1892 Nr. 199. Zweites Blati. Samstag den 27. August Der wiener Anzeiger ffftfynnt täglich, •eit Ausnahme de- MontagS. Die Gießener -««tkienvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal ve,gelegt. Gießener Anzeiger Henerat-Mnzeiger. Vierteljähriger ASonnementspreis - 2 Mark 20 Pfg. m" Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchntstratze Ar.?. Fernsprecher 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen. HraLisöeitage: Hießener Jamitienötätter Alle Lnnoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vor«. 10 Uh*. Amtlicher Theil. Bekanntmachung, Maßnahmen gegen die Cholera betreffend. Im Nachstehenden veröffentlichen wir eine unter Mit- I 'virknng des Kaiserlichen Gesundheitsamtes und der Königlich I Preußischen Medicinalverwaltung ausgearbeitete Bekannt- I machung enthaltend: I. eine Belehrung über das Wesen der Cholera und I Über das während der Cholerazeit zu beobachtende Verhalten, II. eine Anleitung zur Ausführung der Desinsection, I welche auch für das diesseitige Staatsgebiet bei einem I Etwaigen Auftreten der Cholera als maßgebend gelten sollen I und zur Beachtung und Befolgung empfohlen werden. Darmstadt, den 1. August 1892. Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz. Finge-r. Schliephake. I I. Belehrung über das Wesen der Cholera und I oas während der Cholerazeit zu beobachtende Verhalten. 1) Der Ansteckungsstosf der Cholera befindet I sich in den Ausleerungen der Kranken, kann mit diesen auf I und in andere Personen und die mannigfachsten Gegenstände I qerathen und mit denselben verschleppt wekden. Solche Gegenstände sind beispielsweise Wäsche, Kleider, | Speisen, Wasser, Milch und andere Getränke; mit ihnen I allen kann, auch wenn an oder in ihnen nur die geringsten I iür die natürlichen Sinne nicht wahrnehmbaren Spuren der Ausleerungen vorhanden sind, die Seuche weiter verbreitet werden. 2) Die Ausbreitung nach anderen Orten geschieht daher leicht zunächst dadurch, daß Cholerakranke oder krank gewesene Personen oder solche, welche mit den- ,elben in Berührung gekommen sind, den bisherigen Aufenthaltsort verlassen, um vermeintlich der an ihm herrschenden Gefahr zu entgehen. Hiervor ist um so mehr zu warnen, als man bet dem Verlassen bereits angesteckt sein kann und man andererseits durch eine geeignete Lebensweise und Befolgung der nachstehenden Vorsichtsmaßregeln besser in der gewohnten | Häuslichkeit, als in der Fremde und zumal aus der Reise, sich zu schützen vermag. 3) Jeder, der sich nicht der Gefahr aussetzen will, daß die Krankheit in sein Haus eingeschleppt wird, hüte sich, Menschen, die aus Choleraorten kommen, bei sich aufzunehmen. Schon nach dem Auftreten der ersten Cholerafälle in einem Ort sind die von daher kommenden Personen als solche anzusehen, welche möglicher Weise den Krankheitskeim mit sich führen. 4) In Cholerazeiten soll man eine möglichst geregeltt Lebensweise führen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß alle Störungen der Verdauung die Erkrankung an Cholera vorzugsweise begünstigen. Man hüte sich deswegen vor allem, was Verdauungsstörungen Hervorrufen kann, wie Uebermaß von Essen und Trinken, Genuß von schwerverdaulichen Speisen. Ganz besonders ist alles zu meiden, was Durchfall verursacht oder den Magen verdirbt. Tritt dennoch Durchfall ein, dann ist so früh wie möglich ärztlicher Rath einzuholen. 5) Man genieße keine Nahrungsmittel, welche a u s e i n e m H a u s e stammen, in welchem Cholera herrscht. Solche Nahrungsmittel, durch welche die Krankheit leicht übertragen werden kann, z. B. Obst, Gemüse, Milch, Butter, frischer Käse, sind zu vermeiden oder nur in gekochtem Zustande zu genießen. Insbesondere wird vor dem Gebrauch ungekochter Milch gewarnt. 6) Alles Wasser, welches durch Koth, Urin, Küchenabgänge oder sonstige Schmutzstoffe verunreinigt sein könnte, ist strengstens zu vermeiden. Verdächtig ist Wasser, welches aus dem Untergründe bewohnter Orte entnommen wird, ferner aus Sümpfen, Teichen, Wasserläufen, Flüssen, weil sie in der Regel unreine Zuflüsse haben. Als besonders gefährlich gilt Wasser, das durch Auswurfsstoffe von Cholerakranken in irgend einer Weise verunreinigt ist. In Bezug hieraus ist die Aufmerksamkeit vorzugsweise dahin zu richten, daß die vom Reinigen der Gesäße und beschmutzter Wäsche herrührenden Spülwäffer nicht in die Brunnen und Gewässer, auch nicht einmal in deren Nähe gelangen. Den besten Schutz gegen Verunreinigung des Brunnenwassers gewähren eiserne Röhrenbrunnen, welche direct in den Erdboden und in nicht zu geringe Tiefe desselben getrieben sind (abessinische Brunnen). 7) Ist es nicht möglich, sich ein unverdächtiges Wasser zu beschaffen, dann ist es erforderlich, das Wasser zu kochen und nur gekochtes Wasser zu genießen. 8) Was hier vom Wasser gesagt ist, gilt aber nicht allein vom Trinkwaffer, sondern auch von allem zum Hausgebrauch dienenden Wasser, weil im Wasser befindliche Krankheitsstoffe auch durch das zum Spülen der Küchengeräthe, zum Reinigen und Kochen der Speisen, zum Waschen, Baden u. s. w. dienende Wasser dem menschlichen Körper zugesührt werden könnens Ueberhaupt ist dringend vor dem Glauben zu warnen, daß das Trinkwasser allein als der Träger des Krankheitsstoffes anzusehen sei und daß man schon vollkommen geschützt sei, wenn man nur untadelhasres Wasser oder nur gekochtes Wasser trinkt. 9) Jeder Cholerakranke kann der Ausgangspunkt für die weitere Ausbreitung der Krankheit werden, und es ist deswegen rathsam, die Kranken, soweit es irgend angängig ist, nicht im Hause zu pflegen, sondern einem Krankenhause zu übergeben. Ist dies nicht ausführbar, dann halte man wenigstens jeden unnöthigen Verkehr von dem Kranken fern. 10) Es besuche Niemand, den nicht seine Pflicht dahin führt, ein Cholerahaus. Ebenso besuche man zur Cholerazeit keine Orte, wo größere Anhäufungen von Menschen stattfinden (Jahrmärkte, größere Lustbarkeiten u. f. w.). 11) In Räumlichkeiten, in welchen sich Cholerakranke befinden, soll man keine Speisen oder Getränke zu sich nehmen, auch im eigenen Interesse nicht rauchen. 12) Da die Ausleerungen der Cholerakranken besonders gefährlich sind, so sind die damit beschmutzten Kleider und die Wäsche entweder sofort zu verbrennen oder in der Weise, wie es in der gleichzeitig veröffentlichten Desinseetions- Anweisung (B, 3 und 4) angegeben ist, zu d esinsi cir en. 13) Man wache auch auf das sorgfältigste darüber, daß Choleraausleerungen nicht in die Nähe der Brunnen ober der zur Wasserentnahme dienenden Flußläufe u. f. w. gelangen. 14) Alle mit dem.Kranken in Berührung gekommenen Gegenstände, welche nicht vernichtet oder desinficirt werden können, müssen in besonderen Desinfectionsanstalten vermittels heißer Dämpfe unschädlich gemacht oder mindestens sechs Tage lang außer Gebrauch gesetzt und an einem trockenen, möglichst sonnigen, luftigen Ort aufbewahrt werden. 15) Diejenigen, welche mit dem Cholerakranken oder dessen Bett und Bekleidung in Berührung gekommen sind, sollen die Hände alsbald desinficiren. (B, 2 der Desinfections- anweisung.) Ganz besonders ist dies erforderlich, wenn eine Verunreinigung mit den Ausleerungen des Kranken stattgefunden hat. Ausdrücklich wird noch gewarnt, mit ungereinigten Händen Speisen zu berühren oder Gegenstände in den Mund zu bringen, welche im Krankenraum verunreinigt sein können, z. B. Eß- und Trinkgeschirr, Cigarren. 16) Wenn ein Todesfall eintritt, ist die Leiche sobald als irgend möglich aus der Behausung zu entfernen und in ein Leichenhaus zu bringen. Kann das Waschen der Leiche nicht im Leichenhause vorgenommen werden, dann soll es überhaupt unterbleiben. Das Leichenbegängniß ist so einfach als möglich einzurichten. Das Gefolge betrete das Sterbehaus nicht und man betheilige sich nicht an Leichenfestlichkeiten. 17) Kleidungsstücke, Wäsche und sonstige Gebrauchsgegenstände von Cholerakranken oder Leichen dürfen unter keinen Umständen in Benutzung genommen oder an andere abgegeben werden, ehe sie desinficirt sind. Namentlich dürfen sie nicht undesinficirt nach anderen Orten verschickt werden. Den Empfängern von Sendungen, welche derartige Gegenstände aus Choleraorten enthalten, wird dringend gerathen, dieselben sofort womöglich einer Desinfectionsanstalt zu übergeben oder unter den nöthigen Vorsichtsmaßregeln selbst zu desinficiren. Cholerawäsche soll nur dann zur Reinigung angenommen werden, wenn dieselbe zuvor desinficirt ist. 18) Andere Schutzmittel gegen Cholera, als die hier genannten, kennt man nicht und es wird vom Gebrauch der in Cholerazeiten regelmäßig angepriesenen medikamentösen Schutzmittel (Choleraschnaps :c.) abgerathen. II. Anweisung zur Ausführung der Desinsection bei Cholera. A. Als Desinfektionsmittel sind anzuwenden: 1) Kalkmilch. Zur Herstellung derselben wird 1 L zerkleinerten reinen gebrannten Kalks, sogenannten Fettkalks, mit 4 L Wasser gemischt, und zwar in folgender Weise: Es wird von dem Wasser etwa 3/4 L in das zum Mischen bestimmte Gesäß gegossen und dann der Kalk hineingelegt. Nachdem der Kalk das Wasser ausgesogen hat und dabei zu Pulver zerfallen ist, wird er mit dem übrigen Wasser zu Kalkmilch verrührt. Dieselbe ist, wenn sie nicht bald Verwendung findet, in einem gut geschlossenen Gefäße aufzubewahren und vor dem Gebrauch umzuschütteln. 2) Chlorkalk. Der Chlorkalk hat nur dann eine ausreichende des- inficirende Wirkung, wenn er frisch bereitet und in wohlver- schloffenen Gefäßen aufbewahrt ist. Die gute Beschaffenheit des Chlorkalks ist an dem starken, dem Chlorkalk eigenthüm- lichen Geruch zu erkennen. Er wird entweder unvermischt in Pulverform gebraucht oder in Lösung. Letztere wird dadurch erhalten, daß zwei Theile Chlorkalk mit hundert Theilen kalten Wassers gemischt und nach dem Absetzen der ungelösten Theile die klare Lösung abgegossen wird. 3) Lösung von Kaliseife (sogenannter Schmierseife oder grüner oder schwarzer Seife). Drei Theile Seife werden in 100 Theilen heißen Wassers gelöst (z. B. Vr kg Seife in 17 L Wasser). 4) Lösung von Carbolsäure. Die rohe Carbolsäure löst sich nur unvollkommen und ist deswegen ungeeignet. Zur Verwendung kommt die ^genannte „lOOprocenticc Carbolsäure" des Handels, welche sich in Seifenwasser vollständig löst. Man bereitet sich die unter Nr. 3 beschriebene Lösung von Kaliseife. In 20 Theile dieser noch heißen Lösung wird 1 Theil Carbolsäure unter fortwährendem Umrühren gegossen. Diese Lösung ist lange Zeit haltbar und wirkt schneller desinficirend als einfache Lösung von Kaliseife. Soll reine Carbolsäure (einmal ober wieberholt bestillirtc) verwenbet werben, welche erheblich theurer, aber nicht wirksamer ist als bie sogenannte „lOOprocentige Carbolsäure", so ist zur Lösung bas Seifenwasser nicht nöthig; es genügt bann einfaches Wasser. 5) Dampfapparate. Geeignet sind sowohl solche Apparate, welche für strvmen- ben Wasserbampf bn 1000 C. eingerichtet sind, als auch solche, in welchen der Dampf unter Ueberbruck (nicht unter 710 Atmosphäre) zur Verwenbung kommt. 6) Siebe Hitze. Die zu besinficirenben Gegenstände werden mindestens eine halbe Stunde lang mit Wasser gekocht. Das Wasser muß während dieser Zeit beständig im Sieden gehalten werden und die Gegenstände vollkommen bedecken. B. Anwendung der Desinsectionsmittel. 1) Die flüssigen Abgänge der Cholerakranken (Erbrochenes, Stuhlgang) werden möglichst in Gesäßen aufgefangen und mit ungesähr gleichen Theilen Kalkmilch (A Nr. 1) gemischt. Diese Mischung muß mindestens eine Stunde stehen bleiben, ehe sie als unschädlich beseitigt werden darf. Zur Desinsection der flüssigen Abgänge kann auch Chlorkalk (A Nr. 2) benutzt werden. Von demselben sind mindestens zwei gehäufte Eßlöffel voll in Pulversorm ans V2 Liter der Abgänge hinzuzusetzen nd gut damit zu mischen. Die so behandelte Flüssigkeit kann bereits nach 15 Minuten beseitigt werden. 2) Hände und sonstige Körpertheile müssen jedesmal, wenn sie durch die Berührung mit inficirten Dingen (Ausleerungen des Kranken, beschmutzter Wäsche u. s. w.) in Berührung gekommen sind, durch gründliches Waschen mit Chlorkalklösung (A Nr. 2) ober mit Carbolsäurelösung (A Nr. 4) besinficirt werben. 3) Bett- unb Leibwäsche, sowie anbere Kleidungsstücke, welche gewaschen werden können, sinb sosort, nachdem sic beschmutzt sinb, in em Gesäß mit DeSinfectionsflüsfigkeik zu stecken. Die DesinsectionSWssigkeit besteht aus einer Losung von Kaliseife (A Nr. 3) ober Carbolsäure (A Nr. 4). In dieser Flüssigkeit bleiben die Gegenstände, und zwar in der ersteren mindestens 24 Stunden, in der letzteren mindestens 12 Stunden, ehe sie mit Wasser gespült und weiter gereinigt werden. Wäsche u. s. w. kann auch in Dampsapparaten, sowie durch AuSkochen desinficirt werden. Aber auch in diesem Falle must sie zunächst mit einer der genannten Desinsections- flüsiigkeiten (A, 3 oder 4) stark angeseuchtet und in gut schließenden Gesäßen oder Beuteln verwahrt, oder in Tücher, welche ebensalls mit Desinsectionsflüssigkeiten angeseuchtet sind, eingeschlagen werden, damit die mit dem Hantiren der Gegenstände vor der eigentlichen Desinfection verbundene Gefahr verringert wird. Aus jeden Fall muß derjenige, welcher solche Wäsche u. s. w. berührt hat, seine Hände in der unter B, Nr. 2 angegebenen Weise desinficiren. 4) Kleidungsstücke, welche nicht gewaschen werden können, sind in Dampsapparaten (A, 5) zu desinficiren. Gegenstände aus Leder sind mit Carbolsäurelösung (A, 4) oder Chlorkalklösung (A, 2) abzureiben. 5) Holz- und Metalltheile der Möbel, sowie ähnliche Gegenstände werden mit Lappen sorgfältig und wiederholt abgerieben, die mit Carbolsäure- oder Kaliseifelösung (A, 4 oder 3) befeuchtet sind. Ebenso wird mit dem Fußboden von Krankenräumen verfahren. Die gebrauchten Lappen sind zu verbrennen. Der Fußboden kann auch durch Bestreichen mit Kalkmilch (A, 1) desinficirt werden, welche frühestens nach 2 Stunden durch Abwaschen wieder entfernt wird. 6) Die Wände der Krankenräume, sowie Holztheile, welche diese Behandlung vertragen, werden mit Kalkmilch (A, 1) getüncht. Nach geschehener Desinfection sind die Krankenräume, wenn irgend möglich, 24 Stunden lang unbenutzt zu lassen und reichlich zu lüften. v 7) Durch Cholera-Ausleerungen beschmutzter Erdboden, Pflaster, sowie Rinnsteine, in welche verdächtige Abgänge gelangen, werden durch reichliches Uebergießen mit Kalkmilch (A, 1) desinficirt. 8) In Abtritte wird täglich in jede Sitzöffnung ein Liter Kalkmilch (A, 1) gegossen. Tonnen, Kübel und dergleichen, welche zum Ausfangen des Koths in den Abtritten dienen, sind nach dem Entleeren reichlich mit Kalkmilch (A, 1) außen und innen zu bestreichen. Die Sitzbretter werden durch Abwaschen mit Kaliseifenlösung (A, 3) gereinigt. 9) Wo eine genügende Desinfection in der btkher angegebenen Weise nicht ausführbar ist (z. B. bei Polstermöbeln, Federbetten in Ermangelung eines Dampsapparats, auch bei anderen Gegenständen, wenn ein Mangel an Desinfections- mitteln (A, 1—5) eintreten sollte), sind die zu desinficirenden Gegenstände mindestens 6 Tage lang außer Gebrauch zu setzen und an einem warmen, trockenen, vor Regen geschützten, aber womöglich dem Sonnenlicht ausgesetzten Orte gründlich zu lüsten. 10) Gegenstände von geringerem Werthe, namentlich Bettstroh, sind zu verbrennen Vermischtes. * In einem Dorfe bei Eisenach hatte ein Bauer seit Jahresfrist seine Kornvorräthe aufgespeichert in der Hoffnung, in diesem Jahre einen recht hohen Preis dafür zu erzielen. Infolge des Niederganges der Getreidepreise hat er mehrfach seine Frucht unverkauft wieder mit nach Hause genommen. Die noch zu gewärtigenden Getreideniedergänge brachten den geizigen Mann derart aus, daß er seinem Leben durch Erhängen ein Ende machte. * Deutsche in der französischen Fremdenlegion. Ein deutscher Forschungsreisender ist in der sranzösischeu Colonie Tonkin in Ostasien mit verschiedenen Deutschen bekannt geworden, die in der Fremdenlegion dienen. Die Schilderungen der Leute waren überaus traurig. Harter Dienst, geringe Löhnung, schlechte Behandlung, das sind die Errungenschaften der Legionäre. Die Sterblichkeit ist eine außer- ordentlich große. Zwei Drittel der Leute sind deutschen Stammes, Reichsdeutsche, Oesterreicher, Schweizer rc. * Die Berliner Radfahrer beabsichtigen aus Anlaß des bekannten Distanzrittes ein Distanzfahren aus ihren Rädern von Berlin nach Wien, und zwar gleichzeitig mit den Offizieren zu unternehmen. Die Berliner Radfahrer haben diesbezüglich eine Eingabe an den Vorstand des deutschen Radfahrerbundes gerichtet, damit dieser ein derartiges Rennen offiziell ausschreibe. Aber auch, wenn diese Ausschreibung nicht erfolgt, werden ganz sicher einige Radfahrer dieselbe Tour fahren, so daß ein interessanter Vergleich zwischen der Leistungsfähigkeit eines Radfahrers und eines Reiters auf besttrainirtem Pferde erhalten wird. Man darf ungefähr annehmen, daß die Radfahrer in der halben Zeit die Strecke zurücklegen. * Eine schöne „Waldgeschichte", die kein Jägerlatein sein soll, sondern als durchaus wahr verbürgt wird, erzählt eine Berliner Correspondenz .... nach berühmtem Muster: In einem zur Obersörsterei F. in S. gehörigen Waldgebiet deuteten alle Anzeichen auf ein außergewöhnliches Auftreten der Raupen hin, so daß der Förster Sck. aus P. sich schleunigst an einen ihm bekannten Lieferanten von Raupenleim wandte und eine große Sendung davon in Auftrag gab. Der Fabrikant, in Ostpreußen wohnhaft, hatte dem Förster Sch. schon manche schöne Ordre zu verdanken und glaubte sich daher besonders erkenntlich zeigen zu müssen. Er fügte dem großen Faß Raupenleim noch ein kleines Fäßchen bei und schrieb dem Förster, daß er das kleine Faß seiner ganz besonderen Beachtung empfehle. „Aha" — dachte unser Forstmann — „eine besonders gute Oualität von Raupenleim!" und er ordnete an, daß der Inhalt des kleineren Fasses für die besonders heimgejuchte westliche Hälfte seines Reviers benutzt würde. Der Forsteleve, dem er die Fässer zur weiteren Anweisung übergeben hatte, ries drei alte Holzarbeiter heran, übergab ihnen die beiden Fässer des Raupenleimfabrikanten und ordnete an, daß am anderen Tage in der Frühe die Bäume in gewohnter Weise ringförmig mit dem Inhalt der Fässer bestrichen würden. Die Arbeiter thaten, wie ihnen anbesohlen, und meldeten nach einiger Zeit, daß der ganze Raupenleim „verschmiert" sei. Am anderen Tage erschien der Oberförster v. St. bei dem Förster Sch., um mit diesem einen Rundgang durch das Revier zu machen. Als sie sich der westlichen Hälfte näherten, bemerkten sie die Leimringe an den Bäumen, die eine auffallend schwarze Färbung hatten. Beide traten näher, untersuchten den Raupenleim, erst mit den Augen, dann mit den Fingern, schließlich mit der Zunge, dann brachen sie in ein schallendes Gelächter aus. Zum ersten Mal, so lange ein deutscher Wald bestehen mag, war hier zum Schutz gegen die Raupen — echter russischer Kaviar bester Oualität benutzt worden. Der Leimsabrikant hatte dem Förster ganz unter der Blume ein kleines Präsent machen und ihm ein Faß Kaviar „zur ganz besonderen Beachtung" zugeschickt. Die Arbeiter, denen Kaviar und Raupenleim „Alles eine Schmiere" war, hatten nur die Anordnungen ihres Vorgesetzten auszusühren. Drei Tage lang frühstückten die Forstleute im Walde und schmierten sich Kaviar von den Bäumen auf ihre Semmeln. Das war wirklich einmal „Kaviar fürs Volk!" * Ein vielseitiger Mann. „Packer gesucht, der Lust und Neigung besitzt, sich zugleich zum Geschäftsreisenden auszubilden. Kaufmännisch Gebildete erhalten den Vorzug. Offerten unter G. 317 besorgt die Expedition Elberfeld, Burgstraße 7." — Aus vorstehende Annonce in Barmen- Elberselder Localblättern erhielt die betreffende Geschästs- firma folgende Offerte: Elberfeld, 11. August 1892. P. P. Zur Besetzung der laut Inserat im „General-Anz." und „Tägl. Anz." in Ihrem werthen Hause vacante Packerstelle gestatte ich mir, Ihnen hierdurch meine Dienste ganz ergebenst anzubieten. Die einfache und doppelte, sowie auch die amerikanische und italienische Buchführung beherrsche ich perfect, bin ferner der Gabelsberger'schen und Stolze'schen Stenographie sowohl in Correspondenz- und Debattenschrist mächtig und habe auch ferner eine tüchtige Ausbildung aus der Remington- und Hammond-Schnellschreibemaschine genossen. Außer dem Berechtigungsschein zum einjährig-freiwilligen Dienst, auf den ich nach Absolvirung meines Dienstjahres von den Bonner Königs-Husaren als Vicewachtmeister entlassen wurde, besitze ich noch ein ausgezeichnetes Zeugniß einer Handelsschule in England. Sämmtlicher modernen Sprachen bin ich in Wort und Schrift mächtig und habe auch noch gute Vorkenntniß des Chinesischen, Malaiischen und des Sanskrit. Ferner habe ich mich viel mit Maschinentechnik besaßt, kann gut mit Pferden umgehen und bin auch in der Gärtnerei ziemlich bewandert. In meinen Mußestunden würde ich gerne das Haarschneiden der Kinder und die mexikanische und hinter-indische Correspondenz übernehmen und möglichst auch die Kinder und Hunde spazieren führen. Obgleich ich mehrere Jahre Frankreich, Spanien, England, Rußland, Skandinavien und die Balkanstaaten mit Erfolg bereiste, habe ich doch noch Neigung, mich zum Geschäftsreisenden auszubilden und glaube ich besonders für den Hansirerposten mit Wichse und Zündhölzern Ihnen die passendste Kraft zu sein. Meine doch jedenfalls bescheidenen Salair-Ansprüche betragen 45 Mk. pro Monat. Indem ich noch bemerke, daß ich von angenehmen Aeußern und zu Allem fähig bin, sehe ich Ihren angenehmen Nachrichten gerne mit dem größten Vergnügen entgegen und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung (folgt die Unterschrift). LandwirthschafÜiche Winke und Lathschläge. △ Aus Oberhessen, im August 1892. Beiträge zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Mancher LandwtNh wirb denken: Die Seuche Derbrettet sich aus so mannigfaltige Art, sie kommt einem in so tückischer Weile in Hof und Stall, daß alle Schutzmittel doch nichts nützen. Man läßt dann der Sache am besten ihren Lauf. Geh's wie's mag! Das ist freilich der alte Standpunkt des Schlendrians, der aber nichts mehr gilt. Mit demselben Rechte kann man der Krankheit eines Menschen ihren Lauf lassen — und es geschieht leider häufig genug. Eber läuft man zum Thierarzt, wenn eine Kuh oder ein Pferd krank ist, als zu einem Menfchenarzte, wenn ein Familienmitglied krank wird und daher gilt in manchen Gegenden heute noch das drastische Sprichwort: „Weibersterben ist kein Verderben, aber Gäul' ver....., das ist ein Schrecken." Also mit der Ansicht: Geh's wie's mag, ist es nichts mehr, löscht man ja doch auch einen Brand, sobald er ausbricht und verstärkt die Dämme bei Hochwasser. Die Maul- und Klauenseuche bedeuten für den Bauer soviel Wie ein Brand, oder eine Wassergefahr und Darum müssen Spritzen. Sandsäcke, Hacke und Spaten zum Schutze herbei. Nicht umsonst hat uns der Schöpfer Verstand und Vernunft gegeben und heilsame Kräuter wachsen lassen. Wenn es nun gewiß ist, daß die Seuche in einer Gegend ausbrach, dann wird jeder oernünfiiqe Landwirtb aus jener Gegend kein Stück Vieh kaufen. Bricht die Seuche im eigenen Orte aus, dann verschließe der Bauer seine« Stall und lasse unter keinen Umständen einen fremden Menschen hinein. Die Metzger, Vrehhanoier und Umeitäuter weiie man au. Stiob, Futter, Geschirr u. s. w. leibe man von Niemanden. Wer es machen kann, rüste sich einen e>taü, entfernt von dem anderen, damit er Vieh, welches allenfalls erkranken sollte, allein stellen kann. Das sind die Schutzmittel, welche man gegen das Eindringen der Seuche in Hoi und Stall verrichten kann. Nun muß man aber mit dem Vieh hinaus ins Feld, denn die Arbeiten wollen dort doch getfoan fein. Man vermeidet bei dem Aus- und Heimfahren soviel als möglich das Berühren mit dem Vieh der Nachbarn. Das soll jeder thun, es ist daher nichts Beleidigendes darin zu finden. Vor dem Ausfahren bestreicht man die Haut der Zugthiere zwischen den Klauen, sowie die Kronen mit Theer. Man kann auch die Klauen mit einer 3 %igen Carbollösung abwaschen. Mit den Carbollösungen muß man übrigens recht vorsichtig sein, wenn Milchwirthschaft getrieben wird, denn Milch und Butter nehmen sehr leicht den Geruch und Geschmack von Carbol an, wenn sich dieses in der Nabe befindet. Kommen die Zugthiere aus dem Felde zurück, so werden die Klanen wieder mit Carbollösung behandelt. Wenn Seuchengift sich unterwegs angehestet hat, wird es durch die Waschungen gelobtet, ehe es wirksam werben kann. Mit Dem neuanzustellenben Gesinbe beobachte man bie größte Vorsicht unb Reinlichkeit hinsichtlich ihres Körpers unb ihrer Kleider. Reinlichkeit ift's halbe Leben! sagt ein Sprichwort und zwar nicht dlos bei Gesunden, sondern ganz besonders bei Kranken. Der Schmutz ist so recht eigentlich das Element, die Brutstätte, in der alle Miasmen und Baccillen herrlich gedeihen, wie für den Teufel „das Bose" fein eigentliches Element, nach dem Aussprüche Mepy.stoi in Göthes Faust, ist. In den schmutzigen Vierteln der großer Städte fallen die Menschen tobt nteber wie die Mücken, wenn sich eine Epidemie: Typhus, Dipbteritis, Ruhr, Cbolera rc. einniftet Bei der Maul- und Klauenseuche ereignen stch die schwerste« Erkrankungen in den schmutzigen Ställen. „ Bauer set reinlich! in Haus und Hot, m Scheuer und Stall, in Herzen und Gemüth, im Großen und im Kleinen, es wird bann alles viel glatter, viel ruhiger und gemüthlicher von statten geben. Wir nehmen nun an, daß trotz aller Reinlichkeit und Vorsicht die Seuche doch im Gehöfte ausgebrochen ist und behandeln die zu treffenden Maßregeln. Der gewissenhafte Landwirth wird nicht warten, bis es aue- fommt, in seinem Stalle sei die Maul- und Klauenseuche aus- gebrochen, sondern er wird unverzüglich Meldung bei der Ortsbehörde machen und er wird sein Gehöft sofort absperren. Hinsichtlich beS Futters, mit welchem bas ober bie kranken Thiere zu ernähren sind, wird bemerkt, daß weiches, nahrhaftes Futter und nahrhafte Getränke erforderlich sind. Gute, trockene Streu zu geben ist selbstverständlich. Außerdem ziehe man alsbald einen tüchtigen erfahrenen Thierarzt zu Rathe, der übrigens sogleich von der Verwaltungsbehörde gesandt wird. Um jeden Jrrthum zu vermeide«, bemerke« wir, daß unsere Beiträge durchaus nicht den Zweck haben, die Thier» ärzte unnöthig zu machen; genau das (Wegenibeit ist der Fall; die Beiträge sollen, in populärer Form gehalten, mit» helfen, daß alle Pfuscherei und Quacksalberei beseitigt wird. Sie sollen zeigen, daß der Bauer alles was an ihm ist auch thut und leistet, daß er durch seine Trägheit und Indolenz nichts verplempert. Daneben sollen aber die Bei» träge eindringlich mahnen, daS in allen Fällen, wo nur wissenschaftliche Vorbildung und praktische Erfahrung helfen kann, stch der Bauer nur an den wissenschaftlich gebildeten Mann, an den Schmied und nicht an daS Schmiedchen wenden soll. Viele Landwtrthe scheuen die Gebühren und Transportkosten, welche für die Thierärzte höher sind, als für einen einheimischen Quacksalber. WaS wird aber damit gewonnen, wenn der Letztere in feiner Bornirtheit ein Stück Vieh zu Grunde richtet. Um einen solchen Verlust kann man lange zum Thierarzte gehen. In einem Schlußartikel werben wir, da der Raum heute nicht mehr reicht, den sehr wichtigen Gegenstand zu Ende bringen. verkehr, Land« nnd Votkswirthschaft. — Die Deutsche LandwirthschaftS-Gesellschast, welche ihre sechste Wanderausstellung im Juni d. I. zu Königsoerg t. Pr. abhielt, wird auf ihrer Wanderung durch ganz Deutschland im nächsten Jahre auf der Theresienwiese zu München ihre Zelte auf; schlagen. In Bayern wie auch in den übrigen süddeutschen Landern ist man bereits mit den Vorbereitungen zur Schau emsig beschäftigt, ebenfo ist die Gesellschaft bestrebt, das Programm der Schau rechtzeitig zur Veröffentlichung zu bringen. In einem Punkte ist schon die Veröffentlichung eines Preisausschreibens erfolgt. Die Deutsche Landwirthschafts Gesellschaft hat sich nämlich neuerdings mit der Frage der Siädtereinigung und der landwirthschaftlichen Verwerthung der Abfallstoffe eingehend beschästigt. Die Frage der Beseitigung der Abfallstoffe ist zur Zeit für die Städte eine überaus brennende geworden; die Anforderungen der Gesundheitspfiege, der Reinlichkeit und Annehmlichkeit sind nach dieser Richtung hin erfreulicherweise in den Städten gewachsen, die Landwirthschatt aber sucht eifrig alle Quellen auf, um dem in der intensiven Wirthschast gesteigerten Düngerbedürfniß nachzukommen. Wenn diese beiden Bestrebungen verbunden werden könnten, fo würde für das allgemeine Wohl etwas höchst Ersprießliches geleistet werden. Die Unklarheit aber, welche vielfach von beiden Seiten vorhanden ist über die Art unb Weife, wie bte Lösung dieser Frage anzufassen, hat zu dem Gedanken geführt, auf einer Ausstellung unb zwar auf der nächstjährigen Ausstellung zu München schon, die Verfahren und Gegenstände vorzuführen, welche sowohl eine zweckmäßige Beseitigung der Abfallstoffe, namentlich in den Städten, unb zugleich eine nützliche Verwendung derselben für bte Landwirthschast darbieten. Daraus ist ein Preisausschreiben ent- ftanben, für welches zunächst 10 600 Mark an Preisen ausgesetzt sind. Es ist anzunehmen, daß die Städte und sonstige Interessenten, welche ein großes gesundheitliches unb finanzielles Interesse an dieser Frage haben, die Gelegenheit benutzen werden, durch Aussetzung von Sonderpreisen zur Lösung der schwebenden Fragen beizutragen. Es ist mit Sicherheit zu erhoffen, daß diese erstmalige Ausstellung auf diesem Gebiet zur Klarlegung der Frage, die für die Städte eine außerordentlich dringende ist unb welche für bie Landwirthschast ein fo großes Interesse in sich schließt, führen wirb. DaS Mutterkor«. Die Roggenfelder des Landwirthes werden zuweilen in der Gestalt des Mutterkornes von einer schweren Calamität heimgesucht. Da nun auch in diesem Jahre sich auf verschiedenen Roggenselderrr Sachsens, Thüringens und Schlesiens das Mutterkorn, glücklicher Weise allerdings nur in geringen Mengen, gezeigt hat, so verdient auf die Art der Entstehung dieser schädlichen Wucherpflanze aufmerksam gemacht zu werden. Das Mutterkorn ist ein bläulich schwarzer Körper, der nicht nur dicker als ein Rogger- forn, sondern auch drei- bis viermal länger als dasselbe ist. Die meisten Landleute sind in der irrigen Ansicht, bas Mutterkorn fti ein entartetes Körnchen; es ist aber vielmehr ein Pilz, der verschiedene» Verwandlungen unterworfen ist und auf folgende Art unter die Kornfelder kommt. Ursprünglich find unter dem Saatgute mehrere Mutterkorn Körper gewesen und mit diesen in den Erdboden gekommen. Hier zeigten sich dieselben als lebensfähig, indem sie an ihren stumpfkantigen Seiten Augen trieben. Diese sind einige Zentimeter lang, wie ein ©pinnengewebefaben bünn und oben feulem artig gettaltet. Letzterer Eigenschaft verdankt die Neubildung den Namen Keulenpilz. In der verdickten Endung find unzählige Itnierv förmige Sporen verborgen, das sind einfache Zellen, welche die Befähigung besitzen, zu keimen, ohne vorgängige Befruchtung. In Folge ihrer winzigen Schwere werben die Sporen vom Winde leicht weg; geführt, worunter manche in den Kornblüthen hängen bleiben. Gelangen sie nun bis auf den Fruchtknoten der Roggenblüthe, fo entwickelt sich aus der Spote ein Pilzsadenlager, Dasselbe verhindert nicht dlos die Ausbidung des Roggenkörnleins, sondern zeitigt auch massenhafte, ooalgeftaltete Sporen. Noch ahnt der Feldbesitzer nicht, welcher Feind sich in seinem Kornfelbe eingenistet hat; aber gar zu bald macht sich derselbe bemerkbar, indem er bie Spelzen der Aehreti zwingt, eine röthliche, süßliche, klebrige Flüssigkeit abzusonbern, die unter dem Namen Horttgthau bekannt ist unb in welcher die Sporen alsdann schwimmen. Unter dem oben erwähnten Pilzsadenlager aber hat sich nack unb nach ein harter, warzenförmiger Körper gebildet, das tft der Anfang des Mutterkorns. Derselbe wird von der Mehre ernährt und erhalt mit der Zeit bte oben beschriebene Gestatt. Aber nicht allein bind) bte Luftbewegung werden bte Sporen über bie Kornfelder zerstreut, sondern sie finden auch Verbreitung durch Jnsecten. Man hat nämlich beobachtet, daß der Honigthau bte Lieblingsspeise vieler kleiner Käfercven unb Fliegen ist. Da nun die Flüssigkeit viele Tausende von Sporen enthält, so muß natürlich das davon naschende Thierchen mit den Sporen in Berührung kommen. Beim Weiterfliegen auf eine andere Aehre werden auch die schädlichen Sporen dahin verpflanzt. Mutterkorn enthält giftige Substanzen, denn es verursacht, im Getreide mit gemahlen, nicht dlos Uebelfeit, sondern auch die sogenannte Kribbelkiankheit. In der Ar zneikunde aber ist dagegen das Mutterkorn als Secale cornutum sehr geschätzt. Schützen kann sich Der Landwirh gegen bas Auftreten des Mutterkornes nur durch sorgfältige Auswahl reinen Saatgutes, denn nur immer mit der Saat kann der Pilz, der die Wucherung hervorrust, in die Kornfelder gelangen. Redaction: A. Schevda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.