1893 Samstag den 16. September Nr. 218 Siertdjäbnger ein r, Klkg 5 Zlmtr- und An;eis«blatt für den ICrcts Gietzen chratisbeitage: Hießener Aamikienklätter. Der Kaiser ist um Lauterburg, 14. September. 'fftraße 6. iaum tr. 1. s Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag erfcheinenden Nummer bi« Borm. 10 Uhr solche Abänderung von dem Reichsrath geprüft und vom Kaiser sanctionirt würde. Der Atetzener Anzeiger «rfcheint täglich, Bit Ausnahme deS Montag« Die Giehener 21/4 Uhr nach Stuttgart abgereist. Stuttgart, 14. September. Ihre Majestät dieOaiserin traf um 8 Uhr 12 Min., Se. Majestät der Kaiser mit dem Kronprinzen von Italien eine Viertelstunde später hier ein. Auf dem Bahnhofe wurden die Majestäten vom Könige und der Königin, sowie von den hier anwesenden Königlichen dem Abschreiten der Front und dem Vorbeimarsch der Ehrenwache, welche eine Compagnie des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm König von Preußen Nr. 120 gestellt hatte, erfolgte die Abfahrt der Allerhöchsten Herrschaften nach dem Königlichen Schlöffe. Vor dem ersten Wagen, in welchem Se. Majestät der Kaiser mit dem Könige Platz genommen hatte, ritt eine halbe Escadron des Dragoner-Regiments König Nr. 26, während die andere halbe Escadron dem zweiten Wagen, in welchem Ihre Majestät die Kaiserin und die Königin von Württemberg saßen, folgte. Unbeschreiblicher Jubel des Volkes begleitete die Majestäten auf dem ganzen Wege vom Bahnhofe bis zum Königlichen Schlosse, mit stürmischen Evviva-Rufen wurde der Kronprinz von Italien empfangen und ebenso der Reichskanzler Graf Caprivi mit begeistertem Hurrah begrüßt. Bei dem Verlassen des Bahnsteiges richtete der Stadtschultheiß Ruemelin eine Ansprache an Se. Majestät den Kaiser, in welcher er Allerhöchst- demselben, dem mächtigen Kriegsherrn und treuen Friedenshüter, im Namen der Stadt einen Willkommensgruß darbrachte. Der Kaiser dankte und äußerte, er sei gerne wieder nach Stuttgart gekommen- der Stadtvorstand habe sein Bestreben richtig bezeichnet. Das Wetter ist prächtig. Abends 7 Uhr stader im Königlichen Residenzschlosse Familien-- täfel und Marschalltafel statt. Um 8x/a Uhr wird im Schloß- Hofe von sämmtlichen württembergischen Militär Musikcorps ein großer Zapfenstreich ausgesührt. Prag, 14. September. Eine Bekanntmachung des Statthalters untersagt die Ansammlung auf Plätzen, Straßen, truppweises Herumziehen, demonstratives Tragen von Abzeichen, Führen und Aushängen von Fahnen. Ausgenommen von dem letzten Verbot sind die Fahnen in Reichs- und Landes- lager Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Korrespondenz-Bureau. Berlin, 14. September. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." hört, sind die beiden Kreuzercorvetten „Arcona" und „Alexandrine", die sich bisher vor Buenos-Ayres befanden, gestern Brmgerlohn. Durch dir Post bqogte 2 Mark 50 Pf«. Redaktion, Lxpedino» und Druckerei: Zch»lftr,tze Kr.r. Fernsprecher 51. & W Ate Ktz- nMlon) trlfrinc. J UN- JllMinn ito billig tfi; st!)': mlagender M M &- linsbng, D. fö Lanbwkthilhaj! jk aber auch bina ™ jen werben. Deutsches Reich. Berlin, 14. September. Der Colonialrath tritt, wie die vB. B.-Ztg." erfährt, am nächsten Dienstag Hierselbst Gießener Anzeiger Keneral-Wnzeiger. Werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal dnAelegt. Depeschen deS Bureau „fcetolb". Berlin, 14. September. Der Minister deS Innern v. Eulenburg hat eine Verfügung erlassen, worin die Regierungsstellen aufgefordert werden, innerhalb dreier Monate zu berichten, ob Veränderungen in den Verwaltungsbezirken eingetreten und ob eine Veränderung oder Abgrenzung der Reichstagswahlkreise erwünscht ist. ' Berlin, 14. September. Die gestrige Anarchistenversammlung war sehr zahlreich besucht. Nach einer Rede des Cigarrenmachers Witzke, welcher die heutige kapitalistische Gesellschaft sehr heftig angriff, wurde die Versammlung auf- gelöst. Die Versammlung ging unter Rusen: „Hoch oic Anarchie, nieder mit der Bourgeoisie!" auseinander. Leipzig, 14. September. Die Polizeibehörde verbot eine Versammlung, worin Ahlwardt über den Fall Paasch sprechen wollte, weil die Persönlichkeit Ahlwardts keine Gewähr leiste, daß die Versammlung ohne erhebliche Störung verlaufe. Das Comite legte Beschwerde ein. Altona, 14. September. Nachdem die Staatsregierung ihre Zustimmung zur Anlegung eines umfangreichen Fr et- hafenbezirkes in Altona ertheilre, soll mit den dazu nöthigen Arbeiten bald begonnen werden. Prag, 14. September. Infolge des Ausnahmezustandes wurde das Erscheinen mehrerer czechischer Zeitschriften verboten- eine Anzahl politischer Zeitschriften muß drei Stunden vor der Herausgabe Pflichtexemplare zur amtlichen Durchsicht vorlegen. Sämmtliche jungczechische Bürgerclubs in Prag und den Vororten wurden geschlossen. Rotterdam, 14. September. Gestern kamen hier vier Cholerafäll-e vor^ * Amsterdam, 14. September. Während der letzten Woche kamen hier 38 Fälle von Cholera vor, wovon 23 tödt- lich verliefen. Rom, 14. September. Die italienischen Blätter fahren fort, den Besuch der englischen Flotte in Tarent zu besprechen. In militärischen Kreisen spricht man offen die Befürchtung aus, diese Antwort auf den Besuch der russischen Flotte in Toulon ruse internationale Schwierigkeiten hervor. Neapel, 14. September. Gestern kamen hier drei Choleratodesfälle vor. Palermo, 14. September. In Piana bei Greci fanden gestern Zusammenstöße zwischen der Polizei und der Bevölkerung statt, da die Letztere die Maßregeln gegen die hier heftig auftretende Cholera verhindern wollte. Das Rathhaus wurde erstürmt und das Archiv zerstört. Truppen mußten zur Beendigung des Aufstandes herangezogen werden. Paris, 14. September. Der Kriegsminister tst diese Nacht nach Grenoble abgereist, um dem Begräbniß des Generals Miribel beizuwohnen. General Saussier und General Boisdeffre sind bereits in Grenoble eingetroffen. Paris, 14. September. Gestern Abend wurden auf ministeriellen Befehl die Siegel vom Schriftennachlaß des Generals Miribel in Gegenwart der Behörden gelöst. Paris, 14. September. Ein deutscher Offizrer des 48. Regiments in Küstrin, welcher sich gestern der Gendarmerie in Belfort gestellt hat, erklärte, er sei desertirt, weil er einen Hauptmann im Wortwechsel geohrfeigt habe, und er bitte um Einstellung in die Fremdenlegion. Paris, 14. September. Der Ausschuß der Grubenarbeiter fordert durch Briefe die Arbeiter auf, jeden partiellen Strike zu vermeiden, da solcher der Gesellschaft nur Vortheile bringe. Paris, 14. September. Benoit Malon, Philosoph und Verfaffer des französischen Staatssocialismus, ist in Asniöres gestorben. Marseille, 14. September. Der hiesige Bürgermetster reiste nach Paris ab, um beim russischen Botschafter die Bitte vorzutragen, das russische Geschwader zu veranlassen, hierher zu' kommen. Liffaboa, 14. September. Die Cholera tritt auch hier auf, neuerdings wurden dort zehn Fälle constatirt. Madrid, 15. September. Infolge heftiger Stürme in Neucastilien sind große Ueb er sch w entmutigen ein- getreten. Die Südeisenbahn ist unterbrochen. Zwischen Aranjuez und Cazar sind mehrere Eisenbahnzüge stehen geblieben. Viele Todte und Verletzte. Bereits 40 Leichen sind aufgefur.den. zusammen. Die Sitzungen werden im Gebäude des Auswärtigen Amts, Wilhelmstr. 76, stattfinden und beginnen um 10 Uhr Vormittags täglich. Berlin, 14. September. Hebet den ursprünglichen Miquel'schen Plan der T ab ak f abrik at st e u er will die „Volkszeitung" zuverlässig wissen, daß alle Cigarren bis zum Preise von 50 Mk. pro 1000 Stück mit einer Banderole zu 10 Mk., alle Cigarren im Werthe von 50 bis 80 Mk. mit einer Banderole zu 20 Mk. und alle Cigarren über 80 Mk. mit einer solchen von 30 Mk. versehen werden sollen. färben. London, 14. September. Die „Daily News" melden aus Rio de Janeiro: Sämmtliche ausländische Schisse wurden angewiesen, sich außerhalb der Schußlinie der aufständischen Schiffe zu halten. Der' Angriff auf die Forts in der Bucht hat um 9 Uhr begonnen. Das größte Fort im Hafen hat sich für die Insurgenten erklärt. Das Bombardement der Stadt wird um 11 Uhr beginnen. Sämmtliche Geschäfte stocken. Beunruhigende Gerüchte laufen um. Petersburg, 14. September. Der Verein zur Förderung der Industrie und des Handels Rußlands beschloß, die Regierung zu ersuchen, den Zolltarif von 189 1 als Grundlage für den Abschluß eines Handelsvertrages mit Deutschland zu nehmen und keine Abänderung dieses Tarifes zu gestatten, es sei denn, daß eine Alle Ännoncen-Bureau? de« In- und Auslande« nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen Theil. Bekanntmachung, bett, den Viehmarkt zu Hungen am 18. September b. I. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Hungen erloschen ist, haben mir unter Aufhebung unserer Bekanntmachung vom 5. l. M. die Abhaltung der auf den 18. September anberaumten Viehmarkts gestattet; mit demselben wird eine öffentliche Faselschau durch die Kör-Commission verbunden werden. Die Schau beginnt Vormittags S’/2 Uhr; zur Ankörung kommen nur #ajel der Vogelsberger und Berner, speciell Simmenthaler Rasst, auch müssen die Thiere bereits sprungfähig sein. Zugleich wird bekannt gemacht, daß kein Vieh aus der Gemarkung Langd aufgetrieben werden darf. Gießen, den 12. September 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. G a g e r n. It. tl Ulngch. tottfinbent ' dieser «berg" ir iern, Ad Men a; erstrebt, und um l..,_ v. „ _ vor Kurzem der preußische Finanzminister v. Berlepsch Bor- schlüge gemacht. Danach soll durch Handwerkerkammern, GesellenauSschüffe, Reform und Regelung deS Lehrlings- wesenS und Hebung deS Standesbewußtstins der Handwerker 0“™”' ' und Gewerbetreibenden die Reorganisation erstrebt werden. | Sicher kann man einigen dieser Vorschläge, zumal was die Reform deS LehrlingSwesens anbetrifft, bedingungsweise zustimmen, aber daß mit diesen Reorganisationsvorschlägen gerade das erreicht werden würde, was damit bezweckt werden soll, nämlich eine wirthschaftliche Stärkung und Neubelebung des Handwerks, das wird von allen Seiten stark bezweifelt. Den Anhängern des Jnnungswesens und den Soctalreformern > und Prinzessinnen, den Hofstaaten und vielen hohen «iTe »Urhebern empfangen. Nach den übUchen Bachellangen, wissen bureaukratischen Zwang in daS Gewerbe brächten, ohne die Innungen wirklich neu zu beleben und ohne die Hand- werter und einschlägigen Gewerbetteibenden in dem schweren Kampfe mit der Großindustrie und dem Großcapital zu schützen. Andere Stimmen aus gewerblichen Kreisen, zumal in denjenigen Württembergs, erblicken wieder in den Reor- | ganisationSvorschlägen aus entgegengesetzten Gründen ganz unpractische Maßregeln, weil durch die zwangsweise Organisation und besondere Handwerkerkammern daS Standesbewußt- sein schwerlich wesentlich gestärkt, wohl aber eine Schädigung der wirthschaftlichen Freiheit befürchtet werden müßte. Bedenkt man nun, daß eine Reorganisation des deutschen Handwerks, wenn sie durch die Gesetzgebung bewirkt werden soll, doch nur dann einen wirklichen Werth hat, wenn sie für das ganze Reich durchgesetzt wird, also wenn alle Bedenken und Wünsche der Bundesstaaten und Provinzialkreise berücksichtigt worden sind, so geht daraus hervor, daß die Frage, der Reorganisation des Handwerks noch lange nicht spruchreif ist. Nun ist aber die Thatsache, daß Handwerk und Gewerbe sich in einem entschiedenen Niedergange befinden, nicht zu bestreiten, also muß im Interesse des ganzen, für die gedeihliche staatliche Entwickelung so wichtigen Handwerkerstandes und des gesammten Mittelstandes doch eine wirksame Reform gesucht werden. Wenn wir nun bedenken, daß nicht nur die Gewerbefreiheit, die Freizügigkeit und das Hausirwesen daS Handwerk in die bedrängte Lage gebracht haben, sondern daß es vielmehr die Großbetriebe, das Großcapital, die Dampf- maschine, die Electrizität u. s. w. sind, welche das Handwerk wirthschaftlich lahm legten, so bleibt neben erstrebenswerthen gesetzlichen Reformen wohl nur die Bildung von Fach-, ProducnonS- und Consumtions-Genoffenschasten, welche auf dem Gebiete des Credits, des Bezuges von Rohstoffen, der Versorgung mit Dampf, Gas und Maschinen dem Handwerker wichtige Bortheile des Großbetriebes zuwenden können, als der wichtigste Punkt in dieser Reformfrage übrig. Hoffentlich betritt man in den Kreisen der Handwerker und Kleingewerbetreibenden recht bald diese erfolgverheißende Bahn und sicherlich darf man die Erwartung aussprechen, daß dem Handwerkerstande alsdann bei Betätigung derartiger Bestrebungen die wohlwollende und tharkräftige Unterstützung der Regierungen wie der Parlamente nicht fehlen wird. MM i MV. l-M / |W l ftfin 1 Bi»«*'" ■ 1 - KjJ* W'I , 66Wi-m Kl »üil* K 72Wi°m> h «w fees Eses E SS I f. nann, w* »w jteew I* sLJ nach Rio de Janeiro abgegangen. Karlsruhe, 14. September. Der Kaiser richtete an __________ den Großherzog ein Schreiben, in dem es heißt: Der Reorganisation des Handwerks. I Wunsch des Großherzogs, die Stellung als Chef des zweiten n • v «i r(nrtipntpn wird bekanntlich I badischen Grenadier-Regiments Kaiser Wilhelm I. (110) zu Von den Regierungen und Parlamenten wird bekanntlich ' Breite ihm große Freude- er nehme das Aner- schon seit längerer Zeit eine Reorganisation und Kräftigung n mi-r 9ba§ im Frieden und Kriege bewährte M SRegimentfnfc biefer erneuten Seroeife seiner Gnade stets würdig Lauterburg, 14. September. Der Kaiser ist um 5 Uhr 20 Min., die übrigen Fürstlichkeiten sind um 6 Uhr ein- Heute Vormittag war ein Gefecht westlich von totales unb provinzieller. Bießeu, 15. September 1893. * • Zu den TetachewentSirbungeu der 49. Infanteriebrigade in Oberhessen sind mehrere Eidgenössische Offiziere eingetroffen: Der Oberst C6rvsole, Chef des 1. ArmeeeorpS, Oberst-Lieutenant und Regimentskommandeur Burckhalter und der bereits seit längerer Zeit zum 116. Infanterie-Regiment ccmmandirte Hauptmann v. Ned in g. Der schwedische Major Materne wird noch erwartet. • • In den Veröffentlichungen der Großh. Centralstelle für Landesstatistik sind die Zusammenstellungen über die Einkommensteuerpflichtigen und die Eiukommeusteuercapitalieu im Grohherzogthum für daS laufende Verwaltungsjahr 1B93—94 enthalten, deren Betrachtung und Vergleichung mit dem vorjährigen Ergebnis manches Intereffante bietet. Die Zahl der Einkommensteuerpflichtigen beträgt für daS ganze Land 222101 (im Vorjahre 217206), ist also nahezu um 5000 gestiegen. Davon gehören der zweiten Ab« theilung (Einkommen unter 2600 Mark) 203494 (im Vor. jahre 199197), der ersten Abtheilung (Einkommen von 2600 Mk. an aufwärts) 18 607 (im Vorjahre 18 007) an. DaS procentuale Verhältniß ist 8,38 Procent der Pflichtigen für die erste und 91,62 Procent für die zweite Abtheilung. Einkommen von 46 000 Mk. an auswärts bis zu 3 274 000 Mk. werden im ganzen Lande 156 versteuert, davon gehören 66 der Provinz Starkenburg, 21 der Provinz Oberhessen und 69 der Provinz Rheinhessen an. Die drei höchsten Einkommen, 3 274 000 Mk., 878000 Mk. und 757000 Mk. werden von Actiengesellschasten versteuert- das erste ist in Mainz, die beiden letzten sind in Darmstadt. Unschwer lassen sich darunter die hessische Ludwigs. Eisenbahngesellschaft, sowie die beiden Darmstädter Banken erkennen. ' * * Bon den vielen Verbesserungen und Ergänzungen, welche die am 1. Januar d. I. in Kraft getretene Novelle zum Arbeiterkrankenversicherungsgesetz enthält, dürfte diejenige im § 3a 1 eine der wichtigsten sein. Dort heißt es nämlich, daß auf ihren Antrag von der Versicherungspflicht zu befreien sind „Personen, welche in Folge von Verletzungen, Gebrechen, chronischen Krankheiten oder Alter nur theilweise oder nur zeitweise erwerbsunfähig sind, wenn der unterstützungöpflichtige Armenverband der Befreiung zu« stimmt". Den Mangel einer derartigen Bestimmung haben vorher Arbeitskräfte der gedachten Art ost sehr schmerzlich empfunden. Denn während früher, als die Versicherungspflicht der Arbeiter gegen Krankheit überhaupt noch nicht be- fiand, ältere und gebrechliche Arbeitskräfte in vielen Betrieben, Werkstätten und Fabriken anstandslos zu Arbeiten, für die sie noch tauglich waren, Unterkommen fanden, änderte sich dies Verhältniß nach dem Inkrafttreten des Krankenversicherungsgesetzes vom 15. Juni 1883 sehr bald zu Ungunsten dieser Art von Arbeitskräften und mancher Invalide der Arbeit mußte erfahren, daß daS, was für die Mafien der Arbeiter eine Wohlthat war, das Krankenversicherungsgesetz, ihm den Erwerb eines kärglichen Brodes fast unmöglich machte. Die geschlossenen, größeren Betriebe und Fabriken, welche eigene Krankenkassen organisirt hatten, nahmen ein begreifliches Interesse daran, diese Kassen nicht zu belasten und da dieses Interesse bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern ganz gleichmäßig war, so sahen sich die Arbeitsinvaliden von dem Eintritt in viele, ihnen sonst offenen Arbeitsstellen geradezu ausgeschlossen, nur aus dem Grunde, weil sie durch den Eintritt in die Arbeit auch vollberechtigte Kassenmitglieder wurden und man befürchtete, daß sie der Kasse unverhältniß- mäßige Kosten verursachen würden. Diesem Verhältniß tritt nun die oben angeführte Ge,etzeSstelle in der Novelle erfolg« reich entgegen. * * Hilfeleistung der Eisenbahubeamteu bei Uuglücksfalleu. Von den Eisenbahn-Directionen ist jetzt Fürsorge getroffen, daß bei Unglückssällen sofort noch vor Ankunft des Arztes durch die Eisenbahnbeamten die erste Hilfe geleistet werden kann. Die Bahnärzte haben die Zug« und Stations- beamten mit Verhaltungsmaßregeln versehen, während alle zur ersten Hilfeleistung erforderlichen Gegenstände in besonderen RettungSkisten enthalten auf jedem Eisenbahnzuge vorhanden sein müssen. * * Fahrkarten-Conlrole. Mit dem 1. October wird nach einer Bekanntmachung der Eisenbahndirection die im Berliner Vorortverkehr seit zwei Jahren zum Zwecke der Billetcontrole bestehende Einrichtung, der Bahnsteig- sperrung versuchsweise auf weitere Strecken ausgedehnt. Sie umfaßt sämmtliche Stationen der von Berlin nach dem Westen, nach Köln, Frankfurt, Branschweig gehenden Linien. — Die Durchlochung der Fahrkarten nach Prüfung derselben, sowie die Abnahme der Karten auf diesen Stationen erfolgt durch die an den Ein« und Ausgängen aufgestellten Schaffner- bei den Zügen findet eine Durchsicht der Fahrkarten je nach Bedarf durch die ZugbegleitungS- oder Stationsbeamten statt. Der Zutritt zu den abgesperrlen Bahnsteigen ist deßhalb zunächst nur noch den mit einem gilrigen Fahrausweis versehenen, sowie den Personen gestattet, die hierzu nach den Bestimmungen der Betriebsordnung für die Haupteisenbahnen Deutschlands berechtigt sind. Um jedoch auch nichtreisenden Personen, die Reisende zu den Zügen begleiten oder von den Zügen abholen wollen, den Zutritt zu den Bahnsteigen zu ermöglichen, werden an den Fahrkarten-Verkaufsschaltern Bahn- steigkarten zum Preise von 10 Pfennig für das Stück abgegeben, die zum einmaligen Betreten des Bahnsteigs berechtigen. — Der Austritt aus dem Bahnhofe ist nur gegen Abgabe des durchlochten Fahrtausweises oder der durchlochten Bahnsteigkarte gestattet. ES ist deßhalb von besonderer Wichtigkeit, den Ausweis aufzubewahrcn, da beim Fehlen eines solchen gegen den Betreffenden gemäß den durch § 21 der DcrkehrSordnung für die Eifenbahnen Deutschlands gegebenen Bestimmungen verfahren werden muß. „Wir bemerken hierbei noch, daß mit der neuen Einrichtung hauptsächlich bezweckt wird, daS Begehen der Wagentrittbretter durch die Schaffner während der Fahrt behufs Vornahme der Conttole der Fahrt- auSweise entbehrlich zu machen und so den bedauerlichen Unfällen vorzubeugen, die dem Zugpersonal durch Abstürzen von den Trittbrettern zustoßen." • • @in Handgeld für Gotnhüllten von 100 Mk. gelangt jetzt im Anschluß an die neue HeereSorganisatton zur Einführung. Die Unteroffiziersprämien von 1000 Mart, welche nach zwölfjähriger Dienstzeit gezahlt werden, bleiben daneben bestehen. Das Kriegsministerium hat nunmehr verfügt, daß eine erste Capitulation, für welche ein Handgeld von 103 Mart gegeben wird, vorliegt, wenn der Betreffende sich ;u einer mindestens vierjährigen (oierj. Freiwillige der Cavallerie zu einer fünsjahr.) Gesammtdienstzeit verpflichtet. Der Anspruch auf Zahlung erwächst mit dem Zeitpunkt der Erfüllung der gesetzlichen acttven Dienstzeit (Tag der Entlassung der Reservisten). Der früheste Auszahlungstermin ist im laufenden Jahre der 1. Ociober. Die auS Unteroffizier« schulen und auS der Militärfchule deS großen Militär-Waisen« Hauses Heroorgegangenen, die Roßarzt Aspiranten, die Eleven der Militär-Roßarztschule, die Unrerroßärzre, die HilsSmusiker (einschließlich der eratSmäßigen Hilfshoboisten, Offizierburschen, Oekonorniehandwerker, Militär-Krankenwärter und Militärbäcker) erhalten kein Handgeld, ebensowenig Capitulanten, die, gegenwärtig dienend, einem früheren als dem Jahrgang 1890 angehören. Bei den Waffen mit zweijähriger Dienstzeit sind die am jetzigen Entlassungstermin zweijährig Gedienten in Ansehung der Zahlbarkeit des Handgeldes so zu behandeln, als ob sie bereits an diesem Termin ihre gesetzliche Dienstzeit erfüllt hätten. Friedberg, 14. September. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog, Ihre Großherzogliche Hoheit die Prinzessin Alix, Ihre Königliche Hoheit die Herzogin von Son- naught, Seine Durchlaucht der Prinz und Ihre Großherzogliche Hoheit die Prinzessin Ludwig von Battenberg, sowie I. H. Prinzessin Victoria zu Schleswig-Holstein sind heute Nachmittag 12 Uhr 48 Min. hier eingetroffen. Seine Königliche Hoheit der Herzog von Connaught, der von Frankfurt mit hierher kam, reist am Abend wieder nach Wien ab. Im Gefolge befinden sich die Schlüffeldame Fretin v. Grancy, die Hofdame Fräulein v. Fabrice, Obersthofmarschall General der Infanterie z. D. v. Westerweller, Generaladjutant Generalmajor Wernher, Oberftallmeister Frhr. Riedesel zu Eisenbach, die Flügeladjutanten Major Frhr. v. Grancy und Hauptmann Frhr. Räder v. Diersburg, Premierlieutenant v. Frankenberg und Mr. Wemys. W. Wohnbach i. d. W., 14. September. Bei uns sind Birnen, die sich zum Latwerge'(Honig-)Kochen eignen, zu 2 Mk. 50 Pfg. per Centner verkauft mordet., daS Malter stellt sich also aus 5 Mk., wofür das Obst sehr preiswürdig ist. In manchen Ortschaften gibt eS viel, in anderen wieder wenig Birnen, daher schwankt der Preis für diese Obstart im diesjährigen Herbste ganz ungemein, denn man hört vom Birnenpreis zwischen 5 bis 8 Mk. und mehr reden. Aepfel und Zwetschen sind allgemeiner gerathen. Die Erlöse auS Obst ergänzen die Lücken, welche durch die schlechte Futter« und Getreideernte gerissen wurden. Wer kein Obst zu verkaufen hat, ist freilich übel dran. B. Berstadt i. d. W., 14. September. Seit einiger Zeit werden in unserer Gegend Vermessungen auf der Secun« därbahnlinie Hungen-Berstadt-Friedberg vorgenommen, welche schon früher abgesteckt worden ist. ES handelt sich darum, die'zukünftigen Bahnhöfe zweckmäßiger für die anliegenden Ortschaften zu placiren. Man hat uns als ganz sicher in Aussicht gestellt, daß sowohl die Linie Hungen-Berstadt-Fried« berg, wie auch diejenige von Nidda-Echzell-Friedberg nächstes Frühjahr 1894 in Angriff genommen werden soll. Da beide Linien durch wellenförmiges Hügelland führen, daS nur geringe Terrainfchwierigkeiten bietet, hoffen die Bewohner der Wetterau,, daß sie nun auch bald mit der Außenwelt in öw« binbung kommen werden. Darmstadt, 14. September. Der mit der Verwaltung des Offiziercasinos des 2. Großh. Hess. Drag.-RegtS. Nr. 24 (der fogn. Bulgarenhalle) beauftragte Sergeant Grün von gen. Regiment trat Ende August einen ihm bewilligten zehn« tagen Urlaub an, von dem er bis jetzt, nachdem die Urlaubs« frist längst abgelaufen, nicht zurückgekehrt ist. Derselbe ist jedenfalls flüchtig geworden, denn in der von ihm geführten Casinokasse soll ein sehr beträchtliches Defizit conftotirt sein. Der Mann hat jedenfalls das in ihn gefetzte Vertrauen schmählich mißbraucht und sich schon längere Zeit Unterschlagungen zu Schulden kommen lassen. Die Summe, um welche daS Offiziercorps geschädigt worden ist, soll ca. 10,000 Mk. betragen. Bei dem großen Vorsprung von mehreren Wochen, den der Flüchtling hat, dürste nur geringe Aussicht auf Ergreifung desselben vorhanden sein. nn. Darmstadt, 14. September. Unsere Stadtverwaltung beschäftigt sich augenblicklich mit Erhebungen wagen Schaffung eines öffentlichen Verkehrsmittels für Darmstadt insbesondere mit der Ausarbeitung eines ProjecteS für Herstellung einer elektrischen Straßenbahn innerhalb des Stadtgebietes. Dabei sind zunächst zwei Linien ins Auge gefaßt und zwar eine Linie von Westen nach Osten, umfassend die Straßen: Bahnhöfe, Eiisabethenftraße, Ludwigs« platz, Schulstraße :c. bis zum Herdweg, sowie eine Linie von Süden nach Norden vom Orangeriegarten, Earlstraße, Marktplatz dis zur Dieburgerstraße, eventuell später mit einer Fortsetzung bis zu den Hirschköpsen. Um nun eine genügende Unterlage für diese Vorarbeiten zu gewinnen, werden seitens unserer Stadtverwaltung augenblicklich Erhebungen in den hiesigen Handels- und Gewerbekreisen gepflogen, um etwa noch weitergehende Wünsche in Betracht ziehen zu können. Wir unsererseits wünschen dem Projecte eine recht baldige Verwirklichung , wenn ei auch nicht ausgeschlossen ist, daß eine Reihe einheimischer Gewerbetreibender dadurch Schaden erleiden. Permifcbtcs. • tt. Frankfurt a. M , 13. September. Gustav. Adolf-Festspiel. Die Aufführungen des Festspies „Gustav Adolf" von Otto Devrient haben am 7. di. Mu. begonnen und sofort einen vollen Erfolg errungen. Stück ist in allen feinen Auszügen von packender Wirkung, ganz besonders tm ersten, welcher daS Erscheinen Gust« Adolfs vor Stettin, und im dritten, welcher seinen Einzig in Frankfurt schildert. Die Ausstattung darf als muftet» gütig bezeichnet werden, die Trachten sind mit geschichtlicher Treue angefertigt und den Mitwirkenden merkt man eö not dem übereinstimmenden Unheile der Presse nicht an, daß sie keine berufsmäßigen Darsteller sind. Devrient selbst $ der Titelrolle und Frau Dr. Hauser (Berlin) als Königin bieten prächtige Leistungen. Um nun auch den Bewohnen der Nachbarstädte einen bequemen Besuch deS Festspieles a ermöglichen, ist auf vielfaches Verlangen für nächsten Sonntag eine besondere Fremdenvorftellung angesetzt. Dieselbe beginnt Nachmittag- um 5 Uhr und ist somit schon gegen 9 Uhr beendet, so daß die Rückfahn noch nach allen Richtungen möglich ist. BorauSbestellungen auf Karten nehmen tu meisten hiesigen Buch- und Kunsthandlungen, sowie der Vorsitzende deS Gustav-Adols-VereinS, Rechtsanwalt Dr. Vnt- Heimer, entgegen. Die Kasse im Saal bau ist am Sonntag Bormittag von 11—1 Uhr und Nachmittags von 4 Uhr an geöffnet. * Frankfurt, 14. Sept. Das Panorama „Der Kampi um Weißenburg", das nur noch bis zum 1. October hier bleibt, war am letzten Sonntag und auch im Laufe dieser Woche sehr zahlreich besucht. Die hiesigen und auSwärtigea Schulen und Vereine, denen an Wochentagen eine Preisermäßigung zu Th eil wurde, machten hiervon so auSgiebigea Gebrauch, daß für diese Fälle eine Vorher-Anmeldung noch- wendig geworden ist. * Kassel, 14. September. Zum gestrigen Geburtstag der kaiserlichen Prinzessin waren die SonntagSschulkinder nach WilhelmShöhe geladen, woselbst sie festlich bewirthet wurden. AuS Anlaß deS Geburtstages waren die Wasserkünste im Betriebe. * Metz, 13. September. Der Kaiser wird der Gemeinde Kürzel, zu der Schloß Urville gebürt, eine pro- testantische Hjrche bauen lassen und hat die erforderlichen Weisungen bereits ertheilt. Zum Kirchenbau in Saarburg i. L. — der dortige Pfarrer ©erben hatte am Sonntag in Kürzel gepredigt — spendete der Kaiser die Summe von 15000 Mk. * Berlin, 14. September. Wie der „D. medicinischea Wochenschrift" offenbar von zuständiger Seite berichtet wird, mehren sich im Krankenhaus Friedrichshain feit ca. einer Woche die Typhus fälle ganz auffallend. Seit dem ersten dieses Monats find nicht weniger als 32 (20 Männer, zwölf Frauen) zur Aufnahme gelangt. Der Wohnbezirk der Ein- gelieferten beschränkt sich saft ausschließlich auf den Nord- Osten und Osten Berlin-, speziell aus einen Bereich, der von der Warschauerftraße, Spree, Stadtbahn, Prenzlauer- und Frieden-straße begrenzt wird. Hoffentlich steht un- nicht eine der Epidemie vom Winter 1888/89 entsprechende Ausdehnung dieser Erkrankungen bevor. Jedenfalls gehört ein Präsenz, bestand von ca. einem halben Hundert Typhöser aus der inneren Abtheilung deS genannten Krankenhauses nicht zu den gewöhnlichen Ereignissen. In dem städtischen Krankenhaust am Urban sollen auch mehr Typhuskranke als sonst, allein viel weniger als im Krankenhaufe Friedrich-Hain liegen. • Berlin, 14. September. Der „Vorwärts" bringt folgenden Aufruf: „An die Arbeiter Berlin-! Wie Ihr wißt, beabsichtigt die Verwaltung der Stadt- und Ringbahn, Euch die Dienstverrichtungen, welche den bisherigen Angestellten oblagen, aufzuhalfen. Man muthet Euch zu, die Coupöthürekt beim Ein- und Aussteigen aus den Bahnzügen zu schließen. Niemand hat ein Recht, von Euch derartige Dienste zu verlangen. Ihr macht Euch zu Mttschuldigen einer arbeiterfeindlichen Knauserei zu Gunsten deS heutigen KlassenstaateS, wenn Ihr Eure Hand dazu bietet, den Proletariern bi# Bahndienstes die Arbeit zu nehmen. Laßt Euch aber nicht durch ein provocatorisches Benehmen höherer Vahnbeamter zu Ausschreitungen verleiten. Weigert Euch einfach, da- ze thun, wozu Ihr nicht verpflichtet seid - namentlich ist äa§erft< Vorsicht geboten, wenn eS zu Feststellungen von Persönlichkeiten kommt.. Eure Losung im Freundeskreise, in Beniner und Versammlungen fei jetzt; Niemand schließe auf der Stadt- und Ringbahn die Wagenthür!" • Reisse (Oberschlesien), 7. September. Die Katastrophe im Neissefluß vorn 10. August v. I., wo bei den Militär- Schwimmübungen zwölf Soldaten um» Leben kamen, ha: nachträglich noch ein Opfer gefordert. Am Sonntag verschied im hiesigen Garnisonlazareth der MuSketter Stie-ler von der 10. Compagnie de- Infanterie-Regiments Nr. 23. StieSler war bei der verhängnißvollen Schwimmübung ebenfalls untergesunken, aber gerettet worden. Durch einen Stich mit einem Bootshaken beim Auffischen erhielt er eine so schwere Wunde, daß er 13 Monate lang im Garnisonlazareth lag bi- ihn jetzt der Tod von seinem Leiden erlöst hat. • Sorlitz, 14. September. Die wegen Ermordung der Kinderwärterin Hartmann jirtn Tode verurtheilte Näherin Selma Schubert ist heute früh 6 Uhr durch den Scharfrichter Reindel hingerichtet worden. Der Mord wurde am 11. September 1892 begangen. • Esse», 13. September. Gestern wurde auf der Köln« Mindener Eisenbahnftrecke in der Nähe der Zeche „Helene* die Leiche eines Reservisten aufgefunden. Der junge Mann war erst einige Tage vom Militär zurück und hatte sich auf dem hiesigen BezirkScommando gemeldet- aus dem Nachhausewege scheint er dem Bahndamm entlang gegangen und überfahren worden zu fein. • Straßburg, 6. September. Unlängst wurde der Eigen« thümer Paulu- in Redingen (Lothringen) wegen TodtschlagS seine- Knechte- Schockmebl verhaftet. Anlaß zu dieser That gab der Umstand, daß Schockmehl die Frau seine- Brotherr« "der. k, r ft A . '• VS, fft, A "^nbet zvj t **Ä 5 «18 NdA -VZ *> «6: yär, Ä"?a !* '»««ei ““'«Ufa« * v wt der ä-’ Malt Dr. q" 1? Qm 98 6o" 4 UhrA lD!a i V Dctobn hi» $ ’® Lause Ntfn : unb auMct^tn "gen ei« fyt ‘Wgltbifr «Meldung noii): 1 Geburtstag MaMM^n" KM tit M er wird bei- gehört, (ine-,., die erforderen i in Saarburg i. (J Sonntag in-urzel ne von 16000 SK. ,/D. mdicitiischn eite berichtet wird >in seit ca. einer . Seit dem ersten 20 Manner, zvils ohnbczirk der Sir ch aus den Nord 'n 58erei4, bti;; Prrnzlauo W. Md niäjWii ichende Ausdehiaz ehörl ein Präiici Phaser auf der in« auftS nicht zu den chen Krankenhauir als sonst, allein Shai'a liegen. Zorwärts" bringt nlinö'. M Ar dv and Mtzdch, herisenÄntzrM-7 u, die Goup^tt# izügen zu schl»i° ;gt Dienste zu er. jen einer arbeite igen ftlaffenftaate! n Proletariern d>. •3t Such aber ni- -rer Vahnbeamt- tW^i das i- MÜich Ifi öN= en von W1'* kreise, inW ittze auf bttM1 ^^echeIle^ bC hen Der nt'b£n‘„, „nd ha'" irr-.Ve- K »»“'bpÄ‘ , DieKatastrosil bei den Leben kauten, «- rt. Am Sonnlc! Mkiti-rSM«'! .[t er et «(»*''' ltni|o*"‘e *' Ä«* S*“* L Mt* W *5, SB»«»** (eine Französin, die sich stark dem Alkoholgenuß ergehn haben soll) verführt hatte. Wie nun bekannt wird, hat Schockmehl selbst (ine schlimmere That begangen als die, deren Opfer er jetzt geworden ist. Schockmehl war im deutsch französischen Kriege zur Mobilgarde herangezogen worden und lag in Longwy. Bei einem Au-fall, den er mit mehreren anderen Soldaten nach einem benachbarten Dörfchen machte, stießen die Plänkler bei ihrer Rückkehr auf einen schwerverwundeten deutschen Soldaten. Schockmchl trat barsch auf den hülflos daliegenden verhaßten „Prüssien" hinzu und forderte, da er allein von der Truppe der deutschen Sprache mächtig war, denselben auf, ihm als Gefangener nach Longwy zu folgen. Der Schwerverwundete konnte seiner Schwäche und der Wunden wegen der Aufforderung nicht nachkommen und bat um Erbarmen Doch Schockmehl blieb ungerührt und schlug mit dem Gewehrkolben den „Prüssien" tobt. . . . Der Mosel- unb Nied-Bote fügt dem hinzu: Seine feige, fluchwürdige That ist jetzt furchtbar gerächt. Der betrogene Ehegatte schlug den hülf« und wehrlosen Schockmehl mit einem kolben- ariigen Feuerbläser den Schädel ein, gerade wie Schockmehl dem armen hülflosen „Prüssien" mit dem Gewehrkolben den Schädel zertümmert hatte. ♦ In eine peinliche Situation kamen kürzlich zwei Besucher der Berliner Messe, die Herren W. und L. aus Posen. Dieselben hatten gemeinschaftlich in einem Hause der Dresdener Straße für die Zeit ihres Aufenthaltes ein möblirtes Zimmer gcmiethet und hatten wirklich alle Ursache, mit ihrer „Schlafstelle" zufrieden zu sein. So fein, elegant und bequem hatten sie es auch daheim nicht in ihrem kleinstädtischen Neste. Hier waren die Möbel funkelnagelneu, die Betten weich und mollig, unb wenn sie sich des Morgens erhoben, trat ihr Fuß den weichen, schwellenden Teppich. Dabei war die Sache ver- hältnißmäßig sehr billig. So ließen sichs die Beiden in dem behaglichen Raume äußerst wohl sein und schliefen auch gestern Nacht den süßen unb festen Schlaf ber Müben unb Gerechten, als sie in Folge eineß durchbringenben Schreckensschreies aus ihren Träumen geweckt wurden und ber Eine von ihnen sich von einer kräftigen Mannesfaust angepackt fühlte. „Diebe!" „Räuber" schallte es durch ben Raum, gerufen von zwei Menschenpaaren, die sich beim Scheine einer Kerze mißtrauisch anblickten. Da aber weder die Eindringlinge — ein Herr unb eine junge Dame —, bie außer sich waren, noch bie fremben Kaufleute, wie Diebe unb Räuber aussahen, so begann man zu parlamentiren, unb eß stellte sich heraus, baß — bas Dienstmädchen in ber Abwesenheit ber Herrschaft, bie sich aus der Hochzeitsreise befand, das Schlafzimmer auf eigene Faust an bie Fremben vermiethet hatte, bie jetzt wohl ober übel in aller Hast sich ankleiden und bie Stätte ihrer Träume verlassen mußten. . . . Nicht einmal bie Genugthuung hatten sie, baß bie schuldige „Anna" ihre Angaben bestätigen konnte, denn „Anna" war ausgeflogen und kehrte erst am nächsten Morgen vorn Balle heim, wo sie sich für das „Miethgeld" flott amüsirt hatte. ♦ Folgende Mauö'veranecdote von den Manövern bei Metz erzählt ein französisches Blatt: „Am letzten Donnerstag hatte Kaiser Wilhelm, welcher bei ben Manövern bekanntlich häufig selbst baß Commanbo über bie Cavallerie« bivisionen zü übernehmen pflegte, bem Grasen Haeseler, dem commandirenden General des 16. Armeeeorps, eine Wette vorgeschlagen, daß er, ber Kaiser, ihn, ben Grafen Haeseler, am nächsten Tage bei Colligny mit bem ganzen linken Flügel seines Corps gefangen nehmen würbe. Gras Haeseler verbeugte sich und erwiderte ruhig, als guter Hofmann, daß sei nicht unmöglich, da Seine Majestät als ein gefährlicher Gegner bekannt sei. In ber Nacht zum Freitag änderte aber Graf Haeseler plötzlich die Ausstellung seines linken Flügels. Als nun am nächsten Tage daß Manöver begann, und der Kaiser seinen Angriff unternahm, umfaßte Graf Haeseler unvermuthet die Division des Kaisers von allen Seiten mit solcher Wucht, daß im Ernstfälle nicht Graf Haeseler, sondern die Abtheilung Sr. Majestät gefangen genommen wäre. Der alte Graf Haeseler, der ein ächter Schalk ist, hatte also bie Wette gewonnen. Selbstverstänblich ließ er sich eine Freude darüber in Gegenwart seines Souveräns nicht merken, machte vielmehr ein ganz betrübtes Gesicht. Aber als er nach beendigter Kritik mit seinem Generalstabschef nach Hause ritt, rieb er sich vergnügt die Hände..... Se non d vero, ö ben trovato." * Radfahrersport. Ein Deutscher, Emil Kerbs in Mailand, hat einen Apparat conftruirt, welcher auf den Rennbahnen für Radfahrer selbsttätig die Ankunft eines jeden Concurrenten am Ziel genau verzeichnet. Es werden durch denselben für bie Folge die Streitigkeiten vermieden, welche häufig dadurch entstehen, daß es den Preisrichtern absolut nicht möglich ist, bie zuweilen sehr geringen Differenzen in ber Distanz ber einzelnen Rabsahrer, welche manchmal in großen unb dicht- gebrängten Gruppen am Ziele anlangten, genau zu bestimmen. Der selbstthätige electrische Registrirapparat KerbS gibt auf einem längs und quer tiniirten Papierstreifen ein vollständiges und genaues Bild ber Gruppen ber Rabsahrer, wie sie im kritischen Moment am Ziele vorbeifahren. Der Platz eineß jeben nach ber Richtung hin ist genau ersichtlich, sowie bie einzelnen Distanzen bis auf ein hunbertstel einer Secunbe. Italienische Blätter berichten sehr günftig über bie Thätigkeit dieses neuen Apparates. ♦ Daß Extrablatt und der Champagner. Einen kreuz« fidelen Schelmenstreich haben dieser Tage die Stammgäste eines wegen seiner Knickerigkeit bekannten Wirthes im württem- bergischen Unterland auSgeführt. Die Gattin des Wirthes war nach Kissingen in die Kur abgereift und diese Gelegenheit glaubte man benützen zu müssen. Nun traf es sich, dckß die betreffenden Stammgäste meist Angestellte einer Druckerei waren. Was konnte es also Einfacheres geben, als ein Extrablatt herzustellen des Inhalts: „Extrablatt. Frau Restaurateur L, die heute in Kissingen ankam, hatte wenige Stunden nach ihrer Ankunft eine längere Audienz beim Fürsten Bißmarck. Die Audienz soll sich namentlich um die neue Weinsteuer gedreht haben. Der Fürst äußerte sich Höch befriedigt über e bie gefunben Ansichten ber Frau X. Man erwartet große Wirkung von ber Aubienz." Dieses Telegramm, baß man selbstverstänblich am Bahnhof gekauft, präfentirte man dem Wirth. Der Alte schmunzelte Ansangß verständnißinnig, aber nach und nach schwanden seine Zweifel und zuletzt meinte er sogar, er habe nie geglaubt, daß er noch einmal „eine berühmte Frau kriegen" werde. Selbstverständlich floß nun der Champagner in Strömen und die schelmischen Stammgäste waren unbändig luftig, ben alten Knauser so hübsch „bran- gekriegt" zu haben. Der Schwindel stellte sich natürlicher Weise durch einen Privatbrief der „berühmten Frau" anläßlich eines Glückwunsches des Gemahls bald heraus. Doch machte der biedere Gastwirth schließlich gute Miene zum bösen Spiel und meinte: „Es sind halt scho' Malefizkaiba, die Stammtischler." • Ci» Kenner. Aus Bentheim wird ber „Berliner Volkszeitung" berichtet: Der Finanzminister Miquel passirte vor einigen Tagen auf feiner Reife von Scheveningen nach Osnabrück ben Babnhof Bentheim unb war ber Zollrevision wegen genötigt, feinen Wagen zu verlassen. Unter ben Neugierigen, bie ben großen Steuerkünstler zu sehen wünschten, befanb sich auch ein dortiger Kaufmann, der nach längerer, scharfer Beobachtung der Excellenz zu den Umstehenden gewendet in die denkwürdigen Worte ausbrach: „Trägt einen Shlips für vierzig Pfennig!" Die „Volkszeitung" bemerkt dazu: Wenn der feine Kenner der Cravatten- branche mit feiner Schätzung Recht hat, so beweist der preußische Finanzminister, daß er mit der von ihm seinen Collegen im Ministerium empfohlenen Sparsamkeit wenigstens bei sich selbst in vorbildlicher Weise ansäpgt. * Von einem seltsamen HeirathSausgebot wird in ber „K. Volksztg." vom Nieberrhein berichtet, mit dem Bemerken, baß es eine wahre Geschichte sei. Vor Jahren begegnet ein alter Pfarrer, eines jener Originale, bie selten werben, einem Burschen aus seiner Gemeinbe unb fragt ihn, ob er benn immer noch nicht heirathe, auf fein Anwesen gehöre boch eine Frau. Der Bursche meinte, mit bem Heirathen habe es seine Schwierigkeit, bazu gehörten Zwei. Der Pfarrer fragt, ob er benn keine Paffenbe gefunben habe. „O," meint ber Bursche, „bas wohl, aber ich kann so recht nicht vorwärts kommen bamit, bie Tochter bcs unb des Bauern hätte ich gern." — „Die wäre auch ganz gut für Dich," entgegnete ber Pfarrer, „laß mich nur sorgen." Am nächsten Sonntag verkünbigt ber Pfarrer bie beiden jungen Leute als Braut unb Bräutigam. Nach bem Hochamt kommt ber Vater ber Braut zum Pfarrer unb sagt: „Aber Herr Pastor, was sangen Sie an?" — „Was benn?" fragt ber Pastor. „Ja, meine Tochter mit bem unb bem aufzubieten!" — „Ist bas benn nicht gut?" entgegnet ber Pastor. Unb als ber Bauer sagt: „Ja, ba wissen wir ja Alle nichts von, auch meine Tochter nicht," ba sagt ber alte Herr ganz ruhig: „Ja, wenn Ihr nicht wollt, bann hören wir auf." Das schien bem Bauer auch toieber bedenklich, unb er meinte, ber Herr Pastor solle Enbe ber Woche Bescheid haben, und der Bescheid lautete: „Fortfahren, die Sache sei in Ordnung." Die Beiden wurden ein glückliches Paar. Das würde jetzt wohl so glatt nicht ablaufen. * Der Zudrang von jungen Aerzten, welche auf überseeischen Dampfern angestellt zu werden wünschen, ist, wie dem „Hann. Cour." aus Hamburg berichtet wird, gegenwärtig so stark, daß verschiedene Rhedereien in der Lage sind, solche ohne jegliche Vergütung bekommen zu können. Eine überseeische Linie, die unter solchen Bedingungen, lediglich gegen Verpflegung, eine Stellung ausschrieb, erhielt einundfünfzig Meldungen. * 3m Zeitalter der Automaten. Die kleine Frieda ist mit ihrer Mama zum ersten Mal in der Kirche. Als sie nach Beendigung des Gottesdienstes hinausgehen, gibt ihr die Mutter ein Zehnpfennigstück mit der Weisung, dieses in die Sammelbüchse zu stecken. Die Kleine thut es, dabei sieht sie die Mutter wißbegierig an und fragt dann: „M ama, was kommt denn da raus?" * Berlin, 13. September. Nach einem dieser Tage veröffentlichten Telegramm aus Chicago sollte bei der Pr eis - vertheilung für landwirthscha stliche Gegenstände auf der Welt-Ausstellung Deutschland nur 21 Preise erhalten haben. Diese Nachricht bedarf der Richtigstellung insofern, als sie sich lediglich auf die Liqueur-Aus- stellung bezieht und als auf die 38 ausstellenden deutschen Firmen im Ganzen 27 und nicht 21 Preise entfallen sind. Auch hier ist das Ergebmß ber Preisvertheilung für bie deutsche Industrie ein außerordentlich günstiges. ♦ Aus Paris wird geschrieben: Noch bevor die Mode ihren Anfang nimmt, erlauben wir uns, den Damen einen wohlgemeinten Rath zu geben, den — möglichst rasch zu wachsen, so dies noch die Mutter Natur gestattet. Die neuert Stoffe, bie für bie Herbsttoiletten vorbereitet werben, haben nämlich bie Eigenschaft, bie Personen, welche sie erwählen, beträchtlich kleiner erscheinen zu lassen. Sie sind ber Breite^nach gestreift, werben auch so verarbeitet, so baß bie neueste Toilette bie Besitzerin in eine Anzahl kleiner, nach unten zu sich vergrö- fjernber Ringe tbeilt, was sie natürlich nicht so schlank er« scheinen läßt. Diese runb um Rock unb Taille laufenden Streifen sollen die bis zum Ueberdruffe gesehenen Biais, Volants unb Entrebeux im neuen Modejahr ersetzen. Als weitere Nouveaut« nennt man schwarzseidene, im Genre Directoire arrangirte Roben, mit mächtigen weißen, hellrosa, hellgrünen unb hellblauen Fracklappen. Grellroth unb grün in allen Schattierungen werben, wie eS scheint, Heuer dem Herzen der Göttin der Mode am nächsten stehen, und unter den Stoffen sind schwere Seidengewebe, in erster Linie Damaste, als Fa- vorits genannt. Natürlich pflegen auch im Modewettrennen häufig „Outsiders“ zu siegen, vor der Hand beschäftigt man sich aber nur mit ben vorerwähnten, offiziell proklamierten Mobeneuheiten. * Ei« liebenswürdiger Hauswirth ist der Eigenthümer G. in Berlin. In seinem Hause wohnen 63 Familien mit mehr als 100 Kindern. Für die Kleinen veranstaltete Herr G. unlängst ein Fest in dem hinter dem Grundstück belegen en Garten, wobei eß Kaffee unb Kuchen unb Abends auch Feuerwerk gab. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemeßen em lö.Septbr, Mittags zwischen 11 und 12Uhr; Wasser 11, Luft 15 Grad. Rübsamen'sche Badeanstalt. Schiffsnachrichten. (Mitaetheilt durch den Agenten deß Norddeutschen Lloyd, Herrn Carl Loos in Gießen). Bremen, 14.September. sPertransallantischenTelegraph.j Der Schnelldampfer Lahn, Cavitän H. Hellmers vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 5. September von Bremen unb am 6. Septbr. von Southampton abgegangen war, ist gestern 9 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen. 9 Niederländisch - Amerikanische Dampfschiff fahrtS - Gesellschaft. Der Dampfer „Obbatn" von Rotterbam ist am 12. September in Newyork angekommen. ________' Der Postbampfer „Rhynland" ber „Red Star Line" in Ant- werpm ist laut Telegramm am 13 September wohlbehalten in Newyork angenommen. Literatur und Aunst. — Daß Lesepublikum machen wir auf das soeben erschienene reizende 1. Heft des neuen (10.) Jahrganges der bekannten illustrirten Famtllenzeftschrift Uni»etfnm ganz besonders auimeilmm. diir können, mit Hinblick auf daß vorliegende reichhaltige Programm, ein Abonnement auf das vortreffliche Blatt nur aufß Wärmste empfehlen. Nur erste, beliebteste Erzähler sind vertreten. Auch der Bilderschmuck des Universum ist ganz hervorragend. Die farbigen Bilder, Lichtdrucke und Holzschnitte sind daß Ergcdniß sorgfältigster Wahl unb mustergültig in der technischen Ausführung. Die Hefte zum Preise von nur 50 Pf. erscheinen alle 14 Tage und sind zu be- ziehen durch alle Buchhandlungen unb Postanstalten. — „Der Stein der Weisen." Don dieser weitverbreiteten populär-wissenschaftlichen Halbmonatsschrift (A. Hartlebens Verlag, Wien), kommt uns das 18. Heft zu, dessen JndaltSoerzelchniß nicht weniger als 15 Abhandlungen naturwissenschaftlicher, technischer, erdkundlicher, geschichtswissenschasllicher unb prähistorischer Richtung ausweist. Wir finben die Anatomie, Medicin, die Eisenbahntechnik, die Amateur-Photographie, Naturgeschichte, Qceanographie, Land- wirthschaft, Urgeschichte unb noch mehrere andere Fächer durch ebenso geistvoll geschriebene, als wirkungsvoll illustrirte Aufsätze vertreten. Die Zahl der Abbildungen beträgt weit über 40. Verkehr, Canö- und VoLkswirthschaft. — Zur Verbesserung deß Brodeß. In den letzten Jahren wurde oiel über die Beschaffenheit deS Roggenmehls Klage geführt, indem es fein wohlgegohrenes und gebackenes Brod gab. In den meisten Fällen wurde das Brod teigig oder es hatte Wasser st reif en am unteren Rande. Der Grund hierfür liegt darin, daß diesem Stöbe tdeils Kleber mangelt, b. h. daß es zu arm an Kleber iit, lheils daß der Kleber eine Veränderung erlitten hat, die beim Brod- backen nachtheilig wirkte. Die Roggenmehle verschiedener Jahrgänge unterscheiden sich hauptsächlich durch verschiedenen Wasser- und ProteMgehalt. Um nun aus einem solchen Mehle schlechteren Jahrgangs auch gutes Brod bereiten zu können, muß man entweder den Klebergebalt des Mehle« erhöhen ober bie veränderten Eigenschaften deS Klebers so verbessern, daß er die natürliche Elastizität erhält. Ersteres geschieht durch Zusatz von Weizenmehl »um Roggenmehl, letzteres durch Zusatz von Substanzen, welche die wasserlöslich gewordenen Theile des Klebers wieder unlöslich machen. Hierzu wandte man in durchaus verwerflicher Weise Alaun oder Kupfervitriol an. Ein unschädliches, aber vortreffliches Mittel, den gleichen Zweck zu erreichen, bietet das Kochsalz, wenn auf 1 kg Brod beim Anmachen des Teiges zum Wasser 13,5 g Kochsalz gesetzt werden. Eine andere Art, die Qualität des Roggenbrodes zu verbessern, ist der Zusatz von abgerahmter Milch, an Stelle des Wassers. Es ist dies zwar nicht neu, aber es dürste bisher beim Roggenbrot» sehr selten Anwendung gefunden haben. Man verfährt wie gewöhnlich, nur verbraucht man etwas Milch mehr (etwa 5 Procent) als Wasser. Das ist natürlich je nach der Qualität des Mehles verschieden. So brauchte man für 1 kg 1890er Mehl 640 g Milch, für 1 kg 1891er Mehl jedoch nur 500 g Milch. Durch den Milchzusatz wird daß Brod entschieden Derbeffert, indem alle als Nährstoffe wichtigen Bestand- theile vermehrt werden. Das im Roggenmehle unb Wasserbrod ungünstige Derhältnitz zwischen stickstoffhaltigen unb stickstofffreien Nahrungsstoffen (1 : 9,6) ist entschieden verbessert worden (1 - 7,6). Der Geschmack eines solchen BrodeS ist voller unbkräftiger, dasBrov ist nahrhafter unb leichter verdaulich. Auch hält sich solches Milch- brob länger frisch als mit Wasser angemachtes Brod. kirchliche Anzeigen der Stadt Giehen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. 16. Sonntag nach Trinitatis, den 17. September: In ber Stabtkirche: Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrverwalter D r. Grein. Nachmittags 2V» Uhr: Pfarrer Schlosser. Zugleich Christenlehre für bie Neuconfirmtrten auS der Matthäusgemeinde. Kinderkirche: fällt aus. In ber Friebhofscapelle: Vormittags 8'/, Uhr: Pfarrer Dingelbey. Vormittags 11 Uhr in ber Friebhofscapelle: Versammlung ber neuconffrmirten Mäbchen aus der Lucas gemeinde. Pfarrer Dingeldey m Nachmittags 2Ve Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Zugleich Christenlehre für die Neuconfirmirten auS der Johannesgemeinde. Katholische Gemeinde. Sonntag den 17. September, 17. Sonntag nach d^Sam'stag: Nachmittags um 4‘/t Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheft zur hl. Beichte. Sonntag: VormfttagS von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 6>/i Uhr erste hl. Messe; um 7«/r Uhr Austheilung der hl. Com- munion; um 8 Uhr zweite hl. Messe; um 9Vt Uhr Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 2 Uhr sacramentalische Bruderschaftsandacht. Anmerkung: Bon heute alt wird an Sonn« nnd Feiertagen die zweite hi. Messe nm 8 Uhr, daß Hochamt nm SV» Uhr beginnen. Gottesdienst in der Synagoge. Samstag ben 16. September: Vorabenb 616 Uhr, Morgens 880 Uhr, Nachmittags 4°» Uhr, Sabbathausgang 7« Uhr. m r,e Mittwoch ben 20. September: VersöhnungStag: Vorabenb 6» Uhr, Morgens 7*> Uhr, Festesausgang 7" Uhr. ~ 5788] Tausendsacheß Lob, notariell bestätigt, über -End. Tobar von B. Becker in Seesen a. Harz. 10 Pst), sco. 8 Mk. hat b. Txp. b. Bl. eingesehen. Verdingungen. Die (Krd Chausftr- und Pflasterarbeiten zur Herstellung d s Pfades von der Frankfurterstraße] nach der Hollergaffe, sowie diejenigen , am Forsthaus am Lumpenmanns« i brunnen, ferner: die Anfertigung ' zweier Lehrpulte für das Neal« I gymnaffum sollen Z&tz 1 Kaffee ä Mk. 1,70, 1,SO, 1,90 und 2,00 bat Pfund, unüberti. in Aroma und Äraft In Giefren bet J. n. Schulhof. In Steinbach bei Hch. Kraemer I. In Llch bei A. Bing u. H. Zimmer VII. ObslversteigeruDg. Montag den 18. d. Mts., von Vormittags 9 Uhr an, soll da» der Gemeinde Bersrod zustehende Obst, als Aepfel, Birnen und Zwetschen, öffentlich meistbietend versteigert werden. Der Anfang und die Zusammenkunft ist im Ort. Bersrod, 14. September 1893. Großh. Bürgermeisterei Bersrod. Bücher. 7805 Dienstag den 19. d. Mts., Borm. 11 Uhr, auf dem Stadtbauamte vergeben werden. Pläne, Bedingungen und Ar- beitsbeschreibuna liegen daselbst offen, auch sind Angebotsformulare dort zu erhalten. Gießen, den 14. Septbr. 1893. Großh. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: 7795 Grüneberg, Beigeordneter. 1. lutterMrung für das Thiechital in Kühen. Für die Zeit vom 1. November 1893 bis ;um 31. October 1894 soll die Lieferung von Heu, Ltroh, Hafer, Wcizenschalen, Futtermehl u.Metzdorf'fchcm Hundekuchen für das Thierspital in Groß herzoglicher Veterinäranstalt dahier vergeben werden. Reflettanten werden ersucht, ihre Angebote an uns einzuschicken und wird bemerkt, daß die Lieferung von Heu, Stroh, Hafe^ Weizenschalen und Hundekuchen im einzelnen und im ganzen vergeben werden kann, daß die Lieferung frei in das Thierspital nicht auf einmal, sondern im Verlaufe des Jahres je nach Bedürfniß zu erfolgen hat und daß im vergangenen Jahre verbraucht wurden: ca. 6600 Kilo Hafer, 8000 Kilo Heu, 7700 Kilo Stroh, 420 Kilo Weizenschalen und Futtermehl, 500 Kilo Hunde- kuchen. 2. verkauf non Mager im Thierspital ;u Kiehcn. In der Zeit vom 1. November 1893 bis zum 31. October 1894 soll der im Thierspttal dahier erwachsende Dünger an den Meistbietenden der- kauft werden. Das Angebot bezieht sich auf die zweispännige Fuhre. Der Dünger ist immer rechtzeitig abzufahr^n, damit die Grube nicht überfüllt wird. Angebote sind bis zum 25. ds. Mts. an Unterzeichneten abzugeben. ^Itäheres in der Veterinäranstalt bei Unterzeichnetem oder bei Herrn Assistent Schneider. Der Vorstand des Thierspitals dahier: Prof. Dr. Pflug. [7804 Obslversleigeruüg. Montag den 18. ds. Mts., von Vormittags 9 Uhr an, soll das Obst der Gemeinde Dorf-Gill, bestehend in einer großen Quantität Zwetschen und Aepfeln, worunter sehr schönes Tafelobst, versteigert werden. Dorf-Gill, 13. September 1893. Großh. Bürgermeisterei Dorf-Gill. Kuhl. 7778 Aeilgeöolenes. Buchen« u. Tannen« Scheitholz empfiehlt tHUinfl [279 JK. Jhmg !▼., Met« rind,«. Keclams Zluiokrsal-MliothtK über 3000 9himmern vollständig vorräthtg. I Verzeichnisse gratis! [7614 ’ I Rider'sche Buchhandlung. 77811 Sine große 0a> Höhere und erweiterte Mädchenschule. Ter Unterricht beginnt Montag den 18. September. Vormittags 8 Uhr. Vorschulklassen Vormittag- 9 Uhr/ Gießen, den 15. September 1893. Tie Tireetion: 7813________________________________Dr. Landmann. Gesangverein Heiterkeit. Samstag den 16. Lcptember, Abends S Uhr Feier des 15. Stiftungsfestes mit Concert und Ball im 2aale des (Safe Leib. Bier im <^las._________[7644]_________Der Vorstand. Allgemeine Kranken- u. Sterbekasse der Schuhmacher. Filiale (Siesten. Lamstag den 16. Leptember 1K92: Feier des 10jährigen Stiftungsfestes: Concert, Vortrag und Tanz im Concerthaus Lahnstein. Anfang S Uhr. (fntrec 30 Pfg. Bier im (Ola». Es ladet freundlichst ein_______[7636] Dan Comite, Darmstadter HnM-Wrdr- und fo^kn = Markt am 16., 17. und IS. Cctobcr 1S9.3 mit verloofung und Prämmitrung, zu welchem der Verein die gee'r«. Herren Züchter, verfLufer und »kniet freundlichst einladct Musterung und Prärntirung von Pferden und Fohlen am 16. Cctswt 1893, vormittag» 9 Uhr, Prümienvcrttzeiluna «achrnitta»» 3 Uhr, wozu namhafte Geldpreise und Diplome vorgesehen find- Die verloosung studet statt am 18. Dctoder, nachmittag» • Ult, im UusstellungogedLude. Zur Ausgabe kommen 2»,000 Loose, pcr Stück 2 Mark. Gewinne: 1 eleganter Wagen Zweispänner, mit zwei Pferde» und completem »eschirr im Werth« von circa 6000 Vir., 1 »eitpfee» mit Dattel und Zaum im W«rthe von circa 2000 9tt , 1 Ltudlwaß,» mit einem Pferde und Seschirr im Werthe von circa 1700 Vtk., 16 Pferd« oder Kohlen im «esammtwerthe von 10,000 SRC., 815 andere Gewi»»« im Gesammtwerihe von 4300 Wt. Den Vertrieb der Loose haben wir dem Herrn L. ¥*. Ohnaeker tu Darmntadt im alleinigen General«Debit übertragen. Der Pferdezucht-Verein im Großherzogthum Heffen. _________________Gectionr Pferdernartt Darmstadt._____________7M Einem geehrten Pnblikum der Umgegend dringe ich meine neu hergerichteten Wirthschasts und Logirräume in empfehlende Erinnerung. Für gute Speisen mit! Getränke ist stets gesorgt. Mücke in Oberhessen. 7803 Wwe. Baist. Dr. Klein wieder da. 7814 gOOOOOOODOOQOOOOOQ B. kTI | Staufenberg Scltersweg 19. 7809] [7815 Discretion zugesichert. Fox-Terrier, weiß, graue Ab« zeichen an beiden Seiten des Kopfe», auf dm Namen Fox hörend, entlaufen. Abzugeben gegen Belohnung 7810] Ein junger tüchtiger Mann nimmt noch Vertretungen an. Offerten unter M 100 an die Expcd. d. Bl- 7793] einen Baum Honigdirnen kauft und bittet um Offerten _______________Marktplatz Abfahrt 2«» Uhr. Keurralveksammlang Tamstag, 23. Teptbr., Abends 8 Uhr, in Steins Warten. Ein Herrschaftsgut ,n^ebnct' zu kaufen gesucht. .Offert, direct von Besitzern unter A. J. an die Exp. d. Bl. erbeten. — Strengste Agenten für Trichiuek - und Bich- B-rfich-rnng (7806 cinfchlietzlich der Verluste durch »ottzlauf n. Bt4*ne d. Schweinen, aut elngefübrt, gefacht. Provision. Off. unt A 1045 an die Annonc «Exped von Haamitele k Vogler. A -6 Cuael Im Clavier- l™7 .. Hermann Bauer, stimmen__Kirchstr 2, in. 755^1 Zwei inn