Wt. 74 ErSes Blatt Sonntag den 27. Mar; 1892 rlints- und Anzeigeblatt für den Areis Giefzen. Hratiskeitage: Hießencr Stamifienfifätfer. Bierkeljähiiger -öonnementspreiO: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen 2 Mark 50 Pfg. Nedaction, Expedition und Druckerei: Zch-kgr«»« Ar.7. Fernsprecher 51. im Stande, die Ruhe ausrecht zu erhalten. Vielleicht werde noch das Zuziehen von Militär nöthig. Einige Gruben sind bereits ersäust. Die Bergleute verhindern die Pumpen- thätigkeit. Die Grubenbesitzer bestehen jetzt auf einer Lohn- reduction von 15 bis 20 pCt., anstatt früherer lOpCt. Alle «nnonctn-Sureau? t>e« In. und «ullanbt* nehmen Anzeigen für den „Gießener ünjetger* cnta.qtn. , m Gefunden: 2 Messer, 1 Haarnadel, 6 Fensterläden 1 Pulswärmer, 1 Gummiball, 1 Paar Handschuhe, 1 Armband, I Taschentuch, 1 Spannkette, 1 Bleifederhalter, I Man- lchette mit Knopf, 1 Serviette, I Zwicker, 2 Pack Leim und 1 Abputztuch. Gießen, den 26. März 1892. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Aeuefte ntcn. WotffS leiegraphischeS lorrtfconbtnj.eurtao Sedin, 25. März. Der Kaiser empfing heute Vormittag in Hubertusstock den Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg und hörte den Vortrag des Kriegsministers und des Chefs des Militärcabinets. Berliu, 25. März. Dem Vernehmen nach wird der Kaiser morgen Nachmittag von Hubertusstock hierher zurück- kehren. totales unb provinzielles. Gießen. 26. März 1892. — Die akademische Trauerfeier zum Gedächtniß Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwig IV. fand heute Vormittag l l^Uhr statt. Wir werden in nächster Nummer weiter darüber berichten. — Die vom Oberhefsischen GeschichtSvereiu am Donnerstag Abend im Saale des Cosa Ebel veranstaltete Gedächtniß- feier für Sc. König!. Hoheit den Großherzog Ludwig IV. war, wie zu erwarten, sehr zahlreich besucht. Der Saal war der ernsten Feier entsprechend decorirt. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Prof. Dr. Höhlbaum, leitete die Feier mit einer Ansprache ein. Die Sitzung sei zu einer Trauerversammlung geworden, gewidmet dem Andenken des Landesherrn und Landesvaters, des Rector magnificentissimus unserer Universität, des ächten deutschen Fürsten. Was der Großherzog seinem Lande und Volke in lkrieg und Frieden gewesen, das würden die nachfolgenden Redner zum Ausdruck bringen. Der verewigte Großherzog Depeschen des „Bureau Herold-. 25. März. Die „Post" meldet, zuverlässigen Nachrichten zufolge habe die gute Luft und die Körperbewegung aus das Befinden des Kaisers äußerst günstig eingewirkt. Alle Nachrichten über momentane Indisposition des Kaisers, wie beispielsweise Asthma rc., seien sehr übertrieben. Der Kaiser unternahm in den letzten Tagen angestrengte Galoppritte, welche ihm gutgethan haben. Berlin, 25. März. Der Kaiser reist morgen Nachmittag von Hubertusstock ab und trifft in Berlin um 572 Uhr ein. Derselbe wohnt Abends dem Diner beim österreichischen Botschafter bei. Berlin, 25. März. Die „Krtuz-Ztg." vernimmt, dem Bundesrathe werde demnächst ein Nachtrags-Etat für 1892/93 zur Beschlußfassung vorgelegt, worin unter anderem zur Erweiterung des Eisenbahnnetzes 7 Millionen ausgeworsen sein sollen. Berlin, 25. März. In maßgebenden Kreisen wird angenommen, der Reichstag werde am 29. März geschlossen. JBttlin, 25. März. Nach der „Börsenzeitung" werde in parlamentarischen Kreisen erwartet, die neue Regierung werde in der Montagssitzung des Abgeordnetenhauses eine . Erklärung abgeben, worin sie das Schulgesetz formell zurückzieht und aus ein freundliches Zusammenwirken der Regierung mit den Mittelparteien zurückkommt. Berlin, 25. März. Von drei Rädelsführern bei den kürzlichen Straßentumulten wurde Rhode zu vier Zähren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, Hung zu zwei I fahren Gesängniß, Fenski zu drei Jahren Gesängniß ver- urtherlt. Danzig, 25. März. Die Manöverflotte unter I Viceadmiral Deinhard und das Uebungsgeschwader unter I Contreadmiral Kracher wird nach den Manövern im west- I lidjen Ostfeebecken zu den Gesammtübunqen vor Danzia I erwartet. 0 I Hamburg, 25. März. Der Hamburger Dampfer „Desterro", aus der Heimreise von Südamerika begriffen, ist vier Meilen von Ter-Schelling Feuerschiff mit dem englischen Dampfer „Indra" zusammengestoßen und 14 Faden tief gesunken. Sämmtliche 44 Passagiere und die Mannschaften wurden von dem englischen Dampfer „Eiporto" ausgenommen und sind heute hier gelandet. Die Ladung des „Desterro" bestand aus 20,000 Sack Kaffee und Tabak/ Eisenach, 25. März. Zum 22. Mai ist ein allgemeiner deutscher nationalliberaler Parteitag hierher berufen. Sargaus, 25. März. Nach hier eingegangener Meldung ist in dem Dorfe Sevelen, tm Rheinthal, eine Feuersbrunst ausgebrochen- es herrscht heftiger Föhn. Petersburg, 25. März. Die Aufhebung des Erlasses, betreffend das Ausfuhrverbot für Weizenmehl, wurde heute sanetionirt. Die Exporteure werden verpflichtet, gleiche Massen Weiz?nkorn aus dem Auslande dagegen wieder- kinzusühreu. Die Aushebung des Ausfuhrverbots für Hafer aus dem Gouvernement Archangel wurde abgelehnt, trotzdem der Gouverneur versicherte, der Hafer wäre über- fUissig. Sichener A n zeiger Kenerak-Mnzeiger. Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Moikten-tLIIer «erden dem Anzeiger «Schentlich dreimal beigelegt. I ^be lebendigen Antheil genommen an der Einigung des deutschen Reiches und sich ganz seiner Zeit und dem Be- wußtsein seiner Völker hingegeben,- er war ein Fürst von echt deutsch-nationaler Gesinnung, in seinem Handeln stets tn engster Gemeinschaft mit feinem Volke und seiner Vertretung, das öffentliche Wohl über das eigene stellend- dies Mes sichere ihm ein dankbares Angedenken. Das Wirken des Elberhessischen Geschichtsvereins wurzele in der Liebe nur dieselbe Liebe zur Heimath, zur Nation, zum Reiche habe den verewigten Großherzog stets geleitet. Dem Gelöbniß baä Andenken des Verewigten zu ehren und dessen Weae ru wandeln, gab die Versammlung durch Erheben von den Sitzen Ausdruck. — Herr Prof. vr. Buchner entwarf ein lebenswahres Bild von dem verewigten Großherzog als Landesherr und Familienvater. Schon im Jahre 1858 al" der damalige Prinz Ludwig mit seinem Bruder Heinrich in Gießen studirte, gewann er sich die Herzen der Bevölkeruno ■ daß Ludwig IV. wissenschaftlich hochgebildet, bezeuge die im >>ahre 1863 von der Universität Cambridge erfolgte Verleihung der Doetorwürde. Es sei erklärlich, daß der Ver storbene, der seine militärische Laufbahn in Preußen begonnen tm Kriegsjahre 1866 zwiefaltigen Herzens an dem Kampfe gegen Preußen, lediglich der Pflicht gegen sein engeres Vaterland folgend, theilnahm, während sein Bruder auf preußischer Seite in Böhmen focht. Die Ereignisse von 1866 gestalteten sich so, daß Hessen mit verhältnißmäßig geringem Verlust aus denselben bervorging und in das neue ftzahr- wasser eintreten konnte. Die 16jährige Ehe des Großherrogs mit der unvergetzlichen Alice fei die denkbar glücklichste gewesen- dies finde lebhaft Ausdruck in den Briefen welche die leider zu früh von der Seite ihres hohen Gemahls hmweggeristene Prinzessin, spätere Großherzogin, an ihre Mutter, die Königin von England, geschrieben. Die Tbätia- feit der Großherzogin Alice zum Besten der Verwundeten und Kranken, ihr Wirken auf dem Gebiete der Wohlthätia- kett, der Förderung von Kunst und Wissenschaft sicherten auch ihr etn bleibendes Andenken. Ihre während des deutsch, franzosiichen Krieges an ihre Mutter gerichteten Briefe bekundeten nicht nur die Fürsorge für den an der Spitze einer Hessen auf Frankreichs Boden kämpfenden Gemahl I i°"dern auch wte deutsch die Prinzessin geworden, mit welcher Liebe sie an ihrer deutschen Heimath hing. Nach Beendigung des Krieges entwickelte sich Hessen rasch zu einem wesentlichen ©liebe deutschen Reiches- weich' hohen Antheil der verewigte Großherzog au dieser segensreichen Entwickelung genommen fei bekannt. Aufrichtig betrauere deshalb unser Vaterland den geliebten Todten. Nach dem unabänderlichen Schicksalsschlage begrüße nun auch der Oberheffische Geschichtsverein in alter Heffentreue den neuen Großherzog Ernst Ludwig Mochte Hessen verschont bleiben von Krieg und Verwüstung damit es dem Großherzog beschieden sein möge, fein Land' tn Gluck und Frieden durch lange Jahre zu regieren — Herr Hauptmann Weimer schilderte das Leben und Wirken des Großherzogs Ludwig IV. als Soldat. Ihm (dem Redner) fti es vergönnt gewesen, durch lange Jahre der heffischen Division anzugehören und mit derselben unter Führung des verewigten Großberzogs an dem Kampfe gegen Frankreich theilzunehmen- was er hier sprechen wolle, möge als Dankes- zoll aus Soldatenherzen erscheinen. In welcher Weise die Herzen der Soldaten ihrem Führer entgegenschlugen, auf dem Marsche, im Bwouak, wie im Kampfe, baS kann nur der beurteilen, der Zeuge davon gewesen- diese Anhängltch- fett zeigte sich auch am Beerdigungstage, an dem Tausende ehemaliger Krieger nach Darmstadt eilten, um noch einen testen Blick auf den mit Blumen bedeckten Sarg zu werfen der die Hülle ihres Führers barg. Aber nicht nur in Hessen' sondern in der ganzen deutschen Armee, in einem besonderen Erlaß des Kaisers gab sich kund, welchen unersetzlichen Verlust die Armee erlitten. Nachdem Herr Hauptmann Weimer die Ereignisse von 1866, soweit sie in Verbindung mit dem verstorbenen Großherzog zu bringen sind, erwähnt, hob er besonders hervor, daß die dem Kriege folgende Einfügung der heffischen Division in den preußischen Militärkörper die Verdienste des Großherzogs um die Neuorganisation erfennen Itefjen. Die Besichtigung der Division durch Kaiser Wilhelm I. zwischen Kleinlinden und Allendorf tm Jahre 1869 habe das Vertrauen in die hessische Wehrkraft bet dem allerhöchsten Kriegsherrn befestigt. Und schon im folgenden Jahre konnten die hessischen Truppen beweisen, daß sie dieses Der,rauens würdig. In der Nacht vom 15. zum 16’( tQ™ ber Mobilmachungsbefehl, und der tapfere Führer der Division, Prinz Ludwig, brachte ,hn mt- gesaumt zur Ausführung. Die hessische Division bezog bi« 7* August Quartier bei Worms und marschirte, nachdem sie in die unter Befehl des Prinzen Friedrich Carl stehende Bekanntmachung. Nachdem in einem Gehöft zu Trais-Horloff der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, haben wir die Sperre über das verseuchte Gehöft verfügt. Gießen, den 26. März 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___________v. Gag ern. Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzogthurns. Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Groß- herzogliches Ministerium des Innern und der Justiz dem Stadtvorstand zu Alsfeld gestattet hat, gelegentlich des am 2o. Juli d. I. daselbst stattfindenden Zuchtviehmarkts eine Verloosung von Vieh und landwirthschaftlichen Geräthen ;u veranstalten. Die Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung ist unter der Bedingung ertheilt worden, daß nicht mehr als 4000 Loose ä 1 Mk. ausgegeben werden dürfen und mindestens 60 pCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind geiinttd* ber Loose ist in der Provinz Oberhessen Gießen, den 23. März 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Berlin, 26. März. Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge sagte Graf Zedlitz bei feiner Verabschiedung von feinen Beamten: er habe im vorigen Jahre schweren Herzens nber aus Gott vertrauend sein Amt übernommen, wenn er jetzt von den Geschäften trennen müsse, so demüthige er fid) vor der Fügung Gottes. — Die „Nationalzeitung" und das „Berl. Tagebl." hören, die Regierung sei bereit, auf gewisse Abänderungen der Welfensondsvorlage einzugehen. — Die Kaiserin Friedrich präfibirte gestern einer Sitzung bes Vereins für häusliche Ge sunbheitsp s 1 eg e, sowie bes Comitös ber Berliner Feriencolonien. — Die „Vossische Zeitung" erfährt, Reichscommissär Dr. Peters werde unmittelbar nach Erledigung der Grenzregulirung im Norden von Usambara nach Europa zurückkehren. — „ o, _... _ . । Demselben Blatte zufolge steht die Bildung einer Colonial. Berlin, Marz. Der Vorstand ber Deutschen genoffenschast bevor, die die Auswanderung deutscher Acker- ColonialgeselIschaft, welcher hier unter dem Vorsitze I baufomilien nach Kamerun zu lenken beabsichtigt Hammachers zahlreich versamme l .st, hat den Vorschlag des Wien. 25. März. Die „Neue Freie Presse" wünscht Anschusses, aus dem subwestafrikaniichen Schutzgebiete eine Caprivi möge auf seinem neuen Posten stärker sein damit Siedelungsgesellschaft zu begründen, angenommen und die Gegner Deutschlands nicht sagen könnten, Deutschland höre TOUte” bretroiaigPnQn9nffn^mE 6olonlfatlon b,c "ölhigen auf, ^em verläßlicher Alliirter und starker Hüter des europäischen Berlin, 25. März. Der Etatsausschuß der Stadt- London, 25. März. Die Lage auf den Soblen- verordneten Versammlung beschloß für das Etatsjahr 1892/93 distrieten von Durham ist ernster, di Polizei st nicht den Procentsatz der G e m e t n ö e et n f o mm e n ft e u er mit 1 - - - ° ' niajt | 70 Procent des Normalsatzes. Bisher wurden 100 Procent bezahlt. Annahme von Anzeigen zu tot Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nuuimer bis Borm. 10 Uhr. Amtlicher Ocil Verkehr, Land- nnd volkswirthschaft. »ieße«, 26. März. Marktbericht Auf ^dem heuttgen Wochenmarkt kostete: Butter pr- Pfd- «M 0,90—0,95, Hübnereier per Stück 5 4 2 St.--H, Enteneier 7— X, GLnseeier 1 et 11-12 4, m pr. St. 5-8 4, Käsematte vr. St. 3 H, Erbsen pr. Liter - X. Linsen vr. Liter 30 X,Wen pr. Pa« X 0,60-1,00, Hühner pr. Stück < 0,85-110, Hahnen pr. St- X 1,30-2,00, Enten pr. St- X 1,50-1,80, Ochsenfleisch pr. Md- 70-76 X, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd- 62-66 H, Schweinefleisch pr. Pfd. 60-70 H, Kalbfleisch pr. Pfd 54-60 X, Hammelfleisch pr. Pfd. 60-70 X. Kartoffeln pr. 100 Kilo 7,50-8,00 Weykraut pr. St. 4—10 X, Zwiebeln pr- Centner 10,00—11,00 X, MU cd pr. Ltter 12-18 X zweite Armee einverleibt, bis zum 10. August nach Saarbrücken Und überschritt am 16. August bei Corny die Mosel, an diesem Tage erfolgte der erste Zusammenstoß mit dem Feinde. ES folgten die Kämpfe um Metz am 18. und 31. August, die Einschließung von Metz, der Vormarsch nach der Loire, die Kämpfe bei Orleans, Briare, Beaugency, die Erstürmung deS Schlosses Chambord u. s. w. Aus allen diesen ruhmreichen Kämpfen ragt die Heldengestalt deö verewigten Groß- Herzogs hervor, den Truppen ein Beispiel der Tapferkeit. Ausgezeichnet mit Ruhm und Ehren kehrte der tapfere Führer der hessischen Division in die Heimath zurück. In den nun folgenden Friedensjahren war es dem Verewigten beschieden, die hessische Division vollends zu reorganisircn, so daß sie als würdiges Glied in der großen deutschen Armee dasteht. Der Name deS verewigten Großherzogö wird allezeit glänzen in der Geschichte der Armee. — Nachdem Herr Hauptmann Weimer seine Ansprache beendigt, forderte Herr Professor Dr. Höhlbaum die Versammlung aus, dem neuen Großherzog Ernst Ludwig durch Erheben von den Sitzen die Huldigung des Oberhessischen Geschichtsvereins darzubringen. — Herr Vorsitzende theilte nach Schluß der Gedächtnißseier mit, daß der Vorstand nach den statutarischen Bestimmungen um drei Mitglieder verstärkt werde; aus seinen Vorschlag wurden die Herren Landgerichtsrath Möbius, Fabrikant Gail und Vergolder Leib gewählt. — Im Mai d. I. sindet aus Anlaß der vor 600 Jahren erfolgten Erhebung des ersten hessischen Landgrafen in den Fürstenstand eine Feier statt. Für den Sommer sind Ausflüge nach Laubach und Wetzlar geplant. — Den Schluß der Sitzung bildete der von Herrn Professor Dr. Arthur Schmidt gehaltene Vortrag über die bürgerliche Rechtsentwickelung im Großherzogthum Hessen. Der Vortragende führte in lichtvoller und anregender Weise die vielen im Gebiete des Großherzogthums Hessen zur Zeit noch bestehenden, bei Einfügung von Landestheilen in den hessischen Staat mit übernommenen Partikularrechte vor und schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß das bürgerliche Gesetzbuch eine glänzende Perspective auf einheitliche Gestaltung der Rechtsverhältnisse im Deutschen Reiche eröffnen möge. — Die auch von unserem Blatte gebrachte Nachricht, daß das Befinden des in Darmstadt erkrankten Prinzen Alfred, Sohnes Seiner Königl. Hoheit des Herzogs von Edinburg, soweit gebessert sei, daß deffen Abreise bereits in den nächsten Tagen erfolgen könne, hat sich leider nicht bestätigt. Wie wir hören, ist Geh. Rath Professor Riegel, der bereits vor acht Tagen zur Consultation nach Darmstadt berufen worden war, gestern abermals dorthin berufen worden. — Wir wollen nochmals bemerken, daß die physikalischen Experimental-Vorträge des Herrn Dähne am Montag den 28. und Dienstag den 29. März, Abends 8 Uhr, im Cafe Leib stattfinden. Die „Freiburger Zeitung" schreibt über die Vorträge: Wenn gute Redner, die es verstehen, in einem durchsichtigen Vortrage die schwierigsten Theorien der Physik einem hauptsächlich aus Laien der Wiffenschaft zusammengesetzten Publikum mit wenigen Worten in aller Kürze klarznlegen, unter die Seltenheiten rechnen, wie viel mehr erst diejenigen, die ihren Vortrag gleichzeitig durch Experimente in sicherer, eleganter Ausführung unterstützen können. Beides finden wir in Herrn Dähnes Vorträgen und Versuchen vereinigt. Letztere — im großartigsten Maßstabe ausgesührt, erregten allgemeinste Bewunderung. — Die Nr. 7 des im Auftrage des Evangelischen Pfarrvereins für das Großherzogthum Hessen von Herrn Pfarrer Dr. Naumann herausgegebenen „Hessischen Kircheublattes" hat solgenden Inhalt: 1. Zum Gedächtniß unseres Heimgegangenen Großherzogs Ludwig IV. 2. Der evangelische Pfarrer und die Kunst. IV. 3. Die vierte ordentliche evangelische Landessynode- 12. bis 15. Sitzung. 4. Zur Kate- chismusfrage. 5. Beherzigenswerthe Aussprüche. 6. Der Kops des Heff. Kirchenblattes. 7. Bericht über die Zusammenkünfte von Psarrvereinsmitgliedern. 8. Zusammenkünfte. 9. Themata zur Besprechung. 10. Eintheilung der Geistlichen in die neuen Gehaltsklassen. 11. Anzeigen. — Heute Nacht wurde in dem Laden eines hiesigen Uhrmachers am Lindenplatz eiugebrochen und daselbst total aufgeräumt. Uhren, Reparaturgegenstände und Geld fielen in die Hände der Einbrecher, nach deren Spur eifrigst gesucht wird. — Ein „reichhaltiges" Gewerbspatent wurde uns dieser Tage gezeigt. Der Inhaber desselben ist nämlich Ellenwaaren- krämer und Kurzwaarenhändler im Kleinen, Specereikrämer, Drod- und Weckverkäufer ohne Backofen, Schreiner, Dachdecker ohne Gehilfen, Glaser, Weißbinder und Krautschneider. — Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht: Am 21. März den Landrichter bei-dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Dr. Carl PreetoriuS zum Landgerichtsrath bei diesem Gericht und den Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg Dr. Ernst Werte zum Landgerichtsrath bei diesem Gericht — zu ernennen. — Die Zeit der Waldbrände hat begonnen. Aus ver- chiedenen Gegenden werden schon solche gemeldet. Wir wollen deßhalb nicht verfehlen, daraus hinzuweisen, daß das Wegwersen von brennenden Cigarrenresten, Streichhölzchen re. im Walde mit Gesängniß bestraft werden kann. △ Butzbach, 24. März. Der kürzlich hier gegründete Sängerbund heißt nicht Taunus - Wetterau - Bund, sondern „Hausberg-Wetterau-Sängerbund". Sonntag den 3. April findet bei Wirth Fett -Ostheim eine nochmalige Delegirtenversammlung statt, wobei gleichzeitig der Ort zur Abhaltung des ersten Sängersestes bestimmt wird. Bönstadt (Kreis Friedberg), 24. März. Gestern Abend entstand hier gegen 9 Uhr im Gehöfte des Bürgermeisters . Hofmann durch Unvorsichtigkeit Feuer, das eine Scheuer | und zwei Ställe in Asche legte. Darmstadt, 25. März. Der Besuch des Mausoleums ist Sonntag den 27. d. M. ohne Karten von 11 bis 6 Uhr gestattet. Professor Kaulbach aus München ist im neuen Palais eingetroffen, um den Großfürsten Sergius zu malen. Mainz, 25. März. In Mainz gedenkt man im Herbst dieses Jahres eine Ausstellung für kirchliche Kunst zu veranstalten, die am 1. September eröffnet werden soll. Bretzenheim (Kreis Mainz), 24. März. Hier werden zur Zeit viele Aecker mit Erdbeeren angelegt, welche Cultur neuerdings allenthalben empfohlen wird. Laubenheim, 24. März. Der Landwirth B. Fuchs stürzte gestern, während er Heu von der Scheune herunterholte, so unglücklich in die Tenne, daß er als Leiche ausgesunden wurde. I Schiffsnachrichten. Hamburg, 23. März. Das Hamburg-Newyorker Pott Dampfschiff „Russia", Capttan Schmidt, von der Hamburg Amerika- nischen Packetfahrt - Actien - Gesellschaft, iff am 23. März, 11 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen. Literatur und «unst. — Von mancher Seite ist schon der Versuch gemacht worden, das Monopol der Münchener „Fliegenden" zu bekämpfen, alle diese Versuche wurden aber entweder nach Kurzem wieder eingestellt oder das betreffende Blatt konnte in seinen Leistungen keinen Vergleich mit der „Münchnerin" aushalten. Endlich ist eine ebenbürtige Con- currenz geschaffen worden, die auch auf sehr festen Fühen steht und sind die in Eßlingen bet I. F. Schreiber im vieren Jahrgänge erscheinenden Lothar Meggendorfers Humoristische« vlLtter durchaus keine Nachahmung von etwas Bestehendem, sondern durch ihre farbigen Illustrationen, die technisch sonder Tadel ausgefüh.t sind eine wohlthuende Abwechslung des ewigen Einerlei. Eine Reihe erster Künstler hat sich der rührige Verlag als Mitarbeiter gesichert und wir gestehen offen, daß, so oft uns eine Nummer der Meggen- dorfer Blätter zu Gesicht kam, solche unseren Beifall fand. — Wir können unseren Lesern nur empfehlen, sich vom Verlage I. F. Schreiber in Eßlingen gratis und franco Probenummer kommen zu lassen und halten wir die Meggendorfer Blätter als unterhaltendes Famtlienblatt für bessere Kreise, wo noch Humor gesucht und verstanden wird, besonders geeignet. Was noch speciell lodend erwähnt zu werden verdient, ist der Umstand, daß trotz der viel theureren farbigen Herstellung die Meggendorfer Blätter billiger sind als die Collegtnnen gleichen Genres. — Geschichte der Physik von Dr. E. Gerlaub, Docent für Physik und Elektrotechnik an der Königlichen Bergakademie zu Clausthal i. H. Mit 72 in den Text gedruckten Abbildungen. VI und 356 Setten. Preis in Original-Leinen band 4 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. — Oculi, da kommen Sie! Und wenn Oculi heranrückt, dann hüpft des Jägers und des Gourmands Herz vor Freude, denn dem ersteren brennt es nach der jagdlosen Zett in den Fingern, und er ist stolz darauf, wenn er beim Schnepfenftrich auf einen der ztck- »ackfliegenden Langschnäbler einen guten Schuß angebracht oder gar auf ein Paar „stechende" Schnepfen eine Doublette gemacht hat, und was der letztere an den Schnepfen schätzt, das ist der — nun, daS schätzt man an anderen Thieren nicht! — Und nun ist „Oculi , und nun sind sie da, wirklich da mit ihrem pst pst, ktrwik! Und wer's nicht glaubt, der kanns im ,St. -«vertut lesen, der besten weidmännischen Zeitschrift für Jedermann, denn wer nicht ^ager ist ist doch wenigstens Liebhaber vom Schnepfen-braten. Um sich das Blatt einmal näher anzusehen, braucht man nur vom Verlag des St Hubertus" in Cöthen, Anhalt, die Gratisübersendung einer Probenummer zu verlangen oder einen bekannten Jäger darum zu ersuchen, denn es gibt ihrer Wenige, die nicht auf den St. Hubertus abonnirt sind. Anszng au» den Standesanrtsregistern der Stadt Gietzen. Aufgebote. März: 23. Ernst Käppele, Gerberaeselle zu Haiger, mit Katharine Wilhelmine Lina Wagner von Niederschelden. 24. Philipp Mohr, Bremser zu Betzdorf, mit Elisabeth Hautz daselbst. Ghes»lteß««gen. März: 23. Johann Jacob Reichel, HilfSheizer bei den Ober- bessischen Eisenbahnen dahier, mit Dorothea Vollmert dahier. 25. Johann Konrad Will, Taglöhner zu Friedelhausen, mit Katharine Schneider dahier. Geborene. März: 16. Dem Fuhrmann Christian Bepperling, ein Sohn Heinrich Christian. 16. Dem Schneidermeister Franz Metz eine Tochter, Emma Marie. 18. Dem Bahnarbeiter Christian Burck eine Tochter, Margaretbe Justine. 18. Dem HilfSheizer bet der Matn- Weser-Babn Wilhelm Franz Spuck ein Sohn. 19. Dem HilfSheizer bet der Main Weser-Bahn Georg Friedrich Wilhelm Rößler eine Tochter. 19. Dem Taglöhner Ludwig Schneller ein Sohn, Wilhelm Jofeph. 19. Dem Schaffner Heinrich Hof eine Tochter, Anna. 19. Dem Schriftsetzer Adolf Hensel eine Tochter, LutseJohanna Elisabeth. 20. Dem Kaufmann Christian Jnderthal ein Sohn. 20. Dem Taglöhner Philipp Hofmann eine Tochter, Antonie Luise. 23. Dem Kaufmann Moritz Friedberger ein Sohn, Erich. Geflorbe«e. März: 20. Katharine Breuntnger, geb. Schäfer, 36 Jahre alt, Wittwe von Bierbrauer Georg Breuntnger. 20. Johannette Eleonore Wehn, geb. Frech, 81 Jahre alt, Wittwe von Univerfitäts-Profeffor Hofralh Dr. Wilhelm Wehn dahier. 21. Amanda Gottschick, geb. Amen, 75 Jahre alt, dahier, Wittwe von Pastor Friedrich Gottschick. 23. Wilhelm Zeyen, 4 Monate alt, Sohn von Buchhalter Jacob »eyen. 23. Wilhelm Lind, 8 Monate alt, Sohn von Fabrikarbeiter Eduard Lind dahier. 24. Christian Dechert, 51 Jahre alt, Taglohner dahier. 25. Dr. Richard Dornseiff, 56 Jahre alt, practifcher Arzt dahier. ______ - Auszug aus den Kirchenbüchern -er Stadt Gietzen. Evangelische Gemeinde. Getraute. v A Den 23. März. Johann Jakob Reichel, Hilfsheizer, und Dorothea Vollmert au« Hollrich, Bayern. r„c Den 25. März. Johann Konrad Will, Taglohner zu Friedel- kaufen, und Katharine Schneider, Tochter des Taglöhners Konrad Schneider von Erda. Getaufte. Den 20. März. Dem Schreiner Berthold Goß ein Sohn,. Ludwig Georg Kaspar Martin Richard, geboren den 1. Januar. Denselben. Dem Bremser Johannes Noll ein Sohn, Heinrich, geboren den 1. März. Denselben. Dem Taglöhner Jakob Krauskopf eine Tochter, Marie Margarethe Katharine, geboren den 11-Januar. Denselben. Dem Kupferschmied Karl Ludwrg Petri ein Sohn» Karl geboren den 15. Februar. Denselben. Dem Händler Philipp Fischer eine Tochter, Marte Elise Lina, geboren den 20. Februar. Denselben. Dem Glaser Wilhelm Sickert eine Tochter, Erna Ottilie Marie, geboren den 13. Januar. Denselben. Dem Culturlechniker Albert Cullmann ein Sohn» Karl, geboren den 10. Februar. Den 23. März. Dem Metzger und Gastwirth Jean Boller eine Tochter, Magdalene Auguste Anna Emma, geboren den 1. März. Beerdigte. Den 19. März. Philipp Böger, Großh. HofgerichtS-Protocolltst' in Pension, alt 76 Jahre, starb den 17- März. Den 20. März. Georg Michael Breuntnger, Bierbrauer, alt 40 Jahre, starb den 17. März. Den 22. März. Katharine Breuninger, geb. Schäfer, Wtttwe des Bierbrauers Georg Michael Breuninger, alt 36 Jahre, starb dar ^Denselben. Karl Luft, Bahnwärter zu Rödgen, alt 54 Jahre, ^tart> Denselben^ Johannette Wehn, geb. Frech. Wtttwe de- HofrathS Dr. Wilhelm Wehn, alt 81 Jahre, starb den 20. März. Den 23. März. Amanda Gottschtck, geb. Amen, Wtttwe des Pastors Friedrich Gottschick, alt 75 Jahre, starb den 21. März. Meyerhoff & Goslar Kirchenplatz Nr. 9. Größtes Lager moderner Kleiderstoffe, Damen- und Kinder-Mäntel, Jaquets, Umhänge und Promrnades. 2971 Täglich Eingang von Neuheiten. Bekanntmachung. Nachdem der Plan über die durch Beschluß der Stadtverordneten-! Versammlung vom 5. November 1891 festgesetzten Straffen- und Baufluchtlinien der beiden Gartenstraben, eines Thecks des Schlffen- berger Weges und der Straße R-R am Nahrungsberg durch Großherzogl. Kreisamt Gießen bezw. Grobherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz genehmigt worden ist, bringen wir dies in Gemäßheit des Art. 7 der allgemeinen Bauordnung mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis;, daß die Einsicht dieses Planes auf dem Stadtbauamt Jedermann sreisteht. Gießen, den 23. März 1892. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. __Gnauth.__2859 Bekanntmachung» Anmeldungen zumBezuge der Schottischen Stiftungszinsen haben bis zum 9 April d. I. aus Zimmer Nr. 9 des Bürgermeisterei-Gebäudes zu erfolgen. Gießen, den 25. März 1892. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Gnauth. Im Freiherrlich von Milchling- schen Walddistrict Oberseilbach werden Freitag den 1. April d. I. versteigert : 15 Stück Eichen-Stämme mit 10,32 fm, 12 Stück Eichen- u. Buchen-Stangen, 8 rm Buchen- und 3 rm Eichen- Scheiter, 74 rm Buchen- und 15 rm Eichen- Knüppel, 340 rm Buchen- und 40 rm Eichen- Reiser, 6 rm Eichen-Stöcke. Zusammenkunft Morgens 9 Uhr am Jagdhäuschen in der Nähe des Holz- jchlagS. 2798 Treis a/Lda., 23. Marz 1892. Amendt, Forstinspector. Modell-Ausstellung sowie sämmtliche Neuheiten der Saison empfehle zu billigsten Preisen-. Hüte werden faeonnirt. H. Ellmger, 2829_________________Seltcrrweg 2, 1 Stock (Eingang Caplanrgasse). Meinen werthen Kunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich zu wollen. meine Glaserei (wie früher), unterstützt durch einen tüchtigen Gehülfen, wieder selbst betreiben laffe und bitte ich, freundlichst Notiz hiervon nebmew] 15 Kirchenplatz 15. NB. Herr Hugo Spier ist nicht mehr Miether bei mir und hat keinerlei Ansprüche an meine Glaserei. _ 2833 Ergebens! W« Fillmann Wittwe. Zweirad, niederes (Opel, Blitz) zu verkaufen. 2816] «. Bieler, Weftanlage 45, I 2842] Eine gebrauchte noch gut erhaltene Nähmaschine billig zu verkaufe». Ludwigstraße 27, parterre-