»r. 173 Donnerstag den 28. Zuti 1892 Fer«tprecher 61. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. Hratiskeikage: Hießener Kamikienbtätter 2lituUd?er The»! ver- Die der Llle Unnoncm-Bureaux de- In- und Au-limdes nehm« Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger^ tniqtya. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 26. Juli. Der „Staatsanzeiger" schreibt: Ausbreitung der Cholera in Rußland seit vienellähriger ^Vonnementspreisz 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 60 Pfg. Kedaeiion, Expedition und Druckerei: die Herstellung neuerRepetirkanonen nach einheitlichem TyPuS zu beschleunigen. Brest, 26. Juli. Gestern Abend lies bei einer Angriffsübung gegen die Hafeneinfahrt, welche von Torpedobooten vertheidigr wurde, das Torpedoboot 76 infolge des blendenden electrischen Lichtes aus den Sporn eines Panzerschiffes und sank 20 Meter tief. Die Besatzung wurde gerettet. Schaden wird aus eine Million Dollars geschätzt. — Die Polizei in Pitts bürg führt das Attentat gegen Frick aus ein anarchistisches Complott zurück, wie das der 1887 in Chicago gehangenen Spies und Genossen. Es wurden Verzweigungen in vielen Städten entdeckt. Die Polizei muthet dahinter Most und dessen Complicen. zweiten Woche des Monat Juli hat zu wichtigen Maßnahmen der preußischen Regierung geführt, welche dem früheren Erlaß vom 14. Juli 1884 entsprechen. Für russische Seeschiffe und Eisenbahnreisende wird eine strenge ärztliche Untersuchung angeordnet. Die Auswanderertrupps werden außerdem in Schneidemühl, Breslau, Ruheleben und Stettin einer Controlle unterworfen. Auch an der westlichen Grenze wird Vorbereitung zu gleichen Maßnahmen getroffen. Ferner werden Einsuhrverboterlasse den Regierungspräsidenten empfohlen. Die Veröffentlichung einer Anleitung zur Des- insection bei der Cholera steht bevor, desgleichen eine populäre Belehrung über das Wesen der Cholera und das Verhalten bei Hervortrelen derselben. Berlin, 26. Juli. In unterrichteten Kreisen cursirt die Nachricht, verschiedene Bundesregierungen, darunter Bayern, hätten auf die von Berlin ergangenen Anfragen hinsichtlich der Berliner Weltausstellung ablehnend geantwortet. Ebenso hätten auch industrielle Kreise mehrfach ablehnend geantwortet und andere hätten ihre Zustimmung nur aus nationalen Gesichtspunkten ertheilt. Dessenungeachtet hält man die Entschließung des Kaisers für die Ausstellung gesichert und glaubt dadurch den Widerstand der vorläufig Ablehnenden zu besiegen. Berlin, 26. Juli. In einem Schreiben aus Kissingcn wird der „Post" zufolge die Hier Herkunft Bismarcks bestätigt. Derselbe trifft von Jena kommend Sonntag Abend 8 Uhr aus dem Anhalter Bahnhof ein, übernachtet hier und reist am Montag Nachmittag weiter. Das Absteigequartier ist noch unbekannt. Köln, 26. Juli. Der „Köln. Ztg." zufolge erhielten die Aerzte und Beamte in Nischnei-Nowgorod sowie auch der Gouverneur eine Menge Drohbriefe. Daraufhin erklärte ein Tagesbefehl des Gouverneurs, er werde Diesen Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, rß das 2. Bataillon des Gr. Infanterie-Regiments Kaiser üilhelm Nr. 116 auf der Schafweide bei Wißmar 1) Samstag den 13. August l. I«, Nachmittags von 4 Uhr ab bis gegen Mitternacht, 2) auf den Teufelsbergen nördlich von Wißmar in der Zeit vom 9. bis 16. August l. I. -chießübungen abhält. Die Schußlinie läuft in der Richtung Altenberg und irb hierdurch vor Betreten des gefährdeten Feldes und Waldes, sowie der von Wißmar nach Crumbach, Kirchvers nd Salzböden direct führenden Waldwege und vor dem Beeten der über die Teufelsberge führenden Feldwege, sowie er Straße Wißmar-Ruttershausen zur Zeit der Schießübungen :warnt. Gießen, den 26. Juli 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 26. Juli. Dem Vernehmen nach sind jetzt die ückäußerungen säst aller Bundesregierungen in der Frage :r Berliner Weltausstellung im Reichskanzleramte ngegangen und sollen dieselben im Großen und Ganzen zu- :mmend lauten. Da außerdem dem Reichskanzler zur Stunde rL die Mehrzahl der Antworten aus den wegen derselben ache befragten industriellen und gewerblichen Kreisen Deutsch- mds vorliegt, so handelt es sich eigentlich nur noch um die nrscheidung des Kaisers in Sachen des Ausstellungsprojectes. Bic verlautet, ist denn auch für nächsten Freitag Vortrag 's Reichskanzlers Grasen Caprivi beim Kaiser, dessen Rück- 'hr von seiner Nordlandsreise nach Potsdam im Lause des stmwoch erwartet wurde, im Marmorpalais zu Potsdam ^rreffs der Ausstellungssrage angesetzt. Die allerhöchste Ent- Yeidung in dieser schon so lange erörterten Angelegenheit ünbe demnach unmittelbar bevor und ist wohl nicht daran 1 zweifeln, daß sie eine dem großen Unternehmen der Berner Weltausstellung günstige sein wird. Eine Meldung aus Ostasrika besagt, daß nach nem an der Küste verbreiteten Gerüchte Ches Johannes, r Befehlshaber der zur Bestrafung der Aufständischen im ilimandjaro-Gebiet abgegangenen deutschen Colonne, die Re- llen geschlagen habe. Eine Bestätigung des Gerüchts liegt >ch nicht vor, selbstverständlich wäre eine empfindliche Züch- lun9 der unbotmäßigen Häuptlinge am Kilimandjaro, durch elche die Bülow Truppe ihre vernichtende Niederlage erlitt, tr dringend zu wünschen. Heueftc Nachricht*». Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Breslau, 26. Juli. Zur Verhütung der Einschleppung der Cholera verfügte der Regierungspräsident in Oppeln, die Eisenbahnreisenden sollen außer an den Grenzstationen auch an den Hauptknotenpunkten sanitäts- polizeilich untersucht werden, ebenso auf den österreichischen Grenzstationen, außerdem werden die Flußschifffahrt und der Floßereiverkehr der Ueberwachung durch die Sanitätspolizei unterstellt. Den russischen Auswanderern gegenüber sind ganz besondere Controlmaßregeln anzuwenden. Paris, 26. Jnli. Das französisch-russische Comite für die russischen Nothleidenden ersuchte Loubet, bei den großen Creditgenossenschasten für die Veranstaltung einer Lotterie zu wirken, wodurch die pünktliche Absendung einer Million an die Nothleidenden Rußlands ermöglicht würde. Der Ministerpräsident sagte zu, sprach jedoch den Wunsch aus, das Project mit einem ähnlichen zu Gunsten der französischen Nothleidenden verknüpft zu sehen. Paris, 26. Juli. Der Marineminister hat der Arsenalverwaltung Ruelle ausgetragen, die Arbeiten, betreffend die Umgestaltung der alten Geschütze, einzustellen und beschlossen, Siebener Anzeiger Keneral-Anzeiger. Drr Mn« rrfdjnnt täglich, ■b Ausnahme bei . Montags. Tit Gießener »erben dem Anzeiger »Hchenllich dreimal beifelrgt Ausland. — Die österreichische Regirrvag wendet der von Rußland her drohenden Cho lerag e;^r in höchst anerkennens- werther Weise ihre ernste . Aufmerksamkeit zu. So hat Ministerpräsident Gras Taasse in seiner Eigenschaft als Minister des Innern die LanoeSbehorden von Lemberg und Czernowitz angewiesen, während der Dauer der Cholera-Epi« demie in Rußland den Uedertritt von Feldarbeitern aus russisches Gebiet und den Besuch russischer Märkte, sowie Wallfahrten nach Rußland zu untersagen. Ferner ordnete der Minister gegen die Maffenzuzüge der Israeliten zu den sogenannten Wunderrabbinern in Galizien und der Bukowina besondere Maßnahmen an. — Was nun den augenblicklichen Stand der Cholera- Epidemie in Rußland selbst anbxlaugt, so läßt sich im Allgemeinen sagen, daß die Seuche in den unteren Wolga- Gegenden allmälich abnimmt, daß sie sich dafür aber im Dongebiet immer mehr ausbreitet - auch in den Cholera- districten jenseits des Kaukasus soll es noch schlimm aussehen. Characteristischer Weise hat in Npchni-Nowgorod am Mittwoch die Eröffnung der großen Sommermesse stattgesunden, obwohl 1 daselbst die Cholera täglich mehr Fortschritte macht. — Sollte man sich in den maßgebenden Petersburger Kreisen über die eminente Gefahr einer weiteren Verschleppung der Cholera durch die zahlreichen Besucher der Messe von Nischni- Nowgorod wirklich so sehr täuschen? — Das neue griechische Cabinet Trikupis setzt in Verwirklichung der von ihm angeiundigten Ersparnißpolitik an einem merkwürdigen Punkte ein. Aus Athen wird nämlich der feste Entschluß der Regierung gemeldet, die meisten griechischen Gesandten im Auslande aus Ersparnißrücksichten ; baldmöglichst abzuber^sen. V^yrscheinkich sollen dann die Gejandtschastsgeschäfte nur noch durch Legationsseeretäre geführt werden, was aber schwerlich dem Ansehen Griechenlands entsprechen würde. — Die türkische Regierung ist seit einiger Zeit damit beschäftigt, die unruhigen albanesischen Grenzstämme durch besondere Commissare zur Raison zu bringen. Dies ist bis jetzt auf gütlichem Wege auch nicht erreicht worden, doch scheinen nunmehr ernstere Schwierigkeiten aufzutauchen. Wenigstens ist der Gouverneur von Kossowo, Edhem Pascha, an der Spitze von sechs Bataillonen nach Pristina aufgebrochen, um die streitenden Albanesen-Stämme in dortiger Gegend zu „beschwichtigen". Daß Edhem Pascha zu diesem Beruhigungsgeschäft mit sechs Bataillonen ausrückt, ist immerhin eigenthümlich genug. — In Genua, der Vaterstadt Christoph Columbus, wird die bevorstehende Jubelfeier der Entdeckung Amerikas durch glänzende Festlichkeiten begangen werden. König Humbert selbst gedenkt an denselben theilzunehmen und in der zweiten Augusthälste nach Genua zu kommen. Aus diesem Anlasse werden mehrere auswärtige Mächte Kriegsschiffe oder auch ganze Geschwader zur Begrüßung des Königs nach Genua entsenden. Genaueres hierüber ist indessen noch nicht bekannt, da nach einer Mitteilung des „Populo Ro- mano" der italienischen Regierung in dieser Beziehung noch keine Informationen zugegangen sind. Dieselben könnten auch nicht erfolgen, so lange der Minister des Auswärtigen die fremden Mächte über den Zeitpunkt der Anwesenheit des Königs in Genua offiziell noch nicht in Kenntniß gesetzt habe. 8ene|mt von Anzeigen zu brr Nachmittag« für den k»lgenden Tag erscheinenden Ne nmer bis vor«. 10 Uhr. Lüttich, 26. Juli. Anarchistenproceß gegen M o in e aux und Genossen. Die Geschworenen bejahten die Frage wegen des Bestehens eines Complottes mit ein- sacher Majorität, ebenso diejenigen wegen der Existenz einer Verbindung zur Ausführung von Dynamitdiebstählen und einer solchen zur Zerstörung von Eigenthum, ferner die Frage wegen des Diebstahls und des Transportes von Explosivstoffen und Dynamit, wegen Hehlerei und wegen des Versuchs, die Pulvermühle von Ombret in die Luft zu sprengen, schließlich auch diejenige wegen der durch Explosionen herbeigeführten Zerstörung von Eigenthum. Die Geschworenen, welche sich um 93/4 Uhr in das Berathungszirnrner zurück- gHogen hatten, gaben ihr Verbiet um 2 Uhr ab- fast bei allen Fragen wurden die Unterfragen wegen Bewilligung mildernder Umstände verneint. Der Wahrspruch der Geschworenen wurde mit tiefem Stillschweigen ausgenommen. Das Urtheil lautet wie folgt: Moineaux 25 Jahre, Wolfs und Beaujean 20 Jahre, Mateyssen, Mareotty, Laeroix und Nossent 15 Jahre Zwangsarbeit, Hansen 10 Jahre Zuchthaus, Guilmot 3 Jahre Gesängniß- die Angeklagten Ehx, Naniot, Beduin, Charles und Jaeques, Berre, Hevsy und Schlebach wurden freigesprochen. Bogota, 26. Juli. Heute ist hier ein Handelsvertrag zwischen Deutschland und Columbia von dem deutschen Ministerresidenten unterzeichnet worden. Kopenhagen, 26. Juli. Ein Erlaß des Jnftizministers verbietet die Einfuhr von Lumpen und Hadern aus ganz Rußland. Rewyork, 26. Juli. Reuter-Meldung. Ueberall herrscht ungeheuere Hitze. Mehrfach treten Stürme auf. Bei Wheeling, Westvirginia, ertrank eine Familie von neun Personen. Eine Tro mbe zerstörte Eisenbahnbrücken. In Baycity, Michigan, zerstörte ein Feuer vier Hotels, zwei Kirchen, etwa fünfzig Magazine und viele Gebäude. Der Bekanntmachung, detr. Ausbruch der Maul- und Klauenseuche zu Wieseck. Nachdem in einem Gehöft zu Wieseck die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, haben wir die -pcrrc des betr. Gehöftes verfügt. Die Ausführung von lindoieh, Schafen, Ziegen und Schweinen aus der Gemark- ng Wieseck ist hiernach bis auf Weiteres nur auf Grund tierärztlicher Gesundheitsscheine zulässig. Gießen, den 26. Juli 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Gießen, 25. Juli 1892. betreffend: Die Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen n die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises Gießen. Unter Bezugnahme auf pos. I unserer Bekanntmachung am 25. Juni d. I. (Gießener Anzeiger Nr. 147) beauf- agen wir Sie, in Ihren Gemeinden/nochmals ausdrücklich kannt zu machen, daß die fünfstündige Beschäftigung der »ehülfen, Lehrlinge und Arbeiter im Handelsgewerbe, sowie er Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen an Sonn- und esttagen während der Stunden des Hauptgottesdienstes, als welche im Allgemeinen die Stunden von 9 bis 1 Uhr zu gelten haben, unterbrochen werden muß. — n diejenigen Bürgermeistereien, für deren Gemeinden die ! tunden des Gottesdienstes anders geregelt sind, ergeht I wndere Verfügung. v. Gagern. Revolutionären nicht besonders nachspüren, jegliche Unruhen aber sofort mit Waffengewalt niederschlagen, die Urheber derselben sofort am Platze hängen und die Theilnehmer sofort -öffentlich abstrasen lassen. Effeu a. Ruhr, 26.Juli. Stempelproceß. Angeklagter Ingenieur Bering erklärt, er sei in keiner Weise an den etwaigen Strafthaten der Meister betheiligt, er habe stets auf Lieferung guten Materials gedrungen. Gremme weiß nichts von Unregelmäßigkeiten bei den Zerreißproben, er ließ nie nach Bleiabdrücken Stempel unfertigen. Sodann erfolgt die Beweisaufnahme. Wilhelmshaven, 26. Juli. Die Ankunft des Kaisers erfolgt morgen früh 9 Uhr. Nach dem Frühstück im Casino erfolgt die Taufe des Panzerfahrzeuges, um 1 Uhr die Weiterreise. Königsberg (Ostpreußen), 26. Juli. Heute sand unter Borsitz des Oberpräsidenten eine Conferenz vor maßgebenden Persönlichkeiten beider Regierungsbezirke der Provinz statt. Dieselbe berieth die Abwendung der Cholera- gesahr. Es wurde beschlossen, an den Grenzstationen und Eisenbahnknotenpunkten Maßregeln zur Verhütung der Cholera- esnschleppung zu treffen. Hamburg, 26. Juli. In drei hiesigen Ställen brach die Maul - undKlauenseuche aus. Die Polizei traf energische Gegenmaßnahmen. München, 26. Juli. Der Magistrat lehnte die Petition des Vereins bildender Künstler, genannt die „Secessionisten", um einen Bauplatz für ein Ausstellungsgebäude mit allen gegen eine Stimme ab. Wien, 26. Juli. Die Behörde schloß daSitalienische Theater in Roma wegen antiösterreichischer Demonstrationen. Brüssel, 27. Juli. Die Verbindung der katholischen organisirten Arbeiter mit den Socialdemokraten zwecks gemeinsamer Erkämpfung des allgemeinenStimmrechts macht im ganzen Lande Ungeheuern Eindruck und dürfte zur Bildung einer großen allgemeinen Stimmrechtspartei, unabhängig von der katholischen und liberalen Partei führen. Paris, 26. Juli. Die Geschworenen deS Departement Seine et Oise erhielten Drohbriefe. Vor diesem Gericht wird der Dynamit'Diebstahl in Soisy zur Verhandlung kommen. Marseille, 27. Juli. Wie aus Kotonu gemeldet wird, ernannte Behanzin einen früheren deutschen Artillerieoffizier zum Armeeinstructeur, besonders zur Ausbildung des Artilleriecorps. Behanzin erhielt aus Widdah eine Menge Schnellseuergcwehre, Kanonen und Munition. Belgrad, 26. Juli. Das Ernteergebniß ist zumeist befriedigend, eine Ausnahme bilden blos die von Elementarschäden heimgesuchten Gegenden. Die Sommersaaten versprechen einen Mittelertrag. Mais steht sehr gut. Liffabou, 26. Juli. Die Kornernte ist so schlecht, rheilweise ganz ergebungslos, daß eine Million Gentner Getreide im Herbst importirt werden muß, um eine Nothstands- gesahr abzuwenden. Randers (Jütland), 26. Juli. AuS Posen und Ostpreußen kommen hier fast täglich größere Trupps männlicher amd weiblicher landwirthschaftlicherArbeiter polnischer Rationalität an. Der Arbeitslohn ist hier wesentlich höher als in Deutschland. totales rrnd provinjicllos, Gießen, 27. Juli 1892. — 40jähriges Stiftungsfest der Verbindung „Wingolf". Zu dem in der Nummer 170 dieses Blattes mitgetheilten j Festprogramm können wir noch Folgendes mittheilen: Der Mittwoch Abend 7J/2 Uhr stattfindende Festzug wird sich von der Kneipe aus (Restaurant „Deutscher Kaiser") durch folgende Straßen bewegen: Grünbergerstraße, Ludwigstraße, Alice- straße, Seltersweg, MäuSburg, Marktplatz, Schulstraße, Neue Bäue nach Steins Garten, woselbst um 87a Uhr der Festcommers beginnt. Donnerstag Morgen ist Frühschoppen mit Musik auf der Kneipe. Das Programm des am Nachmittag 5 Uhr stattfindenden Gartenfestes setzt sich aus folgenden Stücken zusammen: Concert, Abendeffen, Festspiel, Tanzkränzchen, Feuerwerk. -* Turnerisches. Von dem aufs schönste verlaufenen Kreis turnfeste in Mainz kehrten unsere Turner mit Auszeichnungen bedacht zurück. Bei einer Betheiligung von 272 Wettturnern, welche Zahl noch selten erreicht wurde, errang von dem Turnverein C a r l H e u s e r mit 54 7* Punkten den 20. Preis mit Kranz und Th. Vogt mit 45 Punkten tine lobende Erwähnung. Die von demselben Verein gestellte Musterriege am Barren errang durch ihre tüchtigen und gleichmäßigen Leistungen unter 78 angetretenen Musterriegen mit 19,650 Punkten eine ehrenvolle Auszeichnung. — Verhaftet. Heute Morgen wurde ein fremder Zauberkünstler verhaftet, der auf dem Polizeiamt dahier den Beamten Grobheiten machte und sich auf Aufforderung nicht entfernte. Bei seinem Transport in die Arrestzelle widersetzte sich derselbe auch noch dem ihn transportirenden Schutzmann. — Die Ausstellung des Oberhesfifchen ObstbauBereius in Dad-Nauheim wurde Samstag den 23. Juli in Anwesenheit einer großen Anzahl von Interessenten eröffnet. Herr Kreis* rath Dr. Br ad en-Friedberg legte in seiner Ansprache die Aufgaben und Ziele des Oberhessischen Obstbauvereins auseinander, eines Vereins, der vor noch nicht drei Jahren durch Dr. von Peter ins Leben gerufen, nun 3200 Mitglieder in den sechs Kreisen der Provinz Oberhessen umfaffe und in einer Reihe von Ausstellungen und Versammlungen, sowie durch die Herausgabe einer Zeitschrift aufs Vortheilhafteste zur Hebung der Obstzucht beigetragen habe und ersuchte hieraus, nachdem er noch den Ausstellern, den Comitvmitgliedern, der Badedirection für die bereitwillige Förderung des Unternehmens, der Geschäftsleitung und den Beamten des Vereins für die gelungene Einrichtung der Ausstellung gedankt hatte, den technischen Leiter der Ausstellung, C. Reich elt, die Führung in der Ausstellung zu übernehmen. Bürgermeister Wörner begrüßte die Erschienenen im Namen der Stadt Bad-Nauheim, die ein besonderes Interesse daran habe, den Cursremden die Früchte deS Obstbaues der Umgegend zuzuführen. Die Versammlung am Sonntag Nachmittag in der Krone war sehr stark besucht und wurde von Amtmann Dr. Wallau als Vorsitzender des Vereinsbezirks Friedberg eröffnet mit Begrüßung des Vertreters der Großh. Oberen landw. Behörde, Oeconomierath Müller und des Präsidenten des Oberhessischen Vereins, Kreisrath Dr. Braden, sowie des auswärtigen Preisrichters, Dr. Kraft. ES wurde der Geschäftsbericht für den Vereinsbezirk durch den Geschäftsführer R e i ch e l t gegeben, alsdann sprach Herr Dr. v o n P e t e r über die Ausbildung des Baumwärterinstituts für die Provinz Oberhessen und wurden die Baumwarte: Heinrich Billasch, städtischer Baumwart in Friedberg, Ludwig Horn in Steinbach, Kreis Gießen, Heinrich Fatum in Lindenstruth, Kreis Gießen, Ludwig Launspach in Reiskirchen, Kreis Gießen, Johannes Oestreich, Kreisstraßenwart in Stockhausen, Kreis Lauterbach, Ludwig Becker in Ruttershausen, Kreis Gießen, Hermann Ruppel in Obbornhofen, Kreis Gießen, Heinr. G e i b e l in Klein-Karben, Kreis Friedberg, zu Baurn- wärtern des Oberhessischen Obstbauvereins ernannt, womit die Vereinsleitung für deren theoretische und praktische Ausbildung eine gewisse Garantie übernimmt. Die Diplome vertheilte der Präsident, Kreisrath Dr. Braden. Alsdann hielt Obstbautechniker John einen sehr gut ausgearbeiteten Vortrag über die Behandlung der Pfirsiche und C. Reichelt über die Behandlung der Beerensträucher. An die Versammlung schloß sich gemeinsame Besichtigung der Ausstellung an. — Bei der am 2. August in Gießen abzuhaltenden Provinzial-Consereuz der evangelischen Geistlichen Oberhessens wird Herr Pfarrer Schlosser referiren über die Fürsorge der Kirche für die conftrmirte Jugend. — Höhere Schulen und zwar staatliche bestehen im Großherzogthum zur Zeit 27. Hiervon sind 8 Gymnasien, 4 Realgymnasien, 14 Realschulen und eine höhere Bürger- gerschule (Butzbach). Aus die Provinz Starkenburg kommen 11, aus Oberhessen 8 und auf Rheinhessen auch 8 höhere Lehranstalten. Am Ende des letzten Schuljahres waren besucht die Gymnasien von 2494, die Realgymnasien und Realschulen von 4669, die Butzbacher Schule von 123 Schülern. Von diesen 7286 Schülern standen vor der Maturitätsprüfung in den Gymnasien 159, in den Realgymnasien 58 Schüler. Von je 100 Schülern der höheren Lehranstalten waren 67 evangelische, 21 Katholiken und 12 Israeliten. Im Lande kommen auf 100 Christen 3 Israeliten, in den höheren Schulen dagegen aus 100 Christen bereits 12 Israeliten - eine für die Letzteren ungewöhnlich günstige Zahl. — An den hier in Betracht kommenden Anstalten wirken 370 ordentliche Lehrer und 65 Hülsslehrer. Unter diesen 435 Lehrern sind nur 6 über 60 Jahre alt und 42 zwischen 50 und 60 Jahren, also 387 unter 50- Jahren. Die Aussicht, nach dem 60. Lebensjahr noch im Dienste stehen zu können, ist in jedem anderen öffentlichen Dienste größer als an den höheren Lehranstalten. — Gegenstände, welche von der Poftbesörderung aus» geschloffen find. Zur Versendung mit der Post dürfen nicht aufgegeben werden Sendungen, deren Beförderung mit Gefahr verbunden ist, namentlich alle durch Reibung, Lustzudrang, Druck oder sonst leicht entzündliche Sachen, sowie ätzende Flüssigkeiten. Die Postanstalten sind befugt, in Fällen des Verdachts vom Aufgeber die Angabe des Inhalts zu verlangen,^und falls dieselbe verweigert wird, die Annahme der Sendung abzulehnen. Diejenigen, welche derartige Sachen unter unrichtiger Angabe oder mit Verschweigung des Inhalts ausgeben, haben — vorbehältlich der Bestrafung durch das Gesetz — für jeden entstehenden Schaden zu haften. Nidda, 24. Juli. Gestern Nachmittag sand zu Ehren des in den Ruhestand tretenden und von hier scheidenden Herrn Steuerrath Pfannmüller im Gasthaus zur Traube dahier ein Abschiedsessen statt. Wallertheim, 22. Juli. Dieser Tage ereignete sich hier ein Vorkornmniß von erschütternder Tragik. Offenbar aus Schwerrnuth hat sich ein junges 22jähriges Mädchen erhängt. Als der schon bejahrte Vater heimkehrend so sein Kind sand, gerieth er derart in Verzweiflung, daß er sich neben dem Mädchen erhängte. Nachbarn fanden später die beiden Leichen. Seligenstadt, 25. Juli. Eine mit über 100 Unterschriften bedeckte Bittschrift der hiesigen Geschäftsleute erstrebt eine anderweitige Regelung der sonntägigen Geschäftsstunden durch die zuständige Verwaltungsbehörde. Während nämlich im benachbarten Bayern die Verkaufsläden bis Nachmittags 4 Uhr geöffnet bleiben, müssen hier die Geschäfte schon um 1 Uhr geschlossen werden. Unterfränkische Geschäftsinhaber ließen kürzlich in diesseitigen Gemeinden durch die Ortsschelle auf diese Thatsachen Hinweisen und szum Besuche ihrer zu günstigerer Zeit geöffneten Geschäfte einladen. Natürlich folgen zahlreiche Landleute diesem Ruse, wodurch unsere hiesigen Ladenbesitzer empfindlich geschädigt werden. Eine Gleichlegung der Geschäftsstunden würde diesen Mißstand ziemlich beseitigen. A Mainz, 26. Juli. Mittelrheinisches Turnfest. Die Turnerei hat an dem heutigen Tage keine Rolle mehr gespielt. Durch das herrlichste Wetter begünstigt, entwickelte sich schon in den Vormittagsstunden auf dem Festplatz das fröhlichste Treiben eines ungezwungenen, allgemeinen Volksfestes, wie es in solcher Art eben nur in einer rheinischen Stadt möglich erscheint. Während am Sonntag und gestern wenigstens in den verschiedenen außerhalb der Festhalle gelegenen Wein- und Bierrestaurationen mit einiger Mühe noch ein Platz zu erhalten war, konnte man schon in den ersten Stunden des heutigen Nachmittags auf dem Festplatz kaum mehr verkehren und ein geradezu unheimliches Gedränge herrschte allenthalben. Um 5 Uhr stieg der Luftichiffer Lattemann mit fünf zusammengekoppelten BallonS aus. In der Gondel bei dem Luftschiffer befand sich ein Redacteur der Frankfurter „Kleine Presse". Bei vollständiger Windstille nahm der Ballon in westlicher Richtung seinen Weg über die Stadt; wo derselbe gelandet ist, ist bis jetzt noch nicht bekannt. Mit Eintritt des Abends strömten immer neue Massen nach dem Festplatz, auf welchem gegen die mitternächtliche Stunde noch das tollste Festtreiben herrschte. Gestern wurden 3238 Tageskarten gelöst. WaS die Turner im Trinken zu leisten vermögen, läßt sich aus der Tharsache ermessen, daß am Sonntag aus dem Festplatz allem 12 930 Mk. für Wein vereinnahmt wurden. — Der feit einigen Tagen hier ausgestellte Walfisch, welche interessante Sehenswürdigkeit bekanntlich in vielen Rheinorten große Anziehungskraft ausübte, rnußie auf Anordnung der Polizei seines üblen Geruches wegen von dem hiesigen Ufer entfernt werden. Derselbe wurde an das jenseitige Ufer unserer Mainspitze gebracht. Heute Nacht soll derselbe nach Frankfurt geschafft werden. ' Vermischter. * Frankfurt, 23. Juli. Die gefühllose Mutter, welche in der Nacht auf Donnerstag ihr Kind am SraatS- güterbahnhos vergrub und aus dessen Kopf einen vier Pfund schweren Stein gelegt hatte, in der Absicht, das Kind dadurch zu tobten, ist in der Tochter eines hiesigen Geschäftsmanns ermittelt worden. * Bayreuth, 25. Juli. Mit der heute erfolgten Aufführung der „Meistersinger" gelangte der erste CycluS- Ver Festspiele zum Abschluß. Gura als Hans Sachs und Nebe-Karlsruhe als Beckmesser boten besonders hervorragende Leistungen. Auch AntheS-Dresden in der Rolle des Walter Stolzing, Hosmüller-Dresden als David, Frauscher-Nürnberg als Pogner, sowie die Sängerinnen Mulder und Staudigl in den Rollen der Eva bezw. Magdlllene sanden lebhafteste Anerkennung. Die Chöre und das Orchester waren vortrefflich. Die Vorstellung schloß unter anhaltendem großem Enthusiasmus des Publikums. * 17 Tage verschüttet. Aus Reichenberg i. B- wird gemeldet: Am 4. Juli wurden in der Emeranzeche bet Bilin durch den Hereinbruch von Schwemmsand sechs Bergleute vom Schachte abgeschnitten. Zwei davon wurden kurz darauf herausgezogen, vier aber, welche sich in den Abbauplan geflüchtet hatten, wurden von der Außenwelt abgeschnitten. Nach 17tägiger angestrengter Arbeit gelang es nun, diese vier Bergleute noch lebend aufzufinden. * Luzern, 26. Juli. Gestern Abend 9 Uhr zerschellte ein Boot, in welchem sich 5 Engländer befanden, an einem Pfeiler der Reußbrücke am Ausflüsse des Sees. Zwei Personen klammerten sich am Gitterwerk des Pfeilers, zwei andere weiter unten am Stauwehr an und wurden gerettet. Eine Dame wurde vom Strome fortgerissen und ertrank. * Wien, 20. Juli. Vor dem Strafrichter stand beule 1 jener Schankbursche Leopold Jauch, der aus Rache feinem Prinzipal und dessen Kellernachbar 54145 Liter Weiw im Werthe von 40653 fl. hatte auslaufen lassen. Der Vorsitzende fragt den Angeklagten: Bekennen Sie sich schuldig? — Angekl.: Ja. — Vors.: Was bat Sie zu der That veranlaßt? — Angekl.: Der Herr Odersky hat mir durch den Kellerburschen sagen lassen, daß ich nicht einschänken | kann. — Vors.: War denn das etwas gar so Arges? — Angekl.: Ich bin so in Zorn gekommen und es hat mich nicht in Ruh' gelassen. I hab' zum Trinken ang’fangr, das iS mir in Kopf g'stiegen, nachher der Zorn dazu, da hab' i halt das than, Ich bin gleich zum letzten Faß hin und hab' den Zapfen herausgeschleudert, dann hab' ich ein Gla^ getrunken und auch die anderen Fässer aufgemacht und bin hinaus. Dann is mir eingefallen, ich könnt' es bei Hopfner, dem Schwager Oderskys auch so machen, weil der Keller grab’ in der Nähe ist. Weil ich keinen Schlüssel g’babt hab',,- hab' ich's Thor aufgesprengt und hab' die Fässer mit der Haue eingeschlagen. Ich hab' auch die Pumpmaschine z'samm- g'haut und bann Feuer gelegt. Der beschädigte Prinzipal, Herr Alois Odersky, wird als Zeuge vernommen. Er war mit dem Angeklagten zufrieden und kann ihm nichts Schlechtes nachsagen. Auch war derselbe stets nüchtern und nichts Ausfälliges an ihm zu bemerken. Bezüglich der Rüge bemerkt der Zeuge: Ich habe ihm nur gesagt: „Leopold, das ist keine Einschänkerei." Dabei ist ja weiter nichts. Ich habe übrigens nicht gemerkt, daß ihm die Sache so nabe geht. Der Zeuge beziffert seinen Schaden mit 22620 fl. und spricht dessen Ersatz an. — Vors.: Fällt Ihnen der Schaden empfindlich? — Sehr empfindlich, der Wein war mein ganzes- Vermögen. (Der Zeuge beginnt zu meinen.) Jauch leidet arr Ohrensausen. Der Vertheidiger beantragt, daraus gestutzt^ die Untersuchung des Geisteszustandes des Angeklagten. Der | Gerichtshof lehnt jedoch diesen Antrag ab und uerurtbeilt-j den Angeklagten zu acht Jahren Kerkers. Jauch erflärti barsch, die Strafe sofort antreten zu wollen. * Die Berliner Cigarrenhaudler haben conftatirt, daß^' die Sonntags-Einnahmen auf ein Drittel unter der Sonntagsruhe zurückgegangen sind, ohne daß Wochentags eine wesentliche Mehreinnahme zu verzeichnen wäre. Sie ersuchen um Oeffnung der Geschäfte bis 5 Uhr. ♦ Ein Sonutaguachmittags Besuch. „Du brauchst nicht zu erschrecken, Julchen," sagte Herr Lehmann zu feiner ver- heiratheten Tochter, die er am Sonntag Nachmittag besuchte, „mein Abendbrod habe ich mir rnitgebracht und auch einige Reserve-Schinkenstullen für den Fall, daß der alte Schulze mir nachkommen sollte. Du weißt, er kann mich Sonntags' schwer entbehren. So, und hier ist die Hutschachtel. . ® „Ja, — was willst Du denn mit der?" „Mein Reservehut ist darin. Denkst Du denn, daß ich an einem Sonntagnachmittag in Berlin jemals wieder ohne einen Reservehut ausgehen werde? Fällt mir nicht ein ’ Wie ist es mir am vorigen Sonntag ergangen? Ich sitze