1893 Mr. 7 AwritrS »la«. Amts- «nd Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. SktlchM Hratisöeikage: Hießener AamitienKkätter Amtlicher Theil Ärriu) Alle Inxoacm-Burtatir bd 3n» tml ÄMltartd **”* leitieen für Vw wOte|t*tr V«|ci|crJ' mtyye. Sonntag den 8. Januar Zur Frage der Beschränkung des Hausirhandels. Die Auswüchse und Ausartungen des Hausirhandels werden bekanntlich von den ansäisigen Kaufleuten, Händlern und Gewerbetreibenden so schwer empfunden, daß schon seit Jahren die Rufe nach einer Beschränkung desselben laut werden, und da auch das kaufende Publikum durch den oft gar nicht zu controllirenden Werth der von Hausirhändlern angebotenen Maaren schwer benachtheiligt wird, so erscheint es auch im allgemeinen Interesse geboten, den Calamitäten des Hausirhandels gesetzlich entgegenzutreten. Ganz besonders scheint man dies in Bayern für nothwendig zu erachten, denn die bayerische Regierung hat im Bundesrathe einen Antrag auf die Einschränkung des Hausirhandels eingebracht, und es ist zu wünschen, daß in dieser Richtung der Bundes- rath und der Reichstag sich über eine Reform oder doch eine Abänderung einiger Paragraphen der Gewerbeordnung daß die Befürchtung des Volksmundes sich nicht bewahr beite: -Wenn der Jänner viel Regen bringt, werden die Gottesäcker gedüngt!" — Wie das Rad der Fensterrose des gothischen Doms uns an den schnellen Flügel der Zeit und an die Benutzung der uns zugemessenen mahnt, so mahnt uns jede EiSblume des Stubenfensters, die uns jetzt leDerlrctiingen. tungen für die vier Kirchen- foff, so werben bie giften vier fttedfengemeinben lmlich am Montag, den S., 11. d. Mts., ’oow ade liegt oflrn im Pfarrhaus lSgemeinde in der Wohnung jste für bie gufa^emeinbe straße 18); bie Liste für die er Südanlage. Wendungen gegen die Mm ebracht werden. Gegen dessen >n Berufung an den Dekanats- laeafrm« Änjtigee zu bet Nachmittag für bce Mambm log erscheinmben Nummer bil Bon*. 10 W- Bierttljährtgei 2 Mark 20 Pfg. mtt Bringerlohn. Durch die Post btjog* 2 Mark 50 Pf». Äebartton, LpyrdM— trab Druckerei: >4*(|re|< »t.1* gerufprecher 61. Durch die Morgenröthe des jungen Jahres rollt unaufhaltsam rin Rad dahin. Es ist das rollende Jul-Rad der alten Deutschen, dem sie sinnig zwölf Speichen gaben. . Hartmonv" hieß die erste Speiche, die mit ihren zwei übrigen Genossen die erste der vier Felgen des Radkranzes trug. Sa fest prägte sich das Bild des Jahres- und Schicklalsrades in die G müther unserer Vorfahren ein, daß es aus dem Düster des . Leidenthums später ins Licht der christlichen Kirche hinuberrollte, um, f ebenso sinnig als es gedacht, manch urdeutsches Gotteshaus zu zieren, ; ihm einen Theil seines Lichtes zu schaffen. Wenn die Sonne all- j abendlich sich neigt und ihre letzten Strahlen als Farbenfltmmer über - das feierliche Düster der Säulen und Gewölbe unserer altetten Kirchen < und Dome spielen, so fallen sie am schönsten da ein und sprechen am \ mächtigsten zur still bewundernden Seele, wenn sie durch die wunder- | litt,en Schnörkel und Lichtausschnitte einer mächtigen gothischen Fensterrose huschen, die gen Westen schaut: durch das so poesieooll tn harten Stein und farbenprächtiges Glas erstarrte, uns Lebens- und Schtckfals- tage zurollende alte Jul Rad! Fürwahr, die erste Speiche im Jahresrad, der Hartmond, ist ein harter Geselle. Erstarrt und hart erscheint sein Herz und hart ist der Boden, über den er sich bewegt, denn er duldet kein warmes Gefühl unserer Muttererde: in Wald, Feld und Gärten legt er ihr — wenn er richtig regtet — den harten Panzer um; selbst die tanzende Welle der Gewässer erschauert vor seinem Anblick zu Eis. Aber im Grund des Herzens sind wir ihm darob nicht gram; im Gegentheil: wir lassen uns die raube .Herrschalt eines eisigen Januar gern gefallen. Es ist uns ein erfrischendes Gefühl, die reine kalte 1 Winterluft zu athmen, sich in ihr tn der tief tn Schlaf versunkenen ; Gottesnatur zu ergehen oder sich auf dem erhärteten Spiegel der l sonst beweglichen Fluth zu tummeln, lustige Linien und Eurven über die stille Schlasstälte der tm G.unde träumenden Fische und über die bewegungslos ins dämmernde kalte Wasser glotz nde Ltbellenbrut zu ziehen. Der Landwirth und Gärtner heißen dre Macht des starren Gesellen willkommen, zumal wenn er seine weiße Decke nicht vergessen. Wie kostbar mürbt er den aus rauher Furche liegenden oder geschollerten Boden! Besonders wir Gartenfreunde hören lieber die vor Kälte zu Satten einer Windharfe gespannten Drähte unserer Spaliere ihr klagendes gezogenes Huh! ausstoßen, als das lustige Gegetge vorlauter Frühlingsschnaken, das allzufrüh manche Knospe im Wtnterstübchen weckt, bethört und späterem rauben Tod entgegenführt. Möge der Hartmond auch in diesem Jahre seine ganze Strenge uns noch entfalten und die Drehung seiner Speiche eine feste Basis der Gesundheit in unser Gärtchen und vor allem in unser ganzes Volk legen, ; den Ausblick in das Gärtchen^erschwert, uns mit letzteren künftigem ! Wohl zu befassen. - - "-'-'HZ ’ Es gtedr sehr viele Gartenfreunde, die das Glück des Besitzes ! ihres Gartens wohl empfinden, die sich in diesem Gefühl fröhlich und i ehrlich jedes Jahr abrackern, um das Angenehme der lieb ge- >. wordenen Arbeit mit dem Nützlichen von Erträgen zu verbinden. \ Das Nützliche läßt sie dabei so häufig im Stich. Die Ursachen davon i sind recht vielgestaltige, gründen sich aber in den allermeisten Fällen ; auf einen kleinen ober größeren Mangel an Kenntniß der bestgewählten ' Praxis der Gartenpflege. Wie Vielen, die emsig ihren Garten be- ‘ bauen, ist das Fundamentale des Gartenbaues, wie z. B. ein zweckentsprechender Fruchtwechsel im Gemüsebau, ein Buch mit sieben Siegeln! Sie verfahren hinsichtlich Dünaungsweise, der Ausarbeitung des Bepflanzungsplanes, ganz willkürlich und sind dann verwundert, ihre Mühen von so wenig Erfolg gekrönt zu sehen. — Jetzt, da die Gartenarbeiten draußen fast ganz ruhen, ist es die beste Zeit seine strategischen und taktischen Thätigkritspläne zur kommenden Gartencampagne zu schmieden. H-er einige Worte darüber, denn sie sind ebenso wichtig und werthvoll als die Arbeiten selbst. Das Wichtigste des deutschen Hausgartens bleibt wohl immer der Gemüsebau, dem sich die Liebe zur Blumenwelt und die Obstzucht mehr oder weniger anschmiegen muß. Richtig betrieben, gewährt der Gemüsebau nickt nur große Freude, sondern auch ganz erheblichen Nutzen. Vor allem gehört dazu eine richtige Etnthetlung des Gemuse- landes. Das darf nicht aufs Geradewohl geschehen, sondern ist eine kleine Kunst, die, wenn auch leicht zu erlernen, doch reiflich vor Lenz- beginn überlegt sein will und am besten auf dem Papier fixtrt wird. Die meisten der freundlichen Leser haben gew ß schon vom „Fruchtwechsel* des Landbaues gehört; er ist ein nöthtges Fundament desselben. Dieser Fruchtwechsel ist auch durchaus — natürlich vereinfacht — in den Gärten nothig, sollen die Erträge gut und auf lange Jahre hinaus gesichert fein. Er hängt mit der Krä'tigerhaltung des Bodens, mit dessen Verbesserung, d. h. mit der Düngungsfrage eng zusammen. Dte Nothwendigkeit der Düngung — der wohlberechtigten kleinen Kehrseite der Gartenästhetik — ist überall anerkannt; ja häufig wird darin des Guten zuviel gethan, indem übereifrige Gartenbesitzer ihren ganzen Culturboden jährlich, sei es mit animalischen Stoffen, mit Grubendünger oder mit Compost u. s. w. düngen. Dies jährliche oder öftere universale Düngen, besonders mit den beiden ersteren Stoffen, ist ganz unrationell, denn es ist Verschwendung, weil es auf eine starke Verminderung der Erträge hinausläust. Der Leser staunte Er hat ganz recht, allein er wird mich sofort verstehen, wenn ich ihm sage, daß bei solch verkehrter Maßnahme entweder das Ganze zu starke Düngung erhält, wodurch vielen Gemüsen, die eine frische und starke Düngung absolut nicht ertragen, ein Gedeihen unmöglich gemacht wird, oder aber dte Gesammtcullurfläche erhält dabei eine zu schwache Nahrungszufuhr, bei welcher zwar die nur schwach resp. nicht frisch zu düngenden Gewächse kümmerlich noch gedeihen, die unbedingt reichlich mit Nährstoffen zu verlebenden Gemüse aber aus Hunger nicht aufkommen. Besser schon ist es, ein und denselben Gartentheil nur alle zwei Jahre stark zu bürgen und dabei für feine Pfleglinge ein Wechsel des Standorts, den Fruchtwechsel, vorzunehmen. Da indessen die Böden unserer Hausgärten im Durchschnitt durch langjährige Cultur tn gutem Zustande sich befinden, dürste allgemein totales tmfc provinzielles. Gießen, 7. Januar 1893. -h. Den Reigen der Vereins-Winterfestlichkeiten im neuen Jahre eröffnet kommenden Donnerstag den 12. d. M. die hiesige Ruder-Gesellfchast in Steins Saalbau. In gewohnter Weise hat dil Leitung des Vereins ein auserwähltes Programm zusammengestellt, für dessen wohlgelungene Ausführung die Vorarbelten bereits im vollen Gange sind. Den Glanzpunkt des Abends dürfte ein eigens für diesen Zweck von der Schriftstellerin Johanna Baltz gedichtetes und der Ruder-Gesellschaft gewidmetes Festspiel in Verbindung mit Leib. tn H Jt tn Daniel Conrad lbiabrikanl ofitn. An men) wer: JT Rüger btt Kasse 30 A Der Vorstand. Der «scheml täglich, eM Lu-nahmr bei Montags. tHe Gießener »erben dem Be|c kalte Luft zu dem Zimmer Zutritt erlangt, b'lden sich schwere Dampf wölken, die e ne starke Eisbeklcidung an den Wänden zurück- lasten. Fleisch, Brod und andere Nahrungsmittel verwandeln sich in e'ne feste Maffe, an der selbst Sägen und Beile zerbrechen. Während Kane'ö berühmter Ueberwinreruug im van Reuffelacr« Hafen 1853—1855 war an verschiedenen Tagen jeder Mrnsch in e ne io dichte weiße Wolke eingehüllr, daß man ibn kaum erkennen konnte. Zog man die Mütze vom Kopse, so dampfte dieser wie eine Schüffcl mit kochende« Kartoffeln. Hierbeistand die Temperatur auf—60^F. Wenn man etwas im Freien schreiben wollte, war es nothwendig, dies über ein r Spiriuslampe zu thun. Payer beschreitt die Wirkung solcher Temperatur aus den Menschen. Der Puls schlägt langsamer, der Mensch w rd gefühllos und apathisch, die Kräfte nehmen ab, die Augenlider sind steisgefroren, die Füße schmerzen, habet tritt großer Durst ein, der Bart ist zu einem E'sklumpen verwandelt, nervöse Schwäche, Schläfrigkeit und ost Geistesgestörtheit treten ein. Wahrend der englischen Nordpol Expedition von 1875—76 beobachtete man eine Kälte üon73° F., während der letzten Franklin-AufsuchungS- expedilion unter dem jüngst verstorbenen Lieutenant Schwaika (1878—1880) fiel daS Thermometer im Januar 1880 zu 71° F. herab, und 16 Tage lang war die DurchschnNts- temperatur 100° inner dem Gefrierpunkt. Trotzdem marschtrte Schwatka unaufhörlich vorwärts, indem er sich ganz nach E-kimoweise kleidete und nährte. Die Polarvölker, besonders die Jakuten, die Wrangel „Leute von Eisen" nennt, sind gänzlich unempfindlich gegen Kälte. Sie nächtigen mitten im Winter auf der kalten Tundar, mit irgend einem alten Rennthierpelzrock, mit dem sie ihre Schultern bedecken. Die Gewöhnung an Kälte hat sie gänzlich unempfindlich gemacht, und daß auch Europäer solchem Klima trotzen können, haben die obigen Mittheilungen bewiesen. * Man weiß, daß die wunderlichsten Dinge in den Annoncenspalten als Weihnachtsgeschenke angepriesen werden. Daß Ackerpflüge als Weihnachtsgeschenk empfohlen wurden, ist nicht mehr neu ; daß jemand seiner Feststimmung dadurch Ausdruck giebt, daß er sich bereit erklärt, in den Festtagen Zähne gratis auszuziehen, hatte man voriges Jahr einem Potsdamer Inserat entnommen. Dieses Jahr hat es wiederum auf zahnärztlichem Gebiete etwas Neues gegeben. Der „Nordstern" vom 24. Deceinber 1892 bringt folgendes Inserat: „Prakt. Zahnarzt Louis Wolff empfiehlt als passendes Weihnachtsgeschenk (!) künstliche Zähne bei billigen Preisen und täuschendster Aehnlichkeit." So ein funkelnagelneues Gebiß an den WeihnachiSbaum gehängt — das muß sich ja ganz prächtig gemacht haben. ter allgemein herrschenden Arbeitsnoth findet erklärlicherweise eine sehr starke Nachfrage nach Arbeit durch Arbeitstichende auf öffentlichen Bauplätzen statt, auf denen auch während des Winters gearbeitet wird. Zur Abwehr des massenhaften Angebotes unanstellbarer Arbeitskräfte dient jetzt allgemein ein ziemlich drastisches Mittel. Auf Bauzäunen, Thüren rc. derartiger Arbeitsplätze findet man vielfach in primitiver Weise mir Kreide geschrieben den kurzen Vermerk: „Arbeiter werden nicht angenommen!" An anderen Stellen ist wieder ein Blatt weißes Papier angeheftet, das in ungelenken Schriftzügen die ominöse Inschrift trägt: „Arbeiter werden nicht angenommen!" Jetzt hat bereits, wie ein hiesiger Berichterstatter meldete, die Industrie sich dieses Umstandes bemächtigt und saubere, weiß lacktrte Blechtafeln bekannter Art auf den Markt gebracht, die in schwarzem Druck stilvoll verkünden : „Arbeiter werden nicht angenommen!" Ein derartiges Schild hat man beispielsweise an dem Zugänge zum Dombauplatze zu bewundern Gelegenheit. Bei der permanenten Arbeitsnoth dürfen derartige Schilder bald ein recht gangbarer Artikel werden. * Eine merkwürdige Geschichte. In der Salzburger Domkirche, so erzählt die „Salzb. Chronik", fand man in der letzten Zeit täglich in der Früh das „Ewige Licht" ausgebrannt. Man vermuthete, daß der Meßner das Del, anstatt es einzufüllen, für seine Zwecke verwende, und wollte ihn trotz seiner Unschuldsbetheuerungen entlassen. Schließlich prüfte man die Sache doch noch einmal, und der Domdechant selbst setzte sich unbemerkt in einen Stuhl des Presbyteriums. Wie erstaunte er aber, als etwa um 10 Uhr eine gewaltige Ratte an dem Seile, woran die Ampel hängt, herunterkletterte, das Oel aussoff und wieder in ihre Dachboden- Residenz zurückkehrte. * Paris, 3. Januar. Im Hause Nr. 102 der Rue Truffaut wohnten in zwei armseligen Kammern seit 19 Jahren zwei alte Jungfern Marie Goude, 76 Jahre alt, und ihre Schwester Pauline, 74 Jahre alt. Am Sonntag Abend hatte ein unter ihnen wohnender Miether der Polizei gemeldet, daß er den gewohnten Schritt der Frauen, die ihre Behausung nur verließen, um die nothwendigsten Einkäufe zu machen, seit Freitag nicht mehr über sich gehört habe. Als die Polizei die Thür öffnete, sand sie die ältere der beiden in einer Zimmerecke ausgestreckt auf dem Rücken liegen, die jüngere lag vorn im Zimmer mit dem Gesicht auf dem Boden und hielt noch einen Teller in der Hand. Da die beiden, um zu sparen, trotz der großen Kälte nicht heizten und sich sehr schlecht nährten, nimmt man an, daß die eine vor Hunger und Kälte umgekommen sei und daß die Schwester beim Anblick der Tobten der Schlag gerührt habe. Bei bet Haussuchung fand man in dem einen Zimmer ^Wertpapiere im Betrage von 300,000 Frc.- man vermuthet^ daß in dem andern Raum, an den sofort die Siegel angelegt wurden, das Vermögen der andern Jungfer im gleichen Betrage versteckt liegt. Und diese reichen Armen waren so geizig, baß sie sich keine Dienstmagb hielten unb ihre Wäsche — freilich sehr selten — selbst wuschen. Sie sind vor Hunger uyd Kälte an ihrem Geiz zu Grunde gegangen. * Vielseitige Verwendbarkeit des Glases. In Liverpool giebt es eine Glasfabrik, in der alle Zapfen der dort gebrauchten Maschinen in Lagern aus Hartglas bestehend, laufen, wo ferner die Fußböden mit Glasplatten belegt unb baS Dach mit Glasziegeln eingebeeft sinb, selbst ber 105 Fuß (cngl.) hohe Schornstein ist ganz aus Glassteinen aufgebaut. ! * Vom Pariser Leihhause. Ein Mitarbeiter des „Figaro" ! hat dem Leih amt der Stadt Paris einen Neujahrsbesuch abgeplattet. Eine Welt von Kampf und Elend bergen die steten Verlängerungen vieler Darlehen. Im abgelaufenen I Jahre wurden nicht weniger als 307 319 Pfänder für einen Gesammtbarlehensbetrag von 3 108 237 Fr. erneuert: 76 118 Kleibungsstücke, 91194 Betttücher, 38 230 Stück Wäsche, 7360 Bettbecken, 549 Federdecken, 2902 Stücke Spitzen, 20 537 Stücke Stoff, 2774 Operngläser, 6535 Vorhänge, 489 Schirme unb Stöcke, 254 Fächer, 392 Reißzeuge, 633 Musikinstrumente, 977 Spiegel, 5350 Bücher unb Noienheste, 1217 Werkzeuge, 1972 Kochgeschirre, 392 Liqueurkasten, 93 Bilber, 655 Teppiche, 2178 Bronzen, 32168 Stücke Leinwanb, 460 Nähmaschinen, 57 Klaviere rc. — Gewisse versetzten Gegenstände werden mit geradezu rührender Ausdauer prolongirt; so z. B. eine kleine Stutzuhr seit 1835; sie sieht noch wie neu aus. Für ein altes Silberbestcck werden die Zinsen seit 70 Jahren entrichtet, für ein Stück Spitzen, auf welches 12 Fr. geliehen wurden, sogar feit 75 Jahren! Ein alter Regenschirm, wie ihn die Damen der Halle unter dem Directoire gerne trugen, von grober grüner Leinwand unb riesigen Umfange, würbe vor 63 Jahren versetzt. Die Tulpe mag für einen Liebhaber 3*/2 Fr. werth fein, wird aber noch alljährlich regelmäßig prolongirt. * Wie viel Kälte ein Europäer, wenn es sein muß, vertragen kann, erhellt aus Folgendem: Die ersten Europäer, die einen arktischen Winter durchlebten, waren der Holländer Barents unb seine Begleiter (1596—97). In ber Beschreibung bieser Reife wirb erwähnt, baß heißes Wasser, in das man Hemben zum Waschen gelegt hatte, mit diesen zu einer so festen Maffe zufammengefroren fei, daß man sie, trotz intensiven Feuers, nur nach langer Anstrengung an einigen Stellen erweichen konnte. Die Reisenden konnten sich, obwohl sie das Feuer durch die dicke Pelzbekleidung bis auf ihre Haut durchbrennen ließen, kaum vor dem JSrfricren bewahren. 1631 war die Kälte in Grönland so groß, daß sich auf der menschlichen Haut bedeutende Blasen bildeten. Wenn man auS dem Hause inS Freie trat, empfand man Straußenfedern zusammenaestellten Kopfputz der weiblichen Bluthchen streuten, sproßt, grünt und blüht es jetzt schüch'ern an vielen ber Triebchm. An den Blumenzwiebeln sind manche Blüthentriebe soweit heraus, daß wir sie zu ihren fommenb-n Blütbentag.n ans Helle Fenster setzen können, wenn auch zuerst vielleicht noch mit schützendem Papier- Hütchen, zum nicht geringen Gaudium unserer älteren Lieblinge. Dulden wir nicht mehr wie höchstens + 15« R. im Zimmer, was zudem einer normalen menschlichen Constitution am zuträglichsten, so können wir am überdies immer etwas kühleren Fenster einen kleinen lachenden Blumenflor eine ganze Reihe von Wen erhalten, aber nur dann, wenn der Ofen etwas entfernt und beschirmt steht. Die mächtigeCümellie erschließt jetzt ihre stolzenBiüthen, mit denen sie die schon seit November ebenso reich als lieblich blühende, in schüchternes Rosa gekleidete Primula ohconica ein wenig beschämen möchte. Diese auch im warmen Zimmer, selbst in nicht ganz Heller Beleuchtung fast fortwährend blühende, langstengelige Primel, wird mitunter eines boshaften Brennens, das sie freundlich pflegenden schönen Händen, -1 la Brennnessel appliciren soll, bezichtigt; ich bin mit dem ganzen Apparat eines hochnoihpeinlichen Untersuchungsrichters und Staatsanwalts dieser interessanten Anschuldigung näher getreten, kann aber bis heute, beschämt, nur eine völlige Unschuld der Heben Blume conftatlren. Reizend ist es jetzt auch, wenn wir uns vom Gärtner einige Stöckchen russische Veilchen g.ben lassen und sie, in kleine Töpfe gepflanzt, ganz dicht am Fenster zwischen unseren anderen Pflanzen zum Blühen bringen, was häufig gelingt. Alle unsere Lieblinge, die wir nur nach Bedarf und mäßig gießen, unterweisen wir einer gründlichen sanitären Visitation. Wir säubern sie dabei nicht allein von dem gefährlichen Staub, sondern behandeln sie mit Schwamm und lauem Seifenwasser, bei nachherigem gründlichen A bsprihen, um etwa vorhandene Schildläuse, auch Blattläuse und leider oft nicht sichtbare Brut zu entfernen. Sonnige Januartage sollten uns in den Obstgarten locken. DoA können jetzt mit Baurnscheere die „großen" und „kleinen" Raupennester, leicht an vertrockneten Blätterbüscheln kenntlich, abgenommen und vernichtet werden. Mit einer grohflammigen Raupen- sackel können sie auch vorsichtig am Baume einfach abgebrannt werden, was oft noch leichter. Die Ntster bergen eine Menge überwinternder schädlicher junger Raupen, erstere des „Goldafters", letztere des „Baumwelßliugs". — Störte uns in verklungenen Sommertagen ein schon größerer Baum — Obst- oder Zierbaum — durch einen falschen Standpunkt im Garten und wünschen den Ungeschickten schon oft von da weg, mochten ihn aber doch nicht umbauen, so ist unS jetzt Gelegenheit gegeben, ihn an einem geeigneteren Plätzchen fußen zu lassen, d. h. ihn zu versetzen. „Bei dieser Kälte .'" Gewiß! ge ade bei ihr, denn nur bei starkem Fio't kann die Arbeit geschehen. Der Baum wird eventl. mit Hebezeug, einfach mit großem, abgegrabenem, scharf seitlich unb abwärts abgestoßenem, hartgefrorenem Wurzelballen aus ber Erbe gehoben und nach seinem Stands t über: geiührt, wo er, in ein enispiechendes Erdloch gepflanzt, im Frühling meist ohne sonderliche Störung seines Wohlbefindens miete, sröh Ich ergrünen unb weiter gedeihen wird: er bat ja, wie das in tauber Zeit in die Fremde verschlagene Menschenherz, ein Stückchen alter Heimath, an dem er zehrt, mit hivauSgenommen! ______ Heinrich Frhr. von Schilling. — Die Alügge'sche Erfindung. In Nr. 6 dieses Blattes ist ein ausführlicher Bericht über diele neue Erfindung enthalten, der hiermit noch eine Vervollständigung erfährt. Sofort, nachdem Herrn Apotheker Flügge das Patent ertbeilt war, sandte er einer großen Anzahl Aerzie das Präparats „Myrrhen • Er.'me" genannt, zur Prüfung zu. Wir veröffentlichen nachstehend einige der Herrn Flügge gewordenen Gutachten: [348] X>le versucht mit Mr> rr he ns alb t sind bei «jtmntoKit, um T6eU durch Frost eräugten (irkrankmigen günstig ausgefallen; (tefdjroüre (onimeit auf btt inneren Station einer Ninderspi tals, btt ich allein btstye, nicht so oft vor unb hatte ich nickt Gelegenheit, mich von ber Heilwirkung ber Myrrhenpräparate auch bei bleien Slneftlonen, an bet ich nicht zweifle, zu über mengen. Freiburg i.B. ghof. Dr. Thom»*. Die von Ihnen uni neulich zugesanbten Mhrrh en ptäpara te habe •* berwanbt unb war mit btnfelben In ber Zhat auraezclcknel uifrienen, wenhalv wir die In den übrigen ärztlichen Zeugnissen vorliegenden Feob ' ;una 3bne» kbr b mrbat Kt«. JBieSlau. Mit borzüglicker Hochachtung Prof. Dr. NriNier. Da» mir zur Prüfung übersandte Mv rr de n pr a u ar a t hol e Ich bei btn verschiedenartigsten gälten In Anwendung gebracht 11110 ! In mn d n daniU erzielten Erfolgen außerordentlich znirleden. 2ti.1 iZtcrbanbniitttl b i «rliit» en»« ftanbenen Wunden sehr geeignet, hat sich die -albe besonder» del der Behandlung alter tstesckwüre bewährt unb must tck btt damit er; lun Heilerfolge al» ube^ raschend bezeichnen. In kleineren Fällen. all Äundieln, : tbe ld> ba» Mittel ebenfalls angewendet unb In jeder Vetiedung bewährt gesunoeu. -ZMunbert hervorzubeben Ist ber angenehme Okrudi de» Pravara.ek und d re ■infictrenbea Eigenschaften bei übelriechenden Adsonderi iigett, in gleicher Spelte die absolut« Ungesabrlichkelt der Anwendung, da 3ntorif .tioiitn. wie bet Carbolfättre, Jodoform re. nickt vorkommen (innen. Ich halte da» Mittel für eine höchst werth- volle Bereicherung de» Arzneischatzes. Frankfurt a. M. Dr. MacBert. Die mir von Ihnen gütigst zur Verfügung gestellten M » r r e n or ä D a r at« hobt ich theil» In dem chirurg. Ambulatorium ber hiesigen Annenklmlk, Weil» in ber Prlvatprari» In nahezu 25 ,Zöllen mit reckt gunstia-m Enolge In Hn» menbung gebracht. In ben meisten Fällen wurde die JJlnrrhenfalbe bet tuberkulösen Hautgeschwüren angewandt mit reckt gutem 1 rfolg. Besonder« erwähnen.wtrth ist ein Fall von grohen tuberkulösen Äesckwuren an beiden Unterschenkeln bei einer Fran von 54 Iabren, bei dem nach Vlnu-enbung bet Mnrrhenfalbe in verbältnlstmas ig ktir> r Zelt Heilung eintrat. — von ebenso günstiger Wirkung Ist bk salbe bei Brandwunden In zwei Fallen bei ercorrllrtce ±jjrjen stillender Frauen trat bet Anwendung ber Salbe ra>ck Heilung ein. — Ferner wandte ich die Salbe bei frischen stunden ohne tebc .'leitet'(betnuna mit gmun Grtolg an. Einen nachtheiligen GlnRuft Ihre» »' 3parou» habt ich In keinem Falle gesehen Shanfnria.OT. Mit acktung.'vollemÄrug Ihr ergebener vr. tned.Canela» Somit steht es außer Zweifel, daß wir nunmehr in dem Flügge'sche» Myrrhen-Eri-me (Deutsches Reichspatent Nr. 63595), welcher bereit» in den Apotheken*) L Tose Mk. 1 erhältlich ist, ein ganz hervorragendes Mittel bei den verschiedenen Hautkrankheiten, Wunden, Geschwüren rc. b In Gießen: Peltkanapotheke. Mvrrhen-tzrtme ist der patentirte ölige und verdickte Auszug ves Myrrhenharzes. 333) Kanarienvogel, Amsel, Drossel, Frnk und Staar und die ganp Dogelschaar singt am besten, lebt am längsten bei Fütterung mit Voß'fchem Vogelfutter. Hier nur zu baden bei «wil Fischbach. Seltersweg 24. Der große Prachteatals- der Vogelbanbiuna Votz Köln ist daselbst einzusehen. Kurze Sinn über je umsonst. 364^1 Tausendfaches Lob, notariell bestätigt, über HollLn». Labak von V. Becker in Seesen a. Harz 10 Psd- lose L Beutel sco. 8 Mk- hat d. Exp. d- Bl. eingesehen. Jtaliener J^othweine in überraschend 186 Mr [35 Kraft. 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Dieses Jahr hat es Gebiete etwas Neues gegeben. :cember 1892 bringt salzendes is Wolss empsrehlt als passendes |t Zähne bei billigen Preisen t." So ein funkelnagelneues i gehängt — das muß sich ja Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. G n a u t h. Städtisches Gas- und Wafferwerk Gießen. Otto Bergen. ichrichten. anb" der M Star Ülne* in M Januar wohlbehalten in Newyork Nachrichten. n an Slrllr des nadi LrlM W , eamschm Mts, Br. Moldn, Niva vvn dnMvvMldnigt- Erklärung. Beinahe jede Hausfrau bestätigt jetzt, datz daS einzige praktische u. billige Mittel, die Wäsche auch im Winter wohlriechend und blüthweitz zu erhalten, GiothS Teigseife ist, die zum Kochen der schmutzigen Wäsche verwandt wird. 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Tempel 12 zerstreut liegende Weichholzreisig wird nicht vorgezeigt; es kommt am ersten Tage gegen Mittag im Buchenberg zum Ausgebot; Steig- liebhaber wollen dieses vorher einsehen. Zusammenkunft an beiden Tagen Morgens 9*/, Uhr im Buchenberg auf dem Watzenborner Weg beim Uebergang über die Eisenbahn. Nähere Auskunft ertheilt der Großh. Forstwart-Aspirant Menges zu Baumgarten. Gießen, den 30. December 1892. Großh. Oberförsterei Schiffenberg. Nutzholz-Verkauf. Aus den Waldungen der Stadt Gießen, 4—6 km von Gießen entfernt und an chausftrte Abfuhnmge angrenzend, soll das folgende, ju Schnitt-, Schwellen- und Grubenholz rc. geeignete Eichcnftammholz submissionswcise vergeben werden:__ an Wohlgeschmack und Ergiebigkeit. Ueberall käuflich. Ed. Herzog & Co., Andernach a. Rh. MnttMaskkn-Wnk Bernhard Richter, Köln, Rhein, Reumartt 19, versend, fr anco u. gratis illustrirte Preisliste pro 1893 alle Fastnachtsartikel. Aeußerste Fabrikpreise. — Viele Neuheiten. Nur an Wiederverkäufer. Man verlange Liste Nr. 115. [3281 J. Ricker’sche Siid-Anlage 5 Für Anfuhr an dab HauS, die vom Gaswerk aus bet Abnahme von 5 Ctr. erfolgt, werden 5 Pfg. für den Ctr. berechnet; Herr Emil Pt stör schickt auch kleinere Mengen zu. Bei Entnahme von 35 Ctr. auf einmal ermäßigen sich die Preise um 5 Pfg. und von 200 Ctr. auf einmal um 10 Pfg. für den Ctr-, doch haben solche Bestellungen einige Tage vor Bezug zu erfolgen. 28 Städtisches Gas- und Wasserwerk Giessen. 3 9 Seltersweg 39 vortheilhafte Bezugsquelle aller Medicin. und techn. Drogen und Chemikalien, Ducke, Farben, Materialwaaren, ehern. Präparate für wissenschaftliche, häusliche, landwirtschaftliche und gewerbliche Zwecke empfiehlt: Chines. 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Unter Bezugnahme auf § 10 der Bedingungen für den Bezug von Waffer ans der ftädtifchen Wafferleitung werden hiermit die betreffenden Hausbesitzer dringend ersucht, dafür Sorge tragen zu wollen, daß die Waffermeffer für unfere mit deren Unterfuchung und Aufnahme betrauten Beamten jederzeit leicht und ohne Zeitverlust zugänglich sind. — Unsere Leute find nicht verpflichtet, sich den Zutritt erst durch Wegschaffung von Kohlen, Holz u. dgl. möglich zu machen. Gießen, 5. Januar 1893. w-'-s- B > H ® o ö fr B> „na. In Nr. 6 dieses W ■ hUit neue Eisindung enthalten, »nt ertheilt wat, sandte er etnti 'Tuben Sterne" ichen "nadillebenb einige der HeM [348] WZMZ Stückcokes, der Ctr. ab Gaswerk......... Nußcokes Nr. I-, größer als Anthracit, der Ctr. ab Gaswerk desgl. Nr. II. und III, Anthracitgröße u. kleiner „ . Man achte darauf, dass sich auf jeder ----Flasche die viereckige Etiquette mitderneben- • schöner Qualität • u. zu äusserst bill. Preisen importirt durch Job. Schlitz, Hon.. Mainz. 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