m 70 Der frtelrux *e|deet «dcheinl täglidf, attt Uu-nahme de» Montaq» Die Gießener W««ikie»»tt1ter ««den dem Anzeiger wöchentlich drei»«! hngelegt. fcrftee Statt Donnerstag den 23. März Hiehener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. <893 bieneljäbriger >l«w*aß Ort und Gehöft, aus welchen das Vieh stammt, feuchen- | sonders auch auf Rainen und Grabenrändern vorzunehmen rei sind. . rr . £,. , .. . I ist, wo die Mäuse wahrend des Winters sich bekanntlich am Die Gesundheitsscheine für Schafe und Schweine in Treibherden (einerlei ab Handels-, Schlacht- oder Wigeß I Damit in der Mäusevertilgung Erfolge erzielt werden, Vieh) können immer nur von einem approbirten 1 ftehlt es sich, daß die Gemeinden die Durchführung der arzt ausgestellt werden. . I Maßregel in die Hand nehmen und auch die Kosten tragen. Die Berechtigung derBürgermeister bezw. I Bericht über das von Ihnen Veranlaßte erwarten wir Beigeordneten zur Ausstellung der Gesundheits- I ' scheine dauert nur in solange, als wm uns nicht ver- I » Gagern. anlaßt sehen, wegen Auftretens der Maul- und Klauenseuche I __5— ---------------—— innerhalb des Kreises ober in gefährlicher Nähe desselben für I Gießen, den 21. März 1893. einzelne Orte besondere Bestimmungen zu treffen. I Betr.: Die Ablieferung der Vacanzüberschüsse erledigter § 2 Jeder Viehhändler, der Rindvieh, Schafe, I Schulstellen an den Provinzialschulfvnds. Smarnu-X «uch 7°n Das Großherzogliche Kreisamt Gießen — auftreibt ober auftreiben läßt, bebarf ebenfalls des in I an die Grotzh. Bürgermeistereien de» Kreise». 6 1 erwähnten Gesundheitsscheins. I ©ofem Schulstellen in Ihren Gemeinden im Laufe des Auf Viehmärkten sind die über das angetriebene Vieh I Etatsjahres 1892/93 vacant waren, sehen wir unter Hm- beigebrachten Gesundheitsfcheine polizeilich zu revidiren, jedoch I weis auf unser Ausschreiben vom 24. Januar 1878 (Dnts- alsbald den Besitzern wieder zuzustellen. I blatt Nr. 1) der Vorlage der von Ihnen mit den ^chul- Die Erneuerung eines Scheines, welche nur durch den I Vorständen gemeinschaftlich aufzustellenden Berechnungen der den Markt überwachenden Thierarzt zu erfolgen hat, ist hier I an ben Provinzialschulfonds abzuliefernden Vacanzüberschüsse nur dann erforderlich, wenn 1 in doppelter Ausfertigung bis zum 20. k. Mts. entgegen. 1) die betreffenden Thiere in -anderen Besitz übergehen, I __v. Gagern. einerlei ob die Überlieferung sofort ober erst später I " Gießen, den 20. März 1893. erfolgt, ober . I Betr.: Die Kosten der Fortbildungsschulen. 2) wenn die Giltigkeitsdauer des Scheines an dem Markt- I Uge erlisch Oesundheitsscheine müssen Ort und । Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen WM-WZU Die Zeugnisse müssen, sofern sie nicht von einem beamteten erinnern wir an Erledigung derselben. Thierarzte ausgestellt und mit dessen Dienstsiegel versehen sind, I D; ®Q9ern‘____________ von der Ortspolizeibehörde des Ausstellungsorts beglaubigt —- " fein und sind 5 Tage (ausschließlich des Tags der Ausstellung) giltig. Der Führer der Thiere muß diese Zeugnisse während des Transports derselben stets bei sich haben. § 4. Ist die Giltigkeit der erstmalig ausgestellten Ge- sundheitsscheine, aus denen die Herkunft der betreffenden Thiere ersichtlich ist, abgelaufen (§ 3), so darf auch ohne daß die Thiere wieder sieben Tage an einem Orte gestanden haben, eine erneute Ausstellung von solchen Schemen erfolgen, wenn der erste und die etwa später noch über die betreffenden Thiere ausgestellten Gesundheitsscheine vorgezeigt werben. Daß bies geschehen, ist auf jedem erneuerten Gesundheitsschein zu bemerken. Die Erneuerung eines Scheines kann auf diesem selbst erfolgen. Bei der Erneuerung des Gesundheitsscheins ist zugleich zu bescheinigen, daß die Gemarkung, in welcher die Erneuerung des Scheines erfolgt, seuchenfrei ist. Kann der Besitzer der Thiere die früher ausgestellten Gesundheitsscheine nicht beibringen, so ist er verbunden, die Thiere so lange zu behalten, bis ihm auf Grund des § 1 ein neuer Gesundheitsschein ausgestellt werben kann. § 5. Die gemäß § 1 ben Viehhändlern auferlegte Ver- pflichtung tritt ein vermöge ber Betheiligung an dem Kaiff- ober Tauschgeschäft ober an bem Transport, ohne Rücklicht auf bas Eigenthumsverhältniß ober bie Person be» Führers. § 6. Die erforberlichen Zeugnisse hat ber Viehbesitzer, im Falle bes § 2 Ziffer 1 derjenige, in dessen Besitz das Vieh übergeht, auf seine Kosten zu beschaffen. Bekanntmachung, Amtstage des Großherzoglichen Kreisamts Gießen betreffend. Die unterzeichnete Behörde wirb Samstag den 1. April 1893, von Vormittags 8 Uhr an, einen Amtstag im Rathhause zu Grünberg abhalten und wirb den Kreis-Eingesessenen aus den Amtsgerichts - Bezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimgestellt, etwaige Anliegen in diesem Termine vorzubringen. Gießen, ben 21. März 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern.__ “ “ " Gießen, ben 21. März 1893. Betr.: Wie vorher. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach gelegenen Gemeinden des Kreffes Gießen. Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen. v. Gagern. »„«hm. »°n Anzeigen zu-der Nachmittag» für dm I AtatisßdfdÜC SfattlifiCtlßCätftt. senden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. IO Uhr. | das öffentliche Interesse in Paris an dem Panarna-Be- auch die schwache Vertretung deS Publikums in der Montags« Abg. Ahlwardt: Es sei Thatsache, daß damals solche Machinationen hinter den (Souliffen gespielt; er bade Actenstücke, darüber eines mit der Unterschrift deS Finanzministers, welche Nachweisen, daß die schlimmsten Dinge pjfftti seien. Wenn cfl sich darum bandle, die Juden zu schützen, fänden sich immer Leute, auch solche, die ihr eigenes Volk verrathen, um von den großen Leuten etwas abzu- bekommen. Staatssecretär v. Maltzahn: Ahlwardt habe sich nicht ent- blödet, die schwersten Dorwürfe gegen den Fürsten Bismarck und die verbündeten Regierungen und die damaligen Mitglieder des Hauses zu wiederbolen, daß dieselben das Land durch Verhandlungen hinter den Coultssen verrathen hätten. Er habe diese Vorwürfe wiederholt, obwohl er nicht einmal versucht habe, dieselben zu begründen. Es bleibe ihm nichts anderes übrig, als zu erklären, daß die Angaben Ahlwardts der Wahrheit direct widersprechen. Präsident v. Levehow erklärt, einen solchen directen Vorwurf gegen die Regierungen und den Reichstag nicht herauSgehört zu haben. Abg. Ablwarbt: Jener Vorwurf M nur gegen Angehörige deS jüdischen Volkes schlechthin gerichtet. Er besitze allerdings Aktenstücke, die er auf dem Lisch des Hauies ntederlegcn werde. Abg. Richter: Ahlwardt habe vorhin wörtlich gesagt, die Regierungen hätten hinter den Coultssen geheime Abmachungen mit Börsenjuden gegen das Jntercsie d s Reiches getroffen. Jetzt ziehe er sich hinter allgemeinen Wendungen zurück. Der Herr müsse in seine Schlupfwinkel verfolgt werden, sticht schweigen, sondern anS Licht ziehen müssen wir Alles! (Beifall.) Abg. Rickert (dfr.) beantragt sofortige Vertagung, damit morgen Ahlwardt sein Material vorlegen kann. Der Vorwurf dürfe auch nicht 24 Stunden auf der Regierung von damals hasten bleiben. Abg. o. Manteuffel (cons.) schließt sich diesem Anträge an. Der Antrag Rickert wird einstimmig angenommen. Fortsetzung morgen. Staatssekretär Frhr. o. Maltzahn: Wäre jene.Behauptung richtig, so würde die Schuld die verbündeten Regierungen und den Reichstag treffen. Die Commission des Reichstags hätte von solchen Machtnationen naturgemäß erfahren müsien. Es war, und zwar gleich in dem ersten Entwurf deS Fürsten Bismarck, überhaupt und von vornherein nur in Aussicht genommen, den Fonds so hoch zu bemeffen, daß der Verbrauch nicht nur die Zinsen, sondern auch deS Capttals der Fonds bis zum Tode deS letzten Invaliden reichen müsie. Daß der Fonds demgemäß hoch genug bemessen worden, gehe daraus hervor, daß jetzt noch 100 Millionen über den Bedarf übrig seien. Der Insinuation AhlwardtS müsie er auf daS Entschiedenste widersprechen. XuslanO. — DaS jähe Hinscheiden JuleS Ferrhs hat u. A. auch sitzung des Prozesses, die im Uebrigen durch die Reden der Vertheidiger vollständig auSgefüllt wurde. — In Spanien haben am Sonntag die Wahlen zum Senat stattgesunden. Bis Montag früh waren als gewählt bekannt 84 Ministerielle, 23 Konservative, 5 Republikaner, 2 konservative Dissendenten, 1 Carlist, 1 Unabhängiger- 64 Wahlen standen noch auS. Stuttgart, 22. März. Reichstagswahl im siebzehnten wiirttembergischen Wahlkreis. Bisher: Rembold (Eentrum) 8612, Lauter (Volkspartei) 3949, Müller (nationalliberal) 750, Tauscher (Socialist) 513 Stimmen. AuS dem Bezirke Riedlingen fehlen noch die Resultate sämmtlicher Landbezirke, auS dem Saulgau 31 Landorte. Rew-Aork, 21. März. In einer Getreidemühle der Ortschaft Litchfield in Illinois entstand heute infolge der Entzündung von Mehlstaub eine Explosion, wodurch vierzig Häuser zerstört wurden. Zwei Elevatoren mit 200,000 Bushels Getreide, sowie zwölf Eisenbahnwaggons verbrannten. In der ganzen Umgegend sind die Fensterscheiben zertrümmert; eine große Anzahl von Personen wurde schwer verletzt. Todt ist nur der Müller. Schaden 1,150,000 Dollars. Depeschen deS Bureau .Herold'. Berlin, 21. März. Die „Börsen-Zeitung* erfähn auf Petersburg, es verlaute mit großer Bestimmtheit, die Regierung habe im Prinzip beschlosien, auf eine erhebliche Ermäßigung der russischen Einfuhrzölle auf Steinkohlen, Eisen und vornehmlich Maschinen und Maschinentheile gegen« über Deutschland einzugehen. Berlin, 21. März. Zahlreiche Ovationen werden heute dem General von Meerscheidt-Hülle s fern anläßlich seines 50jährigen Dienstjubiläums dargebracht. Der Kaiser gratulirte persönlich und überreichte die Urkunde zu einer Meerscheidt-Hüllesiem-Stiftung für mildtbätige Zwecke. Der Kronprinz brachte ebenfalls seine Glückwünsche dar. Berlin, 21. März. Cardinal Kopp, der Fürstbischof von Breslau, ist Nachmittags hier eingetroffen und wird vom Kaiser in den nächsten Tagen in besonderer Audienz empfangen. Pari», 21. März. Panama - Prozeß. Die Geschworenen sprachen Carl de Lesieps, Blondin und Baihaut schuldig- LesiepS und Blondin erhielten mildernde Umstände zugebilligt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. totale» nnö provinzielles. Gießen, 22. März 1893. ** Jahresbericht der Alice Schule. Mit Befriedigung kann auch dieses Jahr die Alice« Schule auf ihre Leistungen zurückblicken. 203 Schülerinnen besuchten dieselbe in den beiden Semestern. Nachdem im Sommer der Schwerpunkt der Schule im Lehrerinnen-CursuS lag, hatten im Winter der Weißzeug- und Kleider-CursuS den meisten Zuspruch. Der neu errichtete WeihnachtS-Arbeiten CurfuS hat im Verein mit dem Stick-CursuS ganz Annehmbares geleistet, was die WeihnachtS-AuSstellung bewies, nnb ist der Anfang gemacht, auch weiblicher Kunstindustrie eine würdige Stätte zu bereiten. DaS Waschen und Bügeln von feinen Woll- und Seidensachen erregt, namentlich bei den Ausstellungen, allgemeine Anerkennung- es kann den Gießener jungen Damen nicht genug empfohlen werden. Der Zeichen.CursuS ist durch eine große Anzahl neuer herrlicher Vorlagen, welche'die Großh. üeutralnelle für Gewerbe auSgegeben hat, besonders anregend geworden. Um endlich zum jüngsten Zweige der Anstalt zu gelangen, zur Kochschule, so ist diese durch allseitiges opferwilliges Entgegenkommen recht schön eingerichtet und erfüllt alle gestellten Anforderungen und Erwartungen. Die ordentlichen Ausgaben für die Schule sind auch dieses Jahr reichlich gedeckt worden, und auch die durch den Bau und die Einrichtung der Kochschule, sowie deS Bügel- und Wasch-CurseS herbeigesührten außerordentlichen Ausgaben wurden durch außerordentliche Einnahmen gedeckt. — Die unS bekannte» I allgemeinen Krankenhauses ist die Maul- und Klauen- I leuche amtlich constatirl. Hamhnr,, 21. März. Infolge der Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche in Dänemark ist die Sin- fuhr von Schafen auS Dänemark verboten. Die Einfuhr von Rindern und Schweinen aus Dänemark ist lediglich zweck» Abschlachtung in dem hiesigen öffentlichen Schlachthof gestattet. Die Einfuhr von Wiederkäuern und Schweinen aus Schweden wird gestattet, sobald eine vor der Landung vorzunehmende 1 thierärztliche Untersuchung ergibt, daß sämmtliche Thiere an Bord gesund sind. Lagos, 21. März. Reutermeldung. Der König von Dahomey, Behanzin, publicin ein an die civilisinen Nationen gerichtetes Manifest, worin er den Ursprung der Feindseligkeiten mir Frankreich darftellt. Die Feindseligkeiten feien grundlos von den französischen Gouverneuren vayol und Ballot begonnen. Er rüst die Sympathie der europäischen Mächte an für seine Sache. Bathurst, 21. März. Reutermeldung. Ein französischer Offizier entfernte die engl ischc Flagge auf englischem Gebiete am Gambiafluß. Ein englisches Kriegsschiff fuhr den Gambiafluß hinauf. Einzelheiten fehlen. Paris, 21. März. Die Untersuchung» - Com« Mission vernahm heute den früheren Minister bei Innern, Loubet. betreffs der zur Verhaftung von Arton getroffenen Maßnahmen. Loubet erhärte, eS seien alle Vorsichtsmaßregeln zur Verhaftung AnonS getroffen, über Einzelheiten oder über die hierbei verwandten Personen verweigerte jedoch Loubet Auskunft zu geben. Loudon, 21. März. Heute Mittag erfolgt in Cambridge die feierliche Verleihung des ShrendoctoratS der Naturwiffenschaften Seitens der Universität an den Ge- heimerath Profesior Dr. Virchow. Rom, 21. März. Heute Nacht explodirte in der Einfahrt zum Palais deS Marchese Sach et ti, Obersthof - marschallö deS Papstes, eine große Petarde, wodurch viele Fensterscheiben zertrümmert wurden. Eine zweite Petarde ist heute Nacht auf der Treppe eine» HauseS in der Via Quattro Fontane, bevor sie explodirte, entdeckt und beschlag, nahmt worden. Uwwfk Nachrichten. Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau. Berlin, 21. März. Zu Ehren deS Generals Meer- scheidt-Hüllessem war heute im Kaiserhof ein Liebesmahl, woran der Kaiser in der Uniform des Elisabeth- Regiments, desien Commandeur der Jubilar früher war, theilnahm. Der Kaiser saß zwischen Hülleffem und Generaloberst Pape. ES waren rund hundert Theilnehmer, darunter die Generale des GardecorpS, die Commandeure der Regimenter und Bataillone, sowie die Offiziere ä la suite des CorpS. Der Kriegsminister war verhindert. Bei der Tafel brachte Pape daS Hoch auf den Kaiser auS. General Holleben toastete zugleich im Auftrage des Kaisers auf den Jubilar in Ausdrücken warmen Dankes und hoher Verehrung für Hülleffem. Dieser dankte dem Kaiser für sein Erscheinen, dann General Holleben und den Kameraden. Er schloß mit einem Hoch aus daS GardecorpS und den Kaiser an der Spitze deS GardecorpS. DaS Fest schloß in vorgerückter Stunde. Berlin, 21. März. Auf der Friedrichstraße wurden seit einiger Zeit von antisemitischen Händlern Eisenbahn« billetS mit der Aufschrift: ^Nach Jerusalem, aber nicht zurück", feilgeboten. Sie sind heute von der Criminalpoltzei bei sämmtlichen Händlern confiScirt worden. Karlsruhe, 21. März. Der Großherzog von Hessen wird am Freitag Nachmittag zum Besuche deS hiesigen HoseS etntreffen und bis SamStag Nachmittag verweilen. Hamburg. 21. März. Unter dem Viehstand des alten Kartoffeln zu esien. biß er starb, nur 9 Monate Gefängniß erhielt. Für den gemeinen Mann trifttre das Begnadigungsrecht gar nicht. Generallieutenant v. Spitz: lieber die tm vorigen Jahre von uux, vntiuuujc 'jtuettnt 'N u.i ucu. Vu.iuinu = yc- . geführt« Fälle seien eingehende Erhebung« «gestellt A « y« . . l | norbat, welche ergaben, daß die Angaben theUS unrichlig, !Heils ItechungS-Pr ozeß erheblich abgeichwacht. Hiervon zeugt | unzulänglich waren. Vielfach seien die Vorgesetzten durch ffitber« ' 'L' '* * **'" setzltchkeit schwer gereizt worden. Zu solchen Widersetzlichkeiten führe die socialdemokratische Agitation. Präsident v. Lcoetzow legt im Interesse deS Hauses Verwahrung ein gegen den vom Vorredner mit Bezug auf ein Mitglied deS Hauses zweimal gebrauchten Ausdruck: Verleumdung. (Beifall links.) Abg. Bebel (Soc): Rach diesen Worten des Präsidenten habe er keinen Anlaß, auf die beleidigenden Ausdrücke deS Ministers zurückzukommen. Er (Redner) könne sich geirrt haben, er könne falsch tnformirt fein, aber in seinem ganzen politischen Leben habe ihm nie nachgewiesen werden können, daß er etwas wider besseres Wissen behauptet habe. Seien ihm wirklich falsche Angaben gemacht worden, so beweise daS, wie nothwendig ein öffentliches militärisches Gerichtsverfahren sei. Die Angelegenheit v. Saltfch anlangend, so stützten sich die Zeugensaussagen, auf die sich der Minister berufe, auf die AuSsaaen o. Salisch selbst und auf die seines militärischen Begleiters, und waS Offiziere Alles auszusagen vermöchten, um einem Kameraden aus der Patsche zu helfen, sei in einem früheren Falle festgestellt worden. (Oho! rechts.) Der Civilist bekomme dem Soldaten gegenüber immer Unrecht. Das stärkste aber fei, daß v. Salisch noch begnadigt worden sei. (Präsident v. Lcoetzow erklärt e« für unzulässig, da« königl. Begnadigungsrecht einer Kritik zu unterwerfen.) Hoffentlich werde der Minister auch noch über die übrigen von ihm (Redner) hier angeführten Fälle Aufklärungen geben. In dem von Richter zur Sprache gebrachten Falle sei es auffällig, daß ein mit so schweren Leiden behafteter Mann ausgehoben werden konnte. Ihm seien noch nachttäglich Fälle von Soldatenmißhandlungen aus Sachsen, Bromberg ?c. mitgetheilt worden. Kriegsminister v. Kaltenborn macht Bebel keinen Vorwurf daraus, wenn er im Jrrihum falsche Angaben mache, müsie aber die daran geknüpften Schlußfolgerungen zurückweisen. Wenn Bebel hier einen Offizier des Meuchelmordes zeihe, dann beschimpfe er ihn. lieber den Ehrenstandpunkt der Offiziere zu urtheilen, habe Bebel kein Recht. Absolut unberechtigt aber sei er, über das Gnadenrecht zu urtbeilen. General-Auditeur Ittenbach weist die Zweifel Bebels in die Objectivität der Militärgerichte zurück, sowie die Behauptung, daß sich ein Offizier nicht scheue, falsche Angaben zu machen, um einen Kameraden auS der Patsche zu Helsen. DaS verbiete die Ehre deS Offizier». (Beifall rechts.) Entschieden unwahr fei der von Kunert erhobene Vorwurf, daß die Militärgerichte gegen Untergebene mit übertriebener Schärfe, gegen Vorgesetzte aber überaus mild urteilten. DaS General-Auditorial prüfe alle Erkenntnisse genau und suche ielbft, wo ihm ein Uttheil zu bart erscheine, die Gnade des obersten Kriegsherrn nach. Er müsie aber sagen, eS werde unparteiisch und gerecht geurtheilt. Unsere Militärgerichte könnten in dieser Beziehung die Oeffentlichkeit verttagen. Sie seien ebenso unabhängig wie die Civilgerichte. Die vorgebrachten allgemeinen Verdächtigungen sollten nur dazu dienen, die DiSciplin zu untergraben. Die Armee sei lebenfaUS mit dem bisherigen Verfahren, trotz mancher Mängel desielben, gut gefahren. (Beifall.) Äbg. Frhr. v. Manteuffel (cons.): Anklagen, wie sie Bebel erhoben, sollten nie ohne Beibringung beweiskräftigen Materials erhoben werden. Bebel würde ehrenhaft bandeln, wenn er die gegen ben Lieutenant v. Salisch erhobene Beschuldigung deS MeuchelmorveS zurücknähme. (Zuruf links: Ahlwardt!) Die Kritik beS Begnadigungsrechtes werde bei allen Patrioten die tiefste Entrüstung hervor- rufen. (Beifall rechts.) Abg. Bebel: Verhalte sich der Fall Salisch so, wie ihn der Kriegsminister dargestellt, bann nehme er den Ausdruck Meuchelmörder zurück. Eines Offiziers würdig war das Verhalten o. Salisch nicht, habe er doch zugestoßen, weil bet Stock IßeimannS „seinem Gesicht nahe tarn'. Die Schlußfolgerungen, die er, Redner, aus ben Thatsachen gezogen, wie sie ihm bekannt geworden, feien berechtigt gewesen. WaS Kunert hier vorgebracht, sei den amtlichen Acten entnommen gewesen und es gehe daraus hervor, daß mit zweierlei Maß gemessen werde. In Leipzig wurden Landweh, leule, die sich direct beim Kaiser beschwerten, zu 8 Jahren Zuchthaus oerurtbeilt, während ein Unteroffizier, der einen Soldaten zwang, glühend heiße Deutscher Leichstag. 72. Sitzung. Dienstag, 21. Marz 1893. Auf der Tagesordnung steht zunächst dritte Beralhung der Vorlage, betr. die Verlängerung des HandelSprooisoriumS mit Rumänien und Spanien bis zum 31. Decbr. 1893. Abg. Dr. Broemel (dfr.) erblickt in den Motiven der Vorlage eine Gewähr für das unentwegte Festhalten der Regierung an der von ihr eingeschlagenen Handelspolitik trotz der Agitationen des Bundes der Landwirthe. Staatssecretär Frhr. o. Marschall erwidert auf eine Anfrage deS Vorredners, daßVorbesprechungen wegen Abschlusses eineSLandels- ocrtragS mit Portugal eingeleitet feien. Hoffentlich würden dieselben zu einem Ergebnis, führen. Gene.al-Auditeur Ittenbach bemerkt, daß von dem kaiserlichen Begnadigungsrecht im roeiteften Umfange auch gemeinen Soldaten Segenüber überall da Gebrauch gemacht werde, wo die T hat hn Iftect begangen wurde. Don den im Graudenzer Falle Verurtheilten durfte keiner mehr im Gefängniß sein. Abg. Richter (bfr.): Sollen schiefeUrtheileüber das Mllttär- gerichtsversahren vermieden werden, so führe man das öffentliche Lerfahren ein. DaS Begnadigungsrecht unterliege der Kritik des HauseS, insoweit e» unter Verantwortlichkeit eine» Ministers geübt werde. Abg. Dr. o. Bar (dfr.) bestätigt letzteres vom staatSwisien- schaftlichen Standpuncte au». Abg. Liebermann von Sonnenberg (Antif.) beansprucht für Ahlwardt dasselbe Recht, welches Bebel für sich beanspruche und nimmt ben Lieutenant o. Salisch Bebel gegenüber in Schutz. Bebel würde in gleicher Lage ebenso gehandelt haben wie Salisch. Zwischen Ahlwardt und Bebel bestehe der Unterschied, daß Ahlwardt außerhalb deS HauseS für feine Behauptungen eintrete. Würde Bebel dasselbe thun, bann würde er noch Igan; ander» jwie Ahlwardt so und so vieler Jrrthümer überführt werden. Abg. Kunert (Soc.) hält seine Behauptungen hinsichtlich des zweierlei Maßes bei den militärischen Urtheilen aufrecht. Abg. Bebel erwidert dem Abg. Liebermann, er habe auS seinen CM. . I Ansichten nie ein Hehl gemacht und dafür fünf Jahre seines Ledens Die Vorlage wird endgültig angenammen. I im Gefängniß zugebracht. Die dritte Berathung deS Etats wird fortgesetzt. Generalauditeur Ittenbach: Wenn Insubordinationen Unter- Beim Militäretat theilt der preußische Kriegsminister I gebener schwer bestraft würden, so liege das am materiellen Straf- o. Kaltenborn-Stachau das Ergebniß der Untersuchung über die [ recht, wie es vom Reichstage selbst mit beschlosien worden fei bei der zweiten Berathung deS Etats behaupteten Fälle von Soldaten- I Persönlich wirft Abg. Men,er (cons) infolge eine» Zwischen- mißhandlungen mit. Abg. Richter hatte ben Bries der Mutter eines I ruf§ dem Abg. Bebel buschklepperische Angriffe vor. verstorbenen Soldaten Detlefen, wonach der Tod ihres SohneS Abg. Liebknecht ruft ihm zu: Sie sind noch nicht einmal infolge von Mißhandlungen eingetreten fei Die Obduction habe ein Buschklepper! Beide Abgeordneten werden zur Ordnung aber als Todesursache Brustwehe ergeben. An Blutfl urz auS Ohr I gerufen. 8 und Rase hat der junge Mann schon vorher gelitten; er soll vor Jahren Beim Etat des ReichsjustizamteS behauptet Abg. Stadt- einmal auS einer Bodenluke auf eine Deichsel gestürzt sein. Die Hagen (Soc.), in Magdeburg hätten Geschworene Jemand verurtheilt Mißhandlungen, die er erlitten, seien auf ein paar Ohrfeigen durch ohne von seiner Schuld überzeugt zu sein, nur weil er Socialdemokrat einen Gefreiten zurückzuführen und es sei fraglich, ob eS sich hier sei und „als solcher inS Zuchthaus gehöre'. Er fragt, ob in um Mißhandlungen durch einen Vorgesetzten handle. Bebel habe Preußen solche Verurtheilungen blos wegen politischer Gesinnungen : eine Reihe von Fällen angeführt, über welche zum Theil die Erhebungen | erlaubt seien. noch schwebten. Unrichtig sei, daß Beschwerden bei Denjenigen anzu- Präsident v. Levetzow ruft Stadthagen wegen Beleidigung bringen feien, über die man sich beschwere. Den Fall v. Salisch I der preußischen Justizverwaltung zur Ordnung. vabe Bebel ganz unrichtig dargestellt, o. Salisch sei, als er am Beim Reichsinvalidenfonds fragt Richter, roaB die 20. März v. I. Abends einen Gasthof in Ehrenbrettstein in Begleitung Regierung auf die Behauptung Ahlwardts zu äußern habe, daß nur I eines Kameraden verlassen halte, auf der Brücke von dem Commis die Machtnationen der Börsenjuden nach 1871 eine höhere Dottrung Wiemann, der schon wiederholt Händel mit Offizieren gesucht, beS JnvalidenfondS verhindert hätten. provocirt worden. Lieutn. v. Salisch stellte Wiemann zur Rede, - - - - - — dieser erhob seinen Stock, worauf der Offizier seinen Degen zog und dem Wiemann zwei Schläge versetzte, ohne ihn indeß zu verletzen. Daraus schlug Wiemann mit dem Stocke und nun stach v. Salisch mit dem Degen nach ihm. Wiemann starb bald nachher an Verblutung, weil sachgemäße Hülfe nicht beschafft werden konnte. Rach der gerichtlichen Feststellung liegt nur Körperverletzung mit tödtlichem Ausgange vor, während Bebel von einem Meuchelmorde sprach, welche Behauptung gegenüber einem Offizier der deutschen Armee er als eine verleumderische zurückweise. (Große Unruhe links, Beifall rechts. Bebel ruft: Frechheit!) Auch die Bebel'sche Darstellung eines Falles angeblicher Mißhandlung eine» Soldaten in Frankfurt u. O. sei unwahr. Der betreffende Mann sei schwer an mit Fieber verbundener Grippe leidend tu das Lazareth gebracht worden. Die DarUellung dieses Falles durch Bebel enthalte gleichfalls eine Verleumdung. Lehrerinnen der Anstalt haben auch dieses Jahr ihre Kräfte treu der guten Sache gewidmet und hat sich ihnen mit gleichem Eifer und gleicher Liebe die neuangestellte Lehrerin der Koch-Abtheilung, Frl. Renner, zugesellt. Möge ihr unermüdliches Walten auch fürder vom schönsten Erfolge gekrönt werden. Der Stadtvorstand Gießens und die Be völkerung haben gewetteifert, der Schule zu ermöglichen, Alles zu bieten, was vollständig practische Ausbildung heutzutage erfordert, und wir wünschen und erwarten, daß die Anstalt ihrerseits der Bevölkerung auch wieder reichlichen Nutzen bringe. Vorträge im Gewerbe Verein. Gestern Abend hielt im physikalischen Lehrsaale des Realgymnasiums Herr Dr. P i tz einen Vortrag über die Entstehung der Töne und deren Verwendung bei der Saitenorgel. Herr Dr. Pitz erläuterte an der Hand von Apparaten und Handzeichnungen den Ursprung der Töne. Demnach entstehen die Töne durch Schwingungen, welche letztere wiederum durch Schlag, Streichen, Luft, Sprechen u. s. w. erzeugt werden und je nach Stärke und Schnelligkeit der durch die hier bezeichneten äußeren Einwirkungen die Töne stärker, tiefer oder höher erscheinen lassen. Die GÜmbel'sche Saitenorgel, von welcher Herr Dr. Pitz ein Modell vorführte, beruht auf dem Princip der durch Luftströmungen veranlaßten Schwingung der Saiten, und konnten die zahlreich erschienenen Zuhörer sich überzeugen, daß die Saitenorgel eine bedeutende Rolle in der Musik zu spielen berufen ist. Wir haben gelegentlich des Berichts über die Sitzung der „Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde", in welcher Herr Dr. Pitz die Saitenorgel ebenfalls zum Gegenstand eines Vortrags gemacht, über die Erfindung berichtet, so daß wir heute davon absehen können. Dem Herrn Vortragenden wurde am Schlüsse seines in physikalischer wie musikalischer Hinsicht gleich lehrreichen Vortrags lebhafter Beifall zu Theil. ** Der hessische Stadtetag wird in diesem Jahre in Darmstadt, und zwar voraussichtlich am 15. Mai, abgehalten werden. ** Schüler Abend. Im Saale des Steins Garten veranstaltete am gestrigen Abend Frau M. B al ser-Landmann einen Familien-Abend, welcher sich unter diesem bescheidenen Namen zu einem äußerst gemüthlichen und genußreichen Feste gestaltete. — Wir erwähnen zunächst die unter der Leitung von Frau Balser zum Vortrag gebrachten dreistimmigen Frauen - Chöre „Der Maitag von Rheinberger", von welchen nur Lobendes zu berichten ist und welche den Beweis erbrachten von gutem Können und Wollen der Schülerinnen sowohl als auch ihrer Lehrerin. Die zur Eröffnung des Abends vorgetragene Jubel - Ouvertüre von C. M. Weber, sowie die im Verlaufe des Programms zu Gehör gebrachte Fantasie Jmproptu Cis-moll von F. Chopin zeigten von verständnißvollem und eingehendem Studium und ■mieten die Damen reichen und wohlverdienten Beifall. Frau Balser-Landmann gelang die Wiedergabe aus der Arie „Simson und Delila von C. Saint Säens" trotz längerer stimmlicher Indisposition recht gut und wurde von den Anwesenden warm applaudiert. Den Hauptpunkt des Programms bildete das mit vielem Fleiß einstudirte „Aschenbrödel" von Carl Reinicke für dreistimmigen Frauenchor mit Solis und Declamation. — Das reizende allbekannte Kindermärchen wurde uns hier "in Wort, Musik und Gesang mit allerliebsten Melodien vor Augen «geführt und amüsirten sich die Zuhörer sowie Vortragende anscheinend recht gut, sei es über die oft recht guten Leistungen der Letzteren, sei es in der Erinnerung an frühere Zeiten. Das außerordentlich zahlreich erschienene Publikum schien von den verschiedenen Leistungen der Schülerinnen mehr als befriedigt und lohnte die Vortragenden sowohl als die Leitung mit reichem Beifall. Nach Abwickelung des Programms vereinigten sich die Theilnehmer zum gemüthlichen Zusammensein, wobei selbstverständlich das obligate Tänzchen nicht fehlen durfte. ** Musikalisches. Wie wir hören, ist Herr H., welcher im letzten Concerte des Vereines „Sangerkranz" mit viel Erfolg verschiedene Klaviersolis vortrug, ein Schüler von Fräul. Körner hier. ** Ueber den ältesten erhaltenen Fürsteufitz unserer Landesherren im jetzigen Großherzogthum Heffen, das „alte Schloß" am Kanzleiberg, schreibt Herr Dr. Adelbert Matthaei in der „Darmst. Ztg.": Es ist bekannt, daß von dem jetzigen Großherzogthum Hessen nur der nördliche Theil der Provinz Oberhessen althessisches Land ist. Er ist es, der dem ganzen, heute aus den Provinzen Starkenburg, Rhein- und Oberhessen bestehenden Lande den Namen „Hessen" gegeben hat. Durch die Urkunde vom Mai 1292 wurde Heinrich I. von Brabant (das Kind) der Stammvater unseres Herrscherhauses, von Adolf von Nassau und den Kurfürsten als Hessenfürst in den Reichsfürftenstand erhoben- und zu jenem Gebiet, das von dem genannten Vorgänge betroffen wurde, gehört von dem heutigen Besitz des Hauses Brabant-Hessen nur der nördliche Theil von Oberhessen mit Gießen. Gießen hat zwar schon vor dieser Zeit ein Burghaus besessen, das aber mit den jetzigen Landesherren nichts zu thun hat, und von dem bis auf die von H. v. Ritgen an der protestantischen Kirche ausgedeckten Fundamente nichts mehr erhalten ist. Nicht allzulange nach jener Fürstenstandßerhebung vom Mai 1292 ist aber eine neue Burg in Gießen erbaut worden: das sogenannte alte Schloß am Kanzleiberg, und zwar zweifellos mit der Bestimmung, den etwa anwesenden Landgrafen als Wohnsitz zu dienen. So haben sich b«nn auch in diesem Bau verschiedentlich die Landgrafen von Hessen aufgehalten^ unter anderen Philipp der Großmüthige, der ruhmreichste unter allen Herrschern, die dem Brabanter Hause entstammt sind. Er residirte im Gießener Schloß im Jahre 1518 während der Sickinger Fehde und höchst wahrscheinlich auch noch später zu wiederholten Malen während des Umbaues der Gießener Festungsanlage (1560—1564). Gegen Ende des XVI. Säculums wurde die Burg ihrer ursprünglichen Bestimmung entrissen und 1605 als Kanzlei eingerichtet. Bis vor vier Jahren garnisonirte darin eine Compagnie des Regiments „Kaiser Wilhelm". Im Jahre 1603 schlug der Blitz in den alten Bergfried (Heiden- oder Diebsthurm), jedoch ohne zu zünden. Was das Element gnädig verschont hat, das soll nun heute, wenn wir einem umlaufenden Gerüchte glauben dürfen, nachdem die neue Kaserne erbaut ist, ein Opfer praktischer Interessen werden, deren Dringlichkeit noch nicht für Jedermann feststeht. Wahr ist es, das Gebäude sieht nicht mehr schön aus. Mannigfache häßliche Um- und Anbauten haben namentlich die oberen Stockwerke stark verändert und entstellt, und die Verwendung als Militärkaserne in unseren Tagen hat auch nicht gerade zur Erhaltung der Anlage beigetragen. Auch ist nicht zu leugnen, daß der kunsthistorische, architektonische Werth des Pallas und des Bergfrieds nur gering ist. Um so hervorragender ist die geschichtliche und die patriotische Bedeutung der Burg. Es gilt der Stadt das Wahrzeichen ihrer Zugehörigkeit zum hessischen Fürstenhause, dem Lande ein Denkmal seiner Verbindung mit Althessen, ein Zeugniß gewissermaßen für die Berechtigung, den Hessennamen zu führen, zu erhalten! Wir klagen heute, in unserer an idealen Bestrebungen wahrlich nicht allzureichen Zeit, oft über den verständnißlosen Sinn des 17. und 18. Jahrhunderts, dem so manche werthvolle Denkmäler deutscher Geschichte zum Opfer gefallen sind. Hüten wir uns davor, in denselben Fehler zu verfallen und den berechtigten Vorwurf der Nachkommen auf uns zu laden, ein wichtiges Denkmal althessischer Fürsten und Volks- g-schichte nicht gewahrt zu haben! lieber die praktischen Fragen, wie man das „alte Schloß" von den erwähnten häßlichen Zuthaten wieder befreien und im alten Zustand möglichst wieder Herstellen könnte, ließe sich ja noch reden. Uns kam es nur darauf an, den patriotischen Sinn der Hessen für die Erhaltung der ältesten Fürstenburg im Lande mobil zu machen. — Ernennungen. Am 18. März wurde der Kreisassistenzarzt des Kreisgesundheitsamts Darmstadt Dr. Wilhelm Schäffer zum Kreisassistenzarzte bei dem Kreisgesundheits- amte Mainz, — der Assistenzarzt an der Landesirrenanstalt zu Heppenheim Dr. Emil Schäffer zum Kreisassistenzarzte bei dem Kreisgesundheitsamte Darmstadt, und der praktische Arzt Dr. Joseph Wengler zu Guntersblum zum Kreisassistenzarzte bei dem Kreisgesundheitsamte Gießen — sämmtlich mit Wirkung vom 1. April l. I. ernannt. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ertheilt: den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Wimpfen Karl Speer und Karl Veyl, sowie den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Bingen Joseph Roesch und Nikolaus Gundlach. — Zur Vorsicht mahnt folgender Unfall, der einem kräftigen Manne das Leben kostete. Viele Leute haben die Gewohnheit, auf offene Wunden ein Pechpflaster zu kleben: namentlich geschieht das in der ländlichen Bevölkerung. Ein Arbeitsmann in Zehlendorf hatte ebenfalls eine Anfangs unbedeutende Wunde mit Pech zugeklebt - bald stellte sich Entzündung ein, und als der Arzt endlich hinzugezogen wurde, ordnete derselbe wegen hochgradiger Blutvergiftung sofortige Ueberführung nach einem Berliner Krankenhause an. Dort ist der Aermste unter qualvollen Leiden dieser Tage gestorben. Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen. 11. Woche. Vom 12. März bis 18. März 1893. Einwohnerzahl: angenommen zu 21500 (incT. 1600 Mann Militär). SterbltchkettSztffer: 36,960/« bezw. 19,71 nach AuSschl. der Ortsfremden. Kinder ES ft erben an: Zusammen: Erwachsene: im vom A n m. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke tommen. 1. Lebensjahr: 2.—15 Jahr: Diphtherie 2 (2) 2 (2) Keuchhusten 3 — 2 1 Lungentuberkulose 2 (2) 2 (2) Erkrankung d. Herzens 2 2 — Neubildungen 1 (1) 1 (1) - - Altersschwäche Andere bekannte 1 1 — — Krankheiten 4 (2) 4 (2) Summa: 15 (7) 10 (5) 2 3 (2) Aechte englische ßheviots und Kammgarne, Baxkin und Melton, Cheviot, 3 Mk. 1.75 Pfg. bis Mk. 9.75 Pfg. per Meter versenden jede beliebige einzelne Meterzabl dtrect an Private. Buxkin - Fabrik - Depot Oettinger & Co., Frankfurt a. M. Neueste Muster-Auswavl franco ins bei Gebrüder Stamm die schönste WiUU flllVAl Auswahl der neuesten Buckskins, Cheviots «nd Kammgarne rc. zum meterwetsen Verkauf fowohl al« auch zur besten Anfertigung nach Maß auf eigener WerkstStte. 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Sehr schön ausgeführte Entwürfe liegen ebenfalls zur gefälligen Ansicht auf und werden etwaige Aufträge in kürzester Zeit ausgeführt bei billigster Preisberechnung. 2389 Ueber foge«. Schönheitsmittel und ihre Rachtheile für die Gefundheit. Wenngleich in den letzten Jahren mehr dafür geschehen ist, das Publikum und speciell die Damen über die Nachtheile, w-lche aus der Anwendung der Mehrzahl der existirenden fog Schönheitsmittel (Waschwascher, Salben, Cr6me rc.) entstehen, aufzuklären, so kann im Interesse der Gesundheit und bei der großen Schwache des weiblichen Geschlechts für solche Mittel, nicht oft genug daraus hingewiefen werden, daß die meisten der genannten Mittel entweder giftige Salze, oder aber, indem auf die Dummheit speculirt wird, ganz werthlose Stoffe enthalten. Wer bei Hautkrankheiten aller, Art, wie geröiheter, rauher, rissiger, aufgesprungener spröder Haut, bei Sommersprossen, Finnen, Pusteln, Mitesser 2C., sich eines wirksamen, unschädlichen und von der Wissm- schaft anerkannten Mittels bedienen will, der kaufe sich den durch deutsches Reichspatent Nr. 63592 geschützten Apotheker A. Flügges Myrrhen-Cröme. Erhältlich A Dose Mk. 1.— in Gieße« in alle« Apotheken. Apotheker A. Flügge's Myrrhen-Eröme ist der paten- tirle ölige und verdickte Auszug des Myrrhen-Harzes. [2755 — Falten, Runzeln, welke Haut, unreinen Teint sehen wir heutzutage leider bei einer Unmasse von jungen Leuten. Die Ursache dieser Erscheinung liegt zum großen Theile in dem Gebrauche jener schlechten Toiletteseifen, die überschüssige Lauge haben, mehr oder minder mit Kartoffelmehl, Kieselerde, Schlemmkreide, Wasserglas oder anderen gewichtmachenden Zusätzen gefälscht sind und daher auch zu einem billigen Preise losgeschlagen werden tonnen. Wer sich vor Schaden hüten will, kauft für seine Toilette solche Con- currenzwaare entschieden nicht, zudem man für 40 Pfg. Deutschlands Faooritseife, die absolut reine, unverfälschte, in Qualität nicht zu übertreffende Doerings Seife mit der Eule taufen kann. Doerings Seife mit der Eule tostet im Vergleiche zu den billigen Marttseifen etwas mehr, wascht sich aber auch um die Hälfte weniger ab. [92 Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen. Verdingung. Nachbenannte Arbeiten sollen Lamstag den 25. Ifb. Mts., Vormittags 11 Uhr, öffentlich vergeben werden, nämlich: für das Realgymnasium: Maurerarbeit, veranschl. zu rd. 150^ Schreinerarbeit, „ „ „ 60 „ Weißbinderarbeit, „ „ „ 642 „ für die höhere Mädchenschule: Schreinerarb., veranschl. zu rd. 58 Weißbinderarbeit, „ „ „ 650 „ Voranschläge und Uebernahmsbe- Lingungen liegen auf dem Stadt- bauamte offen, woselbst auch An- »gebotsformulare zu erhalten sind. Gießen, den 20. März 1893. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 2752 (SrtriOti !2 b-r Nähe 0. Steins Garten zu verpachten 2756] «. «leeS, Südanlage 18. Holzversteigerung. Im Beuerner Gemeindewald kommt zur Versteigerung: 1) Montag den 27. März in dem District Heegstrauch: 65 rm Buchen-Scheiter. 42 „ Eichen-Aspen-Scheiter. 170 „ Buchen-u. Eichen-Knüppel. 5300 Buchen- und Eichen-Wellen. 97 rm Buchen-, Eichen- und Nadel- Stöcke. 2) Dienstag den 28. März daselbst: 75 Eichenstämme mit 62 fm Inhalt, bis 59 cm Durchmesser. 150 Eichen- und Nadel-Derbstangen von 29 fm Inhalt. Die Zusammenkunft ist oberhalb Fünfhaufen, Vormittags 9 Uhr. | Beuern, den 21. März 1893. 1 Großh. Bürgermeisterei Beuern. Otto. 2765 Holzversteigerung. Fürstliche Oberförsterei Hohensolms. Freitag den 24. März 1893: Schutzbezirk Frankenbach, District Windelbach, Zusammenkunft Vormittags IO Uhr auf der Gladenbacher Chaussee am District Windelbach. Brennholz: 129 rm Buchenscheitholz, 24 rm Buchenprügelholz, 8 rm Eichenprügel, 17 rm Erlenprügel, 63 rm Buchen- und Eichenstöcke, 10830 Buchen- und Eichenwellen (Durchforstung), 70 Fichtenwellen, 1150 Erlenwellen. Nutzholz: 10 Eichenstämme mit 6,50 fm (Wagnerholz, 2. Kl.), 50 Eichenstämme mit 14,59 fm, 6 Buchenstämme mit 3,78 fm, 111 Erlen- stämme mit 19,43 fm, 2 Fichtenstämme mit 0,44 fm, 5 Fichtenstangen mit 0,33 fm, 22 rm Buchenfelgenholz, 4 rm Eichennutzholz in Rollen, 11 rm Erlennutzholz in Rollen. Hohensolms, den 21. März 1893. 2760 Fürstliche Obersörsterei. iBraiier- Schule zu Worms. Curaus-Beginn den 1. Mai a. er. Nähere Auskunft unentgeltlich durch die Direction: 2761 Lehmann. Helbig. Mittwoch den 3. Mai, Nachmittags 2‘/i Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgertcht die den Gustav Mook Eheleute« in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 1 Nr. 689eW/10O - 53 Meter Grabgarten in den Neuen BSuen, Flur I Nr. 689eM/l0a _ 307 Meter Hof- raithe daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden- Gießen, 22. März 1893. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A-: B-gt. 2785 Ieikgeöotenes. Empfehle alle Sorten Mineralwasser in stets frischen Füllungen. 2783 Emil Fischbach. Live Wiese ’Ä"® tenb, zu verpachten, eventuell zu verkaufen. August Schmidt, 2773] Rittergasse 19. 2781 Gott« 2777 »ee^re mich hiermit, dem hiesigen, sowie auswärtigen Publikum mein in größter Auswahl zu empfehlen. Familie SUiffmüUcr. 2780 Wtth SohUng, Tapezier, gegen gute Be,abluna gesucht von (2775 tiebrüder Stamm. gesucht. EelierSweg 85. pr. Pfv. Pfg- H an die Exped. d Bl. [2507 werden 8 Di 000000010 2774 am Kreuz. 2784 Emil Fiwchbach. 112.50 helfen?. Berzw.-Ln. 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