Nr. 97 Der Eichener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener H»«m1ttcnötLiter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt. Erstes Blatt Mittwoch den 27. April 1892 Gießener Anzeiger Henerat-Anzeiger. Vierteljähriger AVonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogeu 2 Mark 50 Pfg. Redaction, Expedition und Druckerei: Zchntstratzc Ar.?. Fernsprecher 51. Units- und Anzrigedltttt füi? den Krers Oretzen. Annahme von Anzeigen zu der 9kachmittagS für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. chratisöeikage: Hießener AamilienökätLer. Alle Lnnoncen-Bureaux deS In» und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Amtlichem Theil. Nr. 20 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 16. d. M., enthält: (Nr. 2013.) Gesetz über die Abänderung des Gesetzes, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter, vom 15. Juni 1883. Vom 10. April 1892. (Nr. 2014.) Bekanntmachung, betreffend die Nedaction des Krankenversicherungsgesetzes. Vom 10. April 1892. Nr. 22 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 16. d. M., enthält: (Nr. 2016.) Gesetz, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1892/93. Vom 10. April 1892. Nr. 23 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 20. d. M., enthält: (Nr. 2017.) Uebereinkommen zwischen dem Reich und den Vereinigten Staaten von Amerika über den gegenseitigen Schutz der Urheberrechte. Vom 15. Januar 1892. Gießen, den 25. April 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Gießen, den 23. April 1892. Betr.: Die den Krankenkassen und örtlichen Stellen für die Einziehung der Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- Beittäge von der Versicherungs-Anstalt „Großherzog- thum Hessen" zu leistende Vergütung. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an sämmtliche mitErhebungderBeiträge betrauten Stellen des Kreises. Die nachstehend abgedruckte Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz theilen wir Ihnen zur Kenntnißnahme mit. v. Gagern. Bekanntmachung. Vom 23. März 1892. An Stelle des § 10 unserer Bekanntmachung vom 30. September 1890 (Regbl. Nr. 32 von 1890) tritt mit Wirkung vom 1. Januar d. I. an folgende Vorschrift: Die Versicherungsanstalt hat den Orts- und Innungs- Krankenkassen, Gemeindekrankenversicherungen, sowie den örtlichen Stellen für Jnvaliditäts- und Altersversicherung vier Procent, den Fabrik-(Betriebs-)Krankenkassen zwei Procent der von denselben zur Jnvaliditäts-und Altersversicherung erhobenen Beiträge für die mit der Einziehung dieser Beiträge verbundenen Geschäfte, einschließlich der Kaffen-, Rechnungs- und Registerführung, als Vergütung zu gewähren. Darmstadt, den 23. März 1892. Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz. Finger. Fey. Bekanntmachung, betreffend Prüfung im Hufbeschlag. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß durch Verfügung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 16. l. M., zu Nr. M. I. 10 799, zu Mitgliedern der nach § 1 der Verordnung vom'7. November 1885, die Ausführung des Gesetzes über die Ausübung des Hufbeschlags betreffend, für die Zeit vom 1. April 1892 bis dahin 1895 zu bestellenden Prüfungscommissionen folgende Personen ernannt worden sind: Für die Provinz Starkenburg: der Großh. Kreisveterinärarzt Dr. Weinsheimer zu Darmstadt, der Schmiedmeister am Großh. Hofstall E. Mohrmann zu Darmstadt, der Großh. Bürgermeister Müller zu Roßdorf, Kreis Darmstadt; für die Provinz Oberhessen: der Großh. Kreisveterinärarzt Professor Dr. Winckler zu Gießen, der Lehrschmied an Großh. Veterinäranstalt Georg Lamberth zu Gießen, der Rentner F. Georgi zu Gießen; für die Provinz Rheinhessen: der Großh. Kreisveterinärarzt Dr. Wollpert zu Mainz, der Schmiedmeister August Liß mann zu Mainz, der Major a. D. Göbel zu Mainz; als Vorsitzender der drei Prüfungscommissionen: der Großh. Obermedicinalrath Dr. Lorenz zu Darmstadt. Gießen, den 23. April 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern. Deutsches Reich. Berlin, 25. April. Der bevorstehende Besuch des italienischen Königspaares am Berliner Hofe erhält durch den Umstand, daß Ministerpräsident Marquis di Rudini die Majestäten auf deren Reise nach Potsdam begleiten wird, eine ausgeprägt politische Umrahmung. Der Leiter der italienischen Gesammtpolitik wird bei seiner Anwesenheit am Berliner Hofe selbstverständlich eingehend Gelegenheit haben, sich mit den maßgebenden politischen Persönlichkeiten, in erster Linie mit dem Reichskanzler Grasen Caprivi selber, zu besprechen. Es kann wohl als feststehend betrachtet werden, daß diese zu erwartenden Besprechungen nach wie vor die völlige Uebereinstimmung in den Grundlinien der auswärtigen Politik Deutschlands und Italiens ergeben werden, so daß die hie und da aufgetauchten Befürchtungen, als ob die Stellung Italiens im Dreibunde — besonders im Hinblick aus die jüngste italienische Ministerkrisis und deren Ursachen — einigermaßen schwankend geworden wäre, von vornherein als hinfällig erscheinen. — Heber die den preußischen Kriegsminister v. Kaltenborn-Stachau betreffenden Rücktrittsgerüchte ist bis jetzt noch nichts Zuverlässiges zu erfahren gewesen. Indessen kann es wohl als sicher gelten, daß der Kriegsminister dem Kaiser noch kein formelles Entlaffungsgesuch eingereicht hat, es sind demnckch die hie und da schon geäußerten Muthmaßungen hinsichtlich der Person seines eventuellen Nachfolgers zunächst noch grundlos. Man erinnere sich jedoch dessen, daß Herr v. Kaltenborn längere Zeit leidend gewesen ist und genöthigt war, eine mehrwöchige Badekur vor Kurzem zu gebrauchen, so daß es allerdings nicht überraschend erscheinen könnte, wenn er im Laufe der nächsten Monate aus Gesundheitsrücksichten wirklich aus seiner Ministerstellung scheiden würde. — Die „unabhängigen Socialisten" regen sich jetzt auch in Sachsen. Am Sonntag fand in Dresden eine Versammlung oppositioneller Socialdemokraten statt, in welcher die Gründung eines Vereins unabhängiger Socialisten beschlossen wurde. Endgültige Beschlüsse in dieser Frage sollen indessen erst später gefaßt werden. — ===p ------i- Au-land. Paris, 25. April. Um 3/410 Uhr Abends fand eine furchtbare Explosion statt im Hause des Schankwirths Very, wo Ravachol verhaftet wurde, 34 Boulevard Magenta. Der Laden des Wirths wurde gänzlich zerstört, Very selbst schwer verletzt, der Kellner l'Herot, sowie zwei Gäste leicht verletzt. Alle Vier wurden ins Hospital geschafft. Die Bombe war im Keller niedergelegt. Vier Personen wurden verhaftet. Die Bombe war unter den Zinktisch niedergelegt vor dem kleinen Fenster des Weinschanks, die Lunte lief über das Trottoir und endete an einer Bank gegenüber dem Hause. Der Hergang wird so geschildert: Ein Unbekannter trat in das Schanklocal, bestellte ein Getränk und legte währenddessen die Bombe unter den Tisch. Dann zahlte er, ging hinaus und zündete die Lunte von außen an. Die Explosion zerstörte die Außenseite des Weinschanks und das Comptoir Verys, der sich in letzterem befand. Beide Beine wurden ihm zermalmt, er wurde sofort ins Hospital transportirt, wo eine Amputation der Beine vorgenommen wurde. Außerdem ist eine 12jährige Tochter Verys verletzt. Im Locale waren zwei Gäste anwesend. Ein Photograph Hamond erlitt zahlreiche Wunden am Unterleib, Ganden, ein Typograph, wurde der Kinnbacken zerschmettert. Die Zahl der leichtverwundeten Passanten wird aus 15 angegeben. Der Kellner l'Herot und Frau Very wurden vor Schreck halb wahnsinnig. Die Feuerwehr nahm sofort die Räumungsarbeiten vor. Die oberen Etagen des Hauses wurden nicht beschädigt. Der Polizeipräfect erschien um 11 Uhr am Thatort. Die Polizei verhaftete drei Tischlerei-Arbeiter, deren Unschuld sich im Verhör herausgestellt hat. Die Thäter sind bislang un- bekannt. (F. Ztg.) Neneste Nachrichten. WolffS telegraphische- Lorrespondenz-vureau. Berlin, 25. April. Im weiteren Verlause der Arbeiter- wohlsahrtsconserenz sprachen Albrecht-Llchterfelde über die Mitwirkung der Arbeitnehmer bei der Lösung der Wohnungsfrage, Nußbaum-Hannover über die Einrichtung der Arbeiterwohnungen, Täglichsbeck-Berlin über die Beförderung der Ansiedelung der Arbeiter der Staatsbergwerke, Hüttenwerke und Salzwerke durch Gewährung von Bauvorschüffen und Bauprämien seilens des preußischen Bergfiscus, Harms- Friedrichsorl berichtete über die dortigen Arbeitercolonien, Thiele-Hannover über die Colonie Leinhausen für die Arbeiter der dortigen Eisenbahnwerkstätte. Berlin, 25. April. Die heutige Versammlung von Interessenten für bie Chicagoer Ausstellung constituirte sich auf Vorschlag des Reichscommissars als ständiger Ausschuß und Beirath des Reichscommissars. Da die Anmeldungen die für Jndustriegebäude verfügbaren 100,000 Ouadratfuß bereits überschreiten, wurde der Reichscommissär ermächtigt, Anmeldungen, welche keiner Collectiv-Vereinigung angehören, den Fachmitgliedern des Ausschusses behufs Ausscheidung ungeeigneter Objecte zur Begutachtung zu unterbreiten. Bezüglich der Raumvertheilung wird der Reichscommissär mit den Gruppenvorständen sich benehmen und die Vertheilung an die einzelnen Mitglieder der Gruppen überlassen. Berlin, 25. April. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Der frühere persische Gesandte in London, Malcom, hatte wiederholt versucht, eine Vollmacht für eine persische Lotterie' Anleihe zu seinem eigenen Nutzen zu verwerthen. Er ist deßhalb aus dem Persischen Dienste entlassen und des Landes verwiesen worden. Selbstverständlich ist die Vollmacht in den Händen Malcoms rechtlich bedeutungslos. Vor Erwerbung derselben wird gewarnt. Bremen, 25. April. Einem dem Norddeutschen Lloyd aus Santos zugegangenen Telegramm zufolge nimmt das gelbe Fieber in Rio und Santos ab. Die Mannschaften der daselbst befindlichen Lloyddampser „Gras Bismarck" und „Köln" befinden sich wohl. Paris, 25. April. Ein Erlaß des Kriegsministers Frey- cinet, betreffend die Formation eines militärischen Velo- cipedisten-Corps und ein für dasselbe bestimmtes provisorisches Reglement, wird heute amtlich publicirt. Das Velocipedisten-Corps wird 3100 Mann umfasse.!, die auf die verschiedenen Generalstäbe und Truppenkörper vertheilt und vorläufig mit Cavallerie-Carabinern, später mit Revolvern ausgerüstet werden sollen. Die Verwendung des Corps soll im Allgemeinen auf den Ordonanz - Dienst beschränkt bleiben. Paris, 25.April. Die zuletzt verhafteten Anarchisten werden in Folge der Ergebnisse der Untersuchung in Mazas internirt. Dem Vernehmen nach sollen gegen die fremden Anarchisten strenge Maßregeln ergriffen und viele ausgewiesen werden. Depeschen deS „23ureau Herold". Brüssel, 26. April. Eine heute an der Nationalbank in Charleroi gefundene Bombe enthielt Dynamit genug, um die Oeffnung zum Kaffenraum von der Straße aus zu sprengen. Die Thäter sind unbekannt. Rom, 26. April. Zum 1. Mai werden alle Auszüge und Versammlungen verboten. Eine diesbezügliche Kundmachung der Polizeidirection erscheint morgen. — In Como wurden fünf, in Genua dreißig, in Brescia vier Anarchist en verhaftet. Paris, 26. April. Bei der Explosion im Restaurant Very wurden fünf Personen erheblicher verletzt, elf Personen befanden sich im Restaurant. Der Kellner l'Herot, welcher seinerzeit die Festnahme Ravachols veranlaßte, befand sich im Restaurant und blieb unverletzt. Zwei Individuen, welche im Restaurant gespeist hatten und sodann die darüber liegenden Hotelzimmer miethen wollten, jedoch abgewiesen wurden und daraus verschwanden, werden verdächtigt. Der Restaurateur Very ist gestorben. Darmstadt, 26. April. Die Königin Victoria von England, die Prinzessin Beatrice nebst Gemahl trafen heute Vormittag 9 Uhr mittelst Extrazug hier ein. Wegen der Trauer sand kein officieller Empfang statt, nur der Groß- Herzog und die gesammte Großherzogliche Familie waren am Bahnhof. Die Königin fuhr in offenem Vierspänner mit dem Großherzog zum neuen Palais, wo Absteigequartier genommen wurde. Aussehen erregte die schottische und die indische Dienerschaft in Nationaltracht. Der Schwindel im Baugewerbe. In das Baugewerbe, oder vielmehr in die Bauunter- nehmungen großer Städte, hat sich in den letzten Jahren ein chwindelhastes Gebühren eingeschlichen, welches nicht nur die oliden Grundbesitzer und Bauhandwerker in hohem Maße schädigt, sondern auch zu einer scandalösen öffentlichen Calmität zu werden droht. Die Auswüchse moderner Bauspeculationen bringen es fertig, daß durch einen raffinirten Schwindel, dem strasgesetzlich oft gar nicht beizukommen ist, die Lieferanten und Bauhandwcrker um ihre Forderungen bei einem Neubau ganz oder theilweise gebracht werden. Das raffinirte Schwindelgebahren wird gewöhnlich auf folgende Weise zu Stande gebracht: Ein rasfinirter Bauunternehmer sucht sich einen Strohmann, d. h. er verkauft einen Bauplatz an eine vermögenslose Person unter der Bedingung, daß der vorgeschobene Strohmann ein schönes Haus auf der ihm verkauften Baustelle baut. Das erste Baugeld, sowie den Bauplatz selbst borgt der eigentliche Unternehmer dem Strohmanne und läßt sich dafür eine hohe erste Hypothek auf das Grundstück eintragen. Es finden sich nun fast immer Lieferanten und Bauhandwerker, welche den Bau in Angriff nehmen und auf Grund kleiner Anzahlungen und späterer kleinerer Ratenzahlungen den Bau in der Hauptsache auf Credit vollenden. Die großen Restbaugelder kann der Strohmann dem Bauunternehmer natürlich nicht zahlen, das Haus kommt in Subhastation und wird dann von dem Inhaber der ersten Hypothek, d. h. dem eigentlichen Unternehmer billig erstanden und die Lieferanten und Bauhandwerker sind' um ihre Forderungen geprellt. Da ersahrungsmäßig solche Bau- schwindler vorzugsweise unerfahrene Leute aus der Provinz mit einigem Capital zu solchen Bauunternehmungen anzulocken pflegen, und da außerdem derartige Fälle nicht nur in großen, sondern auch in mittleren und kleineren Städten immer häufiger werden, so erscheint es dringend nöthig, die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese im Baugewerbe eingerissenen Mißstände zu lenken. Um hier aber auf gesetzlichem Wege Remedur zu schaffen, dazu sind die vorliegenden Schwierigkeiten fast zu groß, die durch die angedeuteten betrügerischen Manipulationen Geschädigten, also namentlich die Lieferanten und Bauhandwerker, müssen sich daher selbst möglichst gegen die Bauschwindler schützen. Dies kann in wirksamer Weise dadurch geschehen, daß sie keinen leichtsinnigen Credit mehr gewähren, wodurch schon viel verhütet ist, und daß sie außerdem sich selber die zweite oder doch wenigstens die dritte Hypothek bei dem betreffenden Bau sichern. Sollte es dann wirklich noch immer nöthig sein, zur Klinke der Gesetzgebung zu greifen, so könnte dann der Hebel vielleicht bei der Doppelbeschränkung des Creditgebens anzusetzen fein. ©rafcn Görtz. — (Unsere aus zuverlässiger Quelle stammende , 9ioti$ in Nr. 95, wonach in den Reisedispositionen des Kaisers ; eine den Besuch in Schlitz ausschließende Aenderung eingetreten ! sei, bedarf sonach der Berichtigung. Red.) -t Friedberg, 25. April. Am Sonntag Abend überfiel in einer dunklen Straße an der Stadtkirche ein Strolch den Wagner Haustein, schlug ihn auf den Kopf und suchte, nachdem er dem Ueberfallenen die Uhr geraubt hatte, das Weite. Als Herr H. bald darauf in eine Wirtschaft kam, bemerkte er den Räuber an einem Tische sitzen. Der Räuber hatte nichts Eiligeres zu thun, als auszureißen, es gelang aber, ihn dingfest zu machen und der Polizei zu übergeben. Vermischtes. * Leipzig, 20. April. Congreß für innere Me- dlzrn. (Fortsetzung.) In der heutigen Nachmittagssitzung machte nach einem kurzen Referate des Herrn Dehio (Dorpat) Herr Nü time her (Basel) interessante Mttrheilungen über die durch einen menschlichen Parasiten (Distiomum haematobium) hervorgebrachte Bilharzia- Krankheit. Dieselbe kommt als Volkskrankheit im größten Stile vorzugsweise in Aegypten vor, wo ungefähr ein Drittel der eingeborenen Fellachen und Koptenbevöl'kerung davon befallen wird. Die ausgewachsenen Würmer leben beim Menschen im Blute der Pfortader, der Milz- und Mesenterialvenen, sowie der Venenplexus der Harnblase und des Mastdarms. Die klinischen Symptome bestehen besonders in schweren Erkrankungen der Harnorgane (zu Blutharnen führend) loroie in dysenterischen Prozessen des Mastdarms. Die Erkrankung der Harnorgane wird meist von schweren Steinleiden begleitet. Die Art der Jnsection geschieht am wahrscheinlichsten durch Genuß von die Parasiten, bezw. deren Eier enthaltendem Wasser. Die Würmer gelangen durch Durchbohren der Darmwand in die venösen Gefäße. Im Anschluß an diese allgemeinen Mittheilungen berichtet der Redner über einen in Alexandria selbst beobachteten schweren Fall dieser Krankheit, der zum Tode führte- es gelang hier der Nachweis der Parasiten- Eier in den erkrankten Organen. — Prof. Maxagliano (Genua) berichtete über die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die Blutflüssigkeit- das Blutplasma, das unter pathologischen Verhältnissen durch Veränderung seiner Zusammensetzung (besonders Herabsetzung semes Kochfalzgehaltes) eine Zerstörung der rothen Blutscheiben herbeizusühren im Stande ist. Therapeutisch war der Autor in einer Reihe von Fällen im Stande, durch intravenöse Kochsalzinjectionen die krankhaften Veränderungen zu beseitigen. — Professor Litten (Berlin) berichtete über eigenthümliche Blutbe- snnde bei einer anderen schweren Form von Bluterkrankung (Leukämie) und zwar mit besonderer Berücksichtigung eines ganz acut verlausenden Falles. Besonders bemerkenswerth ist, daß die genauesten Untersuchungen nach der bacteriologischen Seite hin, welche im Institut für Jnfectionskrank- heiten in Berlin ausgeführt wurden, vollständig negative Ergebnisse gehabt haben. — Während die genannten Redner mehr die pathologisch anatomische, symptomatologische und ätiologische Seite der schweren Blutveränderungen ins Auge gefaßt hatten, brachte Herr Geheimrath von Ziemssen (München) einen Beitrag zur Behandlung schwerer anämischer Zustände mit Besprechung der Methode der sog. Bluttransfusion. Die Bluttransfusion, d. h. die Uebertragung von Blut eines gesunden Menschen auf einen anderen schwer anämischen wurde zu Heilzn^ecken zuerst 1850 durch Martin aufgebracht, dann durch die Thierbluttransfusion vorübergehend zu ersetzen versucht, und als diese Gesundheitszustand und Sterblichkeitsverhältnisse im Kreise Gießen im Jahre 1891. 3® Kreise Gießen ereigneten sich im Jahre 1891 im Ganzen 1562 Sterbesalle; hiervon entfallen 509 auf die Stadt Gießen und lUod aus den Landkreis. . m Unter Zuarundelegung des Ergebnisses der VolkszLHIung vom 1. December 1890 berechnet sich die Sterbeziffer, b. b. die 8abl Verhältnis; der Gestorbenen zur Gesammtzahl der Lebenden °u^/uckt für den Kreis mit 74321 Seelen aus 21,01°/«,, für die 20535 Einwohner zahlende Stadt Gießen, wie bereits in einer früheren Berichterstattung ausgeführt wurde, auf 24,74°/«, nach Abzug der verstorbenen Ortsfremden auf 17,01 °/«> und für den ^nmreis auf 19,58°/«,. Die genannte Sterblichkeilsziffer des Kreises bleibt hinter derienigen des Borjahres, das allerdings in Folge des ^U>emischen Austretens der Influenza eine außergewöhnlich hohe ^^?"chkett au zuweisen hatte, nicht unerhchiich zurück, erreicht auch nicht die Durchschnitts,iffer des letzten Jahrzehntes und ist ,m Verr gleiche zur durchschnittlichen Sterbeziffer des ganzen Landes gerina zu nennen. d Dem Alter nach vertheilen sich die Sterbesälle auf 957 Er- ^'^u"d 605 Kinder unter 15 Jahren; von letzteren verstarbm 283 im Säuglingsalter und 322 im Älter von 2 bis 15 Jahren D" Sterbezahl der Erwachsenen stellt sich um 92 niedriger als in Dem durch eine hohe Erwachsenensterblichkeit ausgezeichneten Vorjahr und zeigt gegenüber dem absoluten Jahresdurchschnitt des letzten Decenniums zu seinen Gunsten eine Differenz von 3 Die. Sterbltchkeilsverhältnisse der Kinder im ersten Lebensjahre roaren günstige, namentlich in Folge der auffallend geringen Ver- brettung der Darmaffectiomn, durch die diese Altersklasse in hervor- rfl£eiJaen/ Weise bedroht zu sein pflegt. Es bethetligte sich die letzte, e mit 18% an der Gesammtzahl der Todessälle, während im Allgemeinen nahezu der dritte Theil (30%) sämmtlicher Gestorbenen dem ersten Lebenswahre angehört. Mehr gesährdet waren im Berichtsjahre und zwar in Folge davon, daß gewisse Jnfecttonskrankheiten in erhöhtem Maße an der Sterblichkeit b-.hetltg, waren, di- Kinder v°n 2 dis 15 Jahren es stoben °°n dieser Alters Katcgo.ie 322, 42 mehr als im Vorfahre und 23 mehr als im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. M Der Regel entsprechend nahm das dritte Quartal mit 314 Todesfällen die günstigste Stelle ein, ihm reihten sich das vierte mit 375 das zweite mit 410 und das erste mit 463 Sterbefällen an. Das erfte Halbjahr weist 873 Todesfälle, also 184 mehr auf als das zweite Semester, in dem 689 registrtrt wurden. Von den Monaten zeigte der September wie gewöhnlich die geringste Sterblichkeit (88), ihm in aufsteigender Linie der October (101), Juli (112), August (114), Februar (126). Am meisten belastet ist, wie regelmäßig ^ber SfK1' «r "Siri1?? Todesfällen den günstigsten Monat um 102 üben trifft, ihm schließen sich an der Januar (147), December (144) Slpril (142), Mat (137). November und Juni weisen mit 130 bezw. 131 Todesfällen die Durchschnittszahl des Berichtsjahres auf Epidemische und ansteckende Krankheiten hatten im ®an8c!\ Sterbesälle veranlaßt gegen 134 im Vorjahr. Die des Atzten Jahrzehnts betrug 155. Die Epidemte- AHfb9i*aC deziffert sich in der Berechnung auf 10000 Einwohner , .Sehr verbreitet waren Masern, die in 13 Orten des Kreises herrschten und 28 Todesfälle verursachten; danach durfte sich die den gewöhnlichen Procentsatz der Sterblichkeit von 1,5 vorausgesetzt, auf etwa 1866 belaufen haben. 93onua8; MACimh^adt Gießen die Gemeinden Beuern, Lollar, Lich und Alten-Buseck von der Seuche betroffen. Die Erfahrung lehrt, daß Kinder, welche an dieser Jnfectionskrankheit erkiankt sind °wir dieselbe übe,standen haben, eine g'ößere em-- r btQ8 K?Lh.ustencontagtum besitzen; so ist denn auch im Berichtsjahre in verschiedenen Orten des Kreises zu gleicher Zeit mit oder bald nach dem Auftreten der Masern Keuchhusten beobachtet worden. Ihm erlagen 13 Kinder, eine Zahl, welche die Höhe ver zehniährigfn Durchschnittsziffer annähernd erreicht. . „ ® >5 ar la elfter blieb feit war, wie auch in anderen Kreisen, eine auffallend geringe. Es ist nur ein Todesfall in Folge dieser 5trQnrbeit zu verzeichnen (Wiescck), während sich im Laufe der letzten haben 3a^tC durchschnittlich 18 Scharlach: Sterbefälle p. a. ereignet n,„rh®1' ^un-krankh-Ilen (Diphtherie und Croup) Fallen zur Todesursache; von denselben treffen 55, zehnibh'igen Durchschnitt Übereinstimmende Zahl, auf „ 8 45A darunter allerdings 33 zum größten The« nicht kreisangehörige Ortsfremde auf die Stadt Gießen. Vorwiegend wurden di- Gemeinden Gründer g, Großen-Buseck, Wteseck, n ®cllercn 14 Gemeinden wurden vereinzelte Opfer durch die Seuche gefordert. "treulichen Rückgang zeigte im Vergleich mit den Vor- „kommen nur 3 Todesfälle, je 1 in Gießen, Lumdoa und Ober-Besfingen vor. eine P^son D,ermal den Tod herbei und an Ruhr verstarb Friedberg, 25. April. Als gestern gegen Abend zwei Damen von Nieder-Wöllstadt, die in Offenheim bei Verwandten zu Besuch waren, mit ihrem Wagen zurückfuhren, scheute das Pferd an der Usabrücke bei Fauerbach und sprang über die Brücke, den Wagen und einen Theil des eisernen Geländers mit sich reißend. Bei diesem gefährlichen Sturze brach die eine der Damen das Bein am Schenkel und erlitt wahrscheinlich innere Verletzungen, da Blutspeien eingetreten ist, die andere Dame trug einige leichte Hautabschürfungen davon- der Kutscher sowie ein zwölfjähriger Junge kamen mit dem Schrecken davon. r. Büdingen, 25. April. Eine Milchverkäuserin vom nahen Hof Thiergarten wurde gestern Vormittag bei ihrer Rückfahrt unweit der sog. Saline von einem jungen Burschen an gefall en und vergewaltigt. Der Thäter, Sohn eines hiesigen Landwirths, wurde heute Morgen ermittelt und gefänglich eingezogen. A Mainz, 25. April. Um 4V2" Uhr heute Nachmittag rassirte der Kaiser, von Neunkirchen kommend, mittelst Sonderzug den hiesigen Centralbahnhof. Der Zug fuhr ohne anzuhalten durch die Station. — Die seither für die Actionäre der Hessischen Ludwigsbahn am Tag der ordentlichen Generalversammlung auf allen Strecken genannter Bahn bestandene Freifahrt hört, nach einem von dem Verwaltungsrath in seiner letzten Sitzung gefaßten Beschluß, mit morgiger Generalversammlung auf und haben die Actionäre für die Folge nur noch freie Hin- und Rückfahrt nach dem jeweiligen Orte der Generalversammlung. Die seitherige Einrichtung, ein Unicum in der Geschichte der deutschen Eisenbahnen, die derart ausgenutzt wurde, daß Kind und Kegel der Actionäre am Tag der Generalversammlung vom frühen Morgen bis zum späten Abend auf allen Strecken der Bahn herumfuhren, war für die Bahnverwaltung stets mit großen Kosten verbunden und bildete für wirkliche Reifende, welche die Ludwigsbahn passiren mußten, immer eine arge Belästigung, so daß die Aenderung nur mit Freuden zu begrüßen ist. Sörgenloch, 23. April. Auch eine Seltenheit! Sei den zwölf diesjährigen Erstcornmunicanten ist auch ein Kind, dessen leiblicher Vater im 81. Lebensjahre steht. JwaUf und Provinzielles. Gießen, 26. April 1892. — Tagesordnung fiir die Sitzung bet Stadverorbueteu Donnerstag den 28. April 1892, Nachmittags 4 Uhr: 1. Gesuch des Hülssvercins deutscher Reichsangehörigen zu Prag um Verwilligung eines jährlichen Beitrags. 2. Gesuch um Erlaß von Realschulgeld. 3. Die von Ludwig Seuling in der Bleichstraße besorgte Auffüllung. 4. Die aus dem Provinzialschulfonds für Oberbeffen zu zahlenden Zuschüsse zu Schulbesvldungen; hier: Ablösung derselben. 8. Errichtung einer Zapfstelle für Quellwasserversorgung auf dem Friedhof. 6. Gesuch des W. Friedel um Erlaubniß zur Aufstellung einer Dampfmaschine- hier: zur Verwendung von Braunkohlen. 7. Gesuch der I. Kann Söhne um Erlaubniß zur Erbauung eines Hintergebäudes. 8. Gesuch des Valentin Moser um Erlaubniß zur Herstellung einer Einfriedigung am Wiesecker- weg. 9. Die Grabenstraße- hier: Gesuch des Architecten Stein um Freigabe der von ihm gestellten Caution. 10. Die Ausführung des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1891, die Abänderung der Gewerbeordnung betreffend- hier insbesondere die Regelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. 11. Die Feststellung des ortsüblichen Taglohns. 12. Die Krankenversicherung der unständigen Arbeiter bei der Ortskrankenkasse- hier: Bewilligung einer Vergütung für den Rechner der Ortskrankenkasse rc. 13. Unterhaltung der Staatsstraßen innerhalb der Stadt Gießen- hier: die Uebernahme derselben Seitens der Stadt. 14. Gesuch des W. Seuling um Herstellung einer Einfriedigung an der Schottstraße. 15. Ausbau der Steinstraße - hier: Herstellung einer unterirdischen Wasserleitung rc. 16. Gesuch des Adam Uhl zu Gießen um Wirth- schastsconcession für das Haus Frankfurterstraße 95. — Alitefchule. Gestern Vormittag wurde dem „Alice- Verein für Frauenbildung und Erwerb" das Schulhaus am Oswaldsberg, nachdem dasselbe den Zwecken des Vereins entsprechend eingerichtet worden, übergeben, lieber die Eröffnungsfeierlichkeit werden wir in nächster Nr. berichten. — Im Turnsaale der Knaben-Miitelschule in Darmstadt begann am 25. d. M. unter Leitung des Herrn Turninspectors Marx em vierwöchiger Turncursus für Volksfchullehrer. Aus jedem der 18 Kreise des Großberzogthums wurden zu dem- selben meistens zwei Lehrer auf Staatskosten entsandt Der Cursus erstreckt sich auf die practische Anleitung zur erfolgreichen Ertheilung des Turnunterrichts in der Volksschule persönliche Vervollkommnung in den gymnastischen Hebungen' Besuche von Musterlectionen in den hiesigen Bildungsanstalten und aus Vorträge über die geschichtliche Entwickelunq des Turnwesens. — Verhaftet wurde gestern ein Schmiedelehrling, der einen Diebstahl begangen haben soll. — Weiter verhaftet wurde ein Mann von Annerod, der mit Recruten des Guten wohl etwas zu viel gethan hatte- er machte fortgesetzt Scan- dal, so daß er arretirt werden mußte. Bei dem Transport nach dem Polizeigesängniß widersetzte er sich dem Schutzmann wollte diesem den Säbel abnehmen rc. Als dann Hülfe herbeikam, legte sich der Mensch auf den Boden und behauptete, er könne nicht weiter, so daß er mittels Karren in das Ge- sängniß verbracht werden mußte. — Außerdem wurde ein junges arbeitsscheues Bürschchen festgenommen, das sich Nachts ohne Obdach in den Straßen und Anlagen Herumtrieb. B. Bad Salzschlirf, 25. April. Heute Abend 8 Uhr traf ' Se. Majestät der Deutsche Kaiser mittelst Extrazugs dahier ein und fuhr per Wagen nach Schlitz zum Besuch des ' reu Wochenb-ttes wurden zwölsmal, darunter Wochenbettfleber siebenmal als Todesursache anaeaeben üehlcie G-melÄ m^ 6CI,iaU (ce,r Durchschnittszahl des letzten Decerntums. Gemeldet wurden 14 Erkrankungen an Puerperalfieber. k 2)k hoben erroartungen, die mnn an die allgemeine Einfühlung der aseptischen Behandlung der Gebu.l knüpfte, haben sich bis jetzt ^?^^^b"rtSdtlflichen Privatpraxis der Hebammen nicht erfüllt, während die Entbindungsanstalten seit der Handhabung des anti- fepttschen Verfahrens in auffallendstem Gegenratz zu den traurigen ?er voranttsepttschen Zett vorzügliche Ergebnisse aufzuwetien ?egen der Antisepttk auch den außerhalb der Anstalten mit Hilfe der Hebammen ntederkommenden Frauen zu Tdeil den ersteren in Hessen die eingehendsten dtes- bezuglichen Vorschriften und Verhaltungsmaßregeln ertheilt worden, die indessen nicht überall die gehörige Beachtung gefunden haben. Eine weitere sehr wichtige Einrichtung, der nach den bis jetzt Erfahrungen auch im Kreise Gießen, in welchem etwa 43“/0 sämmtlicher Hebammen in der vorantisepttschenZett ihre Ausbildung erhalten haben, der gewünschte Erfolg sicherlich nicht fehlen wird, wurde im Berichtsjahre getroffen. Es wurde die Einführung von Wiederholungscursen angeordnet, an welchen sich bereits 20 Hebammen des Kreises betheiligen konnten. Vom Publikum sollte man erroarkn, daß es von den Hebammen die Anwendung der neuen Behandlungsweise fordert und ihr nicht, wie dies vielfach geschehen, Widerstand entgegensetzt. v ' 6cnounb vorherrschenden Krankheiten Berichtsjahre Lungentuberculose 203, im Vorjahre 220 Sterbefälle veranlaßt. Von je 10000 Einwohnern starben, wenn bi.e. tn Gießen verstorbenen nicht kreisangehörigen Ortsfremden ausschetdet, 24 Rechntt man ferner die in den Kliniken zu Gießen verstorbenen Angehörigen des Landkreises dem letzteren zu, dann ergibt sich daß ein Unterschied in der Häufigkeit der Lungentuberculose rm Berichtsjahre zwischen Stadt und Landkreis nicht bestanden hat. Die acuten entzündlichen Erkrankungen der Ath- Son0c!znr6an!l ?arenr roie im Vorjahre sehr verbreitet und in ?^ ^2llen Todesursache; die zehnjährige Durchschnittszahl . Z" acutem Gelenkrheumatismus starb eine Person; dem Gehirnschlagfluß erlagen 38, dem Darmcatarrh und Brechdurchfall 25 (zehnjähriger Durchschnitt 36), und anderen £<£aÄnnrCl? 763 Personen. Unbekannt blteb die Todesursache in 101 Fallen. . Eines gewaltsamen Todes verstarben 44 Personen 19 durch.Verunglückung, 23 durch Selbstmord (16 im zehntägigen Durchschnitt) und 2 durch Todtschlag und tödtlicher Körperverletzung. Gießen, den 19. April 1892. Großh Kreisgesundheitsamt. i d r ji !e ir t D b e be e Hi tt tt 8 L