t 1 1 r t e t r 5 i r t e d x e t i. !k in in - n. V r n» in ft tt Nr. 26. Der Kiejjever Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener M«»itte«ötL1ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt. 1882 T Zweites Blatt. Sonntag den 31. Januar Gießener Anzeiger Kenerat-Anzeiger. Vierteljähriger Aöonuemeutspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: KchntstratzeAr.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren. felgmbtn Tag erscheinenden Nummer bi» Barm. wu£ | Gratisbeilage: Gießener Jamitienötätter. | ^77^^77«^3„Tn Anrtlichev TNeil. Nr. 4 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 25. d. M., enthält: (Nr. 1987.) Bekanntmachung, betreffend den Beitritt Rumäniens zu der unterm 3. November 1881 abgeschloffenen Reblaus-Convention. Vom 19. Januar 1892. Gießen, den 29. Januar 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung. Herr Landwirthschaftslehrer Leit Higer von Alsfeld wird an folgenden Orten Vorträge halten: 1) Sonntag den 7. Februar 1892, Nachmitt. 3 Uhr, in Grün berg einen Vortrag über Bodenbearbeitung unter Anwendung verschiedener Düngemittel, in dem Englischen Hof, 2) Sonntag den 21. Februar 1892, Nachmitt. 3 Uhr, in Weitershain einen Vortrag über Entwässerung von Grundstücken und Drainage-Anlagen, in der Theiß - schen Wirthschaft, 3) Samstag den 12. Marz, Abends 6 Uhr, in Hattenrod über verschiedene Fragen aus der Bodenbearbeitung und Viehzucht, 4) Sonntag den 13. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in Rodheim über Entwäfferung von Grundstücken und Drainage-Anlagen, in der Reichhar dt'schen Wirtb- schaft, 5) Sonntag den 27. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in Lich einen Vortrag über rationelle Viehfütterung, in der Heiland'schen Wirthschaft 6) Sonntag den 3. April 1892 in Watzenborn einen Vortrag über die Anwendung der künstlichen Düngemittel, 7) Sonntag den 1. Mai 1892 in Hausen einen Vortrag über die rationelle Bewirthschaftung des Bauerngutes insbesondere mit Berücksichtigung der künstlichen Düngemittel. Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins und Freunde der Landwirthschaft werden zu diesen Versammlungen ergeben ft eingeladen. Die Herren Bürgermeister der obengenannten und benachbarten Orte werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken. Gießen, den 28. Januar 1892. Ter Director des landw. Bezirksvereins Gießen. Jost. An die Großh. Ortsgerichte Allendorf a. d. Lahn, Annerod, Daubringen, Garbenteich, Heuchelheim, Treis a. d. Lda. und Wieseek. Wir ersuchen Sie um Rücksendung der bescheinigten Bau- und Cultur-Veränderungs-Verzeichniffe. Gießen, den 30. Januar 1892. Großh. Steuer-Commissariat Gießen. Süffert. Aus dem VerwsUungsbrricht der Stadt Gießen im Jahre 1890/91. (Schluß aus Nr. 22.) Eine wesentliche Unterstützung in der Armen- und Krankenpflege wurde der Stadt auch im Berichtsjahre von Seiten der dasür bestehenden Vereine zu Theil. Der „Allgemeine Verein fürArmen- und Krankenpflege" hat — was Armenpflege betrifft — 227 Personen und Familien in 1025 Fällen mit im Ganzen 4091 Mk. unterstützt. In der Krankenpflege des Vereins waren beschäftigt im Winter 8, im Sommer 7 Schwestern, die zusammen 400 ganze Tagespflegen und 10,004 Pflegebesuche, 666 Nachtwachen und 311 Maffagen leisteten. 17 Kindern wurde Bade- cur zu Nauheim gewährt. Die Krippe war an 245 Tagen geöffnet und zählte einen durchschnittlichen Besuch von 13 bis 14 Kindern. Der Erwerb von Häusern und die Einrichtung des Miethspatronats hat sich auch im Berichtsjahre bewährt. Auch die neu eingerichtete abendliche Näh- und Fltckschule hatte sich eines lebhaften Zuspruchs zu erfreuen. Der Verein für Krankenpslege hat im Berichtsjahre sieben Schwestern beschäftigt und für deren Unterhaltung, Miethe rc. 2688 Mk. 67 Pf. aufgewendet. Die Ortskrankenkasse, neben welcher in unserer Stadt noch 14 Betriebskrankenkassen bestehen, hatte durchschnittlich 1343 männliche und 125 weibliche Mitglieder mit rund 9500 Krankheitstagen. Sie erhob an Mitgliederbeiträgen 22,856 Mk. 13 Ps., die Gesammteinnahme belief sich aus 26,952 Mk. 35 Pf., ausgegeben wurden 25,321 Mk. 77 Pf., darunter für ärztliche Behandlung 5433 Mk. 24 Ps., für Arznei rc. 6356 Mk. 58 Pf., an Krankengeldern 8123 Mk. 86 Pf.- die Verwaltungskosten betrugen 1925 Mk. 77 Pf., das Capitalvermögen Ende 1890 9853 Mk. 4 Pf. Für die im eigenen Betriebe der Stadt thätigen Arbeiter zahlte diese zu verschiedenen Berufsgenoffenschasten 920 Mk. 19 Pfg. Umlagen. Das Inkrafttreten desJnvaliditäts- undAlters- versicherungsgesetzes hat der Bürgermeisterei erheblichen Arbeitsaufwand verursacht. Am Schluß des Berichtsjahres 1890/91 hat bei 1124 Arbeitgebern die Zahl der Versicherten 3215 betragen, im ersten Vierteljahre 1891 wurden Marken verwendet im Betrage von 5947 Mk. 94 Pf. Altersrenten wurden an 15 Versicherte zugebilligt. Das Grundvermögen der Stadt hat betragen an Feld 110,74 ha, an Wiesen 72,06 ha, an Wald 1351,26 ha. Was das Bauwesen betrifft, so wurden neben den ständigen Unterhaltungsarbeiten und Anschaffungen für die städtischen Gebäude, Straßen und Grundstücke eine Anzahl größerer Herstellungen und Bauten zur Ausführung gebracht, die mehrfache Veränderungen und Verstärkungen im Personal des Stadtbauamts näthig machten. Baugesuche wurden vorgelegt und geprüft 41 für Neubau von Wohnhäusern, 77 für Neubau von Nebengebäuden und 108 für Bauveränderungen. Neben den Baugesuchen hatte sich die städtische Verwaltung aus dem Gebiete des Bauwesens vielfach mit Weiterführung der früher in Betreff der Stadterweiterung und Verbesserung der Verkehrsverhältnisse im Innern der Stadt in Angriff genommenen Arbeiten zu besaffen. — Die C analisation der Stadt wurde im Berichtsjahre insofern gefördert, als der Erläuterungsbericht zu dem Project den Mitgliedern der Stadtverordneten-Versammlung zur Prüfung übermittelt werden konnte. Im Jahre 1890 wurden 31 Krämer- und Viehmärkte abgehalten. Auf letzteren waren ausgetrieben 15,197 Stück Rindvieh gegen 24,959 in 1889, 7310 Schweine gegen 11,698 in 1889 und 3 Pferde gegen 7 in 1889» Der Rückgang dieser Zahlen ist vorzugsweise zuzuschreiben den von Großh. Kreisami wegen Auftretens der Maul- und Klauenseuche erlaffenen Marktverboten. Der Fleischverbrauch hat den bei den hohen Fleischpreisen schon im Vorjahre beobachteten Rückgang fortgesetzt. Es wurden geschlachtet 1434 Ochsen (1470 in 1889), 250 Faselochsen und Kühe (281), 1129 Rinder und Stiere (1200), 5629 Saugkälber, Stoppelkälber, Hämmel und Schafe (6489), 6942 Schweine (7206), 9 Spanferkel, 142 Pferde (140). Wegen Zuwiderhandlung gegen das Octroi-Reglement mußten 171 Anzeigen erhoben werden. Im Jahre 1890 ereigneten sich sieben Brände. Zur Aeußerung über die Bedürfnißfrage für den Ausschank von Branntwein wurden der Stadt 39 Ge- sucpe vorgelegt, worunter 30 einfache Uebergänge bestehender Wirtschaften in andere Hände,- die Bedürfnißfrage wurde in 32 Fällen unbedingt, in 7 Fällen unter der Voraussetzung bejaht, daß Gesuchsteller überhaupt Wirthschaftsconcession erhalten. In Betreff der Quartierleistung für die bewaffnete Macht wurde versucht, inwieweit vorkommende Einquartierung ohne zwangsweise Heranziehung der Einwohnerschaft zur Uebernahme derselben im Wege der freien Feuilleton. Der Lohn des Dichters. Von Lars Dilling. Aus dem Norwegischen von Gg. Gärtner. (Nachdruck verboten.) Lorenz Falk war Autor, und Jedermann weiß, wie herrlich es ist, „Schriftsteller" zu sein — vor Allem in Norwegen. Das lesende Publikum ist zwar keinesfalls so groß, daß man Gefahr läuft, durch das, was man schreibt, Millionär zu werden, aber der junge Dichter findet allerorts freundliche Ermuthigung. Ist er freisinnig, so erhält er eine Zulage von dem //Storthing", ist er conservativ, dann wird er mit dem „Schäffer'schen Legat" von 400 Kronen bedacht für eine lange Reise ins Ausland. Also reich geworden, verweilte er ein Jahr in Rom und Pari-, wo er sämmtliche Museen besucht und ein treuer Gast des „Skandinavischen Vereins" ist. Kehrt er wieder ins Vaterland zurück, dann ist Jedermann übertrieben freundlich und herablassend gegen ihn. Alle seine Bekannten drücken ihm die Hand, als ob jeder von ihnen ein Jahr Kost und LogiS im „Grand Hotel du Louvre" für ihn bezahlt hätte, und fragen ihn, ob er in der That Nutzen aus seiner Reise gezogen und viele Eindrücke in sich ausgenommen habe. Und die jungen Damen, welche die feste Ueberzeugung haben, daß die Lust in Rom ebenso heilsam ist für einen Dichter wie das Klima von Mentone für Schwindsüchtige, leben in der Hoffnung, aus Weihnachten durch ein neues „großes Gedicht" von feiner Mufe beehrt zu werden. Lorenz Falk gehörte zu den Dichtern, deren Loos emiger- matzen „rosenfarbener" ist. Seine Bücher fanden stets Käufer, feine Arbeit wurde deßhalb gut bezahlt und so war er verhältnißmäßig wohlhabend geworden. Er hatte die unbedingt notwendigen ausländischen Reisen gemacht, die nöthigen Eindrücke in sich ausgenommen. Seine Bücher waren in Kopenhagen herausgegeben und auf dänischen Schnellpressen gedruckt worden und deßhalb fanden sie Gnade in den Augen der norwegischen Äritif. Es ist mit norwegischen Schriftstellern gerade wie mit im Jnlande sabricirtem Eau de Cologne. Wenn die Etikette ausländisch ist, dann ist das Odeur fein. Eines Nachmittags saß Lorenz Falk allein in seinem Zimmer. Es war ein großes, elegant möblirtes Gemach. Die Augustsonne warf ihre Strahlen zwischen die reichen Blumengruppen in den Fensternischen und machte die Prismas der Gaskronen funkeln wie Diamanten, während die antiken, vergoldeten, mit rothem Saffian bekleideten Stühle fast das Auge blendeten^mit ihrem glühenden Glanze. Der junge Autor war in schwarzen Frack, und weiße Weste gekleidet. Hatte er Gäste zu erwarten? Ach nein. War er vielleicht aus einer Gesellschaft heimgekommen? In gewissem Sinne, ja. Er kam von einem Begräbniß. Der elegante Salon, der nun so hell war und strahlend, sah einige Tage zuvor ganz anders aus. Da diente er als Krankenzimmer, denn — er war so weit und frisch. Man hatte ein Bett in eine Ecke gestellt und in diesem Bette hatte die Frau gelegen, die er am meisten von allen auf Erden liebte: seine Mutter. Stunden hintereinander hatte er sich un Krankenzimmer aufgehaltenden einen Augenblick saß er neben ihr, um ihr Gebete und Psalmen vorzulesen, der nächste sand ihn vor seinem Schreibtisch, wo er Couplets dichtete zu einer Offen- bach'schen Melodie. Er konnte so fröhlich und geistreich fein und er arbeitete gerade an einem Lustspiel. Aber — das Lustspiel mußte geistreich und fröhlich sein, und das wurde es auch, trotzdem es an einem Sterbebette geschrieben worden war. Man mag fast glauben, das sei erdichtet,- aber die Wirklichkeit allein ist so traurig. Solche Dinge werden nie erdichtet. Man erlebt sie nur. Das Begräbniß war vorüber,- Jedermann war in seine Wohnung zurückgekehrt. Er hatte die auswärtigen Leidtragenden an den Bahnhof gebracht, nun faß er da ganz allein. Ein Gefühl der Ermattung hatte ihn befangen. Die Luft war erfüllt von Blumenduft — der Sarg war unter Kränzen begraben gewesen — und sein Kopf war schwer. Seine Augen brannten. Wie gerne hätte er feinem beklemmten Gemüth durch einige Thränen Luft gemacht, aber er konnte nicht meinen. Da wurde schüchtern die Klingel gezogen. Er blieb halb betäubt sitzen und lauschte mechanisch nach den Fußtritten deS Dienstmädchens, das öffnete. Einen Augenblick später kam das Mädchen fast unhörbar herein. Sie war tief in Trauer und zeigte, wie es sich zu der Vereinbarung mit Wirthen u. s. w. zu angemessenen Sätzen unterzubringen sei. Die Versuche haben ergeben, daß dieses Bersahren bei rechtzeitig angemeldetrn Einquartierungen bis zu 800 Mann durchführbar ist. Die sich hieraus ergebende Mehrausgabe der Stadt ^on 2682 Mk. 29 Pf. möchte an* gesichts der damit vermiedenen Belästigung der Einwohnerschaft dauernd aus die Stadtkasse zu übernehmen sein. Dem Bericht über die Verwaltungsergebnisse des städischen Gas- und Wasserwerks ent* nehmen wir Folgendes : Der Gesammt - Gasverbrauch des Betriebsjahres vom 1. April 1890 bis 1. April 1891 betrug 736,493 Cbm., hat somit um 40,717 Cbm. zugenommen. An Kohlen wurden verbraucht 2,696,300 Kg. Der Gesammt- Gasverbrauch vertheilt sich aus die Verbrauchsgruppen: Privatbeleuchtung 459,174, Motoren- und Heizgas 61,238, Straßenbeleuchtung 160,593, GaS* und Wasserwerk 11,301, Verdichtung und Verlust 44,187. Die Zahl der Gasflammen für Privatabnehmer betrug 7955 für Beleuchtung, 553 für Heizung. Die Anzahl der Gaskraftmaschinen betrug 24 mit 53 Pferdekräften. — Die Zahl der öffentlichen GaSlaternen betrug am 1. April 1891 449, gegen 1890 mehr 27; Petroleumlaternen sind noch vorhanden 27 Stück. Die Zahl der durchschnittlich von einem Laternenwärter zu bedienenden Gaslaternen betrug 50. Die Kosten der Straßenbeleuchtung betrugen für Gas 20,646 Mk. 02 Psg., für Petroleum 1411 Mk. 47 Psg. Eine gewöhnliche Gaslaterne braucht In 1562V4 Brennstunden 250 Cbm. Gas, eine Richtungslaterne m 36143/4 Brennstunden 578 Cbm. Gas. Die stärkste Gasabgabe an einem Tage wurde mit 3600 Cbm. festgestellt am 12. December 1890, die geringste am 1. Juni mit 856 Cubikmeter, die Lichtstärke ergab im Jahresdurchschnitt 14,5 Vereins - Paraffinkerzen (in der Gasanstalt gemessen 15 Dereins-Parasfinkerzen). Im Berichtsjahre wurden am Gaswerke selbst umfangreichere An- und Umbauten ausgesührt. Die Hauptleitungen erfuhren einen Zuwachs von 2346,5 Mtr., ihre Gesammtlänge (einschließlich aller Privat- und Laternenzuleitungen) beträgt rund 27,500 Meter oder 3,67 deutsche Meilen. Die aus dem Marktplatze aufgestellte Siemens'sche Regenerativ-Gaslaterne verbraucht 1000 Liter in der Stunde gegen 160 Liter einer gewöhnlichen Laterne. Das Gas- einrichtungSgeschäst war im Berichtsjahre ein sehr reges. Mit dem 1. Juni 1890 erfolgte auch eine allgemeine Erhöhung der Löhne des gesammten Arbeiter- und Laternenwärterpersonals der Gassabrik um ca. 10 pCt. Aus dem Betriebsbericht des Wasserwerks dürften folgende Angaben von Interesse fein: Der tägliche Quellenerguß belief sich im Ganzen aus 614,5 Cbm. oder im ganzen Betriebsjahre 224,292 Cbm. Der Zufluß vertheilt sich auf die Haupt-Verbrauchsgruppen wie folgt: Abgabe an Private 76,555 Cbm., Verbrauch für öffentliche Zwecke 58,500 Cubikmeter, Selbstverbrauch des Wasserwerks 6551 Cubikmtr., Ueberlaus 51,464 Cubikmtr., Verlust 21,450 Cbm. Die Selbstkosten je eines Cubikmeter in den Hochbehälter gelangten Wassers betrugen 14,26 Pf., des verkauften Wassers 22/65 Ps. Die Zahl der öffentlichen Pumpen in der Stadt betrug 22 Stück. Aus den 539 Hauswasseranschlüssen werden ca. 1350 Familien mit Wasser versorgt. Der durchschnittliche Wasserverbrauch eines Hausanschluffes betrug im Jahre ungesähr 151 Cbm. Straßenhydranten sind 113 vorhanden, Garten- re. Hydranten 20. Wie in dem Vorjahre, so erfuhren auch im Berichtsjahre das Straßen- rohrnetz sowohl wie die Quellen- und Leitungsanlagen im Quellengebiet umsangreichere Erweiterungen. Die Gesammtlänge des städtischen Wasserrohrnetzes einschließlich der Hauptzuleitungen von den Quellengebieten betrug am 1. April 1891 rund 30,000 Meter oder 4 deutsche Meilen. Cocalc» und provinzielles. Gießen, 30. Januar 1892. — Perfonal Veräuderungen in der Armee. Der „Reichs- Anzeiger" veröffentlicht u. A. solgende Personal-Veränder- Gelegenheit schickte, ein tief melancholisches Gesicht, obschon sie in ihrem Herzen sehr glücklich war mit ihrem neuen schwarzen Kleidchen. „Da ist ein altes Weibchen, das nothwendig den Herrn sprechen muß." „Ich kann heute Niemand Rede stehen." „Das habe ich ihr schon gesagt, aber sie läßt sich nicht abweisen." „Es wird eine Bettlerin sein." „Das glaube ich nicht. Sie sieht so — ärmlich-vornehm aus." „Nun, sie trete ein." Es war ein altes, gebücktes Weibchen mit runzlichem Gesicht und dünnem, grauem Haar. Sie trug ein altes, schwarzseidenes Kleid, einen Strohhut mit verwaschenen Bändern und ein kurzes Schultermäntelchen. An ihrem Arme hing ein kleine Reisetasche und in der einen Hand hielt sie einen sorgfältig mit Papier umwundenen Gegenstand. Das Dienstmädchen entfernte sich. Die alte Frau blieb verlegen neben der Thüre stehen und machte ein paar tiefe Bücklinge. Sie war sichtlich betroffen durch die Einrichtung des Gemachs. Lorenz stand auf und stellte einen Stuhl neben den Tisch. „Wollen Sie sich nicht setzen?" „Tausendmal Dank." Sie machte mit den Beinen eine Bewegung wie eine Henne, die ein Gerstenkorn sucht, und nachdem sie nach ihrer Meinung aus diese Weise die Schuhsohlen sehr gut gesäubert hatte, trippelte sie zu dem Tische und nahm auf der äußersten Ecke des vergoldeten Stuhles Platz. (Fortsetzung folgt.) ungen: Abel, Oberst a la suite des Großh. Hess. Feld- Art.-Regts. Nr. 25 (Großh. Art.-Corps) und Director der Vereinigten Art.- und Jngen.-Schule, unter Belassung ä la suite des gedachten Negts., mit der Führung der 7. Feld-Art.« Brig. beauftragt. Gras v. d. Schulenburg-Wolfs- bürg, Oberst-Lt. und etatmäß. Stabsoffizier des 3. Großh. Hess. Jnf.-Regts. (Leib-Regts.) Nr. 117, unter Beförderung zum Obersten, zum Commandeur des 4. Niederschles. Jnf.- Regts. Nr. 51 ernannt, v. Steuben, Major und Bats.- Commandeur vom Jns.-Regt. Nr. 98, unter Beförderung zum Oberst-Lt., als etatsmäß. Stabsoffizier in das 3. Großh^ Hess. Jns.-Regt. (Leib-Regt.) Nr. 117 versetzt. Winter, Major ä la suite des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 und ordentl. Mitglied der Gewehr-Prüfungs- eommission, zum Abtheilungs'Vorstand bei dieser Commission ernannt, v. Witzendorsf, Oberst-Lt. und Commandeur deS Großh. Hess. Feld-Art.-Regts. Nr. 25 (Großh. Art.- Corps), zum Oberst besördert. Fürst zu Solms-Hohensolms - L i ch, Oberst-Lt. ä la suite der Armee, der Charaeter als Oberst verliehen. Salm, Hauptmann und Comp. Ches vom 4. Großh. Hess. Jns.-Regt. (Prinz Carl) Nr. 118, dem Regt., unter Beförderung zum Überzahl. Major, aggregirt. Gutbier, Pr.-Lt. von demselben Regt., zum Hauptmann und Comp.-Ches befördert. Wolter, See.-Lt. vom Jnf.- Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, unter Beförderung zum Pr.-Lt. in das 4. Großh. Hess. Jns.-Regt. (Prinz Carl) Nr. 118 versetzt. Frhr. Waitz v. Eschen, See.-Lt. vom 2. Großh. Hess. Drag.'Regt. (Leib-Drag.-Regt.) Nr. 24, in das Litthau. Ulan.-Regt. Nr. 12 versetzt. Frhr. v. Schauroth, See.-Lt. vom 2. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Leib-Drag.-Regt.) Nr. 24, zu Pr.-Lt. befördert. Mertens, Major und Batterie-Ches vom Großh. Hess. Feld-Art.-Regt. Nr. 25 (Großh. Artillerie-Corps), ein Patent seiner Charge verliehen. — Der deutsche Handel mit Südamerika hat durch den Bürgerkrieg in Chili und die wirthschastliche Krisis in Argentinien sehr gelitten, doch sind recht gute Anzeichen vorhanden, daß sich die deutsche Einfuhr nach Südamerika bald wieder auf das alte Niveau erheben wird. Der deutsche Handel mit den südamerikanischen Staaten hat allerdings mit der Coneurrenz saft aller anderen Nationen zu kämpfen, die ihr auf einzelnen Gebieten überlegen sind oder sich schon sest- gesetzt haben. Trotzdem gibt es auch Gebiete, auf denen die deutsche Waare den Vorrang gewonnen hat. Zu diesen gehören u. A. Flügel und Pianinos, Sprengstoffe, einzelne Droguen, einige Baumwollen- und Wollewaaren (besonders in Strümpfen), Eisenwaaren, Farbstoffe, Papiere, Biere, Bilderrahmen und Schweselhölzer, Lederwaaren • Artikel, Bijouterien u. s. w. Die Einfuhr der Droguen im Allgemeinen erfolgt etwa zu gleichen Theilen aus Großbritannien und Deutschland, wogegen Parfümerien und Geheimmittel fast ausschließlich aus Frankreich bezogen werden. In den letzten Jahren haben sich deutsche Gesellschaften auch erheblich am Versicherungswesen beteiligt, das früher nur in den Händen der Engländer war. -n. Lollar, 28. Januar. Hier wurde Kaisers Geburtstag durch den jetzt 100 Mann starken Veteranen- und Kriegerverein „Ludwig zur Treue" gefeiert. Die beiden geschmückten Säle des „Schwanen" waren schon lange vor Beginn der Festlichkeit mit Gästen gefüllt, welche in der Voraussetzung, von dem Verein diesmal etwas Besonderes geboten zu bekommen, auch nicht getäuscht wurden. Es kamen neben Musikstücken zur Aufführung die gut und mit großem Fleiß einftubirten Doppel-Quartette: Bundeslied, Shriegerß Abschied, Die Heimkehr, die beiden letzten in Verbindung mit den wirkungsvoll als lebende Bilder dargestellten gleichnamigen Niederwalddenkmal-Reliess; ferner das Trio: Ein deutsches Kleeblatt, die Solis: Der Tambourmajor und Die Kaisermusketiere, schließlich das patriotische Gedicht: Der Tag von Sedan. Alles fand den lebhaften Beifall der Versammelten. Aus den Wunsch des derzeitigen Vorsitzenden ließ sich Herr Lieutenant d. L. B. bereitfinden, die Festrede zu halten. In derselben wurde zunächst der Bestimmung des Tages und des Kaisers gedacht, dann aber auch der Pflichten, die der Kaiser von seinen Soldaten und Bürgern verlangt und in erhöhtem Maße jetzt in einer Zeit verlangen muß, in welcher das Autoritäts- und Respeetsgefühl des Volkes zu vermindern gesucht würde. Es sei Pflicht der SMegeröereine, überall da, wo derartige Bestrebungen auftreten würden, energisch reine Bahn zu machen, es fei ein geflissentlich verbreiteter Jrrthum, ein solches Verhalten als politische Bestrebungen der Krieger- vereine zu bezeichnen. Uebrigens bildeten die verhältnißmäßig wenig zahlreichen Leute, die die Ueberzeugung, daß eine Umgestaltung aller Verhältnisse erstrebenswerth und durchsührbar sei, nicht die größere Gesahr für Thron, !Volk und Vaterland als vielmehr die künstlich erzeugte Unzufriedenheit breiter Schichten der Bevölkerung. Unzufrieden .seien jetzt Hunderttaufende und — wenn man fragt — ohne selbst zu wissen und sich Rechenschaft abzulegen, warum. Und woher käme dies? Aus dem verminderten Autoritätsglauben und verschwommenem Pflichtgefühl und Rechtsbegriffen. Es müsse jeder Staatsbürger, vor Allem jeder ehemalige Soldat, überall wo es nöthig sei, dahin wirken, daß wiederhergestellt wird in ihren Rechten, namentlich bei der Heranwachsenden Jugend, die Liebe und Achtung zu und vor Eltern und Lehrern, der Respect vor dem Staat, Thron, Gesetz, Kirche und. ihren Institutionen und vor den Arbeitgebern. Bei lebendigem Pflichtgefühl — dessen glänzendes Vorbild wir in unserem Kaiser sähen — könne unberechtigte Unzufriedenheit gar nicht erst auskommen. Mit dem Segenswunsche für den Lenker der Geschicke Alldeutschlands war das Hoch verbunden, in welches die Versammelten begeistert einstimmten. In einer späteren Ansprache desselben Redners wies er aus die jetzt erweiterten Pflichten der Kriegervereine hin und gab Anregung zur Frage der Ausbildung von Sanitätscolonnen rc. — Unser Verein ist in eine Periode des raschen Aufblühens getreten und hat gezeigt, daß er etwas leisten kann. Dank aber allen Denen, die mit Opfern an Zeit, Geld und Bequemlichkeit unentwegt sich den Mühen unterzogen hatten, welche nöthig waren, um die gestrigen Aufführungen zu ermöglichen und die Feier nicht nur zu einer würdigen, sondern auch genußreichen zu gestalten. vermischte-. Eine seltene Feier, an der auch die Schulen mit ihren Lehrern theilnahmen, vollzog sich am 13. d. Mts. in Pudewitz (Prov. Posen). Es handelte sich um die Verleihung der Rettungs-Medaille am Bande an die Frau des Rentners Dölln. Ober-Regierungsrath Gedike aus Posen hielt eine Ansprache, in der er die Geistesgegenwart, den Muth und die Nächstenliebe der Dame hervorhob und die Verleihung der Rettungs-Medaille mittheilte. Dieser Auszeichnung liegt folgender Vorfall zu Grunde: Im Februar v.J. ging das Dölln'sche Ehepaar in der Nähe des Piestrochowoer Sees spazieren, als laute Hülseruse ertönten. Der elfjährige Sohn des Maurers Lisniewski war eingebrochen und dem Ertrinken nahe. Niemand als das D.'sche Ehepaar befand sich in der Nähe; da Herr Dölln selbst alt und kränklich ist, machte sich seine Frau an das Rettungswerk, ihr eigenes Leben einsetzend; denn die Eisdecke war in Folge des einige Tage vorher eingetreten Thauwetters dünn und mürbe geworden und kaum im Stande, Frau D. zu tragen. Trotzdem wagte sie sich an jene gefährliche Stelle, legte sich platt auf das Eis, reichte dem verunglückten Knaben den Stock ihres Mannes und zog ihn an demselben mit großer Anstrengung aus dem Wasser. Nach den Ordenslisten der General- Ordenscommission haben in Preußen in den letzten Jahrzehnten folgende Damen die Rettungsmedaille am Bande erhalten: Im Jahre 1865: Fräulein Louise Braun, Tochter des Oberingenieurs Braun zu Moresnes, Kr. Eupen; Frau Gymnasiallehrer Eschweiler geb. Ruland zu Aachen, und Fräulein Mathilde Allerd zu Landsberg a.W.; im Jahre 1870: Fräulein Hedwig Kage, Tochter des Domänen-Rentmeisters Kage zu Riesenburg; im Jahre 1871: Fräulein Nanny Glagau, Tochter des Rentiers und Rathsherrn Glagau zu Kolberg; im Jahre 1872: Frau Stadtwundarzt Margarethe Seydel geb. Burow zu Königsberg i. Pr.; im Jahre 1873: Fräulein Emma Hirschfeld zu Königsberg i. Pr. und Fräulein Weishaupt in Berlin; im Jahre 1876: Frl. Sophie Adolphine Ahlschläger zu Berlin; im Jahre 1877: Fräulein Anna von Troll zu Potsdam. Auch einem Dienstmädchen in Berlin wurde vor einigen Jahren die Rettungsmedaille verliehen für Rettung zweier Kinder aus einem brennenden Zimmer. * Eine junge Dame hat das Unglück, beim Besuch eines Ateliers ein noch nicht ganz vollendetes Bild von der Staffelei zu stoßen. „O — oh! Ich bitte tausendmal um Verzeihung !" — „Bitte, mein gnädiges Fräulein, das Unglück ist nicht so groß." — „Und daß es geradeaus die geschmierte Seite fallen mußte!" * Der einzige Fehler. „Wie schmecken Ihnen die Würste?" — „Hm . . . Sie haben nur einen Fehler!" — „Und der wäre?" — „Was hineingehört, ist nicht drinn, und was drinn ist, gehört nicht hinein!" Citeratur und Kwnjt — Wie alljährlich, so hat auch diesmal die Annoncm-Expedition von Rudolf Mofse zum Jahreswechsel für ihre zahlreichen Kunden einen neuen Zeitttttgscatalog herausgegeben. Trotz dieses altgewohnten Brauchs dürfte der diesjährige Catalog jedem Empfänger eine angenehme Ueberraschung bereiten. Derselbe erscheint als 25. Auflage zum Jubiläum der Firma, welche am 1. Januar 1867 begründet wurde, und hat demgemäß ein besonders festliches Gewand angelegt. Der in zartem Blaugrau gehaltene Leinwandband zeigt reichen figürlichen und ornamentalen Schmuck in SUber- und Relief- pressung. Diesem schmucken Autzenkletde entspricht ein nicht minder gut auSgestatteter Text. Das Vorwort deS Catalogs bringt zunächst für Jedermann interessante Mittheilungen über daS Annoncenweseo und nähere Details über die Organisation diese« weltbekannten Instituts, das gegenwärtig in seiner Annoncenabthellung mit einem Personal von 247 Beamten arbeitet. Der tägliche Nottzkalender hat durch reizende Monatsvtgnetten, durch einen Geschichttzkalender und tägliche Sinnsprüche ebenfalls gegen früher eine Bereicherung erfahren. Hieran schließt sich der sorgfältig bearbeitete durch eine neue Rubrik für Reclamepretse der einzelnen Blätter vervollständigte eigentliche ZeitungScatalog. Brodpreise vom 31. Januar bis 14. Februar 1892. Bei bett Bäckern. a 1 Kgr. (2 Pfd.) Tafeldrod 33 2 „ (4 „ ) Taselbrod . 66 1 , (2 w ) Weißbrod............. 31 2 , (4 „ ) Weißbrod 1 , (2 „ ) Schwarzbrod 29 2 , (4 „ ) Schwarzbrod 3 , (6 „ ) Schwarzbrod bei K. Haas, L. Keil, I. Lein 87 Bei bett örobberf&ttfertt. a 1 Kgr. (2 Pfd.) Tafelbrod..............33 2 , (4 , ) , 66 1 , (2,1 Weißbrod..............31 2 , (4 „ ) „ 3 w (6 , ) r ....... - 1 „ (2 , ) Schwarzbrod .29 2 , (.4 , ) , .............58 3 , (6 , ) , . . bei K- Heuser, I. Thomas 87 Gießen, den 30. Januar 1892. Großh. Polizeiamt Gießen. Fresenius. Zy & Z erzielt man nur, wenn die Annoncen zweck. lyVI gl I H mäßig abgefaßt und typographisch ange. I V > M messen ausgestattet sind, ferner die richtige v j cw Wahl der geeigneten Zeitungen ge» fltifm Atinnnrrtt troffcn Um dies zu erreichen, wende VUVU) ^IIUUUUII man sich an die AnnoncemExpedition Rudolf Mosse, Frankfurt a. M., von dieser Firma werden die zur Erzielung eines Erfolges erforderlichen Auskünfte kostenfrei ertheilt, sowie Inseraten Entwürfe zur Ansicht geliefert. Berechnet werden lediglich die Original-Zeilenpreise der Zeitungen unter Bewilligung höchster Rabatte ber größeren Aufträgen, so daß durch Benutzung dieses In stitutes neben den sonstigen großen Vortheilen eine Ersparniß an Jn- I serationskosten erreicht wird. Vertreter in Gießen r Heinrich Wallach. 746 t 1 fi ft ti Q