Nr. 280 Erstes Blatt Mittwoch den 30. November 1892 Amts- und Anzergeblutt für den ICreis Groszen. Hratiskeikage: Hießencr Jamilienblätter. L8e Lnnonctn-Bureaux des Iu- un> LuZUmde- nehm«» Änneimc »ob Anzeige» zu der Nachmittags für bai f»lgmden Lag erscheinenden Nummer bis von 10 Uhr. totales unö provinjicllcs# Gießen, 29. November 1892. — Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Grobherzog haben dem Postsecretär Carl Mayer in Gießen daß Ritterkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen Allergnädigst zu verleihen geruht. L. G. Am 27. l. Mts. wurde das zweite (Solisten-) Concert des Gießener Concertvereinö durch Frau Anna von Pilgrim, Violin-Virtuosin, Fräulein Olga Schön- Wald, Pianistin, und Herrn Rudolf Oberhäuser, Baritonist der Königs. Hofoper in Berlin zur Ausführung gebracht. Das Programm eröffnete Frl. O. Schönwald mit Chopins Ballade op. 47, Schumanns Nachtstück und Henselts: Si oiseau j’etais. In dem letzgenannten Stücke, sowie in dem später zum Vortrag gebrachten Valvo Impromptu von Raff und den Moszkowski'schen Etincelles entfaltete die Dame eine beachtenswerthe Technik, die das Publikum reichlich applaudiren ließ, bis sie eine Zugabe: Mendelssohns E-moll Scherzo op. 16 einlegte. Wirkliche, echte Schumann'sche Romantik wehte uns aus dem Nachtstück Nr. 4 entgegen, dessen Zwiegespräch in dem kleinen ^o-äur-Zwischensätzchen stilvoller nicht wiedergegeben werden konnte, dessen Piano, dem Flügel mit schönem, metallischem Anschlag entlockt, unsere Bewunderung erregte. Ebenso können wir die Chopin Ballade, soweit die technische Darstellung in Frage kommt, als schöne । i ein Geständniß zu liegen, daß der Czar nicht mehr Herr in | seinem eigenen Hause sei, sondern unter dem Drucke der i öffentlichen Meinung stehe, die ihn gegen seinen Willen in : Kriegsabenteuer stürzen könne. Die Gefahr scheine näher i zu liegen, als der Kanzler aus naheliegenden Gründen wahr j haben wolle. Die Stellung Oesterreichs sei dabei ebenso j exponirt wie die unsrige, deshalb sei auch das Verlangen ' vollauf berechtigt, daß der Bundesgenosse sich militärisch ge* nügend rüste, um einem Angriff Rußlands- gewachsen zu sein. Ferner sei in der Rede des Reichskanzlers der Hinweis auf die Neutralität der Schweiz ausgefallen. Es sei sehr zu wünschen, hierüber eine entsprechende Erklärung Frankreichs zu hören, an welcher besonders die Schweiz großes Interesse haben dürfte. Berlin, 29. November. Phelps, der Gesandte der Vereinigten Staaten von Nordamerika, wird voraussichtlich kommendes Frühjahr abberufen. Die Abberufung hängt mit der Wahl Clevelands zusammen. Berlin, 28. November. Die Direction der großen Berliner Pferdebahngesellschaft entließ eine Anzahl Kutscher und Schaffner, welche sich an der von Führern der Socialdemokratie in Scene gesetzten Bewegung beteiligten. Ferner würde zum 1. December über 70 Personen gekündigt, wegen Theilnahme an Versammlungen. Berlin, 28. November. Auf dem Socialistentag geschah bei der namentlichen Abstimmung über die Maiseier keine Protocolliruag, da die Schriftführer sich auf den Stenographen verließen,' deshalb wurden die Delegirten heute durch Circular um Mittheilung ihrer Abstimmung gebeten. Köln, 28. November. In der verstossenen Nacht um 1 Uhr brach in der Jnfanreriekaserne an der Streit- zeuggasse Feuer aus, das sich rasch ausbreitete und die ganze Regimentskammer ansbrannte. Unter der größten Anstrengung des Militärs und der Feuerwehr wurde der Brand nach zwei Stunden gelöscht. Der Schaden an Material ist bedeutend. Hamburg, 28. November. Der Vorsitzende der Bürger- , schäft, Otto Mönckeberg, wurde an Stelle des ver- I storbenen Petersen zum Senator ernannt. Leipzig, 28. November. Gestern fand ein Pi stolen- duell zwischen zwei Medicinern in der Nähe von Gautzsch statt. Der Arzt Reinhold Przhrembel wurde erschossen. Sein Gegner zeigte sich selbst an. Würzburg, 28. November. Die Petition an den Reichstag gegen jede Verschlechterung des bayerischen Militärwesens ging mit 26 573, diejenige bezüglich des bayerischen Militärgerichtswesens mit 26 573 untersränkischen Unterschriften an den Abgeordneten von Stauffenberg zur I Uebergabe ab. Fürth, 28. November. Infolge des über die Evora'sche Brauerei verhängten Boykotts der Socialdemokraten steht ein allgemeiner Kampf im Braugewerbe bevor. Paris, 29. November. Loubet überreichte nach der I Kammersitzung dem Präsidenten Carnot die Demission I des gesammten Cabinets. Paris, 29. November. Präsident Carnot nahm die Demission des Cabinets an. Das „Journal osficiel" I bestätigt heute die Annahme und bemerkt, daß die Minister I die Geschäfte bis zur Ernennung der Nachfolger sonführen. Aintlichev Thesl. Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung einer landwirthschaftlichen Ver- loosung zu Butzbach während des dortigen Frühjahrsfaselmarktes in 1893. Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großh. Ministerium des Innern und der Justiz die Genehmigung zur Vornahme einer, mit dem am 23. März k. I. stattfin- denden Frühjahrsfaselmarkte in Butzbach zu verbindenden Verloosung üoh Faseln, Rindern, Schweinen, Geflügel und landwirthschaftlichen Geräthen unter der Bedingung ertheilt hat, daß nicht mehr als 13 000 Loose a 1 Mark ausgegeben «erden dürfen und (abzüglich eines Betrags von 350 Mark für Prämiirung) mindestens 70 pCt. des Brutto-Erlöses aus dem Verkaufe der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Der Vertrieb der Loos- in der Provinz Oberhessen ist gestattet worden. Gießen, den 26. November 1892. Großherzogliches Kreisaml Gießen, v. Gagern. Der Rn« erscheint täglich, ■* Ausnahme des Montags. Die Gießener Derben dem Anzeiger Tschentlich drei »Ml bei gelegt. 1 Leistung bezeichnen und auch die der Ballade eigenthümlichen " lyrischen Elemente wurden demgemäß zum Ausdruck gebracht, i Dabei aber kamen solche willkürlichen Tempoverschlcppungen und -Beschleunigungen vor, daß der Character des Stückes nicht immer gewahrt blieb, sondern zuweilen den der Schwer- sälligkeit und Zerrissenheit ausgeprägt erhielt. Jedem Künstler ■ soll und muß das Recht, seine subjcctive Auffassung zum Ausdruck bringen zu dürfen, zuerkannt werden/ aber diese individuelle Ausgestaltung des Einzelnen in Bezug auf Dynamik und Tempo rechtfertigt niemals ein Aufheben jedes objectiven Erfassens des Ganzen im Sinne des Componisten. Neben ihrer solistischen Thätigkeit hatte Frl. Olga Schönwald auch noch für sämmtliche weitere PiScen der anderen ausübenden Künstler die Begleitung übernommen, eine Aufgabe, die an die geistige Spannkraft der unermüdlichen Künstlerin große Anforderungen stellte. Doch auch auf diesem Posten bewährte sie sich und zeigte bei bester Accomodation schöne Auffassung und größte Zuverlässigkeit. Frau A. v. Pilgrim verfügt als Violinistin über eine geläufige und sichere Fingerfertigkeit, der Ton ist zart und weich, selbst in den höheren Lagen, was I aber Größe und Fülle desselben anbelangt, so mag es wohl auch hier der den meisten Geigenkünstlerinnen eigene Mangel an physischer Kraft sein, der jene Eigenschaften vermissen läßt und damit wirkungsvolle Gegensätze, ein feineres Ausarbeiten von Licht und Schatten aufhebt. Von den beiden Sätzen auS der Ries'schen Suite wirkte namentlich der zweite durch seinen anmuthig-graciösen, zuweilen keck und humorvollen Ausdruck. — Das Bruch'sche Adagio konnte uns nicht begeistern. So Treffliches die Dame im Einzelnen leistete — jenes Etwas, das den Virtuosen erst zum wahren Künstler macht, 'das weder durch Notenköpfe noch durch andere Zeichen fixirt wird, das I aber dem Ganzen erst Character, Farbe, Leben gibt, fehlte — die Seele. Besser im Vortrag, mit eigemhümlicher musikalischer Auffassung, gelangen: Tarantelle von Raff und Mazurka I von Wieniawski. Dazu kam eine unfehlbare Sicherheit und Deutlichkeit in allen Passagen, Trillern und Doppelgriffen, sodaß die Künstlerin Seitens der Zuhörerschaft freundlichen Beifall erntete, dem sie die übliche Zugabe in Form einer I niedlichen Gavotte von Bohm folgen ließ. Den vocalen Theil I bestritt Herr R. Oberhäuser. Sein Stimmumfang ist I ziemlich groß, in der höheren Lage immer noch angenehm I klingend, in der tieferen allerdings etwas schwach. Be- merkenswerth ist der Reichlhum an Klangfarben in der Behandlung der Vocale, sowie die unübertreffliche Deutlichkeit I und Schönheit der gänzlich dialectfreien Aussprache. Das I sind Eigenschaften, die man nicht hoch genug anerkennen kann, wenn man sich des störenden und ablenkenden Nachlesens im I gedruckten Texte erinnert (des Knisterns und Knatterns der umgewandten Textbuch-Seiten gar nicht zu gedenken), zu dem so viele Sänger den Zuhörer nöthigen, damit er überhaupt nur weiß, wovon im Gefange die Rede ist. Von den programmmäßigen Liederspenden mutheten uns Brücklers herrliche Trompeterlieder, sowie Suchers „Liebesglück" am meisten an. (Bei dem letzteren wäre es angebracht gewesen, wenn die Clavierbegleitung etwas mehr hervorgetretcn wäre.) Bei aller Einfachheit und Natürlichkeit im Vortrag traf hier der Sänger in glücklichster Weise sowohl den Ton der Liebesseligkeit wie den des Trennungsschmerzes und es will uns dünken, als ob gerade die empfindsame Lyrik das Feld sei, das ihm den meisten Ertrag versprechen dürfte. Denn bei allem Bemühen, den Empfindungsgehalt der Löwe'schew Ballade: „Heinrich der Vogler" durch Ton und Sprache zur vollendeten Darstellung zu bringen, verlor derselbe dennoch an Wirkung, theilweise wohl auch durch die Tempo Verzögerung des im 6/,-Tact geschriebenen Allegro-Sätzchens. Bei etwas beschleunigterem Zeitmaße wäre die Stelle: „Was sprengt dort herauf für eine Reiterschaar?" zu entschieden besserer Geltung gekommen. Störend und unangebracht fanden wir außerdem bei der musikalischen Declamation der Verszeilen: „S'ist deutschen Reiches Will'" und „du gabst mir einen guten Fang" das Einhalten und Athemholen zwischen den Worten: „Reiches — Will'" und „einen — guten". — Das Ries'sche „Am Rhein und beim Wein" mit seinen packenden, gewaltigen Accorden zündele auch bei den Zuhörern, ließ sie über kleine Unfertigkeiten hinwegsehen und veranlaßte einen längeren Applaus, nach dem sich der Sänger zu einer zweiten Zugabe verstand (Alban Förster's „Lockung"), obwohl er schon für die beifällige Aufnahme der Trompeter-Lieder mit Schumanns „Frühlingsnacht" dem Publikum seinen Dank gezollt hatte. — Das gestrige erste Concert der Leipziger Quartett- und Coucertsänger war äußerst zahlreich besucht. Die Herren rechtfertigten ihren allen gutbewährten Ruf und ernteten für ihre vorzüglichen Leistungen den lebhaftesten Beifall des Publikums. Heute Abend findet ein zweites und letztes Concert statt, und sei hierauf nochmals aufmerksam gemacht. Neueste . Wolffs telegraphisches Correspondcnz-Bureau. Berlin. 28. November. Seine Majestät der Kaiser ronserirte gestern Abend mit General Hahnke und darauf mit dem Reichskanzler Grasen Caprivi, welcher auch zur Abendtafel im Neuen Palais verblieb. Dem Vernehmen nach treffen morgen der Großfürst und die Großfürstin Wladimir aus Paris zum Besuche iu Potsdam ein und nehmen voraussichtlich im Neuen Palais Wohnung. Die Rückkehr Seiner Majestät aus Pleß erfolgt nach den bisherigen Bestimmungen am 1. December, Morgens */28 Uhr. Potsdam, 28. November. Der Kaiser ist heute früh 8>/z Uhr nach Pleß abgereist. Paris, 28. November. Einer Meldung aus Pagny zufolge ist der Sanitätsdienst an der Ostgrenze aufgehoben. Madrid, 28. November. Gestern haben hier die Vorverhandlungen für einen Handelsvertrag mit Deutschland begonnen. Brüssel, 28. November. In der heutigen Sitzung der Münzconscrenz unterbreitete der englische Delegirte Alfred v. Rothschild Vorschläge, worin die absolute Unmöglichkeit des Bimetallismus für England dargelcgt ist. Roth, schild hebt hervor, die Unionsregierung kaufe jährlich 54 Millionen Unzen Silbermetall. Unter der Bedingung, daß die Unionsstaaten fortführen, dieselbe Menge zu kaufen, sollten die verschiedenen europäischen Staaten Übereinkommen, sich jeder zu einem jährlichen Ankauf von 5 Millionen Sterl. Silber zu verpflichten, fünf Jahre hindurch, zu einem Preise, der 43 Pence per Unze Standard nicht übersteigt. Sollte der Silberpreis höher steigen, so wären die Ankäufe zu suspendiren. Rothschild bezeichnete seine Vorschläge nur als Palliativmittel, nicht als eine definitive Lösung. Petersburg, 28. November. Unter den zur Deckung des voraussichtlich einlretenden Einnahmeausfalles beabsichtigten Maßnahmen befindet sich eine einmalige Wehrsteuer, welche in der Höhe von 3 Rubeln unter Zulassung bestimmter Aus- nahmen von allen Personen erhoben werden soll, die von dem activen Heeresdienst befreit sind. Der jährliche Ertrag der Steuer wird auf anderthalb Millionen Rubel veranschlagt. Die geplante Erhöhung der Gildensteuer ist ausgegeben worden. Dagegen soll die Steuer von Haudels- und Jndustrie-Actien- Oesellschaften von 3 pCt. auf 5 pCt. vom Reingewinn erhöht werden, woraus eine Mehreinnahme von 1,700,000 Rubel erwartet wird. Endlich wird beabsichtigt, die Ergänzungs- Handelssleuer von 4,400,000 Rubel auf 5,500,060 Rubel zu erhöhen und die bisher nur eine Accise zahlenden industriellen Unternehmungen zu der Handelssteuer heranzuziehen, deren Mehrertrag infolge dieser Maßregel auf 700,000 Rubel geschätzt wird. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 28. November. Das Staatsministerium hielt heute Mittag unter dem Vorsitz des Grafen Eulenburg eine Sitzung ab. In Parlamentarischen Kreisen verlautet, dem vom Cultusminister vorgclcgten Gesetzentwurf zur Ausbesserung der Gehälter der Volksschullehrer habe man zu- Zestimmt. 8 Berlin, 29. November. Die „Kreuzz." kommt nochmals auf die Rede Caprivis zu sprechen und hebt hervor, in der Ausführung des Reichskanzlers bezüglich Rußlands scheine Gießener AmeraerM I \J «ebortioH, LrpetM», Henerak-Anzerger. ‘ät — Im Kaiser Panorama ist diese Woche eine Bilderreise ausgestellt, welche voll Anregung großer historischer Erinnerungen ist. „Die Lustschlösser von Versailles", wo als Frucht jener blutigen Siegesthaten die Aufrichtung der neuen deutschen Kaiserwürde erfolgte, kennen zu lernen, ist gewiß die Sehnsucht Vieler- hier bietet sich nun die Gelegenheit, die mit großartigem Luxus ausgestatteten Prunkgemächer der französischen Könige, Gemälde-Galerie und Spiegelsaal, die imposanten Wasserkünste, die Zimmer der unglücklichen Königin Maria Antoinette und ihres Gemahls Ludwig XVI., die Zimmer des Welteroberers Napoleon L, die einzig schönen Parkanlagen mit Eremitage, Lusthäuschen rc. in einer der Wirklichkeit vollständig entsprechenden Weise zu sehen. Möge sich diesen Genuß man nicht entgehen lassen. — Anerkennung. Das Grobherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz, Abtheilung für Justizverwaltung, hat den Standesbeamten von Fauerbach v. d. H., Groß- Felda, Ohmes, Steinbach bei Gießen, Uetz- hausen, Wieseck in Oberhessen wegen ihrer im Jahre 1890 betätigten ausgezeichneten Geschäftsführung eine belobende Anerkennung zu Theil werden lassen. — Lebensmittel Preise Ende October 1892. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes- staüstik kosteten: Dchsen fleisch per Pfund Rindfleisch per Pfund Kalbfleisch per Pfund Schweinefl. per Pfund Städte mit Octroi Darmstadt 72 66 70 66 Mainz 68 60 70 70 Offenbach 70 54 60 80 Worms 69 60 66 68 Gießen Städte ohne Octroi 69 55 45 66 Bingen 75 60 60 70 Bensheim 60 50 50 60 Alzev 60 55 70 70 Friedberg 68 60 60 60 Alsfeld 60 45 50 60 Lauterbach 50 50 40 60 Hammelfleisch per Pfund Gemischtes Brod Roggen- Brod Butter per Pfund Milch 1 Liter Eier 1 Stück 66 14 12,5 123-132 19 6-8 68 14,5 13 121-130 19 6-8 70 14,5 14 123-131 21 6-8 56 12 11 108-123 15 6-9 60 13 12 109-118 17 6-7 50 13 12,5 110-138 19 7—9 60 12 11 110-120 17 7-8 70 16 11 115—128 17 9-10 60 15,5 15 120 16 7-8 — 14 11 95-100 14 6 40 13 10 100 14 7 — Weltausstelluugsnotizeu. Dem Vernehmen nach haben die Hamburg-amerikanische Packetfahrt-Actien- gesellschast sowohl wie der Norddeutsche Lloyd sich bereit erklärt, die Mitglieder der Reichscommission, die Aussteller und deren Angestellte für die Zeit bis zum 31. März nach Amerika und auch aus der Rückreise von da bis drei Monate nach Schluß der Weltausstellung zu einem um 25 pCt. ermäßigten Tarispreise zu befördern. Beide Gesellschaften haben jedoch die Zubilligung dieses niedrigen Tarifsatzes von der Beibringung einer Legitimation des Reichscommissariats abhängig gemacht. Tie Aussteller werden demnach gut thun, sich und ihre nach Chicago gehenden Angestellten mit solchen Legitimationen zu versehen. □ Stumpertenrod, 28. November. Ein hiesiger Land- wirth suhr mit seinen beiden Pferden Mist aus das Feld. Aus dem Rückweg scheuten plötzlich die Pserde in der Nähe des Friedhoses, wo der Weg sehr steil absällt, und gingen durch. Der Landwirth wurde vom Wagen geschleudert und dieser ging über seinen Körper hinweg. Schwer verletzt wurde er nach Hause gebracht. Lauter, 28. November. Bei der am 26. November stattgesundenen Beigeordnetenwahl wurde der seitherige Beigeordnete Friedrich Reidt mit 45 Stimmen wiedergewählt. K. Ranstadt, 27. November. Das Ehepaar Ernst Schmieder (Ehesrau Elise geborene Schäfer) beging am 22. November d. IS. im Kreise seiner Familie, Kinder und Enkel, bei guter Gesundheit und in voller Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit. Der Mann ist 73, die Frau 71 Jahre alt. § Grebenhain, 27. November. Die hier seit einiger Zeit bestehende Ortsgruppe des Böckel'schen Bauern-Vereins hat sich ausgelöst und beabsichtigen die Mitglieder ein kaus- männisches Handelsgeschäft zu gründen. Schotten, 28. November. Die zur Feier des Allerhöchsten Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs am 25. d. M. dahier vereinigte allgemeine Festversammlung hatte Seiner Königlichen Hoheit ein Glückwunsch Telegram m zugesandt. Hieraus ist am 26. nachstehendes Telegramm -ingegangen: „Kreisrath Schönseld. Herzlichen Dank für die Glückwünsche zu meinem Geburtstage. Ernst Ludwig." § Steinberg (Kreis Schotten), 26. November. Bei der heute hier stattgehabten Bürgerm eisterwahl wurde Herr Heinrich Kaiser mit 44 Stimmen gewählt. Der seitherige Bürgermeister Uebner blieb mit 17 Stimmen in der Minderheit. Neckarsteinach, 25. November. Ein teuslischer Anschlag wurde gegen den Bahnwart Strecker ausgesührt, durch dessen Wachsamkeit schon wiederholt großes Unglück verhütet wurde. Strecker wurde auf der Strecke zwischen hier und Neckarhausen von einigen Burlchen mit Steinen beworsen und dann aus das Geleise festgelegt, auf dem der Zug herankommen sollte. DaS Dazwischenkommen des Herrn Bahnmeisters aus Hirschhorn vereitelte aber glücklicherweise den teuflischen Anschlag der Burschen. Die Burschen werden hoffentlich bald ermittelt. △ Mainz, 27. November. Gestern Nachmittag sand hier eine zahlreich besuchte Versammlung von Bierbrauereibesitzern aus der diesseitigen Provinz statt. Zweck der Zu- sammenkunst war, Protest g?gen die geplante Erhöhung der Brausteuer zu erheben. Ausnahmslos betrachtete man die Erhöhung der Steuer in der projectirten Weise als wie den Ruin des größten Theils der kleineren Bierbrauereien, die heute schon einen schweren Existenzkampf gegen die Groß- brauereien zu führen hätten. Einstimmig beschloß man, bei der Reichsregierung energisch gegen die geplante Steuer zu protestiren und ernannte einen Delegirten zur Theilnahme an der kommenden Sonntag in Berlin zu gleichem Zwecke stattfindenden deutschen Brauerversammlung. — Das Tagesgespräch bildet hier eine im letzten Augenblick ausgegebene Trauung, die am verflossenen Samstag mit einem reichen Gutsbesitzer und der Tochter einer hiesigen geachteten Bürgerfamilie stattfinden sollte. Die Hochzeitstafel war gedeckt, die Trauzeugen schon erschienen, die Braut hatte bereits Kranz und Schleier angelegt, nur eine Kleinigkeit fehlte noch — der Bräutigam. Die Trauzeit rückte immer näher, der Braut und deren Eltern bemächtigte sich eine immer steigende Aufregung, denn der Bräutigam ließ noch immer aus sich warten. Endlich, wenige Minuten vor der sestgesetzten Trauzeit, trat ein Bote auf den Plan, mit einem Schreiben des Säumigen, worin derselbe mit nackten Worten anzeigte, daß er zurücktrete, da er anderweitig Verpflichtungen habe. Der letzte Act der Tragicomödie wird sich jetzt natürlich vor Gericht abspielen. * Leipzig, 28. November. Das Schwurgericht verur- theilte den Bäckermeister Chemnitzer-Bernbruch, der seinen halbjährigen Sohn in bestialischer Weise getödtet, wegen Todtschlags sowie schwerer Urkundenfälschung und Diebstahls zu 10 Jahren 2 Wochen Zuchthaus, sowie 10 Jahren Ehrverlust. * Friedrichshafen, 27. November. Aus dem Bodensee machte man Versuche, zur Nachtzeit unter Benutzung des electrischen Lichtes zu fischen. Die Versuche haben sich nicht bewährt. ♦ Zur Warnung. Unwahre Angaben bei der Erhebung von Zeugengebühren bildeten die Grundlage einer Betrugsanklage, die am Sonnabend die 124. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts gegen einen Hauseigenthümer Georg Häsnert verhandelte. Der Angeklagte hatte in einer Privatbeleidigungß- klage als Zeuge auszutreten. Als er nach Schluß der Verhandlung in der Kanzlei erschien, um die Zeugengebühren in Empfang zu nehmen, wurde er von dem betreffenden Beamten gefragt, welchen Berus er habe und ob er aus Versäumnißkosteu Anspruch mache. Der Angeklagte erklärte, daß er Anstreicher sei und deshalb durch seine Zeugenschast Verlust erleide. Er erhielt daraus 2,50 Mk. und Pferdebahngeld. Später stellte es sich heraus, daß H. Hausbesitzer ist und einen Berus überhaupt nicht hatte. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 20 Mark Geldstrafe. * Deutsche Militärkapellen in Chicago. Bekanntlich war es lange zweifelhaft, ob auch deutsche Militärcap eilen aus der Chicagoer Weltausstellung mitwirken würden. Jetzt hat die deutsche Regierung, wie aus Chicago berichtet wird, aufs Neue ihr Interesse an der Ausstellung kundgegeben, indem sie Militärmusikern Urlaub ertheilte resp. erwirkte. Vor einigen Tagen erhielt der General-Director der ethnologischen Abtheilung, C. H. Schmidt, der jetzt in Chicago weilt, die amtliche Nachricht, daß der General-Musikdirector des preußischen Militärs *wesens, Roßberg, den Befehl erhalten habe, aus sämmtlichra deutschen Militärcapellen Musiker zur Bildung von zwei vollen neuen Musikcorps auszuwählen. Das erste soll eine 40 Mann starke Regiments Capelle, das zweite ein 26 Mann starkes Trompeterchor fein. Erstere werden die Uniformen der preußische Garde zu Fuß tragen, die Letzteren die Uniform der Gardes du Corps mit Brust- panzer und adlergekröntem Helm. Der Dirigent der Infanterie- Capelle wird Capellmeister Ruscheweyh sein, der die Feldzüge von 1864, 1866 und 1870 mitgemacht hat, während die Cavallerie Capellmeister Harold leiten wird. Die letztere wird die alten Trompeten blasen, welche kürzlich auf besonderen Befehl des Kaisers wieder bei den Reiter-Regimentern ein- gesührt worden sind. Der Berliner Concert-Director Hermann Wolf schreibt Herrn Schmidt, daß beide Capellen schon vollzählig beisammen sind und das Einüben begonnen hat. Beide Musik-Corps werden in Chicago in voller Uniform vom Schlöffe über die Zugbrücke durch das deutsche Dors nach ihren Pavillons marschiren. Der Amerikaner wird hierdurch ein Begriff davon bekommen, wie es bei Aufziehen der Schloßwache Unter den Linden täglich in Berlin zugeht. * Der japauefische Dauerreiter, Major Tukuschima, welcher den Weg von Berlin nach Japan quer durch Asien zu Pferde zurücklegt, ist jetzt wohlbehalten in der chinesischen Mongolei angekommen. lieber Mangel an freundlicher Ausnahme hatte er sich nirgends zu beklagen. * Eine halbe Compagnie desertirt. In Petersburg ist eine halbe Compagnie des Nowo-Tscherkask'schen Regiments mit dem Feldwebel an der Spitze aus und davon gegangen. Grund der Desertion war die absolut unwürdige Behandlung, welche den Leuten Seitens des sehr straflustigen und ungerechten Compagnie-Chefs zu Theil wurde- ihm gegenüber nahm der Feldwebel häufig die oft allzu streng bestraften Leute in Schutz, weßwegen der Compagnie-Chef in letzter Zeit auch ihn sehr schlecht behandelte. Die Deserteure entfernten sich unter Führung dieses Feldwebels aus dem Wege nach Schlüsselburg. Einzelnen wurde ihre Flucht sehr schnell leid- Offizierspatrouillen holten den Rest wieder ein und brachten die Ausreißer zurück. Mehrfach wird angenommen, daß der Feldwebel geisteskrank ist, sonst dürste das Kriegsgericht gegen ihn das Todesurtheil faßen. * Jeder hundertste Russe ein Gefangener. Augenblicklich befinden sich in den 8 7 5» Gefängnissen Rußlands nicht weniger als 950,000 (befangene, von denen 90pCt. Männer und 10pCt. Frauen und Kinder sind. Die Gefängnisse haben in Wirklichkeit einen Raum für 570,000 Personen. । Das Budget der Gesängnißverwaltung beträgt 14 Millionen J Rubel, eine Kleinigkeit weniger, als die für Zwecke der [ Erziehung von der Regierung ausgeworfene Summe. Es | sitzt also jeder hundertste Russe im Gesängniß. * Folgende geharnischte Erklärung erlaffen mehrere | Schmiedeberger Damen in der letzten Nummer des dortigen „Sprechers": „Die Vorträge der letzten Liedertafel sind am Sonnabend bei ziemlicher Betheiligung sehr gut ausgefallen, dagegen wurden wir nach den Vorträgen sehr enttäuscht. Anstatt, daß beim Tanzen sich die Herren den hiesigen Damen widmen, nein, da wurde das Fräulein K. mit als Hauptperson betrachtet, welche gar nicht den Verein in Vorträgen unterstützt, sondern sich nur bei dem Vergnügen beteiligt. Wir wollen ganz von den Rundtänzen absehen, aber bei der Polonäse (!) müßten doch die hiesigen Damen zuerst den Vorzug haben. Gewundert haben wir uns sehr, daß sich auch dieses Jahr wieder eineGroßstädterin an unseren kleinstädtischen Vergnügen betheiligt. Sollte auch im nächsten Concert das betreffende Fräulein ihre N . . . wieder dabei haben, was unS nicht gerade sehr erwünscht wäre, dann hoffen wir mitwirkende Damen doch, daß die Herren die auswärtigen Damen links liegen lassen - denn es sind nicht nur Großstädter, welche gut tanzen. Mehrere Damen der Liedertafel." ycrfcbr, £anb» und Volkrwirthschaft. Gieße«, 29. November. Marktbericht. Aut dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Md. A 1,30—0,01, Hühnereier per Stück 7—8 4, 2 Stück — 4, R* *5fe vr. St. 5—8 4, kkäsematte pr. St. 3 4, frtbfen vr. Wer 20 4, ehrten pr. Liter 32 4, Tauben or. Vaar A 0.60—0.75, Hühner pr. Stück x 0,90—1 20, Hahnen pr. St A 0,50 —0.80, Enten pr. St A 1,40 bis 1 70, Ochsenfleisch pr. Md 65—72 4- Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 50-56 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 60—70 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 40 —50 4, Hammelfleisch pr. Pfd. 40- 70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 3,30—4,00 A, Weibkrau' pr Stück 5—12 S, Zwiebeln pr. Centner 7,50—8,50 A, Milch vr. Liter 12 1? 4, Gänse pr. Pfd. 50—58 4. Frankfurt a. M«, 28. November. Am Holz markt lagern noch reichliche Vorrälhe von Brennholz. Die Umsatzpreise sind für Buchenscheitholz erster Klasse Mk. 9.50, zweiter Klasse Mk. 8.50 und dritter Klasse Mk. 7.— ; für Tannenscheitholz erster Klasse Mk. 7.50, zweiter Klasse Mk. 6.— per Raummeter. Buchenwellen Mk. 2.50, Tannenwellen Mk. 4 — per 100 Stuck. Der Wasserstand ist eben so klein, daß die Schiffer von oberhalb nur ein Drittel Fracht laden können. Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 28. November. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 395 Ochsen, Kühe und Rinder und 442 Schweine. — Gemeinnütziges. Wasserdichte, geschmeidige und dauerhafte Stiefel, die selbst bei Regenwetter täglich glanzend gewichst werden können, erhält man bet Anwendung des bekannten „Schuhfett Marke Büffelhaut", dessen Vorzüge überall anerkannt werden, wo es bis jetzt eingeführt worden ist. Verkaufsstellen s. Inserat. Bei der Redaction eingegangene Bücher: — Ein sehr hübscher WeihnachtS-Eatalog, herausgegeben von dem bekannten großen Jugendschriften-Verlag von Carl Flemming in Glogau, ist soeben in einer prachtvoll iHuftiirttir Ausgabe erschienen. — Ein vorzügliches Weihnachtsgeschenk auszuwählen ist nicht schwer, wenn man den soeben erschienenen altbewährten Führer aus dem Gebiete der Wethnachttzliteratur, den »Jllustrirten (Katalog* von F. A. Brockhaus in Leipzig, zu Ratve zieht. Eingesandt. Gießen, 29. November 1892. Geehrte Redaction! Gestatten Sie an dieser Stelle auf einen Ucbclftanb aufmerksam zu machen, der meiner Ansicht nach dringend der Abhülfe bedarf. Es ist in hiesiger Stadt Gebrauch, daß die Zeit zwischen den einzelnen Acten im „Reum Theater" durch Musik ausgesüllt wird. Man mag über die Nothwendigkeit dieser Einrichtung denken wie man will, jedenfalls ist das Publikum an dieselbe gewöhnt und es dürfte im Interesse der Directton liegen, dieselbe beizubehalten, wenigstens bei Gastspielen fremder Künstler. Aber — und nun kommt unsere Beschwerde — in der jetzigen Form nicht, denn sie ist manchmal so jämmerlich, daß einem der Geschmack an der kommenden Scene von vorn herein verdorben ist. Sollte, wenn die hiesige Militärcapelle absolut nicht zu gewinnen ist, nicht vielleicht die unseres Wissens hier noch bestehende Civilcapelle in der Lage sein, da helfend einzugreifen? Wir verlangen ja keine hervorragende künstlerische Leistung, aber ein jedes musikalisches Gefühl verletzendes Geklimper kann man dem Publikum doch unmöglich fortwährend zumuthen. Hochachtungsvoll Ein eifriger Theaterbesucher. Haus- und Küchenardeiten kicfi'ri'töthe'der Hände und als ipätere Folge Rauheit und Ausspringen der Haut. Dieses gibt nun wieder aar oft Veranlassung zu Hautkrankheiten. Zur Verhütung solcher Unannehmlichkeiten sei man namentlich auf die Benutzung einer völlig schärfesreien, unverfälscht reinen Seife bedacht, wie es z. B. die treffliche Doerings Seife mit der Eule ist. Diese Seife macht mehr rote jede andere die Haut welch, zart und geschmeidig und wirkt durch Ihren Fettgehalt schützend auf die oberen Hautlagen, rote dies berühmte Soectalärzte für Hautkrankheiten wiederholt ausgesprochen. Die Anwendung der DoeriNgK Seife mit der Eule ist durchaus nicht kostspielig, weil sie sich nur sehr wenig verwascht und bis auf den kletnsttn Rest ausbrauchen läßt, daher auch jedem sparsamen Haushalte angelegentlich zu empfehlen ist. Preis 40 Pfg 9469] Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen. nrilPH MTOOlUirn Hofl- Baden- Niederlagen I ntt-lYltOOlYlLK B*den’Frankfurt a. m. durch Placate ■ e ■ ■■ ■ ■ ■ ■■ ■ ■1 ■■ ■ ■ altrenommirte Firma, empfiehlt vorzügl. Theemiechung-en ä M. 2.80 u. M. 3.50 pr. Pfd. 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Auch gebundene Zeitschriften („lieber Land und Meer" „Daheim" u. dgl.) sind willkommen. Für den Vorstand ves Feierabends: Dingeldey.