1893 Sonntag den 3. December Nr. 285 Erstes Blatt | ,tl„ —M—-■ -I — ’ 1 — 2(ntts« «nd Zlnzeigeblatt für den 1C«U Gissten. Advent Lin, zwar ■eneljme von Anzeigen zu der Nachmittag- für dm faßenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borw. 10 Uhr ®ie »ietzmer »erden dem Anzeiger .'»»chnttlich dreimal d«gelegt. „ohne Sccpter, ohne Kron', ohne Land und ohne Thron, ohne Purpur, ohne Pracht, doch ein König aller Macht!" Neujahrstag ist heute, Neujahrstag in der christlichen Kirche. Aber während in der Sylvesternacht sich in das feiernde Geläute der Glocken der Lärm der Straße mischt, fa es oft übertönt, bricht daö kirchliche Neujahr meist in tiefer Stille an und bleibt von der Menge unbeachtet. Wurde es doch einem vielgenannten Geistlichen selbst von seinen Freunden immer als Wunderlichkeit angerechnet, daß er die Neujahrs- wünsche lieber zum ersten Advent als zum ersten Januar empfangen wollte! Der allererste Advent war kein Tag der Stille. Unter dem Jubel einer frohbewegten Volksmenge, die den Weg zum Stadtthor mit Grün bedeckte und die Luft mit ihren Hetlrufen erfüllte, zog ein junger Herrscher in seine Hauptstadt Deutscher Reichstag. 10. Sitzung. Freitag den 1. December 1893. Die erste Lesung des Jesuiten-Antrags hat die Centrumsfractton, die Polen und Elsässer fast vollzählig herbeigeführt Graf Hompesch (Ctr.) tritt für die Annahme des Antrags ein der ein Recht des Volkes und der katholischen Kirche sei. Ein Wtedererwecken des alten Culturkawpfes liege ihm fern. Die Jesuiten, welche man grundlos verleumde, würden verfolgt, während Atheisten und Anarchisten frei predigen könnten, was sie wollten. _ Frhr. v. Manteuffel (conf) verliest eine Erklärung, der zufolge die Mehrzahl der Conservattven gegen den Antrag stimmen wird Die Austreibung der Jesuiten fei nicht als ein Culturkampf- gesetz anzuskhen und im Interesse des confessionellm Friedens aufrecht zu erhalten. Die Aushebung des Gesetzes würde in weiten Kreisen der evangelischen Bevölkerung große Beunruhigung chervorrusm. (Widerspruch im Cmtrum.) „ r ,, . m Eine ähnliche Erklärung verliest Mer bach-Freiburg im Namm der Reichspartet und spricht den Wunsch aus, im Interesse des con- fessionellm Friedms von einer Debatte Abstand zu nehmen. Auch Marquardsen gibt im Namm der Nationalliberalm eine scharsgehattene Erklärung desselben Inhalts. v Holleuffer (conf.) erklärt, er wie einige seiner Freunde würden im Interesse des religiösen Friedens für dm Antrag stimmen. Lotze ^Antis.) macht die Eröffnung, daß seine Partei die Abstimmung dem Einzelnen überlaste. Schröder (Fri. Verein., Führer des Protestantmvereins) polemisirt in scharfer Weise gegen Graf Hompesch und empfiehlt die Ablehnung des Antrags. . „ . . .. Lieber (Ctr.) wendet fick gegen den Vorredner, der cultur- kämpserisch gesprochm habe. Nichtsdestowmiger bankt er für die knappe Abgabe der Erklärungen Seitens der Conservativm und Nationalliberalm. Redner verlangt nochmals Aufhebung des Gesetzes. BloS (Soc.) erklärt sich aus Gerechtigkeitsgefühl für dm Antrag. Au« diesem Grunde werde seine Partei dafür stimmen, indem fie auch annebme, daß das Centrum keinen Handel mit dem Antrag treiben wolle. Die Partei ändere deswegen keineswegs ihre Meinung über die jetzige Gefellfchaft. v. Hodenberg (wild) fuhrt aus, die Welfm wurdm für dm Antrag ftimmen. Sehnlich fpricht Fürst Radztwtll Namms der d^Richter (Frf. Volksp.) glaubt, mit der Annahme des Antrags fei doch nichts erreicht, da d-8 ihm mtgegmstehmde preußische Landesgesetz die Jesuiten unter den Ausnahmm nicht auszähle. Es sei jedenfalls bester, dm Antrag darauf zu beschränken, daß die Frei- zügigkett der inländischm Jesuiten von den Verfügungen der Behördm abhängen. Der Gtchruer Anzeiger «zcheivt täglich, ■tt Ausnahme d«S Montag« vierteffthriger 2 Mark 20 Psg. «M Srinflttlofm. Durch die Post bczZG« '? Mark bO PiK. Ntouctien, und Druckerei: Schutßratza »r.» Fernsprecher 61. Deutsches Reich. Berlin, 1. December. Zu den ÄttentatSversuchen gegen Kaiser und Kanzler liegen einstweilen keine neueren Nachrichten von Belang vor. Was die Blättermeldungen anbelangt, wonach in dieser Angelegenheit ein Austausch amtlicher Noten zwischen Berlin und Paris stattgefunden haben soll, so werden sie von unterrichteter Seite als durchaus unbegründet erklärt. Ueberhaupt scheint man in Berliner maßgebenden Kreisen auf die Bubenstücke kein besonderes Gewicht zu legen, es heißt u. A., im Berliner Auswärtigen Amte glaube man noch nicht recht an den anarchistischen Ursprung der unheimlichen Sendungen von Orleans und halte dieselben eher für die ganz auf eigene Faust be> gangene That eines Verrückten. — Die Reichstags-Commission für die Handelsverträge begann am Donnerstag ihre Berathungen. Zuerst wurde der Vertrag mit Spanien erörtert, doch förderte die DiScussion noch kein bemerkenswerthereS Ergebniß zu Tage. — Ueber die Handelsvertrags-Unterhandlungen zwischen Deutschland und Rußland gehen die Nachrichten weiter denn je auseinander. Auf der einen Seite wird immer wieder behauptet, der erstrebte Vertrag sei im Wesentlichen tatsächlich bereits zum Abschlüsse gelangt, auf der anderen versichert man, es sei noch lange nicht an eine Beendigung der Unterhandlungen zu denken. Jndesten kann kaum bezweifelt werden, daß die beiderseitigen Delegirten noch immer miteinander herumfeilschen und es wüsten daher die Mittheilungen über eine angeblich schon erfolgte Verständigung bezüglich der Hauptpunkte lediglich als Phantasiegebilde dieses oder jenes ZeitungScorrespondenten betrachte! werden. An diese Ankunft Christi in Jerusalem erinnert sich die christliche Kirche alljährlich wieder in den Wochen vor Weihnachten und fragt mit dem brandenburgischen Sänger: Wie soll ich Dich empfangen Und wie begeg'n ich Dir? In manchen deutschen Häufern wird schon ein Tannen- bäumchen aufgestellt mit einem Lichte am ersten Advent, mit zwei Lichtern am zweiten und so fort, bis dann in stiller heiliger Nacht eine Fülle von Kerzen am Bäumchen strahlt. In andern Hausern prangt eine Advents-Rose, hell erleuchtet, die auf das Weihnachtslted deutet: „ES ist ein’ Ros' entsprungen aus einer Wurzel zart." Die Adoentsbräuche sind sehr verschieden, aber sie beweisen, daß in unserm gemüthstiefen Volke das Gedächtniß an den allerersten Advent noch nicht völlig erloschen ist. Doch gilt es heute mehr als eine bloße Gedächtnißfeier,- es gilt die Feier einer neuen Ankunft Christi. Sein Kommen inS arme, nach Gott dürstende Menschenherz — das ist die tiefste Bedeutung unserer Adventsfeier. Dieses Kommen Christi ist keine poetische Phantasie der Theologen, sondern eine Thatsache, die ein aufmerksamer Menschenkenner unzählige Male beobachtet — falls er sie zunächst an seinem eigenen Herzen erlebt hat. Zuweilen vollzieht sie sich in TrÜbsalen, und wenn der Mensch sein TheuerfteS begraben muß, zuweilen im still gewinnenden Zuge des göttlichen Geistes- cs geschieht das besonders häufig in heiliger Jugendzeit, wenn noch das Morgenroth deS Lebens leuchtet. Doch ist nickt das die Hauptsache, wie, auch nicht wann, sondern daß es Advent wird, darauf kommt es an. Wer nie in tiefster Seele Advent gefeiert hat, kann nicht von Neuem geboren werden. Es gibt ein Bild des großen Adventkönigs, wie er anklopfend und bittend vor einer Thür steht, harrend, daß sie 'hm geöffnet werde. „Siehe, ich stehe vor der Thür und klopfe an." Die Einen rufen: „Herein, herein! Du sollst mir hoch willkommen sein!" Die Andern rufen: „Hinaus, hinaus! Für dich bin ich nicht zu Haus!" Durch unsere Zeit geht ein kaltes und erbittertes Hinaus! Aber der Adventskönig kommt immer wieder und wartet, ob wir ihm nicht endlich Einlaß gewähren. O könnten wir mit Friedrich Rückert, dem deutschen Sänger, in dieser Zeit der Friedlosigkeit für uns und unser Volk beten: „O Herr, von großer Huld und Treue, O komme Du auch jetzt aufs Neue Zu unS, die wir find uchr verstört! Noth ist es, daß Du selbst hienteden Kommst, zu erneuern Deinen Frieden, Dagegen sich die Welt empört!" «gk Amroucen-Bureaux de« In- und Au-lande- nch«« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Gesunden: 1 Kinder-Boa, 2 Thürbänder, 1 Schirm, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Pelzkragen, 1 Kriegeroereins, abzeichen, 1 Taschenuhr, 1 Spannkette, 1 Peitsche und 1 Schirmgriff. Gießen, den 2. December 1893. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Gießener Anzeiger Kenemt-Mnzeiger. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz- Bureau. Berlin, 1. December. Ein der hiesigen brasilianischen Gesandtschaft zugegangenes Telegramm des Gouverneurs des Staates Pernambuco berichtet, es sei dort eine Verschwörung gegen die Regierung entdeckt, die Verschwörer aber seien verhaftet, der Belagerungszustand und die Suspension der Habeas corpus-Acte decretirt wordeu. Die Aufständischen haben keine Waffen und kein Geld und keinen Rückhalt in der öffentlichen Meinung. Die Kaufleute setzen ihre Geschäfte fort. Hannover, I. December. Der Kaiser nahm Vormittags auf dem Waterlooplatz die Parade der gejammten G.arnison ab. Die Kaiserin besuchte Wohlthätigkeitsanstalten und die Gartenkirche. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 1. December. Der Seniorenconvent des Reichstags wird heute den nächfttägigen Arbeitsplan besprechen. Am Dienstag beginnt die Berathung über die Steuergesetze. Zuerst wird das Börsensteuergesetzt dttcutirt werden. Die Majorität ist dafür, die Steuergesetze einer Commission zu überweisen. Berlin, 1. December. Die deutsche Reformpartei brachte im deutschen Reichstag Gesetzentwürfe ein gegest die Einwanderung ausländischer Juden und auf Verbot des Schachtens. Berlin, 1. December. Anton Anno, Director des Lessingtheaters, früher Director des Schauspielhauses, ist an der Influenza gestorben. Berlin, 1. December. Wie aus Berichten, welche der „Kreuzzeitung" von verschiedenen Seiten zugegangen find, ersichtlich ist, scheint der Boden für ein internationales Zu- Amtlichem Theil. Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzogthums, hier aus Anlaß des Frühjahrspferdemarkts zu Friedberg. Der Ortsvorstand zu Friedberg beabsichtigt mit dem am 6. Februar kommenden Jahres zu Friedberg stattsindenden Frühjahrspferdemarkt eine Verloofung von Pferden, Fohlen und sonstigen Gegenständen zu verbinden. Großh. Ministerium d. I. u. d. I. hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloofung unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 12000 Loose zu 1 Mark das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 65% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Loose int Großherzogthum gestattet worden. Gießen, den 1. December 1893. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Nach einigen Bemerkungen RickkrtS (Frs. Verein.) unfr Heermanns (Ctr.) wird der Antrag auf Aushebung deS Jesuiten- gesetzeS mit 173 gegen 136 Stimmen angenommen. Morgen: Kleinere Vorlagen. Von der gesummten Preffe wird Caprivis scharfe Replik gegen den antisemitischen Abgeordneten Zimmermann auf» ebhafteste besprochen. Hatte der erste Beamte des deutschen Reiches schon in der vorigen Session unverblümt zum AuS- druck gebracht, wie widerlich ihm das Treiben der anttsemittschen Hetzer fei, so läßt feine gestrige Rede in dieser £)tnfid)t zweifelsohne an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrtg. Graf Caprivi sagte wörtlich: Ich komme nun zu der Rede des Adg. Zimmermann. Er glaubt wohl selber schwerlich, daß auS dieser Rede Jemand Belehrung lchöpsen könnte. Ich glaube, es ist noch fetten eine Rede gehalten worden, roo dec Aufwind physischer Kraft in einem solchen Mtßoerhättniß zum Aufwand geisttger Kraft stand. Ich habe nur ein paar Punkte gefunden, von denen ich glaube, daß es zweckmäßig sein könnte, darauf einzugeben. Der Abgeordnete scheint nicht zu wissen, daß man dieselben Dinge demagogisch betterbm kann und nicht demagogisch. Es kann einer sehr wohl ein Republikaner sein, ohne deswegen demagogisch zu werden; aber die Art, wie die »ntu femiten ihre Ideen im Lande oertheid'gm, ist demagogiA, sie M gefährlich. Ich habe im vorigen Winter mir erlaubt, der rechten Sette des Hauses die Betrachtung anzuregm, ob nicht die Benutzung, die sie vom Bimetallismus und Antise >>ttismus machte, bedenklich wäre, und ich glaube, ein nicht unerheblicher Theil der Herren ist inzwischen zu meiner Ansicht gelangt. Der Antisemitismus fangt an. Ihnen (nach rechts) unbequem zu werden, und Sie .rkennen fetne sährlichkeit. Mit Fug und Recht! Denn wohin führt dieser Weg- Man hat mit vollem Recht behauptet, der Antisemitismus fei eine Vorfrucht der Socialdemokratte. (Lachen bei dm Antisemiten) Er erzeugt Unzufriedenheit, und alle Unzufriedenheit kommt der Sociar- bemotratte zu Gute. Sie hat dm breiten Sttom der Unzufriedenheit, und alle die kleinen Bächlein, die von Jhnm (zu den Antisemiten) ausgehm, fließen in den breiten Sttom. (Sehr richtig! links.) Sie sind nicht die Männer, um die geweckte Bewegung aufzuhatten, sie geht weiter, bis sie in daS große Sarnrnelbasstn der Unzusriedm- heit, in die Soctaldernokratie, mündet. Bei der Agitation gegen die Juden find Sie nicht stehen geblieben, Sie verfolgen nicht nur die Juden, sondern auch solche, die einen jüdischen Vater ober eine jübische Frau hatten, bis in das dritte ober vierte Glied zurück. Die Bewegung fängt an, sich zu verwischen. Nebm den ReligionS- ttat der Rassen-Antisemitismus, und waS Übrig blieb, war der capitalistische Antisemitismus, und das ist eben daS Gefährliche der Agitation, daß sie zuletzt nicht mehr unterschieden wird. Denn die Kreise, an die sie sich wendet, sind nicht geneigt, Unterschiede zu machen, sie laufen blindlings Sturm gegen den Capitalismus. Die antisemitische Bewegung wird nicht vor dem jüdischen Capital Halt mach«, sondern gegen das Capital überhaupt vorgehen. (Lebhafte Zustimmung ltnkS und bei dm Socialdemokratm. Oho! bei den Antisemiten.) Herr Zimmermann fordert die Reichsregierung auf, mit beddben Schärfe gegen bie Juben vorzugehen wie gegen bie Lanbwttthschaftt Wo hat er mich scharf gegen bie Lanbwirthschaft vorgehen sehen? (Zuruf bei ben Antisemiten: Hier!) Er mag behauptm, baß ich die Lanbwirthschaft nicht forbeie, wie ich sie förbern sollte, aber eine Schärfe kann er mir nicht nachweisen. Er wirb mir auch keine Schärfe gegen bie Juben nachweifen können; ich thue meine Pflicht gegenüber meinen Mitbürgern, einem wie bem anbetn, unb ich werde in bem amtlichen Verkehr — unb ber kommt ja nur für mich in Frage — meine jübifchm Mitbürger nicht anbers behanbeln als anbere- , Sprotten, Sardellen, etc. M Daviar. Kbit (W Emil Orbit [ J bie britte ftt? rdimlaae 31, pn Ä nermfribtn- .... 9 ist eine Wöhrs! ZubehSr per W FWer, flU’F AlicestraßeK, Wil» «WlM il 1894 * v. 6 5" [g MW tagm. AimWindeiker^ uj (tarn. W>tr: 1. reeemdtr l. A tW bei frnr 'isst._______________ reHWöbc! Wir, ifl K iu ottnMin. v. «iitzow. ,ak tzr MmsLrdm- } m Mr tyntöt uplatz II. r Korsetts an Chemisetts °tjacken MfbitmiBj. Packet 8576 51. Die Damen lösten thre Aufgabe sehr zufriedenstellend. Frl. 'Leland fl?«. 1893. jjamuttn gibt eö dort, dere I corpS angehörk haben. Vom KriegSgone reich gesegnet" ist und wir daß ist. lag 26 52 24 48 22 , 44 , 66 25 50 , •• z. Neues Theater. „Roderich Heller", Lustspiel in vier Acten von Franz von Schönthan. — Ein toller Schwank ist dies Stückchen, dessen drastische Situationskomik oft geradezu zwerchfellerschütternd wirkt. Frisch und lebendig in der Anlage und dabei wahr, dtrect aus dem Leben gegriffen. ES ist die alte Geschichte von der ersten Jugendliebe, die fest tm Herzen wurzelt und Haftel, deren Andenken durch nichts selbst durch die langjährige glückliche Ehe mit einem andern, alS jenem, von dem der Backsisch zuerst geschwärmt, nicht vollständig gebannt werden kann. Und wenn dann jener Ersterträumte plötzlich wiederum vor seine frühere Angebetete hintritt mit einem geradezu abschreckenden Aeußeren, kahl stachelbärtig, wie ein Kater, wenn sich herausstellt, daß er sogar zweimal verheiratet war, daß er sieben Kinder hat, — ja dann entstehen eben jene Situationen, die Schönthan in seinem Lustspiel so überaus treffend gezeichnet hat. Kommt nun noch hinzu, daß die Darsteller so vollkommen auf die Intentionen des Autors eingehen und ihre Aufgabe so tüchtig beherrschen, wie dies gestern Abend der Fall war, dann ist der Zweck des Stückes und der Wunsch des Dichters erfüllt, denn das Publikum lacht und amüsin sich bestens. Die Brodpreise vom 3. December bi- 17. December Der Hiesigen fläimstr (i gWäj’aüi ti vroMirir 6M Diese ^wesm, al? bk . .'Oiyltiti bit, r tWt filnann tt hoch in den j drtz bit tzchvin ixiMnm, ati I ’olbajio bit rl verbunden ist, Aufschwung nt «um iulbruif. Verlauf der Ult stüfstzm Stlbfta. Hl tm n -eichte 6out«ftei| Progaiai Sache «clungen, seine l ■i Millionen Ps, wird, bit in den befftz befindlicher W ooflmbtn. 1 otatö liegende j ' -böhimg btrjtn imfiag und Jib fr®iffion ist zw. ^fübtunfl ii $ 0.rr VIeichtöder kD4Tb>m (fytnl N ltgtt .Leider ist j «ch, w inaumn actta ton «b u mb langen der * dottrig E rtalifirbar, Mengung fehl Wnjen. Die bg bit Rahl ** iifti astr? H^to^0n auf - lal n^l ai bm.? ^tten fte g.‘ Floren t UfUn Afftou far Xi £2® «ob "Io V» nenn 1 Kg. (2 Psd.) Tafclbrod 2 Kg. (4 Pfd.) , . ' 1 Kg. (2 Psd.) Wetßbrob 2 Kg. (4 Vfd.) Wcißbrod 1 Kg. (2 Psd.) Schwarzbrod . 2 Kg. (4 Pid.) , ' 3 Kg. (6 Pfd) „ . ; ' ; ; bei S. Stern (Schlüchterner u.Easseler Brob) I Kilo • D- Stern (Schlüchterner u. Casseler Brod) 2Kilo Der au-wLrtigeu »Lcker. 2 Kg. (4 Pfd.) Weißbrod bei Wilb. Amend von l'ang-Gön- 44 1 (9 mk». \ ex . • H'uier v. Gr.-Linden 40 ' i 5ß- 7 £ u Schwarzbrod b. W Siemmüller o. Laog-Gön»21 " - Kg. (4 Pw.) „ bei Gg. A. Heuler v. Gr. Linden .38 „ Gg. Kd. Belten v. Ktrch-Gön« u.Pd.Belten l.o.Gr.-Linden 40 , . W. Steinmüller v. L -Gün» u. F. Schön o. Ruttershausen 42 , - W'lh. Amend v. Lang-Gön« 42 B Guft. Jacobi v. Alten Buleck QO /-r ?U6 r ' Do0n„?ero^tr na(6 lvamburg zurückkehrend. bat am 30. November 8 Uhr Morgens Scilly pafftet. Postdampfer 3OU9?oPDemb^On7 nh nach Hamburg zurückkehrend, ist am 7 Morgens in Havre angekommen. Dampfer Orn 2 I non Montreal nach Hamburg zurückkehrend ist am U.^ber Morgens in London angekomm».' Dam!in Stubbs «November 12 llbr Mittags von Halisar nach Philadelphia und Baltimore weitergegangen. 4 w Verkehe, €anb* unb Volkswirthschaft. 2. December. Marktbericht Hnf brm hnm.u.. Ä1 CT' ®fb' •* o per Stück 7—8 4, 2 Stück — A, t«t vr. St. 5—8 a nr’ 18 Zinsen pr. Liter 30*4, Hühner pr. Stück JL 1,00-1,10, ßabnen 25- S' ^_^0-1.00 Enten vr. 6t X 1,60 bi, 2,00, OdrfenfkifA SifTnr62«^8 und Rindfleisch pr. Pfd. 50-06 4, SSß L w?* ^^ste-ilch pr. Pfd. 50-56 4, fcamnxefc 40—60 ^. Kartoffeln pr. 100 Kilo 3,50—4,00^4 on"*° pr ^ntner 7,00-8,00 A, aJhXd) pt. öfter 16 20 4, Gänse pr. Pfd. 44—56 4 x . *^chueidemnhl, 1. December. Nach einer Nachricht des ^chnetdemühler Tageblattes" hat das Project de, Oberberghauptmannes Freund keinen Erfolg gehabt. Die zwei Meter Hobe Aufschüttung am Unglücksbrunnen hat ein Versiegen der Quelle nicht bewirkt, das Wasser bricht üch vielmehr in der früheren Weise Bahn. * Dresden, 1. December. Bei einem gestern in dem »irften fchen Stembrnch erfolgten größeren Gesteinabsturz wurden drei Personeii getödtet und e ne schwer verwundet. Bern, 1. December^ Der BundeSrath bewilligte eine Subvention von 900,000 Francs für eine nationale Ausstellung in Genf im Jahre 1896. ♦ Die Quelle der Spree ist verkauft worden. Die Spree entspringt bekanntlich in der Nähe deS DorleS «ltgers- fäd,r,f<6en Oberlausitz. Der dortige naturwissen- chaftl.che Verein hatte die Quelle fassen lassen, so daß die- selbe auf der Pfarrwiese als Ursprung der Spree gezeigt wurde. Das Areal, auf welchem die Wiele lieai, ist letzt von einem Buchhändler in AltgerSdorf angekauft worden, ^^lbe soll die Absicht haben, auf dem Terrain eine Kalt- Wasserheilanstalt zu errichten. Der militärische Gruß. Seit einigen Tagen werden in Meran unter Gurgäftcn und Einheimischen kleine Briese folgenden Inhalts in großen Mengen verrheüt: „Im Interesse ihrer Gesundheit werden sämmtliche Herren in Meran höflichst 8 u ^Cn ^ut ,^c*m ®ruBe nicht abzunehmen, sondern nur milttarifcf) zu grüßen. Die geehrten Damen wollen diesen Grutz als einen ganz besonders herzlichen betrachten." ' Liquidation namhafte Deckungskäufe ausgeführt wurden, haben auch sie eine kräftige , Steigerung erfahren. Die Anthetlfcheine der Disconto-Gcsellschaft lagen Anfangs VtlstttkliMt LekllNNMlllÜMg i matt, weil die Pariser Druckluft-Gesellschaft, an welcher das Institut betheiligt ist, . .*/ 9 Borserrwoehev-erieht Karl Sang von Gießen ist wegen schloffen werden. 9979 Aeilgeöotenes Empfehle als 102.65 102.75 102.— 102.20 •ifmMtutUttm. 224.— 150 — 135.— W 188.45 Bottf 147.80 85.90 223.30 107.90 110.20 184.80 83.80 81.60 106.60 100.60 107.10 100.40 83.90 81.10 102.75 95.45 61.05 98.95 100.35 78.55 339 50 152.90 103.45 95.50 61.25 99.40 100.30 78.90 51.— 55.45 97.60 97.80 67.50 Verschwendung entmündigt worden. Rechtsgeschäfte können gültig mit demselben nur unter Zustimmung seines Vormundes, des Gr. Forst- inspectors H er) er zu Gießen, abge- L-- 51 15 55 25 96.50 96 40 68.— 130.— 93.40 100.— 125.80 101.70 .Für inländlsche Eisenbahnactien fehlte jedwedes Interesse; den öfter« reichischen kam in erster Linie die gute Stimmung der Wiener Börse zu statten; sodann wurde eine Reihe von Einnahme-Ausweisen bekannt, welche recht befriedigenden Eindruck machten. Die definiitven Abrechnungen bis End« August ergaben bei der österreichischen Staatsbahn 600000 und bet der Elbthaldahn 510000 fl. mehr. — Die höheren Course für Lombardische Eisenbahnactien wurden mit dem Eintritt ihres Präsidenren in den Verwaltungsrath der Bodencredtlanstalt motioirt, obgleich sich nicht beurthellcn läßt, welche Vortheile der Bahn daraus erwachsen sollen. Ein viel gewichtigerer Grund liegt in dem starken Rückgang der Golddevtsen, weil die Bahn, abgeseh-n von den Betriebskosten, beinahe ausschließlich Goldoerpflichtungen bat und nur Silber bezw. Papier vereinnahmt. Der Eoursgewinn beträgt bei Lombarden über 3 fl, bei Staatsbahn, Nordwestbahn und Elbthal annähernd je 5 fl. Dux-Bodenbacher und Böhmische Nordbahn Actien sind etwa 11 fl. höher, letztere wegen Ausgabe neuer Actien. Auch für schweizerische Etsenbahnwerthe war rege Nachfrage vorhanden, insbesondere erfreuten sich Gott.hardt-Actten der Gunst des Publikums, nachdem die Generalversammlung die Statuten-Aenderung in Betreff der Einlagen in den Erneuerungsfonds genehmigt hat. Dadurch daß der Bestimmung rückwirkende Kraft bi? zum 1. Januar 1893 gegeben worden ist, glaubt man in unterrichteten Kreisen, daß die Dividende für das laufende Jahr nicht hinter der vmjährigen zurückbleiben wird. Italienische Eisenbahnen waren durch den Zusammenbruch des Credits Mobiliare nachteilig beeinflußt. Auf hem Gebiete der Montanpapiere waren Hüttenactien durch die Auslösung des deutschen Walzwerkoerbandes gedrückt. Es ist indeß nicht anzunehmen, daß hierdurch eine einschneidende Umwälzung in der Lage detz Etsenmarktes zu er warten ist, weil man schon lange daraus vorbereitet war und somit die Folgen der Verbandsauflösung schon im letzten Halbjahr zum Ausdruck gekommen sind. Gerüchtweise verlautete auch, daß das große Huldschinsky'sche Werk in Oberschlesien dem schlesisch-mitteldeutschen Verband beigetreten sei; doch muß dies. Nachricht mit der nöthtgen Reserve ausgenommen werden, weil gerade dieses Werk der Hemmschuh war, an welchem die Neuconstituirung des Verbandes so lange scheiterte. Kohlen werthe zeigten festere Haltung durch den Beschluß des westfälischen Cokessyndicates zu Bochum, die Productionsetnschränkung für December aus 18 Procent gegen 22 Procent im November festzusttzen. kirchliche Anzeigen -er evang. Gemeinde. Abendmahlsseiern mit Beichte werden in der Johannes- kirche vor Weihnachten noch an folgenden Sonntagen gehalten: Morgen Sonntag, am 1. Advent, den 3. December, im Vormittagsgottesdienst für Lukas- und JobanneSgemetnde zusammen. Sonntag den 10. December (2. Advent), im AbendgotteSdienft für die LukaSgerneinde Sonntag den 17. December (3. Advent), im AbendgotteSdienft für die JohanneSgemetnde. Im Conftrmandensaale wird gehalten: Montag den 4. December, Abends 8 Uhr: Bibelstunde Markus Cap. 9, Verklärung und Passion Pfarrer Dr. Naumann. Mittwoch den 6. December, Abends 8 Uhr: Andacht: Das Volk Israel zur Zeit Jesu. Pfarrer Dingeldey 100.60 107.— 100.45 Den 1. December. Philipp Wagner, Privatmann, ein Wittwer, alt 82 Jahre, starb den 29. November. Denselben. Georg Tränkner, Schreinermeister, alt 59 Jahre, starb dm 29. November. Gießen, 1. December 1893. Großherzogliches Amtsgericht Gießen Stammler. 9988] ML«se. und Rattenpille«, giftfreie, Erfolg sicher, ächt bei ________H Ä. Sack, Neuenweg 58. 9985] Sornstroh verkauft Ehr. SpieS, Neuenweg 29. GllrschlirstttNHtn. November: 29. Albert Dreier, Knecht dahier, mit Jacobine Henriette Kreuffel Hierselbst. 29. Jost Heinrich Karl Pitzer, Milchhändler dahier, mit Katharine Eckhardt Hierselbst. Geboren«» November: 19. Dem Ingenieur Hugo Leopold Franz Hofmann ein Sohn, Anton Karl. 22. Dem Former Anton Ztrbus ein Sohn, Anton. 25. Dem Zimmermann Christian Staffel ein Sohn, Christian Karl. 25. Dem Schneider Clemens Narz eine Tochter, Auguste Marie. 26. Dem Korbmacher Ludwig Zecher eine Tochter, Laura Auguste. 27. Dem Taglöhner Balthaser Jung ein Sohn. Gestorben«. November: 24. Ludwig Philipp Franz Möser. 47 Jahre alt, Wirth dahter. 25. Wilhelmine Bärrn, geb. Kümmel, 62 Jahre alt, Wittwe von Schreinermetster Andreas Bärrn dabier. 25. Earl Joseph Schütz, 32 Jahre alt, Hotelbesitzer dahier. 27. Karl Feußer, 9 Jahre alt, Sohn von Weißbinder Heinrich Feußrr dahier. 26. Friedrich August Ludwig Schimmel, 8 Jahre alt, Sohn des verstorbenen Eigarrenmachers Konrad Schimmel dahier. 28. Wilhelm Bernhard Ludwig Karl Wetdenhaus, 5 Jahre alt, Sohn von Schlosser Bernhard Weidenhaus dahier. 28 Gertrude Elisabethe Emilie Einheuser, 1 Jahr alt, Tochter von Hilfsbremser Ludwig Einheuser Achter. 28. Friedrich Otto Hermann Adolf Deibel, 3 Monate alt, «Lohn von Kaufmann Albert Deibel dahier. 28. Jobann Philipp Wagner, 83 Jahre alt, Postillon i. P. dahter. 29. Georg Martin Matthäus Tränkner, 59 Jahre alt, Schreinermetster dahter. 30. Her- mann Christian Friedrich Schäfer, 23 Tage alt, Sohn von Schuh- H^aiann Schäfer dahier. December: 1. Christiane Appel, 76 Jahre alt, ledig dahter. Ausverkauf in Kinder- Spielwaaren (für immer). Friede. Rüger Kreuzplay 4. Anktt-SteinblNlkaStit und Geduldspiele: Kopfzerbrecher (xrillentöd ter Zornbrecher etc. vorräthig in der J. Ricker’schen Buchhandl, Südanlage 5. [9894 Auszug aus den Kirdtcttbüd^rn der Stadt (Sieben. Evangelische Gemeinde. Getraut«. Matthäusgemeinde. Den 29. November. Albert Dreier, Knecht in Gießen, und Jakobtne Henriette Kreußel, Tochter dts Ackermanns Johann Ludwig Kreußel auS Mauloff. Getauft«. Lukasgemetnd e. Den 26. November. Dem Bremser Johannes Dechert eine Tochter, Ottilie, geboren den 28. October. Johannesgemetnde. Den 26. November. Dem Dienstmann Daniel Weißenstein eine Tochter, Emma Magdalena, geboren den 17. September. Den 27. November. Dem Schuhmacher Hermann Schäfer ein Sohn, Hermann Christian Friedrich, geboren den 7. November. Beerdigte. Matthäusgemeinde. Den 26. November. Ludwig Philipp Franz Möser, Wirth, alt 47 Jahre, gestorben den 24 November. Den 28. November. Wilhelmine Bärrn, geb. Kümmel, Wittwe des SchreinermeisterS Andreas Bärrn, alt 62 Jahre, gestorben den 25. November. Johannesgemetnde. Den 29. November. Carl Feußer, Sohn des Weißbinders Heinrich Feußer, alt 9 Jahre, starb den 27. November. Oest Nordw^BahnLtt.8. 196% 198.90 10955 Gotthardt . . 110.50 Jtal. Mtttelmeer LudwigShafen-Bexbach. Hessische Ludwigsbahn. Pfälzische Nordbahn . Lüüeck-Bückner . . . Diese Erwägungm find jedoch für die Tendenz weit weniger ausschlaggebend gewesen, als die animirte und unternehmungslustige Stimmung der Wiener Börse. Wenngleich die Zweifel darüber noch nicht geschwunden sind, ob der jetzige öster- r'tchlsche Finanzminister d'e auf ihn gesetzten Hoffnungen wird erfüllen können, so ist doch in den jüngsten Tagen eine derartige Besserung der Valuta eingetreten, daß die Schwierigkeiten zur Regulirung derselben nickt mehr so unüberwindlich ^scheinen, als bisher. Die Wiener Speculatton ist offenbar überzeugt, daß das Goldagio die rückgängige Tendenz betbehalten wird, womit natürlich die Hoffnung verbunden ist, daß Handel und Industrie in Oesterreich - Ungarn demnächst neuen Aufschwung nehmen werden, und man bringt dies dort täglich in den Coursen zum Ausdruck. Unterstützt wurden die Wiener Bestrebungen noch durch den glatten Verlauf der Ultimo-Liquidation an den deutsch n Börsen und durch die infolge des flüssigen Geldstandes vielfach veranlaßten Deckungskäufe. AIS ein weiteres Motiv für bas freundliche Aussehen der Börse ist die fortgesetzte Coursstetgerung der mexikanischen Papiere zu erwähnen. Was in bet vergangenen Woche noch Hoffnung war, hat sich nunmehr verwirklicht. Es ist Mexiko gelungen, seine schon früher durch die Cortes genehmigte Anleihe im Betrag von 3 Millionen Pfund unterzubringen, wodurch die Regierung in den Stand gesetzt wird, die in den letzten Jahren aufgenommenen Vorschüsse zu tilgen, die in Privat- besttz befindlichen Münzstätten abzulöfen und den Bau der Tehuantap-c'Eisenbahn zu vollenden. Anerkennenswerth ist ferner. daß die in Berlin für den Coupons- dienft liegende Reserve wieder ergänzt wird und daß das Haus Bleichröder eine Erhöhung derjenigen Zollquote durchgesetzt hat, welche als Unterpfand für die Verzinsung und Tilgung der sechsprocentigen Anleihe bestimmt ist. ’ An der neuen Emission ist zwar das genannte Berliner Haus betheiligt, doch wird von einer Einführung in Deutschland vorläufig Abstand genommen; das Vertrauen, welches Herr Bleichröder hierdurch dem mexikanischen Staat entgegenbringt, steht in mert würdigem Gegensatz zu dem Pessimismus, den er noch vor ganz kurzer Zeit an den Taa legte. Leider ist die Woche nicht vorübergegangen, ohne daß man von Neuem w ieder auf recht unangenehme Art an die italienische Krisis erinnert wurde. Schon seit geraumer Zeit setzt sich an den dortigen Börsen die Entwerthung aller Bank- actien fort und in der jüngsten Zeit sind so heftige Preisstürze oorgekommen, daß man mit Bangen der diesmaligen Liquidation entgegengesehen hat. Es war längst bekannt, daß der römische Credit Mobiliare, das größte Bankinstitut Italiens, mit ernsten Schwierigkeiten zu kämpfen hat, weil seine Mittel zum größten Thetl in schwer realisirbaren Werthen festgelegt sind, obgleich etz die Verwaltung nicht an Anstrengung fehlen ließ, das festgerannte Fahrzeug nochmals in Bewegung zu dringen. Die begangenen Fehler stnd jedoch zu groß, um fie sofort wieder gut machen zu können, und so ist denn die Bankleitung in die Nothwendigkeit versetzt worden, die Zahlungen etnzustellen. Zur Stunde läßt sich noch nicht voraussagen, wie viel bei diesem Zusammenbruch verloren geht. Bei der engen Verbindung, welche das Institut mit der ganzen Industrie des Landes gehabt hat, ist indeß anzunehmen, daß die Katastrophe noch weitere Opfer nach sich ziehen wird. Die Actien des Credit Mobiliare, welche bei 400 Lire etngezahltem Capital Ende Oc- tobcr schon auf 330 Lire zurückgegangen waren, und bei der diesmaligen Liquidation 245 notirten, sind heute auf 160 gefallen. Selbstredend ist dieser rapide Courssturz und die dadurch entstandene Verstimmung nicht auf das Heimathland und seine localen Werthe beschränkt geblieben. Auch an unseren Börsen hat die Nachricht einen Tendenzwechsel zur Folge gehabt, dem alle Gebiete des Marktes ihren Tribut zollen mußten. Auf dem Fondsmarkt verloren italienische Renten 3/< Procent, was um so empfindlicher ist, als sie von der vorausgegangenen besseren Strömung nicht profitirt hatten. Die lebhaften Umsätze fanden in Mexikanern statt, welche nach mehrfachen Schwankungen zwei Procent über dem vorwöchentlichen Niveau schließen. Auch hier zeigte es sich wieder, daß die Thatsachen nicht so günstig wirken, als die vorherigen Erwartungen. Oefierreichische und ungarische Werthe wurden vom Heimathland infolge des weichenden Goldag