rten ' Zilhrrclub ätigkeitsverein). April, Abeods8 Uhr: rCERT feien Felsenkeller, jlieber frei. Der Vorstand. ^aa**M*f innen j 100 > !<.' L,7» 1 Enda t Ä**W: ♦ ^-rftellNg t 4 ier Wiiu 1 i Tüchtigen StstlltN such, lnermstr. Sommer, Srosdors. Sttltgri ÄAMSt» vom Lande 'fujt.________Skua Wut 5. Pracksch bewährte MwBcamte jwersltchen Acquistiivns > Erfolgen n und Unfall finden sofort aün- tzn-L-emtvi bei nsülGtzn her SesrllsLast. Offerten n- anter M 2458 durch llludolf , Frankfurt a. R»__ -Öffnung. jeft. Nachricht, daß ich unter ZtM Garten, ein chier-Geschäst enoimirten ersten Pmm ist ifien Qualitäten «W mung halte ich M WA jxt Köchlia- 1tS00 96.40 92.90 22Ä) 6310 9550 39000 203.15 159^0 113.10 11010 6410 er- icht i, MtzeM 5, Slpril 1893. । M 3toL Nmte s#** 3P6L irter Wt. 89 8*dM Blatt. Sonntag den 16. April 1893 Drr SUitxtx erscheint täglich, Mt Äulnatjme bei Montags. Dir Gießener 1le*tHe*ir*tf!•«*< *rxti»r cis i 2 Mort 20 Pf,. nrt* Bringerloh«. Durch die Poft drzoß« 2 Mark 50 Pfz Rrtachon, Lxpcdtn«« und Druckerei: Fernsprecher 5L Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren. Gratisbeilage: chießener Jamilienblätter. Annahme wen Anzeigen zu drr Nachmittag« für den falgmdrn La, erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Alle Ännoncen-Vureaux des In- und AuAlande« nehm« Anzeigen für den „Sirßenrr Anzeiger" entgegen. Alte und neue Parteien in Deutschland. In Zeiten großer Gährungen und unzufriedener Stimmungen finden im politischen, socialen und wirthschaftlichen Leben mancherlei Wechsel in den Anschauungen und Urtheilen statt, und characteristisch für solche EntwickelungSperioden ist die Thatsache, daß innerhalb derselben sich gewöhnlich alte Parteien zersetzen und neue bilden oder doch heftige Bestrebungen in dieser Richtung vorhanden sind. Das Zeitmaß, innerhalb welchem sich solche Aenderungen im Parteileben vollziehen, darf freilich nicht kurz bemessen werden, denn oft gehören dazu Jahrzehnte, wobei wir allerdings auch hervorgehoben haben wollen, daß eine ältere Partei erst dann als untergegangen bezeichnet werden kann, wenn sie gar keine Vertretung im Landtage oder Reichstage und in der Oeffentlichkeit mehr besitzt oder daß diese Vertretung ganz unbedeutend und ohne E nfluß ist, während die wirkliche Gründung einer neuen Partei nur erst dann als vollzogen erachtet werden kann, wenn sich dieselbe einflußreiche Vertretung im Parlament und in der öffentlichen Meinung erworben hat. In politischer Hinsicht ist im Großen und Ganzen das Sehnen aller Deutschen erfüllt und ist deshalb seit der Begründung deS Deutschen Reiches eine Zersetzung, Verschiebung oder Neubildung der Parteien aus reinen politischen Gründen selten geworden, aber desto mehr haben wirthschastliche und sociale Ursachen und darauf gebaute Theorien, Pläne und Wünsche zur Bildung neuer Parteien in Deutschland gesührt. Wir müssen in dieser Hinsicht zuerst die socialdemokratische Partei nennen, welche erst mit der Begründung des Deutschen Reiches zur politischen Bedeutung gelangte, denn der Reichstag sah die ersten socialdemokratischen Volksvertreter und gerade die Reichseinheit trug indirect und ohne es zu beabsichtigen, Vieles zur festeren und leichteren Organisation der social- demokratischen Partei bei. Aus vollständig entgegengesetzten Gründen der politischen Anschauungen, aber immerhin doch auch aus wirthschaftlichen und socialen Ursachen haben sich dann in Deutschland die Parteien der Deutschsocialen und Antisemiten gebildet, und schwerem wirthschaftlichen Drucke folgend entstanden in der letzten Zeit wiederum zwei neue Parteien, „der Bund be< Landwirthe" und die „Teuroburger Partei", die erste vor einigen Wochen in Berlin zur Hebung der Lage der Landwirthe begründet, und die letzte vor einigen Tagen in Leipzig von ca. hundert aus allen deutschen Gauen herbeigekommenen Vertretern des gewerblichen Mittelstandes gebildet und zwar zu dem Zwecke, um die Lage des gewerblichen und kaufmännischen Mittelstandes zu heben. Wir müssen betonen, daß wir in die von mehreren großen Parteiorganen beliebte gehässige Kritik nicht etnstimmen können, denn das Recht, seine Lage innerhalb der gesetzlichen Wege zu bessern, hat jeder Reichsbürger, und falls die neu gebildeten Parteien auch vielleicht nicht im Stande sind, eine vollständige Umbildung der alten Parteiverhältnifle durchzuführen, so weisen diese Neubildungen dock sehr scharf auf unzulängliche Vertretung berechtigter Interessen innerhalb der alten Parteien hin und können somit zu gedeihlichen Neuorganisationen innerhalb des Parteilebens führen. vermischtes. * Bern, 11. April. Wie der „Walliser Bote" meldet, sanden Ziegenhirtcn vor einigen Tagen hoch in den Bergen über St. Nicolaus (Wallis) die Leiche eines seit nahezu P/4 Jahren vermißten 21jährigen Fräuleins aus Altona (Deutschland). Dasselbe wollte am 14. Juli 1891, während ihre Angehörigen die Bahn benutzten, die Strecke St. Nikolaus- Kalpetran allein zu Fuß zurücklegen, scheint aber einen Seitenweg eingeschlagen zu haben, immer höher ins Gebirg gestiegen, über einen Abhang hinabgekollert und am Fuße eines vier Meter hohen Felsens liegen geblieben zu sein. Alle damals gemachten Nachsuchungen waren erfolglos, so daß man annehmen mußte, die auf unerklärliche Weise verschwundene Tochter müsse in die hochangeschwollene Visp gefallen sein Aber auch die später bei niedrigerem Wasserstande vorgenommenen Absuchungen des felsigten Flußbettes förderten die Verlorene nicht zu Tage. Die endlich nach Jahr und Tag zufällig aufgefundene Leiche, deren Identität durch die Kleider und das Monogramm im Taschentuche von der Gerichtsbehörde festgestellt werden konnte, lag an besagtem Orte unter einer Eiche, das Haupt aufwärts gekehrt, mit der Linken den Rücken stützend und mit der Rechten gegen ein Vorwärtsrutschen sich stemmend, mit drei gebrochenen Rippen und mit gespaltenem Unterkiefer, unkenntlich und zum Scelette eingetrocknet. Zweifelsohne hat die Unglückliche nodi längere Zeit nach ihrem Sturze gelebt und ist dann eines entsetzlichen Todes gestorben. Auf der Leiche fanden sich Schmuckgegenstände und 400 Francs an Baar und in Banknoten. Telegraphisch benachrichtigt, holte ein Bruder am letzten Mittwoch die verloren geglaubten Ueberreste der lange betrauerten Schwester heim. * Ein interessanter Prozeß ist kürzlich vor der 12. Cwil- kammer des Landgerichts I. in Berlin zur Entscheidung gelangt. Der Schneidergeselle Zühlke hatte bei dem Schneidermeister Kilian in Arbeit gestanden, und wurde am 22. August v. I. entlassen. Am solgenden Tage erschien er in einer Schlosserwerkstatt und ersuchte den Lehrling, ihm nach dem Hause Kaiserstraße 34 zu folgen, um seine dort vier Treppen hoch gelegene Wohnung zu öffnen, es sei ihm der Corridorschlüssel abhanden gekommen. Der Lehrling fragte seinen Meister, ob er den Auftrag ausführen könne. Er erhielt eine bejahende Antwort mit der Weisung, vorher beim Hauswirth Erkundigung einzuziehen, ob der Auftraggeber auch die bezeichnete Wohnung inne habe. Dies verabsäumte der Lehrling. Er öffnete die Wohnung, die aber nicht dem Z., sondern dessen früherem abwesendem Meister gehörte. Z. stahl dort fünf Ueberzieher, die er für 37 Mk. versetzte. Er wurde dieserhalb von der Straskammer zu einem Jahre Gefängniß verurtheilt. Der Lehrling erhielt vom Schöffengericht einen Verweis, weil er unvorsichtig mit einem Dietrich umgegangen. Der Bestohlene machte den Meister des Lehrlings für den ihm durch den Diebstahl zugefügten Schaden verantwortlich, wurde aber in erster Instanz mit seiner Klage abgewiesen. Hiergegen legte sein Vertheidiger Berufung ein. Das Landgericht verurthestte den Schlossermeister zur Schadloshaltung des bestohlencn Klägers. In der Begründung heißt es, daß der Beklagte sich seines Lehrlings lediglich als Werkzeug bedient habe und die Verantwortung für die Oeffnung der fraglichen Wohnung selbstredend übernommen habe, wie der Lehrling ihm auch die für die Arbeit erhaltenen 50 Pfg. ausgehändigt habe. Es hieße in Wahrheit der Unsicherheit Thür und Thor öffnen, wenn es in das Ermeffen eines unerfahrenen Lehrlings gestellt würde, die Identität dessen, welcher eine ver- Feuilleton. Wochrnbriefk aus brr Residenz. (Origlnalbericht für den „Gießener Anzeiger".) Darmstadt, 14. April 1893. Bo« Odeuwaldclub. — Die „Humanität. — Darmstadter Sommertheater. — Allerlei. Born Decorirungsseste des Odenwaldclubs versprach ich im heutigen Residenzbrief zu berichten und ich komme meinem Worte um so lieber nach, als es diesmal sich wirklich um die Beschreibung einer ganz originell und prächtig verlaufenen Veranstaltung handelt. Der große, sogenannte „weiße" Saal des Restaurants „Zur Stadt Pfungstadt" war von dem fest- gebenden Verein auf das Schönste ausgeschmückt worden. An der Wand war ein großes decoratives Schaustück, eine perspectivische Ansicht der Odenwaldberge darstellend, angebracht, das seinem Schöpfer, Herrn Hoftheatermaler Schlegel, viel Dank und Anerkennung brachte. Auch das vom Club neuerdings angefertigte „Odenwaldplakat", das allerlei Ansichten von Land und Leuten aus unseren heimischen Bergen zeigt und nun in vielen deutschen Städten an geeigneten Punkten ausgehängt werden soll, um das Jntereffe für das hessische Gebirge auch an anderen Orten zu erwecken (ein solches Plakat ist auch im Ritrersaale auf Burg Gleiberg aufgehängt. Red.), fand verdienten Beifall. Die Zahl der Festgäste war ganz außerordentlich groß, ja nicht wenige mußten auf die Antheilnahme am Festeffen verzichten, da es an Platz fehlte. Ihnen über den genauen Verlauf zu berichten, alle Toaste aufzuführen, würde zu weit führen, bemerkt sei nur, daß eine verhältnißmäßig große Zahl Vereinsmitglieder mit dem Ehrenzeichen der vereinigten deutschen Touristenvereine „becorirt" werden konnte und außerdem jeder einzelne ein hübsch ausgestattetes Diplom empfing, worin seine touristischen Verdienste gebührend anerkannt wurden. An ten osficiellen Theil schloß sich eine urgemüthl'che gesellige Vereinigung. Der launigen Trink- sprücke und Vorträge gabs da vele. Sangbare Weisen, theilweise eigens zu dem Frstadend gedichtet, ertönten .dazwischen, fröhliche Chorlieder zum Preise unseres Heffenlandes und seiner schönen Berge. Bon Solisten wirkten theils namhafte Künstler mit, so die Herren Dern, Dalmonico, Wagner und Riechmann vom Hoftheater, theils kunftliebende Dilettanten, von denen die Herren Psersdorff 'und Notti, sowie unser talentvoller Darmstädter Dialectdichter, Lehrer Schaffnit, genannt seien. Lange, sehr lange hielt die feucht-fröhliche Zech- ftimmung die frohe Schaar der Festtheilnehmer beisammen, und als die Ersten ans Heimgehen dachten, da war aus dem Samstag Abend schon lange Sonntag Morgen geworden. Am Tage nach dem Feste soll übrigens, einem unverbürgten Gerücht zufolge, die Odenwaldluft ihre sanitäre Wirkung in mehr als einem Falle bewährt haben. Es soll verschiedene „Kater" zu heilen gegeben haben, und daß die zu benanntem Zwecke unternommenen „Katerbummel" in den Odenwald führten, verstand sich diesmal ganz von selbst, dieser hatte ja auch den mittelbaren Anlaß zu diesen „Krankheiten" gegeben. Also Alles in Allem, es war ein schönes Fest, und der alte Rodensteiner hätte sicher seine Freude an den trinkbaren Mannen gehabt, die zur Verherrlichung seiner Heimath- berge manch ehrlichen Schluck thaten. Seit dem letzten Samstag dürfte der alte Anführer des wilden Heeres wohl eine bessere Meinung von den Darmstädter „Stammgast- schaaren" bekommen haben, als bei der Entführung seines „StühstrqqipeterS" Hgns Schleuning aus dem „Schwarzen Lamm", von der uns Scheffel so erbaulich zu berichten weiß. Dem ersten Decorirungsfeste dürften nach diesem Verlaufe nun wohl noch recht viele folgen. Am Montag trat jder neugegründete Männerchor „Humanitas" zum ersten Male mit einem großen Concerte, dessen Reinertiägniß zu_ Wohlthätigkeitszwecken verwendet werden soll, vor die Oeffentlichkeit. Wir wollen gleich von vornherein seststellen, daß der Erfolg in jeder Beziehung glänzend war. Der große Saal des Saalbaues war dicht gefüllt und das Publikum spendete nach jeder Nummer des mit großem Geschma? zusammengestellten Programms reichen Beifall. Der noch nicht lange zusammengetretene Männerchor hat in ganz kurzer Zeit unter der Leitung unseres rühmlichst bekannten Musikdirectors Dr. Fritz Reifer geradezu erstaunlich viel gelernt; alle Gesänge, darunter der mit technischen Schwierigkeiten geradezu überladene Chor „Die Krone im Rhein", der vom „Mozartverein" beim vorjährigen Gesangswettstreit zu Karlsruhe vorgetragen wurde, wurden ganz musterhaft wiedergegeben. Eine Solistin, die ihresgleichen sucht, hatte der Verein in der Konigl. Hofsängerin Fräulein Elisabeth Leisinger aus Berlin gefunden. Sie ist unserem Publikum nicht mehr unbekannt gewesen, das erste Symphonie- concert unserer Hofmusik hatte sie durch ihre Mitwirkung verherrlicht. Jubelnder Beifall lohnte die großartige Gesangs- Meisterin auch diesmal wieder für ihre wirklich vollendeten Leistungen. Eine andere Nachricht wird die Gießener besonders interessiren. Allgemein verlautet hier — und eine Notiz im „Darmstädter Tageblatt" bestätigte die Nachricht — für den Sommer sei die Errichtung eines Sommertheaters int städtischen Saalbau geplant und Herr Director Reiners aus Gießen sei der Unternehmer. Im Juni sollen die Vorstellungen beginnen und bis Ende August dauern. In den Sommermonaten ist hier außer an Concerlen ja allerdings wenig geboten und wenn Herr Director Reiners solche Stücke bringt, die aus inneren Gründen dem hiesigen Publikum auf unserer Hofbühne nicht vorgeführt worden sind, und wenn er ferner über ein wirklich gut geschultes Ensemble verfügt, so kann er seine Rechnung vielleicht ganz gut finden. Als Zuwachs unserer dürftigen sommerlichen Vergnügungen wäre die Errichtung eines guten Sommertheaters recht erfreulich. Sonst bleibt für heute noch zu erwähnen, daß neulich im katholischen Gesellenhospiz eine wohlgelungene Aufführung lebender Bilder stattgefunden hat, woran sich eine Art Bazar anschloß. Die Veranstaltung diente einem edlen wohlthätigen Zweck, der Errichtung einer erweiterten katholischen Kirche in Darmstadt. Eine schöne, reichbeschickte Ausstellung von Vögeln und Geflügel hat der hessische Geflügelzuchtsverein in Saale der Turngemeinde Darmstadt veranstaltet und damit vielen Beifall errungen. Aufsehen machte in der vergangenen Woche das Auftreten eines „unverwundbaren Fakirs", der allerhand nervenerregende Kunststückchen und Experimente machte, die völlig unerklärlich erscheinen. Er durchbohrte sich unter Anderem Wangen, Hals und Arme mit langen Nadeln, schlug einen Degen in den Leib, ließ sich von giftigen Schlangen beißen rc., ohne daß irgend ein äußeres Anzeichen einer Verwundung sichtbar wurde oder auch nur die geringste Menge Blut floß. Die Vorstellungen wurden namentlich von unseren Aerzten mit lebhaftem Interesse verfolgt und fanden vielen Beifall. Unterhaltend waren die ausgeführten Experimente allerdings nicht und den Nerven der Zuschauer gewiß wenig zuträglich. Das Urtheil der hiesigen Presse über die eigenartige Schaustellung war getheilt. 2. schlossene Thür öffnen (affen will, mit dem berechtigten In- Haber der Wohnung feftzustellen, ein Verpflichtung, die mir Recht dem Schlosser selbst als dem verantwonlichen Gewerbetreibenden vom Gesetze auferlegt ist. • Die Arbeiten am Bau bei neuen Reichigerichtigebaubei sind nunmehr nach der Winterpause wieder im vollen Umfange auigenommen. Gegenwärtig ist man mit dem mächtigen Kuppelbau beschäftigt, ter die Mitte des Gebäudes fönen soll,- er wird anderthalb Mal so hoch wie der gegenüberliegende Justizpalast, der auch erst in den letzten Jahren erbaut ist. Noch während dieses Jahres wird über den Säulen der Hauptfa^ade, welche in ihrer Höhe den mächtigen altrömischen Säulen im Pantheon zu Rom entsprechen, der gewaltige dreieckige Giebel angebracht werden. Dieser wird reichen, allegorischen, auf die Justiz bezüglichen F gurenschmuck erhalten, seine Breite beträgt 26 Meier, ein Umfang, wie ihn die Kunstgeschichte aller Zeiten bei derartigen, mit Sculpturen geschmückten Giebeln nur selten kennt. Nach seiner Vollendung im Jahre 1895 wird daS neue Reichs- genchtSgebäude den größten Monumentalbau Leipzigs dar- stellen. ♦ Kaum eine andere Gegend Deutschlands ist fo reich an geschichtlichen Xenfmälern wie das Elsaß. Bon der Grenze der bayerischen Pfalz an bis zum Jura sind die Borberge der Vogesen reich mit Burgen und ehemaligen Klöstern gekrönt, unter ihnen manche von weitverbreitetem Rufe. So der Wasigenstein, wohin die Sage den Schauplatz des WalthariliedeS verlegt, Burg Niedeck, das Kloster St. Odilien, die HohkönigSburg, die Abtei Murbach, baß Schloß der Grafen von DagSburg und hundert andere. In der Ebene, namentlich am Gebirge hin, ist noch manches Städtchen mit wohlerhaltenen mittelalterlichen Ringmauern und Thürmen umgeben, so Oberehnheim, Kaisersberg mit der ehemaligen kaiserlichen Pfalz, Reichenweier und andere. In zahlreichen Orten finden sich neben uralten auch mittelalterliche kirchliche Gebäude von dem größten kunstgeschicht» licheir Werthe vor. Auch Bauwerke aus der Römerzeit fehlen nicht, und selbst aus der altgermanischen und keltischen Vorzeit sind noch deutliche Spuren in Gestalt von Hcioenmauern, Druidensteinen, Hünengräbern vorhanden. Schon zur französischen Zeit bestand eine Gesellschaft, die sich die Erkaltung der geschichtlichen und Kunstdenkmäler zu ihrer Aufgabe gemacht hatte. Jndeß fehlte es früher sehr an den nöthigen Mitteln. Die deutsche Regierung hat schon öfter größere Summen zu RestaurationSzwecken angewiesen. Diese Fürsorge ist umsomehr anzuerkennen, als es sich in den allermeisten Fällen um die Erhaltung solcher Denkmäler handelt, die aus der deutschen Vergangenheit des Elsaß stammen. * Deutsche Industrie in Sud-Amerika. Zu den bereits vor ein'ger Zeit in Betreff der „Fabrikation von Liebigs Fle is ch ' Extra et" gebrachten Notizen tragen wir heute Folgendes nach: In besonders regen Jahren werden bis über 200000 Thiere in den sechs bis sieben Monaten der Arbeitssaison geschlachtet. So belief sich z. B. im Jahre 1890 die Schlachtung auf 210000 Stück, welche einen Werth von 10 Millionen Mark in lebendem Zustand repräsentiren. Der nach des großen Erfinders genauer Vorschrift, unter ständiger Controle durch einen von Herrn Professor Dr. M ax von Pettenkofer (ehemaliger Schüler LiebigS) bestellten Chemiker, frei von Fett. Kochsalz und allen sonstigen nachtheiligen Substanzen hergestellte Extract wird noch heiß in große Blechkannen gefüllt und an daS Depüt der Gesellschaft nach Antwerpen versandt, wo erst die Abfüllung in die bekannten Porzellantöpfe stattfindet. Man kann circa 40 Pfund Fleisch auf ein Pfund Extract, d. h. circa 7 biß 8 Pfund Extract auf ein Schlachtthier rechnen. Bei dem bekannten Namen der Liebig-Company erscheint es eigentlich überflüssig, die finanziellen Daten des Unter- inhmenS noch besonders hervorzuheben, doch mögen einige wenige hieraus bezügliche Daten der Vollständigkeit halber Platz finden. Auf daS mit 500000 Dollars autorifirte Capital sind ursprünglich nur 360000 Dollars einbezahlt worden. Da jedoch auS den trotz hoher Dividenden und Abschreibungen rasch anwachsenden Reserven vor mehreren Jahren eine neue Bonusactie auf drei bezahlte Actien ver- theilt werden konnte, so steht heute daS Capital mit 480 000 Pfund Sterling zu Buch. Daß hierauf nach wie vor Dividenden von 25 pCt. in dem Jnfluenzajahre 1890, von 171/2 pCt. im Vorjahre, trotz steter Neuerwerbungen vertheilt werden konnten, beweist die unbestrittene Größe des Geschäftes und des enormen Umsatzes. ES ist jedoch auch zu bemerken, daß infolge ständiger Abschreibungen der Jmmobilienbesitz der Gesellschaft ungemein niedrig zu Buch zu steht; so z. B. figuriren die 22 Quadratmeilen Camp fammt Vieh, die ganzen Fabriksanlagen in Fray- BcntoS und Antwerpen in der letzten Bilanz mit nur 129 161 Dollars, während allein der bloße Camp daS Doppelte werth fein dürste. Unter solchen Verhältnissen erklärt eß sich auch, daß in der letzten Zeit die Erweiterung deS so ungemein glänzenden Geschäftes durch die Anlage einer Filiale auf argentinischem Boden ventiUrt werden konnte. Wenn auch noch nichts Definitives in dieser Hinsicht beschlossen worden ist, so darf man doch annehmen, daß eine so gute Idee, einmal lancirt, nicht wieder fallen gelassen werden wird. * 6anität8bunbf sind dem preuß. KriegSministeriiim von einem Herrn Jean Bungartz vor geführt worden. Derselbe hat interessante Versuche darüber angestellt, ob Hunde in einem künftigen Krieg für den Dienst deS Rothen Kreuzes Berwend ing finden könnten. ES war ihm besonders darum zu thun, die Thiere zum Aussuchen der Verwundeten, zum Botendienst zwischen den SanitätScolonnen und, wenn es möglich war, auch zum Fortschaffen der Verwundeten selbst auSzubilden. Die dazu auSgewählten Thiere gehören zur Rasse der schottischen Schäferhunde. ES gelang, eine noch nicht einjährige schottische SchäferhÜndin so wett zu bringen, daß sie tadellos bie versteckten Verwundeten suchte, sofort und richtig sand und ihren Fund regelrecht meldete. DaS Kriegsministerium hat dem Dresseur nach Vorführung der Thiere bestätigt, daß er in der Ausbildung von Hunden zum Aufsuchen Versteckter die vorzüglichsten Ergebnisse erreicht hat. * „Gefärbte lebende Blumen" sind ein neuer Industrie zweig, der soeben von Paris nach Berlin importirt tft, und welcher in dem Blumenhandel vielleicht eine Umwälzung Hervorrufen dürfte. Herr Obergärtner W. in SpindlerSseld zeigte in der letzten Versammlung des Vereins zur Beförderung deS Gartenbaues dortfelbst nach neuester Art gefärbte Blumen. Diese sind im Laboratorium zu SpindlerSseld dadurch hergestellt worden, daß man die frisch abgeschtüttenen Blumen mit dem Stiel in Lösungen von Anilinfarben gesteckt hat. Infolge der noch vorhandenen Sastcirculation tritt bann bie Farbstofflösung in bad Innere der Pflanze und färbt bie Blume. Aus bie Weise lassen sich ganz grüne Blumen auS Hellen Blumen z. B. Flieder, weißem CrocuS oder Hyazinthen u. bergt, erzielen Die Pflanzen durch Vermittlung der Wurzel zu färben ist zwar noch nicht gelungen, doch äußerte sich ein anwesender Chemiker dahin, daß auf Grund von bereits gemachten Versuchen die Möglichkeit nicht abzusprechen ist, durch die Wurzel hindurch künstliche Färbung herbeizuführen. — Ob bie Blumen badurch schöner werden?? * Heimgezahlt. Der Schuhmachern!eister 3E. wird zum Baron U., einem hochnäsigen Mann befchieben, um ihm zu einem Paar Stiesel das Maß zu nehmen. Der Meister tritt in baß Zimmer beß BaronS, ber gerade mit bem Lesen eineß interessanten Z 0 la schen Romans beschäftigt ist. Der Meister wartet, räuspert sich, hustet, doch ber hoffärtige Baron hört ihn nicht. Evblich wirb eß aber bem Meister zu viel, darum sagt er: „Der Herr Baron haben mich zum Maßnehmen hierher bestellt, da bin ich!" Der Baron sieht sich pflegmatisch um, und als er den Meister erkennt, hebt er den rechten Fuß hoch und sagt, ohne sich weiter stören zu lassen: „Da?" DaS ärgert den Meister gewaltig und er spricht mit bedeutungsvollem Accent: „Sie entschuldigen, Herr Baron, ich bin ber Schuhmacher, aber nicht etwa ber Hufschmied.", * Was soll der Zunge werden ’. Was soll nun aus dem Bengel werben? Daß ist bie Frage weit unb breit, Wo einer von ben „Schulgelehrten" Jnß ernste Weltgetriebe schneit. Die Kirche schenkte ihm den Segen, Die Schule pflanzte reiche Saat: Nun heißt eß selbst bie Hänbe regen, Aus fromme Wünsche folgt bie That! Der erste Wenbepunkt im Leben Tritt feierlich an ihn heran, Erheischt ein zielbewußtes Streben, Der Ernst beß Daseins fängt nun an. Die Zeit der Spiele ist vorüber, Der Fröhlichkeit im Elternhaus — Und frisch aufs Arbeitsfeld hinüber, Zum Kampfe in die Welt hinaus? Ein Handwerk soll der Bub nicht treiben, Denn dazu ist er viel zu gut; Er kann so wunderntedlich schreiben, Ist ein so feines junges Blut. Nur ja kein Handwerk — Gott bewahre! Das gilt ja heute nicht für fein: Und wenn ichS mir am Munde spare, Er muß schon „etwas Besseres" fein! Das ist der wunde Punkt zu Zeiten: Ein jeder will aufs hohe Pferd; Ein Jeder will sich nobel kleiden, Doch Niemand feinen Schneider ehrt. Der Hände Schaffen kam zu Schanden, Der Arbeitsblouse schämt man sich; Das rächt sich noch in deutschen Landen, DaS rächt sich einmal bitterlich? Daß Handwerk hat noch goldnen Boden, Hält eß nur mit dem Zeitgeist Schritt? Folgt eß den Künsten unb den Moden, Und bringt man zu ihm Liebe mit. Wenn Bildung sich unb Fleiß vermählen, Und thut der Meister seine Pflicht, Mögt Ihr eß zum Beruf erwählen — Eß ist baß Schlechteste noch nicht? C. Kyff Hausen. (Deutsche Warte.) Verkehr, Land- nnd Volkswirtkschafi. - Nahrhafte und ttlli-ere frtttmiee der Pferd« Bet den anbaltenb hohen Hafervreisen kommt der Unterhalt der Pferde aflen Pserdebesitzern und zumal auch den Vanbmiitben, bedeutend höher zu stehen alt sonst calculirt wird. Eß soll deshalb hier auf bie Methode vieler Müblenbesitzer und Pserd.haller ausinerksam gemacht werden, die in dem Fachblatt„Deutscher Muller" veröffentlicht ist, und die den Unterhalt der Thiere bedeutend herabdrückt. Eie quetschen einfach den Hafer und sparen dadurch wenigstens 20 Procent gegen die ganzen Körner. 20 Pfund gequetschten HaferS bekommen ben Pferven besser und sie werden kräftiger als bei 25 Pfund ganzen HaferS. Auch für junge Pferde soll man den Hafer quetschen und nicht bloß für die alten; die jungen Thiere fressen viel zu gierig unb zu schnell und schlucken den ganzen Hafer biß zu 40 Procent ungekaut hinunter, ber auch so wieder zur Freude der Sperlinge aufgeworfen whb. Deshalb quetscht den Hafer; gut gekaut ist schon halb verdaut. Auch sei hier erwähnt, daß nach Ansicht einiger Pferdezüchter in Ostpreußen der Hafer dann viel bester nährt refp. verdaut wird, wenn vor der Haferration die Pferde erst etwas Heu frefien. ES soll auch auf diele Weile ein Viertel deS HaferS bet ber PserdefÜtterung erspart werden können. Citeratar unö Arrnst. — Jugend »artenlaude. Vierteljährlich 1 Mk Verlag ber Kinder-Gar turiaude tn Nürnberg. Banb UI Heft 4 1893 enthält: .Große Reife", Gedicht von Käte Dorn; — „6m Spaziergang unb feine Folgen", Erzählung von H. Heyn, mit Farbcndruckbild; — .In ber Aue", von P. Benndorf; — .9hine Sammlung auSgewählter Reben und Trtnksprüche bei Einladungen, geselligen Abenden, bei Spiel und Tanz, Weihnacht» unb Sylvester feiern, sowie im engeren Freundeskreise. Unter Mitwirkung eines hervorragenden zeitgenössischen Redner» herauSgegeben von IustinuS Abel. 112 Seiten 8®. Verlag von Levy 4 Müller in Stuttgart. Preis 1.20 Mk. Mit diesem Bändchen hat die vorliissiiche Sammlung ber Abelschen Rebe- und Toasibücher ihren Abschluß gefunden. War im „Festredner im Familienkreise" baß hiuSliche, im »Gewandten Redner an patriotischen sowie öffentlichen Festen und Ehrer tagen" daS öffentliche, in ,<5ß lebe unser Verein!" daS Verein» Leben berücksichtigt, io finden wir in dem unS heute vorliegenden. 112 Setten starken Bändchen „Hoch Freundschaft und Geselligkeit!" daS gesellige Leden tm engeren und wetteren Freundeskreise behandelt. Tierleben — Soeben erscheint — in zweiter, gänzlich neubear beite ter Auflage: Volks- und Schulausgabe von Richard Schmidtiein. Mit 1200 Abbildungen im Text, 1 Karte und 3 Chromotafeln. 52 Lieferungen zu je 50 Pfennig — 30 Kreuzer oder J Halbfranzbände tu je 10 Mk. — 6 Fl. 6. IV. Die erste Lieferung sur Ansicht. — Prospekte gratis. Zu beziehen durch bie Ferber sche Univ. Bnchhsndlung in Gießen. Verfälschte schwarze Seide. 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Dienstag den 18. April, Nachmittags 2‘/i Uhr, sollen auf diesigem Ortsgericht die den Larl Aughardt II und Ehristian Jag- Hardt IV. gehörigen Grundstücke: Flur 4 97 = 4211 qm Acker, stößt auf den Wismarer Weg, Flur 4/98 = 4219 qm Acker daselbst nochmals freiwillig meistbietend versteigert werden. SS wird bemerkt, daß Feldbereinigunas- kosten nicht mehr auf den Grundstücken hatten. Gießen, 13. April 1893. Großh. OrtSgericht Gießen. I. V : Bogt. 3558 r ? 212 Opel-Fahrräder aus der renommirten Fabrik von Adam Opel, Rüsselsheim a.M. Hervorragendstes « aw deutsches Fabrikat. im Jahre 1892 wurden wiederum auf Opel-Rädern mehr Meisterschaften (22), Records und erste Preise gewonnen, als auf allen anderen deutschen Fabrikaten zusammen. Opel-Räder sind zu beziehen durch: Wilh. Hamel in Hiessen, Bleichstrasse 7. HUSTENSTILLER beatbew&hrtes Huateneltte! empfiehlt 1819 Emil Fischbach. wla* •es h°ur- W J ff Lung ttm L peE^ G’ Msttt Etz-L OPEL Kayser Fahrräder! 1'1* Jahr Garantie. 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