Nr. 122 Erves Blatt. Donnerstag den 26. Mai 1892 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des MontagS. Xt? Gießener jivam.stenvcüjter werden dem Anzeiger «»Lchrntlich dreimal beigelegt. ießener Anzeiger Generak-Mnzeiger. vierteljähriger Aöonnementspreir r 2 Mark 20 Pfg. mk Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnkstrnße Ar.1. Fernsprecher 51. 2(mts< und Nnzeigebintt für den Tivers Gieren. Hratisöeitage: Hießener Jamikienbkätter 2lmtlidier Cbetl in Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. Knnahmr von Anzeigen zu der Nachmittag« für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. Lang-Göns mit Kirch-Göns und Pohl-Göns, Eberstadt mit Treis-Dlünzenberg und Obbornhofen mit Wölfersheim ordentlichen Brandhülfsverband im Sinne von Art. 17 des Gesetzes vom 29. März 1890 und von § 14 der Verordnung vom 11. October 1890 treten. Wir bringen dies zur öffentlichen Kenntniß mit dem Anfügen, daß hierdurch die den genannten Gemeinden unseres Kreises bezüglich der Leistung ordentlicher Brandhülfe auferlegten sonstigen Verpflichtungen (§ 20 der Kreisfeuerlöschordnung) nicht berührt werden. Gießen, den 23. Mai 1892. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. § 4. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen werden, soweit nicht auf Grund anderweitiger Strafbestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafe bis zu 30 Mark, im Unvermögenssalle mit entsprechender Haftstrafe geahndet. Gießen, den 24. Mai 1892. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. mannigfaltig verdunkelt. Unser Berus bindet uns an das Vergängliche; dem Kaufmann gehen die Waacen durch die Hände — Alles Dinge, die die Erde trug, die der Mensch schuf- der Gelehrte vergräbt sich in seine Bibliothek, in sein Laboratorium, die Tiefen der sichtbaren Welt zu durchforschender Politiker verfolgt mit Interesse die Drehungen des Rades der Tagesgeschichte, selbst in die Speichen greifend mit kühner Hand. Der Landmann zieht seine Furchen in die Erde und vertraut ihr seine Saat, um das tägliche Brod für Viele mitzuschaffen. Die Hausfrau geht aus in häuslichen Mühen und Sorgen, der Arbeiter ringt im Schweiße seines Angesichts für sich und die Seinen um die Existenz, dem Industriellen dröhnt das Rasseln seiner Maschinen im Ohr, daß er schier taub wird für alle anderen Stimmen. Alles dreht sich ums Irdische — da ist's, als riffe ein Windstoß das Fenster auf und in den Staub hinein sährts wie ein frischer Lufthauch, und ins Dämmergrau hinein blitzt's wie ein Heller Lichtstrahl. Es ist Himmelfahrt! Hallelujah, wie lieblich stehn Hoch über uns des Himmels Höhn, Seit Du im Himmel sitzest' Da blicken wir auswärts. Ja, ja, da ist auch noch eine Welt! Unsichtbar freilich, unerforscht, aber sie ist da. Frei und licht wölbt sich über uns das Himmelszelt, von dem die milde Maiensonne herniederstrahlt, unermeßlich in seinen Weiten, unergründlich in seinen Tiefen, unerreichbar in seinen Höhen, — [eine Ahnung der Ewigkeit durchschauert unser Herz, eine leise Hoffnung unvergänglicher Herrlichkeit zieht durch unsere Seelen. So schauten aus dem Oelberge die Jünger ihrem Herrn nach, als er gen Himmel fuhr, von ihnen scheidend. Aber das war kein weherhuendes Scheiden und Meiden. Schmerzenßthränen sind am Charfreitag dem Herrn ins Grab nachgeflossen, Freudeuthränen perlen wie frische Thautropsen aus den Oelberg nieder aus den Augen der Jünger, unter den ausgehobenen Segenshänden Jesu. Denn er geht nicht von dannen, es sei denn, aus daß die Seinen seien, wo er ist. Himmelan geht unsere Bahn! Wir sind Gäste nur aus Erden. Das verklärt unser Leben im Staube. Wenns uns an- rnuthet hier drunten wie dem Pilger in der Fremde, — Himmelfahrt wird uns zum Wegweiser nach der ewigen Heimath, und Max Schenkendors wird uns zum Schriftdeuter dieses Wegweisers, wenn er singt: Wohin, wohin ihr Blicke s Hinauf zum ew'gen Glücke, Hinauf zur ew'gen Luft! Der Heiland ist erhoben, Der Heiland winkt von oben Die Jünger an die Brust. In die Höhe gehen unsere Blicke, wenn wir vom Himmelfahrtsberge dem Herrn nachschauen, aber wenn wir die Blicke wieder abwärts senken, gehen sie in die Weite rundum über die Welt bis an ihre äußersten Grenzen. Himmelfahrt ist des Herrn Thronbesteigungsfest. Unter seinen ausgebreiteten Händen dehnt sich ein Reich aus, berufen, bis an die Enden der Erde zu dringen. Das ist der mächtige Wandel, den dieser Tag in die Geschichte des Christcnthurns gebracht hat. Er besiegelt seinen Universalismus. Seltsam genug. Was uns sonst an Religionen begegnet, hat die Tendenz, sich zu localisiren. Alle Naturreligionen hasten ganz von selbst an der Scholle- von ihr losgelöst, von den heimischen heiligen Wäldern und Höhen, Quellen und Hainen vertrieben, verkümmern sie. Der germanische Götterglaube ist unter der heißen Sonne Italiens und Afrikas zerschmolzen, Roms Penaten sind in den germanischen Wäldern nie beimisch geworden. Aber auch die mosaische Religion konnte nicht zur Weltreligionwerden, sie war Volksreligion, so ausschließlich, daß sie über die Grenzen der Rasse hinaus kaum vorgedrungen ist. Der Islam hat mit Feuer und Schwert Mission versucht — er hat sein Ziel nicht erreicht, so wenig als der Buddhismus Weltreligion zu werden fähig ist. Aber das Evongelium von Jesu Christo hat sofort nicht ein Volk, nicht ein Land, nicht eine Rasse ins Auge gefaßt, sondern das ganze Erdenrund. Seines Herren Befehl lauter: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker und taufet sie. Der Geist des Unglaubens regt sich gewaltig, hier als Gleichgültigkeit, dort als fanatischer Haß. Herodes und Pilatus reichen sich die Hände. Aber Himmelfahrt gibt uns die Zuversicht des gewissen Sieges christlichen Glaubens, christlicher Gedanken, christlicher Cultur. Denn der König soll fein Reich haben. Der Pessimismus, der viele der Besten in unseren Tagen kleingläubig verzagen läßt, soll sich auf die Höhe des Oelberges stellen. „Der Herr bat ein Reich an- gesangen, daß es bleiben soll." Wer hat da das Recht, zu bangen? Bis übers Meer hinüber wirst Himmelfahrt seine Strahlen, wirst sie hinein in das Heidenthum am Nord- Erträge zu schätzen und ist bei den nicht totalen Schäden die spätere Entwickelung der verhagelten Fläche stets mit zu berücksichtigen. Zur Durchführung dieser dem Interesse der Landwirth- schast dienenden Erhebungen ist eine aus feld- und sachkundigen Personen bestehende Commission zu bilden und empfiehlt es sich, möglichst wieder dieselben Personen in die Commission zu nehmen, welche bereits früher bei Aufnahme des Ernteertrags thätig waren. Indem wir Ihnen "schließlich die genaue Beachtung der in früheren Jahren ergangenen Verfügungen empfehlen, sehen wir der Vorlage der Uebersichten bis spätestens 1. November l. I. entgegen. v. Gagern. Gießen, den 24. Mai 1892. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises und die Vorstände der Krankenkassen. Wir machen Sie auf das Erscheinen der nachstehenden Schriften aufmerksam: 1. Das Krankenversicherungsgesetz vom 15. Juni 1883 in der Fassung der Novelle vom 10. April 1892, Textausgabe mit Anmerkungen von E. von Woedtke, Kaiserl. Geh. Ober-Reg.-Rath, vortragenden Rath im Reichsamt des Innern (Preis 2 Mark); 2. dasselbe Gesetz mit Einleitung, Erläuterungen auf Grund der Motive rc. herausgegeben von Dr. W. Zell er, Großh. Regierungsrath (Preis 1.80 Mark). Die gedachten Schriften sind geeignet, das Verständniß der in der Novelle zum Krankenversicherungsgesetz enthaltenen neuen Bestimmungen, welche mit dem 1. Januar k. I. in Kraft treten werden, zu erleichtern und dadurch zur richtigen Ausführung derselben beizutragen. Wir empfehlen Ihnen die Anschaffung dieser Schriften, v. Gagern. Lehrer-Conferenz des Konferenz-Bezirks Grünberg Mittwoch den 1. Juni, Vormittags 10 Uhr in Grünberg. Lieder: 20, 21, 33, 147, 190. Gießen, den 24. Mai 1892. Büchner, Schulrath. Bekanntmachung, betreffend die Kreisfeuerlöschordnung, hier die Brandhülfs- verbände. Auf den Antrag Großh. KreisamtS Friedberg haben wir mit Zustimmung des Kreisausschusses des Kreises Gießen in Gemäßheit des § 20 der Kreisfeuerlöschordnung [für den Kreis Gießen, vom 4. Mai 1891, heute angeordnet, daß die nachstehenden Orte unseres Kreises mit den näher bezeichneten Gemeinden des Kreises Friedberg, nämlich: Gießen, den 24. Mai 1892. Betr.: Ermittelung der landwirthschaftlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrags im Jahre 1892. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen m die Grvtzh. Bürgermeistereien des «retses. Sie erhalten mit nächster Post die zu rubricirtem Zweck erforderlichen Forrnularien, um die nöthigen Vorbereitungen zur Aufnahme des Ernteertrags zu treffen. Mit diesen Ermittelungen ist wiederum eine Erhebung über den Umfang Der Hagelwetter und die durch Hagelschlag bervorgerufenen Ernteschäden, von Anfang des laufenden Jahres an, verbunden. Zu diesem Zwecke ist dem Formular für die Ermittelung t>er landwirthschaftlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrages auch für das laufende Jahr als Anlage ein weiteres Formular beigegeben, auf welchem bei eintretendem Hagelwetter die erforderlichen Angaben jedesmal zu vermerken sind. Zur Erläuterung und Beachtung bei Eintragung dieser Angaben fügen wir das Folgende an: Für die seit Anfang dieses Jahres verflossene Zeit sind die Angaben noch nachträglich zu machen. Es find alle Hagelwetter, also auch solche zu notiren, die einen nachweisbaren Ernteschaden nicht verursacht haben; im letzteren Falle find jedoch in die Spalten 7—12, sowie 15 und 16 des Formulars Querstriche (—) zu setzen. In Spalte 10 ist derjenige Werth- betrag aufzunehmen, um welchen der Ertrag durch den Eintritt des Hagelschlags tatsächlich gemindert ist. Es ist also hierbei der Ausfall nicht gegenüber einer Normalernte oder gegenüber dem etwa versicherten Ertrage, sondern gegen- Mer dem bei dem vorhandenen Fruchtbestande zu erwartenden Bekanntmachung, polizeiliche Vorschriften für den Betrieb der Zweigbahn Villingen-Friedrichshütte betreffend. Auf Grund des § 55 der Bahnordnung für deutsche Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung vom 12. Juli 1878 werden mit Genehmigung Grobherzoglichen Mnisteriums des Innern und der Justiz vom 20. Mai 1892 zu Nr. 14 225 für die Zweigbahn Villingen-Friedrichshütte die nachstehenden bahnpolizeilichen Bestimmungen getroffen. § 1. Futzgänger, Reiter, die Führer von Fuhrwerken und Viehtransporten haben mit den Fuhrwerken und dem Vieh den Bahntransporten auszuweichen und sich rechtzeitig von den Geleisen zu entfernen. Es ist verboten, Fuhrwerke oder Vieh ohne Aussicht auf oder neben den Fahrgeleisen stehen zu lassen. Es ist ferner untersagt, Vieh frei auf der Bahn laufen zu lassen und sind Personen, welchen die Aussicht über die auf der Straße oder sonst in der Nähe der Bahn befindlichen Thiere obliegt, dafür verantwortlich, daß die Bahn von den Thieren nicht betreten wird, beziehungsweise daß dieselben vorkommenden Falles alsbald wieder von der Bahn abgetrieben werden. Aufsichtslos dastehendes Fuhrwerk und Vieh, sowie sonstige Gegenstände, welche die Geleise versperren, ist das Bahnpersonal daraus zu entfernen befugt. § 2. Das Hinüberschaffen von Pflügen, Eggen und anderen Geräthen, sowie von Baumstämmen und anderen schweren Gegenständen über die Bahn darf, sofern solche nicht getragen werden, nur auf Wagen ober untergelegten Schleifen erfolgen. S 3. Alle Beschädigungen der Bahn und der dazu gehörigen Anlagen, sowie der Betriebsmittel nebst Zubehör, ingleichen das Auflegen von Steinen, Holz und sonstigen Sachen auf das Planum der Bahn, das Auf- und Abladen von Gegenständen auf dem Fahrgeleise oder näher als ein Meter von demselben, das Anbringen sonstiger Fahrhindernisse sind verboten; ebenso die Erregung falschen Alarms, die Nachahmung von Signalen, die Verstellung von Ausweiche-Vorrichtungen und überhaupt die Vornahme aller den Betrieb störenden Handlungen. Himmelfahrt. Himmelfahrt ist ein dem Christentum eigentümliches Fest. Unsere heidnischen Ahnen haben nichts ihm Verwandtes auszuweisen, der jüdische Festkalender hat ihm keine An- knüpsungspunkte geboten- eigenartig und majestätisch ist es herausgewachsen aus dem fruchtbaren Boden der Heilsgeschichte. Es erinnert uns an die Stunde der Verklärung und Erhebung des Welterlösers zum Weltenkönig in himmlischer Herrlichkeit. In die Höhe richtet es unsere Blicke. Im Staub des alltäglichen Lebens wird und der Blick auf den Himmel Cassations- der Umgebung Es kann nicht Ruhe werden, BtS Christi Liebe siegt Und aller Kreis der Erden Zu seinen Füßen liegt. Deutscher Neich. Berlin, 24. Mai. Reichskanzler Gras Caprivi ist am Montag Abend von Karlsbad nach Berlin zurückgekehrt, er hat also seiner Karlsbader Brunnencur nicht erst noch die sonst übliche Nachcur folgen lassen. Es kann hieraus geschloffen werden, daß der Karlsbader Badcaufenthalt dem Reichskanzler so ausgezeichnet bekommen ist, daß die Nachcur überflüssig wurde, Graf Caprivi wird sich demnach mit neuer Frische seinen Amtsgeschäften widmen können. Er hat sich denselben übrigens auch in Karlsbad durchaus nicht entzogen, sondern vielmehr auch hier täglich einige Stunden gearbeitet- um so erfreulicher ist es, zu vernehmen, daß der Erfolg seiner Cur durch diese Arbeiten nicht im Mindesten beeinträchtigt worden ist. Die wiederholt anläßlich der Karlsbader Reise des Grafen Caprivi signalisirte Zusammenkunft zwischen ihm und dem Grasen Kalnoky hat nicht stattgefunden, was den Schluß gestattet, daß die derzeitige Weltlage keine mündliche Aussprache zwischen dem deutschen Reichskanzler und dem Leiter der auswärtigen Politik Oesterreich Ungarns erheischt. o-------'• Redner des Abends sind die Herren Landgerichtsrath Dr. Schäfer, Professor Dr. Oncken, Land- gerichtsrath vr. Linkenheld. Auch wird über die eben in Eisenach abgehaltene Feier durch einen Theilnehmer derselben Bericht erstattet werden. Loyaler tt«4> provinzielles. Gießen, 25. Mai 1892. ~ Ratumalliberales Parteifest. Die Theilnahme an dem 1De "°chsten Samstag, Abends 8 Uhr, 'u S °ms Garten stattfindet, wird allen Nationalliberalen der Stadt und des Umkreises von Gießen noch einmal angelegent- Itd) empfohlen. Nicht blos d,° Mitglieder des Vereins, sondern alle Gefinnungsgenoffen sind mit ihren Familien herzlich dazu Nerrefte Nachrichten. WolffS telegraphisches Lorrrspondenz-Bureaa. Berlin, 24. Mai. Das Abgeordnetenhaus hat in dritter Lesung das Ergänzungsgesetz zum Gesetz, betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung, angenommen Der Gesetzentwurf, betreffend die Ablösung der auf Grund der Wcgeordnung für die Provinz Sachsen seitens des Staates an die Provinz zu zahlenden Rente, wurde in erster Be- rathung angenommen. Die Wahl des Abgeordneten Grimm wurde nach dem Commissionsantrage gegen die Stimmen der Nationalliberalen für giltig erklärt. Sodann wurde eine llleihe von Petitionen erledigt. Zur Geschäftsordnung be- merkt Abg. Rickert, er halte es für zweckmäßig, möglichst bald Ferien zu geben, wenn das Haus auch noch nach Pfingsten tagen müßte. Präsident Köller, welchem sich die Abgeordneten v. Heeremann, Graf Limburg - Stirum und Freiherr v. Zedlitz anschließen, hält es für wünschenswerth, daß das Haus vor Pfingsten so viel wie möglich erledige- auch halte er es immer noch für möglich, daß das Haus vor Pfingsten schließen könne. Depeschen „Bureau Herold*. »«lin, 24. Mai. Das Aeltesten-Collegium der Berliner Kaufmannschaft beschloß, der Einladung des Vereins der Berliner Kaufleute und Industriellen, betreffend Schaffung eines Garantiefonds zur Weltausstellung, Folge zu leisten. Die erste Sitzung des gemeinschaftlichen Comites findet am 30. Mai statt. Berlin, 24. Mai. Die „Kreuzzeitung" verzeichnet das Gerücht, der König von Griechenland werde zu einem Besuche nach Potsdam kommen. Berlin, 25. Mai. Der fünfte Allgemeine Deutsche Neuphilologentag findet in Berlin vom 7. bis 9. Juni statt. ; Pest, 24. Mai. Im Abgeordnetenhause trat heute I ®raf Apponhi für vollständige Gleichberechtigung der Juden I ein und verurteilte die Cultuspolitik der Regierung. Er I wünsche eine radicale Lösung und vollständige Rechtsgleichheit I aller Confessionen, sowie vollständige Religionsfreiheit und I Regelung des Familien- und Eherechts. Redner betonte, daß I die Interessen des Staates und der Kirche weder aus dem einen, noch auf dem anderen Gebiete collidiren. Die Rede I machte einen großen Einsruck. I „„ .^Verzeichnis der Geschworenen. In der Sitzung vorn I f3-. wurden als Hauptgeschworene für die am 13. Juni I beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts der Provinz Oberhessen ausgeloost: 1. Johannes Diehl III. in Münzen- berg, 2. Jakob Korell in Büdingen, 3. Georg Philipp Louis Ruppel in Nidda, 4. Anton Brückel II. in Kirch-Göns, 5. Ronroi) Herber II. in Angersbach, 6. Martin Zehner in Rodgen bet Bad-Nauheim, 7. Karl Müller a. d. Neuhof, 8. Gustav Müller in Gießen, 9. Heinrich Gauß IX. in Grebenhain, 10. Ludwig Möller in Gießen, 11. Johann ©eorg Schmidt in Klein-Linden, 12. Heinrich Ludwig Mylius m Gießen, 13. Georg Faber IV. in Leihgestern, 14. Kaspar Schmidt in Großen-Buseck, 15. Philipp Lenz V. in Klein- Stnben, 16. Philipp Lenz in Albach, 17. Ludwig Scheich in Wallenrod, 18. Ludwig Reidel II. in Heuchelheim, 19. Johs. Ju«g 'N Garbenteich, 20. Adolf Schlosser in Elpenrod, 21. Johann Georg Görlach in Ober-Hörgern, 22. Heinrich Schadeck III. in Lollar, 23. Konrad Malkomesius in Gießen, 24. Wilhelm Reichert I. in Eckartshausen, 25. Johann Peter Wagner in Ehringshausen, 26. Georg Ohly V. in Holzheim, ol’ ®ait ,in ließen, 28. Ludwig Lotz in Gießen, Wilhelm Hensel in Okarben, 30. Johann Jacob Neuhard II m Klein-Karben. — Verhaftet wurden gestern ein hiesiger Taglöhner wegen gewohnheitsmäßiger Hehlerei, ein Dienstknecht, der m rein bestialischer Weise eine Frau ohne jeden Grund mißhandelt und blutig geschlagen hatte, und ein hiesiger Einwohner wegen Trunkenheit und Ruhestörungletzterer widersetzte sich den ihn transportirenden Schutzleuten. Madrid, 24. Mai. 3000 Arbeiter in Barcelonas sind ausständig. Loudon, 24. Mai. Die „Times" melden, eine ernste Choleraepkdem'.e trete in Kaschmir auf. Von 200 Erkrankten seien bereits 146 gestorben. Warschau, 24 Mai. Die Industriellen in Polen erhielten die Weisung von der Regierung, Ausländer nicht mehr als Obermeister in ihren Fabriken anzustellen. Newyork, 24. Mai. Der Eisenbahnköniq Banderbil: ist gestern Abend gestorben. Newyork, 25. Mai. Der Mississippi ist noch im Steigen. 225,000 Morgen Weizen, 300,000 Morgen “nb. 200,000 Morgen Baumwolle sind vernichtet. Vtele Pferde und Maulthiere sind umgekommen. Man be- furchtet, daß bald eine Million Morgen unter Wasser stehe, ^n Arkansas sind alle Baumwollpflanzungen überschwemmt. Dte Verluste an Leben und Eigeuthum sind entsetzlich. Rom, 24. Mai. In der Umgebung Ravennas beginnt es unter den Feldarbettcrn wieder zu qähren. Neapel, 25. Mai. Am Gebäude des Cassations- Hofes platzte gestern eine kleine Bombe, ohne Schaden anzurichten. die Wintersaat, namentlich das Korn, war das seitherige trockene Weiter recht vortheilhaft, wäre es feuchter gewesen, oer Roggen wäre meist zu üppig und dann taub geworden, -ven Obstbäumen war das trocken-kalte Wetter ebenfalls sehr heilsam. Bekanntlich hatten dieselben im verflossenen Jahre gnnj empfindlich von den Blattläusen und anderem Ungeziefer zu leiden. Noch heute sieht man an den kahlen Aesten die Spuren der Verwüstung. In diesem Frühjahr tritt dieses Ungeziefer nur in sehr beschränktem Maße auf. Wäre die gleiche Plage noch einmal erschienen, dann wären ihr ohne Zweifel viele Obstbäume, namentlich Zwetschen- und Pflaumen- baume zum Opfer gefallen. Von einem Maikäferjahr oder einer Maikaferplage, wie sie in dieser Zeitung aus der Wetterau bertchtet wurde, zeigt sich bis jetzt hier keine Spur. ,®“8 hCbetHse”; 2LrmoL Der Schlosser Boß von Vilbel, der verdächtig ist, sein Haus in Vilbel angezündet unb gegen seine Frau, mit welcher er im Sch-ibungsprozeß lebt, sowie seme Kmber zwei Mordversuche unternommen zu haben, wurde am Donnerstag Abend in der Wohnung seines Vaters m Frankfurt verhaftet und in das Uniersuchungs- gefangntsz nach Vilbel abgesührt. uu Darmstadt, 24. Mai. Die zweite Kammer der heffifchen Stände trat heute Morgen unter dem Vorsitz zweiten Präsidenten, Wolfskehl, zu einer zweitägigen Sitzung zusammen, um über eine Reihe dringlicher Vorlagen u. s. w. zu berathen. Nach Verkündigung einer Reihe neuer Einlau e macht der Präsident zunächst Mittheilung von einem Dankschreiben Sr. König!. Hoheit des Groß- herzogs, worm er für die bewiesene Theilnahme beim Sweben seines Vaters dankt und der Versicherung Ausdruck gibt, daß auch er hinsichtlich feiner Regierung in die Fuß- tapfen des Verstorbenen treten werde. Ferner gedachte der Präsident tn anerkennenden Worten der Thätigkeit des verstorbenen Abg. von Rabenau und erhob sich das Haus zum Andenken an denselben von den Sitzen. — Namens des Gesetzgebungs-Ausschusses berichtet Abg. Weber, daß der elbe beantrage, dem Ansinnen Großh. Regierung auf Aufhebung der Immunität der Abgg. Müller, Jöst und Ullrich wegen gegen sie anhängiger Strasklagen und zwangsweisen Vorführung derselben stattzugeben. Das Haus wtrd morgen darüber beraihen. — Als neues Kammer- mitglied für v. Rabenau wird der Abg. Schönfeld verpflichtet. - Eine Interpellation des Abg. Brenner wegen Inangriffnahme der Bahnlinie Fürth-Beerfelden und Hetzbach beantwortet Finanzminister W e b e r dahin, daß die Vorarbeiten von weiteren Erhebungen der Strecke Fürth-Waldmichelbach abhängig seien. Mit dem Bau dieser Linie werde noch im 8aufe dieses Jahres begonnen. — Bon Seiten einer Anzahl oberhes,sicher Orte wurde ein Gesuch an die Kammer gerichtet, die Herstellung einer Bahnlinie Gießen-Londorf mu Berührung der Orte Mendorf, Treis und Großen- Vuseck zu befürworten gegenüber der vor zwei Jahren beschloffenen Strecke Lollar-Londorf. Finanzminister Weber °aß die Regierung trotz gegenseitiger Agitation sich nicht abhalten laste, ihre begonnenen Vorarbeiten weiter zu führen. Eine Linie Londorf-Gießen biete aber so große Teraln-Schwierizkeiren, daß der Betrieb außerordentlich erschwert würde. Diese Linie erscheine daher aussichtslos. Hierauf wird auf Antrag Gutfleisch die Sache vertagt. - ®er Antrag des Abg. Westernacher, den letzten von Gleyen nach Stockheim abgehenden Zug auch nach Büdingen fahren zu lassen, wird als erledigt erklärt, weil für den nächsten Sommerfahrplan die Forr- fuhrung des Zuges 19 der Strecke Gießen Gelnhausen bis nach Büdingen ins Auge gefaßt ist. — Für die bessere I Ausrüstung der Oberhessifchen Eisenbahnen und Bau einer R'p°r°tur-Werkstätte auf dem Bahnhof Gießen werden 586 000 Mk. gefordert. Der Ausschuß beantragt Genehmigung des angeforderten Betrags. Hierbei fragt der Abg. Schröder dte Großh. Regierung, wie weit die Verstaatlichung der | Hexischen Ludwigsbahn gediehen sei, und in welchem Stadium dte Verhandlungen mit Preußen wegen der Ltnie I Stockheim-Frankfurt sich befänden. Finanzminister Weber erklärt, daß die Verhandlungen wegen der Heffifchen Ludwigs- bahtt sich tu erfreulichem Fortgang befänden, und daß auch dte Bahn Frankfurt-Siockheirn zur Ausführung gelange. An I dem guten Willen der preußischen Regierung zweifle er keinen I Augenblick, die Vermesfuttgsarbeiten würden nur etwas lau betrieben. Bei der erfolgten Abstimmung wird die angeforderte Summe genehmigt. — Ferner werden für Herstellung einer Ladestraße am Rheinufer bei Nierstein 44000 Mk genehmigt. — Lebhafte Debatte erregt die Forderung Großh Regierung von 52000 Mk. für Verbesserung der Bade-Einrichtungen im Bade zu Salzhausen Gegen die Bewilligung sprachen die Abgg. Jöckel, Osann für dieselben die Abgg. Erck, Graf Oriola, Westernacher, Schröder. Finanzminister Weber tritt für die Forderung mit aller Entschiedenheit ein, welche schließlich mit 21 gegen 15 Stimmen Annahme findet. nn Darmstadt. 24. Mai. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer der hessischen Stände hat den Antrag der Großh. Regierung zur Vollendung der im Bau begriffenen Zellenstrafanstalt zu Butzbach außer den bereits bewilligten 1 100000 Mk. weitere 225 000 Mk. zu bewilligen unter ber Bedingung genehmigt, daß das zur Ausführung genehmigte Bade- und Waschhaus wegsällt, und daß die zur Deckung der Bausumme erforderlichen Mittel auf dem Wege des Staatseredits flüssig gemacht werden. Zu diesem ^weck soll etne 3'/,«/, Anleihe ausgenommen werden und die Tilgung der aufzunehmendei, Schuldcapitalien in der Art erfolgen, daß die jeweilig durch den Hauptvoranschlaq dazu bestimmt werdenden Mittel zum Ankauf einer Anzahl Schuldverschreibungen verwendet werden, sowie daß dem Staat das Recht zusteht, die ausgegebenen Schuldverschreibungen auch zur Einlösung mittelst Baarzahlung des Capitalbetrags ,u kündigen, ohne daß den Inhabern ein Kündigungsrecht zusteht. Darmstadt, 23. Mai. Der am Ballonplatz wohnende Friseur Moses wurde am Samstag Abend in Untersuchung^ | Juftizpienft. Durch Entschließung Großherzoglichen I Ministeriums des Innern und der Justiz vom 20. Mai l. I. I Wurden beauftragt: 1) der Großh. Amtsrichter Dornseifs I in Alsfeld mit Aushilfeleistung bei dem Landgericht der Pro- I Oberhesfen, 2) der Großh. Gerichtsasseffor Fritz in I ®Öfelb mit Aushilfeleistung bei dem Amtsgericht Alsfeld, I 3) der Großh. Gerichtsasseffor Neuenhagen in Gießen | mit der Stellvertretung des Amtsanwalts ‘ bei den Amts- I gerichten Alsfeld, Grünberg, Homberg und Laubach. I 7" Schön Wetter auf Pfingsten prophezeit Prof. Rudolf I Falb. Einem Interviewer aus Charlottenburg gegenüber I sagte er wörtlich über die Witterung zu Pfingsten: „Für Pfingsten liegen keine Erdstrümungen vor. Wenn man auch I bas Wetter im Allgemeinen nur vierzehn Tage vorher be- I stimmen Fann, so scheint es doch, daß das Wetter an den Feiertagen dieses Mal sehr gut sein wird." Und in einem Witterungsbericht schreibt Falb: „Um den 2. Juni erwarten mir den äquatorialen Rückschlag, so daß die Pfingstseiertage gerade mit der Wetterwende zum Besseren zufammenireffen dürsten, für den Fall, daß starke und ausgebreitete Gewitter an den vorausgehenden Tagen stattfinden." Obb-Nihofeu (Kreis Gießen), 21. Mai. Am 18. d. M. feierte der Solmser Zweigverein der Gustav- I Adolf-Stiftung fein Jahresfest in unserem Orte. Daß man in der Wahl des Festortes einen glücklichen Griff gethan hatte, bewies sowohl der finnige Schmuck, den das Dorf angelegt hatte, als auch die sehr zahlreiche Betheiligung Seitens der Gemeinde und von auswärts. Im Vormittagsgottes- dienste versah der Pfarrer König von Bellersheim den reich ausgestatteten Aliardienst. Nach dem Gesang von „Ein' feste Burg" hielt Herr Pfarrer Nies von Melbach die Predigt auf Grund von Jes. 49, 13-17. Den Rechenschaftsbericht erstattete Herr Pfarrer Draudt von Wohnbach. Im Nachmittagsgottesdienst predigte Herr Stiftspsarrer Lic. theol. (Sretner von Lich. Nach dem zweiten Gottesdienste fand eine I Nachversammlung im Saale des Gastwirths Lingner statt. Die Collecte im Betrage von 66.87 Mk. wurde vorn Kirchen- I öorftanb für die Gerneinbe Hirschhorn als Beitrag zum Kirchen- I bau bafelbft bestimmt. $ I □ «u8 bem Vogelsberg, 23. Mai. Die bekannten drei Eisheiligen haben uns zwar die gefürchteten Kälterückfälle des Mai nicht gebracht, aber dessen ungeachtet sind sie doch auch nicht ausgeblieben. So herrschte während der ganzen I Bongen Woche eine recht kalte Witterung - nur erreichte die Temperaturerniedrigung nicht die Tiefe wie in früheren Jahrgängen, so daß die Vegetation nur in ihrem Wachsthurn gehemmt, nicht aber selbst befajäbigt wurde, wie man besürch- I tete. Der Regen hat sich zur höchsten Zeit eingestellt, sollten anders nicht wieder die guten Aussichten für dieses Jahr I ®tnbu6e erleiden. Durch die anhaltende trockene Witterung I fonnte die Sommersaat nicht aufgehen, Hafer und Gerste lagen wochenlang im Boden, und man sah kein grünes Hälrn- I lein sprießen. Auch blieb das Grünfutter ans, und schon I langst waren die Futtervorräthe in den Scheuern auf ein herabgesunken. Noch heute kann der Landmann j !"en ?J-ee h°len, in guten Frühjahren hat er nicht selten foldjen schon zu Ende April füttern können. Der Grasbestand ist denn auch licht geblieben und es steht unzweifelhaft fest, daß die dieSiahrige Heuernte an Quantität die vorjährige mcht^erreicht. Der Regen hat indessen vieles gut gemacht - bie sommeriaat geht jetzt prächtig im Wachsthurn vor. Für > — ßntennnngen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 21. Mai den Steuercommissariatsassistenten bei dem Steuercommissariat Darmstadt Dr. Gustav Metzler zum Steuercommiffär des ^teuercommissariats Fürth, — den Steuerassessor Heinrich Dieterich aus Alzey zum Steuercommissariatsassistenten bei dem iDteuercommlsfarial Darmstadt, — öic Steuerassessoren Karl Kritzler aus Michelstadt, Adolf Weissenbruch aus Darmstadt, Jacob Steinhäuser aus Butzbach und Karl j Schneider aus Wieseck zu Steuercontroleuren — sämmtlich I mit Wirkung vom 1. Juni d. I. — ernennen. 1 J?nl,Cr bcm Aequator, auf einsamen Inseln wie hn i einaeladen groben Reich der Mitte. Die Mission richtet ihres Herrn 1 Friedensbotschaft an die Völker aus und in ihrem Gefolge zieht christliche Gesittung ein, die den ungeselligen Wilden zähmt und bildet und die Wüstenei in Culturland verwandelt. Und auch aus ihrem Werk ruhen Segenshände aus der Höhe. In die Weite richtet Himmelfahrt unsere Blicke: