Nr. 288 Erstes Blatt. Donnerstag den 7. December 1893 Der O^»»er Anzeiger rrl*nnt täglich, wx. Wu» nahmt M Montag». Dtt Gießener M«»tkte»ßrt1ter wrtrn dem Anzeiger Wchchrnllich dreimal bofdtgu Kichener Anzeiger Kmerat-Mnzeiger. Vierteljährig f ZO^«e«e»tsp r e i» > 2 Mark 20 Pfg. «A Sringtrlnbr. Durcü f>ic Poll - -tdj 2 Mark 50 Vu> Vedaction, Exved« »> und Druckerei- >4erHr«|< Fernsprecher 5:. Aints- und Anzeigeblutt für den Kreis Giefzen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für dm fnlgmdm Tag erscheinmden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. Hratisöeilage: chießener Kamilienölätter. Alle AnnoncM'Bureaux de» In- und AuSlande» nehmen Anzeigen für dm „Gießener Anzeiger" mtgegm. Deutsches Reich. Darmstadt. 5. December. Am hiesigen Hofe erwartet man in den nächsten Tagen den Besuch des Königs von Württemberg. Berlin, 5. December. Aus dem Reichstage. Die Fraktionen des Reichstages haben ihre Sitzungen behufs Stellungnahme zur Steuer- und Finanzreform erst gestern Abend abgehalten. Die Beurtheilung und Aufnahme der Reform ist im Allgemeinen nicht sehr günstig. DaS Centrum hat sich zwar nicht sehr freundlich gestellt, will sich aber die Politik der freien Hand wahren. Die Nationalliberalen haben die Weinsteuer verworfen und wollen die Börsen« und Tabaksteuer reformiren. In einer ähnlichen Situation befindet sich die Reichspartei. Am nächsten stehen die Conservativen der Regierung, sind aber auch nicht unbedingt Anhänger der Wein« und Tabaksteuer. Nur für die Stempelabgabenvorlage werden sie eintreten. Berlin. 6. December. Die vielerörterte Frage, ob Herzog Alfred von Coburg in seiner jetzigen Stellung als deutscher Reichsfürst auch fernerhin zugleich noch Mitglied des englischen Geheimen Rathes bleiben dürfe, ist jetzt inzwischen entschieden worden. Herzog Alfred, welcher kürzlich in London weilte, hat laut einer Meldung der halbamtlichen „Coburger Zeitung" auf seine Mitgliedschaft bei der gedachten Körperschaft verzichtet, welchen Entschluß man im deutschen Volke gewiß voll würdigen wird, denn er zeugt von der ernsten Auffassung, die Herzog Alfred seinen neuen Pflichten als regierender deutscher Fürst enrgegenträgr. — In Berlin tagte am Samstag und Sonntag die erste General-Versammlung des Wahlvereins der Freisinnigen Vereinigung, zu welcher aus allen Theilen Deutschlands Mitglieder der genannten Partei erschienen waren. Es wurde hierbei die Programmfrage und die Organisationsfrage für die freisinnige Vereinigung eingehend erörtert und gelangten hierbei eine Reihe einschlägiger Resolutionen zur Annahme. Im Weiteren befaßte sich die Versammlung noch mit der Handelsvertragspolitik, der land- wirthschaftlichen Frage, sowie mit der Steuerreform und der Schulfrage. — Die in Kiel verhafteten französischen Spione, denen am 14. December der Prozeß vorm Reichsgericht in Leipzig gemacht wird, werden dortselbst in strengster Einzelhaft gehalten. Seit ihrer Verhaftung haben sie überhaupt keinen brieflichen Verkehr mit der Außenwelt mehr gehabt. Es sind bei ihnen nicht weniger als 200 militärische Zeichnungen und Photographien militärisch wichtiger Punkte unserer Nord- und Ostseeküste vorgefunden worden, so daß sie also des ihnen zur Last gelegten Verbrechend des Landesverrats schon jetzt vollkommen überführt erscheinen. Die Namen Daguet und Dubois, auf die auch die Pässe der Herren, die entschieden französische Offiziere sind, lauteten, sind nur angenommen- ihre wahren Namen werden erst in der Hauptverhandlung bekannt gegeben werden. — In sämmtlichen Kirchen Berlins fanden am Sonntag Dankgebete statt für die Verhütung der Explosion der an den Kaiser gesandten Höllenmaschine. — Berliner Gewerbe -Ausstellung 189 6. Am 1. d. Mts. fand die constituirende Sitzung der Gruppe V „Thon-, Porzellan-, Chamotte-, Cement-, Kunststein-, Gyps-, Marmor- und Glas-Industrie" statt, welche sehr zahlreich besucht war. Die Gruppe umfaßt folgende Unterabteilungen: 1. Porzellan-, Steingut-, Töpfer- und Thonwaaren. 2. Chamotte, Cement, Kunststein, Gyps, Marmor. 3. Glaswaaren. Die Betheiligung aus den dieser Gruppe zugehörenden Industrien hat zu dem glänzenden Gesammteindruck unserer heimischen Ausstellungsabtheilung in Chicago wesentlich beigetragen. Ausland. Paris, 4. December. Bei der Verlesung der ministeriellen Erklärung, welche heute in der Kammer stattfand, waren die Vertreter der Dreibund-Mächte anwesend. Die Erklärung besagt hauptsächlich, daß Frankreich überall nach Außen hin die Friedenspolitik befolgen und die Rechte des Handels und der Industrie wahren werde. Das Centrum nahm die Erklärung nur teilweise günstig auf, während sie bei den Radikalen überaus beifällige Aufnahme fand. Paris, 4. December. Nach der Zeitschrift „Nature" soll Kaiser Wilhelm wegen Ankaufs des in der Cap-Colonie gefundenen Diamanten „Excelsior" unterhandeln laffen. Der Diamant soll der größte der Welt sein und 205 Gramm wiegen. Die englische Regierung soll bereits 12 Millionen I geboten haben. Paris, 4. December. Die Blätter bezeichnen es als einen Uebelstand, daß die Ministerien des Krieges und der Marine von Militärs besetzt sind, da die ministeriellen Verfügungen von den Offizieren, die in einem gleichen oder höheren Grade als die Minister stehen, nur mißliebig befolgt werden. London, 4. December. Das gestern auf Trafalgar- Square trotz Verbots stattgefundene A n a r ch i st e n - M e e t i n g ist, unter Hinzuströmen vieler Fremder und Neugieriger, ziemlich ruhig verlaufen. Unter den Theilnehmern wurden Artikel vertheilt, welche das Attentat in Barcelona vertheidigen. Als ein Anarchist das Nelson Denkmal besteigen wollte, um eine Rede zu halten, wurde er von der Polizei daran verhindert. Als die Menge darauf ein fürchterliches Geschrei erhob, schritt die Polizei ein und zerstreute die Massen. Madrid, 4. December. Die gestern in Saragossa verhafteten sechs Individuen sollen gefährliche Anarchisten sein. Die Polizeiverwaltung von Barcelona verlangt die Auslieferung derselben, da zwei von ihnen der Antheilnahme an dem Attentat im Liceo-Theater verdächtig erscheinen. Stockholm, 3. December. Die Telephon-Verbindung zwischen Schweden und Dänemark soll am 6. d. M. durch eine Unterredung König Oskars mit König Christian eröffnet werden. Deutscher Reichstag. 13. Sitzung. Dienstag den 5. December 1893. Erste Lesung des Stempelabgaben-Gesetzes. Der bayrische Ftnanzmtntfter v. Riedel leitet die Debatte ein, befürwortet im Namen der verbündeten Regierungen die Vorlage. Bayern lege auf diesen Gesetzentwurf das größte Gewicht. Neue Mittel müßten doch geschafft werden, ebenso wie die Reform des Ftnanzverhältnisses zwischen Reich und Einzelstaaten nicht länger aufzuschteben sei. Gegen eine dtrecte Reichsetnkommensteuer protestire er im Namen seiner Regierung genau wie der preußische Ftnanz- mtnister, denn die Reichsetnkommensteuer sei ein Eingriff in die Rechte der Einzelstaaten. Das Reich sei auf indirecte Steuern angewiesen. Weder die Quittungsstempelsteuer noch die Weinsteuer bedeute eine Belastung des armen Mannes. Die ganze übertriebene Agitation gegen die Tabakfabrtkatsteuer beruhe nur auf der Annahme eines Consumrückganges, dagegen spreche aber die Erfahrung. ES werde keine Entlassung von Arbeitskräften ftattfindm. Wenn man die vorliegenden Ftnanzreformen ablehne, mürben letztere doch bald wtederkehren. Die laute Agitation gegen die Steuerentwürfe und die Negation führte nur zu einer dauernden Beunruhigung des Erwerbslebens. Redner bittet deshalb, die ganze Finanzreform anzunehmen. (Der Reichskanzler tritt zu dem Redner und schüttelt ihm die Hand.) Abg. Richter (frs. Volksp.) ist entgegengesetzter Ansicht wie der Vorredner, denn er tadelt, weil derselbe allgemein und über Alles, nicht aber zum Stempelsteuer-Gesetz gesprochen habe. Föderativ fei es durchaus nicht, wenn die Einzelstaaten Kostgänger des Reiches würden und sich dadurch eine Controlle über das Reich anmaßten. Wenn die Quittungs-, Frachtbrief- und Weinsteuergesetzgebung so schön sei, so möge sie Bayern doch einführen. Daß der Tabakconsum durch die Höhe der Preise nicht leiden würde, glaube Niemand, der Confum werde zurückgehen, weil Niemand zum Rauchen gezwungen werden könne. Die Stempelvorlage sei ein Hohn auf den Satz, daß wir im Zeitalter des Verkehrs leben. Die Börsensteuer werde vielen Schaden anrichten. Vor Allem würde sie Provinzialbankters, die, kleinen Bankiers an größeren Plätzen und das Arbttragegeschäft treffen. Viel angebrachter sei etne Lottertesteuer, mit der man zugleich die Sucht nach mühelosem Erwerb bekämpfe. Zu verwerfen sei insbesondere der Stempel auf Connossamente, weil das Ausland uns gegenüber concurrenzfähig gemacht werde. Staatssecretär v. Posadowsky führt aus, die Regierungen dürften sich von Cassandrarufen nicht beeinflussen lassen. Auch die Befürchtungen in Betreff der Börsensteuer wären nicht eingetroffen. Die Börse sei ein wirthschaftlich nothwendiges Institut von internationaler Bedeutung. Man dürfe sie nicht so überbürden, daß man sie im internationalen Wettbetrieb isolire. Redner widerlegt die Behauptung, die kleinen Speculanten würden durch die Erhöhung des Stempels wesentlich getroffen. Graf Kanitz (dcons.) weist darauf hin, daß es sich nicht nur um Deckung der Kosten der Heeresvermehrung, sondern auch um die Deckung der Zollausfälle durch die neuen Handelsverträge handle. Die Börsensteuer ist Redner noch lange nicht hoch genug. Der Ouittungssternpel und der Stempel auf Giroanweisungen müßten progressiv gestaltet werden, um ihren Zweck zu erfüllen. Nachdem noch o. Buchka (dcons.) gesprochen, erfolgt der Schluß der Debatte. Morgen Fortsetzung. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 5. December. Der „Post" zufolge ist es noch ungewiß, ob die Revision derStrafprozeßordnung bereits in der laufenden Reichstagssession eingebracht werde, namentlich dürften die Verhandlungen im Bundesrathe ziemlich langwierige werden, wenn der preußische Antrag dahin gehen sollte, die Berufsinstanz in die Landgerichte anstatt in die Oberlandesgerichte zu legen. Die „Post" erfährt, dem Landtage werde ein Gesetzentwurf, betreffend die Notariatsgebühren, zugehen. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 5. December. In einer gestrigen großen Volksversammlung sprach Reichstagsabgeordneter Bebel über den im „Vorwärts" veröffentlichten Erlaß des Ministers des Innern Grafen Eulenburg zur Bekämpfung der Socialdemokratie. Bebel führte aus, der Minister habe schlechte Mittel zur Unterdrückung der Socialdemokratie gewählt- die Polizei, das Strafgesetz und die Landräthe seien nicht dazu geeignet, den Socialismus zu bekämpfen. Des Weiteren con- statirte Redner, daß täglich von Post« und Eisenbahnbeamten Beschwerden einliefen, welche bei der Berathung der zuständigen Etats im Reichstage zur Sprache gebracht würden. Die Versammlung ging in ruhiger Weise auseinander. Mohrunge» iSDftpr.), 5. December. Bei der Lohnauszahlung an die Eisenbahnarbeiter veranlaßten dieselben grobe Streitigkeiten, welche in einen heftigen Tumult ausarteten. Die Arbeiter drangen mit Gewalt in ein Gasthaus ein, wo sie alles demolirten. Die Schaufenster- und Fensterscheiben wurden zertrümmert. Die Polizei hatte einen schweren Stand und mußte schließlich mit dem Säbel vorgehen. Mehrere Tumultuanten trugen schwere Verletzungen davon, andere wurden verhaftet. Nach der Beilegung des Scandals machten sich erneute Ausschreitungen nicht bemerkbar. Wien, 5. December. Die einem Gerücht zufolge verbreitete Nachricht, nach der der Papst den Katholiken Italiens gestattet haben soll, an den politischen Wahlen theil- zunehmen, wird von unterrichteter Seite als unbegründet erklärt. Wie«, 5. December. In Sofia sind in der letzten Zeit fast ein halbes Hundert Verhaftungen von Studenten und jungen Kaufleuten, welche einem socialistischen Geheimbunde angehörten, vorgenvmmen worden. Paris, 5. December. Die Stadt Toulon bereitet Festlichkeiten zum 100jährigen Gedenktag der Einnahme der Stadt durch Bonaparte vor. An den Festen, welche am 17., 18. und 19. December vor sich gehen, werden sich mehrere andere Städte betheiligen. CocaUs utt6 provinzielles. Gießen, den 6. December 1893. ** Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffeu vom 5. December 1893. Zur Verhandlung kommt heute die Strafsache gegen den früheren Gemeinderechner Friedrich Lott III. von Mittel-Gründau wegen Verbrechens im Amt. Vertreter der Staatsanwaltschaft war Großh. Staatsanwalt Clement, vertheidigt wurde der Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Kraft. Als Geschworene wurden ausgeloost die Herren Philipp Rühl, Eberhard Döll, Ferdinand Pröscher, Georg Straub II., Gernand Wilhelm Küchel, Georg Dem VI., August Hermann, Wilhelm Schmidt, Heinrich Conrad Schäfer, Wilhelm Völzing IV., Karl Steuernagel und Conrad Rockemer. — Der frühere Gemeinderechner Friedrich Lott III. von Mittel-Gründau ist angeklagt, daß er seit dem 27. März 1890 zu Mtttel-Gründau als Rechner der Gemeinde Mittel- Gründau, sowie der Kranken«, Alters« und Jnvaliditäts- versicherungskasse dieser Gemeinde nach und nach Gelder, die er in amtlicher Eigenschaft empfangen, im Gesammtbetrage von etwa 2400 Mark, sich rechtswidrig zugeeignet und in Beziehung auf diese Unterschlagungen die zur Eintragung der Controle der Einnahmen oder Ausgaben bestimmten Rechnungen, Register oder Bücher unrichtig geführt habe. Friedrich Lott III. war von dem Großh. Kreisamte Büdingen am 27. März 1890 zum Rechner der Gemeinde Mittel-Gründau bestellt und ihm auch die Führung der Alters- und Jnvaliditäts- sowie der Krankenkaffe für diese Gemeinde übertragen worden. Schon seit einiger Zeit war der Großh. Bürgermeister Kalkhof wegen der Kassenführung Lotts mißtrauisch geworden und die vom 11. bis 16. August l. I. durch den Kreisamtsgehülfen Simon von Büdingen vorgenommene Kassenvisitation hatte dieses Mißtrauen auch bestätigt. Es fand sich nicht allein das ganze Rechnungswesen Lotts in großer Unordnung, sondern es ergab sich auch in den von ihm verwalteten Kassen ein Fehlbetrag von 3353,30 Mark. Lott gestand ein, daß er Eingriffe in die Kaffe gethan, baares Geld aus derselben entnommen und zu Privatzwecken verwendet, auch seine Privatkasse nicht von der Dienstkaffe getrennt gehalten habe. Seine Buchführung ergab sich als eine unrichtige und zwar dadurch, daß er Einnahmen nicht gebucht und Ausgaben zu hoch gebucht hatte. Unrichtige Ergebniffe der Bücher wurden insbesondere dadurch bewirkt, daß Lott seine eigenen Schuldigkeiten nicht in die Bücher eintrug und ferner die eingegangenen Einnahmen nicht einstellte, wogegen geeignet war, das Resulta 1>er Bücher zu verdecken die Thatsache, daß er die MonarSauS- gabe pro Juli 1892, obwohl bereits in Abzug gebracht, weiter mit addirte und Ausgaben im ganzen Betrage der Belege eingestellt hatte, während noch Theilbeträge hierauf zu bezahlen waren. Der im Wesentlichen geständige Ange- klagte entschuldigte seine That damit, daß er durch lang an- daurrnde Krankheiten seiner Angehörigen und die damit verbundenen Sorgen oft ganz kopflos gewesen, so daß seine Buchführung und das Rechnungswesen immer mehr in Unordnung und Verwirrung gerathen seien. Die Geschworenen (Obmann: Herr Gernond Wilhelm Küchel) bejahten die ihnen vorgelegte Hauptfrage mit der Modification, daß sie den Ge- sammtbetrag der unterschlagenen Gelder auf nur 1800 Mark festftellten, sowie die Nebenfrage nach mildernden Umständen. Der Gerichtshof sprach sodann gegen den Angeklagten eine Gefängnißstrafe von einem Jahre nebst Kosten aus. ** Neues Theater. Das Benefiz der Frau Anni Reiners, welches Anfangs für Freitag den 8. December bestimmt war, ist Umstände halber auf morgen, Donnerstag den 7. December verlegt worden. Die Benefiziantin, welche em neues Schauspiel von dem talentvollen, jugendlichen Schriftsteller Oskar Waltherr zu ihrem Ehrenabend gewählt hat, erfreut sich einer großen Beliebtheit des Gießener Publikums und glauben wir, derselben ein ausverkauftes Haus versichern zu können. Ueber die Entdeckung, Eroberung und Colonifiruug Amerikas hielt gestern Abend Herr Prof. Dr. v. Pslugk- Harttung in der Universitäts-Aula einen Vortrag. Der Vortragende entwarf zunächst eine Lebensskizze des Entdeckers, Christoph Columbus, gab dabei aber^.durch Darlegung von Sitten und Gebräuchen, die in andern Ländern herrschten, der Ueberzeugung Ausdruck, daß das, was man heute unter Amerika verstehe, schon vor Columbus anderen Seefahrern bekannt gewesen sei. Nach den Eroberungen von Mexiko und Peru ging die Besiedelung Amerikas langsam von Statten, Spanier und Portugiesen bemächtigten sich des Südens, Fran- zosen, Engländer, Italiener und Deutsche des Nordens. Natürlich ging diese Besiedelung, wie alle Colonisations- Versuche, nicht ohne heftige Kämpfe mit den Eingeborenen ab. Der hohen Bedeutung, welche die Entdeckung Amerikas für dieses selbst, sowie besonders für Europa in wissenschaftlicher, socialer und wirthschaftlicher Beziehung hat, gab der Vortragende in eingehenden Darlegungen Ausdruck. ** Wir machen unsere Leser auch an dieser Stelle auf die Bekanntmachung Großh. Bürgermeisterei Gießen in Nr. 286 unseres Blattes aufmerksam, wonach in diesen Tagen eine Revision der Ouittungskarlen der unständigen Arbeiter in den Wohnungen der Arbeiter bezw. der Arbeitgeber durch einen Beamten der Versicherungsanstalt ftattfindet. Wir empfehlen Arbeitgebern wie Arbeitern, sich ungesäumt zu ver- gewisiern, ob die Ouittungskarten in Ordnung sind und etwa Versäumtes sofort nachzuholen. Die Arbeitgeber sind für das Einkleben und die Kassirung der Versicherungsmarken verantwortlich und haben für Versäumnisse Strafe zu erwarten. ** Ernennungen. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 1. December l. Js. sind die Lehramtsaccessisten Christian Herbeck zu Offenbach, August Messer zu Bensheim, Ernst Schierholz zu Heppenheim a. d. B. und Dr. Hans Reis zu Darmstadt zu Lehramtsaffefforen ernannt worden. ** Militärisches. Die Entscheidung des Kaisers über die Einführung der grauen Offiziers-Mäntel ist am 16. November dahin erfolgt, daß die Offiziere und Sanitätsoffiziere der Armee Paletots und Mäntel von grauem Tuch tragen sollen. Die jetzigen Paletots sind bis zum 1. April 1896 gestattet, die Mäntel bis auf Weiteres aufzutragen. Gendarmerieoffiziere, sowie Zeug- und Feuerwerksoffiziere sind hiervon ausgeschloffen. ** Gesuche um Zulassung zu den im Frühjahr 1894 stattfindenden allgemeinen Prüfungen in dem Finanzfach und in den technischen Fächern, sowie der speziellen Prüfung der 1. Kategorie des Finanzfaches sind mit den vorgeschriebenen Bescheinigungen und den in der Bekanntmachung vom 28. November 1839 (Reg.-Bl. Nr. 36 von 1839) geforderten Anlagen bei der Großh. Prüfungs-Commission für daö Finanz- und das technische Fach unter Beobachtung der gesetzlichen Stempelvorschriften binnen vier Wochen einzureichen. Den Meldungen zu den allgemeinen Prüfungen sind die Zeugnisse über besonderen Aeceß und Vollendung des prac- tischen CursuS beizufügen. Dagegen ist die Vorlage eineß Sittenzeugnisses nicht erforderlich. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß der sp eziellen Prüfung nach der Verordnung vom 27. August 1881 (Reg.-Bl. Nr. 19 von 1881) nur solche Aspiranten zugelassen werden können, welche am Tage deö Beginns der Prüfung das 20. Lebensjahr zurückgelegt haben. •• verein zur Beschäftigung Arbeitsloser. Unter dem Borsitz deö Herrn Oberconsistorial - Präsidenten Wirklichen Geheimeraths Dr. Goldmann fand am Mittwoch den 29. November im Sitzungssaale deö Magistrats zu Frank- furt a. M. die Generalversammlung des Vereins für das Großherzogthum Hessen und die Provinz Heffen-Nassau zur Beschäftigung Arbeitsloser statt. Der Vorsitzende wieS zu Beginn darauf hin, daß eö in wenigen Wochen zehn Jahre feien, daß der Verein begründet wurde. Wenn eß auch nicht gelungen sei, alle Arbeitslosen durch Arbeit wieder als nützliches Glied in die Kette der menschlichen Gesellschaft einzufügen, so müffe man eß doch mit Dank nach oben an- erkennen, daß eß mit einem Bruchtheile gelungen, und daß erzielte Resultat müffe zum Weiterschreiten auf der begonnenen Bahn ermutigen. Wenigstens habe man erreicht, daß die seßhafte Bevölkerung nicht mehr so großen Belästigungen auSgeletzt sei. Der Vorsitzende konnte über die Entwickelung Neu Ulrichsteins nur Günstiges berichten. — Herr Pfarrer Seidel theilte mit, daß ein Drittel derColonisten katholisch sei. Die Früchte, die erzielt würden, müffe man wägen, nicht zählen. Ein großer Theil der Colonisten gehe nur durch die Anstalt hindurch, ohne weitere Anhänglichkeit zu haben, ein anderer Theil danke ihr, waS sie in ihr gefunden, und bleibe in brieflicher Verbindung mit ihr. Im Ganzen sei eS bester geworden und ermuntere zum AuSharren. — Her* Dr- Goldmann fügte bei, daß sich eben mehr bessere Elemente einfänden, und conftatirte, daß der katholische und der protestantische Geistliche Hand in Hand gingen und con- fesfionelle Störungen nie eingetreten seien. — Herr Land- rath Beckhaus berichtete über den Stand der Narural- Verpflegungsstationen im Vereinßbezirke und theilte mit, daß verschiedene Stationen hätten eingezogen werden wüsten und noch eingezogen werden müßten. Der Verband hat 63 Per- pflegungSstationen, von welchen sich die meisten in Herbergen zur Heimath oder in Privathäusern befinden, 24 in Wirths» Hausern, letztere mußten geräumt werden. Circa 200,000 Unbemittelte wurden von den Verpflegungsstationen verpflegt. Auf Grund des Berichts der Revisoren wurde RechnungS- decharge für 1892—93 ertheilt. — Die Einnahmen für 1893—94 wurden in derselben Höhe wie voriges Jahr eingesetzt. Die aus dem Vorstände ausgetretenen seitherigen Mitglieder wurden wiedcrgewählt und an Stelle des verstorbenen Herrn Justizraths Stamm zu Wiesbaden Herr Provinzialdirector Geheimerath Rothe in Mainz. Freiherr v- Heyl zu Herrnsheim bei Worms bat, unter Hinweis auf feine vielen Arbeiten, ihn seines Amtes zu entbinden, was geschah. An seiner Statt wurde Herr Oberbürgermeister Gebe schuß in Hanau gewählt. Der seitherige Verwaltungß- ausschuß wurde wiedergewählt und an Stelle zweier verstorbenen Herren Polizeidirector und Landrath v. Oertzen in Hanau und Provinzialdirector Freiherr v. (Sagern in Gießen. Excellenz Dr. Goldmann wurde unter Verdankung für feine seitherige Müheverwaltung wieder an die Spitze der Verwaltung berufen. Dem ganzen Vorstand, den Geistlichen und Beamten wurde der Dank ausgesprochen. *»* Nieder-Ohmen, 3. December. Der Gemeinderath hat, um in Nieder-Ohmen die Niederlassung eines practischen Arztes zu ermöglichen, ein jährliches Fixum von 1200 Mark bei Uebernahme der Ortskrankenkaste bewilligt. Da Nieder- Ohmen mit den in ca. Stunde in nächster Umgebung liegenden Gemeinden über 3000 Einwohner zählt, so dürfte diese Stelle ihrem Uebernehmer eine ausgedehnte Praxis sichern. § Au8 dem Ohmthal, 5. December. Die Preise für das Wild stehen gegenwärtig auf einer ungewöhnlich niedrigen Stufe. Für Hasen erster Qualität bezahlen die Händler per Stück 2,20 Mark bis höchstens 2,50 Mark. Früher kosteten sie gewöhnlich 3 Mk. Für das Pfund Rehfleisch wird nur 40 Pfg. bezahlt, in anderen Jahrgängen 50 bis 60 Pfg. Das Rehfleisch ist mithin billiger als das Rindfleisch, welches mit 50 Pfg. per Pfund bezahlt wird. Diese niedrigen Preise stehen ganz im Gegensatz zu dem Ergebniß der Jagden, das nach Mittheilung der Jagdpächter in diesem Jahre nichts weniger als günstig bezeichnet werden kann. Namentlich wird auf manchen Jagden über den schlechten Hasenstand Klage geführt. Der Rehstand wird dagegen als ein guter bezeichnet. Die Jagd auf Feldhühner ist mit dem l.d. Mts., dem Beginne ihrer Hegezeit, erloschen. Auch mit dem Resultat der Hühnerjagd war man für die diesjährige Jagdperiode vielfach nicht zufrieden, da der Abschuß der Hühner durch den späten Futterbestand im Felde sehr erschwert ward. Auffallend war das zahlreich bemerkte Vorkommen der Schnepfen bei ihrem Rückstrich. □ JlSdorf (Kreis Alsfeld), 5. December. Das seltene Fest ! der „diamantenen Hochzeit" feierte heute der hiesige Bürgermeister Kaspar Bast mit seiner Ehegattin in ungewöhnlicher Rüstigkeit des Körpers und Frische des Geistes. Selbst der sprudelnde, allseitig bekannte Humor des diamantenen Ehegatten hat durch die hohe Zahl der Jahre noch keine Einbuße erlitten. Gin großer Kreis von Freunden und Bekannten, worunter die Bürgermeister und Beigeordneten der benachbarten Gemeinden, hatte sich heute um daß kinderlose Jubelpaar versammelt, um das seltene Fest mit ihm in schöner Weise zu feiern. Darmstadt, 5. December. Anläßlich seines fünfundzwanzigjährigen Jubiläums als Redacteur der „Neuen Hessischen „Volksblätter" wurden Herrn R u d o l f R a m s p e ck zahlreiche ehrende Anerkennungen und Auszeichnungen von nah und fern zu theil. Am Samstag Abend sand in der Restauration „Zur Stadt Pfungstadt" zu Ehren des Jubilars eine solenne interne Feier statt, an welcher sämmtliche Angestellte der DerlagSdruckerei theilnahmen. Am Sonntag liefen von allen Seiten Glückwünsche, begleitet von Geschenken, Gedichten, Telegrammen, Schreiben usw. ein. Ihre Durchlaucht die Frau Prinzessin Battenberg verehrte dem Jubilar ein Bild des verstorbenen Fürsten von Bulgarien, Grasen von Hartenau^ die Gräflich Erbach'schen Herrschaften sprachen in warmen Worten telegraphisch ihren Glückwunsch auß, außerdem gingen zahlreiche Glückwünsche von hiesigen Vereinen, Privatpersonen, Abonnenten rc. ein. Am Montag Vormittag fand in der „Restauration Zenner", Elisabethenstraße, noch eine Nachfeier in engerem Kreise statt, an der eine Anzahl geladener Gäste theilnahmen. Mögen alle Wünsche, welche dem Jubilar anläßlich seineß Ehrentages in solcher Anzahl und so herzlicher Kundgebung dargebracht worden sind, in Erfüllung gehen! Hospital Hofheim. Die Neubauten sind in den nächsten Tagen fertig gestellt und werden gleich nach Neujahr bezogen werden. Eß sind wieder 31 Morgen zum Verbauen den Pächtern beß Hospitalseldeß abgenommen werden. Eß find biß jetzt in den letzten Jahren neugebaut: Ein Frauenbau für ungefähr 100 Personen - sodann 2 Männerbäue für 300 Personen,' 1 Derwaltungsbau,' 1 Maschinenbau; 1 Wasserthurm und ein Klärbecken. Die Mauererarbeiten wurden von Herrn Groh in Castell außgeführt; die Zimmer- arbeit von Herrn Holz in Darmstadt, die Schlofferarbeiten von Herrn Nold in Stockstadt und Koch in Darmftadt, die Schreinerarbeit wurde von einer Hanauer Firma außgeführt ; die Dampfheizung von einer Frankfurter Firma. Mainz, 5. December. Letzte Nacht hat sich der Schlaffer- meister St. auf dem Flachsmarkc erschossen. Der Mann, der früher in sehr guten Verhältnissen lebte, war ohne eigenes Verschulden in seinen Verhältnissen zurück- gekommen und hatte kürzlich auch seine Frau verloren? Dmmfcbtci. München, 5. December. Die älteste Tochter des Prinzen Leopold, Prinzessin Elisabeth, hat sich mit de» SecondlieutenantFreiherrn Otto von Seefried-Butten- heim in aller Stille in Genua vermählt. * Echneidemühl, 5. December. Der Außflufc deö WaffcrS auß dem Sandhügel findet nach wie vor statt. Die Quelle ist seitlich außgebrochen, was Brunnenmacher Beher vorauß- gefagt hatte. In mehrere Nachbarkeller ist Waffer eingedrungen, welches einen immer höheren Stand gewinnt. Seit drei Tagen ist dasselbe um 7 Zentimeter gestiegen. * Hamburg, 3. December. Die für den März 1894 hier- orts geplante Deutsche Molkerei-AuSstellung ist vorläufig vertagt worden, weil das zur Einleitung derselbe« eingesetzte ßomite sich überzeugen mußte, daß „unter de« Druck, der auf Handel und Verkehr nicht minder, als auf Der probucirenben Lanbwirthschaft lastet, ber Muth unb bte Freubigkcit zu einem solchen Unternehmen beeinträchtigt werbe." Man hofft jeboch, bie Ausstellung entweder in 1895 ober 1896 abzuhalten. * Berlin, 5. December. Die gemischte Deputation für Kunstzwecke beschloß gestern bie Verwendung der in den Stadthaushalt eingestellten 100 000 Mk. dahin, baß Hundriesers Coloffalstatue Berolina, bekannt vom Einzug König Umbertoß 1889, in Kupfer getrieben unb auf bem Alexanberplatz aufgestellt werbe. 'Dortmund, 4. December. Ein schreckliches Bor- kommniß ist von hier zu melden. In dem benachbarten Dorfe Brambauer lebte ber Bergmann Höffelmann seit Langem mit seiner Frau in Unfrieben. Gestern hat er feine Drohung, bie Frau zu töbten, wahr gemacht, er erschoß dieselbe unb verletzte auch sein Rinb. Dann schnitt er sich selbst bie Kehle burch, boch war er nicht tobt, als man ihn fand. Er liegt schwerverletzt im Krankenhause zu Lünen. * Paris, 4. December. In Limoges hat eine junge Frau Zwillinge männlichen Geschlechts geboren, bie nach Art ber siamesischen Zwilling e zusammengewachsen sinb. Die beiben ftinber sinb sonst wohlgebilbet, kräftig und lebensfähig. * Fremdwörter. Wie schwer eß hält, alte, in der deutschen Sprache festgewurzelte Fremdwörter, welche durch deutsche Wörter ersetzt sind, sich in der gewöhnlichen Sprache anzueignen, zeigt folgender Fall. Kommt da ein Reisender auf eine Station und fragt einen Beamten: „Wo bekommt man hier die Billetß?" Beamter: „Billetß giebtß nicht mehr '" Reisender: „Nun waß denn?" Beamter: „Fahrkarten." Reisender (ärgerlich): „Nun, wo bekomme ich denn die Fahrkarten?" Beamter: „Dann gehen Sie an den Billetschalter." • Ein Amerikaner über deutsche Landstreicher und Bettler. Ein amerikanischer Schriftsteller, Josiah Flint, in Landstreichertracht, hat kürzlich diese edle Zunft aufgesucht, mit ihnen gewohnt und ist von Stadt zu Stadt betteln gegangen. So durchwanderte er Hannover, Braunschweig, die Rheinlande rc. Der Bericht, den er über diese kühne Unternehmung soeben im „Century" veröffentlicht, ist sehr interessant. Nach längeren Schilderungen schließt ber Bericht mit folgenben Bemerkungen: Alß ich nach Berlin zurückgekehrt war unb meine Rechnung zusammenstellte, sand ich, baß ich fünfzehn Tage „auf ber Walze" gewesen, über 1000 km gereift war, mehr alß 70 Stäbte unb Dörfer ftubirt unb mit 341 Lanbstreichern verkehrt hatte. Wenn diese Zeilen mich berechtigen, über den deutschen Landstreicher ein Unheil abzugeben, so geht daßselbe dahin, daß er ein intelligenter Bursche, aber nicht so pfiffig unb lebhaft ist wie sein amerikanischer Bruder. Er ist zu viel Bohemien, um Social- demokrat zu sein, aber er hat keinen Patriotißmuß und ist egoistisch im höchsten Grade. Waß die Bevölkerung anbelangt, von welcher die deutschen Landstreicher leben, so ist dieselbe freigebiger als diejenige in den Vereinigten Staaten. Trotz der Last der Steuern nimmt sie nichtsdestoweniger freiwillig die Bürde der Erhaltung beß Landstreichers auf sich/ bei Mannes, ber nicht arbeiten will." Interessant ist auch fol» genbe Bemerkung Flintß: „Daß Betteln in Bayern unb Sachsen ist ergiebiger alß irgenbtoo in Deutschlanb. In Bayern förbert sogar bie Frömmigkeit insofern baß Betteln, als ber Lanbstreicher nur an einem ©onntagßmorgen vor irgenb einem Kirchthore zu stehen braucht, um einer guten Einnahme sicher zu sein." * Zm Doktorexamen. Auß Zürich wirb gemeldet, baß bei ber Promotion eineß Juristen biefer folgende Satze zur Vertheibigung ausgestellt hatte: „1. Die durch daß Einwerfen eineß Hosenknopfeß in einen Verkaufs - Automaten bewirkte Vermogensbeschädigung sei nicht als Betrug zu strafen. 2. Die Verabrebung eineß Herrn mit einer Dame, mit ihr den Cotillon tanzen zu wollen, ist nach den Bestimmungen beß schweizerischen Obligationenrechtes als Vertrag aufzunehmen." Der Canbibat hat sein Examen übrigens summa cum laude bestanden. Sd> i ff» nad> richten» (Mitgetheilt durch den Agenten bei Norddeutschen LloydeS, Herrn Carl LooS In Gießen.) Bremen, 5 December. sPer.tranSatlantttchen relegraph.j Der Schnelldampfer Irave, ßapttän N. Sander, vom ^lorbbeutftbai Lloyd in Bremen, welcher am 25. November von Bremen unb am 26. November von Southampton abgegangen war, ist gestern 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. Rückblicke aus das 1893er Weinjahr. R. Rheinhefien, Anfang December." Nicht weniger alS 25 Jahre sind verflossen, seitdem Bacchus, der heitere Gott deS Weines, endlich wieder einmal ein Einsehen hatte und über uns das Füllhorn seiner unvergleichlichen Gaben ausgoß. Fünsundzwanztg Jahre, also netto ein Vterteljahrhundert, ist eine lange Zeit, die manchem wackeren Winzer schwere Wundm schlug; man bedenke einmal: Stets mußte man sich mit halben, Viertels-, Fünftels-, Achtels-Erträgen, in manchen Jahrgängen aber mit völligen Mißernten abfinden, während die Rebberge trotzdem mit größter Sorgfalt behackt, gefchnitten, gedüngt, geheftet werden muffen, wenn nicht alsbald Verwilderung etntreten foll. Es gab Jahrgänge, z. B. 1873, 1877 u. a., (wo die Trauben so hart waren, daß man Spatzen damit schießen konnte und sie in Säcken heimfuhr, weil man, auS Mangel an Brühe, keine Bottiche nöthig halte. Das waren die Trefferjahre für die Wetnfchmterer und Panscher, die im Stande sind, aus Zucker, Sprit und sauerem Traubeniast einen Stoff herzustellen, den sie Wein nannten; er brauchte „nicht Hitze noch Sonnenschein; obS Jahr ist schlecht, obs Jahr ist gut, sie panschen vergnüglich das Traubenblut" — wenn es gestaltet ist, das Lied vom .Grüneberger" ein wenig zu vartiren. An guten Jahrgängen dagegen ist nicht viel zu panschen und zu schmieren, es sei denn, daß die Herren etwas Trester- oder Drusenwein Herstellen, was auch vorzukommen pflegt. Doch zu unserem 1893er zurück! Durch die harten Winter batte die edle Rebe viel gelitten. Manche Stöcke waren bis in die Wurzeln hinab erfroren und starben gänzlich ab. Die übrigen kümmerten und kränkelten zur Hälfte. Da kam das trockene, warme Fahr 1892 und half den Traubenstöckm wieder zu Kraft und Gesundheit. Im Herbste 1892 sah es aus, als hätten die Weinberge alle eine Badekur durchgemacht. Groß war der 1892er Ertraa nicht, aber fein und gut. Der Winter wurde gut überstanden und hoffnungsvoll sah der Winzer dem 1893er Frühlinge entgegen. Er kam, sah und siegte! darf man in Bezug auf die Traubenblüthe fügen. Selbst bei Ihnen in Oberhessen, jenseits der Mainlinie, war an den Haustraubenstöcken — wie uns die Zeitungen berichteten — die Traubmblüthe reichlich um einen Monat früher eingetreten, als in gewöhnlichen Jahren. Dieser Vorsprung verblieb dem 1893er für den Sommer und für den Herbst. Die Trauben entwickelten sich nach der fast ganz ungestört verlaufenen Blüthe (einige leichte Frostnächte Anfangs Juni schadeten nur localster) in trefflichster Weise. Ende Juli gab es bereits reife Trauben; in der dritten Augustdekade erntete man die Frühsorten in Oberingelhetm und anderen Lagen. Reichlich um einen Monat früher als in gewöhnlichen Jahren trat der allgemeine Herbst ein. Die Mostgewichte, welche erzielt wurden, setzten in Erstaunen. Manche Winzer des Rbeingaues ließen die Crescenz bis in den Spätherbst hängen. Die Trauben platzten zum Theil auf und eine nicht geringe Menge Saft fiel zu Boden; aber was blieb, zeigte eine solch grandiöse Qualität, wie sie bis jetzt noch niemals beobachtet oder ausgeschrieben worden ist. Die feinsten und ersten Weine des 19. Jahrhunderts wuchsen in den Jahren 1811, 1834, 1846, 1857-1859, 1865 und 1868; der 1893er ist diesen Jahrgängen in Oer Blüthe und der Reife vorangegangen, er wird sie auch in der Qualität übertreffen, er ist wahrscheinlich der König unter den Weinen deS 19. Jahrhunderts. Dieser Mustertropfen und Klassiker höchsten Ranges unter allen Getränken Hal nun zum ersten Male im Fasse ausgetobt, er fängt an sich zu klären. Als Most klebte er wie Dextrin, als Federweißer stellte er mit seinen eifrigen Verehrern die tollsten Dinge an, denn er warf den tapfersten Weintrinker spielend auf die Rase, so gewaltig ist feine Stärke. Infolge seines hohen Zuckergehaltes producirte er eine Masse Kohlensäure, die mitunter Denjenigen gefährlich wurde, welche die Keller unvorsichtig betraten. Trotzalledem ist er billig und das ging fo zu: Die Trauben waren alle sehr vollkommen und wurden ungemein brühig und dünnhäutig; sie lieferten daher eine größere Menge Saft, als sich die Winzer rechneten. (Bei der diesjährigen Obsternte konnte man ähnliche Erfahrungen machen.) Daher kam es. daß sich die Preise im Verhältniß zu der trefflichen Qualität niedrig hielten und es empfiehlt sich daher heute noch für Diejenigen, welche einige passende Fässer und genügende Kellen äumlichkeiten besitzen, sich mit dem trefflichen, gegenwärtig noch billigen Stoffe zu versehen. So, wie er 1893 gedieh, erscheint er alle hundert Jahre nur einmal und darum wird er in Zukunft auf Hochzeiten, Kindtaufen, Geburts- und anderen Festtagen eine beneidenswerthe Rolle spielen. Was die älteren Jahrgänge betrifft, so ist mit diesen bedeutend aufgeräumt worden, was sich dadurch erklärt, daß seit 25 Jahren keine volle Ernte mehr vorgekommen ist. Die Producenten haben fast nichts mehr von früheren Jahrgängen, sie befinden sich meistens bei den Händlern. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß die Reife des RebholzeS auch In diesem Herbste sehr schön vor sich gegangen ist. Bierdurch ergibt sich auch für 1894 Hoffnung zu einem guten Ertrage, n den Jahren 1857 bis 1859 folgten auch drei gute Weinjahre auseinander. Dem 1834er folgte 1835 mit einem sehr brauchbaren Gewächse, das nur deshalb nicht zur vollen Geltung kam, weil der Vorgänger ein zu gewaltiger war, welcher jeden Vergleich illusorisch machte Auch über die Weinsteuer mögen schließlich noch einige Worte folgen. Unsere Winzer stehen ihr sehr unsympathisch gegenüber, aber nicht aus Abneigung gegen Steuer überhaupt. DieRhein- userbewohner von der Pfalz bis hinab zur Mosel zahlen gerne Steuer, wenn es sich um des Vaterlandes Größe und Sicherheit handelt, denn sie wissen, welche Qualm ihren Provinzen der Franzmann seit 300 Jahren zufügte. DaS was die Weinsteuer so unsympathisch erscheinen läßt, sind die Plackereien, die sie Im Gefolge haben wird, die Wahrscheinlichkeit, daß die Schmierer und Panscher das Gesetz zu umgehen werden wissen, daß der reelle Handel darunter leidet und daß die Steuer schließlich doch auf dem geplagten Winzer hängen bleibt. Wollen das Beste hoffen. Verkehr, £anO>* und Volk-rvirthschast. Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 4. December. Auf den heutigen hiesigm Markt wurdm gebracht: 335 Ochfm, Kühe und Rinder und 310 Schweine. Der nächste Markt ist am 22. Januar 1894. — Äann die deutsche Landwirthschast da- deutsche Volk ernährend Der Geheime Ober-Regierungsrath im Königl. Preußischen Ministerium, Herr Dr. H. Thiel, beantwortet diese Frage dahin, daß die dmtsche Landwirthschast in der That fähig wäre, durch eine Steigerung ihrer Erträge dm Mehrbedarf des dmtfchen Volkes an Nahrungsmitteln ohne übergroße Anstrmgung zu Iberfen. Aus einer ziffernmäßigen Aufftellung, welche sich über 10 Jahre erstreckt,, beweist Herr Dr. Thiel, daß wir schon jetzt an Kartoffeln einen reichlichen Ueberfluß haben, währmd wir zur Deckung des jetzigm Fehlbetrages noch mehr ernten müssen an Roggen 8 Millionen Doppel-Centner, " Seilen $ " „ Gerste 5 „ „ Hafer 2 „ Erbsen 246 000 Außerdem müssen wir noch mehr züchten: 64 000 Pferde, 30 000 Stück Rindvieh, 350 000 „ Schweine und 145 000 „ Spanferkel. Schafe werden bereits mehr ausgeführt als eingeführt, allein die Rehrausfuhr ist in den letzten drei Jahren fehr zurückgegangen An Butter zeigte eine zehnjährige Ueberficht durchschnittlich eine Mehr- ausfuhr von 50000 Doppel-Cmtnern; indeß hat sich auch hier in dm letztm drei Jahrm die Mehrausfuhr in eine Mehreinsuhr oer- 1 wandelt. An Käse beziehm wir im Durchschnitt mehr jährlich 27 000 Doppel-Eentner, als wir ausführm. Auch in Eiern haben wir eine ungemein große Mehreinfuhr. Ciieraitir und Attnft. — Lessing im UrtheUe seiner Zeitgenossen. Zeitungskritiken, Berichte, Notizen, Lessing und seine Werke betrrffenb, aus den Jahren 1747—1781, gesammelt und herausgegeben von Julius W. Braun. In zwei Bänden. Zweiter Band 1773-1781. Berlin, Verlag von Friedrich Stahn. Dem Literatursteund sind die Braun'schen Werke bekannt und wir wollen uns über das Wesen derselben nicht weiter auslassen. Es ist klar, daß die Art der Anordnung des Inhaltes eben so sein mußte als in dm stüherm Bänden. Doch verspricht der Verfasser, noch einen Nachttagsband folgen zu lassen; derselbe soll enthalten: die deutschen Kritiken, die er nachträglich noch gesunden, eine Anzahl französischer Kritiken, Anmerkungen über die Autoren, die benutzten Rettungen u. s. w. und ein ausführliches Personen- und Sachregister. — Den breitesten Raum in diesem Band nehmen natürlich die Besprechungen der „Wolffenbütteler Fragmente" ein. Ein Laie, ein Jurist seines Zeichens, Albrecht Wittenbergzu Hamburg, verlangt, daß man die Grundgesetze des heiligen römischen Reiches gegen Lessing zur Anwendung bringe, denen der Herr Hofrath schnurgerade entgegengehandelt habe. Im Osnabrückischen Friedensinstrument steht es mit dürren Worten klar geschrieben, daß dergleichen Bücher (wie die Lessing'schen) „ohne einige Nachsicht durch jedes Ortes Obrigkeit oder kaiserliche Bücher- commission confiscirt — daß nicht allein die Urheber, Schreiber ober Drucker, sondern auch wer sie ausbreitet als Herausgeber nach Beschaffenheit der Umstände an Ehre, Leib und Gut und Blut ohn- nachlässtg gestraft werden sollen." — Ein Gesinnungsgenosse Lessings, Friedrich Lüdke, Prediger an der Nicolaikirche zu Berlin, schrieb darauf: „Alfo, die Bücher sollen confiscirt, die Herausgeber beim Kopfe genommen werden! Schön! So wäre der Proceß kurz und erbaulich beendet! Also soll den Christen nach der Reformation alles weitere Selbstdenken über die Religion verboten fein? Luther solle der erste und der letzte gewesen sein, dem es frei stand, öffentlich zu sagen, daß und warum er nicht glaube, was die Kirche glaubt? — Der Braun'sche Lessing ist ein fesselndes Werk, das jedem Leser eine Fülle des Genusses und der Anregung bietet. Möge sich jeder namentlich aus dem polemisch-theologischen Theil die Lehren ziehen, die — ihm belieben, je nach seinem Parteistandpunkt. In der Zeit unserer aufs Neue regeren religiösen Bewegung kommt dies Buch gerade recht. Jedenfalls wird es das Verständniß der Schriften Lessings ungemein fördern. Und insofern darf der Verfasser dies Buch in der That als eine Ergänzung zu allen Ausgaben von Lessings Werken bezeichnen. — Zum vierten Male erscheint soebm im Verlage der Jos. Köfel'schen Buchhandlung in Kempten der beliebte und bekannte Kneipp-Kalender (Preis 50 Pfg., incL Porto 60 Pfg). .. —Die vitdung des GemÜthS. Ein Festgeschmk für die reifere Jugend beiderlei Geschlechts. Von Prof. Dr. Hch. Kratz. Ein gediegen ausgestatteter Band in Kleinoctav. Preis geh. 2.40 Mk., in Orig.-Leinm geb. mit Farbmprefsung 3.50 Mk. Verlag von Levy & Müller in Stuttgart. _ CI ~ -Reneste Erfindungen und Erfahrungen* auf den Gebieten der practischen Technik, Electrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, bei Land- und Hauswirthschaft rc. (A. Hartlebens Verlag in Wim). Pränumerationspreis ganzjährig für 13 Hefte franco 7.50 Mark. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in Briefmarken. — Diese gewerblich-technische Zeitschrift, welche bereits im zwanzigsten Jahrgange erscheint, verfolgt nur rein prattische Zwecke. Die Mitarbeiter sind nur Männer der Praxis, welche am besten die wirklichen Bedürfnisse der Techniker und Industriellen zu ermessen verstehm. Die Zeitschrift, reich an Originalbeitragen und constructivm Ab- bilbungen, bietet einen vollständigen UeberbÜrf über alle Fortschritte tm gewerblichen Leben. Besonders werthvoll erscheint es, daß in dieser Zeitschrift immer practifche Wege zu neuen Erwerbsarten, verbesserte Arbeitseinrichtungen und practische Anleitungen zur Erhöhung der Concurrenzfähigkeit gegeben werden. Dadurch empfiehlt sich dieselbe von selbst für jeden Vorwärtsstrebendm. m . - -Wie schreibe ich meine BriefeVon der Kunst des Briefschreibens. Ein Handbuch mit Musterdriefen usw. für die oer- schiedmstm Anlässe und Vorkomwniffe zum Gebrauche für Jedermann, insbesondere für junge Mädchen. Nebst einer Auslese von hundert der schönsten und neuesten Stammbuch- und Albumoerse Von Constanze von Franken. Ein stattlicher Band in Groß- octao. Preis geh. 3 50 Mk., in prachtvollem Original-Leineneinband mit Farbenpressung 4.50 Mk. Verlag von Levy L Müller in Stuttgart. Bekanntmachung. Aufschrift der Postsendungen. i „3** Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der vostsmduugm rnüssm auf denselben Empfänger und Bestimmungsort so genau bezeichnet sein, daßJeder Ungewißhett »orgebeugt wird. Dabei find namenllich folgende Punkte zu beachten: 1. Bei Postsmdungm nach größerm Orten ist in der Aufschrift die Wohnung des Empfängers möglichst genau anzugeben. Auch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangabe stets an derselben Stelle der Aufschrift, nämlich unten rechts, unmittelbar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge. 2. Auf dm nach Berlin bestimmtm Smdungm ist, außer der Wohnung des Empfängers, der Postbezirk (0., NO. rc.), ta welchem die Wohnung fich befindet, hinter der Ortsbe- zeichmmg »Berlin" zu oermerfen. 3. Gibt eS mit dem Bestimmungsorte gleich oder ähnlich lautende Postorte, fo ist dem Ortsnamen eine zusätzliche »ejd(bnung betzufügm. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Postverkehr als maßgebend anzufehm find, ergibt sich au8 dem „Verzeichniß gleichnamiger ober ähnlich lautender Post- orte", das zum Preise von 10 Pf. durch Vermittlung jeder ReichS-Postanstalt bezogm werdm kann. 4. Wmn der im Reichs-Postgebiet belegen« Bestimmungsort zwar mtt einer Postanstalt verfehen, deffmungeachtet aber nicht als allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt es fich, die Lage des Orts in der Aufschrift der Senkung noch deS Näheren zu bezeichnen. Zu berartigen Bezeichnungen eignet fich die Angabe beS Staates und bei größerm Staaten deS politischen Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. s. w.), in welchem der Bestimmungsort belegen ist, ober auch bie Angabe von größerm Flüssen [(Ober), (Elbe), (Rhein), (Main) re.), ober von Gebirgen l(Harz), (Riesmaebirge) jc.] Nicht minder ftnb zusätzliche Bezeichnungen, wie s(Thüringm), (Altmark), (Lausitz) ic.1 für ben Zweck geeignet 0. Auf Postsendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außer bem eigentttchm Bestimmungsorte noch biejenige Post- «nstalt anzugebm, von welcher aus bie Bestellung bet ©enbung an ben Empfänger bewirkt werben bez. bie Abholung erfolgen fott. Wenn ber Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Postgebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnm ist, so ist außer dem Ortsnamen noch daS betreffeno« Land bez. bet Landesthell auf der Sendung anzugebm. fJ., Beachtung dieser Punkte wird zur Herbeiführung einer fchlemiigm lleberkunft der Sendungm an den Empfänger wesmtttch bettrosen, und eS liegt daher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriftm der Smdungm hiernach genau anzufertigen. WSchmtttche Ueberficht der Todesfälle in Gießen. 48. Woche. Vom 26. November bis 2. Dccember 1893. Einwohnerzahl: angenommen zu 21100 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 27,10°/« bezw. 22,18 nach AuSschl. der Ortsfremden. Kinder Es ftarben an: Zusammen: Erwachsene: tm vom 2.-15. Jahr 1.Lebensjahr: Scharlach 2 — — 2 Lungentuberkulose Tuberculose anberer 1 — — 1 Organe 1 — 1 — ßungenenhünbung 2 1 1 — Chron. Herzkrankheiten 2 Angeborene Lebens- 2 — — schwäche Sonstige benannte 1 (1) — 1 (1) — Krankheiten 2 (1) 1 (1) — 1 Summa: 11 (2) 4 (1) 3 (1) 4 A n m. Die in Klammern gesetzlm Ziffem geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenben Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommm. Kirchliche Anzeigen der evnng. Gemeinde. Donnerstag ben 7. December, AbenbS 8 Uhr: Bibel stunde tm Turnsaale ber Stabtknabmschule (Kirchstr.) Pfarrer Schlosser. (Bilber aus dem Leben Jesu, 2. Die Versuchung) Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein MÜsterchen bes Stoffes, von bem man kaufen will, unb bie etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (bie leicht speckig wirb unb bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen bie „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, bie im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man bie Asche ber ächten Seide, so zerstäubt sie, die ber verfälschten nicht. Die «eidenfabrik G. Henneberg (k. u.k. Hoflieferant) Zürich oerfenbet gern Muster von ihren echten Seibenstoffen an Jebermann unb liefert einzelne Roben unb ganze Stücke vorto- unb zollfrei ins Haus.__________________________________________ Bedeutende Beiriedsersparnisse “£rX m maschinellen Anlage ber Großinbustrie, bes Kleingewerbes ober ber Lanbwirthschast durch Aufstellung einer Wölfischen Locomobile als Betriebsmaschine erzielt. Die von ber rühmlichst bekannten Maschinenfabrik von R. Wolf in Magdeburg-Buckav seit mehr als 30 Jahren als Specialität gebauten halbstationären unb fahrbaren 2oco mobil en mit ausziehbaren Röhrenkesseln übertreffen an Sparsamkeit bes Brenn material Verbrauchs, Dauerhasttgkeit und Leistungsfähigkeit jegliche Motoren anberen Ursprungs u- haben auf allen beutschen ^ocsmobil-Concurrevzen ben Sieg bavongetragen. [4276 aller genehmigten Lotterien stets oorräthig. Prompt. lieber» send.d.Gewinnt. Albin Gretfcher,Gießen,Walltborstr.2. s°«, — Allen an Influenza Erkrankten, die sich Erleichterung und Linderung verschaffm wollen, seien angelegentlichst AayS ächte Sodener Mineral-Pastillen empfohlen. Je 5 bis 6 Pastillen in heißer Milch aufgelöst, unb in wiederholten Gaben beiß getrunken, üben einen wohlthätigen Einfluß auf bie, catanhalisch afficirtm Organe aus, bewerkstelligen eine leichte Schleimabsonberung und lindern somit die Heftigkeit und die Beschwerden des CatarrhS. AayS ächte Sodener Mineral-Pastille« sind in allen Apotheken, Droguen- und Mineralwosserhandlungen ä 85 Pf. per Schachtel zu haben. [9195 — Die süddeutsche Berficheruugsbank für Mtlitärdtenst- «nd TöchterauSsteuer «arlSruhe, welche feit Beginn dieses Jahres neu organisirt wurde, hat seit dieser Zeit ganz bedeutende Fortschritte gemacht. Der Versicherungsbestanb hat fich von 2379 450Mk. auf 4 076 842 Mk., die Prämieneinnahme von 86 734 Mk. 16 Pf. auf 149 663 Mk. 73 Pf. gehoben, dagegen haben sich die Betriebsspesen im Verhältniß zum Zuwachs bedeutend verringert, trotzdem in den abgelaufenen 10 Monaten dieses Jahres schon mehr als dreimal soviel an ReinzuwachS der Prämieneinnahmen erzielt wurde, als in dem ganzen abgelaufenen Vorjahre. Diese erfreulichen Erfolge sind, wie wir den „Annalen des gefammten Versicherungswesens" entnehmen, seit ber Zeit eingetreten, wo ein energischer Fachmann an ber Spitze bes Unternehmens steht. in Gießen. er seine Angehörigen, Freunbin- nen, Untergebenen ?c. anaenehm überraschenwill,kaufealsZugabe zu benBescheerungsgegennänben 0 einen Carton Doering’» Seife mit der Eule Mit bieser Gabe wird 9itemanb Q einen Fehlgriff thun, weil Doering’s Seife Omlt der Eule für bie bessere Toilelette ge- rabezu unentbehrlich unb zu je 3 Stück in mit der Eule in elegantem Wkihllchtstarton. IAI.................. i---... _______ Q prachtvollen unb elegant ausgestatteten 0! Cartons eingelegt ist, so baß ein Weih- nachtscarton mit Doering’s Seife mit der sc lange der Vorrath 0 Eule ein ebenso nützlich,S wie reprSIen- a tables Geschenk bilber. [100o3 reicht. v EngroS'Verkauf r Benner äk Krumm Buchdruck-Arbeiten JIIIIIIWIIIHIllllllllllllllliillluiunHumtuUHMHIII L i Zur Anfertigung ! E aller kn Geschäfts- und = Privat-Verkehr gebräuchlichen 1 Bekanntmachung. | Äreitofl den S. Secetnber, W ViiWVHH VII- achmittagS 3 Nhr. sollen tm Hof M- fF am am Buntbestickte Kaiser - Gardinen und Stores Ernst Bloedner Seltersweg. 10076 vermischte Anzeigen Hofbäckcr. (10064 Donnerfltdftg statt. 9850) Pony» vterkeller. Gelsen. Berpv.«Act. 106.00 R d* I5«at*i>ttciel 5 pLt. — Frankfurter BanbDiScoat 6 pSl. Neu! Neu! 9M 20 JB 16.« 171.70 128.70 131.20 116.20 100.50 278.62 86.10 BtM 16.17 16.16 4.19 94.41 80.06 1890 33.90 87.75 367.(0 199.25 150.20 101.10 109.00 70JO 9.60 st. 2032 16.65 Karten vorher bei Herrn Friseur Gerhardt. Lindenplatz, 1 Mk. Sperrsitz 1 Mk . Saul 60 Pfg., Abendkasse Sperrsitz 1.25 Mk., Saal 75 Pfg. Lomb. E^B.-Act. Buschtherader L^-B^Act. iillrthal-Bahn-Act. GoUhard-Bahn-Act. Schwetjer 9ZorbofUB>ld- Mainzer E.-B.-Act. Marienburger L^B.-Act. 142 (0) Bar. Wniflfi-UanraMUL Itnboq: behauptet. 10062) Ein Hansdürfchche« gesucht. Uhr, sollen auf dem biestgen Ortsgericht die zum Nachlaß des Eduard Philipp Sack tn Gießen gehörigen Grundstücke: ■ DQ Stelleasuchende jeden Ve- ■ ruf» vlacirt schnell Kentersvnreav, W Dresden, Ostra-Wee. [9915 Steins Barten. Freitag d. 8. Decbr., Abends 8 Uhr: [10048 Nur einmalige Elite - Experimental- Soir6e über Suggestion WilleuHbeeinflusNung durch EinbildungHdirective, be- wu*ste* und traumhafte* Seelenleben von Charles Wolton. Herr Wolton experimen- tirt nur mit Personen ans dem Publikum. größte Auswahl unb anerkannt beste Qualitäten in Muffen, Boas, Colliers und Pelerinen; letztere werden auch nach Maß angeferUgt. A. Kretzschmar, Kürfchnermeiller, 22 Marktplatt 22, vis-ä-vis der Sckmlstraße. [ 10047 Parlhie Fichteureiser und Fichtenbäume öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 6. December 1893. Großh. Bürgermeisterei Gießen, Gnauth. 10070 Da» schönste Fest der Kinder, das liebe Weihnachtsfest, steht vor der Thür und mit demselben tritt wiederum bie Aufgabe an uns heran, von freiwilligen Beiträgen unb bem Ertrag gesammelter Eigarrenabfälle armen Kindern unserer Stadt durch Bekleidung eine Weihnachtsfreude zu bereiten. In Folge allseitiger Anerkennung und wirksamer Unterstützung unserer Bestrebungen von Seiten des hiesigen Publikums ist es uns möglich, für die armen Kinder etwas zu thun. Die uns in diesem Jahre vorgelegte Liste weist wiederum eine recht große Anzahl armer Kinder, Waisen unb Halbwaisen, auf, die oft sogar am regelmäßigen Schulbesuche verhindert sind, weil sie der nothdürftigften Kleidungsstücke ermangeln. Wir richten deßhalb auch in diesem Jahre an die Bewohner Gießen» (Raucher und Nichtraucher), die herzliche Bitte, un» durch Uebermittclung etwaiger Cigarrenabfälle, sowie durch freiwillige Geldbeiträge unfern Fond» erhöhen ju helfen, damit es uns ermöglicht wird, auch am diesjährigen Wethnacht»- feste einer größeren Anzahl Kinder eine geeignete Weihnachtsbescheerung bereiten zu können. Cigarrenabfälle und Geldbeiträge werden bei unseren Sammelstellen, Herren Friseur Gerhardt, Emil Kalbfleisch, Lehrer Franz, Dr. Heuser und H. Schnell gern entgegengenommen. Der Verein Jugendfreund. 20 Franken-Sl. 20 do. ta Vs Dollar» in Gold Bürger-Club. Lamstag den 9. d. M. Theater und Tanzunterhaltung in Steins (Harten. Der Vorstand. Das Theater beginnt präcis 8t/i Uhr. Wegen Einführungen wird auf § 2—4, Seite 14 und 15 der Statuten verwiesen.___________10074 Freitag den 8. December, Abends S'/r Uhr: Oesientliche Volksversammlung im Concerthaus Lahnstein. Tagesordnung: Die Socialdemokratie und die geistige Arbeit. Referent Predigtamts-Candidat Th. v. Wächter, Stuttgart. Zur Deckung der Kosten wird ein freiwilliges Entree erhoben. 10075)Der Cinberufer. 10065) Ein sehr gut empfehl Person gesetzten Alters, deutsch und französisch sprechend, wünscht zu Weihnachten Stelle als Hanshülterin oder Köchin. Gefl Off, unt. L, A. 10 an die Erved. Regenschirme in großer «uswahl Repariren und Ueverziehen schnell und billig bei [10055 H. A. Sack, Neuenweg 58. tS“ Henle große Sendung feinster Schellfische. Eduard Fuckert, 10071 Nr. 17 Neuen Bäue Nr. 17. Aeisgeöotenes. Kanarienvögel, gute Harzer, verkauft [10063 _______Leichtwei», Sonnenstraße 18. 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Danksagung. 15 Jahre lang litt meine Schwieger, mutter an schwerem Magen-, Leber- und Nierenleiden, hatte meist furchtbare Leib- , und Kreuzschmerzen und konnte nichts ; Festes essen- Verschied, allopath Acrzte j erklärten sie für verloren, es sei ihr nicht mehr zu helfen- Darauf wandte ich mich 1 an den homöopathischen Arzt Herrn Dr. Bolbedtng in Düsseldorf, der die Frau Büscher so glücklich behandelte, daß sie in drei Monaten völlig gesund und , wie neu geboren ist, keine Schmerzen hat , und wieder alles esien kann. Dem Herrn Dr. unseren innigsten Dank. | Oberaden bei Lünen (Lippe), Wests. , 9902 Fuhrmann Wilhelm. 100581 Verloren ein Zwanzig« Markstück (Gold) vom Brandplatz bis in die Löwengasse. Abzuzeben gegen SBelofr, nung bei Wilh. Hohn, Löwrngasse 20. ! Ein solider Kellner, 16—18 Jahre alt, per sofort gesucht. Flur 39 Nr. 90 — 2819 qm Acker rechts deS Wiefecker WegS, Nr- 9l,s — 1638 qm ( Wiese — 1702 qm | daselbst, Flur 42 Nr. 160 - 1619 qm Wiese an der Steinkaute auf den Weg und die Lahn, Flur 42 Nr. 161 - 1619 qm Wiese daselbst öffentlich freiwillig versteigert werden. Gießen, 5. December 1893. Großh OrtSgericht Gießen. _____I A-: Bogt. 10052 Donnerstag b. 28. Derember, Nachmittags 2‘/i Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Gustav Mook «helevten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 1 Nr 689a23/1C0 — H3 qm Grab- garten in den Neuen Bäuen, Flur 1 Nr- 689eM/too — 306 qm Hof- rattbe bafclbft öffentlich meistbietend versteigert werden- Gießen, den 5. December 1893. Großh. Ortsgericht Gießen. I. A-: Bogt. 10072 Back-Zuthaten in vorzüglichen Qualitäten erhält man billigst bei 10054 Eh. Herrmann, Srltersweg 33. * tuM*- li,ei*ee ÄX?'* jie Krisis Muh schof fcie Landtoinhe stob werden ko> loggen .ft nd ftr die w'chllgl sich die Lage aus die Landw" frM M mar irr ßetrtlbtprti ßieigen derselbe/ .ehatdtn kleinen Etm; der Deizei Stand dersüdevd freit ütttm, io durch hervorgerr unb Weizenmehl fische Weizen^ fische wir amr Nacht darauf g Müllern und H gebot hat foju1 tttbotbtn und s Notzm davon. Rauftuft für ffii ich 'günfugen allgemeine Flat großen Lorräth Mittag ju &lai gme Stile zu H überichwrmMn n ichw HLsin Mr Ragland auch \\ wird ncht allzu Landwirthe, Mi noch viel jchlin Müller in Sur ift noch kurzem 1 gefallen und in schwer darnieder, •«treibe ganz Wickelung deS Q scheu unb dieS ^andwirthen, di tZrausbraub brachen. ,h6r “»«"- s gezogen. itowodiantin, fei, Mktb ging Re' dhrr Denn tTan^ Rand d! und dennc muB,e fit das 1 , ^e bleich? Ä d SUo4tnt^ Sfr die 3 4 6«n Nm ^°°nnen S > Vartr ’Wn to9T n rf-R v, » et«nt 7-m. „fl Httogfab f