Füßen zu stehen, als ich mich erhoben hatte. Wo mein Kopf gelegen hatte, war der Fußboden naß von Blut. Schwindelig und verwirrt, lehnte ich mich gegen die Wand und versuchte zu denken. Vor allen Dingen, wo war ich? Offenbar in keinem Theile des Gefängnisses, dem ich entflohen war. Dort war alles Stein und Eisengitter, hier waren nur geweißte Wände von Fachwerk mit Mörtel. Ich mußte mich in einer Kammer deS kleinen Wachthauses befinden, vermuthlich in einer oberen Kammer. Wo waren denn die Soldaten? Wo war Gasparo? Besaß ich Kraft, nach jenem Fenster hinaufzuklimmen? Und wenn das der Fall war, nach welcher Richtung ging daS Fenster hinaus? Ich stahl mich nach der Thür und fand, daß sie verschlossen war. Ich horchte mit angehaltenem Athem, konnte aber weder oben, noch unten einen Laut vernehmen. Als ich wieder zurückkroch, sah ich, daß daS kleine Fenster doch mindestens vier Fuß über meinem Kopfe sich befand. Der ebene GypS bot mir keine Hervorragung, auf welcher ich mich hätte erheben können, und es war nicht einmal eine Feuerstelle vorhanden, von welcher ich eine Stange hätte loS- reißen können, um für meine Hände und Füße Löcher in die Wand zu bohren. Halt, da war mein lederner Gürtel und an demselben der eiserne Haken, welcher meine Kette zu tragen pflegte, wenn ich nicht an der Arbeit war. Ich riß den Haken ab und klopfte an drei oder vier Stellen den Mörtel heraus, kletterte hinauf, öffnete daS Fenster und schaute gespannt hinaus. Vor mir, in einer Entfernung von nicht mehr als dreißig Fuß, erhob sich der rauhe Fels, unter dessen Schutz das WachthauS erbaut war- zu meinen Füßen lag ein kleiner Küchengarten, welcher von der Basis des Felsens durch einen schlammigen Graben abgetrennt war, und. dieser schien durch die Schlucht zu lausen, recht- und links, so viel ich es beurtheilen konnte, lag der felsige Weg, auf welchen unser Lauf gerichtet gewesen war. (Fortsetzung folgt.) Stellung deS gleichen Gesuchs vereinbarten Bedingungen statt- gegeben. Das Ergebniß der Rechnung der Gymnasial-Bor- schule für 1892/93 befindet sich in Uebereinstimmung mit dem in einer früheren Sitzung erstatteten Bericht und wird darauf der Fehlbetrag von 517,33 Mk. auf die Stadtkasse übernommen. Nach der Abrechnung über das in diesem Jahre abgehaltene Jugendseft beträgt die Einnahme 2404,03 Mk., die Ausgabe 2469,16 Mk.: daS Defizit von 64 Mk. soll, wie bereits vor dem Feste beschlossen worden, auf die Stadtkasse übernommen werden. Herr Beigeordneter Georgi bemerkt hierzu, daß der Stadtvorstand auch gleichzeitig Veranlassung nehme, dem Festausschuß den Dank für seine Mühewaltung abzustatten. Von den im Voranschlag für 1892/93 vorgesehenen S'traßenbauten konnten verschiedene nicht auSgeführt werden und ist deren Uebertragung auf das nächste Rechnungsjahr der Rechnungsstellung wegen erforderlich. Es werden darnach die hier bezeichneten Summen für die noch restirenden Arbeiten an nachfolgenden Straßen in daS Rechnungsjahr 1893/94 übertragen: Fußgängerpfad zwischen Frankfurter Straße und Bahnhof- Voranschlag 26 000 Mk., aufgewendet 17 251,38 Mk., zu übertragen 8748,62 Mk. — Theilstrecke der Liebigstraße von der Ludwigstraße bis zur Stephanstraße - Voranschlag 9800 Mk., aufgewendet 8897 Mk., zu übertragen 1303 Mk. — Ausführung der Bleichstraße - Voranschlag 2700 Mk., aufgewendet 1586 Mk., zu übertragen 1114 Mk. — Stephanstraße - Voranschlag 15 000 Mk., aufgewendet 6397 Mk., zu übertragen 9163 Mk. — Straße vom Brand nach der Licherstraße - Voranschlag 26 000 Mk., aufgewendet 18 546 Mk., zu übertragen 7854 Mk. — Wetzsteinstraße— Kirchenplatz - Voranschlag 7000 Mk., aufgewendet 3532 Mk., zu übertragen 3468 Mk. Die Grabstätte des Wolf von Todtenwart befindet sich in schlechtem Zustande. Die Versammlung beschließt Bewilligung von 20 Mk. für die erstmalige Herstellung und unter Berücksichtigung des Umstandes, daß v. Todtenwart Stifter eines Capitals zu wohlthättgen Zwecken ist, die dauernde Unterhaltung der Grabstätte auf Kosten der Stadt. Nach Mittheilung des Kaiserlichen Postamts sind die Bewohner der Gartenstraße und des Schiffenberger Weges um Aufstellung eines Briefkastens in bezeichneter Gegend vorstellig geworden. Kaiserliche Postdirection hat sich bereit erklärt, diesem Wunsche zu entsprechen und will nach Herstellung des Bürgersteigs am Hause Schiffenberger Weg 14 einen Briefkasten anbringen lassen. Das darauf gerichtete Gesuch wird nicht beanstandet. Ueber das Bau- bezw. DispensationSgesuch deS Corps Teutonia wird, da dasselbe noch nicht spruchreif, nicht verhandelt, "aus gleichem Grunde wurde Punkt 11 der Tagesordnung: Düngung der städtischen Wiesen, abgesetzt. Zufolge einer von Seiten des Großh^ KreisamtS ergangenen Verfügung hat eine neue Festsetzung des durch- schnittlichen JahresarbettSverdtenftes der in land- und forst- wirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen stattzufinden. Es wird beschlossen, die im Laufe des vorigen Jahres von der landwirthschaftlichen Commission in Vorschlag gebrachten und genehmigten Tagelohnsätze in ihrem 300fachen Betrage Großh. Kreisamt zu unterbreiten. Diese Jahreslohnsätze gestalten sich wie folgt: 540 Mk. für erwachsene männliche Personen über 16 Jahren, 330 Mk. für erwachsene weibliche Personen über 16 Jahren, 270 Mk. für jugendliche männliche Personen unter 16 Jahren, 250 Mk. für jugendliche weibliche Personen unter 16 Jahren. Den bei der diesjährigen außerordentlichen Viehzählung behilflich gewesenen 4 Schutzleuten sollen je 10 Mk. Remuneration bewilligt werden. Nach dieser Viehzählung wurden am 1. December innerhalb der Gemarkung Gießen gehalten: Rindvieh unter 2 Jahre alt 88- über 2 Jahre alt 345 — 433 gegen 439 Stück bei der vorigen Zählung - Schweine 445 Stück gegen früher 499 Stück. Zu dem Gesuch des Herrn G. Löhr um Concession zum Wirthschastsbetrieb in der bisherigen Wirthschaft „Zur Traube" in der Kaplansgasse ist vom Großh. Kreisamte die Angabe der Begründung zu der von der Stadtverordneten- Versammlung erfolgten Befürwortung eingefordert worden. Die Commission hat beantragt, den Beschluß damit zu begründen, daß es sich um Uebergang einer bestehenden Wirth- schäft auf einen neuen Inhaber handele. Herr Carl W e i d i g hat um Concession zum WirthschastS- betrieb in seinem Neubau in der Sonnenstraße nachgesucht. Bezüglich dieses Gesuchs wird die Bedürfnißfrage mit der Begründung bejaht, daß im alten, an Stelle deS Neubaues stehenden Hause bereits Wirthschaft betrieben wurde. — Die Gesuche der Herren Wilhelm Reinhold (Restauration Einhorn) und Heinrich Schmidt (Grünberger Straße) werden befürwortet unter Hinweis darauf, daß es sich bei ihnen um Uebergang bestehender Wirtschaften auf andere Inhaber handele. totales und provinzielles, Gießen. 22. December 1893. ♦♦ Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog habenAllergnädigst geruht: Am 15. December dem Vorsitzenden des evangelischen Kirchenvorstandes zu Gießen, Pfarrer Dr. Carl Wilhelm Naumann daselbst, daS Ritterkreuz erster Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen. ** B-l. Die Gießener Freiwillige Feuerwehr hielt gestern Abend im „Frankfurter Hof" ihre zweite General-Versammlung ab. Da die letzte General-Versammlung nicht ganz statutengemäß abgehalten wurde, mußte eine nochmalige Wahl deS Hauptmanns und der Obleute re. vorgenommen werden. DaS CorpS war in der Stärke von 89 Mitgliedern vertreten. Der erste Hauptmann, Herr Grün, erstattete vor Eintritt in die Tagesordnung einen kurzen Bericht über die inneren CorpSangelegenheiten. Als erster Punkt ftanfr auf der Tagesordnung die DorftandSwahl. Zum ersten Hauptmann wurde Herr Grün mit 52 gegen 34 Stimmen, die auf Herrn Möhl fielen, wiedergewählt. Zum zweiten Hauptmann wurde Herr Gail fast einstimmig gewählt. Zu Obleuten der verschiedenen Geräthe rc. wurden die Herren Neuling, Wigandt, Walther, Nagel, König, A. Dickore und Friedrich, zu Beisitzern die Herren Heck und Peter mann, zum Rechner Herr Weinert und zum Schriftführer Herr Troxel gewählt. Zu Stellvertretern der Obleute wurden die Herren K. Tränkner, Wack, Kaeß, Bourgeois, Bender, I. DickorL und Dechert gewählt. Zum Schluß wurden noch einige Anträge rc., welche der Genehmigung der Generalversammlung bedurften, erledigt. * • Zur Warnung Die Ursachen häufig vorkommender Ofen-Explosionen in Folge V erb rennens von Weihnacht»- bäumen wurden dieser Tage in einer Sitzung der Polytechnischen Gesellschaft zu Berlin erklärt. Tanne und Fichte find in Stamm, Zweigen und Nadeln sehr harzreich. Da» Harz enthält Kohlenwasserstoff. Wird der Baum verbrannt, so entströmt der Kohlenwafferstoff in großer Menge - geschieht daS Verbrennen in einem Ofen oder Herd mit starkem Zug, so verbindet sich der Kohlenwasserstoff mit dem Sauerstoff der atmosphärischen Luft und eS entstehen Gase sehr explosibler Art, denen der Kachelofen nicht Stand hält. Wie bedeutend der in den Nadeln des BaumcS enthaltene Kohlenwasserstoff ist und wie kräftig er unter der Einwirkung der Hitze ausströmt, läßt sich erkennen, wenn man einen mit Nadeln besetzten Zweig einer Kerzenflamme nähert. Die Ausströmung de» Kohlenwasserstoffes aus den Nadeln, die im Innern eine Röhre besitzen und porös sind, ist so stark, daß die Flamme der Kerze oft ausgelöscht oder ausgeblasen wird. * * Winter-Manöver? Infolge berauch beim 11. Armeecorps befohlenen Winterübungen werden die Truppen nach den Festtagen ein Winter-Manöver abhalten, daS etwa zehn Tage dauern wird. * * Dem auf Rundreisehefte reisenden Publikum dürfte von Interesse sein, zu erfahren, daß bei gleicher Hin- und Rückreise nur die Hinreise aufgestellt zu werden braucht. Die Kilometer und Beträge für dieselbe werden addirt und unter die Summe wird diese noch einmal mit der Bezeichnung: „und denselben Weg zurück" gestellt und danach die ganze Summe gezogen. — Da die Bahnsteigkarten ohne Tagesstempel ausgegeben werden, ist e» zulässig, gleich größere Posten zu entnehmen und dieselben nach und nach zu verbrauchen. * ♦ Lebensmittel-Preise Ende November 1893. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes» stattsttk kosteten: Ochsensleisch per Pfund Rindfleisch per Pfund Kalbfleisch per Pftmd I H B«* ■e t 9 ö- Hammelfleisch per Pfund Gemischtes Brod h Butter per Pfund Milch 1 1 Liter 1 5'0 Städte mit Octroi Darmstadt 72 66 60 70 60 13 n 109-117 19 6-9 Mainz 68 50 60 70 55 13,5 12 109-128 21 5-7 Offenbach 70 56 60 70 60 13,5 13 120-130 21 7-10 Worms 66 56 66 68 52 12 10,5 108-120 18 6-10 Gießen 67 55 55 1 69 45 12 11 101-109 18 7-8 Städte ohne Octrot Bingen 65 50 50 70 50 12 10 101-116 19 7-9 Bensheim 60 50 60 60 60 12,5 11 110-120 17 6—7 Alzey 55 50 60 60 60 15 10 104-115 17 9-10 Friedberg 70 60 55 । 60 55 12,5 11,5 90-100 18 7-8 Alsseld 55 40 45 58 12,5 10 100-105 20 6-7 Lauterbach 50 50 50 | 60 45 12 9 120 16 6 — Der Zweigverein Lauterbach des Vogelsberger Höhen-Clnbs stellt seinen Mitgliedern Schneeschuhe zum Probiren zur Verfügung. Friedberg, 21. December. Gleich wie voriges Jahr, fo haben sich auch dieses Jahr die hiesigen Colonialwaarenhändler dahin geeinigt, Weihnacht-- und Neujahrsgeschenke an Kunden, Dienstboten rc. nicht mehr zu verabfolgen. Vertrag»- mäßig haben sich die Kaufleute verpflichtet, für jeden Fall der Zuwiderhandlung eine Conventionalstrafe von 600 Mark zu bezahlen. BorSdorf bei Nidda, 20. December. Gestern ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall. Der bei Landwirth Widdersheim bedienstete Taglöhner Seibert wollte in der Scheune ein Gerüst ablegen, daS Tags zuvor zum Zweck deS Aufziehens eines geschlachteten RindeS gemacht worden war. Er glitt dabei in nur mäßiger Höhe von der Leiter ab und stürzte herab. Bis man ihn aufhob, war er schon verschieden. Seibert war 52 Jahre alt und verheirathet,- seine Kinder sind bereits erwachsen. D. Ztg. ♦ m. Wermertshausen (Kr. Marburg), 20. December. Daß der seit mehreren Wochen vermißte, 74 Jahre alte Lehrer Trusheim aufgefunden wäre, ist nicht zutreffend. Derselbe ist auf seinem vier Stunden wetten Wege auf der Straße zwischen Roßdorf und Kirchhain gegen Abend von einer Frau noch gesehen worden. Er hätte auf dieser Strecke keinen Wald mehr zu passiren gehabt. Die Straße geht jedoch an manchen Stellen nahe an der Ohm vorbei, weßhalb drei Wochen lang jeden Tag die zahlreich aufgebotenen und freiwillig herbeigeeilten Leute in dem Waffer suchten. Auf Betreiben der untröstlichen fünf Söhne des Vermißten wurde ein Kahn herbeigeschafft und durch einen Taucher nachgeforscht. Auch die Polizei blieb nicht unthätig und eine namhafte Belohnung wurde ausgesetzt. Bis jetzt ist aber noch keinerlei Aufklärung erfolgt. 1. WethnachtSfeiertag, den 25. Decembcr: in 5788] ES übertrifft der in Geschmack und Geruch angen. ÄoflL Rauchtabak von B. Becker in «eesen i. H. alle ähnlichen Fabrikate. 10 Pfd- franco 8 Mark. Vormittags 9Ve Uhr: Pfarrverwalter Dr. Grein- Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser- Collecte für die Kleinkinder-Bewahranstalt- 2- WethnachtSfeiertag, den 26. December: Vormittags 9«/, Uhr: Pfarrer Schlosser. Collecte für die Armen der Gemeinde. , Die liturgische Abendandacht wird für sämmtltche Gemeinden der Johannesktrche gehalten. * Kein Fall von Scheinlodt. Die von schlesischen Blättern gebrachte Geschichte von der angeblich scheintodten Frau eines Majors in Militsch hat sich, wie es allen solchen Geschichtchen zu gehen pflegt, als eine Erfindung entpuppt. Im Militscher „Kreisblatt" wird jetzt bekannt gemacht, daß die Geschichte ihrem ganzen Inhalt nach auf Unwahrheit beruht. * Paris, 21. December. In Bordeaux fand ein Wettrennen zwischen einem Cowboy und einem Radfahrer statt. Nach neun Stunden hatte der Cowboy 264 und der Radfahrer 251 Kilometer zurückgelegt. Der Reiter siegte und erhielt den ausgesetzten Preis von 20,000 Francs. • Tragik hinter den Coulifseu. Ein furchtbares Unglück, welchem ein Liebling des Petersburger Publikums und hervorragendes Mitglied des dortigen Hofballets, Frau M. K. Anderson, zum Opfer gefallen ist, ereignete sich, wie der „St. Petersb. Herold" berichtet, am 15. ds. Mts. im Petersburger Marientheater. Die Probe zum Ballet „Aschenbrödel" hatte bereits begonnen und Frau M. K. Anderson befand sich bereits angekleidet in ihrer Garderobe. Sie bückte sich, um die Bänder ihrer Schuhe festzubinden, welche Bewegung ihr Unglück wurde. Die leichten Röckchen streiften eine hinter der Künstlerin stehende brennende Spirituslampe und flammten sofort auf . . . Frl. Parfentjewa, welche sich in derselben Garderobe befand, öffnete sofort die zum Foyer führende Thür . . . Mit lautet Hilferufen „Rettet mich!" lief Frau Anderson durch das Foyer zu dem in der Nähe der Bühne kirchliche Anzeigen der Stabt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. Sonntag den 24. December, 4. Advent: befindlichen Corridor, wo ihr Herr Paleczek mit dem Rufe - „Werfen Sie sich auf die Diele!" entgegentrat. Frau Anderson befolgte diesen Rath und stürzte zu Boden, worauf man sie sofort mit Pelzen und Paletots bedeckte, wodurch die Flammen erstickt wurden. Frau M. K. Anderson bewahrte ihre volle Geistesgegenwart, erhob sich selbst vom Boden und begab sich ohne fremde Hilfe zu ihrer Garderobe. Dre erste medtcinische Hilfe spendete der unglücklichen Ballerina der Sanger RorjaHn (derselbe ist Arzt), worauf der Theaterarzt eintraf und der Schwerverletzten einen Verband anlegte. Die Verletzungen, die Frau Anderson erlitten hat, sind sehr schlimm, — Hände, Beine, ein Theil des Rückens, die Brust und der Kopf weisen gefährliche Brandwunden auf. Am Abend wiederholte sich im Marientheater dasselbe Unglück. Vor Beginn der Vorstellung setzte sich die Ballettänzerin Fraulein Korssjuk auf den Kasten, welcher die electrischen Leitungen bedeckt. Die luftigen Röckchen, welche mit einem metallischen Netze besäumt waren, faßten sofort Feuer. Der in der Nähe stehende Feuerwehrmann sprang sofort mit einer Decke hinzu und erstickte mit derselben die auflodernden Flammen. Fräulein Korffjuk erlitt in Folge besser? nur leichte Brandwunden. ♦ Eine Räuberbande in Chicago. Die Bewohner Chicagos, die in jüngster Zeit an Nachrichten über freche | Raubangriffe gewöhnt sind, wurden durch die Kunde erschreckt, daß sich in Chicago eine wohlorganisirte Räuberbande herumtreibe. Das erste Debüt wurde von den Gaunern in der State-Street, der belebtesten Straße der Stadt, durch die vier Tramways gehen und an der die Hoch- bahn vorübersaust, ausgeführt. Etwa zehn Personen traten in eine Restauration ein, in der eben zwanzig Gäste sich befanden. Die Neuangekommenen stellten sich an den Schanktisch und bildeten einen Kreis. Alsbald zogen sie, nachdem sie die Ausgänge besetzt hatten, tie Revolver und forderten die Anwesenden auf, die Hände in die Höhe zu heben. Sodann begann Einer unter dem Schutze der neun Revolver die Gaste ihrer Werthsachen und ihres Geldes zu berauben und dann entfernten sich die Gesellen und verschwanden in verschiedener Richtung, ohne daß auch nur ein Einziger eingeholt werden konnte. Citeratür unb Knttft. *vappenbnch. Städte- und Ortswappen inr DOH Puit9nbnn w V «mimens Kissel in Mainz. Verlag Kbanhhm« Unive>siiät8 -Druckerei und VerlagS- bS b $,,18 8 TOfn" Octav-Format. 77 Seiten. Elegant ge- *!? h « ; 2? vergangenen Sommer 1893 hatten wir OTiffenT mlrf in? bezeichnete, damals noch im Entstehen be- rlale nnSJ fau fönnerL Was wir sahen, er^ JUereffe, denn Wissenschaft, Kunst, Fleiß und Um? Hefe« Um »/r Uhr Aus- weilung der hl. Cornmunion; um 8 Uhr MilitärgotteSdienst mit Predigt; um 9*/r Uhr Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 2 Uhr Feierliche Vesper; nach derselben Gelegenheit zur hl. Beichte; Abends um 5 Uhr in Steins Garten: Christbescheerung mit Weth- ro°i" die ganze Gemeinde eingeladen ist; Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Dienstag den26. December, Fest des hl StephanuS: Vormittags von 6>/, Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 6V2 Uhr erste hl. Messe; um 7‘/a Uhr Austheilung der hl. Com- munion; um 8 Uhr zweite hl. Messe; um 9'/, Uhr Hochamt; Abends um 6*/i Uhr Festandacht. * Berliner Gerichtsverhandlung. Durch rührende Einfachheit und durch die Menschenfreundlichkeit des Richters übte eine Verhandlung, die dieser Tage vordem Berliner Schöffengericht stattfand, eine besondere Wirkung auf die Zuhörer aus. Nach Aufruf der Sache schiebt ein ernst aussehender Mann einen zwölfjährigen Knaben vor sich her bis an den Richtertisch. „Nun antworte und unterstehe Dich nicht zu lügen! Es ist mein Sohn, Herr Richter." Vorsitzender: „Nehmen Sie nur dort Platz, Herr B., Sie können der Verhandlung beiwohnen." Der kleine Sünder ist ärmlich, aber mit großer Sauberkeit gekleidet, sein hübsches Gesicht schwimmt n Thränen, das kleine bunte Taschentuch, das er zwischen den Hlinden ringt, ist naß. Vorsitzender: „Nun komme hier mal vor diesen Tisch, mein Junge, und weine nicht so sehr, damit ich Dich verstehen kann. Du heißt Emil B. und bist zwölf Jahre alt?" Der Angeklagte vermag nur zu nicken. Vorsitzender: „Was ist Dein Vater?" Angeklagter: „Arbeiter." Vorsitzender: „Hat er Dir denn nicht gesagt, daß man nicht tehlen darf und hast Du dies nicht auch in der Schule ge- ernt?" Angeklagter: „Ja." Vorsitzender: „Wohin kommen >enn die Menschen, welche stehlen?" Angeklagter: „Ins Ge- ängniß." Vorsitzender: „Nun ja, Du sollst nun aber gestohlen haben. Räumst Du es ein?" Angeklagter: „Ja, ober ich will es ganz gewiß nicht wieder thun." Vorsitzender: „Du jast einen großen, Kasten voll Chocolade fortgenommen, der an der Thür eines Kaufmannsladens stand. Wolltest Du Alles allein essen?" Angeklagter: „Nein, ich wollte den anderen Knaben etwas abgeben." Vorsitzender: „Hat Dein Vater Dich denn bestraft?" Angeklagter: „Ja, er hat mich so gehauen." Der bleiche Mann erhebt sich und sagt ingrimmig : „Herr Präsident, der Junge stiehlt nicht wieder." Der Staatsanwalt beantragt einen Verweis. Vorsitzender: „Du sollst diesmal noch nicht ins Gefängniß kommen, wo alle die bösen Menschen sind- aber Du bleibst zeitlebens ein bestrafter Mensch, das kann nicht von Dir genommen werden." Der ernste Mann stöhnt, die Thränen des Knaben fließen stärker. Vorsitzender: „Willst Du mir nun das Versprechen geben, daß Du Dich nie wieder an fremdem Eigenthum vergreifen willst?" Angeklagter: „Ja, das will ich." Vorsitzender: „Na, dann komm her und gib mir die Hand. So, nun halte Dein Wort. (Zum Vater): Herr B., Sie werden wohl Ihren Sohn wegen dieser That nicht weiter züchtigen." * Koblenz, 21. December. Die hiesige Polizeidirection hat gestern eine weitere, namentlich die Handelskreise inte- resfirende Verordnung erlassen. Jeder Inhaber eines offenen Geschäftes ist verpflichtet, an diesem feinen Namen ober die Bezeichnung feiner eingetragenen Firma in einer Schrift anzubriugen, die für Jedermann von der Straße aus deutlich lesbar ist. Sind die Inhaber des Geschäfts ausschließlich weiblichen Geschlechts ober Minberjcihrige, so muß bieses aus ber Aufschrift undzweibeutig hervorgehen. * Elberfeld, 21. December. Der Messerarbeiter Friebrich Blasing von Solingen, ber Mörber ber achtjährigen Glara Schlürmonn, würbe zum Tobe verurtheilt. * Nürnberg, 21. December. Beim Schlittschuhlauf auf bem fchwochbeeisten Wöhrbersee brachen heute Mittag drei Kinder ein. Zwei wurden mit Mühe gerettet, eins ertrank. Ma. Paderborn, 21. December. Ein wirklich schwerer Diebstahl. Eine ebenso verwegene, als geschickt operirende Diebesbande hat hier in der gestrigen Nacht einen wirklich tn mehr als einer Beziehung sehr schweren Diebstahl aus- geführt. Die Diebe brachen und stiegen in das in der Bahnhofstraße gelegene Union-Hotel ein und entwendeten aus dem zu ebener Erde gelegenem Comptoir einen über vier Gentner schweren eisernen Geldschrank, welcher dem Restaurateur G. Roden gehörte, ohne daß sie auch nur im Geringsten an ihrer Arbeit gestört worden wären. Sie luden den Geldschrank aus eine Karre und führten ihn hinaus vor das Thor auf das Feld, wo sie denselben gewaltsam erbrachen und seines Inhaltes an Geld und Silbersachen beraubten. Später fand man den geöffneten Geldschrank im sogenannten ";kmc^C5^elbe liegen, in der Nähe lagen vier von den silbernen Löffeln. In dem Geldschrank befanden sich auch Briefschaften, -Portemonnaie, Brieftaschen mit Geld 2c,, wcks die Gauner alles mitgehen hießen. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, irgend eine Spur von der Diebesbande zu ermitteln. • Am 20. ds. Mts. ist der Eisenbahuzng Berlin-Kreuz, welcher mit Verspätung am Bestimmungsorte eingegangen war, infolge unrichtiger Weichenstellung von einer Rangier- maidjine erfaßt worden. Der beim Zusammenstoß getroffene Bahnpostwagen wurde aus den Schienen gehoben und auf die Seite geworfen. Das aus der beschädigten Leitung aus- fhömenbe Gas hat sich am Ofenfeuer entzünbet und Wagen wmmt Labung in Brand gesetzt. Von der aus gewöhnlichen Packeten bestehenden Ladung sind 235 mehr ober weniger durch Feuer unb Wasser beschäbigt worben, 50 Stück finb verbrannt. Der Bahnpostwagen ist stark beschädigt. Die drei im Wagen dienstthätig gewesenen Personen sind zum Glück ohne ernstliche Verletzungen davongekommen. Die zur Aufrechterhaltung des Betriebes erforderlichen Maßnahmen sind sofort getroffen worden. — Weiter wird gemeldet, baß der am 20. im Güterzuge 522, aus Berlin 10,18 Abends "ach Leipzig abgelaffene, geschlossene Bahnpostwagen, welcher eine starke Packetladung nach dem Königreich Sachsen enthielt, heute früh brennend in Bitterfeld eingelaufen ist- Etwa zwei Drittel der Ladung soll verbrannt oder beschädigt sein. Näheres über diesen neuen Unfall ist noch nicht bekannt. In der Etadttirche. Vormittags 9*/i Uhr: Pfarrverwalter Dr. Grein. 31/2 Weihnachtsfeier ber Kinderkirche. Pfarrer Schlosser. . ,9Zur bk E dem am vorigen Sonntag verthetlten Textblatt versehenen Kinder haben Zutritt zum Schiff der Kirche. Für alle übrigen Theilnehmer sind die Emporbühnen bestimmt. Medic.-Leberthxan empfiehlt 1W9 Emil Fischbach- । Samstag, 6. Januar 1894, Nachmittags 21/» Uhr, Bekanntmachung. soll auf dem hiesigen Ortsgericht die den Erben de« Johanne» Kitzler tn Gießen gehörige Hosraithe: Flur 1 Nr. 171 — 206 qm in der Wolken- gaffe Iffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 29. November 1893. Am Sonntag den 24. December werden die Packetschalter des Hauptpostamts sowie der Stadtpoft von 8 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags und außerdem von 5 bis 7 Uhr Nachmittags offen gehalten. Gießen, den 21. December 1893. Kaiserliches Postamt. Ritsert. Aeilgeöotenes. ein Marktplatz 21. 10403] A. Hoffmann, Concursverwalter. demnächst die erste AbschlagSverthei- lung statt und zwar 2OpCt. Das Gläubiger liegt auf der Gerichts- bei schreiberei Gr. Amtsgerichts Gießen! 10409] Gaorg Örlenbach, Wetzlar empfiehlt für die Festtage: hochfeinen Astrachan-Eaviar, frische Hummern, frische Seezungen, frische Austern, Wildenten, Gänsebrüste, feine Wnrstwaaren, feine «äse und andere Delicatessen. BorauSbestellungen wegen prompter Bediennng erwünscht. [10401 Geflügel 10408 für die bevorstehenden Feiertage große Auswahl bei C. G. Kleinhenn. ..... ...., .... Schellfische Verzeichniß der daran theilnehmenden' lebendfrisch in Eis, treffen heute A. Sf G. Wallenfels Großh. Ortsgericht Gießen. ___________I. A-: Bogt._______9916 Im Concurs über das Vermögen des Carl JRtnn in Gießen findet offen. Die Forderungen betragen 22280.69, die vorhandene Masse Ullö JL 4456.14. 1 ~ — Kirchenplatz II. Dorsetts Kopffhawls, Sapotten Decken und Kasten für alle Zwecke. Gestickte Kissen1. jeder Art. 8586 Cravatten, Kragen, Chemisetts Tricottaillen, Tricotjacken Verkauf nur gegen Saar. — Reelle Sediemmg. anerkannt gute Sorten und billig. j" ?ir - Zu Weihnachtsgeschenken geeignet der Spar- und Leihkafse Gießen pro 1892 Passiva. Activa. -9, Q Q 4621560 37 [1U3441 7 [5025314 76 ntwerpe nach bewilligt: Corse I Der Vorstand. 10347 Anfang 7^ fhr. [10365 Christbanmker;en L. Kalkhof Summa | 11490 10405 [10402 schirme u. s. w. Neuen Omif II. Jean Hänser Neuen Muc II. Zu haben in den bekannten Niederlagen. 10404 104 ' * [99 Pfaffendorf und Giessen, 22. December 1893. \ empfiehlt 43002 31 2212 30 4 5 6 1 2 3 4 I frtjntUc Fahrten, gute 1 Verpflegung, billigte Preis«. 1 2 3 1919 46 372774 12 29060 81 Frau Neuenweg Capital. Einlagen Für verkaufte, aber noch nicht ein- gelöste Pfennig - sparkasiemarken Reservefond Reingewinn Kassabestand Ausstände Ausgeliehene Capitalien Mobilien-Werth Immobilien-Werth Mehrwerth der Staatspapicre am 1. Jannar 1893 lt. besonderer Rechnung Guthaben an Stück- zinsen Ende 1892 486363236 2178 32 44570 - , von den elegante ° groee Ga 2. ^'Uvlhh Zur gefl. Üruditung! Unterzeichneter empfiehlt: Damen-, Mädchen- u. Kinder- , Filzknopf- und Schnürstiefel und Schuhe sowie alle Arten Kastanien Haselnüsse Wallnüsse Tafclmandeln Tafelrosinen Tafelfeigen sowie große Auswahl in tuet®1 Gemüse- y Conserven Fin 4-., 2?, b u. «/,-V