1893 Sonntag den 6. August Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren. Gratisbeilage: Gießener Kamitienökätter. SU. Amtlicher Theil 6801 5. eiern Wege urN henvorstattd. „ 10 «** Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinmden Nummer bis Borm. 10 Uhr. h des eis Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, ■rtt Ausnahme des MontagS Die Gießener MnMikienbtälter »erden dem Anzeiger >.»4chenUich dreimal beigelegt. arzt seinen Sitz hat, mit von letzterem ausgestellten Scheinen versehen sein. Die GesnndheitSscheiue für Schafe und Schweine in Treib- heerdeu können nur von einem dazu ermächtigten Thierarzte ausgestellt werden. Die Gesundheitsscheine müssen enthalten: Ort und Datum der Ausstellung. Namen des Besitzers der zu transportirenden Thiere, jedes mitzuführende Stück Rindvieh nach Geschlecht, Alter, Farbe und Abzeichen, die Zahl der mitzuführenden Schweine und Ziegen. Die Scheine sind 5 Tage gültig. Die über das angetriebene Vieh beigebrachten Gesundheitsscheine werden revidirt, jedoch den Besitzern alsbald wieder zugestellt werden. Der Schein muß nur dann erneuert werden, wenn die betreffenden Thiere in anderen Besitz übergehen, oder wenn die Gültigkeitsdauer des Scheins an dem Markttage erlischt. 3. Laudwirthe und Metzger bedürfen, sofern sie nicht ebenfalls mit Lieh Handel treiben, der Gesuudheitsscheiue im All- Von unseren Matzen und Gewichten. (Nachdruck verboten.) Wer erinnerte sich wohl nicht mehr der Zeit, als eS im Deutschen Reiche allerhand verschiedene Ellenmaße gab. Genau so zahlreich als Münzsorten, besonders die diese Stelle ersetzenden Thalerscheine 2C. waren die Maße. Da gab cs große und kleine Ellen und im Handel und Wandel war dem Betrüge und der Uebervortheilung Thür und Thor geöffnet. Mit der Einführung des metrischen Systems ist hierin ein bedeutender Wandel geschaffen worden. Die gegenwärtig in der Mehrzahl der civilisirten Staaten eingeführten Maße und Gewichte stammen aus Frankreich. Am 8. Mai 1790 beschloß daselbst die Nationalversammlung, die Länge des Secundenpendels unter einem gewissen Breitengrade ermitteln zu lassen, um danach „unveränderliche" Maß- und Gewichtseinheiten einführen zu können. Zugleich wurde die Akademie der Wissenschaften beauftragt, sich darüber zu äußern, wie diese Einheiten am besten einzutheilen sein würden. Die Akademie sprach sich aber gegen die Länge des Secundenpendels als Grundlage des Maß- und Gewichtssystems aus, weshalb die Nationalversammlung am 26. März 1791 den Erdmeridianquadranten zur Basis bestimmte und die alsbaldige neue Vermessung eines Theiles desselben anordnete. Die Vermessung wurde in Angriff genommen, wobei als Maß die Toise von Peru, zu 6 Pariser Fuß, diente. Bereits am 1. August 1793, noch ehe die neue Vermessung durchgesetzt war, proclamirte der Convent als gesetzliches Längenmaß das Meter, d. h. den zehnmillionsten Theil des Erdquadranten, welcher auf Grund der 1758 von Lierteljihngrr JWonnemenbptttoi 2 Mark 20 Psg. arii Lringerlohn. Durch die Post bezogt» 2 Mark 50 Pf,. «edaclion, Expedition und Druckerei: KchukstraßeAr.7. Fernsprecher 51. Nr. 29 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 31. v. M., enthält: „ .. r , (Nr. 2120.) Verordnung, betreffend die Erhebung eines Zollzuschlags für aus Rußland kommende Maaren. Vom 29. Juli 1893. Gießen, den 4. August 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Melior. gemeinen nicht. Es ist indessen dringend zu empfehlen, daß sich Jeder mit solchen Scheinen versieht, weil nur dann bei dem Verkauf des zu Markt gebrachten Thieres an den Händler der bei dem Abtrieb des Thieres vom Markt erforderliche Schein von dem den Markt überwachenden Großh. Kreisveterinärarzte alsbald ausgestellt wird, wenn die Seuchefreiheit des Ortes der Herkunft des Thieres festgestellt ist. 4. Den Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises empfehlen wir, sowohl die vorstehenden Bestimmungen in entsprechender Weise zur Kenntniß der Betheiligten zu bringen, als auch für die Ausstellung ordnungsmäßiger Gesundheitsscheine, soweit solche Ihre Zuständigkeit berührt, besorgt zu sein. Der Unterschrift ist das Siegel beizufügen. Auch verweisen wir noch auf die Bekanntmachung vom Juni 1891, Kreisblatt Rr. 44. Schotten, den 25. Juli 1893. Großherzogliches Kreisamt Schotten. Schönfeld. t am Verbandes in der schönen Residenz des Hessenlandes wohl gefallen möge. Mit einem Gut Heil der deutschen Turnerschaft schloß diese herzliche Begrüßungsrede. Nun hielt Se. Excellenz Herr Staatsminister Finger eine Ansprache, tn der er zunächst bemerkte, daß unser allverehrter Großherzog es selbst herzlich bedauere, heute nicht inmitten der Festgäste erscheinen zu können. Dann wies auch er auf den Unterschied der turnerischen Bestrebungen der früheren Zeit und von jetzt hin und brachte gleichfalls den Turnern ein jubelnd aufgenommenes Gut Heil. In herzlichen Worten hieß dann Herr Bürgermeister Morneweg die Festgenossen im Namen der Stadt willkommen und wünschte, die Tage des Turnfestes möchten allen Theilnehmern für immer in angenehmer Erinnerung bleiben. Dem deutschen Vaterlande galt der Trinkspruch des Herrn Generallieutenant v. Bülow, Exc., er feierte die patriotischen Ziele der Turnersache in begeisterten Worten. Hierauf dankte Herr Prof. Friedrich officiell der Militärbehörde für die gütige Ueberlassung des FestplatzeS und brachte ein donnerndes Hoch auf unsere ruhmreiche Armee aus. Auch ein Vertreter der Festgäste, Herr Schmuck aus Bingen, kam zum Worte und dankte der gastfreundlichen Stadt Darmstadt für den großartigen Empfang. Die Pausen zwischen den einzelnen Reden füllten verschiedenartige Vorträge aus, die Hilge'sche Capelle spielte muntere Weisen und die tüchtige Turnersingmanuschast erfreute mit schönen Chorgesängen. So dauerte das schöne Fest bis zur späten Stunde. Draußen auf dem Festplatze wars auch lange lebendig, die kühle Witterung — es hatte die ganze vorhergehende Nacht und noch am Sonntag Morgen kräftig geregnet — vermochte die Festesfreude nicht zu stören. Und nun folgte am Sonntag die Hauptsache, der wirklich grandiose Festzug. Am Morgen hatte die treffliche Darm- städter Schülercapelle ihren Weckruf ertönen lasten, doch schaute der Himmel so unfreundlich drein, daß man für das Gelingen des Zuges ernstlich fürchten mußte. Doch alles lief gut ab; Jupiter Pluvius zeigte sich zwar auch um Mittag den Turnern wenig freundlich gesinnt, doch ernstlich wurde die Feststimmung dadurch nicht geschädigt. Einen prachtvollen Anblick boten die vom Zuge zu pafsirenden reich geschmückien Straßen, die Einwohnerschaft bewies den Turnern, wie freundlich sie von allen bewillkommnet seien. Um die Mittagsstunde begann der Zug. Acht Fanfarenbläser eröffneten ihn, dann folgten nacheinander die Vereine des Unter Nahe-Gaues, die Festausschüste, die Vereine des Rhein-Mosel Gaues, die Darmstädter Liedertafel, der Mittel-Mosel Verband, Darm- städter Fechtclub, in besonders kleidsamer Tracht, der Kriegerverein, die Vereine des Gaues Offenbach-Hausen, besonders lebhaft vom Publikum begrüßt, die Vereine des Frankfurter Gaues, der Fahrclub Frankfurt a. M. mit prächtigem Fest- wagen, dann der Darmstädter Männergesangverein, weiter nach vielen anderen Gruppen der wundervolle Prunkwagen des Darmstädter Gärtnervereins „Feronia", die Lahn-Dill- Gauvereine, die Gruppe des Gaues Oberhesten und endlich am Schluffe der Festwagen der Darmstädter Turner und die Feuerwehr. Es war ein imposanter prachtvoller Zug; im Vorstehenden sind noch lange nicht alle Gruppen genannt. Einzelne Vereine hatten besonderen Werth auf kunstvolle, oft recht launige Verzierung ihrer Zugschilder gelegt, so trugen die Bergener gar einen veritabelen Miniaturzwetschenkuchen mit sich. Noch vor 2 Uhr war der Festplatz erreicht. Hier entfaltete sich trotz des leider constanten Regens bald ein buntes Treiben, allerdings werden die Geschäftsleute infolge der Ungunst der Witterung wohl nicht ganz den gehofften Gewinn erzielt haben. Furchtbar enge war es infolge des riesigen Andranges in der coloffal geräumigen Festhalle, ihre Räume hätten für diesen Tag ganz gut noch einmal so ausgedehnt sein können. Die turnerischen. Hebungen eröffneten die Hanauer und Frankfurter in der Festhalle. So verlief der erste Festtag fröhlich, aber durch die Witterung immerhin beeinträchtigt. Auch die folgenden Tage brachten nun viele schöne Stunden. Ein außerordentlich reichhaltiges Programm blieb ja zu erledigen, wir können an dieser Stelle unmöglich auf alle Einzelheiten eingehen. Der Montag brachte das Einzelwettturnen, dann das große Festbanket in der Festhalle, die, was hier noch nachträglich bemerkt sei, in ihrer großartigen Anlage und Ausschmückung allgemein die größte Bewunderung erregte. Beim Festessen erschienen die Spitzen der Militär- und Civilbehörden, es nahm unter patriotischen Reden einen sehr schönen Verlauf, dabei wurde auch der künftigen Feststadt Gießen gedacht. Viel Jntereffe erregte dann das Schülerturnen, das allerdings durch ein Gewitter unterbrochen wurde, an demselben Tage. Der Abend brachte die Preisvertheilung, deren Ergebniß Ihren Lesern ja schon bekannt sein wird. Von dem, was dann noch alles folgte, Ihren Lesern noch zu berichten, erlaubt der für die Residenzbriefe zur Verfügung stehende Raum nicht mehr. Darmstadt hat eine schöne, unvergeßliche Festwoche hinter sich, die ihm viel Ehre und Ruhm gebracht hat. L. Nr. 183 Zweites Blatt Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Bekanntmachung, den Sommermarkt zu Schotten betreffend. Zur Durchführung der veterinärpolizeilichen Ueberwachung rdes am 7. und 8. August l. I. dahier stattfindenden Vieh- Marktes kommen die nachstehenden Bestimmungen zur Anwendung, und werden dieselben hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht. 1. Der Markt beginnt um Vs4 Uhr früh. Vor dieser Zeit dürfen keine Thiere auf der Straße aufgestellt werden. Zuwiderhandlungen werden mit Geldbuße bis zu 60 Mark bestraft. ei , . 2. Viehhändler, welche Thiere zu dem Markte bringen oder dringen lassen, müffen mit Zevgnisseu versehen sein, in welchen bescheinigt ist, daß die Thiere sich seit mindestens 7 Tagen in seuchefreiem Zustande an dem Ort der Untersuchung befunden haben. , Diese Zeugniffe (Gesundheitsscheine), können in Gemeinden, welche länger als einen Monat gänzlich feucheufrei find, von den Großh. Bürgermeistern (Beigeordneten) ausgestellt werden, dann, wenn nicht innerhalb des Ortes ein zur Ausstellung der Scheine ermächtigter Thierarzt wohnt. Sonach müffen Händler, welche an einem Orte wohnen, an welchem ein zur Ausstellung der Gesuudheitsscheine ermächtigter Thier- Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche, hier den Sommermarkt zu Schotten. Nachstehende Bekanntmachung des Gr. Kreisamts Schotten wird hierdurch zur Kenntniß der Jntereffenten gebracht. Gießen, den 3. August 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Melior. Feuilleton. Wochknbriefe aus der Residenz. (Originalbertcht für den „Gießener Anzeiger".) Darmstadt, 4. August 1893. Das Turnfest. So wäre denn die Reihe der fröhlichen Festtage nun auch vorüber! Wenn Ihre Leser diese Zeilen zu sehen bekommen, wird wohl auch der letzte Festgast unsere Stadt verlassen haben, gewiß mit dem Bewußtsein, ein paar unvergeßlich schöne Tage verlebt zu haben. Denn wirklich prächtig war der Verlauf des ganzen Turnfestes. Schaute der Himmel auch manchmal recht finster drein, der Turnerfrohsinn hielt Stand bis zum letzten Augenblicke, bis zur Abfahrt vom Bahnhofe, die nicht selten unter Sang und Klang von statten ging. Einen ganz ausführlichen Bericht zu liefern, ist nicht unsere Absicht, aber die Hauptereigniffe des srohen Festes sollen hier wenigstens in wenig Zeilen geschildert werden. Da wäre also zuerst der Empfangsabend am letzten Samstag zu erwähnen, der allerdings insofern beeinträchtigt wurde, daß Seine Königl. Hoheit der Großherzog infolge seines Unwohlseins seinen beabsichtigten Besuch in der Festhalle unterlassen mußte. Schon lange vor 8 Uhr füllte sich die Festhalle mit einer ungeheuren Menge von Festgästen, viele Hunderte fanden keinen Sitzplatz mehr und mußten sich damit begnügen, stehend der ganzen Veranstaltung beizuwohnen. Nachdem die flotte Weise des Eröffnungsmarsches „Großherzog von Heffen" verklungen, betrat der Sprecher der Darmstädter Turnerschaft, der berühmte Naturforscher und Schriftsteller Professor Dr. Ludwig Büchner die Rednerbühne und begrüßte die Anwesenden. Er pries die edle Turnkunst, die in den letzten Jahren immer mächtiger aufblühe, sich zu immer größerer Bedeutung aufschwinge. Heute verfolge die Tumerfchaft nicht mehr politische Zwecke, wie das bei ihrer Gründung der Fall gewesen sei, jetzt lasse sich nur ein inneres Streben erkennen, die Aeußerlichkeiten seien verschwunden. Niemand betrachte heute mehr die Turnerei für etwas staatsgefährliches, das zeige schon die rege Anthei'nahme des hohen Landessürsten und der Vertreter der obersten Staatsbehörden. Die fremden Festgäste möchten nun die kommenden Tage froh mit den Darmstädtern begehen, das Festcomitö habe sein möglichstes gethan und hoffe, daß es den Turnern des mittelrheinischen Gießener Anzeiger Keneral-Mzeiger. W 1W !c ^here uni venschule, vor kneten Zöger » als ein Theil die Markte Hrahe, Reuen ich Einreihunz ealghmnasiuW )r abmarschin n gebeten, da ähe des Zug« i zu können, hast im Philr -richtet, damit na. Hereindränger ilänc nnb das I* ut BeftrwMy gtu Hch-Theil- zoben; großen ch fernerhin ii bleiben soll, p n gütigst unter ien zu einer nttags Wi kiwald hierdmä * , narnpfi^, - .SS"’, ÄS t-Comite. nr innerer mneskirche sind uns für dii Lacaille auSgeführten Messungen zu 3 Fuß 11,44 Linien an« genommen wurde. „ ,, , . .. Die Flächen«, Körper- und GewichtSmatze und die Ober« und Umrrrittheiten wurden nicht ganz, aber in der Hauptsache so festaestellt, wie sie noch jetzt Geltung haben. Am 18. Germinal deS Jahres III (1795) wurde das Decret Jon 1793 durch ein anderes Gesetz ersetzt, welches mit e nem Nachtragsgesetz vom 18. Frimaire deS Jahres VIII (1799) noch heule in Kraft steht. Den Anlaß zu diesem letzteren Gesetze gab die inzwischen erfolgte Vollendung der Arbeiten der Akademie der Wisien« schäften, zu welchen auch eine Anzahl auswärtiger Gelehrter herangezogen worden war. Man hatte die Länge deS zehn- millionstm TheileS deS Erdquadranten, daS Meter, als.3 Fuß 11,296 Linien betragend ermittelt und zwei Platinstücke von dieser Länge hergestellt. Ebenso hatte man daS Gewicht des CubikdecimeterS reinen Wassers bei 4§ CelsiuS, daS Kilogramm, in Pfunden erquUelt, und ein Platinstück von diesem Gewicht angefertigt. Diese beiden Urmaße wurden dem gesetzgebenden Körper überreicht, welcher daraufhin in Art. 2 deS erwähnten Gesetzes verfügte: Le mdtre et le kilogramm en platine, depos^s le 4 meaaitfor dernier au Corpa legislatif par VInstitut national . des IhSißnces et des arte, aont des etalona definitifa des mcaurea ne longueur et de poida toute la France. Längen^' und Gewichtseinheit ist also nicht der zehn« millionste Theil des Erdquadranten und deS CubikdecimeterS Waffer (die ursprünglich in Aussicht genommenen Naturmaße), sondern ein in Paris angefertigter Metallstab und ein eben« solches Gewichtstück, also künstliche Maße. Nach dem ersteren Gesetz ist sodann daS Flächenmaß daS Ar (d. h. ein Quadrat von 10 Meter Seite), Hohlmaß das Liter (d. h. ein Würfel von 0,1 Meter Seite), Körpermaß das Stere (d. h. ein Würfel von 1 Meter Seite). Hierzu kommen das Hundertstel und das Hundertfache deS Ar, das Zehntel und das Zehnfache deS Stere, die Größen, die sich durch fortgesetzte Theilung und Vervielfachung der genannten Gewichts-, Längen- und Hohlmaße mit zehn ergeben, und die Größen, die sich durch Halbirung und durch Verdoppelung der sämmllichen erwähnten Körpermaße und Gewichte ergeben. Die Geltung der beiden Gesetze auS den Jahren III und VIII hat übrigens bald nach ihrer Erlassung eine Unterbrechung erfahren. Infolge des Widerstandes, welchen die unteren Klassen den neuen Maßen und Gewichten entgegensetzten, kehrte Napoleon I. durch ein Decret vom 12. Februar 1812 theilweise zu den älteren Einheiten zurück. Er machte insbesondere.^ur Längeneinheit wieder die Toise, aber genau von 2 Md'ter Länge, eingetheilt in 6 Fuß zu 12 Zoll zu 12 Linien. AlS Gewichtseinheit führte er wieder das Pfund ein, aber in der Schwere von 500 Gramm mit Theilung durch fortgesetzte Halbirung. DaS Decret wurde erst durch ein Gesetz vom 4. Juli 1837 wieder aufgehoben, welches vom 1. Januar 1840 an den beiden Gesetzen der Jahre III und VIII wieder unbeschränkte Geltung gab. Die Vorzüge deS metrischen Systems nun liegen in der einfachen Beziehung der verschiedenen Maßgattungen zu einander, in der Blldmig der höheren und niederen Einheiten durch Vervielfachung und Theilung der Grundeinheiten mit 10 und endlich in der sinnreichen Bezeichnung der Maße. Mit vier Hauptwerken (Meter, Ar, Liter, Gramm) und sechs Betworten bezeichnet man nicht allein alle Maße, sondern man characteriprt zugleich die Maßgattung, drückt daS Derhältniß auS, in welchem jedes Maß zu einem anderen seiner Gattung steht und gibt die Beziehungen verwandter Maße zu einander an. Diese Idee wird dem Holländer van Swinden verdankt, einem der auswärtigen Gelehrten, welchen die sranzösische Akademie der Wisienfchaften zu den im Jahre VII zum Abschluß gebrachten Arbeiten zügezogen hatte. Wenn nun auch andererseits nicht zu verkennen ist, daß für den Kletnverkehr daS Meter und das Kilogramm zu große Einheiten sind und da- Gramm zu klein ist, und wenn ferner die geringe Theilbarkeit der Zahl 10 ein Uebelstand ist, so ist doch daS metrische System im Ganzen allen anderen Maßsystemen so überlegen, daß allmälig sehr viele Staaten dasielbe angenommen haben. Die großen Schwierigkeiten, welche der Uebergang zu neuen Maßen bietet und welche theilö in der Notwendigkeit liegen, daß an Stelle der vielen von Jedermann im Gedächtniß bewahrten Maßzahlen neue erlernt werden müsien, theils in den Soften, welche die Anschaffung der neuen Maße ver- ursacht, wurden im Vergleich mit den Vortheilen deS metrischen Systems und der Gleichheit deS Maßsystems möglichst vieler Staaten gering geachtet. Die Einführung ist namentlich erfolgt: im Deutschen Reiche, in den Niederlanden, Belgien, Spanien und Portugal, Griechenland, der Türkei, Norwegen und Schweden, Italien, Oesterreich, Dänemark, Rumänien und in den meisten Staaten von Südamerika. Die wichtigsten Ausnahmen bilden Großbritannien mit seinen Colonien, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die Schweiz und Rußland. In ben_ ersten drei Staaten ist aber die Anwendung deS metrischen Systems in gewissem Umfang geduldet, und die wissenschaftliche Lite- ratur aller Staaten bedient sich überwiegend des metrischen Systems. DaS Jntereffe an den metrischen Maßen ist daher ein universelles. Dies führte dazu, daß am 20. Mai 1875 zu Paris zwischen 17 Staaten (darunter Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Großbritannien, Italien, Rußland) ein Vertrag ab- geschloffen wurde, kraft deffen in Paris ein ständiges internationales Amt für Maß und Gewicht auf Kosten der vertragenden Staaten ins Leben trat. Dasselbe steht unter Aufsicht eines internationalen wissenschaftlichen ComiteS, welchem eine auS Vertretern aller betheiligten Regierungen gebildete General- conferenz vorgesetzt ist. Diese Organe sollen in Anlehnung an die vorhandenen französischen Urmaße eine dem Bedürfniß der betheiligten Staaten emsprechende Anzahl möglichst identischer Urmaße und Urgewichte Herstellen, aus diesen ein Meter und ein Kilogramm als internationales Urmaß und Urgewicht auS- wählen und die übrigen als nationale Urmaße und Urgewichte unter die betheiligten Staaten vertheilen. DaS Amt soll die internationalen Prototype aufbewahren, die nationalen von Zeit zu Zeit mit ihnen vergleichen und ebenso auch alle sonstigen zu öffentlichen oder gelehrten Zwecken bestimmten Meßwerkzeuge auf Verlangen auf ihre Richtigkeit prüfen. Heute rechnen wohl nur noch ältere Leute nach Ellen, Aeckern und Scheffeln, Centnern u. dgl. Die jüngere Generation hat sich an die neuen Maße und Gewichte ebenso gewöhnt als wie an die Markrechnung. Egon W. Verruchtes. ♦ Am Strang der Sterbeglocke erhängt. Im Oratorium der Franziskaner-OrdenSkirche Maria Schnee in Prag fand der zur Vornahme einer Andachtsübung daselbst erschienene Kleriker den zweiten Meßner, einen verheiratheten Mann und Vater eines dreizehnjährigen Mädchens, am Strange der Sterbeglocke erhängt. Unheilbare Krankheit, in Folge deren er den Dienst zu verlieren fürchtete, war das Motiv der That des Selbstmörders. ♦ Ein lustige« Stücklein ereignete sich kürzlich in G e r a. Fuhr da ein junges Ehepaar Abends von einem Sommerfest mit dem Kinderwagen nach Hause. Als man in die Nähe der Wohnung gelangt war, wurde die verblüffende Entdeckung gemacht, daß man einen falschen Kinderwagen und statt des Töchterchens einen fremden Knaben mitgenommen hatte. — Sofort kehrte man nach dem Ausflugsorte zurück, wo schon lange die Eltern deS mitgenommenen Knäbleins nach dem verschwundenen Kinderwagen suchten. Muß daS Sommerfest aber schön gewesen sein! • Alles oder nichts. In der Schlesischen Zeitung befindet sich solgendes „streng reelles" Heirathsgesuch: „Wittwer mit einem Vermögen von 200,000 Thalern, 38 Jahre, 1 Kind, sucht eine tadellose, liebenswürdige, lustige Dame zur Frau, entweder mit viel oder direct gar keinem Vermögen. Gefl. Off. (wennmöglich mit Photographie und alles Nähere) bitte mir vertrauensvoll unter X hauptpostlagernd einzusenden und verspreche auf Ehrenwort strengste Discretion." * Aus der Schweiz, 1. August. Ein Viehhändler hatte, wie die „Basl. Nachr." erzählen, einem ärmeren Bürger einer oberaargauischen Gemeinde eine Kuh verkauft, und da letzterer immer nicht bezahlen wollte, übergab ihn der Verkäufer dem Beitreibungsbeamten. Nun fiel ihm aber ein, daß nach dem neuen ConcurSgesetze eine Kuh, wenn sie daS einzige Thier im Stalle ist, nicht gepfändet werden kann, und so kam er auf den, wie er glaubte, pfiffigen Gedanken, seinem Schuldner noch eine Ziege zu billigem Preise zu verkaufen. Diese- GaiSlein wollte er opfern, um dann dar formelle Recht zu haben, die Kuh zu pfänden. Unser Schuldner, der auch nicht auf den Kopf gefallen ist, kauft die Ziege und frohlockend zieht der Gläubiger ab. Am anderen Tag in verbrühe ist er aber schon da mit dem Bet- treibungSbeamten und glaubt sicher, seine Kuh wieder nach Hause führen zu können. Wie sie aber in den Stall treten, war feine Ziege mehr zu sehen. Auf Befragen deS Bei- treibungSbeamten sagt unser Schlaumeier, er habe gestern Abend daS GaiSlein geschlachtet und mit seiner Familie schon theilweise aufgezehrt. Unter diesen Umständen durfte nach dem Gesetz nicht gepfändet werden und der Viehhändler zog zwar nicht mit seiner Kuh, wohl aber mit einer langen Nase ab, denn er war nun auch noch um seine GaiS gekommen. Citcratur unb Kanft. — Unter den bedeutenden Dichtern und Schriftstellern der Gegenwert erfreut sich wohl keiner einer gleich großen Beliebtheit wie Georg EberS. Seine trefflichen Romane, Vie zuerst die Geheimnisse des alten Wunderlandes der Pyramiden dem staunenden Laienpublikum erschlossen, haben ihren Triumphzug durch die ganze civUisirle Welt gehalten. Um so willkommener wird für alle die zahlreichen Verehrerinnen des genialen Manne- die in der Deutichen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinende Ausgabe seiner sammelten Berte* fein, von der die ersten beiden Lieferungen bereits vorliegen. Dieselben bringen den Anfang deS prächtigen historischen Roman» »Eine ägyptische Königstochter-, des ersten Werke« von Georg Eber», daS feinen Ruhm als Schriftsteller begründete. Heute wie bei seinem erften Erscheinen nimmt unS die wunderbare Schilderung de» Zauberlande» Aegypten wieder gefangen und die Gestalten des Rhodop!» und Eappho, de» Amasi» und Bartja erstkhm vor unserem geistigen Auge. WaS den Werken von Eber» die beispiellose Verbreitung verschafft, da» liegt in der genialen Verschmelzung der Ergebnisse der strengen Wissenschaft mit der luftigen, immer leichtbeschwingten Dichterphantasie, und nicht »um geringsten auch in der edlen, reinen Form, in der alle feine Werke gehalten sind. Diese Vorzüge geben vor allen den Schriften von Georg Eber» die Berechtigung, in der Bücherei eine» jeden deutschen Hause» dm Ehrmplatz eingeräumt zu bekommen, und der ungemein billige Prei» von 60 Pfg. pro Lieferung ermöglicht e» Jedem, sich diesen herrlichen Schatz zu erwerben. Die erste Lieferung ist in jeder Buchhandlung zur Ansicht zu erhaltm. — Eine prächtige doppelseitige Gesammtansicht von Lübeck »tert da» neueste Heft der bekanntm illustrfttm FamUien- Zeitschrift ,A«r «ttten Stunde- (Berlin W. 57, Deutsche, Verlagsbaus Bong L Eo.), im Anschluß an einen Interefjentcn Aufsatz über die zu allm Zeiten vielbewunderte Hansestadt. Prächtige Illustrationen führm uns die schönstm Stättm Lübeck» vor; wir verwellm im originellen „SchifferhauS", wie in der „KriegSftube', wir bewundern da» Burgthor, ben Markt mit dem Rathhause, das mondscheinumstossme Holstenthor ic. Jrn selben Hefte fesselt unser Interesse ein zweiter, reich tHufhtrter Aufsatz, die Beschreibung der originellen Einrichtung der Volkssternwarte Urania zu Berlin. Alle jme Instrumente, die dem Beschauer zu eigener Handhabung zu Gebote stehm, werden dem Leser in interessanten Silbern vorge- führt, wie nicht minder die großen Resractorm der Sternwarte, mit bmen man die Geheimnisse des Himmels erforschen kann. 6in Bericht über die Chicagoer Weltausstellung von dem Specialberichterftatter des Blatte» Herrn Ernst von Hefse-Wartegg schließt sich an. Derfrier, £anO* unb Voltwirt — Haferersatz bei der Pferd es LtternnO. Der Hafer, der roegen feiner für da» Pferd am zuträglichsten 'Nährstoff-Zusammensetzung von Eiweiß, Fett und Kodlehvdrate (Stärke, Zuckn), da» beste Futtermittel abgiebt, kann unter Berücksichtigung der Nähr ftoffe in Procmten wie folgt, ersetzt nietben: 50 Pfund Rei» und 40 Pfunb Weizenkleie erfetttn vollkommen 100 Pfb. Hafer, oder 75 Psd. Reismebl und 20 Pfund Weizenkleie, ferner durch 100 Pfd. Kartoffeln, 30 Pfd. Mai» und 10 Pfd. Baumwollsamenmehl, endlich durch 75 Pfd. Kartoffeln, 50 Pfd Palmkuchen. 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