IWF DieMas dm 17. October Erstes Blatt Deutsche- Reick. ®cr A^e»er A«»«t,er scheint tiglich, eret Ausnahme bei Montage Die Gießener reTiger Waaren auö Japan bezogen und für 225,103 Lstr. «Eiger Waaren dorthin geschickt, als im Vorjahre, wahrend iie deutsche Ausfuhr nach Japan im Jahre 1892 nn -Ker« gleiche mit dem Jahre 1891 um 98,358 Lstr. zugenommen hat und damit, sowohl was das Derhältniß des Wacksthums 16 auch den Gesammtbetrag derselben von 952,935 Lstr. Grifft, allen übrigen Ländern voransteht. Aus den ferneren im Berichte enthaltenen Details ist zu entnehmen, daß Deutsch- kni? in erster Linie seinen Export an Eisen- und Stahlwaaren rach Japan auf Kosten Englands vergrößert hat. Doch nicht tut in der Eisenbranche, sondern auch mit Bezug auf Tcxtil- tuairen wird, wie aus dem Berichte erhellt, der britische Lwidel vom deutschen stetig verdrängt. Es tritt dies namenb sich in den Artikeln Flanelle, Wollengarne, Tuche aus Wolle und« aus Halbwolle hervor, denn hierbei zeigt sich überall ein ------- ------- .... Makgang des englischen Exports und dafür eine Zunahme scharfen Artikel gegen den Reichskanzler, den em Herr di« deutschen Exports. Wenn man nun erwägt, daß Japan I b. Wangenheim in dem offiziellen Organ des Bunde» ver- ucn seit einer Reihe von Jahren einen raschen Aufschwung öffentlicht hatte und in welcher Kundgebung geradezu der 011f commerziellem wie industriellem und wirihschaftlichem Ge- Rücktritt Caprivis gefordert worden war. Neuerdings hat bitte nimmt und daß es sich am meisten von allen Staaten I sich nun der Bund der Landwirthe abermals gegen den Wens der europäischen Cultur und Civilisation zugänglich I leitenden Staatsmann des Reiches und seiner Politik gewendet, kln-cist, sich in seinen Bedürfnissen immer mehr den euro- I indem in einer zu Halle a. d. S. stattgefundenen Versamm- paiichen Anschauungen und Gewohnheiten anzupaffen sucht, so lung zahlreicher Mitglieder des Bundes einstimmig em Be- rchellt auö alle dem wohl zur Genüge, ein wie weites utTb I schluß gefaßt wurde, der sich energisch gegen den etwaigen bwkbares Feld der deutsche Ausfuhrhandel in dem fernen l Abschluß eines deutsch-russischen Handelsvertrages wendet, kiasiatischen Jnselreiche finden würden. Auch muß daran Bei dem Einfluffe des Bundes könnte eine Fortsetzung tiinnert werden, daß die japanische Regierung eifrig bemüht tiefer Opposition der Reichsregierung mindestens unbequem i, aerobe Deutsche für die verschiedensten Unternehmungen werden. . ir ihrem Lande h-ranznzi-hen und dah sie speziell den Handels. - In Eisenach sand °°m Dann-rSiaE ad der neunte Nttifdien Bestrebungen der Deutschen in Japan allen Vor- deutsche Gewerbekammertag statt, ^m Mittelpunkte ftub leistet, es würde sich demnach für deutsche Unternehmungs- der Verhandlungen standen die Vorschläge des preußischen lust, Tbatkraft und Energie in Japan gewiß ein sehr lohnendes Handelsministers zur Organisation des Handwerks und Rege- und dankbares Gebiet eröffnen. lY Zw Hause oetlingetlr willbtr mittlettStod, I eingerl^td, 5DlanfarbtDt wm, Gaümbtthelim Atobtr oder später w «i >hnes Dalltborftrah^- 33] ®obnung, 4 Zianr/_ i7 trmtetben 3n nutntm Neubau itf, 4-5 jlmmtr mit t^n »elm Müller, Lleinstraßc tf. ‘ irtnabrnt von An,eigen zu der NachmMag» für den l,lamdm Tag erfchnnenden Nummer bi» gorm. 10 Uhr. > - M m \i 3 je mit m vmulchm )7] Der miet 6tod eriirf fw tfammtti oder irttttm l « m^A. Willenfel» Wn, Sj Sin lleiueS LogiS mit Mr: i billig zu oeuninhen. SefUtSM ksMrhnn ' I sofort zu vrrmiethen. ______Som 27J Lchöncs Logis »u 16) Logis von S ZiwÜE r, 2. Stock, tomibmIlyMi"1-1' Ht, 244_________ , Gießener Anzeiger Kmeral-Wnzeiger. Amtr« und Anzeigeblatt für den Av-ir Gi«n«n Alle Annoncen-Bureauk de» In. und Audiandr» nehmen anderseits jedoch ebenso warm befürwortet. Berlin, 14. October. Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge ist ein vollständiger Plan bezüglich der Umgestaltung des Jrrenwesens noch nicht aufgestellt worden, es könne aber als sicher bezeichnet werden, daß mit der Revision der Darmstadt, 14. October. Seine Königliche Hoheit der Civilprozeßordnung auch eine erneute Prüfung der Bestimm- üroßherzog haben Allergnädigst geruht: Am 14. October ungen über das Entmündigungsverfahren stattfinden durfte. I) den vortragenden Rath bei der Abtheilung des Ministeriums Friedrichsruh, 14. October. Die Befferung n dem Be- l;r Finanzen für Forst- und Cameralverwaltung Geheimen finden des Fürsten Bismarck ist derart, daß derselbe Oberforstrath Wilhelm Wilbrand zum ständigen Mitgliede trotz der rauhen Witterung em en längeren Spaziergang U£ er» ic« Landesversicherungsamtes, 2) den Kreisamtmann Dr. Karl nahm. Professor Schwemnger verbleibt bis zur nächsten Woche -Mfer zu Darmstadt zum stellvertretenden ständigen Mit- | in Lugano. Petersburger Telegramm der „Kölnischen Zeitung" zufolge geht ein arges Mißtrauen gegen die Aufrichtigkeit Deutschlands, besonders Caprivis, bei den Zollverhandlungen durch die russische Preffe. Die russische „Moskauer Zeitung" versteigt sich sogar zu der Bemerkung, angeblich auf Grund von Berliner Gerüchten, Rußland könne mit Recht fordern, daß die Verhandlungen auch deutscherseits mit dem Wunsche nach einem beiderseits befriedigenden Ergebniß geführt werden, nicht um daheim eine Partei, die Industriellen, zur Unterstützung anderer Absichten zu gewinnen. Aehnliche Vermuthungen deuten andere Blätter an. Dresden, 14. October. Anläßlich ihres 7oiahrlgen Be- stehens ernannte die „Gesellschaft für Natur- und Heilkunde" 22 Aerzte zu Ehrenmitgliedern, darunter auch die Ge- Heimen Medicinalräthe und Profefforen v. Bergmann, r.- Lollar, 15. October. (verspätet.) Am vergangene» Donnerstag beging Herr Georg BuderuS hier nebrt ietner Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Obwohl eS iditen, als solle dieser Tag spurlos vorüberztehen, was wohl out im Stone deS Jubelpaares gelegen, so konnte doch n>ch: umgangen werden, baß wenigsten» die nädüten Anverwandten, Neueste Nachrichten. Dolff» telegraphische» Correfpondmz - Bureau. Stettin, 16. October. Hier kamen vier Erkrankungen und fünf Todesfälle an Cholera vor. Apia, 16. October. Die deutschen Kriegsschiffe in Gemeinschaft mit dem britischen Kriegsschiff legten auf Tuhula die herrschenden Unruhen ohne Blutvergießen bei. Durch die Gefangennahme der Rädelsführer ist auf sämmtlichen Inseln der Samoagruppe nunmehr Ordnung und Ruhe völlig hergestellt. Einst und Jetzt. Eine Skizze. Es ändern sich die Zeiten .... Keine aller Fürstinnen, die je auf einem Thron gesessen haben, hat das bittrer erfahren müssen, als Maria Antoinette, des unglücklichen Ludwigs XVI. unglücklichere Gemahlin. Welch ein Unterschied zwischen dem Tage, da sie als fünfzehnjährige Braut an der Sette des Dauphin ihren Einzug in Paris hielt, und dem Tage ihrer Todesfahrt, dem 16. October 1793! Damals umtobte sie der Jubel des leichterregbaren Pariser Volkes, heute gellte ihr nur der eine Ruf ins Ohr: vive la r6publique! Drei Tage und drei Nächte hatte das Tribunal ununterbrochen verhandelt. Es mußte ja der ganze im Voraus erfb schiedene Prozeß einen Anschein der Unparteilichkeit haben! Die Königin zeigte sich einfach und groß. Auf die ihr vor- gelegten Fragen antwortete sie kurz und mit vornehmer Ruhe, für die Schamlosigkeit, mit der ihr die Anklageacte Fouquier - Tinville's und die Rede Hebert's die größten Schändlichkeiten unterschoben, hatte sie nur schweigende Verachtung. Kein Punkt der Anklage konnte ihr bewiesen werden, aber weder dieser Umstand noch die glänzenden Vertheidigungs- reden ihrer beiden Anwälte Tronson-Ducondrah und Chaveau- Lagarde vemtochten das Geringste an ihrem Schicksal zu ändern. Das hatten ja der „Wohlfahrtsausschuß" und der Convent längst besiegelt. Es war nur eine Formalität, daß die Bank der Geschworenen daS Schuldig aussprach. Die Tochter Maria Theresias war von „Gevatter Schneider und Handschuhmacher^ zum Tode verurtheilt. Ohne mit der Wimper zu zucken, vernahm die Königin ihr Schicksal und ruhig, wie sie gekommen, schritt sie in ihren Kerker zurück. Es war 4*/j Uhr Morgens. Trotz tödtlicher Ermüdung schrieb sie an ihre Schwägerin Prinzessin Elisabeth einen Brief, der gleichsam ihr Testament enthielt. Dann kleidete sie sich an zum letzten Gang. Um 11 Uhr wird sie hinaus geführt. Von diesem Augenblick an hatte sie nichts mehr von der Rohheit ihrer Richter und deren Schergen zu leiden. ES ist nicht wahr, daß man ihr ans Hohn einen zerfetzten Bettlermantel umgehängt habe. Sie trug ein weißes Unterkleid, ein schwarzes Oberkleid, darüber ein weißes Nachtcamisol mit schwarzen Schleifen und auf dem Haupte eine wetße Haube mit schwarzem Band. Bis zum letzten Augenblick bewahrte die unglückliche Fürstin ihre hoheitsvolle Haltung, „jeder Zoll eine Königin". Mit wildem Beifallsruf begleitete der Pöbel den Fall des königlichen Hauptes — Frankreich hatte eine Königin gemordet. Ein Jahrhundert ist seitdem mit Sturm und Wetter dahin gebraust. Auf die blutige Schreckensherrschaft der Danton, Marat, RobeSpierre folgte die Dictatur Napoleons L, dann in buntem Wechsel Königthurn, Republik, Kaiserthurn und schließlich wieder Republik. Aber die Republikaner von 1893, dieselben, deren Vorfahren vor genau hundert Jahren ihren König und ihre Königin zum Schaffst schleppten, sie liegen heute vor einem fremden gekrönten Herrscher — noch dazu dem unumschränktesten in ganz Europa — im Staube und lecken begeistert die Thranstiefel seiner Abgesandten. Ein bekannter geistreicher Historiker hat Recht, wenn er Frankreich „das große TollhauS" nennt. gegen, Frauen umarmten sie,- die Matrosen circultren die Stadt am Arm französischer Seeleute und Soldaten. Marseille, 14. October. DaS Ersuchen deS hiesigen Bürgermeisters an den Admiral Avelan, er möge die Stadt Marseille mit der Flotte ebenfalls besuchen, beantwortete der Admiral dahingehend, daß er sein Möglichstes thun werde, um dem Wunsche der schönen Stadt nachzukommen, definitiven Bescheid könne er jedoch noch nicht geben. Rom, 14. October. Die „Tribuna" hofft, daß durch Rufe, eS lebe daS Ausland, eS lebe Frankreich, beide Nationen der Friedenszuversicht Ausdruck geben. Die „Voce della Derita" hofft, daS Bündniß beider Nationen werde lange dauern, da dasselbe besonders in FriedenSzeiten allen vortheil- haft sei. Die anderen Blätter veröffentlichen nur Telegramme auS Toulon. London, 14. October. Hier verlautet, die französische Regierung habe den Bau von drei Kriegsschiffen mit Geschützen stärksten Kalibers anbefohlen. CocaUs ttttö provinzielle». Äiefcen, den 16. October 1893. * • Militärisches. Dr. Weber wurde zum Unterarzt bei dem Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm" ernannt. Znr Tabaksteuer. In einer auf gestern Nachmittag in daS Casv Leib einberufenen Versammlung von Tabak- arbeite™ Gießens und der Umgegend referirte Herr Dr. Quarck aus Frankfurt a. M. Derselbe legte zu Beginn seines Referates dar, daß man regierungSfeitS erst die berufenen Vertreter deS Volkes hätte hören müssen, ehe man mit einer in unser Erwerbs- und WlrthschaftSleben so tief einschneidenden Vorlage, wie sie die Tabakfabrikat- steuer ist, gekommen wäre. Unter den heutigen ungünstigen Erwerbsverhältnissen, der Hast, womit Jeder sein Durch- kommen ermöglichen müsse, fei der Tadakgenuß kein bloßer LuptS, sondern zum Bcdürfniß der großen Masse deS Volkes geworden- es sei deßhalb ungerecht, ein Verbrauchsmittel zu bestelle™, welches von den obersten bis in die untersten Schichten deS Volkes consumirt werde. Der Tabakconsum Vertheile sich so, daß von einer neuen Belastung nur der Wohlhabenden keine Rede sein könne, denn der Hauptconsum an Cigarren falle in die Preislage von 4 bis 6 Pfennig, er betrage 70—80 pCt. Wolle man nur die theueren Sorten belasten, so würde die geplante Steuer so gut wie nichts einbringen. Man suche nun in den Kreisen der Fabrikanten Stimmung für die Steuer dadurch zu machen, daß man ein kleineres Formal der Cigarren Vorschläge, dies geschehe aber wieder zum Nachtheil der Consumenten- Referent hofft, daß auch die Fabrikanten gegen diese Zumuthung Stellung nehmen. Die Tabakfabrikatsteuer hätte so vielerlei Schädigungen der Industrie zur Folge, daß mit allen Mitteln dagegen ange- kämpst werden rnüffe. Infolge der Zersplitterung der Tabakindustrie auf viele große und kleine Betriebe, sowie besonders auf die Hausindustrie würden bei Bertheilung Her Steuerlast Mißgriffe Vorkommen, durch welche wenig bemittelte Fabrikanten schwer geschädigt würden, deshalb sei diese Industrie die ungeeignetste für die geplante Steuerbelaftung. Die durch die Steuer herbeigesührte Dertheuerung eines Verbrauchsartikels würde einen Rückgang des ConsumS zur Folge haben, dieser wieder die Entlassung vieler Arbeiter- wir lebten aber ohnedies schon in einer winhichaftlichen Slrife, eS herrsche ohnehin Arbeitslosigkeit, so daß die Entlassung von nur 10,000 Arbeite™ aus der Tabakbranche schon allein zwinge, entschieden Stellung gegen bte Tabakfabrikatsteuer zu nehmen. Eine weitere Folge würde das Sinken der ohnehin nicht hohen Löhne fein. Referent kam hierbei auf die Löhne der Tabakarbeiter in Gießen und Umgegend zu sprechen, die er als sehr niedrige bezeichnete und die infolge der ausgedehnten Frauenarbeit auch niedrig gehalten würden. Die Tabak- fabrikatsteuer sei eine Fortsetzung deS Systems, nach dem die Bedarfsartikel des Arbeiters gerade gut genug seien, um durch deren Besteuerung die Mittel für militärische und an- dere Zwecke zu beschaffen. Die oft gehörte Berufung auf Frankreich mit seinen theueren Tabakfabrikaten sei unrecht, denn Frankreich besitze daS verfahrenste Steuersystem, welches man sich denken könne, dort werde alles auf dem Wege in- directer Besteuerung beschafft. Der Ursprung der Tabaksteuer- Vorlage, nämlich die vermehrten Anforderungen für militärische Zwecke, sei unsympathisch' und deshalb auch die Steuer verwerflich- man solle mehr sparen, aber nicht an den der Cultur dienenden Zwecken, sondern an dem diesen feindlichem Mili- tarismuS, an Prachtbauten und Prachtschiffen rc. Eine einzige Reichseinkommensteuer sei die richtige Art der Besteuerung - die ebenfalls ins Auge gefaßte Erhöhung der Matrikular- beiträge sei kein Unglück, denn dadurch würden die Einzelstaaten gezwungen werden, die Einkommensteuer zu erhöhen, bezw. daS System der directen Besteuerung mehr auszubauen, wie dies in Preußen bereits durch die Selbstemschätzung, in Hessen durch die Capitalrentensteuer geschehen sei. Auch die Fabrikanten müßten sich auf den vom Referenten sehr ausführlich bargelegten Stanbpunkt ber Arbeiter stellen - er hoffe, daß sich bie volksthümliche Bewegung gegen bie Tabaksteuer sowie gegen jebe Besteuerung überhaupt immer mehr befestige unb bazu beitrage, baß bie Arbeiter in Deutschlanb i schehen trotz ber traurigen Lage der Arbeiter, hier i Räsonniren über schlechte Löhne ufro. nicht», man müsse Tharry sehen. Der Vortrag beS Her™ Dr. Quarck habe ßlarbttr nach ber Richtung, bie bezüglich ber Tabaksteuer einzuschla^ sei, geschaffen, er hoffe nun, baß bie Arbeiter ihre Intern^ auch durch Organisatton wahren. Allzusehr solle man sh nicht auf die Mithilfe der Arbeitgeber verlassen, die Arbenn! schäft müsse sich selbst helfen. Man solle darauf bringen, bä alle Verbrauchssteuern fallen, daS zu erftrebenbe Ziel sei progressive Einkommensteuer. SS würben weitere versa»,, lungert stattfinben, an allen Orten, wo dies nur angäng» er hoffe, baß dieselben zahlreich besucht würden - daS Bestreik Aller solle auf einheitliches Wirken gegen alle Verbrauchs steuern gerichtet sein. — Die Versammlung, bie von Arbchrn, wie von Fabrikanten gut besucht war, nahm solgM, Resolution an: „Die heutige öffentliche Versammlung er Hart: Die I ber RetchSregierung geplante Tabakfabrikatsteuer ist ach bloS als solche, sonbern auch als neue VerbrauchSftvW wie alle (Sonfnmneuem auf6 Entschtebenste azurnena. ES muß baS Bestreben aller Volkskreise fein, auch d« । bereits bestehenden Verbrauchssteuern zu beseitigen uat eine progressive ReichSeinkommensteuer an deren Stellt zu setzen." J.B. Rene» Theater. „DaS Mädel ohne ®elb* von Jakobsen. „Nichts empfiehlt Aristoteles dem t ragische. Dichter mehr, als die gute Abfaffung der Fabel." Die mobe™en Poffensabrikanten scheinen daraus gefolgert zu haben. „Nichts empfiehlt Aristoteles dem Schwankdichter mehr als den gänzlichen Mangel an Handlung." Der gestrige Adeni gab dem blühenden Blödsinn Gelegenheit, wahre Orgien za feiern. Allerdings: eS war Sonntag Abend und die Gallerte- besuchet, für welche an Wochentagen ber Theaterbesuch zumetn illusorisch bleiben muß, konnten sich einmal auSschütten vor Lachen. Man lacht oft am herzlichsten, wenn man nicht roetj worum ober sich bazu zwingt. Die vierzig Pfennige find bezahlt- ergo amüfiren wir uns! Die Leute haben nicht Unrecht. Denn, welchen Wanblungen bie Bühnenliterat« auch im Strome der Zeiten unterworfen war — Stur» und Drang, Classicität, Romantik, Tendenz, Realismus, Naturalismus — die Posse ist geblieben. Ihr Publikum stirb: eben nie auS. — „DaS Mädel ohne Geld." Der Titel erzählt den ganzen Inhalt. Wir können schließlich in Direction die Heranziehung eine« derartigen Stückes nicht verübeln. Denn MontecuculiS AuSspruch „zum Äriryt braucht man Geld, Geld und zum brtttenmale Gels" ßtst auch für baS Theater. Man muß bem Geschmückt ttl Sonntagspublikums huldigen, wenn eS ein volles Hau» machen soll. — Die Darstellung bewegte sich durchwegs auf der lobenswerthen Höhe, welche wir an dem jetzigen Ensemble des Neuen Theaters gewöhnt sind. Herr 'Tiemeier gab seinen, in abgebrochenen Tönen knurrenden und brummenden Baron und Oberst a. D. mit viel Verve. Herrn Reiffs, dessen Sohn, Rolle war so undankbar, daß selbst die beste Darstellung au» diesem Jammerkerl nichts zuwege gebracht hätte. Die RegistratorSwittwe Stern (Frau Schumann) und ihre Enkelin (Frl. Geigler) erwirkten in der AbichiedSscene auS dem baronlichen (laufe einen erfolgreichen Appell an manche Thränendrüsen. Frao Wehn war, abgesehen von einigen Uebertreibungen, die Der liebte und geizige alte Schachtel commc il faut. Frau Anni ReinerS entfesselte in ihrer drolligen Hosenrolle Stürme von Heiterkeit. Herr Stückel spielte den Sänger mit dem wunderbaren Nomen, bei dessen Aussprache ran niesen muß, urkomischsten Erfolge-- nur sollte der Darsteller seine Gesten mehr auf bafl Stubium ber Chironomie beschriolei. Fräulein Mathilde Grohmann, dem man noch bie fangenheit der Anfängcrschaft anmerkt, stattete ihr Statz«, mädchcn Röschen mit einer entzückenden Fülle von Anmuch und Schelmerei auS. WaS dem jungen Mädchen an fekche» Soubrettenthum abgeht, ersetzt es durch Tiefe der Empfindung. Herr ReinerS fühlte sich als Bummler, Dienstmann unb Pantoffelheld so kannibalisch wohl, daß unbedingt daS nahezu ausverkaufte HauS an dieser fidelen Stimmung theilnehwen mußte. Herr Paul Ernst schuf auS dem flüchtig gezeichneten Stubenmaler einen wirklichen Character- daS will etwas heißen. Die Masken der VolkSzählungScommifsion trugen den Stempel einer köstlichen Originalität. — Die feinsinnige und diScrete Klavierbegleitung des Herrn Paul Polster fiel allgemein angenehm auf. ** Cchonschreib Unterricht für Erwachsene. Den Freunden unb Verehrern einer schönen Hanbschrift bürste die Nachricht angenehm sein, daß die im Bereiche der Kalligraphie bekannter Lehrer Gebrüder Gander auS Frankfurt a. M. demnächst auch hier ihre Schönschreib-Curse eröffnen werben. Die Herren Gebrüber Ganber machen eS sich zur Aufgabe,' jebc Hanbschrift, auch bie verborbenste, in ber überaus kurzen Zck von zwei bis brei Wochen zu einer schönen, babei schwu» vollen umzugestalten. Wie auS dem heutigen JnseratemhM ersichtlich, befindet sich daS UnternchtSlocal Marktplatz 2, tre* selbst auch Anmeldungen zu geschehen haben. • • Lrödcheudiebin. Seit längerer Zeit wurden in einigen Straßen die an den HauSthüren rc. hängenden Wecksäcke ihres Inhalts beraubt bezw. ganz entwendet, vorgestern wurde in der Person einer Frau, welche sich selbst mU BrödchenauStragen beschäftigt, die Diebin erwischt. * * Streit. In verflossener Nacht wurden in der Neustadt zwei Männer von drei Kutschern ohne Grund angefallen und mißhandelt. Einer ber Angefallenen trug mehrere Wunden davon- auch wurde ihm ein Zahn auSgeschlagen. zu einem menschenwürdigeren Dasein kommen. — Mit Bezugs auf die an die Fabrikanten gerichtete Aufforderung, sich auft renselben Standpunkt wie die Arbeiter zu stellen, erklärte.' hierauf Herr Fabrikant Georgi, daß die hessischen Fabrik anten mit aller Macht gegen das Steuerproject auftreten würden, man verwahre sich deshalb seitens derselben dagegen, daß ' ür diese ein bestimmter Fabrikantenstandpunkr vorhanden fei,.* Arbeiter und Fabrikanten hätten solidarisch Jntereffe daran.i daß die Tabakindustrie in Ruhe gelassen werde. — Herr Dr. Quarck: Die Fabrikanten sollten erklären, daß sie nidjt j nur gegen die Tabaksteuer seien, weil es an ihren Geld-sl beutel ginge, sondern weil es eine Verbrauchssteuer sei, nur^I durch die einmüthige Erklärung, daß auch sie gegen jede öer^J brauchSsteuer seien, könnten sie das Vertrauen der Arbeiter!' erwecken. — Herr Georgi erklärte hierauf, daß er üon- seinem Standpunkt aus gegen jede Erhöhung von Verbrauchs- steuern sei, er glaube sich darin auch mit den anderen Fabri- kanten Hessens einig, denn dieser Standpunkt habe Ausdruck gefunden in der Frankfurter Resolution. — Herr Dr. Quarck gibt eine Uebersicht über den jährlichen Verbrauch an Tabak in Arbeiterfamilien; der Höchstbetrag, den ein gut gestellter Arbeiter in Frankfurt dafür ausgebe, belaufe sich auf 20 bis 25 Mk., dies fei aber ein hoher Procentsatz im Verhältniß zum Einkommen gegenüber solchen Rauchern, deren Einkommen 8000 Mk. und mehr betrage, folglich fei eine Mehrbelastung unrecht, denn sie treffe die wenig Bemittelten, und stehe im Widerspruch mit bem Versprechen, bie Lasten ber Mehrbe- ftcuerung auf bie starken Schultern ber Wohlhabenheit zu legen. Er gebe ber Hoffnung AuSbruck, baß Herr Georgi auf bem bezeichneten Stanbpunkte stehen bleiben werde. — Herr Fabrikant Schmal! erklärt, baß bie Interessen dem Fabrikanten mit denen der Arbeiter solidarisch seien, auch ftelj die Fabrikanten, seien gegen alle Verbrauchssteuern, tS rnüffe entschieden dagegen aufgetreten werden, daß die TabakinbuftriM bie Lasten allein zu tragen habe, währenb andere Jnbustriecnl die ihr Schäfchen im Trocknen, frei gelassen würben. Gerabc ber Tadakinbustrie sei schon zu viel aufgebürbet worben, ohne daß ihr ein Aequivalent irgendwie geboten worden Man solle sich wehren, daß ihr daS aufgebürbet würbe, was ber Militarismus forbere. Er hoffe gegenüber allen Fürsprechern ber Steuervorlage, wie sie biefelbe besonberö in ber „Köln. Zeitung" burch Herrn v. Meyer, den früheren Leiter ber Straßburger Tabakmanufactur, gefunden, baß im Reichstage noch so viel gefunber Sinn vorhanben fei, baß es zur Annahme ber Fabrikatsteuer Vorlage nicht komme. Fabrikanten wie Arbeiter wollten zusammenstehen, dann werbe ber Sieg der gerechten Sache nicht fehlen. — Herr Orbig, welcher die Versammlung geleitet, bemerkt zum Schluß: Es sei noth- wendig, die berufsgenossenschaftliche Organisation ber Tabakarbeiter zu förbern, beim hier fei noch fo gut roie nicht» ge« -ZK rlamm(una v e - 5,iS«« IJÄ fin 815^;,** Esstellern w ^«Mensteuer an 1 utr Qn deren ä=S “**»<%* ä’ä: w k'°ml WWW,, $»!”' *“>«wnniijt- ‘«rft lifmigr Dl! Stutt (jtitn. ** «t Wwltar Eerworsen war - . ‘wtit, Tendenz, giwlk Elleben. Jhr Publ^ - ohne Geld." Wir können schließ lnes derartigen Siückc- 5 Ausspruch „zum - 1 Zum drittenmale Gel 1 Mß dem Geschme wenn es ein voller^ ; bewegte sich durchs, che wir an dem ' geüN M j)m h 'lohnen Zönen fnurittt: nb Oberft a. A mii esien Sohn, Rolle war so M W>wt- ;U. Dir KMawrswim ihre Enkelin (Fü. ©tigler,- t aus dem baroM- yniii mnche Thränendchv. Sfroc gen Uebertreibungen,in'.n tel comme il faul k- i ihrer drolligen Hose^ Stückel spielte den fc , bei dessen ABpraib: grö; nur sollte der D: um der Chironomie besch ann, dem man noch! mmerkt, stattete ihr £ tzückenden Fülle von«™® n jungen Mädchen on ^'. es durch Tiefe der ömMun § Summier, ® ^öoöuMngtdaS^ öden Stimmung tytaös schuf aus dem W *< Men Mnerers W£ der VolkszählungscoM!'^ s&ss ?«rfe »“ff"'" ' M i« «ck»b'- r ÄrfW"3 * jxff—»*' längt«' 3“ $I(f!i. 'OLA Gießen, 15. October 1893. [8683 50 Pfennig. Pnl» pn Bett: 7> 12* 5 n-. 7» 12*? 6» 82H- T c Re*ttr frN M» bmrch UxurtnUa Dir faire Zfffsre buntste bu 54er«lN' DU all • aiy ▲ k 9,.. m --k - -----kl« E»*.,---t _—U i 3’,-ti t. ä. Schevda. - Druck iui6 Bering ba Öl trjtfcrrt (Fr. Lhr. Bietsch) bi «atze». Auszeichnungen \on Sr. Königl. Hoheit dem Grossherzog von Hessen. JUrlich 24 Hefte Sr. Majestät dem König von Württemb. Sr. Königl. Hoheit d. Grossh. von Baden. 4 6 Bogen in Umschlag. sagen wir unseren tiefgefühltesten Dank. Die trauernden Familien Tietz und Kramer. für HandluugscommiS einzurichteo, an denen auch Nichtmitalie^ theilnehmen können. Gfi stnd folgende Fächer, je nach Beiheiligung, vorgesehen, in drei Wochentagen Abend» unterrichtet werden soll: 1) einfache und doppelte Buchsührung, 2) Wechsellehre; 3) deutsche Korrespondenz; 4) kaufmännische- Rechnen; 5) französisch; Stemler's Friedrichsdorfer Zwieback stets frisch, in Palleten L 20 Psg. zu haben bei 16352 A Sf <Ä. Wallenfels, Marktplatz 21. Fahrplan der auf Station Gießen vom 1. October 189 3 ab verkehrenden Eisenbahnzü-r .64 »«>•' 11.0 Wi vermischte Anzeigen. Gefunden eine goldene Lamenuhr. Abzuholen gegen die Inseratgebühren (6695 _______Wiesenstraße 1, 3. Steif. Land, philoi. erth. gründlichen Nachhülseunterricht in ollen Fächern. «est Off -ud U W, bei di- Sxp. d. Bl- SöVö, Don einer einz- Dame wird ein unmöbl. Zim. m- Lab t fr Lage fof. ges. Lff m. Vrei-ang. bet d Srv. u. H 30. 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Von einer solchen Concurrenz gelobt zu werden, wäre uns unangenehm, ihr wüstes Geschimpfe kann weder „Fachleuten“ noch „Laien“ imponiren. Wir halten es unserer unwürdig, im gleichen Tone zu antworten, denn nur dem unparteiischen Publikum steht die Entscheidung darüber zu, , welchem Vogeifuttcr der Vorrang gebührt, und nach den bisherigen Erfolgen ist die Entscheidung zu unseren Gunsten ausgefallen. „Wer nur einmal Schiffer s Vogelfntter probirt hat, kauft keine andere Worte mehr. Die* int eine Thatnache, an der auch das Gezanke einer gewissen Concurrenz Nichts ändern kann.“ Schiffer & Co., Vogel-Importbaus, Köln a. Rh. --------------- 8677 8673] Wir haben einen größeren Posten Rübenschnitzel zum Preise von 25 Pfg. per Gentner abzuqeben. Actieuzuckerfabrik Büdingen in Ttoctheim. 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