Nr. 49 «amstag den 27. Februar 1892 ^mts- und Anzeigeblatt fiw den Kreis Gießen. Hratiskeffage: chießmer $chehen, wenn man sich über ein fol«e8 Gesetz nicht einige? Dann sollen die Bedingungen und Gebühren, wie sie heute bestehen, unverändert beibehalten werden wie nothwendig auch eine Aenderung fein möge. , Geh. Ober-Postrath Dambach: Alle Staatsrechtslehrer seien darüber einig, daß die Telegraphengebühren nicht durch Gesetz m regeln seien. Die Bedingungen betreffen Einzelheiten und Aeußerlich- keiten, die sich zur Ausnahme in em Gesetz nicht eignen. Bis zum erforderten Gesetzes würde nach dem Anträge auch jede selbst die geringste Verbesserung unmöglich sein. 1 ' Für den Antrag v. Bar spricht Abg. v. Vollmar (Soc) dagegen Abg. Graf Arnim (Rp.). k ' _. - Staats-Dienste hinsichtlich der zum Dienstgebrauch, sowie Aerzte und Thierärzte hin- sichtlich der zur Ausübung ihres Berufes nothwendiaen Pferde; 7 9 Bekanntmachung, betr. die Unfallversicherung der in land, und forstwirthschast- tichen Betrieben beschäftigten Personen; hier Fortführung des Umlagecatasters pro 1891. Bekanntmachung. Bei der am 25. I. Mts. vorgenommenen Wahl ist Herr Joseph Stern zum Mitglied des Vorstandes der israel. Rellgronsgemeinde dahier wiedergewählt worden. Es wird dies mit dem Anfügen öffentlich bekannt gemacht, daß während dreier Tage, nämlich am 29. l. Mts., Beide Abtheilungen des Umlagecatasters der land- und forstwtrthschaftlichen Berufsgenoffenschaft, fortgeführt für 1891, liegen zwei Wochen lang, nämlich vom 26. Februar bis 11. März dieses Jahres, auf der Bürgermeisterei zur Einsicht der Betheiligten offen. Etwaige Einsprüche gegen den In- i * , k ... . , , t nach ber^DffenSung'bei'dem Vorstande?e?land- un^foch" । "MEI% •JÜLSüsL "ffil wusthschaftlichen Berufsgenossenschaft in Darmstadt bei Meinung späterer Nichtberücksichtigung vorzubringen. Gießen, den 24. Februar 1892. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 1. unb 2. März l. Js., das Wahlprotoeoll mit allen Anlagen aus dem Bureau des I. Vorstehers, Herrn Meier Homberg e r dahier, offengelogt fein wird und daß während der unerstrecklichen Frist dieser drei Tage die Stimmberechtigten, sowie der Gewählte von dem Wahlprotoeoll und dessen An- lagen Einsicht nehmen und Einwendungen gegen die Wahl oder gegen den Gewählten, bezw. auch eine Ablehnung der A°hl, °ei Vermeidung des Ausschlusses bei Grobh. Kreisamt Gießen Vorbringen können. GicheiierÄnzeiger Henerat-Mnzeiger. 1) am 18. März l. I. zu Lich, 2) Gießen, den 26. Februar 1892. Der Wahl-Commissär: Schmidt, __Regierungs-Aeeessisi.__________________ veutscher »eich»»«-. 180. Pleuarfitzung. Doneetitag den 25. Februar, 1 Uhr. gesetzt^^ ln,e*te Eerathung deS.Telegraphengesetzes wird sort- '^.^ntet in der von der Commission vorgeschtagenen Faffuna: ^fnehmigung des Reichs können errichtet und beirieben werden. I. Tetegrapheniinlagen, welche ausschließlich dem inneren h°noC^ ,°b°r Communalbehördm und Deichcorporationen gewidmet sind; 2. Telegraphenanlagen, welche von Transportanstalten auf ihren Linien ausichließtich zu Zwecken ihres Betriebes oder für hen allgemeinen Bermittlungsoerkehr innerhalb der bisherigen Grenzen örunbftürfs™^ ;Jr*6rap6etHanlOflCP a) inn-rhalb der Grenzen eines Grundstücks, b) zwischen mehreren einem Besitzer gehörigen oder zu iinn/,m9^e4y ebe v-r-«nigten Grundstücken, deren keins von dem -»deren KCr £ufULnic en*fernt sind, wenn diese Anlagen Hammacher (Mtl.) beantragt, anstatt der Worte 4!e7m.ttelung^n'R-chLn"'^"«^»kehr" zu sagen: „für bie tr5genXXenDr' ° etnad M «"■ «nnabme von Anzeigen zu der Nachmittags für bat folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Amtlicher Tl-sil. Bekanntmachung, betr. die Vormusterung dcs Pferdebestandes im Jahre 1892. Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß von der Verpflichtung zur Vorführung ihrer Pferde in den Muster- ungsterminen: Feuilleton. Uebkr dir Ausrottung der Lhiere. Als der Teufel einmal aus Urlaub ging und aus der Erde herumbummelte, um sich über die Thorheiten und Ungereimtheiten der Menschen luftig zu machen, nichts soll ihm das Zwerchfell so heftig und anhaltend erschüttert haben wie der Anblick einer vornehmen und gefühlvollen Dame, welche ihren kostbaren Robbenfellmantel anzog und ihren mit Bogel bälg en geschmückten Hut aussetzte, um einer Versammlung des — Thierschutzvereins beizuwohnen! Er pflegte seine Ferien mit Borliebe in den Polargegenden zuzubringen, wo er längs der Küste des Eismeeres hinstreifend oder aus dicken Eisschollen ein flottes Leben führend, am ehesten Abkühlung und Erholung von der nie nachlassenden Hitze der Unterwelt finden und völlig dienstfrei sich dem hohen Genuß einer nervenstärkenden Sommerfrische erst recht ergeben konnte. Dort batte er öfters Gelegenheit gehabt, Beobachtungen über die bei ber Seehundjagd ver- übten Grausamkeiten anzustellen und das abscheuliche Ber- ’ö u *1 der gesitteten Völker bei der Verfolgung dieser Thiere gab ihm werthvolle Winke .in Bezug auf die Behandlung der Verdammten und die Vermehrung ihrer Qualen. Er faßte olso den Entschluß daraufhin, zu handeln und einige Folter- rnechte bei den tüchtigsten Robbenschlägern unverzüglich in me Lehre zu ihun. Es leuchtete ihm jedoch ein, daß die Sache keinen Aufschub leidet, denn in den südlichen Polar- meeren, wo die Robben früher aus ihren Lieblingsplätzen in unzähligen Mcngen sich zusammenfanden, find sie während der etzren achtzig Jahre vollständig ausgerottet worden und auf Den Pnbyloff Inseln im BeringSmeer gehen sie demselben traurigen Schicksale rasch entgegen. Die riesigen und ziemlich unbeholfenen Elephantenrobben, deren Verbreitungsgebiet Don den südlichen Theilen des indischen Meeres über Tasmanien und Neuseeland bis zu der Küste von Calisornien reicht, hat man des Leders und Specks halber schonungslos hingeschlachtet und bereits fast vertilgt. Aus der Rückreise hielt sich der Teufel gewöhnlich in den seinem Reiche nahegelegenen Städten London, Paris und Newyork^ eine längere Zeit auf, wo er bestrebt war, seine Kenntnisse bezüglich der erbarmungslosen Ausbeutung und eigenthümlichen Verwendung der Thierwelt durch die Frauenwelt noch zu erweitern. Zuerst wohnte er in London einer Versteigerung von Thierhäuten und Vogelbälgen bei, wo 30,000 Affen, 250,000 australische Beutelthiere, 400.000 Kolibris, 6000 Paradiesvögel und 360,000 verschiedenartige ost'ndffche Bögel dem Meistbietenden zugeschlagen wurden. Bet einem anderen Händler in derselben Stadt wurden in ^ei Monaten 404,464 westindische und brasilianische und 356,389 ostindische und in einem dritten Geschäft im Jahre 1889 über 2,000,000 affortirte Vogelbälge verkauft. In Parts führt ein einziger Händler jährlich ungefähr 100,000 Bogel aus Afrika und 40,000 aus Amerika ein. Ein kleiner Bezirk auf Long^Jsland bei Newyork lieferte einer dortigen Firma in vier Monaten 70,000 Vögel und ein amerikanischer Ta^iderm stopft durchschnittlich iu einem Jahre 30,000 Vogel- dölge aus, die fast sämmtlich bestimmt sind, Damenhüte zu schmücken. , Früher kam eine Art Papagei auch in den südlichen Theilen von Nordamerika vor und verschönerte die Wälder mit buntem Gefieder unö erfüllte sie mit munterem Geschrei bis zu 40 Grad nördlicher Breite hinaus. Heutzutage tritt er nur in Florida auf, wo er von müssigen Wintergästen maffenweise erschossen und zum Zeitvertreib vertilgt wird. In Washington gerieth der Teufel in die Bibliothek der Smith. sonian-Jnstitution und nahm dort Einsicht in ein soeben in ' Druck gegebenes Buch über das Ausstcrben und Auörotten der Thiere. In dem Werke heißt es: Von dem in den Handel gekommenen und in Europa verarbeiteten Elfenbein stammt der größte Theil aus Afrika,- bis jetzt ist es jedoch hauptsächlich altes oder sogenanntes „todtes", d. h. im Laufe der Jahrhunderte im Besitz der Eingeborenen angehäustes Elfenbein, das nach Europa gelangt. Ein sehr bedeutender Theil rührt auch von den in Sibirien aufgesundenen Ueber- resten vorweltlicher Elephantenarten her. Indien hat verhält- nißmäßig nur wenig geliefert. Aber die Vorräthe von „todtem" Elfenbein find bereits erschöpft,- weder Afrika noch Sibirien hat Vieles noch auf dem Lager. Man muß fich also an die lebenden Dickhäuter halten und auf die Jagd verlassen, um das nöthige Elfenbein zu erhalten. Dem Bericht der Smithsonian-Jnstitution zufolge werden, wie E. P. Evans in der „Nation" schreibt, gegenwärtig zu diesem Zwecke 100,000 Elephanten jährlich hingeschlachtet. In solcher furchtbaren Weise werden die die afrikanischen Wälder durchziehenden zahlreichen Heerden dieser edlen Geschöpfe gelichtet und gehen dem Untergange rasch entgegen. Dasselbe gilt auch von den aus Südafrika beschränkten verschiedenen Arten dcs Tigerpserdes (Zebra, Dauw, Quagga) und der sansten, verständigen und leicht zähmbaren Giraffe dem einzigen noch lebenden Mitglied einer längst ausgestorbenen unb versteinerten Familie. Dor 40 Jahren pflegten die Wagencarawanen nach Calisornien tagelang zwischen großen Bisonheerden hinzuziehen,- heute begegnet man diesem Tluere faft nur in Menagerien und Thiergärten, namentlich im Yellowstoiiepark, wo es in ziemlich geringer Zahl unter Schutz der Bundesregierung gestellt, einen sicheren Zufluchtsort gefunden und damit das Schicksal des nur noch im litchauischcn Walde von Bialowicsz vorkommenden europäischen Auerochsen erreicht hat. Noch in den dreißiger Jahren dieses Jahr- bunderts lebte ber Riesenalk in unzähliger Menge auf der Funkinsel in Newsoundland,- aber selbst aus dieser wegen wuthender Brandung säst unnahbaren Felfeninsel hat der Mensch ihn verfolgt unö vollständig ansgerottet. Dort hat die Smithsonian-Jnstitution die Knochen dieses wunderbaren Der Antrag wird abgelehnt, $ 4c unverändert in der Com- mlssionSsassung angenommen. S 4d, gleichfalls von der Commission eingeschaltet, lautet: „Das Telegrapvengeheimnth ist unverletzlich, vorbehaltlich der gesetzlich für strafgertchtliche Untersuchungen, iin Concurse und in civilprocessuali- schen Fällen oder sonst durch Reichsgesetz festgestellten Ausnahmen. Dasielbe erstreckt sich auch darauf, ob und zwischen welchen Personen telegraphische Mtttheilungen stattgefunden haben." Der Paragraph wird ohne erhebliche Debatte angenommen. S 5 bedroht mit Geldstrafe bis zu 1500 Mk. oder mit Haft oder mit Gcfängnttz bis zu 6 Monaten Denjenigen, der vorsätzlich entgegen den Bestimmungen dieses Gesekes eine Telegraphenanlage errichtet oder betreibt. Abg. Dr. v. Bar (dfr.) beantragt Streichung der Zulässigkeit von Gesängnttzstrafe. S 5 wird unverändert in obiger Fassung angenommen. Hinter $ 7 hat die Commission wieder zwei neue Paragraphen eingeschoben. S 7a besagt: „Elektrische Anlagen sind, sobald gegenseitige Störung zu befürchten ist, auf Kostc» desjenigen Thcils, welcher diese Gefahr veranlaßt, so anzuordnen, daß sie sich nicht störend beeinflusien können." Abg. Dr. v. Bar beantragt dagegen folgende Fassung: „Telegraphen- und Telephonanlagen müssen, sofern eine Störung anderer elcctrischer Leitungen oder durch andere solche Leitungen zu befürchten ist, so eingerichtet sein, daß sie gegen die Einwirkungen anderer benachbarter elcctrischer Leitungen in sich selbst geschützt sind, vorausgesetzt daß auch diese Leitungen den in letzterer Beziehung zu erhebenden Ansprüchen genügen." Abg. Bödiker (Ctr.) beantragt zu sagen: „ElectrtscheAnlagen sind, sobald eine Störung der einen Leitung durch die andere zu befürchten ist, auf Kosten desjenigen Theils, welcher durch eine spätere Anlage oder durch eine später eintretende Aenderung einer bestebenden Anlage diese Gefahr veranlaßt, so anzulegen, daß sie sich nicht störend beeinflussen." Abg. Dr. Siemens (frs.) tritt für den Antrag v. Bar ein. Die Verwaltung erkläre, sie verlange nur das Recht, das ihm heute schon zustehe; aber dieses Recht sei nicht fest umgrenzt. Wie weit dasselbe ausgedehnt werden könne, gehe aus der Breslauer Petition hervor. Die in dem Antrag v. Bar gestellte Forderung sei technisch durchführbar. Wir haben der Rücksichtslosigkeit des Herrn Staats- secretärs viel zu danken, aber er könne doch nicht dafür garantiren, daß er in 30 Jahren noch an dieser Stelle stehe. Deshalb möge man ein Gesetz machen, das auch eine wirkliche Regelung an die Stelle deS willkürlichen Ermessens der Verwaltung stelle. Geh. Postrath Grawinkel: Die Möglichkeit des Selbstschutzes sei zwar behauptet, aber nicht bewiesen; wohl aber sei bewiesen, daß ein solcher Selbstschutz nicht möglich sei. Die Telegraphen- Verwaltung habe bisher Starkftromanlagen nicht gehindert, sondern nur verlangt, daß diese nur eine Mtnimalwirkung nach Außen haben. Abg. Clemm (nl.) hat gehört, daß neben der Starkstromleitung Lauffen-Heilbronn eine Fernsprechanlage bestehe, die durch die Starkstromanlage nicht gestört werde. Geh. Postrath Grawinkel widerspricht dem auf Grund amtlicher Mtttheilungen. Abg. Singer (Soc.) tritt für den Antrag v. Bar ein. Vertagung wird beschlossen. Weiter der athung morgen 1 Uhr. Neueste Nachrichten WolffS telegraphische- Lorrespoudmz-Burea^ Petersburg, 25. Februar. Dem Vernehmen nach hat sich der Kaiser gegen die vorgeschlagene Aushebung des Ministeriums derVerkehrsan st alten ausgesprochen. Neuerdings verlautet, daß Prinz Alexander von Oldenburg für diesen Ministerposten in Aussicht genommen ist. Deveschen deS „Bureau Herold". Berlin, 25. Februar. Die Budget-Commission des Reichstags genehmigte den Etat für Kamerun und Toga nach der Vorlage. Berliu, 25. Februar. Gegen den Buchdrucker Werner und Genossen wurde das Strafverfahren eingeleitet wegen Aufreizung verschiedener Klassen der Bevölkerung. Berlin, 25. Februar. Eine Versammlung von sechstausend Arbeitslosen im Friedrichshain beschloß die Einrichtung eines Arbeitsnachweises nach dem Muster der Pariser Arbeiterbörse und lehnte es ab, an den Magistrat und den Reichstag zu petitioniren, da unter den jetzigen Verhältnissen nichts zu erwarten sei. Danach zog die Versammlung nach der Stadt. Etwa 300 gingen an dem Vogels tonnenweise sammeln lassen und mehrere Gerippe daraus gebildet. Diese Scelette sind sehr selten und kosten ungefähr 2500 Mk. das Stück. Noch theurer sind die Eier und Bälge dieses Riesenalks, die man kaum mit Gold auswiegen kann. Vor Kurzem ist blos die leere Schale eines derartigen Eies für 6000 Mk. versteigert worden. Vor nicht langer Zeit waren die Züge der Wandertauben in Nordamerika so groß, daß sie die Sonne verfinsterten und, wo sie Nachts aussaßen, die Aeste der Bäume unter ihrer Last niederbrachen. Rach einer von dem bekannten amerikanischen Naturforscher Audubon ausgestellten Rechnung dürste ein solcher Zug aus anderthalb bis zwei Billionen Tauben bestehen, und Wilson hält diese Schätzung als eher zu niedrig als zu hoch. Aber trotz der ans Fabelhaste grenzenden Zahlen und der ungemein großen Fortpflanzungssähigkeit dieses Vogels ist es den Amerikanern durch allerlei Nachstellungen und massenhafte Schlächtereien und noch mehr vielleicht durch die frevelhafte Rodung der Wälder gelungen, denselben fast zu vertilgen. Interessant sind die in dem betreffenden Werke enthaltenen Mittheilungen über die Ausrottung der Walroffe und Seekühe und das räthselhaste Verschwinden vieler Fischarien. In amerikanischen Gewässern kommt der riesige und schmackhafte Heilbut stets seltener vor, der Hummer nimmt jährlich an Zahl und Größe ab und nur durch künstliche Zucht wird der Lachö und Maifisch erhalten. Es wird auch die Einwirkung klimatischer Verhältnisse und verheerender Schneestürme auf die Vernichtung der Thiere, deren als „Blizzard Fossils“ kurz und treffend bezeichnete Ueberreste vorzugsweise im Diluvialboden aufgesunden werden, eingehend erörtert. Dieser Abschnitt des Buches vermochte aber die Aufmerksamkeit Seiner teuflischen Herrlichkeit weniger in Anspruch zu nehmen. Das Hauptergebniß seiner zoologischen Studien faßte er in dem Satz zusammen: das grausamste und gefährlichste aller Raubthiere ist — der Mensch. kaiserlichen Schlosse vorbei, wo viel Publikum sich anschloß, wurden aber von der Polizei versprengt. Berlin, 25. Februar. Der Verein der unabhängigen Socialisten beschloß, den l.'Mai zu sei ex n. Die Leitung der Feier wurde dem Vorstände übertragen. Berlin, 25. Februar. Die gestrige Rede des Kaisers ruft gewaltiges Aufsehen hervor. Die Blätter erörtern hauptsächlich die Worte betreffs der Nörgler, denen anheimgestellt wird, auszuwandern. Berlin, 26. Februar. Im Verfolge der Arbeiterdemonstrationen fanden gestern Abend Krawalle im Frankfurter und Köpniker Viertel statt. Mehrere Läden wurden ausgeraubt. Die Polizei blieb heute Nacht consignirt. Berlin, 26. Februar. Dem Bundesrathe ist eine Denkschrift zugegangen, betreffend Schema für den deutschen Eisenbahn-Gütertarif. Es soll sich um eine Abänderung des Schemas handeln, daß ihm ein Specialtarif für bestimmte Stückgüter eingefügt wird. Hamburg, 25. Februar. Es wurde hier eine weitverzweigte Falschmünzerbande verhaftet. Es wurden Werkzeuge und falsche Münzvorräthe beschlagnahmt. Kaiserslautern, 25. Februar. Der Heiligenbergtunnel zwischen Kaiserslautern und Hochspeyer ist gegen 12 Uhr kurz nach dem Passiren eines Schnellzuges e in- gestürzt. Innere Wandtheile verschütteten vier Arbeiter, wovon einer schwer und drei leicht verwundet wurden. Bremen, 26. Februar. Die Hoffnung aus Erfolg für die Abbringungsversuche bei der „Eider" erscheint größer als bisher. Spandau, 26. Februar. In der Geschützgießerei wurde die Nachtschicht eingeführt, auch soll: des Sonntags gearbeitet werden. Wien, 25. Februar. Die Lemberger Dampfmühle von Joseph Thom u. Sohn, daS größte derartige Etablissement Galiziens, ist abgebrannt. Der entstandene Schaden beträgt 500,000 fl. Rom, 26. Februar. Die „Fansulla" schreibt, Carnot richtete an den Papst ein Dankschreiben für die „Encyclica". Myslowitz, 25. Februar. Auf der Linie Kielce-Sosno- nr.ee fuhr ein Personenzug auf einen Militärzug. Bis jetzt wurden drei Todte und zehn Verwundete unter den Trümmern hervorgezogen. Locales «nd provinzielles. Gießen, 26. Februar 1892. — Der Bericht über die gestrige Stadtverordueten-Sitzung mußte wegen Raummangel für die nächste Nummer zurück- gestellt werden. Vorläufig fei mitgetheilt, daß der Beschluß über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe ausgesetzt wurde, um das Ergebniß einer aus heute Abend anberaumten Sitzung des Kirchenvorstandes, in welcher über die Festsetzung der für den Hauptgottesdienft bestimmten Stunden beschlossen werden soll, abzuwarten. — Verhaftet wurde gestern ein hiesiger Restaurateur, weil er im Verdachte steht, eine zweite Ehe eingegangen zu haben, ohne daß die erste gelöst worden wäre- seine erste Frau soll in Amerika wohnen. — Außerdem wurde heute ein Kaufmannslehrling verhaftet, welcher schon längere Zeit hindurch die Ladenkasse seines Herrn nicht unbedeutend bestohlen hatte. Es wurden etwa 10 Mark bei ihm gefunden, die er in den letzten Tagen gestohlen. Zwei weitere junge Leute, die das gestohlene Geld mit ihm in Damengesellschaft verjubelten, werden sich mit zu verantworten haben. Dieselben wurden, da sie im Begriffe sind, nach Amerika abzu- reisen, gleichfalls verhaftet. — Ein Bäckergeselle, der aus dem verschlossenen Koffer eines Hausburschen 4 Mark entwendet haben soll, wurde ebenfalls in Nummero Sicher gebracht. — Der Oberhesfische Geschichtsverein hielt gestern Abend im Casö Ebel seine diesjährige Hauptversammlung unter Theilnahme vieler Mitglieder und Gäste ab. Herr Pros. Dr. Hö hlbaum bemerkte einleitend, daß am 24. März eine weitere Versammlung stattfinde, daß seit der letzten Zu- sammenkunst mehr als 30 neue Mitglieder dem Verein beigetreten seien und daß die Mitglieder weiter für Heranziehung neuer Mitglieder wirken möchten - ferner machte der Herr Vorsitzende Mittheilung von dem Erscheinen eines neuen Bandes der von dem Verein herausgegebenen Berichte, betonend, daß in Zukunft diese Bände alljährlich anstatt wie bisher alle zwei Jahre erscheinen würden. An Stelle des von seinem Amte zurückgelretenen Rechners Hrn. Wolfs legte Herr Pros. Dr. Buchner die Jahresrechnung dar. Danach besitzt der Verein z. Z. ein Vermögen von 1428 Mark, wovon allerdings noch die Druckkosten für den letzten Berichtsband abgehen- die finanziellen Verhältnisse des Vereins können sonach als befriedigend bezeichnet werden. Zum Rechner des Vereins wurde Herr Bankier Hei chelhe im gewählt. Die seit 1878 geltenden Satzungen wurden verschiedenen sachlichen und redactionellen Aenderungen unterzogen. U. A. wurde darin festgesetzt, daß der jährliche Mitgliederbeitrag mindestens 3 Mark betragen solle. Als Patrone des Vereins sind Diejenigen zu betrachten, die einen jährlichen Beitrag von 20 Mark oder einen einmaligen Betrag von 100 Mark entrichten. Der Vorstand soll in Zukunft bestehen aus: einem Vorsitzenden, einem Rechner, einem Schriftführer, einem Bibliothekar und drei bis fünf Beisitzern. Das Museum deS Vereins ist in bestimmten Stunden offen zu halten. Nach Erledigung des geschäftlichen Theils folgten zwei Vorträge. Herr Kaufmann Otto Schaaf sprach über ein im neunzehnten Jahrhundert ausgegangenes Dorf im Vogelsberg. Dieser Vortrag behandelte aus Grund zuverlässiger, theil- weise den Versammelten gezeigter Actenstücke das Verschwin- ■ den des seit dem 13. Jahrhundert bestehenden und bis vor ! 50 Jahren noch vorhandenen Dorfes Wernings, zwischen ! Büdingen und Gedern, nordöstlich von Wenings. Es ist begreiflich, daß dieser für die Geschichte unserer Heimalhs- Provinz interessante Vortrag aufmerksame und dankbare Zuhörer sand. —- In einem zweiten Vortrage sprach Herr Pros. Dr. Behaghel über die altdeutschen Personennamen. Auch dieser Vortrag sand dankbare Zuhörer wegen der vielen darin gegebenen Ausschlüsse über die Ableitung der heute vorhandenen Namen von der besonders bei den alten Germanen beliebten Bezeichnung von Personen. Daß der Herr Vortragende einzelne Namen von Mitgliedern des Oberhessischen Geschichtsvereins besonders in den Kreis seiner Erläuterungen zog, konnte das Interesse der Versammelten an dem Bor- tragsgegenstande nur steigern. — Der Geschichtsverein zählt zur Zeit 170 hiesige und über 60 auswärts wohnende Mitglieder. Neues Theater. Gestern Abend gab man auf unserer Bühne G. v. Mosers „ V eil ch en f r e sser ", ein Stück, das ohne eigentlich tieferen Gehalt doch sehr reich an lächerlichen Zwischenfällen ist. Herr Ernst, unser verdienter Regisseur, dem an dem Gelingen so vieler Ausführungen ein redlicher Antheil gebührt, hatte sich dies Lustspiel zum Benefiz erbeten und Herr Hacker, vom Hostheatcr in Darmstadt, hatte seine gütige Mitwirkung zugesagt. Wie sehr das Gießener Theater-Publikum diese beiden Künstler zu schätzen und zu ehren weiß, zeigte der Besuch der gestrigen Vorstellung, denn wohl selten war der Saal so überfüllt, wie gerade da. Es boten auch alle Mitwirkenden ihr Bestes und die Besucher amüftTten sich köstlich. Herr Hacker spielte den schüchternen Referendar „Reinhardt v. Feldt" mit wahrer Meisterschaft. Herr Ernst bot einen sehr würdigen „Oberst v. Rembach", der allerdings gegenüber dem „Veilcheusresser" von Liebe sehr eigenthümliche Begriffe zeigte, jener hatte in Herrn Stegemann einen flotten Vertreter gesunden. Herr Reiners war als „Unteroffizier" vortrefflich. Von den Damen seien besonders hervorgehoben Frau Reiners (Valesca) und Frl. P l o ch (v. Wildenheim). Auch die übrigen Rollen waren in guten Händen, das Zusammenspiel ließ nichts zu wünschen übrig. — Sowohl Herr Hacker wie Herr Ernst, der mit einem prächtigen Lorbeerkranze beehrt wurde, wurden wiederholt herausgeklatscht. Leider nimmt Herr Hacker mit dieser Vorstellung Abschied von Gießen für diese Saison- wir können nicht unterlassen, ihm hier unseren Dank nochmals auszusprechen für die schönen Stunden, die er uns bereitete und rufen ihm ein herzliches „Aus Wiedersehen im nächsten Winter" zu. — Auszeichnung. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 22. Februar der Dienstmagd Anna Katharina Ohly zu Münzenberg die silberne Medaille des Ludwigsordens zu verleihen. — Erledigte Stellen im Bezirk des 11. Armee CorpL. Königl. Eisenbahn-Betriebsamt Altena, Aspirant für den Bureaudienst, auf Zmonatliche Kündigung, 1140—1950 Mk. Gehalt. Altena, Magistrat, Magistratssecretär, auf Lebenszeit, 1200 Mk. jährlich. Hadamar (Kreis Limburg), Stadtbehörde, Beiwächter (Nachtwächterstelle), auf 4wöchige Kündigung, 150 Mk. jährlich. Homberg und Niederolm, Postamt je 1 Landbriesträger, aus 4wöchige Kündigung, je 650 Mk. Gehalt, ersterer 72 Mk., letzterer 60 Mk. Wohnungsgeld- zuschuß. Limburg a. L., städt. Real-Progymnasium, Pedell, aus Kündigung, 200 Mk. und Wohnung von 2 Zimmern. Marburg, Stadtrath, Nachtwächter, auf monatliche Kündigung, im Winter für jede Nachtwache 2 Mk. 50 Pfg., im Sommer für jede Nachtwache 1 Mk. 50 Pfg. — Im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division. Mainz, Landgericht, Kanzleigehilfe, aus monatliche Kündigung, 600 Mk. Gehalt. Spezial- birection der Hess. Ludwigs-Eisenbahngesellschaft zu Mainz, Weichenwärter, aus 4wöchige Kündigung, 700 Mk. Gehalt und ca. 76 Mk. Vergütung für Nachdienst jährlich. Nieder Olm, 24. Februar. Ein interessanter Prozeß wird morgen hier verhandelt. Aus einem benachbarten Orte weigern sich mehrere Bauersleute, die ihnen von einem Arzte zugestellten Rechnungen zu bezahlen, d. h. die Leute verlangen specificirte Rechnungen. Der Arzt aber behauptet, er habe nicht nöthig, seine Rechnungen zu fpecificiren, es genüge die einfache Angabe: „Für ärztliche Behandlung so und so viel". Beide Parteien haben sich aus Mainz Anwälte bestellt. Man ist aus den Ausgang in der Umgegend sehr gespannt. 8. Ettingshausen, 24. Februar. In hiesigem Orte herrscht seit einiger Zeit die Dyphteritis. Eine Anzahl Kinder sind bereits erkrankt, auch schon Sterbefälle vorgekommen. 8. Utphe, 24. Februar. Die erledigte Bürgermei ft erstelle dürste demnächst besetzt werden, da bereits die Wählerlisten offen liegen. Mainz, 23. Februar. In einem Hotel in der Rheinstraße verlor gestern Nachmittag ein Fremder feine Brieftasche mit 70 Mark Inhalt, die der Kellner in dem Augenblick fand, als der Fremde bereits in die Pferdebahn gesprungen war, um nach dem Bahnhof zu fahren. Der Kellner holte den Wagen ein und sprang auf denselben, um dem Fremden sein Eigenthum zurückzugeben. Der Fremde nahm die Tasche, ohne daß er diese Ehrlichkeit durch eine klingende Anerkennung belohnt hätte. (!) Der Kellner wollte darauf wieder von dem Wagen abspringen, sprang aber verkehrt, so daß der Arme der ganzen Länge nach mit dem Gesicht nach dem Straßen- Pflaster hinstürzte. Leider verletzte er sich dabei derart, daß er bedeutende Verletzungen im Gesicht und an dem Kopse davontrug und sich nunmehr unter ärztlicher Behandlung befindet. Offenbach, 25. Februar. Heute früh ließ sich ein schon bejahrter Arbeiter von dem um 6 Uhr 19 M. von Hanau hier eintreffenden Zug in der Nähe der Feldstraße übersä h r e n. Der Körper wurde entsetzlich zerstümmelt aufgefunden. vermischtes. * London, 25. Februar. Der Schornstein der Baumwollfabrik Cleckheaton stürzte ein, tödtete sechs Frauen und verwundete zwanzig.