1893 Freitag deu 22. September Nr. 223 Amts- und Anzeigeblatt für den Tireis Gietzen Amtlicher Theil 189 . (Ort) erek Form. Nr. 6. Nothftands-Commiffion. den M ha, 189 (Ort) (Unterschrift deS Antragstellers:) *) Der Bedarf ist In ganzen oder halben Haufen h 5 cbm anzugebm^ Haufen, Ballen, »U i.[.i ang 8 Uhr p rrstand. Stück, n asbui Altevbm! Kückkunfi “ "1 t-j Irr ftffmtr Anzeiger trennt täglich, ertt Ausnahme bei Montags. Die diesen er yeeiClteirafftt »Tbm dem Anzeiger »dchenNich dreimal beigelegt. Gutachten der Qrtsvermittelnngsstelle. Auf Grund vorstehender Angaben, welche wir nach Pflicht und Gewisien als zutreffend bestätigen, sowie nach sorgfältiger Prüfung des vorliegenden Bedürfniffes wird der Antrag befürwortend Großherzoglicher Oberförsterei vorgelegt und zugleich bescheinigt, daß die Beschaffung von Torfftreu und anderen Streuersatzmitteln besonders schwierig ist. Wir haften für Annahme der bestellten Streu und versprechen Zahlung nach Maßgabe der von Großh. Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Forst- und Cameralverwaltung, gewährten Bedingungen. fywmäb üäeu tr.' ahe 3ii, und zwar: zur Deckung des Bedarfs bis Ende Februar 1894 . . für den Gebrauch von Anfang März bis zur 1894r Strohernte und stützt sein Ersuchen auf folgende Gründe: a) Größe des selbst bewirthschafteten Guts- besitzes (einschl. Pachtland) b) Größe des Bestandes an Pferden und Rindvieh (zus.)........ tauscht rc.) wird. d) Bisher wurden bezogen: Waldstreu .... Torfstreu sonstige Streuersatzmittel Antrag auf Kaufen Ktreu-Aögaöe aus Domanial-Waldungen. / Ausland. — DaS amtliche Programm für den Aufenthalt der russischen Flotte in den französischen Gewässern ist der französischen Regierung vom russischen Botschafter Baron Mohrenheim jetzt übergeben worden. Die Flotte wird vom 15. bis 27. October in Toulon ankern, ihre Offiziere werden ohne Aufenthalt auf den Zwischenstationen am 17. October nach Paris abreisen und daselbst acht Tage verweilen; die russischen Matrosen werden Toulon dagegen nicht verlaffen. Die Franzosen haben demnach noch genügend Zeit, die letzte Hand an die Vorbereitungen zum festlichen Empfange des russischen Geschwaders zu legen. — In Italien scheint sich ein parlamentarischer Sturm gegen das Ministerium Giolitti anläßlich der Zwischenfälle von Aigues-Mortes zusammenzuziehen. Es heißt, die vereinigten Oppositionsparteien würden alsbald nach der Wiedereröffnung der Deputirtenkammer einen großen Alle Annoncen-Bureaux bei In- unb LuSlanbe» nehm« Anzeigen für btn „Gießener Anzeiger" entgegen. Bierteljährtger ASonnementrpretBl 2 Mark 20 Pfg. mit Brmgerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mart 50 Psg. Weboction, Expebiti»» unb Druckern: -chulstr.tze Kr.A. Fernsprecher 61. Unterzeichneter ersucht um Abgabe von Waldstreu unter ;v.i von Großh. Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Forst- und Cameralverwaltung, gewährten Begünstigungen, Deutsches Reich. Berlin, 20. September. Die Zusammenkunft der Kaiser Wilhelm und Franz Josef in Güns anläß- lich der großen ungarischen Manöver wird selbstverständlich keinerlei politische Abmachungen zeitigen. Ist doch dieser erstmalige Besuch Kaiser Wilhelms auf ungarischer Erde nicht aus politischen Gründen, sondern auf die Manöver- und Jagd- einladung des österreichischen Monarchen hin erfolgt, außerdem ist ja die Richtungslinie für die gemeinsame auswärtige Politik der beiden mitteleuropäischen Kaiserreiche schon längst fest vorgezeichnet. Dennoch weift das Ereigniß unverkennbar seine politische Bedeutung auf, welche namentlich aus der Anwesenheit des Leiters der auswärtigen Politik Oesterreich- Ungarns, des Grasen Kalnoky, sowie der hervorragenderen ungarischen Minister in Güns erhellt, auch wohnten bekannt- lich der Begegnung zwischen den zwei Kaisern die beider- eitigen Botschafter in Berlin und in Wien bei. Wiederholt fanden in Güns längere Conferenzen der beiden Kaiser miteinander statt, auch empfing Kaiser Wilhelm den Grafen Kalnoky und den ungarischen Ministerpräsidenten Dr. Wekerle zu Vorträgen. Die Günser Manöver selbst haben einen ungemein interessanten Verlauf genommen- am Donnerstag gelangen sie zum Abschluß. Es sollen alsdann noch Hofjagden unter Betheiligung der beiden Kaiser, des Königs von Sachsen und des Prinzen Leopold von Bayern nachfolgen. — Der Reichskanzler Graf Caprivi ist in Karlsbad eingetroffen, um sich daselbst einer mehrwöchigen Kur zu unterziehen. Es ist dies der erste größere Urlaub, den der leitende Staatsmann des Reiches nimmt. Hoffentlich kehrt der Kanzler von dieser seiner Urlaubs- und Badereise völlig neugekräftigt auf seinen Posten zurück. — Die Folgen des Zollkrieges machen sich nach Mittheilungen, die die „Post" aus Rußland erhält, daselbst immer mehr bemerkbar. In den südlichen Gouvernements liegt der Getreidehandel jetzt vollkommen brach. Für das Ausland wird überhaupt nichts mehr angekauft. Nur die localen Mühlen kaufen, aber auch nur im beschränkten Maße, weil sie erwarten, daß die Preise noch weiter heruntergehen werden. Im südlichen Rußland ist man der Ansicht, daß in den bevorstehenden Handelsvertragsverhandlungen zu Berlin russischerseits mehr angeboten werden wird als früher, weil die Verluste, die man durch den Zollkrieg erlitten, sehr groß sind. Man fühlt, daß man Deutschland nöthig hat und daß man deswegen auch entgegenkommender sein muß. Wenn die Reichsbank im Lombard 8pCt. rechnet, so schwimmt weder sie, noch das Land im Geld. Der Mangel an Geld aber macht sich überall fühlbar, auf Schritt und Tritt und hat seine Ursache lediglich darin, daß nicht genug Getreide verkauft werden kann. ganze, halbe Haufen*), wyt, W itfi mich W huhwachcr । ptewberc- J® Al billig Wft für ft*00? Längen zu •. 'LH Ichch cht. 'S« 6k cht H 81 Jj Sutane Mrtf bei ector Mo Annahme von Anzeigen zu bei ''kachm.Nagi für den I Arftf2 foljenbtn Tag erfdjetnenben Nummer bi- «orm. 10 Uhr. (Micljcnev Anzeiger Kenerat-Ztnzeiger. (Untertoiift von sämmtltchen Milaliedern bei Orli. aulföufle«. Do, roo Gcnosie»schasten an Stelle bei Ortiouischuflei getreten sinb, Firma ber Senosten- schast mit Ualerschrist von 2 Sorftanblmttguebem.) lugt ich W )girräuir ., den un Schließlich fügen wir noch an, daß diejenigen Vorstände landwirthschaftlicher Betriebe, welche bereits eine erst- malige Abgabe von zwei Haufen Waldstreu aus Tomanial- waldungen erhalten haben, und nunmehr sich bereit erklären, neben der Waldstreu auch Torfstreu zu verwenden, bezw. den glaubhaften Nachweis erbringen, daß sie einen Ballen Torfstreu im Gewicht von 125-150 kg von der Nothstands- Commission bezogen oder bei derselben bestellt haben, eine zweite Abgabe von zwei Haufen Waldstreu aus dem Domanialwald — insoweit Streunutzungen daselbst noch zulässig sind — ohne Weiteres erhalten können, daß mithin in diesem Falle eine Bescheinigung des Bedürfniffes Seitens der Orisvermittelungsstelle nicht erforderlich ist. Für die Ausfertigung: Strein. Darmstadt, den 12. September 1893. Betreffend: Die Abgabe von Waldstreu im Nothstandsjahre. Die Nothftands- Commission an die Ortsvermittelungsstellen. Indem wir Sie auf das im Kreisblatt abgedruckte Ausschreiben Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, Ab- theilung für Forst- und Kameralverwaltung verweisen, empfehlen wir Ihnen, folgendes zu beachten. 1. Die Ortsvermittelungsstellen nehmen Anträge der Landwirthschast treibenden Ortseinwohner auf Abgabe von Waldstreu aus den Domamal-Waldungen entgegen. 2. Jeder Antrag ist von der Orisvermittelungsstelle gesondert unter Benützung des Formulars Nr. 6 aufzunehmen, einer gewiffenhaften Prüfung und Begutachtung unter Beant- wortung der in diesem Formular gestellten Fragen zu unterziehen und hiernach der zuständigen Großh. Oberförsterei abzugeben. 3. Die Befürwortung eines Antrages ist nur zulässig, wenn die Verhältniffe des Antragstellers bei ungenügendem Stroh- und Heuvorrath die Beschaffung '.anderer Streumittel (z. B. Torfstreu rc.) besonders schwierig erscheinen laffen. 4. Fand oder findet Verkauf von Stroh und Heu 1893er Ernte oder Mißbrauch der Waldstreu (Verwendung zur unmittelbaren Dünger- oder Kompostbereitung) statt, so kann der Antrag auf Abgabe von Waldstreu weder gestellt, noch von der Ortsvermittelungsstelle befürwortet werden. Jaup. Ziegen ........... c) Ungefährer Ertrag der 1893r Ernte an: Stroh | Doppelcentner Heu und Grummet. - . / h 100 kg, von welchen nichts an andere abgegeben (verkauft, ge- ., den Zusammen . ganze, halbe Haufen, Bekanntmachung, betreffend die Abgabe von Waldftreu während des land- wirthschaftlichen Nothftands. Nachstehendes Ausschreiben des Großh. Ministeriums der Finanzen, Abth. für Forst- und Cameral-Verwaltung an die Großh. Forstämter und Oberförstereien, sowie das Ausschreiben der Notbstands - Commission an die OrtSvermitte* lungsstellen nebst Formular über die auf Abgaben von Waldstreu zu stellenden „Anträge", bringen wir hiermit zur all- gemeinen Kenntniß. Gießen, den 19. September 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern.__________ Darmstadt, den 12. September 1893. Betr.: Die Abgabe von Waldstreu aus den Domanial-und Communalwaldungen während des landwirthschaft- lichen Nothftands. Tas Großh. Ministerium der Finanzen (Abtheilung für Forst- und Cameralverwaltung) an die Großh. Forftämter und Oberförftereien. Behufs thunlichster Befriedigung des voraussichtlich bis zur nächsten Strohernte noch andauernden Bedürfniffes an Ctreumitteln hat Großh. Ministerium der Finanzen, im (Sin* vrrständniß mit Großh. Ministerium des Innern und der Justiz, genehmigt, daß bis auf Weiteres an diejenigen Borstände landwirthschaftlicher Betriebe, deren Bedürfniß zum Bezüge von Waldftreu durch die Nothftands - Commission bezw. die von derselben beauftragten OrtSvermitte* lungsstellen — auf Grund der anliegenden Instruction — bescheinigt worden ist, Waldftreu aus den Domanial- öalbungen nach Maßgabe des bescheinigten Bedürfnisses zu den bisherigen ermäßigten Preisen abgegeben werden darf. Zur Vermeidung von Mißverständnissen bemerken wir jedoch ausdrücklich, daß in erfter Linie die Gemeindewald, ungen zur Befriedigung des Streubedürfniffes der Gemeinde- Angehörigen in Anspruch zu nehmen sind, daß daher Abgaben aus den Domauialwaldunaen nur an solche Gemeinden, welche keinen eigenen Wald besitzen, bezw. an die Wald besitzenden Gemeinden erst dann zu leisten sind, wenn alle äußerst zulässigen Streunutzungen in deren Gemeindewaldungen — nach Maßgabe der erlaffenen speciellen Ver- sügungen — bereits stattgefunden haben. Die Großh. Oberförstereien haben daher unverzüglich den betr. Orts- vermittelungsstellen mitzutheilen, welche Quantitäten Wald- ftreu muthmaßlich aus den Waldungen der betr. Gemeinden noch abgegeben werden können, damit solche Antragstellungen von vornherein vermieden werden, welche hiernach aus Domanialwaldungen nicht erledigt werden dürfen. Die von den Ortsvermittelungsstellen an die Großh. Oberförstereien gelangenden „Anträge" der Waldstreubedürfligen sind jeweilig — insoweit sie sich auf den Winter- bedarf beziehen — unverzüglich gemeindeweise in Ver- znchniffe — wozu Formular 32, Seite 545 des Handbuchs :u benutzen ist — zusammenzustellen, die verzeichneten Streu- Wantitäten in hierzu geeigneten Domanialwalddistricten auf-- arbeiten zu laffen und die Abgaben nach den Verzeichniffen ;u vollziehtn — vorausgesetzt, daß das verordnungsmäßige Naximum der Nutzungsfläche nicht überschritten wird. Selbstverständlich sind jedoch nur solche „Anträge", welchen die vorgeschriebene Bescheinigung der Ortsvermittelungsstelle bei- zefügt ist, von den Oberförstereien in die Verzeichniffe auf* zunehmen, etwa vorschriftswidrig ausgestellte „Anträge" dagegen den Ortsvermittelungsstellen ungesäumt zur Berichtigung, btzw. Vervollständigung zurückzugeben. In Anstandsfällen z. B. wenn weitere Waldftreuabgaben aus Domanialwaldungen der zuständigen Oberförsterei nicht mehr zulässig erscheinen — ist von den Oberförstereien an die Forstümter zu berichten, welche hiermit ermächtigt werden, Zuteilungen an andere Oberförstereien — unter gleichzeitiger Benachrichtigung der betr. Orisvermittelungsstelle — vorzu* nehmen. Würde eventuell das verordnungsmäßige Maximum der Fläche durch die gewünschten Streuabgaben überschritten, so ist unverzüglich anher zu berichten. Insoweit die „An- trdge" sich auf den Frühjahrsbedarf an Waldstreu beziehen, sind dieselben einstweilen von den Oberförstereien in besonderen Verzeichnissen vorzumerken und thunlichst ftühzeitig im nächsten Frühjahr znm Vollzug zu bringen. Sämmtliche „Anträge" sind in besonderem Fascikel bei den Acten der Oberförsterer aufzubewahren. Angriff auf das Ministerium Giolitti unternehmen und sich hierbei der in Italien vielfach als schwächlich aufgefaßten Haltung des CabinetS in der Affaire von Aigues-MorteS als Vorwand bedienen,- eS verlautet sogar schon, daß CriSpi zum Nachfolger GiolittiS auSersehen sei. Herr Giolitti ist für die Ungeduld seiner politischen Nebenbuhler, der Herren CriSpi, Rudini u. s. w., allerdings schon viel zu lange am Ruder, es ist daher ganz begreiflich, wenn jetzt die OppofitionS- führer die Vorfälle von AigueS-MorteS als eine günstige Gelegenheit benutzen wollen, das Cabinet Giolitti zum Swrz zu bringen. — Die Lage der brasilianischen Regierung ist zweifellos eine fehr kritische geworden. Im Norden wird die Re« gierung durch daS aufständische Geschwader vor Rio de Janeiro hart bedrängt, im Süden macht die aufständische Bewegung in der Provinz Rio Grande do Sul immer größere Fort« schritte, die Landarmee hält zwar noch zur Regierung, soll aber völlig diSciplinloS sein- der Sturz des Präsidenten Peixoto und seines dictatorischen Regimes scheint also un« vermeidlich zu sein. Neueste 21ad?rid^ctu WolffS telegraphisches Korrespondenz - Bureau. Berlin, 20. September. Im weiteren Verlause der Sitzung des Colonialrathes äußerte sich die heute gewählte Commission zu der Vorlage wegen Errichtung von Privattranfit-Lägern in Togo zustimmend. Endlich wurde die Frage der besonderen Handelsberechtigungen, sogenackiter Monopole, in Kamerun berathen. Ueber die Aufhebung der bestehenden Monopole wünschte der Colonialrath sich der Aeußerung zu enthalten. In der gestrigen Sitzung stimmte der Colonialrath nur der Umrechnung der Werthzölle in GewichtSzölle zu. Wie», 20. September. Die „Polit. Corresp." meldet auS Rom: Der König von Italien hat die wärmsten telegraphischen Danksagungen für den Empfang deS K r o n p r i n z en an den deutschen Kaiser, den König von Württemberg und den Großherzog von Baden gerichtet. Güns, 20. September. DaS heutige Manöver, bei dem sämmtliche zwölf Jnfanterietruppen-Divisionen und die beiden Cavallerietruppen-Divisionen zum Kampfe gelangten, bot ein vollständiges Bild eines großen Treffens, in dem die Südpartei durch Umgehung ihres linken Flügels von der Nordpartei geschlagen und zum Rückzüge genöthigt wurde. Das Manöver endete nach 1 Uhr. Die beiden Kaiser und die Fürstlichkeiten kehrten nach Güns um 2*/, Uhr zurück. Paris, 20. September. Die Lage der Kohlengruben in den Departements Calais und Nord ist unverändert. An den Zugängen zu den Schächten kam es zwischen den Ausständigen und Arbeitern zu Schlägereien - einige Verhaftungen wurden vorgenommen. Ein ernstlicher Zwischenfall ist nicht eingetreten. Pari«, 20. September. Das „Journal deS DöbatS" schätzt die Gesammtvorräthe der bedeutendsten Kohlencompagnien auf 260000 Tonnen. Die Compagnien wollen insbesondere die Bestellungen der Zuckerfabriken berücksichtigen. Die Dorräthe dürfen 14 Tage auS- reichen. — In dem Kohlenbecken des Departements Herault gewinnt der Strike an Ausdehnung- an 800 Bergleute sind ausständig. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 20. September. Die Sitzung des Colo- nialraths wurde heute fortgesetzt. Zunächst wurde ein Entwurf der Enteignungsverordnung für Deutsch-Ostafrika berathen. Nach der Generaldebatte wurde derselbe einer fünfgliedrigen Commission überwiesen. Sodann wurde die Vorlage betr. Unterbringung, Erziehung und Versorgung der befreiten Sklaven diScutirt. Berlin, 20. September. Die sogenannte lex Heinze (Bekämpfung der Unsittlichkeit) wird demnächst den BundeS- rath und den Reichstag aufs Neue beschäftigen, weil die Regierung diesbezüglich möglichst bald zu einem Endergebniß gelangen will. Berlin, 20. September. Der „Börsenzeitung" zufolge ist die Frage, ob die neuen Steuervorschläge von dem Finanzmintfter oder dem ReichSschatzsecrerär vertreten werden, noch unentschieden. Einstweilen wird dahin gestrebt, die Bor- schlüge soweit zu präcifiren, um die erforderlichen Summen zusammenzubringen. DaS Blatt bezeichnet die neuerdings auftauchende Nachricht, es werden Frachtstempel und Transportsteuern geplant, für absolut falsch. Berlin, 20. September. Angesichts des WiederaustretenS der Cholera ist es der lebhafte Wunsch der Regierung, daS Reichsseuchengesetz zu verabschieden, da einerseits der bisherige Entwurf für ausreichend gehalten, andererseits eine Verbesserung in weitem Umfange für nöthig erachtet wird. Berlin, 20. September. In der gestrigen Anarchisten- Versammlung wurde der Redner Schlosser Wiesenthal von der Tribüne weg verhaftet, weil er eine kürzlich erfolgte polizeiliche Auflösung einer Anarchistenversammlung mit den schärfsten Worten tadelte. Hamburg, 20. September. Amtlich. Zehn Cholera- fälle, wovon zwei tödtlich. Altona, 20. September. Amtlich. Hier kam heute ein Fall an Cholera vor. Wien, 20. September. Professor Stricker vom hiesigen pathologischen Institut glaubt durch an mehreren Personen vorgenommene Experimente den Beweis geliefert zu haben, daß die Koch'schen Kommabacillen allein absolut nicht die asiatische Cholera Hervorrufen. Don den mit großen Mengen rein gezüchteter Kommabacillen injicirten Personen ist keine einzige an Cholera erkrankt. Budapest, 20. September. Don officiöser Seite wird versichert, daß mit den Ansprachen des Kaisers in GünS durchaus keine Beleidigung der Juden beabsichtigt gewesen sei. In der gegenwärtigen Politik werde nichts geänden werden. Paris, 20. September. Zu dem Aufruf BaSlyS an die belgischen Bergleute zum MassenauSftande bemerkt die „Autoritv", eme solche Handlungsweise errege Ekel im AuS- lande und verletze den französischen Patriotismus, die Regierung müsse dies zukünftig verhindern. In politischen Shreifen wird die Frage ventilirt, ob nicht gegen BaSly und Lamendin wegen Aufreizung zum Ausstande in PaS de Calais und Nord gerichtlich vorgegangen werden könnte. Leus, 20. September. Ja der vergangenen Nacht fanden zwei Dynamitattentare gegen die Wohnhäuser des Steigers und der Beamten statt. ES wurde nur Material beschädigt. Brussel, 20. September. Die radicale Presse schreibt, wegen der voraussichtlich reaktionären Lösung der Wahlrechtsfrage sei eS wahrscheinlich, daß in Belgien neue Wirren wie im April auSbrechen würden. Cbeffa, 20. September. Der Dampfer „Moskwa" der Odessaer „Freiwilligen Flotte" ist von hier nach Ostsibirien abgegangen mit 17 0 verbannten Frauen und 445 freiwillig ihren deportirten Männern nachreisenden Frauen und Stinbern. _____________ Guus, 21. September. Dem Vernehmen nach sprach Kaiser Wilhelm, welcher erst nachträglich von der schweren Erkrankung des Fürsten Bismarck erfuhr, von hier auS telegraphisch seine Theilnahme aus. Der Kaiser bot BiSmarck in Berücksichtigung des ungünstigen KlimaS in Friedrichsruhe in einem der Kaiserschlösser Wohnung an. Bismarck dankte lebhaft in einem ausführlichen Telegramm, verzichtete jedoch auf die Annahme des Kaiserlichen Anerbietens auf den Rath Prof. SchwenningerS, welcher sich gegen eine Aenderung deS gewohnten Aufenthalts aussprach. totales rrrrd provinzielles. Gießen, 21. September 1893. * • Die Einstellung der Rekruten wird in diesem Jahre erheblich früher erfolgen. ES sind darüber jetzt endgiltige Feststellungen dahin getroffen worden, daß die Einstellung der Mannschaften bei der Linien-Jnfanterie am 14. October, bei der Cavallerie am 5. October und für daS Winterhalbjahr des TrainS am 2. November erfolgt- bei der Garde werden die Rekruten für die Infanterie am 17. October, für die Cavallerie am 4. October und für den Train am 2. November eingestellt. Bei der Linie erfolgt auch die Einstellung der Jäger, Feld- und Fußartillerie und Pioniere am 14. October. Die Oeconomiehandwerker-Rekruten treten am 2. October ein. * * In den Ruhestand versetzt wurden am 14. September l. Js. der Bahnwärter bei den Oberhessischen Eisenbahnen, Heinrich Becker zu Zell, auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. October ds. IS. an, der Weichensteller bei den Oberhessischen Eisenbahnen, Georg Etling zu Hungen, auf sein Nachsuchen, — mit Wirkung vom 1. November l. I. an. * * Psychiatrische Kliniken an den deutschen Universitäten. Der „Frkf. Ztg." wird geschrieben: „Nachdem in Tübingen eine Klinik für Geisteskrankheiten begründet worden ist, deren Leitung Professor Siemerling aus Berlin übernimmt, fehlen an den deutschen Universitäten psychiatrische Kliniken nur noch in Rostock, Gießen und Kiel. In Rostock sollen die Einrichtungen einer derartigen Anstalt in Vorbereitung sein." (Hierzu ist zu bemerken, daß auch Gießen nach Vollendung der eben im Werden begriffenen Bauten in die Reihe derjenigen Universitäten tritt, welche psychiatrische Kliniken besitzen. Red.) • • Telephonometer. Der deutschen Postverwaltung ist es gelungen, die Zahl der Meßaparate durch einen neuen, den sogenannten Telephonometer zu vermehren. Dieser Messer verzeichnet die Zeit eines jedes Gesprächs vom Anklingeln bis zum Schlußzeichen. Hierdurch wird wohl eine Umwälzung in der Berechnung der Telephongebühren eintreten. * * Eifenbahnreisende, welche vom 1. October d. I. ab nach den, den neuerlich erlassenen Bestimmungen über den Fahrkartenausweis unterworfenen Stationen (im DirectionS- bezirk Hannover sind dies u. A. GunterShausen, Wilhelms- höhe, Cassel) reisen, haben ihre Fahrkarten bis zum Austritt aus diesen Stationen aufzubewahren und dem am AuSgang befindlichen Bahnsteigschaffner zur Prüfung oder Abnahme vorzuzeigen. — Da infolge dieser Neuerung die Fahrtausweise im Zuge in der Regel nicht mehr geprüft werden, können die einzelnen Reifenden nicht mehr in dem bisherigen Umfange zum AuSsteigen auf den Zielstationen oder zum Umsteigen auf UebergangSstationen aufgefordert werden. Sie haben daher umsomehr auf daS wiederholt vorgeschriebene laute und deutliche Ausrufen der StationSnamen zu achten und beim Anhalten des ZugeS ihre Absicht auSzusteigen durch Anklopsen an daS Fenster oder auf andere Weise zwecks Oeffnen der Wagenthüren bemerklich zu machen, auch dürfen sie, wenn der Zug vollständig still steht, die Wagenthüren selbst öffnen. Um Uebrigen erwachsen den Reisenden durch das neue Verfahren keinerlei Beschränkungen. Namentlich vollzieht sich auf den UebergangSstationen der Uebergang von einer Linie auf die andere wie bisher. Sowohl auf den UebergangS-, als auch auf den Zwischenstationeu können die Reisenden von den Bahnsteigen auS gegen Vorzeigung des Fahrtausweises zu den Wartesälen, Fahrkartenausgaben usw. gelangen. Mit der Einführung des neuen PrüfungSverfahrenS wird hauptsächlich bezweckt, daS Begehen der Wagentrittbretter durch die Schaffner während der Fahrt zu vermeiden und den vielen bedauerlichen Unfällen vorzubeugen, welche durch Abstürzen des Zugpersonals von den Trittbrettern sich ereignen. Auch wird die große Belästigung der Reisenden vermieden, welche durch daS Oeffnen der Wagenthüren oder der Fenster während der Fahrt Seitens der Schaffner verursacht wird. DaS Verfahren ist in anderen Ländern, Belgien, Frankreich und England schon feil langer Zeit, in und bei Berlin auf den dem Stadt- und Vorortverkehr dienenden Strecken feit einigen Jahren eingeführt und soll sich überall, namentlich auch bei Abwickelung deS Massen-Personen verkehr-, auiS Beste bewährt haben. 0. Crttnbcrg. 20. September. Bei unS sind die Obst, preise noch günstiger als in vielen Orten der Umgegend, denn Zwetschen find zu 41/, bis 5 Mk., die Birnen zu dem- selben Preise (anderwärts sind die Birnen diese- Jahr rar) und die Aepfel zu 4 bis 5 Mk. erhältlich, wozu bemerkt wird, daß das Obst in unserem Thale sehr gut ist. Die Reife deS Obstes hat sich in den letzten 10 Tagen, da ei nach der Frostnacht vom 10. auf den 41. d. MtS. stet- mild und sonnig gewesen, sehr vervollkommnet; die Früchte fallen darum leicht ab, wenn der Wind die Bäume bewegt. Für daS Obst und für die Bäume ist eS sehr nützlich, wenn die Früchte tüchtig auflreifen, denn Erstere- hält sich, abgesehen vom feineren Geschmacke, länger durch den Winter und die Bäume werden bei Weitem nicht so brangfalirt, wenn ba< Obst sich leicht von den Zweigen löst. Die Tragästchen bleiben dann an den Bäumen und setzen sie in Stand, ia nächsten Jahre wieder Obst zu erzeugen. N. Nidda, 20. September. Die Obstpreise sind bv un- ein wemg in- Weichen gerathen. Anfang- hielt man, trotz der guten Au-sichten, sehr hoch. Dadurch haben die Gemeindeverwaltungen, welche frühzeitig versteigerten, z. V. in unserer Nachbarschaft Geiß-Nidda, ganz gute Geschäfte gemacht. Die Leute boten so eifrig, daß man glauben konnte, eö sei nur ganz wenig gewachsen. Jetzt wird die Sache für den Kaufliebhabcr günstiger. So wurden z. B. 57 Bäume versteigert, welche der Herrschaft gehören. Die Aepfel waren per Gentner zu 2 Mk., die Zwetschen zu 2,40 Mk. taprt, welcher Betrag auch erreicht wird, denn die Steigerer nehmen an, daß die auf den Bäumen hängende Quantität größer als das Taxatum ist. Friedberg. 20. September. Samstag den 16. September fand dahier die Prüfung und Entlassung der au- den verschiedenen Kreisen der Provinz hierher geschickten Baum- Wärter, 28 an der Zahl, statt, in Gegenwart von dem Vertreter der Großh. Oberen landw. Behörde, Oeconomiermh Müller, Geh. Reg.-Rath Dr. Braden, Schulrath Schmidt, Bürgermeister Steinhäußer rc. Sämmtliche Theilnehmer, meist reiferen Alters, legten praktisch wie theoretisch recht schöne Kenntnisse an den Tag, wie allgemein anerkannt wurde, und hatten sich vor Allem meisterhaft geführt und fleißig gearbeitet. Der Geist der Arbeitsamkeit und de- begeisterten Eifers für den Beruf, den sie hier kennen gelernt, wird hoffentlich den Leuten verbleiben und sie stets zu RepetitionS- cursen, theils zu kürzerem Besuch der Anstalt immer wieder zurückführen. Dieselbe hat in diesem Jahre wieder 70 Theilnehmer an den Sommercursen gehabt und präfentirt sich auch nach außen der Neubau der Ackerbauschule, die bi» auf den Thurm unter Dad) gebracht ist, al» etwa- Vollkommene» und Ganze-. Die Glocke zum Thurm stiftete Graf Orwla in bekannter Freigebigkeit und opferwilligem Interesse für alle landwirthfchaftlichen Unternehmungen, ebenso stiftete Fabrikant Roßbach einen Beitrag zu einer DecorationSgruppe. Die Baumwärter hatten auch noch Gelegenheit, die Obstsammlung wahrhaft prachtvoller Obstsortimente au» den verschiedensten Theilen der Provinz, für die BreSlauer Ausstellung eilige» schickt, zu sehen, welche demnächst nach BreSlau abgehen wird, woselbst der Oberhessische Obstbauverein zum ersten Mal außerhalb seiner Heimath in die Erscheinung tritt. Zur Vertretung der Interessen deS Obstbauvereins und de- Obstbaues in Hessen, zur Theilnahme an den Verhandlungen de» deutschen PomologenvereinS und zum Studium der dortigen Ausstellung sind von der Großh. Regierung der Director der Geschäftsstelle des Oberhessischen Obstbauvereins Dr. v. Peter und der 1. Secretär desselben und Vorsteher der pomologischen Gärten, C. Reichest, nach BreSlau entsendet mit dem Auftrage, Berichte über die Verhandlungen de» deutschen Pomologen-Congresse» und die Ausstellung in BreSlv zu erstatten. Friedberg, 20. September. Wie von coloffalen Kürbissen gemeldet, so gibt c» auch abnorme Aepfel btefe» Jahr. In dem Theobald'schen Garten wurden solche geerntet von •/< Pfd. bis zu 1 Psd. schwer. Darmstadt, 21. September. Am Dien-lag wurden im hiesigen Schlachthofe 4 Schweine, welche ein Bauer aus der Umgegend gemästet und an einen hiesigen Metzger verkauft hatte, wegen Tuberculofe auf die Freibank verwiesen. Wie es sich herauSftellte, hatte der Bauer die Schweine mit Milch gefüttert, die von einer Kuh flammte, welche vor. einiger Zeit geschlachtet, sich al» hochgradig tuberculoö erwiesen hatte. Hatte nun schon vor einiger Zelt der bekannte Fall in Gießen die Uebertragbarkett von JnfectiouSkrankheitelt durch ungekochte Milch erwiesen, so bildet diese» Vorkommnis einen neuen Beweis dafür, wie gefährlich der Genuß unge- kochter Milch ist. Die Regierung würde sich ein große» Verdienst erwerben, wenn sie diesen Verhältnissen ihre Aufmerksamkeit schenken und die Untersuchung der Milch auf KrankheitSkeime anordnen wollte, um so mehr al» diese Untersuchung ein wirksame» Mittel zur Bekämpfung der Tuber- culose bilden dürfte. ES nimmt fein Wunder, daß diese Seuche eine so erschreckende Verbreitung unter dem Rindvieh gesunden hat, wenn die Kälber schon mit der Milch den Krankheit-stoff einsaugen. Die Untersuchung aller Milch und das Abschlachten der sich al» angesteckt erweisenden Thiere dürste daS einzige Mittel sein, der Verbreitung der Tuber- culose Einhalt zu thun. Vermißtes. • Kassel. 20. September. Einen Zug echt Kai'erlicher Milde und Wohlthätigkeit Ihrer Majestät der Kaiserin erfahren wir nachträglich. Die hohe Frau war bet ihre« l. geiierW des -'m, ei Ui |i 'un; der 1 ihrer • Üwip1 tonn vrr ‘ £it|tii|i tw Tatsache m rttag in ihrer gt " wo iir Der w diese d( u ■ a niuntT”! t'Lr k D- - Sei ■' ein, P( _* ehrfmatoo J(TW8töttt(r ersuchen Sie gefl. Schusters Canee 7966] Prima Honig- u Elnmaobzwetschen empfiehlt Fr. Hammel, gr. Mühlgasie 6. dörfern. Ein eigenthümlicher Anblick ist so ein lothringisches Dorf! Die hohen Häuser eng zusammengebaut wie in unseren Städten, mit rothen flachen Ziegeldächern und langgestreckten, beinahe fensterlosen Fayaden, ein HauS wie das andere grau, ohne den bunten lebensftohen Farbenwechsel deutscher Dörfer, kein Garten, nicht einmal ein Bäumchen vor dem Hause, selten ein Blumenstock an dem Fenster, macht eS in seiner Menschenverlassenheit einen unbehaglichen Eindruck. Die Bewohner dieser Häuser stimmen ganz zu ihrem Aeußeren. Nicht freundlich, nicht feindlich, apathisch, fast schlaff stehen sie einem Rede und Antwort. Ein lothringischer Landmann, der sich eine Zeitung hält, gilt als Gelehrter. • Graf Haeseler, der commandirende General des 16. Armeecorps (das dieser Tage die glänzenden Manöver vor dem Kaiser auSführte), hüt, als er noch Oberst der Perleberger Ulanen war, einen ganz besonderen Werth daraus gelegt, daß der Soldat im Biwak sich sein Essen selbst zubereite. „Haben Sie schon abgekocht, Ulan?" war seine stehende Frage, wenn er sich über das Befinden der Mannschaft vergewisserte, was der schneidige Reiterführer im Manöver als eine der wichtigsten Pflichten ansah. Graf Haeseler ließ sich jedes Mal die Producte der Kochkunst seiner Ulanen vorweisen und las den Leuten ordentlich die Leviten, welche sich im Biwak vom Kochen drückten und „kalte Stullen" aßen. „Selbst müssen Sie kochen, damit Sie im Felde was leisten, denn dort wird Keiner für Sie kochen können, also heraus mit dem Kochkessel! Deßhalb gehen wir in das Biwak, damit Sie kochen lernen!" In diesem Punkte verstand also Gras Haeseler keinen Spaß, denn er wollte, daß seine Leute etwas Warmes in den Magen bekommen. Hand in Hand mit dieser Vorsorge im Biwak ging seine unablässige Revision der Cantine beim Manöver. Heute noch erzählen seine ehemaligen Untergebenen in dankbarem Gedenken, daß so ein Oberst nicht wiederkomme. So weit nur irgend möglich, revidirte er, noch ehe er sich selbst eine Erfrischung gönnte, die Quartiere, verfocht persönlich die begründeten Forderungen seiner Leute bei den Wirthen und half, wenn es nicht anders ging, mit eigenen Mitteln aus. * ein gefährlicher Concurrent. Eine in Lübeck erscheinende Zeitung „rühmt" die Fahrgeschwindigkeit dortiger Secundärbahnen in dem nachfolgenden Artikel: „Von sonst unzuverlässiger Seite wird uns mitgetheilt, daß ein Locomotiv führer der Lübeck-Eutiner Bahn mit einem einbeinigen, sechs- undseckziger Jnval den eine Distanzfahrt von Lübeck nach Gleschendorf unternommen habe. Obwohl die Locomotive noch 14 Wagen zu ziehen hatte, schlug sie dennoch den Invaliden, der mit nur einer Schiebkarre am Bahndamm entlang humpelte, in ziemlich guter Condition um l2/3 Puffer- länge. Die Freude des Siegers ist leider nicht ungemischt, da er von der Direction der Bahn ernstlich ermahnt wurde, die Maschine nicht etwa noch einer solchen Strapaze zu unterwerfen. Der Invalide beabsichtigt nun, der Liibeck-Büchener Bahn eine ähnliche Distanzfahrt anzubieten, und zwar (mit Rücksicht auf die Terrainschwierigkeiten) unter Vorgabe von zwei Kilometern. * Madrid, 16. September. Der Anbick, den die Ebene, in der Villacanas liegt, bietet, soll furchtbar sein. Leichen, Hausgeräth, Eisenbahnmaterial und Maaren aller Art treiben auf der Oberfläche des schmutzigen Wassers. Die von den Armen bewohnten Erdhöhlen, etwa 300 an der Zahl, stehen sämmtlich unter Wasser und man befürchtet, daß diese unterirdischen Behausungen noch viele Leichen bergen. Trotz der ungeheuren Bestürzung sind die Behörden und die übrigen Bewohner angestrengt thätig, um noch zu retten, was möglich. Auch viele Häuser drohen dem Einsturz. Die an vielen Stellen und in einer Ausdehnung von 30 km unterbrochene Eisenbahnlinie verschwindet vollständig unter dem Wasser. • Bitte eines Versöhnten. Aus Mittelfranken, 18. September, schreibt man: Vor wenigen Tagen wurde der Uhrmacher Feichtmeyer in Dinkelsbühl von feinem Schwiegervater durch Messerstiche nicht unerheblich verletzt. Im „Amtsblatt für Dinkelsbühl" ist nunmehr Folgendes zu lesen: „Bitte. Da ich Unterzeichneter mich mit meinem Tochtermann, Herrn Feichtmeyer, Uhrmacher, durch Vermittlung seines Vaters ganz versöhnt habe und glaube, daß für die Zukunft unser Friede n'cht gestört wird, so stelle ich die Berg zu 90 H, 1889er do. zu 100 1884er Pfaffen - Schwabenheimer Bosenberg zu 150 H offerire per Liier ohne Faß, resp. die besseren Sachen auch Die berühmte bedeutende Corset-Fabrik Emil Beck, Frankfurt a. 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Gerührt verließ Zftr Majestät das Krankenzimmer und sandte nach wenigen Somden der Familie deS Krönten neue Kleider für sämmt- Eie Kinder. Die aufrichtige Freude, welche die Kleinen ob taitS Kaiserlichen Geschenkes empfanden, kann sich ein Jeder mhl vorstellen. • Nordhaufen, 19. September. Zu dem kürzlich aus Sraun schweig gemeldeten kaum glaublichen Kind erlaub durch Zigeuner, wobei auch ein großer bespannter «chauspielwagen mitgenommen wurde, schreibt der Cantor chrrbsl aus Bliederstedt der „Nordh. Ztg.": ,Die gesuchten jiti Kinder, die bei Roclum entführt fein sollen, nebst Aigen, dürften dieselben sein, die ich mit meinen Angehörigen fr Zigeunern vorigen Mittwoch, den 13. September, Nach- rr:tagS, bei dem Dorfe Wenigenehrlich, Kreis Ebeleben, Mrstenlhum Schwarzburg - Sondershausen , wo manöverirt pirde, gesehen habe. Das Auffallende war, daß die Zigeuner noch zum Theil damit beschäftigt waren, den neuen Sagen wieder neu anzustreichen, und zwar schön braun mit hellgelben Verzierungen, besonders in den Ecken. Er war wi einem Pferde kleinerer Rasse bespannt und noch ganz Jg/' — Man sollte doch fast meinen, daß die Zigeuner Wb aufgefunden werden müßten. • Berlin, 18. September. Ertrunken sind vermuth- lich am Sonntag auf der sturmbewegten Müggel drei Mit- gliebrr des soeialdemokratischen Rudervereins „Vorwärts", ionntag Nachmittag sah man einen Doppelskuller des Ver- dnl mit (Steuermann vorn Gemünde aus in die Müggel hinausrudern, ein Wagniß, das kein anderes Ruderboot bei lern Sturmwetter unternahm. Zwei Stunden später sah mit vom Schiedsrichterdampfer des Segelelubs „Ahoi" aus hi Theerofen, etwa 800 Meter vom Ufer entfernt, ein gekentertes Ruderboot und vier Riemen treiben. Da, wie er» vähitt, kein anderes Boot bemerkt war, das die Fahrt gegen Sturm und Wellen gewagt hatte, nimmt man an, daß das gekenterte Boot das des „Vorwärts" gewesen. Der Dampfer hielt sofort auf das treibende Boot zu, konnte aber Niemand ton der Mannschaft mehr sehen. Da auch am Ufer kein Schiffbrüchiger bemerkt worden ist, werden die drei tollkühnen jungen Leute ihr Wagniß wohl mit dem Tode gebüßt Haden. 6in zweites Boot desselben Vereins, gleichfalls mit drei $utm besetzt, kenterte am Sonntag auf dem Scddinsee. Zum Glück war ein Segelboot in der Nähe, welches mit titlec Mühe die drei Ruderer wieder herausfischte. (Wie telc utet, sind zwei von den vermißten Ruderern wieder in Berlin eingetroffen, der dritte aber ertrunken. Red.) * Berlin, 20. September. Zu einer Besprechung über l-ö weitere Verhalten gegenüber der neuen Polizeiverordnung, lhressend die frühzeitige Schließung der Cafss hatten sich eine Anzahl Besitzer derartiger Etablissements gkliein Nachmittag im Westminster Hotel Unter den Linden tie'iiigt. Nachdem man sich darüber beklagt hatte, daß die (ni ahmen Überall bis auf zwei Drittel, stellenweise bis zur l ilfte der früheren Lösung zurückgegangen seien und die uito-Einnahmen nicht mehr die Gesammtkosten des Tages litten, wurde beschloffen, eine Nachttagspetition persönlich on len Minister des Innern zu überreichen, in welcher unter Hinweis auf das inzwischen erlassene Polizeiverbot und die himit verbundene Schädigung sowohl der Kaffeehausbesitzer, elf. auch aller mit diesen in Verbindung stehenden Geschäftsleute um schleunige Rücknahme der Polizeiverordnung ge- leteit wird. * Lothringische Landwirthe. Anläßlich der Manöver ist lit Thatsache ausgefallen, daß die lothringische Landbevölke- ning in ihrer ganzen Culturentwickelung dort stehen geblieben ist, wo sie vor dreihundert Jahren angelangt war. Man gebe in diese von Schmutz und Unbehaglichkeit starrenden Sauernfyäufer draußen im Lande, man besehe diese primitive Anordnung der Wohn und Wirthschaftsräume, das Vor» fnisluthliche ihrer Einrichtungen und Fahrniffe, man rede mit diesem stumpf und intereffeloS dahinlebenden Volke und ziehe sodann Vergleiche mit den ärmsten deutschen Bauern- ■ per ^ Ltt.-Flasche 15 Pfg. | Gebr. Röhrte, Exportbierbrauerei. 7770 Literatur rrird Arrnst. - 3m Reiche deS «eisteS. Jllustrirte Geschichte der Wiffen- schäften, anschaulich dargeftellt von K. Faulmann, k. r. Prohs or. Mit 13 Taieln, 30 Beilagen und 200 Textabbildungen. Wien, A. Hartlebens Verlag. In 30 Lteserungen A 50 Pfg. Lieferungen 1 bis 15 bereits erschienen. Die vorliegenden Lieferungen 11 bis 15 behandeln Geogravhie, Astronomie, Geschichte, Krtegswissenschaft, Theologie und Philosophie, Staats- und Rechtswissenschaft und Medictn im 17. Jahrhundert, sowie die Volks-, Latein- und Realschule im 18. Jahrhundert. Den Umfang der Erdkenntniß zeigen MercartorS Weltkarte von 1632 und Kirchers Seekarte; wie wenig aber die Holländer ihr Nachbarland kannten, lehrt Mercators Karte von Deutschland, auf welcher sich die Elbe in die Weser ergießt und der Main in die Donau übergeht. Die Astronomie bietet schöne Mond- und Himmelsbilder, die Kriegswiffenschast wird durch Merian« Kupferstich „Di- Schlacht bei Höchst" und Vaubans Befestigunaen illustrirt. Von hohem Interesse ist die eingehmde Darstellung der theologischen Verhandlungen, der philosophischen Systeme und der Socialpolitik dieses Jahrhunderts. Den „medicinifchen Streitigkeiten ist ein schönes Doppelbild der Eingeweide des männlichen und weiblichen Körpers nach Spigel beigegeben. Im 18. Jahrhundert tritt uns der Beginn des modernen Schulwesens entgegen. Trotz aller Kürze und Gründlichkeit weiß der Verfasser jedem Gegenstände der Wissenschaft eine anziehende Seite abzugewinnen und Belehrung mit Unterhaltung zu verbinden. MMcht eiWntiu Bekanntmachung. Die GemeindeBützs-ld beabsichtigt .HCUCtfUlttlUVCU reÄÄfi die bei Büßseld liegende Mühle, mit «orräthig bei U " Schiftsnach richten. - Der Postdarnpfer „Wcfternland" der „Red Star Linie" In Antwerpen ist laut Telegramm am 19. September wohlbehalten in Newyork angekommen. Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft. Postdampfer „Polynesia" ist am 19. September 8 Uhr Morgens von Hamburg in Baltimore angekommen. Postdampfer "AlMngia , von Westindien kommend, hat am 19. September 5 Uhr Nachmittags von Havre die Reife nach Hamburg fortgesetzt. Postdampfer „Slavonia" ist am 19. September 1 Uhr Nachmittags von Montreal nach Hamburg abgegangen. V-v-ehi-, Caite. tittb Volk»«>irthschaft. Limburg, 20. September. Fruchtmarkt. Rother Weizer- (alter) JL 13.80, neuer v* 13.25, weißer Weizen JL Korn JL 10.60, Gerste A 9.40, Hafer (alter) «N. —, neuer v4L Erbsm X —. Bremen, 19. September. Der Norddeutsche Lloyd macht bekannt: Von der Amerikanischen Einwanderungs-Behörde ist auf Grund des Gesetzes vom 3 März d. I. durch das hiesige Amer ka- nische Consulat angeordnet worden, daß alle Zwischenvecks-Passag ere nach Newyork und Baltimore — wie in allen anderen Einschiffungshäfen — auch hier in Bremen vor der Einfchifiung sich fünf Tage aufhalten müssen. Den Zwifchendecks-Pafsagi-ren wird daher empfohlen, so frühzeitig hier.etnzutreffen. daß sie: fünf Tage vor Abfahrt hier anwesend sind. Die Kosten dieses Aufenthalts betragen 2 Mark per Tag. Die Passagiere können frier in jedem beliebigen Gasthause wohnen und sich hier in jeder SBelfe frei bewegen, sind also keinerlei Belästigungen unterworfen. Das Gepäck wird in unserer eigenen Desinsections-Anstalt kostenfrei in vorsichtiger Weife desinficirt. Betten und Bettstücke dürfen nicht nach hier mit gebracht werden.____________________ «rtttBöitnn der israelitischen Keligim»gesellschast. Freitag Abend 5°° Uhr, Samstag Sormlttag 8» Uhr, Samstag Nachmittag 4°° Uhr, Samstag Abend 7« Uhr. ireitten. , Gießen, den 19. September 1893. 9)38 Großherzogliche Direction. Freitag, 29. September, Nachmittags 2'/, Ufrr, Men auf dem hiesigen Ortsgericht die zum Zicchlaß der Statt sslett Witiwe in gießen gehörigen Grundstücke: Aar 3 Nr. 12 — 88 qm Acker, Gewann- Lappen am Wismarer Weg, Flar 3 Nr. 33 — 2087 qm Acker an der alten Leimenkaute am Wismarer Weg, Slur 36 Nr. 249 — 1587 qm Wiese am Gänseacker -freiwillig meistbietend versteigert werden. Gießen, 20. September 1893. Großh- OrtSgericht Gießen. I, A.: »ogt. 7877 Donnerstag «vend treffen prima Schellfische bi Eispackung ein, per Pfd. 20 Pfg. ^51] 6 mH Ordig. Den Empfang sämmtlichcr Neuheiten in W intermänteln zeige ergebenft an. Größte Auswahl. Billigste Preise. S. 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September 1893. «rotzherzogliche» »reisamt. sei Denen, welche infolge do« Genusses von Obst zu leiden Q haben, ein wirksame* IIau*mlttel, der Herr Rendant Chi*. Keller Grubenrepräsentant was wir hiermit Freunden und Bekannten mit der Bitte um stille Theilnahme kundgeben. 7967] 100 Lte. prima Tafelobst, als Reinette« und sonstige gut gepflückte Aepsel, sind Sreitag de« 22. Septbr., vormittags 0 Uhr, aus der Main»weser» Bahn der 6tr. gu b X u. bill. zu haben- gleiten mit unbeschreiblicher Leichtigkeit über jedes Papier, W* weil die Spitze« eine Kaget bilden. 7961 vorräthig in allen Papier- und Schreibwaarenbandlungen. Fussbodenanstrich oller Art, rasch trocknend und von großer Dauerhastigkeit billigst. [5157 Au rast Noll II., Bahnhofstraße 51. Regenschirme für Damen, Herren und Kinder em« pfiehlt in reicher Auswahl zu billigen Preisen [7272 H. Rübsamen. Die tieftrauernden Kinder: Emilie und Auguste Keller. Giessen, 20. September 1893. Die Beerdigung findet h reitag den 22. 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