1893 Freitag den 3. Februar flt. 29 Amts- und Anzeigeblatt für den Ttrers Gieren Hratisöeitage: Hießener Aamikienötätter Amtlicher Theil Martini ■4 Km, J n'ß- 8dg. yoftbnoi^tt tzgst j Md v. (Sagern. »«nähme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr. Die Gießener Familie» blätter »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal deigelegt. »ft 8t»«» , Amtsblatt Nr. 57 — in Erinnerung gebracht und find von der Abteilung für Forst- und Cameralverwaltung dieses Ministeriums die Grobherzoglichen Forstämter und Oberförstereien bezüglich der auf dem ihrer Verwaltung unterstehenden Domanial-, Gemeinde- und Privatwaldgelände ftatt- findenden Ausgrabungen durch Ausschreiben vom 24. October 1892 unter Bezugnahme auf jene Ziffer 6 noch mit besonderer Weisung versehen worden. Indem wir unsererseits hiermit auch Ihnen die bestehenden Bestimmungen insbesondere des Ausschreibens vom 7. Juli 1841 in Erinnerung bringen, beauftragen wir Sie, dieselben in ihren betreffenden Kreisen allgemein bekannt zu geben und zugleich die Ihnen unterstehenden Großherzoglichen Bürger- meistereien und Ortspolizeibehörden, das Feldschutzpersonal, die Kreis- und Gemeinde-Bautechniker, Straßenmeister rc. mit geeigneter Weisung dahin zu versehen, daß bei allen Ausgrabungen von Grabhügeln, Befestigungen und sonstigen Resten der Vorzeit, wenn thunlich schon vor deren eventuellen Genehmigung oder dem Beginn der Arbeiten, Ihnen und der Großherzoglichen Museums-Direction dahier möglichst rasch Nachricht gegeben und für die Erhaltung der aufgefundenen Gegenstände Sorge getragen wird, damit die Museums Di- rection in der Lage ist, ihr Jntereffe wahren und über den Erwerb der Fundstücke Entschließung fasten zu können, bevor diese in fremde Hände gelangt sind. Finger. Gießen, am 31. Januar 1893. Betr.: Die Ausgrabung von Alterthümern. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grohherzoglichen Bürgermeistereien und Ortspolizeibehörden. Unter Bezugnahme auf das nachstehend abgedruckte Ausschreiben des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz beauftragen wir Sie, in allen Fällen, wo Alterthümer (Urnen und sonstige Gefäße, Waffen, Münzen rc.) in Ihrer Gemarkung aufgefunden werden, sowie auch bann, wenn Grabhügel , Befestigungen und sonstige Reste der Vorzeit erst ausgegraben werden sollen, uns unverzüglich Mittheilung davon zu machen und bis zu unserer Verfügung dafür zu sorgen, daß die Alterthümer thunlichst erhalten werden und nicht in fremde Hände übergehen. Das Polizei- und Feldschutzpersonal ist entsprechend zu verständigen. Der Gießener -«»eiger erscheint täglich, Mit Ausnahme he» Montag». ©termiabriq c Abonnementspreirr 2 Mark 2" Pfg. mU Urmqerlehn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedillo» und Druckerei: -chotkratze Fernsprecher 5L Ausgaben infolge der Militärvorlage. Diesem Beschlüsse ging eine mehrstündige finanzpolitische Discussion voran, in welcher namentlich Eugen Richter die vorliegenden Kostenanschläge als höchst unvollständig charakterisirte und hierbei der Regierung den Vorwurf machte, einentheils seien von ihr die Kosten der neuen Militätvorlage viel zu niedrig heran* schlagt, anderntheils habe sie weitere sich ergebende Ausgaben, wie z. B. die auf mindestens 150 Mill. Mk. zu schätzenden Kosten für die Casernirung der neu zu errichtenden Truppen- theile, überhaupt nicht berücksichtigt. Die anwesenden Regierungsvertreter bemühten sich, die Richter'schen Darlegungen zu entkräften, wobei die Erklärung des Staatssecrelärs v. Maltzahn hervorzuheben ist, daß die Kosten der Militärvorlage ganz aus eigenen Mitteln bestritten werden sollen. Die nächste Sitzung der Commission hängt von dem Fortgänge der Arbeiten des genannten Sonderausschusses ab. Alle Annoncen-Bureaux de» In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Deutsches Reich. Berlin, 1. Februar. Es erscheint nicht weiter verwunderlich, wenn der kürzliche Besuch des russischen Thronerben am Berliner Hofe eine wahre Sturmfluth von Betrachtungen in der Tagespresse erzeugt hat. Läßt sich doch die politische Bedeutung des Ereignisses nicht mehr läugnen, und es ist alsdann wohl erklärlich, wenn man in deutschen Blättern vielfach we'tschweisenden Hoffnungen hinsichtlich der künftigen Gestaltung der deutsch-russischen Beziehungen begegnet. Zweifellos werden nun die letzteren unter dem Eindrücke der Berliner Reise des Czarewitsch sich freundlicher als bislang entwickeln, sonst müßten alle Anzeichen täuschen. Aber sicherlich steht nicht zu erwarten, daß nunmehr die frühere „thurmhohe" Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland wiederum in die Erscheinung treten werde, einer solchen tiefgreifenden Wendung würde schon die allgemeine politische Lage widerstreben. Wohl jedoch kann man hoffen, daß durch den mehrtägigen Aufenthalt des Czarensohnes in Berlin so mancherlei „Mißverständnisse", die seit längerer oder kürzerer Zeit zwischen Berlin und Petersburg spielen, verschwinden werden, und in dieser Hinsicht dürften die erfreulichen Wirkungen des Ereignisses allerdings nicht zu unterschätzen sein. Merkwürdig genug, kommen gerade jetzt, da wieder ein besserer Wind von der Newa zur Spree weht, abermals Gerüchte über erneute Verschiebungen russischer Truppen aus dem Inneren des Czarenreiches nach dessen Westgrenzen, und zwar sollen diese Truppendislocationen bestimmt zum herannahenden Frühjahr stattsinden. Sollten sich die betreffenden Meldungen bestätigen, so würden sie den optimistischen Erwartungen bezüglich der ferneren Entwickelung des deutsch - russischen Verhältnisses freilich einen kleinen Dämpfer aufsetzen. — Die Militär-Commission beschloß in ihrer Dienstagssitzung die Einsetzung eines aus sieben ihrer Mitglieder bestehenden Sonderausschusses. Die Aufgabe desselben ist die Ermittelung der jetzt und künftig nothwendig werdenden Darmstadt, am 9. Januar 1893. Betr.: Die Ausgrabung von Alterthümern. Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz an die Grotzherzoglichen Kreisämter. Durch die Allerhöchste Verordnung vom 22. Januar 1818 ist bereits sämmtlichen Behörden zur Pflicht gemacht, für die Erhaltung der noch vorhandenen Kunstwerke Sorge zu tragen. Insbesondere sind in Ziffer 6 die Beamten angewiesen, wenn bei Nachgrabungen oder anderen Veranlaffungen Alterthümer aufgesunden werden, für möglichste Erhaltung derselben zu sorgen, und (bei baulichen Ueberresten) der oberen Baubehörde oder (bei sonstigen Alterthümern) der Direction des Museums sogleich Anzeige zu machen. Da dieser Allerhöchsten Bestimmung vielfach nicht Folge geleistet wurde, so sind durch Ausschreiben vom 7. Juli 1841 zu Nr. D. 10745, das Auffinden von Alterthümern im Großherzogthum und deren Ablieferung an das Großherzogliche Museum betreffend, — Amtsblatt Nr. 23 — die Pro- vinzial-Commiffariate dahier und zu Gießen und sämmtliche Großherzogliche KreiSräthe aufgesordert worden, in ihren Verwaltungsbezirken die erforderlichen Bekanntmachungen zu t da ff en und Einleitungen zu treffen, daß bei Auffindung von Alterthümern — worunter namentlich auch Urnen und sonstige Gefäße, Waffen und Münzen usw. begriffen seien — dem Großherzoglichen Museums-Director von dem Fund Nachricht gegeben werde. Dabei ist vorbehalten, wenn die Acquisition des gefundenen Gegenstandes für das Großherzogliche Museum räthlich erscheine, dem Finder eine dem Werthe des Gegenstandes entsprechende Bezahlung zu gewähren. Als wünschens- werth wurde deshalb bezeichnet, daß, wenn thunlich, bei der Benachrichtigung eines Fundes zugleich der Preis angegeben werde, um welchen der Finder den gefundenen Gegenstand an das Museum abzugeben geneigt sei. Im Anschluß hieran ist den bezeichneten Behörden und Beamten durch Ausschreiben vom 15. August 1846 — Amtsblatt Nr. 20 — eine an sämmtliche Großherzogliche Bau-, LForst- und Neutbeamten in Bezug auf die in der Erde sich jinbenöen Alterthümer erlassene Instruction zur Mittheilung nn bie Bürgermeister, Gemeinde-Baumeister unb Wegbau- liusseher zu ihrem Bemeffen zugestellt unb zugleich jene Bestimmung, welche bem Museum bie Erwerbung solcher Alterthümer ermöglichen sollte, eingeschärft worben. Nachbem neuerdings roieber an verschobenen Orten bes Großherzogthums burch frembe unb einheimische Sammler von Alterthümern Ausgrabungen vorgenommen worben unb die bobei zu Tage geförderten Fundstücke in frembe Hänbe tibergegangen falb, ehe bie Großherzogliche Museums-Direction rem ben Ausgrabungen Kenntniß erhalten hatte, erscheint es bringend geboten, bie bestehenben Bestimmungen, welche in erster Linie ben Zweck haben, ber Verschleppung solcher aus römischer, heibnisch- unb christlich-germanischer ober früherer Zeit entstammender Gegenstände vorzubeugen und dem Groß- herzoglichen Museum zu deren Erwerb vor Anderen Gelegenheit zu geben, in Erinnerung zu bringen und deren Befolgung tinzuschärfen. Von Seiten Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen ist daher die eingangs erwähnte Ziffer 6 der Allerhöchsten Verordnung vom 22. Januar 1818 sämmtlichen unterstellten Beworben burch Ausschreiben vom 7. December 1892 — ** Anzeigen. ^'Panorarna MM JltuÄ , W Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. DmW »urmll t« lttWfa lr Ww B. Tichl 43. _____________________________________Achenbach. Bekanntmachung, betreffend, bie Ergänzungswahl bes Vorstanbes ber israelitischen Religionsgemeinbe Gießen. Bei ber am 1. b. Mts. vorgenommenen Wahl ist Herr Nathan Rosenthal zum Mitglieb bes Vorstanbes ber israelitischen Religionsgemeinbe bahier wiebergewählt worben. ES wirb bies mit bem Anfügen öffentlich bekannt gemacht, baß währenb breier Tagen, nämlich am 6., 7. unb 8. b. Mts. bas Wahlprotocoll mit allen Anlagen auf bem Büreau beS I. Vorstehers Herrn Meier Hornberger bahier, offen gelegt sein wirb, unb baß währenb ber unerstrecklichen Frist dieser bfei Tage bie Stimmberechtigten, sowie ber Gewählte von bem Wahlprotocoll unb besten Anlagen Einsicht nehmen unb Einweisungen gegen bie Wahl ober gegen den Gewählten, bezw. auch eine Ablehnung der Wahl, bei Vermeidung des Ausschlusses bei Großherzoglichem Kreisamt Gießen vorbringen können. Gießen, den 1. Februar 1893. Der von Großh. Kreisamt Gießen ernannte Wahlcommissär: Hach. Deutscher Reichstag. 34. Sitzung. Mittwoch, 1. Februar 1893. Ein Antrag des Reichskanzlers nm Genehmigung der Einleitung des Strafverfahrens gegen den Abg. North wird der Gefchäfts- ordungscommtssion zur Vorberathung überwiesen. Hieraus wird dir Berathung der Anträge der Confervattven und des Centrums, betr. Maßnahmen zur Hebung deS Handwerks fortgesetzt. Abg. Ackermann (cons) begründet seine Anträge auf B^ schränkung der Abzahlungsgeschäfte, Verbot der Wanderlager und Wanderaucttonen, Einschränkung des Haustrhandels und Untersagung des Haufirens durch Detailreifende, vorbehaltlich etwaiger durch daS Bedürsntß unerläßlich gebotener Ausnahmen. Der Antrag wegen der Abzahlungsgeschäfte erledige sich durch den von der Regierung etngebrachten Gesetzentwurf. Für Wanderlager und Wanderaucttonen bestehe kein wtrthfchaftliches Bedürsniß. Der Hausirhandel solle nicht verboten, sondern nur die Auswüchse desselben b< schnitten werden. Redner bittet um Annahme seiner Anträge, um das Vertrauen in den Geschäftsverkehr wieder zu heben. Abg. Dr. Schädler begründet die den Anträgen Ackermann entsprechenden Thetle des Centrumsantrags auf Abänderung der Gewerbeordnung. Auch das Centrum wolle kein absolutes Verbot des Hausirbandels, sondern nur eine Beseitigung der Auswüchse desselben. DaS Vorhandensein solcher Auswüchse würde von be- theiltgter Sette selbst anerkannt. Er empfiehlt Verweisung des Entwurfs an die Commtsfion für die Abzahlungsgeschäfte. Abg. Dr. Schneid er-Nordhausen (dfr.): Die Extrabesteuerung der Wanderlager und Wanderaucttonen habe sich in Potsdam sehr wirksam erwiesen. Für ein neues Gesetz könne er em Bedürfniß nicht anerkennen. Redner wendet sich dann gegen den vom Centrum eingebrachten Gesetzentwurf, alle die zahlreichen Beschränkungen, welche der Entwurf enthalte, würden den Zweck, den man damit verfolge, nicht erreichen. Die Socialdemokraten seien viel consequenter als das Centrum; letzteres wolle den Consum, soweit er durch den Hausirhandel befriedigt würde, durch die Regierung bestimmen lasten, warum denn nicht einen Schritt weiter gehen und den Consum überhaupt durch die Regierung bestimmen lassen? Der Entwurf des Centrums schaffe Unzufriedenheit, indem er einen Thetl der Hausirer bevorrechte. Er überlaste die eigentliche Ausfüllung des Gesetzes dem Bundesrathe, was ja recht bequem fei, wett man dann, wenn sich das Gesetz nicht bewähre, immer den Bundesrath verantwortlich machen könne. Der Nutzen, den man mit der Beschränkung de8 Hausirbetrtebes für ben seßhaften Handel schaffen wolle, werde sehr überschätzt. Abg. o. Strombeck (Ctr.): Die Petitionen um Beschränkung des Haufirhandels gehen meist von Concurrenten aus, welche unberechtigter Weise einzelne Mißstände im Hausirhandel generalrsirten. Der Entwurf seiner Freunde wolle nur Auswüchse beseitigen, aber er schieße über das Ziel wett hinaus. Durch eine Unterdrückung des Haufirhandels würden im EtchSfeld allein 2000 Familien brodlos gemacht werden. Abg. Holtzmann (natl.): Durch den Gesetzentwurf würden, wenn er Annahme finde, zahlreiche Ortschaften im Reiche schwerbeschädigt werden. Man hätte dem Hause die Verhandlung über diesen Gegenstand ersparen können. Die Verhandlung wecke auf der einen Seite schwere Befürchtungen, auf der anderen Sette Hoffnungen, die sich doch nicht erfüllen. Die Petitionen um Unterdrückung des Hausir- detriebs gingen nie von Leuten aus, die sich etwa von Hausirern belästigt fühlten, sondern immer nur von Concurrenien. So dumm aber sei doch das deutsche Volk nicht, daß es theuer und schlecht von Hausirern kaufe, wenn es billig und gut von seßhaften Gewerb- tretbenden kaufen könne. Der Centrumsantrag wolle die Fraum vom Hausirbetrieb ausschließen; das liege aber keineswegs im Interesse der Käuferinnen. So verhandle eine Hausirertn mit Spitzen mit der Käuferin über die zweckmäßige Anbringung derselben an Kleidungsstücken. Eine Anzahl der Bestimmungen des Entwurfs würden den Hausirhandel überhaupt unmöglich machen. Die Industrie habe durch den Hausirbetrieb erheblich gewonnen. Die Kreischaer Strobhutfabrtkanten im Wahlkreise Ackermanns würden es sehr übel empfinden, wenn der Hausirbetrieb nach den Anträgen beschränkt werden sollte. Die Kreischaer Strohhüte würden durch erzgebtrgische Hausirer durch ganz Deutschland verkauft. Man behellige den braven erzgebirgischen Hausirer nicht und handle nach dem Worte: leben und leben lassen. Abg. Bock (Soc.): Der kleine seßhafte Gewerbebetrieb werde durch Versandtgeschäfte, wie Rudolf Hertzog, Mey u. Edltch u. s. w., viel mehr beeinträchtigt als durch den kleinen Hausirer. Warum denke man nicht an eine Beschränkung des Geschäftsbetriebes jener großen Geschäfte? Entschieden müsse die Art und Weise zurück- gewiesen werden, in welcher in den Petitionen gegen dm Hausirhandel der letztere herabgesetzt werde. Mit all solchen Mittelchm, wie sie bier vorgeschlagen werden, nütze man dem Handwerk gar nichts. Die Regierungen seien auch weitsichtig genug, um das zu schnelle Fahrt»,. gute Verpflegung, billigst? Preise. Minijt ttl^ilcy: r Becke & Marslly, Ank othof, Generalagent, Mainz, Schaaf in Giessen, psteln in Lang»dort nersiclwiw , tuende Agentur ben. erten sub J K 1(Wj xped, d. Bl. Stsvchtzum 1. Aprils tt 4-5 Zimmern, allem eita. und ev. Garten oder M'' Gefl. Offerten * J atrnb bei der w Lehrling nttr ; W. Cfferti« an bli 1 14._________i, eiten alsrtveittt«°i Prinz 6«1 .©irnMfl E erkennen. So habe die sächsische Negierung in einem amtlichen Berichte mit zutreffenden Gründen Stellung gegen dm Befähigungsnachweis gmommm. Abg. Clemm (natl.): Der Antrag des Centrums könne in der vorltegmden Fassung nicht Gesetz werden; dm bestehmden Miß- siänden, die durch die neuen Bestimmungen über die Sonntagsruhe verschärft wordm seien, müsse begegnet werdm. Er befürwortet corn- mtssartsche Vorberathung der Anträge. Abg. Böckel (Antisemit): Gegm die Abzahlungsgeschäfte, worunter er solche verstehe, welche mit allm möglichen Dingen handeln, müsie bald etwas geschehen. Gründlich könne aber nur etwas gethan werdm, wenn der Grundsatz durchgeführt werde, dah nur solche Lmte mit Waarm handeln dürfen, bereit Anfertigung sie gelernt habm. Die Wanderlager müßten verboten und zugleich dm Ausverkäufen größere Aufmerksamkeit zugewmdet werden. Auch eine Reclamesteuer sei zu erwägm. Eine Beschränkung deS Hausirhandels sei drtngmd nöthig. Selbstverständlich sei der Handel mit selbst- geferttgten Waarm vom Hausirbetriebe nicht auszuschlteßen. Verboten müsse unbedingt der Hausirhandel mit Vieh werdm, denn damit würden nur Viehseuchen eingeschleppt. Wenn man dem Handwerk helfen wolle, so müsse man den Eingangs von ihm formulirtm Grundsatz in die Gesetzgebung aufnehmm und dafür sorgen, daß dem Mittelstände Eredtt zu Theil werde. Abg. Biehl ((Str.) oertheidigt dm von feinen Freunden eingebrachten Gesetzentwurf. Er müsse verlangen, daß mtndestms das, was der von der bayerischm Regierung im Bundesrathe eingebrachte Antrag fordere, durchgeführt werde. Gewiß würden einzelne Haufirer nach Annahme des Entwurfs geschädigt, aber ihre Zahl stehe in gar keinem Verhältniß zu der großen Zahl der seßhaftm Gewerbtreibenden, welche durch die Auswüchse des Hausirbetriebes geschädigt würden. Die Industrie, welche durch die Beschränkung des Hausirhandels beeinträchtigt werde, sei von der Art, von welcher gelegentlich der Weltausstellung zu Philadelphia das Wort „billig und schlecht" gebraucht wurde. Abg. Stolle (Soc.) widerspricht den Angaben Biehls, wonach der Hausirbetrieb die Bettelei und Vagabondage fördere. Im Königreich Sachsen ergebe die Statistik das gerade Gegenßheil: der Hausir- handel habe zu-, die Bettelei aber abgenommen. Die Erzeugnisse der sächsischen Industrie würden zu einem großen TheUe durch Hausirer vertriebm. Will Herr Biehl behaupten, daß die sächsische Industrie Schund fabriztre? Abg. Schrader (dfr.) führt aus, daß alles nutzlos gewesen sei, was seitens Der Rechten und des Emtrums bisher auf dem Wege der Gesetzgebung zur Hebung des Handwerkes versucht worden sein. Abg. Ackermann (cons.) bezweifelt die Existmz des von Bock erwähnten Bericht- der sächsischm Regierung gegen ben Befähigungsnachweis. Die Anträge Ackermann werden abgelehnt, der Antrag deS Eentrums an die Commission für die Abzahlungsgeschäfte verwiesen. Bei der Abstimmung über ben weiteren Antrag Ackermann, dm Consumvereinm bie Abgabe von Waaren an Ntchtmttglieber unter Sttasandrohung zu verbieten, stellt sich Beschlußunfähtgkeit bes Hauses heraus. Es sinb nur 125 Abgeordnete anwesend. Freitag 1 Uhr: Antrag auf Einstellung eines gegen Ahlwardt wegen Beleidigung schwebenden Strafverfahrens, Etat. Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 1. Februar. Gestern wurden hier Extrablätter mit der lügenhaften Nachricht von einem Attentat auf den Czaren verbreitet. Wie nun die „Nordd. Allg. Ztg.^ meldet, hat der Staatssecretär Marschall heute gegenüber dem Botschafter Schuwalow sein Bedauern über den groben Unfug ausgesprochen. Berlin, 1. Februar. Die „Nordd. Allg. Ztg." bespricht einen Artikel des „Moniteur de Nome", welcher die Mission des Generals von Loö als einen Beweis für die verzweifelten Anstrengungen der deutschen Negierung, die Intervention des Papstes für die Militärvorlage zu gewinnen, bezeichnet hatte und bemerkt dazu, das genannte Blatt sei nach Lösung seiner Beziehungen zum Batican neuerdings in die Hände eines französischen Consortiums übergegangen, das, tote vorliegender Artikel beweise, vornehmlich französische Revanchepolitik betreibe. Der Artikel sei ein schmählicher Versuch, eine Ehrenbezeugung, welche der deutsche Kaiser dem Papste erweisen wolle, zum Ausgangspunkte von Lügen und Erfindungen zu machen zu dem Zweck," die Kaiserliche Regierung bei den deutschen Katholiken zu verdächtigen und ihre auf Stärkung der Wehrkraft gerichteten Bestrebungen zu durchkreuzen. Bromberg, 1. Februar. Hier hat sich ein Cornits, bestehend aus den angesehensten Großgrundbesitzern und hiesigen finanzkräftigen Firmen, welchen ein Capital bis zu 15 Millionen zur Verfügung steht, gebildet behufs Baues und Betriebes von Kleinbahnen in den ostdeutschen Gebieten. Auf eine bezügliche Aufforderung an sämmtliche Kreisausschüsse des Ostens zum Zwecke gemeinsamen Vorgehens sind bereits mehrere Anmeldungen eingegangen. Loudon, 1. Februar. Die gestrige Conferenz von Vertretern der vereinigten Grubenbesitzer und der Bergleute von Süd-Wales ist gescheitert. Die Grubenbesitzer stellten heute sämmtlichen 65000 Arbeitern eine einmonatltche Kündigung zu. Athen, 1. Februar. Durch ein neues Erdbeben auf der Insel Zante sind heute dort weitere Häuser eingestürzt. Die Regierung beantragte bei der Kammer einen Credit von 1OOOOO Francs zur Unterstützung der durch das Erdbeben Betroffenen. Depeschm deS Bureau „Herold". Berlin, 1. Februar. Heute fand hier eine Versammlung von Arbeitslosen statt, welche nur schwach besucht war. Sie sprach sich in scharfen Ausdrücken gegen die heutige Staats- und Gesellschaftsordnung aus und wurde nach den Worten eines der Redner, daß die Bourgeoisie bald den Tritt der Arbeiterbataillone zu hören bekommen werde, polizeilich aufgelöst. Unter dem Absingen der Arbeitermarseillaise ging die Versammlung auseinander. Berlin, 1. Februar. Aus guter Quelle verlautet, die Regierung selbst setze keine große Hoffnungen auf die Durchbringung der drei Steuervorlagen und richte sich in aller Stille auf das RohspirituSmonopol ein. ES heißt, die Regierung gedenke im BundeSrathe der Angelegenheit bald näherzutreten. Auf der Rechten deS Reichstages habe das Project viele Freunde. Berlin, 1. Februar. Die „Kreuzpeilung" meldet: Bei dem gestrigen Abendeffen beim Ministerpräsidenten v. Eulenburg wurden die politischen Tagesfragen nur wenig berührt. Soweit die Politik zur Sprache kam, wurde die Steuerreform eingehend vom Kaiser besprochen und die Hoffnung auf daS Gelingen derselben ausgedrückt. Berlin, 2. Februar. Dem „Berl. Tagebl." wird aus Emden gemeldet, daß der Schiffsverkehr zwischen den ostfriefischen Inseln und dem Festlande wieder eröffnet worden ist. Beutheu, 1. Februar. Der Herzog von Ratibor wird am Samstag beerdigt. Der Kaiser sandte ein Beileidstelegramm und stellte sein Eintreffen zur Beerdigung in Aussicht. Nietleben, 1. Februar. Neuerdings erfolgte eine Er- k rankung und ein Todesfall. Die Gesammtzahl beträgt bis jetzt 114 bezw. 45. Paris, 1. Februar. Die Polizei fahndet unausgesetzt auf Ar ton- sie hat festgestellt, daß er sich in Jaffy, in Bukarest und in Budapest aufgehalten hat. Eine weitere Spur von ihm ist nicht auszufinden. Paris, 1. Februar. Das Gerücht, der Justizminister Bourgeois werde demnächst demissioniren, wird dementirt. Paris, 1. Februar. Der „Gaulois" meldet, der Czarewitsch werde nächstes Frühjahr Paris besuchen und zwar mit längerem Aufenthalt als in Berlin. Paris, 2. Februar. Die „Cocarde" versichert, die Anklagekammer werde heute auf 'die Strafverfolgung der Minister, Deputirten und Senatoren Verzicht leisten. — Der Gesundheitszustand von Cornelius Herz hat sich noch verschlimmert, die Aerzte haben den Patienten auf- gegeben.^ Brüssel, 1. Februar. Ein Localblatt kündigt einen Congreß der Arbeitslosen Belgiens an. Die Arbeitslosen in Gent, Mons, Löwen und allen großen Jndustrie- cernren hätten der ergangenen Einladung zugesagt, die Arbeiter würden barfuß kommen. London, 1. Februar. Die Weizenernte in Australien ist ausgezeichnet. Die Staaten Victoria, Mittelaustralien und Neuseeland verfügen über 6/5 Millionen Hectoliter Weizenüberschuß gegen 4,5 im Vorjahre. Der Weizenüberschuß Argentiniens beträgt 6 Millionen Hectoliter und ist sehr guter Qualität. Petersburg, 1. Februar. Von August bis December v. I. wurden 14,717,500 Hectoliter Weizen exportirt, gegen 16,500,000 Hectoliter im Vorjahre. Recklinghausen, 2. Februar. Durch eine Explosion schlagender Wetter auf der Zeche „General Blumenthal" wurden 19 Bergleute getödtet, 17 sind schwer verletzt. Cocalts und Provinzielles. » Gießen, 2. Februar 1893. — Von der Witterung. Das seit Anfang dieser Woche herrschende milde Wetter hat, nachdem die Nacht von SamStag auf Sonntag noch einmal mit ziemlich starkem Frost angesetzt, die Schneemassen zum Schmelzen, das Eis zum Brechen gebracht. Hunderte von Händen waren in diesen Tagen beschäftigt, durch Aufhauen des Eises auf Straßen, Trottoirs und in Höfen den nothwendigen Aufräumungsprozeß zu beschleunigen und ein stattlicher Wagenpark war in den Dienst der Stadt gestellt, um die Ueberreste eisiger Niederschläge ins Freie zu befördern. Einen ungefähren Begriff von dem fortzuschaffenden Eis kann man sich machen, wenn man die Anhäufungen desselben am Viehmarktplatze betrachtet, und doch ist dahin nur ein ver- hältnißmäßig kleiner Theil gekommen. Es war Angesichts dieses plötzlichen Temperaturumschlags unausbleiblich, daß auch unseren Flüssen, Lahn und Wieseck, reichlich Wasser zugeführt werden würde; so sind dieselben denn auch stellenweise über ihre Ufer getreten. Die Lahn hat den Schweinemarkt übersluthrt und steht am Krofdorfer Weg, diesseits erstrecken sich die Fluthen über den Weg nach den Badeanstalten. Das Eis auf dem Woog ist nur theilweise losgegangen, wie denn bisher wenig Eis an der Stadt vorbeigetrieben wurde. An der Brücke lagern größere Eismassen, denen der Durchgang noch versperrt ist. Begreiflicher Weise zieht das Schauspiel eines Hochwaffers immer eine große Zuschauerzahl an. — In hiesiger Stadt bietet sich demnächst Gelegenheit, ein gutes Oelporträt von Verstorbenen, Eltern, Kindern :c. anfertigen zu lassen, welches in vollkommener künstlerischer Ausführung für alle Zeit ein werthvolles Andenken bildet. Aus diese seltene Gelegenheit werden unsere geehrten Leser gleichzeitig durch ein im heutigen Blatte enthaltenes Inserat hingewiesen. In der Universitäts Buch- und Kunsthandlung Frees und Taschs ist ein nach einer kleinen Photographie angefertigtes Oelgemälde, Oelporträt der Kaiserlichen Prinzen in Lebensgröße, von einem nur kurze Zeit hier weilenden Mitgliede der Wiener Porträt und Kunstmalergesellschaft ausgestellt. Direction und Atelier dieser Gesellschaft befinden sich zur Zeit in Nürnberg. Ein persönliches Sitzen ist zur Anfertigung des Bildes nicht mehr erforderlich. Eine Photographie nebst Angabe der Farbe des GesichtSteintes, fomie der Haare und Augen genügen diesem Zwecke vollständig. Nach kleinen Photographien werden lebensgroße Bilder unter Garantie frappanter Ähnlichkeit hergestellt. Dazu kommt noch, daß derartige OelporträtS viel billiger als andere Gemälde sind und als überraschende Geschenke dienen können. Dem Director genannter Gesellschaft, Herrn Josef Machatschek, wurden für künstlerische Leistungen neben goldenen, silbernen und anderen Ehrenmedaillen auch der Hoftitel und der Orden für Kunst und Wissenschaft verliehen. Außerdem sind ihm zahlreiche schriftliche Anerkennungen aus den höchsten Kreisen zugegangen. — Naturalverpflegstation. Im Monat Januar d. IS. haben 544 Stationsgäste die hiesige Verpfleg st ation in Anspruch genommen. Die Kosten für Nachtlager, Abendeffen und Frühstück beliefen sich auf 337,28 Mark. — Uebermorgen, Samstag, Abends 8Pl2lUbtjnBen' eine Ät M wurde statt . . D. Ztz. Ute Kammer der Reihe neuer Einläufe wammer bie gestern timt großen Anzahl 'm Antrag auf aallicher Lager, te fort. «Lriteas der 'M Folge zu geben, eine Resolution ein« it, nach Maßgabe bet nn Absatz der landen zu wollen. Ur lbg. Schönberger, Abg. Michel spricht reitet, daß der Klein- sruchtjuden, ausgesaugt hervorgerusen durch «Minister Finger esuch in ernslliche Er- anberen Resultat wie n bei Abg. Hao/ itrung zu überweisen, auch gewünscht, baß >vn ttnexn Mittel an- t Sache nacher Urnen je auch der Regierung so auch beut Bauerr- $enn er einen tu der Regierung in cunbire. Er Plaidire gestellten Antrag mf Ausschuß- habe dieser jerbe die Regierung gter Abstimmung wirb Stimmen angenommen aß verwiesen. - Ein n auf Zusammen- tarteü der P°rj-»-° /meins in Hessen, die Fijchereigewer^ mch weitere 8770 w an*L 2500 M. Ein Antraz tungen de .•SsS»*' liUt3 waut* f^t Swlin "rl et um y n„ d-r sich ottt ^“uiiotn * iiü Der WWJ f*' hd!« sitzt! f'J' Ln' ioy,» »* ftet sns der Ingelheimer und der Petersaue nochmals eine Stockung eintrat und sich das Eis über zwei Meter hoch aufthürmte, war der Abgang der Eismasien hier ein vollständig gefahrloser und verursachte nur eine Steigung des Stromes von einem halben Meter. Am Nachmittag war das Eis fast vollständig vorübergetrieben und deutete heftigeres Steigen des Wasiers unterhalb eingetretene Stockungen an. Letztere wurden durch hier eingelaufene Nachrichten bestätigt, daß die Eismassen sich im Rhein wieder gestellt und im „Binger Loch" das Eis noch nicht loSgebrochen. Gegen 3 Uhr trieb auch das erste Maineis hier vorüber- das letztere hat sich indeß nm 5 Uhr oberhalb der Kostheimer Straßenbrücke wieder gestellt, desgleichen haben sich oberhalb der Eisenbahnbrücke wieder Eismassen des Oberrheins festgesetzt. Seit 7 Uhr heute Abend steigt der Rhein hier wieder sehr stark. Der Rhein war hier seit dem 17. Januar zugefroren. Bingen, 1. Februar. Die Nahe mit ihren gewaltigen Eismassen, die, bis zu 7 Meter Höhe aufgeschichtet, das Flußbett bedeckten, hat heute Nachmittag gegen Vs2 Uhr durch Oberwasser verstärkt, die Rheineisdecke in der Richtung nach dem Mäusethurm durchbrochen und ihre gesummten Eismassen im sog. neuen Fahrwasser zwischen dem Mäusethurm und Trechtlingshausen, am linksseitigen Ufer hoch aufgethürmt, abgesetzt. Das Rhein eis steht bis zur Stunde noch fest. Zweimal im Laufe des Nachmittags, um 3 und 6 Uhr, war eine kleine Bewegung bemerkbar, doch steht seit 6 Uhr die Eisdecke wieder geschlosien fest. Der Eisaufbruch wird von Minute zu Minute erwartet. Das Wasser des Rheins steigt rapide. Seit 7 Uhr sind die Ufer überfluthet und die tiefer gelegenen Theile der unteren Vorstadt unter Wasier gesetzt, so daß die Straßen nur noch mit Kähnen befahren werden können. Pegelstand augenblicklich 5,10 Mtr. Vermischtes * Frankfurt a. M., 1. Februar. Der Bahnverkehr von hier nach Kronberg ist wegen ^Hochwassers der Nidda heute eingestellt worden. Bei Rödelheim steht das Wasser viertelmeterhoch über den Eisenbahnschienen. * Kreuznach, 1. Februar. Infolge eines starken Nachtregens steigt die Nahe, sodaß Hochwasser befürchtet wird. Der hiesige Pegel zeigt 4,7m, in Oberstem 2,2m. * Coblevz, 1. Februar. Das Lahn-Eis treibt in halber Strombreite in dichter Masse vorbei. * Mannheim, 1. Februar. Das rapide Steigen des Neckars hält an. Aus Heilbronn wird gemeldet, daß der Neckar seit gestern 3 Meter gewachsen sei. Bei Neckarhausen stehen die Felder meterhoch unter Wasser. ♦ Mannheim, 1. Februar. Das Rh ein eis ist bis zur Neckarmündung abgegangen. Das Neckareis steht noch, bte Parkanlage, sowie die angrenzenden Wiesen stehen meterhoch unter Wasser - der Freudenheimer Bahndamm ist überschwemmt. * Berlin, 2. Februar. Gestern wurde hier in der Gerichtsstraße ein Doppel-Raubmord verübt, ein Kind von 2^2 Jahren ist demselben bereits zum Opfer gefallen, die Mutter des Kindes wurde schwer verwundet und schwebt in Lebensgesahr. Von dem Thäter fehlt bisher jede Spur. * Berlin, 31. Januar. Auf deutschen Rennbahnen sind im vorigen Jahre insgesammt 3,184,134 Mk. an Preisen ausgezahlt worden, davon wurden durch Einsätze und Reugelder 866,986 Mk. aufgebracht. Es starteten 5435 Pferde in 886 Rennen- insgesammt fanden 160 Renntage statt. * Erfurt, 31. Januar. Ein hiesiges Bankhaus wurde von einem Fälscher erheblich geschädigt. Bei dem Bankhaus erschien der hier ansässige Kaufmann Hermann Naumann und legte neun Stück Depotscheine der Reichsbank im Betrage von 55 000 Mk. vor. Als das Geld erhoben war und der Empfänger sich damit entfernt hatte, wurde erst entdeckt, daß die Scheine gefälscht waren. Naumann ist flüchtig. * Gleiwitz, 1. Februar. Das mit vielen Kun st schätzen angefüllte Schloß des Barons v. Gilgenheimb zu Schieroth ist abgebrannt. * Straßburg i. E., 30. Januar. Major a. D. Bühler, früher im Württemb. Jnf.-Regt. Nr. 126 hier actio, stürzte auf der Jagd bei Romannsweiler in einen Graben. Dabei entlud sich sein Gewehr, der Schuß ging ihm in den Kopf und die Hirnschale wurde völlig gesprengt. Die Leiche wird nach der „Str. Post" in Friedrichshafen beigesetzt. * Auf dem Thüringer Walde treten die Kramm ets- vögel in diesem Jahre in solchen Massen auf, daß sich die bekannten „ältesten Leute" nicht entsinnen können, solche nach Tausenden zählende Schwärme jemals gesehen zu haben. Die Jagd auf diese ist deßwegen eine sehr ergiebige. Es sind Fälle vorgekommen, daß auf einen Schuß 18 Stück zu Fall gebracht wurden. * Genua, 29. Januar. Der schönste Schneemann, der wohl je angefertigt worden ist, war dieser Tage hier zu sehen. Arn 15. Januar herrschte nämlich in der sonst durch ihr mildes Klima bekannten Stadt an der Riviera eine eisige Kälte, verbunden mit einem heftigen Sturm und starkem Schneefall. Am 16. d. Mts. kratzte der berühmte Bildhauer Achille Canessa aus einem drei Meter hohen Schneeblock die wohlgetroffene, den Genuesen besonders wohlbekannte vollständige Büste des Christoforo Columbus auf einem mit dem Wappen Italiens gezierten, prächtigen Postament heraus. Ganz Genua hatte seine Helle Freude an diesem schönen Product künstlerischer Laune. In wenigen Tagen sind von diesem Schneemann 2500 Photographien verkauft worden. * Rom, 1. Februar. Heute Abend ist die hiesige Synagoge niedergebrannt, die kostbare Bibliothek und der Tempelschatz ist vernichtet. * Von einem traurigen Geschicke ist eine Familie in Culmbach (Oberfranken) heimgesucht worden. Der ver- heirathete Biersieder Weith und sem Sohn sind am 19. Januar zu gleicher Stunde verunglückt. Der junge Weith, in der Schobert'schen Mälzerei in Eckersdorf bei Bayreuth beschäftigt, kam dem Riemen der Transmission zu nahe, dieser riß ihn in die Höhe und zerschmetterte ihn zwischen Decke und Transwissionsstange. Kaum war dieses Unglück den Eltern telegraphisch gemeldet, als von diesen ein Telegramm an den Verunglückten eintraf, laut welchem sein Vater durch einen Sturz von der Treppe das Genick gebrochen hatte. An dem Grabe der Verunglückten trauert die schwergeprüfte Wittwe und Mutter von vier unmündigen Kindern. * In Groß-SanderSleben ist der cand. phil. W. bei der schrecklichen Kälte der voriger Woche erfroren. Der junge W. war von Halle nach Hause gekommen, um seine in Groß- Sandersleben wohnenden Eltern zu besuchen. Er hatte sich unterwegs verspätet und ist erst spät bei der elterlichen Wohnung angelangt, wo sein Klopsen von den Eltern, die im ersten festen Schlafe lagen, nicht sogleich gehört wurde. Der junge Mann ist dann im Scheunenthor, wo er Schutz gegen den grimmigen Frost gesucht hat, stehend eingeschlummert und so vom Tode ereilt worden. Nach einigen Tagen fand der Vater, nachdem die Eltern durch Bekannte von der Abreise des Sohnes in Kenntniß gesetzt waren, nach langem Suchen seinen Sohn noch in derselben Stellung, auf den Gehstock gestützt, im Scheunenthor der Gartenseite tobt auf. * Damenhüte aus Aluminium. Die neueste Mode sind, wie aus Paris gemeldet wird, Damenhüte aus Aluminium. Das Patentbureau Lüders in Görlitz soll bereits das Patent für Deutschland erhalten haben. Welch reizende Perspective eröffnet sich für unsere Damen. Die unmodern gewordenen Hüte wandern des Umschmelzens wegen einfach ins „alte Aluminium", anstatt in. die Rumpelkammer! verkehr, Land, «nd volkrwirthschast. Limburg, 1. Februar. Fruchtmarkt. Rother Wetten JL 14.05, w^itzer Weizen JL , Korn JL 11.05, Gerste JL 10.00, Hafer JL 7.15, Erbsen Gottesdienst in der Synaqoge. Samstag den 4. Februar: Vorabend 4^ Uhr, Morgens 8°° Uhr, Nachmittags 3«> Uhr, Sabbathausgang 5" Uhr. ________ Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesestschast. Freitag Abend 430 Uhr, Samstag Vormittag 88J Uhr, Samstag Nachmittag 3°° Uhr, Samstag Abend 5" Uhr Ball-Seidenstoffe von 75 Pfge. bis 18.65 per Meter — sowie schwarze, weiße und farbige Seidenstoffe von 75 Pf. bis Mk. 18.65 per Bieter — glatt, gestreift, carrtrt, g. muttert, Damaste rc. (ca. 240 versch Qual. u. 2000 versch. Farben, Dessins rc.) Porto» u. zollfrei. Muster umgeh. [282 Seiden-Fabrik 6 Henneberg (k. u. k. Hoti) Zürich. 364b] Tausendfaches Lob, notariell bestätigt, über HoV^ud. Tabak von B. Becker in Deesen a. Harz 10 Pfd. lose i. Beutel sco. 8 Mk hat d. Exp. d. Bl. eingesehen. ««schwüre, wunde Hautstellen. Verbrennungen, Verbrühungen, Eiterungen rc. werden am besten mit behandelt, dessen Wirkung eine rasche, sichere zuverlässige und absolut unschädliche ist. Erhältlich k Dose JL 1— in «letzen in allen Apotheken. Myrrhen Creme ist der patentirte ölige und verdickte Auszug des Myrrhenharzes. L1010 Die Schuldverschreibung der Stadt Hungen vont Jahre 1886 Lit. B. Nr. 19 O 300 ist zur Rückzahlung mit 1. April 1893 aus- geloost worden. Der Besitzer der genannten Schuldverschreibung wird Hiermit aufgefordert, das Capital am 1. April 1893 an hiesiger Gemeirrde- taffe in Empfang zu nehmen; die Verzinsung endet mit dem 1. April 1893. Hungen, im Januar 1893. Grobherzogliche Bürgermeisterei Hungen. Buttron. 954 Jagdverpachtung. Donnerstag den 9. Februar I. I, Nachmittags 1 Uhr, soll die der Gemeinde Reiskirchen zustehende Jagd, enthaltend 2063/4 Hectare Wald ! und 5313/4 Hectare Feld auf dem Gemeindehause dahier auf weitere ueun Jahre verpachtet werden. Bemerkt wird, daß das Jagdgebiet immer ein sehr günstiges Resultat ergeben hat und durch die angrenzenden Waldungen ein starker Wechsel- gang von Rehwild stattfindet. Reiskirchen, 1. Februar 1893. Großh. Bürgermeisterei Reiskirchen. Wagner. [10271 Bekanntmachung, i Montag den 6. Februar l.J. ■ soll der der Gemeinde Reiskirchen zu-• gehörige Lungsteinbruch im District^ Schlieberg auf mehrere Jahre auf \ dem Gemeindehause dahier verpachtet' werden. j Reiskirchen, 1. Februar 1893. | Großh. Bürgermeisterei Reiskirchen. ■ __________Wagner.______[1026 ! Jagdverpachtung^ | Dienstag den 7. Februar, Nachmittags 2 Uhr, soll auf hiesigem Rathhause die der Gemeinde Hausen Anstehende Jagd auf weitere sechs Jahre verpachtet werden. Hausen, 28. Januar 1893. Großh. Bürgermeisterei Hausen, j Schmandt. 877; GerhkMr AklMhueu. Die Lieferung der Schreibmaterialien und sonstiaen Bureanbedüriniffe für das Rechnungsjahr 1893/94 soll vergeben werden. Die Bedingungen und das Verzeichniß der Gegenstände sind bei unserer Magazinsverwaltung dabier einzusehen. Liefe- rungsangebote, welche versiegelt und mit bezüglicher Aufschrift auf dem Briefumschlag versehen fein müssen, werden bis zum 15. ffebrtrar l. I., Vormittags 10 Uhr, entgegengenommen. Gießen, den 31. Januar 1893. 1009]_______Großherzogliche Direktion. Freitag den 3. Februar, Nachmittags 2 Uhr, zu Gießen in der Bteker'schen Hofraithe sollen gegen Baarzahlung öffentlich versteigert werden: 1 Pferd, 1 Kuh, 1 Handwagen, 1 Anzahl Ferkel, 1 Bierapparat, Wirths- tische und -Stühle, 2 Secreiäre, 2 Sophas, 2 Eommoden, 1 Eassa- schrank, 1 Garnitur Polstermöbel, 1 Pianino, Gold- und Silbergeräthe, 1 Wecker, 1 Taschenuhr, Cigarren rc. Engel, 1025 Gerichtsvollzieher. Aeifgeöotenes. Verlangen Sie sofort meine Prospecte über die von mir vertretene Serien-Loos-Gesell- schaft „Glück“ in Stuttgart. Mit einer Einlage von monatlich JC. 3.50 können Sie grosse Gewinne erzielen, müssen aber ungünstigenfalls circa die Hälfte Ihrer Einlagen wieder zurückerhalten. Jeden Monat eine Ziehung, nächste 1. März. E. Wenger, Stuttgart, 1018] Jacobstrasse 21, I. ▼ Verlobungsanzeigen Hoehzeitseinladung- fio38 Visitenkarten empfiehlt bei bochf. Ausführung in kürzester Zeit . s. C. von F D1S r=. 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Bl- erbet, durch er Portraitmaler-Gesellschaft. 1017 Familie Euler und Angehörige. 1029] in bester l'afie zu verm •VUPtn Zu erfr. i. d. Exp. (53 0 1039 0 Giessen, den 1. Februar 1893. -6.50 Ein tüchtiges Mädchen, welches Reich» bank-Discont 3 oEt. — Frankfurter Bank-DiScont 3 pftt. 81 80 385.50 109.50 152.20 104.00 110 70 59.00 wird durch meine Katarrhpasttllen in kurzer Zeit radical beseitigt 96 50 92 30 rot« 5590 13720) Ber. Xöntg»-Laurah.'Act. Teudeuz: fest Dr. C Müller, pract. Arzt. Auftrage meiner Mutter beehre ich Bilde meines sei. Vaters sehr zu- täglich. Ein fetten de» Nchuh- irerh». Nur ächt tu haben in Noten v. 12—70 Pfg-, towie lote in den mit Plakaten i er i ebenen Handlungen, doch achte man genau auf l-tiquctle u. Fama Th. Voigt Würzburg, verlange überall Voigt* Leder feit und weite jede Nachahmung zurück. Kaufmännischer Verein. Freitag, 3. Febr., Abends 9 Uhr im Vereinslocale (Caf Ebel): Alter - Herrenabend. 1019] Gesucht werden zwei Land- Handlungsgehilfen zu Leipzig Mädchen, sowie mehrere Mädchen für ' und seine lioschaftHstoilcn in Berlin, Küche und Hausarbeit durch das erste Breslau, Chemnitz, Dresden, Düssel- Vermtetb • Bureau von Frau Müller, dort, Frankfurt a. M., Königsberg 1. Löwengasse. Fr. und Nürnberg. [1'3 Sch weinfurth, den 22. August 1892. Herr Franz Specht, Schwelnfurth: Im mich, Ihnen mitzutheilen, dass sie mit dem frieden Ist etc. etc. etc. Schweinfurt!), den 7. Juli 1892. Lomb. E--B.-Sct. Buich^erader (t^S-zIcL Elblhal-Bahn-Act. Golthard-Bahn-Act. Schweizer Nord ost.-B^Act. Mainzer E.-B.-Act. Marienburger E^B^-Act. Echlutzcourie 1 Uhr 15 Mtn. 87.75 4 pCt. Ung. Gold-Rente ICo 60 5 pEt. Jtal. Rente 87.15 3 pEt. Portugiesen 101.15 4 pEt. Griech. Monopol-Anl 1033] Tüchtiges Dienstmädchen mtt besten Zeugnissen per 1. April gesucht. .---, 3./2. A. S U. Bal. 9 II. 973] Gcn.-V. d. DZ. u.DZ.-K. Z5 Jeder 25 Husten ®. «. Ztzleib. In Beuteln A 35 in Gießen bei Drebesär Wallenfels, Drogerie, Markt ■ vlatz 21 Benner A Krumm, Bahnbol straß- 4i> [572 Montag den 6. Februar 1893 Grosser Herr Arthur Bäumler, in Firma J. J. Arndt, Fulda, schreibt am 1. Decbr. 1892: „Von der Ausführung und so getreuen Aehnllchkelt des Portraits meines Bruders bin ich wirklich überrascht und gern bereit, Ihnen auf Wunsch ein separates Zeugniss auszustellen“ etc. eto. etc. Herr Josef Dessauer, Aschaffenburg: „Es freut mich, Ihnen über die Ausführung des Portraits in allen Theilen den Ausdruck meiner ganzen Zufriedenheit übermitteln zu können“ etc. etc. etc. Aschaffenburg, den 3. August 1892. Aufträge auf Oelportraits, nach Photo- rtronliia nomült wer^en in der Universitäts-Buch- und Kunst- grapnie geniail, Handlung von Frees & Tasche entgegen genommen, woselbst auch Gemälde ausgestellt sind, sowie auch von dem nur kurze Zeit hier weilenden Mitgliede der Wiener Kaufmännischer Verein. Freitag den 10. Februar, Abends 9 Uhr im Vereinslocale Cafe Ebel Austerordentliche General - Versammlung. Laut § 53 der Statuten ist dieselbe nur beschlußfähig, wenn ein Viertel der ordentlichen Mitglieder anwesend ist, wir bitten deshalb und der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen um recht zahlreiche Theilnahme. Tagesordnung: Innere Vereinsangelegenheiten. 1036] ______ Der Vorstand. □oooboooooooooboooööoooooo Geschäfts-Eröffnung. Mache hierdurch die ergebene Anzeige, daß ich Wolfstratze 14 ein Milchverkaufsgeschäft eröffnet habe. Ich empfehle nur Prima Natur. Kuhmilch, Rahm, Butter und «äse vom Hofgut Ringel-Haufen und halte mich bei reeller Bedienung bestens empfohlen. Lieferung frei inS HauS. (881 Ludwig Schneider, Wolfstratze 14 Coursbericht v-n E. Wasserschieben, Bankgeschäft Frankfurter Börse vom 2. Februar 1893. Uchottioa: Ä. ^.chetzs- — Druck und Äerlag he? HrShl'schev Druckern Fr Ehr. Pietsch) In Gieße», Herrn J. Machatschek Director der Wiener Portraitmaler-Gesellschaft, Nürnberg. Sehr geehrter Herr! Das Oelportrait ist soeben wohlbehalten in meine Hände gelangt und hat in meiner Familie eine grosse Freude hervorgerufen! — Alle, welche die Verstorbene gekannt haben, und nun deren Bild bei mir betrachten, sind überrascht Von der sprechenden Aehnlichkeit, mit welcher das Bild die Züge der Verstorbenen wieder- gibt. Es ist eine staunenswerthe Leistung, unter alleiniger Grundlage einer Photographie ein solches in jeder Beziehung künstlerisch vollendetes Oelgemälde zu Stande zu bringen! Nehmen Sie hierfür nochmals meinen herzlichen Dank. Erlangen, den 25. Mai 1892. Mit vorzüglicher Hochachtung Professor Dr. L. Gerlach, a. d. k. Universität. Herr Dr. C. Müller in Schwelnfurth schreibt: Mit den beiden Oelgemälden meiner Eltern, welche mir von Herrn Director Machatschek geliefert wurden, bin ich sehr zufrieden. Scheuertücher, Stück IS Pfennig, [478 gute Qualität, 90 Zentimeter groß. C Röhr & Co. 1040] EchöneS Famtlien-Logio zu ver- miethen. Frankfurterftraße 93. 1041] Ein möblirteS Zimmer zu ver- miethen. Bahnhofstr. 33, im Laden. Kaufmännischer Verein. SamStag den 4. Februar, pünktlich S'/r Uhr Abcuds aus Lonys Bierkeller Vortrag des Herrn Dr. Seitz. Thema: Japan und seine Culturbcftrcbungen. Wir bitten die Mitglieder nebst ihren Damen um rahlreichen Besuch. 1035J Der Vorstand. NB. Auch Mcktmüglieder haben gegen Erstattung von 50 Pfg. Zutritt. 184 10 132 10 140 JO 96 66 100 50 271.25 100.50 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme während der Krankheit, dem Hinscheiden und der Beerdigung unserer lieben unvergeßlichen Gattin, Mutter, Schwester, Schwiegermutter und Großmutter, für die zahlreichen Blumenspenden und die trostreiche Grabrede des Herrn Pfarrer Schlosser sagen innigsten Dank mit Gruppenaufführungen. im närrisch decorirten, tapezirten und drapirten Saale des Cafe Leib. — Anfang präcis Abends 6 Uhr 593/i« Minuten. 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