Nr. 76. Der Ziehen,r Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag«. Die Gießener Pasikien v ttiter werden dem Anzeiger «Schentlich dreimal beigelegt. ErAes Blatt. Mittwoch den 30. März Giekmer Henerat-Mnzeiger. 1892 Vierteljähriger AdonnementspreiKr 2 Mark 20 Pfg. mit Bcingerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: KchutSrahe Ar.7. Fernsprecher 51. Aintr- und AnzeiAeblatt für den Aiveis Gieften. Hratisbeikage: Hießener Kamitienölätter. Ernst Ludwig. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr. Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Darmstadt, den 27. März 1892. An den Staatsminister Finger. Allerhöchster AanKertah. «via. hC« n,eI$er durch die so frühe und plötzliche Abberufung Meines inniggeliebtcn Herrn Vaters. Seiner Königlichen Hoheit des Großherzoas Ludwig IV., fnr?n 9^90se,r*aUVc r?e" Don ^c,nem 9ctreuel1 ®oIt -uftichtig gctheilt worden. Die Dankbarkeit, Verehrung und Liebe, welche der Hohe Entschlafene wahrend seines allzu- kurzcn Lebens sich insbesondere als Truppensührer ,n schwerer Zeit blutiger Kämpfe und später während seiner reichgcsegneten Regierung allenthalben erworben hat, haben bewirkt, ß sein ganzes Volk schmerzerfüllt nach seiner Bahre blickte. Zahlreiche Zuschriften und Telegramme, Kundgebungen verschiedenster Art von Gemeinden, Körperschaften und Vereinen, sondere den Kriegervereineu sowie von Einzelpersonen aus allen Stünden gaben Zeugniß von ausrichtigcr Trauer um Meinen Hochseligen Herrn Vater und von warmer Theil- > hmc sur Jud) und die Prinzessinnen, Meine Schwestern. Prachtvolle Blumen und Kränze wurden als Zeichen treuen Gedenkens an der Bahre des Verewigten niederqelcgt. Und ÖU8 d°r engeren Heimath, sondern aus ganz Deutschland und weit über dessen Grenzen hinaus, ja aus fernen Welttheilen haben getreue Hessen und solche, die dem Hohen Entschlafenen im Leben naher traten, von ihrer Trauer um seinen Hintritt Kunde gesandt. SR,rphr„„?Cn,n.rlttoa4'tmk@t«bC Mitglieder Meines Hauses herben Schmerz um den erlittenen schweren Verlust zu lindern, so ist es die treue und herzliche o h L .9'.. C 11 dem Verewigten über Tod und Grab hinaus folgen scheu. Tiefbewegt sage Ich darum allen, welche in diesen Tagen schwerer Heimsuchung an Unserem Leid Anthc-l genommen, innigsten Dank und bitte Gott von ganzem Herzen, daß Mir beschieden sein möge. Mein geliebtes Volk auf den unter Steines Hochseligen Herrn Vaters •ncgierung eingehalteneu Wegen in stetiger und gesegneter Entwickelung weiterzusühren. Ich ersuche Sie, diesen Erlaß zu veröffentlichen. Allgemeine Bestimmungen der wroßherzoglichcn Landescreditkaffe bei Darlehen an Landwirthe. Die Landescreditkaffe gibt Landtvirthcn Darlehen unter folgenden Bedingungen: I. Das Geld muß zur Verwendung für tandwirth- schaftliche Zwecke bestimmt sein, also für Verbefferung und Erweiterung des landwirthschaftlichen Betriebs, insbesondere durch Grunderwerb, Bauten, Anschaffung von Inventar und Vieh, aber auch behufs Abtragung von Schulden, insbesondere von Hnpothek- und Kausschillingsschulden, Erbherauszahlungen u. bergt. 2 Der Anleiher muß hypothekarische Sicherheit bieten und zwar mindestens doppelte. Hofraithen werden nicht zur Hälfte, sondern nur geringer beließen; mit wie viel? bleibt der Entscheidung jedes einzelnen Falls anheimgestellt. Grundlage ist zunächst die Schätzung des Orts- gerichts (Starkenburg und Oberheffen) ober des Bürgermeisters (Rheinhessen) bezw. bei Hofraithen der Ansatz im Brandkataster. Die VerwalungScommission behält sich für jeden Fall auf Grund der ihr sonst zu Gebote stehenden Mittel vor, diese Ansätze selbstständig zu prüfen und die betr. Anträge unter Umständen abzulehnen. Es empfiehlt sich deshalb, da, wo der Anleiher noch mehr Liegenschaften besitzt, von vornherein nicht zu wenig Unterpfänder anzubieten. 3. Die Hypotheke muß eine erste fein. Wenn also auf den angebotenen Unterpfändern nock ältere Hypotheken, Kaufschillinge oder Erbgelder haften, so sind diese (etwa aus dem neuen Anlehen) abzutragen, ober die Gläubiger müssen gegenüber der Landescreditkaffe zurücktreten. Gleichen Verzichts gegenüber der Kaffe bedarf es bezüglich etwaiger Auszug-, Einsitz- und bergt. Rechte. 4. Die Schuld- und Pfandverschreibungen sind nach von uns aufgestelltem Formular in Starkenburg und Oberhessen von den Amtsgerichten, in Rheinhessen von den Notaren ordnungsmäßig zu errichten. Die Kosten trägt der Anleiher. 5. Der Zinsfuß ist bis auf Weiteres 4 Procent. Die hinzutretende jährliche Tilgung darf nicht weniger als 1 Procent der ursprünglichen Darlehnssumme betragen. Es sind also jährlich zusammen 5 Procent Zins und Tilgung zu bezahlen. Die durch die allmähliche Herabminderung des Cchuldcapitals ersparten Zinsen haben gleichfalls zur Tilgung zu dienen. Bei solcher Leistung wird die ganze Schuld im Jahre getilgt. Die Jahresleistung wird in zwei Zielen. 1* J^pril und 1. October gezahlt und am Schluß des betr. Rechnungsjahres (Ende März) in einer einzigen Summe gutgeschrieben. Die Zahlungen sind (in baarem Geld) an die Districts- einnehmerei des Wohnorts des Schuldners zu leisten. 6. Die Darlehen sind, falls der Schuldner seine Ver- pflichtungen erfüllt, seitens der Kasse unkündbar; sie müßen zu dem vereinbarten Zinsfuß, der dann unabänderlich rst, verzinst und getilgt werden. Doch können die Anleiher außerordentliche Capitalrückzahlungen jederzeit, nach 3monatlicher Kündigung auf den 1. April oder 1. October vornehmen. 7. Verwaltungsgebühr ist nicht zu entrichten. Ebensowenig ist bei den Darlehensgesuchen Stempel anzuwenden. Letztere werden, zur Beschleunigung des Geschäftsgangs, am besten an die betr. Großh. Bürgermeistereien gerichtet, welche hierfür Formulare besitzen oder solche von uns auf Rach- suchen erhalten. Den Gesuchen ist Grundbuchsauszug der anzubietenden Unterpfänder mit Taxation (bezüglich der Hofraithen auch Brandkatasterauszug), und in Starkenburg^und Oberheffen zugleich die ortsgerichtliche Fragebeantwortung anzufügen. Die Bürgermeistereien haben die Gesuche sodann mit ausführlichem Gutachten zu versehen und portofrei an uns einzusenden. 8. Wegen der richtigen Verwendung des Geldes zu den von ihm bei seinem Gesuch angegebenen Zwecken hat sich der Anleiher demnächst bei der Großh. Bürgermeisterei auszuweisen und diese hierüber an uns Mittheilung zu machen. Wenn der Anleiher das Darlehen nicht zu Zwecken verwendet, welche den oben unter 1. angegebenen Zwecken entsprechen, kann die Kaffe sofort Lur Kündigung des ganzen Darlehens schreiten. 9. Die Geschästsstube der Landescreditkaffe ist in den Räumen der Großh. Hauptstaatskaffe dahier Neckarstraße Nr. 13. Darmstadt, den 16. März 1892. Großh. Verwaltungscommission der Landes-Ereditkaffe. Buchner. Lindeck. Muhl. teurer 205. Plenarsitzung. Montag den 28. März, 12 Uhr. Aus der Tages-Ordnung steht zunächst erste Lesung des Nachtragsetats (strategische Eisenbahnen). Abg. Dr. Hammacher (natl.) bedauert die spate Einbringung des Nachtragsetats. ES handle sich um eine hohe Summe, 32 Millionen; eine gründliche Prüfung sei erforderlich, weshalb er Verweisung an die Budget-Commission beantrage. Abg. Hahn (cons.) schließt sich dem an. Werde die Notwendigkeit der Forderung, woran er nicht zweifle, im Interesse der Verthetdtgung des Vaterlandes nachgewiesen, so werden seine politischen Freunde selbstverständlich dafür stimmen. Abg. v. Kardorff (Rp.) gibt Namens seiner Freunde die gleiche Erklärung ab. Krtegsminister v. Kaltenborn-Stachau sagt eingehende Begründung der Vorlage in der Commission zu. Abg. Ortner (Ctr.) ist mit der Verweisung an die Commission einverstanden, spricht aber seine Verwunderung darüber aus, daß die Vorlage eingebracht werde in einem Momente, wo die Verhandlungen darüber mit dm bethetltgten Regierungen noch nicht abgeschlossen sind. Staattzsecretär Dr. v. Boetttcher: Es sei selbstverständlich, daß der Nachweis für die Nothwendigkcit der Forderung nur in engerem Kreise geführt werdm kann. Eine Verschiebung der Vorlage bis zum Herbst sei nicht angängig gewesen; die schwebenden Verhandlungen gingen übrigens ihrem Abschluß entgegen. Abg. Hinze (dfr.) erklärt, ohne sich damit präjusticiren zu wollen, daß er, soweit er die Sachlage prüfen konnte, schon jetzt die militärischen Gründe der Vorlage anerkenne. Die Vorlage geht an die Budgetcommission. Darauf wird die dritte Berathung des ReichshaushaltS- etats fortgesetzt.* Beim Etat des Auswärtigen Amtes erklärt StaatSsecretär v. Marschall auf eine Anfrage deS Abg. v. Marquardsen (natl.), daß leider eine große Anzahl kleiner und mittlerer Capt'alisten, be- onders aus Süd- und Mitteldeutschland, ihre Ersparnisse in portugiesischer Anleihe angelegt hätten. Aufgabe des auswärtigen Amte« sei es, die deutschen Delegirten in dem Gläubiger-Ausschuß nach Kräften zu unterstützen. Die portugiesische Regierung sei offenbar von dem besten Willen beseelt, ihren Verpflichtungen gerecht zu werden, andererseits seien aber auch nicht die Schwierigkeiten zu verkennen, die ihr hier entgegenstehen. Er hoffe indeß auf einen gütlichen Ausgleich. Dem deutschen Capital könne nur angerathen werden, sich sorgfältig zu informiren, bevor es sich im Auslande engagire. Abg. Gras Kanttz (cons) würde es bedauern, wenn die Regierung die durch die Handelsverträge mit Oesterreich, Italien rc. I festgesetzten Vergünstigungen anderen Landern ohne entsprechende Gegenleistungen gewähren würde. StaatSsecretär Frhr. v. Marschall erklärt diese Befürchtung für unbegründet. Auch Amerika habe Concessionen gemacht. Abg. Graf Kan ih bestreitet letzteres. Es sei Seitens der Vereinigten Staaten Alles beim Alten geblieben. StaatSsecretär Frhr. v. Maltzahn-Gültz thetlt mit, daß in dem neuen Verzeichnttz der meistbegünstigten Länder von europäischen Ländern Rumänien und Portugal fehlten; Spanien sei nur mit Rücksicht auf das laufende provisorische Abkommen vorläufig ausgenommen. Abg Dr. Barth (dfr.): Man sollte sich hüten, die Frage der Meistbegünstigung der Vereinigten Staaten von Amerika hier auszuwerfen, denn damit gebe man den extremen Schutzzöllnern der Vereinigten Staaten eine erwünschte Handhabe, um wettere Absperrungen zum Schaden der deutschen Industrie durchzusetzen. Redner wendet sich ferner gegen Differentialzölle. Abg. Möller (natl.) hält eS auch für geboten, die Vereinigten Staaten im Interesse unserer Ausfuhr zu schonen. Abg. v. Kardorff (Rp.) ist im Gegentheil der Meinung, daß Deutschland den Vereinigten Staaten gegenüber viel zu nachgiebig war. Nach der Aushebung des Verbots der Einfuhr amerikanischen Schweinefleisches habe Deutschland die Zulassung des deutschen Zuckers, ohne wetlere Concession zu gewähren, fordern können. Abg. Graf Kanttz: Mit den Grundsätzen Dr. Barths würden wir überhaupt keine Concessionen erreichen. In Frankreich, daS doch dieselben Interessen am Export nach Amerika habe, alS wir, nehme man einen andern Standpunkt ein. Gerade das Interesse der deutschen Industrie, welches Abg. Möller gefördert wissen wolle, erfordere, daß wir mit Zugeständntssen an andere Länder vorsichtig sind. Staatssecretär Frhr. v. Marschall bemerkte, daß die deutsche Regierung der Bereinigten Staaten gegenüber genau so verfahren sei wie die französische. Abg. Dr. Brömel (dfr.) polemisirt gegen den Abg. Grasen Kanttz. . Abg- Ur- Barth (dfr.): Es widerstreite dem Interesse der deutschen Industrie, das amerikanische Hochschutzzöllnerthum zu unterstützen. Mit einer solchen Unterstützung beeinflusse man die amerikanische Plasidentschaitswahl. Man sollte sich hüten, einen 8ollkrtea mit Amerika zu prooociren. Abgg. Graf Kanitz und v. Kardorff weisen die Absicht zurück, einen Zollkrieg mit Amerika prooociren zu wollen; sie wünschten nur, daß das deutsche Handels- und ProductionSmteresse Seitens des Reichs mit größerer Entschiedenheit und Konsequenz vertreten werde. Auf eine Anfrage des Abg. Jebsen (natl.) erwidert Staats- fecretar v. Marschall, daß für daS während des chilenischen Auf- standeS bei Valparaiso zurückgehaltene Schiff aus Billigkeitsr ircksichten Entschädigung beansprucht werden könne. Auf eine bezügliche An- forverung an die chilenische Regierung sei die Antwort noch nicht zurück. B.im Colontaletat erklärt Director Dr. Kayser, daß der Eingangszoll auf Branntwein in den Schutzgebieten ganz bedeutend erhöbt woiden sei. Zum Etat des Innern beantragt Abg. v. Meyer-ArnSwalde, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, im nächsten Etat als ordentliche Ausgabe mtt einer den vorhandenen Mitteln entsprechenden Summe etnzuschaltcn: „zu Bewilligungen für Stipendien und Unterstützungen für talentvolle junge Künstler, sowie zur Förderung der monumentalen Malerei und Plastik in Deutschland'. Staatssecretär Dr. v. Boetttcher steht dem Anträge zwar sympathisch gegenüber, kann denselben aber nicht zur Annahme empfehlen, da es einerseits fraglich sei, ob das Reich für solche Zwecke überhaupt engagirt werden dürfe, und andererseits mit Rücksicht auf die Finanzlage. Abg. Orterer (Ctr.) erklärt sich unter Hinweis darauf waS bisher aus diesem Gebiete von den Etnzelstaaten geleistet worden, gegen den Antrag n Meyer. Königl. bayrischer Bundesbevollmächtigter Graf Lerchenfeld erklärt, daß die bayrische Regierung den vom Staatssecretär Dr v. Boetttcher ausgesprochenen Standpunkt efnnebme. Sie meine, daß das Interesse der Kunst durch die Etnzelstaaten bester gefordert werden könne, alS durch daS Reich. Abg. Dr. Krause (dfr ) spricht sich gleichfalls gegen den Antrag v. Meyer aus. DaS Retch habe nicht die erforderlichen Organe zur Pflege der Kunst. 8 Abg. Dr. Bamberger (dfr.) hat kein ästhetisches Vertrauen zur Regierung und stimmt schon deshalb gegen den Antrag. der Einwohnerschaft ist eine all- Cocalcs unö provinzielles *e 70 60 64 60 54 64 70 60 58 70 64 Sämmtliche verdächtige 6ul» wurden durch die Polizei aus Gießen, 29. März 1892. im Saale des Cafe Leib von 6-9 5-7 5-8 6-9 6-7 75 70 69 68 62 64 — Der gestrige (erste) Herrn G. Dähne gehaltene — Verkaufte t den Fruchtmärkten zu 76 72 76 76 74 Städte nut Octrot Darmstadt Mainz Offenbach Worms Gießen Städte ohne Octrot Bingen Bensheim Alzey Friedberg Alsfeld Lauterback gemeine. Bukarest, 28. März, garische Emigranten Rumänien ausgewiesen. 7-8 7-8 7-8 6 6 6 sinnigen, unterstützter Antrag Rauchhaupt, nachdem sich auch Finanzmimster Miquel dafür ausgesprochen, angenommen. Rach diesem Antrag wird die Regierungsvorlage abgelehnt, die Beschlagnahme des Welfenfonds ausgehoben und erklärt, daß der Finanzminister mit der Ausführung betraut ist. Berlin, 29. März. Der Ausschuß des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen beschloß, die Gi ltigkeitsdauer zusammenstellbarer Fahrscheinhefte unter Fortlassung der unzweckmäßigen Abstufungen allgemein auf neunzig Tage sestzusetzen. Stuttgart, 28. März. Die heute stattgehabte Versammlung von Besitzern portugiesischer Werthe beantragte, bessere Bedingungen, vermehrte Garantie und Verwendung der Kteisregterung für die Angelegenheit zu veranlassen. Prag, 29. März. Anläßlich der Comenius-Feier fanden gestern Abend in vielen Stadttheilen Demonstrationen und große Ausschreitungen statt. Eine vielhundertköpfige Menge durchzog bei Anbruch der Dunkelheit, Hetzlieder brüllend, johlend und pfeifend, die frequentesten Straßen. Von der Polizei zerstreut, sammelten sich die Tumultanten wieder in den nächsten Straßen. Verschiedene Verhaftungen wurden vorgenommen. Neueste Nachrichten. Wolff« telegraphisches Lorrespondenz-Bureail Berlin, 28. März. In parlamentarischen Kreisen verlautete heute, Minister v. Bötticher werde von seinem Posten im Ministerium und im Reichsamt des Innern zurücktreten und das Oberpräsidium der Provinz Hessen-Nassau übernehmen. Zum Ministervicepräsidenten sei Miquel desig- nirt, den der Kaiser gestern empfangen hat. Authentisches ist darüber bisher nicht bekannt. Ein weiteres, durchaus nicht verbürgtes Gerücht verzeichnet die „Nationalzeitung", Minister v. Heyden werde zurücktreten und Ministerpräsident Eulenburg die Landwirthschaft übernehmen. Hamburg, 28. März. Die socialdemokratischen Vereine der drei Hamburger Wahlkreise veranstalten am 1. Mai eine Demonstration zu Gunsten des achtstündigen Arbeits- tages. Das Programm enthält Festzug, Feier mit Rede, Concert und Volksfest. Atherfield, 28. März. Der Versuch, die „Eider" wieder flott zu machen, ist bisher nur theilweise geglückt. Die Fluth war viel niedriger als man erwartete. Die Bngsir- dampser konnten die „Eider" nur um ungefähr 20 Fuß sort- bewegen. Ein weiterer Versuch wird heute Abend gemacht werden. Paris, 28. März. Die große Beunruhigung der Bevölkerung durch die letzten Explosionen findet ihren Ausdruck in den Blättern, welche durchweg constatiren, daß die Situation eine sehr ernste sei. Viele tadeln die Regierung und die Polizei wegen mangels einer energischen und ziel- bewußten Action. Das „Journal desDebats" verlangt vor Allem die entschiedene Unterdrückung der anarchistischen Propaganda, welche nicht genug überwacht sei. Die Organe der Conservativen greisen das Ministerium aufs Heftigste an, welches gegen arme Priester die Strenge des Gesetzes handhabe, die Elemente der Unordnung jedoch ermuthige. Andere Journale sprechen Befürchtungen aus wegen des 1. Mai und hegen die Besorgniß, die Einschüchterungen Seitens der Anarchisten könnten den beabsichtigten Erfolg haben- mehrere Hausbesitzer hätten bereits dem Rtchterstande angehörigen Miethspartien gekündigt unter Hinweis aus die jüngsten Attentate. Eine Anzahl Deputirten beabsichtigt, einen Antrag einzubringen, wonach der Staat für die durch solche Explosionen verursachten materiellen Schäden aufzukommen habe. Paris, 28. März. Die Behörden und Ingenieure durchsuchen gegenwärtig die Trümmer des Hauses in der Rue Clichy. Es wurden kleine Stahlsplitter gefunden - Arbeiter stützen das Haus. Die Municipalräthe sind über ! bte Häufigkeit der Verbrechen ungemein erregt, sie werden ! heute den Polizeipräsecten in der Magistratssi'tzung befragen. I Man glaubt, daß energische Maßregeln unmittelbar bevorstehen. — Die Polizei verhaftete in Satnt Denis zwei Anarchisten. San Francisco, 28. März. Nach Meldungen aus Shanghai sind während des letzten Ausstandes in der Mongolei fast 8000 Insurgenten mit dem Schwerte | gelobtet und 500 lebendig verbrannt worden. Im Chienchang Gebiete fielen 1300 kaiserliche Truppen jn die Hände der Rebellen, welche 800 niedermetzelten und die übrigen verbrannten. Depeschen des „Bureau Herold-. Berlin, 28. März. Wie verlautet, werden Mittwoch die beglaubigten Botschafter beim Kaiser zum Mittagsmahl vereint sein. Berlin, 28. März. Der General der Infanterie, Constantin von Alvensleben, der frühere Commandeur des dritten Armeecorps, ist heute früh tm 83. Lebensjahre gestorben. Berlin, 28. März. Die Budgetcommision des Reichstags nahm den Nachtragsetat, betr. die strategischen Bahnen, an. Berlin, 28. März. Welsenfondscommission. Der Antrag Richter, die Regierung zu ersuchen, die Abmachungen mit dem Herzog v. Cumberland vorzulegen, wird abgelehnt, dagegen ein von allen Parteien, außer der srei- entlassen. Paris, 28. März. — Lebensmittel-Preise Ende Februar 1892. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landesstatistik kosteten i . Experimental-Vortrag auf dem Gebiete der Electncttät und Optik brachte eine stattliche Reihe hier noch nicht gesehener, deshalb um so interessanterer und glänzend gelungener Experimente. Nachdem Herr Dähne den electrischen Strom in seinen Wärme- und Lichtwirkungen, das Glühen und Schmelzen von Metalldrähten, den Versuch mit der Platinsilberkette zum Beweise des verschiedenen Leitungsvermögens der Metalle vorgesührt, ging er zu der ungemein interessanten Darstellung des electrischen Bogenlichtes über, woraus sich mit überraschender Deutlichkeit das Verhalten der Kohlenspitze und die Umgestaltung ihrer Form beim Stromwechsel erkennen ließ. Besonders prächtig war die Wirkung des Versuchs, durch welchen die Polarisation des Lichtes anschaulich gemacht wurde. Durch die chromatische Polarisation wurde eine Anzahl von Mineralien im polari- sirten Lichte in farbenprächtigsten Bildern dargestellt. Neu und überraschend war auch der Versuch, die Polarisation durch kleine Partikel anschaulich zu mache», indem eine mit Hellern Licht erfüllte Röhre ein dunkles Spiegelbild giebt und das Spiegelbild einer mit farbigem Licht erfüllten Röhre in einer anderen Farbe erscheint. Den Schluß bildete die sehr beifällig aufgenommene Totalreflexion electrischen Lichtes innerhalb eines gebogenen, mehrere Meter langen, in verschiedenen Farben dargestellten Wasserstrahls - dieser Wasserstrahl glich ausfließendem Metall. Da Herr Dähne es vorzüglich versteht, das Vorgeführre auch dem weniger in das sich täg- lich erweiternde Gebiet der Electricität Eingeweihten verständlich zu machen, so ist es erklärlich, daß er in seinen Experimenten eine Fülle des Unterhaltenden und Belehrenden und dabei Schönen bot. Nach dem, was uns gestern Abend geboten wurde, können wir nicht umhin, unsere Leser auf den heute Abend stattfindenden zweiten Vortrag des Herrn Dähne aufmerksam zu machen. Triest, 28. März. Die Finanzwache verhaftete vier mit einem Lloyddampfer angekommene Personen, welche Dynamit bei sich hatten. Zwei wurden später wieder Die Kammer nahm den Gesetzentwurf des Justizministers, welcher die Dynamitattentate den Brandstiftungen gleichstellt, ohne Debatte an. — In den Abflußröhren bei Nogent wurden vier Cartouchen ausgesunden. Die Aufregung Auf w Alsfeld, Grünberg und Lauterbach wurden im Jahre 1891 verkauft 3248 Doppelcentner Weizen zum Durchschnittspreise von Mk. 23.80 per Doppelcentner, avL49 ®°WeIccntner Korn zum Durchschnittspreise von Mk. 23.55, 1042 Doppelcentner Gerste zu Mk. 17.60 3186 Doppelcentner Hafer zu Mk. 15.23. Der größte Theil oCinn r^tqUQnlum§ n,uri)c i" Grünberg verkauft, nämlich Doppelcentner Weizen, 1117 Doppelcentner Korn, 933 Doppelcentner Gerste und 2608 Doppelcentner Hafer. X. Utphe, 26. März. Bei der heute stattgefundenen Bürgermelsterwahl wurde der seitherige Beigeordnete Der Antrag v. Meyer wird abgelehnt. , Au« eine Aniragc des Abg. v. Hülst (natl.) erwidert Staats- fecretfir Dr. v. Börtlicher, daß die bestehenden gesetzlichen Be- sttmmungen zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche (Anzeige- Pflicht, Gehöft- und OrtSsperre) auSreichen dürften. Die Sperrung ganzer Gegenden sei nicht durchführbar. Abg. Thomsen (dfr.) plädtrt für die Zulassung von Sperren, welche ganze Landestherle umfassen. Staatssecretär Dr. v. Boetttcher vertheidtgt die Regierung gegen den vom Vorredner geäußerten Vorwurf, daß sie kein Jntereffe kur die Landwirthschaft Schleswig-Holsteins habe. Die Regierung habe Alles aufgeboten, um die Beseitigung des englischen Einfuhrverbots für Vieh zu erwirken und um neue Absatzgebiete zu verschaffen. Aba. Dr. Kardorff (Rp.) hält eine Verschärfung des Viehseuchengesetzes für geboten, namentlich liege die Gefahr der Seucheneinschleppung aus Rußland in hohem Maße vor. StaatSsecretär v. Bötticher: Aus Rußland dürfe nur Vieh zur Eisenbahn über die Grenze kommen und zwar nach bestimmten Stationen und unter gewissen Bedingungen. Werden die bestehenden Vorschriften nicht gewissenhaft auSgeführt, so müsse die Controle besser werden; die gesetzlichen Bestimmungen bedürfen deshalb keiner Aenderung. Abg. Graf Holstein (cons.) wünscht eine einheitliche Controle auf dem Hamburger Viehhofe. Nachdem sich noch wiederholt die Vorgenannten sowie Abgeordneter Wisser (wild) und Frhr. v. Pfetten an der DiScussion be- theiligt, wird der Gegenstand verlassen. Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Bamberger (frf.) erwidert Staatssecretär v. Bötticher, daß sich ein sicheres Facit über den Nutzm der ostafrikanischen Dampferlinie noch nicht aufstellen laste. Abg. Wisser (wild) bemängelt die Agrarstatistik. Abg. Baumbach (Rp.) weist auf die Unzulänglichkeit der Besoldungsverhältnisse an der physikalisch-technischen Reichsanstalt hin. Abg. Dr. Lieber (Ctr.) spricht seine Genugthuung darüber , aus, daß an der Limes-Forschung alle dazu Berufenen, vor Allen I auch Oberst v. Cohausen, betheiligt würden. Damit ist der Etat deS Innern erledigt. Der Mllitäretat wird debattelos angenommen. Nächste Sitzung morgen 12 Uhr: Etat, Nachtragsetat, Gesetz betreffend den Belagerungszustand für Elsatz-Lothringen, Weingesetz. 70 66 66 16 14 5 90-100 17 70 70 65 16 15 95-103 19 70 70 70 17 15 104-114 21 66 64 68 14,5 14 91-105 16 60 67 65 14,5 14 85-94 17 60 70 75 15 14,5 93-115 19 60 60 60 16 14 90-100 17 70 70 70 18,5 14 84-87 17 60 60 60 15,5 15 90-100 16 55 56 — 17,5 15 95-100 14 56 60 56 18 14 100 14 Fruch tqua lttitäl en m Jahre 1891. Herr August Schneider zum Bürgermkister unserer Gemeinde erwählt. Die Wahl dieses überaus tüchtigen Mannes an die Spitze unserer Gemeinde kann man nur als eine glückliche bezeichnen. Hungen, 27. März. Die Influenza tritt auch ^er und in unserer Umgegend heftig auf und sind zuweilen ganze Familien davon betroffen. x Hainbach, 28. März. Der langjährige Rechner des hiesigen Consumvereins, I. Kaspar, legte kürzlich aus Gesundheitsrücksichten dieses Amt nieder. Die Mitglieder des Consumverems überreichten ihm in Anerkennung seiner mit Eifer und Treue geleisteten Dienste einen schönen Sessel. vermischtes * Wetzlar, 26. März. In Anbetracht des erheblichen Steuer-Mehrertrages, welcher durch die Seldsteinschätzung in hiesiger Stadt hervorgebracht wird, haben die Stadverordneten beschlossen, die communalen Zuschläge zur Staatseinkommensteuer für die mit dem 1. April beginnende Steuerperiode auf 100% sestzusetzen. Bisher haben dieselben 130% betragen. * Einer menschenfreundlichen Thatigkeit widmet sich der Mann, der im „Stettiner Generalanzeiger" verheißt: „Hühner- äugen werden sorgfältig reparirt. Aschgeberstraße 9, im Friseurgeschäst." * Antwerpen, 24. März. Gestern traf Hierselbst von England mit dem Dampfer „Colchester" ein Mädchen ein, welches eines Größe von nicht weniger als zwei Meter und 35 Gentimeter hat. Dasselbe ist eine Russin und erst 15% Jahre alt. Wie verlautet, soll das phänomenale Geschöpf von einer hiesigen reichen Familie als Kindermädchen engagirt worden sein. Verkehr, Land, nnd Volkswirts,chaf». „ Mir, Marktbericht. Au! bem frutigm «0<6etmiarft kostet-: Sutter pr. ®fb. * 0,90-1,00, Hübnerri.r 2 St.--Enteneier 7- 4, ©infeeter 11 4, Mfe pr St. 5-8 4, »Ifematte pr. St. 8 4. Zinsen pr. Liter 30 4, Tauben pr. Paar ** 9'SH'W, Hühner pr. Stück x 0,85-110, Hahnen pr. St * !/AO-2,0O Enten pr. St. X 1,50-1,80, Ochsenfleisch pr. Dfd 70—Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 62-66 H, Schweinefleisch E' «^0^0 «.^'Kalbfleisch pr. Pfd. 54—60 Hammelfleisch pr. Pfd. 60 - 70 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 7,50—8,00 X, Wettz- fraui pr. St. 4—10 H, Zwiebeln pr. Centner 10,00—11,00 X, Milch PT. Liter 12-18 H. Wetzlar,26. März. Die nachbezeichneten Kram-und Viehmärkte sind wie folgt verlegt worden: Stadt Braunfels: Montag nach Palmsonntag auf den ersten Dienstag nach Palmsonntag. Montag vor Pfingsten auf den letzten Dienstag vor Pfingsten. Montag nach Gallus auf den ersten Dienstag nach Gallus. Zweiten Montag nach Petri auf den vorletzten Dienstag vor Bartholomäus. Ehringshausen: Montag nach Reminiscere auf den erste» Donnerstag im April. Erster Montag im Juli auf den ersten Donnerstag im Juli. Zweiter Montag irn September auf den ersten Donnerstag tm September. Hohensolms: Viehmarkt am vierten Montag nach Bartholomaus auf den vierten Dienstag nach Bartho- Pfungstadt, 23. März. Im Diehl'schen Saale hielt am letzten Sonntag vor einer großen Zahl von Interessenten Herr Commerzienrath Ulrich einen Vortrag über Ziegenzucht. Im ersten Theile der Ausführungen wurde der volkswirthschaftliche Werth der Ziegen, dann der derzeitige Stand der Ziegenzucht und schließlich die Frage der Hebung der Zucht des näheren behandelt. Das Wesen! liche in volkswinhschaftlicher Beziehung ist - so wurde u. a. erwähnt — daß der Arbeiter mit einem kleinen Capital sich eine Ziege anschaffen kann und daß er daraus nicht nur einen guten Theil des Unterhalts seiner Familie bestreiten, sondern daß er noch seine VermögenS- verhältnisse verbessern kann. Nach dem vom Redner mitgetheilten statistischen Material find in Deutschland vorhanden 2639994 Liegen 3Vi Millionen Pferde, 1 öVs Millionen Stück Rindvieh und 19 Millionen Schafe. Hiernach sind beinahe so viel Z'egen in Deutschland vorhanden als Pferde und erhellt daraus, welche Bedeutung die Ziegenzucht bei Bemtheilung des Nationalvermögens hat. — Die Ziegenzucht läßt z. Z. noch Vieles zu wünschen übrig. Neben der guten Haltung der Ziegen kommt insbesondere in Betracht die Wahl der Ziegenrassen. Wie beim Rindvieh finden sich auch hier die besten Rassen in der Schweiz. Herr Ulrich hat auf eigene Rechnung und Gefahr in der Schweiz 50 echte Ziegen ankaufen lassen, bei denen der Preis sich von 30 bis 55 Fred, p-r Stück in der Schweiz stellt- rechnet man die Transportkosten dazu, so kommt eine Ziege immer hin auf 34 bis 54 Mark. Die Ziegen werden im Laufe der nächsten Woche hier eintreffen und alsdann zur Versteigerung kommen. Herr Ulrich bat, um dre Sache weiter zu fördern, bereits ein Statut für einen Verein zur Hebung der Ziegenzucht entworfen. ES haben sich auf erhaltene Aufforderung sofort 29 Mitglieder hierzu gemeldet und ist somit das Entstehen eines „Ziegenzuchtvereins" für Pfungstadt gesichert. ES ist dies u. W. der erste derartige Verein im Groß- herzogthum Hessen und ist zu wünschen, daß weitere Nachfolgen möchten. D. Ztg Kirchliche Anzeigen i>er evangelischen Gemeinde. 5. Wochenpaffionsandacht am Mittwock den 30. März. Abends 6 Uhr. Pfarrer Dingeldey □oooooooooooooooooooo o oerings Seife mit der Eule auf Schönheit X Haut und des Teints» ligem Preis, nur 40 Pfg per Stück, die beste Seite der Welt. — 223 Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen.