1893 Sonntag den 6 August Erstes Blatt Nr. 183 Frrniprrcher &L Amts- unt> Anzeigel'latt für den Äveir Gieren. Alle Annone en-Burraux bei In- und IuIImM nchm« ckratisöeitage: Gießener Aamitienökätter. „Vießknrr «nzrigsr- tntygm. Lnzeigea für den Nt ttftyfa, it ttt toenaemtiti m i da . tote DpoVÄnL 8kS düW ftiit lebet der Einfuhr. Deutschland Semester 1893 in Tonnen: Jnsgesammmt davon aus: Rußland Verein. Staaten Rumänien Argentinien Oesterreich-Ungarn Bulgarien Serbien Türkei Chile Belgien 916) 81» 223) 413) Britisch-Nordamerika Britisch-Ostindien Frankreich Welzen 324,913 8,795 152,448 70,757 60,009 11,202 7,465 4,542 2,726 2,049 1,466 1,316 1,264 an der tr rahrtrit n) 18«. ie Nr. 6 qer, grifeut 163» 103» 101» 61» 0 Imtfint eon Lnzrigen zu der für dm fslimdm lag erscheinmdru Nummer 611 Bonn. 10 Uhr. >Dtrco«lk 4 & Gefunden: 2 Taschenuhren, 1 Uhrketle, 2 Taschen- mesier, 1 Zwicker. 1 Brille, 1 Jnsectenspritze, 1 Buch, 1 Schreibheft, 1 Taschentuch, 2 Handschuhe, 1 SHUpS, 1 Stück Stoff, 1 Paar Strümpfe, 1 Hunde-Maulkorb und 2 Wagenkapseln. Gießen, den 5. August 1893. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. L [d J&B* kl Deutsches Reich. - Zum deutsch-rusfischen Zollkrieg. Wie der „Köln. Zeitung" aus Peters bürg gemeldet wird, befleißigt sich die dortige Preffe durchschnittlich eines durchaus ruhigen Tones gegenüber Deutschland. Ein entschieden beeinflußter Artikel der Nowoje Wremja betont, Fürst Bismarck habe das Getreide aller Länder gleich besteuert, Graf Caprivi habe aber dem deutschen Arbeuerstand eine Wohlthat erweisen, zugleich Der Gtetzentr >*lrtgct «d*nnt tiglidi, »it Ausnahme bei Montags. Die Gießener •erttn b#m Anzeiger »hchmtlich dreimal hobest. & Unb «UT|WM:t ^un» gesucht, h- scher , M» dl ggy kr*.iS ipÄ 8LL 0 lm0 Wir» theiligt gewesen. Berlin, 4. August. Die für weite gewerbliche Kreise Deutschlands wichtige Frage, ob nicht solche russische Maaren, welche auf Grund schon früher abgeschloffener Verträge im Laufe der nächsten Zeit zur Einfuhr nach Deutschland bestimmt waren, von dem fünfzigprocentigen Zoll zu schlag befreit bleiben sollen, ist vom Bundesrath verneinend beschieden worden, wenigstens im Princip. Wie der „Reichsanzeiger" mittheilt, hat sich die genannte maß Rußland ist hiernach „ . . der Roggenewfuhr mit 24,2 pCr., an der Gerstenetnfuhr mit 24,3 pCt. und an der Hafereinsuhr mit 2,1 pCt. begebende Corporation dahin schlüssig gemacht, daß nur solche Waaren russischer Herkunft vom Zollzuschlag befreit bleiben, welche vor dem 1. October d. I. durch Verzollung zur Abfertigung nach Begleitschein II. oder zur Anweisung auf Privat-Transit-Lager angemeldet und bestellt wurden, sofern sie vor dem 31. Juli die russische Grenze überschritten hatten. Alle weitergehenden Ausnahmen sind vom BundeSrathe au- zwingenden Gründen abgelehnt worden, wenn er auch infolge der kaiserlichen Verordnung vom 29. v. Mts. befugt ist, tn einzelnen geeigneten Fällen aus Billigkeitsrücksichten einen Zollnachlab zu a-währ-u. — Im Jnt-rcsi- des beutfaen Handels kann wohl erwartet werden, daß der BundeSraty diese Billigkeitsrücksichten in genügendem Maße walten latzt. — In Petersburg macht sich, wie verschiedene Meldungen aus der russischen Hauptstadt besagen, ein Umschlag in der bisherigen überreizten Stimmung gegen Deutschland bemerklich. Die größeren Blätter schlagen in Besprechung des deutsch russitchen ZollconflictS einen ruhigeren, verlohn- licheren Ton an und sprechen sie zum Theil die Ueberzeugung auS, daß die für den Herbst in Aussicht genommenen com- miffarischen Berathungen in Berlin trotz des Zollkrieges ein für beide Theile befriedigendes Ergebniß zeitigen werden. Andere Blätter sprechen es sogar offen aus, daß Rußland sich in seinen Berechnungen beim Eintritt in den Zollkampf mit Deutschland getäuscht habe, weil die deutsche Ernte besser ausgefallen sei, als vermuthet wurde, und weil sich Deutschland auch ohne russisches Getreide behelfen könne. Ob man auch bereits in den russischen Regierungskreisen zu der letzteren sehr richtigen Anschauung gelangt ist, erscheint freilich noch zweifelhaft, hier wird man sich wenigstens mit Händen und Füßen sträuben, den gemachten Jrrthum einzugestehen und demgemäß zu handeln. , .. . — Der in den offiziösen „Berl. Polit. Nachr. QUi‘ getauchte Vorschlag, zur Erhöhung der Reichs-Etn- nahmen das bisherige einheitliche Packetporto von 50 Pfennigen für 5 Kg. Gewicht wieder aufzuheben, erfahrt allseitige energische Zurückweisung. Derselbe paßt allerdings ganz und gar nicht in die heutige Zeit der postalischen Ver- kehrserleichterungen hinein, dann könnte man z. B. ja auch auch den Dreibund kräftigen wollen, und deßhalb den Dreibundstaaten 40 pCt. des Einfuhrzolls erlaffen - dadurch sei Rußland ein Recht zum Einspruch gegeben. Immerhin hoffe man jedoch noch auf friedliche Beilegung und sehe das bei den gegenwärtigen Kampszöllen nicht miteinbegriffene Finnland als offenes Thor an, welches eine friedlichere Gestaltung des Zollkrieges ermögliche. — Gesammtbedarf Deutschlands an fremdländischem Getreide und Antheil Rußlands an bezog vom AuSlande im ersten BifrteljUr-.arr JHowHtmrwLpreUi 2 Mark 99 Pia. m« Brmgerloan Durch dir Post dezaßo» 2 «ort 50 Wt- Rebachon, (Epxbittae unb Drucker«: Gießener Anzeiger Kenemk-Anzeiger. * Eine fidele Prüfung. Dem „Wiener Fremdenblatt" wird geschrieben: Zu den fröhlichsten Eindrücken, die ich von der letzten Generalversammlung des Drognisten Verbandes in Eisenach mitnahm, gehört die nach Erledigung des offiziellen Programms abgehaltene humoristische „Droguistengehilfen - Prüfung". Nach einigen einleitenden Worten des „Prüfungs- commiffärs" erschienen die drei „Prüflinge" auf der Bühne und nahmen zu allgemeinem Vergnügen auf einer Schulbank Platz. Die Herren wurden mit den nöthigen Bemerkungen dem Auditorium vorgestellt: 1. Herr Peter Oleum aus Bremerhaven macht einen sehr raffinirten Eindruck. 2. Herr Kamillo Thee besitzt ein sehr einnehmendes Wesen. 3. Herr von Sennes aus Alexandrien wird offenbar einen durchschlagenden Erfolg erzielen. Hierauf begann ordnungsgemäß das Examen. Von den Fragen und Antworten, die hier mit der ernstesten Miene von der Welt gestellt und gegeben wurden, nur einige Proben. Was ist absoluter Alkohol? — Absoluter Alkohol ist derjenige Alkohol, den der Mensch absolut haben muß. WaS ist trockene Destillation? — Trockene Destillation ist, wenn Jemand in eine Destille geht und kein Geld hat, sich einen zu kaufen. Was sind Sammelfrüchte? __ Heidelbeeren, weil diese eingesammelt werden. Was ist eine Verseifung? — Wenn der Barbier den Kopf einseist statt den Bart, dann ist es eine Verseifung. Nennen Sie einige Abarten des Ichthyols! - Jch-thyol, Du-thyol, Er- thyol. Wie stellt man Rohrzucker her? — Man nimmt Zuckerrohr und dreht's einfach rum. Herstellungsverfahren von Insektenpulver? — Mau nimmt Pulver und thut's in Sekt, dann hat man Jn-sekt-en-pulver. Was ist eine Base? — Meerschtenihels eine hübsche Cousine. Allgemeine Eigeu- fchasten derselben? Das kommt ganz auf die Cousine an. Wie gewinnt man Kopal? — Man schneidet einem Aal den Kopp ab, dann hat man einen Aalkopp- den braucht man blos umzudrehen, dann hat man Koppaal. Wie gewinnt man den Schweiel? — Der Schwefel wird hergcstellt aus dem Schwefelholz. — Wie ist der lateinische Name für das letztere? — Utan svafel och fosfor. Was heißt das au Deutsch? — Außer Schwefel ooch Phosphor. Was hat der Droguist zu thun, wenn er ohne Spiritusconcession Spiritus verkaufen will? — Er muß den Spiritus bis zum spezifischen Gewichte des Wassers verdünnen, dann ist er straflos. Was -Ist ein Atom? — Nichts. — Nachdem die Herren Candidaten Amtliche»- Theil. Gießen, den 3. August 1893. Betr.' Die Strafregister; hier die Nachweisungen der im I. Halbjahr 1893 verstorbenen bestraften Personen. Der Großherzogl. Erste Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberhessen an die Qrtspolizeibehörden zu Bellersheim, t?bcr= stad«, Garbenteich, Münster, Nonnenroth, Ober- Bessingen, Weickartshain. Nachdem Sie trotz meiner Aufforderung in Nr. 154 des I ,Gießener Anzeiger" die oben erwähnten Nachweisungen bezw. Fehlanzeigen bis jetzt nicht eingesandt haben, werden Sie hiermit nochmals an die Einsendung derselben binnen drei Tagen bei Meidung disciplinärer Ahndung erinnert. Jockel. durch diese und ähnliche Antworten ihre „höheren" Kenntnisse | dargethan hatten, konnte es nicht fehlen, daß ihnen ein Zeugniß der Reife mit Auszeichnung gegeben wurde. ♦ Berliner Gerichtsscene. „Jette, das Mädchen gegen Alles." „Jette" — so lautete ihr nom de guerre, während ie in den Prozeßacten mit ihrem bürgerlichen Namen Minna M. genannt ist — hatte es als Mädchen für Alles nur drei Tage bei der verwiltweten Frau Restaurateur Lina S. ausgehalten. Als sie am Tage nach ihrem heimlichen Abzug ihre Habseligkeiten abholen wollte, wurde ihr die Herausgabe derselben verweigert. Erst nach vierzehn Tagen gelangte sie in den Besitz ihres Eigenthums. Sie strengte nun gegen Frau S. eine Entschädigungsklage an, die sie damit begründete, daß ihr durch die verzögerte Zurückgabe ihrer Sachen Nachtheil erwachsen sei. Zu dem vorzeitigen Verlassen des Dienstes wäre sie aus mancherlei Gründen berechtigt gewesen. „Erstens", führte die Klägerin aus, „hatte ick mir als Mächen for Allens vermiethet, wo aber nich mit inbejriffen is, bet ick mir von dem Schamberjarnisten, der bei die Frau wohnt, in die Backen kneifen lassen muß. Zwectens brauch ick mir doch nich je« fallen zu lassen, mit eene Katze zusammen zu schlafen, wo ick doch so wie so schon Vichzeig mehr als genug in meinem Bette hatte, wat mir die janze Nacht zerstochen und zerschunden hat. Denn als Mächen for Allens ..." — „Wat, Sie als Mächen for Allens?" fällt die Verklagte hitzig ein. „Ja, wären Sie det nur jewesen, dann wär t jut, dann hält ick Ihnen uff den Händen jetragen, aber so ... so waren Se 'n Mächen jejen Allens . . . jawoll, det waren Se. . . . Herr Richter, wat ick wollte, da wollte sie immer det Jejentheil von. Un wat det Kneifen anbelangt, Herr Rath, da frage ick Ihnen um Allens in der Welt, wär' det 'n Jrund, uff un davon zu loofen? Wenn alle Mächens, die mal ehrbar in die Backen jekniffen worden sind, jleich Reißaus nähmen, dann jäb' et ja jar keene mehr in Berlin. Ick selbst, Herr Justizrath, wie ick hier vor Ihnen stehe, ick bin als junget Mächen nich zehn, nee zwanzig Mal jekniffen worden, aber deßwegen bin ick doch, wer ick bin. In Uebrijen aber, Herr Präsident, wat mein Schamberjarnifte is, der kneift nich, det jloob ick nie un nimmer. Det is n oller Herr, der sammelt Käfer, Käfer, un immer wieder Käfer . . . aber Kneifen, Jott bewahre ..." — Klägerin: „ Er hat mir aber jekniffen. „Jette", hat er jesagt, „Sic sind ’n janz netter Käfer," und dabei hat er mir jekniffen." — Beklagte: „Da sehn Se et nun, Herr Assessor, er hat ihr for’n Käfer jehalten, der olle h 5. *kt en:»noW< ifi Mann . . Un wat bat mit die Katze anbelangt, wo fe sagt, bat se mit die hätte schlafen müssen, so ist die Sache die, da mein früherer Mächen bet jute Thier daran jewöhnt hatte, bet ihr zu Fuße zu liefen, und da dachte nu det unschuldffe Vieh, da wär' weiter nischt bei, un suchte noch bei der Jette ihre jewohnte Schlafstelle. Klägerin: „Ick bitte, 3cttc bin ick nich mehr, sondern Freilein Mina." — Beklagte: „Jott sei Dank! . . . Un dann bat mit bet anbere Vichzeig, Herr Justizrath, da frage ick Ihnen, wo jiebt et bet in Berlin nich? Aber bajcjen hilft keen Ausreißen, sondern nur Insektenpulver, wie et ja tagtäglich in die Zeitungen angekündigt wird: un wat ’n richtijet Mächen iS, det nimmt den Kampf uff un schmeißt nich jleich die Flinte ins Korn." — Dav Gericht wies Jettes Klage ab, weil sie hinlängliche Grunde zur Aushebung deS Dienstverhältnisses nicht vorgetragen habe, und die Herrschaft ihr Zurückbehaltungsrecht an den in der Wohnung verbliebenen Sacken mit Recht ausgeübt habe. Im Corridor trennten sich die Parteien mit höhnischen Verbeugungen. „Adje, Frau Stuerbi"9‘ 2 Anklagen, ’au uni««*1*8 pss em w {JLi$' einen n Sordergnmd S wlQ ein derar« leudjten- L W- utttertolb der ' ixtgtnbe» Magnet von Kaffer drang lc reiten befrachtet Mannschaft nur tenstt. Er c,-e-M Wiedener Snficht Bewahrung fef a he W* ws fonemonnaie Soldat zwischen d so gnt weg, _baB iMt nicht findet, chrn Ranen tyibi tt’jr, welche M Markte ihre Wai irden, wie Frau« hi Lein betaste - Lmtwpfbond fal td originelle, c zesezie Porternon toi ganze Sein' Rittltie, $ vorigen Sonntag Men ju reine ivttftl und al Meinung etwa- der Rüche den - (Netten, dah s mußte. ' - n/flBgung ei Stadtverwaltung worden. Die )ahre 1863 mit der bladt für gcbäude unentgtl 5- fein, und, wen «ue Rflferne her, ' 3. J Wlr wf einem ^tniboten mit oj Mt kaufte fchl Renten fclbt ei: 'M M z Knecht nahm 'ton Voijn für w ® m ft' in Mg " stand ■ taM* W Mfi| 5 . * Eerlii, 3 JJrtw bit Radf äSÄ u 0 ' Louise ft" «■ ft;; *** an iwrritr ’1 #11 hk,,,jy-it. hlft*», < lir .ft'en t Nil ° nez z uni Äfe Qhq b,r Ä ft"* * * *« «? . " ft«*, ‘N W4 b?®*ä "-iÄU iWtll „„L •**** 'rr’ätnbt Smj, ^"lbendrn ihP »“«ta. Hu ,b‘unbi««W.’ tön» »"Mitin Mtflefanl yten StadihM IjJ als Vertreter Emmerling joait ^ten. Zuna^ Erschienenen und Sttoerbttttibtnbt M« zeichnr nheit aus, abn düng und Volkt "er Schulen, der !owie her Haus- it dem Wunsche, *ti Webern tit- n möchten. Auch nt Otto, hieß dir ! willkommen unt Langen als On Herr Reg.-Rach gierungsvertrete^ t derjenigen Mil. nut jri, der An. i durch den Toi h. Baurath Busch i unb ersuchte die orbtr.en fitj Don je rrstaNAmm-- : b\t TMtzüit . Gewerbe im ab« vor, daß der Mil- irmals eine Zu. rbvereine mit 5188 if socialpolmscheai in zur Erledigung Dank der Unter- der Stände des ,ar etz möglich gr> ^gdes Schulwesen! zu bringen. Für erung besten Dank [t die Centralstelle zur Ausschließung bewerbe die nöthige mit dem Wunsche, r Industrie Nutzen ihen des Landes. r den derzeitigen i Großherzogthuni , n9a und 120 rn Regierungsralh rend Herr Lehrer schichte der W -elschul-Com-niM bwHtaWota» Mkbli-r-» 1» I “ »au*6 2 «, d-L MM5“®*1'1"' l.zUhr er«1*"“ »aft. »el*'*e ° -»‘Ä*1! ict J,lt*Lnn, und )ber an x uhr und * **äJ5 dritte Bataillon des 87. Regiments den 1. October nach Hanau verlegt werden. Dagegen kommen die neu zu formirenden Bataillone des Regiments Nr. 117 und 118 nach Kastel, dessen Außenforts nach einer neueren Mittheilung wesentlich verrückt werden sollen und zwar in der Art, daß in Kastel selbst eine größere Bauerleichterung eintreten kann. — Neuerdings bürgert sich hier bei Strafprozessen ein ganz eigenthümlicheS Bertheidigungsmittel ein, nämlich bei Anklagen, die zweifellos zu Berurtheilungen führen würden, tretten in vielen Fällen die Bertheidiger jetzt fast immer mit Anträgen auf, die Angeklagten auf ihren Geisteszustand prüfen zu lassen, beziehungsweise dieselben als unzurechnungsfähig zu erklären. Innerhalb nicht sehr langer Zeit hat dieses Bertheidigungssystem hier den Erfolg gehabt, daß zwei Angeklagte freigesprochen wurden, wovon der eine, ein mehrfacher Millionär, nach seinem eignen Ge- ständniß einen wissentlichen Meineid geleistet hatte. Mit einem ganz ähnlichen Fall hat sich das nächste Schwurgericht hier zu befassen, vor welchem der gleichfalls als Millionär geltende Weinhändler Arens von hier wegen Betrugs und Meineids als Angeklagter erscheinen wird und dessen Ver- theidiger jetzt die Frage der Zurechnungsfähigkeit in den Vordergrund gestellt hat. Der großen Masse des Volkes will ein derartiges Bertheidigungsmittel durchaus nicht ein- leuchten. △ Mainz, 4. August. Verflossene Nacht ist ein hier unterhalb der Straßenbrücke im freien Strom vor Anker liegendes großes hölzernes Schleppschiff, dem Schiffer Wagner von Rheindürkheim gehörend, gesunken. Das Wasser drang so rasch in das zum größten Theil mit Backsteinen befrachtete Schiff, daß die im tiefen Schlaf liegende Mannschaft nur mit knapper Noth das nackte Leben retten konnte. Schiff und Ladung sind versichert. Oppenheim, 3. August. Das reisende Publikum ist verschiedener Ansicht über den besten Platz zur Aufbewahrung seiner Fahrkarte. Einer steckt die Karte in die Billettasche, der Zweite in die Westentasche, der Dritte ins Portemonnaie, der Ausflügler an den Hut und der Soldat zwischen die Pattenknöpfe. Mancher steckt die Karte so gut weg, daß er sie im Augenblick des Gebrauches überhaupt nicht findet. Das practischste Depot zum Ntederlegen ihrer Karten haben jedenfalls die Marktfrauen von Gimbsheim, welche Mittwochs und Samstags auf dem hiesigen Markte ihre Maaren feilbieten. Der Fremde wird erstaunt sehen, wie Frauen im Wartesaale ihre Röcke etwas heben, das Bein betasten und plötzlich mit zwei Fingern hinter das Strumpfband fahren, um — das Fahrbillet hervorzuholen. Das originelle, aus Menschenhaut und Baumwolle zusammengesetzte Portemonnaie geht niemals verloren, es müßte denn daS ganze Bein verloren gehen. Nierstein, 2. August. Als ein Dachdeckergeselle am vorigen Sonntag zu seinem Arbeitgeber kam, um mit demselben zu rechnen, entspann sich zwischen Beiden Wortwechsel und als der Geselle auf seiner nach des Meisters Meinung etwas hohen Rechnung beharrte, holte dieser aus der Küche den — Kartoffelstößer und bearbeitete derart seinen Gesellen, daß sich derselbe in ärztliche Behandlung begeben mußte. * Wetzlar, 4. August. In Betreff der Wiedererlangung einer Garnison ist von Seiten unterer Stadtverwaltung ein Bittgesuch an den Kaiser gerichtet worden. Die Stadt Wetzlar erbietet sich u. A., das im Jahre 1863 mit einem Kostenaufwand von 45 OOO Mk. von der Stadt für das Rhein. Jäger-Bataillon erbaute Wacht- gebäude unentgeltlich herzugeben, auch sonst zu Opfern bereit zu fein, und, wenn es verlangt würde, einen Bauplatz für eine neue Kaserne herzugeben. * Soest, 3. August. In dem benachbarten Orte Ardey war auf einem Hofe keine Laterne vorhanden, so daß die Dienstboten mit offenen Lampen in die Ställe gingen. Ein Knecht kaufte fchließlich von dem der Dienstherrschaft gehörenden Gelde eine Laterne, die Herrschaft billigte solches jedoch nicht und zog dem Knecht den Betrag vom Lohn ab. Der Knecht nahm die Laterne an sich und betrachtete sie als fein Eigenthum. Die Dienstherrschaft empfing bald nachher ihren Lohn für ihre Sparsamkeit, eine Magd hing die offene Lampe im Stalle so auf, daß die Flamme einen Strohhalm erfaßte, in Folge dessen der ganze Hof abbrannte. Die Magd stand jetzt vor der Strafkammer in Dortmund wegen fahrlässiger Brandstiftung. Das Mädchen wurde jedoch sreigesprochen, da nicht dieses, sondern die Dienstherrschaft fahrlässig gehandelt habe. * ®etlin, 3. August. Bei den diesjährigen Manövern werden die Radfahrer eine Rolle spielen. Nicht nur haben sich zwei Radfahrer zur Uebernahme des Stafettendienstes freiwillig bei einem hiesigen Garderegiment gemeldet, sondern der als Kunstsahrer bekannte Maschinenfabrikant Robert Quosdorf, Louisenstraße 5, ifr vom 28. August bis zum 17. September nach Wittenberg zum 20. Infanterieregiment durch bte Militärbehörde als Radfahrer einberufen worden. Er bezieht als solcher die Competenzen eines Sekondelieutenants und für seine Maschine 25 Mark. Er wird mit Schuhen, Drillichhose, Waffenrock und Mütze bekleidet und kann nach Art der Fahrer die Strümpfe über die Knie hinauf tragen. Soldatengepäck führt er nicht mit sich und wird dem Stabsquartier zugesellt. Weitere Einberufungen von Radfahrern finden, soweit bis jetzt bekannt, bei der 12. Jnfanteriebrigade des 3. Armeecorps statt. — Zum Taubenwcttflug Berlin-Wien wird mitgetheilt, daß heute Morgen um 7 Uhr 40 Minuten die erste Taube in dem Schlage des -Bleichröder'schen Maschinisten Schmidt angelangt ist. Ihre „Condition" ließ Alles zu wünschen übrig; die Taube ist völlig ermattet und sitzt ganz theilnahmlos mit geschlossenen Augen da. Dies bestätigt die Ansicht, daß die Berliner Tauben verschlagen worden sind. — Im städtischen Obdach befanden sich am 1. Juli d. I. 76 Familien mit 243 Personen, darunter 21 Säuglinge. Am 1. August war der Bestand 68 Familien mit 239 Personen, darunter 19 Säuglinge. Das Asyl für nächtliche Obdachlose daselbst benutzten im Laufe des Monats Juli 12,819 Personen, und zwar 11,983 Männer, 836 Frauen. Don diesen Personen wurden 16 dem Krankenhause Friedrichsdain, 55 dem Krankenhause Moabit und 22 der Charite überwiesen, 315 (302 Männer, 13 Frauen) der Polizei vorgeführt. ♦ Berlin, 3. August. Brot mit socialdemokratischer Controllmarke ist jetzt hier wirklich am 1. August zur Einführung gelangt, aber bis jetzt haben sich erst acht Bäcker in Berlin und einer in Friedrichsberg gefunden, die Brot mit Controllmarke führen. • Wien, 4. August. In Nevesinje (Herzegowina) schlug der Blitz während einer Exercierübung in eine Gruppe von Offizieren des 84. Regiments. Der dem Generalstabe zugetheilte Oberstlieutenant Kratochwill wurde sofort getöbtet; Generalmajor Weißmann, Oberst Stingel, Oberstlieutenant Rohn und Hauptmann Auer wurden leicht gestreift. llnivcrfitäts - Nachrichten. — DaS 75jährige Jubiläum der Bonner Untverfität wurde am Dienstag Abend durch einen von 1200 Studenten dem Rector Professor Sä misch dargebrachten Fackelzug etngeleitet. Am Mittwoch fand ein großer Commers in der Beethovenhalle, am Donnerstag ein Festactus in der Aula statt. Geborene. Juli: 24. Dem Maurer Christoph Wagner III. ein Sohn, Johann Friedrich 25. Dem Brieflräzer Eberhard Ruhl ein todt- geborenes Kind männlichen Geschlechts. 25. Dem Taglöhner Ludwig Mandler eine Tochter, Marie. 25. Dem Wirth Konrad Schomber eine Tochter. 26. Dem Diener Johannes Ludwig Scharmann eine Tochter, Ottilie Luise Emma Auguste Lina. 26. Dem Maurer Heinrich Schneider XI. eine Tochter, Katharina. 27. Dem Fabrikant Wilhelm Emil Hornberger ein Sohn, Rudolf Martin. 31. Dem Brandver- stcherungs-Jnspector Friedrich Zimmer eine Tochter. 31. Dem Großh. Realgymnasiallehrer und Privatdocenten Dr. Joses Collin ein Sohn, Johann Wolfgang. 31. Dem Schneider Johann Friedrich Bosold ein Sohn, Johann Friedrich. August: 1. Dem Bremser bei den Oberhessifchcn Eisenbahnen Jobs. Sehrt eine Tochter, Johanna Katharine Margarethe. 2. Dem Kaufmann Wilhelm Noll IV. eine Tochter. 3. Dem Universitäts-Professor Dr. Eugen Netto eine Tochter. 3. Dem Fuhrknecht Heinrich Roh eine Tochter, Therese. Gestorbene. Juli: 28. OScar Walldorf, 3 Monate alt, Sohn von Handelsmann Isaac Walldorf dahier. 29. Anna Bob, 6 Jahre alt, Tochter von Wirth Philipp Bob dahier. 30. Johann Friedrich Langsdorf, 2 Monate alt, Sohn von Installateur Carl Langsdorf dahier. 31. Katharine Dörr, geb. Orth, 58 Jahre alt, Ehefrau von Schriftsetzer Emil Dörr dahier. August: 1. Wilhelmine Oberländer, 7 Monate alt, Tochter von Wirth Reinhold Oberländer dahier. 2. Auguste Luise Katharine Staffel, 1 Jahr alt, Tochter von Zimmermann Christian Staffel dahier. 2. Elise Feuster, 3 Jahre alt, Tochter von Cigarrenmacher Jacob Feuster zu Garbenteich. 3. Eduard Philipp Sack, Rentner dahier. 3. Albert Alsleben, 19 Jahre alt, Schreiner von Neuendorf. 3. Marie Katharine Emilie Sepp, 2 Jahre alt, Tochter von Kappenmacher Max Sepp dahier. 3. Karoline Sack, geb. Reh, 47 Jahre alt, Ehestau von Postillon Heinrich Sack dahier. Der Auszug aus den Kirchenbücher« folgt in nächster «r. Schiff-nachrichten. Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft. Postdampfer „California" ist am 1. August, 7 Uhr Abends, von Hamburg und Antwerpen in Montreal angekommen. Postdampfer „Slavonia" ist am 2. August, 4 Uhr Morgens, von Montreal nach Hamburg abgegangen. Postdampfer „Dania" ist am 3. August, 6 Uhr Morgens, von Hamburg in Newyork angekommen. Doppelschrauben-Schnelldampfer „Fürst Bismarck", von Newyork kommend, ist am 3. August, 1 Uhr 40 Minuten Nachmittags, in Southampton angekommen und hat nach Landung von Post und Passagieren um 3 Uhr 15 Minuten Nachmittags die Reise nach Hamburg fortgesetzt. Der Postdampfer „Belgenland" der „Red Star Line" in Ant- roerpen ist laut Telegramm am 1. August wohlbehalten in Newyork angekommen. WttSMg . Trautmann, Kupferschmied. ' 6805] Ein braves DienfimAdche« gesucht. Zu erfragen in der Exp. d- Bl. Concursverfahren. Ueber das Vermögen des Maurermeisters (tzeorg Schmidt zu Frankenbach wird heute am 4. August 1893, Nachmittags 6 Uhr, da» Concurrver- fahren eröffnet. Der Rechner ftern zu Naunheim wird zum Concursverwalter ernannt. Concursfordcrungen mib bis zum 5. Teptember 1S93 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Wabl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretenden Falls über die in § 120 der Concursord- nung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf den Gerichtstag in R o d h e i m • den 21 September 1S93, Nachmittags 4 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte Ter- 6804) Ein kleine- Logis zu vermtethen __________H. Roth, Äwengasse 24. 6812] Kleine Wohnung mit Wafierlet» tung an eine ruhige Familie zu vermtethen. W. Lüdeking Wwe., __TeutelSlufigärtchen 8. 6814] DaS Hau? Marburgerstraße 7, zweistöckig mit schönem Garten, zum Alleinbewohnen zu oermietben Neueinrichtung nach Wunsch. Näheres Walltborstraße 18. 5981] Lode« mit Logt? Bahnhofstraße i Nr. 6 zu vermiethin. Näheres Neustadt 53. 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