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Wart 20 Pfg. 4er|tejt Wl.* H«r»1precha 61 Anstts- und Anzeigeblatt fät den Ttveir Gieren. «t emtoRfm-eurtam M > mt BafUnbcl n*xw Hrakisöeikage: Hießmer Kamitieuölätter Reichsschatzamte die Ausarbeitung einzelner Pläne, wie der Tabakfabrikatsteuer, der Börsensteuer u. s. w. statt, welche Arbeiten den Berathungen der bundesstaatlichen Commisiare vermuthlich mit zur Unterlage dienen werden. Da der neue Staatssekretär im Reichsschatzamt, Graf Posadowsky-Wehner, welcher am 1 September definitiv sein Amt übernimmt, in der letzten Woche täglich längere Conferenzen mit seinem Vor- ■•••!•« le|tl|ce >d btt «achmittuG» fir be Lag trldjrintnbnt Numma bis Bor». TO llha. Neueste llacbricbtctt. Wolffs telegraphisches Corresponden,-Bureau. Graudeuz, 30. August. Die Weichsel ist amtlich für choleraverseucht erklärt worden. Die Badeanstalten wurden geschlossen. Coburg, 30. August. Gestern Abend 10 Uhr wurde bet Fackelbeleuchtung die Leiche des Herzogs Ernst aus der Moritzkirche in das herzogliche Mausoleum auf dem hiesigen Friedhof übergeführt, wo die Mitglieder der herzoglichen Familie anwesend waren. Nach einer Ansprache des Ober- Hofpredigers Kretschmar erfolgte die Beisetzung. — Der Großherzog von Baden reist heute Mittag ab. Budapest, 30. August. Den ungarischen Kaiser- manövern werden die Militärattaches von Deutschland, Italien, Frankreich, Rußland, England, Spanien, Rumänien, Türkei, Schweden und Nordamerika beiwohnen. Nancy. 30. August. Ein Trupp französischer Arbeiter zog heute früh 5 Uhr nach den Werkstätten in dem Hüttenwerk von Lang, um die dort beschäftigten italienischen A r b e i t e r z u v e r t r e i b e n. Die Italiener verließen darauf die Werkstätten. Eine Schaar von 40 Arbeitern nöthigte sodann 6 Italiener, welche in einem Hause im Centrum der Stadt arbeiteten, die Arbeit niederzulegen. Die französischen Arbeiter versammelten sich schließlich aus dem Stanislaus- Platze und schickten eine Deputation an den Maire, welche erklärte, die Arbeiter würden so lange striken, als auch nur ein italienischer Arbeiter in Nancy beschäftigt würde. Naucy, 30. August. Die Arbeiter auf dem Stamslaus- Platz haben sich langsam zerstreut. 200 Maurer striken. Mehrere italienische Arbeiter verlassen die Stadt ohne Belästigung. Die französischen Arbeiter sind ruhig. Nimes, 30. August. Das Zuchtpolizeigericht ver- u r t h e i l t e sechs anläßlich der Vorfälle in A i g u e s - M o r t e s verhaftete Individuen wegen Thätlichkeiten und Beleidigungen gegenüber den Gensdarmen zu sechs bis einem Monat Gefängniß. Newyork, 30. August. Nach weiteren Meldungen richtete der Cyclon furchtbare Verheerungen an der Küste von Nord- und Süd-Carolina, Georgia und Florida an. Die Stadt Port Royal ist fast fortgeschwemmt und 100 Personen sind ertrunken. Charleston ist größtentheils zerstört- 6 Personen sind dort verunglückt und 12 Werften vernichtet. Auf den Inseln an der Küste von Karolina und in den dortigen Gewässern sind 500 Personen umgekommen.' Es wird befürchtet, daß die Kriegsschiffe „Kearsarge" und „Nantucket" gescheitert sind. Deutscher Reich. Berlin, 29. August. Kaiser Wilhelm wird nächster Tage auf elsaß-lothringischem Boden eintreffen, um nebst den hierzu von ihm eingeladenen fürstlichen Gästen den großen Manövern des 16. (lothringischen) Armeecorps gegen das 8. (rheinländische) Armeecorps beizuwohnen. Die Verhält- niffe bringen eS mit sich, daß der oberste Kriegsherr während dieser Zeit vorwiegend in Metz residiren und daß er daher der Stadt Straßburg diesmal nur einen flüchtigen Besuch abstatten wird anläßlich der Parade über das 15. Armee- corpS. Wie nun die „Straßb. Post" erfahren haben wollte, hätte es der Kaiser gegenüber den Bitten des Statthalters Fiirften Hohenlohe entschieden abgelehnt, auch nur eine Nacht in Straßburg zu verweilen, in einer Stadt, die einen Socialdemokraten in den Reichstag geschickt habe. Diese angebliche Aeußerung des Monarchen wird indeffen in der Berliner „Post" mit dem Bemerken entschieden bestritten, daß der Aufenthalt des Kaisers in Straßburg lediglich deßhalb so kurz bemessen sei, weil die Manöverdispositionen seine Anwesenheit in Metz alsbald wieder erheischten. — Das vielverbreitete Gerücht, welches wtffen wollte, daß Fürst Ferdinand von Bulgarien gelegentlich der Beisetzungsfeierlichketten in Coburg von Kaiser Wilhelm empfangen werden würde, hat sich nicht bestätigt. Es scheint zwischen beiden Fürstlichkeiten während ihrer gleichzeitigen Anwesenheit in Coburg nicht die mindeste persönliche Berührung stattgefunden zu haben, auch erschien ein Empfang des bulgarischen Herrschers seitens des deutschen Kaisers aus bekannten politischen Gründen von vornherein ausgeschloffen. Fürst Ferdinand selbst ist bei der gesammten Trauerfeier nicht als regierender Fürst, sondern lediglich als Mitglied des Hauses Coburg aufgetreten. — Die Frankfurter Minister-Conferenz wird nunmehr die angekündigte Fortsetzung in der Reichshauptstadt finden. In der kommenden Woche werden in Berlin die Commissarien der einzelnen Bundesstaaten zusammentreten, um die von den Finanzministern in Frankfurt vereinbarten Steuerprojecte definitiv festzustellen. Inzwischen findet im gänger, Herrn v. Maltzahn-Gültz, gepflogen haben soll, so I dürfte Graf Posadowsky über die Grundlagen der geplanten I Reichsfinanzreform wohl schon hinlänglich informirt sein. — Aus Deutsch-Ostafrika kommt die Kunde von einem neuen, allerdings schwer genug errungenen Erfolge der deutschen Waffen. Die zur Züchtigung des unbotmäßigen Sultans Meli abgegangene Expedition, die unter dem persönlichen Oberbefehle des stellvertretenden kaiserlichen Gouverneurs Obersten v. Scheie steht, erstürmte am 12. August das stark befestigte Lager Melis am Kilimandjaro nach vierstündigem heftigem Kampfe. Deutscherseits wurden hierbei Lieutenant Ax und vier Askari getödtet, Feldwebel Mittelstaedt und 23 Askari verwundet, lieber die Verluste des Gegners fehlen die Angaben noch, wie überhaupt nähere Berichte über daS Gefecht noch abzuwarten sind- hoffentlich ist aber durch diesen Sieg die einigermaßen ins Wanken gekommene Autorität der Deutschen im Kilimandjaro - Gebiet wieder befestigt worden. Würzburg, 29.August. Der Katholikentag beschäf- tigte sich in der zweiten geschlossenen Versammlung mit Anträgen. Angenommen wurde ein Antrag Lingens zu Gunsten der weltlichen Herrschaft des Papstes, ein Antrag auf Unterstützung der katholischen Lehrervereine und auf Verurtheilung der Simultanschulen. Großen Beifall fanden Anträge auf Gründung freier katholischer Universitäten in Fulda und Salzburg. Dasbach hielt eine lange Rede gegen die farblose Preffe, welche nur Versimpelung erzeuge. In der Generalversammlung des katholischen Volksvereins sprach Lieber gegen den Liberalismus, den Vater des Socialismus. Am Nachmittag sprach Rector Schiffers-Aachrn über die Palästinafahrt - Professor Straub - Aschaffenburg forderte die Con- fessionalität der Gymnasien und die Zwangsreligivsität der Schüler und Lehrer. Einen bedeutenden Vortrag hielt Bene- dictincrprofeffor Kuhn-Einsiedeln, der den Anschluß der christlichen Kunst an die Kunstströmung des 19. Jahrhunderts empfahl. Gröber, lebhaft empfangen, sprach über corporative Organisation der Berufsstände und lobte, daß der Clerus an der Spitze der socialen Bewegung marschire. Zuerst sei erforderlich die Organisation des Bauernbundes, zweitens die des Handwerkerstandes. Diese Doppelorganisation müffe schließlich von der Religion durchdrungen sein, dann werde der Liberalismus besiegt und der sociale Friede hergestellt werden. I Morgen spricht Lieber über die Pflichten des katholischen Mannes in der Gegenwart, Sylva Tarouca über die sociale Bewegung in Oesterreich. Httiilleton. Die Landgrafen von Hessen als Reichsvögte vvn Wetzlar. (Schluß.) Die Reichsstadt Wetzlar ist durch allerhand Unordnung dermaßen in Abgang und Unvermögen gekommen, daß sie, die früher durch die Reichsmatrikel höher angeschlagen war, als Friedberg und Gelnhausen, immer mehr heruntergesetzt wurde. Der Landgraf hat aber auf der Stadt 14,000 fl. rhein. und 4000 Pfund Heller Gelds stehn und es wird also Niemand S. F. Gnaden verdenken, daß er seine Pfandschaft wahrnehme, zumal bei dem wachsenden Abnehmen der Stadt durch sothane unbillige und unordentliche Händel. Doch ist nicht nöthig, der sehr breiten und ausführlichen Deduktion des landgräflichen Advocaten in allen seinen weiteren Entwickelungen zu folgen. Er pocht auf des Landgrafen Rechte als Erbvogt und Pfandherr zu Wetzlar, der sowohl den Rath als die Bürgerschaft sammt und sonders bei ihren kaiserlichen nnd königlichen Privilegien, Freiheiten und Rechten, Statuten und Gewohnheiten geschützt hat und diese treulich Handzuhaben befliffen war und jeden, der darüber beschwert wurde, im Namen Ihrer Kais. Maj. getreulich schützen will. Darüber hat ja auch S. F. G. einen schriftlichen Schein und einen fürstlichen Schutzbrief der Stadt Wetzlar und' allen ihren Bewohnern zum Besten ausgestellt, der auch vom Rath mit Dank angenommen wurde. Was noch an Mißverständnissen zwischen S. F. G. und dem Rath übrig sein mögen, da will sich S. F. Gn. der kaiserlichen Kommission willig gehorsam accomodieren. Der Antrag der Wetzlarer Bürgerschaft, auf dem zunächst abzuhaltenden Reichstag in Regensburg durch eine kaiserliche Kommission die Streitfrage zu ordnen, war vom Reichskammergericht in Speyer angenommen und die Kommission dem Landgrafen selbst übertragen, worden. Diese kaiserliche Specialcommission bestimmte wieder Subdelegirte, die auch sofort mit der Untersuchung begannen. Wieder kamen der große Ausschuß und viele andere Bürger auf dem Rathhaus in Wetzlar in der großen Nebenstube zusammen und proteftirten vor dem Notar Joh. Fried er ici von Grünberg und den beiden insonderheit dazu erbetenen Zeugen, den ehrenhaften und achtbaren Gg. Frdr. Hagen, Bürger zu Gießen und Peter Möller von Großenbuseck gegen die im Strafmandat ihnen vorgeworfenen Vergehen- sie sind dadurch vom Rath höchlich beleidigt worden. Da sie aber keine Zeit und Gelegenheit haben, dieser Sache in eigener Person abzuwarten, so bevollmächtigen sie nochmals den Dr. jur. und kaiserlichen Kammergerichtsadvocaten Joh. Phil. Harter in Speyer in ihrer Angelegenheit thätig zu sein. Wie viele Processe beim Reichskammergericht sowohl aus der Speyerer, wie aus der späteren Wetzlarer Zeit, so ging auch dieser aus, ober richtiger, nicht aus. Vier Mitglieder des Raths wurden von ihrem Amte suspendiert und blieben offenbar noch in Untersuchung. Ihre Angelegenheit sollte einer unparteiischen Juristenfakultät zur Urtheilsprechung überwiesen werden und was diese erkennt, soll ohne fernere Apellation ober Ausflucht' vollstreckt werben. Es scheint nicht, baß jemals bieses Urtheil einer Juristenfakultät erbracht würbe. Was aber bie Klagen ber Bürgerschaft gegen den Rath uub umgekehrt anlangt, so sollen biese als gegenseitig aufgehoben betrachtet werben unb kassirt unb abgethan sein. Keiner soll an seinen hergebrachten Ehren ober seinem Stanb verletzt sein unb alle Processe, bie daraus entstanden, als erloschen betrachtet werden. Auch in anderen Fällen bürgerlicher Streitigkeiten suchte der schwächere Theil Hülfe bei dem fürstlichen Reichsvogt ober unmittelbar bei besten Untervogt, boch würbe nicht immer bie Absicht erreicht. 1749 hatte bie Metzgerzunft bie Absicht, auf Fastnacht einen Umzug durch die Stadt mit einem bändergeschmückten Kalb zu halten, wie dies von altersher üblich war- da aber gewöhnlich dabei großer Unfug vorkam, so gab der Rath nicht die Erlaubniß dazu. Statt nun diese Maßregel mit Respekt anzuerkennen und eingedenk ihres ausgeschworenen Bürgereides derselben Folge zu leisten und den Umzug zu unterlassen, erkühnte sich die Metzgerzunft dem Verbot zu trotzen, den Gehorsam aufzusagen und als ob ihrem ruchlosen Unternehmen Niemand wehren könne, den tollkühnen Umzug nichtsdestoweniger eigenmächtig zu unternehmen. Darauf wurden einige Soldaten geschickt, um dem Unwesen Einhalt zu thun, doch widersetzten sich die Metzger den Soldaten und diese mußten zurückgezogen werden, wenn nicht ein Blutbad auf offener Straße angerichtet werden sollte. Im darauf folgenden Jahre 1750 kam zwar nicht die Metzgerzunft als solche um bie Erlaubniß für ben Umzug ein, wohl aber bie Metzgerföhne unb Knechte. Sie baten, ben Umzug „vor ihre bas ganze Jahr durch habenden grausamen Strapazen zu einer Recreation zu erlauben, gestalten sie hiermit angeloben wollen, daß nicht ber geringste Unfug vorgehn sollte, sonbern eine gute Conduite zeigen wollten, seien auch allenfalls crbötig, ein Dukat in bas Hospital zu gebend Offenbar nahmen sie an, bie Ereignisse vom vorigen Jnhre seien schon vergeffen. Doch würbe auch ihnen „aus bebent* lichen Ursachen" unb ihres tumultarischen, unchristlichen unb heib- nischen Unwesens wegen bie Erlaubniß abgeschlagen. Trotzbem würben alle Vorbereitungen getroffen, ben Umzug boch auszuführen, aber bie Gegenmaßregeln waren biesmal besser getroffen, als im Jahre vorher. Die Metzger sammelten sich in bem Hause bes Bürgeroffiziers Göth, auf bem Eisenmarkt, boch war bieses von einiger Mannschaft von Bürgern unb Stabtsolbaten berart besetzt, baß zwar einzelne Metzger ein- unb ausgehen konnten, aber ber Umzug war verhinbert. Verschiebene Male würbe ein Metzgerbursch hinüber zu bem Herrn Hofrath Dr. Meckel, bem lanbgräflichen Untervogt geschickt, offenbar mit ber Bitte, sie bei ihrem geplanten Umzug mit heffen-barmstäbtischen Solbaten zu fecunbieren. Meckel ließ sich wirklich verleiten, ben Notar Fuchs auf bas Rathhaus mit ber Bitte zu Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 80. August. Wie daS „Tageblatt^ erfährt, sei vuf der Frankfurter Sonferenz über die Einführung einer Eisenbahn-Fahrkartenfteuer für Billers erster und zweiter Klasse ernstlich bi«cutirt worden. Dieser Vorschlag habe indessen nicht allgemeine Zustimmung gefunden. Dagegen sei die Erhöhung einer Steuer für Lotterieloose, welche jetzt 5pCt. beträgt, auf mindesten- 8pEt. beabsichtigt. Berlin, 30. August. Der „Reichsanzeiger" bestimmt bezüglich des Erlasses betreffend die Eholeramaßnahmen ferner, daß die OrtSpolizeibehörde, sobald der AuSbruch der Cholera in der Ortschaft festgestellt wird, dies unverzüglich öffentlich bekannt macht und die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle in kurzen Zwischenfällen veröffentlicht. Berlin, 30. August. Bei zweien von den gestern dre choleraverdächtig erkrankten Personen wurde heute Cholera asi atica festgestellt. ES betrifft die Mutter und daS Kind. Kiel, 30. August. Die UntersuchungSacren in der Spionageangelegenheit sind bereits dem Reichsgericht überliefert worden. Wien, 30. August. Der gestern hier vorgekommene Eholera-TodeSfall beunruhigt die Bevölkerung nicht im Mindesten, weil nachgewiesen wurde, daß der Verstorbene durch Genuß von verdorbenem Essen und Trinken von Donauwasser erkrankte. Wien, 30. August. Neuerdings wurde eine als choleraverdächtig erkrankte Frau in das Krankenhaus eingeliefert. Lemberg, 30. August. In Kolomea nimmt die Cholera fortgesetzt zu. Kapstadt, 31. August. Zwischen der deutschen Schutz- truppe und den WitbooiS fand bei NaoS am 19. Juli ein Gefecht statt, wobei die WitbooiS fünf Tobte hatten. Auf deutscher Seite Reiter, Baumgarten, Grünberg, Hoch verwundet. Obsternte in 1893. JBon geschätzter Seite werden dem „Wetzlarer Anzeiger' die nachftebenden Belehrungen über praktischen Obstbau, welche der Feder eine« anerkannten Sachoerständtgen de« dortigen Kreise« entflossen sind, zur Verfügung gestellt. Wir glauben dieselben um- lomchr der allseitigen Beachtung empfehlen xu sollen, al« sie gerade Mr die irtzige Zelt von ganz besonderem Interesse find, und da«, wa« für den benachbarten Kret« Wetzlar gilt, auch In unserem Kreise Beherzigung finden dürste. -/DM Bedauern sehen nicht allein die Obstzüchter, sondern auch jeder Freund und Beobachter der Natur, wie gegenwärtig in großer .^ahl Aepsel, Birnen und Zwetschen, scheinbar reif, von den Bäumen lallen. Während an den ersteren eine Bohrung mit schwarzem, oft in Fäulntß übergegangenem Rande uns oerräth, daß ein schlimmer Feind im Innern hauset und die Früh, oder Rothretfe verursacht hat, ist an letzteren äußerlich nur selten eine Verletzung durch den Schädling zu erkennen. Um so schlimmer zeigt sich derselbe beim Aufbrechen der Frucht, denn sie beherbergt eine fast rosaroth gefärbte sogenannte Mabe", welche daS Fletsch der Frucht in verschiedenen Gängen durchfresstn und überall die unsauberen Spuren ihrer Gefräßigkeit und Ausscheidungen zurückgelassen hat, so daß eine solche Frucht nicht zum Genüsse einladet, sondern vtelmehr geeignet ist, uns mit Widerwillen von derselben abzuwenden. 2ßir bezeichnen Aepsel, Birnen und Steinobst, welche in dieser Weise von einem schlimmen Feinde heimgesucht sind und ihren Nutzwerth durch denselben verlieren, mit der Eigenschaft „wuimstichtg" oder „madig". In dem Kernobste ist der Schädling die Larve, „Made" genannt, de« ApselwicklerS fCarpoeapsa pomonolla ober Tortrix pomonana); In den Steinobsts,ächten ist eS die gleiche EntwtckelungS- stufe des Pflaumenwicklers (Carpocapea funebrana oder Tortrix funebrana)., Beide Jnsecten gehören zu den Schmetterlingen, obgleich die Larve gewöhnlich nicht Raupe, sondern „Made" genannt wird. Der Apfelwickler hat dunkle Färbung, so daß er nur schwer von der Rinde deS ObstbaumeS zu unterscheiden ist. Die Vordrrflügel sind mit grauen und braunen Ouerstreisen versehen und haben einen metallischen Schimmer; die HinterflÜgel sind graubraun glänzend. In dem letzten Drittel deS Juni beginnt die Flugzeit des Schmetterlings, welche sich über etwa vier "Wochen erstreckt. DaS Weibchen legt seine Eier einzeln an die unreifen Aepsel und Birnen und zwar an solche Stellen, an welchen eine Gefahr deS Abwaschen« derselben durch Regen vermindert ist. an die Wulste de« Stieles, an den Kelch, an eine Vertiefung oder Narbe der Schale, oder auch dahin, wo zwei Früchte sich berühren. Daran« dürfte leicht zu erklären fein, weß- fdiicfen, man möge den Metzgern den Umzug ohne mitgeführtes Kalb gestatten. FnchS aber bekam vom Bürgermeister den Bescheid, „er möchte dem Herrn Hofrath Meckel sein Eom- pliment machen und vermelden, die Mctzgerbursche wüßten ihre ordentliche Obrigkeit- wenn sic sich meldeten, sollte ihnen Resolution ertheilt werden." So waren die Metzger belagert, und obgleich sie mehrfach versuchten, mit bloßen Säbeln die Mannschaft zu durchbrechen, fo glang cS ihnen doch nicht und der drohende Umzug war verhindert, dadurch aber auch der Vertreter des ReichSvogtes beschämt- aber ein Reichskammergerichtsprozeß deS Raths gegen die Metzger folgte nach, doch brach daS Reich zusammen, ehe er beendigt war. Etwas später wurde vertragsmäßig von Gießen aus eine kleine Besatzung von 73 Mann zum Schutz des Reichs- kammergcrichtS nach Wetzlar gelegt und diese von 1758 an auf 123 Mann verstärkt. Darüber entstand aber in der Bürgerschaft böseS Blut und heftige Streitigkeiten mit der hessischen Besatzung. Am schlimmsten war der Bürgeranfstand 1763, wobei die hessischen Soldaten mißhandelt und ent- waffnet tvurden. Die.Folge davon war wieder ein Straf- cinsall der Gießener Besatzung nach Wetzlar. Die Wache am Obcrthor wurde überwältigt und die Stadt eingenommen. Rath und Bürgerschaft wurden nun gegen den Reichsvogt gefügiger. Trotzdem kam es 1770 abermals zu einer Besetzung Wetzlars burd) hessische Truppen, durch welche eS dem katho- lischen Theil de« ReichSkammcrgcrichtö ermöglicht wurde zwei Processionen zur Feier der Papstwahl Clemens XIV. ab- zuhalten. Seit mehr als 100 Jahren ist aber das freundnachbar- Uche Berhältniß zwischen Gießen und Wetzlar nicht mehr ge- stört worden. Möchte eS vielmehr sich stets vermehren und vertiefen. halb in trockenen, beißen Sommern, wie der jetzige, da« Jusect durch seine große Verbreitung so zerstörmd wirkt. Nach acht di« zehn Tagen schlüpfen die Räupchen (Maden) au« und bohren sich in da« Innere der Früchte ein, um zum Kerngehäuse zu gelangen. Nach etwa einem Monate haben sie die Fähigkeit erlangt, sich einzuipinnm. Sie verlassen die frucht oft durch eine zweite Öffnung nach außen, «n einem Faden hangend suchen sie die Rinde des Stammes oder die älteren Astthelle zu erreichen, benutzen die losen, absterdendäi BorkeMheile al« Versteck und überwintern al« eingefponnene varoc. Im Frühlinge bildet sich dann eine kleine bewegliche braune Puppe, welche sich nach kurzer Ruhe zum Schmetterlinge au«blldet. Die Lebensweise de? PflaumenwicklerS ist der feine« Verwandten ähnlich. Der Schmetterling hat aschgraue, braungcwellte Borderflügel. Tie HinterflÜgel find braungrau mit gelblichen ,5ranzen. Die Flügelspannung mißt 14,6 Mm. Da« Weibchen legt seine Eier einzeln an die unreifen Pflaumen, Zwetschen, Mirabellen, Reineclauden u. s. w. Tie Räupchen bohren sich gewöhnlich am Stiele in die Frucht und leben im Fleische derselben von Juli bi« in den September. Ausgewachsen sind sie 12 Mm. lang, haben sechzehn Füße, find auf dem Rücken roth, am Bauche weiß und spärlich mit einzelnen stehenden Härchen versehm. Die ausgewachsene Raupe bohrt fich aus der Frucht und überwintert, durch ein leichte« gefpinnft geschützt, in der Erde ober hinter den Rindenschoppen der Bäume. Die Verwandlung in eine lichtbraune Puppe geschieht im Frühling, worauf ttwa nach drei ober vier Wochen der Schmetler- ltng entschlüpft. Wie bekämpfen wir diese Feinde unsere« Obste«, welchen in diesem Jahre ein großer Theil unserer Früchte zum Opfer fällte Für jetzt ist ein sorgfältige« Sammeln und Vernichten aller herabgefallenen madigen Früchte unbedingt geboten. Können die fdben nicht durch Verfüttern an die Schweine, fpäter auch zur Essig- oder Oöftweinbereitung verwendet werden, so ist ein Verbrennen oder Uebergteßen derselben mit scharfer Jauche dienlich, letztere muß ttdoch mehrere Tage über den Früchten stehen. Ein bloßetz Vergraben des Obste« genügt nicht vollständig. Im Herbste sind die Bäume von abgestorbenen Rindentheilen durch die Baumscharre an Stamm und starken Asttheilen zu reinigen und bann mit Kalkmilch ju bestreichen. Die Baumscheibe ist vor Gintritt de« Froste« um- j jugraben, wodurch die in der Erde sich beftnbenben Larven an die Oberfläche gebracht und von den Vögeln ausgesucht werden. An den Baumstämmen können künstliche Schlupfwinkel durch Ringe von Lappen ober Stroh angelegt werden, welche man von Zeit zu Zeit ausschüttelt und nach der Obsternte verbrennt. Sehr zu beklagen wäre e«, wenn sich die Obstzüchter durch das massenweise Herabfallen der „wurmstichigen" ober „madigen" Früchte in der Meinung, die Reise fei eingetreten, zu einer vorzeitigen Ernte des Spät- ober Dauerobstes, wozu man ohnehin im hiesigen Kreise geneigt ist, verleiten ließen. Der Schaben würde fich dadurch mehr als verdoppeln. ,ax Es ist Zwar vortheilhast, alle frühreifenden Obstsorten (Frühobst) nicht überreif am Baume werden zu lassen, indem sie dadurch an Haltbarkeit und Wohlgeschmack einbüßen; allein unser sogenanntes I Spat- ober Dauerobst muß die vollständige Baumreife vor der Ernte erreicht haben, wenn bei demselben durch Lagern die Edel- ober Munbreife eintreten soll. Vor der Baumreife geerntetes Spätobst hat in Bezug auf Haltbarkeit, Wohlgeruch und Geschmack nur ge- **n0cn solchem Obste gegenüber, welche« völlig ausgewachsen ist und durch schöne Färbung den höchsten Grad der Entwickelung am Baume anzeigt. Schon nach wenig Wochen sind die unreif geernteten Aepsel und Birnen runzelig, dadurch unansehnlich; da« Fleisch ist saftlos, rübenartig und ohne Aroma und Wohlgeschmack. _ _ Unsere Obflbäume selbst haben durch die vorzeitige Ernte der Früchte den größten Schaden. Während die reife Frucht durch ein Drehen derselben in der Hand ober durch einen Druck des Nagels «egen das Stielgelenk sich leicht vorn Fruchtzweige löst, haftet die unreife Frucht noch so stark an letzterem, daß ein gewaltsames Ab- reißen ober Abschlagen derselben nöthig wird. 9lur selten löst fich eine solche Frucht im Stielgelenk, vielmehr wirb der Fruchtzweig ganz ober zum Theil mit derselben abgerissen, sodaß die Obstbäume n hätten, durch genommen yi eze Weiften ■Wtr^W e hindurch bei der Ardcktzp lenen Arde" . Um in > , Ut preußW ten angewienu, n Behörden in Lieferungen io etheilt würden, ergebungen von , und daß auS- Dadurch solltn »eiben, btt bin mt. Mnichrni- gehen des P«»' find es D Sch*- * , .orftf i“ J. ,*i itttoF' Mel, 9at>--9i«*to wW® WwbÄ 'dt dtt R* ■tS?1"*/ x.°S . k,i »eiche ßnd Y bic , bewegt Grummetgraö-Ver st eigerungen und die Ob st preise. Uebcr letztere läßt sich Folgendes mittheilen: Die Versteigerungen deS Obstes an der großen Staatsstraße von Gießen nach Gelnhausen, welche kürzlich bei Hungen und Inheiden stattfanden, sind weiter nach Süden fortgesetzt worden und zwar über Ranstadt nach SelterS hin die Abrheilungen 197 bis 200. Es kamen ca. 90 bis 100 Zwetschenbäume zur Versteigerung, deren Ertrag zu 118 Mark taxirt war, der Erlös hierfür betrug aber 150 Mark. Wir ersehen daraus, daß nicht blos in Starkenburg, sondern auch in Oberhesien die Bäume anfangen, schöne Erträge zu liefern, welche sich in den kommenden Jahren bedeutend erhöhen werden. Die Steigerer des Obstes rekrutiren sich aus den umliegenden Orten: Ranstadt, Dauernheim, Effolderbach und Ober- Mockstadt. N. Aus dem Niddalhale, 30. August. Gestern fanden in hiesiger Gegend verschiedene Grummetgras-Ver- ft ei gerungen von den herrschaftlichen Wiesen und zwar in der Gemarkung Nidda, der Gemarkung Harbwald und in den Gemarkungen Kohden und Unterschmitten statt. Steigerer waren auö Nidda, Kohden, Wallernhausen, Geiß - Nidda, Borsdorf und Unter-Schmitten erschienen. Die Steigliebhaber hatten sich die Stücke vorher angesehen- diese waren selbst- verständlich auch durch herrschaftliches Personal taxirt und beurtheilt worden. Uebcr den Stand des Grases ist das allgemeine Unheil: gut. Gegen den vorjährigen Stand (bekanntlich war 1892 ebenfalls sehr heiß und trocken): besser- in einigen Lagen etwa gleich, in wenigen geringer. In sämmtlichen Districten wurde mehr erzielt, als taxirt worden war, doch nicht in der exorbitanten Weise wie bei den Heugrasversteigerungen. Besonders gute Stücke wurden selbstverständlich höher getrieben, als mittelmäßige. Man kann annehmen, daß ca. 30 bis 40 Procent über das Taxatum erlöst worden sind- im Derhältniß zu der ganzen Lage sind die Preise erträglich. Bad Nauheim, 30. August. Zur Feier des Sedan- festes findet Sonntag den 3. September, Vormittags 11 Uhr, hier ein 8. 0.-Früh sch o pp e n mit Musik in der festlich geschmückten, reservirten Gartenhalle des Restaurants Burk statt. Angehörige des Kösener 8.6.-Verbandes und Freunde desselben sind hierzu ergebenst eingeladen. Erscheinen in Farben erwünscht. Pfungstadt, 28. August. In der am letzten Samstag Abend bei Peter Liebig stattgehabten Generalversammlung des hiesigen Ziegenzucht-Vereins erstattete Herr Commerzienrath Ulrich Bericht über die Thätigkeit des Vereins seit dem Ziegenmarkte, sowie über das Ergebniß der Ziegenschau während der Münchener Ausstellung. Auf Vorschlag des Herrn Dr. Friedrich erhält jeder Ziegenbesitzer, dessen Ziege in München prämiirt wurde, ein Diplom, sowie Photographie der betr. prämiirten Ziege- als Extra - Gratification. Der hiesige Ziegenzucht-Verein wird sich bei der am 7. October dahier stattfindenden Provinzial-Vieh-Ausstellung möglichst stark betheiligen. Da es für den Verein von hoher Bedeutung ist, immer wieder neues Zuchtmaterial aus der Schweiz zu beschaffen, wurde beschlossen, abermals einen Waggon Ziegen aus der Schweiz kommen zu lassen und dieselben unter möglichst günstigen Zahlungsbedingungen an die Mitglieder abzu- geben. Mainz, 30. August. Heute Morgen hat die staatliche Eon trolle über sämmtliche rheinaufwärts hier eintreffenden Schiffe unter der Leitung des Herrn Dr. Spilling ihre Thätigkeit begonnen- zuerst wurden sämmtliche vor Anker liegenden Schiffe einer Visitation unterzogen- den Schiffsführern wurde besonders aufgegeben, stets für genügendes Trinkwasser an Bord Sorge zu tragen. Biebelnheim, 29. August. Ein Traubenreichthum, wie er selten noch erlebt wurde, zeigt sich hier in dem Wein- berge eines Oekonomen. An 2200 Traubenstöcken erntet der Besitzer 5 Stück Rothwein. AlSbach, 30. August. Gestern wurde dahier Schreinermeister G i m p e l neben seiner einige Tage vorher verstorbenen Frau beerdigt. DaS Schicksal wollte, daß die beiden, die ohne Kinder sich treulich im Leben zur Seite gestanden, auch mit einander starben. VerinLsthte-. * Leipzig, 29. August. Ein schweres Unglück ereignete sich gestern Abend in der sechsten Stunde in Plagwitz. ES fiel daselbst Ecke Canal- und Schmiedestraße der in Knauthain wohnende 49 Jahre alte Maurer Robert Kühne aus der zweiten Etage von dem Gerüste eines Neubaues so unglücklich, daß ihm die Stabspitze eines den Bauplatz umgebenden eisernen Zaunes in den Hals fuhr und einen Theil des Oberkörpers durchbohrte, wobei edlere Theile verletzt wurden. Schrecklich war der Anblick, welchen der thatsächlich auf den Zaun gespießte unglückliche Mann dem Auge der Passanten bot. Nur mit vieler Mühe gelang es den Anstrengungen von fünf seiner Mitarbeiter, den Verunglückten aus seiner entsetzlichen Lage zu befreien, da der Stab mit Verzierungen versehen war, welche gleich Wider- haken wirkten. K., aus dessen Wunde sich ein Blutstrahl ergoß, gab, nachdem ihn seine Collegen zur Erde legten, noch Lebenszeichen von sich, starb aber sofort hiernach, ohne zum Bewußtsein zurückgekehrt zu sein. Herzergreifend war der Anblick der zur Unglücksstätte geeilten Frau und Stinber des Verstorbenen, welche unter Schluchzen und Händeringen den tobt am Boden liegenden jederzeit treu sorgenden Familienvater umstanden. Sieben Kinder sind durch diesen Unglücksfall ihres Vaters und Ernährers beraubt worden. Viele Stunden noch nach dem Sturze umstand eine dichte Menschenmenge den Unglücksort, um den durch die Last des Körpers verbogenen, zum Theil noch blutigen eisernen Zaun in Augenschein zu nehmen. * Breslau, 30. August. Die „Kattowitzer Ztg." erfährt von verschiedenen Seiten, ein preußischer Grenzbeamter habe bei Milowice einen russischen So ldaten, der eine entlaufene Kuh zurückholen wollte, auf preußischem Gebiet erschossen. Der Beamte habe dreimal vergeblich Halt gerufen. • Cassel, 28. August. D i e hiesige Däckerinnung hat am gestrigen Abend beschloffen, vom 1. September ab das Kilo Brod 2 Pfennig billiger zu verkaufen. ♦ Innsbruck, 29. August. Auf einer genußreichen eigenartigen Alpenreise ist das Ehepaar v. Parlaghy begriffen, welches am Samstag hier eintraf. Dasselbe macht nämlich seine Alpenfahrt, eine Alpenfahrt im wahrsten Sinne des Wortes, zu Wagen. In einer mit zwei kleinen ungarischen Pferden, welche bereits im vorigen Jahre eine Fahrt von ca. 3000 Kilometern mitgemacht haben, bespannten Equipage ging die Reise von Berlin über Eisenach, Hanau, den Oden- und Schwarzwald, Waldshut nach Zürich, dann über Ander- matt nach dem Vorder« und Hinter-Rheinthal, den Albulapaß nach St. Moriz, den Berninapaß nach Tirana, von dort über das 2760 Meter hohe Stilfserjoch nach Meran, Bozen und über den Brenner nach Innsbruck. Von hier wollen die beneidens- werthen Alpenreisenden über Salzburg, Regensburg und Eger heimfahren. Eine ähnliche Alpenreise zu Wagen hat voriges Jahr ein amerikanischer Millionär gemacht. — Gestern traf hier der Spaziergänger um die Erde, Henry Stoll, ein, und stellte sich bei der Redactiou der „Innsbrucker Nachrichten" vor. Der etwa 30 Jahre alte Mann, welcher grauen Straßenanzug trägt, einen Tornister am Rücken und einen Stab in der Hand, kam von Zell a. S. über den Gerlospaß und durch das Zillerthal heraus. Am 15. Juni hatte der Mann London verlaffen, am 27. Juli passirte er Berlin, am 11. August traf er in Wien ein. Auf dem Weg von Steyr nach Zell a. S. verirrte er sich im Gebirge. — Auf dem Monte Roen südlich von Bozen wurden vorige Woche 10 Kühe auf der Weide vom Blitz erschlagen, eine große Anzahl anderer und 2 Hirten zu Boden geworfen. ♦ Durch die Klugheit eines Hundes wurde am Samstag Abend, wie die „Kobl. Ztg." berichtet, eine junge Dame in Koblenz vor dem Tode des Verbrennens bewahrt. Die Dame begab sich nach ihrem in der oberen Etage des Hauses gelegenen Schlafzimmer. Auf der Treppe wurde sie plötzlich von einer Ohnmacht befallen und stürzte zu Boden, wobei die Petroleumlampe, welche sie in der Hand trug, auf ihre Kleider fiel und diese entzündete. Der die Dame begleitende Hund erhob, als er das Feuer sah, ein schreckliches Geheul, die Hausbewohner eilten hinzu, und ihren Bemühungen gelang es, das Feuer zu löschen und die Bewußtlose zu retten. * Ländliche Einfalt. Ein merkwürdiges Stückchen, das vielleicht Niemand glauben dürste, ereignete sich am zweiten Tage des Schießens der jetzt bei Sayda im Erzgebirge manövrierenden Truppen. Der Posten hinter der Kreuztanne hörte da gegen Mittag plötzlich Schritte auf der ganz besonders gefährdeten Straße von Sayda her. Verwundert guckte er um die Ecke und sieht eiligen Laufes eine Frau daherkommen, mit gespanntem Regenschirme zum Schutze gegen die um sie herum sausenden Kugeln. „Wo kommen Sie denn her", rief der Posten die Frau an, „Sie konnten doch schon ein Dutzendmal getroffen werden!" Da stellte sich denn heraus, daß die Frau, von Olbernhau kommend, im Walde beim Posten vorbeigegangen war, und da das Schießen gerade einmal ein wenig aufgehört, geglaubt hatte, vorbelkommen zu können. Als in der Nähe der Kreuztanne das Schießen heftig wieder begann, glaubte sie, sich durch Aufspannen des Regenschirms schützen zu können. ♦ Eingegangen. Bukarester Blätter erzählen: Ein junger Elegant, der sich für sehr geistreich hält, ging in einer Gesellschaft von Damen und Herren im Bade Slanik die Wette ein, daß er seinen Ueberzieher auf einem unweit der Kaskade befindlichen Tische zurücklassen und das Kleidungsstück an derselben Stelle nach drei Stunden wiederfinden werde, obwohl die Bewohner des Badeortes Slanik sich gerade nicht durch besondere Ehrlichkeit auszeichnen. Der Bukarester Geck legte den Ueberzieher auf eine Tischecke und befestigte an ihm einen Zettel, der die Worte enthielt: „Niemand berühre dieses Kleidungsstück, da es einem aus Braila entflohenen, Cholerasymptome aufweisenden Manne gehört." Der Schlaumeier entfernte sich darauf, ein lustiges Liedchen pfeifend. Als er jedoch nach drei Stunden zurückkehrte, war der Ueberzieher verschwunden. Auf dem Tisch aber waren die Worte zu lesen: „Beruhigen Sie sich, mein Herr, der Ueberzieher ist von einem Manne mitgenommen worden, der selbst cholera- krank Ist." • Manlegazza, Zola und das Radfahren. Professor Paolo Manlegazza, der italienische Physiolog und Anthro- polog, ist ein begeisterter Anhänger des Radfahrsports. Von einem Mailänder Herrn um seine Ansichten über das Radfahren befragt, antwortete er: „ES ift der Triumph deS menschlichen Gedankens über die Trägheit der Materie. Zwei Räder, die kaum den Boden berühren, die Flügeln gleichen, und Dich weil, weit forttragen mit einer schwindelerregenden, trunken machenden Bewegung ohne den grausamen Schweiß gepeitschter Zugthiere, ohne das verhaßte Geräusch rauchender Maschinen. Ein Wunder von Gleichgewicht, von Einfachheit, von Leichtigkeit. Ein Maximum von Kraft und ein Minimum von Reibungen, ein Wunder von Schnelligkeit und von Eleganz. Der Mensch, der ein Engel werden will und nicht mehr die Erde berührt. Merkur, der aus seinem alten hellenischen Grade erstanden ift und greifbar und lebendig vor uns erscheint — das ist das Zweirad. Mantegazza." Andererseits ist auch Emile Zola, der berühmte französische Romanschriftsteller, unter die Radfahrer gegangen. Der Touring Club de France, eine über ganz Frankreich verbreitete Vereinigung, hat Zola fein: Ehrenmitgliedschaft an getragen und dieser hat mit einem Schreiben angenommen, in welchem er sagt: „Ich bin zwar nur ein mittelmäßiger Radfahrer, der fleißig übt, allein ich fühle mich kehr geehrt durch den Titel eines Ehrenmitgliedes Ihrer Gesellschaft, den Sie mir anbieten. Ich glaube an eine sehr große Zukunft des Radfahrens und sage das auch überall. Ihre Mitgliederzahl wird sich wie der Sand am Meere vermehren und ich bin stolz, in einen so großen Kreis eintreten zu können. Empfangen Sie 2C. Emile Zola." * Seltsame Wetten. Man schreibt aus Nürnberg, 23. August: Bei der Hitze und dem Durste kommen die absonderlichsten Wirthshauswetlen zu Tage. In der Mittagsstunde sah man gestern in der Katserstraße, der belebtesten Straße, einen Herrn herumspaziercn, der zu seiner Civilkleidung einen Soldatenhelm aufgesetzt hatte. Dieser gewann seine Wette, nicht aber ein zweiter Herr, der gewettet batte, am helllichten Tage mit einem über die Kleidung gezogenen Hemde durch die Kaiserstraße bis zum Plerrer zu gehen, ohne von der Schutzmannschast angehalten zu werden. Er kam nur bis zum Josephsplatze - da war der Auslauf schon so groß, daß die Polizei sich des Hemdenmannes annehmen mußte. Schift-nachrichten. (Milgetheilt durch den Agenten des Norddeutschen Lloyd, Herrn Carl LooS in Gießen). Der am 19. August von Bremerhaven abgegangene Dampfer „Elbe", ist gestern Mittag wohlbehalten in Newyork angekommen. Hamburg, 28. August. (Hamburg-Amerikanische Packetfahrt- Actien-Gesellschaft.j Der Hamburger Dampfer „Essen", Capitän Bruhn, ist am 27. August, 12 Uhr Mittags, wohlbehalten in Newyork angekommen. ___________J Der Postdampfer „Waesland" der'„Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 29. August wohlbehalten in Newyork angekommen._______________________ Literatur und Anirst. — Eine dänisch - norwegische Ausgabe der »Wiener Mode.E Wir freuen uns, die Mttihetlung machen zu können, daß die „Wiener Mode" einen neuen Erfolg in der Richtung ihrer internationalen Verbreitung zu verzeichnen hat. Laut eines soeben perfect gewordenen Vertrages wird vom 1. September d. I. angefangen im Verlage der Firma I. Gravenhorst & Cie. in Kopenhagen und Christiania eine Ausgabe der „Wiener Mode" für die Königreiche Dänemark und Norwegen unter dem Titel „Moderne Verden" er- fcheinen, und fohin dem schon beinahe ganz Europa umfaffenden Verbreitungsrayon ein neues wichtiges Gebiet din-ugesügt, deffen Eroberung um so höher an zu schlagen ist, als gerade die scandinavischen Länder bisher eine ausgesprochene Vorliebe für Pariser Mode- Erzeugnisse bekundet haben. — Das neueste Heft (8) der unter Redaction von Bertha von Suttner im Verlage von E. Pierson in Dresden erscheinenden Zeitschrift »Die Waffen nitbetl* hat wiederum einen mannigfaltigen und reichhaltigen Inhalt. Wir heben aus demselben illach- stehendes hervor: Wereschagin, „Aus den Erinnerungen eines Schlachtenmalers" (Schluß), — Marchese P. Pandolfi, „Die Föderation und der Friede", — Elise Orzcesko, „Hinter dem Thale der Rosen" (Fortsetzung), — „Aus den Hochschulen", — Baier, „Internationale Brücken", — Paul Wilhelm, „Hymnus", — Elise Ducommun, „Das Friedenswerk", — „Zeitschau", — „Für den Krieg , — „Vermischtes", — „Literarisches" u. f. w. — Trotz des reichen Inhalts kosten „Die Waffen nieder!" jährlich nur6Mk. bei vorzüglicher Ausstattung. ________ Verkehr, Land- rrnd Volkswirtyschast. Limburg', 30. August. Frachtmarkt. Rother Weizen JL 13.00, weißer Weizen , Korn vtt 10.50, Gerste «tL 9.25, Hafer (alter) 9.20, neuer JL 7.35, Erbfen . Eingesandt. Gießen, 31. August 1893. Das „Eingesandt" in der Nummer vom 28. d. M. „Zur Frage der Canalisation" trifft den Nagel doch noch nicht ganz auf den Kopf, denn wenn selbst die Canalisation schon beschlossene Sache wäre, so würden doch immer noch Jahre vorübergehen, bis dieselbe voll und ganz hergestellt sein würde- Wir, die wir in der Altstadt Gießen wohnen, haben uns zu fragen, was uns augenblicklich frommt und gut thun würde. Wer mit offenen Augen in unsere Winkel und Ecken hinschaut, findet vielfach Verhältnisse, die selbst bei den jetzigen primitiven Einrichtungen nicht zu sein brauchen, wenn der ernstliche Wille nur vorhanden ist, diesen Uebeln abzuhelsen. Man blicke nur in die bei den meisten Gebäuden der Innenstadt sich vorfindenden Zwischenräume und man wird sehr häufig staunen Über den dort lagernden Unrath, der sehr guter Nährboden für die allergefährlichsten Krankheiten bildet. Die Polizeibehörde schafft ja, wenn sie darauf hingewiesen wird, in dankenswerther Weise Abhülse, aber nur sehr schwer entschließen sich die betreffenden Anwohner, die Behörde auf diese Zustande hinzuweisen, trotzdem der eigenen Gesundheit die größte Gefahr droht- Aehnlich traurig liegt eS mit den Dungablagerstätten in der Innenstadt, diese sollten Überhaupt nur unter der Erde luftdicht verschlossen geduldet werden- Und nun gar erst die Abfuhr der menschlichen Excrrmente, welche in den Morgenstunden selbst gegen i/i9 Uhr noch voraenommen wird und welche zeitweilig ganze Straßen- züge verpestet- Es würde doch einfacher und zweckentsprechender sein, die Forlfchaffung dieser Tonnen in der Nachtzeit vornehmen zu lasten, wie dies in anderen Stödten im gleichen Falle geschieht. Es find dieses Uebelfiände, die sich theilweise ohne Canalisation schon jetzt aus der Welt schaffen ließen, wenn mit Energie an die Sache heran gegangen würde und die Behörden auf diese Mißstände im Einzelnen aufmerksam gemacht würden, bei denen man den guten Willen, Ab- HÜlfe zu schaffen, voraussetzen darf. Gerade jetzt, in der cholera- schwangeren Zeit, möge sich jeder Einzelne erinnern, was er der Gesammthrit schuldig ist und jede Ungehörigkeit, die er wahrnimmt, unnachsichtlich zur Anzeige bringen. W. Briefkasten. 8. in B. Packet erhalten. Wenn möglich, komme im Laufe der nächsten Woche. Gruß. Red. «otterttenft »er irraelitischrn Mtiigimgtftllfdjaft Freitag Abend 6*> Uhr, Samstag Vormittag 8» Uhr, SamStag Nachmittag 4* Uhr, Samstag Abend Uhr. Witterungsaussichten Wetterhäuschen, Südanlage. 30. AuauN, Mitt. 12 UötT3E August, MorgTv Uhr Barometer: Thermometer: Mittlerer Barometerstand bei 0° R. = 744,7 mm. min. 745mm.max.747 mm min. 744 mm, max. 746 mm 4- 50R. „ 4- 80R. 44)crmouicici . „ 4- 12° R. „ •+■ 16°R „ + 50R. „ 4* 8®R- Hygrometerstand: Neigung f. nasses Wett. Neigung f. nasses Wett. Temperatur der Lahn und Lust nachReaumur gemeßen am 31.August, Mittags zwilchen 11 und 12Uhr: Wasser 13Vi Lust 13«/, Grad. Rübsamen'sche Badeanstalt. Conditorei «eitler. Mr die Herbst- und Winter-Saison Täglich frisch in nur bester Qualität i f Kaffee« und Theegebäck, Tor- mache ich auf mein reichhaltiges Xfagcr in Kaffee* und Theegebäck, Tor- T« stet» vorräthig. (4413 ftinta fM ®'! A. Schuster scrVnX” 7M1 W Bahnhofstraße 24 Bahnhofstraße 24 Todes-Anzeige Gnauth. 7403 ginl* Frau Elise Wolff tzttt. dir lieh. Schaffslaedt Die Beerdigung findet Samstag den 2. September er., Nachmittags 4 Uhr, 0. R. Patent Auer. [7392 vom Trauerhause, Südanlage 11, aus statt. [7407 ersuchen Sie gtfl. 1246 am diese» Blatte». [7400 Das (Somitä. 7396] [7290 die Exped. d- Bl. Heinrich Hochreuther tmttt 9itß im Vorderhaus 17408 Schriftführer. Vorsitzender. 3*/, ReichSanlcihe 99.90 5o/e 3UL Rente do. 3*/, Preuh. Sonsol» 3,/t»/e do. Lomb. E--B^Act. 170.50 aber 129.00 Buschtherader <1^1 136 90 Eibthal-Bahn-Ad. DaS billigste Schuhlager befindet sich jetzt [7340 96 50 Gelsen. Vergw «Act. Nrichgbauk-DiScrnt 5 p4L — Frankfurter Bank-Disc ont 5 p6l 7360] LelterswsO 6. Rüaction: K. Scheyda. - Druck en> Verla« der »rühl'schen Druckerei (yr. CH». Pietsch) in Gießen. teu re., sowie Oefroreues in verschiedenen Sorten bekannter Güte 111.50 96.87 272.25 94 80 94.10 85.20 21 40 41.80 büflrtiitt grn aufmer licheS Uoflti vermietben Eduard Wolff, Rentner. Margarethe Hoffmann, geb. Wolff, zu HofgülL Robert Wolff, Simoedjoer-Sumatra. Hans Wolff, Regierungsassessor. 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