1893 Mittwoch den 11 Oktober M 239 Erstes Blatt Frrrrsprecher &L Amts- und Anzeigeblutt für den “Ktris Bietzen Hrattsöeilage: Gießener Kamilienötatter Amtliche»« Theil Dr. Bodtker. R. V. A. I. 25868. Börse. lOilOJ gez. Bödtker. (Beschlossen in 181115 ^.Mistel, 115.80. «Mhl 81.50, 1927 •; Pf* _. •.£ jftfiS 10^1 81.20 95" ‘H 11.1*1 57.« V) 61 fi *Mu 59.20 99.45 100.40 19,40 flurlto^” Uaaatzme Bon Anzeigen zu der NachnnNagK für den fel|m6m Tag erschemmdrn Nummer bil Lorm. 10 Uhr. #14«« «scheine täglich, Wt Ausnahme d«S MomaqS. Die Gechener »«den dem Anzelger »GchentUch dreimal »nm* ihr. l u-u väckchm stets an einem sicheren und leicht zugSnglichrn Orte sich befinden. _____ Der vorstehende Nachtrag zu den UnfallverbütungSvorschriften der Hessen-Nassauischen Baugewerksberussaenossenschast wird gemäß 8 78 Absatz 2 des Unsallversicherungsgesetzetz vom 6. Juli 1884 genehmigt. Berlin, den 7. December 1892. Das Reichs-DersicherungSamt. Nachtrag. der Genossenschastsoersammlung in Kassel am 24. Juni 1891.) Für Betriebsinhaber. Der Aufstand in Brafilien. Während die revolutionäre Erhebung in verschiedenen Provinzen Argentiniens gegen die Centralregierung in Buenos- Ayres jetzt anscheinend niedergeschlagen worden ist, tobt der Bürgerkrieg in dem benachbarten Brafilien noch immer weiter. Sein Ausgang erscheint auch jetzt noch ungewiß, denn obwohl die Chancen für die Regierung des Präsidenten Peixoto dadurch eine Verminderung erfahren haben, daß die wohlhabenden und an natürlichen Hilfsquellen reichen Staaten Parana und Santa Catharina sich für die aufständische Flotte erklärten, so hält sich Peixoto doch noch immer im eigentlichen Stützpunkte seiner Macht, in Rio de Janeiro. So lange sich aber die Hauptstadt des gesummten brasilianischen Staatenbundes noch in der Gewalt des Dictators, als welchen man den Präsidenten Peixote bezeichnen kann, befindet, so lange kann man auch von keinem entscheidenden Erfolge der Insurgenten sprechen, wögen sie immerhin weiter im Süden, in Parana und Santa Catharina, festen Fuß fassen. Diese Sachlage begreift auch der oberste Führer der brasilianischen Rebellen, Admiral de Mello, deshalb versucht er es vor Allem, , Rio de Janeiro durch ein rücksichtsloses Bombardement zur i Unterwerfung zu bringen. Aber ebenso energisch behauptet sich Präsident Peixoto mit seinen 5000 Mann in den Forts Bekanntmachung, betreffend Unfallverhüwngsvorschriften. Die nachstehenden Unfallverhütungsvorschristen der Heffen- Naffauischen Baugewerksberufsgenoffenschaft nebst einer Anleitung für erste Hülfeleistung bei Unfällen bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß. Gießen, den 6. October 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. «r 6«1800 (Siegel.) R. V. A. I. 18806. ioi-io'; 98.- eUrtrliibngrr jLlnrwterwtovttU- 2 Mark 20 Psß. wrd Brmgkrlohv. Durch bit Poft bc^efö 2 Mark 50 «H Rtbachon, Lxpr«—« unb Drucker«: Alle ennoncm-eurtour bt« In- unb AuSlanbeS nch«, Anzeißen für btn „Gießener Änjei|«r- ffltyge». DW Mwd. 95.- >k«s gernt 95 dl.Tec.stir. I »■M Dom 6,1 -a.88u.89 l ?■- erb. Sot'd- .... \Vt\w lifcnbtfa / SLL.I. mo 7. llg.l880r 101.90 101 J.MD. / 22.201 22. Ä’M \ \ . . . \ U.W1 ü »tib.M 96851 I m°°L iomblnba do. do. nSold. t>W) es Silber :tnL3UL chri . . !t . . . . 1158.6.1' a »r etnIMnf • Gießener Anzeiger Kmerat-Mnzeiger. :««i biesSK A'SZL LStz SÄ i* mMdaglo tiäft ^ublttums ausber fftss -en haben ein. ÄS: * der flmS R ungünftig b. 7, engen ©rem $tT4t,u! H VA 6r- .tni schM uti) r.. ** bk 8pt. OttQrunblaat^-,.1 -schMeri-M' MHI viel Ungir^' vertical stehende Brunnenschaalunq beseitigt wirb; die Bretter der letzterm lassen sich einzeln bequem nach der Hinterfüllung heraus- itC&tn3n jedem Falle muß aber der htnteriüllte Boden sestgrstampst 816. Für alle Betriebe, welche den Baugewerks-Berufßgenossen- schaiten als Nebenbetriebe angehören, gelten die in den betreffenden Berussgenossenschaiten erlassenen Unfallverhütungs Vorschriften. 8 17. Die Genossenschaftsmitglieder werden bei Zuwiderhan- deln gegen vorstehende Unfallverhütungs-Voischristen gemäß 8 78, Absatz 1, fiiffer 1 des Unfallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 in eine höhere Gefahrenklaffe eingeschötzt oder sofern sich dieselben bereits in der höchsten Gefahrenklasse befinden, mit Zuschlägen bis zum doppelten Betrage ihrer Beiträge belegt. Für Arbeiter. 8 1. Ungleichmäßige und übermäßige Belastungen der Gerüste sind unter allen Umständen zu vermeiden. Gegenstände dürfen nur nach vorangegangenem lautem War- nungsruf von den Gerüsten herabgeworfen werden. Beim Abbruch der Gerüste, Entfernen von Absteifungen rc. ist ein unnützes Aufhalten von Arbeitern unter denselben ru vermeiden. 8 2 Bei der Ausführung der Bauarbeiten haben die Arbeiter ihr Augenmerk darauf zu richten, daß die zur Verwendung kommenden Gerätbschastkn, Rüstungen, Werkzeuge, Baumaschinen, Seile, Winden, Bindezug u. dergl. sich in zweckentsprechendem Zustande befindene befestigten Gegenstände müssen, wo erforderlich, gegen Herabfallen geschützt werden. 8 3. Beim Aufwinden ober Auffahren von Balken und anderen Verbandhölzern, odcr sonstigen Baumaterialien, als eisernen Trägern, Hausteinen und dergleichen, haben sich die Leute, welche zur Handhabung der Schwenkleinen angestellt sind, möglichst so aufzustellen, daß sie bei etwaigem Bruch des Richttaues nicht zu Schaden kommen können; besonders ist darauf zu sehen, daß sie nicht zwischen dem unten lagernden Holze stehen. Bei naffem Wetter und wenn mehrere Stücke in einem Bund aufgezogen werden, ist für gehörige Sicherheit dieses Bundes zu sorgen, so daß einzelne Stücke nicht aus- rutschen können. „„ . 8 4. Bei Glatteis bezw. Frostwetter muffen die Gerustbretter, Leitern und Laufbahnen rc. mit Sand bestreut werden; dasselbe muß mit den oberen Mauer flächen beim Ausbringen von Balkenlagen rc. geffiebern betreten von nifit erleuchteten Rohbauten bei ein- getretener Dunkelheit ist verboten. 8 6. Dm Arbeitern wird besonders zur Pflicht gemacht, die ihnen von ihren Arbeitgebern und sonstigen Vorgesetzten aufgetragenen I Vorsichtsmaßregeln zu beobachten und die von letzterm mitgegebenen Geräthe in geeigneter Weise zu benutzen. Vor Benutzung fremder Gerüste sollen sich die Arbeiter von der zweckentsprechenden Beschaffenheit derselben überzeugen. Außerdem ist es jedem Arbeiter I streng verboten, durch unvorsichtige ober muthwillige Handlungen sich selbst ober andere Personen in Gefahr zu bringen. 8 7. Alle, welcbe den vorstehenden Voschrtften zuwider bandeln, werden gemäß 8 78, Absatz 1. Ziffer 2 unb 8.80 des Urrsall- versicherunosgesrtzes vom 6. Juli 1884 mit Geldstrafen bis zu sechs Mark belegt, welche von dem Vorstände der Krankenkasse bezw. der Orts-Polizeibehörde festgestellt werden unb in bie beteiligte Krankenkasse fließen. " Die vorstehenben Unfallverhütungs-Vorschriften ber Hessen- Nassauischen Baugewerks-Berufsgenossmschast werben gemäß 8 * * * * S * 7 88, Absatz 2 bes Unfallversicherungs-Gesetzes vom 6. Juli 1884 genehmigt. Berlin, ben 21. September 1887. Das ReifiSverfifierungsamt. Beseitigung ber schlechten Lust in Brunnen. 8 13. Vor bem Einfahren oder Einst eigen in Brunnen, ohne Rücksicht auf geringere oder größere Tiefe, muß festgestellt werden, daß 'ich i demselben keine schlechte Lust befindet. Dasselbe geschieht am em- afin m durch langsames Htnablassen eines brennenden Lichts; letzteres » ht rn schlechter Lust aus. Wmn keine Luftpumpen oder Ventilatoren ml; den nötigen Schläuchen oder Röhren zur Stelle sind, um im Brunnen eine Luftströmung zur Verdrängung der schlechten Lust zu erzeugen, so kann dies u. 91. durch Eingteßm von (am besten heißem) Baffer geschehen, ober auch daburch, baß man einen Eimer mit ungelöschtem Kalk, ber vorher mit Wasser begoffen wirb, hinabläßt. Auch währmb ber Arbeit in ben Brunnen ist auf bas etwaige »nsammeln von schlechter Luft baS Augenmerk zu richten. Ausschachtung neuer Brunnenkessel. 8 14. Brunnenschächte mit quadratischem Querschnitt muffen unter allen Umständen ausgeschaalt weiden. Runde Schächte dürfen im Sandboden ober Gerolle nicht tiefer olS 1,5 m ohne Schaalung abgeteuft werden. Q Ob unb wie weit ein Brunnen mit runbem Querschnitt in festem Beben ohne Schaalung ausgeschachtet werben kann, muß ber Beur- I Teilung bes betreffenden Brunnenbauers überlassm bleiben unb ift I baher unbebingt erforberlich, baß in Abweimheit besselben die I Lrbeiten in bem Brunnenkessel von einem fachmännisch aus- I gebildeten Arbeiter ausgeführt resp. beausfifitigt werbm. Zurückbau ber Brunnenschaalung. 8 15. Beim Schurzschacht darf nach dem Einmauern des Vrunnenkessels jedesmal nur ein Ring des Schurzholzes und zwar rrit bann fortgenommen werden, wenn bas Mauerwerk bis an bie Unteitannte deS Ringes fest hinterfüllt ist. Wenn bei sehr losem fleben, Gerolle rc. bie Wegnahme auch nur eineS Schurzringes ge- 'ätrlifi werben kann, so darf bie Brunnenschaalung auf bie .Hohe Meter Bodenschicht nicht entfernt, sondern muß verschüttet werben. | Beim Getriedsschacht muß bie Hinterfüllung eines Feldes bis an bem nächsten horizontal liegenden Rahmen hergestellt werden, ehe die I 8 4 erhält am Schluffe folgenden Zusatz: Nothtreppen müssen mit sicheren Gelanderleisten versehen werden. Hinter 8 16 wird eingeschaltet: m t S 16a. An jedem Neubau, Werkplatz unb auf jebet Arbeitsstelle, an welcher mehr als 10 Arbeiter aus einem Betriebe beschäftigt stnb müssen sowohl bie Unfallverhütungsvorschriften als auch bie „Anleitung für erste Hülfeleistung bei Unfällen vor Ankunft bes ArzteS". an einer jebem Arbeiter zugänglichen Stelle angebracht werben *). (Beschlossen in ber Genossenschaftsoerfammlung in Homburg v. d.Höhe am 23. Juni 1892.) Für Detriebsinhaber. Hinter 8 16a wird eingefügt: 8 16b. An jeder der im 816a bezeichneten Arbeitsstellen muffen bie? als Aufseher, Parliere oder Vorarbeiter angestellten Personen sich im Besitz von den in der „Anleitung für erste Hülfeleistung bei Unfällen vor Ankunft des Arztes" beschriebenen Verbandpäckchen, enthaltend zwei Stück Verbandstoff, eine Binde und eine Sicherheitsnadel , befinden. Es find deren immer einige vorräthig zu halten und an einem sicheren und leicht zugänglichen Orte aufzubewahren. Für Arbeiter. Hinter 8 6 wird eingeschaltet: 8 6a. Bei jedem eingetretenen Unfälle sind die Arbeiter verpflichtet, bei der ersten Hülfeleistung für den Verunglückten sich genau nach der auf der Arbeitsstelle befindlichen „Anleitung für erste Hulfe- leistung bet Unfällen vor Ankunft des Arztes" zu richten und nach derselben zu verfahren. Sie haben auch im eigenen Interne darauf zu achten, baß diese Anleitung, sowie auch die in betreiben erwähnten Derband- *) Unleserlich gewordene Exemplare find durch neue zu ersetzen. U«fallverhÜt«»aS Vorschriften der cheffe«. »aftavifche« Va»gewerr»,ver«fSgenoffe«schaft. Für Betriebs Inhaber. 8 1. Rüstungen müssen nach fachmännischen Grundsätzen bem Itbcemaligen Zwecke entsprechen!» so hergerichtet werben, baß bie be- trtfjenben Arbeitsausführungen mit ©tfierbeit vorgenommen werben können; baS hierzu zu verwenbende Material muß von guter zweck- enf otfienber Beschaffenheit sein. r , t _ _n 8 2 Länaere Zeit, namentlich über Winter stehende Gerüste smi» in angemessenen Zeitabschnitien auf ihre Haltbarkeit zu prüfen. 8 3. Die Gerüftbretter müssen eine ber Belastung entfprefienbe ettite besitzen und ist beim Verlegen derselben darauf zu sehen, daß sogenannte Wtppm vermieden werden. S 4. Die Gerüstleitern, Bäume wie Sprossen, muffen aus ge- smildem, nicht überspänigem Holze ohne große Aeste bestehen und nach Iljin Aufstellung so befestigt werden, daß sie weder unten abrutschen, no£) oben überschlagen können. Ferner müssen bie Leitern minde- ftfü« 1 m, senkrecht gemessen, über den Austritt hervorragen, was tortit. durch anzunagelnde Latten zu bewirken ist unb bei oerhältniß- mäfflig weit von einander.liegenben Gerüstlagen gegen das Durckj- die,en unb seitliches Schwanken fest — event. kreuzweise — abgesteift wer ben. 8 5. Bei ber Ausführung ber Bauarbeiten muß darauf ge- fehen werden, baß bie zur Verwenbung tommenben Gei äthschaften, AWungen, Werkzeuge, Baumafchienen, Seile, Winben, Bindezeug untD bergl. sich in brauchbarem Zustande befinden. 8 6. Bei Bauten fallen Leitergänge, wo irgend möglich, nicht so übereinander liegen, daß herunterf'allende Gegenstände den unteren litiCerganfl treffen können. 8 7. Bis zur Aufstellung der Treppen sind Oeffnungen für Mel eiben, und sonstige Oeffnungen, als Lichtschächte, Auszüge rc. in btn Balkenlagen resp. Gewöldebecken, sowie auch Kalkgruben und an- bae Vertiefungen der Baustelle mit hinreichend festem Baugeländer einbufrieblaen oder mit Brettern fest zuzudecken. 8 8. Während ber Aufbringung ber Balken ober ber Dach- vcrbanbhölzer hat jebe Beschäftigung unmittelbar unterhalb berfelben iu -ruhen, sofern nicht Schutzvorrichtungen getroffen stnb. 8 9- Beim Abbruch alter Gebäube barf ein Umwerfen ganzer WLnbe, Schornsteine rc. nur unter gewissenhafter, fachmännischer Aussicht unb mit Beobachtung aller möglichen Vorsichtsmaßregeln statt- "lbenS 10. Gräben, Baugruben rc. müssen entroeber genügenbeBö- shung haben ober gut abgesteift werben, sofern die Bobarbeschaffen- Mit eine gefahrlose senkrechte Abteufung ohne diese Sicherheits- maßreqeln nicht zuläßi. . 8 11. Neben vorhandenen Bauten sind bie neuen Fundamente unb besonders der dazu nöthige Bodenaushub stückweise auszufuhren, wenn bieNachbargebäude weniger tief als ber Neubau funbamentirtsind. 8 12. Neueinbeckungen von Glasdächern dürfen nur ausgefuhrt werden, wenn sich unter denselben fest mit Brettern abgedeckie Gerüste befinden. — Reparaturen an Glasdächern dürfen nur von sicher befestigten Leitern aus vorgenommen werden. In Bezug auf Anwendung von Hängegerüsten wird auf die bestehenden örtlichen Bau- rolizei-Vorschristen verwiesm. .... iBrüning. 'so t»*' 103.75 ---L S? Hrflcn - Naffauischc Baugkwerks - Berussgenoffenschast. «nleituvg für erste Hütfeleistung bei Unfälle« »or A«k««ft deS Arzte-. I. Leichte Verletzungen, Quetschungen, Verbrennungen. Wer in die Lage komm! bei solchen Hülse zu leisten, reinige vor Allem seine Hände sorgsälligst, nehme aus dem vom Parlier erhältlichen Verbandpäckchen, bas zwei Stück Verbanbstoff, eine Binde unb eine Sicherheitsnabel enthält, ben Verbandstoff, befeuchte ihn mit reinem Wasser, lege ihn aus die verletzte S'clle und befestige ihn mit ber Binbe unter leichtem Druck. Ist br Wunde verunreinigt, so spüle sie mit kaltem Wasser aus tinem -einen Gesäße ab unb verbinbe sie bann mit trockenem Verbanbstoff *). In bas Auge gerathener Kalk kann mit start gezuckertem Wasser (Syrup) ober reinem Del (Speiseöl) herauSgespült werben; pureS Wasser ist nicht anzuwenden. In btefem Falle muß, auch wenn bie Schmerzen aufhören, sofort ber Arzt befragt werben. II. Schwere Verletzungen unb heftige Blutungen. Bei solchen verfahre mit möglichster Schnelligkeit ebenso wie bei I. (Hänbewaschen! Verbandpäckchen!) unb ziehe bie Binbe ziemlich kräftig an. Blutet es weiter, so suche burch starken Druck mit ber flachen Hanb auf bie verbundene Wunde die Bmtung zu stillen. Bei Verletzung an Arm oder Bein kann man handbreit oberhalb ber Sffiunbe einen Hosenträger, ein Taschentuch, ein Halstuch um baS Glied binden, einen Knebel (Stock, Hausschlüssel, Hammergriff) darunterschieben unb burfi Umdrehen besselben bie Binde so^ lange fester schnüren, bis baS Blut aushört zu fließen. Suche möglichst rasch ärztliche Hilfe auf. III. Verstauchungen unb Knochenbrüche. Entferne bie Kleidungsstücke, nöthigenfalls durch Ausschneiden; lagere ben entblößten Theil bequem unb ruhig unter leichtem Zug, wenbe kalte Umschläge an. Vor bem Transport schütze ben gebrochenen Knochen burch eine Schiene, tnbem ein Stück Diele, Latte, ein Stock, ein Besen- ober Sfiivpenstiel mit Taschentüchern, Halstuch, Hosenträgern, Bauchriemen ober- unb unterhalb an bas Glied befestigt wird. Ist eine blutende Wunde dabei, so verfahre wie bei I. und II. IV. Ohnmächten. Lege einen Ohnmächtigen mit blassem Gesicht ganz flach unb flöße ihm Wein oder Schnaps ein. Einen Ohnmächtigen mit gerötetem Gesicht (Sonnenstich) bringe in sitzende Stellung und menbe falte Umschläge auf Kopf unb Nacken an. Erbricht ber Ohnmächtige, so brebe seinen Oberkörper stark nach ber Seite, bamit ihm bie Speisen nicht in bie Luftröhre gerathen.- V. Ersticken unb Ertrinken. Wenn Jemanb in Gesahr ist zu ersticken ober anscheinenb leblos aus bem Wasser gezogen wird, so bringe ihn vor Allem an bie srisfie Luft, leae ihn flach auf ben Boden, entkleide schleunigst den Oberkörper und bringe die zusammengerollten Kleider unter seine Schultern, so daß ber Kopf nach hinten überhängt, und beginne die künstliche Athmung. Hierzu knice neben dem Verunglückten nieder, drücke mit beiden flachen Händen langsam auf die beiden Seiten des Brustkorbes mit mäßiger Kraft, erhebe die Hände und drücke bann wieber, 8—10 Mal in ber Minute, biefen Hanbgriff wieberholenb. Setze bleie künstliche Athmung (mit Ersatzmann) eine Stunde ununterbrochen fort; schicke sofort nach dem Unfall zum Arzt. *) Die ©egdtufiumbüHung der Verbandspäckchen bient »um Schutze bes Inhalts unb wirb selbst zum Verbände nicht benutzt. von Rio, er erwidert lebhaft das Feuer der rebellischen .Kriegsschiffe, und diese Tapferkeit und Entschlossenheit unter schwierigen Umständen könnte nur Anerkennung verdienen, wenn nicht die Truppen PeixotoS mit Wissen und Willen desselben in der durch das Bombardement .schon genug heimgesuchten Stadt die ärgsten Ausschreitungen begingen, waS dem Dictator wahrlich nicht- weniger als zum Ruhme gereicht. Wenn nun die Haltung PeixotoS gegenüber der Einwohnerschaft von Rio de Janeiro auf- Schärfste getadelt werden muß, so verdient anderseits auch das Auftreten deS rebellischen Admirals de Mello entschiedene Mißbilligung. DieS insofern, als er sich eben nicht mit der Beschießung der Forts begnügte, sondern auch die Stadt selbst unter dem verderblichen Feuer seiner Geschütze hält. ES mag gewiß nicht zu vermeiden sein, wenn bei der Beschießung der Forts von Rio de Janeiro durch die aufständischen Kriegsschiffe die Pro- jectile mitunter auch in die Stadt fallen, erwiesenermaßen haben jedoch die Jnsurgentenschiffe ihre Geschosse längere oder kürzere Zeit lediglich auf die Stadt geworfen, eine ganz zweck- und sinnlose Grausamkeit, da sich Peixoto nicht im Mindesten um da- Schicksal der unglücklichen Stadt kümmert, wenn er sich nur in den Fort- zu halten vermag. Diese unsinnige Beschießung Rios hat ja auch die-Befehlshaber der vor der brasilianischen Hauptstadt ankernden fremdländischen Kriegsschiffe, mit Ausnahme der deutschen, zu der dem Admiral de Mello mitgetheilten Drohung veranlaßt, die fremden Schiffscommandeure würden eine fortgesetzte Beschießung der Stadt Seitens des aufständischen Geschwaders nöthigenfalls mit Gewalt verhindern. Dieser Schritt stand mit den völkerrechtlichen Bestimmungen zwar nicht in Einklang, aber er war aus Rücksichten der Cultur und allgemeinen Menschlichkeit ganz erklärlich und auch zu billigen. Inzwischen ist jedoch der Zwischenfall in eine neue Phase getreten, die brasilianische Regierung läßt an verschiedenen Punkten der Stadt mit Artillerie versehene Vertheidigungswerke aufführen, um von ihnen aus die rebellische Flotte zu beschießen- hiermit wird jedoch eine weitere Intervention der fremden Kriegsschiffe zwecklos, denn dieselben müßten nunmehr gleichzeitig auf die Rebellenschiffe wie auf die Schanzen PeixotoS feuern. Die Reserve deS deutschen Geschwadercommandanten in der Affaire war da allerdings wohl angebracht- nur fragt es sich, wie er seinen Auftrag, die Interessen der in Rio de Janeiro wohnenden Deutschen und Oesterreicher nachdrücklichst zu schützen, nachkommen soll, wenn weder von Peixoto noch vom Admiral de Mello Rücksicht auf Leben und Eigenthum der europäischen Einwohner Rio de Janeiros genommen wird. Wie sich die Dinge weiter in Brasilien gestalten werden, dies hängt eben noch wesentlich von dem Verlaufe der Operationen vor Rio de Janeiro ab. Nur das eine darf man aber wohl schon jetzt als durchaus unwahrscheinlich bezeichnen, daß ein etwaiger Sieg der Revolution in Brasilien die Wiederherstellung der Monarchie, die Wiederaufrichtung des vor vier Jahren gestürzten KaiserthumS zur Folge haben würde, dazu sind offenbar keine Aussichten vorhanden. UebrigenS wird jetzt die Meldung des „TempS", Prinz August von Sachsen-Coburg fei auf einem französischen Dampfer nach Brasilien abgereift, von der „N. Fr. Pr." als falsch bezeichnet, der Prinz befinde sich vielmehr nach wie vor in seiner Stellung als österreichischer Marinelieutenant in Polo. Bei einer etwaigen Wiederherstellung des brasilianischen Kaiserthrons könne höchstens der älteste Enkel des verstorbenen Kaisers Dom Pedro, nämlich Prinz Pedro, in Betracht kommen. Deutsche» Reich. Berlin. 9. October. Gegen die Entwürfe des Tabak- und deS Weinsteuergesetzes erhebt sich eine immer entschiedenere Opposition im Reiche, die ihren Stützpunkt keineswegs lediglich in den Kreisen der Interessenten der Tabak- und der Weinbranche findet. Soll man aus der Stärke dieser Bewegung auf das Schicksal der beiden Steuerentwürfe im Reichstage schließen, so wird es mindestens der größten Anstrengungen Seitens des Reichsschatzsecretärs Grafen PosadowSky und der von Herrn Dr. Miquel geführten einzelstaatlichen Finanzminister bedürfen, um eine Einigung der verbündeten Regierungen mit den ausschlaggebenden Parteien über eine den letzteren annehmbar erscheinende Form der neuen Steuervorlagen herbeizuführen. Dieselben sollen Übrigen« zugleich mit dem Etat für 1894/95 dem Reichstage zugehen, ob dies indessen gleich beim Wiederbeginne der Reichstagsverhandlungen im November oder erst zu einem späteren Zeitpunkte der Fall sein wird, dies bleibt freilich noch abzuwarten. Außerdem heißt cS, die Reichsregierung beabsichtige, dem Parlamente in einer besonderen Denkschrift die Entwickelung deS ReichssteuerwesenS bis zu der jüngsten Zwangslage darzuthun und die Mittel zur Beseitigung der letzteren deS Näheren zu erläutern, ähnlich wie dies schon in der Miquel'schen Denkschrift zur Steuerreform in Preußen geschehen ist. — In der bayerischen Abgeordnetenkammer hat eö gleich vom Beginne der eigentlichen Verhandlungen an lebhafte Debatten gegeben. Zuerst wurden die bekannten Massenerkrankungen im bayerischen Leib-Jnfanterie-Regimente, die theilweise zu einem tödtlichen AuSgange führten, infolge einer Interpellation von liberaler Seite in breitester Weise erörtert und gestaltete sich die DiScussion hierüber vielfach sehr animirt und interessant. Anlaß zu bewegten Debatten gab auch der Antrag deS EentrumSabgeordneten Dr. Ratzinger auf Erlaß einer Adresse an die Krone, welcher Antrag lediglich agitatorische Absichten verfolgte- Aussicht auf Annahme besitzt er jedenfalls nicht. Zu einer längeren Erörterung führte dann am SamStag die von den Socialdemokraten ein« gebrachte Interpellation über neue Soldatenmißhandlungen in der bayerischen Armee, die Debatte über dieses bedauerliche Thema, welches au- unseren Parlamenten anscheinend nicht mehr verschwinden will, wurde am Montag fortgesetzt. — Die in Hessen stattgefundenen Erneuerungswahlen zur Zweiten Kammer haben in ihrer Gesammt- heit eine Schwächung der nationalliberalen Fraction zu Gunsten der anderen Parteien ergeben, immerhin besitzen die National- liberalen auch in der neuen hessischen Volksvertretung wieder die entschiedene absolute Mehrheit. Am 19. October folgen nun die Landtagswahlen in Baden, und darf man gespannt darauf fein, ob eö der gemäßigt-liberalen Partei in diesem Lande gelingen wird, ihre bisherige knappe Zwei-Stirnmen- Mehrheit in der Zweiten Kammer zu behaupten. Sollte dies nicht der Fall sein, bann würde künftig in der badischen Volks« I Vertretung das bedenkliche AuShilfSsystem einer Mehrheit von Fall zu Fall Platz zu greifen haben. Ausland. Paris. 9. October. Die während der letzten großen französischen Manöver hervorgetretenen Gegensätze zwischen den activen Offizieren und den Reserveoffizieren der französischen Armee zeigen sich sogar anläßlich der Vorbereitungen für den Empfang deS russischen Geschwaders. In Toulon ist es zu lebhaften Differenzen zwischen den activen Offizieren einerseits und den Offizieren der Reserve und der Landwehr anderseits gekommen, und zwar anläßlich der Frage der Einladungen zu dem von den activen Offizieren zu Ehren der russischen Geschwaderoffiziere pro- jectlrten Ball. Ob die Zwistigkeiten, die sich angesichts des unmittelbar bevorstehendnn Erscheinens der russischen KrtegS- schiffe in Toulon seltsam genug ausnehmen, noch andere Weiterungen zur Folge haben werden, muß noch dahingestellt bleiben. — DaS russische Mittelmeergeschwader besteht aus dem Panzerschiff „Kaiser Nicolaj I.", bem Kreuzer „Parnivatz Asowa" und dem Kanonenboot „Therez". Zeitweilig gesellen sich dem Geschwader anläßlich deS Besuches in Toulon die später nach dem Stillen Ocean gehenden Kreuzer „Admiral Nachimow" und „Rynda" zu. — Marschall Mac Mahon ist bedenklich erkrankt- nach den letzten Meldungen verschlimmert sich sein Zustand zusehends. Da der Marschall bereits im 86. Lebensjahre steht, so könnte der Eintritt einer Katastrophe nicht weiter überraschen. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphische- Correspondenz - Bureau. Berlin, 9. October. Das kaiserliche Gesundheitsamt macht folgenden Cholera fall bekannt: In Kiel wurde von dem schwedischen Dampfer „Hjalmar" noch eine an Cholera erkrankte Person in die Baracke ausgenommen. Metz, 9. October. Der Kaiser stellte den Kronprinzen von Italien ä la suite seines hier ftationirten Königs' Infanterieregiments 145. Stettin, 9. October. DaS Polizeipräsidium macht bekannt : Von SamStag Nachmittag bis heute Vormittag wurden hier sechs choleraverdächtige Fälle angemeldet. Bei zwei derselben ist bereits Cholera asiatica coostatirt. London, 9. October. Im Victoriapark fand gestern eine Kundgebung von 12,000 Arbeitern statt. Es wurde eine Resolution gefaßt, in welcher Sympathien für die ausständigen Bergleute ausgedrückt werden. Tom Mann erklärte, das Ziel der Grubenbesitzer fei, den Verband der Bergleute zu vernichten- der gegenwärtige Strike fei nur ein Vorläufer des entscheidenden Kampfes für die Nationalisirung aller Gruben deS Landes. AehnlWhe Runbgebungen wurden auf Trafalgar Square und anderen Plätzen Londons veranstaltet. London, 9. October. Der Besitzer einer der größten Papiermühlen Englands erklärte, daß in Folge der Schwierigkeit, Kohlen zu beschaffen, die Schließung seiner und vieler anderen Papiermühlen bevorstehe. Der Papier- mangel würde sich sehr empfindlich bemerkbar machen, besonders für Zeitungen. Charleroi, 9. October. Die Gesammtzahl der Ausständigen im Kohlenbecken von Charleroi beträgt gegen» wärttg 21,000, die Vermehrung etwa 3000. Rom, 9. October. Wie der „Agenzia Stefani" aus Corfu gemeldet wirb, trifft die erste Division des englischen MittelmeergefchwaderS am 11. dss. Mts. in Tarent ein, die zweite Division an demselben Tage in Catania. _____ Deveschen deS Bureau »Herold". Berlin, 9. October. Der aus neun Mitgliedern bestehende Ausschuß deS Beiraths der Sachverständigen, welcher vom Reichskanzler zur Unterstützung der diesseitigen Unterhändler beim deutsch-russischen Handelsverträge berufen worben ist, hat bie Aeltesten ber Berliner Kaufmannschaft ersucht, etwaige spezielle Wünsche für den Vertrag dem Bureau beS Ausschusses mitzutheilen und zwar mit mög- lichst eingehender Begründung. Berlin, 9. October. Der JnnungSverband deutscher SaugewerfSm elfter hielt heute eine Sitzung ab, um zur Regierungsvorlage, betreffend bie Grunbzüge, Organisation und Regelung beS LehrlingSwefenS Stellung zu nehmen. Pari«, 9. October. „GauloiS" und „Figaro" bezeichnen heute den Zustanb Mac MahonS als hoffnungslos. Paris, 9. October. Der russische Militärattache, General FreberickS, brückt sich sehr befriedigt über bie Dor- bereitungen aufl, welche getroffen worben finb, um bie russischen Offiziere auf königliche Weise zu empfangen. Locialwifsenschastlicher Kongreß zu Frankfurt a. M. Die volkSwirthschastliche Stction beS Freien deutschen HochstistS hatte zur Klärung der gegenwärtig im Vordergrund deö allgemeinen Interesses stehenden Frage „Arbeitslosigkeit und Arbeitsvermittlung" einen Congreß einberufen, dessen Idee überall in Deutschland Anklang ge- CocaUs un- jptooittjfeö*** Kietzen, den 10. October 1898. ** Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Groß« Herzog Haden Allergnädigst geruht: am 7. d. M. den Salineninfpector bei dem Salinenamt TheodorShalle Konrad Bornschener zum Obersteuerinspector bei dem Haupt ft eueramte Gießen zu ernennen. •• Bon hessischen Behörden werden verfolgt: Haufirer Wilhelm Braun, zuletzt in Straßburg, vom Amtsgericht WormS wegen Körperverletzung- Condidor Karl Heide aul Oesterreich vom Amtsgericht Mainz wegen Betrug-- Fuhr« knecht Jakob Schmidt von «rnflheim vom Schöffengericht Mainz wegen Betrugs - Tagelöhner Heinrich Roth von Lener vom Amtsgericht Offenbach wegen Diebstahls- Tagelöhner Jacob Weitz von Schotten von demselben wegen.Unterschlagung- Tagelöhner Friedrich Zubrod, zuletzt in Beno- heim, vom Amtsgericht Zwingenberg wegen Hausfrieden bruch-- Dieuftknecht Johanne» Eichhorn IV. von DibU von demselben wegen Diebstahls. — In Aschaffenburg ist ber wegen Diebstahls zu 9 Jahren Zuchthaus verurtheilte, Höch» sicherheit-gefährliche Fabrikarbeiter Conrad Sommer coa Haibach aufl dem Lanbgerichtflgcfängniß entsprungen und ist ein Steckbries hinter ihm erlassen worben. D. Ztg. ♦♦ Zur Tabaksteuerfrage. Am Sonntag fand in Frankfurt a. M. im „Palais - Restaurant" eint gut besuchte Versammlung ber Hessischen Tabak- und Cigarre-' f a b r i k a n t t n statt, behuffl Stellungnahme zu den schwebenden Steuerprojecten. Auf Grund eines Referat» befl Herrn Syndikus Schloßmacher- Frankfurt a. M. wurde nach- stehende Resolution einstimmig zum Beschluß erhoben: „Die am 8. October 1893 in Frankfurt a. M. versammelten Tabak- und Cigarrensabrikamen de» Groß' herzogthumfl Hessen erklären die beabsichtigte Factutets- Werthsteuer wie überhaupt eint Fabrikatsteutr auf lab« und jede andere Mehrbelastung desselben für unbut®* führdar ohne schwere Schädigung der Tabakindustrie und fanden, wafl daraus erhellt, daß aufl ca. 50 Städten über 500 Theilnehmer und Zuhörer zu diesem Congresse herbff, geeilt waren. Aufl Wien war der Secretär befl Verein» für Arbeitsvermittlung, Herr Josef Bardorf, anwesend. I«, „Palais-Restaurant" fand gestern Abend eine Vorbesprechung statt, bei welcher Herr Dr. Schnapper-Arndt-Heidelberg die Willkommen-Ansprache hielt und dabei auf die Bedeutung des Congresses hinwiefl. der eine freie unabhängige Aus- spräche von Wissenschaft!'cheo und im praktischen Leben stehe» den Mannern bilden solle. Der im Mittelpunkt der Socialpolitik erschallenden Losung: „Der Arbeit ihren Lohn'." gehe die vorher: „Dem Menschen überhaupt ArbeitDie Arbeit adele nur, wenn sie in gewisser Regelmäßigkeit unsere Kräfte wachhalte, nicht aber, wenn sie diese bald durch Uedermaß ertöbte, halb wiederum unsicher werbe. Er hoffe, daß die Theilnehmer befl Congressefl geeignete Mittel zur Abhilfe ermitteln und daß die zum Ausdruck gelangenden Meinungen nicht Äampfcflmittel, sondern UeberzeugungflauSdruck seien, eine Heber« zeugung, die sich in täglich erneuter Selbstprüfung täglich neu verjünge. Herr Bardorf-Wien wiefl darauf hin, daß politische Differenzen Niemand von ber Mitarbeit an dem Congreste abhalten würben. Heute Morgen 9 Uhr begann der Congreß im Saale des „Kaufmännischen Vereins" mit einer Begrüßung des Vorsitzenden des „Freien deutschen HochstistS", Herrn Professor Valentin. Ihm schlossen sich die Herren Dr. Flesch, Vorsitzender ber volkflwtrthschastlichen Sektion und- Dr. Quarck im Namen befl geschäftflführenden Ausschusses an, welche Beide die Bedeutung deS Congressefl in beredten Worten schilderten. DaS erste Referat: „Der moderne Ar« beitSvertrag und die Arbeitslosigkeit" hatte Herr Professor Dr. Tönnies-Kiel übernommen, der dieses Thema vom Wissenschaftlichen Standpunkte aufl beleuchtete, sich bei seinen interessanten Ausführungen öfter auf Mar§' „Kapital" und auf die Schriften Brentano» berufend und besonders bei Letzteren volkSwirthschastliche Theorien scharf krittsirenb. Ihm folgte Herr Kloß aufl Stuttgart, der über „Ar« beilslosigkeit im Allgemeinen und Rothstandflarbeiten" rcfmrtt. Unter den mannigfachen Ursachen der vorhandenen Arbeitslosigkeit bezeichnete Redner die Handelskrisen, die steten Kriegsbefürchtungen, welche die Unternehmungslust befl Ca- pitals einbämmen, sowie die Beeinflussung befl Weltmärkte» durch Zollschranken, wie bie Mc. Kinleybill und neuestenfl den Zollkrieg mit Rußland. Efl sei eine bedauerliche Erschewlw- in unserem Gesellschaftsleben, baß, wenn ber Winter nur einige Wochen länger währe als sonst üblich, sofort von tbo sächlichem Nothftanb berichtet werben könne. Als Milderung empfahl Rebner Verkürzung ber Arbeitszeit, Abschwung der Accorbarbeit und als Endziel Uebergang ber inbioibualistischen Produktionsweise in bie collectivistische. In Zeiten ber Noty haben Staat unb Gemeinden die Pflicht, für Arbeitsgelegrn zu sorgen, als welche er Erdbewegungen, Steinklopfen, Be und Entwässerungsanlagen :c. bezeichnete. Herr Dr. H i r s ch b e r g - Berlin sprach über: „Erhebungen über Arbeitslosigkeit" und meinte, daß hier statistische Zusammenstellungen «obl schwer zu ermöglichen, aber dennoch ausführbar seien. Als Mittel zu diesem Zweck empsahl er Aufnahme von Statistiken bei Volkszählungen, durch die float - lidjen und freien Krankenkassen, Unfallversicherungen rc. unb nicht zuletzt seien bie projectirten stäbtischen Arbeitsnachweise berufen, hier mitzuwirken. Nun folgte eine eingehenbe DiScussion, eingeleitet durch Herrn Lautenschläger-Stuttgart, an welcher sich die Herren Barborf-Wien, Legien Hamburg, Dr. Ragoczy Bonn, Dr. Quarck Frankfurt, Hahn-Burg, Dr. Möller Brackwede, Jutzi-Darmstadt, Döblin-Berlin, Schnitzer-Jserlohn, Han- mann-Düsselborf unb Hinz-Frankfurt beteiligten. Alle Jtebnrr finb für Pflege ber Statistiken unb für Errichtung von Sr- beitSnachweisen. ______ an Hörer in einem vermischtes. strafbaren Handlung gehabt haben. R. Aos Rheinhessen, 6. October. Wesentlich früher als I in gewöhnlichen Jahren ist Heuer die Weinernte bei unS | zu Ende gekommen. DaS hat die liebe Sonne mit ihrem gewaltigen Lichte und ihrer schier unerträglichen Wärme ge- than. Für den Landwirth war das Jahr 1893 wie sattsam bekannt — zu heiß und zu trocken. Für uns Winzer aber, denen sich die Imker, Pomologen, Bleicher und Wäscher dankbaren HerzenS anschließen — war eS ein Jahr, wie es in diesem Jahrhunderte bis jetzt nur wenige Mal vorkam, nämlich 1811, 1834, 1846, 1857, 1858, 1859, 1865 und 1868. Das Jahr 1893 wird bieie Jahre wahrscheinlich alle übertreffen, denn die Moftgewlchte der 1893er Trauben über» ragen diejenigen der vorgenannten Jahrgänge noch um einige Grade. Als solche Mostgewichte notiren wir für Riesling, die bekanntlich den feinsten Wein in Bezug aus Wohlgeschmack und Aroma liefern, den hohen Zuckergehalt von 105 Grad nach der OechSle'ichen Mostwage. Die Rieslingtraube reift sehr spät, in manchen Jahrgängen läßt man sie bis in den December hängen, vorausgesetzt, daß der Frost nicht zu stark wird. Wenn Riesling 90 Grad nach Oechsle zeigt, ist dies schon sehr befriedigend- hieraus ergiebt sich, daß der 1893er Rieslmg mit 105 Grad etwas Außerordentliches sein mutz. Von den übrigen Traubensorten: Oestreicher, Gutedel, Traminer u. a. ist zu bemerken, daß sie noch viel höhere Most' gewichte, bis zu 120 Grad, aufweisen. Diese Sorten geben natürlich in diesem Jahre auch ganz vorzügliche Weine, sie werden jedoch, trotz des höheren Zuckergehaltes, von dem Riesling an Feinheit in Geschmack und Geruch übertroffen. Was die Quantität der 1893er Ernte betrifft, so kann man annehmen, daß ein Dreiviertel-Herbst erzielt worden ist. Besonders günstige Lagen haben mehr als einen vollen Herbst. Es geht hier wie mit dem diesjährigen Obste, über das 3^6 Zeitung berichtete, nämlich: Manche Producenten ernten 30 bis 50 Procent mehr, als sie sich geschätzt hatten. Schließlich soll auch noch erwähnt werden, daß es unter den 1893er Trauben riesige Exemplare gibt, wie man auch beim Obst, bei den Kartoffeln, Zwiebeln und Kürbissen schon gemeldet hat. Aber so schwer, wie sie im 4. Buch Moses, Cap. 13, Vers 24 gemeldet werden, haben wir sie nicht, doch immerhin bis zu vier Pfund schwer und das will auch schon etwas i i btx: „SrOtbungm hier statistische Zu- M«, o!mx 'Wä) M mpiahl tt ungen, durch die sM- Dttsicherungtn.-c. und chen ArbeiMachme (ion, eingeleim daran welcher sich h , vr. Ragoczy Ber )r. MnBraS« chnGüchu, f; heiligten. M? ir tzmchmg - pflegen haben. Die von der Regierung berufenen Sachverständigen sind die Herren: L. Geor gi- Gießen, Commerzienrath Gail- Ließen, O. H o s se- Groß Steinheim, Fr. Str o h- Offenbach, I Wenk-Darmstadt, L. Aule r jr. - Bensheim, I. Gräff- kivgen. Sonntag den 15. d. Mts. findet in C ö l n (Victoria-Hotel) eine gleiche Versammlung für die Rheinprovinz und umliegende Bezirke und Sonntag den 22. d. Mts. eine soltie für Hessen Nassau und umliegende Bezirke in Kassel (H6tel du Nord) statt. ** Da» tzufbefchlaggewerbe können nach Maßgabe der Verordnung vom 7. November 1885 ohne weitere Prüfung aut üben folgende Personen aus der Provinz Oberhessen: Berger, Franz zu Büdesheim, Faber, Heinrich zu Dauernheim, Ganß, Heinrich zu Gedern, Gleiß, Johann Hermann Karl zu Merkensritz, Haubach, Georg Ludwig zu Gießen, H enk«4m an n, Jacob zu Heuchelheim, Jüngling, Wilhelm zu Bergheim, Mär le, Karl Friedrich zu Lich, Heinrich zu Echzell, Pfeiffer, Johannes-zu Eudorf, Sclm, Heinrich zu Klein-Felda, Schlitt, Johannes zu Fr-jchborn, Völker, Wilhelm zu Aulen-Diebach. oölkerungskreise herbeigeführt werde." Von der für die Tagesordnung vorgesehenen Wahl einer 3 die Regierung zu entsendenden Deputation wurde Abstand genommen, weil unterdeß die Großherzoglich Hessische Regierung von sich aus auf den 9. October Sachverständige aus den hessischen Jntereffentenkreisen berufen hat. Diese Sach- verüändigen, welche särnmtlich in der Versammlung anwesend waren, stehen durchaus auf dem Standpunkte der vorstehend witgetheilten Resolution. Des Weiteren wurden in der Versammlung Deputationen gewählt, welche raschestens vnierredungen mit den hessischen Reichstagsabgeordneten zu zwar aller Zweige derselben, namentlich auch der Rauch- tabakfabrikation. Die geplante Steuermaßnahme würde eine starke Mehrbelastung des Consums und damit erfahrungsgemäß großen Minderverbrauch zur Folge haben und dieser im Verein mit sonstigen durch die Neuerung unausbleiblich veranlaßten (Störungen ber Fabrikation eine starke Einschränkung berselben unb zwar in„ allen Branchen der Tabakindustrie herbeiführen. Dies wäre aber unver- meiblich verknüpft mit bem Ruin, zahlreicher kleinerer unb weniger cnpitalkräftiger Unternehmen, mit Arbeitermaffen- cntlaffungen, nicht nur in ben ZabaV unb Ctgarren- fabriken, sonbern auch in den vielen Hülssgewerben der Tabakindustrie und dadurch bedingten Brodlosigkeit vieler Tausenden von Familien. _ Die Versammlung spricht die Erwartung auS, datz die Großherzoglich Hessische Regierung im Bundesrath ihren Einfluß dahin geltend macht, daß von der geplanten Tabakfabrikatsteuer wie überhaupt jeder Mehrbelastung des Tabaks Abstand genommen, vielmehr die Aufbringung der erforderlichen Mehreinnahmen des Reichs durch eine stärkere Heranziehung der wohlhabenden Be -i- Leidheckeu, 9. October. Daß vor einiger Zeit in loserem Orte Drillinge, zwei Mädchen und ein Knabe, geboren wurden, haben Sie in Ihrer Zeitung mitgetheilt. In den seltensten Fällen gedeihen diese Kinder, denn sie sind meistens schwächlich und sterben bald. Die hiesigen Drillinge sind aber kerngesund und gedeihen zusehends. Es ist wirklich imereffant, die drei netten Geschöpfe beieinander zu sehen, die natürlich ihren Eltern — welche sich ebenfalls den Umstünden gemäß wohl befinden — nicht geringe Arbeit und Mühe verursachen. Darmstadt, 9. October. Vom Schwurgerichte wurde gestern Abend der Landwirth Andreas Schmitt aus Frosch- hvu'en, welcher in ber Trunkenheit seine erwachsene Tochter weit bem Messer in ber Hand bedroht und dem zur Hilfe herbeieilenden Sohne nach kurzem Ringen das Messer in die Brust gestoßen und dadurch den am folgenden Tage ein» getretenen Tod des letzteren veranlaßt hatte, zu 2 Jahren 1 Monat Gesängniß verurtheilt. WormS, 9. October. In der -Nacht von Samstag auf Sonntag stürzte sich ein unbekannter Mann in ben hiesigen Floßhafen; seine Leiche mürbe gestern Morgen geländet. Der Geländete war corpulent, trug elegante Kleibung nebst ^olbcncT Uhr unb Kette. Die Jbentität bes Manites konnte mach nicht festgestellt werden. 6 weitere Arbeiter erlitten Verletzungen. ♦ Die vereinigten norddeutschen Liedertafeln laffen bem Wiener Männergesangverein zu besten 50jährigem Jubelfeste am 6. October einen Tactirftock (Dirigentenstab) aus Holz vom 1000jährigen Rosenstock am Dom in Hildesheim überreichen. Die beiben Enbcn des Stabes sind mit filber» vergoldeten Zwingen versehen, auf benen Wibmung u. i. ro. eingravirt ist. DaS Etui des StabcS trägt die Inschrift: „So wie am Dom zu HilbeSheim — Der tausendjährige Stock noch blüht — So blüh' bei Euch auch taufend Jahr — Der Rose gleich das deutsche Lied." ♦ Der Krieg soll immer schrecklicher sich gestalten. Turptn, der Erfinder des Sprengstoffes Mellinit, welcher letztere m seiner Wirkung bekanntlich das Dynamit noch um vieles übertrifft, hat nunmehr eine neue Mitrailleuse constrmrt, welche alles bisher an Schnellseuerwaffen dagcwesene übertreffen soll. Wie das Patent- und technische Bureau von Richard Lüders in Görlitz erfährt, soll die neue Waffe bei einer Ladung 25000 kleinkalibrige Geschosse 3’A Kilometer weit tragen' können und dabei eine Fläche von 22 000 Quadratmeter bestreichen. Das neue Geschütz soll in einer Viertelstunde viermal geladen werden können und erfordert zur Bedienung fünf Mann und zwei Pferde. Die Zeichnung mit allen Einzelheiten soll Turpin dem französischen KrtegS- ministerium bereits eingereicht und dieses dem neuen System sich sehr sympathisch gezeigt haben. Wollen wir hoffen, daß die Maschine auf dem Papiere bleibt und nicht zur Aus- ♦ Andernach, 9. October. In dem gegenüberliegenden Leutesdorf wurden gestern fest umschlungen die mit einem Strick aneinander gebundenen Leichen eines unbekannten Liebespaares gelandet- die Leichen sind gut gekleidet, die Ver- lobungSringe tragen die Zeichen: C. B. und R. S.; die Leichen wüsten mehrere Tage im Wasser gelegen haben. ♦ ftöln, 9. October. Gegen 9 Uhr Vormittags überfiel ein Schneidergeselle seine in der Achterstraße wohnende Geliebte und tödtete sie durch einen Stich ins Herz. Auf einen Hilferuf des Mädchens eilte die parterre wohnende Ehefrau eines Friseurs ins obere Stockwerk und erhielt vom Mörder gleichfalls einen Stich in die Gegend des Herzens, der nach ‘ Aussage des ArzteS gleichfalls den Tod bringt. Der Mörder entfloh und versuchte auf einen unterwegs ihm begegnenden Friseur einzudringen, wurde jedoch festgenommen. Der Verhaftete trug längst Mordgedanken gegen seine Ge» liebte und führte heute Morgen die That aus, als die Mutter seiner Geliebten sich in der Kirche befand. * Neuß, 9. October. In einem Garten vor dem Ober- thor wurde ein vierjähriges Mädchen mit aufgeschlitztem Leib aufgefunden, welches bald darauf starb. » Eine theure Bickelstein Portion. Das „Pickelst einer Fleisch", welches durch den Fürsten Bismarck berühmt geworden ist, hat jüngst in ber Reichshauptstadt viel Unheil angerichtet. Einem baraus begierigen Schlächtermeister setzte man Goulasch vor. Er warf dem Kellner .den Teller an den Kopf. Im Dergleichstermine bezahlte er 10 Mark. ♦ Berlin, 9. October. General Kirchhoff erschien heute im Criminalgerichtsgebäude und suchte in ber Gerichts- schreiberei den Namen desjenigen Rechtsanwalts zu erfahren, welcher seinerzeit den Redacteur Harich venheidigte. • Ein weiblicher Wilderer. In Passau wurde dieser Tage vor dem Landgericht gegen eine Frauensperson wegen Jagdfrevels verhandelt. Angeklagt war die 26jähnge Bauerstochter Petronella Krammer von Oberötzdorf. Sie wurde am 24. Juli d. I. im Walde bei Oberötzdorf betroffen, als sie mit einem Gewehr auf ein in der Nahe weidendes Rehkitz anlegte. Dem Gerichtshof wollte sie glauben machen, sie habe beim Himbeerpflücken bas Gewehr gefunben unb bann aus Spaß auf bas Rehkitz angelegt- hätte sie das Rehkitz schießen wollen, so wäre ihr das ein Leichtes gewesen. Die tn ■; title »nrtJr '• u«f. °»-bhSn,i77 äS tn im i Kttittt e ’k politij; ” G«»' im y_§un0 be85? W “". fr. M M' hm« i Sfction r "»eit Jiusjfc; in tui >,D» uwbirnt i Jtai, sich lei |b; W //Kapital" L Mb besondns arf trkifirtnb. aTt/ der über nsnitli tittrisen, die ehmungslufi ft j-, R des Wclir -' , bill und neutititi:: dauetliche ErsiiM :nn der Wintt lblich, sofort Dor:, wie. Als Milien izeit, Abscha^- der inbiDibnalirr In Zeiten te für Arbech^ tn, S/Mopja, K heißen. Bingen, 5. October. In einem Hause der Mainzerftraße wurde aestern ein Dienstmädchen, welches sich in den Gährkeller begeben hatte, von den sich entwickelnden Dünsten derart betäubt, daß es sich außer Stande sah, den Rückweg anzutreten. Einem Arbeiter, Joh. Walter aus Dietersheim, der im Vorübergehen ein leises Wimmern aus dem Keller vernahm, gelang es mit eigener Lebensgefahr, unterstützt von anderen Personen, die bereits gänzlich Bewußlose wieder ans Tageslicht zu fördern und so dem sicheren Tode zu entreißen. Lörzweiler, 5. October. Auf originelle Art kam ein in voriger Woche hier verübter Diebstahl ans Licht. Ein hiesiger Taglöhner hatte einem Metzger etwa 3 Pfd. Fleisch, welches vor dessen Laden ausgehängt gewesen, abgeschnitten und entwendet. Der Bestohlene gewahrte bald den Diebstahl, ohne indcß den Dieb zu kennen. Andern Tages nun kam die Frau des Spitzbuben in den Laden des Metzgers und frug diesen, ob ihr Mann das Fleisch bei ihm geholt habe und was es gekostet habe. So wurde der Diebstahl bekannt. Wachenheim, 6. October. Hier sind wegen Betretens des Tanzbodens nicht weniger als 25 sonntagsschulpflichtige Kinder zu einem Tage Haft und in die Kosten verurtheilt worden. ** geben und leben lassen! Die großstädtischen Engros- häuser versenden jetzt wieder zu Hunderttausenden ihre hoch- ckyanten Cataloge, in denen sie zu anscheinend billigen Preisen allr möglichen Maaren ausbieten: Damen- und Kindertoiletten, ülciderstoffe, Schuhwaaren, Herren-Garderobe, Herren-Wäsche, Alte, Tifchzeuge, Leinen-Maaren, Bettstellen, Damen- und Biuby-Wäsche, Gardinen, Corsetts, Portiören, Teppiche, Schirme, Handschuhe und endlich Mobilien aller Art, Alles von einem einzigen Geschäft. Die Geschäftsleute in den Pr ovinzialstädten können nicht in einem solchen Maße Reclame machen, weil sie nicht in gleicher Weise über ganz Deutschland zugkräftig sind. Ader es ist keine Frage, daß man durchaus nidht schlechter bei ihnen kauft, als wenn man auf die Offerten ien;£r großen Versandt - Geschäfte, die auch nichts verschenken, Bestellungen macht. Es mögen oft sogenannte „Lockvögel" ben großstädtischen Versandt-Geschäften den Anschein besonderer Billigkeit geben und für sie Reclame machen - dafür giebt es bann aber so manche andere Käufe, die bedeutend weniger -u preisen sind, von denen aber nicht weiter gesprochen wird. Zn allen Städten, welche Derkehrsverbindungen besitzen, giebt es genug Geschäfte, die, wenn auch nicht gerade so bazar- maßig alles Mögliche führen, jedes in feinen Artikeln doch nnidestens ebenso preiswerth sind. Und man hat von den Geschäften am Ort stets den Vortheil, daß man nur zu kaufen beucht, was man sich vorher genau ansehen konnte- nothigen- salls ist auch der Umtausch erleichtert. Wir muffen von einander leben, wir haben zusammen unsere Gemeindesteuern auszubringen und sollen es daher thunlichst vermeiden, ben Umsatz der heimischen Stadt zu verringen. W"' 10. Cctobtt M Hoheit btt ®i am 1. d.M - LhevbotHaÜt W x^utot bei W itnnen. den »Mt: $■■ ■ U v°" E bibot Kall Held ,.(n Bitt* s- i„ t>w > ■»VS» v&tx worden. * S siC’ sührung kommt. . . • eine „sensationelle" Gerichtsverhandlung fand am 4. October in Berlin statt. Die „Tgl. Rbsch." berichtet darüber: Der große SchwurgerichtSsaal im Criminalgerichts- aebäude war heute, der Zielpunkt eines ganz ungewöhnlichen Massenandranges. Die Leute, die da in langen Rechen die große Freitreppe emporstiegen, waren aber nicht müßige Zuhörer in einem großen Processe, sie waren vielmehr sammtlich als Angeklagte vorgeladen, um sich wegen DtebstahlS zu ver- antworten. Ihr- Zahl betrug 160! Der gr-che Raum de« Schwurgerichtssaales reichte kaum hm, um die große Zahl der Angeklagten in übersichtlicher Weise zu gruppiren- sie füllten nicht nur den gewöhnlichen Anklageraum, sondern auch die Geschworenen - Bänke, sämmtliche sonst für die Zeugen referbirien Stühle, ja, auch bte brei ersten Bankrechen des Zuschauerraumes waren mit Angeklagten gefüllt. Es handelte sich um die große Plünderung zweier Holzplätze, welche sich am Abend des 17. Juni in der Brombergerstraße ereignete. An diesem Tage verbreitete sich in der dortigen Gegend das Gerücht, daß auf dem Seligsohn'schen Holzplatz an der Ecke der Rüdersdorfer- unb Brombergerstraße Holz verschenkt würde. Die freudige Mär lockte Frauen, Männer und Kinder zu vielen Hunderten nach ber Stätte. Der Platzanweiser bot alle seine Beredsamkeit aus, um ble Leute zu überzeugen, baß das Gerücht völlig unbegründet sei: es lösten sich bald alle Bande frommer Scheu und man ertheilte dem Anweiser den guten Rath, sich ganz ruhig zu verhalten, da er sonst leicht todtgeschlagen werden könnte. Einige Knaben kletterten zunächst über den Zaun und warfen Bretter und Balken auf die Straße hinüber, dann krachte der Zaun unter der Wucht ber anbrängenden Menge zusammen unb wie ein Ameisen- schwarm ergoß sich die Menge über ben weiten Raum. Bretter, Balken, Klötze, Planken würben als gute Beute erklärt und das Losungswort „Bei Seligsohn ist Holzauction" lockte immer neue Holzbedürftige herbei. Der Holzplatz war bald gänzlich ausgeplünbert, die Menge drang aber auch bald in den benachbarten Holzplatz und plünderte dort weiter. Alle Angeklagten blieben dabei, daß sie deS guten Glaubens gewesen seien, das Holz werde verschenkt. Angeblich habe vor dem Hyizp.atze ein „feiner Mann" gestanden und allen Vorübergehenden mitgetheilt, daß dort Holz „verschenkt" werde. — Der Gerichtshof sprach sämmtliche Angeklagte frei, indem er nicht der Meinung war, daß sie das Bewußtsein einer I Zeugenaussagen erwiesen jedoch die Schuld der Angeklagten, und sie wurde deshalb zu 1 Monat Gesängniß verurtheilt. • Verviers, 7. October. Auf Zeche XhawirS wurde heute ein Bergmann durch schlagende Wetter getobtet; Verkehr, Land- rrnd Volkrrvirthschaft. (Bieten, 10. October. Marktbericht. Hut dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Md. X 0 90-1,UÜ ^"erne- per Stück 7- 4, 2 Stück — «se vr St. 5-8 X Äfifematt« pr. St. 3 4, Absen pr Ater 18 4, Ansen pr. Liter 28 A, Tauben pr. Daer X 0,60—0,80, Hübner pr. Stück X 0,90—1,10, Hahnen S. 6t X 0.60 - 0,90, ErNen pr. St. X 1,40 bt8 1,60, DgrafMd? Vr. Md 62—&8 4,. Kuh, und Rindfleisch pr. Md. 50-56 Schweüre- fleisch pr. Pfd. 60 -70 4, Kalbfleisch pr. Md. 48 -52 fleisch pr. Md. 40—60 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,00—6,00 X, Weißkraut pr Stück 8-15 4, Awikbeln pr. fcmtner 7-00-8 00^ Milch v'. etter 16 20 3>, Enteneier pr. St. — 4, Zwetschen Ctr. 5,00-6,00 X, Gänse pr. Pfd. 48—58 — Auf die vorzügliche WeidhaaS'iche Kur (Dresden-Radebeul) gegen Asthma und Brnstleiden wird besonders hingewiesen. Ca. 2000 Muck Foulard-Seide Mk. 1.35 bis 5.85 p M. — bedruckt mit den neuesten Dessins und Farben — sowie schwarze, weiße und farbige Seidenstoffe von 75 Pf. bis Mt. 18.65 p- Met. - glatt, gestreift, carrirt, gemustert Damaste rc (ca. 240 versch. Qual, und 2010 versch. Farben, Dessins rc-) äir- «n» Reuettrei in« «an«!! Gatalog unb MKr 6? Henntbergs Seiden-Fabrik g »■ r-h,r.), Zürich. __ im Alter jung zu bleiben, d. h. jugmdfrisches Ausseben auch noch in den reiferen Jahren zu haben, erreichtman dadurch, daß man die Haut pflegt, sie »art und geschmeidig erhält, nammtlich aber, daß man die WnöenbLin8 f»k4tcr, f°be^"f.cfr Seifen vermeidet. 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Pietsch) m Gießen. fcte tz -NH- VUwwei **f«N • etUah, rtidjeinen (tiüt W^. 7oitetrfrii<6 gi Iten Mm, cm! .j. :;51 auf mid) fit jiBgea und eurem tt , arten auf tud) fe •frubt und Leid tr bi tr m bitftm sch« , mb yerdn ber| Gr 1 fi:tächmtz btx ftinb ES meint rot IJ.iern; gtroallig Mfrif deS kleinen 3 ir tkeilnebmender, y.r.t. unb L 106 beult, obre l'fcnbar dazu noi |eurgen Luche ist 1 |if: stehen da die Sn, daß sie der pebi lot hundert Jahren kl 1 wort gtbti föni i-i geiorrn? ejusdem, Nacht I ft»tr seid Ihr Ein «alft, ।Cheraskenho ‘tltei * M Seste der Wel W'tM. faitbfui Ifiüado'Hsfenträ efc: ber,?,,ner 1 t* Ier Bi &