Nr. 287 Drr Miciftt «scheint täglich, e*t Ausnahme de- MoMags. Dir Gießener ■m*tn dem Anzeiger »Gchmtlich dreimal d «gelegt. Erstes Blatt. Mittwoch den 6. December 1893 Gießener Anzeiger Kmeral-Mnzeiger. viecteljihriger A-anncmentsPraiS' 2 Mark 20 Psg. oö Bringerlohn. Durch die Post tupfe 2 »art 50 W Aedaction, LxpediNsr und Druckerei: rch.tßr.t« Mr.? Keroiprechrr 51. Zlintr- und Anzeigeblutt füv den Rveis Gieszen. | Gratisbeilage: Äießener Jamilienbkäiter. .....j.. __2___‘ Alle Annoncen-Uureaux des In» und Auslandes nehut«n Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen. BBMBMBMMeMMMM————W Amtlicher Theil. Gießen, den 4. December 1893. Betr.: Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Falle einer Mobil« machung. Die Großh. Kreis-Schulcommiffion Gießen an die Schulvorftände des Kreises. Sie wollen die Lehrer oder Schulverwalter einklassiger Schulen, welche militärpflichtig sind, darauf aufmerksam machen, daß Gesuche um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung innerhalb 8 Tagen bei uns einzureichen sind. Später einlaufende Gesuche können nicht berücksichtigt werden. In den Gesuchen ist anzugeben: 1) Civilstellung, 2) Bor» und Zunamen, 3) Militärcharge und Truppengattung, 4) Genaue Angabe des Truppentheils, Regiment, Compagnie :c., bei welchem Der Eintritt erfolgt ist, und Datum des letzteren. 5) Bezirk des Landwehrbataillons. Bei Lehrern oder Schulverwaltern, welche bereits früher bei uns reclamirt laben, bedarf es keiner Meldung. Abwesende Lehrer oder Schulverwalter, die als alleinstehende Lehrer zur Reclamation berechtigt sind, wollen Sie sofort benachrichtigen. _________________ v. Gagern.___________________ Bekanntmachung, betreffend Schafräude zu Hattenrod. Nachdem unter der Schafherde zu Hattenrod der Ausbruch der Schafräude festgestellt ist, haben wir die Sperre der betreffenden Herde verfügt. Demnach ist bis auf Weiteres die Ausführung von Schafen aus dec Gemarkung Hattenrod überhaupt nur zum Zwecke der sofortigen Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal besonders einzuholenden Er- laubniß zulässig. Gießen, den 4. December 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 2. December. Endlich hat der Reichstag einmal einen seiner ältesten „Ladenhüter", den Centrumsantrag auf Aufhebung des I e s u i t e n g e s e tz e s, aus seinem Vorrath herausgenommen und veräußert. Zwar erübrigt noch eine dritte Lesung des Antrages, dieselbe ist indessen natürlich bloß formeller Natur, sie wird an dem Ergebniffe der zweiten Lesung, der mit einer absoluten Mehrheit von 37 Stimmen erfolgten Annahme des CentrumsantrageS, schwerlich etwas mehr ändern, höchstens daß sich bei einer etwaigen Schlußabstimmung die Stimmen sür und wider noch verschieben könnten. Im Lager der Centrumspartei wie auch im Datican ttiumphirt man über diesen errungenen parlamentarischen Ersolg, eine Stimmung, die allerdings auch ganz erklärlich erscheint. Denn wenn es auch als ausgeschlossen gelten darf, , daß der Bundesrath dem Reichstagsbeschluffe über die Rückberufung der Jesuiten Folge leisten wird, so hat doch das Centrum durch den Verlauf und das einstweilige Resultat der Jesuitendebatte der Reichsregierung wieder einmal seine ausschlaggebende Stellung gezeigt und zweifellos wird die Cen- trumspartei diese ihre günstige Position bei den bevorstehenden weiteren größeren Actionen im Reichstage zur Geltung zu bringen wissen. — Die parlamentarischen Aussichten der neuen Handelsverträge haben mit der am vorigen Samstag erfolgten Annahme des spanischen Vertrages in der betreffenden Reichstagkcommission eine Festigung erfahren. Mit bedeutender Mehrheit, mit 15 gegen 6 Stimmen, hieß die Commission den genannten Vertrag gut und mit ungefähr derselben Mehrheit wird sie verrnuthlich auch den serbischen Vertrag genehmigen. Was den Verttag mit Rumänien anbelangt, so wird derselbe allerdings wohl nur gegen eine erheblichere Minderheit zur Annahme gelangen, da gegen denselben in der Generaldebatte die meisten Bedenken laut geworden sind. Freilich können aber die Verträge selbst dann noch nicht als absolut gesichert betrachtet werden, denn im Plenum vertheilen sich deren Gegner und Freunde etwas anders, als im Ausschüsse, auch fragt es sich, ob das Gentrum nicht schon bei der weiteren Erörterung der Handelsverträge die vielfach erwarteten Schwierigkeiten macht. Indessen herrscht irn Allgemeinen der Glaube vor, daß bie Handelsverträge auch im Plenum schließlich Genehmigung finden werden. — Für die Polen weht unter dem neuen Cours fort- I gesetzt ein recht günstiger Wind. Diese Thatsache zeigt sich erst neuerdings in der von keiner Seite bis jetzt bestrittenen Meldung, daß der polnische Sprachunterricht von nächste Ostern ab in den Volksschulen der Provinz Posen eingesührt werden soll. Dies wäre ein überaus wichtiges Zugeständniß an die Polen, nur die Gründe, welche die Regierung zu einem so großen Entgegenkommen gegenüber dem Polenthum bestimmen, liegen noch nicht klar zu Tage. Falls diese Con- cession aber eine nachträgliche Zahlung an die Polen für das Eintreten der polnischen Reichstagsfraction zu Gunsten der Militärvorlage und weiter am Ende auch zugleich eine Vorauszahlung in Hinblick auf die Handelsverträge sein sollte, so wäre eine solche freundliche Stellungnahme der Polen für wichtige Regierungsvorlagen entschieden zu theuer bezahlt. Das Zugeständniß des polnischen Sprachunterrichts würde eine Regierungsmaßnahme bedeuten, deren Kosten das Deutsch- thum in den gemischtsprachigen Ostprovinzen Preußens zu tragen hätte, und nachher wären die Wirkungen der noch unter dem Bismarck'schen Regime ergangenen Polengesetze mehr als paralysirt. — Wir entnehmen einer Handelszeitung: Die deutsch» rusfischeu Bertrags»Verhandlungen ruhen, wie die letzten durch die Presse gegangenen und ohne Widerspruch gebliebenen Nachrichten melden, zur Zett und zwar im Hinblick auf die Be- rathungen des Reichstages über die jetzt vorgelegten drei Handelsverträge- wenn diese, wird hinzugesügt, vom Reichstage nicht genehmigt würden, so seien weitere Verhandlungen mit Rußland völlig zwecklos. In diesen Nachrichten kommt der enge Zusammenhang, der zwischen der Entscheidung des Reichstags siber die drei Verträge und dem Verlauf der Verhandlungen mit Rußland thatsächlich besteht, ganz richtig zum Ausdruck. Auf agrarischer Seite hat man diesen Zusammenhang von vornherein erkannt und darnach seine Taktik eingerichtet: man dal sich gesagt, daß, wenn man jetzt nur die drei Verträge ober wenigstens den Vertrag mit Rumänien durch ein Votum des Reichstags vereiteln könne, von dem Abschluß eines Vertrages mit Rußland füglich gar nicht mehr die Rede sein könne, weil für denselben nimmermehr die Zustimmung des Reichstages zu haben sein werde. In gewerblichen Kreisen ist die besondere Bedeutung, welche unter diesem Gesichtspunkte die Entscheidung über die drei Verträge besitzt, wie es scheint, keineswegs in gleichem Maße gewürdigt worden- man hat sich gewissermaßen auf die gute Sache verlassen, denn die Verträge können der deutschen Landwirthschast keinen Nachtheil bringen und stellen der deutschen Exportindustrie manche Vortheile und Erleichkerungen in Aussicht. Aber damit ist es eben gegenüber dem entschlossenen und vereinten Ansturm der Agrarier gegen die Verträge nicht geihan, es gilt auch, der Mehrheit des Reichstags oder wenigstens allen nicht von vornherein schroff agrarischen Mitgliedern die Ueberzeugung zu verschaffen, daß die Annahme der Verträge im überwiegenden Interesse der deutschen Industrie liegt. An den berufenen Vertretern des deutschen Handels und der deutschen Industrie ist es, noch rechtzeitig warnend ihre Stimme zu erheben und den einseitig geltend gemachten agrarischen Interessen die gewichtigen Interessen der deutschen Gewerbethäiigkeit entgegenzustellen. Man darf sich nicht darauf verlassen, daß die Verträge doch wohl schließlich angenommen werden, den die Entscheidung ist ungewiß. Welche Handelskammer aber könnte vor ihren Wählern, vor allen Gewerbetreibenden ihres Bezirks die Verantwortung für ihre Unthätigkeit tragen, wenn diese noch ungewisse Entscheidung nun doch gegen die Handelsverträge ausfiele uns damit zugleich der Abschluß eines Vertrages mit Rußland vereitelt würde? Wie kurz auch die Zeit sein mag, sollte es darum keine Handelskammer, keine kaufmännische Corporation an sich fehlen lassen, um durch rechtzeitige Eingaben dem Reichstage klar zu machen, daß die Vereitelung der handelspolitischen Friedenspolitik der Reichsregierung der schwerste Schlag gegen die deutsche Gewerbthätigkeit sein würde. (Es ist uns bekannt, daß in diesem Sinne vor acht Tagen eine Eingabe von Seiten unserer Handelskammer abgegangen ist. Zustimmend der Stellungnahme unserer Reichsverwaltung, richtete dieselbe an den Reichstag das motivirte, dringende Ersuchen, im Interesse des gelammten deutschen Erwerbslebens für den Abschluß der vorliegenden Handelsverträge einzutreten. D. Red.) Deutscher Reichstag. 12. Sitzung. Montag den 4. December 1893. Novelle zum Unterstützungswohnsitzgesetz. Greis (Centrum) befürwortet, daß die von den Gemeinden unterstützten Personen in besonderen Anstalten beschäftigt werden. Brühne (Soc.) hält die Aenderung der Jnvalibitäts- und Unfallversicherung für richtiger, als die Vorlage; er wünfcht die Ausdehnung deS Gesetzes aus Bayern und Elsaß - Lothringen, welchem Wunsche Osann (nl.) sich anschließt. Staattzsecretär o. Bötticher erklärt, die Ausdehnung des Gesetzes auf Elsaß-Lothringen werde fich ermöglichen lassen, sobald in Elsaß-Lothringen die Veiwaltungsorganisation und die Steuerreform beendet seien. Bezüglich Bayerns komme ein Reservatrecht In Frage; man möge zunächst die zunehmende Wirksamkeit der socialistischen Gesetze abwarten. , _ Ho ll eufer (cons.) erklärt fich im Wesentlichen mit der Vorlage einverstanden. , „ Böcke! (Antis.) begrüßt in der Vorlage eine wesentliche Entlastung der ländlichen Gemeinden.! Gamp (ReichSp.) empfiehlt die Aufnahme einer Bestimmung, daß nach dem 60. Lebensjahre kein neuer Unterstützungswohnfitz erworben werden könne und die Altersgrenze für den Erwerb des Unterstützungswohnfitzes auf das 16. Lebensjahr herabgesetzt werde. Staatssecretär o. Bötticher spricht sich gegen die Einführung der obigen Altersgrenze aus. Es sei unmöglich zu bestimmen, wann die Erwerbsfähigkeit aushöre. Die Stadtgemeinden würden bestrebt fein, Leute, welche sich der oberen Lebensgrenze nähern, abzuschieben. Schröder (Frs. Vereinigung) und Marquardsen (natl.) halten eine Commtsstonsberathung der Vorlage für überflüssig. Win ter er (Elsässer) führt an, die Armenpflege in den ReichS- lanben erfülle ihren Zweck, die Einführung des Unterstützungswohnsitzgesetzes in den Reichslanden sei daher nicht angebracht. G ü l 11 i n 0 e n (Reichsp.) erklärt die Vorlage für die Süddeutschen unannehmbar. t , Nachdem Molkenbuhr (Soc.) die Lücken der Vorlage angeführt hatte, wird dieselbe einer Commission von 21 Mitgliedern überwiesen. , , Bei der Berathung ber Novelle zum Viehseuchengesetz theilt der Landwirthschastsminister v. Heyden mit, daß die Maul- und Klauenseuche im September ihren tiefften Stand gehabt hatte, aber im October in Oberschlesten und Ostpreußen etwas stärker ausgetreten sei, sodaß Gefahr vorhanden sei, daß in einzelnen Landes- theilen die Seuche sich verbreite. Der Minister wünscht, daß in die Commission für die Vorlage möglichst viele practische Landwttthe gewählt werden. Die Vorlage wird einer Commission überwiesen. Die auf der Tagesordnung stehenden Rechnungsfachen werden debattelos erledigt. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Tagesordnung: Stempel- steuergefetznovelle. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Bern, 4. December. Das Eidgenössische Finanzdeparte- ment beantragte beim Bundesrathe, die künftige Noten- monopolbank als eine Staatsbank zu organiftren. Glasgow, 4. December. Infolge ber Weigerung ber Grubenbesitzer, eine Lohnerhöhung zu bewilligen, drohen 1 7000 Bergleute, die Arbeit niederzulegen. . Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 4. December. Der Arbeitsplan des Reichstags ist bis zum Beginn der Weihnachtsferien fertig- gestellt. Die erste Lesung jedes einzelnen Steuergesetzes wirb mindestens drei Tage andauern. Das Stempelabgabengesetz ist auf die morgige Tagesordnung gesetzt. Am Freitag ist keine Sitzung. Am Samstag wird das Tabakfteuergesetz be» rathen und das Weinsteuergesetz. Am 16. December beginnen die Weihnachtsferien. Berlin, 4. December. Am heutigen Nachmittag hat der deutsche Tabakverein eine von 500 Personen besuchte Versammlung abgehalten gegen die projectirte Tabakfabrikatsteuer. Commerzienrath Schmidt - Dresden führte aus: Eigentlich habe man bei Einführung dieser Steuer ein Monopol im Auge gehabt, trotzdem das deutsche Volk 1882 erklärt habe, es wolle kein Monopol. Sodann bestritt Redner eine Rechnung, welche in einem Briefe Posadowskys an den deutschen Tabakarbeitercongreß enthalten gewesen. Die Behauptung, daß der Consum um 33f/8 pCt. abnehmen werde, stimme absolut nicht. Mayer-Mannheim bezeichnete die Con- trole als unzureichend. Auch liege die Gefahr einer Cor- ruption bei den Fabrikanten und Steuerbeamten vor. Dem möge der Reichstag vorbeugen. Die Resolution, welche angenommen wurde, verwirft auf das Entschiedenste die Tabaksteuer und erwartet vom Reichstage, er werde der Gesetzesvorlage seine Zustimmung versagen. Berlin, 4. December. Wie verlautet, hat der Kaiser angeordnet, die in den Spielerprozeß verwickelten Offiziere je nach Betheiligung zur gerichtlichen, bezw. ehrengerichtlichen Untersuchung heranzuziehen. Berlin, 4. December. Ein Gesetzentwurf, betreffend he Abänderung des Strafprozeßverfahrens, liegt gegenwärtig dem Staatsministerium zur Beschlußfassung vor. Rom, 4. December. Die Ministerkrisis darf als beendet angesehen werden. Die Zusammensetzung des Ministeriums ist folgende: Finanzen: Boselli, öffentliche Arbeiten: Fortts, Handel: Coccortu, Reichspost: Diblasio, Aeußeres: Baratieri, der bisherige Gouverneur von Massaua, Krieg : San Marzano, Marine: Racchia, Justiz: Jnghilleri. Gotheuburg, 4. December. Die Influenza tritt 'hier sehr heftig auf. In der letzten Woche kamen 332 Erkrankungen vor. ■ --- =- ■ ---- Cocolts nnb pröt>itt3iene». Hießen, den 5. Tecember 1893. ♦* Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberhefieu vom 4. Tecember 1893. Unter Vorsitz des Großherzoglichen Landgerichtsraths Dr. Möbius wurden heute die Schwurgerichtssitzungen für daS IV. Quartal eröffnet. Zur Verhandlung kam die Strafsache gegen den Wagner Adam Ro hn von Hainbach wegen Todtschlagsversuchs und Bedrohung. Die Anklage vertrat der Großherzogliche Staatsanwalt Schilling-Trygophorus, vertheidigt wurde der Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Dr. Fuhr. Als Geschworene fungirren die Herren Georg Straub II., Heinrich Birkenstock III., Ferdinand Pröscher, Ludwig Kattrein, Heinrich Conrad Schneider, Heinrich Rühl, Jacob Schimpf, Friedrich Fendt, Heinrich Leihmann, Heinrich Conrad Schäfer, Carl Wilhelm Rowack und Ludwig Petri II. — Der Wagner Adam Rohn von Hainbach steht unter der Anklage, daß er am 14. September 1893 zu Hainbach den Entschluß, seine Ehefrau zu tödten, durch vorsätzliche Handlungen, welche einen Anfang der Ausführung des Verbrechens des Todtschlags enthalten, bethätigt habe und daß er ferner den Johannes Siehr von Hambach mit der Begehung eines Verbrechens der Tödrung bedroht habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Adam Rohn lebte mit seiner Ehefrau Katharina, mit der er seit 1873 verheirathet ist, schon längere Zeit in Unfrieden. Am 14. September I. I. half Rohn dem Johannes Siehr von Hainbach mähen, schon früh am Morgen und während des Vormittags wurden von Ersterem nicht unerhebliche Quantitäten Branntwein getrunken, die demselben, wenn er auch sonst viel vertragen konnte, in den Kops gestiegen waren. Um 1 Uhr kam er so angetrunken nach Hause, daß er kaum stehen konnte. Ehe er noch das HauS betrat, schimpfte er über seine Frau, fiel dann zu Boden und schlief ein. Nach etwa einer Stunde wurde er wach, lies in dem Hofe herum, schimpfte aus seine Frau und seinen ältesten Jungen, legte sich aber schließlich in die Kammer und schlles wieder ein. Die Ehefrau Rohn kam Abends nach Hause, öffnete die verschlossene Hausthüre und wollte sich in den oberen Stock begeben. Auf der Treppe fiel sie auf den dort liegenden Angeklagten, dieser sprang auf und wollte sie erfassen. Die Frau sprang jedoch in den Hof, die Kinder ihr nach und von dem Hofe aus gab sie ihrem Manne gute Worte, sie doch einzulassen. Als ihr dies verweigert wurde, begab sie sich zum Bürgermeister, traf diesen nicht an und ging dann in Begleitung des Johannes Wagner wieder zurück. Man fand die Hausthüre verschlossen. Wagner versuchte den Rohn durch gute Worte zum Oeffnen der Thüre zu bereden, allein er wurde in grober Weise abgefertigt. Schließlich gelang es endlich der Frau Rohn, mit den Kindern durch die Stallthüre in das Haus zu kommen. Als sie In das Zimmer kam, sah sie, daß die beiden dort stehenden Betten zerschlagen waren. In ihrer Aufregung hierüber rief sie dies dem Johannes Wagner aus dem Fenster heraus zu, sie schimpfte hierbei auf ihren Mann, der dies seinerseits erwiderte und seine Frau mit Kindern zur Hausthüre heraus in den Hof drängte. Die Frau lief unter fortgesetztem Schimpfen in den Hof hinaus, warf ein- oder zweimal gegen die Hausthüre, ging dann ein Stückchen gegen das Haus hin, um nach den Kindern zu sehen und wie sie eben von einem aus dem Nachbarhause heraussallenden Lichtschein beleuchtet wurde, krachte ein Flintenschuß und sie merkte sofort, daß sie getroffen war. Rohn hatte von der Hausthüre aus den Schuß auf sie abgegeben und erheblich verletzt. Nach der Thal schloß er sich wieder in seine Kammer ein, die Verletzte schleppte sich in ein Nachbarhaus, in dem sie die Nacht zubrachte, auch von dem alsbald gerufenen Arzte untersucht und verbunden wurde. Die Schrotkörner stecken heute noch in dem Körper der Verletzten, ungefähr zehn Stück in dem linken Bein, eines in dem linken Oberarm. Nachdem Rohn nach der Thal auf Anordnung des Großherzoglichen Bürgermeisters festgenommen worden war, wurde er in das Wacht- local verbracht. In demselben äußerte er zu Johannes Siehr: Wenn ich wieder frei bin und mein Gewehr kriege, dann mache ich dich kalt und schieße dir eine Kugel vor den Kopf. Rohn gab zu, den verhängnißvollen Schuß abgegeben zu haben, stellte indeffen in Abrede, daß er die Absicht gehabt habe, seine Frau zu tödten, er habe sie vielmehr nur erschrecken wollen. Nachdem die Geschworenen (Obmann: Herr Stadtverordneter Ludwig Petri II.) die ihnen vorgelegten, aus TodtschlagSversuch und Bedrohung gerichteten Schuldsragen bejadt, dem Angeklagten auch mildernde Umstände bezüglich des Todtschlagsversuchs bewilligt hatten, erfolgte dessen Ver- urtheilung in eine Gesammtgefängnißstrafe von einem Jahre sechs Monaten und zwei Wochen nebst Kosten. Ferner wurden dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre aberkannt, auch die Einziehung des Gewehrs und der Munition angeordnet. Z. Neues Theater. Gestern Abend überraschte uns die Direction mit einer Novität: „Barfüßige Fräulein", Lustspiel in 4 Acten von Julius Rosen. Der Stoff, den der Dichter hierin bearbeitet hat, ist den aristokratischen Kreisen entnommen und zwar besonders denjenigen, welche zwar den altadlichen Namen besitzen, ohne jedoch die Mittel zu haben, demselben den nöthigen Klang zu verschaffen. Zwei Familien sind eS, beide mit einander verwandt, an welchen der Dichter mit seiner Beobachtung die Verschiedenheit zeigt, wie sie sich in ihre Lage finden. Die Kinder dcS Herrn v. Plauen arbeiten, Helene gicbt Clavierftunden, Margarethe ist Tele- graphistin, Heinrich fand eine Stellung im Bankhause deS Herrn v. Mühlenau und die Haushaltung fährt die alte Tante, Sophie v. Bärenklau. Die andere Familie, die v. Bolzhausen dagegen arbeiten nichts, da daS ja den adlichen Namen schändet, dagegen schreiben sie Bettelbriefe, nagen am Hungertuche und gehen auf den Männerfang auS. So steht es, als eines TageS ein entfernter junger Verwandter beider Familien, der reiche Frhr. v. Bärenklau, ankommt und sich in Helene sofort sterblich verliebt. Diese jedoch, welche früher, als sie ihr Vermögen verlor, von ihrem Bräutigam, Graf Ebenthal, deshalb feige verlaffen worden war, verlobt sich, um ihrem Bruder die Braut vor jenem Treulosen zu retten und um ihrer Schwester, die sich einem Post- secrttär versprochen, das Heirathen zu ermöglichen, mit dem alten, würdigen Bankier v. Mühlenau, der ehrlich um sie geworben. Frhr. d. Bärenklau ist außer sich, er deponirt bei Mühlenau 100,000 Mark mir der Angabe, sie seien der Familie v. Plauen von dem verschollenen Gliede derselben übersandt, Alles hilft nichts, Helene glaubt, Mühlenau habe das Geld hinterlegt und hält sich chrn um so mehr oerpffichtet, obwohl auch ihr die Heirath ein schweres Opfer kostet. Da naht Rettung in der alten Tante, sie weiß Mühlenau zu bewegen, die Verlobung zu lösen und sie, um die er in der Jugend vergeblich geworben, als Stütze seines Alters zu nehmen. Helene heirarhet den Frhrn. von Bärenklau, Margarethe ihren Postsecretär, Heinrich Mühlenaus Tochter, Alles wird gut, nur die Bolzhausens ziehen mit langen Gesichtern ab. — Die Bearbeitung des Stoffes ist frisch, wirkungsvoll, die Komik sein, natürlich und ungesucht, die Charactere bis auf einzelne weniger hervortretende schön gezeichnet und wahr. Die Wiedergabe des Stückes war recht gut, besonders die Glieder der Familie v. Plauen leisteten Tüchtiges: Fräulein Wehn (Sophie), Herr Rasch ig (Heinrich), Frl. Leland (Helene) und Frau Reiners (Margarethe)- Herr Niemeyer (Mühlenau), sowie Frl. Grohman n (dessen Tochter) ließen ebenfalls nichts zu wünschen. Auch Herr Reiff als Frhr. v. Bärenklau und Herr Stückel (Postsecretär) zeigten sich auf der Höhe ihrer Aufgabe. Schade war es, daß das Haus so schlecht besetzt war, wir glauben, daß eS nur dieser Zeilen bedarf, um dem Publikum bei einer Wiederholung des Stückes den Besuch desselben angelegentlich zu empfehlen. ** Berichtigung. In dem Inserat des Gastwirthe- V er eins in gestriger Nr. 286, betr. Todesanzeige des Herrn Gühlholtz, muß es bei „Zusammenkunft" statt College „Schuch" heißen College „Schnell", Brandgasse. ** Die Universitätskliniken. Nach einer Mittheilung der „Voss. Ztg." hat die Staatsregierung die Absicht, die preuß. Universitätsstädte zu den Kosten der Universitätspolikliniken heranzuziehen. Es soll das angeblich in der Weste geplant sein, daß der Staat die Gehälter für die Aerzte und sonstigen Angestellten zahlt, daß hingegen die Ausgaben für Localmietbe, Heizung, Verbandmittel und Anderes dieser Art von der Stadt aufgebracht werden. ** Seit dem 29. oder 30. October l. I. wird die 14jährige Susanne Haub von Nieder-Weisel vermißt. Die Vermuthung liegt nahe, daß das Mädchen ihrer Tante, einer Frau Meisen, geb. Haub, die am 29. October von einem Besuche in Nieder-Weisel nach Amerika zurückreiste, gefolgt ist. Die hiesige Saatsanwaltschaft verfolgt die Spur der Verschwundenen. Darmst. Ztg. ** 3000 Mark Belohnung. Die Reichsschuldenverwaltung erläßt folgende Bekanntmachung: „In neuerer Zeit sind falsche Reichskassenscheine zu fünfzig Mark zum Vorschein gekommen und angehalten worden. Wir sichern Demjenigen, welcher einen Verfertiger oder wissentlichen Verbreiter solcher Falschstücke zuerst ermittelt und der Polizeioder Gerichtsbehörde dergestalt nachweist, daß der Verbrecher zur Untersuchung und Strafe gezogen werden kann, eine nach den Umständen von uns zu bemessende Belohnung bis zu 3000 Mark zu. KirchgönS, 2. December. In tiefe Trauer wurden heute die Bewohner unseres Dorfes durch das Hin scheiden deS Ortsgeistlichen.Herrn Kirchenrath Ritsert versetzt, den vor Kurzem ein Schlaganfall betroffen hatte. Es ist dies für uns ein um so herberer Verlust, als wir in diesem Jahre auch den Hintritt unseres vielgeliebten Lehrers Rahn zu beklagen hatten. Beide feierten im Jahre 1888 ihr fünfzig- jähriges Dienstjubiläum und in einem und demselben Jahre wurden sie zur Ewigkeit abgerufen. Herr Kirchenrath Ritsert war ein geborener Darmstädter, er entstammte der bekannten Familie Ritsert, die unserem engeren Vaterland viele Lehrer, Geistliche und andere Beamte gegeben hat. Nach seiner Studienzeit war er eine Zeitlang als Lehrer in Darmstadt thätig, dann Pfarroicar in Eschollbrücken, später Hoscaplan in Gedern, Pfarrer in Pohl-Göns und zuletzt solcher in hiesiger Gemeinde. Die hiesige AmtSthätigkeit währte genau 25 Jahre; noch vor wenigen Tagen bereitete man ihm aus Anlaß seines 25jährigen Hierseins eine schöne locale Feier. Noch am vorigen Sonntag (Todtenfest) war Herr Kirchenrath Ritsert amtlich thätig und gedachte warm der Verstorbenen vom verflossenen Jahre. Nun ist er selbst ihnen gefolgt. Er ruhe in Frieden! Worms, 2. December. Gestern Abend verschied nach längerem Leiden der Großh. Obersteuermspector Steuerrath Freiherr Gedult v. Jungenfeld, ein allseits beliebter Beamter, der im geschäftlichen Verkehr von der gesammten Kaufmannschaft hochgeschätzt war. A Mainz, 4. December. Bei einer gestern hier statt- gehabten zahlreich besuchten LandeSconferenz der hessischen Socialdemokraten wurde auf Antrag deS Abgeordneten Ullrich-Offenbach eine Resolution angenommen, welche sich gegen eine offizielle Betheiligung bet Bürgermeister- und Beigeordnetenwahlen ausspricht, so lange daS Bestätigungsrecht der Regierung besteht. Dagegen soll energisch bei Gemeinde- rathSsitzungen eingetreten, jedoch nur vollständig überzeugte Socialdemokraten gewählt werden. — Ein zu dem 88. Inf- Regiment commandirter Zahlmetsterafpirant hat mit einem größeren Baarbetrag, den er am verfloßenen Freitag für seinen Zahlmeister bei der RctchSbank erhöhen hatte, d a S Weite gesucht. Der Flüchtige wurde noch in Kastel in ver- | fchiedenen Wirtschaften beim Verausgaben größerer Beträge | gesehen, dann nahm sich derselbe in Gegenwart verschiedener ■ Bekannten ein Eisenbahnbillet nach Frankfurt, welches er aber, wle inzwischen festgestellt wurde, nicht benutzte, sondern wahrscheinlich nur um deswillen gelöst hat, um die Spur von seiner Flucht abzulenken. Gemäß bestehender Bestimmung muß der Zahlmeister des angegebenen Regiments für den von dem Aspiranten unterschlagenen Betrag aufkommen. Vermischtes. Hamburg, 2. December. Heute Vormittag haben sich die Schwestern Adele und Emma Louis, eng umschlungen haltend, aus dem Fenster ihrer in der dritten Etage belegenen Wohnung auf die Straße hinuntergestürzt. Die Erstere war sofort tobt, die andere ist lebensgefährlich verletzt. Die Gründe der That sind nicht bekannt. * Rappoltsweiler, 2. December. Der vielfach noch herrschende Aberglaube wurde für eine wohlhabende Fran eines Nachbarortes sehr verhängnißvoll. Diese Frau hätte gern gewußt, wie alt sie- werden würde, und hatte gehört, daß dies vom Kuckuck im Tannenwalde zu erfahren sei. ES wurde ibr gesagt, sie müsse diesen Vogel nur laut anrufen, und so viel Jahre hätte sie noch zu leben, alS der Bogel mit seinem Rus antworten würde. Die Frau ging in den Wald und wurde durch einen Spaßvogel mit fünf Kuckuckrufen beschieden. Die abergläubische Frau, die nicht wußte, daß der Kuckuck ein Wandervogel und deshalb in dieser Jahreszeit gor nicht mehr bei uns ist, erkältete sich auf dem Wege, machte sich aber nichts daraus, weil sie nur auf noch fünf Jahre Lebensfrist rechnete. Die Aermfte bekam Fieber, berrocigerte aber alle ärztliche Hülfe, und im TodeSkampfe noch hob sie fWU Kinger in dix Höhe, um zu zeigen, daß sie noch fo lange leben müßte. Die Äermste büßte ihren Gang in den Wald mit dem Tode. • Ratibor, 4. December. Das Schwurgericht hat am Samstag Abend den Bauernsohn Franz Dominik wegen Er- rnordung seiner Geliebten zum Tode verunheilt. Heute früh wurde Dominik in der Zelle erhängt aufgesunden. * Zehn Jahre lebendig begraben. Einem furchtbaren Verbrechen ist man in Nußbach, unweit Wien, auf die Spur gekommen. Der wohlhabende Besitzer des abgelegenen sogenannten RußbachhoseS, Bauer Johann E'Sl, hatte einen Sohn, der vor zehn Jahren zur Aushebung gekommen und feit dieser Zeit spurlos verschwunden war. Der Bursche war beschränkt und man glaubte deshalb, er fet irgendwo verunglückt. Der Gendarmerie - Wachtmeister Weidinger ter Gendarmerie-Station St. Wolfgang hegte jedoch einen anderen Verdacht, er kannte das Ehepaar EiSl als stolze und ziemlich hochfahrende Leute und muthmaßte, daß sie, sich deS halb- blöden SohneS schämend, denselben auS dem Wege geräumt hätten. Unlängst begab sich der Beamte deshalb nach dem Rußbachhof, um dort energisch zu fordern, ihm den Franz, wie der Name deS Burschen ist, zu zeigen. Die Bauersleute sträubten sich Anfangs mit aller Macht gegen die Zumuthung, den Sohn lebendig begraben zu halten, als aber der Wachtmeister nicht nackgab und mit der Vornahme einer Hausdurchsuchung drohte, führte man ihn zu einem nahezu vollkommen finsteren Gemache, dessen Thür fest verschlossen war. AIS sich der Wachtmeister öffnen ließ, bot sich ihm ein geradezu schauererregender Anblick dar: Der nun 30jährige Franz, vor zehn Jahren ein gesunder, kräftiger Jüngling, kroch, alS das Licht deS TageS nach zehn Jahren zum ersten Male in feinen Kerker fiel, auf allen Vieren heran und richtete sich mühsam empor. Der Unglückliche war ganz verwildert, ein struppiger schwarzer Bart reichte ihm bis zu den Füßen, Finger- und Fußnägel waren mehrere (Zentimeter lang und ganz eingerollt, oer Körper von Ungeziefer uni Unratb filier und über bedeckt. Als Franz aufstehen wollte, fiel er wieder zu Boden. Die Verkrümmung seiner Gliedmaßen ist eine Folge des jahrelangen Aufenthaltes in dem schweinestall- ähnlichen Kerker. Das Gelaß war 2 Meter hoch, 5,75 Meter lang und 3 Meter breit, kalt und völlig dunkel. DaS elende Bett bestand auS einer 1,40 Meter langen Kiste mit Stroh, daS fürchterlich unrein und gänzlich durchfault war, daneben stand ein großer Unrathkübel, dessen Inhalt mit Schimmel und Pilzen bedeckt war. Wenn der Unglückliche vor Hunger schrie, wurde er durch eine kleine Lücke aus der Küche mit Brod gefüttert und ihm durch dasselbe Loch Wasser gereicht. Davon lebte er zehn Jahre lang. Ja, der Unglückliche war bei Bewußtsein, alS man ihn fand. Wachtmeister Weidinger sprach ihn an und fragte: „Kennst Du mich?" — „A ja,* entgegnete Franz, „a Gendarm." — „Wie geht'S Dir denn?" — „Nu, d'Knia tfjuan m’r sakrisch weh', daS Beste ist daß's Maul no so guat iS!" Dann blieb daS Weitere, das er sprach, unverständlich. In Rußbach fand sich sofort eine gerichtliche Commission ein. Die Herren waren über ihre Erhebungen ebenso empört, als erschüttert. ES stellte sich nämlich heraus, daß der ganze Hof und mehrere Ein- wohner von Rußbach von der Unthat deS Ehepaares EiSl Kenntniß gehabt hatten und daran gar nichts Anstößiges fanden. Handelte es sich doch nur um einen Trottel' Die Verhandlung gegen die unmenschlichen Eltern wird bereit# demnächst vor dem competenten Gerichte stattfinden. * Sin seltsamer Fall von Vergiftung hat sich kürzlich in Spandau zugetragen. In der Behausung eine# Restaurateurs , wo sich Ungeziefer zeigte, hatte man vor einem halben Jahre Schweinfurter Grün in die Betten gestreut. Plötzlich erkrankte die in der Wirtbschast beschäftigte jugenb liche Tochter unter den Anzeichen einer Vergiftung Der Arzt stellte fest, daß Etnathmen von Schweinfurter Grün beim Ordnen der Betten die Ursache fei. ♦ Von einem seltenen UnglnckSsall wird aus Sibblingen bei Schaffhausen berichtet. Ein Landwirtb kam mit seinem Halstuch, daS er nach der auf dem Land Üblichen Weife um den Hals geschlungen hatte, dem Triebwerk einer Futter- schneidmaschine zu nahe. DaS Halstuch wurde erfaßt und- der Mann buchstäblich erwürgt. | pT. W». v : er. W ' itraut Dt. o d v. Lim # Dem 9 len W» & ibeT * «Ml 81’ jSnbtuoS«" j •fr"'” & St hofft, Jfl<* L . yvrvbt «cr.lt wegen- IW ü* I, bexen 1£ "perfdw - ttn üb. iM. 3.7- 3tt ium nstm vs ttutiltn oidtn jtft.n Mall mttn bit Ätfin iuitTorbnillii l xfNn bramati'i j ’M; lern Ä«'” ™< M°a« .KM 8^1 bei- Kktt' SB"’" k -""',1 B» ntbt «l’h )« Bursche war I irgendwo ver- Weidinger btt ch einen anbnen :je unb ziemlich N bes HA i Wege geräumt fshalb nach bta ihm den Fraif Die Saunfit c die Zumuthnno, ckn btx Wacht- mn tzMnrch- chezu vollkowM offen war. tu hm ein gnädig Wche Frmz, ling, kroch, alS ersten Male in iinb richtete sich vnMtxx, m btn Men, timtttx lang urf unS Unrats um te, fiel er wiedn »maßen ist eine em ichwemestall' hoch, 5,16®litt inkel. DaS elende Kiste mit Streb, itt war, banebcn ,tt mit Schimm bliche vor H,r uö der «** ♦ Dem 91 jährigen Rentier Schreiber i» Eberswalde I ist bei den dortigen Stadtverordnetenwahlen aufs Neue ein 1 Mandat übertragen worden. Der alte Herr, der sich stets wir großer geistiger Frische und Regsamkeit an den Verhandlungen betheiligt hat, ist sogar in verschiedenen Commissionen thätig, vor Allem aber in der Forstcommission. Als deren Mitglied durchstreift er bei Holzabnahmen den Wald. Er hofft, nach sechs Jahren, wieder candidiren zu können. * Nürnberg, 4. December. Der Bauer Konrad Eisenmeier von Haag wurde vom mittelsränkischen Schwur gericht wegen Mords und Mordversuchs zum Tode und zehn Jahren Zuchthaus verurtheilt. Er hatte seine Schwägerin, die Frau des Schmiedes Bickel von Berolzheim, erschossen und deren Mann lebensgefährlich verletzt. Derfrier, Land- nnd VoUrwirthschast. Stetzea, 5. December. Marktbericht. Aut Dem heurigen Vychemnarkl kostete: Butter pr. Pfd. X 1,00-1,10, Hühnereis per Stück 7-8 4, 2 Stück - 4, Äfifc pr. St. 5-8 4, Xtiematii pr. St» 8 4, Erbsen nr. Utter 18 4, Linien vr. Liter 30 4, Dauben pr Daat X 0,60—0,70, Hühner pr. Stück x 1,00—1,10, Hahnen pr. 6t x 0,70-1,00, Enten pr. St X 1 60 bis 2.00, Ockseusteflcb pr. Pfd 62—68 4. Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 50—56 4, Schweine, fleisch pr. Pfd. 60—70 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 50—56 4, 4jonimei‘ fleisch pr. Pfd. 40-60 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 3,50-4,00 X, Otißkran! or. Stück 4 -10 4, Zwiebeln pr. ttentner 7,00— 8,00 X R>«ch m. Liter 16 20 4, Gänse pr. Pfd. 46-54 4 Literatur und 2Lunst. ' — Ernst EliaS Niebergall, Dramatische Werke. Herausgegeben von Georg Fuchs. 8°. 342 S. drosch. Mk. 2.20, geb. Mk. 3.—. Es sind die Werke eines genialen Humoristen, welche wir zum ersten Male in sorgfältig bearbeiteter, eleganter Ausgabe dem deutschen Publikum oorlegen. Diese Lustspiele sind schon seit vielen Jahrzehnten ein Hausschatz in der Heimath des Dichters und werden überall da Entzückcn und Fiöhlickkeit verbreiten, wo echter, unerschöpflicher Humor gesucht wird, zumal in Folge zahlreicher Fußnoten die Lcclüre dieser in Darmstädter Mundart verfaßten Comödien außerordentlich bequem ist. Beide Stücke gehören zweifellos zu den besten dramatischen Erzeugnissen der nachgoethe'schen Literaturepoche. „Der tolle Hund oder des Burschen Heimkehr" ist ein Meisterwerk aus dem an Komik so überreichen Klembürgermilieu der „guten' alten Zeit", der „Dalterich" eine Tragicomödie von so genialem Humor, so tiefer, sicherer Schöpferkraft und Erfassung der menschlichen Seele, von so intensiver Stimmungsgewalt des Milieus und so starker Realistik, daß es aus dem poetischen Kreise seiner Zett wie ein Wunder hervortrttt. Ferner bietet diese Ausgabe zum ersten Male eine cultur- und literarhistorisch hochinteressante Biographie des Dichters, die, bei dem seltsamen Schicksal Niebergalls, fast einem Romane gleicht. Der Anhang ist ein kleine« Curiositäten- cabinet: voller Schnurren und Anecdoten, ohne dabei die Fülle ccklturhtstortschen und sprachlichen Materials, welchcs in den Werken Niebergalls zu finden ist, zu vernachlässigen; im Gegentbetl, für den Dialecttorscher ist diese Ausgabe hochbedeutsam. — Das Buch ist genug dazu avgethan, nicht nur in den Kreisen literarischer Feinschmecker, sondern in jeder gebildeten Familie als stets erfreuender Liebling Eingang zu finden. — Neues Universal-Lexikou der HauS« und Heilmittel. Pracltsches und zuverlässiges Hand- und Rachfchlaaebuch für alle Angelegenheiten des Hauses uud der Familie und für alle Bedürfnisse des Hauswesens. Unter Mitwirkung vieler practischer Hausfrauen in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz herauSgegeben von Eugenie Abegg und Dr. Hermann Alder. 442 Seiten groß Octao. Broschirt Mk. 3.57. Elegant gebunden Mk. 4 50. Schwabacher 's che Verlagsbuchhandlung in Stuttgart. Von den vielen Tausend nützlichen Rathfchlägen, welche in diesem selten practischen Buche enthalten sind, kann jeder einzelne den bestheidepen Kostenpreis vielfach einbringen. Dasselbe ist ein wahrer Schatz für jedes Hauswesen. Möge das wahrhaft nützliche, elegant zu Geschenken ausqestattete Werk bei allen Haushaltungen eine günstige Aufnahme finden! ____________ — Prämiirt auf der Weltausstellung in Chicago wurde die bekannte illuftrirte Zeiteckrist »Moderne Kunst-' (Berlin W. 57, Verlag von. Rich. Bong), deren unübertroffene Leistungen auf dem Gebiete künstlecischer Reproductionen allseitig bekannt sind. Das soeben eischienene letzte Heft der „Modernen Kunst" legt wiederum Zeugnitz ab von der glänzenden Technik des Holzschnittes der Rich. Bong'fchen Anstalt. Drei große Darstellungen der Wandgemälde Hermann Prells im Rathhause zu Hildesheim schmücken u. A. diese Hermann-Prell Nummer. die sich den früheren Künstler Nummern der „Modernen Kunst" würdig zur Seite stellt. Auch der farbige Umschlag nach einer Eomposition Prells und die farbigen Skizzen des Meisters werden großen Beifall finden. Das nächste Heft der „Modernen Kunst" ist die diesjährige Weihnachts-Nummer, die aufs glanzvollste ausgestattet wird. Den Abonnenten wird die Weihnackts- Nummer znm Vorzugspreise von Mk. 1 geliefert, der Einzelpreis beträgt Mk. 3. ____________ — DaS Lexikon der Schönheitspflege. Neues Universal- buck für Damen und Herren zur Erzielung und Förderung, Pflege und Erhaltung der körperlichen Schönbeit. Von Curt Adelfels. Preis drosch. Mk. 3.60, eleg. geb. Mk. 450. Sckwabacher'iche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart. Als vornehmes Geschenkweik gediegensten Inhalts, als ein Schah"für Hau« und Familie kann dies Werk daher allgemein willkommen geheißen werden. — WaS schulde« tt>ir unseren Kindern? Allgemeines deutsches Erziehungs-Lexikon für das Haus Bon Ur. Hermann Abegg. Vollständig in 12 H-sten A 50 Pf. Schwabacher scke Verlagsbuckbandlung in Stuttgart. IXirctzlictze Anzeigen -erevang. Gemeinde. Mittwoch den 6. December, Abends 8 Uhr: Andacht mit Adventsbetrachtung im Confirmandensaal der Johanneskirche. Pfarrer Dingeldey. J Briefkasten. Lefer in Einartshausen. Sie haben zwar vollkommen Recht, trotzdem müssen wir Ihr Eingesandt adlehnen; das Gebahren der von Ihnen gezeichneten Leute' richtet sich von selbst.___ Der (9efammtauflagc unseres heutigen Blattes liegt ein Troipect ber Actien-Brnuerei Giessen betreffend Bericht des Chemischen UniersnchnngSamies zu Darmstadt über am 9. j. W. entnommene Bierproben bei. — Wie aus dem demselben beigefügteir Gutachten hervorgeht, lassen d.e B.ere sowohl an Geschmack, wi auch an Qualität nichts zu wnnschen übrig. Diese gunfhgen Wehil täte verdankt die Brauerei nicht zum mindesten ihrer ganz auf der Höhe der Zeit stehenden vorzüglichen Brauerei-Einnchtung, die es ihr ermoalickt. jederzeit gleichmäßig gute Biere zu brauen. Fernsprechenschlus« Nr. 51. mit Trauerrand nebst dazu passenden mässigen Preisen Schlitten, eins und zweispännige, zu verkaufen. [10037 S. Lindenstruth, Wagnermeister. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Holzheim für 1894/95 liegt vom 7. d. M. an acht Tage lang zur Einsicht der Jntereffenten auf 10028 dem Bürgermeisterei-Bureau dahier offen. Holzheim, den 5. December 1893. Großherzogliche Bürgermeisterei Holzheim. Klotz. Versteigerung. Engros-Verkäufer: Türk & Pabst, Frankfurt a. M. Freitag den 8. ds. Mts., Vormittags von 9’/a Uhr an, sollen in der Behausung der Heinrich Becker vierter Cheleuten zu Alten-Bufeck: Heu, Grummet, Stroh aller Art, sowie Korn, Weizen, Gerste, Hafer, Dickwurz, Kartoffeln, zwanzig Topf mit Honig, zwei Wagen, zwei Pflüge, Egge, sonstige Hausund Küchengeräthschaften und mehrere vollständige Betten erboertheilungS- halber meistbietend gegen Baarzahlung versteigert werden. Alien-Buseck, 4. December 1893. Großh. Ortsgericht Alten-Buseck. Krämer. 10038 Versteigerung Dienstag de« 12. d. M., Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Pfandlocal gegen Baarzahlung: 1 Sopha, 1 Commode, 1 Kleiderschrank, 1 Kückenschrank, 1 Spiegel. Gießen, den 5. December 1893. 10032 Mulch, Pfandmeister. Keilgeliotenes. In Folge eines Gelegenheitskaufs verkaufe ich eine größere Parthie bester gekleideter und ungekleideter fitllung 55 «- u § SS n -e K rPt rs ♦ Puppen ♦ zu staunend billigen Preisen. Adolf Baer, _______Marktplatz S. 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