Ämz Itt Stbilbden. i TOD —' s .EMU Äntenf rittn. mversations-Lerikorr, Bezugs Bedingungen an n. ____ au5tunft 5nl*erp® 36Ckn&^S VLfSE Ä Emu äSLÄMS q|M i 3g " rbli* Z»X"*M'- WZ «*Ä'Mrt,k« ASn' «< -fe; ---- [316 £9 H r.=45|»,.fc !s, tin Buch, |M je KrimtiG fe chrdmlugrn;ß xf WjauJtolU Wn Nchn- \v chrnPrvduüm | le Seite stellt. Dien. f! ntweM 1893 Nr 12 Erstes Blatt Samstag den 14. Januar Der Gießener «zeiger erscheint täglich, «it Ausnahme de» Montags. Die Gießener Ma»itte«b kälter »erden dem Anzeiger »Schentlich dreimal deigelegt. Bierteljähriger ZSonnementsprcis» 2 Wart 20 Pfq. mit Bringerlohn. Dur» die Pog Vezoge» 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Erpeditio« und Druckerei: -chukaratze M.2. Fernsprecher 5L Gießener Anzeiger Kenerat-Wnzeiger. Zlmts- ttttb rlttzeigeblatt fut? den ICrci# «Sieben. t Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen rn'' | chratisöeikage: Gießener Jamilienblätter Amtlicher Theil 189 den Beschäftigung zur Zett der letzten Beitragszahlung Aufenthaltsort zur Zeit der letzten Beitragszahlung Bemerkungen z. B. Austritt, Ausschließung rc. Jahr und Monat j Tag des Austritts örtliche Verwaltungsstellen errichtet haben, ist die Anzeige von der unteren Verwaltungsstelle zu erstatten. Zur Erstattung der Anzeige ist für jede Hülfskasse, sofern deren Vorstand nicht eine andere Person damit beauftragt, der Rechnungsführer derselben, für die örtliche Verwaltungsstelle dasjenige Mitglied, welches die Rechnungsgeschäfte derselben führt, ver- Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Vorm. 10 Uhr. glied zur Zeit der letzten Beitragszahlung beschäfügt war, unter Angabe seines Aufenthaltsorts und seiner Beschäftigung Die Regierungskrisis in Frankreich. Mir einer berechtigten Anspielung an ein bekanntes Dlchterwort kann man von den politischen Zuständen des heutigen Frankreich sagen: Es rast der Pfuhl des Panama- scandals und will sein Opfer haben! Zweifelhaft bleibt in der großen Regierungskrisis nur, ob das Opfer des rasenden Pfuhls die Republik selbst oder nur sämmtliche leitende Staatsmänner derselben sein werden. In den letzten Wochen war der bisherige Kriegsminister Frehcinet durch seinen aufgedeckten früheren Verkehr mit einem der Unterhändler des Panama-Unternehmens, den berüchtigten Cornelius Herz, welcher hauptsächlich b’e famosen Trinkgelder an die Abgeordneten und die Zeitungen vertheilt hat, so schwer compromittirt worden, daß an sein Verbleiben im Ministerium nicht zu denken war, ähnlich erging es mehreren anderen Ministern wie Loubet und Tirard, sodaß bei dem Beginn der neuen Kammersession am 10. Januar eine neue Ministerkrisis aus- brach. Das gesammte Cabinet reichte dem Präsidenten der Republik Herrn Carnot, seine Entlassung ein, Carnot beauftragte aber sofort den bisherigen Ministerpräsidenten Ribot mit der Bildung eines neuen Cabinets, welches inzwischen auch nothdürftig zusammengeflickt worden ist. An Stelle der ausscheidenden Minister Frehcinet, Loubet und Genossen sind die Minister Develle (Auswärtiges), General Loizillon (Krieg) und Viger eingetreten. Keineswegs ist aber durch diese neue Ministerkris und abermalige Beseitigung compromittirter Minister die Reg'e- rungskrisis in Frankreich selbst beendigt, denn mit einem Eifer, der einer besseren Sache werth wäre, arbeiten die offenen und geheimen Acteure des Panama Scaudals an der ,,Säuberung". Leider weiß man nur noch immer nicht, ob diese Säuberung der guten französischen Republik selbst oder der Aufrichtung eines neuen französischen Kaiserreiches gelten soll. Man munkelt in Paris viel davon, daß zwei ehren- werthe und früher sehr angesehene Republikaner, die Staats männer und ehemaligen Minister Brisson und Constans, die moralischen Urheber des Säuberungsprocesses seien, anderer- seits wird aber auch behauptet, daß die Ankläger Andrieux und Genossen nur einen Racheact des Boulangismus an der Republik verübten. Klar ist in der großen Krisis nur soviel, Vor- und Zuname des ausgeschiedenen Mitglieds pflichtet. Für unseren Kreis sind diese Anzeigen an uns zu richten. Die Unterlassung derselben ist in § 81 des Gesetzes mit Geldstrafe bis zu 20 Mk. bedroht. r , Zu den Anzeigen kann nachstehendes Formular benutzt werden. v. Gagern. Deutscher Reichstag. 19. Sitzung. Donnerstag, 12. Januar 1893. Von den Adgg. Auer und Singer (Scc.) iicgl nachstehende Jnte'p-llatton vor: „Welche Matzregeln Haven die ot.nur.beten Regierungen ergriffen oder gedenken sie zu ergreifen, um dem notorisch vorhandenen Nnihllande entgegenzawirken, welcher infolge andauernder A-.deitslosigkLit, vielfach vorgenommener Herabsetzung der NtbeitS- löhne, sowie der allgemein gedrückten ErwerbsverhLttn'sie, in den weitesten Dolkskreisen herrscht. Deutsches Reich. Berlin, 12. Januar. Die Commissionsberathungen des Reichstages wurden wieder begonnen, die Militärcommission wie die Budgetcommission traten am Dienstag zusammen. In jener erörterte der Re i ch s kanzler Gras Caprivi in zweistündiger Rede die politische Loge und erklärte er mit anerkennenswerther Offenheit, daß Feindseligkeiten zur Zeit in Europa weder zwischen den Monarchen, noch zwischen den Regierungen bestünden. Dann warf der Kanzler einen vergleichenden Blick auf die militärische Macht Deutschlands, Frankreichs und Rußlands, welcher Vergleich natürlich zu Ungunsten Deutschlands ausfiel. Weiter betonte Graf Caprivi, daß für Deutschland in einem Kriege erfahrungsmäßig die Offensive gegeben sei, diese erfordere aber eine stärkere Action des deutschen Reiches, da dasselbe den Hauptstoß der Gegner des Dreibundes auszuhalten haben würde. Die vorhandenen Mittel seien hierzu nicht ausreichend, weshalb die gegenwärtige Militärvorlage eingebracht worden sei. Graf Caprivi schloß seine bemerkenswerthe Kundgebung mit der Erklärung, die verbündeten Regierungen könnten eine Verantwortung mit den bisherigen Rüstungen nicht übernehmen. In der Eröffnungssitzung der Budgetcommission kam es zu einer längeren Erörterung von Positionen verschiedener Etats- außerdem ist hervorzuheben, daß Staats- secretär von Bötticher die Einbringung des Markenschutzgesetzes und des Reichsseuchengesetzes noch für Januar im Bundesrathe in Aussicht stellte. — Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Dienstag und Mittwoch die Vorlage, betr. die Verbesserung des Volksschulwesens und des Diensteinkommens der Dolks- schullehrer in erster Lesung, und nahm am Donnerstag zunächst den Etat entgegen. — Das geplante Reichsseuchengesetz soll sich, der „Freis. Ztg." zufolge, auf alle gefährlichen ansteckenden Krankheiten beziehen und die zu ihrer Abwehr und Bekämpfung erforderlichen Vorschriften enthalten. Dahin gehören: 1. die Regelung der Anzeigepflicht- 2. Abwehrmaßregeln gegen das Ausland, als Grenzsperren, Beschränkung des Grenzverkehrs durch Einfuhrverbote, Quarantänevorschriften- 3. Schutzmaßregeln im Jnlande, als Bekanntmachung der Krankheit, Jsolirung der Kränken und Desinfection, Ausfuhrbeschränkung, Verbot von Märkten, Versammlungen, Schulbesuch u. s. w., Beschränkung einzelner Gewerbebetriebe sowie des Verkehrs mit gewissen Nahrungs- und Genußrnitteln, Vorschriften über Beerdigung und Leichenbeförderung- 4. Regelung der Entschädigungspflicht für das aus Anlaß der Seuchengefahr vernichtete oder beschädigte Privateigenthum- 5. Strafbestimmungen. Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen. Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der neu gewählte und bestätigte Großh. Bürgermeister Heinrich Schmidt I. zu Trohe als Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeamter genannter Gemeinde heute verpflichtet und in seinen Dienst eingewiesen worden ist. Gießen, den 11. Januar 1893. Großherzogliches Amtsgericht. Fresenius. gegen die Spitzen der früheren Regierungsvertreter und die soeben abgegangenen Minister, und selbst der Präsident Carnot wird zu verdächtigen gesucht. Wie eine derartige politische Krisis enden wird, ob mit der Säuberung und Befestigung der Republik oder mit der Zerstörung derselben, oas kann heute noch kein Mensch Voraussagen. Versucht man indessen die Dinge in Frankreich von allgemeinen politischen Gesichtspunkten aus zu beurtheilen, so darf man wohl sagen, daß sür einen kühnen General oder einen waghalsigen Prätendenten der Napoleoniden oder Orleanisten die Aussichten, die französische Republik zu stürzen, sehr günstig sind. Indessen muß dagegen auch hervorgehoben werden, daß es jetzt in Frankreich keinen General mit großem politischen Anhänge gibt und daß sämmtliche bonapartistische und orleanistische Prinzen in der Verbannung leben, also die Republikaner seit Jahren aus der Hut gewesen sind und auch noch scharfe Wacht halten. So haben seit vier Wochen sämmtliche französische Generäle ehr strenge Ordres, um etwaige Putsche zu unterdrücken. In Paris find jeden Tag zehntausend Mann Infanterie, dreitausend Mann Cavallerie und mehrere reitende Batterien aufgeboten bez. auf einer Anzahl Plätze vertheilt, um Aufstande . niederzuhalten. Diese Maßregeln dürsten dem revolutrons- luftigen Pariser Mob immer noch einigen Respect emflößen. Bekanntmachung. Die zu Aulendiebach und Düdelsheim (Kreitz Büdingen) »usgebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche ist erloschen. Die angeordneten Sperrmaßregeln sind aufgehoben worden. Gießen, den 12. Januar 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gießen, den 10. Januar 1893. Hetr.: Obstbaumwärter-Curfutz zu Friedberg. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen tut die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Der landwirthschaftliche Bezirksverein Gießen hat in dem Voranschläge pro 1892/93 eine Subvention von 600 Mk. für junge Leute, welche an einem Obstbaumwärter - Cursus Theil nehmen, in Ausgabe vorgesehen. Der Betrag von 300 Mk. ist dem landwirthschaftlichen Bezirksverein von der Sparkasse zu Grünberg unter der Bedingung zur Verfügung gestellt worden, daß auch jungen Leuten aus den zum Spar- kassebezirk Grünberg gehörenden Orten zum Besuche eines Obstbaumwärter - Cursus die entsprechende Subvention bewilligt wird. Bewerber um Bewilligung dieser Subvention aus den zum Kreise Gießen und den zum Sparkassebezirk Grünberg gehörenden Gemeinden der Kreise Alsfeld und Schotten werben zur alsbaldigen Einreichung ihrer Gesuche und etwaiger Zeugnisse bei der betr. Bürgermeisterei unter dem An fügen aufgefordert, daß unter mehreren Bewerbern die Priorität der Anmeldung Anspruch auf vorzugsweise Berück- ficktigung giebt und daß die Subvention namentlich unbemittelten Personen zugewendet werden wird. Der Lehr-Cursus für Obstbaumwärter zu Friedberg dauert zehn Wochen und wird in den Monaten März, April und August abgehalten und beginnt den 15. März 1893. Junge Leute, welche an dem rubr. Obstbaumwärter- Cursus Theil nehmen, erhalten eine Subvention von je 70 Mk. aus der Bezirkövereinskasse. Die Großh. Bürgermeistereien werden ersucht, dieser Bekanntmachung die thunlichste Verbreitung zu verschaffen, Anmeldungen entgegen zu nehmen und dieselben unter Begutachtung der Gesuche an Großh. Kreisamt Gießen bis zum 15. Februar l. I. einzusenden, damit die Gesuche dem Ausschüsse zur Prüfung und Genehmigung rechtzeitig vorgelegt werden können. Zugleich ersuche ich Sie weiter, geeignete Zöglinge für reu genannten Cursus ausfindig zu machen und zur Anmeldung zu veranlassen. Carl Jost. Gießen, am 12. Januar 1893. Betr.: Die eingeschriebenen Hülfskassen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises, die Vorstände der eingeschriebenen Hnlsska,sen des Kreises und die örtlichen Verwaltungsstellen. Rach § 49 a des Krankenversicherungsgesetzes vom 10. April 1892 haben die den Anforderungen des § 75 entsprechenden eingeschriebenen Hülfskassen jedes Ausscheiden eines versicherungspflichtigen Mitgliedes aus der Kasse bei der Aufsichtsbehörde desjenigen Bezirks, in welchem das Mit- Die Hülfskasse ..................... meldet hiermit der Aufsichtsbehörde, Großh. Kreisamt Gießen, gemäß § 49 a des Krankenversicherungsgesetzes das Ausscheiden der nachbenannten seitherigen Mitglieder an. | daß fast alle Autorität der republikanischen Regierung in SiaatSftcretär v. Bötticher erklärt sich iur sofortigen Beantwortung der Interpellation bereit. Abg. Liebknecht (Soc) begründet die Interpellation. Die Noth besiehe; die Lage eines überaus großen TheilS der Brvötknung sei ungemein schwierig. In Chemnitz habe sich der Stadtrath geweigert, eine Deputation der Nolhleidenden zu empfangen. Derartige Borkommnisie seien aber vereinzelt, im Allgemeinen werde der Noth- ftand anerkannt. Für desien Vorhandensein spreche auch der Rückgang der Sparkasseneinlagen, die Abnahme des Fleischconfums, die Zunahme des Genusses von Werde- und Huvdefleisch, die Zunahme der Zwangsversteigerungen usw. Dem Rothstonde müsse von RetchS- megen entgegengeirrten werden; das Reich labe die Pflicht, hier den Cinzelftaaten und Gemeinden mit dem guten Beispiel voranzugehen. Cs handle sich hier um eine internationale Erscheinung, die mit Nothwendigkeit aus der jetzigen Gesellschaftsordnung hervorgehe. Der Mittelstand sei nicht Puffer zwischen Capital und Proletariat, er liege vielmehr zwischen beiden ois zwischen ein Paar Mühlsteinen, die ihn zermalmen. Durch die Maschinenarbeit werden immer mehr und mehr Menschen auf die Straße gesetzt. Die Ergebniffe der Etnkommensteuerstatisiik in Sachsen beweisen daS Schwinden des Mittelstandes, sie beweisen die Zunahme der beiden Extreme, der ganz Reichen und der ganz Armen auf Kosten der Mittelklaffen. Der Bergarbetterstrike im Westen sei nur durch bitterste Noth und durch berechtigten Ingrimm hervorgerufen. Ohne Notb stürzten sich nicht Tausende von Arbeitern in einen solchen Strike. Der Ingrimm der Arbeiter sei wohl erklärlich bei der Behandlung, welche den Arbeitern zu Theil werde und bet der Maßregelung ihrer Führer. Er bandle sich um Erscheinungen, die in der ganzen ctvilistrten Welt bestehen und die sich immer mehr verschlimmern werden; wenn der Staat überhaupt eine sociale Ausgabe habe, so müsse er jetzt Maßregeln gegen dm Nothstond treffm. Staatssecretär v. Bötticher: Die vom Redner herangezogenm mtrthschaftltchm Fragen lteßm sich in dm Rahmm der vorliegenden Interpellation gar nicht erledigm. Er habe ein so düsteres Bild der Lage des Landes gegeben, daß, wenn dasselbe den Thatsachm ent- soräche, allerdings das Reich zu einer Initiative veranlassen könnte. Zunächst sei es Aufgabe der Etnzelstaatm, drohendm Nothständen zu begegnen. Au« dem Umstande, daß von dieser Seite nicht bezügliche Anträge beim Reiche gestellt seien, ergebe sich, daß ein acuter Noth- stand nicht bestehe. (Hört! bört! bet dm Socialdemokratm.) Sie werden noch mehr hören. Das Bild, das Liebknecht entwarf, sei unzutreffend. Er stelle nicht in Abrede, daß hier.und da allerdings ein Notbstand bestehe, wie dies immer in Perioden des wtrthschaft- ltchen Niederganges der Fall sei; aber es bestehe kein allgemeiner Nothstand, der ein Eingreifen des Reiche« nothwmdig machte. Die wiithschaftliche Lage habe sich in letzter Zeit auch gebessert. Den Behörden sei an das Herz zu legen, da, wo wirklich ein Nothstand bestehe, demselben durch Bereitstellung von Arbeit entgegmzu- riirfen. DaS sei auch schon vielfach geschehen, so im Königreich Sachsen, wo Mittel zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt worden Men. Tin frivolerer Strike wie der im Saarrevler sei ihm noch nicht vorgekommen. Der Strike sei wie der Blitz vom heiteren Himmel gekommm und ohne daß man der Bergbehörde Forderungen unterbreitet habe. Die Socialdemokraten aber fordere er auf, ihren Einfluß aufzubietm, um die Fortführung dieses Strtkes zu verhüten, bmn Vertragsbruch, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Untreue weiden niemals in unserem Staate zum Siege gelangen. (Beifall.) Abg. Singer beantragt Besprechung der Interpellation, das £>au8 beschließt dies einstimmig. Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.): Characteristisch für das Vorgehen der Socialdemokratie sei eine Ausführung des Parteiorgans, in welcher die Zufriedenheit als der größte Feind hingestellt werde. Demgemäß bandle sie auch und sie schädige die deutsche Production, wo sie nur könne, wodurch die Arbeiter betroffen würden. Handle es sich um eine Vermehrung der Arbeitsgelegenheit, so verhalte sich die Socialdemokratic ablebnend. Die Folge der Agitationen der Socialdemokralie sei, daß die Arbeitgeber entmutigt daran dächten, ihre Betriebe einzusiellen. Wohin diese Agitationen treiben, beweise der frivole Saarbrückener Strike, der geradezu eine Ironie auf die Nothlage bilde. Ein Lohn von 4.50 Mark, wie ihn die dortigen Bergarbeiter erhielten, sei der höchste Arbeitslohn in Deutschland. Der Strike iet von dem socialdemokrattfchen Rechtsschutzverein hervor- gerufen worden, um diesen Verein, wie eS in einem Ausrufe heißt, zur höchsten Voten, im Saarreoier zu machen. Die Arbeiteraus- schüffe seien Organe des RechtSschutzvereinS geworden. Er bebaure, daß die Bergbehörde nicht reckt eilig gegen die Strebungen der Social- semokraten vorgegangen sei. In den Privatwerken des Saarrev ers strikten die Arbeiter nicht, sie seien zufrieden mit einem Tagelohn, der immer noch hinter dem der fiScalischen Betriebe zurückstehe, aber sie seien zufrieden, denn sie fühlten, daß eine kräftige Hand sie schütze vor dem Terrorismus der Agitatoren. Hätte die Bergbehörde sofort nach Erlaß des StrikeaufrusS bekannt gemacht: „Wer nicht binnen drei Tagen die Arbeit wieder aufnimmt, ist definitiv entlasten," so wäre der ganze Strike im Sande verlaufen. Wer den Contract breche, entlasse sich damit selbst; aber 'die Bergbehörde hat sich noch an diesen Contract für gebunden gehalten, nachdem derselbe von den Arbeitern einseitig gebrochen war. Der Gewalt könne nur durch Gewalt entgegengcrohtt werden, natürlich der ungesetzlichen Gewalt durch gesetzliche Gewalt. Wenn das Arbeiterschutzgesetz, daS er mit Freuden begrüßt habe, wirksam sein solle, so müsse eS begleitet sein von einer ausreichenden Niederhaltung der socialdemokratischen Agitation. (Beifall rechts) Kgl. preuß. Minister für Handel und Gewerbe Frhr. v. Berlepsch. Die eigentliche Ursache de« Strtkes im Saarreoier war, daß der Vorstand dc« RechtSschutzveretns seine Macht schwinden sah; um dieselbe wieder zu gewinnen, ents»loß er sich, einen Strike zu organisiren, zu bem ihm eine gewisse Mißstimmung in der Belegschaft gegen die Arbeitsordnung den Anlaß geben mußte. In unglaublichem Leichtsinn folgten die Bergarbeiter der frivolen und verbrecherischen Verführung, denn eS mußte jedem Denkenden von vornherein klar sein, daß dieser Strike aussichtslos fei. Sonst wurden Strike« wegen zu geringer Löhne oder zu langer Arbeitsdauer unternommen. Die Löhne der fiscaltfchen Bergarbeiter im Saarreoier seien hoher als irgendwo in Deutschland. Die Behauptung, die Saarbrücker Bergleute erhielten Hungerlöhne, fei eine ungeheuere Lüge. Im Saarreoier beiland achtstündige Schicht excl. Ein- und Ausfahrt; die neue Arbeitsordnung brachte eine weitere Erleichterung, nämlich neunstündige Schicht einschließlich Ein- und Ausfahrt. Die neuen Bestimmungen der Arbeitsordnung bezweckten Verhütung von Unglücksfällen. Auf llebertretbung beruhen auch die Behauptungen über schlechte Behandlung der Bergarbeiter; ihm sei während seiner Amtsführung niemals eine Beschwerde eines Bergarbeiters über ihm widerfahrene schlechte Behandlung zugegangen. ES sei unbegreiflich, wie der Rechtsschutzverein 30,000 Arbeiter zum Strike treiben konnte. Und wer seien die Leute, die an der Spitze deS Vereins stehen' Die vier Hauptführer desselben seien verhaftet wegen Unterschlagung von Vereinsgeldern. (Hört! hört!) Marken habe in seinem Aufrufe da« Motto: „Wahrheit, Freiheit und Recht" gebraucht, aber nach dem Motto: „Lüge, Zwang und RechtSbruch" gehandelt. DaS vom Abg. v. Stumm befürwortete Verfahren hätte leicht ein anderes Ergebniß haben können, als Herr v. Stumm erwart.te. Endgültig entlasten werden alle Diejenigen, welche durch unwahre Angaben den Strike schürten, etwa 500 Mann. Außerdem werde die Belegschaft um ca. 2— 3000 Mann vermindert und eS werden natürlich solche entlassen werden, die am längsten im Strike verharren. Ein Vorgehen gegen den RechtSschupverein werde erwogen werden. Jedenfalls werde die preußische Bergwerksverwaltung niemals in die CoalitionSsreiheit eingreUen. Die vom Abg. v. Stumm geübte Kritik an den Maßnahmen der localep Bergbehörde kann in diesem Stadium keinen Nutzen haben und der Behörde nur ihre Stellung erschweren. Hätte man bet Beginn deS Strike« bekannt gemacht: wer binnen drei Tagen picht aniährt, der ist entlasten, so hätte man möglicherweise alle 30,000 Bergarbeiter entlasten müssen, denn wenn die Bergbehörde einmal eine solche Bekanntmachung erläßt, so kann sie nicht zurück. Daß das von der Bergbehörde eingetolagene Verfahren das richtige sei, erhelle aus der Zunahme der dnn^welche die Arbeit wieder ausgenommen haben. Heute find bereits 16000 wieder an der Arbeit. _ Abg. Frhr. v. Pfetten (Ctr.): Ein Nothstand bestehe allerdings und zwar in der Landwirthschaft und im Kleingewerbe. Dem letzteren werde man am besten entgegenwirken, wenn man die Anträge de« Centtums zur Gewerbeordnung annehme. Die Berathung wird vertagt. Weiterberathung morgen 1 Uhr. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphische« Correspondenz-Bureau. Berlin, 12. Januar. Gegenüber den Befürchtungen, daß die Einführung der mitteleuropäischen Einheitszeit für den Nahverkehr der größeren Städte Erschwernisse mit sich bringe, wenn nicht zugleich die Fahrpläne der Eisenbahnen den veränderten Verhältniffen angepaßt würden, thcilt der „Reichsanzeiger" mit, daß die Königlichen E senbahndirectionen schon vor längerer Zeit angewiesen worden seien, die -erforderlichen Aenderungen der Fahrpläne für den Vorort-Localverkehr der größeren Städte nach Benehmen mit den zuständigen Localbehörden zum 1. April d. I. vorzusehen. Dortmund, 12. Januar. Die Dortmunder Union stellte nach der „Rh.-Westf. Ztg." den Betrieb des Bestemer- werkes und der Rädcrfabrik wegen Kohlenmangels ein. Die beiden Fabriken werden vorläufig bis Montag stillstehen, wodurch 1000 Arbeiter brodlos werden. Gelsenkirchen, 12. Januar. Der gestern versammelte Ausschuß des 22,000 Mitglieder umfassenden rheinisch-west- phälischen Verbandes evangelischer Arbeitervereine beschloß einstimmig eine Erklärung gegen den Strike. Gelsenkirchen, 12. Januar. Die Nacht ist ruhig verlaufen. Trotzdem finden fortgesetzt Verhaftungen statt. Aus Ueckendorf allein wurden heute Vormittag 14 Personen eingeliefert. Saarbrücken, 12. Januar. Eine neugewählte Deputation der Strikenden fragte telegraphisch bei dem Vorsitzenden der Bergwerksdirection, Geheimerath v. Velsen, um Unterhandlungen an. Velsen lehnte Unterhandlungen ab, erklärte sich aber bereit, die Deputation anzuhören, falls dieselbe aus activen Bergleuten bestände, Bergleute mit Abkehrschein würden nicht angenommen. Breslau, 12. Januar. Der „Generalanzeiger" meldet amtlich: Der Strike im Kohlenrevier ist beendet, zur Frühschicht ist alles angefahren. Nachmittags finden Verhandlungen statt zwischen der Henkel v. Donnersmarck'schen Verwaltung und den Bergleuten. Paris, 12. Januar. Der „Cocarde" zufolge finden bei den großen Bankinstituten zahlreiche Zurückziehungen vou Guthaben statt, wodurch die Notenreserve der Bank von Frankreich erschöpft se>. Ein einziges Bankhaus halte seit zwölf Tagen 180 Millionen Einlagen zurückgezahlt. In der Provinz verlangten die kleinen Depotgläubiger ihre Guthaben von den staatlichen Sparkassen massenhaft zurück. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 12. Januar. Der Kriegsminister lehnte das Gesuch der Civilmusiker um Einschränkung des gewerblichen Musizirens der Militärmusiker ab. Berlin, 12. Januar. Die auf heute Nachmittag in die Schöneberger Schloßbrauerei anberaumte Arbeitslosen- Versarnmlung wurde polizeilich verboten. Zur Aufrechthaltung der Ordnung war ein Aufgebot von Gensdarmen und Schutzleuten anwesend. Effen, 12. Januar. Bis heute Abend striken circa 20,500 Mann. In dieser Zdhl sind auch Mittags, und Nachtschicht der schon gestern Morgen Strikenden enthalten. Heute haben sich am Strike betheüigt die Zechen: „Louise", „Tiefbau", „Nordstern", „Kaiser Friedrich", „Birkenfeld" und „Dornfeld". Das sichere Ende des Ausstandes steht in einigen Tagen zu erwarten. Effen, 12. Januar. Die heute stattgehabte Belegschafts- Versammlung der noch nicht ausstehenden Zeche „Herkules" wurde aufgelöst. Man kam zu keinem Resultat- verschiedene Redner sprachen gegen den Strike. Effen, 12. Januar. Eine gestern Abend hier abgehaltene zweite Versammlung der Bergleute des Essener Reviers beschloß einstimmig, am Aus st and fest zuhalten. Effen, 12. Januar. Die Zahl der Strikenden im Essener Revier hat eher ab- als zugenommen. Die Grube „Helene" steht theilweise aus. Die heutige Essener Versammlung beschloß, die Forderungen der Bergleute dem bergbaulichen Verein zu überreichen und nicht eher anzusahren, als bis dieselben erfüllt seien. Trier, 12. Januar. Die der Kindesentführung angeklagten Pfarrer Stück und Frau Ludwig wurden sreigesprochen. Der UrtheilSspruch wurde vom Publikum mit Bravorufen ausgenommen. Der Präsident drohte an, den Saal räumen zu lassen. Karlsruhe, 13. Januar. Der Kaiser ist gestrrn Abend 10 Uhr nach Berlin zurückgefahren. Arn Bahnhofe hatte sich trotz der grimmigen Kälte eine zahlreiche Menschenmenge versammelt, welche brausende Hochrufe ausbrachte. Der Großherzog und der Erdgroßherzog waren zum Abschied am Bahnhofe anwesend. München, 12. Januar. Bei schneidendem Nordost herrscht hier eine grimmige Kälte bei 20 Gr. CelsiuS auf frei gelegenen Punkten. Sämmtliche durchgehende Züge treffen verspätet ein, fast sämmtliche Gebirgsseen sind zugesroren. Nürnberg, 12. Januar. Hier herrscht eine sehr starke Kälte, an den freigelegenen Punkten bei scharfem Ostwind bis 24 Gr. C. Die Eislnbahnzüpe treffen verspätet ein. Paris, 12. Januar. Die „Libre Parole" kündigt die Verhaftung EiffelS an. — Der „GauloiS" kündigt einen Antrag deS CabinetS an, weitere Strafverfolgungen gegen mehrere Abgeordnete anzuordnen. Paris, 12. Januar. Freycinet soll dem Untersuchungsrichter erklärt haben, die von Cornelius Herz gezahlten Millionen Panamagelder seien für sehr hochstehende politische Persönlichkeiten bestimmt gewesen, welche Frehcinets Vermine» lung erbeten hätten. — geteilter will die provisorische Aufhebung der parlamentarischen Immunität für alle Abgeordneten. Paris, 13. Januar. Carnots Stellung erscheint erschüttert. Selbst die republikanischen Blätter greifen ihn an nnb fordern seine Vernehmung durch den Unter suchungsrichter wegen der erhobenen Anklagen. CbarleS de LeffepS sagte dem Dementi deS „TempS" entgegen cate» gorisch aus, daß Cornelius Herz Summen zur Unterstützung der Candidatur Frehcinets zum Präsidenten der Republik empfing. Drumont greift Freycinet und Floquet heftig an, Burdeau behauptet, Freycinet habe im KriegSrninifteriu» und in der Armee die größte Unordnung herbeigeführt. Paris, 13. Januar. Heute finden in zahlreichen Finanz- inftituten Haussuchungen statt. DaS bisher gesuchte Checkbuch ArtonS, sowie ein großer Theil seiner Correipon- denzen wurde bei Propper beschlagnahmt. ArtonS Aufenthalt ist nunmehr festgestellt und steht seine Verhaftung bevor. Brüffel, 13. Januar. In Herftal wurde ein Berg arbeiter verhaftet, welcher verdächtig ist, das gestrige Dynamit attentat verübt zu haben. Rom, 12. Januar. DaS Jesuitenblatt „Voce della Verita" schreibt, die Stunde der großen Entscheidungen habe in Frankreich noch nicht geschlagen, allein sie bereite sich schneller vor, alS man noch vor wenigen Tagen gedacht hätte. Die Folge werde nicht nur der Fall deS CabinetS, sondern auch die rad calen Aenderungen der Parteien im Parlament und im Lande fein. Selbst die liberalen Franzosen müfjicn jetzt anerkennen, welches Palladium für die Republik und die Ordnung der Politik der Papst gewesen sei. Buenos Ayre«, 13. Januar. Avellaneda führte die Beilegung deS Aufstandes herbei. Die Provinz Corrientes setzte ihren Gouverneur ab und gestand die Hauptforderungen der Aufständischen zu, welche gemeinsam die Delegirten der Centralregierung und die Neuwahlen überwachen. Sitzung -er Stadtverordneten am 12. Januar 1893. Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, Emmelius, Faber, Flett, Grünewald, Habenicht, Helfrich, Heß, Heyligenftedt, Jughardt, Keller, Orbig, Petri, Dr. Ploch, Dr. Schäfer, Scheel, Schiele, Simon, Schmall und Wallenfels. Nachdem durch Verordnung vom 10. November 1886 auf Grund des § 33 der Gewerbeordnung für das Gebiet des Großherzogthums Hessen die Bedingungen festgesetzt worden, unter welchen die Concession zumWirthschastSbetieb zu ertheilen und gleichzeitig bestimmt worden ist, daß für Städte von über 15 000 Einwohnern besondere OrtSstatuten erlaffen werden können, hat unterm 16. December desselben JahreS die Stadtverordneten-Versammlung beschlossen, von Erlaß einebesonderen OrtSstatuts abzusehen. Heber die Gründe zu diesem Beschluß liegen nach Angabe deS Herrn Oberbürgermeisters actenmäßig sestgestellte Nachweise nicht vor. Die nach dieser Zeit behandelten Gesuche um WirthsschastS.Concession, welche, sofern gegen das Local und die Person des Nachsuchenden Nachtheiliges nicht vorliegt, Niemandem vorenthalten werden kann, gehen die Stadtverordneten Versammlung nur insoweit an, als diese sich über das Bedürfniß zum Ausschank von Branntwein gutächtl'ch zu äußern hatte. Die Stadtverordneten-Versammlung hat bisher fast ausnahmslos das Bedürfniß zum Ausschank von Branntwein als vorliegend erachtet, wenn die Erlaubniß zum Wirthschaitsbetrieb vom Kreisamt überhaupt ertheilt wurde. Die dadurch zwischen dem Kreisamte und der Stadtverordneten- Versammlung hervorgetreteneu Gegensätze haben das KreiSamt veranlaßt, die Bürgermeisterei um Erlaß eines OrtsstatutS anzugehen, nach welchem auch hinsichtlich d.r Beantwortung der Bedürfnißfrage zum Ausschank von Branntwein für Wirtschaften ohne BranntweinauSschank-Berechtigung Normen zu schaffen wären. Das Großherzogl. KreiSamt hält eine ortsstatutarische Regelung der Frage auch aus dem Grunde für geboten, weil durch Ueberhandnahme der Wirthschafteu die Eoncurrenzfähigkeit des achtbaren WirthSstandes unmöglichgemacht und sonstige sociale Mißstände hervorgerufcn würden. Bevor die Bürgermeisterei der Frage wegen Erlaß eines diesbezüglichen OrtsstatutS näher zu treten für räthlich erachtete, hat dieselbe Erkundigungen über die Wirkungen derartiger Ort« ftatuten in anderen hessischen Städten eingezvgen, über bereu Ergebniß Herr Oberbürgermeister Gnauth ieferirte. Danach hat Darmstadt zunächst mit Gültigkeit für die nächsten zwei Jahre ein Ortsstatut erlaffen, über dessen Zweckmäßigkeit indeß, der seit Errichtung verstrichenen kurzen Zeit wegen, Angaben noch nicht gemacht werden konnten. Mainz besitzt kein OrtSstatut. In Worms hat sich daS OrtSstatut noch nicht bewährt, ebensowenig in Offenbach, welches bereits d,e Wiederaufhebung desselben beantragt hat; als Folge des Orts- ftatuty und Nachtheil desselben wird in beiden Städten ein in keinem Verhältnisse zum Werthe der betr. Hofraithen stehendes enormes Steigen der Preise für solche Grundstücke bezeichnet, in welchen sich WirthschaftSbetriebe befinden- der Vermehrung der WirthSschaftSoetriebe hat, wie aus Offenbach ziffernmäßig berichtet wird, das Ortsstatut Einhalt nicht gethan. Aus Grund dieser wenig zu Gunsten eineß Ortsstatutsprechenden Berichte auö Offenbach und Worms hat die Eom Mission zur Prüfung der Bedürfnißfrage beantragt, von Erlaß eines OrtsstatutS für den Gemeindebezirk Gießen abzusehen. Dieser Antrag wurde zum Beschluß erhoben. Ueber das Gesuch des MetzgerS Georg Kraft um Concession zum WirthschastSbetrieb ,m Hause Wetzsteinstraße 42 wird nicht verhandelt, da Gesuchsteller dasselbe zurückgezogen hat, nachdem die Commission beschloffen hatte, die Bedürfniß- frage zu verneinen. DaS Baugesuch des Herrn Carl HaaS V. für die Franksurterstraße wird auf Antrag der Baudeputation bean- **££?*«* lNhi,ät für^6,"0^ "*9 Ä' Mh -^W L' Marler 01'nen iUt t?^n cate-. *‘4 m» 81«* jJ* ASS?- L"A°E ’t*“ M M. --'ch>°W, aUein ’|5 6or T«z„ *-bn s°° ’« ! ™6mi"9tn her $at, "'M »° libfraln P°ll°dium ttr lx *lt Htt P-ps, ,e. ft k s?mini ^WW Itano dieHauptsordnungea e,n'Qm die Delegirten ter en überwachen. verordneten 1893. Gr Gnauth, die Herren g, von Seiten der Stadt- Brück, Emmelius, fsaber, >üch, hetz, hehtigenstedt, Pioch.vr. Scharr, Schert, lensrlS. vorn 10. November 1886 beordnung für das Gebiet dingungen festgesetzt worden, mWirthschastsbetieb t worden ist, daß für Städte adere Onsstatuten erlassen :em6tr desselben Jahre- die schlossen, von Erlaß eine« . Heber bie yx br des Heern Oberbürger- xchwe^e nicht vor. Die nach nn Wirthsichaftö-Concession, !>ie Person des Nachsnchendm andem vorcnthalten werden ersammlung nur insoweit an, n Ausschank von Branntwein dlverordneten-Beriammtunj Bedürsniß zum Ausschank achtet, wenn die Erlaubnis ml überhaupt ertheilt wurde, e und der Sladlverordneten- aensätze haben das Kreisamt n Erlaß eines OrisstatutS nsechtlich b;r Beantwortung Mk °°° 8»*^ Sid)«nt=$t«d)ti9un9jl» ieTioQl. Kreisamt halt ein Saudi aus dem Grunde a„9t*t d» wW" hnrcn Lirthsstandks unmofl S-SS «9* "‘Kbtidi eredlttti, * “Äfittt. Dan°» * ilt,»fe,thfi awdmäW« fib" £n 3«‘ •*’' »» Mi d"'»' t sich daö ~ l rejt§ die i*4' M t«8°* SU«’“" -i'd Sojtly« erlhe der @runlifiüA lresik fW J b cnt)en; der -chastsbemebevp etsjiatut®10?0 ortBftaW“ **‘SS** *luL ©torg^Le^ , V fir * trag btT fandet, da das projectirte Haus nicht den Anforderungen entspricht, welche der § 28 des Ortsbaustatuts in Bezug auf gefälliges Aeußere stellt. Die Entscheidung über die folgenden Punkte 4—9 der Tagesordnung wurde von Herrn Oberbürgermeister Gnauth als ■ t u Einfluß auf die Feststellung des Voranschlags für 1893/94 bezeichnet, weil die hier vorgesehenen öffentlichen Arbeiten innerhalb dieses Voranschlags zur Ausführung kommen sollen. Danach wiro zunächst bezüglich des Ausbaues der L u dwig sftr a ße beschlossen, vor den Häusern Nr. 27—31 I und 37 bis 41 erhöhte gepflasterte Trottoirs herzustellen. | Bezüglich der Erhöhung weiterer städtischer Trot- k toirs berichtet Herr Oberbürgermeister Gnauth, daß, soweit eine theilweise Trottoirherstellung auf Grund früherer Credite I richt bereits ausgeführt oder noch in Ausführung begriffen sei, I zunächst m Vorschlag gebracht seien: 1) die Westanlage önf ihrer Nordseite vom Octroihäuschen an bis zum Koch'schen i Besitzung mit geplastertem Trottoir/ 2) die Wi lhelmstraße , auf ihrer Südseite entlang der Gail'schen re. Besitzungen mit Kiestrottoir und Wangensteinen an Stelle des früher geplanten gepflasterten Trottoirs/ 3) der Seltersweg von d.r Fronkfurterftraße bis zur Löwengasse mit Asphalttrottoir/ 1, die S ch u l st r a ß e mit Asphalt« bzw. Mosaiktrottoirs und einer Baumpflanzung an der Nordseite. Die Kosten sind veranschlagt zu 1) auf 1150 Mk., zu 2) auf 3600 Mk. für gepflastertes, auf 2400 Mk. für Kiestrottoirs mit Schlackenunterlage, zu ■ auf 12000Mk., zu 4) auf 9800 Mk. Danach einem bei Ge- icgenheit der Berathung des Planes für die Erhöhung städtischer Trottoirs gefaßten Beschlüsse jährlich dafür 13 000 Mk. vorgesehen werden sollen, so würde unter Berücksichtigung der von den Anliegern laut Ortsbaustatut zurückzuerstattenden v stenantheile, von denen nur die Anwohner der Schulstraße befreit blieben, dieser Betrag immer noch erheblich überschritten werden, und hatte sich deshalb die Versammlung darüber schlüssig zu machen, welche der hier bezeichneten Straßenstrecken bezüglich ihrer Trottoirherstellung nochmals zurückzustellen wären. Bezüglich der Sch ul st raße theilt Herr Oberbürgermeister Gnauth mit, daß beabsichtigt sei, dieselbe infolge ihrer großen Breite mit so breiten Trottoirs zu versehen, daß eine Fahrbahn von 7J/2 Metern, die das Ausweichen dreier Wege gestatte, verbleibe. Dadurch werde, besonders auf der mit sehr breitem Trottoir zu versehenden Nordseite, die Möglichkeit gegeben, an Markttagen den Obst- Handel auf die Trottoirs zu verlegen und Käufer wie Verbi ufrr vor Belästigungen durch Fuhrwerke zu beschützen. Durch die Anpflanzung von Bäumen auf der Nordseite, von der Sonnenstraße (Kellers Garten) bis an Alexander Mayers Haus würde diese den Sonnenstrahlen stark ausgesetzte Seite geschützt. — Herr Petri ist dafür, daß die Schul- siraße (über deren Herstellung auch in der Baudeputation Slimmeneinheit nicht erzielt wurde) für das folgende Jahr znrückgestellt werden könne, nicht nur wegen der Kosten, sondern auch wegen Berücksichtigung des Umstandes, daß mit der Trottoirherstellung gleichzeitig eine Neupflasterung der Fahrbahn, die ebenso mißständig wie das Trottoir sei, uoc genommen werden müsse, was erhebliche Kosten verursache. Was den Obsthandel betreffe, so seien für denselben ja die Marktlcuiben vorgesehen. — Herr Wa llen fells bemerkt, daß gerade die infolge des großen Personenverkehrs zur Post stark begangene Schulstraße einer Verbesserung dringend bedürfe, denn die Mißstände bezüglich des Trottoirs seien groß; was die Wilhelmstraße betreffe, so sei er dafür, daß dieselbe gleich gepflasterte Trotoirs erhalte anstatt Kiestrottoirs, damit doppelte Kosten vermieden würden. — Herr Or. Ploch bezeichnet den Zustand der Schulstraße als schlecht, besonders an der Post, es fei zu verwundern, daß daselbst nicht schon . Unfälle vorgekommen seien, für welche die Stadt in höherem Betrage aufzukvmmen habe, als die Zinsen der Anlagekosten - .Qii5mad)ten; die Obstverkäufer könnten deshalb nicht in die x Marktlauben verwiesen werden, weil diese wohl an ständige Marktbesucher vermiethet würden. Man solle zu Gunsten der ' Schulstraße lieber die Wilhelmstraße, die noch gut passirbar Iiei, zurückstellkn. Herr Sch e el bezeichnet den Zustand der Schul- sik aße nicht nur als gefährlich, sondern auch in höchstem Grade häßlich; eher solle mau den SelterSweg noch um ein Jahr zurück- stellen, auch er wünsche an Stelle des Kiestrottoirs in der Wilhelmstraße gleich gepflastertes Trottoir. — Herr Beigeordneter Georgi bittet die vorgesehenen 13,000 Mk. nicht zu überschreiten/ welche Straße zuerst hergestellt werden sollte, wolle er sirr nicht erörtern. — Herr Oberbürgermeister Gnauth be- I merkte, daß für die Herstellung des Sxltersweges nicht nur dessen große Frequenz, sondern auch gewissermaßen sog. R, präsentationspflichten sprächen, weil nach dem Zustande der Straßen an den Stadteingängen von Seiten der Fremden auf den Straßenzustand der ganzen Stadt geschlossen werde. Durch Anbau neuer Häuser, Errichtung von Läden u. s. w. habe der Seltersweg das Ansehen einer Geschäftsstraße erhalten, welchem Umstande man Rechnung tragen müsse. — Herr Heyligcnstaedt wünscht ebenfalls, daß der Credit nicht überschritten werde, da ja auch bezüglich anderer als noth- wendig bezeichneter Arbeiten Summen abgesetzt würden. So gefährlich wie sie bezeichnet, sei die Schulstraße noch nicht, weshalb dieser Posten noch zurückgestellt werden könne. Die Herstellung des Selterswegs sei dagegen nöthig/ was die Wilhelmstraße betreffe, so könne er Kiestrottoir nicht empfehlen, man solle entweder Trottoirpflaster anlegen oder auch diese Straße zurückstellen, sofern nicht durch eine einfache ^iesüberschüttung eine vorläufige Verbesserung zu erreichen sei. Herr Grünewald spricht sich, nachdem ihm ans seine An- irage, wie hoch sich die Kosten nach Zurückstellung der Wilhelmstraße stellen würden, mitgetheilt worden, daß ca. 18,000 Mk. erforderlich seien, dafür aus, daß der Selters- ivkg mit erhöhtem Trottoir versehen werde/ auch er ist dafür, tnß die Wilhelmstraße noch zurückgestellt wird. — Herr Schmoll möchte zwar, daß der Voranschlag sich in dem Rah- . öi rn bewege, innerhalb welchem eine Erhöhung der Communal- iicuer vermieden werde, wenn aber die Schulstraße verbeffcrt .würde, so sei er in Bezug auf die Kosten nicht so ängstlich, denn diese Straße sei in hohem Grade verbesserungsbedürftig, nur frage es sich, ob durch die Trottoirherstellung u. s. w. nicht eine Veränderung an der Gasleitung und an den Kanälen nothwendig würde/ auch sei er der Ansicht, daß die Wilhelm straße noch zurückgestellt werden könne. — Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt bezüglich der Gasleitung in der Schulstraße, daß allerdings eine Umlegung der Rohre nöthig werde, dieselben lägen erstens nicht in der richtigen Tiefe und zweitens seien neue Rohre wegen der zu geringen Lichtstärke der vorhandenen nöthig. Der Umbau des Stadtbaches fei ebenfalls in Berücksichtigung gezogen. — Bei der nun folgenden Abstimmung wird beschlossen, die Wilhelmstraße für diesmal noch zurückzustellen, dagegen sollen der Seltersweg und die Schulstraße in der beantragten Art durch Erhöhung der beiderseitigen Trottoirs verbessert werden. Für Anbringung von 12 bis 15 Wegweisern nach den Bahnhöfen in verschiedenen Stadttheilen werden die Kosten bewilligt. Nachdem durch Anbringen von Plakattafeln in verschiedenen Stadttheilen den Mißständen, welche durch das Bekleben an öffentlichen und Privatgebäuden entstanden, in der Hauptsache abgeholfen, ist man der Aufstellung von Plakat' sänken näher getreten und hat die Baudeputation die Aufstellung solcher Säulen vorläufig für folgende fünf Stellen beantragt: Eingang der Dammstraße in die Nordanlage, Marktplatz, Seltersthor, Platz vor dem Hotel Kühne am Bahnhof, Kreuzung der Senckenbergstraße bezw. Moltkestraße mit der Wiesenstraße und Ostanlage. Es wird dem Anträge gemäß beschl-ossen, die Kosten mit 200 Mk. für jede Säule in das nächste Budget einzustellen. Dem Männer-Turnverein soll auf Ansuchen die Turnhalle der Realschule auf einige Wochenabende behufs Abhaltung von Stab- re. Hebungen überlassen werden, vorbehältlich der Festsetzung einer Entschädigung nach Ablauf der Gebrauchszeit. Aus dem der Versammlung vorgelegten und in seinen einzelnen Positionen berathenen Voranschlag des Gas- unb Wasserwerkes für 1893/94 sei mitgetheilt, daß der Erlös aus Gas mit Mk. 136,678.—, aus Cokes mit Mk. 36,335.—, aus Theer mit Mk. 3928.— angenommen wurde. An Einnahmen für Gaseinrichtungen sind 12,000 Mk. vorgesehen. An ordentlichen Einnahmen sind vorgesehen ins- gesammt Mk. 192,700.—, an außerordentlichen, zum Theil durch Capitalaufnahme zu erreichenden Mk. 75,930.—. Unter den mit insgesamrnt Mk. 268,630.— eingestellten Ausgaben sind 20,000 Mk. an die Stadtkasse abzuliefernder Ueberschuß vorgesehen, 58,900 Mk. für Beschaffung von Gas- kohlen u. s. w. Das Stadtrohrnetz soll, soweit die nachstehend bezeichneten Straßen nicht schon theilweise in dasselbe einbezogen, ausgedehnt werden auf die Moltkestraße, Bleichstraße, Bismarckstraße, Göthestraße, Straße durch Steins Garten, Stephanstraße, Schottstraße, Markthallestraße, Weserstraße, Löberstraße, Verbindungsstraße zwischen Frankfurterstraße und den Bahnhöfen. Außerdem soll auf dem Kreuz eine weitere lichtstarke Laterne aufgestellt werden. Für das Wasserwerk sind an ordentlichen Einnahmen vorgesehen 49,800 Mk., worunter 46,450 Mk. an Wasserzins, die außerordentlichen Einnahmen betragen einschließlich einer Capitalaufnahme von 17,000 Mk. rd. 30,000 Mk. Dieser stehen die Ausgaben (ordentliche und außerordentliche) in gleichem Betrage (79,800 Mk.) gegenüber. Für Ausdehnung des Rohrnetzes sind die gleichen Straßen vorgesehen, wie für die Gasleitung. Locales unb KrovLrrzlelles. Gießen, 13. Januar 1893. — Neues Theater. Eine sehr interessante Novität erlebt am nächsten Montag die erste Aufführung. Herr Direetor Reiners bereitet für diesen Tag eine in doppelter Hinsicht interessante Vorstellung, nämlich Werthers Jntriguenluftspiel „Der russische Kriegsplan" vor. Die Aufführung wird schon darum hochinteressant werden, weil der von seinen früheren Gastspielen bekannte und sehr beliebte Königlich Württembergische Hofschauspieler Herr Wilhelm von Hoxar den Oberst Tschernilschew spielt, jenen überaus gewandten Diplomaten und Vertrauten Kaiser Alexanders von Rußland am Hofe Napoleons, von welchem Kaiser Wilhelm I. — gelegentlich einer Vorstellung dieses Werkes in Baden-Baden — dem Verfasser mittheilte, daß er mit Tschernitschew in der Champagne selbst gekämpft habe, in Paris eingezogen sei und aus dessen Munde die Richtigkeit der Vorgänge im „Kriegs- plan" bestätigt erhalten habe. Herr Wilhelm von Hoxar hat die von ihm creirte Rolle gelegentlich aller seiner Gastspielreisen mit stets gleichem durchschlagenden Erfolge gespielt. Mit Meisterschaft zeichnet Herr von Hoxar in scharfen, geistvollen Zügen den Charaeter des verschlagenen, intriguanten, verwegenen und heißblütigen Oberst Tschernitschew und hängt ihm dann mit unnachahmlicher Grazie das Mäntelchen des harmlosen, lebenslustigen Bonvivants um, sodaß eine Gestalt von ganz eigenartigem Reiz, von saseinirender Wirkung vor uns steht. Trefflich versteht es der Künstler dabei, dem Zuschauer den wahren Charaeter, die wahren Absichten des verwegenen Vaterlandsretters zu enthüllen und doch die Wahrscheinlichkeit der Täufchungsgabe und Verstellungskunst Tschernitschews voll zu bewahren. Von packender, hinreißender Wirkung sind die Momente, in denen das Temperament des kühnen Russen heimlich aufflammt, in denen er seinen ties- innersten Empfindungen halblaute Worte verleiht und in fieberheißer Leidenschaft seinen Gedanken freien Lauf läßt. — Seit einigen Tage fesselt ein neuer Sportartikel im Ladenerker des Herrn Kilbinger die Neugier und das Interesse des passirenden Publikums, es sind dies Schneeschuhe, welche neuerdings durch ihre praetische, zeitersparende, gesundheitsfördernde Verwendung in Deutschland sich überall Eingang verschaffen. — Warnung. Seit einigen Tagen treibt sich in der Gegend ein fremder Geschäftsmann umher, der angeblich für ein Hamburger Haus reist und ein schwarzblaues salzartiges Mineral unter dem Namen „Petrolit" anbietet; dasselbe soll die Eigenschaft besitzen, die Lampen vor Explodiren zu ^schützen und einen geringeren Verbrauch des Petroleums zu ermöglichen; es scheint dies aber Schwindel zu sein und wird deshalb hiermit Jedermann gewarnt. — Verhaftet wurde gestern ein Bursche von Alleudorf a. Lda., der einem hiesigen Bierkutscher aus seiner Geldtasche ca. 29 Mark gesto hlen hatte. — Aus dem Justizdienst. Durch Verfügung Großherzog- lichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 11. Januar 1893 ist der Gerichtsasseffor Ludwig Str ein zu Darmstadt mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines R'chters bei dem Amtsgericht Fürth beauftragt worden. — DieGerichtsaceessisten Eugen ® er la d) von Darmstadt, Karl Hahn von Worms, Wilhelm Koch von Gießen, Adam König von Pfeddersheim, Dr. Karl Ludwig Lindeck von Darm- stamdt, Wilhelm Müller von Worms, Berthold Rausch von Lauterbach, Hermann Schmidt von Gießen — ]inb zu Gerichtsassessoren, und der Gerichtsaceessist Friedrich. Weicker von Gießen zum Regierungsassessor ernannt worden. △ Mainz, 13. Januar. Bei gedrängter Besetzung der Zuhörergallerie kam in der gestrigen Stadtverordnetenversammlung eine Angelegenheit zum Abschluß, welche schon seit Wochen die hiesige Bevölkerung auf das Lebhafteste beschäftigt. Es erfolgte nämlich die Erstattung des Berichtes der von der Stadtverordnetenversammlung zur Untersuchung der von dem soeialdemokratischen Stadtverordneten Dörr bezüglich unrechtmäßiger Vertheilung von Stiftungsgeldern gemachten Behauptungen bestellten Commission. Der von dem Stadtverordneten Wasserburg erstattete Bericht, dem 60 Zeugenvernehmungen zu Grunde liegen, war geradezu vernichtend für den Vertreter der Soeialdemokratie in dem hiesigen Stadtverordneteneollegium, denn seine sämmtlichen Angaben erwiesen sich auf Grund der Zeugenaussagen von A bis Z als unhaltbares Gerede, das durch Neid und böswillige Eingebung hervorgerufen ist. Die Commission hat sämmtliche angeführte Fälle auf das Gewissenhafteste untersucht und war das Ergebniß der Untersuchung theilweise ein derartiges, daß die Commission sich veranlaßt sah, öffentlich ihre Entrüstung über die Verbreitung solch übler Nachreden auszusprechen. Unter Anerkennung, daß der Stadtverordnete Dörr mit feinen Angaben im guten Glauben gehandelt, beantragt die Commission den Uebergang zur Tagesordnung, welcher Antrag nach einigen nnmotivirten Angriffen de« Herrn Dörr auf die Untersuchung^commission angenommen wurde. Oppenheim, 11. Januar. Der Eisgang hat seit gestern vollständig aufgehört, doch ist zu erwarten, daß bis morgen neues Eis kommt, da die Kälte bei nordwestlichem Wind zu- genommen hat. Das Wasser ist bis 0,30 ra Oppenheimer Pegel zurückgegangen. Vermischtes. * Kastel, 12. Januar. Eine große Versammlung Arbeitsloser beschloß eine Resolution an die städtischen Behörden, in der um Arbeit gebeten wird. * St. Ingbert, 12. Januar. Ein Theil der Martin'schen Pulverfabrik, wo geftrlft wurde, ist in Folge einer Explosion in die Luft gezogen. Zwei Arbeiter wurden schwer verletzt. * Bacharach, 11. Januar. Das Eis steht hier fest/ feit heute ist der Uebergang über zwei hergestellte Bahnen möglich. Die Eisdecke gewährt einen ebenso großartigen Anblick wie vor zwei Jahren, wenn sie auch nicht so hoch auf- geschichtet ist, wie damals. Mit Besorgniß sehen die Bewohner der untern Stadttheile dem Losbrechen des EtseS entgegen. Die Wasserbanverwaltung hat den Sicherheitsdienst schon feit einigen Tagen eingerichtet. * Seraing, 10. Januar. Gestern Abend 9 Uhr wurde ein Dynamitanschlag auf das clericale Vereinshaus verübt. An diesem und den Nachbarhäusern sind sämmtliche Scheiben zertrümmert. * Newyork, 10. Januar. Zwei Passagiere des Dampfers Normannia der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien- gesellschaft haben gegen letztere eine Klage wegen einer Entschädigung von je 10000 Dollars angestrengt, weil sie während der Cholera auf der Feuerinsel in Ouarantäne zurückbehalten worden seien. Sie behaupten, daß ihnen bei ihrer Einschiffung versichert worden, das Schiff würde Zwischendeckreisende nicht befördern._______________ rNrchllche Anzeige« Stadt Gietze«. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. 2. Sonntag nach Epiphanias In der Stadtkirche: Vormittags 9>/> Uhr: Pfarrer Dingeldey. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser. Militärgottesdienst Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. _ , „ _.. Kinderkirche Nachmittags 2Vt Uhr: Pfarrer Schlosser. Bibelstunde am Montag den 16. Januar, Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderschule; Marcus Cap. 3, Vers 7: Jesus Aller Helfer; die Auswahl der Zwölfe. Pfarrer Dr. Naumann. Am nächsten Sonntag, 22. Januar: Beichte und heilige« Abendmahl im AbendgotteSdienst. Katholische Gemeinde. Sonntag den 15. Januar. Fest des heiligsten Namens Jesu. Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um VBllhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag: Vormittags von 6 Uhr an Gelegenheit zur bl Beichte; um 6 Uhr erste hl. Messe; um 7 Ubr Austheilung der hl. Communion; um 8 Uhr zweite hl. Messe; Militärgottesdienst uttt Predigt; um »/JO W Hochamt mit Prediat; Nachmittags um 2 Uhr Christenlehre; darauf sacramentalische Brüderschaftsandacht. Zitherclub Giessener Verein) (WohlthätigkeitS- An s« 142 «ootllt i 338 Dr. Dieffenbach. 530 Löber. [523 Gebhardt. (528) 10. Eölil Fistor, Marktstrahe IO. Marktstraste 2 i. A. Kretzschmar, Marktplatz 22 466 vCl ReichSdatck Dttzron! 4 pfrL — tzrankfurter IkmbSHcont 4 MAGGI5 78 18 Suppen- würze 180 90 13370 138 60 94.50 98 37 261 25 100 DO 96 30 9i 50 21 60 56.40 79 50 390 00 >96 00 153.20 102 60 llblo 57 SO 94.50 Leipzig. C. A. Kochs Verla*. Eichen-Stämme von 4 bis 10 m Länge und 15 bis 47 cm Durchmesser, Stück geringere Eichen, Stück Tannen-Stämme von 6 bis 10 m Länge und 12 bis 45 cm Durchmesser, GEGR: 1846 133 001 Ptr. ABnifl^Veureb.sKct tenbrm. ziemlich fest. 93 ]- 3 ClNlcurgvkchhren. Das Concursverfahren über das Vermögen des Wilhelm Böger zu Gießen wird auf Grund rechtskräftig bestätigten Zwangsoergleichs hierdurch aufgehoben. Gießen, 9. Januar 1893. Großherzogliches Amtsgericht. Musikai. Hausfreund Blätter f. avgkWählte SalonaefilL W. Jahrgang. 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