1893 Donnerstag den 20. April GrfteS Blatt Gießener Hernlyrecher M, Zlints- und Anzeigeblutt für den Kreis Giefzen. Hratisöeitage: chießener Aamikienblätter Amtlicher Theil ihäckerei ttl a leitetet do« Unzeige« zu der Nachmittag« fit dm le^tnb#« lag nlcheinmden Nummer htl Bereu 10 llhe. reit« eingetretenen abermaligen Arbeiterrevolution in diesem Industrie-Lande, wie 1886, sprechen. Bis jetzt gewährt die neue Arbeiterbewegung in Belgien ein ziemlich krauses Bild von theils partiellen, theils gänzlichen Strikes in den wichtigeren Arbeitszweigen, von Gewaltthätigkeiten aller Art seitens der Strikenden und von zahlreichen größeren und kleineren Zusammenstößen zwischen ihnen und den Vertretern der bewaffneten Macht. Einen besonders ernsten Charakter Brussel, bewegung Charakter bei, Mrtrn dem Anzeiger Wöchentlich dreimal .tigzlttu Der >«ide wein 1, Bier 3, Branntwein 1, Brod 3, Butter 8, Tacao 3, SocoSbntter 1, Düngemittel 6, Fieischwaaren 21, Frucht- Marmelade 1, Fruchtsafr 2, Futtermittel 10, Gase 4, Ge- heimmittel 3, Gewebe 2, Gewürze 60, Gries 2, Honig 1, Kaffee, ungebrannt 22, gebrannt 5, Saffresurrogate 13, koch« geichirre 4, Leichentheile 1, Mehl und kleien 18, Milch 75r Nudeln 3, Oele 6, RetS 10, Seife 2, Thee 1, Urin 3, Wasser 26, Wein 3, Wetzen 1, Zucker 10, Zuckerwaaren 14. Bon den Untersuchung-gegenständen gingen em au- dem Kreise Al-feld 9, Büdingen 31, Friedberg 2, Sieben 218, Laurer« bad) 5, Schotten 87, Heppenheim 4. — Bon den unter« suchten Gegenständen waren der Anzahl nach Grund der Beanstandung: verdorbene- Bier (zweimal), Branntwein mit starkem Fuselölgehalt (einmal), Eacao mit Mehl verfälscht (dreimal), verdorbener Schinken (einmal), durch Stärkemehl verfälschte Wurst (neunmal), durch Zusätze verfälschte Gewürze (sechsmal), verdorbene Gewürze (zweimal), unter zu starke« Zusatz von Zucker gebrannter Kaffee (einmal), bleihaltige Glasur an Kochgeschirren (viermal), durch vegetabilische Zusätze verfälschtes Mehl (zweimal), minderweNhige» Mehl (zweimal >, entrahmte Milch (einmal), verdorbene Milch (einmal), durch Thranbeftandtheile versälschtes Rüdöl (einmal), durch Benzin verfälschte- Terpentinöl (einmal), zum menschlichen Genug ungeeignete- Waffer (einmal). — Unter den Untersuchungen, welche, da sie in etwa- größerem Um sänge au»geführl werden konnten, auch einen gewissen Einblick in die bestehenden Verhältnisse gestatten, seien noch besonder» genannt: 1 Die Untersuchung der zum Berkaus gelangenden Vollmilch in Gießen. Hier mußten von 40 behördlicherseits zur Unter, suchung gebrachten Milchproben der Gießener Milchlieseranten 8 Proben al- entrahmt beanstandet werden. 2. Die Unter» suchung von Wurstwaaren in 16 Metzgereien der Stadt Gießen. Bon den hier entnommenen 18 Wurstproben erwiesen nch 9 al- mit Stärkemehl versetzt und mußten daher in lieberem- stimmung mit dem für da- Nahrungsmittelgesetz au-gearbriteten Gutachten de- Kaiserlichen Gesundheit-amt- und mit der. schiedenen Rechtsprechungen deS Reichsgerichts (z. B. R VIII552) als verfälscht beanstandet werden. Noch kann hier Erwähnung gethan werden einer zusammenhängenden Untersuchung der öffentlichen Brunnen der Stadt Gießen, soweit dieselben nicht der Waffcrleitung angehören. — Finanziell gestalteten sich die Verhältnisse deS chemischen Untersuchungsamt» wie folgt : Die Einnahmen au- auSgeführten Untersuchungen betrugen: 1437.25 Wit, welchen an Ausgaben gegenüderstanden 2150 Mk., sodaß der Provinz, abgesehen von den Kosten der ersten Einrichtung mit 1500 Mk., für daS Rechnungsjahr | 1891/92 ein Kostenaufwand von 712.75 Mk. erwachsen ist. überdies geradezu eine gesellschaftliche Nochwendigkett, dieselbe | zu kennen. Im Uebrigen steht auch eine exakte Aufführung derselben durch da- bewährte Personal der hiesigen Opem« gesellschaft zu erwarten, und gewiß hat Herr Director BaarS für eine glänzende Inseenirung und Ausstattung Sorge ge« tragen. Eine Glanznummer deS reichhaltigen Programm» im I Sirens-Theiter Wallend» bildet stet» die Borführung der | breffirten Riesendoggen durch Herrn Professor I Wallenda. Hier wird am deutlichsten gezeigt, zu welcher I Vollkommenheit der Ausbildung die fprüchwörtliche Klugheit I der Hunde gebracht werden kann. Herr Prof. Wallenda hat I den Ruf eine» vorzüglichen HundedreffeurS und hatte die I Ehre, vor hohen und höchsten Herrschaften mit Auszeichnung I seine dressirten Thiere vorzuführen. Aber auch die anderen I Programm-Nummern verdienen Dank der musterhaften Au». I führnng alle Anerkennung. Für den komischen Theil sorgte I gestern die „musikalische Küche", sie erntete stürmischen Beifall. I Besondere Beachtung findet stet- da» Auftreten deS Herrn I Batty im Löwenkäfig. Sein freie», sichere- Arbeiten mit I seinen Zöglingen scheucht daS Gefühl der Angst und nur der I Moment, in welchem Herr Batty seinen Kopf in den Rachen I de» Löwen Hector steckt, veranlaßt athemlofe Spannung, ein I Gefühl der Erleichterung stellt sich ein, wenn da- Experiment I glücklich vollbracht. Die heutige Abschiedsvorstellung soll, I wie versichert wird, durch besonders glanzvolle- Programm I ein gute» Andenken dem (Streu» - Theater Wallenda allhier I sichern. ♦♦ Gedenkfeier. Gleich wie in änderten Orten Deutsch« I land» Derjenigen gedacht werden wird, die nun vor bald I 25 Jahren für unser theuere» Vaterland gekämpft hatten I und in dem gewaltigen Kriege gefallen sind, soll auch die I 2 5jährige Gedenkfeier von dem hiesigen | Veteranen Verein in zwei Jahren in großartigem Style I gefeiert werden. — In der gestrigen Generalversammlung I de» Veteranen Verein», dessen Mitglieder zum größten Theile 1 mit auf dem Boden Frankreich» gekämpft haben, wurde be- I schloffen, die 25jährige Gedenkfeier der Schlacht von Grave- I lotte im Jahre 1895 in würdiger Meise zu feiern, und wird I diese» Vorhaben, zumal der Veteranen Verein die Sympathien I der Einwohner Gießen» sich schon längst erworben hat, gewiß | Unterstützung finden. Zur Deckung der Kosten liegt für die | Mitglieder eine Liste offen und sind schon jetzt ganz ansehnliche | Beiträge gezeichnet worden. Wünschen wir den besten Erfolg | diesem ächt patriotischen Feste. ♦♦ Unfall. Der Heizer Schi ff Hauer de» gestern I Vormittag 11 Uhr 56 Min. hier eintreffenden Personenzuge» I fiel auf der Station Friedelhausen von der Maschine. Wahr- 1 scheinlich hat sich der Mann bei der Einfahrt zu weit au» | der Maschine gelehnt und ist dabei wider einen Gegenstand I gestoßen. Schiffhauer ist am linken Ohr stark verletzt, sodaß I er in die hiesige Klinik gebracht werden mußte. ♦♦ Vergiftung. Gestern ist in der hiesigen Klinik ein | junger Mann verstorben, der am 12. l. M. offenbar in selbst« I mörderischer Absicht Gift genommen hatte. Für den diesjährigen „tz affin". Tag, welcher in H e p p e n- I heim a. d. B. stattfinden wird, sind die Tage am 3. und I 4. Juni festgesetzt. Der dortige Kriegerverein, der mit der I Feier sein 20jährige» Stiftungsfest verbindet, hat für beide I Tage die Ausführung eines trefflichen Programm», bestehend I in einem Festzug, zwei Militärconcerten, Beleuchtung der I Starkenburg :c. vorgesehen. Man giebt sich der Hoffnung hin, daß Se. Kgl. Hoh. der Großherzog da» Fest mit seiner Gegenwart beehren werde. ** Mit den Spaziergängen in» Freie, wozu die warmen Frühlingstage nunmehr den wohnlich eingeschränkten Städter veranlassen, tritt jedoch zum öfteren Aerger der Landbewohner eine Unsitte zu Tage. Da» ist baß rücksichtslose Niedertreten de» duftigen, nützlichen Wiesengraseö Seiten» der Kinder, auch junger Damen behus» de» Blumen- suchens ober auch wohl gar au» reiner Herumtummelei. | „Das wird nicht viel ruiniren," sagen die Eltern, die ihrem | verwöhnten Sprößling nicht gern etwa» verbieten und nur ; an ihr Kind denken, aber nicht überlegen, daß zehn andere bann dasselbe Recht haben und oft eine Familie mit Nachkommen aller Altersstufen der anderen folgt. Nicht selten kann man dann die gepflückten Blumen auf den Wegen liegen sehen, die in kindischer Launenhaftigkeit wieder weggeworfen sind, bloß um zertreten zu werden. DaS ist eine erzieherische Lässigkeit der Eltern. DaS Kind muß ersten» gelehrt bekommen, daß eß nicht alle» für sich haben kann, waS eß sieht - die Blumen find auch dazu da, die Augen Anderer zu ergötzen. Zweitens mnß eß auch baß Eigenthum Anberer schonen lernen. Kein Wunder, daß dann manchmal die Feldbesitzer unwillig werden. ES ist etwas Andere», sich einen Strauß von Blumen am Wege zu binden, um ihn mit nach Hause zu nehmen und al» natürlichen Zimmerschmuck oder al» Erinnerung an die freie Natur auf den Tisch zu stellen. •* Sin starker Maikäferstng wird voraussichtlich in diesem Jahre eintreten. Dem hierdurch drohenden Schaden ist durch fleißige» Einsammeln und lobten der Käfer energisch zu begegnen. Dem Bericht über die Thätigkeit deS Chemischen UntersuchungSamtS für die Provinz Lherhessen in der Zeit vom 1. Mai 1891 bi» 1. Apnl 1892 entnehmen wir □ Ruppertenrod, 18. April. Don einem tragischen Geschick ist der hiesige Feld« und Forstfchütze Heinz dieser Tage betroffen worden. Er befaß seither nur in einem Auge noch die volle Sehkraft, im anderen war sie durch eine Krankheit de- Auge» verloren gegangen Be» einer Holzversteigerung im Walde gerieth ihm ein in Schwingung be« findliche» Rei» in bad gesunde Auge und verletzte dasselbe so schwer, daß er die Klinik zu Gießen aufsuchen mußte. Eine Heilung war jedoch nicht möglich und Heinz ist völlig erblindet. Sein Schicksal ist umsomehr zu beklagen, al» er sein Amt in ebenso loyaler, wie milder Art seit vielen Jahren geführt hat. Die Gemeindeobstpsianzungen geben ein sprechende» Zeugniß davon, mit welcher Sorgfalt und welchem Verständniß Heinz die Obstbaumzucht zu pflegen wußte. § Grüuberg, 18. April. Wie alljährlich um diese Zeit, da man Kartoffeln steckt, hat auch gegenwärtig wieder der Handel mit fiartoffftn auf dem hiesigen Frucht« markte eine besondere Ausdehnung genommen. In großer Zahl kommen die Wagen mit Kartoffeln au» der Wetterau angefahren, um sie an die zahlreichen Käufer au» dem Vogelsberg abzusetzen Dieser lebhafte Umsatz an Kartoffeln wird jedoch nicht durch den Mangel an solchen im Vogelsberg veranlaßt, da man hier eben noch mehr Kartoffeln beim Untiefen aus den Kellern trägt wie manchen Herbst hinein, sondern lediglich deshalb, weil sich bei den Landwirthen überall die Erkenntniß Bahn gebrochen hat, daß zur Erzielung guter Erträge im Herbst vor ollem neue Sctzkartofieln au- anderen Gegenden grunbbtbingenb sind. Gerade der überall noch verhandene reiche Karivffetvoiraib bewirkt den niederen Preisstand der Kartoffeln. Dieser Preis erreicht nicht em« ! mal die Hälfte de» vorjährigen Er betrögt gegenwärtig für den Doppelcentner 3,00 bi» 3,60 Mark im Durchschnitt, । im vorigen Jahre betrug er 8 Mark. Aus dem verflossenen SamStagmarkt, der eine kleinere Preissteigerung zeigte, gelangten 340 Eentner Kartoffeln zum Verkauf. «u8 bet Wetter»«, 16. April. Der starke Frost der | letzten Nächte hat die Hoffnungen auf eine gute Obst ernte, I die schon in sicherer Aussicht zu stehen schien, sehr hetabge stimmt. Besonder» die Blüthe der Kirsch- und Birnbäume I ist durch die ungewöhnliche Kälte (bi- zu 6 Grad unter Null) Gieße», 19. April 1893. •• Neue» Theater. „Die weiße Dame", komische Oper von Boilbieu, kommt heute zur Aufführung. Die Oper, seit Jahrzehnten auf dem Repertoir aller Opernbühnen, wirb gewiß ein lebhafte» Interesse aller Kunstfreunde und Theater- besuchet finden, und bei der Popularität deS Titels ist eß Errichtung bet Anstalt einem gefühlten Mange! Abhilfe der Großherzog u^^re braditc. Son ben Beerben, bit <3tgtnftänbe jur Unttrfud)ung Älis, hi><( Henn'diafttn utfgeüitn^n Di M,«tätlich dtuch ßrts Ka Urneriltcht tyrrricmlai tn t wfoflm Soldat H-rr mtb durch ßMkum trugt nrtzige Keichwnd ' Men, 18 Heu Bergmann D tulftonöts vcm ßtsehes ju acht $ ' itipzitz |rtn in her taut l-rlühruug der ■ailinen unter t 3tbtn M h-mwirthschastlichi Neueste Nerchvschtesr» «Olff» telegraphische« Lorrefpondenz-Bureau. Sigmaringen, l 8. April. Die außwärtigen Feuerwehren haben die Stadt wieder verlassen. Die Entstehung des Brande» wird der Fahrlässigkeit de» Monteur» der ElectrizitätSgesellschaft zugeschrieben. Der Monteur wurde verhaftet. Altona, 18. April. Der anläßlich der Maifeier geplante Ümjug ist wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung von Seiten der Behörden verboten worden. Athen, 18. April. Die Zahl .der durch da» letzte Erdbeben auf Zante in der Stadt und auf dem Lande Ge- lödteten beträgt 50, die der Schwerverletzten 100, von denen noch viele baß Leben e'nbüßen dürsten. Depeschen de» Bureau .Herold^. Berlin, 18. April. Der Erlaß beß Staatßfecretärß v. Sftphan an die beteiligten Oberpostbirectionen besagt, mit Herstellung der zweiten Schleifleitung für ben Fernsprechverkehr Berlin - Dreßden, sowie ber direkten Fernsprechverbind ung Berlin - Zossen würde sofort begonnen. Berlin, 18. April. In parlamentarischen Streifen wird immer für wahrscheinlicher gehalten, Ahlwar dt suche sich der Vorlage der Aktenstücke zu entziehen. Der gestern an- gekündigte Antrag war bi» zum Beginn der Reichßtagßsitzung noch nicht eingetroffen. Berlin, 19. April. Ahlwarbt lehnte e» ab, einen zweiten von den Socialdemokraten unterstützten und vom Präsidenten beß Reichstages gebilligten Antrag bem Reichstage vorzulegen. Berlin, 18. April. Nach einem Beschluß ber unab« hängigen (Socialiften feiern bieselbcn den 1. Mai als Arbeiter • Ruhetag und halten Versammlungen ab, woran auch die Arbeitslosen theilnehmen können. Brussel, 18. April. In 50 Buchdruckereien legten 1500 Setzer die Arbeit nieder. Die Zeitungen er- scheinen mit Ausnahme de» „Patriot", der „Jndependance beige" und beß „ötoile" nicht. Die Arbeiter dieser Blätter gehören ebenfalls der Typographen-Vereinigung an und hofft baß Strlkecomite, daß auch diese in ben Strike hineingezogen werden, so daß morgen kein Blatt mehr erscheint. Seit 50 Jahren hat kein Ausstand sich so rasch und allgemein entwickelt wie der jetzige. Brüssel, 18. April. Heute sand eine Versammlung fämmt lieber Ausständigen in Brüssel in Molenbeck statt; ble Polizei, bie Bürgergarbe und Artillerie waren auf« gestellt. Nach einigen Reden begaben sich die Stellenden zum Park Saint Gille», um zum zweiten Male den Eid zu leisten, für das allgemeine Stimmrecht bi» zum Tode zu kämpfen. Die Stadt ist augenblicklich ruhig. Brüssel, 19. April. Nach der Annahme befl Antrages Nyssen durch bie Constituante dauert bie Erregung fort. Grenadiere und Carabinieri lagern vor ber Stabt, um beim ersten Alarm einzurücken. Unter den Verhafteten befinden sich zwei Franzosen, deren einer wegen der Theilnahme an der Explosion im Restaurant Dery in Paris gesucht wird. Antwerpen, 19. April. 2000 Au»ständische zogen nach den Häfen, wo sie einen Dampfer angriffen - der Eapi« t8n ließ die Matrosen feuern unb hisste die bänlsche Flagge, worauf bie Polizei die Menge zerstreute. Antwerpen, 19. April. Die Ausständigen steckten eine große Baumwollspinnerei in Brand. Die Feuerwehr war ohnmächtig unb konnte bie Gebäude nicht retten, welche auch fast völlig verbrannten. Mon8, 19. April. Bei einem Angriff der Bürgerwehr und Polizei auf die Manifestanten wurden zwanzig Polizisten verwundet. Rewhork, 19. April. Auf Euba bildete sich eine Revolutionflpartei mit ber Absicht, bie Hauptstadt der Cocaki «n- provinzielles. Es starben an: Zusammen 1 3 (1) 2 (Volks- und Schulausgabe von Richard SchmidÜein. IlTlERLEBEN 4 (1) 1 1 6 (1) 1 1 1 5 (1) 1 1 Diphtherie Lungenschwindsucht Gehtrnschlagfluß Andere bekannte Krankheiten Verunglückung Selbstmord Zu beziehen durch die Ferber'sche Univ.-Buchhandlung in Gießen. — Soeben erscheint — in zweiter, gänzlich neubearbeiteter Auflage: Seine deSinficirende Kraft ist medicinisch anerkannt und braucht hier nicht erörtert zu werden. Das Anwendungsversahren ist einfach : man bedecke den Boden der Senkgruben oder anderer zur Aufnahme der Fäkalien bestimmter Gefäße mit einer vier Centimeter hohen Schicht von Torfmull oder Torfstreu und dann die Fäkalien wieder mit einer dünnen Schicht desselben Stoffes. Letzteres kann in verschiedener Art ausgeführt werden. Man beauftrage z. B. einen zuverlässigen Menschen, von Zeit zu Zeit eine Ueberstreuung vorzunehmen, oder bringe bei den Aborten Selbststreuvorrichtungen an, oder stelle endlich, wenn die Benutzer, wie dies in Familien meist der Fall sein dürfte, zuverlässig sind, in unmittelbarer Nähe der Aborte Gefäße mit Torfmull und einer geeigneten Schöpfkelle zur Selbstbenutzung auf. Die Desinfecüon durch Torf hat vor anderen den Vorzug, keinen unangenehmen Geruch zu erzeugen, sondern vielmehr den natürlichen übelen Geruch der Fäkalien fast ganz zu beseitigen, eignet sich also besonders als Vorbeugungsmaßregel. Und wie bei menschlichen Seuchen, so wirkt der Torf auch bei Viehseuchen desinficirend, wenigstens dann, wenn die Ansteckung fick durch Vermittelung der Excremente fortpflanzt. Mein Viehstaud ist 20 Jahre von der Maul- und Klauenseuche frei geblieben, obgleich diese zeit- Palmieri, welche eine reizende Lage besitzt, das Luncheon und das Diner. Heute Nachmittag 4 Uhr begaben sich die Allerhöchsten Herrschaften nach Besichtigung der Stadt mit Ihrer Majestät nach dem Palazzo Riccardi, um sich von dessen Fenstern aus den Blumencorso anzusehen. schuldigen ermordet. I • Bei Gelegenheit der in Weimar am 14. April ab- I gehaltenen Control Versammlung hielt der Bezirks-! offizier, Major z. D. von Psannenberg, eine Ansprache an I die Mannschaften, in der er sich auch über die Abhilfe bei I vorkommenden Mißhandlungen der Soldaten durch Vorgesetzte, I namentlich durch Unteroffiziere, verbreitete. Kämen solche I stets zu mißbilligende Ungehörigkeiten vor, so fei es durchaus j verwerflich, solche Vorgänge aus der Kaserne oder vom | Exercierplatz in die Kneipen zu tragen und dort zum Gegen- 1 staube einer Bierbank Polemik gegen unser Heerwesen zu machen. I Noch weniger bleibe es zu billigen, wenn man über vor- | gefallene Soldatenmißhandlungen in den Zeitungen Klage | führe und durch die meist übertriebenen Schilderungen das I Publikum errege. Der einzig richtige Weg sei die ordnungs- I mäßige Beschwerde bei dem zuständigen Vorgesetzten. • Esten, 18. April. Das Schwurgericht verurteilte I den Bergmann Mandrysck wegen eines während des letzten I Ausstandes verübten Verbrechens gegen § 7 des Dynamit- | gesetzes zu acht Jahren Zuchthaus. * Leipzig, 18. März. In der nächsten Ostermeßwoche I findet in der dauernden Gewerbe ausstellung die praktische I Vorführung der zahlreich vorhandenen Holzbearbeitungs- I Maschinen unter gleichzeitiger Benutzung verschiedener Motoren I statt. Jeden Mittwoch und Sonnabend werden außerdem I hauswirthschastliche und landwirtschaftliche Maschinen borge- I führt. Für die Besucher der Ausstellung ist eine wesentliche Erleichterung geschaffen worden, indem das Eintrittsgeld zur I Meßzeit nicht mehr verdoppelt, sondern der gewöhnliche niedrige Preis festgesetzt ist. * Feuerwehr auf dem Fahrrade. In der großen Wetall- waarenfabrik von Krupp im niederösterreichischen Markte Berndorf an der Triesting befindet sich eine Feuerwehr- abtheilung (24 Mann), welche auf dem Fahrrade vollkommen aus gebildet und sehr gut einexerzirt ist. Ihre hauptsächlichste Ausgabe besteht darin, zu Waldbränden, die dort sehr häufig vorkommen, auszurücken, weßhalb dieselbe auch mit Krampen, Schaufeln und Hacken rc. ausgerüstet ist. Diese Abtheilung kann aber auch zur ersten Hülfeleistung bei anderen Bränden verwendet werden. In Folge ihrer großen Bewegungsfreiheit ist eine solche Feuerwehrabkheilung von außerordentlichem Nutzen, da sie die ersten Rettungsarbeiten treffen, Raum zur Bewegung und ungehinderten Arbeit der nachfolgenden Lösch- korps schaffen, ferner für Wasserbesorgung, Absperrung des Raumes und die Angriffsrichtung der aufmarschirenden Ab- theilungen das Entsprechende verfügen kann. Die Feuerwehr auf dem Fahrrade ist so abgerichtet, daß sie auf das erste Zeichen sofort abzurücken vermag. Im Vorjahre brachte sie durch rasches und energisches Eingreifen nutzbringende Hülse. * Torf und Seuchen. Hierüber bringt das „Naumburger Kreisblatt" die Zuschrift eines Mitarbeiters aus landwirthschaftlichen Kreisen, welcher u. A. Folgendes schreibt: Dank dem umsichtigen und kräftigen Einschreiten der Behörden hat ein Wiederausbruch der Cholera in Deutschland an Wahrscheinlichkeit abgenommen, verschwunden ist sie aber nicht, und es bleibt Pflicht der Behörden, Haus- wirthe und Familien, diese Möglichkeit im Auge zu behalten. Da bietet der Torf ein vortreffliches Vorbeugungsmittel. weise in der ganzen Umgegend verbreitet war, und schreibe ich dies der Anwendung von Torfstteu zu. — Nicht jeder Torf besitzt gleich starke deSinficirende Kraft, aber gerade der, welcher die geringste Brennkrast besitzt, eignet sich am besten zur Desinfection. — Torfmull unterscheidet sich von Torfstreu nur durch seine feinere, staubartige Beschaffenheit und eignet sich deshalb nicht zur Unterlage für Vieh. — Nicht in unmittelbarem Zusammenhang hiermit stehend, aber die Einführung erleichternd ist es, daß mit Tors behandelte Exkremente jeder Art besonders für den Wein- und Obstbau geeigneten Dünger liefern, der obenein noch ohne Belästigung der Umwohner auch bei Tage transportirt werden kann. * Empfindlich. Sie: „Sieh nur, lieber Moritz, wie der Epbeu dort an der Burgmauer so herrlich wuchert!" — Er: „Bitte, Else, sprich mir nischt von's Geschäft!" * Bedenkliche Gründlichkeit. Bureauchef (zum Vater, der für seinen Sohn eine Lehrstelle sucht): „Also nur Sexta und Quinta hat der junge Mann durchgemacht?" — Vater: „Aber sehr gründlich! In der Quinta ist er allein drei Schiff-nachrichten. Hamburg, 16. April. DaS Hamburg-NewyorkerPottdamps schiff „Rugia", Capitän Leithäuser, von der Hamburg-Amerikcmffchen Vacketsahrt-Actien-Geseüschaft, welches am 2. April von hier und am 4^ Avrtt von Havre obgegangen, ist am 15. April, 2 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Newport angekommen. Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle In Gießen. 15. Woche. Vsm 9. April biS 15. April 1893. Einwohnerzahl: angenommen zu 21100 (incl. 1600 Mann MUttär). Sterblichkettsztffer: 34,59°/« bezw. 29,57 nach Ausschl. ber Ortsfremden. Kinder Mit 1200 Abbildungen im Text, i Karte urfd 3 Chromotafeln. 52 Lieferungen zu je 50 Pfennig = 30 Kreuzer oder 3 Halbfranzbände zu je 10 Mk. = 6 Fl. ö. W. Die erste Lieferung zur Ansicht. — Prospekte gratis. Vertag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien. Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todessälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. vennischtes. ♦ Gladenbach, 17. April. Der Kreisphysikus SanitätSrath Dr. Karl Zinßer, ein in allen Kreisen hochgeachteter und sehr geehrter Mann, erlag gestern Vormittag einem längeren Leiden. Der Verstorbene übte seit langen Jahren hier und in der Umgegend die ärztliche Praxis aus. Er war ein gesuchter Arzt. ' Biedenkopf, 17. April. Der Radfahrersport hat nunmehr auch in unserer Stadt festen Fuß gefaßt. Eme Anzahl hiesiger SportSfreunde hat sich unter dem Namen „Biedenkopfer Radfahrerverein" vereinigt, um dem edlen Sport auch hier eine Pfleg- und Heimstätte zu geben. Frankfurt a. M., 18. April. Der Hauptgewinner der Marienburger Geldlotterie im Betrage von 90,000 Mk. ist ein seit einiger Zeit hier wohnender Italiener, ein Privatmann, dem gestern die Summe ausbezahlt wurde. • Köln, 18. April. Bei einer Hochzeitsfeier wurde soeben Hierselbst ein alter Handelsmann erst 0 chen. Der Thäter, ein junger Bursche, wurde verhaftet. Die That wurde mittels etnes Dolchmessers ausgeführt. Wie es heißt, hatte der Thäter sich in der Person geirrt und einen Un- : Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15 Jahr - 1 3 (1) Jahre gewesen!" * Aus englischen Witzblättern. Sonderbar. „Wenn ein Mann sich sür ein Genie hält, so läßt er seine Haare lang wachsen, glaubt aber ein Weib, sie habe eine Mission zu erfüllen, so schneidet sie ihr Haar kurz." — @tn Schlauberger. A.: „Oeffnet Ihre Frau Ihre Briefe?" — B.: „Nein, denn ich habe es ihr erlaubt."--Je nachdem. A.: „So, so! Ihr Onkel starb im Alter von achtundachtzig Jahren. War er noch in vollem Besitz seiner Geisteskräfte?" — B.: „Ich kann das wirklich nicht sagen. Sein Testament ist noch nicht verlesen worden." — — Bescheiden. Vater: „Nein, mein Herr, meine Tochter kann niemals die Ihrige werden." — Liebeglühender Jung ling: „Ich will sie ja auch gar nicht als meine Tochter haben- ich wünsche sie zur Frau." Summa: 14 (2) 9 (1) Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Müstercken des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verloscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfaden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Die Geidenfadrik G. Henneberg, (K. u. K. Hoflieferant) Zürich versendet aern Muster von ihren echten Seidenstoffen an Jedermann und liefert ernzelne Roben und ganze Stücke vorto- und zollfrei ins Haus. 84bonn- 2 «* Sie A Suiter ,7 6at«i3, "*. ohne Ptnston tu Vermietern. stlene Läverstraße 11 II- Mädchen, und Mafchinennähen, sowie Zn« schneiden gründlich erlernen. Wei« Leinen ,, Halbleinen ,, Betttuch leinen Handtuchdrell Hemdentnche per Meter von 38 Pfg. an Waschechte Bettrenge Cattune Weisse Pique« •/< Stunde oon Gießen entfernt, baldigst i gesucht. Nöb bei der Exped d- Bl- nhpr .in ?Air,in,r. 1 Blei. Stfen Zink u s. w kaufe zu höchsten Tagespreisen. 3v8ö] Gin j. Mann sucht 100 Mk. ß« leiden unter der Adresse A M 1OO Hauptpostamt «ließen. NB. Freunde de« Verein« können unter vor« heriger Anmeldung bei dem vorftorche eingeführt werden. '3775 Trr Borstand. Farbige Flanell - Hemden nn Probe bedeutend erelMlfrt. 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