tl 8- tt At H fr !» 6* ir )r 'S fr I i !t )t l y 5. r n d 3 I I Nr. 226 Mitttvoch den 28. September 1892 Gießener Anzeiger Generalanzeiger Tie Gießener A««ikien0tätter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal deigelegu Der #i^ei«r Anzeiger erscheint täglich. mit Ausnahme deZ Montags. Vierteljähriger Aöonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bnngerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaction. Expedition und Druckerei: Kchutstrahe Ar.7. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren. Hratisöeitage: Gießener Kamilieublutter Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den ,.Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, betr. die Räude unter den Schafen zu Alten-Bufeck. Nachdem unter der Schafherde des Schäfers Jost Dechert u Alten-Bufeck die Räude festgestellt ist, haben wir die Sperre »er Herde verfügt; derselben wird durch Großh. Bürger- neifterei Alten-Bufeck ein bestimmter Weidebezirk angewiesen verden, welchen sie nicht überschreiten darf. Ferner haben vir die polizeiliche Beobachtung der Herden des Schäfers Heinrich Muhl und des Konrad Dechert angeordnet, da diese berden der Ansteckung verdächtig erscheinen. Es ist deshalb bis auf Weiteres die Ausführung von Schafen aus der Gemarkung Alten-Bufeck nur zum Zweck ofortiger Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal beson- ers einzuholenden polizeilichen Erlaubnis zulässig. Gießen, den 26. September 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutscher Reich. Berlin, 26. September. Kaiser Wilhelm wird am Ocrober von seinem jetzigen Jagdaufenthalte in Ostpreußen n Marmorpalais bei Potsdam zurückerwartet. Alsdann gc- -nkr der hohe Herr noch einen dreitägigen Jagdausflug nach er Schvrfhaide zu unternehmen, um hierauf nach Weimar ,r Thcilnahme an der Feier der goldenen Hochzeit des Groß- :rz°glichcn Paares zu reisen. Nach Beendigung seines ufenthaltes am weimarischen Hofe begiebt sich der Kaiser rect nach Wien. — Herr v. Vollmar, der Führer der bayrischen ozialdemokraten, befindet sich zur Zeit aus einer Agilations- ise in Süddeutschland, die ihren Zweck, die sozialdemo- atischcn Ideen auch unter der süddeutschen Bevölkerung vglichst zu fördern, anscheinend vollkommen zu erfüllen ,eint. Denn in allen Orten, in welchen Herr Vollmar slang aus seiner Tour rednerisch ausgetreten ist, hat er cht zu läugnende Erfolge bei der großen Masse der Zu- rer davongetragen, wobei berücksichtigt werden muß, daß m häufig sehr redegewandte Gegner entgegentraten. — Mit der zweijährigen Dienstzeit wird bekanntlich beim 4. Garde-Regiment z. F. in Spandau ein Versuch gemacht. Es wurde hierzu das 1. Bataillon ausersehen, welches man zu diesem Zweck lediglich aus Rekruten und solchen Mannschaften zusammensetzte, die ein Jahr Dienstzeit hinter sich hatten. Aus diesem Bataillon sind nun jetzt alle zweijährigen Mannschaften entlassen worden. Bei der Neueinstellung der Rekruten in diesem November wird die gleiche Formation wie im vorigen Herbst durchgeführt, sodaß wieder ein Bataillon genau nach dem Muster der zweijährigen Dienstzeit besteht. Der Kaiser hat sich dies Bataillon im Sommer vorführen lassen und mit dem Ergebniß des Versuches seine Zufriedenheit geäußert. Die jetzt stattgehabte Entlassung sämmtlicher Zweijährigen zeigt, daß die Probe consequent durchgesührt werden soll. Neueste Hacbrtcbta*. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 26. September. Der „Reichsanzeiger" publicirt eine kaiserliche Entscheidung, nach welcher den bei den Regleruno-n beschäftigten Forstassessoren durch die betr. Regierungspräsidenten selbstständige Decernate unter eigener Verantwortlichkeit, analog den Regierungsassessoren, übertragen werden können. Berlin, 26. September. Die heute zusammengetretene Sachverständigen Commission über das V o l ks s e u ch e n g e s e tz soll nach der „Nordd. Allgem. Ztg." zunächst folgende Fragen erörtern: 1) Bezeichnung der Krankheiten, auf welche das Gesetz sich beziehen soll, 2) Ermittelung der Krankheiten, ö) Abwehrmaßnahmen gegen das Ausland, 4) Schutzmaßregeln im Jnlande, 5) Desinfectionsverfahren, 6) Entschädigungs- Pflicht, i) Strafvorschriften und 8) Ausnahmebestimmungen. Vorsitzender der Commission ist der Director im Reichsgesundheitsamt, Köhler. cv„ Berlin, 26. September. Die „Nationalzeitung" meldet: Für die Berathungen der Conferenz über das Volkseuchengesetz ist im Gesundheitsamt eine Vorlage ausgearbeitet worden, welche zunächst die Nothwendigkeit betont, jegen gewisse übertragbare und gemeingefährliche Krankheiten )es Menschen nach einheitlichen Grundsätzen vorzugehen. Als diejenigen Krankheiten, auf welche das Gesetz sich beziehen soll, kommen in Frage: Die asiatische Cholera, das Gelbfieber, orientalische Beulenpest, Flecktyphus, Mcksalltyphus, Darmtyphus, Ruhr, Pocken, Diphtherie, Scharlach, Masern, Keuchhusten. Die Ermittelung soll erfolgen durch die gesetzlich vorgeschriebene Anzeigepflicht, und es wird sich darum handeln, zu erwägen, ob diese Pflicht zur Anzeige nur bei mehreren gleichartigen Krankheitsfällen oder auch bei vereinzelten Fällen vorgcschrieben werden soll. Der folgende Abschnitt der Vorlage beschäftigt sich mit den Abwehrmaßregeln gegen das Ausland und den Schutzmaßregeln im Inland. Wien, 26. September. Der König von Sachsen ist um 83/4 Uhr hier eingetroffen und vom Kaiser empfangen worden. Die beiden Monarchen fuhren nach Schönbrunn. Paris, 26. September. Der „France" zufolge habe Loubet beschlossen, den am Socialisten-Congreß iu Marseille theilnehmcnden deutschen Delegirten Liebknecht wegen seiner gestrigen dort gehaltenen Rede (s. die Depesche des Bureau Herold aus Marseille) auszuweisen. Demgegenüber verlautet aber aus unterrichteten Kreisen, bisher seien noch keine Maßnahmen getroffen. Der Minister erwarte den Wortlaut der Rede und werde dann beschließen. Paris, 25. September. Eine Depesche des Obersten D o d d s an das Marineministerium besagt, daß die Kerntruppen der Dahomeeischen Armee in der Schlacht am 19. ds. Mts. eine vollständige Niederlage erlitten hätten. Sämmtliche gegenwärtig vor Zenu am Uerne con- centrirten Truppen des Obersten Dodds seien im Begriff, den Dahomeern weiter zu folgen. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 27. September. Wie man von gut unterrichteter Sette hört, wird die Regierung bereit sein, die Mißstände in den Bestimmungen der Sonntagsruhe zu berücksichtigen. Das Gesetz bleibt vorläufig ungeändert, dagegen sollen die Ausführungsbeslimmungen soweit wie möglich gemildert und die eingegangenen Beschwerden unter Berücksichtigung der Ortsverhältnisse eingehend geprüft und möglichst berücksichtigt werden. Berlin, 27. September. Der „Kreuzztg." wird aus Wien gemeldet, der deutsche Kaiser werde daselbst erst am 11. October erwartet. Marseille, 26. September. Liebknecht erklärte in einer großen Rede im socialistischen Arbeiter-Congreß, die Nationalitätenfrage exiftire nicht für die Socialdemokraten, welche nur zwei Nationen kennen, die Besitzenden und die Proletarier. Die deutschen und französischen Socialdemokraten Feuilleton. Mein guter Rath. Humoristische Erzählung. Deutsch von Jenny Piorkowska. (Schluß.) Konnte sie ihn schon gekannt haben, als sie noch Schul- dchen war? — Denn aus der Unterhaltung zwischen ihrer -itter und ihrem Zukünftigen, die jeder, der sich die Mühe >m, zuzuhören, mitvernehmen konnte, erfuhr ich, daß gelika mehrere Jahre in einer theueren Pension gewesen r, und ich wußte auch, daß in derlei Instituten weit mehr ' sich geht, als die Philosophie vieler würdiger Mütter träumen läßt, und es that mir leid, wenn ich dachte, ; dieses Mädchen so heimlich-thörichte Dinge trieb, und 1, wenn ich mir Herrn Apollonius Schulze ansah, konnte sie in meinem Innern doch nicht tadeln. An dem Tage, an dem ich Homburg verließ, stand ich iger als gewöhnlich auf, um noch eine ruhige, angenehme unbe in den schönen Gärten zuzubringen. Noch war keiner regelmäßigen Brunnenbesucher wach, und als ich einen nölen Weg einschlug, der nach der Crystallgrotte führte, r ich sicher, dort ungestört verweilen zu können. Plötzlich b ich wie erstarrt stehen. Da, in der Grotte vor mir, Hauptmann Mittelstein mit Angelika Bumpps. Wenn bisher noch im Zweifel über ihre gegenseitigen Beziehungen reien, so waren dieselben jetzt gelöst. Bei meinem Nahen eckten sie heftig zusammen -und Angelika, die erst dunkel- ) geworden war, wurde jetzt leichenblaß und zitterte so lg, oatz :ch fürchtete, sie würde ohnmächtig werden. Ich te mich natürlich sofort zurückziehen, als Hauptmann telstein mich bat, einen Moment zu verweilen. „Gnädige Frau/' sagte er in vornehm höflichem Tone, Tcene, die Sie soeben vor sich gesehen haben, muß en sehr sonderbar erscheinen, und, obwohl ich Ihnen ein „er bm, fühle ich doch, daß ich Ihnen um dieser Dame en und dabet legte er seinen Arm stolz um das zitternde Mädchen „sagen muß, daß dieselbe gestern meine Frau _ Ich fürchte, ich vergaß die matronenhafte Würde, die ich diesem unvorsichtigen Paare gegenüber hätte annehmen sollen, als ich ihnen beiden herzlich die Hand drückte und ihnen alles Glück wünschte. „In wenig Stunden habe ich Homburg verlassen," fugte ich hinzu, „und Sie können sich auf meine Discretion verlassen." * * ♦ Am nächsten Tage saß ich in Frankfurt ruhig in meinem Rimmer und las, während mein Gatte neben mir schrieb als wir durch einen entsetzlichen Lärm auf dem Corridor, der nach unseren Zimmern führte, ausgeschreckt wurden. Rufe, wie „Geld!" - „Mord!" - „Polizei!" mischten sich mit einem Strom heftiger Flüche, und als wir die Thür öffneten, um den Grund dieses Lärmens zu erfahren, bot sich unseren Augen die seltsamste Scene dar. Herr Apollonius Schulze mit wirrem Haar, zerrissenem Rock, ohne Cravatte und seine beliebte Korallennadel sträubte sich, kämpfte und fluchte in den Armen von einem halben Dutzend Kellnern, von denen er sich vergebens loszumachen suchte, wahrend Hauptmann Mittelstein, gemüthlich eine Cigarre raudjenb, in der offenen Thüre stand, durch deren Spalt ich Angelikas blaues Kleid gewahrte. Kaum hatte Herr Apollonius Schulze uns bemerkt, als er einen Satz auf uns zu machen wollte, glücklicher Weise aber zuruckgehalten wurde. „Lassen Sie ihn los," wandte ich mich an die Kellner //damit er sich deutlicher ausdrücken kann." „Mein Herr," Hub der arme Apollonius Schulze an, als er endlich in unserem Zimmer saß und sich den Schweiß von der Stirn gewischt hatte, „ich heiße Schulze und schäme Mich dieses Namens nicht. Mein Vater hatte ein großes Seifengeschäft, aber er machte Bankerott und ich mußte sehen, wie ich mir in der Welt allein sorthalf. Angelikas Vater — er hatte einen bedeutenden Grützwaarenhandel, Bumpps und Compagnie — war ein guter Freund von mir und ich diente ihm fünfzehn Jahre lang treu und rechtschaffen- jetzt toäre ich Theilhaber des Geschäfts, wenn er nicht einen Monat zu früh gestorben wäre. O, mein Herr" — hier fing der arme kleine Mann an, ganz pathetisch auszusehen und mit zitternder Stimme weiterzureden, „wenn Sie nur wüßten, was es heißt, fünfzehn Jahre lang für ein Geschäft zu arbeiten, es verlassen müssen, heißt, mir das Herz aus- reißen — und es bezahlte sich auch so gut — achteinhalb Prozent! Nun, als Herrn Bumpps' Testament geöffnet wurde — ich muß sagen, er hinterließ ein hübsches Sümmchen Geld — da sand sich eine Klausel, in welcher er den Wunsch ausdrückte, ich solle in das Geschäft heirathen und dadurch Teilnehmer werden. Natürlich war ich dazu sehr gern bereit, Angelika ist ein hübsches Mädchen, und dazu das viele Geld- nächste Woche sollte unsere Hochzeit sein. Ich habe die Möbel eingekauft und sie war mir dabei sehr behilflich die schlaue Hexe - und nun hat sie den Hauptmann gehei- rathet und mir alles auf dem Halse gelassen. Das kommt von der Pension — ich habe es immer gesagt- ich muß noch heute nach Berlin und im Geschäft alles ordnen, denn er wird sicher ihr Geld durchbringen und sie dann sitzen lassen. Und es bezahlte sich jetzt gerade so gut — mit achteinhalb Prozent!" Es folgte eine kurze Pause und der arme kleine Mann wischte sich mit einer Energie, die wahrhaft traurig mit anzusehen war, das erhitzte vulgäre Gesicht ab. Zum ersten Male in meinem Leben empfand ich wirklich Mitleid mit Herrn Apollonius Schulze. Sein Herz schien ganz in Gries und Mehl, seiner Heirath, seinem Reis und Nudeln und seiner Braut aufzugehen. Plötzlich kam mir ein guter Gedanke. //Sagten Sie nicht," fragte ich, „daß der Wunsch des verstorbenen Herrn Bumpps nur dahin laute, Sie sollten in das Geschäft heirathen, um Theilhaber zu werden? — Und wie hinterließ er fein Geld?" „Zwanzigtausend Thaler an Frau Bumpps und ebenso viel an Angelika," versetzte er, „das ganze Geld steckt im Geschäft, doch denke ich mir, der Hauptmann wird seinen Theil wohl herausziehen und das Geld verspielen." „Nun," schlug ich vor, „wenn Sie die Tochter nicht bildeten mit den Arbeitern aller Länder ein^ einzige Nation gegenüber den Capitalisten. Die zwischen den Franzosen und Deutschen liegenden Ströme Blutes seien von den Feinden des Proletariats vergossen worden, ohne Zuthun der deutschen Socialdemokraten und bildeten keine Grenze zwischen den Socialdemokraten. „Wir sind Brüder und bleiben internationale Revolutionäre trotz der Bourgeoisie und der Verleumdung, daß wir die revolutionäre Fahne verlassen haben und Chauvinisten geworden sind. Die deutschen und französischen Socialdemokraten bilden mit den Socialdemokraten der übrigen Länder eine einzige große Armee. Wir sind bereit, nachdem wir Bismarck nach 25jährigem Kampfe geschlagen haben, den letzten Blutstropfen für die Sache des Socialismus zu opfern. Hoch lebe die internationale revolutionäre Demokratie." (Endloser Beifall.) Der Congreß bringt Liebknecht eine Ovation; Alles umdrängt ihn, Mehrere umarmen ihn. Der Abgeordnete Ferroul dankt Liebknecht Namens des französischen Proletariats, das mit dem deutschen Proletariat unzerreißbar verbunden sei. Derselbe ruft: Hoch das arbeitende Deutschland. Die Cholera. Die Cholera-Epidemie in Hamburg nimmt in erfreulicher Weise immer weiter ab. Vom Sonntag wurden aus Hamburg bloß noch 81 Erkrankungen und 49 Todesfälle an Cholera gemeldet. Es ist demnach jetzt auch die Zahl der täglichen Cholera-Erkrankungen zum ersten Male seit Wochen unter hundert gesunken. Der Stand der Cholera an den übrigen inficirten Orten Deutschlands gibt zu keinen besonderen Bemerkungen Anlaß. Dagegen wird aus Paris eine Wiederzunahme der Cholera gemeldet,- z. B. kamen am Samstag 33 Cholera-Erkrankungen und 13 Todesfälle vor. Das Zusammenströmen gewaltiger Menschenmassen in Paris anläßlich der Feier des 22. September scheint demnach doch nicht ohne nachtheilige Folgen geblieben zu sein. — Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt vom 24. bis 26. September, Mittags, gemeldete Cholera-Erkrankungs- und Todesfälle: Datum Staat 22./9. 23./9. 24 /9. 25./9. und O r t G G . 1 c G Bezirk G ti tO *G a £ = >5 a o £ IM £ ! eG- u— *> ö ü | <33 <33 Hamburg Preußen Hamburg 199 69 115 56 81i 49 126 47 Schleswig Altona 12 6 9 5 15 6 11 7 Stettin Schillersdorf 3 2 Vereinzelte Erkrankungen: Regierungsbezirk Schleswig: in der Stadt Wandsbeck sowie in drei Orten der Kreise Stormarn und Pinneberg 5 Erkrankungen, 1 Todesfall. Regierungsbezirk Lüneburg: in einem Orte des Kreises Harburg (Land) 2 Erkrankungen. Regierungsbezirk Stade: in Achim, Kreis Achim, 1 Erkrankung, 1 Todesfall. Regierungsbezirk Hannover: in der Stadt Bruchhausen, Landkreis Hoya, 2 Erkrankungen. Regierungsbezirk Aurich: in Wilhelmshaven 1 Erkrankung. Regierungsbezirk Magdeburg: in einem Orte des Kreises Wanzleben 1 Erkrankung, 1 Todesfall. Regierungsbezirk Stettin: in einem Orte des Kreises Randow 1 Todesfall. haben können, warum wollen Sie da die Mutter nicht hei- rathen? Auf diese Weise erfüllen Sie den Wunsch Ihres Freundes ebensogut." „Aus mein Wort, Madame," erwiderte er, „Sie haben recht, und ich glaube fest, ich thue viel besser daran, als wenn ich die hübsche Angelika heirathe. Ich bin Ihnen wirklich sehr verbunden, Madame, für diese gute Idee- ich war heute Morgen in derartiger Aufregung, daß ich gar keinen anderen Gedanken fassen konnte, als so bald wie möglich nach Berlin zurückzukehren." „Wenn ich an Ihrer Stelle wäre," sprach ich, „würde ich mich sofort wieder nach Homburg begeben. Die arme Frau Bumpps wird sich — so ganz allein — recht unglücklich fühlen. Mein Mann übernimmt es gewiß gern, das kleine Mißverständniß zwischen Ihnen und Hauptmann Mittelstem aufzuklären." „Nun, mein Herr," wendete sich Herr Apollonius Schulze an meinen Mann, „wenn Sie wirklich die Güte haben wollen und das thun, so wäre ich Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin sehr verbunden und mm muß ich mich empfehlen, denn mein Motto ist: „Zeit ist Geld". Und wenn Sie einmal nach Berlin kommen, so hoffe ich, daß Sie mich nicht vergessen, — ich wohne . . . straße 37", damit reichte der kleine Mann uns eine große Karte und verabschiedete sich. ♦ A * Wenige Wochen später kam eine große, an mich adressirte Kiste von Berlin. Dieselbe enthielt Grützwaaren aller Art, die Vermählungsanzeige von Herrn und Frau Apollonius Schulze und einen langen Bries von ersterem. In demselben dankte er mir wiederholt für meinen guten Rath, seine Frau, schrieb er, habe gerade das Talent, es einem Manne behaglich zu machen, was ihre Tochter nie gekonnt hätte, kurz, er schien sich im siebenten Himmel zu befinden. Das glückliche Paar verbrachte köstliche Flitterwochen in der sächsischen Schweiz. Angelikas Heirath erwies sich auch besser, als er, Apollonius Schulze, je erwartet hätte. Hauptmann Mittelstem war ein musterhafter Ehemann und seine Frau ließ ihr Geld gern in einem Geschäft, in dem es sich zu achteinhalb Prozent verzinste. Berlin: 2 Erkrankungen. Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin: im Amt Boizenburg 1 Todesfall. Hamburg, 26. September. Die Gesammtzahl der an der Cholera erkrankten Personen beträgt nach amtlicher Meldung bis zum 24. September incl. 17 157, die Zahl der Todesfälle 7339. Hamburg, 26. September. Die Abnahme der Erkrankungen am gestrigen Sonntage bestätigt sich. Gestern war das Gewoge in allen Vergnügungslocalen und in den Promenaden ungewöhnlich lebhaft, die Folgen dürften die morgigen Krankenzahlen nachweisen. Die Brunnenbohrungen schreiten gut fort, einzelne Brunnen sind bereits in Benutzung genommen. Auch mit der Reinigung der Seuchenbrutstellen ist begonnen worden. Die Absperrung Altonas erregt in Hamburg viel böses Blut,- man meint, es sei kein Grund dazu vorhanden, da die Krankheitsfälle in Altona immer noch erheblich sind. Hamburg, 26. September. Der Seuchen stand ist auch heute ein verhältnißmäßig guter- bis 4 Uhr Nachmittags sind 45 Erkrankte und 8 Todte polizeilich trans- portirt. Die Aerzte melden, das Auftreten der Krankheit sei in letzter Zeit weniger acut, dagegen mehr schleichend, die Heilung aber aussichtsvoller. Hamburg, 26. September. Gestern Abend hatten sich an der Hamburg-Altonaer Grenze bedeutende Menschenmassen angesammelt, welche eine abermalige besondere Absperrung erwarteten. Die Polizei schritt ein und nahm verschiedene Verhaftungen vor. Cocolc» und provinzielles. Gießen, 27. September 1892. — Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen am 26. September. Unter Vorsitz der Großh. Landgerichtsraths Jung wurden heute die Schwurgerichtssitzungen für das 3. Quartal 1892 eröffnet. Zur Verhandlung kam die Strafsache gegen Heinrich Noll von Altenburg wegen Meineids. Die Anklage vertritt der Großh. Erste Staatsanwalt Jöckel, die Vertheidignng führte Rechtsanwalt Hirschhorn, als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Christian Werner, Conrad Weppler II., Friedrich Wilhelm Hartmann, Ludwig Schmidt II., Anton Joseph Mann, Karl Fuldat L, Heinrich Adami, Johannes Seipp II., Jacob Schneider IV., August Aßmus, Heinrich Römer II. und Wilhelm Rabenau. Der Arbeiter Heinrich Noll von Altenburg ist angeklagt, daß er am 5. April 1892 vor Großh. Amtsgericht Alsfeld den ihm von seinem Bruder Georg Noll zu Berlin in dem mit ihm geführten Rechtsstreit zugeschobenen Eid wissentlich falsch geschworen habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Im Herbste 1881 besuchte Georg Noll seinen Bruder Heinrich Noll in Altenburg und ließ ihm bei dieser Gelegenheit ein Paar ihm zu enge gewordener hoher Schasten- stiesel mit dem Auftrag zurück, solche zu verkaufen. Aus Pfingsten 1887 besuchte er seinen Bruder wieder und theilte ihm jetzt derselbe mit, daß er die Stiefel an einen Arbeiter für 15 Mark verkauft und dieser 5 Mark angezahlt habe. Heinrich Noll übergab seinem Bruder diesen Betrag und begaben sich beide auch zu dem Arbeiter, um den Restbetrag von 10 Mark zu erheben- derselbe war aber nicht zu Hause und versprach Heinrich Noll den Betrag thunlichst bald einzuziehen und ihm einzusenden. Im Sommer 1887, als Georg Noll als Hausdiener in Hagen bei einem Handlungshause angestellt war, schrieb ihm sein Bruder Heinrich, daß seine Frau erkrankt sei und bat ihn um ein Darlehen von 30 Mark. Georg Noll entsprach diesem Ansinnen und sandte den erbetenen Betrag durch die Post an seinen Bruder ein. Georg Noll hatte auch seinem Bruder 20 Ellen Tuch zu dem Preise von 14 Mark käuflich überlassen, ohne daß dieser Preis gezahlt worden wäre. Georg Noll forderte seit dem Jahre 1889 seinen Bruder Heinrich in mehreren Briesen auf, ihm die schuldigen Beträge zu erstatten und sandte ihm derselbe auch einmal 5 Mark durch die Post ein, blieb aber mit dem Reste trotz mehrfacher Aufforderungen im Rückstände und sah er sich, da Heinrich Noll auf Zahlungsbefehl Einwand erhoben, zu gerichtlicher Klage bei Großherzoglichem Amtsgericht Alsfeld genöthigt. Die Klage wurde am 27. October 1891 erhoben und wurde am 8. December 1891 zur Sache verhandelt. Heinrich Noll, der Beklagte, bestritt sämmtliche Klagebehauptungen und nahm den ihm zugeschobenen Eid an. Der Eid wurde dahin sestgestellt: „Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, es ist nicht wahr 1) daß mir Kläger auf mein vorheriges schriftliches Ansuchen und unter meinem Versprechen der Rückzahlung im Sommer 1887 30 Mark als Darlehen zu- geschickt hat, 2) daß ich zu Ende 1886 den Verkauf eines Paares neuer Stiefel, die dem Kläger gehörten, übernommen, dafür 15 Mark gelöst und 5 Mark darauf an den Kläger gezahlt habe, 3) daß ich 1886 durch meine Frau den Kläger habe ersuchen lassen, mir ein Stück Leinwandtuch von etwa 18 bis 20 Ellen zu überlassen unter dem Versprechen, es angemessen zu bezahlen und daß ich auch aus das mir überlassene Leinwandtuch 5 Mark gezahlt habe, so wahr mir Gott helfe." Es wurde Termin zur Eidesleistung auf den 15. März l. I. anberaumt. In diesem Termine erklärte sich Heinrich Noll bezüglich des dritten Klagepunktes bereit, die geforderten 14 Mark für das Leinwandtuch zu bezahlen und wurde die Eidesleistung bezüglich der beiden anderen Punkte bis zum 5. April verschoben, da eine gütliche Erledigung der Sache in Aussicht gestellt war. Es kam jedoch eine solche Vereinbarung nicht zu Stande und leistete Heinrich Noll, trotz eingehender Verwarnung vor Leistung eines Meineides nach stattgehabter Eidesbelehrung den Eid bezüglich der Punkte 1 und 2 in der oben erwähnten Weise vor Großh. Amtsgericht Alsfeld ab. Daraufhin erhob Georg Noll gegen seinen Bruder eine Anklage wegen Meineids, welche dessen sofortige Verhaftung zur Folge hatte. Der im Wesentlichen geständige Angeklagte gab als Motiv seiner verbrecherischen Handlungsweise an, er habe geglaubt, sein Bruder hätte ihm die 30 Mark schenken wollen, ferner feine schlechten Vermögensverhältnisse. Nachdem die Geschworenen (Obmann Herr Heinrich Adami) die Schuldfrage bejaht, wurde Angeklagter in eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren, sowie zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte aus die Dauer von fünf Jahren verurtheilt. Zugleich wurde die dauernde Unfähigkeit des Angeklagten als Zeuge oder Sachverständiger eidlich vernommen zu werden, ausgesprochen. — Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffeu am 27. September 1892. Zur Verhandlung kommt die Strafsache gegen Elisab etha Mütze von Geismar wegen Kindesmords. Die Anklage wurde von Großh. Gerichts- Assessor' Dr. Zimmermann vertreten. Die Vertheidigung führte Rechtsanwalt Grünewald, als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Conrad Weppler II., Freiherr Adolf von Harnier, Karl Heimburg, Wilhelm Braun, Anton Joseph Manu, Eduard Kretschmann, Philipp Vögler, Johannes Fritzel, Jacob Jhring, Conrad Anton Fangmann, Heinrich Adami und Ludwig von Buchenröder. — Die Dienstmagd Elisabetha Mütze, geboren zu Geismar bei Frankenberg, zuletzt in Gießen wohnhaft, ist angeklagt, daß sie am 12. Juni l. I. zu Gießen ihr uneheliches Kind gleich nach der Geburt vorsätzlich getöbtet habe. Die Angeklagte, ein bisher unbescholtenes Mädchen ist vollständig geständig. Sie hatte mit einem Militärlazarethgehülsen in Marburg ein Verhältniß angeknüpst, welches nicht ohne Folgen geblieben. In der Verzweiflung über die ihr drohende Schande will sie die ihr zur Last gelegte That begangen haben. Nachdem die Geschworenen (Obmann Herr Heinrich Adami) das Schuldig unter Annahme mildernder Umstände ausgesprochen, wurde die Angeklagte in eine Gesängnißstrafe von zwei Jahren und drei Monaten abzüglich zwei Monate Untersuchungshaft verurtheilt. — Die durch ihre Wohlthätigkeit jederzeit mit leuchtendem Beispiel vorangehende Firma C. W. B. Fernie dahier hat durch ihren Repräsentanten, Herrn S. Pascoe, unserer Expedition für die Nothleidenden Hamburgs die Summe von Tausend Mark zugestellt. Möge diel es gute Beispiel hier ansteckend wirken, denn die Noth in der unglücklichen Stadt Hamburg ist groß, sehr groß und der Winter mit seinen Sorgen vor der Thüre. — Mitte October wird das Kaiser-Panorama des Herrn H. Schmidt, welches vor zwei Jahren auf der Mäusburg sich eines lebhaften Besuches zu erfreuen hatte, durch feine wirklich prachtvollen, naturgetreuen Sänöer ©crien wieder im Eckladen Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse, eröffnet. Wie Herr Schmidt uns mittheilt, sollen die neuesten Serien, welche erst diesen Sommer aufgenommen sind, u. A. die Nordlandsfahrt Kaiser Wilhelm II. mit dem Kaiserschiff in den Lofoten, Westfjord, Lindgenfjord, die sächsisch-böhmische Schweiz, Riesengebirge, ein ganz neuer Cyclus der bayerischen Königsschlöfser, die Sudeten, München, Harz, Tyrol u. s. w. das Beste sein, was bis jetzt auf dem Gebiete der Photoplastik und Farbenbeleuchtung gezeigt ist. R. Wieseck, 27. September. In der gestern Abend statt- gefundencn zahlreichen Wählerversammlung wurde unser seitheriger Bürgermeister Sommerlad von dem Vorsitzenden der Versammlung als Candidat für die bevorstehende Wahl vorgeschlagen. Der Vorschlag wurde mit großem Beifall einstimmig angenommen. Odenhausen, 24. Sept. Bei der heute stattgefundenen Gemeinderathswahl wurden gewählt Kaspar Lang mit 9 Stimmen, Carl Haupt mit 8 Stimmen, Heinrich Konrad mit 9 Stimmen. Lauterbach, 24 September. Gestern sand die feierliche Grundsteinlegung der Fuldabrücke zwischen Ober- Wegfurth und Unter-Schwarz statt. Es hatten sich hierzu die Herren Kreisrath Dr. Fischer, das Kreisschulmitglied C. Jäger von Schlitz und Kreisstraßenmeister Jockel, ferner die Ortsvorstände von Ober-Wegfurth und Unter-Schwarz und die beteiligten Handwerksmeister eingefunden. Nach Beendigung der Feier blieben die Teilnehmer in der Zulauf- schen Wirthschast zu Ober-Wegfurth eine Zeit lang vereinigt. Möge nun der Bau der Brücke rüstig vorangehen, damit dem langempfundenen Bedürsniß einer fahrbaren Verbindung mit dem jenseitigen Fuldaufer bei Ober-Wegfurth baldigst abgeholfen werde. D. Ztg. Nidda, 24. September. Ein raffinirter Einbruch wurde bei dem Uhrmacher Levi verübt. Der Dieb meißelte von einem Zwänger aus, der durch eine mit einem Riegel versehene Thür von der Straße abgeschlossen war, ein Loch durch das Lehmfachwerk, so daß er gerade durchschlüpfen konnte. In dem Laden räumte er nun ganz ordnungsmäßig auf, packte Taschenuhren und Ringe, überhaupt alles leicht Transportable, was des Mitnehmens werth war, ein. Doch das war noch nicht genug. Auch der Küche wurde ein Besuch abgestattet, wo der Braten verzehrt worden sein soll. Jedenfalls waren es zwei sehr ortskundige, verwegene Einbrecher, was die ganze Art des Einbruchs zeigt. Aus Oberheffeu, 25. September. Der Zuckergehalt der Wetterauer Zuckerrüben ist dieses Jahr reichlich ein Prozent höher als 1891. Freilich brachte im Vorjahre der Morgen durchschnittlich 150 Gentner, während er in diesem Jahre nur 110—120 Gentner ergibt. Von den beiden in der Wetterau bestehenden Zuckerfabriken verarbeitet diejenige in Friedberg täglich 8000 Gentner Rüben, die in Stockheim 5000 bis 6000. Friedberg zahlt dieses Jahr 10 pCt. Dividende (1891 11 pGt.), Stockheim 9 pGt. (1891 7 pCt.). Mainz, 26. September. Der Güterverkehr auf den Strecken der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn hat neuerdings so zugenommen, daß eine Reihe von Extrazügen eingelegt werden mußte.