sein Ansehen an die schlimmsten Zeiten der Vergangenheit. Im Vorjahre wurde das Wasser abgelassen und seitdem hat es seinen Normalstand bis zu Beginn der Badezeit im Mai nicht wieder erreicht, ja, es kommt nicht einmal ein Tröpfchen Zufluß, da haben sich denn eigenartige Zustände herausgebildet. Das Wasser steht so niedrig wie nie in den Vorjahren, die Farbe ist auch gerade nicht die reinlichste und zum Baden verlockendste, zumal viele ganz seicht gelegene Stellen jetzt mit Schlamm überzogen sind und das Baden überhaupt unmöglich machen. In Anbetracht dieser Mißstände ist denn auch mit vielem Recht in der Presse von Neuem für endliche Errichtung eines im Winter wie im Sommer zu benutzenden Schwimmbades plädirt worden. In der That, eine derartige Anstalt gehört in eine Stadt von der Größe und Bedeutung wie Darmstadt, die sich noch dazu in den letzten Jahren so fabelhaft rasch vergrößert und entwickelt. Will man für das Gedeihen unserer Residenz auch fernerhin in richtiger Weise sorgen, wie das ja seither in so reichem Maße geschehen ist, so muß man diese Frage jetzt endlich zur Entscheidung bringen, spruchreif ist die ganze Angelegenheit schon lange. Hoffentlich kann an dieser Stelle recht bald etwas Neues über dies wichtige und die ganze Einwohnerschaft der Stadt, also etwa 60,000 Menschen, betreffende Thema berichtet werden. Jndeß ist es in unserer Stadt in mancher Beziehung stiller geworden, am frühen Morgen zur Zeit des Schulbeginnes und um die Mittagsstunde macht sich das sehr bemerklich. Die höheren Schulen sind nämlich seit letzten Samsiag sämmilich für die Dauer von vier Wochen geschlossen worden und am morgigen Samstag erfolgt auch der Schluß der Volksschulen. Wer es irgend möglich machen kann, flieht in diesem trockenen Sommer die heißen, staubigen Straßen der Stadt. Die Darmstädter sind ja als Touristen berühmt und so sind denn auch in diesen letzten Tagen Hunderte zu Ferienfahrten in die Berge abgedampft. Bequem ist es uns in dieser Beziehung ja in jeder Hinsicht. Der herrliche Odenwald ist in kürzester Frist erreicht und der bietet ja Ausflugsorte und Standquartiere zu einer mehrwöchentlichen Sommerfrische in reicher Fülle. Es sind längst nicht mehr allein Darmstädter oder überhaupt Bewohner der näheren Umgebungen, die in unserem Odenwald Erholung von den drückenden Berufsgeschäften suchen. Oft kommen ganze Schaaren von Fremden aus weiter Ferne, aus allen Theilen unseres Vaterlandes herbei und nehmen an der Bergstraße oder in einem inneren Gebirgsthale längeren Aufenthalt. Sehr comfortabel gehts in den Odenwalds-Gasthäusern allerdings nicht zu, und das ist auch wohlberechtigt, nicht übertriebene Ansprüche werden jedoch stets reiche Befriedigung in unseren heimischen Bergen finden. Für den eigentlichen Wochenbericht wäre diesmal nicht gerade viel aufzuzeichnen, ich habe diesmal Ihren Lesern von dem schon für den vorigen Mittwoch projectirt gewesenen Garten-Sommerfest des Akademischen Vereins zu berichten, das am verflossenen Montag stattfand. Die Veranstaltung verlief, wie man das bei genanntem Verein nicht anders gewohnt ist, tadellos und wird nicht wenig dazu beitragen, die Beliebtheit des Akademischen Vereins bei den Darmstädtern zu erhöhen. — Ferner sei hier constatirt, daß das jüngst erwähnte Massenconcert der vereinigten hiesigen Militär- capellen am Donnerstag den 8. Juli im städtischen Saalbaugarten unter ganz ungeheurem Zuspruch stattgefunden hat und mit größtem Beifall ausgenommen wurde. Unsere vier Musik- dirigenten, Herr Musikdirector H i l g e, die Herren Stütze! I. und II. und Herr Engel, können auf das Gelingen ihrer Veranstaltung mit Recht stolz sein. — Im Sommertheater ist die Zeit der Benefize angebrochen und das Unternehmen findet auch bei dieser Gelegenheit die lebhafte Unterstützung des Publikums. Herr Director Reiners kann in dieser Hinsicht, wie wir glauben, mit seinen Erfolgen ganz zufrieden sein. Zum Schlüsse sind uns noch einige interessante Gastspiele in Aussicht gestellt. — Recht lebhaften Zuspruch von hier aus fand übrigens auch in der vergangenen Woche daS große Musikfest in Worms, bei dem bekanntlich unsere rühmlichst bekannte Hoscapelle mitwirkte und wohlverdienten Erfolg erzielte. Z. unter von Huenes Führung wiederholt den Ausschlag zu Gunsten der Regierung gegeben hat, herrscht im Augenblicke eine nichts weniger als regierungsfreundliche Stimmung. Dazu kommt, daß die kleineren Gruppen (Polen, Antisemiten) um so eher geneigt sein werden, der Regierung bei den Forderungen des neuen Militäretats zu opponieren, je mehr sie bestrebt sein müssen, den ungünstigen Eindruck ihrer Abstimmung für die Militärvorlage in manchem ihrer Wählerkreise zu verwischen. Die wirthschafts-politische Gesetzgebung war schon im aufgelösten Reichstage von einer conservativ-clericalen Mehrheit beherrscht. Im neuen hat diese noch eine Verstärkung um 18 Sitze erhalten. — Die Reichsschulden beliefen sich nach dem jüngst erschienenen Bericht der Reichsschulden-Commission am 31. März 1892 auf 1,8 Milliarden und zwar auf 1,6 Milliarden Mark verzinsliche Anleihe, 30 Millionen Mark Schatzanweisungen und 120 Millionen Mark Reichskassenscheinen. Mittlerweile ist im April 1893 eine neue Reichsanleihe von 160 Millionen Mark hinzugekommen, so daß im Augenblicke die Schulden des deutschen Reiches die zweite Milliarde bereits überstiegen haben. In England ist bei der Weiterberathung der Homerule- Bill die Zahl der Vertreter Irlands im Reichsparlament auf 80 festgesetzt worden. Diese Zahl steht zur Gesammtzahl der Abgeordneten des Reichsparlamentes in . demselben Vcrhältniß wie Irlands Bevölkerungszahl zu derjenigen Englands. In Italien ist die Barckenvorlage nach den Wünschen Giolittis vor der Erledigung des Bankenprozesses verabschiedet worden. Giolitti hat damit einen bemerkenswerlhen Erfolg erzielt. Der Besuch des egyptischen Khediven Abbas beim türkischen Sultan hat in England recht verstimmt. Man erblickt in dem Vorgehen des jungen Herrschers den Versuch, sich der englischen Bevormundung allmählich zu entledigen. Einzelne Londoner Blätter berichten bereits, daß Abbas die Entsendung eines türkischen Truppencorps oder einer türkischen Leibgarde zu seinem Schutze vom Sultan erbeten habe. In Rio Grande do Sul in Brasilien ist ein neuer, und wie cs scheint, dies Mal sehr ernster Aufstand ausgebrochen. " vermischtes. * Ein Candidat der Philologie al8 Hausdiener. Ein Münchener Destillateur suchte dieser Tage durch ZeitungS- inserat einen Hausdiener. Unter den zahlreichen Bewerbern um die Stelle befand sich auch ein Mann, der durch sein gewandtes Auftreten die besondere Aufmerksamkeit des Wirthes erregte. Nach seinen Papieren gefragt, erklärte er, daß er allerdings noch nicht als Hausdiener thätig gewesen sei, aber den besten Willen habe, die ihm zu übertragende Stelle zur vollsten Zufriedenheit seines Arbeitgebers auszufüllen, es lei ihm sehr darum zu thun, recht bald Unterkunft zu finden. Er zeigte dann seine Legitimationspapiere vor, durch die er sich als — Candidat der Philologie auswies. ♦ Das Ende eines „starken Mannes". Ein Deutscher, Namens Ferdinand Schumann, welcher als Artist und Kraftmensch den heutzutage nicht gerade seltenen Namen „Blondtn" angenommen hatte und als solcher sich vor einem Jahrzehnt auch in Deutschland producirt hat, bereist seit einigen Jahren die größeren Städte des Staates Newyork in Nordamerika. Letzthin führte er in Saranac Lake daselbst das nicht mehr ganz neue Kunststück vor, zwei starke, in entgegengesetzter Richtung ziehende Pferde festzuhalten. Diese Kraftproduction war ihm in Coles Circus bereits viele Male geglückt. Jüngst mögen die beiden Pferde doch etwas zu stark gefrühstückt, oder, den Regeln der Kunst zuwider, zu plötzlich und heftig angezogen haben, kurz, „Blondin" ließ das Tau fahren und stürzte bewußtlos zu Boden. Man brachte den Kraftmenschen, aus dessen Munde ein dicker Blutstrom hervorquoll, nach dem Krankenhause, dort aber starb er, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. * Koblenz, 12. Juli. Die Freude über die so gelungene Fertigstellung der Gesammtausstellung von deutschen Weinen auf der Weltausstellung in Chicago ist in trauriger Weise getrübt worden. Als gestern das Comitö vor der beabsichtigten Abreise der Preisrichter Coblenz und Sturm zu einer Sitzung in Bingen vereinigt war, erregte die Nachricht große Bestürzung, daß das Gebäude der Hercules Co. in Chicago, leider auch mit großem Verlust an Menschenleben, abgebrannt sei. Da die Reichscommission die deutschen Weinproben für die Jury in diesem Gebäude, das auf 65° Fahrenheit gehalten wurde, untergebracht hatte, mußte der Verlust der Proben befürchtet werden. Diese Befürchtung wird leider durch folgende Depesche bestätigt: „Kühles Lagerhaus total abgebrannt. Deutsche, spanische, r’ fl.C, w Ä. y»urateur^3 Hane. 2 1 (6295 schea‘( un«. nb Gips k, 2a g von Ornamenten 1 Mmngen, sowie len Stein fertige nach die Uebernahme von IUMjauer, einstraße 52 a. ehrenden Eisenbahnzüge. «-fotzet. )Ü0 524 703 ß29» IQib 12« £50156? 7g 8» 9g. Wrt 2.-4. M-). ; 1°- 412 8J0 JO1612» t» >1». 1227 jo; 412 56» 83" IO1' y” iso |7i 3*3 506 7“ 19» 9j6.___________________ RÖ2 «33 1012 1025 tZ" 255 503 602 ßlO8^9Ä. D10*-12^2^ö»ö^T r. __ ylfo 65 ___ 1210525 (613 Alsfeld) 85 2bM MtllgM) W 1230 50ö V W 1230 50b 82 St- I«. 1898. flinte ispol-Anl. L Ict 100.< 95.0C 89.10 21.90 4450 87.20 370.50 201-00 112.1» 109.40 18.80 Nr. 165. Zweites Blatt. Sonntag den 16. Juli 1893 Der «leleeet Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme deS Montags. Dir Gießener Piamitieu v kälter werden dem Anzeiger chentlich dreimal beigelegt. Meiner Anzeiger General-Anzeiger. Vierteljähriger A-onnementspreis» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: -chutstrahe Nr.T« Fernsprecher 51. Amts- rmd Airzeigeblatt fite den Uveis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Iamikienökätter. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. 4politifd?e Wochenschau. Gießen, 15. Juli 1893. Die Entscheidung über die Militärvorlage ist gefallen. Artikel I, der die Präsenzerhöhung ausspricht und somit den Kern der Vorlage enthält, ist mir 198 gegen 187 Stimmen angenommen worden. Da der Sollbestand der Reichstagsabgeordneten im Augenblicke 392 beträgt, so haben sich nur 7 Abgeordnete an der Abstimmung nicht be- theiligt. Von diesen würden drei: die Centrumsmitglieder Wenzel und Letocha und der erkrankte Volksparteilcr Hartmann sicher gegen und die Antisemiten Ahlwardt, Liebermann von Sonnenberg und Leuß, die scheinbar aus persönlicher Verstimmung über den Reichskanzler sich der Abstimmung ferngehalten haben, für die Militärvorlage eingetreten sein. Rechnet man den Polen v. Czarlinski, der ebenfalls bei der Abstimmung gefehlt hat, noch den Freunden der Regierung zu, so ergiebt sich, daß im Ganzen unter den bis jetzt gewählten Abgeordneten 201 Freunde und 191 Gegner der Vorlage sind. Es hätte also jede einzelne der drei kleinen Gruppen (Polen, freis. Vereinigung, antis. Resormpartei) den Ausschlag gegen die Vorlage geben können. In Bezug auf die Deckungsfrage steht so viel fest, daß die Erhöhung der Börsensteuer nicht aufgegeben worden ist, dagegen von einer höheren Besteuerung des Bieres und des Branntweines Abstand genommen werden soll. — Der neueReichstag ist seither, säst ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Annahme oder Ablehnung der Militärvorlage betrachtet worden. Nachdem diese eine wenn auch schwache Mehrheit gefunden hat, ist es angezeigt, sich darüber klar zu werden, wie sich der neue Reichstag voraussichtlich im Uebrigen verhalten wird. Die nächste wichtige Vorlage wird ein russisch- deutscher Handelsvertrag sein, sofern es dem Reichskanzler gelingt, sich mit Rußland zu verständigen, was vorläufig noch recht zweifelhaft ist. Sollte es aber dazu kommen, so ist auch anznnehmen, daß der Reichskanzler für seine Handelspolitik eine Mehrheit im Reichstage findet. Allerdings hat die linke sreihändlerische Seite 25 Mandate an die Rechte verloren und unter den Rationalliberalen das schutz- zöllnerische agrarische Element eine namhafte Verstärkung erfahren. Andererseits sind aus der Centrumspartei mehrere enragierte agrarische Führer ausgcschieden. Bei den Be- rathungen des Marine- und Militäretars dagegen würden die Aussichten der Regierungen keine sehr günstigen sein. In der Centrumspartei, die in den vorigen Sessionen Feuilleton. Wochenbriefk aus der Residenz. (Origlnalbericht für den „Gießener Anzeiger".) Darmstadt, 14. Juli 1893. Vom großen Woog. — Ferienzeit. — Wochenbericht. Der „große Woog" ist von jeher Gegenstand der lebhaftesten Dtscussionen und Debatten gewesen, es ist ihm von jeher viel Gutes und noch mehr Schlechtes nachgesagt worden, aber augenblicklich sind seine Lobredner fast ganz verstummt und seine Tadler erheben daher ihre Stimmen um so lauter. Was der große Woog ist, wissen alle Ihre Leser unzweifelhaft, er soll den Residenzbewohnern im Sommer ein erfrischendes Bad im Freien bieten und zur kalten Winterszeit tummeln sich auf seiner erstarrten Fluch die Schaaren der Schlittschuhläufer. Ja, selbst zu idyllischen Gondelfahrten wird er benutzt und es ist wirklich ein Wunder, daß die vor Jahren im Carnevalszuge so gelungen persiflierte zukünftige „Darmstädter Rudergesellschaft" noch immer nicht zum that- sächlichen Leben erwacht ist. Wir habens nicht so gut wie die Gießener, die am fließenden Wasser, am „Lahnstrom", wie man wohl zu sagen pflegt, wohnen, wir müssen eben schon die Verhältnisse nehmen wie sie sind und uns mit unserem vielbespöttelten Woog begnügen. Nun, es geht auch hier, wie in vielen Fällen ähnlicher Art, auch der große Woog ist im Allgemeinen besser als sein Ruf, namentlich seit ihn die sorgsame Residenz in städtische Verwaltung genommen hat und ihn von ihren Beamten überwachen läßt, hat sich sein Aussehen schon sehr zum Vortheil geändert. DaS Wasser ' erschien nicht mehr ganz so schmutzig grün, wie in früherer Zeit, die Badeanstalten wurden gehörig hergerichtet und ausgestattet, kurz, eine wahre „Woogreform" wurde inscenirt und die Bewohner unserer Stadt haben das durch fleißige Inanspruchnahme der neuen Anstalten mit Dank anerkannt. Freilich in diesem Jahre läßt sich von dem „Darmstädter See" weniger Erfreuliches berichten, gegenwärtig erinnert Carbolinenm darin wieder, daß die Einfuhr ausländischen ZinnS und auS- Kg. (4 Pfd.) 2 1 Kg. (4 Psd.) 2 bei L. Kammerer u. Emil Noll 3 Kg. (6 Psd.) Der auswärtigen Bäcker. Ute I 27 Pfg. 26 , M „ 52 , 25 , 24 „ bei L. Kämmerer u. Emil Noll bei S. Stern (Schlüchterner u. Casseler Brod) 4 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrot) Der bei L. Kämmerer bei L. Kämmerer Kämmerer u. Emil Noll bei S. Stern (Schlüchterner u. Casseler Brod) i; Einige D Md Ättttn für Gießen, den 15. Juli 1893. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Brodpreise vom 16. Juli bis 30. Juli 1893. Der hiesigen Bäcker. Kg. (2 Psd.) Schwarzbrot)...... bei L. Kämmerer u. Emil Noll 1 Kg. (2 Pfd.) Tafelbrod . 2 Kg. (4 Pfd.) „ 1 Kg. (2 Pfd.) Weißbrot» bei L. kalifornische Juryproben vernichtet. ReichScommisfion wünscht neue Proben. Hälfte genügend. Jury bleibt, bi6 diese hier, vertagt." Die reiche Probensendung deutscher Werne für tue Jury ist also zerstört. Es bleibt daher nichts übrig, als die Aussteller aukzufordern, sofort neue Proben, wobei eine Flasche jeder Sorte genügen dürfte, für die Jury zu senden. Die Herren Meyer u. Eoblenz in Bingen haben sich freundlichst erboten, die Beförderung gegen Berechnung des entfallenden Kostenantheils für die einzelnen Theilnehmer zu übernehmen. • Au8 Sachsen, 12. Juli. Hervorragende sächsische Aerzte, hohe BerwaltungSbeamte und andere durch Reichthum und Ansehen ausgezeichnete Männer haben einen Verein gegründet, der in Sachsen DolkSh eilftätten für Lungen- kranke ins Leben rufen und unterhalten will. Das Protektorat hat König Albert angenommen. • Berlin, 11. Juli. Eine herzbewegende Erzählung geht der „Voff. Ztg." auS ihrem Leserkreise zu. Man schreibt ihr: „Ich kunn di jo nich helpen!" Die Aufwärterin meiner Frau, ein etwa vierzigjähriges, anständiges, sauberes, etwas verschlossenes Mädchen auS einer hannoverschen Elbmarsch, hatte am verflossenen Donnerstag meine Frau davon in Kenntniß gesetzt, daß sie mehrere Tage verreisen müsse, ihr D-Ker läge auf den Tod darnieder. Als ich heute Nachmittag vom Bureau heimkehrte, fand ich sie in schwarzem Traueranzug in der Wohnstube bei meiner Frau, die ebenso wie mein jüngstes Töchterchen verweinte Augen hatte. „Ihr Vater ist gestorben?" fragte ich, ihr die Hand reichend, und „ach de olle Mann iS grausam stürben", entgegnete sie mit tonloser Stimme, indem sie mit der Hand eine bezeichnspde Bewegung nach der Stirn machte. Ich erfuhr nun folgende traurige Geschichte: Vor mehr als zwanzig Jahren — sie war eben confirmirt worden — unternahm ihr Vater, ein Jollenführer, in Begleitung eines Knechtes eine Fahrt nach einer einige Meilen entfernten Elbstation. Sein einziger siebenjähriger Knabe bat den Vater, ihn mitzunehmen, und dieser willfahrte dem Wunsche, trotzdem ein ziemlich heftiger Wind wehte, da er sich über die Courage seines blauäugigen Liebling- freute. Kaum war das Schiffchen abgestoßen, .als auch des widrigen Windes wegen lavirt werden mußte, und der Vater schickte sein Söhnchen in die kleine Kajüte der Jolle. Ein solch kleines Flußschiffchen hat in der niedrigen Kajüte nach der Hinterseite zwei Fenster, von denen jedes kaum einen Quadratfuß groß ist. Der Knabe langweilte sich in dem Raume und wollte hinaus, aber der Vater tröstete ihn mit den Worten- „Eemol leggt wi noch üm, dan kommst mit ant Land." Bei dem folgenden Umlegen warf aber ein Plötzlicher heftiger Windstoß die Jolle um, sodaß sie Wasser faßte und der Schiffer und sein Knecht in die Elbe geschleudert wurden. Glücklicherweise erhaschten beide jedoch das kleine mitgeführte Boot, und nachdem sie es mit vieler Mühe bestiegen, sahen sie sich nach der Jolle um. Diese lag zur Seite und füllte sich immer mehr mit Wasser- und der Knabe? Er war in der Kajüte dem Tode verfallen, denn der an die niedrig im Schiffchen liegende Kajütenthür stoßende Schiffsraum war schon mit Wasser gefüllt, und von dieser Seite auS keine Rettung möglich. Der Vater legte sich mit dem 2 Kg. (4 Psd.) Weißbrod 2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrot) ländischer Zinnwaaren nach Deutschland im Jahre 1892 die deutsche Ausfuhr in den gleichen Artikeln um 73 665 Doppel- Eentner oder dem Werth nach um 12571000 Mark übertraf. ♦ Friedrich der Kroße fragte kurz nach dem Antritt seiner Regierung bei seiner Anwesenheit in Schlesien einen Edelmann, von dem er manches Nachteilige gehört hatte: „Wer hat Ihn denn geadelt?" — „Allerhöchst Ihr Herr Vater!" — „Da hat eS ihm noch an aller Hebung gefehlt!" versetzte Friedrich. * Verrechnet. Bettler: „Bitte um eine kleine Unterstützung, lieber Herr- ich habe zu Hause fünf unerzogene Kinder — lauter Zwillinge!" * Ungleiches Opfer. „Nun, wie geht s deinem Sohne auf der Universität?" — „Hör mir auf! Für den Esel hab' ich schon fünf Ochsen verkaufen müssen." Aabrtf binbtrn fm LeDngsj ConRruM frlbftb i Keservetheil Prei^ou Werkzeug war nicht da, um das feste Holz zu zertrümmern, und der Manu in dem kleinen Kahne gebrauchte seine Fäuste! Er zerschmetterte sich die Rechte >an den eichenen Schiffsbohlen — vergeblich — dann klangs noch einmal „Vater . . dann ein letztes Gurgeln des sterbenden Knaben und der starke Mann siel ohnmächtig in den kleinen Kahn zurück. Mutter und Schweller, unsere Aufwärterin, weinten viele heiße Thränen, der Vater blieb thränenlos. Seit jener Zeit hat er kein Schiff mehr bestiegen, sein Geist war umnachtet und auf seinem Sterbebette, nach mehr als 20 Jahren, waren seine letzten Worte: „Jk kunn di jo nich helpen, mien lütt Hannes, ik kunn jo nich!" ♦ Der Stand des Hopfen«. Neuere Berichte, die aus den Hopfenproductionsbezirken Deutschlands vorliegen, besagen, daß die ergiebigen Regengüsse der letzten Woche eine erfreuliche Besserung im Stande der Hopfenpflanzen erkennen lassen, so daß ein weiteres Wachsthum derselben für die nächste Zeit gesichert erscheint. Immerhin werden die Pflanzen durch das liebel des massenhaften Ungeziefers arg belästigt. Die Hopfenberichte aus England und aus Böhmen lauten ebenfalls überwiegend günstig, diejenigen aus New-York und von der Pacificküste sind sogar sehr verheißungsvoll gehalten. * Wein- und Getränke Verbrauch in Deutschland. Nach den jüngsten Ermittelungen stellt sich der jährliche Verbrauch von Wein und verschiedenen anderen Getränken in Deutschland tote folgt: Bier: 53 Millionen hl, ä hl — 30 Mk, demnach repräsentiren diese 53 Mill, einen Werth von 1590 Mill. Mark. Wein: 3 Mill, hl, ä hl 90 Mk. = 270 Mill. Mk. Branntwein: 2 Mill, hl, ä hl 300 Mk. -- 600 Mill. Mk. Kaffee: 1,3 Mill, hl, L hl 250 Mk. = 325 Mill. Mk. Milch: 50 D pr. Kopf und Jahr: 25 Mill, hl, ä h!15Mk. — 375 Mill. Mk. Thee, Caeao, Selterswasser zusammen werden verbraucht im durchschnittlichen Werthe von 50 Mill. Mk. jährlich. * Der Zinnbergbau im sächsischen Erzgebirge. Der ehemals so blühende Zinnbergbau bei Altenberg, Geising und anderen Orten des sächsischen Erzgebirges ist in der letzten Zeit in seinen Erträgnissen mehr und mehr zurückgegangen. Dies hat namentlich darin seinen Grund, daß die erzgebirgischen Zinnerze sich hinsichtlich Reingehaltes nicht mit den anderwärts, besonders in England und Ostindien, gefundenen Zinnerzen messen können. Die gedrückten Preise machen den Zinnbergbau unlohnend, überdies begehrt man jetzt lange nicht mehr soviel Gebrauchsgegenstände aus Zinn, z. B. was den Haushalt anbelangt, wie in früheren Zeiten. Die gedrückte Boote hinter das Schiff unmittelbar vor die kleinen Kajüten- Lage des sächsischen Zinnbergbaues spiegelt sich.ziffernmäßig- fenster, und er sah sein Söhnchen, welches sich in der schief- x™ k;- 0i""8 ,mh rtnÄ- liegenden Kajüte an die Fensterbrüstung geklammert hatte, sodaß sein Kopf über Wasser war, und der Unglückliche hone, wie der arme Junge in seiner Todesangst schrie: „Vater Help mi!* Er streckte den Arm durch das Fenster und streichelte die leichenblassen, vorher so blühenden Wangen seines Lieblings, und daS Wasser stieg immer höher in dem kleinen Raume! DaS Fenster war viel zu eng schon für den Kopf des Kindes und nun packte den Vater die Verzweiflung- ein w vVvS. •♦/V? »M beiGg.Ant.Heuservon (Sr.-Ltnden 42 Pfg. „ Gg. Ant. Heufer o. Gr.-Linden, PH. Velten I. v. Gr. - Linden 40 „ „ W. Amend v. Lang-GönS, Joh. Kd. Belte v. Kirch-GönS 42 „ „ W.^-teinmüller v. Lang-GönS 44 „ „ F. Schön v. RulterShaufen . 45 „ „ Balth. Christ Wwe. v. Wiefeck 66 „ Brovverkäufer. 1 Kg. (2 Pfd.! Tafelbrod .... 27 Pf«. 2 Kg. (4 Psd. Tafelbrod .... e e 54 MW 1 Kg. 2 Psd. Weißbrod .... , e 25 St 2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod .... e • 50 St 1 Kg. (2 Psd. Schwarzbrod .... # e 23 W 2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrod .... 46 • 3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod .... e 69 w Bekanntmachung, betreffend die Leistung von Beihülfen seitens des Staats zur Linderung des landwirthschaftlichen Nothstandes. Nachdem in Gemäßheit AuSschreibens Großh. Kreisamts Gießen vom 3. d. Mts., abgedruckt in Nr. 155 des Gießener Anzeigers, in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten - Versammlung der Ortsausschuß in rubri- cirtem Betreff gebildet und in denselben die Herren Stadtverordneten Dr. Thaer, Flett, Helfrich, Simon und Vogt unter Vorsitz des Herrn Dr. Thaer erwählt worden sind, bringen wir dies unter dem Anfügen zur allgemeinen Kenntniß, daß Anträge auf Abgabe der auf staatliche Kosten zu beschaffenden Gtreu-, Futter- und Dungmittel und Lämereien von den Mitgliedern des Ortsausschusses entgegen* genommen werden. Gießen, 14. Juli 1893. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 6251 IWafchbloufen für Knaben in allen Größen empfiehlt sehr billig Robert Maas Seltersweg 18. 6119 Brennholz, Buchen und Tannen, [60 per Meter und per Zentner. Bei 5 Ctr. franco ans Haus. Andr. Euler. Neue Frühkartoffeln 100 Pfund mit Sack X 41b ab Frankfurt a. M. versendet gegen Nachnahme 3. 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