Nr 278 Erstes Blatt Sonntag ton 27. November <892 Der Mmt A«zei-«r erscheint täglich, ■Mi Ausnahme bei Montags. Die Gießener »erden dem Anzeißer Wöchentlich dreimal d eigelegt. Gießener Anzeiger Keneral-Anzeiger. viertelsahrlger ASo«uemeutiprelO< 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Potz bezog« 2 Mark 50 Psg Aedaction, ExvebNiao and Druckerei: Fernsprecher 51. Amts- ttttb Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen. Hratisönkage: Hießmer Jamirienkkätler Alle Anvoncen-Vureaux del In. und Auslandes nehm« Atntlicl^sv Theil des Berlin, 25. November. Annahme von Anzeigen zu der Nachmitta-I für den fnlgenden Lag erscheinenden Nummer bis vor». 10 Uhr. Alle Mitglieder des Obstbauvereins und Freunde Obstbaues werden hierzu freundlichst eingeladen. Gießen, den 25. November 1892. Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen. Nebel, Amtmann. Gefunden: 1 schwarzer Boa, 1 Fächer, 1 Gummischuh, 2 Kellerfensterläden, 1 Verbindungszeichen, 1 Paar Handschuhe, Geld, 1 Photographie, 1 goldenes Medaillion und 1 Taschentuch. Gießen, den 26. November 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. durch Beschwerden bekleidet und aus- die Müheseligkeiten auf nassem Boden, nicht überwinden, Beinkleidern! So Geschichtliche Wahrheit über die Landwehr. Von Karl Bleibtreu (Charlottenburg). Das „Militär-Wochenblatt" brachte bekanntlich, um für die Militärvorlage Stimmung zu machen, kürzlich einige Angriffe auf die volksthümliche Einrichtung der Landwehr. Bei Vertheidigung heimischer Berge und Wälder haben sich Schweizer, Tyroler, Amerikaner Milizen — letztere noch 1814 gegen Wellington'sche Veteranen vor New-Orleans — stets jedem Heere überlegen gezeigt, und die Leistungen im amerikanischen Bürgerkriege stiegen zu ungeahnter Höhe. Und welche Dinge haben von Acker und Werkstatt soeben hergetriebene Nationalgarden und Conscribirte 1814 in Napoleons Händen vollbracht! Man denke an die heldenhaften Bauern in Kitteln, Zipfelmützen, runden Hüten des Corps Gerard und der Division Pacthod. Waren die Rekruten Napoleons 1813 besser gedrillt und hielten sich diese milchsuppigen Jüngelchen gegen preußisch-russische Garderiesen bei Lützen nicht überraschend gut? Doch wir vergessen, es ist ja insbesonderS von der preußischen Landwehr die Rede gewesen, und um deren historische Proben handelt es sich. Lassen wir also ruhig die Thatsachen mit der verzerrenden Darstellung in dem Militärwochenblatt abfinden! socialen Verhältnisse künstlich zu hemmen und nehme immer seltsamere Formen an. Man kenne die Symptome des Uebels, ohne dessen Sitz zu berühren. Berlin, 25. November. Der „Voss. Ztg." wird aus Paris gemeldet, daß Journalist Deshoux vom „Matin", welcher Bismarck interwiewte, in den nächsten Tagen die Mittheilungen des Fürsten veröffentlichen wird. Berlin, 25. November. Der Hauptgewinn der sächsischen Lotterie von 500000 Mark ist auf Loos 67 832 gefallen. Arnswalde, 25. November. Reichstags-Ersatzwahl. Ahlwardt 5600, Waldow (cons.) 2253, Drave (freif.) 2494, Hobrecht (natlib.), 352, Millarg (Socialdem.) 873 Stimmen. Es fehlen noch 37 Ortschaften. und Witterung, trotzdem sie viel besser gerüstet war. Die Landwehren konnten des steten Marschirens und Biwakirens an regengeschwollenen Flüffen, natürlich ohne Schuhe und Mäntel, mit leinenen Es ist richtig, daß die Landwehr Blüchers nach der Katzbach'Verfolgung, welche alle Kräfte aufrieb, jede Widerstandsfähigkeit verlor. Ja, ein Theil wich von.der Fahne, weil die guten Leute das Elend nicht länger ertragen konnten und im Uebrigen ihre Schuldigkeit vollendet glaubten, deshalb gemüthlich nach Hause heimkehrten, um sich zu stärken. Aber auch die Linie litt außerordentlich (gegen das Vorjahr 5 853803 Mark mehr), die der Reichseisenbahnen 35 845 000 Mark (1 226 000 Mark mehr gegen das Vorjahr). schmolz z. B. ein einziges Bataillon aus 180 Mann, und die Landwehr verlor im Ganzen damals über die Hälfte ihres Bestandes. Aber ein genauer Vergleich der Corpsstärken ergibt, daß die Verlustliste der Linie nicht so sehr viel schmaler ausfiel, da von etwa 83000 Mann Linie damals schon 15 274 Mann daraufgingen, etwas weniger als ein Fünftel. Diese Differenz ist in Anbetracht des bloßen zeitweiligen Desertirens vieler Landwehren, die später wieder zur Fahne stießen, nicht erheblich. Denn, wie gesagt, ließen Ausrüstung und Verpflegung der Linientruppen weit weniger zu wünschen übrig, und es wäre eine wahre Schande gewesen, wenn sie sich nicht bester gehalten hätten, als die armen Wehrmänner! So allein sieht hier die Wahrheit aus und das Gleiche gilt für den Winterseldzug 1814 in Frankreich, in den auch jetzt noch die preußische Landwehr mit ungenügender Bekleidung eintrat. Dann kann man sich über ihre reißende Abnahme unter Strapazen nicht wundern. Kommt aber die Kriegstüchtigkeit der Landwehr auf dem Schlachtfeld in Frage, so erscheint jede Herabminderung ihrer Verdienste als eine unritterliche Verleumdung. Das 1. neumärkische Landwehrregiment verlor bei Dcnne- witz die Hälfte seiner Offiziere und 550 Mann, eine beredte Zahl, die für ausdauernde Feuerthätigkeit zeugt. Nur ein Linien- und ein Reserveregiment verloren mehr Mannschaften, Deutsches Reich. Berlin, 24. November. Nach der Milirärvorlage sollen neu errichtet werden: Infanterie: 173 vierte Bataillone — bei jedem Regiment eins — zu zwei Compagnien (133 preußische, 20 bayerische, 12 sächsische und 8 württembergische). Cavallerie: Ein Regiment zu drei Escadrons (Bayern), 9 Reserve - Stamm - Escadrons (acht preußische, eine sächsische). Fahrende Feldartillerie: 20 Abtheilungsstäbe (16 preußische, 2 bayerische, 1 sächsischer, 1 württembergischer)- 60 Batterien (48 preußische, 6 bayerische, 3 sächsische, 3 württembergische)- außerdem ein Ab- theilungsstab und 3 Batterien bei der Feldartillerie-Schieß- schule (Preußen). Fuß-Artillerie: 2 Stäbe für die 5. und 6. Fußartillerie - Inspektion- drei Regimentsstäbe (Preußen)- 6 Bataillone (5 preußische, 1 bayerisches)- eine Compagnie (Sachsen), außerdem ein Bataillonsstab und eine Compagnie bei der Fußartillerie - Schießschule (Preußen). Pioniere: 3 Commandeure der Pioniere des 1., 15. und 16 Armeecoips — Regiments-Commanoeure — gegen Fortfall von zwn Festungs-Jnspecteuren- 3 Bataillone (Preußen) - 1 Bataillonsstab und 1 Compagnie (Bayern), 2 Compagnien (Sachsen). Eisenbahntruppe n : Ein Regimentsstab (Preußen), 2 Bataillonsstäbe (Preußen), 9 Compagnien (7 preußische, 1 bayerische, 1 sächsische). Train: 1 Compagnie (Preußen), 17 Bespannungßabtheilungen für Fuß. arnllerie (14 preußische, 2 bayerische, 1 sächsische). Die zu je zwei Compagnien in der Stärke von zusammen 195 Unteroffizieren und Gemeinen geplanten vierten Bataillone der Infanterie sollen dem Zweck dienen, die Ausbildung sämmt- l.cher Diensttauglichen und zugleich die Durchführung der verkürzten Dienstzeit zu ermöglichen, indem sie die drei ersten Feldbataillone durch Ausbildung des Nachersatzes, der Einjährig.Freiwilligen, der Schulamtscandidaten, Abnahme des größten Theils der außerhalb der Front Commandirten und Uebernahme der Uebungen des Beurlaubtenstandes entlasten. Im Mobilmachungssalle werden sie die Ausstellung der Neu- und Reservesormationen erleichtern, ihnen einen festeren Halt geben und gleichzeitig die Feldbataillone von Abgaben entlasten. Sie beseitigen damit einen Uebelstand, der sich bei der bisherigen Organisation in einem geradezu bedenklichen Maße fühlbar machte. Die „Voss. Ztg." bemängelt den Gesetzentwurf bezüglich der Beschränkung der Auswanderung, welcher in offenbarem Gegensatz zu Artikel 11 der preußischen Verfassung stehe. Der Gesetzentwurf zeige, von welchem Geiste die Reichsregierung heute beseelt sei. Diese suche die natürlichen Wirkungen der politischen und Neueste Nachrichten. Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau. Berlin, 25. November. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser verbrachte eine gute Nacht. Der Erkältungszustand ist als beinahe überwunden auzusehen. Berlin, 25. November. Die Centrumsfraction hat beschlossen, beim Reichstage einen Antrag aus Aufhebung des Jesuitengesetzes einzubringen. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 25. November. Das Abgeordnetenhaus wird, der „Natlib. Correspondenz" zufolge, morgen bis zum 10. Januar vertagt. Die Niedersetzung einer einzigen Com- Mission für sämmtliche Steuervorlagen sei gesichert. Abg. Freiherr v. Huene soll das Präsidium der Commission erhalten. Berlin, 26. November. Die „Nat.-Ztg." schreibt: Daß anerkennende Preßstimmen des Auslandes über die Rede des Reichskanzlers an der Spitze des nichtamtlichen Theiles des „Reichsanzeigers" verzeichnet seien, beweise nur das selbstverständliche Interesse Oesterreichs und Englands an dem Vorhandensein eines starken deutschen Hxeres. Der Versuch, durch Berufung auf Stimmen aus diesen Ländern die kritische Prüfung der Militärvorlage zu beeinflussen, sei ganz vergeblich. Berlin, 25. November. Die Einnahmen der Po stund Telegraphenverwaltung während der ersten sieben Monate des Etatjahres betragen 139 378 360 Mark Bekanntmachung, betreffend den Oberhessischen Obstbauverein. Herr Obstbautechniker Metz von Friedberg wird die nachstehend verzeichneten Orte zu den beigefügten Zeiten be. suchen und daselbst Vorträge bezw. Demonstrationen in den Baumstücken halten. I. Lich, Samstag den 2«. d. M., Abends 8 llbr: Vortrag. 2. (Harb ent eich, Sonntag den 27. d. M., Nachmittags 3 Uhr: Vortrag; Montag den 28. d. M., Vormittags 9 Uhr: Demonstration. 3. Leihgestern, Montag den 28. d. M., Nachmittags 2 Uhr: Demonstration; Abends 8 Uhr: Vortrag. 4. Großen-Linden. Dienstag den 28. d. M., Nachmittags 2 Uhr: Demonstration; Abends 8 Uhr: Vortrag. 6 Lang. Göns, Mittwoch den 30. d. M., Nachmittags 2 Uhr: Demonstration; Abends 8 Uhr: Vortrag. Bekanntmachung, betreffend die Schafräude zu Climbach. Nachdem die zu Climbach ausgebrochen gewesene Schafräude erloschen ist, haben wir die über die Gemarkung Climbach verhängte Sperre aufgehoben. Gießen, den 24. November 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Gießen, den 24. November 1892. Betr.: Die Vertilgung der Mäuse. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Grotzh. vürgerrrreiftereieir de- Steifes. Wir benachrichtigen Sie hierdurch, daß nach den bis jetzt eingelaufenen Berichten der Großh. Bürgermeistereien der gewünschte Erfolg von der Anwendung des Loeffler'schen Mäusebacillus nicht erzielt worden ist. Die meisten Großh. Bürgermeistereien haben berichtet, daß man todte oder kranke Mäuse an den Stellen, woselbst das mit dem Bacillus durchtränkte Brod ausgestreut worden war, nicht wahrgenommen habe. Einzelne Bürgermeistereien haben jedoch mitgetheilt, daß auf den Stellen, auf welchen der Mäusebacillus ausgestreut worden sei, eine Zeit lang keine Mäuse mehr beobachtet worden seien, daß jedoch kurze Zeit darauf sich wiederum auf denselben Stellen viele, wahrscheinlich von benachbarten Aeckern zugewanderte Mäuse gezeigt hätten. Es scheint daher, daß die Angabe, daß durch die bacillenhaltigen Dejectionen der erkrankten, ferner durch Auffreffen der an dem Mäusetyphus verendeten Thiere diese Krankheit auch auf diejenigen Mäuse übertragen werde, welche von dem mit dem Bacillus inficirten Brode nicht gefressen haben, nicht in allen Fällen zutrifft. Da aber ein Reagenzglas des Loeffler- schen Mäusebacillus verhältnißmäßig sehr theuer ist, bei I. ß. Schwarzlose Söhne in Berlin 2 Mk. 50 Pf. kostet, so empfiehlt es sich, die Mäuse durch vergifteten Weizen rc.zu vertilgen. Wir machen Sie jedoch darauf aufmerksam, daß nicht gestattet werden kann, daß die vergifteten Weizenkörner auf das Feld ausgestreut werden. Wir empfehlen Ihnen daher, dem Gemeinderath Vorlage zu erstatten, und falls in Ihren Gemeinden die Mäuse in bedrohlicher Weise überhand genommen haben sollten, mit demselben darüber zu berathen und zu beschließen, ob die Mäuse nicht auf Kosten der Ge meinde durch vergifteten Weizen zu vertilgen seien. Falls der Gemeinderath hierzu seine Zustimmung ertheilen sollte, dann sinh zuverlässige Männer mit dem Ausstreuen des vergifteten Weizens zu beauftragen und dieselben dahin zu instruiren, daß der vergiftete Weizen so tief in die Mäuse- löcher einzulegen ist, daß die Körner nicht von Vögeln, Hühnern, Fasanen rc. gefressen werden können. Sollte der Gemeinderath die Vertilgung der Mäuse auf Kosten der Gemeinde ablehnen, dann wollen Sie, falls die Mäuse sehr überhand genommen haben sollten, die Grundbesitzer auf ortsübliche Weise zur Vertilgung der Mäuse durch vergifteten Weizen unter dem Anfügen ausfordern lassen, daß die vergifteten Körner so tief in die Mauselöcher einzulegen sind, baß sie nicht von anderen Thieren als Mäusen leicht gefressen werden können, und daß es untersagt ist, die vergifteten Körner auf dem offenen Felde auszustreuen. v. Gagern. keinS hingegen so viele Offiziere, was wiederum den Eifer dieser NichtBcrussrnilitärS erweist. Es waren kurmärkische Landwehrbataillone der Brigade Borstell, die den letzten furchtbaren Strauß in Gölsdors bestanden. Aus dem anderen Flügel schlug sich das ganz aus Landwehr bestehende Corps Tauenzien, mangelhaft ausgerüstet und mit wenig Geschütz versehen, gegen doppelte Uebermacht in allen Waffengattungen. Bald mußte der Feind inne werden, welch cm Geist in diesen Milizen lebte, die buchstäblich für Haus und Hof auf heimischer Scholle stritten. Da weit überlegenes Geschütz mörderisch in ihren Reihen wüthete, gingen fie zuversichtlich dem Feinde auf halbem Wege entgegen und sobald derselbe stutzte, benutzte die Landwehr- Reiterei mit rühmlichster Geistesgegenwart den Augenblick zu allgemeiner Attacke. Obschon so schlecht gerüstet, daß manche keine Steigbügel und statt Zügel bloße Stricke in Händen hatten, warfen ihre lange Lanzen doch Alles vor sich nieder. In Wirbel von Staub und Pulverdamps gehüllt, ritten sie das erste feindliche Treffen um und zersprengten die polnischen Lanciers in athemlosem Sturmlauf. Das ruhmvolle Gefecht bei Hagelberg, dessen Ergebnisse in der Schwach: voll Großbeeren weit übertrafen, wurde ausschließlich von Landwehr geliefert, und ihr braver erfahrener Gegner, dessen bis zuletzt aushaltende Artillerie große Verheerungen anrichtete, mit hochgehobenem Kolben einfach todt- gefchlagen. Bei Wartenburg folgte dem 2. Bataillon des Leibregiments sofort ein Bataillon des 4. Landwehr - Regiments, Sümpfe durchwatend und Wälle ersteigend. Auch diese berühmte Waffenthar knüpft sich also mit an den Namen der Landwehr. Daß die Königsberger vom 3. ostpreußischen Landwehr-Regiment unter Major Friccius zuerst durchs Grimmasche Thor in Leipzig eindrangen, gehört der sestgebuchten Geschichte an, obschon lange von der Linie bestritten. Auch 1815 haben 30000 preußische Landwehren den alten Prätorianern des fränkischen Cäsar furchtbar heirnge- leuchtet. Bei Ligny deckte das 2. Bataillon des 1. westfälischen Landwehr-Regiments den Rückzug mit spartanischer Tapferkeit. Wenn dort das 5. Landwehr-Regiment floh, so wurde es dabei nur vom 25. Linien Regiment mit fortgerissen. Panik kommt eben bei allen Truppen mal vor. Bei Wavre schlug das 4. kurmärkische Landwehr - Regiment dreizehn wüthende Angriffe zurück. Das 1. und 2. schlesische Landwehr-Regiment und die ganze pommersche Landwehr zerschmetterte bei Belle Alliance die gloireumsonnten Bärenmützen der Alten Garde. Entfesselte Bolkskrast würde im Drange der Noth auch heute noch solche Wunder thun. z totales wnö provinzielles. Gießen, 26. November 1892. — Akademische Feier. In der festlich geschmückten großen Aula des Universitätsgebäudes fand gestern 12 Uhr die akademisch e Feier des Geburtstages Sr. König!. Hoheit des Großherzogs statt. Die Festrede hielt Herr Proseffor Dr. Stade. Nach einer Einleitung über die Bedeutung des Tages sprach Redner „über die Aufgaben der Biblischen Theologie des Alten Testamentes". Diese hat nach seinen Ausführungen nicht eine Bibellehre, auch nicht blos den religiösen und ethischen Inhalt der Bücher des alttestamentlichen Canons darzustellen, sondern die specielle Borgeschichte zu schildern, welche das Christenthum unter dem Alten Bunde gehabt hat. Sie beschäftigt sich daher mit der Entstehung und Entwickelung der Religion Israels bis zur neutestamentlichen Zeit. — Zur Feier des Tages sand Abends j 8 Uhr im „Einhorn" ein studentischer Commers statt. — Festmahl im Club. Wie wir bereits in voriger Nummer mittheilten, versammelten sich zur Feier des Allerhöchsten Geburtstags Sr. König!. Hoheit der Großherzogs eine große Anzahl von Herren zu einem Festmahle im Saale der Gesellschasts Gebäudes. Ein Huldigungs-Telegramm an den allverehrten Landessürsten, besagend: „Die zur Festseier versammelten Vertreter des Civil- und Militärstandes, sowie der Bürgerschaft Gießens bringen ihrem geliebten Landesherrn die ehrerbietigsten Festgrüße dar. Möchten Eurer Königlichen Hoheit lange Jahre glücklicher Regierung über das treue Hessenland beschieden sein!" erhielt nachstehende zu Händen des Herrn Provinzial-Director Freiherrn von Gagern gegangene Antwort: „Bitte sagen Sie in meinem Namen den vereinigten Vertretern des Militärs, der Bürgerschaft, der Universität und den anderen Herren meinen herzlichsten Dank für die freundlichen Glückwünsche, die sie mir an diesem Tage dargebracht haben. Ernst Ludwig." — Geburtstagsfeier Der hiesige 8. C. hielt gestern Abend zur Feier des Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Groß Herzogs im Corpshause der Hassia einen Commers. — Von der Universität wird der „D. Ztg." von hier geschrieben: Dem Professor der practischen Theologie an der Landesuniversität lic. Max Reischle wurde von der theologischen Fakultät der Tübinger Hochschule der Ehrendoctor verliehen. — Die diesmaligen juristischen Facultäts- prüsungen an unserer Hochschule haben ein günstiges Resultat gehabt. Bon den sechzehn Candidaten, die sich zum Examen gemeldet haben, haben fünfzehn dasselbe bestanden- sechs erlangten das Ergebniß „sehr gut", ebensoviel das Prädikat „gut" und drei konnten als „genügend" bezeichnet werden. Sieben der betr. Candidaten besanden sich im 7., fünf im 8., drei im 9. und einer im 11. Semester. Im mündlichen Examen wurde geprüft von Professor Jörs in römischer Rechtsgeschichte, Institutionen und Prozeß, von Professor Co sack in deutschem Privatrecht und Handelsrecht, von Professor Kr et schm ar in Pandekten, von Professor F rank in Strafrecht, Strafprozeß und Gerichtsversassungsrecht, von Proseffor Schmidt in deutscher Rechtsgeschichle, Kirchenrecht, Eherecht und Völkerrecht und Professor Laspeyres in theoretischer und practischer Nationalökonomie. — Oeffentliche Anerkennung einer edlen Thal. Der Großherzog hat dem Buchhändler Alexander Sartorius hier in Anerkennung der von demselben am 11. Juni l. I. mit Muth und Entschlossenheit, sowie eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des Hausburschen Heinrich Hahn von hier vom Tode des Ertrinkens die Rettungsmedaille verliehen. — Das Kaiser-Panorama, Bahnhofstraße 23, führt uns in der nächsten Woche die Darstellung der Königsschlösser von Versailles, eine auserlesene Serie historisch denkwürdiger Bauten und Räume, vor Augen. Man sieht da u. A. den großen Spiegelsaal, in welchem am 18. März 1871 Wilhelm der Siegreiche zum deutschen Kaiser proclarmrt wurde, die Gemächer der unglücklichen Königin Maria Antoinette, die Prunksäle des ersten Napoleon, die großartige Schlachten- Galerie, die unvergleichlich schönen Wasserkünste im Park von Versailles rc. — Verhaftet wurde gestern ein von auswärts steckbrieflich Verfolgter wegen Diebstahls und ein Cigarrenmacker, der seinen Principal schon längere Zeit bestohlen hat. — Ordens Verleihungen und Amts Auszeichnungen. Aus Anlaß des Geburtstages Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs wurden verliehen: Dem Minister der Finanzen, Wirklichen Geheimerath August Weber, sowie dem außerordenttichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Königlich Preußischen Hofe, Wirklichen Geheimerath Dr. Karl Neidhardt das Grotzkreuz, dem Piäsidenten der Oberrechnungskammer ValentinLorbach das Comthurkreuz zweiter Klasse, dem Miaisterial-Registrator bei dem Staats-Ministerium Jakob Nötiger das Ritterkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthtgen. Ferner: dem mit der oberen Leitung der Cabinets-Direction beauftragten Provinzial- Director der Provinz Rheinhessen, zugleich Territorial-Commissär bei der Festung Mainz, Karl Rothe, der Charakter als Geheimerath, dem zweiten Beamien bei der Cabinets-Directton, Cabinets Secretär Gustav Römheld, der Charakter als Cabinetsratb, dem Ministertal- Kanzlei-Jnspector bei dem Staats-Ministerium Friedrich Jatde der Charakter als Kanzleirath, und dem Ober-Rechnunqsrevtfor bei der Ober-Rechnungskammer Ludwig Wambold der Charakter als Rechnungsratb. Es wurden verliehen: a. das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthtgen: Dem Kreis- rath des Kreises Worms Franz Gros, dem evangelischen Pfarrer Decan Friedrich Heß zu Crumstadt, dem evangelischen Pfarrer Dccan Ludwig Meyer zu Friedberg, dem katholischen Pfarrer Decan August Schilling in Alsheim, dem ordentlichen Professor an der Landes-Universität Dr. Ferdinand Kattenbusch, dem ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule, derzeit Dtrector derselben, Dr. Lebrecht Henneberg, dem Director an dem Neuen Gymnasium in Darmstadt Ludwig Nodnagel, dem Ersten Staatsanwalt an dem Landgerichte der Provinz Starkenburg Christoph Arnold, dem Ober-Amtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg Friedrich Rübsamen, dem Landgerichtsrath bet dem Landgericht der Provinz Oberhessin Johannes Baptist Werte, dem Landgerichtsrath bet dem Landgericht der Provinz Oberhessen Johannes Holzapfel, dem Vorsteher der landwirthschaftltchen Versuchsstation Professor vr. Paul Wagner in Darmstadt, dem vortragenden Rath in der Abthetlung des Ministeriums der Finanzen für Bauwesen, Ober-Baurath Karl Poseiner, dem Hauptftaatscassier Ludolph Kramer, dem Forstmeister des Forstes Romrod, Gustav Dittmar zu Romrod, dem Oberförster der Oberförsteret Bessungen, Forst- tnspector Friedrich Hüter zu Darmstadt, dem Steuercommissär des Steuercommtssariats Zwingenberg, Steuerrath Otto Wolf, dem KretSbaumetster des Kreisbauamts Darmstadt, Baurath August Wiessel; b. die Krone zu dem Ritterkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthtgen: dem Vicepräsidenten des landwirlhschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen Gutsbesitzer Karl Schlenke zu Haardihof bet Gießen; c. dte Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthtgen: dem Ministerialkanzlet- diener und Hausverwalter der beiden Collegtenhäuser Johann Georg Weniger; d. das Ritterkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthtgen: dem Kreis-Schulinspector Peter Müller zu Oppenheim, dem Präsidenten des landwirthschaftlichen Vereins für dte Provinz Rheinhessen Gutsbesitzer Friedrich Ludwig Hirsch zu Alsheim; dem Vicepräsidenten des landwirthschaftltchen Vereins für die Provinz Starkenburg Gutspächter Frhrn. Albert v. Wangenheim zu Hof Haina, dem Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Zwingenberg Georg Adam Röth, dem Standesbeamten Johann Michael Schmitt zu Mainz, dem Dtstrtctseinnehmer der Diftrictseinnehmeret Darmstadt, Rendanten Konrad Reh, dem Hauptsteueramtsrendanten bet dem Hauptsteueramte Btngen Peter Herrmann, dem Revisions-Geometer bet dem Katasteramte Joh. Schreiner, dem Fabrikanten Louis Auler jun. in Bensheim; e. das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen: dem Jnspector an der Jdiotenanstalt Altce- stift Emil Roth in Darmstadt, dem Lehrer Martin Reuß zu Grünberg, dem Lehrer Georg Palzer zu Gabsheim, dem Gerichtsvollzieher Georg Rübe zu Mainz, dem Kanzletdiener bei dem Landgerichte der Provinz Rheinhessen Philipp Glock, dem Gemeindeeinnehmer Johann Dusenberg zu Bürstadt, dem Kanzleitnspector bei der Hauptstaatskasse Jakob Meyer, dem Dammmeifter Konrad Sack zu Worms, dem Bahnhofsverwalter bet der Hessischen Ludwigs- bahn Kaspar Keller zu Btngen, dem Bahnmeister bei dieser Bahn Valentin Schwarz zu Groß-Gerau, dem unberittenen Oberwachtmeister Gärtner, sowie den Fußgendarmen Kaßlick, Hofmann und Fischer vom Großh. Genvarmerie-Corps. f. das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste": dem Bürgermeister Johann Appel zu Bermersheim, Kreis Worms, dem Bürgermeister Adam Volz zu Hamm, dem Gefangenausseher Konrad Wtßner zu Martenschloß, dem Gefangenwärter Adam Heck zu Friedberg, dem gewesenen Gemeinde- und Kirchenrechner Karl Joseph Vogel zu Unter-Schönmattenwaag, dem Hofstallfouragemeister Georg Friedmann, dem Waldarbeiter Philipp Röth l. zu Siedelsbrunn, dem Waldarbeiter Georg Angert zu Fehlheim, dem Waldarbeiter Peter Becker II. zu Schwanheim, dem Waldarbeiter Peter Ruths I. zu Langwaden, dem Waldarbeiter Ludwig Dör- lamm II. zu Grotzhausen, dem Waldarbeiter Peter Becker II. zu Beltershain; ferner: dem Vorarbeiter Heinrich Klink, dem Bahnarbeiter Martin Stroh I., dem Bahnarbetter Georg Leonhardt I., dem Bahnarbeiter Heinrich Betz I., letztere sämmtlich bei der Main-Neckar-Bahn. g. das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für 50jährige treue Dienste" dem Schullehrer Martin Eder in Zornheim. h. Das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für treue Dienste": dem Forstwart der Forstwartei Nordheim, Förster Emil Hüter zu Nordheim, dem Forstwart der Forstwartei Treis a. d. L, Förster Johannes Stein, dem Oberbrückenwärter Friedrich Petry zu Worms, dem Dammwärter Jakob Wilhelm Sahlfeld zu Mombach, dem Weichenwärter bei der Main Neckar- Bahn Johann Heinrich Schneider, dem Lokomotivführer bei den Oberhesstschen Bahnen Peter Gernand, dem Bahnwärter bei diesen Bahnen Heinrich Reitz, dem Bahnwärter bei diesen Bahnen Heinrich Hartmann, dem Bahnwärter bet diesen Bahnen Johannes Schäfer, dem Weichenwärter bei diesen Bahnen Konrad Birx, dem Weichenwärter bei diesen Bahnen Johannes Rau, dem Lokomotivführer bei der Hessischen LudwigSbohn Julius Krug, dem Bahnwärter bei dieser Bahn Friedrich Malchus, dem Bahnwärter bei dieser Bahn Friedrich Plöser, dem Leibkulscher Christian Schneider^ „ wurde verliehen: dem vortragenden Rathe bet der Abthetlung für Schulangelegenheiten Wilhelm Soldan der Charakter als „Geheimer Oberschulrath", dem Vortragenden Rathe bei der Ab- theilung für öffentliche Gesundheitspflege Dr. Karl Neidharr der Charakter als „Geheimer Ober-Medicinalrath", dem Mitgliede der Oberen Bergbehörde Theodor Tecklenburg der Charakter als „Ober-Bergrath", dem Mtnistertalsecretär Adolph de Beauclair der Charakter als „Regierungsrath", dem Kreisärzte des Kreisgesundheitsamts Bensheim Dr. Gustav Heumann und dem Director' der Entbindungsanstalt zu Mainz Dr. Jacob Krug der Charakter als „Medicinalrath", dem Gymnasiallehrer Dr. Theodor Maurer zu Worms, dem Gymnasiallehrer Dr. Ferdinand Weiffenback) zu Gießen, dem Gymnasiallehrer Dr. Theodor Klein zu Mainz, dem Realgymnasiallehrer Theophil. Becker zu Darmstadt, dem Realgymvasiallehrer Eduard Winter daselbst, sowie dem Real- gymnaställehrer Dr. Aloys Denk zu Mainz der Charakter als „Professor", dem Notar Heinrich Ferdinand Habermehl zu Mainz der Charakter als „Justizrath", dem Fabrikanten Georg Karl Krafft zu Offenbach, oem Fabrikanten Benjamin Schramm zu Offenbach, dem Fabrikanten Wilhelm Gail zu Gießen, dem Kaufmann Friedrich Wilhelm Heinrich zu Mainz, dem Fabrikanten Joseph Gaftell zu Mainz, sowie dem Fabrikanten Wilhelm Dteudonnö Valckenberg zu Worms der Charakter als „Commerzienrath", und dem Rechner der Cioildiener-Wittwenkasse Karl Krebs, sowie dem städtischen Obersecretär Ludwig Amend zu Mainz der Charakter als „Rechnungsrath". Dem Pfarrer zu Rieder-Ingelheim Dr. Walther, dem Pfarrer zu Zwingenberg Dr. Str omberger und dem Obirpfarrrer zu Schlitz Dr. Dieffenbach wurde der Charakter als „Kirchenrath" verliehen. Dem Vortragenden Rath bei der Abtheilung des Ministeriums der Finanzen für Forst- und Cameralverwaltung, Oberforstrath Ludwig Frey, wurde der Charakter als „Geheimer Oberforstrath", dem vortragenden Rath bei der Abtheilung deS Ministeriums der Finanzen für Steuerwesen, Oberfteuerrath Franz Engisch, der Charakter als „Geheimer Oberfteuerrath", dem vortragenden Rath bei der Abtheilung des Ministeriums der Finanzen für Bauwesen, Oberbaurath Victor v. Weltzien, der Charakter als „Geheimer Oberbaurath", dem Ministerialregistrator, Zollinspector Friedrich Eckhardt, der Charakter als „Steuerrath", dem Steuercommissär des Stcvercommissariats Alzey, Friedrich Bechtold, der Charakter als „Steuerrath", dem ©leueicommiffar des Steuercommissariats Oppenheim, Wilh'elm Schäcker, der Charakter als „Steuerrath", dem Oberfteuertnspector des Hauptsteueramts Worms, Karl Frhrn. Gedult von Jungenfeld, der Charakter als „Steuerrath", dem Vorstand des Centralbureaus bei der Direction der Oberhesfischen Eisenbahnen, Rechnungsrath Philipp Burger, der Charakter als „Finanzrath", dem Oberförster der Oberförsteret Mörfelden, Wilhelm Marx, der Charakter als „Forst-Jnspector", dem Kreisbaumeister des Kreisbauamts Offenbach Karl Neuling der Charakter als „Baurath", dem Bezirks-Ingenieur bei der Hess. Ludwigsbahn Christian Schmidt zu Worms der Charakter als „Baurath", dem Buchhalter bei der Hauptstaatskasse Wilhelm Eckersweiler der Charakter als „Rechnungsrath", dem Districtseinnebmer der Diftrictseinnehmeret Nidda Wilhelm Hunsinger der Charakter als „Rendant", dem Vorstand der Betriebskanzlei der Oberhessischen Eisenbahnen, Regierungssecretär Victor Doerr, der Charakter als „Canzletrath", dem Forstwart der Forstwartei Seidenbuch Sebastian Faitz zu Seidenbuch der Charakter a!S „Förster", dem Forstwart der Forftwartei Burkhards Johannes Geiß zu Burkhards der Charakter als „Förster" verliehen. — Schul-Dienstnachrichten. Am 6. September ds. Js. wurde dem Schulverwalter Jacob Knöll zu Rehbach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule daselbst übertragen- am 21. October wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Klock aus Georgenhausen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Radmühl, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Adam Volk zu Bönstadt die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sichenhausen, — am 22. October wurde dem Schulamtsaspiranten Peter Ludwig aus Münster eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder-Eschbach, — am 25. October wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Weide aus Ober-Mörlen eine Lehrerstelle an der ev. Schule zu Vilbel, — am 26. October wurde dem Schullehrer Bernhard Hamburger zu Hornbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Königstädten, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Andreas Peter Brunner zu Unrer-Moffau eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wersau, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Leopold Selbst zu Haßloch eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Oppenheim — übertragen : am 28. October wurde der von dem Herrn Freiherrn Wambold von Umstadt zu Birkenau auf die Lehrerstelle an der kctth. Schule zu Birkenau präsentirte Schullehrer Michael Gruber zu Wald-Michelbach für diese Stelle bestätigt- — am 9. November wurde dem Schullehrer Friedrich Ehrlicher zu Büdesheim eine Lehrerstelle an der kath. Schule zu Kastel übertragen. — Dieser Tage kam das Sprichwort „Wiedersehen macht Freude" auch wieder zur Geltung. Bei der in voriger Woche in der Umgegend von N. abgehaltenen Jagd, betheiligte sich auch ein Offizier, der mit einem in dem nächsten Dorfe F. wohnenden Krieger im Jahre 1871 in Kriegsgefangenschaft war. Der hohe Herr, jetzt Major i. P., gedachte bei dieser Gelegenheit auch an jenen Krieger zu F. Er ließ denselben durch einen Boten einladen, um ihn einmal zu sprechen, auch den im benachbarten Dorfe G. wohnenden Krieger, der in seiner Escadron den Feldzug mitgemacht hatte, ließ er ebenfalls einlaben, und so sahen sich alte Krieger nach Verlaus von 22 Jahren zum ersten Male wieder. Sie verlebten mit mehreren Herren einen schönen Abend, ein Beweis, wie einig die deutschen Krieger im Jahre 1870/71 waren- Offizier und gemeiner Soldat. Diese Einigkeit der deutschen Krieger möge auch fernerhin dem deutschen Heere ein Vorbild fein,, denn „Einigkeit macht stark!" -a- Michelau (Kreis Büdingen), 25. November. Der Kurz- und Wollwaarenhändler I. G. K. von hier, welcher seit mehreren Tagen vermißt wurde, hat sich erschossen. Seine Leiche wurde im Walde bei Leisenwald aufgesunden. K. befand sich in zerrütteten Vermögensverhältniffen. Die Eröffnung des Concurses über sein Vermögen stand bevor, und dürfte darin die Ursache des Selbstmordes zu suchen sein. -r- Büdingen, 25. November. Die Feier des Geburtstags Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde hier durch ein Festessen im Gasthaus zum Stern, an welchem eine größere Anzahl Personen aus allen Stände^