Nr. 254 Erstes Blatt Sonntag den 30. Oktober 1892 Gießener A nzeiger Henerat-Anzeiger. Die Gießener AlavlittenVkLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt. Der chleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Vierteljähriger Aöonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Brrngerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Zchntstratze Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblntt für den Ureis Gieren. Hratisöeikage: Hießener Jamikienötätter. Annah me von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche zu Muschenheim. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in einer größeren Anzahl von Gehöften zu Muschenheim ausgebrochen ist, haben wir die Sperre der Gemarkung Muschenheim verfügt. Neben der durch unsere Verfügung vom 8. l. M. bereits getroffenen Bestimmung, daß Rindvieh, Schafe, Ziegen, Schweine nur zur sofortigen Abschlachtung und nur auf Grund eines thierärztlichen Gesundheilsscheines ausgeführt werden dürfen, besteht hiernach die Anordnung, daß das Ausfahren mit Rindviehgespannen aus der Gemarkung Muschenheim und das Durchtreiben von Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schweinen durch dieselbe verboten ist. Gießen, den 28. October 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Derttfcher Reich. Berlin, 29. October. Die vorzeitige Ausplauderei des wesentlichsten Inhalts der neuen Militär-Vorlage ist auch in der jüngsten Wochenplenarsitzung des Bundesrathes zur Sprache gekommen. Staatssecretär Dr. v. Boelticher theilte mit, daß wegen der bekannten Veröffentlichungen in der „Köln. Zig." Untersuchung eingeleitet worden sei. Herr v. Boelticher knüpfte hieran die fernere Mittheilung, daß fortan aus Anordnung des Reichskanzlers sämmtliche Drucksachen des Bundesrathes, auch die Tagesordnungen, als geheim zu behandeln seien. — Unzweifelhaft sind diese Erklärungen aus die Audienz zurückzuführen, welche Reichskanzler Gras Caprivi am vergangenen Mittwoch beim Kaiser behuss Erstattung eines Jmmediatvortrages in Sachen der stattgefundenen Jndiscretion gehabt hat. Der Monarch soll sich hierbei über das ärgerliche Vorkommniß sehr ungehalten gezeigt und die strengste Untersuchung zur Ermittelung des oder der Schuldigen angeordnet haben. Ob durch diese Nachforschungen die eigentlichen Urheber des begangenen Ver- rathes sich ermitteln lassen werden, bleibt freilich recht zweifelhaft- es ist mehr als wahrscheinlich, daß sich dieselben durch ihre amtliche Würde und durch gewisse Verbindungen zu decken vermögen. Im Uebrige.i bleib: es bedauerlich, daß die verfrühten Veröffentlichungen den Anlaß zu der von Herrn v. Boetticher angekündigten Geheimhaltung sämmtlicher Drucksachen des Bundesrathes gegeben haben, denn das Publikum wird alsdann hinsichtlich der Verhandlungen dieser maßgebenden Körperschaft künftig wohl nur aus das angewiesen sein, was man an osfizieller Stelle hierüber mitzuheilen sür gut befindet. — Die Elwägungen in Regierungökreisen über eine stärkereHeranziehung des Tabaks zur Mitbestreitung der aus der neuen Militärvorlage erwachsenden Kosten sollen dem Abschlüsse nahe sein. Es heißt, Steuer wie Zoll sollen erhöbt werden, der Zoll aber stärker wie die Steuer. In den Kreisen der Tabakproducenren giebt sich darum eine begreifliche Erregung kund, welche Stimmung bereits in den scharfen Resolutionen der kürzlich zu Speyer abgehaltenen zahlreich besuchten Versammlung badischer und pfälzischer Labakbauer bezeichnenden Ausdruck gesunden hat. — Die „Hamburger Nachrichten" hatten u. a. über den Inhalt der neuen Militärvorlage Folgendes geschrieben: „Der Ansporn, durch besondere Tüchtigkeit bie Entlassung nach zwei Jahren zu erlangen, fiele künftig fort und anderseits treten an Stelle des gewichtigen Elements gedienter dreijähriger Leute die, die „zur Strafe" nachdienen müssen. Die Vorlage rechtfertigt sonach alle Befürchtungen, die wir in dieser Beziehung ausgesprochen haben." Dazu bemerkt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung": „Die an die eventuell dreijährige Dienstzeit Bestrafter geknüpften Befürchtungen sind unbegründet. Die Behauptung, daß nach Maßgabe der neuen Vorlage „an Stelle" des „gewichtigen Elements" gedienter — soll wohl heißen „dienender" — Dreijähriger „zur Strafe" Nachdienende träten, ist irrthümlich. Während zur Zeit, analog § 14b der Heerordnung, nach welcher für die Auswahl der zur Disposition des Truppentheils zu entlassenden Mannschaften neben Lebensalter Rücksicht auf gute Führung und Ausbildung maßgebend sind, Leute von schlechter Führung und Ausbildung, also auch disziplinarisch bestrafte ohne Rücksicht auf die Strafdauer — eine Maßregel, welche, so weife sie ist, doch nicht zur Erhöhung der „Qualität" des stehenden Heeres beitragen dürste — ein drittes Jahr zurück behalten werden, dürfen nach dem ausdrücklichen Wortlaut der fraudulös veröffentlichten neuen Militärvorlage nur . Leute in den Fällen des § 18 des Militär-Strafgesetzbuches ein- ! tretenden Falles bis zum Ablauf des dritten Jahres im * Dienst zurückbehalten werden. Dieser seit über 20 Jahren | in Wirksamkeit gewesene Paragraph nun lautet: „Die Zeit einer Freiheitsstrafe von mehr als sechs Wochen wird auf die gesetzliche Dienstzeit im stehenden Heere nicht angerechnet." Unter „Freiheitsstrafe" im Sinne dieses Gesetzes ist nach § 16 aber zu verstehen: Gefängniß, Festungshaft oder Arrest!" newcflc Uacbtfcbtoi». Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 28. October. Der Colonialrath berieth in seiner heutigen Schlußsitzung die Damaraland-Concession. Er stellte eine Reihe von Punkten aus, durch die bei der Ausführung der Concession die Rechte der deutschen Interessenten zu wahren seien. Der Colonialrath berieth ferner über die Erfolge der Expedition nach dem Kilimandjaro, die Grenzcommission Peters, sowie die Concessionirung des Kara- Khoma-Syndicats für Südwestasrika und stimmte den bei letzterer vorhandenen Abweichungen von den Beschlüssen des Colonialraths über das Gesellschastsrecht zu. Berlin, 28. October. An der Montag stattfindenden Einweihung der restaurirten Schloßkirche in Wittenberg nehmen der Kaiser und die Kaiserin Theil. Sie werden sich früh von Potsdam in Begleitung des Kronprinzen von Schweden, des Herzogs Dort, des Großherzogs von Hessen und anderen evangelischen Fürstlichkeiten dorthin begeben. Depeschen des Bureau „£>crolbN. Berlin, 28. October. Bei dem gestrigen Empfange Virchows äußerte der Kaiser, er halte an feinen Ideen zur S ch u l r e f o r m fest und hoffe, dieselbe bald in der Praxis durchgeführt zu sehen. Berlin, 28. October. Der „Reichsanzeiger" meldet: Die Einnahmen der preußischen Staatsbahnen betrugen im Monat September 5,900,000 Mk. weniger als im letzten Jahre. Berlin, 28. October. Das Comitö für die internationale Ausstellung in Berlin beruft einen Congreß aller Ausstellungsfreunde Deutschlands auf den 19. November nach Leipzig ein. Berlin, 28. October. Für das preußische Staatsgebiet wurde das Durchfuhrverbot für Warensendungen aus seuchenfreien Gegenden, welche von Hamburg tranfitiren, auf gehoben. Wernigerode, 28. October. Es verlautet, der Kaiser treffe am 16. November hier zur Jagd ein. Wilhelmshasev, 28. October. Anfangs November wird der Kaiser hier zur Vereidigung der Rekruten erwartet. Hamburg, 28. October. Der Kaiser lud den Senats- präsidemeu und Bürgermeister Münckeberg zur Theilnahme der Wittenberger Feierlichkeiten ein. Hamburg, 28. October. Gestern erkrankten sieben Personen, zwei starben. Mühlhausen, 28. October. Die Auszahlung der Lotteriegewinne wurde soeben inhibirt. Leipzig, 28. October. Die Beerdigung des Professors Wind scheid findet Samstag statt. Zahlreiche ausländische Deputationen werden erwartet. Köln, 28. October. Gegenüber der Blättermeldung, gegen die Redacteure der „Kölnischen Zeitung" würde ein Zeugnißzwang eingeleiter, sagt die „Köln. Ztg.": „Wir sehen der Entwickelung der Angelegenheit mit großer Gemüths- ruhe entgegen. Unser Fall bietet für das Verfahren des Zeugnißzwanges keinerlei Handhabe." Es fei unmöglich, den Beweis zu erbringen, daß die Veröffentlichung der Militärvorlage nur durch den Bruch des Amtsgeheimnisses erfolgt fei. Es gäbe zahlreiche Möglichkeiten des Herganges, die jedes Disciplinarverfahren ausschließen würden. Eine zwangsmäßige Aufforderung an die Redacteure würde die „Köln. Ztg." als einen in die Formen der Rechtspflege eingekleideten Rechtsbruch betrachten. Darmstadt, 29. October. Das Großh. Ministerium hob die Maßregeln zur Einschleppung derCholera durch den Verkehr mit Hamburg aus. Lissabon, 29. October. Der englische Postdampser „Roumania", von Liverpool nach Bombay bestimmt, scheiterte bei Foz Atrelho. Von 55 Passagieren und 67 Mann Bemannung wurden nur neun gerettet. Unter den Ertrunkenen befindet sich der Capitäu Lotha. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Wir erhielten nachstehende Zuschrift: Südwest und Nordost. Vor wenigen Tagen fragte der bekannte Civis in diesem Blatt, wie sich die eidliche Pflicht der Stadtverordneten, das Gefammtwohl der Stadt zu fördern, mit der Mitgliedschaft der die Sonderinteressen vertretenden Bezirksvereine vertrage. Daraus hat ein unbekanntes Mitglied des Vereins Südwest pathetisch geantwortet, auch dieser Verein bezwecke nach § 1 seiner Statuten das Gesammtwohl der Stadt „durch Aufdeckung und Förderung der berechtigten Interessen der zum Verein gehörigen Stadttheile in deren Verhältnissen zum Staats- und Gemeindewesen". Wir glauben, der Mann, der fragte, ist nicht so dumm, als er sich stellt, und die Antwort, die ihm wurde, ist nicht so gescheidt, wie sie aussieht. Es ist aber jetzt der richtige Augenblick, um über diese Frage und Antwort ein freies Wort zu unserer Bürgerschaft zu reden. Als vor Jahren unsere Gemeindevertretung beschloß, die Stadtverordnetenwahlen nicht nach Bezirken vorzunehmen, war sie von der richtigen Ueberzeugung durchdrungen, daß Stadt und Bürgerschaft ein Ganzes sei, dessen Trennung nach zufälligen Stadtbezirken unnatürlich wäre. Dieser Beschluß, demzufolge bis zur Stunde jeder Wähler zur Wahl sämmtlicher städtischen Vertreter befugt ist, hat den Beifall aller Einsichtigen erhalten; ihm ist es mit zu verdanken, daß wir neben fast unvermeidlichen Unvollkommenheiten bei unserer städtischen Vertretung in erfreulicher Weise wahrnehmen, tote sie sich immer mehr loszuringen sucht von dem kleinen Winkelpatriotismus, der in früheren Jahren so häufig den städtischen Fortschritt lahmlegte. Die großen Fragen unserer modernen Communalverwaltung: Herstellung und Entwickelung eines wohl durchdachten, Lust und Licht und leichten Verkehr bringenden Bauplanes, Förderung des Straßenwesens, Wirken für Gesundheit und Reinlichkeit, gute Beleuchtung, Wasserleitung und durchgehende Kanalisation, Sorge für Schulen, Beschaffung billiger und gesunder Wohnungen, Förderung des Armenwesens, diese und hundert andere Fragen haben ganz und gar nichts mit der Beschränkung aus einzelne Stadtbezirke zu thun- sie unterliegen der gleichmäßigen Aufmerksamkeit jedes verständigen Einwohners, wo derselbe auch wohne. Alle diese städtischen Aufgaben aber finden in zahlreichen Fällen die stärksten Hemmnisse in den entgegenstrebenden Wünschen Einzelner oder ganzer Stadttheile, und wir in Gießen zumal sollten ein Gedächtniß haben für die mancherlei Schädigungen, die bis in eine nicht ferne liegende Zeit hinein namentlich in baulicher Hinsicht die Exceffe des Son- derinteresses, der Eigennutz Einzelner und einzelner Jnte- ressentengruppen oder auch engherzige Kirchthurmspolitik unserer Stadt zugefügt haben. In anderen Städten ist es längst erkannt, daß ein aufstrebendes Gemeinwesen keinen schlimmeren Feind zu fürchten hat, als den Widerspruch der privaten und Gassenintereffen gegen das Gemeinwohl. Ueberall wo in anderen Städten Bezirksvereine sich bilden, da geschieht dies nur wegen der Größe der Stadt, weil sonst die Vereine zu groß würden und kein Saal zu finden wäre, der die Mitglieder alle faßt. In diesem Sinne hat man beispielsweise in Frankfurt und Berlin Bezirksvereine, die ein doppelt, ja zehnmal so großes Einwohnergebiet umfassen, wie unsere ganze Stadt. Dies sind aber in der That allgemeine Bürgervereine, die man nur aus äußeren Gründen localisirt hat, Vereine, die neben gewissen Bezirksaugelegenheiten alle Fragen von allgemeinem städtischen Interesse erörtern und sich bewußt sind, daß Bezirksintercssen nur insoweit Ansprüche an den Stadtsäckel erbeben dürfen, als sie auch als Gemeinintereffen erscheinen. Die direct gegenteilige Entwicklung sucht man feit einigen Jahren unserer Stadt, die doch noch so weit entfernt ist von der Größe, welche eine Bezirkseintheilung rechtfertigen könnte, aufzudrängen. Ein langjähriger, an Verhältnissen, über welche die Stadt nicht Herr war, liegender Mißstand beim Ueber- gang der Oberhefsischen Eisenbahnen an der katholischen Kirche bot den äußeren Anlaß zur Gründung eines Seltersbergvereins - sofort erzeugte die Besorgmß vor der Zurücksetzung des nördlichen Stadttheiles, der überdies unter der Ungunst unserer geschichtlichen Entwickelung zu leiden hat, die Gegen- schöpfung eines Nordostvereins, und nicht zufrieden damit, einen gefährlichen Keil in die Einigkeit unserer Bürgerschaft getrieben zu haben, dehnt nun jüngstens der SelterSberg- verein sein Gebiet aus die ganze südwestliche Hälfte der Stadt aus, den Gegensatz zum Nordosten in dieser Art vertiefend und verschärfend. Characteristisch für diese Vereine namentlich im Süd- westeu ist, daß sie zur lebhafteren Thäligkeit immer erst electrifht werden durch die städtischen Wahlen - ebenso charac- teristisch ist ihre seitherige völlige Unfruchtbarkeit in commu- ‘ Palmay." Man merkte, der Künstler hat sich in diese Rolle ganz hineingelebt, sie sich ganz zu eigen gemacht, denn nur dann ist es möglich, jenen naiven ungarischen Grasen — der obwohl manchmal recht eckig und lappig, doch eine von Grund aus ehrliche und biedere Natur ist — mit solcher Virtuosität wieder zu geben, wie wir gestern sahen. Jede von diesen beiden Eigenschaften Palmays wußte Herr Resemann in seiner Weise zum Ausdruck zu bringen und so entsprudelte seinem Bela jene frische Natürlichkeit, die die recht schwierige Rolle überaus anziehend machte. Den Baron Römer-Saarstein, jenen eitlen blasirten Gecken, spielte Herr Marti en sen mit großem Humor und viel Geschick, so daß wir ihm unsere volle Anerkennung zollen können. Das gleiche gilt von Frl. Copp e, die aus der immer noch sehr verliebten „alten Schachtel" eine köstliche Figur machte. Frau Director Seiners gab den wilden, etwas burschikos angehauchten Backfisch „Herma" recht frisch und graziös. Sehr ist es zu beklagen, daß an einer Darbietung, wie der gestrigen, das Interesse des Publikums so gering war. Was soll man dazu sagen, daß selbst bei Anwesenheit eines so bedeutenden Gastes nur die Hälfte der Theaterplätze besetzt ist? — , Sonntag den 30. d. Mts. wird Herr Resemann sein vorletztes Gastspiel absolviren, hoffentlich macht dann unser Publikum seinen begangenen Fehler durch recht zahlreiches Erscheinen wieder gut. — Theater. Um einem lebhaften Drängen des Publikums nachzugeben, wird Herr Leon Resemann am Sonntag noch einmal als „Kean" auftreten. Es freut uns außerordentlich, den geschätzten Künstler nochmals in dieser, unstreitig seiner besten Rolle bewundern zu können. “ Das Kaiser-Panorama, Bahnhofstraße 23, hat für die nächste Woche wieder einen ganz neuen Cyclus, und zwar I eine Wanderung durch Paris, angesetzt. Das moderne Babel I mit all seinen historischen Wundern, seinen Plätzen und I Straßen, seinen Triumphbogen und Parks ist in einer Reihe I vorzüglicher naturgetreuer Bilder dargestellt. 'So wird sich I auch dieser Cyclus wie der vorige eines guten Besuches zu I erfreuen haben. I — Eine gute Handschrift sich anzueignen, ist jetzt wieder I Gelegenheit geboten durch Theilnahme an einem Cursus | im Schönschreiben, welchen der hier rühmlichst bekannte | Kalligraph O. Gottlieb heute im „Hotel Schütz" eröffnet. I Dos Nähere ist aus dem Inserat der heutigen Nummer zu | ersehen. I — Einbruch. Vor einigen Tagen wurde Nachts in der I Wirtschaft „zum Feldschlößchen" dahier eingestiegen und ein I Diebstahl verübt. Der Polizei ist es gelungen, den! Thater zu ermitteln und in Haft zu bringen. i — Der Getreidemarkt. Der deutsche Getreidemarkt will I noch immer keine sonderliche Belebung annehmen, obwohl es I an Anläufen hierzu nicht fehlt. Speciell im Weizengeschäst I machen sich fortgesetzt die niedrigen amerikanischen Notirungen I durch ihren Einfluß unvortheilhast bemerkbar, wie dies in I der abgelausenen Woche hervortrat. Dagegen wies der Ver- I kehr in Roggen diesmal zum ersten Male seit langer Zeit j eine gewisse Lebhaftigkeit und hiermit im Zusammenhänge I etwas anziehende Preise auf; ob nunmehr wenigstens das I Roggengeschäst sich wieder stetig bessern wird, das dürste I freilich noch immer abzuwarten sein. Hafer behauptete sich I in fester Stimmung bei fernerer Besserung, Gerste blieb im I Allgemeinen unverändert. Notierungen an der Berliner I Productenbörse: Weizen von 147—164 Mk. pro 1000 Klar. I Roggen von 136—143 Mk., Hafer von 147—162 Mk/ I Gerste von 125—180 Mk. - Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde, ««traute. ßfirinEn t 2tlb“t Johannes Wilhelm Georg Ferdinand Christian Deibel, Kaufmann zu Gießen, und Elisabeth Charlotte Margarethe Leib, Tochter des Rentners Friedrich Leib zu Gießen. q3r ^clowr. Peter Arft, Forftwart zu Annerod, und Katharine Lehr, Tochter des Landwtrths Carl Lehr zu Himbach. Am 25. October. Adolf Hermann Langsdorf, Barbier zu Gießen. GhrifÄ ,uU@le^n.mlne Schn^rm°.st°-rs q* Am Ar Stober. Otto Suffa, Hoboist zu Gießen, und Emma Gießen^^^ Achter des Lademersters Friedrich Dornhöfer zu Am 23 October. Dem Brcmier «alihasar Dapper eine Tochter. Marie, geb. am 18. September. ' Dens. Dem Dienstknecht Heinrich Naumann ein Sohn, August geb. am 7. October. * K 25 October. Dem Postassistent Wilhelm Kammer ein Sohn, Wilhelm Carl, geb. am 14. September. , Aor 26. October. Dem Sergeanten und Regimentsschreiber ®,rl ®”al9b7 'w S°hn, Heinrich Ludwig Carl, geb am 6. August, geb. am 25 F^bruan ' "ußereheliche Tochter, Frieda Pauline. Beerdigte. nIt 22. October. Heinrich Konrad Ebert, Rentamtsdtener i. P., alt 64 Jahre, Harb am 20. October. Aw 23. October. Josephine Koppe, geb. Joffeaux, Wtttwe deS _ x , «eborerre. October: 17. Dem Wagnermetster August Führer eine Tockt-r Gretha Luise 20 Dem Wirth Friedrich Leun in g ein Sohn 2l Dem Kaufmann Ignatz Pfeffer ein Sohn, Ernst. 21. Dem Taglöbner Johannes Ernrtch ein Sohn, Konrad. 21. Dem Schmied Ernst Döll Tochter. 26. Dem Kaufmann Richard Buff ein Sohn, Hermann Alten 9Q8, Jahre alt, Cigarrenmacher von Alten.Buseck. 23. Marte Herbert, geb. Schreiber, 68 ^tabre alt H-rbert dahier 26. Pauline Grünewald, geb. vtabl, 38 Jahre alt, Ehe,rau von Fabrikarbeiter Johann Grünewald zu Wchlar. 27. Mari- Katharine Hopp, 1 Monat a"" H°lnnch H°pp dahier. 27. Philipp Winnecker,' «6 Jahre alt, Schuhmacher dahier. vermischtes. * Bad Salzschlirf (Oberhcffcn), 28. October. Wenn auch n den letzten Jahren schon der Besuch des hiesigen Bades n steter Zunahme begriffen war, so hat doch die Frequcnz- steigerung der diesjahrtgen, am 1. d. M. geschlossenen Saison In der Stunde, in welcher diese Zeilen geschrieben werden, verhandeln Abgesandte des Nordost- mit solchen des Südwestvereins über die Aufstellung einer Candidatenliste für die nächsten Stadtrathswahlen. Die Liste wird dann der Bürgerschaft, deren Wahlrecht man in dieser Weise den Jntriguen der Jntereffentenringe zum Opfer bringen möchte, unter dem irreleitenden Hinweis auf § 1 der Bezirksstädten präsentirt zur „Förderung des Gesammtwohles durch Aufdeckung der Interessen der einzelnen Stadttheile". All- Achtung vor einzelnen Mitgliedern der Vereine und ihren wohlmeinenden Gesinnungen, aber diese sind nicht im Stande, das Unheil zu hemmen, das naturnothwendig aus der Zersplitterung des Gemeindeinteresses in die Interessen der einzelnen Stadtviertel erwächst, und wir müssen daher unseren Mitbürgern die dringendste Warnung zu- rusen vor Nordost wie Südwest. Diese Vereine sind, ohne cs immer zu wollen, die Zufluchtsstätten, für kleinen spießbürgerlichen Hader, wie er sich in den jüngsten Sitzungen Eines dieser Vereine wieder so eigenthümlich entwickelt hat, sic sind, wenn auch vielleicht nicht, wie manche sagen, Vereine von Hausbesitzern, welche den Werth ihrer Häuser auf Unkosten der Stadt erhöhen möchten, so doch unter allen Umständen geeignet, unser städtisches Gemeinwesen, welches sich so schwer aus alten Fesseln entwindet, wieder in neue Fesseln eines localen Cliquenwesens zu schlagen und uns dem großen^Bürgersinn zu entfremden, der allein das Ge- deihen der Städte verheißt. Wenn ein allgemeiner Bürgerverein gegrün- det würde, der von einer zur anderen Stadtverordnetenwahl die wichtigeren Ausgaben der Stadt in Bürgerausschüsien beräth, dem Stadtvorstande Gelegenheit gibt, sich über seine Thätigkeit mit der Bürgerschaft auseinanderzusetzen und allen Bewohnern aller Stadttheile die Möglichkeit bietet, ihr Ver- ständniß und Interesse für die Angelegenheiten der Gemeinde nützlich zu bekunden, und der so gleichzeitig eine Schule bildet für die Erprobung tüchtiger Wahlcandidaten, einem solchen Vereine würde jeder Verständige mit Freuden beitreten, ihm be,zutreten müßte auch der Stolz jedes Stadtverordneten sein, und Hier ist dann hinlängliche Gelegenheit geboten, auch die kleinen örtlichen Interessen, aber nicht in einseitiger Beleuchtung, sondern unter der Controle der ganzen Bürgerschaft und im Zusammenhang mit den Gesammtintereffen aufzudecken und zu fördern. Der Bezirksv er ein aber ist weder für Bürger, noch für Stadtverordnete der richtige Boden zu öffentlichem Wirken,- für letztere zumal ist er das Grab des Vertrauens zur Unbefangenheit ihres Wirkens. Möge sich unsere Einwohnerschaft von Lieser theils unnützen, theils gefährlichen Vereinswirthschaft abwenden und insbesondere bei den Wahlen zur städtischen Vertretung der obersten Regel folgen: nur Männer zu wählen, die selbst an ihrer Wahl kein persönliches Interesse, die auch kern überwiegendes Interesse haben für den zufälligen Bezirk, wo ihr Wohnhaus steht, und dre durch ihre ganze Persönlichkeit und ihre Vergangenheit für ihren treuen Bürgersinn, der nur in dem Gemeinwohl Aller seinen Leitstern sieht, die Gewähr bieten. Die Thätigkeit zu einem Bezirksverem bietet solche Gewähr auch dann nicht wenn dessen Statuten den schönen § 1 von der angeb- lichen Wahrung des Gesammtwohles der Stadt enthalten ualer drbeit. Der Bahnsteig an der katholischen Kirche, die Beseitigung der Waliher'schen Hosraithe am Lindenplatz, das Vtichblatl der Führer vom Nordostverein, die Verbindung der neuen Kliniken mit dem Bahnhose, sie sind nicht um Haares breit durch die Herren Vereinsmänner gefördert worden, kein schöpferischer Gedanke, keine weiter ausschauende öffentliche Debatte ist aus diesen Vereinen erwachsen; sie sind in der That nichts als Wahlvereine, welche den gesunden Gedanken unseres die Bezirkswahlen ausschließenden Gemeindestatuts aus Umwegen zu untergraben suchen, und soweit sie sich sachlicher Ausgaben anuehmen, Vereine mit engem, straßenpatriotischem Geist, denen ebendeßhalb für die Wirksamkeit nach außen auch die Autorität eines allgemeinen Bürgervereins vollständig fehlt. Einen charakteristischen Beweis hierfür bot die abschlägliche Antwort, welche das Ministerium hinsichtlich der Bahn in das Lumdathal kürzlich der Stadt ertheilte. Das Ministerium meinte, der Plan, die Bahn direct nach Gießen zu führen, fei nur Bezirksspeculationen des Nordostvereins entsprungen und entbehre deßhalb der Begründung durch das allgemeine Interesse. Hier wurde also die Bezirksagitation geradezu zum Hinderniß eines für die ganze Stadt werthvollen Planes. — Achtung. Von Brüssel aus werden gefälschte Zwanzig-Frankennoten der belgischen Nationalbank in Umlauf gesetzt. Die Fälschungen sind an plumper Zeichnung, dunklerer blauer Färbung und auffälligen Fettflecken erkenntlich. — Die preußische Pickelhaube beging am 25. October den Gedenktag der sünszigjährigen Einführung in das Heer. Am 25. October 1842 wurde der Helm an Stelle der Czakos nebst anderen Reformen in der Unisormirung eingeführt. oa W°h"b°ch, 28. Oktober. Nächsten Sonntag den 30. October findet dahier die Einweihung unseres neuerbauten Schulhauses statt. Es wird diese Feier mit dem alljährlich um diese Zeit stattfindenden Kirchweihfeste verbunden werden. 8. Langsdorf, 28. October. Großes Unglück kam m kurzer Zeit über eine hiesige Familie. Nachdem der ver- helrathete Sohn vor Kurzem in der Scheuer gefallen war und bald darauf verstarb, sind in diesen Tagen der gleichfalls verheiratheten Tochter drei Kinder an Diphteritis gestorben. K. D-uernhci«, 28. Octobcr. Der 2Ijähriqe Sohn des Dreschmaschinenbesitzers Wolf von Steinheim fuhr heute E einer selbstfahrenden Dreschmaschine von Dauernhcim nach Ober-Mockstadt. Während des Fahrens schmierte er dieselbe, ffe^ aber dadurch von der Maschine und kam mit beiden । -öeinen unter die schwere Locomobile, welche ihm dieselben I total zerquetschte. Büches, 26. October. Bei der heute stattgesundenen Burqermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Georg Maser einstimmig wiedergewählt. 9 l8, ?5°ber. Im Laufe des kommenden Jahres finden auch wieder die Ergänzungswahlen für dw zweite Ständekammer statt. Die vor sechs Jahren aus da kb?n Xi« g> diesmal aus der Kammer ^j^^UTn/0 ^geordnete zählt, so haben Locales rrnd provinzielles. Gießen. 29. October 1892. « x - ^°ral,mufik. Am nächsten M o n t a g den 31. October stndct bekanntlich die feierliche Einweihung der w.cdcrhergest eilten Schloßkirchc zu Wittenberg unter Theilnahme Sr. Majestät des Kaisers und vieler protestanmchcr Fürsten statt. In der bedeutungsvollen Stunde der Einweihung, Mittags 12 Uhr, wird zum Zeugniß der theilnahme auch unserer evangelischen Gemeinde vom Thurme un,erer Stadtkirche das alte Luther- lied: „Ein feste Burg ist unser Gott" mit Posaunen geblasen werden. - Stenographisches. Wir wollen nicht unterlassen, gth^T« r nTUf- Ekiam zu machen, daß nächsten Montag, Abends 8 Uhr, tn einem Schulsaale des Realschulgcbäudes der bereits angekundigte Unterrichtscursus in der Gabels- berger fcüen .Stenographie seinen Anfang nehmen Sen- 'ft aUS 6er A"»-ige im Jnseratentheil zu — Neues Theater. Hatten wir vorgestern Geleaenbeit an Herrn Resemann die Gaben zur Darstellung des leidenschaftlichen Characters seines großen Vorgängers Edmund Kcan zu bewundern, so bot er in Schönthon Kadelburqs ^Berühmte Frau" em wahres Meisterstück eines „Bela j gehegten Erwartungen bedeutend übertroffen. Zu ver- I ^nken hat dies Salzschlirf der außerordentlichen Heilkraft I feiner Bontsaciusquelle gegen die große Zahl der I Stoffwechselkrankheiten, wie Gicht, Rheumatismus, Harngries, I Stein-, Nieren- und Blasenleiden, Magen Catarrh, Leber- und I Gallensteinleiden, Hämorrhoiden, Fettsucht rc. Als wirk- I samstes Mittel, den Stoffwechsel neu zu beleben, zu reguliren I un^ damit die erwähnten Leiden zu beseitigen, gelten die I alkalischen Mineralwässer, besonders aber diejenigen, welche I in Folge ihrer chemischen Zusammensetzung und ihres Gehalts I an Lithium die Fähigkeit besitzen, die sich im Blut und Körper I bildenden und ablagernden harnsauren Salze wieder aufzulösen I und auszuscheiden. Unter allen, diese Eigenschasten besitzenden I Mineralquellen nimmt nur der hiesige Bonisaciusbrunnen den I ersten Rang ein und wird deshalb auch von allen ärztlichen I Autoritäten und medicinischen Lehrbüchern des In- und Aus- I landes gegen jene Krankheiten in erster Linie empfohlen. — I Der Versandt des Salzschlirser Bonisaciusbrunnens erfolgt I durch alle Mineralwasserhandlungen und Apotheken, sowie I durch die hiesige Brunnenverwaltung, von welcher auch Analyse I und Gebrauchsanweisung kostenfrei verschickt werden. I * Berlin, 28. October. Das große Loos der preußi- I scheu Lotterie entfiel auf Nr. 90901. I * ®crIin' 281 October. Der frühere Buchhalter der I Deutschen Bank, Frank, welcher gemeinsam mit dem bereits I deßhalb verurtheilten Makler Schwieger die Deutsche Bank I durch Spekulationen in russischen Noten um 3,220,558 Mk. I geschädigt hat, wurde heute vom hiesigen Landgericht zn vier Jahren Gesängniß, 3000 Mk. Geldbuße und Verlust, der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren I verurtheilt. ♦ Mühlhausen, 27. October. Das Lotterieerg ebniß soll angefochten werden, weil bei der heutigen Ziehung eine große Anzahl Loose aus der Trommel gefallen sind. * Insterburg, 26. October. Der Bert. „Volksztg." wird von hier gemeldet: Das Schwurgericht verurtheilte heute die Gutsknechte Wabulat, Bolz und August, welche in der Nacht zum 27. November 1891 ihren Dienstherrn, Gutsbesitzer Reiner auf Schöneberg, ermordet und demselben etwa 400 Mk. geraubt hatten, s ä m m t l i ch z u m T o d e. Die Mörder waren erst ein Jahr nach Verübung der That entdeckt worden. * Elberfeld, 24. October. Die Choleragefahr hat 1 in manchen Städten Gutes gewirkt. Hier hat sie eine Untersuchung der Brunnen herbeigesührt, wobei sich haarsträubende Resultate ergeben haben. Von 66 Brunnen sind 56 geschloffen worden, weil ihr Wasser in höchstem Grade gesundheitsschädlich wirkt; nur zehn hat man als einigermaßen genügend bestehen lassen, obwohl auch diese den bescheidensten Anforderungen kaum entsprechen. * Zeitgemäße Annonce. Ein Buchhalter, welcher practische Erfahrung im Ausgleichen bei Insolvenzen besitzt, sucht entsprechendes Engagement. ArtSMg aus den Standesnnrtsregistern der Stadt Giebeir. _ x t _ Aufgebote. October: 22. Georg Christ, Htlssbremser beider Main-Weser - Anna Christine Caroline Bonn dahte' 26. Heinrich Roß, Fuhrknecht dahier, mit Marte Katharine RooS dahier. 28. Carl Marie Paul Stier, Kaufmann dahier, mit Georgine Henriette Bruck dahier. 28. Wilhelm Sttllger von Villmar, Stetn- ^uer dahier, mit Christiane Becker von Schlitz. 28. Hermann Henrich Elser Sergeant und Regiments-Tambour dahier, mit Emma Henriette Elisabeth Trankner hierselbft. 28. Gustav Christian ftriebri* Klein, Metzger dahier, mit Elise Margarethe Steuerns _ . , Sheschlietzrrrrgerr. ™ in. "der: 22 Albert Johannes Wilhelm Georg Ferdinand Deibel, Kaufmann dahier, mit Elisabeth Charlotte Marga rethe Leib von hier. 25. Adolf Hermann Langsdorf, Barbier dahier, mit Johanna Luise Hermine Eise hierselbft. 26 Otto ftriebrirfi Karl Wilhelm Suffa, Hoboist dahier, mit Emma hierselbft.