193 !r-_ von Pflurt. ltat [9872 wen 3teitntt. ie^r unk btitn 150 Pfg. beim n Pedellen. Uhr ab: __9910 lerei, und Kreid« Bambn^ rl ' Weuhdit “‘Verwalt» 9^ 1 au8 Marburc W gütig« m mtmaler, Dteriiauä tu rstraße 211. itt AS-S- i> L -N ^sF- B 6* #«#* 893. Men eu aller SiM b billigst in eiM Haubach, A r B >r .p'sehen indlung- jederzeit. ■ob Proupecte- ten RitHode btt ter Garantie, in M Lhrvnrze; rch 2d __________8126 Mut x ob größten t 'M tyft Vtr- sich z» i«to 9V so.« Ä 361' Nr. 283 Zweites Blatt. Freitag de» 1. December Keneral-Wnzeiger. onbtn bm Anzeiger ^tchevtüch dreimal dngelegt. L Gießener Anzeiger 1893 Viertrfflhrigcr 2 Mark 20 M. n* Bringerloh«. Durch die Post bezoG« 2 Mark 50 P*a- Nedaction, Lxpediti— und Druckerei: Fernsprech«: 5L Amts- und Anzeigeblutt för den Aiveis Gieren. >«»ah me von Anzeigen zu der Nachmittags für den solgmdeu Tag erscheinenden Nummer bil Norm. 10 Uhr. Gratisbeilage: Gießener Kamilienblätter. Alle Annoncen-Bureaux de» In- und ÄuiloaM nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Feuilleton. In der Hütte. Von I. von Troll-Boro st yant. (Nachdruck verboten.) ES war eine bitterkalte Decembernacht. Der Schnee knirschte und quitschte unter den Sohlen der rasch Dahineilenden. Selbst die Sterne flimmerten ungewöhnlich hell, gleich als zitterten sie vor Frost, und hüllten sich fester in ihren Strahlenmantel. DaS Eis des Stromes krachte, ächzte und stöhnte. Und dieses Aechzen und Stöhnen würde einen unheimlichen Gegensatz gebildet haben zu den Klängen froher Tanzmusik in jenem lichtdurchflutheten Palais, in jenem mit Tabakqualm und Fuselduft erfüllten Weinkeller und in jenem lärmenden, luftdurchrauschten Tanz Etablissement. Dort aber, wo die Geigen jauchzen und die Cymbel jubelt, dort hört man das Knirschen des Schnees, das Seufzen und Kreischen des Eises nicht. Dort weiß man nicht, daß außerhalb dieser Räume der grimme Frost mit todtbringender Umarmung auf ein Opfer lauert; oder — man denkt wenigstens nicht Karan ! Und wie sollten auch die diadem- und perlengeschmückten Damen, die jetzt am Arm ihrer Tänzer im beflügelten Walzer« schritt dahinschweben, wie sollten sie daran denken, daß es Jemanden gibt, der friert? Sie fühlen die Kälte nicht. In den sich weich anschmiegenden Pelzmantel gehüllt, auf den schwellenden Kiffen des wohlverschloffenen Broughams, da drang freilich kein Hauch der eisigen Winternachtlust bis zu ihren Gliedern. — In solch bitterkalter Decembernacht stand ein Fiaker vor einem kleinen, baufälligen Hause in einer der entlegensten Gaffen einer Vorstadt in Budapest. Der Kutscher schien die Rückkehr seines Miethsherrn mit Ungeduld zu erwarten. Bald versuchte er eö, sich durch rasches Auf- und Niederschretten zu erwärmen, bald war er bemüht, seine Lebenswärme durch einen kräftigen Zug aus der unter dem Sitzbrett hervorgeholten Rumflasche zu erhöhen. Dabei fluchte er zuweilen auf seinen Miether, der „bet einer solchen Hundekälte sich in einer so miserablen, alten Baracke zu thun mache". In dem also geschmähten kleinen Hause befindet sich ein ziemlich geräumiges, aber seuchtkaltes Zimmer. Das verglimmende Talglicht vermag es nicht, das drückende Dunkel gänzlich zu verscheuchen; dem obwohl lustig flackernden Feuer will eS nicht gelingen, mit seiner wohlthuenden Wärme die markdurchfröstelnde Lust zu durchströmen. Zudem verbreitet der selten oder lange nicht geheizte Ofen einen höchst widerlichen Geruch. In der Stube lieht ein hartes Bett und darin liegt bleich und elend eine Frau. Uebernächtige Arbeit, Krankheit und Noth haben ihren Stempel auf das abgezehrte, abgehärmte Gesicht gedrückt, haben ihre Kräfte erschöpft, ihren Sarg gezimmert. Ueber dem Bette sitzt ein schöner, junger Mann in tadellos eleganter Balltoilette; auf dem feinen Tuch seines Frackes flimmern und flirren die glänzenden, von zarten Händen und mit anmuthigem Lächeln gespendeten.Cotillon- orden. Eines dieser zierlichen Dingerchen war etwas lose an der befrackten Brust des also ausgezeichneten Tänzers be- | festigt. Es stellte einen in bunten Farben schillernden Schmetterling dar. Dieser glitzernde Schmetterling fiel herab — fiel auf die dünne, geflickte Bettdecke der Sterbenden. Da lag nun dieses glänzende, parfümirte Spielzeug lachender Lust, welches vor einer Stunde noch, als ein Atom einer Welt der Freude, mit beigetragen hatte zu dem Glanz und der strahlenden Herrlichkeit eines Menschenkreises, dessen lustzechende Herzen untertauchen in den Wogen des Vergnügens — da lag es nun auf dem Lager eines Menschen, welchen die Wucht mitleidlosen Elends gebrochen, welchen Noth, Kummer und Entbehrungen langsam gemordet hatten. Diese Gedanken mochten es vielleicht sein, welche in der Seele des jungen Mannes ausstiegen, als er den herabgeglittenen Cotillonorden bemerkte. Lange blickte er düster darauf hin — dann fiel eine verstohlene Thräne darauf. Der junge Mann mit dem edelgeformten Kopf und den großen, seelenvollen braunen Augen ist Doctor Zoltan W., ein trotz seiner Jugend schon in weiten Kreisen beliebter Arzt. Die arme kranke Frau, die auf dem schlechten Lager seufzt, war durch mehrere Jahre seine Wäscherin. Als solche hatte er ihre bescheidenen Verhältnisse kennen gelernt und für die brave, arbeitsame Frau und ihr hübsches Kind, die nunmehr vierzehnjährige Caroline, eine herzliche Theilnahme gefaßt. Vor wenigen Tagen von einer Reise in die Hauptstadt zurückgekehrt, hörte er zwar, daß seine Wäscherin während seiner Abwesenheit erkrankt, erst heute aber hatte er von seiner» Diener vernommen, wie schwer ihre Krankheit und wie elend ihre Lage sei. Die arme Frau hatte des Doctors Rückkehr erfahren, und seine Güte und Menschenfreundlichkeit kennend, sich nicht gescheut, ihn um seine Hilfe anzuflehen. Die von ihr abgesandte Botin hatte aber den Doctor nicht zu Hause getroffen; er befand sich auf einem Balle, und ihn von dort abzurufen, dazu besaß sie natürlich den Muth nicht. Als nun der Doctor, dem es eben heute nicht recht gelingen wollte, sich zu unterhalten, zu früher Stunde nach Hause zurückkehrte, ward ihm die hinterlassene Botschaft gemeldet, und rasch entschlossen, versah er sich mit verschiedenen, die Krankheit und die Noth seiner Patientin lindernden Gegenständen und eilte zu ihr. Allein — schon war es zu spät. Ihre Lebenskraft war erschöpft, war bis zur Neige aufgezehrt. Als er kam, war sie kaum noch fähig, ihm für seine ihr oft bewiesene Güte Dank zu sagen und ihn zu bitten, sich ihrer armen Lina anzunehmen, welche, so jung noch, schütz- und hilflos in der weiten Welt stehe. Wenige Stunden später hatten sich die Augen der braven Frau für ewig geschloffen. —-- Jahre zogen vorüber und wieder war es Winter geworden. Einer der glänzendsten Bälle der Saison, der Künstlerball, vereinigte eine zahlreiche und destinguirte Gesellschaft in dem Salon der Redoute. Eine der gefeiertsten und brillantesten Erscheinungen auf dem Balle ist Karla ***, die berühmte Operettensängerin, welche, am Budapester Nationaltheater gastirend, seit einigen Wochen in ihrer Vaterstadt weilt. Ein Kreis von Männern, durch persönliche oder sociale Bedeutung hervorragend, umgibt sie und Jeder ist bemüht, ein pikantes Scherzwort oder ein huldvolles Lächeln von ihren Lippen zu erhaschen. Warum aber ist ihre sonst von Heiterkeit und Geist prickelnde Conversation heute so ungewöhnlich matt und farblos? Warum ihre Wangen so bleich, ihre Augen von so unruhigem, fieberhaften Glanz? Und warum haftet manchmal ihr Blick mit so unendlicher Traurigkeit auf jenem ernsten Manne, der, abseits von dem Cirkel ihrer Huldiger, sich mit einer kleinen Gruppe befreundeter Herren unterhält ? Jener ernste Mann ist eS, dem sie ihre Stellung, ihren Ruhm, vielleicht ihr Leben verdankt. Denn in ihm begegnen wir unserm alten Freunde Doctor Zoltan W., und Karla ist Niemand anders als sein einstmaliger Schützling, die kleine, schöne Lina. Bon der Güte seines Herzens und durch das ihrer sterbenden Mutter gegebene Versprechen sich hierzu für verpflichtet haltend, hatte er für ihre Erziehung Sorge getragen und, ihrem glühenden Verlangen nachgebend, ihr Unterricht im Gesang ertheilen laffen. Die rasche Entfaltung eines ungewöhnlichen Talen'es hatte diesen Versuch belohnt und binnen weniger Jahre waren Linas musikalische und dramatische Studien vollendet und ihr erstes Debüt von glänzendem Erfolge begleitet. Dabei aber rückte die Stunde ihrer Trennung heran von dem Beschützer ihrer Jugend, dessen Berufsthätig- keit ihn in Budapest festhielt, während sie in einer weit entfernten Stadt ihr erstes Engagement antreten sollte. Heftiges Leid erfüllte das Herz des jungen Mädchens, als sie von htm Freunde schied. Während der Jahre ihres traulichen Verkehrs hatten sich zarte, aber tief wurzelnde Fäden aus ihrer kindlich jungfräulichen Seele in die ihres edlen Freundes gesponnen, und diese Fäden sollten nun mit einem jähen Ruck aus ihrem Herzen gerissen werden. Und nicht nur der Trennung Schmerz durchbebte ihre Seele. Sie glaubte zu fühlen, daß des Doctors Zuneigung keine so innige sei, als die ihrige, und sie fürchtete, daß wenn sie nun von einander schieden, sie ihm gleichgiltig werden, er ihrer gänzlich vergessen würde. Freilich sagte sie sich, daß sie, die brodlose Waise, die er gekleidet, genährt, die er aus der Tiefe des Elends zu einer glänzenden Lebensstellung emporgehoben hatte, nach dem Uebermaß schon empfangener Wohlthaten kein Recht habe, noch mehr zu erwarten, kein Anrecht auf seine Neigung habe. Aber diese Ueberlegung vermochte dennoch nicht, ihr Weh zu lindern, wenn der Doctor plötzlich eine schroffe Kälte gegen sie hervorkehrte, die ihr unverständlich war und die sie nicht zu verdienen glaubte. Ja, hätte sie gewußt, daß diese schroffe, rauhe Kälte nur eine eiserne Maske bildete, hinter welcher er sein Seelenantlitz hüllte, wenn er fürchtete, daß die überquellenden Empfindungen seines Herzens sich verrathen könnten! Denn er liebte sie! Aber er wollte seinem Schützling nicht zeigen, wie lieb sie ihm sei, damit sie nicht, von der Pflicht der Dankbarkeit durchdrungen, — ohne Liebe — ihre Freiheit, ihre glänzende Zukunft, ihr Herz dem Wohl- thäter zum Opfer bringe. Dies waren die Gedanken und Gefühle gewesen, als bte Hände der beiden jungen Leute beim Abschied ineinander lagen und der letzte Gruß von den Lippen des Mädchens leise und gebrochen, vom Munde des Mannes recht freundlich — und doch „kühl bis ans Herz hinan" — ertönte. (Schluß folgt.) Deckstein - Lieferung. Die Lieferung von 530 cbm Decksteinen zum Einwalzen auf der Kreis- straße Gießeu-Krosdors wird im Submissionswege vergeben. Angebote auf die ganze Lieferung oder einzelne Loose derselben sind bis Dienstag den 5. December, Vormittags IO Uhr, im Amtszimmer des Unterzeichneten, woselbst die Bedingungen zur Ansicht offen liegen, abzugeben. Gießen, am 25. November 1893. Der Kreisingenieur: 9809 Stahl. Ieisgeöolene-. «er, »Utter,! Limburger, Hand- u. SchwetterkLse. »608 J. M. Schulhof. Zur gell. Beachtung!!! Unterzeichneter empfiehlt: Olffo in Plüsch, Atlas, Tuch, Fries, Filz, '©♦WvVvlvH Leinen, Stramm rc., sowie alle m dieses Fach einschlagende Artikel. Große Auswahl feiner Holzschnitzereien, Korb-, Plüsch- und Lederwaaren rc. mit Stickerei-Einrichtung. Kinderarbeiten jeder Art. Anfertigung aller Häkelarbeiten und seiner Bunt- und Goldstickereien, Fahnen, Bandeliere, Kissen, Monogramme, sowie jede Zeichnung wird bestens und billigst ausgeführt. [9186 J. H. Fuhr, SonnenNraße 25. 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