Nr. 197 Erstes Blatt. Mittwoch den 23. August 1893 Irr ♦trimer Arzti-rr erlännt täglich, ■rit RuSnabmk bei MontagS. T-.r Gießener •^emfrireiriftCT r- rrm Km Anzeiger eb4>en:''.t) dreimal briyrlegL Gießener Anzeiger Keneral-Mnzeiger. Vierteljähriger jLlexaemeeUpteUi 2 Mark 20 Pfg. an« Brmgerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Psg. Rebaction, üypebihe» unb Irudetcu Ach-rar.he 3U.L Fernsprecher 51. Zlmtr- unb Zlnzeigeblatt für b«n "Kreis Gietzen. 7.r ! Sratt-^r-g-: Hi-ßmer Berlin, 21. August. Die schon seit längerer Zeit schwebenden Fragen einer Organisation des Handwerks und einer Regelung deS Lehrlingswesens haben durch den hieraus bezüglichen Erlaß des preußischen Handelsministers Freiherrn v. Berlepsch an die Oberpräsidenten der Monarchie eine neue Belebung erfahren. Die in der Kundgebung des Herrn v. Berlepsch niedergelegten Grundzüge für diese geplanten Reformen bieten eine solche Fülle neuer Gesichtspunkte dar, daß sie die öffentliche Erörterung geraume Zeit hindurch beschästigen dürften. Vor Allem aber geht aus der erwähnten Veröffentlichung hervor, daß man regierungsseitig eine obligatorische Organisation des Handwerks wünscht und zwar in Fachgenossenschaften und Handwerkerkammern, neben welcher die bisherige facultative Organisation der Innungen fortbestehen soll. Außerdem wird noch die Bildung von Gehilfenausschüssen vorgeschlagen, welche bestimmt sind, als natürlichste Verbindungen zwischen den Meistern und der Gehilfenschaft zu fungiren. Was die Regelung des Lehrlingswesens im Handwerk anbelangt, so spielen in dieser Beziehung in dem Erlaß des Handelsministers namentlich die Befugniß zum Halten und Anleiten von Lehrlingen, weiter die Lehrzeit, das Lehrverhäliniß, die Gesellenprüfung und der Meistertitel eine Rolle. Bis zum 1. Januar k. I. sollen die Oberpräsidenten ihre Gutachten über diese Vorschläge des Handelsministeriums, denen ein längerer Anhang, betitelt „allgemeine Erläuterungen" beigefügt ist, abgeben, indessen steht zu erwarten, daß besonders auch Vertreter des Handwerks selbst ihre Ansichten über die Zweckmäßigkeit der geplanten Reformen zur Kenntniß der zuständigen Behörden bringen werden. — Gewerbliche Mittelstandspartei. Aus einer im vorigen Monat in Berlin abgehaltenen Versammlung der „gewerblichen Mittelstandspartei" wurde das Parteiprogramm festgestellt, das nunmehr im Organ der Vereinigung, dem „Handwerker", veröffentlicht wird. Wir entnehmen ihm Folgendes: „Die Partei will bet Reichstags-, Landtags- und Communal- wählen concurriren, sie erklärt, treu zu Kaiser und Reich zu stehen, und mißgönnt den Arbeitern ihren Arbeirerschutz nicht, meint aber, daß man den Handwerkerschutz zu sehr in Acht gelaffen habe. Die praktischen Forderungen sind m folgenden Grundsätzen sormulirt: „Als Vorbedingung für den Betrieb eines selbständigen Handwerks ist der gesetzliche Nachweis der Befähigung einzuführen. Die Fach- und Innungen verwandter Gewerbe, die gemeinsamen Jnnungsausschüsse vereinigter Innungen und die deutschen Jnnungsverbände sind nicht nur in ihren gegenwärtigen gesetzlichen Rechten zu erhalten, sondern zu stärken. Als Aufsichtsbehörden der Innungen sind Handwerkerkammern mit völliger Selbstverwaltung in den Angelegenheiten des Handwerks zu schaffen. Die Organisation der regierungsseitig geplanten Kammern ist insoweit zu bekämpfen und als die Interessen des gewerb lichen Mittelstandes schädigend zu erklären, als durch sie die bewährten Organe des Handwerks irgendwelche Verkümmerung erfahren. Der Grundsatz muß Gesetz werden, daß nur der Fachmann, der fachmännische Meister lehren und Lehrlinge ausbilden dürfe. Im Zusammenhang damit ist die Berechtigung zur Führung des Meistertitels zu schützen. Die Gesängmß- arbeit darf fortan nicht den selbständigen Handwerksbetrieb in seinen Verdiensten beeinträchtigen. Die Strafgefangenen sind möglichst mit Staatsarbeiten zu beschäftigen. Die Militar- Oeconomiehandwerker dürfen nicht durch Uebernahme von Privatarbeiten den selbständigen Gewerbetreibenden eine ungesunde Concurrenz bereiten. Das öffentliche Submiisions- wesen muß eine dem selbständigen Gewerbestand fördersame Regelung erfahren. Die gesetzliche Sicherung des Vorrechts der Bauhandwerker bei Bauten ist zu erkämpfen und der Bauschwindel zu beseitigen. Der Hausirhandel ist, soweit irgend möglich, zu beschränken. Den Consumvereinen, Waarenhäusern für Offiziere und Beamte (Offizier- und Beamtenvereinen) sind offene Verkaufsgeschäfte zu verbieten/ ebenso darf das Selbstfabriziren irgend welcher gewerblicher Erzeugnisse nicht stattfinden. Dem Bazar- und Schwindel- Auctionswesen, den Concursmassen-Ausverkäufen, den Maaren Abzahlungsgeschäften, dem schwindelhaften Reclamewesen sind entschiedene Schranken zu stellen. Die gesetzliche Regelung der Sonntagsruhe darf nickt zum Ruin der Gewerbetreibenden führen. Bei der angestrebten gesetzlichen Ausdehnung der Unfallversicherungspfficht auf das gelammte deutsche Handwerk muß die Zulassung von sachlichen Unfallversicherungs-Berufsgenossenschaften unter Anlehnung an die entsprechenden deutschen Jnnungsverbände vorgesehen werden. Aus der Alters- und Jnvaliditätsversicherung sind die vorhandenen großen Mängel und Schäden baldigst zu beseitigen. Zugleich legt der deutsche gewerbliche Mittelstand Verwahrung ein gegen die auch schon geplante staatliche Versicherung der Wittwen und Waisen, der Arbeiter gegen Arbeitslosigkeit, sowie gegen den Maximalarbeitstag, da erfahrungsmäßig die Kosten der social - reformatorischen Gesetze vorwiegend durch ihn getragen werden. Durch eine entsprechende Reform der deutschen Reichsbank sind die Wohlthaten eines billigen direkten Reichsbankcredits auch dem kleinen GewerbSmanne zugänglich zu machen." — Fürst Bismarck nahm am Sonntag Nachmittag die Huldigung von 1000 Thüringern in Kissingen entgegen, die er im Hofe der oberen Saline empfing. Auf die Begrüßungsansprache des Herrn Fritze-Meiningen dankte der Alt-Reichskanzler bewegt und hielt er dann eine längere Rede, in welcher er an historische Erinnerungen vom August 1870 Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend Faselschau und Viehmarkt. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß ’ der am 24. d. M. zu Grünberg stattfindende Jahrmarkt ! zugleich mit einem Biehmarkt verbunden wird; auch soll am genannten Tage eine öffentliche Faselschau durch ; die Kör-Commission abgehalten werden. Bei der Schau, welche Vormittags 9 Uhr beginnt und nur zum Zwecke der Ankörung stattfindet, werden seitens der Commission nur sprungfähige Bullen der Vogelsberger und Berner, speciell Simmenthaler Raffe, berücksichtigt werden. Die Fasel müssen sicher gefesselt werden, sonst ist Wegweisung zu gewärtigen. Gießen, den 22. August 1893. Großherzogliche- Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Melior. Deutscher Reich. Darmstadt, 21. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen am Freitag Nachmittag in Jagdschloß Wolfsgarten den Herrn Kofler und ließ sich vornehmlich über die Fortschritte der Limesarbeiten bei Butzbach und Grüningen berichten. Am Samstag Vormittag empfing Seine Königliche Hoheit den SraatSminister Finger und den Geherme- rath von Werner zum Vortrage. Berlin, 21. August. Das K ai se r m an ö v er beim XIII. (württembergischen) Armeecorps fällt in diesem Jahre nun endgiltig fort. Eine Cabinetsordre vom 11. d. Mts. bestimmt, daß außer dem VIII., XIV. und XVI. Corps auch das XV. Corps (in Lothringen) vor dem Kaiser Manöver in dem bereits durch Cabinetsordre vom 14. Februar d. I. festgesetzten Umfange abhalten wird. Das XV. Corps wird hierbei an Stelle des XIII. drei Tage hindurch gegen das XIV. Corps manövriren. Mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit hat das XV. Corps seine sonstigen Herbstübungen, abweichend von den Bestimmungen der Felddienstordnung zu beschränken. Es sei hierbei daran erinnert, daß das VHL, XIV. und XVI. Corps bereits im vorigen Jahre Kaisermanöver abhalten sollten, daß aber durch Cabinetsordre vom 5. und 8. September diese Uebungen wegen der Choleragefahr aufgehoben wurden. Im nächsten Jahre dürften das ostpreußische, weftpreußische und pommersche Armeecorps (I., XVII. und II.), die einzigen, welche noch nicht von dem Kaiser besichtigt wurden, Kaisermanöver haben. gg————■—— > Feuilleton. Frankfurter Theaterdrief. (Originalbertcht für den „Gießener Anzeiger".) (Nachdruck verboten.) „Eine Palastrevolution." — „Der Räuber." „Die Zauberstöte." Dr. M. Ein frischer Zug und ein lebhaftes Tempo Herrscht in dem ersten Stadium der pünktlich eröffneten neuen "Theatersaison. Mit Einstudirungen und Neuheiten ist man prompt bei der Hand. Zu letzteren rechnen wir das Lustspiel „Eine Palastrevolution" von Skowronnek und das Volksstück „Der Räuber" von E. Mentzel. Richard Skowronnek ist schon einmal, vor etwa zwei Jahren, mit einer dramatischen Leistung auf die Bretter des Frankfurter Schauspielhauses gelangt. Sein Stück „Im Forsthause", das zur Gattung der Familiengemälde gehört, gewann einen hübschen Achtungserfolg seitens des Publikums und eine aufmunternde Kritik von Seiten dec Presse. Mehr als eine freundliche Zustimmung hat auch neulich das Lustspiel „Eine Palastrevolution" nicht davongetragen. Lwar weist die Figur deS Dr. Neuland ganz ausdrücklich auf die brennenden geistigen Gegensätze unserer fin de siecle- Cultur hin, und wenn uns da nun ein Mann vorgesührt "wird, der in schneidigen Artikeln die Anschauung bekämpft, daß für die deutsche Literatur mit dem Tode Goethes Stillstand eingetreten sei, so hat es wirklich den Anschein, als beabsichtige der Autor, etwas von dem Streit, der in Journalen und Vorträgen ausgefochten wird, auf die Bretter hinüberzuspielen und statt von den Zinnen der Partei von der Warte einer höheren dichterischen Anschauung aus zu beleuchten. Schon der Name ,Dr. Neuland" wirkt symbolisch und weckt ganz bestimmte Vorstellungen. „Neuland" heißt ja auch das Buch (Verlag Levy u. Müller, Stuttgart), welches von allgemeinen Gesichtspunkten aus die erste kritische Untersuchung der modernen Bücher und Menschen gebracht und infolge dessen ebenso viel Beifall wie Widerspruch gefunden hat. Es ist schade, daß Skowronnek seine allgemeinen Ideen für eine ganz niedliche, aber immerhin nicht interessante Familiengeschichte in den Kauf gibt. Schließlich handelt es sich nicht mehr darum, Ideen einander anzupassen und in- tellectuelle Gegensätze zu vermitteln, sondern darum, Ehen zu stiften und Menschen miteinander in gemüthliche gesellschaftliche Beziehungen zu setzen. Dr. Neuland muß das Töchterchen seines Geistesantipoden erhalten, obwohl die Mutter anfänglich aufs Energischste gegen diese Verbindung ist, und der Bruder des jungen Mädchens wird gleichfalls mit seiner Liebe vereinigt, wennschon der Kampf gegen den auch in diesem Falle zu besiegenden mütterlichen Widerstand den Kindern wie eine „Palastrevolution" erscheint. Ich bin der Ansicht, daß der etwas sehr viel versprechende Titel das Publikum leicht in die Irre und dann hinterher in ein Gefühl der Ent- täuschung htneinsühren kann. Bei dem auskömmlichen Maß von Bühnentechnik, über das Skowronnek, der wie sein Freund Sudermann aus Ostpreußen stammt, schon jetzt verfügt, steht es zu erwarten, daß dem noch jungen Autor auch einmal ein großer, voller Erfolg zu Theil werde. Tüchtige Bühnenkräfte hatten sich des Skowronnek'schen Lustspiels angenommen. Herr Wallner, der immer da vorzüglich am Platze ist, wenn es gilt, denkende Menschen zu verkörpern, war ein geeigneter Vertreter des Dr. Neuland. Die Frau Professor Weibrecht, welche den Gegner ihres Mannes nicht zum Schwiegersöhne will, wurde durch Frau I Ernst mit Würde verkörpert. Die Kinder des Professoren- ! paares, Lili und Alfred, wurden von Fräulein v. Legrenzi und Herrn A. Meyer mit anziehender Jugendfrische gespielt. Fräulein Landori gab die Lorence Faber, die liebenswürdige Braut des jungen Weibrecht. Die zweite Novität des August bestand in dem Volksftück „Der Räuber" von Frau Elisabeth Mentzel. Als gewandte und gemüthvolle Geschichtenerzählerin ist uns die Dame, welche über ebenso viel seinen ästhetischen Geschmack wie ansehnliche, gründliche Kenntnisse verfügt, schon öfters entgegengetreten. Als noch Peschkau die „DtdaSkalia" re- digirte, war Frau Mentzel ständige Mitarbeiterin des „Frankfurter Journals". Ihre unter dem Titel „Feldnelken" herausgekommenen hessischen Dorfgeschichten zeigen Phantasie, kernige Sprache, überhaupt dichterisches Vermögen. Eine besonders ehrenvolle Beachtung seitens der Krftik erfuhr die Schriftstellerin, als sie im Jahre 1882 ihre umfassende „Geschichte der Schauspielkunst in Frankfurt am Main von ihren ersten Anfängen bis zur Eröffnung des städtischen Comödienhauses" veröffentlichte und in diesem Werke, dessen kürzlich erst durch Heinrich Becker in einem für den „Gießener Anzeiger" verfaßten Theateraufsatz Erwähnung geschah, ihatsächlich einen werthvollen Beitrag zur deutschen Cultur- und Theatergeschichte stellte. Elisabeth Mentzel hat ihr Talent für die Bühnenschriftstellerei nicht etwa erst seit Kurzem entdeckt. Wir wissen mit Bestimmtheit, daß in ihrem Schreibtische manche Arbeit ruht, die ganz ausdrücklich im Hinblick auf die scenische Darstellung verfaßt worden ist. Bis jetzt nur war es ihr nicht gelungen, mit einem dieser Versuche durchzudringen. Ihr Erstling, „Der Räuber", zeigt uns die Schriftstellerin nun gleich auf dem Gebiet, welches ihrer ganzen Eigenart den besten Ertrag verspricht — auf dem Gebier des Volksthümlichen. Das Stück greift eine Episode aus dem Leben Schillers auf, jenen vorübergehenden Aufenthalt in Sachsenhausen, zu welchem den mir seinem Freunde Andreas Streicher aus anknüpfte und sich weiter über die Reichsverfasiung, sowie über alten und neuen Cours eingehend verbreitete. Zum Schlüsse brachte Fürst Bismarck ein Hoch auf die deutschen Dynastien und speciell auf die Thüringer Fürsten au». Metz, 21. August. Heute begann die 22. Versammlung deutscher For st männer. Sie zahlt über 250 Theilnehmer, besonder» au» dem RcichSlande und aus Bayern. Zum ersten Vorsitzenden wurde Ministerialrath v. Ganghofer aus München, zum zweiten Obersorstmeister Earl au5 Metz gewählt. Arrrlarrd. Bern, 21. August. DaS schweizerische Volk nahm den Initiativantrag gegen da» Schächten an. Soviel bi» jetzt bekannt, sind 155 000 Stimmen für da» Schächtverbot und 70 000 dagegen. Auch die Mehrheit der Eantone erklärte sich für die Annahme de» Antrag». Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphische» Korrespondent- Bureau. Berlin, 21. August. Der Statthalter der ReichSlande, Fürst Hohenlohe, wurde heute Abend zum Kaiser nach Potsdam besohlen. Er wird auch an der Abendtafel theil- nehmen. Posen, 21. August. Nach einer Bekanntmachung de» Regierungspräsidenten wird die russische Grenze von heute ab gesperrt. Der Uebergang wird nur in Strzal- kowo, Pogorzelice und Podsamsche gestattet. Der Uebergang ist indessen auch dort nur nach ärztlicher Untersuchung möglich. Russische Auswanderer oder sonst verdächtige Personen werden bis auf Weiteres an der Grenze zurückgehalten. Zur Durch, führung dieser Maßregel wird die Gensdarmerie verstärkt, außerdem sollen Steuerbeamte zu diesem Dienste herangezogen werden. Für Schiffer und Flößer sind in Pogorzelice, Schrimm und Posen Controlstationen eingerichtet, ebenso für den Eisenbahnverkehr in Posen, Liffa und Bentschen. Weitere Controlstationen sind für Podsamsche, Ostrowo und Wreschen in Aussicht genommen. Nach der „Posener Zeitung" soll die Regierung telegraphisch ersucht werden, ein Einfuhrverbot für gebrauchte Leibwäsche, alte Kleider und Lumpen unver- züglich zu erlassen. Morgen werden sich der Regierungspräsident Kimly und der Medicinalrath Gerönne wieder nach der Grenze begeben, um Genaueres festzustellen. Budapest, 21. August. Offiziell wird mitgetheilt, daß der Orient-Expreßzug wegen der dreitägigen Cholera- Quarantäne in Zaribrod und Mustapha Pascha von heute an nur von Paris bis Belgrad geleitet wird. Rom, 21. August. Ein Circular des Ministers deS Innern an die Präsecten besagt: Wenn auch die ersten Demonstrationen als AuSbruch der durch die Vorfälle in AtgueS-MorteS hervorgerufenen Bewegung begreiflich feien, so würden dieselben doch bei Fortdauer die Aufgabe der Regierung erschweren, deren dieselbe sich voll bewußt sei. DaS Circular wiederholt die Weisungen betreffs Aufrechterhaltung der Ordnung und fordert die Präsecten auf, an die Mitwirkung der Bürger zu apelliren. Rom, 21. August. Sechs Demonstranten vom SamStag wurden zu 26 bis 16 Lire Strafe verurtheilt, einer wegen Beleidigung der Wache mit 25 Tagen Arrest bestraft. Der Student, welcher das päpstliche Wappenschild von dem französischen Seminar Santa Chiara entfernte, wurde mangels eines Klageantrages der verletzten Partei freigesprochen. — Eine Gruppe von 500 Arbeitern, welche heute auf der Piazza Colonna demonstriren wollte, wurde zerstreut. Die Polizei verhaftete mehrere Lärmmacher. Der Syndaco. erließ ein Manifest, worin er die Bevölkerung zur Ruhe und Ordnung auffordert. Neapel, 21. August. Die Erregung dauert fort. Biele Häuser hängen Trauersahnen au». Seit Mittag durchziehen Gruppen von Demonstranten die Stadt und veranlaffen Stuttgart fliehenden Dichter die Noth und die Flucht zwangen. Emil PalleSke und neuerdings Otto Brahm haben in ihren Schillerbiographien gerade dieses Capttel mit liebevoller Gründlichkeit behandelt. E. Mentzel gibt dem beim Sachsenhäuser Storchenwirth Steiner incognito wohnenden Schiller Gelegenheit, einen jungen, im Hause befindlichen Gehilfen, den Der- lobten der WirthStochter, von seinem überspannten Räuber- ideal, daS er sich aus dem Schiller'schen Drama herauSgelesen, zu curiren und gleichzeitig die gestörte Harmonie zwischen den LiebeSleutchen wieder herzustellen. Ferner wird angedeutet, da» die Figuren der Ochsenwirthin und deren Tochter Luise dem Dichter für sein spätere» Drama „Luise Millerin" Modell stehen sollen. SS ist gut, daß die Autorin den Hauptnachdruck auf die derben volkStypen und daS Sachsenhäuser Milieu gelegt hat und nicht in die Literaturcomvdie hineingerathen ist. Denn welche Schwierigkeiten e» bereitet, einen unserer klassischen Dichterheroen in unverkümmerter Größe für die Coulissenwelt zu gewinnen, hat schon Laube herauSgesühlt, al» er über den „KarlSschülern" sann, und Carl Gutzkow ließ sich au» denselben Gründen im „Königslieutenant" an dem Knaben Goethe genügen. Herrn Bolz fiel bei der Darstellung de» Mentzel'schen BolkSstücke» die Aufgabe zu, die Gestalt unsere» Lieblings- dichterS zu verkörpern. Er that e» mit edlem Anstand und in der entsprechenden Maske. Die Figur de» prächtigen Andreas Streicher trug Herr Wallner. In die Sachsenhäuser Typen theilten sich die Herren Str oh eck er, A. Meyer und die Damen Freund und Wen darf. Darsteller wie verfafferin wurden durch Hervorruf ausgezeichnet. Zur Erinnerung an die erste Auffübrung der „Zauberst öte" in Frankfurt vor hundert Jahren ging am letzten die Verhüllung französischer Inschriften. Mehrfach wurden solche Inschriften herabgenommen. Messtna. 21. August. Der Präfect drückte dem sran- zösischen Consul sein Bedauern au» über die Verunglimpfung de» französischen Wappenschilde» und setzte mit ihm die Formalitäten der Ehrenbezeugungen bei Wiederaabringung desselben fest. Genua, 21. August. Zahlreiche Personen wurden wegen Beschädigung von Tramwaywagen der französischen Gesellschaft verhaftet und sofort dem Gerichte übergeben. Die Untersuchung ergab, daß zwei gestern umgeworfene Tramwaywagen infolge Zerbrechens der Lampen in Brand geriethea. — Etwa 50 italienische Arbeiter sind von Aigue»- Morte» angekommen; einige sind infolge der Mißhandlungen noch leidend. Die Arbeiter werden von den Behörden in ihre Heimath befördert. Pari», 21. August. Die „Agence HavaS" theilt mit : Der italienische Botschafter hatte eine Unterredung mit Dupuy, worin er von der in Italien infolge der Vorgänge in Aigue»-Morte», sowie der Proklamation des Maires dieser Stadt entstandenen Erregung Mittheilung machte. Der Botschafter drückte offiziell sein Bedauern über die Demonstrationen in Rom und Messina auS und kündigte die Untersuchung der Vorfälle, die Amtsenthebung de» Präfekten von Rom, sowie die übliche Genugthuung wegen der Beleidigung de» Consulats in Messina an. Dupuy wiederholte daS Bedauern der französischen Regierung über die Vorfälle in Aigues-Mortes, betonte, daß die Sicherheit der italienischen Arbeiter gewährleistet sei und daß dieselben Hilfe und Unterstützung erhielten. Dupuy fügte hinzu, die eingeleitete Untersuchung bewies, daß die Italiener die Angreifer gewesen seien. Was den Maire von Aigues-Mortes anlange, so habe derselbe sich durch die Proklamation eine ziemlich schwere Verantwortung aufgebürdet. Dupuy kündigte die Amtsenthebung de» Maire» an. Pari», 21. August. AuS Aigues-Mortes wird ge- meldet: Zum Schutze der in den Salinen beschäftigten Arbeiter sind noch immer Truppen aufgeboten, da erneute Zusammenstöße befürchtet werden. Die Stadt beginnt wieder ihr gewöhnliches Aussehen anzunehmen. Der Generalsekretär der Präfektur und die nach AlgueS-MorteS entsandten Gerichtspersonen verbleiben daselbst bis zum Abschlüsse der Untersuchung. Pari», 21. August. In den hiesigen politischen Kreisen werden als Ergebniß de» ersten Wahlganges besonders herrorgehoben der erste Wahlausfall bei den Ralliirten und den Socialisten, sowie die Bildung der RegierungS-Mojorität. Man glaubte, daß eine beträchtliche Anzahl von Ralliirten und Socialisten gewählt werden würde- statt dessen sind nur 13Ralliirte und 9 reine Socialisten gewählt. Die Erlangung einer um etwa 65 Stimmen gewachsenen Regierungs-Majorität wird als ein großer Erfolg im Hinblick auf die Zukunft, sowie auf die Stellung des Ministerpräsidenten Dupuy betrautet. — Der „Moniteur" äußert sich dahin, die nicht bekehrten Conservativen hätten ihre Stellung aufrechterhalten, die Republik habe kein Terrain gewonnen. Nach dem„UniverS" wird der Wahlausfall die Beständigkeit der Regierung und den religiösen Frieden begünstigen. Kopenhagen, 21. August. Der König von Schweden hat den König von Dänemark und sämmtliche fürstlichen Gäste des dänischen Hofes eingeladen, an den gegen Schluß dieses Jahres auf der Insel Hoen stattfindenden Hasenjagden theilzunehmen. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 21. August. Am SamStag Abend und Sonntag früh fanden anarchiftischeVersammlungen statt, welche äußerst stürmisch verliefen. Die gestrige Versammlung wurde von der Polizei aufgelöst. Kisfingen, 21. August. Bismarck verläßt den Ort am 28. August, trifft Abends 10 Uhr in Berlin ein, von wo er Sonntag Mozarts unsterbliches Werk, günstig besetzt und flott einstudirt, in Scene. Mit den Bezeichnungen „unsterblich", „ewig" muß man gerade auf dem Gebiete der Kunst sehr vorsichtig umgehen. Zwanzig Jahre genügen, um in der Musik eine totale Geschmacksänderung herbeizuführen. Was für Siege und was für Niederlagen im Reiche der Tonkunst haben wir nicht erlebt fett dem Tage, da „Die Zauber- flöte" zum ersten Male da» Wiener Publikum entzückte. Aber der Jugendfrifche diese» Werkes, zu dem sowohl SaraftroweiSheit wie Papagenoeinfalt die Erklärungen geschrieben, haben alle diese Revolutionen nichts anhaben können. Von der Mozartmusik in der „Zauberflvte" gilt noch immer der sinnige DichterauSspruch: „®cnn bi« Andern uns ergreifen Mit der Quelle vollem Schwall — Löstest Du ein Tröpfchen trlufen — Und es spiegelte da» All!" Die Frankfurter Opernbühne besitzt Sänger, die noch Mozart zu singen verstehen. Die Rolle de» Sarastro befindet sich in den bewährten Händen deö Herrn Grees, Herrn Pichler» voller und sympathischer Tenor liefert einen ansprechenden Tamino. Fräulein Blätterbauer verfügt zwar nicht über jene staunenSwerthe Mittel, wie sie Mozart» Schwägerin besaß, da er für sie die Partie der „Königin der Nacht" berechnete, bietet aber doch eine recht achtbare Leistung. Die „Pamina" wird von Fräulein Jäger mit großer Anrnuth und Lieblichkeit behandelt. Eine allerliebste Papagena ist Fräulein Sch ar ko, welche auch eine der Damen zu singen hat. Den Papageno bringt Herr Baumann, soweit die Rolle seinem künstlerischen Naturell zusagt, zu einschlagender Wirkung. Die Worte de» Sprecher» trägt Herr Nawia»ky sehr weihevoll vor. sofort nach der Ueberführung nach dem Stettiner Bahnhof nach varzin mciuneift. Weimar, 21. August. Die hiesigen Socialdemo- (raten beschloss« gegen die geplanten Reich »steuern einen Protest im Großherzogthum chrcnliren zu lasten. Brü^, 21. August. Stele nordböhmische und süddeutsche Kohlenfirmen fordern ihre Kundschaft auf, sich mit größeren Kohlenvorräthen zu versehen, da in nächster Zeit ein allgemeiner Strike auSbrechen werde. Innsbruck, 21. August. Ein cvmrnercieller Bediensteter der hiesigen Landes-Ausstellung ist nach Unterschlagung einer größeren Geldsumme flüchtig geworden. Rom, 21. August. Der französische LegationSiecretär dankte dem Polizeidirector für die getroffenen Maßregeln und den Schutz der französischen Gesandtschast. Die Aufregung dauert fort. Rom, 21. August. Telegramme au» Neapel, Turin, Como, Genua und Messina melden, daß Straßenkundgebungen wegen der Vorgänge in AtgueS Morte» statt» sanden. Die italienische und deutsche Hymne wurde unter dem frenetischen Beifall der Menge überall gekpielt. (»ennt, 21. August. Bei der gestrigen antt-französifchen Kundgebung fand ein Zusammenstoß mit der Polizei statt, wobei zwei Polizisten schwer verwundet und zwei Pferdebahnwagen von den Manifestanten in Brand gesteckt wurden. Pari», 21. August. Hier wurden nur 10 Wahlen erledigt, e» finden 27 Stichwahlen statt. Die Boulangiste, Ernest Roche und Mery wurden gewählt, ferner sieben Radicale und ein Republikaner. AuS den Departement» wird gemeldet, daß sämmtliche Minister wiedergewählt wurden. Ricard, der ehemalige Justizminister, welcher den Panamaproceß eingcleitet hatte, wurde in Rouen wlcdergewählt. Der Socialist Lafargue kommt in Lille in die Stichwahl, ebenso Elemenceau im Departement War, jedoch scheint seine Wahl gesichert. Wilson wurde in Loche», Bourgeois in Chalon», Jule» Roche in Chambery gewählt. Paris, 21. August. Der Ministerpräsident hat den Präsecten und den Bürgermeister von Aigue»- MorteS hierher berufen und wird dieselben morgen empfangen. London, 21. August. Trotz der Abnahme de» AuSslande» dauern die Unruhen an einzelnen Orten fort. Newyork, 21. August. Nach einem Telegramm au» Sartillo (Mexiko) hat bortfelbft eine blutige Schlacht zwischen den Aufständigen und den Regierungstruppen statt- gefunden, worin beiderseits viele getödtet und verwundet wurden. • ___________ * Rom, 22. August. Gestern Abend wurden die D e monstrationen wiederholt, wobei die Anarchisten hervortraten. E» waren drei kleine Barrikaden gebaut, davon wurde eine angezündet. Gegen die einschreitenden Truppen wurden einige Steine geworfen. Die Ordnung wurde alsbald wieder hergestellt. In Genua wurden mehrere Om- nibusse angezündet und in den Fluß geworfen, drei KioSke verbrannt. In Mailand entstand in einem öofe Conflikt zwischen Offizieren und Anarchisten. Die Truppen schritten ein, mehrere Soldaten wurden verwundet. Auch au» zahlreichen andern Städten werden Demonstrationen gemeldet. Cocains nnö provinzielle», Gießen, 22. August 1893. * Organisation der Unsallverficherung betreffend. An Stelle deS aus feinem bisherigen Amt als Großh. Kreis- amtmann auögefchiedenen nunmehrigen Großh. Oberconsistorial- affefforS Nebel ist der Großh. KreiSamtmann Dr. Wal lau in Gießen zum stellvertretenden Vorsitzenden de» für den Bezirk der Großh. Direction der Oberhessischen Eisenbahnen bestehenden Schiedsgericht» ernannt worden. Als eine schöne, ächt patriotische Feier kann die am SamStag Abend in den Sälen des Restaurant Kruse „Zum Lahnstein" von Seiten des „Marinevereial" zu Ehren dcS Geburtstage» Sr. Kgl. Hoheit de» Prinzen Heinrich von Preußen abgehaltene angesehen werden. SS hatten sich viele Gäste eingefunden und nachdem die Feier durch ein Vaterlandslied eröffnet war, hielt der Vorsitzende eine kernige Ansprache, worin er die Bedeutung des Geburtstage» für die Marine darlegte und mit einem brausenden Hoch aus Se. Kgl. Hoheit endete. Nachdem noch verschiedene vaterländische Lieder erklungen und donnernde Hoch» aus Kaiser und Großherzog erschallt waren, wurde auch ein gemüthliche» Tänzchen arrangirt, wo» die versammelten bi» früh Morgen» zusammenhielt. • * Witterung. Der gestrige Nachmittag brachte un» nach längerer Trockenheit, die sich namentlich in den letzten Tagen zu enormer Hitze steigerte, ein Gewitter. Diesem ging ein nicht lange andauernder, aber sehr heftiger Sturm varau». Wenn auch die Temperatur kaum merklich abgekühlt wurde, so wurde den auSgetrockneten Fluren doch ein ziemlich ergiebiger, der Pflanzenwelt wohlthuender Regen zu Theil. »• Son der Witterung. Seit neun Tagen, so wird au» London gemeldet, hat der Wärmemeffer de» asttonomiichen Observatoriums in Greenwich auf 80 Grad Fahrenheit im Schatten gestanden. Sine fo anhaltende Periode ausnahmsweise hoher Hitze im August ist seit fünfzig Jahren in London nicht vorgekommen. Gewiß hat e» in den letzten zwanzig Jahren in London noch heißere Tage gegeben, al» wir sie diese und vergangene Woche erlebt haben. Am 11. August 1884 verzeichnete das Thermometer 94 Grad Fahrenheit tm Schatten und erreichte am 15. Juli 1881 sogar 97,1 Grad in London. Nur neunmal in den letzten dreizehn Jahren hat London eine Wärme von 90 Grad und darüber gehabt. Jrn Lager von Lydd erlagen bei der Parade mehrere Soldaten dem Sonnenstich. Im Lager von AdlerShot war man practischer. Verschiedene Regimenter rückten in Hemdärmeln aus. In einer Beziehung 21. Äugun, Mm. 12 Um | 22. Äuautt. Mora. aB ilegramm au8 gr Schlacht Gruppen stail- inb verwundc Hälfte gefährdet. • Douaueschmgen, 18. August. Ueber den tdbthcb verlaufenen Fall asiatischer Cholera geht der „Bad.Corr." folgende Mittheilung zu: Der 17jährtge Otto Heck, Ober- secundaner in Lahr, halte eine gertenreife nach der Schweiz in Begleitung seines Mitschülers Höfe aus Straßburg angetreten und war am 10. ds. von Genf auS gegen den Willen des VaterS nach Marseille gekommen. In Marseille schon sollen beide Reisenden an Diarrhöe gelitten haben, sie verschafften sich deshalb in einer Apotheke Opium und ver- blieben in Marseille bis zum 12. ds. Am 13. ds. kamen sie in Donaueschingen an. Höfe soll mit seiner sortdauernden Diarrhöe nach Straßburg gefahren sein, während Otto Heck bei seinen Eltern in Donaueschingen verblieb. Montag angeblich noch wohl, klagte er am Dienstag über Leibschmerzen, Erbrechen und vermehrte Durchfälle. Mittags 3 Uhr wurde der Arzt gerufen, der den,Kranken elend fand. Um 6 Uhr war der Kranke bereits pulslos- er starb nach 10 Uhr Abends. Zur Verhütung weiteren Umsichgreifens der Seuche sind alle Maßregeln getroffen worden. * Nivelles (Prov. Brabant), 19. August. Bet Jttre wurde ein Arbeiter auf dem Felde von einem Wespenschwarm überfallen und zu Tode gestochen. * Der verlorene Sohu. Als an einem der letzten Nachmittage ein Personenzug vom Schlesischen Bahnhofe in Berlin nach Königswusterhausen abdampfte und die Halle bereits eine Strecke weit verlassen hatte, erschollen aus einer Ab- theilung heraus gellende Hilferufe. Unter den Mitfahrenden entstand große Aufregung, weil man sich die Veranlassung zu diesem Geschrei nicht deuten konnte. Der Zug hielt, und eine Frau stürzte wie wahnsinnig heraus. Die gehegten Befürchtungen lösten sich jedoch bald in allgemeine Heiterkeit auf: die Frau hatte auf dem Bahnhof Abschied von einer Bekannten genommen und dabei ihr kleines Kind auf einer Bank niedergelegt. Schließlich war sie, den Kleinen vergessend, in den Zug gesprungen und vermißte ihn erst, als sie bereits eine ziemliche Strecke weit gefahren war. Ostheim, 18. August. Der „Darmst. Ztg." wird geschrieben: Man habe in diesem Wespen- und hornissenreichen Jahre ein Auge auf die Stämme junger Bäume. Im 'Pfarrgarten zu Ostheim bei Butzbach haben die Hornisse eine schon ziemlich starke fraxinua pendula (Trauer-Esche) bis auf das Holz geschält; die Fasern der Rinde und des Splintes sind für sie Baumaterial zu den Zellen. Ein Ueber- streichen der Rinde mit Lehm, dem man Tabak-Suder beigegeben hatte, vertrieb endlich die gefräßigen Thiere. Ranstadt, 20. August. Mit Hinweis auf die Notiz in Nr. 193 d. Bl., nach welcher hier sämrntlicher Hafer von den Aeckern gestohlen worden sein soll, theilt uns Großh. Bürgermeisterei Ranstadt mit, daß in der Nacht vom 10. d. M. in dem an der Staatsstraße Ranstadt-Nidda gelegenen Felde von drei Aeckern eines Besitzers nur 55 Gebund von 140 gestohlen wurden. Die Thäter sind in Nidda ermittelt. Es sei also nicht „sämrntlicher Hafer" gestohlen worden, auch seien in letzter Zeit in der Gemeinde Ranstadt keine Felddiebstähle, außer dem hier bezeichneten Fall, vorgekommen, noch sonst Klage über Fruchtdiebstähle erhoben worden. Zwingenberg, 18. August. Die Trauben in den Weinbergen sind schon sämmtlich genießbar, ein Dorkommniß, welches sich die ältesten Leute in dieser Zeit, Mitte August, nicht erinnern können; dabei sind sie in jungen kräftigen Wingerten so vollkommen und zahlreich vorhanden, daß es fast wie ein Wunder erscheint. Manche Weinbergbesitzer erzielen einen vollen Herbst und da auch an einer hervorragenden Qualität nicht mehr zu zweifeln ist, so sieht man hier im Allgemeinen der Weinernte mit großer Zuversicht entgegen. Ao8 Rheinhessen, 20. August. Nachdem von einem landwirthschaftlichenNothstandein unserer Provinz jetzt nicht mehr geredet werden kann, haben die Kreisämter ihre frühere Verfügung, welche die äußerste Einschränkung der Festlichkeiten auf dem Lande anordnete, gemildert. Insbesondere werden dreitägige Kirchweihfeste mit Tanzmusik, Temperatur der Lahn und Luft nachRiaumur gemtfientm 22.Auguft, MM.gs zwttchm 11 und 12Uhr: Wasser 19V«, Luft 20 Grad. „ Rübsamen'sche Badeanstalt. hat die Hitze ein Wunder gewirkt: in der City hat der unerläßliche Cylinderhur, das Symbol englischer Respectabmtat, dem leichten Strohhut Platz gemacht. Zur Abkühlung der Zimmerluft bei der jetzigen Sommerhitze wird nachstehender Vorschlag gemacht: Ein einfaches und wirksames Mittel gegen die übergroße Httze im Zimmer besteht darin, daß man einen mit E i s gefüllten Blecheimer — am besten sind die unlackirten — dicht unter der Decke aushängt. In verhältnißmäßig kurzer Zeit wird die gewünschte Abkühlung erfolgen. ES wird nämlich die an dem Eimer abgekühlte Luft schwerer als die umgebende heiße, sie sinkt also herab und neue Luftschichten treten an den Eimer heran, um ebenfalls abgekühlt zu werden und niederzusinken. So geht das Spiel ununterbrochen fort, und durch die lebhafte Circulation ist die Räumlichkeit bald genügend abgekühlt. DaS Aufstellen von Eisgefäßen in Tischhöhe nützt dagegen so viel wie gar nichts. *• Militärdienst der Volksschullehrer. Sämmtliche Volksschullehrer aus dem Bezirke des 11. Armeecorps, welche ihrer activen zehnwöchigen Dienstpflicht zu genügen haben, wurden am letzten Freitag in der Jnfanteriecaserne zu Frankfurt zur ersten Uebungscornpagnie vereinigt. Die Compagnie wurde auf Kriegsstärke gestellt und umfaßt 246 Lehrer. Davon entfallen etwa 190 auf Preußen und 56 auf das Großherzogthum Heffen; Weimar, Waldeck, Gotha und Meiningen sind stark vertreten. Die Compagnie wurde Herrn Hauptmann Regenauer und vier Lieutenants unterstellt. Das von den drei Divisionen des Armeecorps gestellte Aus- bildungspersonal besteht aus 18 Unteroffizieren und 19 Gefreiten. Die zweite Uebungscornpagnie wird am 15. September formiert, beide Compagnien werden am 26. October enHaffen. *» Der beschwerliche Dienst der Locomotivführer hat jetzt insofern eine Erleichterung erfahren, als ihnen allgemein gestattet worden ist, während der Fahrt kleine Stühle oder Drehschemel zum Sitzen zu benutzen. Bisher war ihnen das Sitzen während der Fahrt verboten. Die Führer machen denn auch schon von dieser Neuerung ausgiebigen Gebrauch. Meistens benutzen sie federnde Sitze, weil hierdurch das während der Fahrt sonst recht empfindliche sog. Stauchen der "Locomotiven auf den Körper des Führers übertragen und so dessen schädliche Einwirkung auf das Nervensystem vermieden ' wird. »* * Der Getreidemarkt. Die schwache, lustlose Haltung, durch welche sich der deutsche Getreidemarkt während der letzten Wochen im Allgemeinen auSzeichnete, hält noch immer an, an den meisten Plätzen hat sogar noch ein weiterer Preisrückgang für Roggen und Weizen stattgefunden. Hierzu wirkten einerseits die neuerdings immer wieder unvortheilhaft lautenden Meldungen vom amerikanischen Markte, andererseits die auS dem Jnlande vorliegenden Ernteberichte ein. Die letzteren geben zwar noch kein übersichtliches Gesammt- bild der diesjährigen Getreideernte in Deutschland, indessen lassen sie doch schon erkennen, daß die Roggen- und Weizen- erntc in den meisten Bezirken keineswegs so ungünstig ausgefallen ist, wie noch vor Kurzem gemuthmaßt wurde. Im Hafergeschäft giebt sich eine Besserung kund, der hervor- getretene Mangel an Waare bewirkte an mehreren Hauptplätzen eine nicht unerhebliche Preissteigerung in Hafer. Was die Sperrung der deutschen Grenzen gegen die russische Getreidezufuhr infolge deS Zollkrieges anbelangt, so zeigt sich der einheimische Getreidemarkt hiervon noch ziemlich unberührt; sobald indessen die Reste der vorjährigen großen Ernte verzehrt sein und die Lieferungen der 1893er Jnlandsernte für ben Consum nicht mehr auSreichen werden, dürfte sich das Fehlen der russischen Zufuhr auf unserem Getreidemarkte doch einigermaßen bemeiklich machen. An der Berliner Producten- börse notirten : Weizen per 1000 Kilogramm von 152 bis 163 Mk., Roggen von 135—143 Mk., Hafer von 166 bis 189 Mk., Gerste von 125—170 Mk. wo solche herkömmlich sind, auf Befürwortung des Gemeinde- raths wieder gestattet. △ AuS dem Großherzogthum Hessen, 21. August. Nach einer Mittheilung deS „Mainzer Journal" ist gestern in München der hessische Landtagsabgeordnete und Centrumsführer, OberlandesgerichtSrath vr. Frank, an den folgen des am 10. d. Mts. erlittenen Schlaganfalls gestorben. Dr. Frank, der ein Alter von 63 Jahren erreichte, gehört seit dem Jahre 1872 der zweiten hessischen Kammer an und verfocht in derselben stets mit großem Eifer die Jntereffen der Centrumspartei. Bei der am 1. October 1879 erfolgten neuen Gerichts-Organisation wurde Dr. Frank in den höchsten hessischen Gerichtshof berufen, dem er bis zu seinem Ableben angehörte. — Cardinal Krementz, Erzbischof von Köln, ist heute Vormittag in Mainz eingetroffen und bei Bischof Haffner abgesüegen. In Begleitung des Letzteren ist der Kirchensürst heute Abend nach Fulda weiter gereist. — Die gestern geschlossene internationale Bäckereiausstellung zu Mainz wurde einschließlich der Aussteller und Inhaber von Freikarten von rund 40,000 Personen besucht. Die Gesammteinnahmen an der Tageskasse betrugen 30,000 Mk. Die stärkste Frequenz war am 15. August, an welchem die Ausstellung von 6519 Personen besucht wurde. mit Reisern zugedeckt unmittelbar am Geleise. Ueber die Person der Unglücklichen war Genaueres noch nicht festzustcllen. * Agram, 17. August. Bei einem Kirchenfeste in Biskupec nächst WaraSdin wurde, wie man der „N. Fr. Pr. berichtet, das Treiben einer unmenschlichen Bande entdeckt, welche die Verstümmlung von Kindern gewerbsmäßig betrieb, um die unglücklichen Geschöpfe für daS Bettlerhandwerk auszunützen. Bisher sind drei Männer und von den Opfern vier Kinder zu Stande gebracht worden. Letztere stehen im Alter von 8 bis 12 Jahren und bieten einen beklagens- werthen Anblick. Zwei Mädchen sind Arme und Beine gebrochen, einem Mädchen ein Auge ausgestochen worden. Die Verstümmelungen wurden den Kindern mit Werkzeugen, welche vorgefunden worden sind, gewaltsam beigebracht. Ein Mädchen, welches erst seit Ostern in der Gewalt der Bande war, zeigt noch frische Wunden. Ein Knabe wurde so lange zwischen Schrauben und Brettchen gezwängt, bis er buckelig wurde. Die Untersuchung gegen die verhasteten Uebelthäter ist bei dem Gerichtshöfe in WaraSdin eingeleitet worden. * Altenahr, 21. August. Die Hälfte deS Dorfes Nieder-Adenau brennt seit V/g Uhr. Wegen des Südsturmes und der Wassernoth ist auch die andere Orts- * Frankfurt a. M., 22. August. H o f b a 11 m u s i k - Director Eduard Strauß wird am 29., 30. und 31. August im Zoologischen Garten mit seiner ganzen Capelle concertiren und bringt in diesen Concerten viele Novitäten, ernsten wie heiteren Genres zur Aufführung. Die Capelle Strauß hat unter allen ähnlichen Unternehmungen die größten Reisen gemacht und überall glänzende Erfolge errungen. Sie hat den größten Theil Europas und 61 Städte von Amerika berührt. Die Capelle besteht jetzt seit der Gründung durch Johann Strauß Vater 70 Jahre. Unter der Leitung ihres gegenwärtigen Chefs steht sie seit 31 Jahren. Die Stellung am österreichischen Hofe hat Eduard Strauß seit 22 Jahren inne. Seine Original-Compositionen zählen 300, die seiner Orchester-Arrangements von Opern- und Concertpiecen 200. Die Capelle Strauß spielte unter Leitung ihres gegenwärtigen Chefs bei acht Ausstellungen. Den größten Erfolg hatte sie bei der Londoner Ausstellung in South Kensington erzielt, wo sie zu öfteren Malen in der Albert Hall vor 10000 Personen concertirte, im Garten - Kiosk aber vor 30000 und 40000 Personen. Ms. Kassel, 21. August. Von der Straßenbahn todtges ähren. Ein höchst beklagenswerther tödtlicher Unglückssall hat sich heute zwischen Kassel und Wtlhelmshöhe zugetragen, indem in der Wilhelmshöher Allee ein Ver- gnügungsreisenber aus Hannover vom Zuge der Kasseler Straßenbahn erfaßt, umgeworfen, überfahren und auf der Stelle getödtet wurde. Die näheren Umstände des Unglücks sind die folgenden: Der fragliche Zug der Kasseler Dampsstraßenbahn, bestehend aus Lokomotive und zwei Personenwagen, verließ um 10 Uhr 40 Min. heute Vormittag Wilhelmshöhe, hatte bereits den Main.Weserbahnhof Wilhelms- Höhe überschritten und fuhr nach Wehlheiden weiterfahrend, in beschleunigtem Fahrtempo die Wilhelmshöher Allee, daS sog. „Lange Feld", entlang. Die Wilhelmshöher Allee war wie gewöhnlich um diese Zeit von Fußgängern, Fuhrwerken :c. recht belebt und Führer und Heizer der den Zug fahrenden Lokomotive mußten ihre Augen überall haben. Plötzlich in der Mitte zwischen Bahnhof und Wehlheiden taucht an der südlichen Seite der Allee, wo das Bahngeleise sich hart an den Bäumen hin fortzieht, ein älterer, feingekleideter Herr hinter den Bäumen auf, der nach Kassel (in der Zugrichtung) fortmarschirend in das Schienengeleise der Straßenbahn tritt und in demselben ruhig weiter geht, trotzdem daS „Tuten" des Tram- bahnheizerS daS Nahen des Zuges ankündigt. Ein Begleiter des Herrn geht hinter den Bäumen der Straße entlang, beide Herren schreiten rüstig weiter, sprechen aber kein Wort mit einander, lassen aber auch die Warnungssignale der Trambahn und die Zuruse des Publikums beide unbeachtet. Nachdem Führer und Heizer in dem Glauben, daß der vor ihnen gehende Herr schließlich im letzten Momente zur Seite springen werde, weiter fahren, gebt der Herr zwischen den Schienen weiter, der Führer will, als er die Hartnäckigkeit des Mannes sieht, die Maschine stellen. Es gelingt ihm aber nicht rechtzeitig mehr, der Herr wird von der Maschine erfaßt, kommt unter die Schutzvorrichtung, wird ein Stück mit fortgeschleift und auf der Stelle getödtet. Die Feststellung der Persönlichkeit ergab, daß der Getödtete wie sein Begleiter taubstumm war und der Handschuhfabrikant Franz Petri aus Hannover ist. * Köln, 19. August. Beim Baden im Rhein ertranken gestern Nachmittag drei Schüler im Alter von 9, 14 und 15 Jahren. ♦ Berlin, 18. August. Ueber einen Doppelselbstmorb berichtet der „Lok.-Anz." : Im benachbarten Erkner hat am Mittwoch ein junger Mann von etwa 19 Jahren, wie es heißt, ein Student aus Charlottenburg, seinem Leben dadurch ein Ende gemacht, daß er sich vor den kurz vor 8 Uhr Morgens in Erkner eintreffenden, von Fangschleuse kommenden Vorortzug geworsen hat. Aus einem an seine Braut gerichteten Brief, den der Selbstmörder noch kurz vorher, an der Bahnböschung sitzend, geschrieben hatte, geht hervor, daß unglückliche Liebe den jungen Mann in den Tod getrieben hat. Der Brief enthielt auch die Aufforderung an seine Braut, ihm, wenn sie ihn wirklich liebe, in den Tod zu folgen. Die Braut hat denn auch nicht lange auf sich warten lassen. Mit dem Vorortzug kommend, traf sie Abends 8 Uhr 10 Minuten in Fangschleuse ein, gab in fliegender Hast an der Kontrole ihre Fahrkarte ab und rannte !o, datz es unmöglich war sie aufzuhalten, das Bahngeletse entlang auf Erkner und auf den heranbrausenden Schnellzug zu. Sie warf sich vor den Zug und ist von diesem ergriffen und , zermalmt worden. Der Leichnam tag gestern Vormittag noch * ■Utt« ein!n 'Melitta 7 "" Seit ii„ .,$**et WllllUg llion6itcrttät ’Brtgtln unb morgen tm< bei Auistanbei Pertebr, Land, «nd Voltswirtbicbaft. aitftet*, 22. August. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochemnartt kostete: Butter pr. Pfd. X tOO—1,15, Hühnereier per Stück 6-4. 2 Stück - 4, »Ye pr. St. 5-8 4, KäsemMe ' pr. St. 8 4, Lrbsen vr. Liter 18 4, Linsen pr. Litn 28 4. tauben pr. Paar X 0,60—0,80, Hühner pr. Stück X 0,85—1,10, Hahmn pr Si- X 0,50— 0.85, Enten pr- St- X 1,40 bis 1,60, Ochsevfleisch pr. Pfd 56—4. Shih» und Rindfleisch pr. Md. 36—46 4, Schweine, fleisch pr. Md. 60—70 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 46—50 4, Hammelfleisch pr. Pfd. 40-68 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 9,00—13,00 X, Weißkraut pr. Stück 5—12 4, Zwiebeln pr- Eenttrer 9,00—0,00 X, Milch pr. Liter 16-20 4, Enteneier pr. St. 6— 4, GSnseeier 11 (an ber Köln-Gießener Eisenbahn), 21. August. Auf dm heutigen hiesigm Markt wurden gebracht: 897 Ochsen, Kühe und Rinder unb 855 Schweine. Der nächste Markt ist am 28. September I. I. «arometen min.747 mm,mar.740 mm mm. 747 mm, “ax. 747 nm Hygr?mtterftn{ vaterländM Miet»"»®* ItjMeiW* H Morgens p tr# ubS mH«1 T ,,giiitm»««ul' t,M> ** «° |i<* ,.n ä» * . 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Da ich mich goni dem Sttberfpid vorbereitet und tm Unterrichten geübt ist, widme, so möchte ich bitten, mich nicht ertbeilt Rachhülfestunden. ! mit anderen sogenannten Zitherlehrerr. Auskunft tn der Expeb. d. Bl [7182 zu vergleichen. [6941 Wafferabgabe betreffend. Nachdem seit 11. v. M. eine ununterbrochene Wasserabgabe möglich gewesen, müssen wir heute wieder an unsere Bekanntmachung vom 26. April d. I. erinnern, wonach die in der Regel einzuhaltenden Ttunden der Wasscrabgabe von (I Uhr Morgens bis 2 Uhr Nachmittags je nach Vorrath ausgedehnt oder abgekürzt werden müssen. Da das wieder eingetretene trockene Wetter auch einen Mindererguß der Quellen zur Folge hat, so empfehlen wir — unter Hinweis auf die Polizei'Verordnung vom 25. Mai 189»,, betr. die Bcnutrung der öffentlichen Brunnen und der ftädtifchen Quellwasserleitung — im Interesse des Gemeinwohls allen Betheiligten den rücksichtsvollsten Gebrauch des C.uctt= Wassers, um die ununterbrochene Abgabe desselben für den eigentlichen Hausbedarf auf eine möglichst lange Tageszeit ausdehnen zu können. Gießen, den 21. August 1893. Ltädtischcs Gas- und Wasserwerk Gießen. Zoologischer Garten zu Frankfurt a. M. Dienstag den 29., Mittwoch den 30. und Donnerstag deu 31. August 1893, Nachmtttag» von 5—10 Uhr —CONCERTE— von Eduard Strauss, Kaiser!, und Könial. österr. Hosballmusik-Director, mit seiner voll» ständigen (sapelle aus Wien. Die Concerte finden im Freien, bei ungünstiger Witterung im großen Saale natu _____Eintrittskarten Mk. 1.30, Kinder 75 Pfg. [7184 Gothaer Lebensverficherungsbank. 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