Nr. 296 Erstes Blatt. Samstag den 16. December 1893 Bar Wwt >«♦*•« N^nt täglich, «M BulnaNm« btt •b Meßmer gHelCieeirtttM —Hw bnn Bn|«ifR Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. 2 Mark 20 Pftz -~Ä Btmgtrloba. Durch dir Pest bczrHW 3 Mark u,schäft. Dazu kommt, baß bie Handelsverträge große Einnahme- aus fälle zur Folge haben, unb zwar zu einer Zeit, btt wir burtb die neue Militaroorlage ganz erhebliche Mehrausgaben haben. Eine Politik, die auf ber einen Sette bie Militärvorlage bringt und auf ber anberen leichthin auf nothwendtge Einnahmen verzichtet, zeigt eine Zufammenhanglofigkeit. Der Staatsfecretär v. Marschall sagt heule, baß bie Zustimmung zu biesen Verträgen nicht zur Zustimmung zu einem russischen Vertrag verpflichte. Wenn aber erst der russische Vertrag vorliegt, bann wirb er tagen: Die Annahme ist aus politischen Grünben nothwenbig; bedenken Sie, welche Gefahren es bringen muß, wenn wir uns bas mächtige Rußland zum Feinde machen, indem wir es allein differentiell machen. Wer will bann bie Verantwortung für bie Abehnung übernehmen? So wirb auch ber russische Vertrag burchgehen. (Heiterkeit.) Abg. Dr. Lieber (Etr.) befürwortet ben Vertrag. Der Vorredner könne es dem Centrum überlassen, wie es sich zu einem russischen Vertrage stellen wolle. Redner bittet ferner um Unterstützung der Wtnzervereine in ihrem Bestreben, sich von den Händlern selbständig zu machen.' Abg. Graf Limburg (cons.) bestreitet dem Reichskanzler gegenüber, daß er imperative Mandate gulgeh.ißen habe. Von imperativen Mandaten konnte auch gar keine Rede sein, da weine Freunde es von vornherein für selbstverständlich hielten, daß sie für die Verträge nicht stimmen könnten. Ich bedauere, baß ich die Autorität des Negierungstisches nicht allenthalben anerkennen kann. Früher war das der Fall, da konnte man in allen großen Fragen mit der Regierung gehen; da bestand eine Autorität, der man auch in kleinen Dingen tt otz entgegengesetzter Ansicht nachgab. Nach einer langen Reihe persönlicher Bemerkungen wird der Vertrag mit Spanien und hierauf nach Befürwortung durch ben Abg. Münch - Ferber (ntl.) ber Vertrag mit Serbien angenommen. Morgen 11 Uhr: brüte Lesung der Handelsverträge. Aus den Verhandlungen der hessischen Ttändekammern. Erste Stäudekammer. nn. Darmstadt, 14. December. Unter dem Vorsitz des Präsidenten, Fürst zu Asenburg und Büdingen, trat heute die erste Ständekammer um * .11 Uhr zu einer letzten Sitzung im ablausenden Iabre zusammen. Lor Eintritt in die Tagesordnung verkündigte der Präsident eine Reihe neuer Etn- läufe und erfolflten nunmehr die Wahlen der einzelnen Ausschüsse. Es wurden gewählt in den Finan, ausschuß: Graf zu Solms- Raubach, Prinz Hermann zu Solms-Braunt'elS, Freiherr v. Riedesel zu Eisenbach, v. Harnier, Commerzienrath Michel und Eommerzien- rath Buderus; in den GesehgebungsauSschuß: Fürst L'enburg-Birstein, Gras Görtz, QberlandesaerichtS-PrSsident Gor;, Staatsminister a. D. o. Starck, Präsident Goldmann, Oberlandesgerichts-Präsident Knorr und Geheimer Regierungsrath Küchler; in den Ausschuß fürKirche und Schule: Prinz Wilhelm von Hessen, Gras Erbach-Fürstenau, Prälat Habicht, Oberlandes. gerichls-Präsident Knorr und (Commerzienrath Lauteren' in den Petitionsausschuß: Fürst Solms zu Hohensolms-Lich, Gras SolmS-Rödelheim, Gras Schlitz gen. Görtz, Geheimer Hosrath Dr. Streng und Staatsminister a. D. Freiherr v. Starck. ^Ferner beschloß die Kammer einstimmig, als Erwiderung auf die aon Sr. Kgl. Hoheit gestern gehaltenen Thronrede eine Ergebenheits- »brtffe an den Landesherrn zu richten. Mit dec Ueberreitfcung wird das Büreau der Kammer beauftragt. Der Poranschlag für die Be- dürfnisie der ersten Kammer für die neue Budgetpertode 1894/97 wird mit 27,000 Mk., wie seither, festgesetzt. Damit ist die Tagesordnung erledigt und vertagt sich die Kammer bis nach Neujahr, wo alsdann die Berathung des FinanzbudgetS 1891/97 statt- sinden wird. Zweite Ständckammer. Die Sitzung wird um 9'/, Uhr eröffnet. Zunächst findet die Lereidtgunq der Abgg. Orbig und Kramer (®oc.) statt und fli&t der Präsident fodann eine Reihe von neuen Anträgen zur Kenntnis des HauieS, zunächst denjenigen der Eentrumsfcaction, dahin laut-nd: In Erwägung der dem Lande Hessen in Folge der geplanten Reichsweinsteuer und der Tabakfabrikatsteuer drohenden, in keinem i ^cm erreichten finanziellen Erträgniß siebenden oolks- wirthschaftlichen Schädigungen beantragen die Unterzeichneten: die Kammer wolle die Großheszogüche Regierung ersuchen, Alles in ihren Kräften stehende aufjubieten, um die genannten Steuern fernzuhalten, bezw. zu Fall zu bringen. Ebenso hat die genannte Fraction einen Antrag auf Einführung des directen Wahlrechts bet dm Landtagswahlen, sowie einen Antrag auf Wiederzulassung religiöser Orden eingebracht. Abg. Metz- Gießen beantragt die Wiederher- stellung eines ständigen Justizministeriums. Ferner wird eine Jnter- ^Ualion der nationalliberalen Fraction bezüglich der Stellung der Legierung zur Tabakfabrikatsteuer und Rerchsweinsteuer u. s. w. in i ßefte^t; ebenso eine solche des Abg. Lautz über den land- wirthschastltchen Nothstand. Abg. Weber interpellirt wegen der (.analisirung des Mains zwischen Frankfurt und Offenbach. Finanz- mtnister Weber legt nunmehr dem Hause den Hauptooranschlag und das Finanzgesetz für 1894/97 vor und bemerkt dazu, daß die Regierung infolge weiser Sparsamkeit vorerst von der Erhöhung ,recten Steuern im Lande absehen könne, obwohl sich das Ber- haltniß Hessens in finanzieller Hinsicht durch die Verschiebungen der Reichs-Einnahmen mehr und mehr geänbett habe. D»e Matricularbeiträge Hessens für das Reich berechneten sich für das Jahr 1892/93 auf 1,928,000 Mk. WünschenSwerth erscheine, wenn der jetzige Stand bestehen bleibe. Nach dem Relchsetat sei vorgesehen, daß Hessen nur noch 800,000 Mk. von dem Reich beziehe, was eine Verschlechterung gegen frühere Jahre um viele Millionen bedeute. Aus diesem Grunde habe die Regierung die Wein st euer mit 300,000 Mk. wieder in das Budget eingestellt. Der Voranschlag balancirt an ordentlichen Einnahmen mit 27,174,000, an ordentlichen Ausgaben mit 27,080,000 Mk. jährlich. Die Staatsschuld beträgt 7,800,000 und wird in der nächsten Ftnanzperiode auf 58,586,000 Mk. steigen. Sollten sich jedoch die finanziellen Verhältnisse im Reiche nicht besser gestalten, dann sei es der Regierung nicht mehr möglich, ohne eine Erhöhung der directen Steuern auszukommen. Die Regierung behalte sich deshalb vor, dem Hause eventuell ein RachtragSbubget voizulegen. Der Bericht des Ftiianzministers wirb im Hause nicht besonders sympathisch ausgenommen. Hieraus erfolgen die Wahlen zu den einzelnen Ausschüssen. Es werden gewählt in den Finanzausschuß die Adgg. Wolsskehl (Vorsitz), Bergsträßer, HaaS, Jöckel, Möllinger und Schröder; in den Gesetz gebungvausschuß: Metz-Darmstadt (Vorsitz), Haas, Hirsch, Metz- Gießen, Reinhard, Dr. Schmidt und Schönfeld. Abg. Dr. Schmidt und Metz-Gießen lehnen es ab, in diesem Ausschuß thätig zu sein, weil die nationaUiberale Partei sich geweigert habe, die von der MtnoritätSpartei gemachten Vorschläge bezüglich der im Hause vertretenen Fracttonen entsprechend zu berücksichtigen. Das Hans beschließt jedoch auf Grund des Artikels 25 der Geschäftsordnung mit aUen gegen 13 Stimmen, diese Ablehnung zurückzuwetfen. In den PetitionSauSschuß werden gewählt die Abgeordneten: Friedrich (Vorsitz), Heidenreich, Muth, Lichtenstein, Erk, Dael von Köth und Weith; in den BerichtSautzschuß die Abgg.: Hechler (Vorsitz), Lautz, Euttr, Westernacher, Wernher und Zinßer. Dael von Kolb lehnt aus gleichem Grund wie oben ab. Die Kammer beharrt jedoch auch hier auf ihrem vorigen Beschluß. Hiermit ist die Tagesordnung erschöpft und vertagt sich die Kammer auf etwa acht Tage, um dann über die Stellungnahme des Hauses und der Regierung zu den geplanten Retchssteuern zu berathen. Neueste Nachrichten. Wolfis telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 14. December. Der Bundesrath überwies den Reichstagsbeschluß, betr. die Eisenbahnfreikarten, an bte Ausschüsse. Der Vertrag, betreffend die Unterdrückung deö BranntwemhandelS in der Nordsee, wurde zur Ratification und Vollziehung überwiesen. DaS Abkommen mit der britischen Regierung über die Abgrenzung der beiderseitigen Interessensphären im Hinterland von Kamerun wurde zur Kenntniß genommen. Dem Antrag der Ausschüsse, betr. die Anwendung der Sätze deS allgemeinen Zolltarifs auf aus Rußland kommende Wvaren, wurde zugestimmt, desgleichen dem Entwürfe b.r Vereinbarungen über erleichternde Vorschriften zwischen den Eisenbabnen Deutschlands, der Niederlande, Oesterretch-UngarnS und der Schweiz. Berlin, 14. December. Der „Reichsanzeiger" meldet: Die ständige Commission für die Bearbeitung deS deutschen Arzneibuches legte dem Bundesrath den Entwurf eines Nachtrag- zum Arzneibuch vor, enthaltend Berichtigungen und Ergänzungen. Die Commission beantragt, daß der Bundesrath dem Etitwutf zusttmme, den Zeitpunki deS Inkrafttretens der neuen Vorschriften festsetze und den Reichskanzler zur Veranstaltung deS Neudruckes deS berichtigten Arzneibuches ermächtige. Hamburg, 14. December. Adolf Gobeffroy, Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender deS AufsichtSrathS der Hamburgs Amerikanischen Packetfahn Gesellschaft, ist heute nach kurzer Krankheit tm 80. Lebensjahre gestorben. Paris, 14. December. Der Papst gab der französischen Regierung durch Vermittelung des NunttuS wegen deS am Samstag stattgehabten Attentats feinem Abscheu über dasselbe und seinem tiefen Mitgefühl Ausdruck. Paris, 14. December. Die Polizeipräfectur demen- tirt durchaus die Nachricht von der Entdeckung eineß großen anarchistischen Complottes, ebenso wie diejenige von der Verhaftung eines gewiffen Carl Stubb und der Auffindung einer geladenen Bombe bei demselben. Rom, 14. December. Dem Vernehmen nach ist daß Ministerium folgendermaßen zusammengesetzt: Crißpi Vorsitz und Jnnereß, interimistisch Auswärtiges- Senator Calenda Justiz- Saracco Schatz - Sonnino Finanzen- General Mocenni Krieg - Admiral Morin Marine - Baccellt Unterricht- Boselli Ackerbau, Perazzi öffentliche Arbeiten- Ferraris Post und Telegraphie. Buenos Ayres, 14. December. Auß Brasilien wird gemeldet, daß das den Ausständischen gehörige Panzerschiff „Aquidaban" Rio de Janeiro blokirt. Der Seeverkehr ist gehemmt. Depeschen des Bureau „Herold-. Berli», 14. December. lieber daß vorgestrige Diner beim Reichskanzler wird noch berichtet: Reben den Handelsverträgen bildete die Steuerreform Gegenstand der Unterhaltung. Der Reichskanzler kennzeichnete seine Stellung zur conferoatioen Partei und betonte, daß gerade diese Partei verpflichtet sei, ihn zu unterstützen. Der Kanzler erklärte, er verfolge nicht seine, sondern die Politik seines kaiserlichen Herrn. Bezüglich der neuesten Anarchisten- Attentate wurde die Ansicht vertreten, daß die Lage jetzt außerordentliche Maßregeln nicht fordere. Der Reichskanzler meinte dagegen, daß die jetzige Gesetzgebung zur Bekämpfung des Anarchismus nicht ausreiche. Berlin, 14. December. Im Reichstage ist ein Gesetzentwurf, betreffend die Abzahlungsgeschäfte, ein-- gegangen. Berlin, 14. December. Das Begräbniß des früheren Bürgermeisters Dunker findet am Samstag, Vormittags 10 Uhr, statt. Berlin, 14. December. Gegenüber der Meldung des „Figaro" von der Anwesenheit des Criminalcommissars Teiß in Paris wird von hiesigen Blättern hervorgehoben, daß Herr Teiß, der angeblich wegen der bekannten Berliner Höllenmaschine in Paris vom Minister des Aeußeren empfangen sein soll, niemals in Paris gewesen ist. Hamburg, 14. December. Der Monftreprozeß gegen 28 Eisenbahnschaffnerder Köln Mindener Bahn, welche wegen Unterschlagung und Betrugs mit Fahrkarten angeklagt sind, begann heute vor der Strafkammer beß Landgerichts. Leipzig, 14. December. Bet dem heute vor dem Reichs- gericht zur Verhandlung gekommenen Spionageprozeß sagte der Angeklagte Degony aus, er sei Schiffslieutenant erster Klasse und der französischen Marineabtheilung beß Generalstabes ber Marine beigegeben, welche sich mit der fremben Marine unb ber Vcrtheidigung ber fremben Küsten beschäftigt. Der Angeklagte Delgnay ist Schiffslieutenant zweiter Klaffe und gleichfalls dem Marinegeneralstab zu- getheilt. Der erste Angeklagte sagte aus, infolge ber großen Entwicklung der deutschen Marine wurde er beauftragt, die hierüber an die französische Regierung gelangten Mittheilungen auf ihren Werth zu prüfen. Er sei mit dem anderen Angeklagten am 11. August von Paris abgereist, auf einer ge- mietheten Dacht den deutschen Küsten entlang gefahren unb habe babei die ihm zur Last gelegten Beobachtungen gemacht. Seine Anwesenheit 1890 in Deutschlanb bezweckte eine Vergnügungsreise. Seine Hoffnung, in Deutschlanb die See- manöver bei Düppel beobachten zu können, habe sich nicht erfüllt. Der zweite Angeklagte schloß sich ben Aussagen beS Mitangeklagten an. Die burch die Zeugenaussagen bestätigten Beschuldigungen ber Anklageschrift werden im Wesentlichen von den Angeklagten zugegeben. Während der Vernehmung der Sachverständigen war die Oeffentlichkeit ausgeschloffen. Nachmittags 4 Uhr wurde die Vernehmung der Sachverständigen beendet. Die Verhandlung wurde bis Morgen Vormittags 9 Uhr vertagt. Morgen Mittag werden die Plaidoyers öffentlich vorgenommen. Der Oberreichsanwalt erklärte auf eine Frage deS Vertheidigers, ob bte Verhandlung öffentlich geführt werbe, er habe keinen Einwanb gegen die Oeffentlichkeit, soweit nicht geheime Schriftstücke unb militärische Gutachten in Frage kämen. Stuttgart, 14. December. Der „Beobachter", das hiesige Organ der Cenlrumspartei, meldet: Es sei baß Abkommen getroffen worben, daß der König von Württemberg an Stelle v. Blumenthals General-Jnspector der 4. Armee-Jnspection werden soll- als Chef des Stabes soll ihm Generallieutenant v. Falk en stein beigegeben werden. Wien, 14. December. Wie die „Budapester Corresp." meldet, steht der Abschluß der Verhandlungen beß österreichisch-rumänischen MeistbegünsttgungSvertrages bevor; derselbe wirb in den nächsten Tagen unterfertigt werden. Rom, 14. December. Die Morgenblätter drücken ihre Befriedigung über die gestrige Conferenz CrißpiS mit den zukünftigen Ministern auß, da in dieser Unterredung der Beschluß gefaßt worden sein soll, künftig 20 Millionen am Militäretat zu ersparen. PariS, 14. December. Ein Außlief erungSbeschluß wurde heute gegen den österreichischen Arbeiter Leopold Kabk erlaffen, bei dem die Polizei umfangreiche anarchistische Broschüren unb ihn bloßstcllende Correspondenzen gefunden hatte. Brüstel, 14. December. Der Kriegßminister hat an alle Cotpkcommanbeure Instruction geschickt, worin dieselben aufgefordert werden, auf daß Strengste zu überwachen, daß keine reooluiwuären Schriften in die Kasernen Eingang finden und keine politische Propaganda in der Armee gemacht würde. — Der hiesige anarchistische Club theilte der Polizei mit, daß er binnen kurzem ein anarchistisches Wochen- blatt gründen werde. Brüssel, 14. December. Wie es heißt, soll ber französische Gesandte Bouree heute mit dem belgischen Minister des Aeußern bezüglich Ergreifung internationaler Maßregeln gegen die Anarchisten conferirt haben. London, 14. December. Unter den Anarchisten unb in deren Clubs ruft die Ankündigung internationaler Maß- uahmen gegen die Anarchisten größere Besorgniß hervor. Der bekannte Führer Samuels erklärte in einer Versammlung, man müsse sich nothwendig ber Gewalt fügen. Infolgedessen siud alle aufrührerischen Pläne, wie sie mehrere Anarchisten wegen beß Verbots ber Versammlung auf Trafalgar Square gefaßt hatten, fallen gelassen worden. Samuels verurtheilte auf s schärfste die Demonstrationen in anderen Staaten, nichtsdestoweniger verlangt die öffentliche Meinung ein strenges Vorgehen gegen die Anarchisten. Berlin, 15. December. Reichstag. Bei der dritten Lesung ber HanbelSverträge erklärte Graf BiSmarck, daß HauS stehe unter dem Eindruck, daß der Reichskanzler Frei- Händler geworben fei. Die Landwirthschaft sei von ber Industrie im Stich gelassen, beide müßten aber Hand in Hand geben. Gerade die kleineren Landwinhe leiden am meisten. Der Hauptschaben sei die Bodenentwerthung. Nur die Noth habe den Bund der Landwirthe geboren. Cocalcs nnö provinzielle-. Hießen, den 15. December 1898. ** Von ber Universität. Nach dem soeben erschienenen Personal-Berzeichniß der Großh. Ludewigs Universität beträgt die Zahl ber im Wintersemester 1893/94 immatnculirten Hörer 517, ber nicht immatriculirten 34, sodaß sich die Gesammtzahl ber Hörer auf 551 stellt gegen 603 im Sommer- . semester. Bon ben Studirenden widmen sich: der Theologie 71, der Rechtswissenschaft 105, der Medicin 96, der Thier Heilkunde 26, der Zahnheilkunde 4, der Kameralwiffenschaft 41, der Forstwissenschaft 6, der Mathematik 19, der Philologie: der klassischen 28, der neueren 36, dec Philosophie, ben Naturwissenschaften 17, der Geschichte 6, der Poarmacie 26, der. Chemie 36. Davon besitzen das Reifezeugniß eines Gymnasiums 368, das Reifezeugniß eineß Realgymnasiums 93, das Reifezeugniß für das betr. Fach 44, nach dem Ermessen des Rectors wurden immatriculirt 12. — Nach der Staatsangehörigkeit vertheilen sich die Studirenden auf folgende Länder: Hessen 386 (Gießen 80), Preußen 91, Bayern 14, Sachsen 5, Württemberg 2, Baden 2, Oldenburg 1, Sachsen-Weimar 3, Sachsen-Gotha 1, Sachsen-Meinlngen 1, Braunschweig 2, Schwarzburg-Sondershausen 1, Elsaß-Loth- ringen 1, Oesterreich 1, Rußland 1, England 2, Schweiz 1, Holland 1, Nord-Amerika 1. Han8 Gießen. Aus Wiesbaden wird den „N. H. V." geschrieben: Es wird vielen hiesigen unb auswärtigen Besuchern unseres Hoftheaters nicht unlieb fein zu erfahren, daß ber bereits in weitesten Kreisen bekannte und beliebt gewordene lyrische Tenor, ber Großh. Sächsische Kammersänger Hans Gießen (Karl Buff) für unsere Oper gewonnen worben ist. Nachbem Herr Gießen am letzten Samstag bei seinem erstmaligen Gastspiel die Parthie beß „George Brown" in ber „Weißen Dame" bei außoerfauftem Hauß mit so glänzendem Erfolg gelungen, bot die Direction dem jugendlichen Sänger ein überaus vortheilhafteß Engagement an, in welches letzterer einwilligte. Herr Gießen tritt mit dem 1. September 1894 in den Verband unserer Hofbühne. *♦ Zur glatten Abwickelung des PostschalterverkehrS während ber Weihnachtszeit kann baß Publikum selbst wesentlich beitragen. Die Einlieferung ber Weihnachtßpackereien sollte nicht lediglich ober vorwiegenb biß zu den Abendstunden verschoben, namentlich müßten Familiensenbungen thunlichst an ben Vormittagen aufgegeben werden. Selbstfrankirung ber einzuliefernden Weihnachtßpackete durch Postwerthzeichen sollte die Regel bilden. Mit seinem Bedarf an Postwerthzeichen sollte sich ein jeder schon vor dem 19. December versehen. Ebenso dürsten Zeitungßbestellungen nicht in den Tagen vorn 19. biß 24. December bei den Postanstalten angebracht werden. Für die am Postswalter zu leistenden Zahlungen sollle der Auflieferer daß Geld abgezählt bereithalten. Die Befolgung dieser Rathschläge würde der Post und dem Publikum gleichmäßig zum Nutzen gereichen. Zurücknahme unb Umtausch geloster Fahrkarten. Abgesehen von den Fällen, m welchen nach der Verkehrßordnung der Umtausch gelöster Fahrkarten und die Rückforderung des gezahlten Fahrgeldes gestattet ist, hat die Verkaufsstelle Fahrkarten, welche noch nicht durchlocht find und über deren Nicht- benutzung keine Zweifel bestehen, biß zum Abgang deß Zuges, zu welchem sie gütig sind, gegen Erstattung des Preises zurückzunehmen. In gleicher Weise können auch un- benutzte und noch nicht durchlochte Fahrkarten unmittelbar nach Abgang eineß Zuges, zu welchem sie Giltigkeit hatten, zurückgenommen werden. Ist bereits Gepäck auf die betr. Fahrkarten abgefertigt, fo muß vor Zurücknahme derselben die Regelung der Gepäckfracht ftattfiuden. »* Kirchliche TieustNachnchteu. Am 23. November wurde dem Caplan Wetzel zu St. Ignaz in Mainz bte kath. Pfarr- stelle zu Asthetm, Dec. Darmstadt, mit Wirkung vom 14. Dec. an, übertragen. * Cchulbieustuachrichteu. Am 23. November wurden den Schulamtßaspiranten Franz Joseph Bender auß Gernsheim, Gottfried Cloos auS Ober-Erlenbach, Philipp Dirigo aus Ober-FlörSheim, Andreas Jann auS Lörzweiler, Philipp ! Sans auS Nackenheim, Adam Schrod auS Alsheim und Franz Senz auS Weiher, Lehrerstellen an ber Volksschule zu Mainz übertragen; am 28. November wurde der provisorische tZiellez. ' December 1893. ** beträgt 'M iwmatricuürttn Mi 'M \\d) Vit jw 603 im ' stch: der Thro^ dicin 96, der Irr amralwissensäM, 19, der PHUch^'. )ei Philosophie, ha '/ der Pharoiacie 26, 1 Reifezeugnis eines ines Realgymnasiums h 44, nach dem Er- -°i -Bi«?" .tot« » fe a', ,tl von dn k * «®* in N tthen °Dt weiften. Iutl8- Ar die No,h ^fernen ». der k belgischen^ interne- ""'llri "-L? 77- *3* ®",ten Tt 12. - Nach der Twdirendev aus sol- Preutzen 91, Bayern len 2, Oldenburg 1, Sachfeo-Meimngen 1, tuten 1, K/ag-Loky' %ltoV 2, Tchrmv Dirigent und erste Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Gernsheim, Sebastian Jost zum Dirigenten und ersten Lehrer an dieser Schule, unter Verleihung der Rechte eines definitiv angestellten Volksschullehrers, ernannt; am 1. Dec. wurde dem Schullehrer Karl Friedrich Franz zu Hainhausen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bürgel, Kr. Offenbach, übertragen. ** Die Stärkeverhältoisie in der Zweiten Kammer haben sich gegen früher wesentlich verändert. Es stehen 31 National- li b ernten, darunter die sich formell noch keiner Partei angeschlossen, gegenüber: 7 Deutsch-Freisinnige, 5 Centrum und 5 Socialdemokraten, sowie 2 deutsche Reform- par teil er. ♦* Den Postagenten auf dem Laude wird es angenehm sein, zu hören, daß der Reichshaushalt den vorhandenen 7400 Postagenten eine durchschnittliche Erhöhung ihrer Vergütung um 75 M. zugedacht hat. *♦ Der Verkauf von Bier unter einer falschen Bezeichnung enthält nach einem reichpgerichtlichen Erkenntniß den Bestellern der echten Waare gegenüber die Vorspiegelung einer unwahren Thatsache über die Qualität der Waare. Belanglos bleibt dabei, ob der Preis der gelieferten unechten Waare entsprach, ober ob einzelne der getäuschten Abnehmer mit der Sendung zufrieden waren. Der Zusatz von Biereouleur zur Färbung des bayerischen Bieres ist als eine Verfälschung dieses Nahrungsmittels anzusehen. *• Ergebnisse der Bierbesteuerung im Großherzogthum Hessen im Rechnungsjahr 1892/93. Die Menge des im Rechnungsjahr 1892/93 int Großherzogthum Hessen hergestellten Biers betrug 1,055,851 Hectoliter, gegen 1 007,230 Hecto- liter im Vorjahre, oder 48,621 Hectoliter mehr. Dieser Mehrproduction entsprechend sind 847,389 Kilogramm Getreide und 38,237 Kilogramm Malzsurrogate, insbesondere Reis, mehr verwendet worden. Die Brutto-Einnahme an Brousteuer ist von 923,555 Mk. im Vorjahr auf 959,120 Mk. im Jahr 1892/93, ober um 35,565 Mk. gestiegen. Von ben verbrauchten Rohmaterialien hatte bayerischer unb böhmischer Hopfen einen Durchschnittspreis von 350—480 Mk., hessischer, babischer unb württembergischer von 180—350 Mk. für 100 Kilogramm, ber Preis ber Gerste war bemjenigen im Vorjahre gleich. Wie in ben vorhergehenden Jahren würbe auch im Jahre 1892/93 fast nur untergähriges Bier gebraut. Aus 100 Kilogramm Gerstenmalzschrot (event. auch Reis) würben 3,6 bis 5,4, burchschnittlich 4,2 Hektoliter Bier her- gestellt. Das erzielte Bier würbe größtcntheils unter ber Bezeichnung Jung-, Lager- unb Exportbier zum Verkauf gebracht; feinere Biersorteu kamen unter bem Namen Kaiserbräu, Bock-Ale 2C. in ben Verkehr. Die Durchschnittspreise waren für einzelne Biersorten im Berichtsjahr bei faßweiser Abgabe aus ben Brauereien zum Theil etwas niebriger als im Vorjahr. Sie betrugen für ein Hectoliter: Jung- und Lagerbier (gewöhnliches Schankbier) 15—18 Mk., Exportbier, Kaiserbräu, Bock-Ale rc. 17—24 Mk., obergähriges Bier 10 en wird den „N. H. igen und auswärtigen lieb sein zu erfahren, annte und beliebt ge- ichsische Kammersänger je« Oper gewonnen t letzten Samstag bei : deS „George Brown" austem mit so Direction dem jugend- stes Engagement an, Gießen tritt mit bem Meter Hosbühne. es Posischilltetterkeh Zublikum selbst * j >u ben SbenbfturM m'enbungtn thunliG ,n. SelbststansirM arih Pchwerthirichrn jttoi mM”1* ,m 19. December °n- Kg bläge «>» hlt W Nutzen ' 9lb hie gtüdforberung W ^5$ 5 m Sbaana s®*WL •ksrj, Mainz Wirkung bis 12 Mk. Mit bem Anspruch auf Steuerrückvergütung würben im abgelaufenen Jahr 15,000 Hectoliter Bier ausgeführt, zum größten Theil nach ber bayerischen Rheinpfalz, nach Elsaß-Lothringen unb Baben, etwa 1900 Hectoliter gingen nach Süd-Amerika. Nicht unbeträchtliche Mengen Bier wurden aus den benachbarten Städten Frankfurt a. M. und Hanau in das Großherzogthum eingeführt. Die Einfuhr von Bier aus nicht zur Brausteuergemeinschast gehörenden deutschen Staaten war um nahezu 8000 Hectoliter höher als im Vorjahr. *♦ Freiwillige Mitgliedschaft bei Krankeokaffen. Nach § 4 Abs. 2 deS K.V.G. in der neuen Fassung des Gesetzes vom 10. April 1892 ist Voraussetzung des freiwilligen Beitrittsrechts zu einer Krankenkasse ein jährliches Gesammt- einkommen von nicht über 2000 Mark. Personen jedoch, welche auf Grund des alten K.V.G. vom 15. Juni 1883 freiwillige Mitglieder einer Gemeinde-Krankenversicherung ober Krankenkasse geworben, sind als berechtigt zu betrachten, bie freiwillige Versicherung auch nach bem 1. Januar 1893 auch dann fortzusetzen, wenn ihr jährliches Gesammteinkommen die Summe von 2000 Mark übersteigt. (Bescheide des Reichskanzlers, der preußischen Ministerien des Innern, für Handel und Gewerbe und ber öffentlichen Arbeiten, bes sächsischen Ministeriums beS Innern unb bes hessischen Ministeriums bes Innern unb ber Justiz in „Arbeiter-Versorgung" 1893 S. 82, 191 unb 502.) *• G. O. C. Zur Geschichte des Weihuachtsbaumes. Die Zeit ist wieder erschienen, wo ber schönste Schmuck bes beutschen Christfestes, seit Monaten vorher bie Sehnsucht ber seligen Kinberschaar, ber grüne Tannenbaum, mit ben vergoldeten Aepfeln und Nüffen, Zuckerpuppen, bunten Papiernetzen unb ben vielen brennenben Lichtern prangen wirb. Dieser traute Brauch bünkt uns so eng mit bem beutschen Empfinden verbunden, daß wir geneigt sind, ihn als eine alte Überlieferung zu betrachten. Und doch ist dem nicht so. Der Tannenbaum als Weihnachtsschmuck ist vielmehr recht jungen Datums. Noch zu Anfang unseres Jahrhunderts war er erst wenigen Deutschen bekannt. Am längsten hegt ihn das nordwestliche Deutschland in seinen Städten, so soll er nach Oldenburg bereits am Ende des 18. Jahrhunderts gekommen sein. Dem niederdeutschen Bauer dagegen in Mecklenburg, in den Provinzen Preußen und Pommern war er noch in den ersten Jahrzehnten des laufenden Jahrhunderts fast unbekannt. Schleiermacher in seiner 1805 zuerst erschienenen „Weihnachtsfeier" unb Tiek in seiner Novelle „Weihnachtsabenbe" erwähnen ihn noch nicht als Beftanbtheil der Festfeier in Berlin. In Mittelbeutschlanb war er schon mehr verbreitet. Im Jahre 1807 wurde er bereits auf dem "Christmarkt zu Dresden mit dem glitzernden Rauschgold, bunten Papierschnitzeln unb golbenn Früchten verkauft. Nach Danzig brachten ben Weihnachtsbaum nach bem Jahre 1815 die preußischen Offiziere unb Beamten und gleichzeitig gewann tr im Münsterland durch den Zuzug, der mit ber preußischen «fier wurde« 'M W , «W ,ii 8ä‘!? rtt'® “nl Herrschaft ins Laub kam, an Ausbreitung. Heute begleitet er als ein Zeichen beutscher Abstammung und Gesinnung unsere Volksgenoffen über Gebirge und Meere und zeugt im Auslände von deutschem Gemüth. So brachte ihn der Prinz Albert, der verstorbene Gemahl der Königin Victoria, nach England und die Herzogin Helene von Orleans verschaffte ihm unter Louis Philipp in Frankreich Eingang. Immer mehr Anhänger findet er in Amerika und selbst in Australien beginnt sich unser sinniger Brauch einzubürgecn, wenn auch statt der Tanne meist ein einheimischer Baum gesetzt wird. ** Zur Ausdehnung der Sonntagsruhe auf das Gast- wirths-Gewerbe, welche einer späteren gesetzlichen Regelung Vorbehalten ist, will ein Berliner Blait erfahren haben, daß nach ber Absicht ber Regierung bie Schließung ber Geschäfte von Samstags Nachts 12 Uhr bis Sonntags Mittags 12 Uhr eintreten soll. Destillationen bleiben von Samstags Abenbs 8 Uhr bis Montags früh 8 Uhr gänzlich geschlossen. Hotels unb Logierhänser, soweit sie bem Fremdenverkehr bienen, bleiben von biefen Bestimmungen unberührt. St. (O.-C.) Ein Kohleuverbot. Wenn wir plötzlich ber Kohlen, deren Werth wir ja in den Wintertagen besonders zu schätzen wissen, beraubt würden, würde eine Umwälzung im modernen (Kulturleben vor sich gehen, deren Tragweite unabsehbar ist. Aber auch abgesehen von den schwerwiegenden Folgen für Industrie, Technik unb Verkehr würbe jeher Einzelne in bie ärgste Bebrängniß geraden, wenn ihm das Material fehlte, um den Ofen, diesen warmen Freund im wahrsten Sinne des Wortes, zu speisen. Und doch hat es eine Zeit gegeben, wo der Mensch sich gegen die Verwendung der Kohlen wehren zu müssen glaubte. England, das noch jetzt kohlenreichste Land der Erde, darf sich dieser Thatsache rühmen. Als nämlich zu Anfang des 14. Jahrhunderts bie Brauer unb Schmiede ber Lonboner City den Entschluß faßten, statt des theueren Holzes Kohlen in ihrem Gewerbe zu verwenden, erhob sich sofort ein Schrei der Entrüstung unter den Citybewohnern. Man petitionirte an den König und setzte ein Gesetz durch, durch das bie Verwenbung ber Kohlen verboten wurde. Allein bie Brauer unb Schmiede hatten das Vortheilhafre der Kohlenfeuerung erkannt und gebrauchten im Geheimen das neue Brennmaterial weiter. Das hatte bann zur Folge, baß bie Regierung gegen diesen unerträglichen Mißbrauch ein zweites Gesetz bekannt gab, in dem ein Jeder mit der Todesstrafe bedroht wurde, der innerhalb Londons Kohlen als Brennmaterial zu verwenden sich erkühnte. Wirklich wurde denn auch an mehreren Personen die Todesstrafe vollzogen. Erst nach einem harten Kampfe wurde das Gesetz später wieder aufgehoben. Aber damit waren die Widersacher der Kohlenfeuerung noch nicht aus der Welt geschaft. Namentlich waren es die lieben Hausfrauen, die noch lange gegen dieselbe eiferten. Sie glaubten nämlich, daß bie Kohlenfeuerung im Haushalte ihrer Gesundheit schade. Um sich dieses kostbare Gut zu enthalten, lehnte daher die große Mehrzahl derselben alle Einladungen in solchen Familien ab, die Kohlen brannten, und berührte auch keine Speisen, die auf Kohlenfeuer zubereitet worden waren. Wie anders heute! Heute ziehen die sorgenden Lebensgefährtinnen der Männer nicht sowohl gegen das unentbehrliche Brennmaterial zu Felde, als erheben vielmehr die lauteste Klage, wenn der Preis des Centners Kohle um wenige Pfennige steigt. 4- Bersrod, 14. December. In diesen Tagen schlachtete Herr Gastwirth Hofmann em Schwein, welches das respectable Schlachtgewicht von 488 Pfund hatte. Dieheubach, 13. December. Heute fuhr der Landwirth Georg Philipp Steinheimer mit einem Faß Pfuhl durch die hiesige Ortsstraße. Als er an bem Schulhause vorüberfuhr, sprangen zwei Kinber heraus gerade in bas Fuhrwerk hinein. Das eine, ein Kinb von 4 Jahren, würbe sofort gelobtet, bas anbere, 7 Jahre alte, würbe so schwer verletzt, baß an seinem Aufkommen gezweifelt wirb. Verbrachtes. * Hoheusolms, 14. December. Walbarbeiter, welche im Scheuernwalb schafften, fanden gestern Morgen daselbst die beiden Postpackete mit Kleidungsstücken, welche der ehemalige Revierförster R i e t s ch zu Verdeckung des Diebstahls eines Bücherpackets bei seinem Einbruch in das hiesige Postlocal mitgenommen hatte. Die Sachen waren noch gut erhalten. * Stockhausen, 15. December. Am verflossenen Sonntag Abend ist unser sonst so friedlicher Ort der Schauplatz einer schweren Ausschreitung gewesen. Eine Anzahl hiesiger Burschen erwartete mehrere mit ber Bahn anfommenbe Burschen aus dem benachbarten Bissenberg und fiel dieselben in ber Finsterniß unweit des Bahnhofs mit Messern usw. an. Es entspann sich in der Dunkelheit ein wüthender Kampf, bei welchem 5 Personen so erhebliche Verletzungen davon trugen, daß sie das Bett hüten müffen. Zwei, von denen einer einen Stich in die Lunge erhalten hat, während dem anderen der Hals fürchterlich zersäbelt ist, liegen auf Leben unb Tob in ber Gießener Klinik barnicber. Von ben Verwunbeten sind 3 Bissenberger unb 2 Stockhäuser. Bereits im Sommer haben Prügeleien zwischen hiesigen unb Bissenberger Burschen ftattgefunben, bie nun aus biete furchtbare Weise erneuert worben sind. Mehrere Verhaftungen haben bereits ftattgefunben. Hoffentlich wirb ben Messerhelden und namentlich den Anstisiern ber Metzelei eine strenge Strafe zu Theil. * Trier, 14. December. Ans ber (Station Karthaus wurde ber Stationsafsistent van einer Rangiermaschine ersaßt unb war sofort tobt. * Breslau, 14. December. Beim Einreißen eines alten Mauerwerks in Klein-Gandau wurde eine, Anzahl Arbeiter verschüttet. Zwei davon sind tobt, drei töbtlidj verletzt. * Aus Nizza wirb geschrieben: Die Saison ist bereits in vollem Zuge mit allen ihren Freuben und Leiden. Zu letzteren gehören die zahlreichen Selbstmorde in Folge von Spielverlusten,' welche hier, im Eldorado der Roulettespieler, auf ber Tagesordnung stehen. Besonders viel beiprochcn wurde der Selbstmord eines jungen Mädchens, welches sich in dem kleinen, alle zwanzig Minuten zwischen Cannes und Mentone verkehrenden Train, dem sogenannten „Spielzuge", erschoß und als Leiche bie Strecke zweimal hin- unb zurückfuhr, ohne von Jemanden bemerkt zu werben. Die Unglückliche muß lange gelitten haben, denn verschiedene Stellen bes Closets, in weichem sie saß, wiesen Blutspuren aus. Sie hinierließ einen Zettel mit ber Bitte, sie weder zu entkleiden, noch ihr die Schmucksachen, Ringe und Armbänder abzunehmen. Ein Fingerring trug die Gravirung Anna Fournier. Ein auf dreien Namen lautender Koffer wurde auch bereits auf bem hiesigen Bahnhofe mit Beschlag belegt, boch sanb man in bemfelben keinerlei Papiere ober Documente, blos eine Eintrittskarte in ben Spielsaal, für einen Tag giltig. Citeratar nnd ICunft. — Die „ThierbSrse- Berlin versteht es, ihren großen Leserkreis, ber sich jetzt über ganz Deutschland und bas Ausland ausdehnt, immer mehr an sich zu fesseln. Außer dem Hauptblatt er- balten die Abonnenten jede Woche noch 7 Blätter gratis: 1. die Kaninchenzeituna, 2. die internationale Pflanzen börse, 3. die Naturalien- und Lehrmittelbörse, 4. den lavdwirlhschafllichen und industriellen Centralanzeiger, 5. das illustrirte Unterhaltungsblatt, 6. alle 14 Tage die Allgemeine Mittheilungen für Haus- und Landwirthschaft und neuerdings jeden Monat noch einen Bogen (16 Setten) eines Werkes aus dem Gebiet des Thier- und Pflanzenreichs von fachkundiger Feder. So erscheint jetzt das Bienen buch, dem sich nach dessen Fertigstellung das Kaninchenbuch, das Buch der Hunde, Taubenbuch u. s. w. anschlietzen. Und das Alles für nur 90 Pfg. vierteljährlich frei In die Wohnung. Kein Wunder, daß sich die Thierbörfe in leb er deutschen Familie einbürgert. Man abonntrt auf die Thier-Börse nur bei ber nächsten Postanstalt, wo man wohnt. Bei der Redaction eingegangene Bücher rc.: — »Der Wuchtflab". Eine Anleitung, bei sitzender Lebensweise sich einen muskelstarkcn Körper zu erhalten bezw. heranzubilden. Von Dr. med. F. C. Müller, pract. Arzt. Mit 60 Handzeichnungen. Th. Griebens Verlag (L. Fernau) in Leipzig. Das jedem sitzend beschäftigten Menschen zu empfehlende Werk flieht Anleitung zu Arm- und Beinbewegungen, Rumpfbewegungen, zusammengefetzten Bewegungen und zu täglichen Hebungen, die durch klare Zeichnungen erläutert sind. kirchliche Anzeige« der Stabt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst Sonntag den 17. December, 3. Advent: In der Stadtkirche: Vormittags 9Va Uhr: Pfarrverwalter Dr. Grein. Vormittags 11 Uhr: KInderkirche. Pfarrer Schlosser. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser. Im Abendgottesdienst findet eine besondere Abendmahls- feiet für die Matthäusgemeinde statt, wozu unter anderen auch die in diesem Jahre Neuconfirmirten aus der Matthäusgemeinde eingeladen werden- Anmeldungen dazu werden Samstag den 16. December, Vormittags zwischen 11 und 1 Ubr im Pfarrhause (Kirchstr. 1), und vor ber Abendmahlsfeier selbst von 4Vr Uhr an in der Sacrlstel entgegengenommen Bibelstunde im Turnsaale der Stadtknabenschule (Kirchstr.): Donnerstag den 21. Decbr-, Abends 8 Ubr: Pfarrer Schlosser. (Bilder aus dem Leben Jesu. Jesu erstes Wirken). In der Johanneskirche: Vormittags 9'/r Uhr: Pfarrer Dingeldey. Nachmittags 5 Ubr: Pfarrer Dr. Naumann Beichte und heiliges Abendmahl im Abendgottesdienst für bie Johannesgemelnde. Bibelstunde am Montag den 18. December, Abends 8 Uhr, im Confirmandensaale der Johanneskirche: Markus Cap. 9, von Vers 30 an: Leidentzfinn und Kindessinn zur Weihnachtsfeier. Pfarrer Dr. Naumann- Am 4. Adventssonntag fällt der Nachmittagsgottesdienst aus. Am 1. Weihnachtsfeiertag wird nach den Gottesdiensten eine Collecte erhoben für die Kleinkinder-Bewahranstalt, am 2. Weihnachtsfeiertag desgleichen für die Armen der Gemeinde Katholische Gemeinde. Sonntag ben 17. December, 3. Aboents-Sonntag: Samstag: Nachmittags um 4>/, Uhr unb Abenbs um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Vormittags von 6«/, Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 6'/, Uhr erste hl. Messe; um 7‘/2 Uhr Austheilung ber hl. Communion; um 8 Uhr zweite hl. Messe; Militärgottesbienst mit Prebigt; um 9', Uhr Hochamt mit Predigt unb"Ts Deum. Abends um 5‘/g Uhr Christenlehre; daraus sacramentalische Bruderschaftsandacht Cheviot od. Burkin für einen ganzen Anzug zu Mk. 5.75 Velour od. Kammgarn für e. ganzen Anzug zu Mk. 7.75 je 3 Meter 30 'm berechnet für ben ganzen Anzug versenden btrect an Jebermann [6696 Erstes Deutsches Tuch Versandtgeschäft Oettinger & (Jo., Frankfurt a. ML, Fabrik-Depdt. Muster fronen Ins Haus. Nicht passendes wird zurückgenommen. Die armen Fallsüchtigen mit ihren vielen Leidens- unb Freudengefährten ber Zins- gemeinbe zu Bi elefelb, darunter viele Waisen aus allen Theilen Deutschlands unb ber ganzen Erbe, deren sonst Niemand gedenkt, blicken wieder hoffnungsvoll unb freudevoll auf das nahe Weihnachtsfest und bitten ihre alten und neuen Freunde: „Vergeßt uns auch diesmal mit Eurer treuen Liebe nicht \" Es bittet mit ihnen und bietet sich als Vermittler auch der kleinsten Gabe in Geld oder natura für die ca. 4000 Zugehörigen der Anstalten Bethel, Sarepta, Nazareth, Wilhelmsdorf, die zur Zinsgemeinde in Bielefeld gehören, unb benen unsererseits eine Weihnachtsfreude bereitet werden soll. Bielefeld, 6. December 1893. v. Bodelschwing, Pastor.. Bekanntmachung. Der Gemeindevoranschlag von Laasen für 1894/95 liegt Dom 20. l. Mls. an acht Tage lang auf hiesiger Bürgermeisterei zur Einficht offen. Saasen, 16. December 1893. Großherzogliche Bürgermeisterei Saasen. Schmidt.__10262 —Kleinkinder Bewahranftalt. In diesem Jahre kann unsere Chriftbescheerung am 4. Adventssonntag, wie sonst immer, nicht stattftnden, weil dieser auf den 24. December fällt. Sie kann aber auch nicht am 3. Adventssonntag gehalten werden wegen der in beiden Kirchen stattsindenden Gottesdienste nebst Abendmahlsfeier. Die Christbescheerung der Kleinkinder - Bewahranstalt soll darum am Mittwoch, den 20. December d. I , gehalten werden. Nachmittags 5 Uhr findet zunächst in der Stadtkirche bei brennendem Christbaum eine kirchliche Feier statt — zugleich Gemeindegottesdienst, — bei der die Kinder ihre Liturgie fingen und der Pfarrer eine Ansprache hält. Alsdann werden gleich nach Schluß dieser Feier in der Kleinkinderschule selbst, auch im Lichte des Christbaums, den Kindern ihre Gaben bescheert werden. Zu der kirchlichen Feier laden wir hierdurch allerseits freundlichst ein, ohne besondere Einladungen zu erlassen; zu der Feier in unserer Anstalt können wir wegen des sehr beschränkten Raumes leider nicht einladen. Alle, die uns für die Christbescheerung unserer Anstalt noch Gaben zugedacht haben, bitten wir, dieselben baldigst an eine der Vorstandsdamen gelangen zu lasten. Gießen, am 15. Dezember 1893. Der Vorstand der Kleinkmder-Bewahranstalt. Dr. Naumann. Bekanntmachung. Johannes Konrad Müller von Lang-Göns ist wegen Verschwendung entmündigt worden. Rechtsgeschäfte können nur mit feinem Curator Konrad Johannes Hartmann in Lang-Göns abgeschlossen werden, an den auch alle Zahlungen zu leisten find. Gießen, 13. December 1893. Großherzogliches Amtsgericht. Dornseiff. 10260 Aeilgeöotenes. Für Raucher empfehle als paffendes Weihnachtsgeschenk meine in reeller Maare gepackten und elegant auSgestatteten Weihnachtskistchen ä25,50n.l00cU»rren in der Preislage von Mk. 1.25 °n Mk. 25. -------— vis-------- Achtungsvoll [10148 Louis Lind Cigarren-Epecial-Geschäft 10 Kirchcnptatz 10. Selbstgerupste Gansfedern empfiehlt Heinrich Merz, Schotten. 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O Der Unterzeichnete erlaubt sich die □ Einführung von Gästen nur q neuhergerichteten Lokalitäten 10264] I. Mensch w. s i s. fr. Stund- Spanischen Weine Medic.-Leberthxan Spailisclieil empfiehlt Emil Fischbach. 1809 ist reich zu nennen. 3% Reichsanleihe do. 09.90 y>/o Itel. Rmte Wie 3°/e Preuß. ConsolS 85.7" 30/0 Portugiesen Wie do. 100.60 4°le Grtech. Monopol-Lnl. 107-04 Gelsen. Bcrgro.-Äd. ReichShemk'DiScost 6 p4L — Frankfurter Baak-Di bc«U 6 pAl. Kofenihal'sche Kerlagihaadlaag. 9.56 20.2t 16.68 Q a o 17143 128 80 13180 114 70 99 87 277.76 87.10 b9.6Z 367.CI 199.26 150.20 102.CO 106.60 69J0 mtd 16.17 16.16 4.19 81.48 18 81 29.70 TiSconto-Eommaad.-Avth Darmstädter Bank-Act. Dresdener Bank-Act. Nordd. Lloyd-Act. Wiener Bankver^Act Oeft. Eredtt-Act. 3tiL Miltelmeerdahs Act. BrtH 9.601 st. 20 32 16.66 Lomb. E^B-Act. Buschtherader E^B^Act. Elbthal-Bahn-Act. Gotthard-Bahv-Act. Schweizer 9lorbofL»e^8kt Mainzer E.-B.-Sct. Marienburger E.-B^Act. 14150| 8er KünigS-Laurah^Ack. Lenden,: still. e*Utceor 11 o{ h nra■ TI (Ober-Ingelheimer Roth wein» Xklieillweuie Hochheimer Weisswein) und Moselweine. •d> 16.131 Tucatm 16.12 Engl. SovereignS 4.161 Rufi- Imperiales Lenz’scher Felsenkeller. Heute Samstag, Abends S Uhr und Lonntag Nachmittag 4 Uhr und Abends 8 Uhr: CONCERTE ausgeführt von der berühmten Tyroler Nationalsänger, und Schuhplattl- tänzer-Gesellschaft Seppl Bretschneider (3 Damen und 3 Herren). glEntree 30 Pfg. 10278 liceschule. Der Beginn eines neuen Kochcursus ist auf 1. Januar festgesetzt. Derselbe kann täglich, oder auch nur dreimal wöchentlich besucht Retflcflsw? M, 6*,ns» — Druck md Berloo bt* Brllbl'sch« Dnrckerr, ftfr. Ehr. ®Wtl6) in Gies»a Die heutige Kummer »»saht 10 Cdtaa, Ät. S tc flcfltag fr- M k rillt gi schfieben: Seförti 1583 3 zogen ® Ts ist 6 w bu^unbtt tzefichltversah und ihren El! MMinheilun Hani unb $ schütz von gtfuQtt und werd» sollte. 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