1893 Nr 18 VierteljLhriger 2Unund Anzeis-blatt für den Ureis Gieren Hratisöeikäge: chisßener AamilieuMtler. Feuilleton R. W‘H Samstag den 2t. Januar i] Schön möbllrteS Zimmer fofrn ipfiter iu ntrmittbtn Schmijenstratze 6, pattem ermifdjfc Anzeigen. » teerte Der #U|t*tr Anreiger rrldjfint täglich, atü Ausnahme dr- MontagS. Die (Sießener Ma«tlie»dlt11er werden dem Anzeiger -wöchentlich dreimal beigelegt. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgende Tag erscheinenden Nummer bi- Lorm. 10 Uhr. Bnngcrlohn. Durch die Post bezöge» 2 Marl 50 Pfg. Redaction, Expeditio» und Druckerei: -chukftra-e gr.l. Fernsprecher 61. quälst." „Siehst Du, wer weiß, ob gebeiratbet Hütte." „Der Prinz!" schrie sie auf, Du darfst ihn nie mehr erwähnen', über Rippen kommen, tzie cs nicht nennen." „Laß das, Vater. Ich gab verlange ich aber, daß Du mich finden." , ... r. Schweigend ließ der Dircctor diese Vorwürfe über sich ergehen, dann aber begann er abermals zu bitten und immer dringender — bls das schöne Mädchen nachgab. „Ich will ihn heirathen," nickte sie müde und erschöpft, „und wenn auch dies nichts hilft, wenn Du hinabtreibst m den Strudel des Daseins, dann bin ich unschuldig daran. Golt helfe mir auch dies neue Schicksal tragen." „Siehst Du, mein Herz, nun bist Du vernünftig, triumphine Volkert, plötzlich wie electrisirt emporfahrend, „ich wußte cs wohl, daß Du mich nicht in der Patsche stecken lassen werdest- zudem ist es doch kein solches Unglück, einen hübschen Menschen zu heirathen, der Dich liebt." das. Vater. Ich gab Dir mem Wort, dafür nicht mit Vorstellungen der Prinz Dich wirklich „wer spricht von ihm! Sein Name soll nicht werlh sind — ihn zu Alle Annoncen-Bureaux de- In- und Au-lande- nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen Noch ein Opfer, Vater! Du verlangst nicht wenig von der Kindespslicht, — aber Du fragst nie, ob auch Deine Tochter dabei zu Grunde geht." „Bella, ich bin ihm verpflichtet," stieß der Director athemlos hervor, „wenn er jenen Wechsel, den ein Zufall ihm in die Hände spielte, vorzeigt — so komme ich ms Zuchthaus." Das unglückliche Mädchen taumelte zuruck. Also das ists," stotterte sie mit verlöschender Summe, „ein Wechselfälscher als Vater! O Gott, mein Gott, Du prüfst mich furchtbar- mach ein Ende — es geht über meine Kräfte I" , „Nun, Du mußt es nicht allzu tragisch auffassen," brummte Volkert, im Zimmer auf- und niederschreitend, „solch ein Fehltritt passirt eben manchmal, aber wenn Du Prince heirathest, ist alles mit einem Schlage gut und kein Hahn kräht mehr nach jenem Papierwisch. Komm, sei ein gutes Mädchen, thuc eß mir zu Liebe. Deine tobte Mutter hatte für mich alles auf sich genommen." „Und wie hast Du es ihr gelohnt! Du btst fett ihrem Tode gesunken und willst durch mein Elend Dich wieder aufraffen. Einen größeren Egoisten kann man wohl kaum Mchemr Anzeiger Keneral-Mzeiger. und Zweifeln im Anschluß an das diesseitige Ausschreiben vom 19. August 1890 zu Nr. M. I. 21 799 insbesondere Pos. 6 desselben hiermit bestimmt, daß alle bereits durcb frühere Genehmigung feststehenden Fluchtlunen und Straßenzüge in den Ortsbauplänen und insbesondere auch m den zur Vorlage kommenden Entmurssplänen durch scharfe Auszeichnung und nöthigen Falls textliche Beischrift in rat her Farbe von den im Entwurf vorliegenden und mit Bleistift eingezeichneten unterschieden werden muffen. Finger. _____ yf 9 unb wir?örnetfrüd)te i» Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend Vorträge des Oberhessischen ObstbauveremS. Sonntag den 22. Januar d. I., Nachmittags 2 Uhr* Vortrag des Herrn Landwirthschaftslehrerv Reichelt tfcbbn” AWW, u> der W „”on cs Brück über „Pflege und Schnitt junger Obstbaume . Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde des Obstbaues werden zu diesem Vortrag freundlichst Ungeladen. Die Herren Bürgermeister von Großen-Buseck und der )t d)- harorte ersuche ich um ortsübliche Bekanntmachung. Gießen, den 19. Januar 1893. Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins. Nebel, Amtmann. „Nun, nun, Mädchen, nicht so heftig!" „Laß mich nun allein und — toenn der Prinz kommen sollte — ich muß ihn sprechen — zum letzten totale!" Die Thür fiel hinter dem Director zu und Bella glitt lautlos in einen Sessel- es lag wie ein Alp auf ihr, sie vermochte nicht zu denken, zu weinen oder sich auch nur zu regen. War sie cs denn selbst, die in den Spiegel gegenüber starrte, oder nicht etwa eine ganz Fremde? „Isa," sagte sie ganz leise, „bist Du todt oder lebst Du noch? Ach ja, nun weiß ich, das Herz schlagt noch, aber eigentlich ist's gestorben - in Stücke zerrissen! O, d e berühmte, gefeierte Kunstreiterin stieg hoch zu Roß in die Manege, — aber sie möchte lieber sterben. — Mutter, Mutter, wchhalb hast Du Dein Kind damals nicht mitgenommen ins Grab — es muß sich dort so wunderschön schlafen —" „, ..... , Langsam strich sie das blonde Haar zuruck, glättete eine Schleife ihres Kleides und stand auf- um sie her war noch alles genau so, wie gestern, nur die Sonne chien nicht mehr. Es sah alles so grau, so farblos aus, beinahe gespenstisch. „Horch, da kommt er," murmelte das arme Mädchen jetzt unb blieb lauschend stehen, „er fragt nach mir und der Vater antwortet ihm — er wird ihn in den Salon nöthigen. Wie ich aussehe! O, Curt, mein Lieb, nun kommt das Letzte, — Schwerste! Gott helfe, daß es bald vorüber sei — ich bin zu Ende mit meiner Kraft." Und in der That näherten sich nun sporenklirrende Schritte, die THUr ging auf- im Rahmen derselben stand Prinz Arloff, strahlend vor Glück, männlich schön und stattlich. Sein leuchtender Blick fiel auf die reglose Gestalt der Geliebten, befremdet trat er näher. Isa," sagte er in so innigem Tone, daß eS ihr beinahe das Herz abdrückte, „weßhalb so fremd? Bekomme ich denn keinen wärmeren Empfang?" Sie schwieg noch immer, es war ihr unmöglich, zu reden, denn die Thränen quollen ihr näher und näher. „Isa?" fruq er nochmals und neigte sich über ihr todt» blasses Gesicht, „mein Gott, Sie sind krank! Ihre Hände zittern vor. Frost — was ist geschehen, reden Sie - Nichts Besonderes, Durchlaucht, und dennoch alles. Ich bin hwr — um von Ihnen Abschied zu nehmen.' (Fortsetzung folgt.) Drittes Concert (101. Vereinejahr) B Sonntag den 22. Januar 1893, Abends 5 Uhr, n Saale des Gesellschaften unter Leitung Irossh. Universität« - Musikdiredi Herrn Adolf Felchner und Mitwirkung 68 Fräulein Emma Dienstbach am Frankfurt (Sopran) ,e8 Fräulein Margarethe Voreüsch aas Halle (Pianoforte) [ des durch auswärtige KunsUer stärkten Vereinsorchesters. Programm« Irrwege. Novelle von F. von Pückler. (16. Fortsetzung.) Huf dem Corridor hörte man jetzt eine müde, weiche Stimme lagen: „Ich bin für keinen Bestich zu fprechen, nur für meinen Vater." r ... Bella?" murmelte dieser halblaut, erstaunt, „sie ist nichts der Probe, wie sonst? Was ist da geschehen? Ich will zu ihr und versuchen, ob sie Prince Hoffnung giebt. Aber sie wird es nicht, ich glaube, Prinz Arloff hat den Bogel abgefchofsen, denn er ist stets nm sie her befchaftig und sie lächelt ganz anders seitdem als sonst. Prinzessin. Hm, das liest- sich hören, zudem ist er reich, aber jener mv seliae Wechsel —" _ .. . c Langsam trocknete er sich die Stirn, goß ans einer aus dem Tische stehenden Flasche Rathwein ein ziemlich großes Wasserglas voll und stürzte es in einem Zuge herunter- es war sein Tröster, denn die düsteren Gedanken, welche drohend vor seiner Seele standen, wurden Heller, freundlicher, sie gingen über in schimmernde Lustschlösser und, wenn Constantins Augen endlich schwer herabsanken, umgaukelten sie ihn noch immer als Traumgebilde. Seufzend schritt er endlich aus dem Zimmer zu Bella hinüber- einen Moment lauschte er an der Thür, dann pochte er an und trat dann ein - sie erhob sich von der Chaiselongue, auf der sie gelegen, und lächelte freundlich. „Schon zurück, Vater? Ich — war heute verhindert, in die Probe zu kommen, aber ich habe „L'Etincelle" schon so oft geritten, daß es völlig unnöthig ist." ..Bist Du seiner auch sicher beim Hindernißnehmen? ja. Verlaß Dich darauf, es wird gut gehen." ..Bella, ich — komme in einer Sache, die Dich erregen wird." v Sie ward roth, aber sie entgegnete dennoch rasch. „Sprich immerhin, Vater, was hast Du auf dem Herzen. Prince hat seine Werbung abermals erneuert." „Und ich muß ebenfalls wiederholen, daß ich chm nicht mein Jawort gebe, denn ich liebe ihn einmal nicht." ,O, Kind, Du mußt es um meinetwillen thun. Ich rwill Dir alles sagen." sich dieser nur auf diejenigen Gemarkungsgebiete zu erstrecken, für welche die Festsetzung der Baufluchten staltfinden soll, beziehungsweise für die nahe Zukunft ingenommen ist. Die Hauptrichtung der längsten Straße oö mit der Längsrichtung der Pläne übereinstimmen und überhaupt der Plan so eingerichtet sein, daß er eine möglichst geringe Höhe Cr^3 Von der Anbringung einer Ueberschrift kann abgesehen werden, jedoch ist auf der Rückseite des Planes au einem jeden der beiden Enden die Aufschrift: „Ortsbauplan der Gemeinde N." so anzubringen, daß sie gelesen werden kann, ohne den Plan aufrollen zu muffen. ...... 4. Der Maßstab soll in der Regel Vsoo. der natürlichen Größe betragen. Für ausgedehnte Orte ist zur möglichsten Beschränkung der Plangröße ein Maßstab von /iooo oer natürlichen Größe aiizuwendeii. 5, Die Höhe des Planes darf 85 cm nicht überschreiten. Nötigenfalls ist der Plan in Form Zwe^r oder mehrerer selbstständiger Theilpläne anzufertigkii. Die Befestigung umlegbarer Klappen an dem Plane ist unzulässig. 6. Es empfiehlt sich, die Baufluchtlinien zunächst nur mit Blei und erst nach erfolgter Genehmigung mit Farbe einzeichnen zu lassen. 7. Auf jedem Plan ist bie Worbluüe einzutragen, außer- dem ist daö Verhaltniß der Plan-Zeichnung zur natürlichen Größe zu vermerken, auch ein Maßstab beizufügen. In dem Ortsbauplan sind ferner die Nummern der einzelnen Hos- raitben einzutrageu und sämmtliche Straßen mit ihren Bezeichnungen zu versehen. Sofern ncuprojectirte Straßen noch feine Namen besitzen, sind dieselben an den Endpunkten mit Buchstaben oder Ziffern zu versehen. 8. Soweit Friedhöfe und Eisenbahnen in dem Plan- bereiche liegen, sind dieselben einzuzeichnen, liegen dieselben m geringerer Entfernung als 500 Meter von den Endpun.ten der im Plan eingetragenen Straßenfluchtlinien, beziehungsweise von den letzteren, so ist durch Pfeilrichtung deren Lage im Allgemeinen zu kennzeichnen und die Entfernung veizu- fchr^en'Duplikatc zu den Ortsbauplänen sind erst --— Gießen, den 18. Januar 1893. y e t r.: Anfertigung von Ortsbauplänen. Das Grohherzogliche Kreisamt Gießen a» die «rotzh. Vürgermetstereier* de- SreiseA. Das abschriftlich nachstehende Ausschreiben Großherzogl. Ministeriums des Innern unb der Justiz theilen wir Ihnen unttr Hinweis auf ben Wiederabbruck deSMigen vom 19. August 1890 zur Kenntnißnahwe unb Darnachachtung mit. v. Gagern. Darmstadt, am 10. Januar 1893. Betr.: Anfertigung von Ortsbauplänen. Das Großh^ Ministeriilm des Innern und der Justiz an die Grosihcrzoglichen Kreisämter. Bezüglich der allgemeinen Ausstattung der als Entwurfs- vlane zur Vorlage kommenden Ortsboupläne wird zur Vermeidung von bisher mehrfach vorgekommenen Verwechselungen Recitatir und Arie aus ,Faust S1Ä**.***1 ’SÄ «- ’lvill*’" ymphom« Sr- 4 _ ,in . B*) , intrittsharten *urZl 3,50,1, ' MMhenhun^ I ^Preise^ .1 ■ Stücf is Pfennig, [470 ß * & A Schlitten?- Knh! IU Df,lüuifn' !69i Jilbinger, ErlterSweg ik KmichMM bogls. 5 Zimmer mit ßubth., n Eöden, Stallungen ic. auf * ibre zu onmleihrn. res hü her tz^vrh. d. Bl, Luhwiftstrade W; unterer gtod Mn mit Zubehör, zum 1. Lori uiethen.___________ meinem Neubau in her Stell find LvglS von b Zimmern zu oer __________LvviS Hellmold. 1 Zwei Zimmer, Cabinet unbÄüd Lasterleitung alrbalb zu vermiel? ckhause Asterweg 50. H. Ru-kstuhl II. AnitraB-Tanz“ a. d- Edv, uite „Peer Gynt - D 8clrllW ' lrei Klßvierstucke , p Cbop|o. Gießen, den 27. August 1890. Betr.: Anfertigung von Ortsbauplänen. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gietzen nn das Grohhcrzogl. Polizeiamt Gi-tze,. ..,.ddi- Groschcrzogl. Bür-,crme,,tere,en d^s Krc.,es. Wir tbeUen Ihnen nachstehcndes AuSjchreibcn Grob- herzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz zur Kenntnißnahrne und Nachachtung mit. I. V.: Jost. Darmstadt, am 19. August 1890. Betr.: Anfertigung von Ortsbauplänen. Das GroW. Ministerium des Innern und der Jnstiz an die Grosihcrzoglichcn Kreisämter. Die in letzterer Zeit häufig vorgekommene Vorlage von Ortsbauplänen durchaus unzweckmäßigen unb unhandlichen Formats nöthigt uns, folgende Vorschriften unter Hmweis auf bie Bestimmungen in § 13 der Ausführungsverordnung tur allgemeinen Bauordnung zu erlaffen. 1 1. Die Pläne sind auf Zeichenpapier mit Leimpand- unterlaqe zu zeichnen und in ber Längsrichtung zu rollen, sodaß bie Rolle die kleinste Ausbehmmg des Planes zur Hohe erhalt bie be§ Planes beeinflußt, hat nach erfolgter Genehmigung und nur soweit der Gemeindevorstand die Anfertigung solcher beschließt, anzufertigen. In diesem Falle ist die Uebereinstimmung mit dem Original durch den Verfertiger auf dem Duplikate zu bescheinigen und auf dem Originalplan zu vermerken, daß ein Duplikat angefertigt worden ist. 10. Die Ortsvorstände sind zu veranlassen, die Anfertigung von Ortebauplänen nur unter der Bedingung fpecificirter Rechnungsftcllung an eine hierzu geeignete Person zu übertragen. Die von dem Verfertiger zu stellende Gebühren Rechnung hat über folgende Punkte nähere Angaben, eintretenden Falls unter Bezeichnung des Zeitaufwands für die einzelnen Arbeitsleistungen, zu enthalten: a. Ausnahme zur Anfertigung des Planes. (Ist solche erforderlich, so ist genau anzugeben, wo die Aufnahme, wie und warum sie geschah.) b. Aufzeichnung des bermaligen Zustandes. c. Eintragung der auf Vorschlag des Technikers oder Geometers durch Gemeinderathsbeschluß festgesetzten Baufluchtlinien in Blei. ach. Die Parteien, die dieses Gesetz befürworten, würden sich selbst den größten Schaden thun. Abg. Dr. Mehnert (cons.): Die conseroative Partei habe die Materie in die Gesetzgebung ausgenommen, um die Ueberwucheruvg exotischer Gewächse zu beschneiden, welche dem Grundbesitz Licht und Lust nehmen. Die Vorlage stehe auf dem Boden des bisherigen Börsensteuergesetzes. Die Verdoppelung ber Steuersätze nehmen seine politischen Freunde an, indem sie davon ausgehen, daß darunter gewisse Arten deS Börsengeschäftes nicht leiden werden. Das gelte insbesondere vom Arbitragegeschäst. In den Petitionen gegen die Vorlage thue man, als flehe das Vaterland in Gefahr, wenn man der Börse eine Steuer von 8 Millionen zumuthe. Die Behauptung, daß schon die bisherige procentuale Börsensteuer dem Börsengeschäft großen Abbruch gethan, sei hinfällig, wenn man die Ergebnisse des Börsengeschäfts in den Jahren 1885—92 in Betracht ziehe. (Sehr wahr!) Die Arbitrage sei keineswegs immer so legitim, als sie hin- gestellt werde. Die lästigen Prophezeiungen der Petttionen gegen die Vorlage seien im Wesentlichen dieselben, die s. Z. gegen die Einführung einer Börsensteuer erhoben wurden. Richtig sei, daß die Bankiers in den Provinzen zu Gunstm der Berliner geschädigt worden seien; das habe aber seinen Grund darin, daß die großen Berliner Häuser Filialen in ber Provinz errichteten unb baß außerdem gewisse Berliner Firmen durch schwindelhafte Annoncen die Kundschaft der Provinz kaperten. Seine Freunde würden an der Börsenftcuer festhalten und auf die immer weitere Heranziehung der Börse hinwirken, so weit dies ohne Schädigung des legitimen Geschäfts möglich sei. Gegenüber der Ueberlastung des immobilen Besitzes müsse das mobile Kapital mehr herangezogm werden. Die preußifcheSteuereinschätzung auf Grund des neuen Gesetzes habe ergeben, in weichem gewaltigen Umfange das mobile Kapital sich bisher der Steuer zu entziehen gewußt habe. Die Banken würden von der Börsensteuer fast gar nicht betroffen, da der Auftraggeber die Steuer zahlen müsse. Ja, große Banken hätten es verstanden, noch Nutzen von der Stempelabgabe zu ziehen. Im großen Publikum habe er noch keine Klage über die Börsensteuer gesunden, wohl ober darüber, daß die Kunden vielfach geschnitten würden. Frankreich ziehe schon jetzt erheblich mehr aus der Börse wie Deutschland, und zwar das Fünffache. Seine Freunde würden gern geneigt sein, diejenigen Börsengeschäfts die durch Differenzzahlung erledigt werden, erheblich schärfer zu treffen. Im Proceß Löwy sei festgestellt worden, daß ein Bankbeamter mit 1800 Mk. Gehalt in wenigen Jahren einen Umsatz von 20 Mill, im Dffferenz- geschäft hatte; die beteiligte Firma Löwy hatte davon 260000 Mk. Gewinn, die Steuer von dem Geschäft von 20 Mill, betrug nur 2000 Mk. Mindestens daS Zehnfache wäre angebracht gewesen. Wie viele Existenzen würden durch daS schwindelhafte Böisenspiel vernichtet. Könne man dasselbe nicht verhindern mangels ausreichender Unterscheidungsmerkmale, so solle man wenigstens eine entsprechende Steuer daraus legen. Die Steuer sollte aus den Abrechnungstermin verlegt werden, wo festgestellt werden kann, ob das Geschäft durch Differenzzahlung erledigt werde. Sehr wünschenswert!» wäre eine Emissionssteuer für ausländische Anleihen. Weiche Summen an Kapital und Zinsen habe Deutschland nicht in exotischen Werthen verloren. Man sage, wenn wir die Gläubiger jener fremben Länder werden, förberten wir unfern Export; tatsächlich veranlasse man jene Länber nur, ihre Waaren zu uns hereinzuwersen. WaS wir in exotischen Anleihen in der letz'en Zeit verloren haben, reicht zur Deckung der Kosten der Milnäroorlage auf lange Jahre hinau». Eine rationelle Böisensteuer würde mindestens 50 M>ll onen ergeben. Gewiß gebe etz an der Börie noch viele lehr ehrenwerthe Männer, aber diese vermöchten den Charakter der Börse nicht zu ändern, die im Volke wenig Snmpathie habe, wozu vielleicht auch ber Name beitrage, denn Börse beiße eigentlich dem Ursprung deS Wortes nach „abgezogeneS Fchä«t» durch Zahlung der Differenz; man führe eine Controle ber bei den Bankiers hinter legten Depots cm unb treffe weitgehende organrsatorifche A.nderungen, namentlich an ber Berliner Börse. Man bürte nicht gestalten, daß dieselben Leute über die Einführung von Börsenpapieren entscheiden, die alS AufsichtSräthe u. i. w. s.ldft dabei interefßrt sind. ES herrsche eine wahrhaft räuberische Ausbeutung an ber Börse aber welche Grütze auch gemacht werden, der EapitaliSmus werde immer wieder ein Loch fi rben, durch bas er schlüpfen kann Das Geld, bas man mit ber Börsensteuer ber Börse abnehme, werde nicht von dieser, sondern von dem Publikum, von den Wählern aufgebracht. Abg. Dr. v. Marquarbfen (nl.): Es banble sich bei Meter Vorlage nicht um eine ©anirung der Börse, sondern um Beschaffung der Mittel für die Militärvorlage. Tie Börsensteuerer Höhung habe vor den beiden anderen Steuervorlagen den Vorzug, daß sie die leistungSsähigeren Elemente treffe. Seine Freunde würben bemüht fein, in ber Commission die Erhaltung des ArbttragegeschäftS zu sichern. Er beantragt Verweisung der Vorlage an die Militär commssion. Abg. Dr. Kardorsf (Rp.) erklärt gegenüber Singer, nie Termingeschäfte in landw. Produkten gemacht zu haben. — Weiter- derathung morgen 1 Uhr. Außerdem kleinere Vorlagen. Neueste Uacbricbkn. WolffS telegraphisches Eorrespondenz-Bureau. Berlin, 19. Januar. Die Stadtverordneten Bersarnrnlung nahm mit großer Mehrheit den Antrag deS NothstandS- Ausschusses an, den Magistrat zu ersuchen, alle bisher J von der Versammlung genehmigten Arbeiten energisch in Angriff zu nehmen unb ferner zu erwägen, ob nicht zum Zwecke einer durchgreifenden Straßenreinigung das Arbeiterpersonal vermehrt werden könne. Der Antrag auf Errichtung eine! städtischen Centralarbeitönachweises wurde abgelebnt. Paris, 19. Januar. Dem „Petit Journal" zufolge ist gestern ein Vorführ ungSbefehl gegen Cornelius Herz erlassen worden. Der Befehl sei derart motivirt, daß die Auslieferung deS Herz an den mit dem Mandat nach London abgereisten Agenten sofort erfolgen werde. — Wie verlautet, wird die Entdeckung des Artonschen CheckS eine zweite gerichtliche Untersuchung veranlassen, die getrennt von dem schwebenden Panama-Prozeß geführt werden solle. Kopenhagen, 19. Januar. Der Eisbrecher „Mjölner" ging heute Morgen nach Nyborg ab, erreichte den EiSrand bei Halskov (Seeland) und landete 200 Passagiere und 250 Postscicke, darunter die Auslandspost von DienStag und Mittwoch. Ob der „Mjölner" zurückkehren kann, ist zweifelhaft, da der Eisgang im Großen Seit begonnen hat. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 19. Januar. Die Mi lit ärc ommission erledigte gestern die Generaldebatte über die MlitärVorlage. Abg. Liebe rt erklärte, bei der schlechten Finanzlage könne das Centrum eine so weit gehende Belastung deS Volkes nicht verantworten, eS fei bereit, die zweijährige Dienstzeit gegen Festlegung der jetzigen Friedenöpräfenz einzutauschen. Diesen Vorschlag lehnt der Reichskanzler Caprivi ab. Er erklärte, er könne die eingegangenen 31 Gutachten über die zweijährige Dienstzeit nicht vorlegen. Die Lage Deutschlands betrachte er nicht als pessimistisch,- alsdann machte erweitere Mittheilungen in Bezug auf die Stärkeverhältnisse der ver schiedenen europäischen Armeen. Berlin, 19. Januar. In der nächsten Woche beginnen im Reichsamt des Innern die Conferenzen über den deutsch russi scheu Handelsvertrag zwecks Begutachtung der Fragen, welche bei der Ausfuhr in Betracht kommen. Berlin, 19. Januar. Der Reichskanzler veröffentlichte einen Erlaß des Ministers deS Innern, des Handelsministers und des Unterrichtsministers, betreffend die Aus führ un gS- anweifung zur Sonnta göru he im HandelSge- werbe vom 10. Juni 1892 an den Oberpräsidenten behnfS Erörterung der eingegangenen Beschwerden über die Sonntagsruhe, um diesen uöthigenfallS im Verwaltungswege ohne Gesetzänderung abzuhelfen. Effen, 19. Januar. Die heutige, von 85 größtentheilS abgelegten Bergleuten besuchte Versammlung faßte über den AuSstand keinen Beschluß. ES soll in den nächsten Tagen eine Versammlung der arbeitslosen Bergleute einberufen werden und über die Mittel zur Abhülfe der Arbeitc- losigkeit beraten werden. Auf 20 Zechen sind noch 5360 Bergleute ausständig. Miihlhanseu «Thüringen), 19. Januar. In der verflossenen Nacht stießen auf der Strecke Gotha-Neudietendorf ein Schnellzug und ein Güterzug zusammen. Acht Personen wurden, soweit bis jetzt bekannt, schwer, zahlreiche leicht verwundet. Die Maschinen, sechs Personenwagen nni) mehrere Güterwagen wurden zertrümmert. Wien, 19. Januar. Die „Polit. Corresp." meldet auS Nom: In vaticanischen Kreisen ist die Annahme verbreitet, das Centrum nehme schließlich die Militärvorlage mit gewissen Abänderungen an. In Folge dessen würden sich die Beziehungen zwischen der Regierung und dem Centrum enger gestalten. Pari», 19. Januar. „Libre Parole" behauptet, der Czar habe eine Commission von 3 Mitgliedern nach Paris gesandt, behufs Untersuchung des Panama-ScandalS. Die Commission ist vor 3 Tagen eingetroffen und reift heute weiter nach London, um dort ihre Untersuchungen sortzusetzen. In Folge der gestrigen Entdeckungen einer großen Zahl von Arton herrübrender CheckS, wodurch zahlreiche Politiker z vr "lls, 6,nn 'nDQllDtn- MD «öäjsa s$e.$». JäfÄ: n’ul)'un6von^?fbÜr|t "ich! v. tlbft babH f °>PW«»®® * d-»'L?"d< nl* üon "l): S Ä.**. ■Bötje lonhprtt „bti biefer Die yö't nft^^^d-afiung V ^ 5 t'Pf' -eine Sreunbe nL;6 r,e ble lung des 9irM?Ut en bttnübt rÄL-LL Achten. Ä ^«^onbm^uteau. tablberorbneten^erfammlunfl Mafi des Nothstanbs- raU« m*, alle bisher :n arbeiten energisch in gn. rcQ3en/ ob nicht zum Zwecke igung bas Arbeiterpn^va! "trag auf Errichtung einti ' wurde adgeiehnl. „Petit $ouml" zufolge ist W Segen Cornelius ehl sei derart motivirt, datz den mit dem Mandat nach rt erfolgen werde. - Wie S Arton'jchen Checks eine oeranlassen, die getrennt Don ; geführt werden solle. ' Ver Eisbrecher IMn" ; ab, erreichte den EiSr'and inbete 200 Passagiere unb andspost bon Dienstag und rückkehren tonn, ist zweisel- Bekt begonnen hat. :tr. Ploch, Dr. Schäfer, Scheel, Simon, Schmoll und Vogt. Nach Eröffnung der Sitzung wurde zunächst berathen über die bereits am 21. Juli 1892 nach Vorlage eines generellen Voranschlags genehmigte Errichtung eines Feuer- löschgeräthemagazins und von Marktlauben. Diese Baulichkeiten sollen, wie wir bereits in unserem Referat über die hier erwähnte Sitzung mittheilen konnten, errichtet werden auf dem durch Erwerbung der ehemals Walther'schen Hosraithe am Lindenplatz und des alten Hofgerichtsgebäudes, nach vollständiger Niederlegung der ersteren und theilweiser Beseitigung des letzteren, gewonnenen Gelände. Der bis auf den Treppenbau stehen bleibende, in der Hauptsache aus dem Massivbau des alten Hofgerichtsgebäudes bestehende Theil desselben soll durch Anbauten theilweise den Zwecken des Feuerlöschdienstes dienstbar gemacht, theilweise zu Ausstellungs- zwecken (wobei besonders an die Sammlungen des Kunst- «cretnS gedacht worden) und zu einer Wohnung für einen mit Instandhaltung des Ganzen zu beauftragenden Feuerwehr- zeugwarl verwendet werden. Im Anschluß an diese Bauten sollen in der Richtung nach dem Lindenplatz sogen. Marktlauben, zunächst nur auf der nordöstlichen Seite, am Frankfurter Hof durch einen Eckpavillon abschließend, errichtet werden, um vorerst den täglich den Markt benutzenden Verläufern gedeckte Stände zu beschaffen. Die anderseitige Laubenreihe soll dann errichtet werden, wenn das Bedürfniß sich ergibt, bezw. der Verkehr an Markttagen mehr auf einen Punkt zusammengelegt wird. Mit Anlage dieser Laubenreihe würde eine Ueberwölbung des Stadtbaches, von welcher mit Rücksicht auf die noch schwebende Canalisationsfrage vorläufig Abstand zu nehmen ist, auszusühren sein. Die den Verkehr mit dem Brand und dem Lindenplatz vermittelnde, den Laubenrechen entlang führende Straße, welche indeß mit Fuhrwerk nur während der Marktzeit befahren werden darf, soll eine Fahrbahn von 6 Meter Breite, die beiderseitigen durch Vortragende Dächer gegen Witterungseinflüsse geschützten Trottoirs eine Breite von je 2 Meter erhalten, Fahrbahn und Trottoirs iit Asphalt hergestellt werden. Die nach dem generellen Voranschlag mit 36—40000 Mark angenommenen Kosten baden nach dem nun vorliegenden Specialvoranschlag eine wesentliche Erhöhung erfahren und setzen sich zusammen wie folgt: Neubau des Feuerlöschgcräthehauses 34400 Mark, Umbau des stehenbleibenden Theils des alten Hofgerichls- gebäudes 4000 Mark, Herstellung eines Steigerthurms 2250 Mark, Abortgruben für männliche Marktbesucher 750 Mark, Befestigung des Hofes, einschließlich Pflaster 830 Mark, dbeubau von Marktlauben 16 800 Mark, Pavillon am Lcnden- platz 3470 Mark, Bedürfnißhäuschen für weibliche Markt- lesucher 1060 Mark, Einfriedigungen 360 Mark, in Summa 03 800 Mark, lieber die voraussichtliche Rentabilität der Markt- lauben bemerkt Herr Oberbürgermeister Gnauth, daß mit lcm Kostenaufwand von 16 800 Mark 13 vermiethbare Lauben geschaffen würden, und selbst bei einer mäßigen Miethe eine 5 bis 6procentige Verzinsung des Anlagecapitals erzielt werde/ ts sei zweifellos, daß die Unterkunft in einer gedeckten Laube lem Marktbesucher eine Mark für die Woche werth sei, wenn Et die Unannehmlichkeiten des Feilhaltens auf offenem Markte et Wind und Wetter in Betracht ziehe. Der Kostenanschlag )ird gutgeheißen und damit die Ausführung der Anlage nach .den vorliegenden Plänen genehmigt. Für die Errichtung einer Verbindungsstraße vom Brand nach dem Lindenplatz werden die veranschlagten soften im Betrage von 10 400 Mark genehmigt und der Plan, cm Ausgang dieser Straße am Lindenplatz einige Linden zu pflanzen, gutgeheißen. Die Erbauung eines zweiten Stockwerkes auf • 0-8 Nebengebäude des Bürgermeistereigebäudes beruht auf einem früheren, nach Darlegung der Nothwendigkeit für eine geeignetere Unterbringung des Ortsgerichts, Einrichtung eines Warteraums zu demselben und Schaffung eines Raumes für ins städtische Archiv gefaßten Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung. Danach ist geplant, das Ortsgericht nebst Larteraum, sowie das städtische Archiv im unteren Stockwerke der Rathsdienerwohnung unterzubringen und die Wohnung des Rathsdieners in das neu zu errichtende zweite Stockwerk zu verlegen. Die Kosten sind auf 7500 Mark veranschlagt. Es wird auf Antrag des Herrn Beigeordneten Georgi beschlossen, die Weiterberathung und Bcschlußsassung über diesen Gegenstand in die nichtöffentliche Sitzung zu verlegen. Der Voranschlag über die baulichen (laufenden) Unter« Haltungsarbeiten in der höheren und erweiterten Mädchenschule beziffert sich für 1893/94 auf 950 Mark, welche bewilligt werden. Für außerordentliche Bauten und Anschaffungen werden gefordert: 6300 Mark für Erbauung einer besonderen Schuldienerwohnung, 1700 Mark für Beschaffung des Mobiliars und Ausstattung von zwei Unterrichtszimmern, 9900 Mark für Anschaffung neuer Subsellien. Die Schuldienerwohnung ist im unteren Stockwerk des Hauptgebäudes untergebracht und beansprucht den Raum für zwei Schulräume. Diese Räume sollen nach Theiluttg einer unteren Klasse in zwei Parallelklassen und nachdem sich die Nothwendigkeit für Beschaffung eines großen Raumes zur Aufbewahrung von Unterrichtsmitteln ergeben, dem hier bezeichneten Zwecke dienstbar gemacht werden. Don der Unterbringung der Schuldienerwohnung in einem zu errichtenden Anbau an der Turnhalle ober Errichtung eines Stockwerks auf derselben ist man aus verschiedenen Gründen abgekommen, weshalb sowohl Curatorium der Schule wie Baudeputation die Nothwendigkeit der Errichtung eines besonderen, ebener Erde aus zwei Zimmern mit Küche usw., in der Mansarde aus mehreren Räumen bestehenden Gebäudes beantragten. Das Gebäude soll an dem Eingang der Schule (nach dem Asterweg zu) errichtet werden. — Die Beschaffung neuer, verstellbarer Schulbänke ist in den Stadtschulen durchgehends, in der Realschule und im Realgymnasium theilweise durchgesührt, nur die höhere und erweiterte Mädchenschule entbehrt noch der, von Autoritäten als die zweckdienlichsten und vom Standpunkte der Körperpflege der Kinder als empfehleuswerthesten neuen Subsellien, weshalb im Interesse der diese Schule besuchenden Kinder deren Anschaffung als dringend bezeichnet werden mußte. Die An- schasfungskosten sind veranschlagt auf 9900 Mark und hat das Curatorium beantragt, die Anschaffung in Anbetracht der für ein Jahr etwas großen Kosten auf zwei Jahre zu vertheilen. Baudeputätion wie Stadtverordneten-Versammlung sprachen sich Dem gegenüber für Beschaffung dieser Bänke in einem Jahre aus, da angesichts der durch Capitalaufnahme zu beschaffenden Mittel der Zinsenverlust für 5000 Mk. nicht ins Gewicht falle gegenüber den Nachtheilen, die eine snccessive । Beschaffung der Bänke mit sich bringe. — Für Vervollständigung der Ausstattung des Zeichnen und Singsaales, insbesondere mit Stühlen, werden 620 Mk. angeforöert. Es wird nach eingehender Besprechung, und nachdem Herr Habenicht auf den schlechten Zustand der Luft und Licht entbehrenden Abortanlagen hingewiesen, und eine, wenn durchgreifend nicht mögliche, dann provisorische Verbesserung der Anlagen empfohlen hatte, beschlossen, die Kosten für die be antragten Bauten und Anschaffungen in den oben erwähnten Beträgen zu bewilligen, auch zuzustimmen dem Anträge, daß der Betrag von 9900 Mk. für die Subsellien in einem Posten, in den Voranschlag eingestellt werde. Das Stadt bauamt soll veranlaßt werden, Vorschläge über zunächst angängige Verbesserungen an den Abortanlagen zu machen. (Schluß folgt.) Locales uttb Provinzielles. Gießen, 20. Januar 1893. P. Bn der z. Z. herrschenden grimmigen Kälte verlohnt es sich, einer Einrichtung zu gedenken, die als vollkommen gelungen bezeichnet werden kann/ es ist dies die Centralheizung des neuen Knabenschulgebändes in der Nordanlage. Wir halten, es gerade darum für angemessen, darüber ein Wort in die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen, weil man derselben von vornherein zum Theil sceptisch gegenüberftanb und doch auch in der That ihre Leistungsfähigkeit erst erproben mußte. — Die' Heizungsanlage also functionirt ganz vorzüglich und schafft in den weiten Räumen der Knabenschule eine so behagliche, feuchte, völlig staub- und geruchsfreie warme Luft, wie man sie sonstwo wohl so leicht nicht wiederfinden dürfte. Die größte Plage für Lehrer und Schüler, eine mit Staub durchsetzte heiße und trockene Luft, die nicht einmal einen größeren Raum gleichmäßig erwärmt, ist in diesem Hause unbekannt, zur großen Freude aller Derer, die ihre belästigende und gesundheitsschädliche Wirkung zu trockener und zu heißer Luft genugsam an sich selbst erfahren haben. Schon Morgens um 8 Uhr zeigt das Thermometer in allen Schulräumen eine Temperaturhöhe von 12—14° B, welche sich nach einer etwa i/zstirndigen Unterrichtszeit auf 15° B erhöht und diese auch bei Schluß der Leitung behauptet. Auch über die Wirkung dieser Wärme läßt sich nur das Beste sagen / insbesondere ist hervorzuheben, daß kalte Füße nirgends verspürt werden. Allerdings kommt es auch auf die Behandlung der ganzen Anlage an, sie muß verstanden und gewissenhaft beobachtet werden; aber auch hierfür ist genügend Vorsorge getroffen, denn sie befindet sich in sachkundiger, guter Hand. Nun möchten wir noch weiter anfügen, daß auch die Gänge des Hauses schon in der frühen Morgenstunde eine Wärme von 8—90 B zeigen und sich demzufolge bei kalter und nasser Witterung vortrefflich zum Aufenthalt der Schüler während der Pausen eignen. Sollen wir zum Schluffe aber auch ein Wort über das ganze Huus sagen, so dürfen wir mit gutem Gewissen nur volles Lob spenden/ denn nirgends, weder auf den Gängen noch in den Schulräumen, stört lästiger Staub, und so scheint uns das Problem, möglichst ftaubreine Schulräume herzustellen, hier glücklich gelöst. — Damit auch die Gießener Stadtarmen ihren Antheil an den Freuden des 17. Stiftungsfestes der Gießener Ruder, gesellschast hätten, hatte der Verein sich entschlossen, zu ihrem Besten die Veranstaltungen zu jenem Feste am gestrigen Abend zu wiederholen. Wir haben über die Vorstellung selbst schon unser größtes Lob ausgesprochen, können uns also heute darauf beschränken, dies nur von neuem zu thun. In gerechter Würdigung des edlen Zweckes sowohl, als der Darbietungen jenes Vereins überhaupt, halte sich am gestrigen Abend ein sehr nobles und überaus, zahlreiches Publikum in Steins Garten eingefunden, das den Vorgängen auf der Bühne mit Bewunderung lauschte. Die Gießener Ruder Gesellschaft hat ihren allen guten Ruf wiederum bewährt, möge sie in den seitherigen Bahnen weiterwandeln, dazu wünschen wir ihr ein kräftiges Hipp, Hipp, Hurrah! t Mittel Gründau, 18. Januar. Bei ber heute dahier vorgenommenen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Ca simir Kalkhof, welcher dieses Amt schon 22 Jahre ununterbrochen bekleidet, mit 71 Stimmen wieder- gewählt. Der Gegencandidat I. Usinger erhielt 48 Stimmen. § Mehlos (Kreis Lauterbach), 17. Januar. Hier, sowie in MetzlosGehaag und Zahmen sind die Volksschulen geschlossen, infolge der in diesen Orten unter den Zündern herrschenden Nia fern. Einige Kinder sind bereits gestorben. Büdingen, 17. Januar. Bezüglich des ProjectS einer Nebenbahn HanauBüdingen wird mitgetheilt, daß die städtischen Behörden in Hanau in entgegenkommender Weise eine Garantie für die Kosten der Vorarbeiten übernommen haben und demgemäß mit der Absteckung der Trace der Bahn, bezw. den Nivellirungsarbeiten m aller Kürze begonnen werden kann. Darmstadt, 19. Januar. Die Zweite Kammer ist auf Dienstag den 31. Januar einberufen: die Session lvird voraussichtlich vier Wochen dauern. Mainz, 18. Januar. Das Rh ein eis, das gestern noch recht dünn war, ist über Nacht so tragkräftig geworden, daß es heute von Tausenden zwilchen beiden Ufern überschritten wurde. Die Anlegung von Wegen und einer Schlittenbahn hat begonnen. — Der Versuch des Rheders Disch, mit einem Eisbrecher für den Verkehr feiner Ucberfahrtsschiffe eine Fahrrinne durch das Eis herzustellen, mußte aufgegeben werden. Nierstein, 18. Januar. Das Rhein eis stellte sich gestern Miltag hier am Fahrt fest und ließ eine große Lücke von da bis halbwegs Weisenau offen. Nunmehr ist auch diese Strecke bis zur hiesigen Dampfschiffstation ganz zuge- froren. Dieses seltene Ereigniß, das nur bei sehr niedrigem Wasserstand und schwächster Strömung möglich ist, hat bereits zahlreiche Neugierige aus den landeinwärts gelegenen OrteÜ. Schwabsberg, Oppenheim, Dexheim herbeigeführt. Worms, 18. Januar. Der Uebergangssteg über den Rhein wurde heute fertiggestellt und Dem Publikum zur Benutzung überlassen. Der Uebergangssteg, welcher sich am „Rheinischen Hof" unterhalb des Brückenkopfes befindet, wird seit heute Morgen schon sehr stark begangen. Vermischtes. Siegen, 17. Januar. Im benachbarten Weidenau sind infolge des Ausstandes im Ruhrgebiete mehrere Werke gezwungen, wegen Mangels an Kohlen vorläufig den Betrieb einzustellen und Arbeiter zu entlassen. Auch in hiesigen Werken macht sich die Kohlennoth bereits stark fühlbar, sodaß, wenn der Ausstand andauern sollte, auch hier Betriebseinstellungen unvermeidlich sein dürften. Das Siegerland wird ausschließlich aus dem Ruhrbezirk mit Kohlen versorgt. Die Kohlenpreise sind bedeutend in tzje Höhe geschnellt. * Ludwigshafen, 19. Januar. Die Badische Anilin- und Sodafabrik zahlt 25 pCt. Dividende. * Mannheim, 19. Januar. Tausende von Menschen tummelten sich bereits heute Nachmittag auf der Rheineisdecke. * Coblenz, 18. Januar. In den Bureauräumen des Intendantur-Gebäudes des 8. Armeecorps brach heute früh Feuer aus, das erst nach mehrstündiger Arbeit gelöscht war. * Düffeldorf, 19. Januar. Der Rhein ist heute auch hier zum Stehen gekommen. * Halle, 19. Januar. Geheimerath Professor Koch ist wegen der Cholera-Epidemie hier heule Abend eingetroffen. * Aus Sachsen, 18. Januar. In Sachsen sind in Den letzten Tagen acht Menschen durch Kälte umgekommen. Eine Frau in Kott en grün ist des Nachts im Bette- e r froren._______________________________________________ kirchliche Anzeigen der Stcrdt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst- 3. Sonntag nach Epiphanias. In der Stadtkirche: Vormittags ü'/r Uhr: Pfarroerwalter Dr. Grein. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dtngeldey. Beichte und heiliges Abendmahl. Kinderkirche fällt aus. In der Friedhofscapelle: Vormittags 10 Uhr: Pfarrer Schlosser- Btbelstunde am Montag den 23. Januar, Abends 8 Uhr. in der Kleinkinderschule; Marcus Cap- 3, Vers 20: die Tiefen göttlicher Erbauung und menschlicher Sünde; Verwandtschaft im Himmelreich. Pfarrer Dr. Naumann- Freitag den 27. Januar: Feier des Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers: Militärgottesdtenst in der Stadtkirche Vormittags 93/< Uhr: Pfarrer Dingeldey. Katholische Gemeinde. Sonntag den 22. Januar, 3. Sonntag nach Epiphanie. Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um VB Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte- Sonntag: Vormittags von 3/*6 Uhr an Gelegenheit zur hl- Beichte; um 6 Uhr erste hl. Meffe; um 7 Uhr Austhetlung der hl. Communion; um 8 Uhr zweite hl. Messe; um 9/<10 Uhr Hochamt; Nachmittags um 2 Uhr Andacht- Freitag den 27. Januar, am Geburtstage Seiner Majestät des Deutschen Kaisers: Vormittags VzlO Uhr: Militärgottesdienst; Hochamt mit Predigt und Te Deum. SRC. 8.- f ffi. deutscher pfl'blt die 656 täglich bei 414] Rmtr. Rmtr. Zur Ball-Saison Gnauth. [649 Preisen. 361 (Gebhardt. [695 Klotz. [692 Buchenstämme II. Kl-, 684] empfiehlt [464 isitenkarten Fen N« 51 im .«etzstock«. 681] 700j zu vermietben. (449 HU zu vermietben. Bachgasse 19. Depot«: Heinrich Wallach, 306] C. Fr Conrad, Friseur. Als Leichenfrau fmk Krammetsvögel MAGGI5 SCHUTZ MARKE Reish. Wellen 2490 3660 150 50 127) Mödlirles Zimmer, eoent. mit Cabinet, mit 1 oder 2 Betten an 1 oder 2 Herren zu vermietben. Mäutzburg 7. Großer Laden in b fier Ge- schästSlag-, mitten In der Stadt, mit LogiS zu vermietben. Wo? sagt die Sjp d. Bl- 87 2 Zahn- und Mundwasser Deutsches Eeau de Botot 5__ 3- A 4 Hermann Petri. Franz Petri. Empfohlen \ in Pt Dn WUl'kin. . 59,4 0,6 15 50,5 Gustav Gerhard. Benner & Krumm, Drogerie, 63 827 1573 180 DaS Der Vorstand: Schlosser. Flacon M 1.25 und M 2- 2) bei Frl. P. Stammler, Neuenbäue 22, 3) im Schwesternhause (Lonystraße 2). 651] Die tiestrauernden Eltern: Ludwig Schneider und Fran. Ludwig Düll, Conditorei, Marktstrafte 18. Fr. Hennings S'ltersrveg 14. Holzversteigerung am Mittwoch den 25. d. MW., von Vormittags 9 Uhr ab, in dem Saale deS WirtheS Lau, zu Wißmar ES kommen zum Verkauf: Zagd" Verpachtung. Die Gemeindejagd der Gemeinde Holzheim soll am 3. Februar, Nachmittags 1 Uhr, auf dem Nachhause dahier verpachtet werden. Holzheim, 19. Januar 1893. Großh. Bürgermeisterei Holzheim. Montag den 23. Januar 1893, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadlwalde in den Districten Faulerboden, ObersörsterS- wiese und Oberwald nachoerzeichneteS Holz versteigert werden: 8717] eine Stube und Küche zu ver- miet he N._______________Steinttraße bo. 554] »zwei ineinandergebende Stübchen Concursverfahren. In dem Concursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Heinrich Nepp zu Gießen steht zur Prüfung einer nachträglich angemeldeten Forderung Termin Donnerstag, 9. Februar 1893 Vormittags 11 Uhr. Gießen, 17. Januar 1893. Großherzogliches Amtsgericht. 6931 Eine zuverlässige frrau oder , Altert Mädchen, welches Viebe ,zu Adler-Trogerie Seltersweg_39. Kreppei DAS BESTE zum Zähnereinigen. KeUgeöotenes. rrifchgelchossene Hafen, fabrz. , , 1.50 non vestem Geschmack und Gehalt em- etne io schmockhafie Supve, wie auf keine andere Art. >m Ausverkauf gestellt Täglich: Frische Kreppel, feinst gefüllt und ungefüllt, ßaffcckuihtn, Ther- u. Wringcbüdt im Gemrindewald von Wißmar. Krofdorf, den 19. Januar 1893. 689 Der Bürgermeister: «leine. Montag den 23. Januar, Nachmittag« 2 Uhr, wird der kleine Mo- biltornachloß von «. Schomder (»he. teuten, Neuenwcg 58, bestehend aus 1 vollständ. Bett, 2 Tischen, Schrank, GloSaufsotz, Commode u. s. w-, versteigert 3.9L: Louis Rothenberger, ®ericbl9iaFQtor [686J Statt besonderer Benachrichtigung hierdurch die Mittheilung, । daß unser unvergeßlicher Bruder Carl Petri zu Frankfurt a. M. heule Nacht durch einen sanften Tod von seinem langen Leiden erlöst worden ist. Gießen, den 20. Januar 1893. sowie Krammelsvoqel ! empfiehlt sich Achtungsvoll [699 empfiehlt H Klotz, Mäutzburg 17. [647 I Frau Schuchardt, Neue Baue 17. Echeith. stnüppelh. Stockh Rmtr. Die Zusammenkunft ist am Lumpenmannsbrunnen. Gießen, am 17. Januar 1893. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. Medlcin-Bitter. 6901 Luche für Sietzen u. Umgeaenb zum Verkauf meines weltb. Medtcin- BitterS welcher von 132 Aerzten untersucht und attrit"t, clnrn cautionhtä''sg«n General - Vertreter. Die Kunden werben mir übergeben. Köln, im Januar 1893. ________Julius Schütz,udorf. 6i7] Ein gUteS Zugpferd zu verkaufen, 5• ode> e-jäbrigrS, unter drei die Auswahl- stubrunternehmer H. Herz«, berg«» Rodheimerstrab- 6. Man koche eine Suppe mit oersch'edenen grünen Gemüsen und Wurzelgewöch en oder mit präservirten Gemüsen, sogenannte Julienre, gebe dazu einige Tropfen von mit den nöthigen Vorkenntnissen per sofort oder später gesucht von [t>96 Joh. Valth. Noll. Fp r mein (Getreide (tze- sctzäft suche einen tüchtigen Lagerarbeiter gegen hohen Lohn zum sofortigen Eintritt, Nur solche wollen sich melden, die mit guten Zeugnissen versehen sind, Ualhan Kosinthai, 697 Neuenweg 39« TÜT] Ein Dienstmädchen f Küche und Hausarbeit auf sot. gei Tafb Wrt. 657] In »einem Medicinal-, Drogen-, Chemikalien- und Farben Getchüt ist eine Lehrlingsftclle zu besetzen, jetzt oder später. _____OttP_e*a«f. _ thii] Ich suche für sofort «'N zuverlässiges Mädchen, welches gut kochen kann. Nur solche mit guten Zeugnissen können sich melden bei Fabrikant Heine. Schiemer, __ Mardurgersiratze 4. 646] Ein -aasiburfch« gesucht. ___I KNngelhäffee Asterweg *670] Ein tüchtige» Mädchen welche, gut bürgerlich koch-n kann, sowie in allen Hausarbeiten erfahren ist, sofort gesucht. Wo? sagt die Exped. d. BI.__________ 633 Ein cautlontzsäbiaer Kaufmann sucht einen Vertrauensposten. (Der» selbe würde auch ein altrenoannirtetz, rentables Geschäft üb.rnebmen). Offerten sub X Y, cd. mit GchaltSang-, an die Erped- d. Bl- | Güter Mttagst'M 3 z« 60 Psg. und höher. S Abonnenten gesucht. [538 Hrflauration Iolmser Hof, Vahnhosstrahe 31.__ «eb rauchte Gnttarre ,a kanfe« gefacht. (663] »Kühlen 698] Zwei gut möblirte Zimmer auf 4 BZocheu sofort zu miethcn gesucht. Offerten unter K. W. au die (?xped. ds. Blattes. r-941 auf sofort wird ein Airnrnee mit Küche gefacht in anständige« HavS von -tzrüvtetn BU1, »ircheaplatz R. , Vertreter gesucht für eine eingeführte leistungsfähige Lebens- und Unfallverficherungs - (Gesellschaft unter günstigsten Bedingungen. Offerten beliebe man an empfehle gronc Auswahl in Ballblumen, Fichü, Spitjcn, KhiifrcV^O ui Hdit"""' Kragen, Atlasse in allen Farbe». Bänder, Spitzen, Ball- l'jnnrei u zu r,n)ren^. Lehrling* Holzversteigerung Cognac Im Gießener Stadtwalde. ’f 8lQ.,