1893 Samstag den 7. October Erstes Blatt S!r. 236 Amts« und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen Hratisbeilage: chießener Jamilienkkätler. . A. 7 u. c Acge stehen. [8004] Alle Lnnoacen-Vureaux de» In- und luilanbe« nehm» Anzeigen für den Gießener Anzeiger" entgegen. Ir nähme von Anzeigen zu der Nachmittag» fflr den folf tnbm Lag erscheinenden Nummer bi» Lorm. 10 Uhr Der |U|nict Anzeiger iricheint täglich, pt Ausnahme d«S Montag». Dir Gießener |!i*t(tn ungen umgekommen. Auch zur See find zahlreiche Unglücks fälle vorgekommen. i UM- , Morgens 8 w cher, Morgens 8’ -Ichttle N- &351 Berlin, 4. October, lieber daß Befinden des Fürsten ieii’nard kommt auß Thüringen eine sensationelle Nach. laek0,*rld)t- 2ßie dem „Berl. Tagebl." ein Privattelegramm auß Jihwarzburg-Rudolstadt meldet, theilt die „Rudol- UW.unb$ ^4' Landeszeitung", die Beziehungen zur Regterung hat, 1-4 angeblich absolut sicherer Quelle mit, daß eß mit dem g-iitn Bismarck langsam, aber stetig zu Ende gehe. Aller S-drlcheinlichkeit nach werde er Ktssingen nicht mehr lebend »irlasicn. Wir glauben, fügt das „B. T." hinzu, diese Mchnchr unseren Lesern nickt vorenthalten zu sollen, geben bitjtüe aber unter aller Reserve wieder, weil bei der Ver- , lchwiegenheit, welche die nächste Umgebung des Fürsten Biß- miif' über dessen Gesundheitßzustand beobachtet, es uns nicht nißlich ist, die Meldung in genügender Weise auf ihre Miigkeit zu prüfen. Bei dem begreiflichen Interesse, welches M deutsche Volk daran hat, Authentisches über das Befinden M alten Reichskanzlers zu erfahren, wäre es vielleicht zweck- ■ criBia, wenn täglich ober von Zeit zu Zeit Bulletins auß> gtpeben würben. — Die „Voss. Zrg." schreibt: Ueder das Mfinden des Fürsten Bismarck gehen uns durch den Draht Mntbcilungen zu, die sehr bedenklich lauten. Wir nehmen Mllmifig von einer Veröffentlichung Abstand, da wir bei der eraftiflen Natur deS Fürsten noch immer auf eine Recon- mlt&ienj hoffen. Es kann aber nicht verschwiegen werden, lbaS d.ie Nachwirkungen deß Schlaganfalles, der den Fürsten ».troffen hat, noch nicht überwunden sind. — Der Bundeßrath hat heute seine Plenarsitzungen ■ mithin ausgenommen. Derselbe hatte nach dem Schluffe der NttchStagßsitzung biß in den Spätsommer hinein gearbeitet unb alle- vorhanden gewesene Material aufgeräumt. Die Stebeiten für den Reichßhaußhaltßetat sind übrtgenß weiter dorztsschritten, alß man früher angenommen hat, und dürften Qnbe dieseß Monatß zum Abschlüsse gelangen. Der Bundeß- rii!) Könnte unter dieser Voraußsetzung Anfang November die Dtrachung des Etats in Angriff nehmen. Der Einberufung dt» Reichstags würde zum 15. November kein Hinderniß im tiitr an der Grenzstation angeordnet. Petersburg, 5. October. Der neue, um 15 Procent A «müßigte Eisenbahntarif für den Transport russischen 2p flttreibeß via Oesterreich nach Italien, der Schwerz und v giamfreid) ist heute veröffentlicht worden. Rew-OrleauS, 5. October. Weitere Meldungen über ben «yclon besagen, daß eine von heftigem Sturme begleitete «Eo-ingfluth besonders die niedrig gelegenen Gebiete in ili: Umgebung von New-Orleans überschwemmt und große ArrNrüstungen angerichtet hat. In Grand Jsle und auf den ^lücgenden Inseln wurden Plantagen zerstört und Dörfer chcMschwemmt. Viele hundert Personen sind in ihren Wohn- Aron Bachrach der Bankier W. nur ein höchst mangelhaftes I meister Trautmann zu Rimbach, erhielt nur 12 Stimmen anstatt des Neu • Boom Im Wahlkreis Höch ft-König wurde Bürgermeister Haas von Hainstadt gewählt. Derselbe war dem Vernehmen nach Candidat der Antisemiten. Neustadt 11 (früher Bob) wird nicht beanstandet, deSgl. wird die Bedürfnißfrage bejaht bezüglich der Gesuche des Herrn Andr. Sorgenfrei um Ertheiluug der Concesfion zum Wirthschaftsbetrieb in der „Reichshalle" an der Rodheimer- straße, sowie des Gesuchs des Herrn Joh. Hermann um Ertheilung der Concession zum Verkauf von Branntwein über die Straße aus dem bisher von Herrn Ferd. Hofmann betriebenen Ladengeschäfte am Seltersweg. j kein Pandamonium beschworen, sie hatten sich nicht in uoer- I gründliche Weltenrathsel vertieft, sie arbeiteten nicht mit er» I künstelten Sceneneffetten oder einer rafsiniNen Theatermache. I Wie jene Sennerin auS dem bayerischen Hochgebirge energisch I dagegen Front machte, als Gnädige, Fräulein, Jungftau oder I Mädchen titulirt zu werden und einfach sagten „Ich bin halt I a Diandl", so war daS gestrige Stück halt ein Schwank mit I allen Ungereimtheiten, Unwahrscheinlichkeiten und witzigen I Bonmots, die einmal für die Existenzberechtigung dieser I theatralischen Aftermuse erforderlich sind. Allerdings entbehrt I die Grundidee nicht der Originalität und wäre daS Stück I bei einiger Vertiefung der Charaktere, bei Vermeidung mancher I sogenannten drastischen Stellen und größerer Logik der ein» I zelnen Vorgänge, die lose aneinandergereiht sind und sich nicht I gegenseitig ergänzen re., ein ganz pasiableS Lustspiel geworden. I Der Inhalt wurde als eine Notiz der „Hamburger Nachr." I bereits an dieser Stelle mitgetheilt. Ueber die Aufführung, I die durch die Heranziehung der längst ersehnten ZwischenactS- I musik auch nicht unter ermüdenden leeren Pausen zu leiden I hatte, läßt sich nur LobenSwertheS sagen. Der alte Maifeld I nebst Tochter fanden in Herrn Niemeier und Frau I ReinerS eine gelungene und eindrucksvolle Verlebendigung. I Herr Stückel wußte schon durch seine vortreffliche MaSke I den gehörnten Ehefimpel wirkungsvoll zu gestalten. Frau ! Wehn (Auguste Maifeld) war in Erscheinung und Spiel so recht der Typus der alten Jungfer, welche „Gott sei Dank" kein Mann unglücklich gemacht hat. Herrn ReiffS eigener I Individualität schien die Rolle deS Gutsbesitzers angepaßt zu sein, denn diese kühle Ueberlegenheit, diese trockene Gleich» gültigkeit war wirklich Natur. Daß Frau Julie Willberg nur geheirathet hat, um ledig zu bleiben und ihrem Ehemann Hörner von allen möglichen Dimensionen auffetzt, wußte Fräulein Schumann glaubhaft zu machen, ohne einen Moment ihre sittenstrenge Miene außer Acht zu laffen. Herr Deubner (Arthur von Kittwitz) muß sich einer besseren, schärfer markirten Aussprache befleißigen. Die kleineren Rollen waren angemessen besetzt. ** Sitzung de8 Schwurgerichts der Provinz Oberhessen vom 5. und 6. October 1893. Zur Verhandlung kommt die , I Strafsache gegen Kaufmann Aron Bachrach von Gießen wegen I I betrüglichem Bankerutts und Betrugs. Die Anklage vertritt ' der Großh. Staatsanwalt Clement, die Vertheidigung führt Herr Rechtsanwalt Dr. Stein, als Geschworene wurden auSgeloost die Herren Ludwig Horst, Hermann Schmidt HL, Georg Haas IL, Johannes Fink, Wilhelm Bloch, Johann Heinrich Müller II., Christian Faß, Conrad Eckstein, Philipp Karl Brück, Heinrich Wilhelm Alles, Martin Hammel und Johann Schäfer II., sowie Herr Karl Trapp als Ergänzungsgeschworener. — Der Kaufmann Aron Bachrach von Gießen ist angeklagt, daß er a) in der Zeit von Januar 1887 bis October 1892 zu Gießen als Schuldner, welcher feine Zah- fangen eingestellt und über dessen Vermögen das ConcurS- verfahren eröffnet worden ist, entgegen der Bestimmung des I Handelsgesetzbuchs unterlassen habe, die Bilanz seines Der» I mögens in der vorgeschriebenen Weise zu ziehen und sodann I in der Absicht seine Gläubiger zu benachtheiligen, Vermögens- I stücke verheimlicht oder bei Seite geschafft, Handelsbücher zu I führen unterlassen, deren Führung ihm gesetzlich oblag und seine Handelsbücher vernichtet oder verheimlicht oder so ge- I führt und verändert habe, daß dieselben keine Uebersicht deS I Dermögensftandes gewähren, b) im August 1892 zu Gießen I in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvortheil zu I verschaffen, das Vermögen des LandwirthS Nicolaus Romeiser I zu Steinau dadurch um den Betrag von 993 Mk. 32 Pf. I geschädigt habe, daß er in demselben durch die Vorspiegelung I falscher und die Entstellung und Unterdrückung wahrer That» I fachen einen Jrrthum erregte. — Aron Bachrach gründete I im September 1886 in Gießen ein eignes kaufmännisches I Geschäft mit Butter und Producten unter der Firma I „A. Bachrach". Sein Vater galt allgemein als ein sehr I reicher, tüchtiger und vorsichtiger Geschäftsmann, weshalb dem I Aron Bachrach bereitwilligst von hiesigen Bankgeschäften Credit I gewährt wurde, zumal er bald nach der Eröffnung seines I Geschäftes sogenannte Bankwechsel mit den Accepten der I Industrie» und Commerzbank, der Firmen Mauer & Plaut I in Cassel und der Firma L. Pfeiffer daselbst versehen, bei I hiesigen Bankiers discontiren ließ. Anfangs stand er mit I dem Bankhaus A. H. dahier in Verbindung und schon während I derselben und nachdem sie im Jahre 1890 gelöst worden war, I mit den Bankhäusern der Herren W. und R. dahier. Außer I den Bankwechseln diScontirte er seine Waarenwechsel, d. h. I Wechsel, die er zur Einkassirung seiner Forderungen für I Maaren auf seine Abnehmer gezogen hatte und endlich auch I Wechsel, die er auf dritte Personen zog, ohne daß diese ihm I etwas schuldeten. Der Discontoverkehr war ein sehr leb» I Hafter, denn Bachrach hatte in der Zeit vom 10. September I 1890 bis 21. September 1892 den Betrag von 532462 Mk. I 35 Pf. zur Discontirung gebracht. Trotz deS UmfangS des I Maaren- und Geldgeschäfts und obwohl Aron Bachrach mit I den Bankiers einerseits und der Firma E. Bachrach in Neu- I stadt andrerseits in dem regsten geschäftlichen Verkehre stand I und ganz erhebliche Summen und Waarenposten umgesetzt I wurden, war die Buchführung deS A. Bachrach in Gießen I und der Firma E. Bachrach in Neustadt derart mangelhaft, I daß die; Bücher weder unter sich, noch mit den Auszügen der I Bankiers übereinstimmten und daß in dem Hauptbuch deS ] und die Firma E. Bachrach überhaupt kein Conto hatten und daß im Jahre 1892 von Aron Bachrach nur noch eine Kladde geführt wurde, während er Th eile feines CopierbuchS herauS- riß und zu „besonderen Zwecken" verwendete. Er hatte Wechsel im Gesarnrntbelrage von 532462 Mk. 35 Pf. diS» contirt und nach Abzug deS DiöcontS an die Bankiers baar vereinnahmt 526424 Mk. 45 Pf. — nach seinen Kassebüchern sind von diesen TranSactionen nur 164439 Mk. 42 Pf. in Eingang gestellt, so daß sich ein Fehlbetrag von 361985 Mk. 2 Pf. ergibt. Sehnlich wie die Kasseeinnahmen nicht ober Im Wahlkreis Wöllstein wurde nationalliberalen Bürgermeisters Michel von CocaUs rrnd provinzieller, Vietze», 6. October 1893. •• Zur Wasserversorgung. Im nichtöffentlichen Theil der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung hat dieselbe unter Anderem auch einstimmig genehmigt die Er- weiterung der Quellwasserversorgung nachdem speciellen Project und Voranschlag des Oberingenieur S ch m i ck in Frankfurt a. M., und den darauf bezüglichen mit der Gemeinde Qu eckborn abgeschlossenen Vertrag über Abtretung des erforderten Quellgebietes. Nach den auf Großh. Bürgermeisterei uns gemachten Mittheifangeu ist auf dem betreffenden Gebiet in der trockensten Zeit dieses Sommers noch ein täglicher Erguß von rund 5500 cbm als vorzüglich analysirteu QuellwafferS nach» gewiesen, wovon zunächst auf dem von der Gemeinde Queck- born erworbenen Gelände bis zu 3000 cbm gefaßt werden sollen. Bei der Lage und Entfernung des Ortes Queckborn (der nach vorstehenden Zahlen seinen Namen wirklich nicht umsonst führt) und bei der von der stLdtischen Verwaltung gestellten Forderung, daß das erweiterte Wasserwerk auf der schönen Aussicht noch eine Druckhöhe von mindestens 20 m gewährleiste, war eine künstliche Hebung des dortigen Quell» Wassers um rd. 70 m ebensowenig zu vermeiden wie bei dem Concurrenzproject einer Grundwasserversorgung auS dem Lahnthal. Die ganzen Anlagen für Fassung, Förderung, Fortleitung und Aufspeicherung des Queckborner Quellwassers sind zunächst auf einen täglichen Maximalbedarf von bis zu 3000 cbm berechnet (neben dem Erguß der seither ausschließlich benutzten Quellen im Sicher Wald und bei Großenbuseck), sodaß bei der üblichen Annahme eines Tagesbedarfes von 100 Liter pro Kopf der Bevölkerung die letztere schon auf 35 000 Einwohner steigen dürfte, ohne eine— übrigens leicht 8U vollziehende — Erweiterung des neuen Werkes zu erfordern. — Zunächst dem Orte Queckborn ist das Maschinenhaus geplant, welches die erforderlichen beiden Pumpmaschinen von ; je 25 Pferdestärken und deren Kessel von je 45 qm Heiz- i fläche aufzunehmen bat; von da soll das Wasser über die I Kreisstraße und die Grünberger Staatsstraße nach Gießen geleitet werden in 275 mm weiten gußeisernen Röhren mit verschiedenen Auslaufkammern und einer kürzeren Cementrohr» strecke von der Ganseburg gegen die Stadt. Nahe der Gemarkungsgrenze Gießen Annerod ist ein neuer Hochbehälter (von gleichfalls 3000 cbm Fassungsraum) geplant, von wo aus die eine Leitung nach dem alten Hochbehälter, die andere direct nach dem höher liegenden Theil der Stadt verläuft, weil für die Folge das städtische Versorgungsgebiet in ein auS dem alten Hochbehälter am Nahrungsberg gespeistes Niederdruck- und in ein direct von dem neuen Behälter gespeistes Hochdrucknetz zerfällt, welche beide an den ungünstigsten Stellen noch über 20 m Druckhöhe aufzuweisen haben, zudem unter sich verbunden werden können. DaS VertheilungSnetz in der Stadt ist so geplant, daß I so gut wie gar keine Veränderungen in den vorhandenen Leitungen, vielmehr im Wesentlichen nur Ergänzungen der- I selben durch die neuen Straßenzüge erforderlich werden. Für den Geländeerwerb in Queckborn sind zunächst rund I 82000 Mk. aufzuwenden, abgesehen von der der dortigen I Gemeinde zugestandenen Wafferabgabe von täglich bis zu I 100 cbm auS der Gießener Wasserversorgung; die Ausführung I des Projektes (bis zur Grenze deS Bebauungsplanes) wird I voraussichtlich ebenso wie die vorauSgegangenen Untersuchungen I und Projectirungen in die Hände deS Oberingenieur Schmick I und seines Sohnes, des Regierungsbaumeisters Schmick in I Frankfurt a. M. gelegt werden. Abgesehen von den Kosten des Geländeerwerbes und I denjenigen der Projectirung und Bauleitung sind die gesummten I Baukosten auf rd. 500000 Mk. veranschlagt, worunter sich I übrigens rd. 90000 Mk. befinden für die unter allen Um» I ständen demnächst geboten gewesene Ergänzung des Stadt- I rohrnctzeS. Soferne keine unverhofften Hindernisse eintreten, denkt I man noch im kommenden Sommer in den Genuß des er- I weiterten Wasserwerkes zu kommen, und man beabsichtigt, von [ da ab alsbald eine erhebliche Ermäßigung des Wassergeldes I (voraussichtlich zunächst von den derzeitigen 30 auf 20 Pfg. I pro Cbm.) eintreten zu lassen. Die Sladtverordneten-Versammfang aber beglückwünschen I wir zu ihrem energischen und weitsichtigen Anfassen der I wichtigen Frage, womit dieselbe neben der Befriedigung der I Gegenwart ganz besonders auch noch den Dank der kommenden I Jahrzehnte sich erworben hat. ** Do» der Universität Seine Königliche Hoheit der I Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 19. August I den außerordentlichen Professor Vr. Gotthold Gundermann I zu Jena zum ordentlichen Professor in der philosophischen I Facultät der LandeS-Universität mit Wirkung vorn 1. October I 1893 an zu ernennen und in der gedachten Eigenschaft zu I berufen. * Kirchliche Die»ß»achrichte». Arn 30. September wurde dem PfarramtScandidaten Friedrich Köhler von I Ober - Seemen die evangelische Pfarrstelle zu Hillesheim, I Decanat Oppenheim, an demselben Tage dem Pfarrer Friedrich I Walter zu Merlau die evangelische Pfarrstelle zu Engelstadt, I Decanat Mainz, übertragen. J. B. Vene» Theater. „Fräulein Frau" von Moser I und Misch. Gestern Abend wurde gelacht und herzlich gelacht. Die beiden Lustspiel - CompagnonS Moser imb Misch hatten I berg der deutsch • freisinnige Bürgermeister Pittha» gewählt. Im Wahlkreis Alsfeld-Ulrichstein, der seither durch den Abg. Fritz Schade vertreten war, trug der frei* sinnige Landwirth Neeb von Windhausen mit 19 Stimmen I uur höchst mangelhaft gebucht waren, verhielt eS sich mit br- I KasieauSgaben. Während in Ausgabe 318220 Mk. 58 $ I erscheinen mußten, waren ausweislich des PüdjermateriaL I nur 176109 Mk. 18 Pf. in Ausgabe gestellt. Da der Crtt- I bei den Bankiers für die Geschäfte der Firma E. Bachrrc | und deS Aron Bachrach nicht atiSreichte, so Ueß sich letztere herbei, fogenannte Kellerwechsel anzufertigen und hulc DiScontirung in Umlauf zu setzen. Um dies zu können, eine Täuschung deS Bankiers, der die Wechsel nahm, nöth» theilS Über die Qualität der Wechsel als Kellerwechsel, I dadurch geschah, daß dieselben aI8 fogciannte Daaren- obr Kundenwechsel auSgegeben würben unter Verschweigung br I Thatsache, daß sie nur fabricirt waren, wodurch bet tc I Nehmern der irrige Glauben erweckt wurde, daß dies- Wechsel im reellen Handelsverkehr entstanden seien tarn Umlauf gesetzt wurden — theilS über die CreditsLhsg I feit deS Ausstellers dieser Wechsel. DieS wurde dadum erreicht, daß neben den Kellerwechseln die Accepte Bankhäuser diScontirt wurden, daß man durch eine gewisser» hafte Lontrole am Verfalltage rechtzeitig für Deckung bc Kellerwechsel sorgte, die man sich durch Ansertigen und Weiter. I begeben von neuen Sollwechselu verschaffte. Um den Baokir: W. aber ganz sicher zu machen, kaufte Aron Bachrach ut I ben Ueberschüssen auS den Kellerwechseln von Zeit zu Zeit tx Frankfurt Werthpapiere, die er in feinem Contocorrentverkeft | bei W. lombardirte. Die Maaren und Kellerwechsel nahm: immer mehr zu, die Bankwechsel immer mehr ab; endlich wurden saft nur noch Kellerwechsel diScontin und mnfee, nachdem W. den Credit gekündigt halte, am 5. Octobc I 1892 auf Antrag des Aron Bachrach daS CoocurSver> fahren über sein Vermögen eröffnet werden. Einer Passiv, mässe von etwa 70,000 Mk. stand eine Activmaffe Bei <000—8000 Mk. gegenüber. Auf die Frage, woraus bin große Unterbilanz zurückzuführen fei, antwortete Bachrach, i» dem er bestritt, in der Absicht, seine Gläubiger zu denachthm ligen, irgend welche Vermögensgegenstände beseitigt oder vrr» heimlicht zu haben, daß er Verluste im Vuttergeschäft erlitte» habe. — Am 7. August 1892 kam der Landwirth fr weiser von Steinau nach Gießen in daS Geschäft deS Bachrach, um eine kleine Restforderung einznziehen und bot biefnr 14 bis 15 Centner Butter zum Kaufe an. Aus Rachsucht, erklärte sich Bachrach bereit, dem Romeifer auf die noch u liefernde Butter 1500 Mk. Baarvorschuß zu geben, toogrgm Romeiser dem Bachrach, wie ausdrücklich vereinbart Harte, | lediglich zur Sicherung dafür, daß dieser schon jetzt au* > - noch zu liefernde Butter 1500 Mk. bezahle, einem am 7. dl», oember 1892 fälligen bei Bachrach zahlbaren Wechsel über den Vorschuß von 1500 Mk. auSzahlen sollte. Bachrach erklärte dem Romeiser, er behandle ihn so coufant, wie ein Bankier, der Wechsel diene nur zu seiner Sicherheit, er werbe denselben nicht in Verkehr setzen und veranlaßte hierdurch mb durch die Thatsache, daß er ohne Ursache viel Geld nachzählte und von seinen großen Geschäftsabschlüssen sprach, den Ro- meiser, ihm die Wechsel zu acceptiren. Bachrach nahm den Wechsel an sich und verschloß ihn- anstatt aber dem Romeiftr den Vorschuß zu zahlen, erklärte er, eS passe ihm nicht mit seiner Kasse, er werde den Betrag bis zum 10. August ein« senden. Statt dessen schickte er nur 399 Mk. 60 Pf. ur) auf telegraphisches Verlangen noch weitere 700 Mk., wogegen Romeiser vom 11. August bis 30. September 1892 564 Piund Butter ä 1 Mk. 3 Pf. und sechs Kübel im Gesammtwerthr von 592 Mk. 92 Pf. lieferte. Bachrach discontirte entgegn- feiner bestimmten Zusicherung den Wechsel alsbald bei Bankier R. und fügte auf diese Weise dem Romeiser, der sein Accett bei R. einlösen mußte, einen Schaden von 393 Mk. 32 ff. zu. — Die Verhandlung gegen Bachrach Hvird vorauSllchrl.-ch erst am SamStag beendet werden und werden wir Ian baß Endergebniß mittheilen. * Ueber die Ergebnisse brr Landtagswahlen ii Hefti liegen z. Z. folgende Nachrichten vor: Im Wahlkreis Darmstadt (Land) Professor Alexander Friedrich mit 30 Stimmen gegen 10 Stimmen, welche aus Mühlenbesitzer Zeh in Pfungstadt fielen. Im Wahlkreis Gernsheim Kreiörath H a a - üt Offenbach. Im Wahlkreis Beerfelden-Hirschhorn-Wimpfen Bierbrauereibesitzer Breimer in Beerfelden einstimmig. Im Wahlkreis Vilbel Gutsbesitzer Graf Oriola mit 24 Stimmen. Im Wahlkreis Nidda-Ortenberg Mühlenbesitzer Wilhelm Erk in Nidda. Im Wahlkreis H o mbe rg > Grün be rg - Ulri ch steil Landwirth Karl Pfannstiel in Hainbach. Im Wahlkreis Wörrstadt der Bürgermeister Chriß von Wörrstadt. Im Wahlkreis BenSheim-Zwingenberg Fat» kant Wilhelm Euler in Bensheim mit 24 Stimmen. HS Lehrer Backes in Darmstadt erhielt 8 und Herr Oberbürg» meister Küchler in Worms 3 Stimmen. Im Wahlkreis Heppenheim-Lorsch Freiherr Gtdes I Dael von Küth-Wanscheid. Der Gewählte ist hervorragendes Mitglied der CentrumSpartei und Führer de< Hessischen Bauernvereins. Im Wahlkreis Fürth-Reinheim siegte derCandtdat der Amifemüen, Landwirth Philipp Ripper V. zu Pfasse»- beerfurth, mit 25 Stimmen; dessen Gegencandidat, Bürger- kvjteta- *1 W 53 tici 65 50 Sw" k 56 M M 55 50 60 50 56 52 4C 5( 54 40 50 66 68 70 64 f-e -^5^ Keich«' o rtetonn, btt Q ' -'!en m hamdurx Er Corner, ons - 'cksscht u. I. v. -em Zitereffeoteu fln Ht, trfiän ö w Umftäni rgeritr Verlauf h«, wie • . ftS 9m ^'rtchtirhtÄschen- 2 ?"refetzezu »arm diese wd ein < ^Btioibtn ' • ^Ä&blältn k y^MbM bei ' wichen M Ktise-itts fir fiäi 'N !? uerloTcn/UI .L wruBlerr TS»* % 'Di! ' JTit/ier i® * 1 ’ » Wtt- v- D ° fit drei i [ )it tu Lai iw-tn lvktbtll. ' ^chbieSocia - w eg« ^rvon-agendn über bi taÄ,**** ■ iüu " »tr '•T • b i'«, erleichtert i xu. tötete e fc. . 0- i N kj* ,aaltn q Stiften der Fall - Itt Sorten bei Fr,tttz Dru ((t(:;tbaui)bux(hM f nitiafl 9 Uhr Sjtini Rranitalid «itüt Segenstaad tßeitllofigfei Slimüt rmtth, Äbnoviele Zuhört b ä. Vertreter dt ifitl, CottbuS, F k tun gart, Worms l tzenneister @na 4teertegrrichrivorsi i-falia, Lerwaüu ,3S!®Jv Hellt. che, c. H an^sertig,? WS- als vSj »Ä*' «er Verirren »n„?^Uvg L! teV? to- S'? . nR»ertI0etl x. J e', den Br Än ?l°n?aN " ?°n Znt zu P Mn’"*’""* ^^ertvechsel hl TI "rhr ab; er otöcontirt und t Wi am 5. £,. M das toerb«i- Einer P-r ' ei"e Nctivmsse )If 8^age, woraus *rtrteNrat, ?Tbiger zu bena-t- l"de beseitigt oder i ^Mngeschöst erlit n *>« Mmmh ■ 18WaVh^üf:' iiehen und bot b an. Suffe weiser auf die - zu geben, t: icklich vereinbart dieser schon jetzt ezahle, einem ar, zahlbaren ffittfi,: en sollte. Bchch ihn so coulani, rv. aer Sicherheit, «- >eranlaßte hierdurt. $ DidM natyil. Win iprafy bin L Bachrach nahm bin Mr M r. i M 10. Intuit r ' 399 M. 60 Pl.7 itere 700 Ml, wjfjc tember 1892 WÄt lbel im GesoM'.77t rach discontirte am tchsel alsbald bE omeiser, der sein l n von 393 Ml. 1 rach tottb voran? und werden wi mdtagSvM11 & anb)*W- lOStiWi welch!- 'n. Kreisrach $««*’ ^chhorn-Mpf- rfelden etnftlM ltzer Graf Ori°l°» enberg ** [üni-rg'Ut'i^1 tinbach. ffll, t Bürgerwelster zvingenbers k *lit 04 Stunden. \ Sri» Der Gewählte 'p ->« s'-«vK Aipper ' . L» $itti >er ',r> Ä** ir den Antisemiten Schuchard, welcher 17 Stimmen erhielt, .7 1 Sieg davon. Bei der Wahl in den Wahlkreisen Seligenstadt- Babenhausen und Osthofen werden die bisherigen Ab- iiprbnctcn Wolz (Centrum) und Hirsch (nationalliberal) ^eifellos wiedergewählt werden. Die Zeche bet den diesjährigen Wahlen hat zweifellos die «aiional liberale Partei zu tragen, denn sie hat, smihrend sie sich in mehreren Wahlkreisen nur mit Mühe be- btipÄtf/ keinen einzigen Sitz neu gewonnen, dagegen sicher 6 Sitze verloren, und wenn es sich bestätigen sollte, daß der «u gewählte Abgeordnete für Höchst im Odenwald den Antisemiten zuzuzählen ist, so würde sich dieser Verlust auf 7 Wahlkreise steigern. Die Freisinnigen haben 3 Wahlkreise gewonnen, lenen verloren. Die bisher im Landtag überhaupt noch nicht vertretenen ilntisemiten haben 2 eventuell 3 Sitze erobert. Die Centrumspartei hat ihre bisherigen Wahlkreise nicht nur behauptet, sie hat sogar noch einen dazu gewonnen. .Qu den Abgg. v. Dael, Dr. Schmitt und Wasserburg en sendet sie drei ihrer eifrigsten und schneidigsten Vorkämpfer, die im Landtag gewiß manche heiße Redeschlacht Ärsern werden. Auch die Socialdemokraten gehen mit einem Gewinn •aiJ dem Wahlkampf hervor. Dieselben nehmen jetzt 4 Sitze in der landständischen Rotunde ein. ♦* Lebensmittel-Preise Ende August 1893. Nach einer Lustmmenstellung der Großh. Centralsteüe für die Landes- ftastink kosteten: ________ : i 1 qunjft «d tpjüjjU3|(p3 Rindfleisch per Pfund Kalbfleisch per Pfund Schweinefl. 1 per Pfund Hammelfleisch per Pfund Gemischtes Brod Roggen- Brod Butter per Pfund Milch 1 Liier Eier 1 Stück Btlfcte mit Dctroi Darmstadt 66 60 60 70 66 13 11 119-131 19 5-7 Mai»; 88 50 60 70 60 13,5 12 99—108 21 6—8 Offen bad) 70 56 60 70 60 13,5 13 120-130 21 6-8 Bonns 64 52 62 66 60 10,5 10 106-124 17 5-7 Siesten 64 53 50 69 55 12 11 106-120 18 6 __ »latnc uync 0: krot | gingen 65 50 50 70 70 12,5 11,5; 94-112 19 5-7 -Acnilhetm 56 40 60 60 60 12,5 11 110-120 17 6-7 äl ei 55 50 60 60 60 116 11 103-114 17 7-8 ft lei berg 64 54 55 60 58 112,5 11,5 120-130 18 6-7 31 iftlb 55 40 40 55 — 13,5 11 100—105 20 6 Lauterbach | 50 50 50 60 50 13 10 120 16 5 •* Die Vorbereitungen für den socialen Congreß, welchen bal Fr.eie Deutsche Hochstift in Frankfurt a. M. •(6)0! thehaus) durch seine volkswirthschaftliche Section am 8. d. M. Vormittags 9 Uhr im Saale des Frankfurter Kaufmännischen Vertins veranstaltet, sind nunmehr abgeschlosien. Der hoch- «aiclle Gegenstand, über welchen verhandelt werden soll, lltb-eitslosigkeit und A r b eit s v ermi tt el u n g inj Industrie- und Handelsstädten, hat so allseitiges Sitte reffe erweckt, daß schon jetzt ca. 200 Theilnehmer- und lbtvffoviele Zuhörerkarten vergeben sind. Angemeldet sind n. 3L Vertreter der städtischen Verwaltungen von Bockenheim, gjfjel, Cottbus, Fürth, Hanau, Hamburg, Mainz, Osnabrück, ktuütgart, Worms (auch Gießen wird durch Herrn Ober- iliyg ermeifter Gnauth vertreten sein) u. s. w., zahlreiche tzin> erbegerichtsvorsitzende und Leiter von Arbeitsnachweis- instalten, Verwaltungsbeamle der Jnvaliditäts- und Altersversicherung, Reichstags- und Landtagsabgeordnete, Gewerbe- «spcctoren, die Generalcommission der deutschen Gewerk- fiaficn in Hamburg, Delegirte der Buchdrucker, Metallarbeiter, Vouorbeiter, verschiedene Jndustriellenverbände, Gelehrte, Heisnliche u. s. w. Da die Theilnahme an dem Congreß feiern Interessenten nach vorheriger Anmeldung beim Congreß iffen steht, erklärt sich die allseitige Betheiligung von selbst. Unter diesen Umständen ist ein für die sociale Praxis gewinn- hängender Verlauf der Verhandlungen nunmehr gesichert. •* Gesetzsammlung. Eine außerordentlich dankenswerthe Inordnung hat, wie wir in den ,,N. H. V." lesen, das Großh. Mistermm des Innern und der Justiz dadurch getroffen, kfc es eine Commission niedersetzte, deren Aufgabe ist, die in kn rechtsrheinischen Provinzen des Großherzogthums geltenden livilgesetze zu sammeln und zusammen zu stellen, bisher waren diese in nicht weniger als 72 Regierungsblättern verteilt und ein Nachschlagen in Folge der mangelhaften Register außerordentlich schwierig. Dazu kommt, daß diese Regierungsblätter kaum vollständig zu erhalten waren und keparatabdrücke der Gesetze zumeist nicht existirten. Sowohl h im practischen Leben stehenden, als auch die erst angehenden Juristen hatten hiernach viele Mühe, wenn sie, diS oft der Fall war, eines oder das andere der Gesetze uch schlagen wollten. Es handelt sich nämlich hier um Gesetze M hervorragender Bedeutung, wir erwähnen davon nur: •ti5 Gesetz über die Erwerbung von Grundeigenthum, das liand- und Hypothekenwesen, die Währschaft bei Viehhändeln, Ar Verjährung der persönlichen Klagen, das Edict über die Rechtsverhältnisse der Standesherren u. a. m. Das zu er- urtcnbe bürgerliche Gesetzbuch wird ja unter diesen Gesetzen usräumen, trotzdem ist deren Sammlung ein verdienstvolles Bert. Andere Staaten, so besonders Württemberg, sind uns k dieser Beziehung bereits mit gutem Beispiel vorangegangen, tuchi bei uns wird in absehbarer Zeit die Arbeit der Commission vcrUegen. Sie wird einen großen practischen Werth schon btchalb besitzen, weil die Einführung des bürgerlichen Gesetz- Lchz vielleicht noch Jahrzehnte auf sich warten lassen dürfte wd weil auch nach seiner Einführung noch lange Zeit hinaus -fir die bestehenden Verhältnisse die vorher gütigen Bestim- Allirgen maßgebend sein werden, deren Nachschlagen die Lümmlung erleichtert, ja gewissermaßen allein möglich macht. ? Gruuberg, 5. October. Ein Ortsbürger in dem beruh barten S a a s en gerieth gestern Abend beim Futterschneiden •■■in die Häckselmaschine und verletzte sich an der Hand derart, daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Gruuberg, 2. October. Auf den fünf Grünberger Fruchtmärkt en sind im Monat September verkauft worden: 536,50 Doppel-Centner Weizen, 175,75 D.-C. Korn, 9,50 D.-C. Gerste, 152,50 C.-C. Hafer, 1,00 D.-C. Samen. Die Durchschnittspreise betrugen für je 100 Kilogramm: Weizen 15,20 Mk., Korn 14,40 Mk., Gerste 13,90 Mk., Hafer 16,40 Mk., Samen 24 Mk. Wie ersichtlich, sind die Fruchtpreise gegenwärtig sehr niedrig. Wohl hauptsächlich deshalb waren die Märkte im verflossenen Monat so lebhaft, als dies in früheren Jahren um diese Zeit der Fall zu sein pflegte. Viele Landwirthe ziehen es vor, namentlich ihre Vorräthe an Weizen, der verhältnißmäßig am schlechtesten bezahlt wird, zurückzuhalten in der Hoffnung, daß derselbe später wieder etwas im Preise steigen werde. D. Ztg. § Ans dem Kreise Alsfeld, 5. October. Seit der Mit- theilung der verschiedenen Brodpreise in unserem Streife in Nummer 224 dieser Zeitung können wir mit Freuden feftstellen, daß nunmehr auch in den Ortschaften der Preis für den vierpfündigen Laib Brod von 42 auf 40 Pfg. herab- gegangen ist, was in Betracht des Getreidepreises von durchschnittlich 7 Mark per Centner Korn nicht mehr als recht und billig erscheint. Darmstadt, 2. October. Der Abschluß des hiesigen städtischen ElectricitätSwerkes für das Jahr 1892/93 ist ein recht günstiger. ES wurde nämlich ein Ueber- schuß von 47 300 Mk. erzielt, von dem 32000 Mk. zu Abschreibungen verwendet und der Rest dem Betriebsfonds zugeführt wird. Die Einnahmen betrugen insgesammt 138100 Mark, die Ausgaben 90 800 Mark. △ Mainz, 5. October. Der wegen Majestätsbeleidigung schon seit Monaten inhaftirte Capellmeister Kern vom 118. Infanterie-Regiment sieht jetzt endlich seiner Aburtheilung entgegen. Alle Mittheilungen in der Presse und die sonst- wie verbreiteten Nachrichten über die bereits erfolgte Der- urtheilung des Angeschuldigten waren, wie man uns von wohlunterrichteter Seite mittheilt, unzutreffend und basirten sämmtlich auf Vermuthungen. Der Grund der langen Verzögerung ist darin zu suchen, daß mit Rücksicht darauf, daß der Denunciation ein Racheact zu Grund liegt, die Untersuchung auf daS Eingehendste geführt wird und Capellmeister Kern, der alle Punkte der Anklage bestreitet, zu seiner Ver- theidigung der größte Spielraum gelassen wurde, was die Vernehmung'einer Reihe auswärtiger, zum Theil nicht mehr dem Militärstande angehöriger Zeugen erforderlich machte. — Die projectirte Reichswein st euer, deren Grundzüge nunmehr bekannt sind, dürfte in der Provinz Rhrinhessen dem größten Widerstand begegnen. Neben den bereits erlassenen Protesten der Handelskammern von Mainz, WormS und Bingen und den ablehnenden Resolutionen der landwirthschaft- lichen Korporationen und Gastwirthsverbände regen sich jetzt auch schon ganz energisch die Gemeindevertretungen der verschiedenen Weinbauorte, indem man Massenpetitionen und Protestversammlungen allenthalben borbereitet. Noch selten ist hier über eine Steuer so viel und so lebhaft discutirt worden, als über die in Aussicht stehende Weinsteuer, zumal das neue Steuerproject mit seiner ganzen Tragweite in einem Augenblick bekannt wird, wo man sich allgemein für den schwerbelasteten Winzer freut, daß er nach den langjährigen Mißernten endlich wieder ein Mal einen reichen Herbst einheimst. In Verbindung mit dem 1893er wird die projectirte Steuer in hiesiger Gegend in nächster Zeit jedenfalls noch sehr viel böses Blut machen. Dermifdytes» ♦ Marburg, 4. October. Heute Morgen bald nach 10 Uhr wurde die vom hiesigen Gartenbau- Verein veranstaltete Obst- und Gemüse-Ausstellung im Saalbau I eröffnet. * Kölligswinter, 4. October. Der Maurermeister, I der beim Neubau des eingestürzten Hotels „Zum goldenen Drachen" thätig war, ist verhaftet worden. * Stuttgart, 5. October. Gestern erstickten in Tuttlingen infolge eines Zimmerbrandes drei Kinder eines Schuhmachers. Ein viertes wurde gerettet. * Stuttgart, 5. October. Der deutsche Lehrertag (allgemeine deutsche Lehrerversammlung) findet nach dem „Merk." Pfingsten n. I. hier statt. * München, 3. October. Der Polizeibericht tritt heute dem groben, pietätlosen Unfuge entgegen, den Medicinftudirende mit dem Wegwerfen anatomisch behandelter Leichentheile treiben. So wurde jüngst ein Frauenkopf in der Röhre des Abortes eines Gasthauses, präparirte Gltedmaßen in einer Ecke des SchrannenpavillonS gefunden. • Leipzig, 3. October. Die Handelskammer beging am heutigen Tage das Fest ihres 25jährigen Bestehens. Der Vorsitzende, Generalconsul Thieme, überwies dem UnterstützungS- ausschuß als persönliches Geschenk die Summe von 5000 Mk. zu beliebiger Verwendung, ebenso stiftete er alte Pläne der Stadt Leipzig und eine Sammlung der Courszettel feit 1806 für die Universität. * In Dortmund wurde ein besonderer Güter da hnh of angelegt, auf welchem für die Folge nur Bier verladen wird. Somit werden die übrigen Güterbahnhöfe durch den Wegfall der Bierversendungen entlastet. Dortmund wird die erste Stadt in Preußen sein, welche einen „Bierbahnhof" besitzt. • Eine unerwartete Controlle seine», „hauskranken" Mitglieder hat kürzlich zwischen 7 und 10 Uhr Abends der ge- sammte Vorstand der Ortskrankenkasse der Steindrucker und Lithographen in Berlin ausgeübt und von 108 Kranken um die angegebene Zeit 64 nicht in ihren Wohnungen, wohl aber zum Theil in Gastwirthschaften und auf dem Tanzboden aufgefunden. ♦ Warschau, 5. October. In der vergangenen Nacht brannte die Kaserne des Infanterie-Regiments Newsky in RoSlawl, Gouvernement Smolensk, vollständig nieder. Gegen 30 Soldaten fanden ihren Tod in den Flammen, viele suchten sich durch Herabspringen auS den oberen Stockwerken zu retten, wobei sie entsetzliche Wunden davontrugen. Die Ursache deS Feuers soll Brandsttstung sein. ♦ Athen, 5. October. Die Nachricht von einer ver- schütteten Stadt bei Laurion beruht auf starker Ueber- treibung. Die dortigen antiken Metallsachen und Häuserreste waren bereits zwei Jahre bekannt und von archäologischer Seite beiprochen. * Aus Posen wird der „Post" gemeldet: Im Warschauer Bezirkskriegsgericht wurde nach dreitägiger Verhandlung der Artillerie-Hauptmann Tomaszewicz wegen Urkundenfälschung und Mißhandlung eines Wachtpostens zur Verbannung nach Sibirien, Verlust des Ranges, der Standesrechte und Orden verurtheilt. Nach Verkündigung des Urtheils zog Tromas- zewicz einen Revolver und schoß sich in den Kopf. Er war sofort tobt. * New-York, 3. October. In New-Orleans und Umgegend hat, wie dem New-York Herald von dort mitgetheilt wird, während der Nacht von Sonntag zu Montag ein heftiger Sturm gewüthet. Nach vorliegenden Berichten sollen 24 Personen gctödtet und viele verletzt worden sein. Der Sturm hat in Mobile (Alabama) und andern Ortschaften großen Schaden angerichtet. * Verfehlte Kurze. Ein junger Kaufmann, welcher sich in der Fremde befindet und in Geldnoth geräth, telegraphirt seinem Vater: „Schicke heute noch Geld, Anton." Nach zwei Tagen erhält der ungeduldig Harrende folgendes Antwortstelegramm : „Bis jetzt noch nichts von Dir angekommen. Dein Vater"._________________ Universität- - Nachrichten» Aus Würzburg, 4. October, wird der „Frkf. Zta." geschrieben: An der hiesigen Universität begehen demnächst die Professoren Dr. Fick, Physiologe, und Dr. Sachs, Botaniker, ihr 25jährige« Prosessoren- jubiläum. Schisf-naehrichten. — Der Postdampfer „Waesland" der „Red Star Linie" dr Antwerpen ist laut Telegramm am 3. October wohlbehalten in Newyork angekommen.__ Verkehr, Land- nnd Dottswu» ,>yd?afL Aus Köln, 4. October, wird der „Voss. Ztg." gemeldet: In der heutigen Sitzung de« Kölner Bezirks>«Ltsenbahnraths- a us schuss es mürben die Anträge des Vertreters der Siegener Handelskammer, Macco, angenommen und beschlossen, den Rohstoff- tartf für Düngemittel unter Beibehaltung der bestehenden niedrigen Frachtsätze etnzuführen, ferner einen Ausnahmetaris für Puddelkohle, ä 1,05 Mk. pro Tonnenkilometer und 6 Mk. Abfertigungsgebühr nach dem Sieger Lande zuzugestehen. Zu bemerkm ist, daß bet LandeSeifenbahnrath schon früher die Ausdehnung des RohstofttartfS auf Kohlen beschlossen, das StaatSmtnisterium aber dem Beschlufle aus geldwirthschastlichen Gründen keine Folge gegeben hat. Kircblicbc Anzeige« de- Stadt «ietzen. Svaogelifche Gemeinde. Gottesdienst. 19. Sonntag nach Trinitatis, den 8. October: >Jn der Stadtkirche: Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Dingeldey. Nachmittags 2'/, Uhr: Pfarrverwalter Dr. Grern. Letzte Christenlehre für die Neuconfirmtrten aus der Markus- gemeinde. Kinderkirche Vormittags UVi Uhr: Pfarrer Schlosser. In der Friedhofscapelle: Vormittags 872 Uhr: Pfarrer Schlosser. Nachmittags 2'/» Uhr: Pfarrer Dingeldey. Letzte Christenlehre für die Neuconfirmitten aus der LucaS- gemetnde. Die feierliche Er öffnung de? Conftrmandenunterrichts der beiden künftig zur Stadtktrche gehörenden Gemeinden soll am Sonntag Nachmittag in der Stadtktrche erfolgen und zwar für die Marcusgemeinde um 4 Uhr, für die Matthäusgemeinde um 5 Uhr. Die Eltern oder Angehörigen der Confirmanden werden herzlich gebeten, ihre Kinder zu dieser Feier zu begleiten. Für die Confirmanden aus der JohanneSgemeinde soll der Confirmandenunterricht in nächster Woche beginnen- Die Knaben wollen sich am Donnerstag den 12. October, Nachmittags 3 Uhr im Gymnasium, die Mädchen am Freitag den 13. October, Nachmittags 3 Uhr, in der Stadtmädchenschule an der Westanlage einfinden. Der Constrmandenunterricht in der Lucasgemeinde beginnt für die Knaben am Donnerstag den 12. October, Nachmittags 8 Uhr, in dem Realgymnasium, für die Mädchen Freitag den 13. October, Nachmittags 8 Uhr, in der Stadtmädchen- schule. Etwa noch fehlende Anmeldungen müssen bis dahin nachgeholt werden- Kathslifche Gemeinde. Sonntag den 8. October, 20. Sonntag nach Pfingsten: Samstag: Nachmittags um 4‘/i Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenhett zur hl. Beichte. Sonntag: VormMagS von 6 Uhr an Gelegenhett zur hl. Beichte; um 6>/i Uhr erste hl. Messe; um 7/, Uhr Hochamt mtt Predigt; Abends um 5V, Uhr Christenlehre; darauf Rosenkranzandacht- Anmerkung: An den Wochentagen ist täglich Abends um 6Vi Uhr Rosenkranzandacht mtt Segen- Sottesdienst in der Synagoge. Samstag den 7. October: Vorabend 530 Uhr, Morgens 900 Uhr, Nachmittags 3” Uhr, f L Wj *• direkt au» der Fabrik olfo au» erster Hand v WlfllHlirrtttt* von Elten & Keussen, Crefeld, § OllUl UllUnl " jedem Maab zu beziehen Man verlangeZ Muster mit «naabe de» Gewünschten. — 57881 Angen. Geruch, liebl-Geschmack find die Vorz. d- HsN. B. Becker in eeeftit a. H- 10 Psd. lose im Beutel fco. 8 Mk. Witterungsaussichten Wetterhäuschen, Südanlage. bTOclöder^Mtll. 12 Uhr 6. October, Ntorg. v Uhr Regm- Barometer: Thermometer: „ +10°R. „ + 14®R. Regen. Hygrometerstand Mittlerer Barometerstand bd 0° R. = 744,7 nun. min 735 mm, max.737 mm nun. 738 mm, max. 738 mm - ---- +100B.,+121/, »R. Vinador A. Journal-Lesezirkel der 7766 sn Original- VerfcMnf L-% e-•/« e München) nachbezeichnete Mol ; aeaenstänbe öffentlich meistbietend steigert: nachstehende Lieferungen im Wege Äm Vermischte Anzeigen. 8224 in Afi/.'ÄhsA* Heinrich Wallach. Schlenke nhie/te 957 20 375 - 77 — ICO 30 Selim. 8aawihat-«ehn-Lct. Gottharb-B»hn«Lct. Schwerzer diordost.#B^ALt. Mainzer L.-B.^ltt. Marienburger L^V^Att. 91 < 8190 10 70 oer# 83 <4 54 — Accord J. Ricker’schen Buchhandlung. Eintritt jederzeit. Niheree durch Proepeete. D.tMM $0 äug nid)i wmdiz la.’abt der Qrunl 141.501 R8ntfll*y