893 Mittwoch beit 22. März Ur. 69 Erstes Blatt Amts« und Anzeigeblatt für den iMs Gießen. Kratisöeikage: ^ießmer Jamilienötätter. im io./iu. mm. hierüber kommt. A«Ols«v M 190.4& M 19a75 135.50 188 60 9L' 91- -Ob'b, 85.50 Alle Annoncen-Vureaux de» In« und LuSlandr« nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 91.10! y |( 1.40 p- )N- U. M 0. hl nl. 65.90 100.95 102.- 83.30 58.25 65.- 95.50 94.60 81.051 >lb. W) Wer 3üL 65.85 100.70 101.10 8250 51» 8411 95.« 9510 81.05 rltif^n 8555 i'tnbii'- 28.10\ 18.10 82.- 104 40 21.90 4350 96.05 Der Athener «scheint täglich, mit Ausnahme bt« Montags. Die »>eßenrr »«■ttteeirilter »erden dem Anzeiger »gchentlich dreimal deigelegt. 2g9io 1«.« .Iglo 110- Ivent 1386O Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bi« Borm. 10 Uhr. 105.201105.55 99.30 98.95 vierteljähriger AS»n»e»e»tä»r- ceise stark beehtflufu, mb Gttbll reichlich ibtiungm. [üH*. M 1184.50 184»/, o. 205.90.209,;.' 1156.301155# 102.301 M10 9» 104# -b- stch Molt üb« Schwi-rigkrit-n d« tannen 8m. Jur* Actionen nach Auswärts hinwegzuhelfen versucht. Rußland sei keineswegs ungefährlich; wenn es auch nach oben hin corrumpirt.sei, so itiae das russische Volk Symptome der Gesundung, habe es doch Schritte gethan, um sich von dem parasitischen Volksstamm zu befreien. Die allgemeine Wehrpflicht sei ungerecht, förmige sie gleichmäßig geübt werde. Er trete ruhig vor seine Wähler und erklär?: wir stimmen für die Mtlitärvorlage mit der Erhöhung der Friedenspräsenz, aber allerdings nicht für die v°^eschlagene Art der Kostendeckung. Die Schnapssteuer treffe vorwiegend den Netnm Mann und der Trunksucht werde durch dieselbe nicht vor gebeugt. Aehnlich liege die Sache hinsichtlich der Biersteuer. Die Unzufriedenheit im Volke, von der man sprecke, habe ihren Grund dar^, daß es von einer fremden Nation ausgesog«r werde. Man wda» «uch, aber man wage es nicht zuzugeben. Das von Liebknecht empfohlene Miltzsystem sei das schlechteste für das Volk. Er habe es als gemeiner Soldat im Kriege gegen Frankreich kennen gelernt. Die rr- reflularen Truppen hätten da stets die größten Verluste gehabt. Er komme zu etwas Anderem. (Lachen. Zwischenruf. Der P^ffdeiit ruft den Nufer zur Ordnung.) Er habe, als das eiste Male hier sprach, den vom Reichskanzler gegen ihn erhobenen Vorwurf der Verleumdung zurückgewlesen.. Im sranzost chm Kriege habe er eine französische Truppe gesehen, Die durch Ichleckte Stresel fast weynos gemacht war. Die eingelegten Pappfohlen waren im Regen' aufge- weicht. Die Stiefel waren von einer jüdischen Firma geliefert. Wie die jüdischen Firmen es verstehen, Lieferungen zu erhalten, ! habe man ja bei den Zahlmeisterprocessen g-sehm. Unsere miUtärvchen Bestellungen fielen fast alle den Juden zu. Bezüglich der Lowe schen Waffenlieferungen lägen die eidesstattlichen Aussagen hurrderter von Die dem verewtaten isstaatemanne ovn ucn tuiuumt I Arbeitern vor. Unter bei Hunderten von Zeugen m ö eh 0 Parteirichtungen fast ausnahmslos Sewidm^ten ehrenv^ b^unbert^ion 3eu^n”^roceft gegen 'einige Sachver- - ' c- in SHrnnFreidi attfeitta fühlt, I 0» v aufkommen können. Durch die Zeugenaussagen habe sich berausgestellt, daß die Läufe zur Hälfte gedruckt worden seien, ferner, daß ein Theil derselben bereits von der italienischen Regierung zurückgewiesen war. Der Kriegsminister habe das zwar beftdtten, aber er habe sich darin geirrt. Auch die Firma Koppel in Solingen habe eine Erklärung erlassen. Die Sache liegt so, daß Koppel eine Fabrik besitzt und in einer anderen, einer Actien-Fabrik, der ausschlaggebende Factor ist. Die letztere habe die Laufe hergest-llt, welche die italienische Regierung zurückwies. Die Läufe lagerten längere Zett in Jassy und gingen bann nach Suhl, von wo sie Lowe bezog. Löwe hat selbst beeidet, einen Thell der Laufe aus Spandau, den andern aus Suhl bezogen za haben. Lowe habe auch beschworen, die Kosten von der Regierung erhalten »u baden, wahrerid ein von ihm unterschriebener Contract das Gegentheil beweise. Es st» also ein offenbarer Meineid geleistet worden und die Staatsanwaltschaft hätte längst einfchreiten müssen. (Vicepräsident Graf v. Ballestrem ruft den Redner zur Ordnung, weil er einen außerhalb des Hauses Stehenden, der sich hier nicht vertheidigen könne, des Meineids^bezichtige). Redner fragt den Kriegsmr-.rster, was aus stimr im Verlaufe des Proceffes gemachten Anzeige geworden sei, daß alle H.eb- und Stichwaffen aus schlechtestem Bessemerstabl hergestellt werben. Sm Prozeß fei festgcstellt, daß die Läufe derart geschmirgelt wurden, daß Metallverlust eintrat; daß ein zweiter Balancier zum Bohren ongewendet wurde, daß eine Anzahl Kolbm geleimt worden seien, daß die Revision mangelhaft war. Bei einer ^°'°^o^ubung seien von 1OOO Gewehren 625 unbrauchbar geworden. Die Militärverwaltung habe es zu verhüten gewußt, daß in dem Proceffe die- i-niaen als Reuflen vernommen wurden, welche die Gewehre bei den Hebungen probirt haben. Einen Vorwurf erhebe er speciell gegen dm Kriegsminister. Graf Hohenthal habe auf Grund einer Unter: Haltung, die er in einem Restaurant angehort, eine Anz ge bet der Militärverwaltung gemacht und der Minister bade diese Anzeige nicht an Se. Majestät den Kaiser weiter gebracht; aud) habe er bte Vernebmung des Generals, der die Meldung de^ Grafen Hohenthal entgeamgenommen, vereitelt. In dem Proceffe sei ferner nachgewiesen, daß gegen die Abmachung schwedisches Ersen verwendet wurde, daß den Sachverständigen mit Frühstück aufgewartet wurde u. s. w Bezeichnend für das Jntereffe Löwes an der deutschen Armee sei auch die Offerte an Boulanger. Von den Zeugen gegen Lowe bekomme keiner in Berlm mehr Arbeit; einer hab- sick vorgestern deshalb aufuebängt, er beißt Paul von ötube. Alle Zeugen, die etwas Ernsthaftes gegen Löwe ausfagm wollten, seien weggeschafft worden Er erinnere an Krähahn. Der Proceß «n Zusammm- sv'el von Dingen hinten herum, ein Hohn auf die Gerechtigkeit ! gewesen (Präsident o. Levetzow erklärt diese Aeußerung für unzu- 115160’153.80 Sei Deutsches Reich. I Deutscher Reichstag. Berlin, 19. März. DaS Deutsche Kaiserpaar 71 Sitzung. Montag, 20. Marz 1893. statten. Bei dem eigenartigen Verhältnisse aber, das zwischen ^g. Liebknecht (Soc.): Auf einen Punkt fei vor Allem das dem italienischen Hofe und dem Vatican besteht, ist die Rege- Augenmerk zu richten: auf den Militarismus. 3«etoeffletUwoife lun8 d.s Kmmonlea« bei d-m Empsang her d-u. ch-n M°i-stä«n feilens de- Papstes schwieriger Natur und es dSnge^die^MUULw^I^^ Die Enlfcheidung h-lte begreift sich daher, wenn die hierüber eingeletteten dtplo- erftcn Tage gefällt werden können; statt besten.fei sie bis jetzt matischen Verhandlungen noch nicht zum Abschluß gelangt verzögert worden, ,o daß noch Spielraum für Compromisse ge- sind? UebrigenS fall "der Besuch des Kaisers und der stai erm sch-st-n sed Einen «ri^n°^»°-i,Fr-'-n,h°b- im Vatican erst nach der Rückkehr von dem projeettrten Aus- i Frankreich sei durch innere Wirren lahm gelegt, namentlich fluge der deutschen Majestäten nach Neapel stattfinden. durch den Panamascandal. Die Militäroorlage nütze die deutsche — Dem Reichstage ist der angekündigte Antrag des Wehrkraft nur zur Hälfte aus bei Kosten, welche das deutsche Volk Abgeordneten b. Friesen In Beweff der jüdischen Ein- E tt.^.»nne. Man,solle Wanderung in etwas veränderter Fastung nunmehr zu- MMarismus und der modernen Weltanschauung sei btt der gegangen. Der Antrag lautet dahin, es sollen bte verbün- Debatte über die Mtlitär-Justtzpflege klar zu Tage getreten. Er erdeten Regierungen um Vorlage eines Gesetzentwurfes ersucht neuere hiermit den Protest gegen diesen Militarismus. Das deutsche werden, U weichem J-raelsten die nicht Reichsangehdrige Vott sch- der MiMärooAe^in^entschi.d^ entgegen ^und sind, die Einwanderung über die Reichsgrenzen 5U untersagen y^nichtete" Soctaldemokratle hier wieder erscheinen werde. ist. Der Antrag Friesen kann in Hinblick auf die geschaft- " A Ml warbt (Antisem.) hält die Lage des Vaterlandes licke Laae im Reichstage erst nach Ostern zur Erörterung durchaus nicht für so gefahrlos, wie Liebknecht. Gerade Frankreich gelangens wenn es eben angesichts der Möglichkeit einer ' der inneren Lage durch ReichstagSauflösung überhaupt noch zu einer Besprechung Abg. Richter: Die von Liebermann am Schluß gemachte Andeutung beweise, daß er Ahlwardt völlig gleichweribtg sei. Abg. Ahlwardt: Alle Welt wisse, daß die Löwe'schen Gewehre nichts taugten. Richter werde ihn (Redner) nicht dt-credtttren: hinter ihm ständen Millionen von Deutschen. Nach längeren persönlichen Auseinandersetzungen zwischen dm 2lbgg. Richter, Liebermann von Sonnmberg und Ahlwardt wird die GmeraldtScussion geschlossen. Weiterberathung trorgtn. Neueste 2lac6ricbictt» EolffS telegraphische« Torresponden--Bureau. Berlin, 20. März. Heute Vormittag wurde der Grundstein der katholischen PiuSktrche in Gegenwart deS gesammten katholischen (LleruS und Vertreter der Stadt gelegt. Propst Jahnel hielt die Weiherede.j ArvSberg, 20. März. In der Reichstagswahl Olpe-Meschede wurden bis 10% Uhr Abends gezählt für FuSangel 5746, für Boese 2006 Stimmen. Hamburg, 20. März. An Bord deS Dampfers „SchleS- to^9/z ist gestern die Maul- und Klauenseuche constatirl worden. ES wurde daraufhin eine ganze Ladung Rinder und Schweine sofort geschlachtet. Eine Sperre gegen die Einfuhr dänischen Viehes ist hier bisher nicht erfolgt. Paris, 20. März. Ein im „Figaro" veröffentlichter Brief schildert die Lage in Dahomey als eine sehr gefährdete. Die Sterblichkeit unter den Truppen sei sehr groß. Depeschen M Bureau .Herold'. Berlin, 20. März. In der gestrigen Versammlung der Mitglieder des Centralcomitss der nationalliberalen Partei Deutschlands wurde über die politische Lage be- rathen. Es habe sich die volle Einmüthigkeit in der Be- rathung derselben ergeben, sowie bezüglich deS Verhaltens gegenüber den Eventualitäten der nächsten Zukunft. Berlin, 21. März. In der von dem Abgeordneten M enz e r und Genoffen eingebrachten Interpellation wird an den Reichskanzler die Anfrage gerichtet: „Beabsichtigen die verbündeten Regierungen angesichts des in den letzten Jahren überraschend zu Tage getretenen Rückganges des deutschen Tabakbaues demnächst gesetzgeberische Maßregeln vorzuzuschlagen, die geeignet sind, diesen Rückgang und den damit unabweisbar verbundenen Ruin weiter Kreise unserer deutschen Tabakbauern aufzustellen?" Berlin, 21. März. Die vor etwa vier Wochen wegen Geheimbündelei verhafteten Socialdemokraten wurden bis auf zwei aus der Haft entlaffen. Gegen mehrere derselben wird die Untersuchung wegen Vergehens gegen § 128 fortgeführt. Königsberg, 21. März. Der Eisgang auf dem Pregel ist glücklich verlaufen- derselbe versuchte bei Pillau das Eis des Haff zu durchbrechen, jedoch bisher ohne Erfolg. München, 20. März. Der Großherzog von Hessen trifft morgen zum Besuch deS hiesigen Hofes hier ein und steigt in der Residenz ab. Ihm zu Ehren findet Mittwoch eine Galatafel start. Eine Deputation des 5. Infanterie- Regiments in Bamberg wird sich bei dem Großhcrzog melden. München, 20. März. Gestern Nachmittag verhaftete der StationScommandant Witt - Schwaben im Einödhof Erharting einen des Salmdorfer Raubmordes dringend verdächtigen 21jährigen Dienstknecht Weidinger aus Straßkirchen. Wien, 21. März. Galizische Bauern, welche nach Rußland auswandern wollten, wurden beim Uebergang über die Wcichselbrücke von der russischen Grenzwache ausgehalten und nach blutigem Kampfe zurückgeschlagen. Mehrere Bauern ertranken dabei in der Weichsel. Paris, 21. März. Der Unterrichtsminister beschloß die Schließung aller Schulen, Lyceen und Universitäten am B e- gräbnißtage Ferrys als Zeichen der Trauer. Paris, 21. März. In der politischen Welt glaubt man an den bevorstehenden Sturz des CabinetS Ri bot. Allgemein wird angenommen, daß Constans die neuen Wahlen vorberciten wird. Paris, 21. März. Der Urtheilsspruch in dem CorruptionSproceß wird für heute Nachmittag erwartet. Es werden 38 Fragen an die Geschworenen gestellt. Laudon, 20. März. Die „Daily News" sagen, der Wunsch FerryS, in den Vogesen begraben zu sein, sei die Antwort auf die Anklage der Gegner Ferrys gewesen, welche behaupteten, er sei Germanophile. DaS Blatt sagt, Ferry sei der vortrefflichste französische Staatsmann gewesen. Sidney, 20. März. Ein Chclon richtete auf Numea (Neukaledonien) großen Schaden an- derselbe wird auf drei Millionen geschätzt. Der Hafen Sandwich ist vollständig zerstört. totales rrnd prooittjicll^, Gießen, 21. März 1893. ** Herrn Dr. Dietz, Vorsitzenden des Vorstandes der Jnvaliditäts- und AlterSversicherungS-Anstalt zu Darmstadt, wurde von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog der Charakter als RcglerungSrath ertheilt. ^'-^efientliche Prüfung der obligatorischen Fortbildung«, schule. D,c Fortbildungsschule bot dieses Mal sowohl bezüglich ihrer äußeren Gliederung als auch in Hinsicht aus ihren inneren Ausbau ein völlig verändertes Bild dar. Bei der früheren Organisation konnte, da alle BerufSarten ver- einigt waren, folgerichtig auch nur eine Ausbildung in allem für das practifche Leben erforderlichen W.ffen angestrebt werdende Trennung nach BerufSarten dagegen ermöglicht es, eine an den betreffenden Beruf sich eng anschließende, also mehr fachgemäße Bildung inS Auge zu faffen. Der Kaufmann lvill anders unterrichtet sein als der Bauhandwerker, eine Thatsache, die eine Reorganisation dieses Unterrichts gebieterisch forderte. WaS die Leistungen im Allgemeinen betrifft, so darf man ihnen mit gutem Gewiffen das ehrende Zeugniß ausstellen, daß sie eine ernste, angestrengte Thätig- feit zur Voraussetzung haben. Die erreichten guten Resultate lasten sich aber wohl auch zum Theil auf die bestere Unterrichtszeit zurückführen. Denn wenn man vom Schüler vor Allem eine gewiffe geistige Frische für den Unterricht fordern muß, so ,st diese Forderung mit allem Nachdruck doch nur dann mit Berechtigung an ihn zu stellen, wenn dieselbe von deS TageS Lasten nicht allzusehr in Anspruch genommen, auch noch in Wirklichkeit ungetrübt vorhanden ist. Bezüglich deS Lehrplans wäre es wünschenSwenh, und hat auch die Prüfung ergeben, eine noch etwas kürzere und präcisere Fassung der einzelnen DiSciplinen anzustreben. Auch dürfte es sich empfehlen, für die Folge weniger Klassen zur Prüfung zuzulassen, einmal, damit derselbe Gegenstand nicht doppelt vorgeführt wird und dann im Interesse der Abkürzung der dafür anzusetzenden Zeit. Auf einen wirklich wunden Punkt bei den Schülern wollen wir jedoch noch Hinweisen, wir meinen das Betragen. Leider konnte hier in manchen Klassen ein scharfer Tadel für Einzelne nicht zurückgehalten werden. Wir glauben, daß die resp. Eltern und Lehrherren hier noch mehr von ihrer Autorität Gebrauch machen sollten, da eS ohne dies wohl so leicht nicht besser werden wird. Den Schluß bildeten, wie alljährlich, Prämiirungen einzelner braver Schüler durch die resp. JnnungSmeister. ** Alle einstigen Besucher deS früher Andreas', dann Carl WeidigS Local in der „Sonne" machen wir auf zwei soeben erschienene Aufnahmen, von außen und innen, deS jetzt abgebrochenen HauseS aufmerksam. Diese Bilder werden allen Gästen dieser urgemüthlichen ächten Gießener Kneipe eine angenehme Erinnerung sein und sind, zusammen für 1 Mk., in der Ferber' sch en Uni- versitätS-Buchhandlung dahier zu erhalten- nach auswärts gegen portofreie Einsendung in Briefmarken. ** Statistik der Doctor Dissertationen in Deutschland. Nach den gegenwärtigen Einrichtungen ist eß sehr schwer, genaue Angaben darüber zu erhalten, wieviel Studirende an den deutschen Universitäten alljährlich die Dvctvrwürde erwerben. Dagegen existirt seit 1885 auf Veranlassung der Berliner Bibliothek eine jährlich erscheinende Uebersicht über die Zahl der Doctorarbeiten, die während des Jahres durch den Druck veröffentlicht werden. Diese Zahlen decken sich keineswegs mit der Zahl der Doctvrprvmvtivnen selbst, weil, wie überhaupt im ganzen PromotionSwesen, so auch bezüglich der Verpflichtung, die Dissertationen drucken zu lassen, sehr verschiedene Bestimmungen obwalten. Sa besteht z. B. an den Universitäten Heidelberg, Jena und Leipzig kein Druckzwang für die juristischen Dissertationen. Trotz dieser Nichtübereinstimmung ist immerhin die Thatsache sehr bemerkens- werth, daß im Jahre 1891/92 (van August zu August gerechnet) zum ersten Male die bis dahin regelmäßige Zunahme der Dissertationenzahl unterbrochen erscheint - diese Zahl betrug von 1885 ab 1491, 1685, 1892, 1971, 2043 und 2130, dann aber ein kleiner Rückschlag auf 2086. ES scheint also, daß die seit Jahren rückläufige Bewegung der allgemeinen Studentenzahl sich auch bei der Zahl der Promotionen bedenklich zu machen ansängt. Eine weitere Steigerung der gedruckten Dissertationen auch noch im Jahre 1891/92 zeigt nur die juristische Facultät (von 38 auf 128 in den sieben Jahren), die einzige Facultät, bei der auch die Studentenzahl bis auf den heutigen Tag immer noch anwächst- bei der medicinischen und philosophischen Facultät ist die Zahl von 1128 und 875 im vorletzten auf 1099 und 850 im letzten Jahre zurückgegangen- bei der Theologie sind nur neun Dissertationen verzeichnet. — Der Besuch der Weltausstellung in Chicago dürfte für Landwirthe von Mitte August ab am lohnendsten sein, weil dann die großen Thierschauen stattfinden, vom 21. August bis 21. September die Schau für Rindvieh und Pferde, vom 25. September bis 14. October für Schafe und Schweine und vom 16. bis 28. October für Fettvieh. — Zur LimeSforschung in Hessen. Wie die „N. Hess. VoltSbl." berichten, nahmen die diesjährigen Untersuchungen in Hessen bereits am 20. März ihren Anfang und cS wird Herr Ko fle r-Darmstadt in dem vor einigen Jahren von ihm mit Mitteln des historischen Vereins sür Hessen gefundenen großen Castelle auf der Warte bei Ober- Florstadt das Prätorium und die Lagerstraßen aufsuchen, während Herr Professor Dr. G. Wolff in Frankfurt einen Theil der römischen Straßen der Wetterau untersuchen wird. t LangSdorf, 20. März. Im letzten Winter hat die heimtückische Krankheit DiphtheritiS in unserer Gemeinde wieder zahlreiche Opfer gefordert. So sind einem Manne seine drei Kmder und einem anderen Manne von seinen vier Kindern drei dieser Seuche erlegen. t Lich, 20. März. Mittwoch, den 29. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, findet im „Holländischen Hof" dahier eine Versammlung des hiesigen BezirkölehrervereinS statt, in welcher Herr Realgymnasiallehrer Dr. Pitz aus Gießen einen Vortrag über „Die Methode der graphischen Darstellung" halten wird. Außerdem wird Lehrer Wagner von hier über das bei Emil Roth in Gießen erschienene Werk „Künzel-SoldanS Geschichte von Hessen" referiren. Ober Schmilen, Kr. Schotten, 16. März. Heute Morgen ereignete sich hier ein recht bedauernSwerther Unglücksfall. DaS zweijährige Söhnchen des Gastwirtes und MetzgermeisterS Kirchhof spielte in der Nähe eines Hackklotzes. Plötzlich fiel der schwere Klotz um und so unglücklich auf den Kopf deS KnäbleinS, daß derselbe stark gequetscht wurde. Infolge dessen trat der Tod deS unglücklichen Kindes sofort ein. Die Theilnahme für die schwergeprüfte Familie ist eine allgemeine, um so mehr, da auch daS ältere Kind an einer Gehirnentzündung schwer krank barnieberliegt. -f- Düdelsheim. 20. März. Ein hiesiger Fortbildungsschüler, welcher nach beendigtem Unterricht auf der Straße allerlei Unfug trieb, insbesondere seine Mitschüler belästigte und dem Lehrer auf dessen Ermahnungen freche Antworten gab, wurde durch daS Gericht mit siebe» Tagen Hast bestraft. Möge dies andern Fortbildung«- schülern zur Warnung dienen. Groß-Gerau, 20. SRärj. Dem Rangirer Philipp Neumann von der Hessischen LudwigSbahn, aus Nauheim, wurden beute Nachmittag im hiesigen Bahnhofe beide Beine abgefahren. Der Schwerverletzte starb alsbald. • Frankfurt a. TO., 19. März. DaS Glasdach de» Hauptbahnhofes, 18,000 Ouadratmeter Fläche, wird gegenwärtig gereinigt. Nach Angabe eine« Localblotte» erfordert die Reinigung sechs Wochen hindurch 20 Arbeiter. * Frankfurt a. TO., 20. März. Eine Erbschaft von 3—4 Millionen Mark ist an die Verwandten eine« Manne« aus Schmalbach (im Tounu«), der nach England auSwanderte und dort em große« Vermögen erwarb, nach Frankfurt und der Umgegend gefallen. E« sind laut „Rass. Boten" etwa 40 Familien daran betheiligt. * Dresden, 19. März. Große« Aufsehen erregt Hierselbst die Verhaftung einer ganzen Reihe von Personen, fast sämmtlich sehr angesehene und begüterte Leute, wegen Wuchers und Wechsel fälsch un gen in größerem Maß. stabe. Die Verhaftungen erstrecken sich nicht nur auf Dresden, sondern auch auf die Umgegeub, auf Pirna, Döbeln u. s. w. Der Hauptschuldige, ter Getreidehändler Nagel, hat balb nach seiner Verhaftung seinem Leben durch Erhängen im Gefängnisse ein Ende gemacht, nachdem er vorher em umfassende« Geständniß abgelegt hatte. Entdeckt wurde die ganze Gesell- schast dadurch, daß einer der Wucherer einen seiner (Sumpane wegen Betrugs anzeigte. * Berlin, 16. März. Der wegen Raubmorde« zum Tode verurtheilte Mörder Kühn wurde am Mittwoch nach Verkündigung deS Ur theil« durch den Präsidenten befragt : „Angeklagter, haben Sie noch eine Erklärung abzugeben ?" — Der Verurtheilte sagte leise: „Nein, aber meine Mutter möchte ich gern noch einmal sprechen!" Der Präsident ertheilte die Erlaubniß dazu, und die Begegnung zwischen Mutter und Sohn fand in einem dem Publikum unzugänglichen Corridor hinter dem Sitzung«saale statt. Die Begegnung war characteristifch: „Mein armer, armer Sohn!" so schrie die Mutter so lange, al« sie am Halse de« Verurteilten hing, bis sie endlich von den Gerichtsdtenern entfernt wurde. Wie bei allen früheren Besuchen, so auch bei diesem letzten: Nie hatte die Mutter ein Wort de« Tadel« für die schwere That, nie ein Wort de« Bedauern« für das Opfer ober beffen Familie, stets nur zeigte sich grenzenloser Schmerz herüber, baß bie Menschen grausam genug sinb, bie Sühne für bie Schuld zu fordern. Der Berichterstatter deS „Berliner Tageblatts", der Zeuge dieser Scene war, erinnerte sich dabei eine« Vorfall« au« feiner Kindheit. Ein Mörder sollte hingerichtet werden. Kurz vorher erhielt er den Besuch seiner Mutter. Sie wollte ihm an den Hals fliegen, er aber wies sie zurück mit den Worten: „Mutter, hättest Du mich geprügelt, al« ich Dir das erste gestohlene Ei ins HauS brachte, würde ich jetzt nicht meinen Kopf verlieren!" * Beuthen (Oberschlesien), 19. März. Der Hauptgewinn der Weseler Lotterie, 90,000 Mk wurde dem Arbeiter Breitkopf von JulienhÜtte gestern auSgezahlt. * Schweidnitz. 19. März. DaS Schwurgericht verurtheilte den Uhrmacher Schrader wegen vorsätzlicher Erschießung seiner Ehefrau zu zwölf Jahren Zuchthaus. * Braunschweig, 17. März, lieber da« Verbrechen auf der Eisensteingrube VolkmarSkeller bei Hüttenrode ist noch Folgende« zu melden. Der Vorarbeiter Behme, der Urheber der Explosion, früher ein ordentlicher Arbeiter, hatte sich feit einiger Zeit dem Trünke ergeben, lebte mit seiner Frau in Unfrieden und hatte wiederholt Drohungen ausgestoßen. Arn Dienstag hatte er sich aus feiner Wohnung entfernt und feiner Frau einen Brief hinterlassen de« Inhalts, daß er nicht länger leben wolle. Die Frau hatte indes die Sache nicht ernst genommen. Bei der Grube befand sich ein sogen. ZechenhauS, eine Bretterbude mit zwei Abtheilungen. Die eine benutzten in der Regel neun Bergleute, die andere Behme. Dort scheint er auch ohne Wissen der Bergleute in der Nacht zum Donnerstag übernachtet zu haben. In dem andern Raume hatten sich gestern früh mit einem fröhlichen „Glück auf" zum letzten Male sieben Bergleute begrüßt. Ihre Taschen an die Haken gehängt, wollten sie gerade daS Tagewerk beginnen, als Behme die Dynamit- explosion herbeiführte. In dem Behme zugänglichen Magazin sollen 5 kg Dynamit fehlen. Der furchtbare Knall trieb einen Bergmann, der sich verspätet hatte und dadurch der Explosion entgangen war, zu rascherm Gange an; bald zeigte sich ihm ein entsetzliches Bild. Da« Gebäude war verschwunden, starke Buchen sind entwurzelt, Aeste liegen in Masse am Boden, in den Bäumen hängen Westen, Jacken und menschliche Gliedmaßen aller Art. Zwei schrecklich ver- stümmeltc Bergleute fand man noch lebend- ein Vabetrunf wurde ihnen eingeflößt, aber bald schlossen sich auch bie Augen dieser Unglücklichen für immer. Sech« Bergleute waren in Stücke zerrissen - der über hohe Buchen wegge- schleuderte Leichnam der Urheber« lag ohne Kopf und Füße hinter einem Berge. Von den Tobten waren sieben ver heirathet. In dem achten verliert ein Barer sein einzige« Kind, einen 17jährigen Jüngling. Der letztere stammt au« Heimburg, die Übrigen waren in Elbingerode wohnhaft. Au« welchem Beweggründe Behme auch sieben seiner Kameradeu ein so entsetzliche« Ende bereitet hat, wird wohl unaufgeklärt bleiben. » Mannheim, 18. März. Da« Grenadier - Regiment prüfte heute die epochemachende Erfindung eine« hiesige» Schneidermeister«. E« ist ein Küraß au« Stoff. Schießversuche mit dem Kleinkalibergewehr ergaben bie Verhütung ber Durchschlagskraft auf jebe Distanz und die durch- 8 16 30 62 186 ' 29 " WS y Ul 8 * ” g-.jt 1®®C1 i :n ein>-tn z völker^S unW i*I(een waren. >,f hinterlassen deS volle. Die Fm „en. Bei der Grube Bretterbude mit zwei r Regel ntun Bng- ,r auch ohne Wsscn ■gtaa übernachtet zu * gestern früh mit Male sieben Bergin gehängt, wollten ehme die Dynamü- igängllchenMagazw cchtbare Knall m te und dadurch , Gange an; b° Das Gebäude W Aeste liegen Li schrecklich W, bt* M * » * n «°> Ä-K Mhl unauU'flatI M * gt.lf- aus feldmäßige Verwendung. Der „Köln. Ztg." wird tele- graphirt: Nochmalige Schießproben gegen eine von dem hiesigen Schneidermeister Dowe erfundene Masie zu Brustpanzern ergaben, daß an der Masse jedes Geschoß ohne Rücksicht auf Entfernung abprallt. Ein Berliner Consortium will die Erfindung ankaufen. * Der Feldzug gegen die übertrieben strenge Sonntags- feier in England, ein Ueberbleibfel aus der Zeit der Puritaner, macht immer erfreulichere Fortschritte in allen Kreisen der Bevölkerung. So wurde neulich sogar unter dem Vorsitz des Lord-MayorS in Mansion House die Oeffnung der Museen und Gemäldegalerien während des Sonntags in einer Ver- sammlung befürwortet, auf welcher in buntem Gemisch bekannte Politiker, Geistliche, Schauspieler, sowie auch Abgesandte von einigen zwanzig die Hälfte der reichshauptstädtischen Bevölkerung umfasienden Londoner Gemeindeverwaltungen erschienen waren. Der Lord-Mayor, ein strenggläubiger Katholik, betonte — gegenüber dem immer wieder vorgeführten Schreck- -gespenst des continentalen Sonntags mit seiner Sündhaftigkeit — daß es zwei Arten von continentalen Sonntagen gäbe. Niemand denke daran, in England jene Art einzuführen, die den Sonntag zu einem Tage der Arbeit herabwürdige, wohl aber jenen „continentalen Sonntag", an dem die Bevölkerung durch den Besuch der Museen und die Betrachtung von Kunstwerken sich geistig und darum auch moralisch weiter bilden könne. Mit Entschiedenheit sprachen sich übrigens mehrere Schauspieler dagegen aus, daß jemals in England von der jetzigen Sitte, die Theater und ähnliche Vergnügungslocale am Sonntag geschlossen zu halten, abgegangen werde. Unter allgemeiner Heiterkeit beschrieb der wohlbekannte Leiter des Haymarket-Theaters, Mr. Berbohm Tree, die heilige Entrüstung, welche ihn ergriff, als er, auf eine deutsche Schule geschickt, seine Kameraden Sonntags im Freien mit Spielen sich belustigen sah. Er habe ihnen Anfangs das Sündhafte ihres Gebahrens und die Aussicht auf ihr ewiges Verderben vorgestellt, allein schließlich sei auch er gefallen und feine ewige Verdammniß wäre doch wohl, mit den Worten eines großen Staatsmannes zu reden, nur eine — „nebelhafte Hypothese". * Die kleinsten Damenfüße. Ein Blatt von Chicago, der „Recorder“, hat, wie kürzlich mitgetheilt wurde, eine Wettbewerbung für den kleinsten Damenfuß eröffnet. Es hat einen Pantoffel von 19 cm Länge anfertigen lassen und die amerikanischen Damen eingeladen, hineinzuschlüpfen- welcher Dame dies gelingt, diese wird als eine der größten Sehenswürdigkeiten der Weltausstellung gezeigt, was nebenbei auch noch ein hübsches Geld abwerfen wird. Es haben schon viele Damen versucht, den Pantoffel anzuziehen, aber bis jetzt ist es noch keiner gelungen. Die amerikanischen Damen sind bekanntlich stolz auf ihre kleinen Füße- da nun aber die französischen Damen auf ihre kleinen Füße nicht minder stolz sind, wie die amerikanischen, so hat ein Pariser Blatt, das „Petit Journal“, die Idee des „Recorder“ aufgegriffen und den nämlichen Wettbewerb für die Französinnen veranstaltet. Darauf hat nun der „Temps" eine Untersuchung darüber anstellen lassen, ob eine Aussicht vorhanden ist, daß der 19 crn-Damenfuß sich finde. Das Blatt hat nämlich eine im Fußbekleidungsgeschäft höchst erfahrene Dame um ihre Meinung gefragt. Die Dame ist schon achtzehn Jahre im Schuhgeschäft- sie war zuerst Verkäuferin in einem großen Magazin in Lyon, dann mehrere Jahre im Louvre und seither im PrintempS. An letzterem Orte bedient sie seit Jahren durchschnittlich 200 Paar Damenfüße. Sie hat also gewiß eine reiche Erfahrung. Ihre Meinung geht nun dahin, daß ein Damenfuß von nur 19 cm Länge gar nicht existire - sie habe nie einen so kleinen Fuß gesehen, obgleich sie mit Füßen aus allen Ländern und Raffen zu thun gehabt habe. „Hübsche Damenfüße," fügte sie bei, „sind häufiger als man meint, wenigstens solche Füße, die in ihrer Strumpf. Umhüllung hübsch aussehen. Bäuerinnen können in diesem Punkte, trotz des VorurtheilS, oft mit Herzoginnen rivalisiren. Sie haben Nummer 34, selten Nummer 33, außerordentlich selten Nummer 32. WaS die Nummer 29 betrifft, die der Länge von 19 cm entspricht, so ist es die Nummer eines etwa siebenjährigen Kindes. Der Abstand von 32 auf 29 ist unüberbrückbar. Der gangbarste Damenschuh ist Nummer 37 und 38, was einer Länge von 25 bis 25V3 cm ent* spricht. Die Damen, welche nur 34 haben, bilden ungefähr 15 pCt.- Nummer 34 ist 22i/3 cm, Nr. 32 ist 2P/4 cm lang. Nun muß man noch den Unterschied berücksichtigen, der zwischen der Fußlänge und der Schuhlänge besteht. Der Schuh muß immer länger sein als der Fuß- der Unterschied beträgt über 2 cm. Der Fuß, der in einen Pantoffel von 19 cm Länge schlüpfen soll, darf also selbst nur etwa 17 cm lang sein. Wo wäre ein solcher Fuß zu finden?" * Aus der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 14. März verdient folgende Episode auS dem Dunkel des stenographischen Berichts in das Licht der Tagespreffe gebracht zu werden: Abg. Parisius: Meine Herren! Wir haben ,dcn Antrag gestellt, unter 4a auf Nr. 108: „Bei den Wahlen zum Haufe der Abgeordneten und bei den Wahlen zu den Gemeindevertretungen in den Stadt» und Landgemeinden ist die Abstimmung geheim," und dann folgen Modalitäten der aeheimen Abstimmung. Ich kann mich keinen Illusionen darüber hingeben, daß der Antrag abgelehnt werden wird. (Lebhafte Unruhe. Andauernde Rufe: Lauter!) Ach, meine Herren, machen Sie doch keine Dummheiten! (Große Heiterkeit.) Verzeihen Sie, meine Herren, es war natürlich eine nicht beabsichtigte Aeußerung- ich bitte sie zu entschuldigen." (Glocke des Präsidenten.) Vicepräsident v. Benda: Ich möchte den Herrn Redner darauf Hinweisen, daß in diesem Saale Dummheiten überhaupt nicht gemacht werden. (Stürmische Heiterkeit. Glocke des Präsidenten.) * Trier, 18. März. Das Schwurgericht verurtheilte den Dienstknecht Blasius und Wittwe Krickel wegen Ermordung des Ehemanns Krickel, resp. Anstiftung hierzu, zum Tode. * Er dankt! Bei der bevorstehenden Nachwahl zum Reichstage in Dortmund wollten die Antisemiten einen Schneidermeister Möller aufstellen. Herr Möller will aber von einer Reichtagscandidatur nichts wissen: er erläßt eine urwüchsige Erklärung, in der es heißt: „Zur Reichstagswahl. als katholischer Antisemit diene Folgendes: Bin weder „antisemitischer Candidat" noch „fortschrlttlicher Schleppträger", wobei früher „Verschiedene" gefallen sind und sich eklig die Nase zerschunden haben: War auch nie „Wolf im Schafspelze" und mache aus meiner Meinung nie Hehl. Die „Antisemitensrage" ist für mich als Handwerker in dem Augenblicke gelöst, wo nur derjenige ein Handwerk selbstständig betreiben darf, der es theoretisch und practisch gelernt hat. Jm Uebrigcn steht mir der jetzige „Parlamentarismus" ellenlang zum Halse heraus und habe ich fchon feit Jahren für „Ständevertretung" meine Stimme erhoben, wozu die Leidenschaften bei den Wahlen nicht fs entfcffclt werden. Außerdem ist mir ein bestellter Anzug, der anständig bezahlt wird, lieber, als ein-Reichstagsmandat ohne Diäten!" * Paris, 20. März. In der Kirche von Meilhac bei Carcaffonne platzte in vergangener Nacht eine Bombe. Die Explosion richtete großen Schaden an. * Sau-Sebastian, 20. März. In der vorletzten Nacht sind drei Häuser abgebrannt, fünfundzwanzig Personen, die in den Häusern schliefen, sind mitverbrannt. Die Feuerwehr ist leider sehr schlecht organisirt und traf spät ein. * „Sie aber aach net!" Ein Lehrer belehrte die Kleinen über die Allmacht Gottes und wandte sich an einen geweckten Knaben mit der Frage: „Nun, Michelchen, könntest Du z. B. am Abend auch nur ein Sternchen so hoch droben anzünden?" Der Kleine antwortete rasch: „Nee, Sie aber aach net". Universität- - Nachrichten. — Jubiläum der Universität Erlangen. Die 1743 vom Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth aegründele Universität begeht am 1. August das Jubelfest lhreS 150jährigen Bestehens. Die Stadtgemetnde veranstaltet am Vorabende deS Jubiläums einen großen (Sommers, der bei günstiger Witterung aus dem Schloßplatze abgehalten werden soll. Verkehr, £anö* unb Volkswirthschaft. Gieße«, 21. März. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmartt kostete: Butter pr. Pfd. X 1,00—1,10, Hühnereier per Stück 5-6 2 Stück - H, Käse pr. St. 4—8 4, Käsernatte pr. St. 3 4, Erbsen pr. Liter 20 4. Linsen pr. Liter 30 4, Tauben pr. Vaar X 0,60—1,00, Hühner pr. Stück X 0,90^-1,20, Hahnen pr. St X 1,10—1,60, Enten pr. ©L X 1,50 bis 1,80, Ochsevsteisch vr. Psd. 65—72 4- Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 50-56 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 60-70 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 40-50 4, Hammel fleisch pr. Pfd. 40-70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,00-5,00 X, Weißkraut pr. Stück5—12 4t, Zwiebeln pr. Centner 12,50—0,00 X. Milch pr. Liier 12—18 4, Enteneier vr. St. 6 4. 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März l. I. A. Bau-, Werk- und Nutzholz: 3 Buchen-Stämme mit 2,96 km, 11 Eichen- „ „ 4,75 „ 6 Nadel- „ „ 2,27 „ 684 Nadel-Derbstangen mit 48,36 km, 300 Nadel-Reisstangen „ 1,19 „ B. Brennholz: 170 rm Buchen-Scheitholz, 8 „ Nadel- „ 97 „ Buchen-Knüppelholz, 6 „ Nadel-u. Aspen „ 76 „ Buchen-Reifer, 44 „ Eichen-Reifer, 18 „ Nadel- und Aspen-Reiser, 106 ,, Buchen-Stockholz. Samstag den 25. März l. I. A. Bau-, Werk- und Nutzholz: 12 Eichen-Stämme mit 1,56 fm, 15 Nadel- „ „ 2,79 „ 5 Buchen-Derbstangen „ 0,08 „ 16 Eichen- „ „ 0,75 „ 223 Nadel- „ „ 9,24 „ 15 „ Reisstangen „ 0,25 „ B. Eichen-, Nutzscheit- und Brennholz: 28 rm Eichen-Scheitholz, 6 „ Nadel- „ 8 „ Buchen-Knüppelholz, 16 „ Eichen- „ 30 „ Nadel- „ 30 „ Buchen-Reifer, 62 „ Eichen- „ 196 „ Nadel- „ 29 „ Eichen-Stockholz. Die Zusammenkunft ist jeden Tag, Vormittags 9 Uhr im Ort. Bersrod, am 20. März 1893. Großh. Bürgermeisterei Bersrod. Bücher. [2715 Mittwoch de» 3. Mai, Nachmittags 2>/s Uhr, sollen aus dem hiesigen Ortsgericht die dem Emil Ballhaser Malfkomefius und Ehefrau in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 1 Nr. 30 — 125 Meter Hofraithe in der Neustadt, Flur 1 Nr. 30 a — 625 Meter Grabgarten in der Mühlgasse, Flur 3 Nr. 60 — 1450 Meter Acker am Schwalbachischen Acker und Krofdorfer Weg, Flur 3 Nr. 168,8 — 1150 Meter Acker am Fluthgraben an dem Fabrictschen Acker, Flur 3 Nr. 169,3 — 906 Meter Acker daselbst, Flur 6 Nr. 130 — 2238 Meter Acker an der Weilburger Grenze, Flur 6 Nr. 257*/io - 1756 Meter Acker am Lüutertsröder Weg hinten an den Wiesen, Flur 6 Nr. 258 — 1750 Meter Acker daselbst, Flur 7 Nr. 195s/io - 562 Meter Acker auf dem Fluthgraben jenseits des Graswegs, Flur 7 Nr. 195a s/10 562 Meter Acker daselbst, Flur 7 Nr. 196Vio — 581 Meter Acker daselbst, Flur 23 Nr. 142 — 3994 Meter Acker auf dem Aulweg hinter dem Weiher, Flur 24 Nr. 49--/io — 1194 Meter Acker am Barresgraben links des Schützgesbrunner Wegs, Flur 25 Nr. 2P/I0 - 1350 Meter Acker am Schlanzenzahl, zieht durch den Schützgesbrunner Weg, Flur 25 Nr. 235/10 - 613 Meter Acker daselbst, Flur 25 Nr. 245/10 - 612 Meter Acker daselbst, Flur 25 Nr. 39 — 1450 Meter Acker am Aulweg, Flur 26 Nr. 254a — 188 Meter Acker am untersten Rtegelpfad, Flur 28 Nr. 151 — 1150 Meter Acker auf den Sandkauter Weg und Heegstrauch, Flur 29 Nr. 117,7 - 2375 Meter Acker am Odleberg vor dernRöderweg, Flur 29 Nr. 123 - 2450 Meter Acker im Rödern, Flur 29 Nr. 124 — 2025 Meter Acker daselbst, Flur 28 Nr. 68 - 1600 Meter Wiese am Heegstrauch vor der Schwal- bachifchen Wiese auf das Bruch, Flur 31 Nr. 132 - 4000 Meter Acker am Erdkauter Weg, Flur 31 Nr. 133 - 4013 Meter Acker daselbst, Flur 31 Nr. 134 — 2956 Meter Acker daselbst, Flur 32 Nr. 47 - 1094 Meter Wiese am Heegstrauch bei der Schwalbachischen Wiese, am Pfad, Flur 32 Nr. 48 - 1100 Meter Wiese daselbst, Flur 32 Nr. 111 — 2287 Meter Wiese am Heegsttauch bei der Schwalbachischen Wiese, Flur 32 Nr. 1026/10 — 3169 Meter Wiese daselbst, Flur 41 Nr. 91 — 1812 Meter Acker vor der Wart auf die Marburger Chaussee, Flur 43 Nr. 95 — 1350 Meter Acker links am Steinkauter Weg, Flur 43 Nr. 40 u. 412/10 — 1350 Meter Acker auf den Fluthgraben, Flur 45 Nr. 98 — 1725 Meter Acker an der Marburger Straße, Flur 45 Nr. 99 — 1737 Meter Acker daselbst, Flur 45 Nr. 100 — 1731 Meter Acker daselbst, Flur 46 Nr. 62 — 2200 Meter Acker links am Badenburger Fußpfad am Fluthgrabm öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 21. März 1893. Großherzogliches Ortögericht Gießen. __I. A.: Bogt. 2738 Heute Mittwoch, 22. d. M., Vormittags 10 Uhr, wird eine Parthie Brennholz und Pfosten Holz Sonnenstrasse 29 öffentlich meistbietend versteigert. [2725 Medic.-Leberthran empfiehlt 1809 Emil Fischbach. Verdingung. Die Anlieferung von ca. 300 cbm Wafferbaufteinen zur Unter- Eier! Haltung der Userbauten an der Lahn zwischen Gießen und der! Landesgrenze in der Gemarkung1 Heuchelheim soll öffentlich in einem Loose vergeben werden. Frische große deutsche U. italieu. Eier versendet billigst [2711 Die Bedingungen sind auf dem Bureau des Großh. Äreisbau- amts Giehen in den Dienststunden! zur ^Einsicht offen gelegt und sindl Angebote mit entsprechender Aufschrift I versehen bis längstens Mittwoch I den 5. April l. I., Vormittags 10 Uhr M.E.Z. an die unterzeichnete Behörde einzusenoen. ZuschlagSfrist 3 Wochen. Mainz, den 20. März 1893. Großh. Wafferbauamt Mainz. I. E.: Schmitt. 2720 Aeitgeöotenes. [2705 Bahnyoffir. 51 ParquetwachS Stahlspähue Oelsarben fertig z. Anstrich Bernstein Oel Lackfarbe Bernstein Fußbodenlack / (jum Reinigen der Fußböden)^ Rins-r X empfiehlt / W/ in den K / besten TZ Qualitäten / VNHollII, Jacob Becker,Mainz Eier- u. Butter-Export. «egelmann» ~WG prachtvolle Cremefarbe ist unübertroffen und in schönster Nüance zu haben bei den Herren: Otto Schaaf Gust. Walter Adolf Geisie. [2734 Pfuhlfässer in allen Größen stets oorräthig bei Philipp Lenz, Küfermeister, 2723)_________Kleirr-Linderr.__________ Corsets sür Damen und Kinder in großer Auswahl von den billigsten bis hochfeinsten Sachen empfiehlt Robert Haas, 2724] Seltersweg 18. NB. Ertra-Weiten stets am Lager. ________Zurückgesehte Corsets sehrbillig. Bratbückiuge, 3 Stück ... 10 Pfg- Backfische, per Pfd. .... 25 r Rohetzbückinge, 3 Stück . . 10 „ Lebende Karpfen, Hecht, Zander, Schellfische und Cabliau bei 2747] C. G. Kleinhenn. gtfg* la. MastgefiÜgel. 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Die trauernden Eltern: Christian Rein und ^rrau Pa**iva. 1) An aufgenommenen Capitalien.....! 2) An Mitglieder-Gut- haben ....... 3) An Reservefonds . 4) An Specialreserve« fond» und noch un> vertheilten Gewinnen Treis a. d. Lda.. am 20. März 1893. Der Vorsitzende de» Aussichtsrath«. G. Kehr IV. Die Generalversammlung für 1893 findet Mittwoch, den 5. April, Nachmittags xjt4 Uhr im Rathhaussaal ;u Darmstadt Tagesordnung: a. Rechenschaftsbencht für 1892. b. Jahresbericht über das neunte Vereinsjahr. c. Bestätigung einer Vorstandswahl. d. Gesellige Vereinigung im „Darmstädter Hof". Der Vorstand. Für die vielen Beweise herzlicher Theil- nahme bei der Beerdigung unserer lieben Schwester sage ich im Namen der Hinterblie- Verein hessischer Lehrerinnen fit Gründung rinro Heims. 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