1893 Nr. 1 Zweites Glatt Siebener , eu} er Abends 7 nr -reines "hr Kenerat-Htnzeiger Amts» und Anzeigeblatt für den Tireir Gietzen. 7ln,Llichev Cherl e. Feuilleton // Mit diesen Worten wies der Die Schose ist also über sechs Monate her. — nachten. Dors.: Unsinn, das Gericht stellt Ihnen keinen toirb. Dors.: Sie werden Ihre siegesgewisse Miene schon ablegcn müssen. Lassen Sie doch alle Weitläufigkeiten bei Seite. — Angekl.: Denn bitte ick, bet mir en Vertheidiger jestellt «Nr ItmoBcra-Buttanj W* JJn- mA laltoM ««|ei|tn für beu .•ie|tetr I*|et|tr* eaiygte. U«««hm« boi Lnzeige« zu brr Nachmittag- für bca folgendrn Lag erscheinenden Nummer bis vor». 10 Uhr. Sonntgg den 1. Januar der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt seinem Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist- ein selbstgeschriebener Lebenslauf. dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen d. 5. In (2 e. Dir Gtrgmer IleeirireiraUei Bttfcen dem Rnzrißer »-chnttlich dreimal bdfldcgt zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegeu. Heber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden Brr >*|tqn erscheint täglich, eM Ausnahme btf Montags. Vorsitzende des Schöffengerichts die Beisitzer auf die Verhandlung hin, die gegen den Handelsmann Heinrich S. stattfinden sollte. Dieser, ein etwa 40jähriger Mann, mit verschmitzt blitzenden Augen, erbat sich vor Eintritt in die Verhandlung das Wort. Er meinte die Sache sei „verjähren", indem der sogenannte Bedrug bereits am 14. Juni ausjefiehrt sein soll, un heite schreiben wir schon den Dag vor Weihetwas komischen Beigeschmack." en kleenet Erbtheil zu erwarten hat. Nu hatte sie mir jebeten, ick möchte ihr doch mal eenen Handelsmann mit'n Reisekorb rufschicken, wenn ick mal so'n Mann uf die Straße treffen dhäte. Als ick en Paar Dage später bei't neie Thor bin, sehe ick so'n Jndividibum da mit en Handwagen voll Korbwaaren halten. Ick jehe an ihn ran un sage: Sie, sage ick, kommen sie Heike vielleicht noch nach Moabit? Det könnte möglich sind, meente er. So, sage ick, denn jehen Sie mal nach die Havelbergerstraße, un denn beschreibe ick ihm genau, wo ick wohne und sage ihm, det meine Frau eenen Neisekorb koofen will, und sage noch, wenn sie vielleichte nich zu Hauke sollte sind, denn sollte er man bci'n Budiker in derselbe Haus jehn, den hädde meine Frau ooch jebeten, ihr eenen Korbwaarenhändler ruszuschicken un der würde bet Jeld ooch jerne auslegen. Er besinnt sich eine Weile un macht benn een Jesicht, so ehrbar als ’ne Töpperschürze. Nee, meent er denn, nach Mojabit komme ick heite doch nich mehr, da werde ick wohl erst nächste Woche hinkommen. Aber ick könnte ja eenen Reisekorb koofen un ihn hier an't neie Thor bei eenen Restaurateur unterstellen un denn könnte ick ihn ja uf'n Abend mit nach Hause nehmen. So Unrecht hatte er ja nich, ick foofe, denn och so'n Ding for sieben Mark un bezahle jleich un jebe denn noch eene jroße Weiße zum Besten. Als ich uf'n Abend mit’n Korb uf die Schulter nach unser Korridor rinkornrne, kriege ick feenen jelinden Schreck, als- ick da ooch eenen rieten Korb stehen sehe. Meine Frau kommt raus, kiekt mir un meinen Korb mit große Oogen an un sagt „Nanu? Noch eenen?" Un denn kommen wir zu die Auseinandersetzung un sie erzählt mir, bet der Mann so um viere rum jekommen wäre un hätte ihr jesagt, bet ick ihn zu ihr jeschickt hätte, indem sie eenen Reisekorb benöthigt wäre. Un sie hatte bet ooch jegloobt un hatte eenen Korb jekooft, aber für acht Mark. Wie wir uns nu so über den schlechten Kerl äijern, da kloppt det un rin kommt der Budiker von unten. Det heeßt, er wäre beinahe rinjefallen, denn er stolperte ieber die beiden Reisekörbe. e.- n Still» Xtt v Drei Körbe. Meine Herren, die jetzt folgende Geschichte hat einen Vertheidiger. Wollen Sie sich denn noch bei klarem Sachverhalt auf's Leugnen legen? — Angekl.: Det jrade nick, aber die Sache hat doch ihren ganz apartigen Fummel un so mit zujedrückte Oogen läßt man sich doch nich jerne verknacken. Wenn ick keenen Vertheidiger jestellt kriege, lasse ick mir uf nischt in. Ick werde mir doch nich eigenhändig eine sogenannte Schlinge um den Hals lejen? — Vors.: Schön. Sie hoben das Recht, jede Auslassung zu verweigern. Wir haben ja die Zeugen hier. — Zunächst wird der Zimmermann P. vernommen. Er wirft dem Angeklagten wüthende Blicke zu: „Herr Präsident, wat ick durch den Menschen for Aerger jehatt habe, bet is nich zu sagen, noch heute uzen sie mir in die janze Nachbarschaft mit die ollen Reisekörbe un mit meine Frau wäre ich deswegen beinahe auseinanderjejangen. Ick möchte doch bitten, die janze Strenge des Gesetzes wallen zu lassen. — Vors.: Erzählen Sie nur möglichst kurz. — Zeuge: In dem Monat Juni wollte meine Olle nach ihrer Heimath in Thüringen reisen, wo sie noch Colonialpolitik in weiteren Kreisen bekannt gemacht haben kehren in allen Berichten wieder. Es sind die Namen Schröder-Poggelow und Karl v. d. Heidt! — Der Militär- commission sind vor acht Tagen elf Uebersichten und Tabellen zugegangen, die dasjenige weitere Zahlenmaterial zur neuen Militärvorlage enthalten, welches stets bei Militärvorlagen nach ihrer Einbringung nachgeliesert zu werden pflegt. Es handelt sich hauptsächlich um speciellere und genauere Angaben über die Einzelheiten der im Ganzen ja längst bekannten Heeresverstätkungen und Mehrkosten, also beispielsweise um die Verkeilung der Lasten auf die einzelnen Bundesstaaten und ähnliches. Nur ein kleiner Bruchtheil des in Sachen der Militärvorlage neuerdings mitgetheilten Materials ist den Commissionsmitgliedern mit der Bitte um Geheimhaltung zugestellt worden. Doch sind auch von den sekret zu haltenden Mittheilungen nach den Versicherungen Eingeweihter die Hauptsachen bereits früher durch das Militärwochenblatt der breiten Oeffentlichkeit bekannt geworden. — Heber die im Jahre 1892/93 bisher gemachten Sparkasseneinlagen hat die amtliche „Statistische, Correspondenz" vor Kurzem einige Zahlen veröffentlicht, welche deutlicher als alles andere illustriren, wie sehr gegenwärtig das Erwerbsleben am Boden liegt. Der Heberschuß der Einlagen über die Auszahlungen betrug nämlich im Ganzen nur etwa 39 Millionen, d. h. so wenig, wie seit 1879 nicht mehr. Neue Sparkassenbücher sind in diesem Jahre volle 100 000 Stück weniger ausgegeben worden, als noch im Vorjahre. — Neu zugegangen sind dem Reichstage zwei Gesetzentwürfe, über die wir uns Vorbehalten, später eingehender zu berichten. Sie betreffen die Abzahlungsgeschäfte und den Wucher. In Preußen wird gegenwärtig der Entwurf zu einem neuen Wahlgesetze bearbeitet. Bekanntlich sind durch die neuen preußischen Steuergesetze die Grundlagen für die Ausübung des Wahlrechtes derart verschoben worden, daß eine Neuregelung der Beziehungen zwischen Steuerlasten und Wahlrecht dringende Nothwendigkeit ist. Auch stach dem neuen Wahlgesetze sollen nach Maßgabe der von den Staatsbürgern ausgebrachten Steuerbeträge drei Wählerklaffen unterschieden werden. Ebenso wird auch künftighin die Wahl öffentlich und inbirect sein. Die einzige wesentliche Abänderung ber geltenben Bestimmungen besteht barin, baß künftig nicht mehr die Staatssteuern allein, sondern auch alle Provinzial-, Kreis- und Gemeindeabgaben in Rechnung gezogen werden sollen. — Bereits zugegangen ist dem Landtag ein Gesetzentwurf über die Verbesserung des Volksschulwesens und das Diensteinkommen der Lehrer. Die Vorlage will den Dispositionsfonds für die Ausbesserung Apolitische Wochenschau. Gießen, 31. December 1892. In den beiden letzten Wochen haben insbesondere die Nachrichten über die geplante Bildung einer neuen Partei Aufsehen erregt, allerdings vielleicht nur um deßwillen, weil Programm, Ziel und Zusammensetzung der Partei vorderhand noch ziemlich in Dunkel gehüllt sind. Die neue Partei soll den Namen Nationalpartei tragen und sogleich nach Beendigung der parlamentarischen Weihnachlsferien constituirt werden. Zu diesem Behufe ist bereits eine Versammlung einberufen, zu welcher mehrere hundert angesehene Männer der verschiedensten Berufsarten und aus allen Theilen Deutschlands eingeladen worden sind. Mit den Vorständen der sogenannten Mittelparteien — Nationalliberalen und Conservativen — wollen sich die Begründer ins Benehmen setzen, um jene zur Aufgabe der „überlebten Parteiungen" zu veranlassen. Falls die Nationalliberalen und Conservativen dazu sich nicht verstehen sollten, will die „Nationalpartei" ihren Weg allein gehen. Heber diesen selbst ist bis jetzt nur sehr wenig bekannt geworden. Es heißt, daß die neue Partei den „Gefahren, welche von rechts durch die Antisemiten, von links durch die Socialisten dem Reiche drohen", entgegen zu treten gewillt ist. Heber die Führer der künftigen Fraction verlautet noch weniger Bestimmtes. Nur die Namen zweier Herren, welche sich durch ihre energische Agitation für die Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1893. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich ber im Frühjahr 1893 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aiisgesordert, ihre deßsallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis znm 1. Februar 1893 bei der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- ciellen das Folgende bemerkt: 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs. Corn- Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Heffen seinen dauernden Aufenthaltsort hat. 2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. 3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a. Geburlszeugniß; b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit Bekanntmachung. Wir sehen uns veranlaßt, hierdurch zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, daß das Gratuliren zum neuen Jahr in der Absicht, dadurch Geschenke zu erhalten, als Betteln bestraft wird und daß das Aufsichtspersonal angewiesen ist, solche Bettler vorzuführen bezw. zur Anzeige zu bringen. Gießen, den 29. December 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Vierteljährign >leeÄC»eet»,nl» 3 2 Mark 20 Psg. urff Bringerlohn. Durch dir Post btjofl« 9 Mark 50 Pf, «ebodion, tn>ebttie* und Druckrrei: 9. FrruPrechrr 51. Hn Mädchen romÄW NtvtMves 4(L_ aÄTeiTälterrö WM * ber Hausfrau gegen W äntitet, TeufelslustM^ Mmin. ®ett 5uliu6 Hchammensein"an. ** N-) unb 'nnt vermichungen. \\ (fine 8eine S5H im Hinterhause zu ^'-„rich Wallachs gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur | Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß. Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung- auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 19. December 1892. Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr. Zeller. 'Concert. I 4 Uhr. -Hch^Tchneider. rthal. -»T Tbaltiiflfl. —__Ä. Häuser. rungsbaut. ältesten und größten npsiehlt sich zur Ver- te.et sich zu jeder gc- aße 32 per » . Suhr/M ander' Suaie ptt i- w ^5 11. Un er hatte ooch so'n Ding uf’n Nacken: „Nu hört aber Allens uf!" sage ick, det is der dritte. Un der Nachbar setzt den dritten Korb hin und erzählt denn, bet en Handels- mann mit Körben bei ihm gewesen wäre und der hätte mir genau beschrieben un er sollte bei meiner Frau en Korb verkaufen un die wäre nu nich zu Hause und ob er ihm den Korb nicht abnehmen wollte. Un der Budiker hatte ooch keen Arg nich jehatt un hatte den Korb für sieben Mark und 50 Fennige jenommen. „Nu könnten wir ja ordentlich verreisen" meente er noch, als wir die drei Körbe so ansehen dhaten. Denken Sie bloß, Herr Jerichtshof, da is der Mensch jleich nachdem ich mit ihm jesprochen hatte, nach Mojabit rausjejondelt un hat uns so mit die Körbe rinjelegt. So wat iS denn doch noch nich dajewesen. — Vors.: Haben Sie alle drei Körbe behalten? — Zeuge : Nee, zwee habe ick wieder verkooft, aber natierlich billig, ick habe sechs Mark Schaden jehatt, der Spott is aber Ville höher zu rechnen, den ick ausgestanden habe. — Der Angeklagte gab dann zu, daß die Schilderung des Zeugen auf Wahrheit beruhe, seine Handlungsweise sei aber nur als ein „sogenannter Geschästs- kniff" anzusehen. Das Unheil lautete auf eine Woche Ge- fängniß. ____________ * Epidemisches. Ein Schulinspector kommt im Winter während der Schulzeit in ein Dorf und trifft die schulpflichtige Jugend dabei, sich auf dem Eise des Dorfteiches zu belustigen. „Warum seid Ihr denn nicht in der Schule, Kinder?" fragt der würdige Herr. — Wie aus einem Munde schallt ihm die Antwort entgegen: „Mer dürfen nid)’, mer han de Masern." * Fatales Mißverstanduiß. Offiziersbraut (zu dem Burschen, der ihr ein Bouquet vom Bräutigam mitbringt). „Ah, ein Bouquet vorn Herrn Lieutenant! . . . Und noch Rosen um diese Zeit!" — Bursche: „Nicht wahr — am neunundzwanzigsten!" Liebigstraße 66. en werten Kunden- kn und ^kannten iWM lati W lilgardt u. Frai r v.r “ iag Dvenrr reuning^ Haien! kahle drei Mark per Stück. tzbtl, MdhüMer. n junges VürsWeniiirH^ der Lehrergehälter um drei Millionen, und denjenigen für Bolksschulbauten um eine Million jährlich verstärken. Außerdem werden sechs Millionen als einmalige Aufwendung zu demselben Zwecke gefordert. In Oesterreich Ungarn ist wie in Deutschland eine neue Partei in der Bildung begriffen. Dieselbe soll der Regierung eine feste Mehrheit bieten und sich aus der Rechten, den Polen und den abtrünnigen Mitgliedern der Linken zusammensetzen. Das Programm der Partei, welches vom Cultus- minister v. Gautsch ausgearbeitet und vom Ministerium gebilligt worden ist, fordert im Wesentlichen das Festhalten an der Dreibundpolitik, die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen dualistischen Staatsverfassung und die Verzichtleistung auf spezielle Parteiwünsche im Jntereffe socialer und wirthschaft- licher Reformen. — Die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Frankreich und der Schweiz sind an der Hartnäckigkeit Frankreichs nun entgiltig gescheitert. Bereits rüstet sich die Schweiz zu Repressalien gegen Frankreich. _ Ein sonderbarer bedauernswerther Zufall hat es gewollt, daß in demselben Augenblicke, in dem Gladstone seine Homerulebill für Irland fertig gestellt hat, von Feniern ein Dynamitattentat auf Morley, den Staatssecretär für Irlands verübt worden ist. Aus dem Verwaltungsberichtc der Großh. Bürgermeisterei Gießen. (Fortsetzung). Das Geschäftsjournal für die Eingänge bei der Bürgermeisterei, dem Standesamt und der Armendeputation weist 11036 Nummern auf gegenüber 9361 im Vorjahre. Nach der Durchschnittsberechnung des an monatlich 2 Tagen festgestellten Personenverkehrs auf dem Bureau betrug derselbe: auf der Bürgermeisterei 18000, auf dem Standesamt 6580, auf dem Armenamt 6900, bei dem Bureau für Jnvaliditäts- unb Altersversicherung 10 500, zusammen 41980, gegenüber 32 689 im Vorjahre. An Gewerbe streitigkeiten wurden im Jahre 1891 anhängig und vor dem Beigeordneten Langsdorff verhandelt 17 Fälle, wovon 5 durch förmliches Urtheil erledigt wurden, während in 10 Fällen ein Vergleich zu Stande kam und in 2 Fällen die Sache auf Antrag der Kläger beruhen blieb, bezw. Zurückziehung der Klage erfolgte. — In Gemäßheit des § 420 der Strafproceßordnung wurde in 75 Beleidigungssachen Sühneversuch, zumeist durch den Beigeordneten Langsdorff, abgehalten. In 20 Fällen gelang es, die Parteien zu vereinigen, während tn 48 Fällen diese Bemühungen erfolglos blieben und in 7 Fällen der Antrag zurückgezogen wurde. Nach dem endgültigen Ergebniß der am 1. December 1890 stattgehabten Volkszählung hatte unsere Stadt 20 571 Einwohner,- hiervon waren: evangelisch 17 988, katholich 1783, andere Christen rc. 84, Israeliten 716 Einwohner. Der Statistik des Standesamtes für das Jahr 1891 sind nachstehende Ergebnisse von allgemeinem Interesse zu entnehmen: Es wurden geboren: 377 Knaben, davon 245 ehelich, 132 unehelich, und 355 Mädchen, davon 244 ehelich, 111 unehelich. Von den, zum größten Theil in der Großh. Entbindungsanstalt geborenen, unehelichen Kindern waren die Mütter von auswärts bei 208, von Gießen bei 35 Kmdern. Todtgeboren wurden 36 Kinder. — Sterbefälle kamen im Ganzen vor 506 (gegen 537 in 1890). — Die Eheschließungen im Jahre 1891 betrugen 158. Unter der Leitung des Großh. Gymnasialdirectors Geh. Oberschulrathes Prof. Dr. Schiller wird die Vorschule des Gymnasiums in vorhandenen Räumen des Gymnasialgebäudes auf Rechnung der Stadt abgehalten- dieselbe besuchten in drei Klassen: im Sommer 1891 78 Schüler gegen 73 im Vorjahre, im Winter 1891/92 76 Schüler gegen 71 im Vorjahre. Das Realgymnasium besuchten in 9 Klassen: im Sommer 1891 226 Schüler gegen 218 im Vorjahre, im Winter 1891/92 220 Schüler gegen 212 im Vorjahre- die Realschule in 7 Klassen: im Sommer 1891 298 Schüler gegen 274, im Winter 1891/92 303 gegen 274 im Vorjahre- die Vorschule beider Anstalten in 3 Klassen: im Sommer 1891 147Schüler gegen 156, im Winter 1891/92 149 gegen 156 im Vorjahre- insgesammt sonach: im Sommer 1891 671 Schüler gegen 648, im Winter 1891/92 672 gegen 642 im Vorjahre. Die vereinigten Anstalten haben — neben einem Staatszuschuß von 14 588.02 Mark — für die Hälfte der aus der Schulgeldeinnahme nicht gedeckten persönlichen Ausgaben, sowie für die sachlichen Kosten aus der Stadtkasse einen Zuschuß beansprucht von 27 394.71 Mark, sonach von 40.80 Mark pro Schüler (ohne die Verzinsung und Tilgung der Baucapitalien) und von 62.56 Mark einschließlich des Staatszuschuffes. Die höhere Mädchenschule besuchten in 7 Klaffen: im Sommer 1891 208 Schülerinnen gegen 217, im Winter 1891/92 202 gegen 208 im Vorjahre. Die erweiterte Volksschule für Mädchen in 5 Klaffen: im Sommer 1891 146 gegen 151, tm Winter 1891/92 144 gegen 148 im Vorjahre. Die Vorschule der beiden Anstalten in 6 Klaffen: im Sommer 1891 181 Schülerinnen gegen 177, im Winter 1891/92 183 gegen 177 im Vorjahre. JnS« gesammt sonach: im Sommer 1891 535 gegen 545, im Winter 1891/92 529 gegen 533 Schülerinnen im Vorjahre. Die mit diesem Schuljahr durchgesührlc Trennung der Vor- schulen der beiden Anstalten hat ergeben, daß diejenige der höheren Mädchenschule 89 bezw. 91, und diejenige der erweiterten Volksschule für Mädchen 92 Schülerinnen zählt- die oberste Klaffe der höheren Mädchenschule, deren geringer Besuch früher zu Bedenken mehrfach Anlaß gab, war im Sommer 1891 von 13, im Winter 1891/92 von 10 Schülerinnen besucht. — Im Uebrigen hat die Schule einige Verbcfferungen erfahren: die Klaffe I erhielt eine neue Mobiliarausstattung von eisernen Subsellien mit beweglicher Tisch- und Litzplatte, mit der durchgängigen Anbringung von Wandvertäfelungen und Erneuerung alten Anstriches wurde begonnen, die Wasserleitung in das Schulgebäude eingesührt, im Schulhof verlegt und zum ausreichenden Besprengen des Hofes wie des Gartens eingerichtet. Während der Erstere mit den verschiedenen Arten von Waldbäumen ausgepflanzt und nach der Straße hin durch eine Pflanzung aller in unseren Wäldern wildwachsenden Bäume und Sträucher obgeschloffen wurde, zeigt der vergrößerte Schulgarten nunmehr außer den bekanntesten Küchen- und Nutzpflanzen auch die reichhaltige Flora der Wiesen, Felder und Wälder, so daß einige Tausend Exemplare der verschiedensten Pflanzen auf kleinstem Raum neben dem eigentlichen System eine Art botanischer Lebensgemeinschaften darstellen. Daneben ist das Anschauungsmaterial der Schule bereichert worden durch Anlage einer Sammlung von Früchten, Samen und Producten der Colonien, wie der gebräuchlichsten Erzeugnisse der Leinen-, Wollen-, Baumwollen- und Seidenindustrie. — Privater Unterstützung endlich verdankt die Schule die Mittel zur Anlage eines Platzes für Rasenballspiel (Lawn Tennis) und zur Beschaffung verschiedener Ball« spiele. — Der Zuschuß aus der Stadtkasse zu den Kosten der hier vereinigten Schulen beträgt im abgelaufenen Jahre 31090.12 Mark, sonach pro Schülerin 58.44 Mark (ohne die Verzinsung und Tilgung der Baucapitalien). Die Stadtknabenschule besuchten in 8 Klassen, von welchen 7 getheilt waren: im Sommer 1891 770 Schüler gegen 781, im Winter 1891/92 780 gegen 779 im Vorjahre. Die Stadtmädchenschule besuchten in 8 Klassen, von welchen 7 getheilt waren: im Sommer 1891 903 'gegen 865, im Winter 1891/92 886 gegen 869 Schülerinnen im Vorjahren. Von geistig zurückgebliebenen resp. schwachsinnigen Kindern der Volksschulen wurden 4 Knaben und 4 Mädchen besonders unterrichtet. Der starke Besuch der untersten Klaffe der Stadtmädchenschule durch 150 Schülerinnen und der Wunsch, gerade die Anfangsklasse der Volksschule nicht zu überfüllen, gaben Veranlassung, daß diese Klasse in drei Parallelklassen getheilt wurde, während mit Ausnahme je der obersten Klasse beider Schulgruppen alle übrigen Klassen nur in zwei Parallel« klassen getheilt sind. Durch Großherzogliche Kreisschulcommission wurden in der Stadtknabenschule 6, in der Stadtmädchenschule 5 Schulprüfungen vorgenommen und dabei die nachstehenden Gesammtnoten ertheilt: dreimal sehr gut, fünfmal sebr gut bis gut, zweimal gut und einmal gut bis genügend. Am 19. December 1891 konnte die durch den Brand in der Turnhalle etwas verzögerte Einweihung des neuen Stadtknabenschulhauses an der Nordanlage mit einer einfachen, aber würdigen Feier vollzogen werden. — Einschließlich der Anlage, Entwässerung, Einfriedigung und Bepflanzung des Schulhofes, wie eines besonderen Schulgartens, und einschließlich der vollständig neuen Mobiliarausstattung haben die gesammten Baukosten betragen 318 860.19 Mark, während für den Bauplatz 32000 Mark aufzuwenden gewesen waren. Die Kosten des Hauptgebäudes ohne Mobiliar haben betragen: pro Cbm. umbauten Raumes 14.30 Mark, diejenigen des Verbiudungsbaues desgl. 11.55 Mark, diejenigen der Turnhalle 13.90 Mark. Nach Erbauung dieser Schule ist nunmehr jede der beiden Schulgruppen ganz in einem eigenen, zum mindesten für ein Jahrzehnt voll ausreichenden Gebäude untergebracht. Der Aufwand aus der Stadtkaffe für die Volksschule hat, ausschließlich der Verzinsung und Tilgung der Anlagecapitalien 74 721.52 Mark oder pro Kind 44.54 Mark betragen. Das Schulbad für Knaben in der Lahn, wie die Brausebäder in den beiden Schulhänsern wurden fleißig benutzt, ebenso die 2000 zur Benutzung der künstlichen Eisbahn für die Kinder der Volksschulen zur Verfügung stehenden Tageskarten. _____________________(Fortsetzung folgt.) Localer uttb Krovinzleller. Gießen, 31. December 1892. — Schuldienst - Nachrichten. Am 23. November wurde dem Schulamtsaspiranten Johann Jacob Taubenschmidt aus Lampertheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Erzhausen, — am 24. November wurde dem Schullehrer Sebastian Bundschuh zu Pfirschbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Semd, — am 2. December wurde dem Schulamtsaspiranten Peter Rausch aus Zeilbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Alsfeld, — am 10. December wurde dem Schullehrer Lorenz Keiser zu Wimpfen a. B. eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bobstadt, — am 17. December wurde dem Schullehrer Christoph Metzler zu Harbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Osthofen übertragen. — Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Biebelnheim mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Zwei Lehrerstellen an der Gemeindcschule zu Neuhausen, von denen die eine mit einem evangelischen, die andere mit einem katholischen Lehrer zu besetzen ist, mit einem jährlichen Gehalte von je 900 Mk. Mit der mir einem kathol. Lehrer zu besetzenden Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder Florstadt mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Eme mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stammheim mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist die Hälsie des Organistendienstes verbunden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Röthges mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden, j Dem Herrn Fürsten zu SolmS-Braunfels steht daS Prüfen« I tattonörccht zu derselben zu. Landwirtschaftliche Rückblicke aus das Jahr 1892. A Aus Vberheffen, im December. (Schluß.) Ter Monat October begann mit rnrrn Gewitter, eine seltene ErsLetnung um diele Zeit; selbst Hagelschlag gab es in Süd- deutschtand. Die Obsternte begann da. wo welches gewachsen war. Die Preise waren sehr bcsriedtgend. Die N>eber,chläge werden jetzt etwas häufiger, man beginnt mit Ausstellung der Wintersaaten. Die Herbstwitte'ung bleibt aber doch eine gute; in der Nacht zum 18. October gtebt es zum ersten Male etwas Eis. Acht Tage fpSter zeigt sich Schneefall mit R gen untermischt. Die drej letzten Octobertage sind ionnig und heU. Die Kartoffelernte ist beendigt. Man Hal überall — mit Ausnahme in den sandigen Gegenden — seltene Erträge. Die Knollen sind groß, schön und gesund, sehr zahlteich und stärkemehlhaltig. Darum sinken die Kartoffelpreise bedeutend; auch die Fruchtpretse gehen stets langsam abwärts und die Dlehpreise nicht minder. Eine eiaenthümliche Erscheinung ist, daß mit dem Eintritt der kälteren Witterung rine ganze Reihe von schweren Einbrüchen in Darmstadt, Mainz, Bingen, Offenbach, Fcankurt u. a. O. verübt werden. Es scheint fast, als wolle sich da4 Gesindel durch solche Mrssethaten einen warmen Unterschlupf für den Winter verschaffen. „ , Im Monate November srtzie sich daS milde, etwas feuchte Wetter fort. Die Herbstsaaten gehen dadurch sehr schön auf, kein Saatkorn versagte. Tie Felder bauten sich trefflich, Unkraut war nicht viel vorhanden. Hie und ba hörte men über Ungeziefer Nagen, doch wurde es nicht zur allgemeinen Plage. Es gab feine Sprühregen mit Rebel; meistentheils halten wir windstille Witterung. Die Herbstarbeiten wurden so sehr gefördert, daß um Martinstag für den kleinen Landwtrth Alles beendigt war. Einen so schönen ArdeitS- schluß hatte man seit vielen Jahrzehnten nicht. Auch die landwirth- schaftlichen Großbetriebe wurdm bis zum Monatsschlusse fertig. Um den 22 November gab es ziemlich scharfen Frost von — 5», er hielt aber nicht lange an. Die Holzbauereien sind flott im @ange, die Leute auf dem Lande können hier einen fchönen Nebenverdienst machen und wer will, kann auf Aeckcrn und Wirsen Verbrsserungen aller Art vornehmen. So sind wir nun im letzten Monate December angekommen. Er begann mit ruhiger, windstiller Witterung, welche am 8. bis 9. ziemlich kräftigen Frost bei klarem Himmel brachte. Leichter Schneefall folgte darauf. Auch dieser Monat zeigt bis jetzt eine ruhrge Atmosphäre, wie überhaupt das ganze Jahr 1892 sich durch windstilles Wetter ausgezeichnet hat. Möge es für alle freundlichen Leser in Ruhe und Frieden abschließen. Nun noch einige Worte über die Resultate, sowie das Jahr 1892 im Allgemeinen. Wir haben schon angrdeutel, daß die Erzeugnisse des Jahres von großer Güte sind, wie daS bei dem herrlichen Sonnenschein nicht anders erwartet werden kann. Auch Wttn ist gar trefflicher gewachsen, leider aber zu wenig. Die Fruchtpreise sind recht niedrig. Weizen und Korn gelten kaum mehr als halb soviel wie im Vorjahre. Dagegen haben manche Landwirthe auch nahezu daS Doppilte gegen 1891 geerntet. Besonders sind eS die feuchten schweren Lagen, welche tm abgelaufenen Jahre begünstigt worden sind, während die trockenen Sanvlagen dieses Jahr zurückstehen, aber in 1891 eine doppelte Ernte machten. Rechnet man darum die Ernten der beiden Jahre 1891 und 1892 zusammen, dann ergiebl sich für beide ein befriedigendes Schlußresultat. Nur die Futterstoffe lassen zu wünschen übrig, denn mancher Landwlrth hat tn diesem Jahre sehr wenig geerntet und tm vorigen Jahre ist ihm der Segen durch die wochenlangen Regengüsse ondorben worben. Auch über die Lage tm Allgemeinen wollen wir vom Standpunkte des Landwtrthes einige Bemerkungen folgen lassen. Die Unzufriedenheit ist unter den Menschen noch nicht gew'chen, obgleich wir Ursache hätten, zufrieden zu sein. Wenn wir nut einiges von dem Geiste und den bescheidenen Ansprüchen unserer Vorfahren haben könnten, würden wir um Vieles glücklicher leben. Tiefbedauettich find die Hetzereien und Verleumdungen, welche unter den Menschen verübt werden. DaS Gute, welches gestiftet wird, will man nur ungern anerkennen; wird aber UebleS und Häßliches verbreitet, bann sind Hunderte und Tausende bereit, es zu glauben und womöglich weiter zu verbreiten. Der gute Ruf von braven Menschen wird schonungslos zerfleischt; wenn sich später terauSftcllt, daß Unrecht geschah, haben nur Wenige den Muth, ihr Unrecht etnzugestehen. Das sind Zeichen der Zeit, von denen der Menschenfreund sagen darf: sie gefallen mir nicht. Auch die schweren Verbrechen, wie raffinitte Diebstähle, Einbruch, Mord, Straßenraub und Todtschlag haben nicht abgenommen, wie uns die 3tiHingen und die Schwurgerichts- Verhandlungen lehren. Nicht selten sind es Menschen in jugenbltd)em Alter, welche diese Miffethaten verüben. DaS ist eine ernste Mahnung für alle Eltern, ihre Kinder mit Strenge zu erziehen und zu überwachen und mit Geistlichen und Lehrern zusammen zu wirken, daß die jungen Seelen nicht mlßratöen. Mit jedem Jadre, daS dahin schwindet, sehen wir deutlicher ein, daß wir schweren Zeiten entgegengehen. Dafür brauchen wir tüchtige, charaktervolle Männer und gute, sittenreine Frauen in allen Ständen. So möge denn auch Der Bauernstand wacker mithelfen, daß wir brauchbare Menschen babtn werden, wenn es dereinst noth thut«— und hiermit Gott befohlen, lieber Leser. Literatur und Aiunst. — Erkenne Dich Selbst! Gedenkalbum zur Ebaracierifiik der Freunde und Freundinnen. Siebzehnte Auflage. Mit 14 Faksimiles namhafter Frauen und Männer der Gegenwart. Preis in Oiiglnal-Lstnenband 5 Mark. Vettig von I. I. Weber in Leipzig. Aus dem fast jedem Menschen innewohnenden Wunsch und Herzens bedürsniß, die Erinnerungen an liebe Freunde und verehrte Bekannte, die ihm auf seinem Lebenswege begegnet sind, für alle Zett feftju» halten und in einem Buche zu sammeln, entstand zuerst daS Stamm- buch und später das Photograpliienalbum, dessen B'lderreihe man immer wieder gern betrachtet. Allein mit der rastlo« sorlschreitenden Zeit haben sich auch unsere Ansprüche gesteigert. Die fmtimentahn Verse und weisheitsvollen Sentenzen auf den Stammduchblättern erscheinen uns fade und veraltet, ja selbst die Bildnisse unserer Freunde allein wollen uns nicht mehr ganz genügen — man mödtie, daß sie auch zu uns redeten, man wünschte ihre Gedanken und Ansichten über dteS und jenes zu hören, einen Funken ihre» GisteS um uns leuchten zu sehen! Die finnige Idee des Album<, »Erkenne Dich Selbst!* fand baber* großen Anklang, ba eS gleichsam eine Ergänzung zu den Porträts unserer Freunde und Freunbinnen bildet, durch deren Antworten auf die gestellten Fragen wir eine förmliche E aracterskizze, ein innerliches Bild von ihnen erhalten, sodaß wir sie besser kennen lernen als durch stundenlange mündliche Unter Haltungen. Namentlich interessant werden diese Selbstbekenntnisse, wenn sie von geistig bedeutenden, hervorragenden und allgemein bekannten Persönlichkeiten herrühren, die Fernerstebenden nicht so leicht einen solchen Einblick in ihre Gedanken und Ansichten gewähr«. Vielfachen Wünschen entsprechend hat die DerlagShandlung eine Anzahl solcher Selbstbekenntniffe in getreuer Wiedergabe der Handschrift als gewiß allseitig willkommene Gabe dieser Auflage in einem Anhänge beigefügt. Alttatholifcher Gottesdienst. Am 1. Januar 1893 findet Vormittags elf Uhr in der Stadtkirche altkatholifcher Gottesdienst statt. Am 2 Januar 1893 ebendaselbst um neun Uhr Vormittag« eine kirchliche Gedächtnißfeier für den verstorbenen Professor Dr. Lutterbeck. ___. Unübertroffen in Feinheit u. Milde u. seit zwölf Jahren bewährt Holland Xabot 10 Pfd. löse in Beutel freo. 8 Mk. nur bei v. Becker in Seesen a. Harz. 3648 d Aunft. .fajnte m„is in %rÄÄ* *V h,n w undMl> o-ntiidm sdinnif, ,net fitib, t hfls Stimm1 in, ,nttt yilberuiM^ ilbum, Mj» ’D. ifjftita « mit « flf,lä Smmtahn « PATENT- Cassenfabrik Franz Garny j Frankfurt a. M. | sowie Punsch - Essenzen empfehlen billigst 62 ____Gebr. Adami. Husten + Heil (Brustcaramellen) zu haben bei [31 Gebr. Adami, Mäusburg 14. 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März 1893 zu vermiethen- Näheres parterre___________________ 451 Liebigstraße 66 der untere Stock, 5 Zimmer mit Zubehör, nebst Wasserleitung nnb Gartenantheil, per 1. März, event früher, zu vermiethen. Näheres im 3. Stock.________________ 44] Liebigstraße Nr. 71 im 2. Stock ein Logis, 4 Zimmer mit Zubehör, Waffer- l-.itung und Gartenantheil, zu vermiethen- Näheres Liebigstraße 66, 3. St. 46] Nordanlage 27 eine Mansardenwohnung von 4 Zimmern, Kammer und Küche, per 1. April zu vermiethen- Nähere? bei Architect Stein._________ 51] Das seither von mir bewohnte Logis, 4—5 Zimmer, Schrank- oder Badezimmer, nebst allen Bequemlichkeiten per sofort zu vermiethen. H. Schaffstaedt. Bahnhofstraße 24. 47] Liebigstraße 61, 2. Stock: 3 bis 4 Zimmer nebst Zubehör vom 15. März 1893 ab zu vermiethen._________________ 48] Der 1. Stock, 5 Zimmer mit allem Zubehör, nahe der Anlage zu ver- mteihen- Näheres Asterweg 44, 3 St. 52] Das Haus Mäusburtz Nr. 10, mit großem u. hellem Laden, ist per 1. Februar ander- weit zu vermiethen oder zu verkaufen. Näheres bei der Exped. d. Bl. T9] Zwei schöne Wohnungen, ä sechs Zimmer und Zubehör, zu vlrmtethen. I I. Bernhardt, Ludwigstraße 22. I *50] Logis, 3—4 Zimmer, Wasscrltg., Gartenantheil und alle Bequemlichk., zu vermiethen._______Marburgerstraße 29. ! 53] Zwei schöne leere Mansar- denztmmer find per sofort zu vermiethen. Neustadt 78. Für Brautausstattungen und Hochzeilsgeschenke empfehle mein grosses Lager in Tafel-, Eaffee- und Dessertservicen, Wein-, Bier- und Bowlensätzen, Completen Crystallservicen und Waschgarnituren. Stets das Neueste in Luxusartikeln jeder Art. 24 G. Ph. Fillmann, Marktstrasse 17. Packetsiegel Marken 104 40 1x7 SO 132 15 — Soeben erschien der erste Band von — H. Grethen Coniü vom 23 XII 8O./Xn. Cour» vom 23./XII. 30./XII. 28.80 28.80 75.80 75.10 54.30 57.25 Bad Ems Technicum Mcttweida \ 27 Bedingungen Wieseck. [5 fröhliches Neujahr! Kutscher gesucht rief- und Ludwig Spuck u. Frau zum Hessischen Hof fröhliches llnijnlir! Ludwigstraße 14, 1. sucht- Andusiai« Aette». Pfandbrief«. 102.— 102.— Soof«. 125.85 127 60 3r/,°/oKöIn-MtndnLoose Pfandbr. . . 128.— •ifmOeDiMBonM 100.40 105.30 106.80 104.05 87.40 97.40 97.15 98.45 78.40 102 85 21.15 44 80 102 105 25 106 85 104 20 87.70 97.30 97 45 98.85 102.— 97.— 95.— 101.— •) M»«ehiien IngenioMT s^haJe K Werkeeleter Bebak Q Deutsche ReichSdank . Berit«. HandelSgesellsch. Deutsche Bank . . . DeulfchcGenoffenfchftSd. o.Soergel,ParrisiuSckCo. 77.— 102 65 21.20 44.35 104.— 127.70 182.40 Allen Freunden und Bekannten zum Jahreswechsel die herzlichsten Glückwünsche! Heinr. Voelzel II. u. Familie, BST Stellung erhält jeder überallh. umsonst Fordere per Postkarte Stellen- Auswahl Courier, Berlin Westend 2. [14 Meinen werthen Gästen und Gönnern wünsche Braunschweig. 20 Dhlr^ Looie . . . . 3°/o Oldenburger Loose . Ireunden und Bekannten die herzlichsten Glückwünsche. Carl Heyer u. Frau, 67J Zum 8. Januar ein junge« Mädchen für einen kleinen Haushalt ge- sind kaum b. sser. Rußland kthtt unter den Nachwirkungen des vorjährigen Noth- fiandes. In Argentinien hat ftcb zwar der Handel etwa« gehoben, aber noch baden bi< Staatsgläubiger keinen Voribeil davon, und es mögen noch Jabre v-rgeden, dis die Besserung der dortigen Verhältnisse diesen zu Gute kommen wird. Dagegen sind aber andere südamertkanilche Staaten, in denen ebenfalls deutsche Interessen tnoeflht sind, z. B. Venezuela und Guatemala weiter zurückgegangen und haben neue Verluste verursacht. . , . _ , Der Preisrückgang de« Silbers, der auch die deutsche Bergwerksindustrie nicht unberührt läßt, hat den Kredit Mex cas erschüttert und sogar M htrauen gegen alle nordamerikanischcn Bonds erweckt, deren Zins- und Kapitalzahlung nicht ausdrücklich in Gold stipulirt ist. Alle diese Umstände bedingten natürlich eine Entwerthung der betreffend, n Fonds und Actten, und daraus erwuchsen Verluste für das Publikum, die sich all- mälig lawinenartig zu ganz ungeheuerlichen Summen onkäusten Diese Verluste wurden für das Publikum die directe Ursache zu einer Einschränkung in dem Ver^ brauch seiner sämmtltchen Eonsumartikel. Man lebte sparsamer, um die verlorenen Summen auf andere Weife wieder etnzubrtngen; aber wäh end man so aus der einen Sette die Schäden ausbess-rte, schlug der stockende Absatz auf der anderer Seite neue Wunden, die in neuen Verlusten und verschärften Einschränkungen ab.r- mals zum Ausdruck kamen. Die Börse aber litt nicht nur unter dieser Entwicklung, fte litt noch viel mehr unter der Entfremdung des Publikums, welche ebenfalls eine Folge dieser Verluste war. Theils nahmen die finkenden Eourse dem Publikum die Möglichkeit, als Käufer aufzutrrten, theils aber war die Entfremdung auch der Ausfluß einer Animosität gegen die Börse, die genau in dem Maße wuchs, in welchem, sich die Verluste vergrößerten. (Forts, folgt.) ! weisen können, wollen sich melden in der 1 Exped. d. Bl._______________________________ 36] Ein Annge, der das Schreinergeschäft erlernen will, kann unter gün- sitgen Bedingungen sofort oder später eintreten bet Ehr. PH. Euler, Ludwigstraße 14. Chemisch - analytisches Lihoiratoriiim Dr. mir. Gabriel Giessen Telephon SS. (26] BörseuwocLeubericbt von E. Wasser schleben, Bankgeschäft. DaS Jahr, das mit dieser Woche zu Ende gegangen, hat den wirtschaftlichen Niedergang, ingwelchem wir mit Beginn des argentinischen Staatsbankeroltes ein- getreten sind, weiter v rschärft. Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlassuogen bildeten wäbrend seiner Dauer die Regel und sie sind heute noch an der Tagesordnung. Sie haben tausende von Menschen brodlos gemacht, und haben schon im Frühjahr in der Reichs Hauptstadt Unruhm und Massenansammlungcn verursacht, die eine Zett lang altz eine ernste Gfahr angesehen wueden. Sie haben die CÖbne und die Verdienste vermindert und die Eonsumfähigkett des Volkes so tief herabgedrückt , daß alle Geschälte und Fabriken, was immer ihr Name und ihr Gegenstand sei, auf das Schwerste darunter leiden. In Wechselwirkung mit diesen Ver- Eourse der Frankfurter Börse. Wohnungsgesuch. 81] Eine Wohnung von drei Zimmern nebst Zubehör wird alsbald zn miethen gesucht. Offert n erbittet man unter Nr. 81 an die Erped. d Bl. Bestellungen auf Meyers Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, nimmt jederzeit zu bequemen Bezugs-Bedingungen an die Ferber'sche Buchhandlung in Gießen. Binding-Brauerei . . Stern- do. (Oberrad) Bad. Anilin- u. Soda- fabrik . . . Htbernta Bergw.-Ges. . Lahnstein-Restaurant. 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Die MitaliedStarten für 1893, die Quittungen der Pension-tasie, sowie der Kranken» u. Begrübnitzkasse, e. H., liegen zur GinlSsung bereit. SDct Eintritt in den Verein und seine Kaffen kann täglich erfolgen. «eschäft»ktelle für Gießen bei Herrn Ernst Wiegelmann, Nordanlage Nr. 39.[8 P Prell u. Frau, Lehrmädchen 73_______„Stadt Mainz". für sogleich gesucht. [66 Allen Verwandten, Freunden und —-- Setannten die *«»•«* i . ., . - i** j ♦♦ z j für Küche und Haus gesucht. httchchücn Gluckivun che !j 7 6 ntm Neuen ^nhr’ ' 1 lüb93J ®tn braves Mädchen vom _... ^m -"euen Jahr. Lande gesucht Marburgerstraße 29. 71] Franz Stroh u. Fran. Allen meinen werthen Kunden, Gönnern und Freunden herzlichsten Glückwunsch zum Jahreswechsel. F. Köhler, 93 in Firma A. Koch Nachfolger. t°/o Hessische Obligation. , Bauern .... „ Baden..... N>/o Sächsische Rente. . isi/.o/o BremerSlaatsanl. „ Hamb.Staatsrente 40/o Oestr. Goldrente . , GriechtscheMonopol- Uoiroth Fräulein, 21 I, mit neiraiu. 120 00 wünscht Heirath mit einem soliden Mann. [15 Briefe an K 5 lagernd Berlin 23. Als alleiniger Vertreter einer der größten Hypotheken» banken vermittele ich die Beleihung von Immobilien zu günstigen 1 bältnissen sind die Preise der wichtigsten Handels- und Cor.fumarttk.l im ersten ! Semester ohne Ausnahme zmückgegangen, und zum Thetl auf Tiefpunkte, die seit Jahrzehnten nicht erreicht wurden. Die Fabriken und Waarengeschäste haben ■ dadurch ungeheure Verluste erlitten, das Kapital hat sich au8 allen diesen Anlagen zurückgezogen, eS hat die Börsen überschwemmt, den Zinsfuß auf einen ungemein niedrigen Stand herobgedrückt und den Banken und Bankgeschäften die Erzielung eines angemessmen Ztn'gcwtnns außerordentlich erschwert. Die Finanzverhältniffe der austänbricvrn Slaaien, deren Anleihen vorzugsweise auf dem deutschen Markt untergebracht sind, haben sich im laufenden Jabre weiter verschlechtert. Portugal hat einen schmählichen Bankerott gemacht, und seine Fonds sind vollständig entwerthet. Griechcnland kamprr mit den oußerorden'lichsten Schwierigketeen, ieineri I Verpfltchiungen gerecht za werden. An jedem Zahlungstermin vergrößert sich die | Summe seiner schwebenden Schulden um den zu zahlenden Zintbctra.>, und tiefe und die exorb tar.ten Bevinpungen, unter welchen es sich Geld entleihen muß, drohen 5o/g Budernll-Obltgat. feine Finanzlage gänzlich zu zerrütten. Die Verhältnisse in Spanien und Serbien le Pr&cedniek werden schnell uns btMifl angefcrtigt in der röhl’schen 61. Druckerei MohelSreiss 7. Vorhandene Stempel käene» benutxt worden. SVo Rumänische Rente . 4Vo Ruff. ConsolS S. UI 97.05 97 80 96.95 3»/,0/0 Egypt. priv. ^nl. 94 70 94.50 4°/o Pfälz. Ludwtgsbahn (Bexbach) . . . •ifr 103.45 nba-a-i 103.45 5°/q Südbßhn Lombarden 40/0 do. do. 105.10 96.10 104.60 96.20 , Hefstsche LudwigSb. 68/69 garant. . 102.80 102.90 3°/o do. do. 4% Prag-Duxer Gold 63.60 99 55 63.40 99.65 , Elifabethb. steuerfrei Gold .... 100.65 100.85 , Rudolf Gold (Salzk.) „ Franz-Josef Silber 100.75 82.30 100.85 82.— b"/o Oeftr. Staatsbahn. 4o/g do. do. 107.90 100.50 108.10 100.80 3°/o staatl. garant Jtal. Eisenbahn . . 56 30 56.15 30/0 do. do. I.—VIIL Emiff. 79.90 79.90 3% Livorneser . . . 4o/^ Ruff. Südw Gisenb. 40/0 Wladikawkas garnt. 63 50 93.20 63.70 93.50 3^/o do. Ergänzungünetz 77 — 77.— 92 75 92.50 5°/o dtordwestbahn Gold 107.80 108.20 4^/o gar. Sardtn.Sec.stfr. 80 — 80.— 227.— 109.90 114.10 136 — 226.75 108.70 115.— 134.40 Galiz.CarlLudw.-B.-Act. Orst Nordw.-BahnLtt.L. Gotthardt..... Jtal. Mtitelmeer . . 183.50 1937/e 151.30 103 50 183V» 193 V» 152.50 102 70 149 60 eanf-t 149 90 retten. Dresdener Bank. . . 138 — 136.65 133.70 133 15 Mitteldeutsche Ereditb. . 95.90 95.50 158.— 154 35 Wiener Bank-Verein 96S/R 96V* I 116 90 116.90 Württemb. VereinSbank Deutsche VereinSbank . 124.25 104.60 124.45 104.50 158 50 158.50 Deutsche VerlagSanstalt 177.60 177.50 134.50 134.80 Farbwerke,vornr.Meister, LuciuS 4 Brüning. 298 50 800.— 297.60 296 70 Rtebeck'scheMontanwerke 158.50 158.— 106.30 104.35 Bochumer Gußftahl 115 20 114.10 —.— 113.50 4°/g Chicago Bullington NebraSka 1927 . . 4«/»% California Pacif. 83 65 83.10 106.40 106.50 I. M., rückzahlb. 1912 bo/oPacif.ofMtffouri con- 106.— 106 10 —.— 104.40 foltdared I. M. r. 1920 107.75 107 95 102.50 103.— 96 — 96.50 102 30 97 20 102 30 97 20 100.90 100.90 3 RS '9': KLEINES Konversationslexikon Redaclion: A. Schevda. — Truck unb Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) In Gietzen.