l'ejfl Rr. 2«3. Zweites Blatt. Mittwoch »m 8. Novcmber 1893 »ahlktti iinj dentis 8। ldel". ^olkspartei. Vorstand yeW’8ttfÄ Ä unter S iSjHÄ S<§, i“ «fragen junger angeitnbtrCii A'Co-np'olr sofort v MtenMBrhME , gesucht. In der Exped b.' besucht tottim? t bürgerlich kochen 6®. en hohen Lohn burä M Bureau von Fr-i/KüIK gs-Eeis-Stäii offenes Febrihl ne Btirki mpfiehJt Emil Flichbati ♦♦♦♦♦♦♦♦ toterabenbe aus .oM* L. 75 ft Bahnhöfen. BoM.'. iltzt erschienenen 6k. f foottt in etttttgtn | öhrk liessen und Umgt? iank obiger Brant1 erksame Bei»1 it Jahren allbN® er“ le“ W Der Httetzeeer A«,ei-er «rfchemt täglich, mtt Aulnahmr bei Montags. Dir Gießener W«»itte«Sltiter •erben dem Anzeiger ichchrnllich dreimal d «Gelegt. Gießener Anzeiger Kenerat-Mnzeiger. VierteNichnger JHexÄtmtebFrttei 2 Mark 20 Plg. ■* Bringerlohn. Durch die Post be*ee* 2 Mark 50 W Redaction, Lxpeditia« und Druckerei: -chelllratz« Ar.7, Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt für den Rreis Gietzen. Hratisöeikage: Gießener Kamikienblätter. | Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den wißenden Tag erscheinmden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux des In- unb Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Feuilleton. Die Wüste. * Novellette von Eduard Wilde. (Schluß.) „Alwine, woher kommst Du?" brachte Fräulein -o. Hermsdorfs mit halberstickter Stimme hervor, „so laß mich doch Athem schöpfen, Du Wildfang! Du erdrosselst mich ja I" Das Raubvögelchen lachte und löste seine Klauen. Hut, UmNeger, Handschuhe flogen im nächsten Moment fast gletch- zeitiig durch die Luft und fielen, wohin sie gerade fielen. „Woher ich komme? Geraden Wegs aus der Hölle, Tante ?l>ire! Geflohen bin ich daraus — ich bin ein Flüchtling, Du mußt mich schützen und bergen, Tantchen!" „Von welcher Hölle sprichst Du, — was ist Dir geschehen?" „Von welcher Hölle? Und was mir geschehen ist? >'O, eö war entsetzlich! Umsonst siehst Du mich nicht hier" — und nun folgte ein unaufhaltsamer Redestrom, begleitet vor allen möglichen Geberden und Gestikulationen. Aus dem Wv-rtschwall ging nach und nach hervor, daß Alwine v. Hempel, Tochter des als Gutsbesitzer in der Provinz lebenden Schwagers von Fräulein Alice, ihre Pension in der Nachbarstai t, wo sie beim Schlußexamen zum zweiten Male glänzend dvnchgefallen war, verlassen hatte, und, anstatt zu den be« flormenen Sommerferien nach Hause zu reisen, sich zu Tante Jllfcc geflüchtet hatte, um den zu erwartenden elterlichen Strafpredigten zu entgehen. Sie erklärte kurz und bündig, nlchtt eher heimwärts ziehen zu wollen, bis Tantchen von Pai»a schriftlich Absolution erwirkt und zugleich die bestimmteste 'ürlambniß, daß sie der Schule, die sie recht drastisch mit der Höllle identificirte, den Rücken kehren und auf alle Examina berichten dürfe . . Unten vor der Hausthür — nun wandte sch der Flüchtling mit einer befehlenden Handbewegung gegen Hcrm Lösewitz — unten stände die Droschke, aus der ihr Gepäck hereinzutragen sei. Herr Lösewitz gehorchte — gehorchte mit auffallender Bereitwilligkeit. Mit Hilfe des Dienstmädchens schaffte er taZ Gepäck herein und ließ sich nunmehr der kleinen Emi. grantln vorstellen. Er war plötzlich sehr wortkarg geworden - sein Blick verfolgte seltsam sinnend die bewegliche Mädchen« gestalt. Seine baldige Verabschiedung erfolgte hastig. Es schien ihn etwas zu bedrücken. „Unser Gespräch von vorhin wurde unterbrochen," meinte Fra.ulein v. Hermsdorff bei seiner Verabschiedung, „Sie ge- fiattcn gütigst, daß ich meinen Bescheid erst nach einiger Zett jiir Sprache bringe." „O bitte, ich kann warten." Mit einem ersten langen Blick auf den Pensionsflüchtling schritt. Herr Lösewitz zur Thür hinaus. Um zweckloser Weitschweifigkeit vorzubeugen, kann ich gleich hier constatiren, daß von diesem Tage an in das Ver- hältniß des Herrn Ingenieurs zu Fräulein v. Hermsdorff eine Wandlung eingriff. Er schien es mit der „Probesaat" nicht mehr gewiffenhaft genug zu nehmen. Je näher er sich mit dem kleinen Wildsang befreundete, desto mehr schien er Zeit und Geduld zu haben, von Fräulein Alice auf seinen Antrag den versprochenen Bescheid zu erhalten. Er fragte nicht darum, schien es vergeffen zu haben und sie schwieg beharrlich. Trotzdem kam er täglich ins Haus. Da geschah, noch bevor Papa v. Hempel seinem durchgebraunten Töchterlein die nachgesuchte Begnadigung verkündet hatte — es geschah etwas, worüber man sich wundern mochte, was aber einem scharfen Beobachter nicht entgangen sein konnte. Eines Abends traten Herr Lösewitz und Fräulein Alwine v. Hempel Hand in Hand aus dem Garten und nahmen in dieser nicht mißzuverstehenden Gruppe vor Tante und Großtante Stellung. Letztere merkte freilich nichts, denn sie war in ihrem Lehnstuhl eingenickt, Xante Alice aber that, als ,ehe sie es nicht. Sie ignorirte das Pärchen vollständig, war am Thee- tisch beschäftigt, — plötzlich wandte sie sich nach Herrn Lösewitz um: „Apropos, ich wollte Ihnen heute meinen Bescheid sagen, — sofort, wenn Sie wünschen." „Ihren Bescheid!" stammelte er, Alwinens Hand fahren lassend. „Freilich — ist's Ihnen nicht recht?" „Welchen Bescheid — ich — ich wüßte nicht —" „Wie? Sie wiffen nicht? Oder — hm, genirt Sie die Anwesenheit meiner Nichte?" „O nein, nein, aber —" „Nun, so sehe ich keinen Grund, länger zu schweigen, Herr Lösewitz. Ich muß gestehen, ich finde auf einmal viel Vergnügen daran, meine Verlobung zum Staunen aller Welt bekannt zu geben. Ich habe mein Inneres gewiffenhaft geprüft — Zeit habe ich dazu gehabt, wie Sie wiffen — und bin bereit, Ihre Bewerbung anzunehmen." Tableau l Dem entsetzten Probefreier fiel im Moment nichts Ge- scheidteres ein, als niederzuknieen und die eine Hand der Tante, die andere der Nichte gnadeflehend entgegenzustrecken. Die Matrone in ihrem Lehnstuhl war erwacht und blickte verwundert auf die seltsame Scene. „Erbarmen!" stöhnte halb lachend, halb weinend der Knieende, „ich habe mich schwer vergangen gegen Sie, meine Hochverehrte, Angebetete, aber gehen Sie mit mir nicht zu streng vor Gericht. Ein unseliger Einfall, ein Drang —" „Ließ Sie zu einem Experiment mit der „sonnigen Wüste" zwecks Urbarmachung derselben verleiten," ergänzte Fräulein v. Hermsdorff, spöttisch auflachend. „Nun, ich kann Ihnen offenbaren, ich Habs gewußt. Nicht allein, daß mair mich vor Ihnen gewarnt hatte, nein, mir genügte allein der Blick, mit dem Sie am ersten Tage des Sehens von meinem lieben Eichkätzchen da sich verabschiedeten. Da wußte ich, wie es mit Ihrem so schön einstudirien Antrag für mich bestellt gewesen . . Jedoch — es sei Ihnen vergeben und nehmen Sie meine Versicherung hin, daß die Glückwünsche, die ich Ihnen darbringe, die wärmsten und aufrichtigsten sind . . „Ich vergebe aber nicht!" rief nun das „Eichkätzchen", welches die (Situation allmälig begriffen hatte, mit dem Füßchen aufstampsend, au6; sie begann heftig zu schluchzen. „Auch Du mußt vergeben, mein Sausewind," flehte Lösewitz, aufspringend und die Weinende an seine Brust ziehend, „denn auch Du bist schuld an meiner unauslöschlichen Blamage - weßhalb tratest Du Deine Flucht hierher nicht einige Wochen vor dem nicht bestandenen Examen an? Da hätte ich nicht brauchen meinen Hals zu brechen bei Deiner himmlisch guten und klugen Tante ..." Die Versöhnung kam schließlich auch hier zu Stande, Tante Alice, welcher Herr Lösewitz immer und immer wieder dankbar die Hände küßte, nahm es auf sich, sofort mit dem nächsten Zuge zu den Eltern der Braut zu fahren, um sie auf das Ereigniß vorzubereiten und Gnade zu erflehen für das verlorene Töchterchen, welches, um allen Schrecknissen der Schule zu entgehen, sich in den friedlichen Hafen der Ehe flüchten wollte. Und dieses trotzige, wilde, sommersprossige, kleine Ding, das weder über Geist, noch tiefere Bildung, noch irgend welche äußerliche Vorzüge zu verfügen hatte, dieses rothbäckige Land- prinzeßchen mußte einen reifen, verständigen Mann nur so im Handumdrehen wr Untreue gegen ein Mädchen verleiten, welches geschaffen zu sein schien, stilles, inniges Glück ins Haus eines braven Mannes zu bringen. Schicksal? Fatum? Zum mindesten ein Räthsel. Als der glückliche Bräutigam das Haus verlaffen und Fräulein v. Hermsdorff sich zu der mit dem Frühzuge an- zutretenden Reise vorzubereiten begann, rief Alwine auf einmal aus: „Aber, Tantchen, Du weinst ja!" „Ich? Wie kommst Du dazu?" „Nun, rollte nicht soeben eine einzelne Thräne über Deine schöne Wange?" „So? Ja, wirklich! Siehst Du, es kommt daher, weil ich mich über Dein Glück so von Herzen freue!" Da floß noch eine hellblinkende Thräne über ihr hebe» Gesicht, aber schon im nächsten Moment lächelte sie so heiter, so sonnig, so bezaubernd harmlos, wie sie nur je zuvor gelächelt. Sie war wieder die „sonnige Wüste" selbst. Wüste? Vielleicht auch keine. , Restauratew (hl , MgeM oveinber 1898. - , M. , Gsldckentt ü. Kese - -.-Ä' 9Ü, Bekanntmachung. Es können an brave Dienstboten, welche in unserem Sparkaffen- ftzirk 10 oder nahezu 10 Jahre lang bei einer und derselben Herrschaft •bienen, Prämien aus der Spatkaffe bewilligt werden. Es ergeht deS- M an solche Dienstboten die Aufforderung, sich binnen 14 Tagen bei Ziechner Doering im Sparkaffengebäude dahier mündlich ober schriftlich zu neiden und zugleich die Dienstbücher und Zeugniffe ihrer Herrschaften vor- „legen. 9246 Dienstboten, welche bereits vor länger als 3 Jahren prämiirt worden stad und noch bei derselben Herrschaft dienen, können auch jetzt wieder mit (hxer Prämie bedacht werden. Anmeldung muß innerhalb obiger Frist Mer Vorlage der erforderlichen Bescheinigungen erfolgen. Gießen, am 31. October 1893. Die Direction des Spar- und Leihkaffe-Vereins Grüneberg. Ieikgeöotenes. Rattentod itt LaS beste Mittel, um Ratten und Mause s-mll und sicher zu vertilgen. Unschädlich fit Menschen u. HauSthiere. Z. hab. in M. hbQHH. «rrg. «oll II., Bahnhofftr. Italienische Maronen mpfiehlt [8606] Emil Fischbach. i Regenschirme ’ f für Damen, Herren und = -Z- Kinder empfiehlt in großer E <= Auswahl [8503 = ff A. Fangmann. - Frische Eier. 8716]___________I. M. 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