Rr. 77. Erstes Blatt. Donnerstag den 31. März 1892 Der Lietzener Znzetger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS. Die Gießener Da«ikte«StLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. Gießener Anzeiger i c k—/ (J ej Kenerat-Anzeiger. vierteljähriger Löonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bcmgerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt für den Areis Gieren. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. Hratisßeitage: Gießener Jamitienölätter. Alle Annoncen-Bureaux de- In- und Auslandes nehmm Anzeigen für den „Gießener Anzeiger^ entgegen. 2lmtlid?cr Theil. Gießen, am 14. März 1892. Betreffend: Frühjahrs-Controlversammlungen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen «r die «rotzh. Bürgermeister eie« de- Kreises. Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen. v. Gagern. Bekanntmachung. Bei den diesjährigen Frühjahrs-Controlversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Gießen gehörigen: 1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots. 2) Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden Entlassenen. 3) Wehrleute I. Aufgebots, die vom 1. October 1879 ab eingestellt worden. 4) Ersatz-Reservisten, geübte und nicht geübte. Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Controlpflichtigen anzutreten haben: A. Zu Gießen am 4. April 1892 im Oswald'schen Garten für die Bewohner von Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchelheim, Kleinlinden, Oppenrod. 1. Appell Bormittags 9 Uhr: Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften ber Infanterie. 2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Min.-. Offiziere, Samtäts- Offiziere und Beamte der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, sowie sämmtliche Wehrleute I. Aufgebots der Infanterie. 3. Appell Nachmittags 2 Uhr: Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften und sämmtliche Wehrleute I. Aufgebots der Garde, Jäger, Cavallerie, Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luftschiffertruppen, des Trains (einschl. Krankenträger), Sani- täts- und Veterinärpersonals, Vüchsenmachergehülfen, Oecouomiehandwerker, sowie alle übrigen der Reserve und Landwehr I. Aufgebots angehörigen Mannschaften. 4. Appell Nachmittags 3 Uhr: Sämmtliche Ersatzreservisten. 5. Appell Nachmittags 4 Uhr für die Bewohner von Allen- dorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen: Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, sämmtliche Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen, sowie sämmtliche Ersatzreservisten. B. Zu Lollar am 5. April 1892, neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heiberttzhausen, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck. 1. Appell Vormittags 8 Uhr 30 Minuten: Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften aller Waffen. 2. Appell Vormittags 9 Uhr 15 Miu. Wehrleute I. Auf- gebots aller Waffen. 3. Appell Vormittags 10 Uhr. Sämmtliche Ersatzreservisten. C. Zu Grünberg am 5. April 1892 am Bahnhof für die Bewohner von: Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmuhle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strelles-Mühle und Walk-Mühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bolln- bach, VeitSberg und Wirberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit dem Hainerhof, Winnerod. 1. Appell Nachmittags 12 Uhr 30 Minuten. Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften aller Waffen. 2. Appell Nachmittags 1 Uhr 30 Minuten: Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen, sowie sämmtliche Ersatz-Reservisten. D. Zu Hungen am 6. April 1892 am Friedhof für die Bewohner von: Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhosen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen. 1. Appell Vormittags 9 Uhr 30 Minuten: Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen. 2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Minuten: Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen, sowie sämmtliche Ersatz-Reservisten. E. Zu Lich am 6. April 1892 am Bahnhof für die Bewohner von: Albach, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher- Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder.Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach. 1. Appell Nachmittags 3 Uhr: Reservisten, sowie diezur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen. 2. Appell Nachmittags 4 Uhr Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen, sowie sämmtliche Ersatz-Reservisten. Besreiungsgesuche sind längstens acht Tage vor'rn Appell auf dem Dienstwege durch das Hauptmeldeamt einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei beglaubigt sein — werden aber nur im dringendsten Nothfalle genehmigt. Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an: Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher abzulegen. Die Militärpapiere (Paß und Führungszeugniß) müssen zur Stelle sein. Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Controltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz. Gießen, den 12. März 1892. Caspary, Oberstlieutenant z. D. und Bezirks-Commandeur. Deutsches Reich. Berlin, 29. März. Der Schluß des Reichstags steht in die en Tagen bestimmt zu erwarten. Dagegen wird der preußische Landtag noch längere Zeit versammelt bleiben müssen, wenngleich mit dem Scheitern des Volksschulgesetzes ein sehr wesentlicher Theil seines Arbeitsprogramms weggesallen ist. Aber es giebt doch noch eine ganze Menge von Vorlagen von immerhin gewisser Bedeutung und größerem Umfange zu erledigen, u. A. das Secundärbahngesetz, das Tertiärbahngesetz, die Landgemeindeordnung für Schleswig- Holstein, die Novelle zum Berggesetz- außerdem gehören hierher das Welsenfondsgesetz und die Vorlage, betr. die Entschädigung der ehemals reichsunmittelbaren Familien für den Verlust ihrer Steuerfreiheit, mit welch' letzterer Vorlage sich das Abgeordnetenhaus am Montag zum ersten Male beschäftigte. Wahrscheinlich wird darum wohl Ende Mai herankommen, ehe auch für den preußischen Landtag die Erlösungsstunde von angestrengter Thätigkeit schlägt. Berlin, 29. März. Mit einer bedeutsamen Erklärung hat sich am Montag der neue preußische Ministerpräsident Gras Eulenburg in beiden Häusern des Landtags eingesührt, zuerst im Abgeordnetenhause, dann im Herreuhause. Die Erklärung hängt mit der nunmehr wieder beschworenen Minister- und Kanzlererisis eng zusammen, und setzte der neue Cabinetsches in ihrem ersten Theil nochmals die äußeren Gründe für die stattgefundene Abtrennung des preußischen Ministerpräsidiums vom Reichskanzleramte auseinander, hierbei auf die Nothwendig- keit hinweisend, den Reichskanzler dienstlich möglichst zu entlasten und ihm zugleich eine freiere Stellung gegenüber den rein preußischen Angelegenheiten zu geben. Wichtiger aber war der zweite Theil der Erklärung, in welchem der Ministerpräsident auf die Frage des Volksschulgesetzes überging. Gras Eulenburg machte die officielle Mittheilung, daß die Staatsregierung auf die Weiterberathung des Volks schul- gesetzes verzichte, sich jedoch Vorbehalte, wann und in welcher Weise innerhalb des verfassungsmäßig gegebenen Rahmens zurückzukommen sein werde. Die Begründung dieses Schrittes erfolgte in knappster, jedoch klarer und unzweideutiger Form, indem Graf Eulenburg betonte, daß die in der Frage des Volksschulgesetzes sowohl im Abgeordnetenhause als auch im Lande hervorgetretenen scharfen Gegensätze noch unüberbrückt seien, daß ferner auch die Eommissions- berathungen zu keiner Verständigung geführt hätten, auch eine bezügliche Aussicht nicht erkennen ließen, es stehe darum von einer weiteren Berathung kein befriedigendes Ergebniß zu erwarten. — Mit dieser Erklärung hat also die preußische Regierung auf den Zedlitz'schen Entwurf des Volksschulgesetzes offieiell verzichtet, was nach den jüngsten Ereignissen allerdings zu erwarten stand, und völlig unbestimmt ist es noch, wann und wie in Preußen ein neuer Versuch zur gesetzlichen Regelung des Volksschulwesens gemacht werden wird- in der gegenwärtigen Landtagssession dürfte dies schwerlich geschehen. Im Abgeordnetenhaus wurde die Verzichtserklärung auf das Volksschulgesetz vom Centrum und den Conservanven mit Aeußerungen lebhaften Unwillens ausgenommen, von den Liberalen dagegen mit rauschenden Beifallsbezeugungen begrüßt. Reichstag. 206. Plenarsitzung. Dienstag den 29. März, 12 Uhr. Neu etngetreten Abg. Hoffmann (Soc.).' Die dritte Berathung des Reichshaushaltsetats wird fortgesetzt. Zum Marineetat beantragt Abg. Lingens (Ctr.), die verbündeten Regierungen zu ersuchen, darauf htnzuwtrken, dah den Offizieren und Mannschaften des Reichsheeres und der kaiserlichen Marine an Sonntagen nicht nur möglichste Ruhe verschafft, sondern auch Zett gelassen werde, regelmäßig am Morgen-Gottesdienste theilzunehmen. Generallteutenant v. Spitz erklärt, daß der Antrag ganz den Anschauungen der Regierung entspreche. (Bravo!) In den preußischen Vorschriften sei schon das enthalten, was die Resolution wünsche. Staatssecretär Hollmann theilt mit, daß für die Marine analoge Vorschriften bestehen. Die Resolution wird mit der Einschaltung „soweit der Dienst es nickt verbietet" angenommen. Bei den einmaligen Ausgaben begründet Abg. Frhr. v. Manteuffel (cons.) den von ihm gemeinsam mit den Abgg. Grafen Behr (Rp.) und Dr. v. Bennigsen (natl.) eingebrachten Antrag, zum Bau der Kreuzercorvette K, erste Rate 2 Millionen Mark, zu bewilligen, lieber die Nothwendigkett, die Corvette K zu bauen, bestehe keine Metnmrgsversckiedenheit; es bandle sich nur darum, ob das Schiff schon in diesem Jahre begonnen werden soll. Das sei schon mit Rücksicht auf die an dem Bau betheiligten Arbeiter, die sonst brodlos würden, dringend wünschenswerth. Abg. v. Bennigsen (natl.) befürwortet die Bewilligung insbesondere mit der Nothwendigkett, unfern Handel zu schützen. In dieser Hinsicht ständen wir hinter anderen Nationen zuiück. Die Kreuzer, welche dazu zur Verfügung ständen, seien älteren Datums und nicht schnell genug. Abg. Graf Ballestrem (Ctr.): Die Vertreter der Marine hätten die Forderung in der Commission mit großer Sachkenntntß vertreten; es scheine, daß Herr v. Bennigsen dies noch beredter gethan, da dessen politische Freunde, die erst gegen die Forderung stimmten, sich nunmehr dafür entschieden hätten. Das Centrum habe die vom Reichskanzler in der zweiten Lesung vorgebrachten neuen Momente geprüft und sei zu dem Entschlüsse gelangt, an dem ursprünglichen ablehnenden Votum fesizubalten. Der Bericht des Oberpräsidenten von Pommern über die Arbeiteroerhältnisse habe sich als zu schwarz gefärbt erwiesen. Staatssecretär Hollmann: Die verbündeten Regierungen legten auch heute noch den höchsten Werth auf die Bewilligung dieser Forderung. Das Schiff sei im Flottengründungsplan vorgesehen. Kreuzer und Kreuzercoroetten gedopten zu den unentbehrlichsten Be- standtheilen einer Flotte. Der Reichstag habe s. Z. 20 solcher Schiffe vorgesehen; thatsächlich hätten wir deren nur 10, wovon 8 den heutigen Anforderungen nicht entsprächen. Abg. Dr. Barth (dfr.) erklärt, daß seine Freunde einstimmig gegen die Forderung stimmen würden. Für diesen Entschluß sei die Thatsache mit maßgebend, daß mit der neuen Vorlage über strategische Bahnen erhebliche Anfo» derungen im Interesse der Landesverthetdigung an die Steuerzahler gestellt würden, denen man sich nicht entziehen könne. Abg. Graf Arnim (Rp) legt eingehend die Nothwendigkett des Baues von Kreuz-rschiffen dar. Es handle sick um die Sicherung der Wehrhaftigkeit des Vaterlandes zur See. Man könne unsere Seesoldaten nicht auf alte Kasten setzen. Abg. Dr. Dohrn (dfr.) erklärt als Vertreter Stettins, daß dort kein Nothstand unter den Arbeitern bestehe; im Gegentheil herrsche Arbeitermangel So sei es nicht möglich gewesen, den Schnee von den Straßen zu schaffen, da sich keine Arbeiter hierfür fanden. Das Bekanntwerden des Berichts des Oberpräsidenten babe Insofern prooocatorisch gewirkt, als eine Ansammlung von ca. 100 Personen stattgefunden, die sich als die Arbeitslosen von Stettin vorstellten. Die Vu'kanwerft bei Stettin beschäftige etwa 400 Arbeiter. Wenn ein Theil derselbrn enilassen würde, so würden die Betroffenen leicht anderwärts Unterkommen Abg. v. KoScielSki (Pole) erklärt die einmülhige Zustimmung seiner Freunde zu dem Anträge Manteuffel, indem er e ngehend die Notwendigkeit von Kreuzersch ffen für unsere Marine erörtert. Die Kreuzer seien die Ulanen zur See. (Heiterkeit) Abg Rickert (brr.) begreift den patriotischen Lärm nicht, der zu Gunsten der Bewilligung erhoben werde; in der Commission sind Mitglieder aller Parteien für Ablehnung gewesen. Mit der Ab- — Die diesjährigen Herbstmanöver der Großh. Hessischen (25.) Division finden voraussichtlich in Rheinhessen statt. — Ernennungen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 26. d. M. den Oberförster der Obersörsterei Vadenrod Karl Hofsmann zu Storndorf mit Wirkung vom 1. April d. I. in gleicher Dtenstcigenschaft in die Oberförsterei Heppenheim zu versetzen; die Forstassessoren Eduard Heß aus Miinster im Kreise Gießen und Julius Hein aus Hanau mit Wirkung vom 1. April d. I. zu Oberförstern der Obersörstereien Homberg resp. Vadenrod zu ernennen; denKreisbauausseher-Aspiranten Jacob Hofmann aus Griesheim zum Kreisbauaufseher bei dem Kreisbauamte Grimberg auf Widerruf zu ernennen. . nun tn den zahlreichen Schriften des Comemus auch kein psychologisch begründetes System der Erziehung enthalten ist, so kann man doch sagen, daß unsere heutige Pädagogik zum großen Theil eine Anwendung und Verarbeitung, ja in vielem eine Rückkehr zu den Gedanken und Anschauungen jenes großen Meisters ist. Reicher Beifall und der Dank der Versammlung lohnten den Redner für seine vortrefflichen Ausführungen. Nachdem der Vorsitzende noch den von den Versammelten mit freudiger Zustimmung aufgenommenen Wunsch ausgesprochen, daß die Lehrkörper der einzelnen Schulen durch Beitritt zu der bestehenden Comeniusgesellschaft ihrer Verehrung für den großen Meister thätigen Ausdruck geben und auf diese Weise auch mithelfen möchten an der Verbreitung des Geistes und der Schriften jenes großen Mannes, wurde die Versammlung geschlossen. a Abg. Hultzsch begründet diesen Eventualantrag. Wenn der »nttag Menzer durchgesührt werden sollte, so würde dte deutsche Labaktnduslrte schwer geschädigt worden, wenn nicht gleichzeitig eine des -Zolls für deutsche Tabakfabrikate einträte. Eine solche tm Interesse der in der Tabaktndustrie beschäftigten Arbeitskräfte unbedingt vermieden werden. Abg. Möller (nL): Der Antrag Menzer sei so nicht durchführbar; eine eingehende Behandlung sei heute nicht mehr möglich, werde deshalb dagegen stimmen. Er hoffe tndeß, daß die Uerung Anlaß nehmen werde, die Lage der Tabaksbauer zu oeruckstchttgen. 0 . Abg. Fritzen (Str.) erklärt, daß die Mehrheit des Centrums den Antrag Menzer ablebne. h" . . Abg. v. Kleist-Retzow (cons.) erwartet von der Zollerhobuna keinen Nutzen für den Tabacksbau, wohl aber eine Benachthetltgung der Industrie. D ° Abg- Graf Hompesch (Ctr.) befürwortet den Antrag Menzer. .®er Eventualantrag Hultzsch wird angenommen, der so erweiterte Antrag Menzer aber mit 205 gegen 66 Stimmen abgelehnt. Der Etat der Zölle und Verbrauchssteuern wird genehmigt. Postetat gestellter Antrag des Abg. Graf^Kanttz (den Reichskanzler zu ersuchen, Anordnungen dahin zu treffen daß ^"Ortskrankenkassen gestattet werde, bei Führung ihrer Corresoondem bk Aufschrift „Portopflichtige Dienstsache" in Anwendung zu bringen) wird abgelehnt. i Rest des Reichshaushaltsetats w*rd angenommen ebenso I das Etatsgesetz und das Anleihegesetz. »glommen, eoenso __ Morgen 12 Uhr: Heutige Tagesordnung, ausgenommen Etat. I Sitzung Großh. Handelskammer vom 25. März 1892. Anwesend waren die Herren: Koch, Gail, Heichelheim, Homberger, Klingfpor, Kraatz und Wortmann. Vor Beginn der Tagesordnung gedenkt der Vorsitzende in warmen Worten des Heimgangs Sr. Königl. Hoheit I des Großherzogs: „Seit die Kammer zum letzten Male I gemeinsamer Berathung sich hier zusammengefunden, sei durch das allzufrühe Hinscheiden unseres allgeliebten Landesherrn in unferm engeren Vaterland und weit über seine Grenzen hinaus tiefe Trauer eingekehrt. Wie sich an seinen Namen als tapferen Mitkämpfer für die Wiedererstehung unseres deutschen Vaterlandes unvergänglicher Ruhm knüpfe, so sei Er stets eifrig bemüht gewesen, in treuer Erfüllung der Regentenpflicht die Wohlfahrt des Landes zu fördern, allen Bestrebungen, welche auf Stärkung und Hebung von I H°"del und Industrie, dieser Stützen nationalen Wohlstandes, I gerichtet sind, habe der Hohe Verblichene allezeit ein warmes Herz entgegengebracht. Aufrichtig und tief empfunden sei darum dw Trauer, welche auch hier zum Ausdruck komme. Rach bleiern Tribut des Dankes und der Verehrung für den i uun uu^citn vcoiq immer I ^et"1^9Qn9enen dürften wende sich unser Blick voll Hoffnung I angesanaenen Werke. Wenn I und Vertrauen auf den erlauchten Thronerben, Sr. Königl. I Hoheit Ernst Ludwig, dem die Kammer ihre Huldigung und die Versicherung unwandelbarer Treue darbringe. Die I Handelskammer theile das allgemeine Vertrauen, daß I königl. Hoheit gleich Seinen Vorfahren das Beste des Landes allezeit zu fördern bestrebt sein werde. Der Vorsitzende schloß mit dem Wunsch, daß der Allmächtige die Regierung Sr. Königl. Hoheit segnen möge. Die Mitglieder der Kammer hatten sich während dieser Rede von ihren Sitzen erhoben. Zum Antrag Menzer und Genossen ist Seitens der Kammer eine Petition an den Reichstag I gerichtet worden, dahingehend, jenen Antrag abzulehnen. — j Interessenten werden darauf aufmerksam gemacht, daß in dem diesjährigen Februarheft des deutschen Handels-Archivs Theil L, S. 254 eine Zusammenstellung der bei der Einfuhr von Gold- und Silberwaaren nach Groß- britanien zu beachtenden Vorschriften über den Feingehalt mitgetheilt ist. Das Bureau der Handelskammer ist bereit, Auskunft zu ertheilen. — Unser Vertreter beim Königlich Preuß. Bez.-Eisenbahnrath Hannover berichtet über die in letzter Sitzung desselben zur Mittheilung gelangten Fahr- P l an-Ae n d erung en, welche wir bezüglich der Main- Weserbahn nachstehend zur Kenntniß bringen. Aenderungen zum Fahrplan der Main Weserbahn ab 1. Mai 1892 a)Jßeri°nenäu9 106 (I.-IV. Kl.) Cassel-Gießen, ab Cassel 6- Dm., ab Marburg 900 Vm., in Gießen 943 Vm. Der 3uß hot in Guntershausen Anschluß von Thüringen, in Wabern Anschluß nach Wildungen, in Marburg von Erndtebrück und nach Creuzthal, in Gießen nach Coblenz und Deutz und findet in Gießen unmittelbare Fortsetzung durch den j künftig als Personenzug verkehrenden Omnibuszug 414 (neu 106) mit Ankunst in Frankfurt 11« Vm b) Personenzug 107 (I.-IV. Kl.) Marburg-Cassel ab Marburg Abends 812 (im unmittelbaren Anschluß an den jetzigen Personenzug 99 - künftig 107 — von Frankfurt a- M.) in Cassel 1022 Abends. Der neue Zug 107 bietet in Marburg Anschluß von Creuzthal, in Treysa Anschluß von Eschwege, in Guntershausen nach Thüringen, c) Zug 104a ab Marburg 811 Abends, in Gießen 912 fällt aus d) Personenzug 94 fährt 11 Min. später von Marburg, ab o- Morgens, in Gießen 6", in Frankfurt 8». e) Personen- Zug 98 aus der Strecke Marburg (ab io3) —Gießen (un Ju4y^ad)m,) "eu eingelegt, f) Schnellzug 74 Cassel ab bn Nachm., überfährt Station Treysa, in Gießen 8™ tn Nauheim (91*) in Frankfurt 101* Abends, g) Schnelles ab Frankfurt 712 Abends, in Gießen 812, überfährt Kirchhain, Treysa, Wabern und Wilhelmshöhe, r 1 "^lkCnb8'K4nh) Personenzug 407 ab Friedberg srüh 4-, m Gießen 512, ab 622, in Fronhausen an 62£ i) Schnellzug 53 ab Frankfurt a. M. 1012 Abends, überfährt Station Friedberg, hält in Nauheim 1112, in Gießen U57 in Cassel 212 früh. ”' i jugendlicher Arbeiter in Hechelräumen, sowie in Räumen ähnlicher Bestimmungen, zu. München, 29. März. Der Magistrat beschloß, bei der Staatsregierung die Bestattung durch f a c u l t a t i v e L e i ch e u- Verbrennung zu befürworten und ein gcmeinliches Crema- tonum nicht zu errichten. Kisfingen. 29. März. Fürst Bismarck wurde zum bestimmten vierwöchentlichen Aufenthalt für diesen Sommer heute angemeldet. Wien, 29. März. Den Veranstaltern der Theater-Ausstellung wurde für den Spätsommer der Besuch des Kaisers Wilhelm angekündigt. Wien, 29. März. Die gestern wegen Besitzes von Dynamit Verhafteten sind bei Bahnbauten beschäftigt gewesene Italiener. ö b Prag, 29. März. Bei den gestrigen Straßenkund- gebungen vor dem Gebäude der Zeitung „Narodni Listy" wurde ein Polizist durch einen Steinwurs am Kopfe und Fuße erheblich verletzt. Die Verhafteten sind zumeist Arbeiter, auch ein Student und ein Gewerbeschüler befindet sich darunter. Dte Abstimmung erfolgt auf Antrag des Abg. v. Kardorff durch Namensaufruf. Das Resultat ist die Ablehnung des Antrags v Manteuffe u. Gen. mit 177 gegen 109 Stimmen. Dafür stimmen die Rechte, dte Nationalliberalen und dte Polen Abg Stadthagen (Soc.) führt Beschwerde darüber, daß bei ^k.?^"fic-tionsarbetten auf Helgoland italienische Arbeiter be- üfttgt würden, weil dieselben billiger arbeiteten als die dortigen Arbeiter. Gleichzeitig berührt er den Vorfall einer Schlägerei zwischen Martnesoldaten und Helgoländern, den er auf einen Ueberfall der Ersteren auf dte Helgoländer zurückführt. Staatssecretär Hollmann erwidert, daß die Arbeiten tn Sub- mrsston vergeben seien. Uebrigens würden auf Helgoland nicht genug Arbeiter aufzutreiben sein. Bei der erwähnten Schlägerei habe es sich keineswegs um einen Ueberfall gehandelt. Der Marineetat wird angenommen. Beim Jufttzetat wird dte Resolution des Abg. v. Bar u. Gen. auf Vorlegung etn,s Gesetzentwurfs betr. dte Auslieferung von ver- «rtyetlten und angeschuldtgten Personen an auswärtige Regierungen । gegen die Stimmen der Linken abgelehnt. B B I o. n Abg Liebermann v. Sonnenberg (Antts.) versucht den I L l Sprache zu bringen, wird aber vom Vicepräsidenten Grasen Balleftrem mit dem Bemerken daran verhindert, daß es sich hier um eine Sacot r«n,Ma-Micher Juslizpfl-gc handlc. Der Etat des Justtzamts wird angenommen. Zum Etat der Zölle war in zweiter Lesung der Antrag qrC11V^' iQUV ^^ung des Zolls für Tabakblätter von t» auf 125 Mk. eingebracht. Abgg. Hultzsch (cons.), Grumbt und Merbach (Rp.) bean- tragen nur für den Fall der Aufrechterhaltung des Antrags Menzer eine gleichzeitige entsprechende Erhöhung der Zollsätze für fabrtcirten aUBfPr'*'n' 686 man inW ». ue@err Lehrer Feuerbach die eigentliche Gedachtnißrede. In klarer, fesselnder Weise gab Redner zunächst em Lebensbild des berühmten Pädagogen. Geboren am 28. März 1592 zu Niwnic in Mähren! stu- öirte Comcn.us m unserer Nachbarstadt Herborn, die damals noch eine Universität besaß, sowie in Heidelberg. Nach seiner Rückkehr in die Heimath wurde er dann nacheinander Leiter verschiedener Schulen und begann auch seine Thätiqkeit al« pädagogischer Schriststeller. Balü aber brachen über Böhmen und Mahren die Stürme des dreißigjährigen Krieges herein; Comenlus, aller seiner Habe beraubt, muß mit seinen Glaubensgenossen, den böhmischen Brüdern, die theure Heimath ? bon der Zeit an ist sein Leben eine stete „Pilgnmschast, kein Vaterland". Nach Beendigung des dreitzigiahrigen Krieges will er mit seinen Glaubensbrüdern, deren B schof er geworden ist, in die Heimath zurückkehren, sie bleibt ihm, dem Nichtkatholiken, verschlossen. So ziehe er wieder in die Fremde, seine Anhänger werden in alle We t zerstreut. Nachdem er in Ungarn auf Einladung eines dortigen Grafen das Schulwesen geordnet, glaubt er in Lissa I tn Polen, wo er vorher schon einmal Zuflucht gefunden hatte, ^ne Statte für ruhige pädagogische Wirksamkeit zu finden. « o°«Cr bn*t. ber ^eg zwischen Polen und Schweden aus; Viffa wird eingenommen, Comenius muß abermals arm von dannen ziehen. Endlich findet er in Amsterdam einen rul^gen Aufenthalt. Dort gibt er dann seine pädagogischen Schriften heraus^ dort in den Niederlanden findet er, der "7 fel6f* faflt ~ Beit seines Lebens „ein Mann der Sehnsucht gewesen, seine Ruhe in Gott. In Narben bei Amsterdam liegt er begraben. Redner wandte sich hierauf den pädagogischen Schriften des Comenius zu, und zeigte, wie weit er seiner Zeit voraus war, so daß er mit Recht "°er «eher unter den Pädagogen" genannt werden darf. Waren die Schulen jener Zeit wahre Kerker für die Jugend, fo moUte Comenius aus ihnen Heimstätten ber Freude und fnWtd&er und darum gedeihlicher Arbeit machen; in seiner . bQ§/ was allein den Lehrenden erst zum Lehrer und Erzieher macht, die Liebe zur Jugend. Und diese seine Liebe zur Jugend war es, was ihn neben G°ttvertrauen aufrecht erhielt bei all den vielen Schicksalsschlagen, die er erduldet, und was ihn bei aller äußeren Noth immer weiter arbeiten ließ an seinem ®a§ am 29. März ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 11 enthält: 1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz zur Ausführung des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1891, die Abänderung der Gewerbeordnung betreffend. 2. Bekanntmachung Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz, die den Krankenkassen und örtlichen Stellen für die Einziehung der Jnvaliditäts- und Altersversicherungtz Beiträge von der Versicherungsanstalt „Großherzogthum Hessen" zu leistende Vergütung betreffend. — Aus Darmstadt wird der „Kl. Presse" geschrieben: „Der jetzige Großherzog von Hessen hat, wie das beim Regierungsantritt eines Herrschers Gebrauch ist, ous dem ganzen Lande zahlreiche Depuiationen empfangen. Der junge Fürst hat bei diesen Gelegenheiten verschiedene Aeuße- rungen gelhan, die erkennen lassen, daß ihm, wie seinem Vater und seiner Mutter, die Sympathie der Hessen nicht fehlen werde. So äußerte er u. A., daß die Bestrebungen der Schulen daraus gerichtet sein müßten, das die Confessionen und Stände Trennende so viel als möglich zu beseitigen oder wenigstens zu mildern, vor Allem aber die Menschen zu versöhnen und nicht gegenseitig abzustoßen. Auch den Verhetzungen des Antisemitismus gegenüber sprach sich der Groß- herzog in gleichem Sinne wie fein verstorbener Vater aus Coeale# uttö provinzielle». Gießen, 30. März 1892. — Wie wir aus sicherer Quelle hören, verläßt Herr Dl? Aollbrock Mitte April Gießen und folgt einem Rufe nach Wismar in Mecklenburg. Unglücksfall. In einer Lehmgrube an der Hardt verunglückte heute Morgen ein Shbeiter dadurch, daß er von einer, einem herabfallenden Baum nachrutschenden Lehmmaffe verschüttet wurde; als der Verunglückte hervoraezoaen worden, war er eine Leiche. Nenefte Nachrichten. E°W telkgraphisches Lorresponden^Bureim Berlin, 29. März. Der Kaiser nahm heute Nachmittag bei dem Minister Bötticher den Thee ein. . - 29. März. Der „Reichsanzeiger" theilt mit, baß der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wie in den Vorjahren eine Proelamation erlassen hat, tn welcher er Jedermann warnt, sich zum Zwecke des Fanges von Seehunden und Robben in baä Behringsmeer innerhalb des Hoheitsgebietes der Vereinigten Staaten ru begeben. 0 ^..5 d"tb, 29. März. Der heutige Ministerrath beschäftigte sich mit dem Dynamit-Attentat in der Rue Clichy. Loubet conferirte mit dem Justizminister, den Justizbeamten und dem Polizeipräsecten. Man glaubt, es seien sehr wichtige Beschlüsse gefaßt worden. Petersburg, 29. März. Anläßlich der Comenius- feier sand gestern in dem hiesigen Lehreriustitut eine Fest- Versammlung statt, worin mehrere Redner die pädagogischen Verdienste des Comenius feierten. Morgen wird eine Ge- dachimßfeier im Museum und in den Militärlehranstalten stattfinden. Depeicven btt „Bureau Herold". Berlin, 29. März. Im Neubau der Baseler Lebensversicherungs-Gesellschaft in der Friedrichstraße stürzte die Brunnenbaggermaschine ein. Es gab zwei Todte und drei Verwundete. r rr 30- März. Dem „Berliner Tageblatt^ zusolae soll Minister v. Bötticher den Wunsch ausgedrückt haben, das Oberpräsidinm in Hessen-Nassau zu übernehmen, doch wird in Parlamentskreisen geglaubt, man werde ihn wohl bewegen, im Amte zu verbleiben. lr k Berlin, 30. März. Den „Bert. Polit. Nachr." zufolge ist das Vermögen des Welsenhauses, 42,000,000 Mk., tn das Staatsschuldbuch eingetragen und bleibt nach wie vor zur Verfügung Preußens bestehen. Die Zinsen in Höhe von 4 pCt., abzüglich der Verwaltungskosten fließen dem Fidei- , commiß der Nutznießer zu. Berlin, 30. März. Dem Bundes rathe ging der i Gesetzentwurf, betr. Bestimmungen über die Beschäftigung ।