Dienstag den 28. Juni 1892 Nr. 147 Amts- und Anzeigeblatt für» den "Kreis Gieren. Hratisßeikage: Kießener Kamitienötätter. lene^mt von Anzeigen jir der Nachmittag« für den folgenden log erscheinenden Nummer bi« vor». 10 Uhr. Llle Annoncen-Bureaux de« In- und Lu«lande« nehmen Anzeigen für den »Gießener Anzeiger^ entgegen. viertelfLhriger AßoauementspreiAi 2 Mark 20 Pfg. mU Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition «nd Druckerei: Fernsprecher 51. Di« Meßmer »erden dem Anzeiger «zchevtlich dreimal beigelegt. Der OUtzener ZnzeiGer erscheint täglich, ett Lu«nah»e de« Montag«. Kießmer Anzeiger Kenerat-Ztnzeiger. Anrtliehev Theil. Bekanntmachung, betreffend die Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgemerbe. Auf Grund der SS 105b Abs. 2, 105e und 55a der Gewerbeordnung, in der Fassung des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1891, betreffend den Arbeiterschutz, verfügen wir | für die Gemeinden des Kreises Gießen, insoweit durch statutarische Bestimmungen einzelner Gemeinden nicht etwas ! anderes angeordnet wird: I. Die fünfstündige Beschäftigung der .Gehülfen, Lehrlinge und Arbeiter im Handelsgewerbe an Sonn« und Fest- | Lagen wird a. in den Orten Grünberg, Hungen und Lich auf die Stunden zwischen 7 und 2 Uhr, b. in allen übrigen Landgemeinden auf die Stunden zwischen 6 und 1 Uhr, beides wieder unter Ausschluß der zwei Stunden des Haupt- gottesdienstes, als welche im Allgemeinen die Stunden von 9 bis 11 Uhr zu gelten haben, beschränkt. Zu anderen als den genannten fünf Arbeitsstunden darf nach § 41a der Gewerbeordnung in offenen Verkaufsstellen ein Gewerbebetrieb an Sonn- und Festtagen nicht stattfinden. Als Festtage im Sinne vorstehender Bestimmung gelten nach der Verordnung vom 26. Mai 1856: der Neujahrstag, der Charfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrtstag, Pftngst- ! rnontag und der zweite Weihnachtstag. Am ersten Werhnachts-, Oster- und Pfingsttage ist der Gewerbebetrieb im Handels.- gewerbe, mit der unter III, 1 zugelassenen Ausnahme, überhaupt verboten. II. Eine längere Beschäftigungs- und Verkaufszeit, wie vorstehend unter I. bestimmt, und zwar in den unter a. ge> nannten Orten bis 7 Uhr Abends, sowie in den unter b. genannten Orten bis 6 Uhr Abends, wird für das gesammte Handelsgewerbe zugelassen, an den 3 Sonntagen vor Weihnachten und 2 Sonntagen vor Pfingsten. III. Bezüglich der nachstehenden besonderen Gewerbe werden für alle Gemeinden des Kreises folgende Ausnahme- Bestimmungen getroffen: 1. Am ersten Weihnachts-, Cfter- und Pfingsttage ist der Handel mit Back- und Conditor- waaren, mit Fleischwaaren, Milch, Blumen und (an den beiden letztgenannten Tagen) mit Gis von 5 Uhr Morgens bis 12 Uhr Mittags; der Handel mit Colonialwaaren, mit Tabak und Cigarren, sowie mit Bier und Wein von 8 Uhr Morgens bis 12 Uhr Mittags; — überall jedoch mit Ausschluß der für den Hauptgottesdienst festgesetzten zwei Stunden — gestattet. 2. An den übrigen Sonn- und Festtagen darf der Verlaufs von Back- und Conditorwaaren, von Fleischwaaren und Milch, außer in den allgemein zugelassenen fünf Stunden, schon von 5 Uhr Morgens an, und auch während der für den Hauptgottesdienst bestimmten Stuben stattfinden. 3. Die Friseure, Barbiere, Conditoren, sowie diejenigen, welche Erlaubniß zum Lchankbetrieb haben, sind in Beziehung auf den neben ihrem Hauptgewerbe betriebenen Handel den gleichen Beschränkungen, wie die übrigen Kaufleute, unterworfen. Friseuren und Barbieren ist aber die Haar- und Bartpffege in ihren Geschäftsräumen mittelst Zugangs durch den Laden auch während des Gottesdienstes an allen Sonn- und Festtagen, einschließlich der ersten Weihnachts-, Oster- und Pfingsttage, gestattet. IV. Das Feilbieten von Cbft, Backwaaren und sonstigen Lebensmitteln auf öffentlichen Straßen und Plätzen ist an Sonn- und Festtagen nur da, wo es bisher schon üblich war, und nur mit Ausschluß der für den Gottesdienst am Vor- und Nachmittag bestimmten Stunden, gestattet. V. Vorstehende Bestimmungen treten mit dem 1. Juli 1892 in Kraft. Zuwiderhandlungen werden nach § 146a der Gemerbe- I ordnung mit Geldstrafe bis zu 600 Mk. und im Unvermögens- I fade mit Haft bestraft. Gießen, den 25. Juni 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gießen, den 25. Juni 1892. Betr.: Die Regelung der Sonntagsruhe im Handesgewerbe. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Vorstehender Bekanntmachung gemäß wollen Sie das Polizeipersonal instruiren und anweisen, über alle Zuwiderhandlungen Polizei-Anzeige zu erstatten. Die in Ihren Gemeinden ansässigen Apotheker wollen Sie noch besonders darauf Hinweisen, daß — insoweit sich dieselben mit dem Verkaufe anderer Gegenstände als „Arzneimittel" befassen, — sie den gleichen Beschränkungen wie die übrigen Kaufleute unterworfen sind. __________________v. Gagern.__________________ Gießen, den 25. Juni 1892. Betr.: Die Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die evangelischen Pfarrämter. Unter Bezugnahme auf obige Bekanntmachung ersuchen wir Sie im Auftrage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, den Hauptgottesdienst an Sonn- und Festtagen, sofern dies nicht ohnehin geschehen ist, thunlichst in die Zeit zwischen 9 und 11 Uhr zu verlegen. Von etwa entgegenstehenden Hindernissen, namentlich in den Filialorten, bitten wir uns baldgefällige Mittheilung zu machen. v. Gagern. Xktstfdhc^ Reich. Berlin, 25. Juni. Der König und die Königin von Italien trafen nach Beendigung ihres mehrtägigen Aufenthalts am kaiserlichen Hofe in Potsdam Freitag Nachmittags 6V4 Uhr in der Villa Strehlen bei Dresden ein, wo sie dem sächsischen Königspaare einen Besuch ab- statteten. Derselbe erklärt sich aus den nahen verwandtschaftlichen Beziehungen, welche zwischen der italienischen Königssamilie und dem sächsischen Königshause schon seit geraumer Zeit bestehen. König Albert und Königin Carola, umgeben von den Prinzen und Prinzessinnen des sächsischen Königshauses, empfingen ihre erlauchten Gäste auf dem Bahnhose Strehlen und geleiteten sie nach der königlichen Villa. Hier fand zu Ehren der italienischen Majestäten Familien- tasel statt, nach deren Beendigung König Humbert und Königin Margherita von Bahnhof Strehlen aus direct nach Frankfurt a. M. weiterreisten. Die Ankunft der hohen Reisenden in der altberühmten Mainstadt erfolgte am Samstag Vormittag gegen 9 Uhr- bei Bockenheim hielt alsdann König Humbert eine Parade über das Husaren-Regiment Nr. 13, dessen Chef er bekanntlich ist, sowie über die anderen Truppentheile der Garnison Frankfurt ab. Später begab sich das Königspaar nach Homburg zu einem Besuche dec Kaiserin Friedrich. — Der Kaiser empfing in Potsdam am Tage der Wiederabreise der italienischen Majestäten den italienischen Minister des Auswärtigen, Cavaliere Brin, in längerer Audienz. Durch dieselbe haben die wiederholten Conserenzen, welche Herr Brin während seines Aufenthalts in Berlin mit dem Reichskanzler Grafen Caprivi und dem Staatssecretär des Auswärtigen, v. Marschall gepflogen, eine bedeutungsvolle Ergänzung erfahren, da man wohl annehmen darf, daß der neue Leiter der auswärtigen Politik Italiens in dieser Audienz dem erlauchten Verbündeten seines Souverains umfassenden politischen Vortrag gehalten hat. Was die erwähnten Unterredungen des italienischen Ministers mit dem Reichskanzler und dem Staatssecretär v. Marschall anbelangt, so wird bestimmt versichert, daß sie die fortgesetzte völlige Ueberein- stimmung der deutschen und der italienischen Politik in Bezug auf alle hervorragenderen Fragen der internationalen Politik ergeben hätten. — Kaiser Wilhelm ist am Samstag früh in Kiel eingetroffen, woselbst er bis zum Abend des 29. Juni weilen wird, um dann seine diesjährige Nordlandssahrt anzutreten. Am 7. Juli soll die Ankunst des hohen Herrn in Stockmarkäs, einem Hasen der Lofoteninseln, erfolgen. — Der Aufenthalt des Fürsten Bismarck in Wien hat mit den Erklärungen, die letzterer einem Redacteur der „N. Fr. Pr." gegenüber abgegeben, eine besonders bemerkens- werthe Kundgebung des EpReichSkanzlers gezeitigt. In derselben erklärte er u. A., daß er die Handelsverträge Deutschlands mit Oesterreich, Italien und der Schweiz nicht gebilligt habe, weil er sie den Interessen der deutschen Landwirthschast widersprechend erachte. Seinem Amtsnachfolger machte Fürst I Bismarck den Vorwurs, daß er es nicht verstanden habe, den Zusammenhang der deutschen Politik mit der russischen Politik ungeachtet des deutsch-österreichischen Bündnisses aufrecht zu erhalten, woraus sich auch die eingetretene Verschlimmerung der politischen Lage Europas erkläre. Einen neuen Krieg Deutschlands mit Frankreich bezeichnete Bismarck als wohl unausweichlich. Eine Rückkehr seinerseits an die Spitze der deutschen Politik stellte der Fürst als völlig aussichtslos hinüber sein etwaiges Erscheinen im Reichstage ließ er sich nicht bestimmt aus. Dagegen versicherte er offen, er sei bis jetzt dem Reichstage lediglich deßhalb ferngeblieben, weil er sonst die Regierung angreifen müßte. Schließlich betonte Fürst Bismarck, er würde sich für den Rest seines Lebens das Recht, die heimathlichen Zustände zu kritisiren, nicht nehmen lassen. Berlin, 25. Juni. Der „Nationalzeitung" zufolge ist die Ernennung des Reichsbankdirectors v. Könen zum Präsidenten des Reichspatentamts nunmehr erfolgt. Kiel, 25. Juni. Um 9*/2 Uhr begab sich der Kaiser an Bord des „Hohenzollern" und wohnte der Binnenregatta des kaiserlichen Yachtclubs bei. Kiel, 25. Juni. Seine Majestät der Kaiser kehrte um 41/2 Uhr aus der kaiserlichen Yacht „Hohenzollern" von der internen Regatta des kaiserlichen Yachtclubs zurück, nachdem Allerhöchstderselbe mit dem Grobherzog von Mecklenburg und Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich auf der Segelyacht „Irene" eine Fahrt aus der Föhrde unternommen hatte. Bei der Regatta gewann, wie im Jahre 1891, Capitän zur See Barandon mit der Gig „Jnspection" den Kaiserpreis, Unterlieutenant Paschen mit dem Kutter „Kronprinz" den Ehrenpreis der Frau Prinzessin Heinrich. Chemnitz, 25.Juni. Hier wurde eine Falschmünzerbande verhaftet, welche namentlich falsche Silbergulden an- sertigte und verausgabte. Königsberg i. Pr., 25. Juni. Der gestrige starke Sturm hat in den Haffs zahlreiche Schifssunsälle verursacht. Im Kurischen Haff kenterte ein Fischerboot- die Fischer sind ertrunken. Im frischen Haff wurde ein Fischerboot von den Wellen über einen Damm geschleudert und zerschellt. Die Obsternte der Stadt ist saft vollständig vernichtet. Augsburg, 25. Juni. Die Jahresversammlung der süddeutschen Textil-Berufsgenossenschast beschloß, den Beamten oder deren Wittwen von Fall zu Fall Pensionsbezüge zu gewähren. Ausland. Paris, 25. Juni. In dem heutigen Ministerrarhe legte der Handelsminister Jules Roche einen Gesetzentwurf vor über den Verkehr mit Dynamit und anderen Explosivstoffen in Fabriken, Niederlagen und Verkaufsstellen, sowie beim Transport, Verkauf und bei der Verwendung dieser Stoffe. London, 25.Juni. Die „Times" melden aus Petersburg, es werde eine Hungersnoth in sieben Gouvernements befürchtet, die voriges Jahr von der Mißernte heimgesucht worden waren. Amsterdam, 25. Juni. Nachrichten aus Singapore melden einen furchtbaren vulkanischen Ausbruch aus der Insel Groß-Sangi bei CelebeS. Hunderte Eingeborene fanden dabei ihren Tffd. Rom, 24. Juni. Der „Popolo Romano" veröffentlicht eine Unterredung seines Berliner Correspondenten mit Brin, wonach eine Entrevue zwischen dem österreichischen und russischen Kaiser für wahrscheinlich gilt und als das kostbarste Friedensband erklärt wird. Die „Tribuna" erklärt dagegen, Brin habe mit Niemandem gesprochen. Neueste Nachrichten. WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau. Monza, 26. Juni. Der König Humbert und die Königin Margherita sind heute früh 8 Uhr 23 Min., begleitet von dem Minister des Auswärtigen Brin und dem Gefolge, hier wieder eingetroffen. Sie wurden am Bahnhofe von dem Präfecten von Mailand, den Spitzen der Civil- und Militär-Behörden, sowie den hervorragenden Persönlichkeiten der Stadt empfangen und von einer zahlreichen Menschenmenge jubelnd begrüßt. Der Weg vom Bahnhofe zum Königlichen Schloß, sowie die Stadt waren festlich beflaggt. Petersburg, 26. Juni. Nach amtlicher Mittheilung sind gegen die Gefahr der Einschleppung der Cholera energische Maßregeln in den Gouvernements Astrachan, Ssararow, Taurien, dem Uralschen Gebiete, dem Kaukasus und den Häsen des Schwarzen Meeres getroffen worden. Abgesehen von einzelnen Cholerasällen in TranökaSpien, Turkestan und Samarkand, unter den Eingeborenen und Truppen ist nur in Baku die Cholera aufgetreten. Vom 6. bis zum 12. d. M. sind daselbst an der Cholera 164 Personen erkrankt und 70 gestorben. 12 Personen sind genesen. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 26. Juni. Der Bürgermeister Zelle wurde vom König von Italien zum Kommandeur des Ordens der Krone Italiens ernannt. Berlin, 26. Juni. Dem „Berliner Tagebl." wird über Zanzibar auS Usagara gemeldet: Eingeborene Krieger, zu großen Schaaren zusammengerottet, durchziehen raubend das Land. Der Ausbruch eines gefährlichen Ausstandes steht bevor. Die Karavanenstraßen sind völlig unsicher, im südlichen Küstengebiet blüht der Selavenhandel. Die Wahehe halten keinen Frieden. München, 26.Juni. Die Serenade verlies trotz Regen- wettcr unter Betheiligung von 26 Vereinen mit 800 Sängern glänzend; ea. 5000 Mann nahmen an der Feier Theil. Die Studenten feierten Bismarck als den Mitbegründer des Reiches, als den Schützer und Förder der aeademischen Jugend. Bismarck bat, der häufigen Gelübde in Musik gebundener Rede nicht zu vergessen, worauf der Sängerbund das „Frühlings Erwachen" von Lachner prächtig executirte. Der Vorstand, Oberregierungsrath Rutz, toastete auf den unsterblichen Altreichskanzler, Rechtsanwalt Dürck aus Bismarck, der das deutsche Lied zur That gemacht. Bismarck nennt es Glück und Ehre, daß sein Name in der Vergangenheit sich identi- fieire mit den nationalen Gefühlen des Volkes. Er spricht seinen Dank aus und sagt, der Empfang erschwere ihm den Abschied von München, doch hoffe er, im nächsten Jahre wieder zu kommen. Brausende Bravos und Hochs erschallten. Nach Absingen des „Sängerspruches" und der ersten zwei Verse der „Wacht am Rhein" und der Widmung von Lorbeerkränzen der geselligen Vereinigung der Künstler-Genossen- schast ziehen die Vereine vorüber. Das Fürstenpaar zieht sich zurück unter dem Wersen von Blumensträußchen und Kränzen mit Widmung, von Eichen- und Lorbeerkränzen in riesiger Zahl. Den Besuch bei Minister Crailsheim motivirt Bismarck mit den früheren guten amtlichen Beziehungen, nach deren Aushören er persönliche an deren Stelle zu setzen wünsche. München, 26. Juni. Gestern Abend nach dem Fackelzug sprach Bismarck in ungezwungener Unterhaltung über den Proceß der Wiedererrichtung des Deutschen Reiches und die Dankbarkeit des deutschen Volkes gegen ihn. Gestern Nachmittag besuchte Bismarck den Minister Crailsheim und die Künstlergesellschast Allotria, wo er dem credenzten Ehren- humpen kräftig zusprach. Alsdann begab er sich aus eine halbe Stunde in die Kunstausstellung, wo viele Tausende seiner harrten und ihn jubelnd empfingen. Er fuhr dann unter brausenden Hochrufen ungezählter Menschen zum Diner in die Villa Lenbach. totales nnfc provinzielles. Gießen, 27. Juni 1892. — Der Ausflug des Geschichtsvereins nach Laubach verlies in so befriedigender Weise, daß der Vorstand beschlossen hat, recht bald wieder einen ähnlichen Ausflug zu unternehmen. Dieser ist nun für Sonntag den 3. Juli nach Friedberg geplant. Abfahrt von hier kurz vor 2 Uhr Nachmittags. Es bleibt genügende Zeit, Stadt und Burg, besonders auch die Kirche und das merkwürdige Judenbad zu besichtigen. Am Abend soll dann in einem geeigneten Biergarten eine Sitzung abgehalten werden, zu welcher schon zwei Vorträge angemeldet sind: 1) Mittheilungen aus dem Friedberger Malefizbuch von 1560 und den folgenden Jahren, und 2) über Friedberger Münzen, die auch dabei vorgezeigt werden sollen. Es läßt sich mit Sicherheit erwarten, daß die Beteiligung der Geschichtssreunde auch diesmal sehr rege sein wird. — Zwischen Oberhörgern und Münzenberg an der Straße steht ein Stein mit der folgenden räthselhasteu Zuschrift: Z G B 30 Z R B 45 Z F B 1 G 30 X St Mas bedeutet das? D. M. Musik. Seitdem unsere Regiments-Capelle von ihrer Hamburger Kunstreise wieder zurückgekehrt ist, hat auch in unserem Gießen wieder ein regeres musikalisches Leben begonnen. Die beiden ersten Abonnements-Coneerte legten Zeugniß ab, wie schneidig unsere Regiments-Musik dort an der nördlichen Elbe gewirkt, und mancher Gießener hatte die Freude, Augenzeuge des Triumphes zu sein, welcher derselben gespendet wurde. —- Wir machen nun an dieser Stelle auf das morgen, Dienstag den 28. Juni, stattfindende Concert zum Besten des Unterstützungsfonds deutscher Militär musik er aufmerksam. Die Pflicht des Wohlthuns ist eine angenehme und um so mehr segensreiche, wie dieselbe recht lohnend ist. Solchem Zweck entspricht das morgige Concert unserer Regimentsmusik, dessen Ertrag dem Unter- stutzungssond kranker deutscher Militärmusiker zufließt. Das Programm ist ein sehr interessantes und bietet u. A. die Ouvertüren z. Op. „Don Juan" (Mozart), „Tell" (Rossini), „Orpheus" (Offenbach), „Spanische Tänze" (Moskowsky), Finale a. „Rienzi" (Wagner), Fantasie a. d. „Folkunger"